Otto von Bamberg - Apostel der Pommern

Aus Ortschroniken
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Apostel der Pommern

Otto Heim Zinnowitz - Triptychon – Relief geschaffen 1978 vom Kunstformer Erhard John aus modernen Materialien

Im Jahr 1128 ging durch ihn die Christianisierung der Insel Usedom von der Burg Usedom aus.

Der polnische, christliche Herzog Boleslaw hatte die heidnischen Pomoranen nach wechselvollen Kämpfen besiegt. Zu den Friedensbedingungen, die der polnische Herzog diktierte, gehörte die Annahme des christlichen Glaubens. Um den Vollzug dieser Bedingungen bat er den Bamberger Bischof Otto.

Das pommersche Herzogtum Wartislaws I. reichte im Osten über die Persante bis zum Gollen, im Süden bis an das Land Zantoch, im Westen bis Demmin und bis zur Ryckmündung. Die Inseln Usedom und Wollin gehörten ihm ebenfalls. Im Auftrag des Polenherzogs Boleslaw III. (1102-1138) unternimmt Bischof Otto von Bamberg seine erste Missionsreise nach Pommern. Er kommt über Pyritz (12. Juni 1124), wo er die ersten Pommern tauft, nach Stettin, zerstört dort den Triglaw-Tempel. Der Götze Triglaw war aus massivem Gold, hatte drei Gesichter, zum Zeichen, daß er Herr über Himmel, Erde und Hölle sei - diesen Triglaw erhält Otto als Geschenk und bringt ihn später dem Papst Honorius. Bischof Otto zieht weiter nach Cammin und Wollin; über Kolberg und Belgard kehrt er nach Polen zurück.

Die zweite Reise Bischof Ottos von Bamberg geht im Jahre 1128 nach Pommern mit Unterstützung des deutschen Königs Lothar von Sachsen. Otto von Bamberg nimmt auf weiten Strecken den Schiffsweg. Zuerst auf der Saale bis Merseburg, dann die Elbe abwärts bis Magdeburg, dort traf er den Erzbischof Norbert, den Gründer der Prämonstratenser. Dann führte der Weg über Havelberg nach Demmin und weiter nach Usedom. Der Landtag zu Usedom gestattet ihm, in Pommern zu missionieren. Viele Adlige lassen sich taufen. Bischof Otto kann im Konflikt zwischen dem Herzog Boleslaw III. und Wartislaw I. vermitteln. Er veranlasst den Polenherzog, von einem Kriegszug nach Pommern abzusehen; dafür erkennt Wartislaw erneut die Lehnsabhängigkeit von Polen an.

Lebensweg Otto von Bamberg

AK Pyritz Brunnen - bei der ersten Reise 1124 erste Taufen von Otto
AK Pyritz Brunnen
2015 Ottobrunnen in Pyritz

Geboren um 1060 in Mittelfranken, gestorben 1139 in Bamberg.

Vor Abschluss seiner Ausbildung wanderte er nach Polen und eröffnete dort eine Schule, setzte seine Fortbildung fort und wurde zum Priester geweiht. Er war Kaplan am Hofe Wladislaws in Krakau. Er kehrte ins Reich zurück, wurde Hofkaplan und Reichskanzler Kaiser Heinrich IV. 1102 übernahm er das Bistum Bamberg, zog nach Rom und kehrte erst 1106, von Papst Paschalis geweiht, in sein Bistum zurück. Über dreißig Klöster gründete er in den nächsten zwanzig Jahren seines Pontifikats. 1124 nahm er sich der Christianisierung der heidnischen Ostseeslawen an.

Während der ersten Reise erbaute er 11 Kirchen und hatte in acht Städten christliche Gemeinden begründet. Unruhen der Pommern veranlassten 1127 den Polenherzog, zu einem Krieg gegen Pommern zu rüsten. Herzog Wartislaw rief die Vermittlung des Bamberger Bischofs an, und Otto unternahm 1128, mit Vollmacht des Papstes Honorius II., unter Schutz des Kaisers Lothar, die zweite Missionsreise nach Pommern. Es gelang ihm mit Mühe, Boleslaw von seinem Vorhaben abzubringen.

Am 1. Pfingstfeiertag 1128 fasste die Versammlung pommerscher Adliger in Usedom den Beschluss, das Christentum überall in Pommern einzuführen; einige Kastellane ließen sich taufen. Zwei Priester wurden als Vorhut nach Wolgast gesandt. Diese konnten sich nur mit Hilfe von Freunden vor der Wut der Menschen gegen die neue Lehre retten. Angefacht hatte diese Wut ein heidnischer Priester, verkleidete als Gott Gerovitt, er erschien in der Dämmerung vorüberziehenden Landsleuten in dem geheiligten Haine bei Zinnowitz, jetzt Hexenheide genannt, und stieß schreckliche Drohungen gegen die Wolgaster aus, wenn sie den fremden Gott annehmen würden.

Otto zog dann mit Herzog Wartislaw und einer Schaar Kriegsvolk nach Wolgast, weiter nach Stettin, Wollin und Cammin und gründete neue Kirchen. Ende des Jahres war Bischof Otto wieder in Bamberg. Bis zu seinem Lebensende widmete er sich ganz seinem Bamberger Bistum und förderte sein Missionswerk in Pommern.

Leider erlebte er nicht die Erfüllung seines Wunsches - einen Bischof für Pommern zu weihen. Im Kloster Michaelsberg in Bamberg wurde er 1139 begraben. Adalbert, war ein Kaplan des Herzogs Boleslaw, und er schloss sich schon bei der ersten Missionsreise 1124 Otto von Bamberg an. Er blieb dann zuerst in Usedom. Im Jahre 1140 wurde das pommersche Bistum in Wollin begründet und Adalbert erhielt am 14.Oktober 1140 die Weihe als Bischof in Rom durch den Papst Innozenz II.

Auf der Insel Usedom erinnert das Granitkreuz auf dem Schlossberg in der Stadt Usedom - errichtet 1928 zur Erinnerung an den 1. Pfingstfeiertag 1128 - an die Christianisierung.

Außerdem trägt das christliche Kinderheim in Zinnowitz den Namen Ottos. Dort, wo um die Jahrhundertwende ein Gasthaus zwischen Zinnowitz und Trassenheide stand, erholen sich seit 1915 Kinder aus ganz Deutschland. Nur während des II. Weltkrieges war es als Lazarett genutzt. Das St. Otto Heim ist heute ein katholisches staatlich anerkanntes Kinderkurheim. Dort sind die drei abgebildeten Reliefs, geschaffen vom Kunstformer Herrn Erhard John im Jahre 1986 zu sehen. Es ist ein ungewöhnliches Material. der Künstler hat erst ein Tonmodell geschaffen, davon ein Gipsnegativ gegossen, dahinein seitenverkehrt die Schrift eingegraben. Von diesem Negativ wurde ein Abguss aus Polyesterharz mit gestoßenem Ziegel, indem ein Glasgewebe eingebracht ist, erstellt. Nach der Reinigung der Oberfläche wurde diese versiegelt. Das Triptychon zeigt den Lebensweg Ottos und seine vollbrachten Leistungen, die Taufe der Slawen und die Hilfe Ottos für die Armen.

1998 H.Sto.


Das Bistum und das Kloster Cammin

Der Cordula-Schrein aus dem Camminer Domschatz

Ist der Cordula-Schrein auf immer verloren?


Beitrag aus den Baltischen Studien einfügen.

Dom und Stadt Cammin 2013

Fotos: H.Stockmann

Rathaus von Cammin in Pommern 2013:

Fotos: H.Stockmann

900 Jahre Taufen in Pommern



Die Lagomar-Karte mit der Missionsroute Otto´s von Bamberg

Lagomarkarte Vorderseite
Lagomarkarte Rückseite


Die Via Regia - Route der Missionsreisen 1024 und 1028

Der Verlauf der via regia im 11./12. Jahrhundert auf dem Gebiet des heutigen Mecklenburg-Vorpommern

Die Via Regia in Mecklenburg-Vorpommern

von Erich Stegemann, Seestadt Rostock (Vollständige Transkription des o.g. Beitrages aus der Zeitschrift "Mannus - Zeitschrift für Deutsche Vorgeschichte 1940 Jg. 32 Heft. 3)

"In seiner Mecklenburgischen Geschichte (Hinstorff 1909) sagt Witte: „Zwei binnenländische Handelsstraßen führten (um 800) von hier (Julin) durch Mecklenburg, die eine wahrscheinlich über Stettin, Pasewalk, Rethra, Malchow, Schwerin, Ratzeburg nach Hamburg, die andere, die sog. Königstraße, über das zu Wasser erreichbare Demmin nach Dargun, Lüchow, Laage und weiter nach Westen.“ Über den genaueren Verlauf der zuerst angeführten Straße im Lande Stargard bringt Deus Ausführungen in den Meckl. Strel. Geschichtsblättern, Jahrg. 1933. Über den Anschluß dieser Straße nach Osten an die 1237 genannte „via regia“ von Stettin „versus Premiczlawe“ (Prenzlau) berichtet M u n d (Die Heer- und Handelsstraßen der Mark Brandenburg vom Zeitalter der ostdeutschen Kolonisation bis zum Ende des 18. Jahrhunderts, Diss. Berlin 1932).

Nachrichten über den Verlauf der Straße Demmin-Laage und weiter nach Westen finden sich nur spärlich. Im folgenden sollen sie gesammelt und gewertet werden.

Mit der Bezeichnung „Königstraße“ übersetzt Witte „via regia“, urkundlich erstmalig am 8. Februar 1216 auftretend (MUB 233). Nach Glöckner bezeichnet via regia die öffentlichen Straßen im Gegensatz zu Privatstraßen (Meckl. Jahrb. 10, S. 389f) . Tritt uns der Name via regia für eine Straße, „que ducit de Luchowe in Lauena“, auch erst 1216 entgegen, so ist doch diese Straße selbst schon 1173 nachweisbar. Im Mecklenburgischen Urkundenbuche (111) heißt es: ….in viam que per se de Dimin viantes deducit ad Dargon et Luchow.“ Also schon zu Beginn der ostdeutschen Kolonisation führte eine via regia von Demmin über Dargun und Lüchow nach Laage. Sie war sicher schon früher vorhanden.

Route der via regia

Der Name Dargon für die wendische Feste an jener Stelle, an welcher später das Kloster Dargun angelegt wurde, deutet darauf hin. Nach Lisch (Kultur- und Gesch.-Denkm. Meckl.) ist der Name abzuleiten von dem wendischen dorga, draga = Tal, Furche, Engpaß, woraus sich der Begriff Weg, Straße entwickelt hat . Auch der Name des Ortes Laage, ebenfalls als Wendenburg nachweisbar, ist aus dem Slavischen entstanden und bedeutet „Brückenort“. Beide wendischen Ortsnamen bezeugen, daß die Orte schon zur Zeit der Entstehung ihrer Namen an einer Straße lagen, deren Verkehr so bedeutend war, daß seine Bedeutung zur Namensbildung führte.

Die Tatsache, daß dänische Mönche das Kloster Dargun an der via regia gründeten, weist auf gute Verbindungen des Ortes nach Dänemark hin. Von Demmin führte ein Landweg über Stettin nach Wollin an der Ostsee, Demmin war auch auf dem Wasserwege von der See aus erreichbar. Diese Verkehrsmöglichkeiten machten sich die Mönche nutzbar, als sie sich die Genehmigung zur Ansiedlung auch dänischer Kolonisten geben ließen (MUB 114, Meckl. Jb. 13, S. 113). Eine Reihe wendischer Festen bezeichnet den Lauf der alten Straße: Wolkow, Dargon, Altkalen, Granzow (?), Neu-Nieköhr und Laage (Beltz, 4 Karten z. Vorgesch. Meckl., IV). Außer der urkundlich nachweisbaren Station Lüchow weist v. Pressentin auf eine Sandgrube nahe dem untergegangenen Covel hin, in deren Nähe nach seiner Ansicht die via regia vorbeiführte (Lisch, Kultur und Gesch.-Denkm. Meckl. I, S. 611).

Bei Remlin wurde ein Münzfund geborgen, dessen 124 Stücke aus der Zeit 973 – 1055 stammen (Meckl. Jahrb. 9, A, S. 462). Der Fundort gibt einen weiteren Anhaltspunkt der Straßenführung zur Wendenzeit, auf die man aus dem Alter der Münzen schließen muß.

Sicher führte die Straße von Laage aus weiter nach Westen. Darauf deutet schon der Name „Brückenort“ hin. Der Recknitz-Übergang bei Laage ist sogar genau bestimmbar. Noch 1887 konnte man in der Linie Kirchturm Laage – Kirchturm Kronskamp Dammreste im Recknitz- und Pludderbachtal erkennen mit einer Abzweigung nach Rostock (Meckl. Jb. 52, S. 213).

Für die über diesen Damm und eine nicht mehr erkennbare Brücke weiter nach Westen führende Straße ist der Name urkundlich nicht nachweisbar. Im folgenden soll aber auch dieser Teil der großen Straße als via regia bezeichnet bleiben.

"Brückenort"- Laage an der Recknitzquerung der via-regia

Die nächste Station sieht Beltz in dem bei Dudinghausen entdeckten wendischen Pfahl oder Packbau (Meckl. Jb. 58, S. 213).

Wo führte nun die via regia über die Warnow? Jegorov (Die Kolonisation Mecklenburgs im 13. Jahrhundert, Moskau 1915, deutsch von Ostrogorsky, Breslau 1930) gibt Schwaan an, während Staak den Übergang bei Bützow vermutet ( „Mecklenburg“, 23. Jg., Nr. 2). Lisch aber scheint mir den Beweis erbracht zu haben, daß die via regia bei der Fürstenburg Werle über die Warnow ging: „Auch führte die alte Landstraße von Schwaan nach Güstrow früher näher an Wiek vorbei, ndem sie auf dem schwaaner Gebiete von dem Schlosse zu Schwaan zuerst am linken Ufer der Warnow Feldmark oberhalb über die Warnow ging; noch im Anfange des 16. Jahrhunderts war dieser Weg als der „alte güstrowsche Weg“ bekannt und noch in neueren Zeiten sah man im Wasser die alten Brückenpfähle (Meckl. Jb. 6, S. 97; Kultur- und Gesch- Denkm. Meckl. IV, S. 181).

Etwa 1 km nordostwärts der Burg Werle liegt Wiek. Nach Wigger (Meckl. Jb. 28, S.27) gab es in der Wendenzeit „Märkte an bestimmten Tagen, besonders wohl in den größeren Ortschaften, die unmittelbar von den Burgen, oft auf künstlich erhöhten Warfen, entstanden und von den Deutschen „Wiek“ genannt wurden. („Wiek“ ist wohl die germanisierte Form eines ursprünglich wendischen Wortes. Die Mater verborum erklärt p.8: Forum locus convenuiz vasee, p. 24: vicus, vez. Vgl. forum quod dicitur Sithem . Cod. Pom. I, p.36 und Boguphal in Meckl. Jb. 27, S. 128 (siehe auch MUB 4570).

In der Annahme, daß die Bezeichnung des Ortes alt ist, vermute ich hier den Marktplatz vor der Burg Werle an der via regia.

1336 trafen sich in den Bergen bei Mistorf Johann II. Und Johann III. Von Werle mit Albrecht von Mecklenburg. Das deutet auf günstige Wege nach diesem Orte. Hier dürfte sich ein weiterer Anhaltspunkt für den Verlauf unserer Straße finden (MUB 5704).

In der Zeitschrift „Monatshefte für Mecklenburg“, Juni 1938, bringt Becker in der Besprechung der Waffenfunde aus der Warnow bei Schwaan weiteres Material, aus dem darauf geschlossen werden kann, daß sich der Warnowübergang bei Werle befand, und das er mindestens schon im 11. und 12. Jahrhundert benutzt wurde.

Wenn König Waldemar von Rostock her an der Warnow entlang nach Rukieten zog, wie Becker annimmt, so hätte er das linke Warnowufer nicht benutzen können, um zum Angriff auf die Wenden, die er bei Werle vermuten mußte, nicht einen durch die Fürstenburg gesperrten Fluß-Übergang erzwingen zu müssen. Denn außer auf Brücken oder vielleicht mit Fähren ist ein Warnow-Übergang nicht denkbar; Furten sind bei dem Sumpfgelände kaumzu erwarten. Benutzte er aber das rechte Warnowufer, so nahm er bestimmte den guten Weg von Rostock nach Laage, um bei Laage auf die via regia überzugehen. Auf dieser traf er dann bei Rukieten mit dem Wenden zusammen.

Nach allem darf nunmehr angenommen werden, daß die via regia von Laage über Dudinghausen, Rukieten, Mistorf und Wiek nach Burg Werle führte.

Die Warnowquerung der via regia bei Werle

1853 fand man bei Schwaan einen Schatz, der u.a. 3240 Münzen enthielt, deren jüngste aus dem Jahre 1030 stammt. Die Prägeorte dieser Münzen, die wohl 1030 oder kurz darauf hier vergraben wurden, weisen auf vielseitige Handelsbeziehungen hin; ihr Alter bezeugt zugleich wieder das Alter dieser Straße. Der Fund wurde genau westlich der Stadt Schwaan geborgen, also nicht unmittelbar an der weiter unten festzustellenden via regia, sondern etwa 5 km nördlich davon. Das kann uns aber nicht hindern, den Fund mit der alten Straße in Verbindung zu bringen, zumal auch der Schatz von Ramlin an ihr gefunden wurde. Und der dritte dieser Funde wurde bei Schwerin gemacht, also ebenfalls in einer durch eine alte Straße bekannten Gegend.

Die Wendenfeste ‚Parkow, die „Hohe Burg“ und der „Ritterdamm“ (vgl. Staak, Die via regia – der Ritterdamm? „Meckl.“, 23. Jg., Nr. 2) geben den weiteren Verlauf der via regia bis Neukloster, wo im Seminargarten die Wendenfeste Kussin nachgewiesen worden ist.

Für den weiteren Weg, von Neukloster nach Wismar, habe ich bestimmte Anhaltspunkte nicht finden können. Zwar gibt Staak an, daß die Sage mit klarer Bestimmtheit und überlegener Häufigkeit von einem Wege von Hohe Burg nach Neuburg und Kritzowburg spreche, doch möchte ich darauf zunächst nicht bauen. Auch Jegorovs Begründung der Annahme, daß die via regia über Triwalk geführt habe, erscheint mir zu gesucht. Ich lasse diese Frage daher einstweilen offen.

Jegorov sagt: „Es ist interressant, daß der Verlauf dieser communis strata dem der heutigen Landstraße aus Lübeck nach Dassow, Grevesmühlen und Wismar mit einer Biegung nordwärts zu Proseken genau entspricht.“ Das dürfte für die Zeit nach 1299 zutreffen. Nach einer Urkunde vom 22. Februar 1299 (MUB 2546) soll der Weg (von Dammhusen) über die Feldmark von Woltersdorf vollständig gelegt werden. In diesem Wege sehe ich die Fortsetzung der bisher verfolgten Straße über Wismar hinaus zur Wendenfeste Gr. Woltersdorf. Von da aus führte die via regia weiter an das Nordende des Tressower Sees, an dem die Burg Tressow lag . Und nun mag sie dem Zuge der heutigen Kunststraße nach Grevesmühlen gefolgt sein, das Lisch als wichtigen Punkt an der alten Landstraße von Wismar nach Lübeck bezeichnet (Kultur- und Gesch.-Denkm. Meckl. II, S. 340). Um 1220 war die Strecke von Grevesmühlen nach Dassow gut benutzbar gemacht, damit sie „für das Leben und das Hab und Gut nicht gefährlich werde“ (MUB 229). Und die Urkunde 250 spricht von einer „ausgebauten Straße“ (..preparationi uie..).

Über die Wendenburg Dassow führte nun die via regia nach Buku (Alt-Lübeck). Am 1. Oktober 1261 eroberten die Lübecker die Feste Dassow und ließen sich die Versicherung geben, daß weder in Dassow noch an irgend einer Stelle der Straße von Dassow bis Grevesmühlen eine Burg neu errichtet werden solle. -

Urkunden, die von dem Verlaufe der via regia zur Wendenzeit zeugen, sind leider nicht bekannt; doch lassen Belege aus dem 13. Jahrhundert und spätere manche Schlüsse zu. Große Beweiskraft haben die Funde aus der Wendenzeit: Burgen, Dämme und Münzen- sowie Waffenfunde. Dazu kommen die Deutungen wendischer Ortsnamen, alte Flurnamen und Sagen. Viel verspreche ich mir von einer Begehung des im großen und ganzen festgelegten Wegezuges. Aus den Geländeschwierigkeiten und aus den mutmaßlichen alten Wasserständen lassen sich unter Berücksichtigung der alten Verkehrsmittel sicher manche Einzelheiten ermitteln. Auch aus Besonderheiten der Pflanzenwelt dürften sich Folgerungen ergeben. Vielleicht ergäben auch alte Karten (Tilemann Stella, Schmettau) Anhaltspunkte. Zu versuchen wäre auch, ob etwa Überlieferungen alter Erbkrüge und Erbschmieden am Straßenzuge Rückschlüsse zulassen. Ich möchte hoffen, daß weitere Forschungen dieser Art Einzelheiten über den Verlauf der via regia in Mecklenburg klären. In der Hauptsache dürfte der Zug dieser alten Straße, die nach Beckers Ansicht schon vor der Wendenzeit bestand, festgelegt sein." (Transkription: Wilfried Steinmüller)

Was sich über die Jahrhunderte auf der Via Regia abspielte

Die hier nachfolgend aufgeführten Quellen stehen mit hoher Warscheinlichkeit in unmittelbarem Bezug zur Via Regia

Weiterführende Informationen:

  • Bischof Otto i. von Bamberg - Beginn der Christianisierung des Peenegebietes - Kirchengeschichtliche Beiträge 1978?
  • Der heilige Otto , Alois Albrecht, 1989 St. Otto-Verlag GmbH, Bamberg ISBN: 3-87693-052-9
  • Bischof Otto von Bamberg - Sein Wirken für Pommern, Thomas Helms Verlag, 2003 ISBN 3-935749-22-8
  • Welt im Wandel - Otto von Bamberg und die Christianisierung Pommerns vor 900 Jahren - Begleitschrift zur Ausstellung im Museum Wolgast 2024 - ISBN 978-3-9825911-2-4

Sagen über Otto

  • Nr. 12 Die Verengung der Divenow - Wunder - Versandung der Einfahrt, dadurch weniger Überfälle auf Vineta.


Sanct Otto in Julin, und Bogdal.
Von Cammin zog Sanct Otto zu Wasser nach Julin. Allda kam er des Abends an. Weil es aber bekannt war, daß die Juliner keinen Christen in ihrer Stadt duldeten, und weil der Bischof bedachte, wie es dem Bischof Bernhard daselbst ergangen war, so fürchtete er sich, offen in die Stadt einzuziehen, und er begab sich daher auf Anrathen der Räthe des Herzogs Wartislav bei Nacht in das Schloß, welches der Herzog allda hatte, und welches eine sichere Freistatt war für Alle, die bedrängt und verfolgt wurden. Des anderen Morgens aber erfuhren das die Bürger, und sie liefen vor das Schloß, rufend, daß den Verkehrern des Glaubens und der guten Sitten ihres Vaterlandes nirgends Friede und Sicherheit sein sollte. Sie brachen auch die Thore des Schlosses auf, drangen mit Unsinnigkeit in die Gemächer und jagten Sanct Otten mit seinen Begleitern aus der Stadt. Dabei liefen viele des gemeinen Pöbels zu und warfen nach den Fremden mit Steinen und Koth.
Darunter war Einer, ein Wende, der schlug den heiligen Bischof mit einer großen Runge, daß er niederfiel und von seinen Dienern wieder aufgehoben werden mußte.
Die Vornehmsten der Stadt schickten aber darauf zu dem Bischof, und baten ihn um Verzeihung wegen des Vorgefallenen, und sprachen zu ihm, daß sie zwar nicht abgeneigt wären, sich taufen zu lassen, daß sie aber erst sehen wollten, was die Bürger zu Stettin machten, welche das Haupt der Pommerschen Städte sei, und daher billig vorgehen müsse; würden sich diese taufen lassen, so wollten sie in Julin es auch. Der Bischof zog deshalb zuerst nach Stettin, und nachdem die Stettiner sich hatten taufen lassen, kehrte er nach Julin zurück, wo die Bürger, arm und reich, nun mit Freuden herzuliefen, um die heilige Taufe von ihm zu empfangen.
Unter denselben war jener Wende, der ihn mit der Runge geschlagen hatte. Den gereute diese seine That jetzt sehr, und als er zur Taufe kam, sagte er auf sein Wendisch zu dem Bischofe: Bog dal, ize cien nie zabil, das heißt: Gott gab, daß ich dich nicht erschlug. Darauf gab ihm Sanct Otto den Namen von den ersten Worten, die er geredet, also daß er Bogdal geheißen wurde. Dieser Name besteht noch jetzt in Pommern und besonders auf der Insel Wollin, und hat daher seinen Ursprung.
Kantzow, Pomerania, I. S. 99. 100. 100.
Micrälius, Altes Pommerland, I. S. 149. II. S. 432.
Cramer, Pomm. Kirchen-Chronik, I. S. 41.
Kanngießer, Gesch. v. Pommern, S. 606-620.

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