Fischerei Insel Usedom

Aus Ortschroniken
Wechseln zu: Navigation, Suche

Blüsen eine frührer Art zu fischen

Hermann Heinz Wille schrieb 1953 in dem Buch „Die Insel Usedom“, welches mit Zeichnungen von Otto Manigk versehen ist:

„.... in Zempin traf ich im Vorjahr den 83-jährigen Fischer Julius Walter, besuchte ihn in seinem Häuschen, dort, wo die ältesten Häuser des Dorfes stehen. Viel sprach er auch dieses Mal nicht, aber ich merkte, dass in ihm noch ein großes Stück Vergangenheit lebendig war. Während wir draußen vor dem Hause saßen und der Blick des Alten nachdenklich über das Achterwasser strich, begann sich seine Zunge zu lösen und die weite Wasserfläche vor uns belebte sich unter seinen Worten auf merkwürdige Weise. Nun endlich erzählte Julius Walter von den „ollen Tiden“ als er und seinesgleichen beim Schein des Kienfeuers, das im Vorderteil des Bootes loderte, mit den langen Fischspeeren die geblendeten Fische stachen. Ein Boot lag dicht neben dem anderen - ein Bild, das südlicheren Breiten zu entstammen schien.

Lautlos glitt von Zinnowitz her eine Lichterkette übers Wasser, dann noch eine zweite. Doch es waren nicht die Boote der Zempiner, die zum „Blüsen“ ausliefen, sondern lampiongeschmückte Motorschiffe mit lachenden Menschen an Bord... “ Vor einigen Jahren fragte ich jüngere Fischer, ob sie schon von dieser Fangart, dem Blüsen gehört hätten, und ob sie mir diese näher beschreiben könnten. Sie antworteten mir, dass das nicht sein kann. Wer weiß, was dies für Märchen seien. Dass es solche Art der Fischerei gibt, war vorstellbar, aber auf dem Achterwasser?

Nun fand ich das Buch „Das Seebad Coserow auf Usedom“ von C.H.F. Koch verlegt im Jahre 1867. Über diesen Pädagogen und Heimatschriftsteller hat Dr. Franz Jeschek im Amtsspiegel Nr. 1 und 2 des Jahre 1996 berichtet.

Das Buch enthielt eine genauere Beschreibung des Blüsens, aber auch den Hinweis, dass es schon zu dieser Zeit eine verbotene Fangart war. Carl Koch schrieb es bereits 1864 (lt. Vorwort) und er beschreibt diese Fangart:

„.... Die interessanteste Sportfischerei aber ist wohl das Blüsen, wobei die Fische in der Nacht durch Flammenschein hereingelockt und dann geblendet mit Speeren getödtet werden. Auf eisernen, am Vordersteven der Boote angebrachten Rosten wird das Feuer unterhalten und gewährt in stillen Sommernächten ein herrliches Bild auf den Gewässern des Rycks, des Achterwassers und des Kölpinsees, wo ungeachtet des polizeilichen Verbots doch noch hin und wieder geblüset wird. Der stille ruhige Wasserspiegel, der flackernde Feuerschein, das rohrumkränzte Ufer, die dunklen Waldungen im Hintergrunde, welche um so schwärzer erscheinen, als die Flammen nur die unmittelbar nahen Gegenstände grell beleuchten, die wildaussehenden Gestalten, welche die knisternde Gluth umstehen mit ihren riesengroßen gespenstigen Schlagschatten auf der beleuchteten rothgoldig glitzernden Wasserfluth, das alles gibt der nächtlichen Scene etwas ungemein Malerisches. Die Fische, welche durch den magischen Lichtschein der helllodernden Brände angelockt werden, haben für die unzeitige Neugier mit dem kalten Tode zu büßen, der sie von der kräftig gezielten Stoßlanze des lauernden Feindes trifft.....“

In dem Buch „Pommersche Wassersagen“ von A. Haas aus dem Jahr 1923 werden sagenhafte Lichtererscheinungen aufgeführt, die im Zusammenhang mit der Fischerei stehen.

So steht geschrieben: Blüsen heißt - ein qualmendes Feuer unterhalten. Bluse-Torm hieß früher ein Leuchtturm, der zur Erleichterung der Schifffahrt in Wiek bei Greifswald errichtet war.

„Aale blüsen“ bezeichnet eine besondere Art, Aale zur Nachtzeit zu fangen mittels eines auf dem Hinterteil des Fischerbootes unterhaltenes Feuers, dessen Schein die Aale anlockt.

Solche Lichtererscheinungen nennt man an der Ostseeküste die Blüse, den Blüser, den Wilden Blüsner oder der Blindblüser. So soll an der Mönchguter Küste Rügens bei stürmischer Witterung der Wilde Blüsner beobachtet worden sein, der von seiner eigenen Mutter verwünscht worden sein soll, da er Tag und Nacht auf Aalblüsen ging und seine Wirtschaft vernachlässigte. In Wustrow erscheint der ewige Blüser, es soll ein Fischer sein, der an einem Karfreitag zum Aalblüsen ausgefahren sei und zur Strafe dafür ewig blüsen muss. Bis jetzt konnte ich keine Zeichnung oder Foto erhalten, um etwas über die Größe des angebrachten eisernen Korbes zu erfahren. Der Zempiner Fischer Konrad Tiefert wusste auch nur, dass diese Art der Fischerei verboten war. Er hat solche Fischerei nicht erlebt.

Fischerei mit dem Wintergarn

Die Fische sind gesunder Bestandteil der Nahrung des Menschen. Die Besiedlung einer Insel ist auch immer mit der Möglichkeit der Fischerei verbunden.

Gefischt wird zu jeder Jahreszeit. Robert Burkhardt beschreibt in seiner Chronik der Insel Usedom, die sich auf viele Originaldokumente stützt, eine Schlittenfahrt von Stettin übers Haff, Peene und Achterwasser nach Wolgast aus dem Jahre 1600. Man erkennt, welchen Fischreichtum damals diese Gewässer bargen.

Stolz sagte der Herzog zu seinem Schwager, dem Kurfürsten von Brandenburg: „Gelt Vetter, das eine Pommern ist mehr wert als 10 Marken, und will ich´s heut noch Ew. Liebden zeigen, dass mein Land mitten im Winter ergiebiger ist als Euer Land mitten im Herbst.“ Einen Schulzen aus Ziegenort (am Stettiner Haff) fragte dann der Herzog: „ Wat hebbet Ji?“ „Wi hebben Bleye.“ „Schümert Ji?“ (scheffelt es) „Ja wat wullen wi nicht. De Mäters (Die Säcke am Ende des Netzes) sind drög vull, wie hebben 70 Schümers. Ji könnet Ju eenen Schümer to Nachtkost mitnehmen.“ (Ein Schümer = 12 Scheffel, ca. 10 Tonnen, Der Begriff Schümer ist heute die Bezeichnung für einen Kescher)

Beim Achterwasser rief der Herzog: „Lieber Schwager, nun kommt mein zweites Vorratskämmerlein!“ Worauf man auch wieder Garn (Netz) an Garn liegen sah. Und man hat allda mehr Fischwerk wie auf der ganzen Reise gesehen und viel Volk, so aus der ganzen Insel zusammengelaufen.

In der schwedischen Landesaufnahme von Vorpommern für die Insel Usedom von 1692 - 1709 notierten die schwedischen Vermesser: Wintergarn ist die vornehmste Fischerei und hat ihren Namen daher, dass man diese nur in der Winterzeit, wenn das Eis stark ist, pflegt. Dieses Wintergarn ist doch ziemlich groß. Weil jetzt dieses Wintergarn so groß ist, werden für jedes 8 Personen benötigt, wenn es gezogen und gebraucht wird. Weil einer es nicht vermag, eines zu halten (besitzen), deswegen wird das Wintergarn auch in 8 Teile geteilt, so dass die Einwohner hier im Ort nach ihrer Lage und Vermögen am Wintergarn mit jedem anderen teilhaftig sind, entweder zu 1/8, 1/4 oder zu 1/2 Teil.

Sonst haben die Insel Gormis (Görmitz) und Freileute in Netzelkow ein Wintergarn zusammen, so dass es hier auf dem Gnetzerland (Gnitz) drei ganze Wintergarne gibt. Aber hier am Ort auf der Üsedomer Seite sind zusammen 11 Wintergarne, wie mir gesagt wurde, mit welchen hier in der Peen, im Acterwatter und in der Wyck gefischt wird, denn auf der anderen Seite im Wolgaster District sind keine.

Das Wintergarn kann über den Tag nur einmal gezogen werden und der Kieper (Fischmeister) ist in der Zeit immer mit 4 Leuten zugegen und überwacht, wenn das Garn gezogen wird, welche sofort alle Fische an die Leute des Ortes verkaufen, die auch in großen Mengen dorthin kommen. Und der 3. Teil des Geldes wird für die Krone als Pacht gehalten. Und die zwei anderen Drittel werden an die Interessenten (Besitzer) des Wintergarnes gegeben. Und so fällt immer der dritte Teil der Krone zu.

Die Netzwurfstellen haben Namen. An der äußersten Spitze vom Gnitzer Land, genannt Witterberg ist 1. Malyn (Mellesee), 2. Grotsten (Großer Stein), 3. Foßberg, 4. Penagkuse, 5. Flederberg (Fliederberg), 6. Howedün (Hohe Düne). Die in der Peen gezogen werden, werden Stromzüge genannt. (Peenestrom)

Bei der Beschreibung der Orte Loddin und Ückeritz ist vermerkt, dass jeder Ort ein Wintergarn hat und jeder dritte Fisch an das Amt Pudagla geht.

1769 im Februar war ein besonders großer Fang mit dem Wintergarn, den mehrere Chronisten beschreiben. So Carl Heller in der Chronik der Stadt Wolgast im Jahre 1832, wobei dieser noch Zeitzeugen befragen konnte. Wilhelm Meinhold beschreibt im Jahre 1837 diesen Fang in seinen Humoristischen Reisebildern der Insel Usedom und Hermann Heinz Wille beschreibt 1983 diesen Vorgang.

Carl Heller schreibt: Der Fischfang war so bedeutend und selten, dass der damalige Besitzer des Gnitzes, der Obrist-Wachtmeister von Lepel auf Neuendorf auf einen nahe dem Wasser liegenden Stein (genannt: Der Riecke Stein), von einem Schweden, dem Tischler Eroberg in Seckeritz, nachfolgende Inschrift in Stein hauen ließ. Dieser Stein, der ungefähr 6 Fuß über der Erde hervorragt und eine Breite von 5 Fuß hat, hat die Inschrift auf der platten nach dem Wasser hin gekehrten Seite.

Die Inschrift wurde verschieden notiert. Sie ist sehr verwittert, aber nach eingehender Untersuchung ist heute noch zu lesen:

GOTT ZU EHREN

ZU FEB 1769

IST BEY DIESEN GROSEN STEIN 76

BEY DEN FOSBERG 42

BEY DER MALISEN 27 SCHYMER BLEY

IN EINER STUNDE GEFANGEN

DER SCHYMER VOR 15 REIX VORKOFT

WORDEN GOTT GEBE VERNER

SEINEN SEGEN

JOA FRED VON LEPEL

KÖ. PR MAJOR


Das Wintergarn wurde aus Flachs selbst hergestellt. So besaßen auch Bauern ein Teil des Garnes. Nachdem der Faden gesponnen war, wurden die Netze „gestrickt“. Mit selbstgefertigten Netznadeln aus Holz, Kleische genannt, wurden die Maschen geknotet. Das gesamte Netz wurde wie eine Ringwade unter dem Eis gezogen. So war jeder Flügel etwa 1000 Meter lang und das Netz hatte eine Tiefe von 5 – 6 Meter. In der größten Entfernung wurden die zwei Flügel etwa 300 Meter auseinander in eine Richtung gezogen.

Die Mannschaft, die zu einem Wintergarn gehörte, entsprechend des Besitzes des Garnes, ernannte den erfahrensten Fischer als Garnmeister. Dieser prüfte die Qualität des Eises, legte den Ort fest, wo der Zug durchgeführt werden sollte und nannte dann den Termin, an welchem Tag gezogen wird.

Schon am Vortag begannen die Vorbereitungen unter Anteilnahme vieler Bewohner. Die großen Löcher für den Eingang und den Ausgang wurden geschlagen. Die Löcher wurden mit Strohbündel markiert. Die Schlitten, hochbeladen mit den Teilen des Netzes, wurden bereitgestellt und über Kopf in das Einlassloch über Nacht gelegt, damit das Netz nicht über Nacht zusammenfriert. Am nächsten Tag wurden die Schlitten ohne Netze herausgeholt. Kleine Löcher wurden in Abständen ins Eis gehauen. Von Loch zu Loch wurde eine lange Stange, an die ein Tau befestigt war, unterm Eis gezogen. An dem Tau wurde dann das Netz an der oberen Kante (Obersimm) nachgezogen. Die Schlitten wurden mit Winden bestückt, in entsprechender Entfernung mit Holzankern gesichert, in Stellung gebracht. Die schwere Arbeit des Tauziehens wurde durch die Winden erleichtert. Das Netz wurde am Fangtag Stück für Stück unter das Eis gezogen, das nächste Achtel angestückt usw. bis es aus dem Eisloch am Ende der Strecke wieder herausgezogen wurde. Kam der Sack in Sicht, wurden die Fische ausgekeschert und aufs Eis geworfen. Aber auch hier passte erst der Fischmeister auf, wie viel gefangen wurde. Wilhelm Meinhold beschreibt das Volksfest, was bei einem größeren Fang die Menschen erfasste. Auch das Vorgehen der „Napper“ (Fischdiebe) und die Freude der Fänger werden beschrieben.

Eine Besonderheit hatte sich im Fischerdorf Zempin auf Usedom erhalten. Es gab fünf Mannschaften – (Besitzer eines Wintergarnes) – mit unterschiedlichen Anteilen. Jede Mannschaft wurde nach einem Tier benannt. So gab es die Mannschaften Hahn, Ziege, Schaf, Schwein und Esel. Solche Bezeichnungen weisen auf lange Traditionen hin, die eventuell noch aus der Slawenzeit stammen könnten und eine große Verbundenheit zur Natur bezeugen.

Wenn auch nicht solch großer Fang wie 1769, aber trotzdem einen recht bedeutenden, hatten die Zempiner Fischer am 6. Januar 1900 auf dem Achterwasser. Der Fang mit dem Garn „Hahn“ brachte an einem Tag 550 Zentner meist Bleie (Brachsen). In den ersten Tagen erhielten die Fischer 20 in den letzten Tagen 18 Mark. pro Zentner bezahlt (Wolgaster Anzeiger vom 22. Januar 1900). Die Enkel wissen noch von den Erzählungen, wie die ganze Familie staunte, als die „Goldfüchse“, wie die 20 Mark Stücke damals genannt wurden, auf dem Tisch, der sonst armen Einwohner, geklimpert haben. Aus Dankbarkeit stifteten die Zempiner Fischer ihrer Kirche in Koserow einen prachtvollen Kronleuchter, der heute noch im Eingangsbereich der Kirche hängt.

Auf dem Achterwasser wurde bis ca. 1960 mit dem Wintergarn gefischt. Diese Netze wurden wegen des enormen Platzbedarfes in den Tanzsälen zurechtgemacht und geflickt. Die Vorbereitungen zu dieser Art des Fischens waren doch recht mühsam, aber auch sehr gesellig. Nun begannen bereits die Baumwollnetze, später die Kunststoffnetze, die traditionellen Netze ins Abseits zu drängen. Durch den Baumwollimport wurde immer weniger Flachs angebaut und verarbeitet. Die alten Bestände verfaulten in den Schuppen. Um Platz zu schaffen für anderes Gerät, wurden die Reste der alten Flachsnetze verbrannt. Die Aufzeichnung des letzten Garnfischers, Konrad Tiefert, nennt 29 Stellen im Achterwasser, wo ein Zug mit dem Wintergarn begonnen werden konnte.

Noch heute wird auf bzw. unter dem Eis gefischt. Jedoch fischt jeder für sich allein und stellt nur kleine Netze unter das Eis. Mit moderner Technik ist die Arbeit leichter geworden und die vereinte Hilfe der Gemeinschaft wird nicht mehr benötigt. Eine Tradition, die über Jahrhunderte das winterliche Dorfleben bereicherte, ist Vergangenheit.

Literatur: Usedom-Wolliner Heft Nr. 13, Das Wintergarn im Achterwasser, Hilde Stockmann, ISBN 3-937040-19-6 Verlag Störr

Salzhütten

In Zempin stehen an der Ostsee, am Fischerstrand, kleine fensterlose windschiefe Hütten, aneinandergereiht, mit Rohr gedeckt und schon am Zerfallen. Einige der Hütten sind als Fachwerk errichtet und mit Lehm ausgefüllt. An einer Hütte kann man noch die Jahreszahl 1882 erkennen, die im Lehm eingekratzt wurde. Andere wurden später nur aus Holz errichtet.

Obwohl heute nur noch Arbeitsmaterialien der Fischer, hauptsächlich Netze, in ihnen aufbewahrt werden, nennt man sie Salzhütten. Wie kommt es zu diesem Namen?

In den Jahren 1815 bis 1845 kamen riesige Heringsschwärme an die Küste der Insel Usedom zum Laichen (Februar bis Mai). Die Städte hatten sich durch die Industrialisierung erweitert und die Menschen mussten ernährt werden. Die Möglichkeit, den Hering einzusalzen, in Holzfässern zu transportieren und aufzubewahren, erkannte der Staat und unterstützte das Einsalzen durch Abgabe von steuerfreiem Steinsalz.

Das Salz, auch ausländisches, kam per Schiff über Stettin, Swinemünde oder aus Lüneburg über die Salzstraße zur Insel Usedom. Die Zollverwaltung kontrollierte die Abgabe, und jeder Fischer hatte seine Einkäufe in ein Salzbuch beim Kaufmann in Swinemünde einzutragen. Das Salz durfte nicht für andere Zwecke verwendet werden. 1822 wurde die „Swinemünder Brakanstalt“ als staatliche Aufsicht gegründet. Diese war bis 1895 tätig. Der Heringsfang war dann nicht mehr ergiebig. Das Wort braken oder wraken bedeutet beschauen. Die Angestellten der Brakanstalt begutachteten die in Holzfässer in Salz gepackten Heringe, schlossen die Fässer und stempelten diese.

In Zempin, am Ende des Möwenweges in Richtung Koserow, wurden die ersten Hütten für das Einschließen von Salz gebaut. Der damalige Weg der Fischer zu ihren Booten ging vom Achterwasser über die Fischerstraße, den Dünensteig und dann quer über den heute bebauten Platz der Seestraße bis zum Ende des Möwenweges. Auf alten Karten ist dieser Weg als öffentlicher Weg ausgewiesen.

Aber warum finden wir dann 1882 neue Hütten an der heutigen Stelle? Die verheerenden Sturmfluten 1872 und 1874 hatten die ersten Salzhütten verschlungen. Viele Boote waren zerschlagen, die Küste sah furchtbar aus. An der neuen Stelle war es zu dieser Zeit einfacher, mit den Booten ins Wasser zu kommen. Doch die Küste wurde und wird weiter abgetragen. Auf der Postkarte von 1915 sehen wir eine lange Reihe von Salzhütten in Zempin. Doch heute stehen nur noch die, die am weitesten vom Wasser entfernt standen, die restlichen hat das Meer sich geholt. Man rechnet an unserer Küste durchschnittlich mit einem Verlust an Land von 90 cm pro Jahr. Die Hütten sind Eigentum der Fischer, das Land auf dem sie stehen gehört ihnen nicht. Eigentümer dafür war die staatliche Forstwirtschaft und nach der Wende wurde die Gemeinde Eigentümer.


Missenhals

„ . auf der Küste von Usedom bei einem Orte names Missenhals, wo eine Waldstelle in der Berggegend der Pudaglaschen Forst noch jetzt im Munde des Volks mit der Benennung: „Hünen-Schloss“ bezeichnet wird, ohne dass sich Trümmer oder sonstige Anzeichen einer ehemaligen Burg vorfinden.“ aus Heimatblätter Auf einer Karte von 1867 im Heft Coserow von Koch als Heringspackerei eingezeichnet. Erklärung Salzhütten Koserow: „ Salzhütten befanden sich . . in Missenhals (Selliner Bootstelle) zwischen Ückeritz und Bansin.

Hering und seine Namen bei der Verarbeitung

(lat. Clupea harengus)

Heringsfischer mit Körben

Im Frühjahr zur Laichzeit kommt der Hering in den Greifswalder Bodden und dann wandert er östlich entlang der Usedomer Küste. Auch im Herbst sind noch kleine Konzentrationen von Heringen zu verzeichnen. Heringe werden vor der Küste in Stellnetzen gefangen. Der Hering ist ein Planktonfresser, seine Feinde sind die Seevögel und im Wasser der Dorsch, die Makrele und andere Raubfische.

Wohlgenährte Heringe sind für den Menschen sehr gesund. Sie enthaltenkostbare Omega 3-Fettsäuren. Diese schützen Herz und Gefäße des Menschen, beugen Arterienverkalkung vor und wirken Cholesterin senkend.

Früher wurden die gefangenen Mengen an Heringen in WALL angegeben. 1 WALL = 80 Stück Heringe = ca. 5 – 8 kg 1 Tonne (Fass) hatte ca. 1500 Stück Salzheringe.


Grüner Hering

Fischwirtschafts- Genossenschaft

wird der Hering genannt, wenn er frisch aus dem Wasser kommt und keine weitere Verarbeitung erhalten hat.


Brathering kann man frisch aus der Pfanne zu Brat- oder Stampfkartoffeln essen, nachdem er ausgenommen ohne Kopf, gesalzen, in Mehl gewälzt und in heißem Öl gebraten wurde. Nach dem Braten wird er auch eingelegt in einer Marinade aus Wasser, Essig, Salz, Zucker, Zwiebel, Lorbeerblatt und Gewürzkörner. So ist er einige Zeit haltbar.

Salzheringe - Speck mit Oogen (Augen) sind Fettheringe, besonders im Herbst gefangen, die stark gesalzen sind und vor der Verarbeitung gewässert, ausgenommen und enthäutet werden müssen. Dann filetiert man die Heringe. Es gibt viele Zubereitungsarten, um schmackhafte Gerichte oder Brotbelag daraus zu fertigen.

So werden Salzheringe hergestellt: Das Konservieren mit Hilfe von Kochsalz ist möglich, weil die meisten Mikroorganismen bei höheren Salzkonzentrationen keine Lebens- und Vermehrungsmöglichkeiten haben. Zum Einsalzen gibt es zwei althergebrachte Methoden, einmal das „Einbetten“ der Lebensmittel in trockenes Salz und zum anderen das Einlegen in Salzlake (Salzlauge).

Die Heringe werden erst mit etwas Salz lose in einem Gefäß gemischt. Nach ein bis zwei Tagen werden die Heringe einzeln mit der Hand „abgestreift“, d.h. die Flüssigkeit und evtl. Blut wird vom Fisch entfernt. Danach wird er schichtweise in Fässer gelegt,
Etikett für Gläser
den Bauch nach oben und über jeder Lage reichlich trockenes Salz gestreut. Den Abschluss muss immer Salz bilden. Nach einer Reifezeit von ca. sechs Wochen im kühlen Raum, es muss ständig kontrolliert werden, ob die sich bildende Salzlake den Fisch vollständig bedecket, sonst muss sie ergänzt werden, ist der SALZHERING fertig.

Lachshering wird er genannt, wenn der Salzhering gewässert und dann geräuchert ist.

Matjes - filets sind ohne Haut und werden aus jungen Heringen, die noch nicht gelaicht haben hergestellt. Sie werden nur mild gesalzen, deshalb ist die Haltbarkeit begrenzt. Sie werden gern zu Salaten und ähnlichen Gerichten verarbeitet, wie der Salzhering. Der Name kommt aus dem Niederländischen und bedeutet Mägdleinshering. Er wurde nicht an der Usedomer Küste hergestellt.

Bückling wird der Hering genannt, wenn er im Ganzen warm geräuchert wurde. Er wird aber auch ausgenommen, ohne Kopf oder als geräuchertes Filet angeboten. Frischer Bückling sollte eine golden glänzende Haut und festes Fleisch haben. Seinen Namen bekam er durch den Erfinder, den Holländer Johann Böckel.

Räucherrollmöpse sind Heringsfilets oder Makrelenfilets, die mit Gewürzen gerollt, mit Holzstäbchen befestigt und geräuchert sind.

Heringsfilet mit Haut wird eingefroren angeboten oder es wird in Essig- Salzlake einige Zeit gelegt, um zu reifen (garen). Diese Filets werden dann weiterverarbeitet.

Marinierter Hering die garen Filets werden in einer Marinade aus Wasser, Essig, Salz, Zucker, Zwiebel, Lorbeerblatt und Gewürzkörner eingelegt. So werden Fischbrötchen damit belegt oder andere Gerichte daraus bereitet. Die garen Heringsfilets können auch in Sahne mit Gewürzen eingelegt sein.

Rollmöpse werden aus in Salz-Essigsud gegarten Heringsfilets gefertigt. Sie werden gefüllt mit Gewürzgurke, Zwiebel, Salz, Pfeffer- und Senfkörnern, gerollt und mit Holzstäbchen in Form gehalten und in Essigmarinade eingelegt.

Tafelhering wird er genannt, wenn er ausgenommen ohne Kopf und Gräte im Ganzen, aber mit Schwanz, wie Heringsfilets gegart und wie marinierter Hering eingelegt ist.

Bismarck-Hering Dieser Hering ist im Ganzen entgrätet und ohne Schwanz und Kopf in Essigmarinade. Er bekam seinen Namen nachdem ein Stralsunder Händler dem Reichskanzler ein Fässchen geschickt hatte und sich dieser bedankte. Daraufhin bat der Händler den Heringen seinen Namen zu geben und Otto von Bismarck soll eingewilligt haben.

Delikateßhering wurde der Bismarck-Hering in der DDR genannt, da der Reichsgründer als „reaktionär“ galt.


Der Hering

vom Maler Hugo Scheele, der von 1921 bis zu seinem Tode 1960 in Zempin gelebt hat. Das Titelbild ist ein Motiv des Malers.

Der Hering ist, so steht´s im Brehm,

Ein Fisch, dem Gaumen angenehm.

Der lebt in Nord- und Ostsee tief

In Scharen, das heißt kollektiv,

Bringt ihn der Fischer tot an Land,

So wird der Hering grün genannt,

Als Matjes wird er hoch verehrt,

Wenn seine Unschuld unversehrt;

Schwimmt er in einer scharfen Soße,

So nennt man mariniert die Chose. –

Doch der, der in den Rauchfang kam,

Verändert plötzlich Art und Nam´,

Der Hering geht ins Räucherhaus,

Als Bückling kommt er wieder raus.

Denn dieses Tier ist anonym

Lebt unter einem Pseudonym.

So populär er ist an Land,

Mir scheint er riesig int´ressant.

Schon das macht ihn bei mir beliebt,

Daß er die Auster einst geliebt. –

Zuletzt hört ich vom Hering sagen,

Daß er die Kater soll verjagen.

Die Entwicklung der Aalfischerei

Aalangelei über die Jahrhunderte in Zempin vom Fischer Konrad Tiefert (1919 – 2009) – aufgeschrieben 1999

Der Aalfang hat immer einen besonderen Platz in der Fischerei in Zempin eingenommen. Ein sehr beliebter Speisefisch, der sich auf vielerlei Art zubereiten lässt. Vor allem wird er viel geräuchert. (Siehe Heft Nr. 4, S. 27) So begehrt und beliebt der Aal als Nahrungsmittel auch ist, so schwierig war und ist er jedoch zu fangen.

Der Mensch hat sich da schon etwas einfallen lassen. Wenn man mal zurück schaut ins vorige Jahrhundert, so sieht man, wie sich die Fangmethoden und Möglichkeiten weiterentwickelt haben. Gefangen wurde der Aal mit GROSSREUSEN (Kumm) um Rügen, im Bodden und bei Hiddensee, mit AALKÖRBEN im Peenestrom und den Nebengewässern, mit BÜGELREUSEN mit einer Eingangshöhe bis zu zwei Meter im Peenestrom und im Achterwasser und mit GRUNDANGELSCHNÜREN vor der Küste Usedoms, im Achterwasser und im Peenestrom.

Einige Fangarten wurden von der Fischereiaufsicht durch Gesetz verboten, da viele kleine Aale tödlich verletzt wurden. Zum Beispiel das Aalstechen und auch das Aalsegeln Dabei wurden die eisernen Fangeräte vom stehenden oder langsam fahrenden Boot mit der Hand geführt. In Zempin und in den Nachbarorten wurde der Fang mit Bügelreuse und Grundangel durchgeführt. Für den Einsatz dieser Geräte musste und muss man im Achterwasser und Peenestrom an den Staat Pacht zahlen, auch wurde die Menge der einzusetzenden Geräte begrenzt, der Fang in der See war frei. Die Aalangelei mit den Langschnüren (Grundangelschnüren) ist sehr schwierig und mit vielen Arbeitsstunden verbunden.

Im vorigen Jahrhundert gab es nur Hanfschüre und unverzinkte Angeln (Haken). Nach jedem Fangeinsatz musste die Schnur mit den Angeln getrocknet und gebürstet werden. Dazu wurden die Angeln in einen sogenannten Klammstock gehakt, wo man Schnur und Haken getrennt einhaken konnte. Nach dem Trocknen wurde sie wieder in Kästen, den sogenannten Mollen umgesetzt, klar zu neuem Einsatz. Es mussten alle Hände der Familie tätig sein, um diese Aalangeln zum Auslegen wieder klar zu machen. Zum Auslegen wurden kleine, nicht sehr breite Boote, die sogenannten Heuer verwendet. Die Besatzung mit meistens drei Mann. Einer musste rudern und die anderen den Köderfisch aufhaken. Diese Boote waren mit Segel, Fock (Vorsegel) und Riemen zum Rudern bei Windstille ausgerüstet. (Siehe Heft Nr. 2, S. 26)

Als Köderfisch wurde im Achterwasser vor allem Gründling, Ükelei auch Laich genannt, Stint, Kaulbarsch und ab und an kleiner Plötz verwendet. Diese genannten Fische gab es damals in großen Mengen und sie wurden mit besonders gefertigten Zeesen, den Grieps, gefangen. In der See und in den Küstengewässern wurde als Köderfisch Tobs, ein kleiner Sandfisch, auch Krabben und kleiner Hering verwendet. Der Köderfisch Tobs (Tobias) trat ebenfalls in Mengen auf und wurde anfangs mit einem Sackgeschirr mit Zugleinen über die Sandbänke ran an Land gezogen. Er wurde auch zeitweise in Kästen gehältert. Als Köder wurden auch Tauwürmer (Regenwürmer 9-30 cm lang) verwendet, die nachts bei Laternenschein im Garten oder auf feuchten Wiesen gesammelt wurden. Wie schon gesagt, wurden zum Auslegen der Langschnüre die sogenannten Heuer verwendet, da größere Boote schwerer zu rudern waren. Bei günstigem Wetter wurde die Angel auch ausgesegelt. Übernachtet wurde oft im Boot, wobei das Segel als Regenschutz diente. War man in der Nähe der Insel Greifswalder Oie wurde dort übernachtet. Später gab es dort durch eine Stiftung ein Seemannsheim. Rund um die Greifswalder Oie waren beliebte Fangstellen, wo gute Ergebnisse erzielt wurden. (Siehe Heft Nr. 3, S. 21) Der Fang wurde von den Fischhändlern aufgekauft und weiter verkauft, auch an die Räuchereien. Der allmählich anlaufende Bäderverkehr um die Jahrhundertwende wirkte sich da vorteilhaft aus. Die Aalangelei wurde immer nur von einem Teil der Fischer von Zempin ausgeübt. Nach dem ersten Weltkrieg kamen die Kleinmotoren (Benzin 5-6 PS) auf. Man war nun beweglicher, eine Erleichterung für die Fischer. Leider liefen diese Motoren nicht langsam und hatten keine Kupplung. Erst die Dieselmotoren brachten da eine Wende. Die Boote konnten nun breiter sein und etwas größer, denn die Grundschnüre brauchten nun nicht mehr ausgerudert werden. Auch das Einholen konnte mit dem Motor erfolgen. Die Schnüre wurden allmählich von Flachs auf Baumwolle umgerüstet und mit verzinkten Angeln (Haken). Das Material konnte man bei den Seilereien in den Hafenstädten Wolgast und Swinemünde kaufen. Doch auch die Baumwollschnüre mussten - wie vorher - getrocknet und imprägniert werden. Viele verschiedene Imprägnierungsmittel wurden ausprobiert. Durch die große Beweglichkeit konnte das Fanggebiet erheblich erweitert werden und damit erhöhten sich die Fänge. Der Verdienst im Sommer wurde besser und manche Schulden vom Winter konnten beglichen werden. Sorgen machte nun aber oft der Köderfisch Tobias, Tobs genannt, den es bei ungünstiger Wetterlage nicht mehr so reichlich gab. In den Herbstmonaten gab es auf den Grundangeln mit Tobsbestich nicht nur Aal, sondern oft auch erhebliche Mengen (150 kg und mehr), an Zander und Dorsch der ebenfalls gut im Preis stand.

Als Beifisch auf den Grundangeln gab es auch Hornfisch, Barsch, Flundern, Dorsch und Steinbutt, manchmal auch Hecht. Im ersten Weltkrieg konnte der Fang nicht so intensiv durchgeführt werden. Danach war die Not groß, die Nachfrage nach Fisch stieg. Es kam zur Zwangsablieferung in allen Fischarten, auch im Aalfang. Ein neues Angelboot kostete in den 30iger Jahre ca. 6000 Mark. Dazu kam dann noch der Dieselmotor. Der Brennstoff war zu dieser Zeit sehr niedrig im Preis. Im Achterwaser wurden ebenfalls Grundangeln ausgelegt. Während der Schonzeit von Barsch und Blei konnte die sogenannte „Schonzeitangeln“ gepachtet werden. Eine Vergünstigung vom Staat. War die Zeit um, musste man, wenn man im Achterwasser bleiben wollte, volle Jahrespacht zahlen oder man musste zum Strand wechseln. Die meisten Aalfischer von Zempin fuhren dann durch den Peenestrom über Wolgast zum Strand von Zempin. Die Reusenfischerei mit Bügelreusen hatte in Zempin keine Bedeutung. Erst nach dem zweiten Weltkrieg wurde sie von einigen Fischern durch die damalige F.W.G. (Fischwirtschaftsgenossenschaft 1), die von den Fischern gegründet war, mit Versuchsreusen aus Perlon (Nylon) vom Staat gefördert, neu aufgebaut. (Siehe Heft Nr. 2, S. 30)

Für die Aalangelei im Strand kam nun eine Umstellung von Baumwollschnüren auf Perlon. Eine Arbeitserleichterung für die Fischer, denn nun brauchten die Schnüre nicht mehr getrocknet werden, sonder wurden gleich umgesetzt in Mollen, klar zu neuem Einsatz. Zum Angeln mit Schnüren wurden in den 30iger Jahren verzinkte norwegische Angeln (Angelhaken) in verschiedenen Größen verwendet. Nach dem zweiten Weltkrieg, die DDR führte aber aus Devisenmangel keine norwegischen Angeln ein, entstand so eine Mangellage. Die F.W.G. Zempin übernahm anfangs die Beschaffung von Schnüren, Netzen und Fischereimaterial aller Art. Später übernahm die neu gegründete Ausleihstation Karlshagen diese Beschaffung. Die F.W.G. bekam als Ganzes ein Soll (Plan) zugeteilt in allen Fischarten, auch im Aal. Dieses Soll wurde auf die aktiven Fischer aufgeteilt und sollte gebracht werden. Beim Aal entstanden oft Schwierigkeiten, denn die Stellen, wo er manchmal ankam, waren nicht immer w e i ß (Schwarzhandel).

Die Angelei im Achterwasser ging stark zurück aus Mangel an Köderfisch. Die Reusenfischerei im Peenestrom nahm zu und damit die Zuwanderung an Aal ab. Der Köderfisch Gründling konnte kaum noch in größeren Mengen angetroffen werden. Durch den Einsatz von Köderzeesen in der See, erst aus Baumwolle und später aus Perlon, wurde der Fang vom Köderfisch Tobs erleichtert und sicherer. War durch Witterung vor der Zempiner Küste kein Köderfisch zu fangen, konnte nun dieser an der Greifswalder Oie, am Steg (einem flachen Streifen zwischen den Inseln Ruden und Oie), am Peenemünder Haken oder vor Göhren gefangen werden. Oft waren gute Ergebnisse in den erweiterten Fanggebieten zu verzeichnen. 50 kg und mehr waren keine Seltenheit.

Die F.W.G. hatte auch die Erfassung im Aalfang. Dort wurde Buch geführt, wie weit jeder Fischer sein Soll erfüllt hatte. Bei Übererfüllung gab es Prämien, die immer höher wurden nach der Höhe der Übererfüllung.

Auch Rentner, die noch Aal brachten, bekamen eine Prämie. Nach vielen Streitereien kam es 1960 zum Beitritt der Zempiner Fischer zu einer in Kölpinsee gegründeten FPG (Fischerei Produktions Genossenschaft). Sie nannte sich FPG „Gold des Meeres“ mit Sitz in Zempin. Diese Genossenschaften wurden vom Staat stark gefördert, um auf dem Weg zum Sozialismus vorranzukommen, wie es hieß. Die Aalangelei wurde aber von dieser Entwicklung kaum beeinflusst. Die Motoren waren inzwischen weiterentwickelt und auch stärker, mit mehr PS. Die Boote waren breiter und seetüchtiger. Ein neugebautes Strandboot kostete ca. 30 – 40 Tausend Mark. Durch die Umstellung auf Kunstfaser – Monofil usw. wurden die Kosten der Fischer sehr hoch und es kam zu der sogenannten Warenrückvergütung, wo der Staat die Kosten, bei gutem Fang des Fischers, übernahm. Auch war es das Ziel die Boote nach und nach in genossenschaftliches Eigentum zu übernehmen. Durch die Errichtung von Sperrgebieten vor dem Peenemünder Haken für die Armee, wurde das Einsatzgebiet der Aalangelei etwas verkleinert, aber gerade dort gab es bei entsprechender Witterung gute Ergebnisse. Auch bei Übungen der Marine der DDR vor der Zempiner und Usedomer Küste musste der Fang kurzzeitig eingestellt werden. Der Aalfang mit Langschnüren erstreckte sich aber immer nur über die Sommermonate bis Oktober oder Anfang November. Sobald die Nachtfröste einsetzten gab es den Köderfisch Tobs nicht mehr. Es konnte dann noch mit Ükelei aus dem Achterwasser nach Zander und mit Krabben nach Flundern mit Aalangelschnüren gefangen werden, was von einigen Zempiner Fischern auch gemacht wurde. Die anderen Angler gingen zurück zum Achterwasser und dort auf Netzfischerei.

Zur staatlichen Fischereiaufsicht ist noch zu sagen: Im Achterwasser und Peenestrom war vom Staat ein Aufsichtsbeamter (seit Jahrhunderten als „Kieper“ bezeichnet - vom Wort Kiepe) eingesetzt mit Sitz in Loddin (jetzt in Rankwitz). Am Außenstrand musste jedes auslaufende Boot bei der Grenzdienststelle der DDR abgemeldet und nach der Rückkehr zurück gemeldet werden. Dazu waren entlang der Küste Masten mit Leitungen und Telefonen angebracht. Außerdem musste ein Fahrtenbuch geführt werden. Kontrollen vom Zoll fanden auch statt. Zum Fahren über die drei Meilengrenze gab es Sonderausweise.

Vergessen darf nicht werden die Anschaffung und der Einsatz der elektrischen Seilwinden während der FPG Zeit. Es war eine große Arbeitserleichterung für die Fischer. Mit Vierradwagen konnte nun der Fang, vor allem Hering, aber auch die Mollen mit den Schnüren vom Boot aus zur Düne hochgezogen werden. Vor allem war es nun möglich die Boote aus dem Wasser und wieder hineinzuziehen, allerdings mit Blöcken und Drahtseilen. Die Arbeitsstellen der Frauen verlagerten sich deshalb vom offenen Strand in die Hütten auf oder hinter den Dünen.

Noch etwas über die Frauen der Zempiner Aalangler. Sie hatten die schwere Aufgabe, neben vielen Pflichten als Hausfrau und Mutter, manche hatte noch etwas Landwirtschaft und Vieh zu versorgen, die Langschnurangel wieder einsatzklar zu machen. Oft waren die Schnüre aufgedreht und unklar und erforderten Stunden an Arbeit, um eine Molle für den Wiedereinsatz fertig zu machen. Waren die Mollen mit den Schnüren mit nach Hause genommen worden und wieder klar, wurden sie wieder zum Strand gebracht in die Hütte. 5-6 Mollen wurden meistens mit einer Karre (Einradkarre) transportiert. Manches junges Mädchen hatte, wenn es all diese Umstände kannte, lange überlegt einen jungen Fischer zu heiraten.

Nach der Vereinigung beider Teile Deutschlands veränderte sich die Technik des Aalfangs in Zempin wenig. Es kamen etwas mehr Reusen und Aalkorbketten hinzu mit unbeständigem Erfolg. Es gab wieder norwegische Angeln (Haken). Die Zahl der aktiven Fischer ging stark zurück, die FPG wurde 1992 aufgelöst. Die veränderte Wirtschaftsführung mit ihren Preisschwankungen macht den Küstenfischern, auch den Aalanglern, stark zu schaffen.

Der Aal aber ist und bleibt ein beliebter Speisefisch.


1) Ostseezeitung 20. Mai 2000: „1949 registrierten die Ämter im Kreis 650 Fischer, von denen 80 Prozent in Fischverwertungsgenossenschaften und Fischwirtschaftsgenossenschaften (FWG) zusammengeschlossen waren, so in Karlshagen (1946), Zempin, Rankwitz, Usedom Stadt (1949) und Ahlbeck (1948).“


Die Flunderfischerei in Zempin in der Vergangenheit

Aufgeschrieben vom Fischer Konrad Tiefert im Jahr 2000, im 81. Lebensjahr

Wenn man von Flundern hört, denkt man gleich an die See. Die Flunder wird gern gekauft und gegessen. Flundern wurden viel geräuchert, gebraten und auch gekocht. Sie sind ein schmackhaftes Nahrungsmittel des Meeres. Die Flunder ist ein Plattfisch, der an der Küste der Ostsee aufwächst, auf dem Meeresgrund lebt und sich im Sand einwühlt. Aber sie kann auch große Wanderungen unternehmen. Sie ist ein Fisch, der viele Jahre wachsen muss, bis er das Mindestmaß zum Verkaufen erreicht. Da die Flunder auf dem Grund lebt, ist sie den Ablagerungen der Wasserverschmutzung ausgesetzt und leidet dadurch besonders an Sauerstoffmangel.

Sie hat eine rauhe braune Oberhaut, die man zum Braten abziehen kann und an der Unterseite ist sie meist weiß. Die Farbe passt sich aber auch der Umgebung an. Dieser Fisch wird mit Grundschleppnetzen, Reusen, Angeln und Netzen gefangen. Man erkennt, dass der Flunder auf allerlei Art nachgestellt wurde und wird. Die flachen Gewässer der Pommerschen Bucht (an den Flussmündungen der Ostsee) sind bevorzugtes Nachwuchsgebiet der Flunder.

Trotz der eingeführten Schonzeit (Fangverbot im Frühjahr), werden immer weniger Flundern gefangen. Wo liegen die Ursachen? Ein Grund mag der intensive Fang mit größeren Booten und moderneren Fanggeräten sein, dazu der Sauerstoffmangel durch Verschmutzung der Gewässer.

In dem Fischerdorf Zempin, wo einstmals so an die 40 Fischer tätig waren, hat die Flundernfischerei mit Netzen zeitweise für den Verdienst der Fischer eine hohe Bedeutung gehabt.

Wenn man einmal die Fischerei in diesem Ort nach den überlieferten Aussagen der Älteren betrachtet, erkennt man, dass der Flunderfang einen bedeutenden Platz in der gesamten Fischerei eingenommen hat. Die Netze waren einfache Blattnetze mit Ober- und Untersimm. Am Untersimm wurde Blei angebracht oder anderes Material zur Beschwerung. Die Netze waren anfangs aus Hanfgarnen, später aus Baumwolle und dann aus Kunstfasern. Die Netze hatten eine Maschenweite von 54 bis 60 mm. Um ein schnelles Faulen der Netze zu verhindern wurden diese mit Kienteer und Petroleum eingerieben (imprägniert). Jeder Fischer hatte früher nur wenige Netze, da sie von der Familie, meist im Winter, selbst geknüpft wurden. Wenn bei Sturm die Netze verloren gingen, war es ein großes Unheil für die Familie.

Jedes gebrauchte Netz musste sorgfältig getrocknet werden. Sie wurden auf dafür angefertigte Stellagen, auch Rüstung genannt, gehangen. Das Obersimm dieser Netze hatte als Schwimmer Kork. Aber es durfte nicht zu viel sein, damit das Netz bis auf den Grund fallen konnte. Die untere Beschwerung hatte ein Gewicht so um 5 – 6 Pfund. Das Netz sollte auch etwas zusammenfallen, damit sich die Flunder darin einwickeln konnte. In einem Boot fischten meistens drei Mann, jeder stellte eine bestimmte Menge an Netzen, die dann in der Länge nacheinander zusammengebunden wurden. Da die Netze damals so 40 bis 50 Meter lang waren, ergab sich eine stattliche Länge. An den Enden dieser Längen war ein Anker, ein Draggen, mit einer Leine zur Wasseroberfläche und diese war mit einem Schweeken verbunden, der meistens 1,50 m hoch war und zwei Wimpel hatte, oft schwarz, um den Standort der Netze zu kennzeichnen.

Nach Möglichkeit wurden auf reinem Grund in der Nähe großer Steinstellen die Netze ausgesetzt. Im Allgemeinen wurde morgens gehoben und der Fang an Land gebracht. Lag der Fangplatz weiter entfernt, wurden gleich wieder neue Netze ausgesetzt, um ein nochmaliges Rausfahren zu vermeiden. Der Fang wurde, wenn es das Wetter erlaubte, zum Teil schon während der Heimfahrt aus den Netzen gepuhlt, denn im Sommer lagen die Fangplätze meistens weiter entfernt. Die Boote waren seetüchtige Segelboote und wenn Windstille war, musste gerudert werden. Die Boote wurden auch zum Heringsfang verwendet. Die Fangmengen an Flundern waren sehr unterschiedlich, konnten aber durchaus einige hundert Kilo betragen. An Land halfen die Frauen, die Flundern aus den Netzen zu pflücken. Oft war im Netz Dorsch, auch mal Zander oder Barsch und Plötz dabei. Die Händler kauften diesen Fisch auf und brachten ihn zum Verbraucher. Viele Händler hatten Pferdewagen und fuhren zum Verkauf über Land und auch bis nach Wolgast.

Zempin hatte Anfang des 20.Jahrhunderts noch keine festen Straßen. Das alte Dorf lag am Achterwasser. Von der Rieckstraße (vorher Kuhstraße) ging der Weg durch die Wiesen nach Koserow. All diese Wege waren ausgefahren (tiefe Leisen) und daneben war ein Trampelpfad. Der Weg zum Strand, dem Arbeitsplatz der Fischer, führte durch die Fischerstraße in den heutigen Dünensteig und dann auf der Anhöhe durch die heute bebauten Grundstücke bis zum Ende des Möwenweges in Richtung Koserow. Erst nach der großen Sturmflut 1872 wurde die Anlandestelle verlegt und neue Salzhütten am heutigen Standort errichtet. Diese Hütten aus Fachwerk mit Lehm und Schilfdach gebaut, dienten nach der großen Zeit der gesalzenen Heringe für die Aufbewahrung der Fischereigeräte. Die heute noch stehenden Hütten, sind ein kleiner Rest. Es waren einmal viel mehr, denn Zempin hatte in der Vergangenheit immer so 30 – 40 Bürger, die zum größten Teil von der Fischerei lebten. Es gab auch Notzeiten durch ungünstige Witterung. Aber mit Hilfe der Viehhaltung und etwas Landwirtschaft kam man zurecht. Es gab nur wenig nicht bestelltes Land im Dorf. Die Menschen dieser Zeit waren nicht sehr anspruchsvoll. Zempin umfasste anfangs nur das alte Dorf am Achterwasser. Der Dorfkrug war damals das Haus von Laabs (heute Peenestraße 2), gegenüber vom Zickenberg. Es gab kein elektrisches Licht und die Eisenbahn fuhr erst ab 1911. Beim Schein der Petroleumlampen wurden Netze gestrickt und man saß in der Dämmerung oft zusammen und klönte. So manche Spukgeschichte wird da wohl entstanden sein.

Als der Badebetrieb anlief, vor allem im Nachbarort Zinnowitz, wurde der Absatz besser, denn die Menschen, die hierherkamen, wollten gern frischen Seefisch essen. Räucherflundern waren sehr beliebt.

Der morgens zeitig angelandete Fang an Flundern wurde meistens schon am Nachmittag, auch in Zinnowitz, als Räucherfisch angeboten. Durch Sturm hatte man oft Tang und Muscheln in den Netzen. Man brauchte viel Zeit, um diese Netze zu säubern. Die Boote waren seetüchtig und konnten schon mal einen Sturm durchstehen. Vor allem später, als in den Booten Motore eingebaut waren, konnte man die Insel Oie anlaufen und auch dort Schutz suchen. Auf private Initiative wurde auf der Insel Oie 1889 ein Seemannsheim gegründet, welches später von einem Berliner Verein übernommen wurde. Die Fischer hatten nun bei Sturmtagen nicht nur einen schützenden Hafen, sondern auch ein Dach überm Kopf. Am 26. Juli 1932, als das Reichs – Marineschulschiff, der Segler Niobe, in der Ostsee kenterte und sank und 69 Seeleute den Tod fanden, waren auch Zempiner Flundernfischer auf See, konnten sich aber rechtzeitig in Sicherheit bringen. Um 1900 fing auch Zempin an, sich als Badeort zu entwickeln. Am Wald wurden Villen gebaut. Ein Badestrand entstand an der Westseite der Fischanlandestelle.

Als der Erste Weltkrieg begann, wurden viele Fischer zur Marine eingezogen. Die Anlandungen von Fisch, auch Flundern, gingen zurück. So bekam der Fischnachwuchs eine Schonzeit. Nach Beendigung des Krieges wurde wieder voll gefischt, anfangs nur mit Segelbooten, auch nach Flundern. Dann kamen die Motore auf, erst waren es Benzinmotore. Die gesamte Fischerei erhielt dadurch neuen Auftrieb. Nun konnten auch weiter entfernte Fangstellen, die ergiebiger waren, aufgesucht werden. Manche Stellen lagen weit oberhalb der Insel Greifswalder Oie und brachten guten Fang. Das Benzin war zu dieser Zeit recht billig.

Vieles hatte sich verändert. Die Netze, das eigentliche Netzzeug, konnte bei Netzfabriken bestellt werden. Seilereien lieferten Seile für das Ober- und Untersimm. Zur Beschwerung des Untersimm konnte man Bleiplatten kaufen. In Zempin fischten im Sommer aber nur ein Teil der Fischer nach Flundern, so 7 bis 8 Boote. Die Aalangelei der anderen Fischer benötigte zu dieser Zeit noch viele Hilfskräfte und die hatte nicht jeder. Der Verdienst war ganz gut, der Badebetrieb mit immer mehr Gästen entwickelte sich.

Politische Veränderungen um 1930 brachten auch Veränderungen in der Fischerei mit sich. Mit der Bildung einer Genossenschaft mit Sitz in Swinemünde, der Kreisstadt, wurden die starken Preisschwankungen, auch für Flundern, beendet und die Preise, die der Fischer erhalten sollte, festgesetzt. Dann kam der Zweite Weltkrieg. Da es wenig Nachwuchs in der Fischerei gab, wurde die Fischerei auch nach Flundern durch die „Alten“ weiter geführt, die meisten Fischer waren zu alt für den Wehrdienst. In einigen Booten waren inzwischen Diesel- und Glühkopfrohölmotore eingebaut worden, die sich gut bewährten. Die wenigen jungen Fischer wurden zur Marine eingezogen. Vor und im Krieg wurde rationiert, alles gab es auf Zuteilung, auch die Materialien für die Fischerei, wie Schürzen, Hosen, Jacken, Stiefel usw. Der Badebetrieb ging anfangs noch weiter, wurde dann aber eingestellt.

Zempin hatte eine kleine Seebrücke und Badehäuser (-anstalten) auf dem Strand. Nach Ende des Krieges musste vieles der Fischerei-Gerätschaften repariert oder erneuert werden. Die Netze waren verbraucht, es waren ja noch Baumwollnetze. Der Neuanfang hatte viele Schwierigkeiten. Es kam zur Pflichtablieferung der Fische unter russischer Aufsicht. Der Flundernnachwuchs hatte sich gut erholt durch die Kriegsjahre. Es gab nun auch im Herbst von Mitte Oktober bis Mitte November eine Fangzeit und zwar dicht unter Land und diese Fänge brachten einige Jahre für die Fischer einen guten Verdienst.

Um 1950 wurde die Fangmenge weniger und so suchten einige Fischer im Juni weiter entfernte Fangstellen auf. Zuerst waren es gute Fangmengen und die weite Fahrt lohnte sich, doch dann waren die Flundern an den Netzen alle tot, sahen gelblich aus und konnten nicht verwendet werden. Ob es Sauerstoffmangel oder Wasserverschmutzung war, ist nicht festgestellt worden. Nach weiteren Versuchen wurde die Flundernfischerei eingestellt und die Fischer mussten sich auf die Angelei umstellen. Es kam die Zeit der Perlonnetze, die anfangs nicht knotenfest waren. Später stellten sich manchmal Flundern im Sommer oder Spätsommer dicht vor der Küste ein. Die Flundern kann man aber auch mit Angeln fangen und zwar mit Krabben. Diese kleinen Krabben werden mit der Zeese auf den Sandbänken dicht am Ufer gefangen. Sie werden auf den Angelhaken der Aalgrundschnüre aufgehakt und in Mollen mit Sand dicht nebeneinander gelegt. So vorbereitet, werden sie auf den Fangstellen ausgeworfen. Die Flunder beißt schnell an und die Angeln können bald wieder gehoben werden. Einige der Kollegen, der später gegründeten Genossenschaft aus Kölpinsee, haben diese Angelei nach Flundern einige Zeit im Spätherbst durchgeführt und gute Ergebnisse erzielt. Mit dem Rückgang der Anzahl der Fischer ist auch der Fang von Flundern mit der Angel sehr zurückgegangen und hat kaum noch Bedeutung für die Küstenfischerei vom Strand aus. So ist der ausschließliche Flundernfang stark zurückgegangen. Aber in der Ostsee gibt es noch Flundern und auch Steinbutten und sie werden gern gekauft und gegessen.

Fischräuchereien in Zempin

Im Wappen der Gemeinde Zempin sind zwei Fische zu sehen, einer steht für das Achterwasser und einer für den Strand. Das Besondere aber ist ihre Farbe im Wappen: Gold. Damit wird die goldene Farbe der geräucherten Fische symbolisiert. Das „Heißräuchern“ der Fische ist schon seit Jahrhunderten bekannt. Das „Kalträuchern“ wird im Allgemeinen für Schinken und Wurst angewandt.

Heißräuchern ist ein Prozess, bei dem in wenigen Stunden roher Fisch bei 70° bis 100° gegart wird. Dann folgt durch kurze oder längerfristige Einwirkung von Rauch aus der unvollständigen Verbrennung von Holzscheiten, Sägespänen oder Sägemehl die eigentliche Konservierung. Der Rauch ist ein aus über 300 Komponenten zusammengesetztes Aerosol. Die Oberfläche der Fische wird sozusagen mit einem Ruß-Harzgemisch versiegelt. Gleichzeitig wirkt dieser Siegellack antibakteriell. Besonders das Buchenholz enthält sehr viele antibakterielle Teerverbindungen. So behandelte Lebensmittel sind dennoch nur wenige Tage haltbar und für den baldigen Verzehr gedacht.

Der frisch gefangene Fisch wird ausgenommen und gut gesäubert. Ausnahmen bilden teilweise Hering und Sprotten, die nicht ausgenommen werden. Manche Fischarten werden kurze Zeit in eine Salzlake gelegt, andere Fischarten werden erst nach dem Räuchern mit Salz bestreut.

Das richtige Aufstecken auf Spieße ist wichtig, damit die Fische beim Garen nicht herunterfallen. Diese Arbeit wurde oft nur von Frauen ausgeführt. Bei Sprotten ist das Auffädeln durch die Kiemen eine mühsame Arbeit und erfordert viel Erfahrung. Beim Aal ist es üblich, ihn kurz zu brühen, damit er sich im Bauchraum öffnet.

Nun folgt der Trockenvorgang. Dafür braucht man einen luftigen, vor Fliegen sicheren Ort oder der Räucherofen wird erst mit geringer Wärme betrieben. Die Tastprobe zeigt an, ob der Fisch trocken ist, wenn der Daumen nicht mehr am Fisch kleben bleibt. Die Fischhaut sollte gut abtrocknen, damit der fertige Fisch nachher besser aussieht.

Danach folgt die Garzeit im Räucherofen, die je nach Fischart eine bestimmte Temperatur und Zeitdauer erfordert. Der Rauch erzeugt bei geschlossenem Ofen die entsprechende Farbe und Geschmack. Dieser richtet sich nach der Holzart, die man als Stücke und Späne verwendet. Beliebt ist es, Fische mit Buche zu räuchern, Eichenholz bringt ein strengeres Aroma. Jede Räucherei hat ihr eigenes Rezept, welches „Gewürz“ sie auf die Glut legt. Beliebt ist auch die Zugabe von Erle oder Wacholder (Knirk), ob als Beeren, Reisig oder Nadeln. Wichtig ist das Abkühlen des geräucherten Fisches für die Haltbarkeit. Er sollte kühl gelagert, aber bei Zimmertemperatur gegessen werden.

Der wohl bekannteste und beliebteste Räucherfisch ist der Räucher- oder Spickaal (spicken = räuchern). Das Gedicht von Hugo Scheele aus der Sammlung „Singschwan über Usedom“ von 1936 erzählt uns einiges über diesen Fisch. Der Aal wandert allerdings zum Laichen nicht in den Stillen Ozean, sondern in die Sargassosee im Atlantik östlich Floridas und südlich der Bermuda-Inseln. Die Sargassosee ist der Ort, wo sich die Amerikanischen Aale und die Europäischen Aale treffen und laichen. Von hier aus starten die Jungtiere (Weidenblattlarven - Leptocephalus) zu ihrer langen Reise in die Flüsse und Seen der jeweiligen Kontinente.

Unsere Ostseeküste ist auch für die Räucherflunder bekannt, wie im Heft Nr. 3 beschrieben wird. Der Hering ändert nach dem Räuchern sogar seinen Namen und wird zum Bückling. Aber auch die Sprotte hat ihre Liebhaber. Als die Sprottenfischerei in Zempin aufkam, wurden im Oktober mit ganz engen (kleinen Maschenweiten) Baumwollnetzen Sprotten gefangen. Die Sprotten haben den Fischern zwischen den Jahren 1920 und 1930 guten Verdienst gebracht. Es wurden so viele gefangen, dass die Frauen durch das Aufstecken von Sprotten in den Räuchereien Arbeit hatten.

Mit Post und Bahn (seit 1911) wurden Räucherfische zum Versand gebracht. So standen die morgens gefangenen Fische schon am nächsten Morgen ab 3 Uhr in den Markthallen in Stettin und Berlin zum Verkauf.

1933 werden in der Statistik für Zempin 6 Fischräuchereien verzeichnet: Die Räucherei der Familie VOß war die älteste, es folgten die Räuchereien von Heinrich TIEFERT, Walter BERG, Max KRÜGER, Willi KRÜGER und Otto SCHÜTT 1939 nennt das Einwohnerverzeichnis nur noch 5 Fischräuchereien: Herbert FLORIN, Ernst KRÜGER, Willi KRÜGER, Otto SCHÜTT und Heinrich TIEFER. Die Räucherei von Willi Krüger wurde extra am Ende der Peenestraße gebaut, damit die Seebad-Gäste nicht durch den Räuchergeruch gestört wurden. Der Räucherturm ist noch heute charakteristisch für das hinter dem Deich liegende Sommerhaus.

Zu DDR Zeiten war das private Räuchern von Aal verboten, da die Aale für den Export vorgesehen waren. In der Fischereigenossenschaft wurden große Mengen Räucherfisch mit den „Altonaer Öfen“ hergestellt. Die zum Versand kommenden Mengen an Fisch waren nach Plan für alle 15 Bezirke der DDR aufgeteilt.

Heute räuchert der Fischer mit seiner Familie selbst und verkauft auch die Ware, wie es zum Beispiel die Familie SCHÄTZCHEN in der Fischerstraße und die Familie SCHMIDT in der Waldstraße tun. An der Hauptstraße hat sich der Sohn von Elisabeth RUSSOW eine Existenz aufgebaut. Auch wird Räucherfisch aus der Traditionsräucherei Thurow aus Freest am Strandkiosk verkauft. Viele Einheimische räuchern Fisch gern mal für den Eigenbedarf und für ihre Gäste nach eigenen Rezepten. Ein gemeinsames „Räucherfischessen“ im Garten ist eine bleibende Erinnerung für die Urlauber.


Hinweis: Wenn auf Heft Nr. verwiesen wird, so sind das die "Zempiner Heimathefte" Nr. 1-5 (ohne ISBN)

Literatur: Fischen und Leben auf Usedom ISBN 978-3-7375-4476-4 Verlag epubli

Boote der Fischerei

Quatz – Quatzner: Die Quatz ist ein Boot welches im gesamten Schiffsmittelraum einen Fischbehälter mit durchlöcherten Boden zum Lebendtransport von Fischen aufwies. Die Quatzner, Führer des Bootes, übernahmen von den Fischerbooten die lebende Ware und brachten sie zum Verkauf in die Häfen. Sie waren reine Kauffahrer. Das Wort „quatschnass“ hat diesen Ursprung.

Brauchtum und Aberglaube

der Fischer an der Ostseeküste

In den Gegenden, wo sich mehrere Fischer ansiedelten entstanden verschiedene lokale Gewohnheiten und es wurden verschieden Aberglauben gepflegt und abgewandelt.

Die Fischer waren bemüht das Fangglück zu verbessern, oft durch gute Beobachtung oder durch Überlieferung uralten Jagdzaubers. So war die Ansicht im Binnenlande und an der Weichsel, dass es sich lohne nachts mit Laternen zu fischen, weil das Licht die Fische anlockte. Bei Beendigung des Angelns übriggeblieben Würmer ins Wasser zu schütten, da sich die Fische an dieser Stelle sammelten und der morgige Fang erfolgreicher sein würde.

An der Ostseeküste war man der Meinung, dass die Fischschwärme von Leitfischen geführt würden, so dass es einen HERINGSKÖNIG gäbe. In Nikolaiken hieß der Leitfisch der Stinte STINTHENGST und ein riesiger Holzfisch, buntbemalt schaukelt auf dem Wasser mit einer Krone auf dem Kopf und wurde am Brückenpfeiler mit einer Kette angeschlossen, um den Ort den Fischreichtum zu erhalten. Eine Krone trägt auch der Stör des Wappens von Pillau.

Am Kurischen Haff hielt man das Tierkreiszeichen der Fische für ein Glückszeichen, die Zeichen Krebs, Skorpion, Widder und Steinbock waren Unglückszeichen.

Selbst bei der Anfertigung der Netze war in manchen Gegenden Einiges zu beachten. In Labagien galten 44 Tage als günstig zum Herrichten der Netze. In Ostpreußen meinte man, am günstigsten sei die Zeit des Sternzeichens der Fische oder bei Beginn des Neumondes ein Netz zu stricken. An der mittleren Weichsel meinten die Fischer es muss ein roter Faden mit in das Netz eingestrickt werden.

In Ostpreußen glaubte man beim Fischen nicht pfeifen zu dürfen, auch sollte man dem Fischer, der zum Fang ausfuhr oder zum Boot ging , nichts nachrufen, vor allem aber gar nicht etwa Glück wünschen! In Fischhausen war es üblich, falls ein Fischer etwas vergessen hatte, sollte ein anderer den Gegenstand holen. Am Kurischen Haff glaubte man, dass das Fangglück sich erhöht, wenn man an diesem Tag nichts verborgte. In Agilla wurde nach dem Weggang des Fischers zum Fang die Stube nicht ausgefegt, sonst zerreisen die Netze. Bei Tilsit musste man nach dem Abladen des Netzkarren diesen umkippen, der Fischkorb wurde vor dem ersten Zug ins Wasser getaucht. In Lötzen glaubte man es sei gut, hungrig zum Angeln zu gehen.

Vielerorts in Ost- und Westpreußen brachte es angeblich Glück, dem ersten Fisch des Fanges die Schwanzflosse abzubeißen. An anderen Orten wurde der erste oder ein kleiner Fisch bespuckt und ins Wasser zurückgeworfen, wobei man ihm nachrief, er solle Glück bringen. In anderen Orten war dieses Schicksal dem größten Fisch des Fanges zugedacht.

Als schlauer Bursche wurde der in geschlossener Schar ziehende Blei (Brachsen) bezeichnet, denn hatte ein Fisch ein Loch im Netz entdecket, folgten ihm schnell alle.

Am westpreußischen Strand sollte man beim Ziehen der Leinen nicht in die Hände spucken. Am Samlandstrand meinte man es bringe Glück, wenn die Fischer nach dem Sturm, der sie an der Ausfahrt gehindert hatte, die Frauen mit Wasser besprengten, nachdem sie bei besserem Wetter vom ersten Fang zurückkehrten.

In manchen Gegenden dachten die Fischer, dass Fangglück sei von den Gegenständen in ihren Gesprächen abhängig. Ungünstig sei von flüchtendem Wild, wie Hasen, Rehen und Hirschen zu sprechen, günstig wäre es von großen Viehherden oder von Langholz zu reden.

In der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts gab es am Kurischen Haff noch Fischer, die am Heck des Kahnes ein Bildnis des slawischen zweigesichtigen Windgottes angebracht hatten, um bei schlechtem Wetter um Beistand zu bitten. Auch war der Aberglaube, wenn sich auf dem Haff eine Wasserhose durch Wind gebildet hat, muss man ein Beil auf diese schleudern, denn dahinter verberge sich der Teufel.

Auch auf unserer Insel Usedom gibt es ungeschriebene Gesetze die um die Fischerei herum lange Traditionen haben und die von Ort zu Ort verschieden sind. Wer von solchen Begebenheiten kann mir berichten?

Hinweis – Ückeritzer Fischer: - Netze nicht mit der Schere schneiden, nur mit dem Messer. - Wenn die Netze ausgebreitet werden, aufgehangen auf Stützen, zum Trocknen oder Ausbessern, darf man auf keinen Fall unter den Netze durchgehen, das bringt Unglück.

Aus dem Buch: Götter, Mythen..... von der Insel Rügen von Ingrid Schmidt, 2. Auflage Hinstorff 2002

S 88 ... Als Mittel gegen die Kraft der bösen Wassergeister streuten die Fischer vor der ersten Ausfahrt etwas Salz auf die Netze, um damit den Hexen die Augen zu versalzen. Auf Mönchgut knüpften die Fischer kleine Holzstückchen mit glückbringenden Symbolen oder christlichen Namen in die Netzkehlen ein, um während des Fanges keinen Schaden zu erleiden. Auf Hiddensee hielt man es für wirksam, dreimal schweigend „dörch dei Prog (Netze) to krupen“.

S 100 .. Der Johannistag galt früher bei den Fischern als ein Opfertag. Man glaubte, dass an diesem Tag das Meer einen Menschen verschlingt, ein Opfer fordert: Wenn ein Fischer bei der Arbeit ins Wasser fiel, so half man ihm nicht heraus, weil angenommen wurde, dass er das auserkorene Opfer sei. Hierin ist wohl die Erinnerung an einen früheren Opferbrauch erhalten geblieben.