Mönchhagen: Reformation und Nachreformationszeit (1517 bis 1648)

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Hier entsteht die Chronik des Dorfes Mönchhagen, aufgeteilt nach Epochen in mehrere einzelne Artikel. Hier sehen Sie den Artikel zur Reformations- und Nachreformationszeit in Mönchhagen.

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Mönchhagen und die Reformation

Die Reformation in Mecklenburg

Slüter-Denkmal vor der Petrikirche in Rostock. Auf den Treppenstufen zum Denkmal steht geschrieben: Grabmal des Magisters Joachim Slüter, welcher im Jahre des Herrn 1523 das Evangelium in dieser Stadt rein zu predigen anfing, deshalb vergiftet ward und am Pfingsttage 1532 starb. Foto: privat

1523 begann auch für Mecklenburg das Zeitalter der Reformation, die hier hauptsächlich durch Joachim Slüter (Rostock) und Heinrich Never (Wismar) vorangetrieben wurde.

Joachim Slüter wurde um 1490 in Dömitz geboren und starb 1532 in Rostock, wo er ab 1517 als Priester in der Petrikirche wirkte. Er begann, Predigten in niederdeutsch zu halten, was bei der eher einfachen und armen Bevölkerung in der östlichen Altstadt Rostocks mehr als gut ankam. Bei der (damals rein katholischen) Kirche kam dies weniger gut an und Slüter musste nach Morddrohungen 1525 zeitweise die Stadt verlassen. Der Rostocker Rat hielt jedoch zu Slüter. Dort, wo er begraben wurde, steht seit 1862 ein Denkmal vor der Petrikirche in Rostock.

Die Lehren des Reformators Martin Luther verdrängten die Glaubenslehre der römisch-katholischen Kirche. Rostock war schon 1531 offiziell evangelisch; 1549 setzte Herzog Johann Albrecht I. von Mecklenburg die lutherische Lehre für alle Landstände durch, womit die Reformation praktisch per Landesgesetz eingeführt worden war. Da Kaiser Karl V. die reichsrechtliche Anerkennung des Protestantismus jedoch verhindern wollte und Johann Albrecht I. sich nicht allein gegen den Kaiser stellten konnte, schloss er sich mit anderen norddeutschen Fürsten gegen den Kaiser zusammen. Im Augsburger Religionsfrieden von 1555 wurde den Protestanten dann Religionsfreiheit zugesichert. Johann Albrecht I. löste bereits 1552 fast alle mecklenburgischen Klöster auf, verleibte sie den herzoglichen Domänen ein (also seinem eigenen Besitz) und beraubte die Kirche damit ihres Einflusses. Der Landesfürst wurde Kirchenoberhaupt in seinem Land und gewann so weiter an Macht.


Bedeutung der Reformation für Mönchhagen

Da Mönchhagen zu Beginn der Reformation dem Kloster Marienehe gehörte, hatten die Umwälzungen auch Folgen für das Dorf.

Rostock wurde schon 1531 offiziell protestantisch und löste 1534 die Klöster innerhalb der Stadt auf, darunter auch das erwähnte Johanniskloster der Dominikaner.

Herzog Heinrich der Friedfertige war eher zurückhaltend gewesen, wenn es um Enteigungen der Kirche ging. Nach seinem Tod am 6. 2. 1552 befahl sein Nachfolger Herzog Johann Albrecht I. jedoch bereits einen Monat später am 6. 3. 1552 die Enteignung der noch bestehenden Klöster, darunter Dargun, Doberan und Marienehe. Am 15. 3. 1552 stürmten auf seinen Befehl hin 300 Bewaffnete das Kloster Marienehe. Der vom Kloster beim Reichskammergericht angestrengte Prozess nützte diesem nichts; 1559 wurden die Klostergebäude abgebrochen und die Steine zum Schlossbau nach Güstrow gefahren.

Universität Rostock; Hauptgebäude am Universitätsplatz in der Rostocker Innenstadt. Simon Pauli der Ältere (1534–1591) war Pastor an der Jakobikirche in Rostock und Professor der Theologie an der Universität Rostock, zudem auch viermal der Rektor der Uni und erster Stadtsuperintendent von Rostock. Foto: privat

Die Ländereien der Klöster teilten die Herzöge Johann Albrecht I. und sein Bruder Ulrich von Mecklenburg-Güstrow 1557 unter sich auf. Ulrich bekam die westlich der Warnow gelegenen ehemaligen Klosterdörfer Sievershagen, Schutow, Elmenhorst und Marienehe. Johann Albrecht I. bekam die übrigen Dörfer und damit auch Mönchhagen. Aus den Einnahmen der früheren Besitztümer der Klöster Doberan und Marienehe stellten die Herzöge jährlich 1500 Taler der Universität Rostock zur Verfügung, um Professorengehälter zu bezahlen. Damit hat auch Mönchhagen seinen Anteil an Wissenschaft und Bildung geleistet.

Die endgültige Aufteilung dauerte noch bis 1611, zumal auch der Prior der Kartause Marienehe nicht auf deren Rechte an den Pachtgeldern verzichten wollte. Die Urkunden, die dieses Recht bezeugten, hatte er bei der Flucht aus dem Kloster gerettet. Von 1553 an waren es dann die Vögte des Domanialamtes Ribnitz, die die Pachtgelder in Mönchhagen eintrieben. (H.-J. Hallier: Das Dorf. Eine Mecklenburgische Chronik. Altstadt-Verlag, Rostock, 2001)

Somit war Mönchhagen durch die Säkularisierung landesherrlicher Besitz geworden. Bis 1857 gehörte das Dorf zum Amt Ribnitz-Damgarten (wobei zumindest Mönchhagen von Hirschburg aus verwaltet wurde), danach zum Amt Toitenwinkel.

Mit dem Gedankengut der Reformation dürften die Mönchhäger Bauern durch den Pastor Simon Pauli Berührung gekommen sein, einem protestantischen Theologieprofessor an der Universität Rostock. (Johann Albrecht I. hatte bereits nach 1552 protestantische Theologen an die Universität Rostock berufen). Simon Paulis Bild befindet sich heute in der Aula der Universität Rostock. David Wolter, der von 1573 bis 1622 in Volkenshagen als Pastor tätig war, nennt Simon Pauli im Visitationsprotokoll vom 14. bis 17. 2. 1607 als seinen Amtsvorgänger. (Mönchhagen hat nie eine eigene Kirche gehabt, sondern immer zur Kirchgemeinde Volkenshagen gehört.)

Einwohner Mönchhagens zur Zeit der Reformation

Hallier zufolge besaß Mönchhagen 1557 eine Schmiede, eine Mühle und eine Stellmacherei, zudem waren 15 Hufen bewirtschaftet. Neben diesen 15 zu Dienstgeld verpflichteten Vollhüfnern gab es auch einen Kätner. Das war das Ergebnis einer Bestandsaufnahme anlässlich des Eigentümerwechsels vom Kloster zum Herzog (Hallier nennt als Quelle: Copienbuch der Academie Rostock RA III A 149, Doberanische und Marienehische Pechte 1557–1801, Universitätsarchiv Rostock) Die Ländereien der Hufen dürften auch damals schon in Streifen rechts und links der Dorfstraße gelegen haben, wo die Schmiede und die Mühle damals gelegen haben, lässt sich nicht mehr sicher nachvollziehen – als Mühlenstandort kommen der alte Mühlteich im Oberdorf in Frage oder derjenige im Unterdorf, in der Nähe des heutigen Feuerwehrgerätehauses.

Die Pfarrsprengel wurden in unregelmäßigen Abständen visitiert, d. h., es kamen Kirchenbeamte und machten eine Bestandsaufnahme, im Sprengel aber auch im Pastorenhaus. Mönchhagen gehörte zum Pfarrsprengel Volkenshagen, zum Gottesdienst mussten die Mönchhäger daher jeden Sonntag nach Volkenshagen wandern und in Volkenshagen wurden (und werden) sie auch beerdigt. Die in den folgenden Abschnitten vorkommenden Namen der Mönchhäger Bauern stammen aus den jeweiligen Visitationsprotokollen der Kirche (Pastor Kliefoth, 1873, siehe Kasten unten); die Namen werden hier vom Unterdorf zum Oberdorf hin aufgeführt. Die Schreibweise der Namen in den Visitationsprotokollen unterlag damals keinen festen Regeln. So sind z.B. die Namen Holler, Haller, Halleer, Halleur und Hallier nur unterschiedliche Schreibweisen des heutigen Namens Hallier.

Einschub: Visitationsprotokolle

Die Visitationsprotokolle sind überliefert von Pastor Kliefoth aus Volkenshagen: Nachrichten über die Kirchgemeinden Volkenshagen; Gesammelt von H. Th. Kliefoth, Pastor loci. zweiter Theil. Die eingepfarrten Ortschaften. 1873

Bei einer Visitation wurden sämtliche Kirchen eines Sprengels besichtigt, d.h., Kirchenbeamte haben eine Bestandsaufnahme gemacht. Auch das Pastorenhaus, die Pastorenwohnung, wurde visitiert, es wurde genau aufgelistet, bspw. welches Mobiliar sich darin befand. Die Kirchenvisitationen hat es nicht von Anfang an gegeben, die älteste in Mönchhagen ist von 1598 überliefert. Die Visitationen fanden relativ unregelmäßig statt, manchmal lagen bloß ein paar Jahre dazwischen, manchmal aber auch 10 oder 20 Jahre. Sie dienten auch der Kontrolle der Pastoren. Bei der Gelegenheit wurde auch ein spezieller Gottesdienst gehalten, der hinterher ausgewertet wurde. So wurde Pastor Jeremiah Stein nach dem 30-jährigen Krieg angemahnt, er solle sich wieder mehr des Glaubens befleißigen.

Visitationsprotokoll 1598

  1. Hinrich Brandt
  2. Tilke Brandt
  3. Laurenz Bolte
  4. Achim Molleman
  5. Peter Winter
  6. Hans Fredrich
  7. Jasper Winter
  8. Claus Säger
  9. Andreas Holler
  10. Hans Lüssow
  11. Achim Witte
  12. Hans Holler (Hans Sager)
  13. Mathias Fretwurst (Chim Voss)
  14. Hans Holler
  15. Hinrich Lüssow
  16. Peter Holler

Die beiden Bauern Achim Molleman (oder Achim Moller) und Hinrich Brandt werden im Visitationsprotokoll im Verzeichnis zum Messkorn des Küsters als Bewohner von Finkenberg genannt. Pastor Kliefoth schließt daraus, dass Finkenberg damals zu Mönchhagen gehört hat.


Bäuerliches Leben im 16. Jahrhundert

In der Regel wurde ein Hof an den ältesten Sohn weitergegeben – von vererben kann man eigentlich nicht sprechen, denn der Grundherr bestimmte letztlich, wer den Hof bewirtschaftete. Er war der Eigentümer des Hofes, der Hofbesitzer lediglich Pächter. Auch wenn der Hofbesitzer den Hof heruntergewirtschaftet hatte (sei es verschuldet oder unverschuldet wegen bspw. Krankheit), konnte der Grundherr den Sohn einer anderen Familie als neuen Hofbesitzer einsetzen. Dieser war dann aber meistens nur ein Interimswirt, wuchsen Söhne des abgesetzten Bauers heran, konnten einer von ihnen als neuer Hofbesitzer eingesetzt werden. Das galt auch für den zweiten Ehemann der Witwe eines verstorbenen Hofbesitzers, auch er hielt den Hof seiner Frau nur als Interimswirt, bis einer der Söhne aus der ersten Ehe alt genug war, den Hof zu übernehmen.

Den Hof übernehmen konnte immer nur ein Sohn, in der Regel der älteste. Die jüngeren Brüder konnten nur hoffen, durch Heirat zum Hofbesitzer zu werden – indem sie entweder eine Tochter eines Bauern ohne männliche Erben oder die Witwe eines Bauern heirateten. Ansonsten blieb ihnen nur, sich als Knecht beim Bruder oder einem anderen Bauern zu verdingen oder ihr Glück in der Stadt zu versuchen.

Margrethe von Monkehagen …

geriet Ende der 1570er Jahre in den Verdacht der Hexerei. Sie starb 1580 im Hexenturm zu Rostock, bevor man noch mit der peinlichen Befragung (so nannte man die Folter zur Erzwingung von Geständnissen damals) begonnen hatte. Sonst wäre sie möglicherweise auf dem Scheiterhaufen gelandet. Zwei Jahre später wurde ihre Freundin Anneke Jans „mit Ruten gestrichen“ und der Stadt verwiesen, ebenfalls wegen Zauberei. Anneke hatte die Zauberei von Margarethe gelernt – wie genau die Zauberei aussah, erfährt man aus den Protokollen des Rostocker Niedergerichts:

[...], daß sie unbenutzten Poth genommen und Wasser darin gefüllet und unbenuttet Wachs darin weich gemachet, auch den Saum von der frawen hembde genommen, und hatte ein Licht davon gemacht und dasselbe Angesticket und umbgekehrt niederwarts brennen lassen, dass die trupen auf unbenutzet Stul gefallen. Solchs hatte sie von Margrethen zu Monckehagen, so vor zwey Jahren gestorben, gelernet.

Anneke Jans war Hebamme und Krankenpflegerin und sollte einen Hans Sedorp von Geschwüren heilen. Weil der Ausschlag jedoch schlimmer statt besser wurde, bezichtigte die Frau des Kranken Anneke Jans der Hexerei. (Ludwig Krause: Fundchronik. Stadtarchiv Rostock)

Glockengießerwerkstatt Rickert de Monkehagen

Es ist zwar möglich, dass Rickert de Monkehagen irgendwie mit Mönchhagen in Verbindung stand (was der Name nahezulegen scheint), aber es gibt überhaupt keinen Hinweis darauf, ob und wie das der Fall gewesen sein könnte.

Die Werkstatt hat lt. Wikipedia von 1374 bis 1464 in mehreren Städten in Nordostdeutschland gearbeitet, hatte ihren Hauptsitz aber wohl in und um Rostock. Eine der Glocken der Rostocker Marienkirche stammt aus dieser Glockengießerwerkstatt. Wegen des hohen Bedarfs an Brenn- und Ausgangsmaterial wurden die Glocken vor Ort gegossen – damit ersparte man sich den Transport des Materials sowie auch der fertigen Glocke. Deshalb ist es nicht möglich, die Monkehagen-Werkstatt einem bestimmten Ort zuzuordnen.

Mönchhagen im 30-jährigen Krieg

Der 30-jährige Krieg in Mecklenburg

Die Auswirkungen des 30-jährigen Krieges in Mecklenburg waren verheerend. Die Einwohnerzahl wurde auf ein Sechstel reduziert (von 300 000 auf ca. 50 000). Weite Teile des Landes wurden verwüstet. Besonders der Bauernstand hatte sehr gelitten und zum größten Teil seine Freiheit verloren. Städte, Ortschaften und Gehöfte waren niedergebrannt oder zur Verwendung als Brennholz und zum Bau von Feldlagern abgebrochen worden. Dann brach auch noch die Pest aus und raffte die Bevölkerung von Städten und Dörfern dahin.

Nach dem Krieg versuchten die Herzöge, die Wirtschaft des Landes (überwiegend Landwirtschaft) wieder aufzubauen. Aber nur etwa ein Viertel der verlassenen und verwüsteten Bauernstellen konnte wieder besetzt werden. 1662 sollten auf Befehl des Herzogs in jedem Amt 10 Bauern angesiedelt werden. Die Gebäude sollten sie auf Kosten der Grundherrschaft bekommen und die ersten Jahre sollten frei von Abgaben sein. Zudem suchte man etwa vorhandenen Kindern der früheren Bauernfamilien, um sie auf die Höfe zurückzubringen – entweder durch Überzeugung oder durch Gewalt (letzteres war durch das Recht der Leibeigenschaft „abgesegnet“). Trotz Zuwanderung aus Brandenburg, Holstein und Pommern konnten bei Weitem nicht alle Bauernstellen wieder besetzt werden. Die weiterhin verlassenen Höfe einverleibten die Gutsherren ihrem eigenen Grundbesitz – es kam zum sogenannten Bauernlegen. Damit wurden die Höfe nicht mehr von den Bauern selbst bewirtschaftet, sondern von den Grundherren. Da diese aber Arbeitskräfte brauchten, wurden die noch vorhandenen Bauern zu Diensten herangezogen und gerieten in noch weit stärkere Abhängigkeit als vorher. Der Dienst auf den Gütern der Herrschaft ließ ihnen oftmals nicht mehr genug Zeit für den eigenen Hof, in der Folge konnten sie die Abgaben nicht mehr leisten und liefen Gefahr, ihren Hof an den Grundherrn zu verlieren. 1646 wurde die Mecklenburgische Gesindeordnung erlassen und 1654 erweitert. Damit hatte der Bauernstand zum größten Teil seine Freiheit verloren und es kam zur rechtlichen Verankerung der Leibeigenschaft. Die Bauern gehörten fest zum jeweiligen Gut und durften dieses ohne Erlaubnis nicht verlassen. Auch heiraten durften sie nicht ohne Erlaubnis des Grundherrn.

Der 30-jährige Krieg in Mönchhagen

H.-J. Hallier schildert in seinem Buch einige Vorkommnisse in Mönchhagen während des 30-jährigen Krieges. Leider belegt er diese nicht durch Quellen, sodass unklar bleibt, ob diese Ereignisse tatsächlich so stattgefunden haben, oder ob er aus anderen Zusammenhänge lediglich Rückschlüsse auf wahrscheinliche Gegebenheiten gezogen hat – die Tatsache, dass die Hofstellen von Barthel Jesse und von Witten 1635 als wüst in einer Inventur aufgeführt wurden (siehe weiter unten), könnte Hallier im Zusammenhang mit der Route des dänischen Heere so interpretiert haben, wie hier nach Hallier nacherzählt.

Dorfschulze war 1621 ein Chim Holler (da Hallier sich auf die Schreibweise des Domanialamts Ribnitz bezieht, ist dies wohl eine belegte Tatsache, auch wenn er die Akte, aus der der Name stammt, nicht nennt). 15 Familien sollen damals in Mönchhagen gewirtschaftet haben, davon 10 Vollhüfner (dreimal Holler, dreimal Jesse, zweimal Witte, viermal Brandt, Windtstein, Winter, Schenk und ein Müller).

Die Ribnitzer Landstraße ist der Hansische Botenweg, der von Mönchhagen über Heidekrug, die Schweinemast in Oberhagen Richtung Behnkenhagen verlief. Während die Straße heute vom Waldrand südöstlich abknickt nach Behnkenhagen und Blankenhagen, verlief sie damals direkt weiter nach Willershagen, von dort über Wilmshagen und Petersdorf nach Ribnitz. Das Stück von Willershagen aus durch die Alte Heide ist heute ein Feld- oder Wanderweg; ein Schild weist noch auf die Bezeichnung Ribnitzer Landstraße hin. Im Bereich Gelbensande gab es neben der hier gezeichneten Südtrasse noch die Nordtrasse des Botenweges. (orange: weiterhin als Straße existierende Abschnitte; rot: heute nicht mehr bzw. nur als Weg existierende Abschnitte) Kartenbild ©Hansestadt Rostock (CC BY 4.0) Kartendaten ©OpenStreetMap (ODbL) und LkKfS-MV

1625 rückten die Dänen nach Süden vor, wurden aber von Tilly bei Salzgitter geschlagen. Auf ihrem Rückzug nach Norden plünderten die Dänen Mecklenburg. 1627 rückte Wallenstein in Mecklenburg ein und wurde 1628 zum Landesherrn eingesetzt, nachdem Kaiser Ferdinand II die beiden Herzöge abgesetzt hatte.

Hallier berichtet, dass im Mai 1627 die nach Norden fliehenden Dänen Mönchhagen überfielen, das Dorf plünderten und Barthel Jesse töteten, obwohl die Bauern versucht hatten, sich und ihr Vieh in der Rostocker Heide zu verstecken. Der zweite Überfall folgte nur 3 Monate später im August desselben Jahres. Diesmal waren es Wallensteins Leute, die die Dänen verfolgten. Eine Familie Witte wurde ausgelöscht und das Getreide angezündet.

Erst ein halbes Jahr später verbot Wallenstein den Truppen das Plündern auf dem Lande.

Wie gesagt, nennt Hallier hier keine Quelle, die genauen Namensnennungen lassen jedoch vermuten, dass er eine Quelle hatte und nicht nur aus dem Verlauf der Truppenbewegungen auf die Überfälle geschlossen hat.

Wallenstein führte etliche Reformen ein, die jedoch nur wenige Jahre Bestand hatten. Als die Herzöge 1630 wieder eingesetzt wurden, hoben sie die Reformen wieder auf. Ein Teil dieser Reformen betraf die Verbesserung des Straßen- und Wegenetzes, um schnellere Truppenbewegungen und Postbeförderung zu ermöglichen. Hallier erwähnt, dass hiervon auch Mönchhage betroffen war, da auch seine Bauern im Rahmen ihrer Dienstverpflichtungen bei der Ausbesserung der Ribnitzer Landstraße helfen mussten. Hierzu nennt Hallier die Bände 36, 37 und 40 der Jahrbücher des Vereins für Mecklenburgische Geschichte und Altertumskunde. Die angegebenen Beiträge befassen sich mit Wallensteins Reformen, ein direkter Hinweis auf Mönchhagen ist jedoch nicht vorhanden.

Im Januar 1635 erstellte der Ribbenitzer Amtmann Johann Newenhagen eine Inventur aller Untertanen im Amt Ribnitz in specie deren Vorrats und mengel betreffend. In Mönckehagen waren demnach von den 15 Hofstellen, die 1625 noch bewirtschaftet wurden, nur noch 11 bewirtschaftet. Nachdem schon 1628 nur 36 Taler von 12 Höfen an Steuern eingegangen waren, waren es 1629 nur noch 22 Taler von 11 Höfen. Die verbliebenen 11 Bauern konnten darüberhinaus auch nur einen Teil der Sommer- und Wintersaat ausbringen, da sie nicht genug Saatgut hatten. Im einzelnen nennt Hallier nach nicht näher bezeichneten Akten des Domanialamtes Ribnitz:

Peter Wacke Brodtkorn bis Ostern, aber zum Saatkorn nichts
Chim Holleer in der Erde zur Sommersath nicht mehr als zwey Scheffel Gerste, 0 Brot, 0 Saatkorn
Claus Winter an Brotkorn nicht mehr im Vorrath als 6 Scheffel Roggen
Dietrich Jesse kein Saatkorn, aber an Brotkorn nicht mehr dahier als 3 Scheffel
Chim Lützow hat auch kein Brot und kein Sathkorn
Carsten Holleer hat 2 Scheffel Rogken in der Erde, will auch sähen. Hoffet auch mit Saatkorn und Brotkorn auszukommen.

Zwei Hofstellen waren der Inventur zufolge wüst, nämlich die von Barthel Jesse und die von Witten, wobei von letzterer noch Haus und Scheune standen.

Das Verzeichnis Was anietzo Vor Unterthanen an Bawleuten, Cossaten, Einlieger, Müller, Schäfer und Schmiede im Ambte Ribbenitze vorhanden vom August 1635 führt neben diesen acht Bauern noch auf:

Verzeichnis Amt Ribnitz 1635
Dietrich Hennings Kleinkossate
Chim Lützow Kleinkossate
Hinrich Jesse Leineweber
Chim Witte Leineweber
Jochim Holst Radmacher
Hinrich Hennings Papiermüller
Jochim Lantauw Schmied
Peter Holst Schweinehirte
Heinrich Wulf Kuhhirte

Und damals standen die schlimmsten Kriegsjahre in Mecklenburg noch bevor.

Einschub: Die Rostocker Heide im 17. Jahrhundert

Ludwig Krause beschreibt in einem seiner Artikel, in dem er sich mit einer Karte von Gottfrieg Lust der Rostocker Heide von 1696 befasst, den Zustand des Heidegebietes zu der Zeit. Nach dieser Karte war der Wald damals kein zusammenhängendes Waldgebiet wie heute, sondern bestand aus Wald, Bruchland, Mooren und Heide. Den größten Teil bildeten Wiesen, Moore, Heide, Weiden, Räumden und Acker. (Räumden sind aufgrund von Windbruch, Schädlingsbefall u. a. Waldflächen mit lückenhaftem Bestand, die nicht wieder aufgeforstet werden sollen.) Planloser Holzhieb, Brände, Sturm und Kriegswirren hatten offenbar manchen früheren Holzbestand verwüstet, der sich dann bei der damaligen mangelhaften Forstwirthschaft und der allgemein üblichen Waldweide für das Vieh nicht so bald wieder anschonen ließe. (L. Krause: Die Rostocker Heide im Jahre 1696, nach der Karte von Gottfried Lust. In: Beiträge zur Geschichte der Stadt Rostock, Band 6.: Verein für Rostocks Altertümer. Rostock, 1895)

Dolberg beschreibt in seiner Küstenwanderung, dass die Stadt Rostock 1702 dem Herzog Friedrich Wilhelm das Jagdrecht überließ. Der jedoch wollte einen hohen Wildbestand erhalten zur Vermehrung des hochfürstlichen Jagd-Plaisirs, was dazu führte, dass die Wildschweine überhand nahmen. Sie ruinierten nicht nur die Mastflächen im Wald, auf die die Hausschweine getrieben wurden, sondern auch die Gotteshäuser, umliegenden Dörfer, Höfe und Meiereien stark geschädigt wurden. (L. L. Ludwig Dolberg: Eine Küstenwanderung von der Warnow bis Wustrow. Ribnitz, 1885)

Verpfändung von halb Mönchhagen

In seiner Fundchronik schreibt Ludwig Krause (Stadtarchiv Rostock), dass bei der Verpfändung von Roggentin sambt den dazu belegenen Dorffern und darin itzo vorhandene Unterthanen ... also Pastow, Kosterbeck, Frehsendorff und halben Monkehagen von Herzog Adolf Friedrich an den pommerschen Landgraf und Marschall Andreas Buggenhagen am 14. Juli 1643 verpachtet wurden. Bei dem halben Monkehagen dürfte es sich um Ober-Mönchhagen gehandelt haben. Im Pachtvertrag wurde auch das Jagdrecht an Buggenhagen verpachtet, mit Ausnahme der Hirsche, Rehe und Wildschweine auf dem Monnekenheger Felde.

Die andere Hälfte von Mönchhagen gehörte zum Hof Grahl.

Die weitere Geschichte Mönchhagens

Um die Chronik Mönchhagens übersichtlicher zu gliedern, existiert für jede Epoche ein eigener Artikel.

Einigen wichtigen Einrichtungen sind eigene Artikel gewidmet: