Mönchhagen: Die Post

Aus Ortschroniken
Wechseln zu: Navigation, Suche

Hier entsteht die Chronik des Dorfes Mönchhagen, aufgeteilt nach Epochen in mehrere einzelne Artikel. Hier sehen Sie den Artikel zum Bahnhof in Mönchhagen.

Hier finden Sie zusammengefasst alle Abschnitte zum Bahnhof aus den anderen Artikeln zur Mönchhäger Geschichte, sowie zusätzliche Informationen, bspw. technischer Art.

Da sich auch zu bereits fertigen Teilen immer wieder neue Aspekte ergeben sowie auch Fehler entdeckt werden können, ist zu empfehlen, beim Arbeiten mit dieser Chronik sich jeweils unter dem Reiter „Versionsgeschichte“ das Veröffentlichungsdatum und ggf. die Kommentare zur Bearbeitung anzusehen.

Umgekehrt können Sie Hinweise gern unter dem Reiter „Diskussion“ als Diskussionsbeitrag eintragen oder (besser) direkt an meine E-Mail-Adresse senden:

ortschronik-moenchhagen@wissenstexte.de

Eine Dorfchronik von diesem Umfang ist niemals eine Arbeit nur einer Person – mein Dank gilt allen, die mir mit Text- und Bildmaterial oder mündlichen Informationen weitergeholfen haben.

Die hier veröffentlichte Chronik und andere Dokumente, wie Bilder, Grafiken oder Videos, bleiben geistiges Eigentum des jeweiligen Urhebers und jede vom Urheberrecht nicht zugelassene Nutzung, insbesondere eine gewerbliche Nutzung ohne Zustimmung des Urhebers, ist nicht erlaubt.


Posthilfsstelle und Postagentur

Von 1897 bis 1945

Im Regierungsblatt 17(8) von 1896 erfährt man, dass in Mönchhagen am 29. April eine Posthülfsstelle eröffnet wurde. Der Posthülfsstelleninhaber war der Hilfsweichensteller Geißler. Vom 22. April 1897 bis zum 12. Mai 1897 gab es noch einen Postassistenten namens Krüger, der dann nach Neustrelitz versetzt wurde. Noch kürzer blieb der Postgehülfe Porm, vom 18. 8. 1897 bis zum 15.9. 1897.

Am 12. Juni 1897 wurde die Posthilfsstelle bereits wieder aufgehoben (Reg.blatt 1897, 19(8)), weil am 15. April desselben Jahres eine Postagentur eröffnet wurde. Dies vermeldet auch der Meckl.-Schwerinschen Staatskalender. Nach den Postämtern 1. bis 3. Klasse war eine Postagentur eine kleinere Poststelle. Ein Postamt 3. Klasse wurde im Staatskalender von 1883 für Rövershagen und für Bentwisch aufgeführt, mit Telegraphenanstalten, die von 9 bis 12 und von 14 bis 19 Uhr geöffnet waren.

Die Mönchhäger Postagentur befand sich in der Häuslerei 14, dem Gebäude, in dem später auch der Sattler Malchow wohnte. Es steht heute noch und liegt an der B 105 ein Stück nördlich des Bahnhofs, neben dem Miethaus, das früher der Bahn gehörte. Als Postagentur wurden die Veranda und eines der vorderen Zimmer der Häuslerei 14 genutzt.

Der erste Postagent war der Schneidermeister Hermann Behrens, welcher auch 1905 im Staatskalender von Mecklenburg-Schwerin als Postagent genannt wird. Er hatte das Amt bis Dezember 1916 inne, ihm folgte am 28. Dezember 1916 der kriegsbeschädigte Landwirt Johann Roggendorf.

Für 6 Wochen versah der Postsekretär Uther in Mönchhagen Dienst (2. Januar 1917 bis 12. Februar 1917).

Die Landbriefträger waren:

  • Friedrich Lankowski (1897–1902)
  • Johann Crull (1897–1907)
  • Rudolf Kloock (1903–1905)
  • August Ramm (1911–1917/18)
  • Fritz Gurstadt (1911)
  • Friedrich Krüger (1916–1917/18)

Es gab ab 1908 zusätzlich auch ein bis zwei Postboten, namentlich bekannt sind jedoch nur Dobbert (28. Mai 1915) und Wolfgramm (19. März 1923).

Johann Crull und Friedrich Lankowsky wohnten zur Miete bei Behrens, das geht aus der Volkszählung von 1900 hervor.

Landbriefträger transportierten die Post per Kutsche zwischen auf die umliegenden Dörfer ohne eigene Poststelle; Postboten lieferten die Post innerhalb der Gemeinde aus. Da zu dieser Zeit bereits eine Bahnanbindung existierte, musste die Post vom Bahnhof Mönchhagen bspw. nach Volkenshagen oder Kussewitz gebracht werden. Der Landbriefträger nahm ab 1880 auch Reisende in seiner Kutsche mit. Den Wagen stellte die Post, die Pferde der Briefträger; allerdings bekam er ggf. ein zinsfreies Darlehen zur Anschaffung der Tiere. Er bekam für Unterhalt und Pflege der Pferde 7 Arbeitsstunden wöchentlich bezahlt. Wollte man mitfahren, musste man sich beim Landbriefträger melden, der entschied, ob man mitreisen durfte oder nicht (weil die Kutsche bspw. schon besetzt war). Das Fahrgeld sowie die Zustellgebühr für Pakete über 2,5 kg standen dem Briefträger zu. Die Pferde durften maximal 30 km täglich zurücklegen (bei schlechten Wegeverhältnissen auch nur 24 km) und hatten Sonntags Ruhetag. Sonntags musste daher gegebenenfalls ein Bote zu Fuß die Post überbringen.

Es existiert noch eine alte Postkarte, auf der die Postagentur mit Kutsche davor sowie drei Uniformierten zu sehen ist. Bei letzteren dürfte es sich um den Postagenten und seine beiden Landbriefträger handeln. Die Kutsche ist ein offener Wagen – kein sehr bequemes Reisegefährt, aber besser schlecht gefahren, als gut gegangen.

Das Foto zeigt die heutige Situation der ehemaligen Häuslerei 14 – die Bäume sind inzwischen deutlich größer geworden und der Hauseingang befindet sich nicht mehr an der Straßenfront.

Von der Poststelle Mönchhagen wurden neben Mönchhagen selbst zwischen 1901 und 1919 auf die Weise versorgt:

  • Heidekrug
  • Jürgeshof
  • Purkshof
  • Schnatermann
  • Stuthof
  • Volkenshagen

alles in allem zwischen 850 und 920 Einwohner.

Ab 1924 kam noch Klein Kussewitz dazu, 1929 folgten Ober- und Niederhagen, 1931 wurde der Bezirk nochmals erweitert auf Hinrichshagen, Rövershagen, Wiethagen – dafür fiel Klein Kussewitz weg. Insgesamt umfasste das zu versorgende Gebiet damit fast 1800 Einwohner. 1938/39 gehörten noch Bussewitz und Poppendorf zum Zuständigkeitsbereich

Anfang der 1930er Jahre gab es neben dem Leiter der Poststelle Roggendorf noch drei Briefträger: Wilhelm Wolfgramm, Herr Ramm und Walter Suhrbier. Letzterer wurde Leiter der Poststelle, als Roggendorf 1937 aus Altersgründen ausschied. Walter Suhrbier verlegte die Post in sein Elternhaus, eine 1923/24 errichtete Häuslerei (heute Oberdorf 16). Auch hier wurden ein Zimmer als Postraum und ein Anbau als Postschalter genutzt, das restliche Gebäude diente privaten Wohnzwecken.

Ab 1945

Als Walter Suhrbier im Krieg einberufen wurde, übernahmen seine Eltern die Poststelle in Mönchhagen – in deren Haus sich die Poststelle ja auch befand. Nach dem Tode ihres Mannes im August 1945 führte Meta Suhrbier die Post allein weiter bis zu ihrem Tode 1949. Ihre Tochter und ihr Schwiegersohn Wüchner führten die Post dann bis 1960. Nachfolgerin war Dorothea Hoffmann.

Bis Anfang der 1950er Jahre umfasste der Zustellbereich neben Mönchhagen noch Schnatermann, Jürgeshof, Stuthof, Bussewitz, Cordshagen, Volkenshagen und Poppendorf. Die Post – Zeitungen, Briefe, Päckchen und Pakete – kamen mit dem Zug am Bahnhof Mönchhagen an. Eine Zeitzeugin berichtet, dass der Postwagen immer direkt hinter der Lokomotive war und dass wenig Zeit zum Abladen der Post war, sodass die Pakete und Briefe den Zustellern eher zugeworfen als zugereicht wurden. Vom Bahnhof wurde die Post mit einem zweirädrigen Karren (später einer Holzschubkarre) zur Post im Oberdorf gebracht und dort an die Zusteller verteilt. Von 1949 bis 1960 gab es sechs Zusteller, nun auch zwei Frauen darunter. In den 1960er Jahren kamen Purkshof und Häschendorf neu in den Zustellbereich, Cordshagen, Bussewitz und Schnatermann verschwanden daraus.

Ab den 1960er Jahren gab es ein Postauto, das die Post brachte.

Aus den Unterlagen der freiwilligen Feuerwehr geht hervor, dass 1959 die erste Sirene in Mönchhagen aufgestellt wurde, und zwar bei der Post.

In der Häuslerei Oberdorf 16 blieb die Post bis 1964. Danach befand sich die Post für einige Jahre im Haus Oberdorf 2 (ehemals Häuslerei 17), bis sie 1984/85 in das neu gebaute Dienstleistungsgebäude in der ehemaligen Sägerei Lange umzog.

Nach der Wende erfolgte die Postzustellung zentral von Rövershagen aus. Für einige Jahre gab es um 2000 einen Postschalter in der Shell-Tankstelle an der B105.

Telefonieren bis ca. 1960

Als sich die Poststelle im Oberdorf 16 befand, gab es im Postraum auch eine Telefonvermittlung, und zwar für Mönchhagen, Rövershagen, Oberhagen, Purkshof, Stuthof, Jürgeshof, Schnatermann, Vogtshagen, Cordshagen, Bussewitz, Poppendorf und Volkenshagen. Die Telefonvermittlung musste rund um die Uhr besetzt sein. Die Vermittlung erfolgte von Hand, indem das „Fräulein vom Amt“ durch Stöpseln (korrekter: das Stecken von Klinkensteckern) die Verbindung zum gewünschten Teilnehmer herstellte. Dies erledigten neben den Poststelleninhabern noch weitere Angestellte. Ferngespräche wurden über das Fernamt Rostock vermittelt.

In der ersten Zeit gab es nur wenige Telefonanschlüsse, um die 20 etwa pro Ort. Die Zuteilung erfolgte nach Dringlichkeit und es konnte Jahre dauern, bis man einen Anschluss erhielt. Einen Anschluss hatten z. B. Bahnhöfe, die Bürgermeister oder die Familie, auf deren Haus die Feuersirene saß. Der Mönchhäger Bahnhof hatte die Rufnummer 7, das Bürgermeisterbüro die 30, die Post die 20.

Hatte man keinen Anschluss, musste man entweder einen Bekannten mit Telefon aufsuchen oder zu den Öffnungszeiten zur Post gehen und den öffentlichen Fernsprecher nutzen.

Die Telefonvermittlung

Wollte jemand von einem eigenen Apparat aus telefonieren, sandte sein Telefon ein elektromagnetisches Signal aus, das im so genannten Klappenschrank eine Klappe herunterfallen ließ. Dadurch wurde die unter der Klappe liegende Anschlussbuchse sichtbar – von denen zu jedem Anschluss eine gehörte. Die Telefonistin steckte dann die Klinke in diese Buchse und fragte beim Anrufer nach, wen er anrufen wollte, um dann die Verbindung zum gewünschten Teilnehmer ebenfalls per Klinke herzustellen. Sie kündigte dem Angerufenen das Gespräch an. Statt der Klappen gab es später auch Glühlampen, die einen Gesprächswunsch anzeigten. Wegen der besser verständlichen höheren Stimmlage waren ab 1889 immer mehr Frauen bei der Telefonvermittlung tätig.

Wenn mehrere Teilnehmer Ferngespräche führen wollten, konnte es länger dauern, bis man an der Reihe war, weil es nicht so viele Leitungen gab. Vor allem auf Gespräche in die BRD oder das kapitalistische Ausland musste man mitunter sogar Stunden warten, bis eine Verbindung hergestellt war.

Zunächst gab es nur etwa 20 Telefonanschlüsse im Dorf, darunter die Post, der Bahnhof, das Sägewerk, das Bürgermeisterbüro und das Privathaus im Oberdorf, auf dem die Sirene installiert war.

Die Postsäule und die Chaussee

Die Postsäule an der B 105, aufgenommen im Frühjahr 2015; Foto: privat

Im Wohngebiet der ehemaligen Musterhaussiedlung östlich der B105 gibt es die Straßenbezeichnung „An der Postsäule“. Diese Postsäule, nach der die Straße benannt ist, steht gegenüber am Radweg längs der Bundesstraße: ein Meilenstein (auch Postmeilensteine oder eben Postsäule genannt). Diese Meilensteine wurden im 18. und 19. Jhdt. aufgestellt. Ihre Entfernungsangaben dienten ursprünglich der Post, um Beförderungszeiten und Gebühren für Post- und Personenbeförderung festzusetzen. Nachdem man mit dem Bau von Chausseen begonnen hatte, markierten die Steine auch die Entfernungen entlang der ausgebauten Landstraßen. Laut einer Info-Tafel der Forschungsgruppe „Meilensteine“ stammt der Mönchhäger Stein von ca. 1842–1846.

Pastor Kliefoth gibt in seinen Aufzeichnungen ebenfalls an (im Jahr 1873), die Chaussee sei 1841/42 gebaut worden. Der Meilenstein wird beim Chausseebau mit aufgestellt worden sein, also vermutlich ebenfalls 1842.

Man unterschied Ganz-, Halb- und Viertelmeilensteine. Der Mönchhäger Stein trägt die Aufschrift „1 Meile nach Rostock“, ist also ein Ganzmeilenstein. Eine Meile betrug etwa 7,5 km. Die Chaussee begann mit Kilometer 0 am Neuen Markt in Rostock, Mönkhagen lag bei Kilometer 9,5 (Staatskalender von 1895); die Meile hat sich demnach wohl auf die östliche Stadtgrenze bezogen.

Zum Postkutschenverkehr finden Sie ausführliche Informationen auf der Seite bis zur Reichseinigung (bis 1871).


Die weitere Geschichte Mönchhagens

Um die Chronik Mönchhagens übersichtlicher zu gliedern, existiert für jede Epoche ein eigener Artikel.

Einigen wichtigen Einrichtungen sind eigene Artikel gewidmet: