Lieper Winkel: Unterschied zwischen den Versionen

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Vortrag Der Lieper Winkel im Mittelalter - Ein Schatz, gefälschte Urkunden und eine 600-Jahr-Feier (Vortrag von André Leichsenring und Dr.Tünde Beatrix Karnitscher)
Vortrag Der Lieper Winkel im Mittelalter - Ein Schatz, gefälschte Urkunden und eine 600-Jahr-Feier (Vortrag von André Leichsenring und Dr.Tünde Beatrix Karnitscher)
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== Älteste Einwohner ==
In der Lassanschen Wasserordnung 1544 wurden erstmals Einwohner genannt: Achim Köster, Hinrich Knip, Achim Prütze (Priwitz) aus Rankwitz, Mathis Reiske (Räsch) und Hermann Köster (70 Jahre alt) aus Quilitz


== Unter Schwedischer Herrschaft (1648 - 1720) ==
== Unter Schwedischer Herrschaft (1648 - 1720) ==
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== Kaiserreich 1871-1918 ==
== Kaiserreich 1871-1918 ==
Ein Meilenstein war der '''Straßenbau''' im Jahr 1898. Zuvor waren die Dörfer nur über Sandwege verbunden, und die Bewohner nutzten meist Boote, um nach [[Lassan]] zu gelangen.
Ein Meilenstein war der '''Straßenbau''' Warthe bis Usedomer Chaussee im Jahr 1898. Die anderen Dörfer blieben nur über Sandwege verbunden und die Bewohner nutzten meist Boote, um nach [[Lassan]] zu gelangen.


'''Schulen''': Die Bildung war viele Jahre dezentral organisiert: In Liepe bestand bis 1857 eine Küsterschule, später entstanden staatliche Schulen auch in Warthe (1858–1973), Rankwitz (1893–1974) und [[Suckow im Lieper Winkel]] (bis 1970).
'''Schulen''': Die Bildung war viele Jahre dezentral organisiert: In Liepe bestand bis 1857 eine Küsterschule, später entstanden staatliche Schulen auch in Warthe (1858–1973), Rankwitz (1893–1974) und [[Suckow im Lieper Winkel]] (bis 1970).
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Anhand der Zentral- und Gaukartei im US National Archives lassen sich fast 100 Mitglieder der NSDAP im Lieper Winkel recherchieren. Die ersten Mitglieder sind 1929 ermittelbar, bis zum Machtantritt mindestens 30. Fast alle unter 30 Jahren alt.
Anhand der Zentral- und Gaukartei im US National Archives lassen sich fast 100 Mitglieder der NSDAP im Lieper Winkel recherchieren. Die ersten Mitglieder sind 1929 ermittelbar, bis zum Machtantritt mindestens 30. Fast alle unter 30 Jahren alt.


Ab 1.9.1930 gab es eine eigene NS Ortsgruppe Liepe, die den Lieper Winkel umfasste (davor Ortsgruppe Usedom-Stadt). Eine der zwei Gaststätten in Liepe warb damit, das "Stammlokal" der NS-Ortsgruppe zu sein.  
Ab 1.9.1930 gab es eine eigene NSDAP Ortsgruppe Liepe, die den Lieper Winkel umfasste (davor Ortsgruppe Usedom-Stadt). Eine der zwei Gaststätten in Liepe warb damit, das "Stammlokal" der NS-Ortsgruppe zu sein.  


Nach der Machtergreifung gab es unmittelbar 12 Eintritte in die NSDAP vor dem Aufnahmestopp ab Mai 1933. Nach dem Ende des Aufnahme-Stopps gab es 1937 viele Eintritte, nun aber der Großteil über 30 Jahre alt. Hauptsächlich traten nun Selbstständige, Handwerker und Lehrer ein. 1939 waren fast alle Bürgermeister und Gemeinderäte Parteimitglieder. Es war nur 1 Frau als Mitglied zu ermitteln.
Nach der Machtergreifung gab es unmittelbar 12 Eintritte in die NSDAP vor dem Aufnahmestopp Mai 1933. Nach dem Ende des Aufnahme-Stopps gab es 1937 viele Eintritte, nun aber der Großteil über 30 Jahre alt. Hauptsächlich traten nun Selbstständige, Bauern und Lehrer ein. 1939 waren fast alle Bürgermeister und Gemeinderäte Parteimitglieder. Es war nur 1 Frau als Mitglied zu ermitteln. Für die Anzahl der Mitglieder in einzelnen Orten siehe Abschnitt "Ortschroniken des Lieper Winkels".


== SBZ und DDR ==
== SBZ und DDR ==

Aktuelle Version vom 16. April 2026, 11:21 Uhr

Einführung

Der Lieper Winkel ist eine von Peenestrom, Achterwasser und Krienker See umgebene Halbinsel auf der Insel Usedom. Durch seine jahrhundertelange Abgeschiedenheit und enge verwandtschaftlichen Beziehungen innerhalb der Dörfer bildeten sich eine regionale Tradition mit Eigenheiten in Kultur, Sprache, Tracht heraus die bis ins 20.Jahrhundert überlebten. So wurden noch bis Mitte des 20.Jahrhunderts Hausmarken im Lieper Winkel von Fischern genutzt. Im Museum Heimathof Lieper Winkel werden diese Besonderheiten ausgestellt.

Im Kirchenbuch Liepe ab dem Jahr 1700 werden 50% aller Einträge von nur 5 Familiennamen belegt, der häufigste Name Resch/Räsch macht alleine 17% aller Einträge aus.

Heute umfasst der Lieper Winkel die Gemeinde Rankwitz mit seinen Ortsteilen Rankwitz, Grüssow, Krienke, Liepe, Quilitz, Reestow, Suckow und Warthe .

Im späten Mittelalter

Um 1025 wurde ein Schatz von hunderten, vorwiegend arabischen Silbermünzen und Hacksilber beim heutigen Quilitz vergraben, die 1914 beim Beackern von einem Bauern gefunden wurden: Silberschatz von Quilitz. Aufgrund von Umfang und der Herkunft der Münzen wird ein Händler als originaler Besitzer vermutet. Der angrenzende Peenestrom war bis Mitte des 18.Jahrhunderts der Hauptwasserweg aus der Ostsee in das Haff / nach Stettin und zur Oder. Der Originalschatz ist seit 1945 verschollen, eine Replik ist im Heimathof Lieper Winkel ausgestellt.

Bereits 1187 taucht der Lieper Winkel erstmals in einer Urkunde auf. Über viele Jahrhunderte gehörten die meisten Dörfer zum Kloster Pudagla, das das geistliche und wirtschaftliche Leben der Region prägte. Eine Ausnahme bildeten Krienke und Suckow, die dem Rittergut der Familien von Lepel und von Borcke unterstanden.


Vortrag Der Lieper Winkel im Mittelalter - Ein Schatz, gefälschte Urkunden und eine 600-Jahr-Feier (Vortrag von André Leichsenring und Dr.Tünde Beatrix Karnitscher)

Älteste Einwohner

In der Lassanschen Wasserordnung 1544 wurden erstmals Einwohner genannt: Achim Köster, Hinrich Knip, Achim Prütze (Priwitz) aus Rankwitz, Mathis Reiske (Räsch) und Hermann Köster (70 Jahre alt) aus Quilitz

Unter Schwedischer Herrschaft (1648 - 1720)

  • 1693 Schwedische Landesaufnahme mit Beschreibung aller Dörfer des Lieper Winkels

Unter Preußen (ab 1720)

Kaiserreich 1871-1918

Ein Meilenstein war der Straßenbau Warthe bis Usedomer Chaussee im Jahr 1898. Die anderen Dörfer blieben nur über Sandwege verbunden und die Bewohner nutzten meist Boote, um nach Lassan zu gelangen.

Schulen: Die Bildung war viele Jahre dezentral organisiert: In Liepe bestand bis 1857 eine Küsterschule, später entstanden staatliche Schulen auch in Warthe (1858–1973), Rankwitz (1893–1974) und Suckow im Lieper Winkel (bis 1970).

Auch die Feuerwehren, gegründet 1903 in Liepe, Rankwitz und Warthe, spielten eine wichtige Rolle. Überliefert ist ihr Einsatz bei Großbränden, etwa 1911 in Warthe, 1935 in Rankwitz und 1931 beim Gutshausbrand in Krienke.

Drittes Reich 1933-1945

Anhand der Zentral- und Gaukartei im US National Archives lassen sich fast 100 Mitglieder der NSDAP im Lieper Winkel recherchieren. Die ersten Mitglieder sind 1929 ermittelbar, bis zum Machtantritt mindestens 30. Fast alle unter 30 Jahren alt.

Ab 1.9.1930 gab es eine eigene NSDAP Ortsgruppe Liepe, die den Lieper Winkel umfasste (davor Ortsgruppe Usedom-Stadt). Eine der zwei Gaststätten in Liepe warb damit, das "Stammlokal" der NS-Ortsgruppe zu sein.

Nach der Machtergreifung gab es unmittelbar 12 Eintritte in die NSDAP vor dem Aufnahmestopp Mai 1933. Nach dem Ende des Aufnahme-Stopps gab es 1937 viele Eintritte, nun aber der Großteil über 30 Jahre alt. Hauptsächlich traten nun Selbstständige, Bauern und Lehrer ein. 1939 waren fast alle Bürgermeister und Gemeinderäte Parteimitglieder. Es war nur 1 Frau als Mitglied zu ermitteln. Für die Anzahl der Mitglieder in einzelnen Orten siehe Abschnitt "Ortschroniken des Lieper Winkels".

SBZ und DDR

Mit dem Einmarsch der Roten Armee 1945 begann eine neue Ära. Neue Bürgermeister wurden eingesetzt, Gemeindevertretungen organisiert, und die Aufnahme zahlreicher Flüchtlinge aus Wollin und Hinterpommern wurde bewältigt. Das Gut in Krienke wurde in 24 Siedlungsstellen aufgeteilt, das Schloss teilweise als Baumaterial abgetragen.

In der DDR-Zeit entstanden LPGs und FPGs, die die bäuerliche und fischereiliche Einzelwirtschaft beendeten. Gleichzeitig wurden neue kommunale Einrichtungen geschaffen, etwa die Ernte-Kita in Rankwitz (ab 1959) und die Gemeindeschwesternstation in Liepe (ab 1976). Die Gemeinden übernahmen nun auch Aufgaben in Kultur und Freizeitgestaltung. Mit dem Zusammenschluss zur Gemeinde Rankwitz 1974 wurde die ehemalige Schule in Rankwitz zum zentralen Gemeindebüro umgebaut.

Weiterführende Geschichte

siehe Chroniken der einzelnen Ortteile

Ortschroniken des Lieper Winkels

Veröffentlichungen und Chroniken

Usedom-Wolliner Blätter: Heft 6: Warnke, H. (Hrsg.): Der Lieper Winkel auf Usedom.- 92 Seiten, 64 Abb., Ostklüne 2004, Preis: 5,00 EUR, ISBN 3-937040-09-9




Mühlen im Lieper Winkel

Plakate der Sonderausstellung 2025 des Heimatvereins Lieper Winkel e.V., erarbeitet von André Leichsenring.

1963 Rankwitz Reste der Braunschen Windmühle.

Weitere Mühlen auf Usedom siehe Windmühle

Lieper Winkel Tracht

Ein spezifisches Trachtengebiet im Lieper Winkel wurde 1837 von Wilhelm Meinhold und 1863 von W.F.Gadebusch beschrieben. Nur in den abgelegenen Regionen Mönchgut auf der Insel Rügen und dem Lieper Winkel auf der Insel Usedom blieb diese Tradition und Tracht bis in die zweite Hälfte des 19.Jahrhunderts erhalten. Die in Museen in Stettin und Swinemünde erhaltenen Stücke gingen 1945 verloren. Im Jahr 1948 wurde auf dem Dachboden des Hauses Peeneweg 13 in Warthe eine vollständig erhaltene Frauentracht aus der Zeit um 1850 gefunden und ist heute im Museum Wolgast ausgestellt.

Die "Lieper Winkel Tracht" steht vermutlich mit der Mönchguter Tracht in enger Verbindung, als Trachten noch in einem Gebiet vom Darß über Hiddensee bis zum Lieper Winkel getragen wurden.

1953-1955 gab es in Warthe eine Trachtengruppe die vom Original nachgestaltete Frauentracht trug. Die Männer- und Kindertracht war jedoch frei nach der damaligen Mode gestaltet.

Seit 1999 besteht mit den "Lieper Winkelschen Danzlüh" wieder eine Trachtengruppe mit Volkstänzen, deren Tracht auch nur frei nach dem Original-Vorbild gestaltet ist.

Auch im Museum Heimathof Lieper Winkel in Rankwitz sind Röcke und Kappen derTracht ausgestellt. Details [1]


Weiterführende Informationen