Kirchspielchronik Rövershagen 1839

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"Chronik von den merkwürdigen Begebenheiten im Kirchspiel Rövershagen und der Umgegend nebst Notizen aus der Vorzeit angefangen 1839"

(Anmerkung WS: Zum Kirchspiel Rövershagen gehörten damals die Heideorte Wiethagen, Schwarzenpfost, Oberhagen, Rövershagen, Niederhagen, Hinrichshagen, Markgrafenheide, Torfbrücke, Jürgeshof und Meiershausstelle)


Kenndaten der Ortschronik
OrtRövershagen
Zeitlicher Schwerpunkt1200 - 1839
UrheberrechteHermann Friedrich Becker, erloschen
Erstellungszeitraum1839
Publikationsdatumunveröffentlicht
Inhaltliche KategorisierungGeschichte der Kirchspielorte
Status (Ampelsystem)unveröffentlicht


Nachdem Herr Pastor Gerhard die im Jahre 1839 von Hermann Friedrich Becker begonnene Chronik des Kirchspiels zum Zwecke der Übertragung der Handschrift in eine für heutige Verhältnisse lesbare Form öffnete, habe ich mich dem mit viel Freude gewidmet. Es war mir Anliegen, dabei möglichst keine Veränderungen des Originaltextes vorzunehmen, selbst wenn offensichtlich Fehler orthografischer, grammatischer oder sogar inhaltlicher Art (wie z.B. die beiden ersten Jahreszahlen in Beckers Chronologie) vorlagen. Die Seitenzahlen des Originalmanuskriptes habe ich in Kursivschrift beigefügt. Im Laufe der Zeit wechselten die nicht weiter namentlich genannten Chronikschreiber (offensichtlich waren es auch nicht immer die Pastoren des Kirchspiels). Interessant wäre dazu für die Zukunft noch herauszufinden wer diese in ihrer zeitlichen Nachfolge waren. Gelegentlich waren durch undeutliche Schreibweise oder aus anderen Gründen einzelne Worte oder Zeilen nicht lesbar. Diese Abschnitte habe ich im Text mit einem fettgedruckten Fragezeichen versehen. Vieleicht gelingt ja späteren Lesern eine diesbezügliche Ergänzung. Bemerkenswert ist, daß Hermann Friedrich Becker fast zeitgleich drei Chroniken begonnen hat:

1."Nachrichten von der Beckerschen Familie nebst Notizen aus dem Leben von Hermann Friedrich Becker (Forstinspector der Stadt Rostock zu Roevershagen)", begonnen 1836, handschriftliche Abschrift im Rostocker Universitätsarchiv, Original verschollen;

2."Chronik von den Waldungen der Stadt Rostock angefangen 1839", Original im Stadtarchiv Rostock, sowie

3. die vorliegende "Chronik von den merkwürdigen Begebenheiten im Kirchspiel Rövershagen und der Umgegend nebst Notizen aus der Vorzeit angefangen 1839" im Besitze der Rövershäger Pfarre.

Aus der Kenntnis aller drei Chroniken heraus gehe ich davon aus, daß in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts kaum eine Region so gut chronistisch dokumentiert ist, wie die Rostocker Heide durch die Komplexität dieser Chroniken im Verbund, was in ihrer Geschlossenheit ihren kulturhistorischen Wert ausmacht.

Wilfried Steinmüller, 2016

Einleitung

Chronik

Hermann Friedrich Becker

Das Kirchspiel Rövershagen, welches zugleich die ganze Rostocker Heide einschließt, wozu jetzt auch die Willershäger Waldung gehört - welches zum Teil vom Meer begrenzt wird und dessen Bewohner mit der Stadt Rostock einschließlich Warnemünde in Verbindung stehen, auch der Stadt Rostock angehört, vielfach so manche Vorkommenheiten und Eigentümlichkeiten dar, daß eine Aufzeichnung derselben auch für die Geschichte der Stadt Rostock ja selbst die Landes- Geschichte von Nutzen seyn würde.


Bei der fortgeschrittenen Bildung der Einwohner Mecklenburgs wird man in der Folge auf mündliche Traditionen keine Rücksicht weiter nehmen, sondern sich nur den Archiven und Akten zuwenden. Wie schwer es aber fällt spezielle Nachrichten davon aufzufinden ohne die Zeit in welcher diese Ereignisse statt gehabt haben, zu kennen, weiß nur der solche Arbeiten unternommen hat. Kurze Notizen in einer Chronik sind daher von großem Nutzen, dienen dazu den Nachfolger mit der Vergangenheit bekannt zu machen und sie gleichsam in die Gegenwart einzuführen.


Es ist daher zu wünschen daß, wenn sich Prediger die Bemühung übernehmen, sie fortzusetzen sie sich nicht bloß auf Kirche und Schul-Sachen beschränken, sondern beim Schlusse eines jeden Jahres das darin niederschreiben wollen was sich besonders Merkwürdiges nicht nur im ganzen Kirchspiel, sondern auch in der Gegend, selbst in Rostock, Warnemünde pp. zugetragen hat, und ihm mit Sicherheit bekannt geworden ist. So wie man diese Nachrichten vom Kirchspiel möglichst vollständig zu hoffen Ursache hat, sowenig darf man von Nachrichten ausser demselben einige Vollständigkeit erwarten. Es bleibt daher des Aufzeichners Wilkühr überlaßen das zu notieren, wovon er etwa glaubt, daß über kurz oder lang auf das hiesige Kirchspiel Einfluß äußern werde, oder ihm für die Menschheit merkwürdig erscheine. Werden nun gleich die Notizen der Chronik um so weniger durch einen festen Plan beschränkt, als man voraus weiß, welchen Plan, welcher sie nachforschen wird, uns folgt so ist doch zu wünschen, daß in derselben bemerkt werden möchten - alle erheblichen Veränderungen im Kirchspiel bei der Jurisdiktion, dem Patronat, Kirche und Schule zutritt und Abgang angesehner Mitglieder der Gremia, Zunahme und Abnahme der Volksmenge durch summarische Angabe der Gebornen und Gestorbenen, Seuchen und Epidemien, Unglücksfälle, merkwürdige Naturbegebenheiten, ungewöhnlich hohe oder niedrige Getreidepreise, Zwangsdrangsale und Einquartierungen, Armen und besondere Polizei Anstalten, erhebliche Veränderungen im Grundbuche, selbst erhebliche Neubauten pp. durch kurze Notate der Art werden diejenigen, welche sie in der Chronik niederlegen sich ein bleibendes Denkmal setzen. Wir machen den Anfang mit dem Jahre 1839. Um aber die Nachkommenschaft auch mit früheren Vorkomnissen bekannt zu machen, die zum Teil mit vieler Mühe in Erfahrung gebracht sind, glaubt man es zweckmäßig diese vorauß gehen zu lassen.


"Aeltere Nachrichten im Jahre nach C.G."


Slavenzeit / Wendenzeit

329 (sic.)
Entstand ein kleines Fischerdorf unter dem Schutz einer an der Stelle der Petri Kirche liegenden Burg, aus welchem sich die Stadt Rostock nach und nachentwickelte.Das Dorf Rövershagen existierte vermutlich schon in einem dichten Wald, womit man es noch 1696 umgeben fand.

[1]

1159
Landete des Königs der Wenden Niclot Sohn mit dänischen Truppen und verbrannte den Flecken Rostock
1160
Fing Pribislaus der II. an Rostock als Stadt wieder aufzubauen.

Spätes Mittelalter

1252
Brandte die ganze Stadt Rostock wieder ab.
Kaufte die Stadt die Rostocker Heyde vom Fürsten Borwin III. für 1. Mai 450 Mark Pfennige oder 3150 Thaler jetzigem Gelde. Der Kauf ward 1276 von Borwins Sohn und 1323 von Fürst Heinrich, bestätigt.
1275
Ward das Hospital zum H.Geist errichtet und mit benachbarten Gütern dotiert.
1283
Kaufte der Ritter Gherrard Casßebom von zwey Rostocker Bürgern, an die das Gut verpfändet worden.
1322
Kaufte die Stadt - Warnemünde vom Fürsten Heinrich dem Löwen.
1419
Wurde in Rostock die Akademie errichtet.
1465
Wüthete ein starker Sturm in der Waldung und warf zu Rostock den Jacobi Thurm nieder

Reformations- und Nachreformationszeit

1533
Ernannte die Bürgerschaft Hans Beckentin zum Voigt über die Heide und Stadt Güter, und mußten die Schulzen ihm Gehorsam schwören. Allein auf Klagen des Halses ward er durch einen kaiserlichen Befehl von seiner Stelle wieder abgesetzt.
1543
Brannte Petri Thurm durch einen Blitzstrahl ab.
1570
War Heinrich Brümmer Prediger zu Rövershagen, weitere Nachrichten fehlen.
1571
Wurde der Magister Johann Grise von Langstorv in Pommern, zum Prediger nach Rövershagen gerufen.
1573
Zerstörte ein Sturm die vor Warnemünde liegenden Dänischen Blockade Schiffe.
1575
Zerstörte ein heftiger Sturm einen Teil des Waldes und warf den größtenteils fertigen Petri Turm zum zweitenmal nieder!
1577
Zerstörte ein heftiger Sturm 200 Schiffe und trieb sie ans Gestade des Meers.
1605
Ward Daniel Griese seinem Vater als Prediger substituiert.
von 1618 bis 1648
... wüthete der 30-jährige Krieg, woran auch ganz Mecklenburg Theil nahm.
1624
Warf der Sturm das Ballhaus in Rostock nieder und wüthete im Walde.
1625
10./11. Febr. war die bekannte schreckliche Überschwemmung zu Rostock und in der Umgegend, davon in dem Etwas von gelehrten Rostockschen Nachrichten 4. Jahrg. S.98 i. J. 1740 eine ausführliche Nachricht abgedruckt sich findet. Zu hiesiger Gegend soll ein großer Theil der Waldung unter Wasser gestanden haben, ja es soll das Wasser in Niederungen bis Blankenhagen vorgedrungen seyn . Die Wasserhöhe des Maaßes war 14 Fuß über den mittlern Stand gestiegen.Die Meierey auf dem Moorhof (vorh. Moor genannt) stand völlig im Wasser, Pferde und Ochsen ertranken, die Bewohner saßen 3 Tage im Dach auf dem Heu. Zu Warnemünde wurden von 150 dortigen Häusern 18 an der Düne gänzlich weggerissen und 74 stark beschädiget ; viele Schiffe zertrümmert.

Bis zur napoleonischen Zeit (bis 1813)

1660
Wehete ein starker Sturm, der Nicolai Kirche stark beschädigte.
1663
Wurde beim Sturm die Waldung zum Theil überflutet.
1669
Ward der zu Markgrafenheide wohnende Jäger Brandt von einem Keiler erschlagen.Auf dem Heimwege nach der Kirche, wo er  : communicieren wollen, trifft er den Keiler und soll die ruchlosen Worte gesagt haben : Nach meiner Rückkehr soll dich oder mich der Teufel holen. Man fand ihn Abends todt mit aufgeschlitztem Bauch. Es ist ihm an dem Platz ein Kreutz errichtet und bis jetzt erhalten.
1671
Kaufte das Kloster Ribnitz das verpfändete Gut Willershagen mit der Hölzung für 9000 Gulden.
1676
Starb der hiesige Prediger Johann Georg Bindrim, er war 44 Jahre im Amte gewesen.
1677
Ward Johann Harder aus Rostock hieselbst zum Prediger gewählt. Vom 11. August Morgens halb neun bis Sonntags 12.00 Morgens wurde ein bedeutender Theil von Rostock, vom alten Markt bis zur Wokrenter Straße, durch einen schrecklichen Brandt zerstöret,dieses große Unglück ist im Etwas von den gelehrten Rostockschen Nachrichten 1. Jahrg. 1737 S.483 ausführlich vorgestellt.
1684
Kaufte das Kloster Ribnitz die verpfändeten Stadtgüter Bartelsdorf Bentwisch für 32 000 Gulden.
1702
Überließ die Stadt dem Herzoge Friedrich Wilhelm die Jagd in der Heide auf Lebenszeit, und nahm sie alsdann wieder an sich. Herzog Carl Leopold wollte sie mit Gewalt an sich reißen und schickte einen Lieutenant mit 20 Dragonern nach Rövershagen um den Rostockern die Ausübung der Jagd zu wehren, ein kaiserl. Mandat vom 28. März 1714 inhibitierte diesen Gewaltstreich
1703
08. Dec.wütete hier ein Orcan und warf in Rostock den Nicolai Thurm nieder. Alexander Joachim Scherping geboren zu Rostock 1677, ward in diesem Jahr dem hiesigen Pastor Harder substituiert.
1710
Wurde der Hof Studthof , der an die Familie von Linstow verpfändet gewesen, von der Stadt zurückgenommen.
1712
Starb der hiesige Pastor Johann Harder und sein Substitut Scherping ward als Prediger eingeführt.
1718
Starb zu Purkshof der Pensionarius Hans Ströganz (?).
1723
26. Jul. starb der Heidevoigt Fried. Gottmann.
Stürzte Christoph Melms von einem Baum und lebte nur noch einige Stunden.
1727
Starb Benedir Plath, der 60 Jahre Küster hieselbst gewesen.
Fiel Hinrich Kruse, ein alter Mann, beim Rückweg nach Hause,plötzlich todt nieder.
1732
Starb der hiesige Prediger Alexander Joachim Scherping.
1733
Starb der Köster zu Jurshof Joachim Hinrich Hagen.
1734
Ward der Cand. Christoph Gottlieb Stüdemann zum Prediger hieselbst erwählt und eingeführt.
1746
Starb der begehrte Küster Jacob Prehn.
1748
War ein heftiger Sturm im Walde und Darß.
Starb der Baumwärter Zimmermann .
1753
Lösete die Stadt das Gut Casbohm von der Familie Ferber ein.
Starb der Jäger Wramp.
1756 bis 1763
währte der siebenjährige Krieg, wobei die hiesige Dorfschaft auch sehr gedrückt ward.
1760
Unternahmen die Rostocker Kaufleute Jacob Johann Stypmann und Paul Grube eine große Torf Enterprise
und ließen den Pramgraben vom Stinkengraben bis zum Breitling verfertigen.
1762
Bildete sich das. erste Forstkollegium in Rostock, löste sich aber 1768 wieder auf, das Heidedepartement trat 1769 wieder an dessen Stelle.
1764
Trat der Gewetts Secretair J.F.Möller seinen Dienst als Forstinspector an, er bekleidete ihn 16 Jahre.
1765
Starb der Pächter zu Niederhagen Johann Cristian Hagemeister.
Starb der Pächter zu Müggenburg Caspar Christoph Evert.
1766
Wurde durch eine Commission, der Forst und des Amts Ribnitz, so wie der Stadt, die Grenze revidiert. Traf eine herzogliche Commission, worin der Oberforstinspektor Wulf den Vorsitz hatte hier ein um die Heide zu regulieren. Sie ließen ein Regulativ drucken, wogegen die Stadtbürger protestierten.
1767
Wurde von der Stadt eine Dienst-, Bauern-, und Wirtschafts-Ordnung eingeführt, die lange normierte.
1768
Starb der Jäger Hans Schulze
1770
Apr. starb der Wildfahrer Hans Borgwarth.
1770
Litt die Dorfschaft von der Rindviehseuche.
Febr. starb der Pächter zu Oberhagen Samuel Bringe
25. April starb der Prediger L.G.Stüdemann.
1771
Ward der Magister Christoph Möller aus Rostock zum hiesigen Prediger gewählt.
Starb der Jäger Johann Carl Wramp.
15. F. starb hieselbst der Kandidat der Theol.Samuel Grapengießer
1772
Ertrank der 10-jährige Sohn von Jacob Sour.
1773
13. Jan. starb der hiesige geachtete Prediger Mag. Christ. Möller.
1775
Starb der Pächter zu Niederhagen Nicolaus Christian von Schröder Erbherr von Gut Nienhagen, die Leiche ward zu Alten Carin beigesetzt.
Starb der Küster Hans Martin Eggert, 34 J. alt
Wurde Michel Peters begraben der 36 Jahre blind gewesen.
1776
Brannte ein beträchtlicher Theil der Schwanberger Heide ab.
1777
Starb der Pächter von Studthof und Jürshof Jacob Tesßin 93 ½ Jahre alt
17. Sept wurde der Pächter von Purkshof Hinrich Plath 70 Jahre alt beerdigt.
1778
18. Nov.wehete zum Schaden der Forst ein starker Sturm.
1779
Brannte der ganze Hof Purkshof ab.
Im Mai erschoß sich der Jäger Jüde zu Haus als er mit einem geladenen Gewehr zwischen die sich beißenden Hunde schlug.
1780
15. Oct. erschoß sich der Forstins. Möller mit einer Pistole, er wurde 52 Jahre alt und hatte manche Kränkungen und Unfälle erlitten. Er liegt unter der großen Linde des Kirchhofes.
Im Jul. starb der Baumwärter Schnockel zu Haus.
1781
Trat der Forstinspector J. Roedler seinen Dienst an. er diente 10 Jahre und ward pensioniert.
Wurden Willersh. Bartelsd. pp. vom Kloster Ribnitz eingelöst f. 46.000 Reichsthaler
1783
Es ist zubemerken daß in 12 Monaten vom October 82 bis Oct. 83 nur 2 Personen in diesem Kirchspiel gestorben sind.
Apr. starb der Wildfahrer Claus Borgwarth 49 J.
1788
Brannte es in der Mörderkuhle bei Gelbensande.
1789
Starb der Baumwärter Hans Lindemann 77 J. alt.
1790
Brannte die Hälfte des Dorfes Willershagen ab,vom Schulzenhaus nach Gelbensande hin.
1791
Legte der Forstf. Rödler seinen Dienst nieder.
1. Jul. ward der Forstinspector Herm. Fr. Becker zu Rövershagen eingeführt. Es waren dazu aus Rostock eingetroffen Sen. Dr. Prehn, Sen. Stange, Sen. Schrepp, K. Schroeder, K. Neuendorf, L. Altmann,L.Lober, Secret. Dethlof.
1792
Wurde eine Hohe Scheune bei der Wroot gebaut.
21. Jul. schlug der Blitz in das Viehaus des Hofes Niederhagen. Es verbrannten das Viehaus die Scheune und das neugebaute Holländerhaus ab.
Ward Johann Hinrich Peters als Schulmeister zu Hinrichshagen angestellt.
11.-12. Dec. herrschte ein starker Sturm und deckte einen Katen in Hinrichshagen ab.
1793
Warf ein heftiger Orcan die halbe, neuerbauete Scheune zu Niederhagen, sowie die Holzremise und ziemlich Holz in der Waldung um.
1795
Starb der hies. Schulmeister Joh.Fried.Ahrens.
Gab die Stadt, wegen hohen Getreidepreisen zu dem Schulgelde, welches von den Einwohnern zusammengebracht wird, 36 Thaler zu Hülfe.
1798
Es wurden durch den Prediger Mag. Wehnert und den Forstinspector Becker Industrie-Schulen für Knaben und Mädchen angelegt, die Knaben erhielten Unterricht in Verfertigung allerlei Gerätschaften und die Mädchen in weiblichen Handarbeiten Der Knaben-Schule stand Schier vor und der Mädchen-Schule die Tochter des Küsters Bartels. Es bestanden diese Schulen aber nur einige Jahre,weil es ihnen an Geld fehlte und die Stadt nichts beitragen wollte, indem die Bürger glaubten man werde Fuscher in ihren Handwerken bilden.
1799
8. Aug kam über den Schnatermann und den größten Teil des Dorfs ein Gewitter mit großem Hagel, unsere Feldfrüchte und Fensterscheiben zerschlug und großen Schaden anrichtete.
1800 .
Wurde von dem Prediger, Forstinspector, den Pächtern, Bauern und Einliegern eine privat Armenanstalt errichtet, welche sich sehr nützlich erwies.
Man fing an die Holzweide aufzuheben und das Vieh auf die Ackerweide zu verweisen.
29./30. Oct. war ein Tumult zu Rostock wegen Brot und Butter Preisen.Es wurden mehrere Häuser geplündert.
Der Rocken galt a Sfl.2 Thl 8 schl. Butter a Pfd. 14 - 16 schl.
1801
Lag die englische Flotte, welche Copenhagen beschossen, vor der Heide auf der Rhede.
3. Nov , war ein heftiger Sturm der die Torfscheune umwarf.
1802
22. Januar starb der hiesige Prediger Mag. Christian Ludwig Wehner, er ward d. 25. Nov 1741 zu Güstrow geboren, d. 17. Sept. 1773 zum hiesigen Prediger gewählt. Er hatte die Zuneigung und Liebe der Gemeinde.
26. Oct. war im Dorf Einquartierung von rußischen Truppen auf eine Nacht.
1803
Am Palmsonntag tritt der hier zum Prediger d. 20. Jan. erwählte Cand.Christian Carl Wolf sein Amt mit einer rührenden Predigt an.
1805
Starb der pensionierte Jäger Johann Joachim Schramm in Hinr. 77J. alt d. 12. Januar.
D. 5. Oct. starb im 63ten Jahre Johann Mattias Wramp.Pächter zu Studthof und Jürshof.
1806
Entzündete ein Blitz das Holländerhaus zu Oberhagen ; welches eingeäschert ward.
30. Oct. starb der pensionierte Jäger Bauer 58 J. alt
24. Mai starb der hiesige Küster Herm. Fr. Bartels im 61. Jahr des Alters und 31ten des Amtes.
Wurde der Hinrichshäger Schulmeister Johann Hinrich Peters zum Küster ernannt.
Ward Friedrich Gramkow als Schullehrer in Hinrichshagen angestellt.
1807
15. Sept. starb der Schulmeister zu Studthof Johann Salomo Gerdes 74 J. alt.
22. Mai nahmen der französische Gouverneur in Meckl. Laval und der Intendant Bremont die Heide in Augenschein.
11. Oct. rückten die französischen Truppen unter Lieutenant Dumelie hier ins Quartier, ihnen folgten d. 30. Oct. andre unter Cap. Grineisen.
überstieg das Meer die Dühne und planierte sie.
1808
Juni 13. starb der Praepositus emeritus Joachim Eenhardt Boecler vieljähriger Prediger zu Sanitz im hiesigen Witwenhause.
3. Aug hatten wir Nachts ein starkes Gewitter der Blitz schlug in einen Baum dicht an .....(?)
12. 13. Aug und 8. Mai wurden die in der Heide angelegten Schneisen durch eine städtische Kommission mit Zuziehung vom Oberforstm.v. Grävenitz und Forstinsp.Stave in Augenschein genommen.
Fand sich ein Wolf im Walde an der mehrere Mastschweine zerriß.Er ward verfolgt aber entkahm.
1814
ertrank des C.Aug. Waak Tochter 11 Jahr alt,
auch wurden unsere Ochsen und Hunde toll

Bis zur Reichseinigung (bis 1871)

1815
d.3. Febr starb der Holzwärter Albrecht Siegfried Petersen auf der Torfbrück 70 Jahr alt.
25. März starb der Holzwärter Carl Fried. Wramp zu Markgrafenheide 68 J. alt
zog eine Wasserhose aus dem Meer bei Grahl vorbei längst der Heide biß Altenheide und Ribnitz, zerbrach eine Menge Bäume, warf andre nieder, und machte in der Gelbensander Forst eine Schneise eine starke halbe Meile lang und 24 Fuß (28cm)breit, in der Willershagner Heide stürzten 9 Bäume um.
1817
15. Apr. starb der Jägermeister Joh.Hinrich Schäning 61J.alt.
1. Jul. starb der Jäger Johann Jochim Adam Karsten zu Wiethagen 54 J.alt.
1818
14. Dec. machten die Fischländer Nachts mit vielen Böthen eine Invasion in die Heide und führten eine Parthie Holz aus dem Sack weg.
1820
starb der pensionierte Holzwärter Johann Heinrich Kröger auf dem Schnatermann 113 Jahr alt.
1821
Nahm der Cand. jetzt Professor E. Becker die Pachtung Oberhagen an
die Getreidepreise standen unerhört niedrig
Weitzen 24-32 sh
Rocken 16-20 sh
Gerste 12-16 sh
Hafer 6-10 sh
1821
15. Dec starb der Baumwärter zu Hinrichshagen Johann Jochen Hinrich Hinz 71 Jahre alt
12. Apr. erhängte sich zu Jürgshof der .....(?)und Bürger aus Rostock Christian Wegener.


1822
erschoß sich 29. Dec. der Holzwärter Johann Christian Nicolaus Grälert zu Markgrafenheide 43 J. alt aus Unachtsamkeit als er mit einer geladenen vor sich gehaltenen Büchse ........(?)


Der Grabstein des Jägers Carl Friedrich Köhn im Boden vor dem Südportal der Rövershäger Kirche (Foto W. Steinmüller 2008)
1823
Kam der Einl. Claus Fried. Keding auf unglückliche Art ums Leben,indem die Pferde des Jag. Köhn die er führte nach einem Schuß davon liefen, er vom Wagen stürzte und die Hirnschale zerschlug.
13. Oct. starb der E.Heinrich Pragst durch einen Sturz vom Balken in der Scheune des Forstinspectors.
3. März starb der Jäger Carl Friedr. Köhn zu Hinr. 68 Jahr
1825
Hatten wir öfteren hohen Stand und Übertritt des Meeres über die Dühne am 4. Februar entstand beim Sturm aus Nordosten eine wahre Sturmflut, welche 300 000 Quadratruthen (650 ha) der Wiesen und des Waldes überschwemmte. Die Wasserhöhe war zu 6 Fuß 8 Zoll(1,95m)über den mittlern Stand des Meeres gestiegen, die Düne von der Fischerbude zu Markgr. bis an Rosenort 450 Ruthen (2100m)lang stand ganz unter Wasser,davon wurden 370 Ruthen ganz und 80 Ruthen halb planiert. Die Warnemünder fuhren mit Böthen auf die Wiesen.
Es ward ein groß Holzmagazin zu Wiethagen erbauet.
1826
In der Nacht vom 27. - 28.Aug. brannte durch ein Gewitter das Viehhaus zu Jörshof ab.
Geriet das Dorf in größte Gefahr da fing bei starkem Winde der Flachs in und um den Backofen der Hebamme Hoff in Brand gerieth.
1827
15. März brannte der Hof Gragetopshof ab.
19. März starb der Wildfahrer Joh. Hinrich Borgwarth 59 J. alt
1828
29. März starb der Schulmeister zu Studthof Johann Bernhard Gerts 63 J. alt; sein Nachfolger ward Jacob Hoff aus Rövershagen
11. Aug. hatten wir ein Gewitter mit Hagel, der vorzüglich zu Oberhagen vielen Schaden anrichtete.
errichtete die Stadt eine eigene Deputation zur Bewirtschaftung der Eichen in der Heide.
1829
11. Jan starb der Holzwärter aus dem Schnatermann Claus Kröger 63 J. alt
19. Mai ersäufte sich der Fegermeister Claus Jacob Schüning 46 J. alt im Teiche ohnfern der Brücke zu Niederhagen rechts am Wege nach Hinrichshagen. Er hatte die Taschen voll Steine gesteckt und ward erst 14 Tage nachher gefunden. Er war dem Trunke ergeben.
1831
Wüthete die Cholera in Mecklenb. und Rostock, hier im Dorf starb nur ein Mensch daran.
2. März starb der Baumwärter Jacob Hinr. Peters zu Meiershausstelle.
1832
Ward Johann Hinrich Peters seinem Vater als Küster adjungirt
Vom 5. - 6. Juli ertrank in der Ostsee der schwedische Matrose Peter Friedr. Holmström und ward hier beerdigt.
1833
In diesem Jahr lösete sich das Heidedepartemenr auf und bildete sich das 2. Forstdepartement welches die Viraition (?) der Waldungen übernahm, wogegen das Cämmerey Collegium die Jurisdiktion und das Patronat erhielte.
Fing die Regulierung der Stadt Waldungen an welche dem Oberförster Garthe zu Remplin und dem Forstinspector Becker hieselbst von E. E. Rath übertragen war.
Ward der Cand. Ernst Carl Fried. August Wolf dem Pastor Wolf,seinem Vater adjungiert und d. 14. April ordiniert.
Juli 27. starb der Jäger Friedrich Johann Dewitz zu Wiethagen 60 J.alt.
9. Sept. starb der Pächter Joachim Hopff (?) zu Niederhagen 78 J. alt
1834
Ward der Forstpractikand Georg Garthe dem Forstinspector Becker adjungiert.
1835
12. Aug. brannte des Hausmanns Wullenbäker Scheune zu Willershagen vom Blitz entzündet ab.
4. Sept zersprang des Jägers Köhn Gewehr auf der Hühnerjagd und zerschmetterte die linke Hand, welche abgenommen werden mußte.
27. März wurde die Leiche des im Meer ertrunkenen .....(?)Odebrecht ....(?) beerdigt.
1836
Starb d. 6. April der hiesige Prediger Christian Carl Wolf, geb.zu Rostock 13. Nov. 1761,zum Prediger gewählt d. 20. Januar 1803. Er widmete in den 33 Jahren seiner Amtsführung seiner Gemeinde alle Kräfte und hatte sich allgemeine Liebe und Achtung erworben.
Starb 31. Mai zu Niederhagen Christian Paetow, er war zum Besuch daselbst
Lösete sich die Privat Armenkasse daselbst wieder auf und erhielte die Kirche vom Überschuß des Capitals 41 Thlr. 9 Schlg.
1837
4. Febr.starb der Jägermeister Daniel Heinrich Christian Clasen.
18. Jan. starb der Pächter zu Studthof Hartwig Kluth
1. Juli ward dem Einl. Hinrich Keding 70 J.alt der Schädel von einem herabfallenden Zweige zerschlagen, er lebte noch 14 Tage.
7. u. 8. Apr. fiel so viel Schnee, daß einige Gebäude bis zum Dach zugeschüttet waren ; d. 29. Nov. wüthete ein Orkan.
1838
22. März brannte der ganze Hof Casßbom ab.
28. Nov. ging ein 4 Hiesch Kathen in Hinrichshagen in Feuer auf.
ward eine Theerschwelerey im Wiethäger Revier angelegt.
ward ein Canal vom Moorhof zum Pramgraben gezogen


Ich schließe jetzt diese Nachrichten und überreiche dem Herrn Pastor Wolf diese Chronik mit dem Wunsch daß derselbe, so wie seine sämtlichen Nachfolger Veranlassung haben mögen viel mehr Gutes und Erfreuliches als Trauriges in derselben aufzuzeichnen.
Roevershagen Herm.Fried.Becker
am Ostern Forstinspector
1839



Fortsetzung nach Beckers Dienstende

1839
den 12ten März stürzte der Benkenhäger Einlieger David Waak von einem hohen Baum beim Zapfenpflücken im Torfbrücker Revier und starb auf der Stelle
1841
War die Chaucee von Rostock nach Ribnitz im Bau begriffen, welcher 1842 beendigt ward.
Am Johannis feierte der Forstinspector Becker hieselbst sein 50-jähriges Dienst- und Heiratsjubileum, jedoch ganz in der Stille. Er erhielt von Serenissimo das Diplom als Forstmeister und von der Akademie das Diplom als Doctor philosophiae. Seinem Adjunkten dem Forstinspector Garthe (Georg) wurden die Geschäfte überwiesen, jener jedoch behielt sein volles Gehalt.
Den 1.-8ten September war die Versammlung Teutscher Land- und Forstleute in Doberan.
1842
Vom 4ten bis 8ten Mai war der große Brand in Hamburg.
Im November brannte der Hof Bartelsdorf ab.
1843
Vom 14 bis 16ten Juli war das große Norddeutsche Musikfest in Rostock
Im December brannte der halbe Hof Haeschendorf ab.
1844
den 27ten Juni ward ein Student, namens Mühlenbruch, Sohn des Besitzers von Gerdeshagen, zu Roevershagen auf dem Kirchhofe mit Glockengeläut begraben. er war mit einem Studenten Wolters aus Hamburg im Sturm in die Ostsee gesegelt, das Boot mgeschlagen und beide, sowie der Matrose, der sie gefahren hatte, waren ertrunken, Mühlenbruch am Rosenort, Wolters aber zum Fischland ans Land getrieben und dieser dort beerdigt.
In diesem Jahre ward vom Forstmeister Becker eine Leihbibliothek für die Dorfbewohner hieselbst errichtet, deren Aufsicht der Prediger und der Forstinspector Garthe übernahmen und die vom Küster Peters administriert wird.
1845
Ausbruch der Kartoffelkrankheit in Teutschland, England,Frankreich und besonders in Belgien und Holland, wo fast alle Kartoffeln verdarben und daher unter den ärmeren Leuten große Noth entstand. Alle vorgeschlagenen Mittel gegen dieselbe haben sich nicht bewährt. Der beste, aber nicht groß anzuwendende,möchte folgender von Dr. Nohl und v. Haas zu Barmen vorgeschlagene Mittel seyn: Die ......(?)Kartoffeln, kranke und gesunde, werden während einer halben Stunde in einer Auflösung von Chlorkalk, so .....(?)Die so behandelten Kartoffeln sollen aber sehr salzig schmecken. Die Keimfähigkeit verliere sie dadurch nicht.
P.S. Ein selbst gemachter Versuch hat gezeigt, daß der Geschmack nicht sehr salzig war.
Im großen Gesangswettkampfe in Brüssel am 24.Sept erhielt der Kölner Männergesangverein,63 Männer an der Zahl, den ersten Preis.
Zu Berlin machte in diesem Jahr ein Neusilberfabrikant aus Neusilber falsche Thaler.
Polier war Zimmergesell Hoff. Gedeckt ist der Thurm vom Thurmdeckermeister Schultz zu Rostock erbaut.Der Riß dazu ward von dem Stadtbaumeister (?)
1846
Der jetzige Rövershäger Kirchturm ward im Sommer 1846 Schweder (?) und dem Zimmermeister Mahn in Rostock angefertigt und von demletzteren ausgeführt.
Bürgermeister waren damals in Rostock Kaufmann Bauer,Doctor Bencard und Doctor Petersen, Aeltester beim ersten Quartier Kaufmann Paetow und beim zweiten Schuster-Aeltester Seeger. Patronen der Roevershäger Kirche waren Senator Ziel und Doctor Weber, Prediger in Roevershagen E.Wolff, Kirchenvorsteher Bauer Hoff in Mittelhagen, Bauer Suhr in Oberhagen und Bauer Koopmann in Mittelhagen,Küster Peters senior und Peters junior (Adjunkt)Forstinspectoren waren der Forstmeister Becker, welcher aber schon zwischen Ostern und Johannis nach Rostock zog,und der Forstinspector Garthe, Pächter in Niederhagen Ch.Hopp, in Oberhagen Pippow,in Stuthof C.Viethaack und in Purkshof Lewerentz,Schultze war der Bauer Hoff in Oberhagen.
Gangbare kleine Münzen waren damals Mecklenburgische Feinsilberstücke. Auch fing das Preussische Gold an hier Eingang zu finden.
Die Kartoffeln mißriethen in diesem Jahr (1846)gänzlich,und nicht allein hier,sondern in einem großen Theil von Europa, namentlich in Irland. Als hier im Orte nach längerer Dürre ein starker Regen kam, fingen die Blätter des vorher gut aussehenden Kartoffelkrauts (plötzlich) an schwarz zu werden. Darnach trat es in der einen langen Trockenheit ein. Die Kartoffelernte ward darüber so schlecht, daß an vielen Stellen kaum wieder die Saat gebauet ward, manche Strecken gar nicht aufgenommen wurden. Die große und lange Wärme hatte zwar die Krankheit an den meisten Orten erstickt; aber dafür trat das genannte größere Übel auf. Hin und wieder trugen allerdings die Kartoffeln ziemlich gut zu - und oft in nicht großer Ferne von ziemlich mißrathenen - aber dort fanden sich häufig schlechte darunter, wenngleich nicht in solcher Menge, wie in vergangenen Jahren, wie unter den sich einst von einem......(?)
Auch die Kornernte war nicht gut gewesen. Daher entstand eine große Theurung.

Im Winter 1847 stieg die Tonne Kartoffel bis auf 3 Rthl. und darüber, der Rostocker Scheffel Weizen bis über 3 Rthl., der schf.Rocken bis auf 2 Rthl. 32 Schl., d.schf. erbsen bis über 2 Rthl., Gerste auf 1 rthl. 24 Schl. und darüber, Hafer bis 1 Rthl. 12 Schl., das Pfund Butter bis auf 10 - 12 Schl.,

sowie auch alle andren Lebensmittel theurer wurden. Rußland führte in diesen Jahren ungeheuer viel Korn aus, Mecklenburg vorwiegend an Gerste, mußte aber im Frühlinge wieder Rocken kaufen, wenn es vorher davon ausgeführt hatte. Auch in Nordamerika war viel Korn gewachsen. Dagegen bedurften Deutschland, Holland, Belgien, Frankreich, Großbritannien und Irland und Ungarn der Zufuhr.

Zu Irland verhungerten viele Menschen. Im Frühlinge fielen die Kornpreise jedoch wieder.

Am 10ten Juli galt das Getreide nach den Rostocker Zeitungen:

Weizen 2 Rthl. 16 Schl. bis 2 Rthl. 28 Schl. der Scheffel Rocken 2 Rthl. 4 Schl. bis 2 Rthl. 8 Schl. der Scheffel Gerste 1 - 16 - - 1 - 20 - Hafer 1 - - - 1 - 6 - Erbsen 1 - 36 - - 2 - der Sack neue Kartoffeln 20 Schl.

1848 Am 5ten Januar 1848 galt nach den Rostocker Zeitungen: Weizen 1 Rth. 20 Schl. bis 1 Rthl. 31 Schl. der Scheffel Rocken 42 - - - 46 - Gerste 33 - - - 37 - Hafer 30 - - - 32 - Erbsen 1 Rthl. - 1 Rthl. 5 - Butter 11 -12 Schl. das Pfund

1848 Am 1ten Mai 1848 ward in Mecklenburg anstatt der bis dahin geltenden N 2/3 (neue Zweidrittel) u.s.w. das Preußische courant eingeführt. 1 Rthl. N 2/3 hatte den Werth von 1Rthl. 8 Schl. Courant.

1849 Am 12ten Juli galt nach den Rostocker Zeitungen: Das Scheffel Weizen 1 Rthl. 16 Schl. bis 1Rthl. 32 Schl. Courant - - Rocken 32 - - 36 - - - - Gerste 26 - - 32 - - - - Hafer 20 - - 24 - - - - Erbsen 32 - - 36 - - Die Tonne Kartoffeln 1 Rthl.40 - - 2 Rthl. - - Das Pfund Butter 8 ½ Schl. Die Kartoffelkrankheit soll hier jetzt (Juli) schon wieder für- und wieder zeigen. Sie trat in den letzten Jahren weit gelinder auf, aber ganz gewichen war sie auch im vergangenen Jahre noch nicht. Namentlich und besonders fand sie sich da ein, wo sie früher noch nicht gewesen war. Die eigentlichen Winterkartoffeln können sich noch immer nicht recht von derselben erholen. Daher werden hier meistens frühzeitige und Winterkartoffeln gepflanzt. Alle Mittel gegen die Krankheit haben sich bis jetzt nicht vollkommen bewährt.

1850
Am 18ten April 1850 galt nach den Rostocker Zeitungen:
Der Scheffel Weizen 1 Rthl. 16 Schl. bis 1 Rthl. 25 Schl. Courant
Rocken 32 37
Gerste 24 28
Hafer 22 26
Erbsen 34 37
Leinsamen 1 16 1 24
Linsen 28 32
Buchweizen 24 27
Die Tonne Kartoffeln 1 24 1 64
Gewogenes Pfund Butter

Im Sommer diesen Jahres war in Güstrow das erste Mecklenburgische allgemeine Gesangsfest

1852
Die erste allgemeine Mecklenburgische Kunstausstellung und Thierschau zu Güstrow.

Am 14ten Juli 1852 galt nach den Rostocker Zeitungen der Scheffel Weizen 1 Rthl. 16 Schl. bis 1 Rthl. 28 Schl. Cour - - Rocken 1 - 6 - - 1 - 10 - - - - Gerste 38 - - 44 - - - - Hafer 26 - - 30 - - - - Erbsen 1 - - 1 - 6 - - - - Rübsen 1 - 36 - das Pfund Butter 10 Schl. die Tonne alter Kartoffeln gilt ungefähr 2 Rthl. das Faß neuer Kartoffeln gilt ungefähr 12 Schl. (1 Tonne = 4 Scheffel = 16 Faß = 64 Metzen =219 Liter Anm.W.S.)

1853 gilt ungefähr der Scheffel Weizen 2 Rthl. - - Rocken 1 Rthl. 12 Schl. bis 1 Rthl. 28 Schl. - - Gerste 1 Rthl. - 1 Rthl. 8 Schl. - - Hafer 30 Schl.

1854 am 7ten Juli galt nach den Rostocker Zeitungen der Scheffel Weizen 2 Rthl. 32 Schl. bis 2 Rthl 44 Schl. - - Rocken 2 Rthl.. 4 Schl. bis 2 Rthl.16 Schl. - - Gerste 1 Rthl. 4 Schl. bis 1 Rthl. 12 Schl. - - Hafer 44 Schl. bis 1 Rthl. - - Erbsen 1 Rthl. 36 Schl. bis 1 Rthl. 40 Schl. die Tonne Kartoffeln ungefähr 2 Rthl. das Pfund Butter 13 bis 14 Schl.

1855 am 2ten September galt nach den Rostocker Zeitungen der Scheffel Weizen 2 Rthl. 24 Schl. bis 3 Rthl. 16 Schl. - - Roggen 2 Rthl. 8 Schl. bis 2 Rthl. 16 Schl. - - Gerste 1 Rthl. 12 Schl. bis 1 Rthl.20 Schl. - - Hafer 1 Rthl. bis 1 Rthl. 8 Schl. - - Erbsen 1 Rthl. 32 Schl. bis 1 Rthl. 40 Schl.

1856 am 9ten September galt nach den Rostocker Zeitungen Weizen 2 Rthl. 16 Schl. bis 3 Rthl. 4 Schl. Rocken 1 Rthl. 32 Schl. bis 1 Rthl. 42 Schl. Gerste 1 Rthl. 24 Schl. bis 1 Rthl. 34 Schl. Hafer 1 Rthl. 8 Schl. bis 1 Rthl. 16 Schl. Erbsen 1 Rthl. 40 Schl. bis 2 Rthl. 8 Schl. Butter galt im September in Rostock 16 bis 18 Schl. Am Ende des Monats September brannte in Hinrichshagen das Jägerhaus und 2 Katen, worin im ganzen 11 Familien wohnten ab. Im Juli schlug der Blitz in die Pappel, welche am Steige vor dem Witwenhausestand.

1857 Im Frühlinge 1856 gab es wenige und im Mai 1857 noch weniger Maikäfer. Dagegen gab es im Sommer und Herbste 1857 sehr viele Engerlinge im Acker, die namentlich den Kartoffeln vielen Schaden thaten. am 22ten August galt in Rostock Weizen 1 Rthl. 24 Schl. bis 2 Rthl. 4 Schl. es galt der alte Weizen Roggen 1 Rthl. 16 Schl. - 1 Rthl. 20 Schl. am 31.Aug. nur noch Gerste 1 Rthl. 8 Schl. - 1 Rthl. 20 Schl. 1 Rthl.24 bis 2 Rthl., Hafer 1 Rthl. - 1 Rthl. 8 Schl. der neue dagegen Erbsen 1 Rthl. 24 Schl. - 1 Rthl. 32 Schl. 1 Rthl.44 bis 2 Rthl.10 Butter galt 16 bis 18 Schilling und einzelne wollten sogar 19 Schl. für das Pfund bezahlen. Erbsen und Wruken waren in diesem Jahre gänzlich mißraten, so daß sie meistens garnicht gedroschen werden konnten. Ursache davon war die lange anhaltende Dürre und das Befallen derselben mit Blattläusen. das Sommerkorn hatte überhaupt durch die dürre sehr gelitten. Die Erndte begann schon am Ende des Julius und war vor dem Ende des August beendigt. Weil es den ganzen Sommer hindurch wenig regnete, kam das Korn trocken in die Scheune, welche aber sehr leer blieben, da nicht nur das Sommerkorn, sondern auch das Winterkorn wenig Stroh brachte und wir hier nur halb so viel Heu bekamen, als in anderen Jahren. noch trauriger sah es aber auf den Wiesen der Warnemünder aus, wo auf großen Stellen das Gras ganz verdorrt war.

1858 April 30 Weizen 1 Rthl. 24 Schl. bis 1 Rthl. 37 Schl. Rocken 1 Rthl. 4 Schl. bis 1 Rthl 7 Schl. Gerste 46 Schl. bis 1 Rthl. 6 Schl. Hafer 40 Schl. bis 45 Schl. Erbsen 1 Rthl. 16 Schl. bis 1 Rthl. 24 Schl. Butter 14 - 15 Schl., stieg aber später bis zu 20 Schl.

Heu war in diesem Jahre hier bei uns im allgemeinen auch wohl nicht viel mehr, als im vergangenen Jahre. Das Winterkorn dagegenwar ziemlich gut, das Sommerkorn sogar sehr gut gewachsen. Das Winterkorn hatte in einem Teil von Mittelhagen und in ganz Oberhagen sehr durch den Hagel gelitten, qwelcher am 12ten Juli fiel und noch viel mehr ‘Schaden gethan haben würde, wenn nicht der Wind ganz still gewesen wäre.

1859
Am 11ten Juli feiert der Forstinspektor Garthe hieselbst sein fünfundzwanzigjähriges Jubiläum, eingedenk danken sämtliche

Jäger und Baumwärter mit einem silbernen Pokal und von den Mitgliedern des Forstdepartements wurde ihm ein Patent des Großherzogs überreicht, enthaltend die Ernennung desselben zum Forstmeister,

Am 17ten August schlug der Blitz in das Witwenhaus, welches abbrannte und nicht wieder aufgebaut ward.
Die Erndte war in diesem Jahr recht zeitig. Ich fuhr mein letztes Korn am 11ten August ein und vor dem 24ten August war die ganze Kornerndte beendigt. Die Wiesen jedoch hatten wegen des schnell reifenden Korns nicht alle gemäht werden können, sondern wurden zum Theil erst nach der Erndte zum ersten Mal gemähet. Das Sommerkorn war im allgemeinen noch nicht so gut gewachsen, als 1858 und Wiesenheu gab es nicht mehr, als 1857. Dagegen war der Klee ausgerechnet gut gerathen. Ebenso stand auch das Winterkorn gut. Selten war in der Erndte wohl fortwährend so günstiges Wetter, als in diesem Jahre.
Nur am 17.Aug.fiel ein so starker Regen, daß dadurch die Beendigung der Erndte um einige Tage verzögert ward. Wärend der Rockenerndte hatte es bereits auch geregnet, aber doch nicht so stark.
Die Weitzenerndte in diesem Jahre außerordentlich gut, der Rocken im gantzen nur schlecht und so auch die Gerste, worunter es sehr viele Schwachkörner gab. Mein Hafer, der 1858 sehr gut gewesen war dieses Jahr sehr schlecht. sehr gut ist er in dieser Gegend wohl überhaupt nicht gewesen.
1860
Am 10ten Januar galt in Rostock

der Weizen 1 Rthl. 32 Schl. bis 1Rthl. 42 Schl. (1Rthl.46 Schl .extrafeiner) der Rocken 1 Rthl. 8 Schl. - 1 Rthl.12 Schl. die Gerste 40 - - 1 - 6 - der Hafer 33 - - 37 - die Erbsen 1 Rthl.12 Schl. - 1 - 18 -

Da in diesem Sommer mehr Regen fiel, als in den vorhergehenden Jahren, so wächst das Sommerkorn gut und lohnte viel besser, als in dem vorhergehenden Jahre, und das Winterkorn war auch gut. Die Kartoffeln dagegen waren wegen der nassen und kalten Witterung schlecht gerathen und viele wieder von der Krankheit befallen.

Weil durch die nasse Witterung sich die Erndte sehr verzögert hatte, so waren im Herbst schwer Leute zum Kartoffeleinfahren zu bekommen, und mußten statt 10 Schl. 12,14,ja 16 Schl. Tageslohn gegeben werden.

1861
galt in Rostock am 10ten Februar der

Weizen 1 Rthl. 16 Schl. bis 2 Rthl.15 Schl. Rocken 1 Rthl. 8 - - 1 - 16 - Gerste 44 - - 1 - 12 - Hafer 32 - - 38 - Erbsen 1 - 12 - - 1 28 -

war das Korn auch im ganzen gut gewachsen. Das Winterkorn hatte zum Theil wegen des vielen Regens stark gelagert und zwischen dem Sommerkorn waren ähnlich dem Hafer, waren stellenweise viel Bitterling gekommen.
Die Kartoffel und auch wohl die Erbsen in den Niederungen haben durch den vielen Regen gelitten und hieselbst wird auch die Gerste deshalb weniger lohnen., wenn sie gleich im Stroh groß genug geworden war. Die Kartoffeln sind klein geblieben und jetzt, am Ende des August, schon im Preise gestiegen.
Die Kartoffelernte ist ungeachtet des ungünstigen Wetters doch ziemlich glücklich vollendet, indem ein starker Wind das naß gewordene Korn immer wieder trocknete. Kleehen ist viel verdorben, namentlich die Vormaht. Bei der Nachmaht hat auch gelitten, ist aber doch noch ziemlich gut eingebracht. Das Heu ist wohl von den Wiesen,die später gemäht sind, meistens gut eingebracht. :Dieses Jahr haben die Wiesen hier besßres Heu getragen, als in den vorhergehenden.
1862
das Getreide galt am 26ten August

Weizen 1 Rthl. 32 Schl. bis 2 Rthl. 10 Schl. Rocken alter 1 Rthl. 20 Schl. bis 1 Rthl. 28 Schl. neuer 1 Rthl. 8 Schl. bis 1 Rthl. 18 Schl. Gerste 1 Rthl. 4 Schl. bis 1 Rthl. 12 Schl. Hafer 1 Rthl. bis 1 Rthl. 4 Schl. Erbsen 1 Rthl. 24 Schl. bis 1 Rthl. 32 Schl. In diesem Jahr stand hier das Korn gut, ohne zu liegen.

Am 24ten November empfingen wir zu unserer silbernen Hochzeit aus der Gemeinde ein Geschenk von 12 silbernen Eßlöffeln und 12 silbernen Teelöffeln.
1863
In der Nacht vom 22 auf den 23ten December war ein solcher Sturm, daß in der Rostocker Heide ungefähr 26 bis 30 000 Bäume umgestürzt sind .


das Getreide galt am 22ten December Weizen 1Rthl. 4 Schl. bis 1 Rthl. 28 Schl. Rocken 44 Schl. bis 1 Rthl. 1 Schl. Gerste 36 Schl. bis 44 Schl. Hafer 28 Schl. bis 32 Schl. Erbsen 1 Rthl. bis 1 Rthl. 8 Schl.

1865
den 5ten März galt in Rostock das Getreide

Weizen 1 Rthl. 4 Schl. bis 1 Rthl. 24 Schl. Rocken 33 Schl. bis 45 Schl. Gerste 34 Schl. bis 42 Schl. Hafer 26 Schl. bis 1 Rthl. 4 Schl. Im Jahre 1864 hatte es auch nicht viel mehr gegolten

Deutsches Reich bis 1918

1898
Auf Befehl Sr.Hoheit des Herzoges Johann Albrecht

vom 2.April 1898 soll eine an dem 1.Januar 1898 beginnende Chronik eines jeden Kirchspiels eingerichtet und weiter geführt werden.

Es ist nur eine Kirche vorhanden. Der von Holz 1846 erbaute Thurm ist so schadhaft geworden, daß die Bauausführung eines steinernen Thurmes vom Patronat in Aussicht genommen ist. Das läuten mit der großen Glocke hat eingestellt werden müßen, weil Gefahr vorhanden ist, daß diese Glocke aus dem Lager rutscht und dadurch große Gefahr für den Glockenläuter herbeigeführt werden möge. Man begnügt sich, mit dem Klöppel anzuschlagen. Die kleine Glocke ist seit dem 28.April 1887 gerißen und seit der Zeil durchaus unbrauchbar. Vom Patronate ist wiederholt der Umguß oder die Reparatur dieser Glocke erbeten,dasselbe behandelte die Sache in der ...... .(?) Die Wiederherstellung dieser Glocke soll nun zugleich mit der Erbauung des Thurmes vorgenommen werden.

Schulhäuser sind 3 vorhanden in der Gemeinde: in Mittelhagen, in Hinrichshagen, in Stuthof. Das Mittelhäger Schulhaus ist nach einer an demselben befindlichen Einritzung im Jahre 1816 erbaut worden. Jetziger Küster und Lehrer ist Karl ........(?) eines Lehrers Sohn aus ......(?) bei Stavenhagen. Seine Personalien u. Familie of. Familienhandbuch pag.330. -Das Schulhaus zu Hinrichshagen scheint ein alter Bau zu sein. Lehrer ist Christoph Rong aus Lützow, des Kantors Rong an der dortigen reformierten Kirche. Er ist zur lutherischen Kirche übergetreten. Seine Personalien p.205 Das Schulhaus in Stuthoff ist ein erbärmlicher alter Katen. Die Schulstube ist vor einer Reihe von Jahren in den Nachbarkaten hinzugebaut, so daß dadurch eine Stube für den Lehrer gewonnen ist.-Lehrer in Studthoff ist Ludwig Klatt, eines Schmiedes Sohn in Wittenburg. Seine Personalien d. Familie of. pag.109 im Familienstandsbuch. -Die Schulhäuser sind noch sämtlich mit Stroh gedeckt.-

Das Pfarrhaus ist 1870 neu gebaut, als Ludwig Dolberg Pastor war, der im 70. Jahr 1875 entsetzt wurde.
-Jetziger Pastor ist Christian Schultze, Sohn des Pastors Schultze in Goldberg. Er war vorher Pastor in Jessenitz u. hieselbst gewählt 1875. Dom.p.Trin..XXI.17.Ort. Er erhielt 118 Stimmen. Sein Gegner Pastor Albrecht in Penzlin (später in Recknitz)5 Stimmen. hinzugeführt wurde
1898
Pastor Schultze durch den Superint. Schwane (?) aus Doberan 1875. Dom.p.Trin.XXYI.Nov.21.
Seine Antrittspredigt hielt er sodan anno Dom. adv. III. Sein Umzug hierher war sehr kostspielig, u. weil böses Schneewetter eingetreten war, sehr mühselig.
- Persönliches in Walter `Unsere Landesgeistlichen´und Familienstandsbrief p.254. -
Die Zahl der Gemeindeglieder war Mich.1898 = 8 Hauswirthe, Wullenbäker ...(?),Crull, der Schulze,Heinr.Hoff .....(?) Kienzmann,.....(?) i.J. Hoff verhandelte lebhaft über ihre Vererbpachtung, welche der Magistrat zu Rostock ihm nicht zuweisen will.
- Die Gutspächter sind: Ernst Malchin zu Oberhagen, Personalien Famil.b.p. 421. - Wilhelm Stichert in Niederhagen p.340. - Friedrich Stichert p.419 zu Stuthof; ein Pächterhof v. Rost. Jürgenshof Gustav Strömann p.266, ein aus der Magdeburger Gegend zugewanderter Landwirth. -
Forstinspektor ist Max Garthe seit 1898. Geborn ist derselbe hierselbst 1864 Juni.
-Sein Vater, dem er vorher adjungiert war, war der hiesige Oberforstmeister Julius Garthe, welcher hier am 9.Oct. 1897 starb.
Im Jahre 1898 wurden die beiden Kämmereisenatoren Brömann, ein Pächter zu Captow, und Rögner, ein Landmeister, zugleich krank u. dienstunfähig. Sie hatten die Kirchenrechnungssachen vertrödelt schon seit Jahren. Die Interimistischen Patrone P.J.L. Bursand, Bürgermeister in Laage, und Blaetz ein Rechtsgutachter, holten die Rechnungs....? hieselbst nach, und zwar am 14.Febr. die Jahrgänge 1889 bis 1894 und am 15. März die von 1895 bis 1897.
Am 14.Juli wurde hier die Synode abgehalten.
Am 16.Juli wurde im Küsterhause eine ....? unter dem Patronate abgehalten wegen Anlegung eines .....? auf dem Küstereigehöfte. Derselbe wurde danach auch durch den ....? Niemann in Rostock hergestellt, hart an der Vorstraße mit einem Zaune umgeben.
1898
Am 21.August.D.p.Tr.XI hielt der Superint.Pentz aus Doberan hier eine plötzliche Inspection ab. Er traf den Pastor nicht zu Hause, der Küster las die Predigt. Der Pastor predigte in Volkenshagen, was dem Sup. genügend angezeigt war. Das Resultat der Inspection ist in einem Schreiben des Superint. Penz vom 28.Aug bei den Akten. -
Am 5.Oct.wurde ein Herbstsepardt ? im Gasthof zum "Fürsten Blücher"

in Rostock abgehalten. -

Am 20.Nov.Dom.p.Trin.XXN. Kircheninspection durch den Superint. Penz. Er hielt eine Ansprache über Ps.CXXI s.2.
-Darauf Conferenz mit den Lehrern im Pfarrhause. Der Pastor fand nicht viel Freude in den Augen des Herrn Superintendenten. :Die Predigt des Pastors war ihm nicht klar genug. Er mußte über den vorgeschriebenen Text Matth.XXII,23 - 33 predigen.
- Am 21.August wurden die drei Schulen inspiciert. -
1899
Am 1.März war der Pastor zum Präpositus nach Toitenwinkel geladen, um mit ihm zusammen eine Erzieherin zu prüfen. -
Am 11.April wurde in der Schule durch den Pastor das vom Herzog- Regenten Johann Albrecht als Zeichen der Anerkennung der Schule geschenkte Bildnis des Großherzoges Friedrich übergeben. - Die Schriften dazu bei den Akten. -
Von Pfingsten bis D.p.Trin.X ist der Pastor schwer erkrankt gewesen, so daß er sich alle 14 Tage durch Prädikanden hat vertreten und Taufen und eine Beerdigung durch die Amtsbrüder in Bentwisch, Volkenshagen und Blankenhagen hat verrichten lassen müssen. - Am D.p.Tr.XI hat er wieder angefangen zu predigen. -
1900
Laut Vertrag vom 25./30. Januar, der am 6.Febr.d.J. die oberheitliche Bestätigung erhalten, ist nun ein Teil des der hiesigen Pfarre zu liefernden Holzdeputates abgelöst, nämlich

41 rm Eichenknüppelholz (3M pro rm) 2 rm Buchenkluftholz (5M a rm) 11 rm Kiefernkluftholz (4 M a rm) 11 rm Ellernkluft (4 M a rm)

Es wurden dafür dem jeweiligen Pastor im Johannistermin jedesmal je 221 Mark ausgezahlt.
Es verbleiben der Pfarre:

45 rm Buchen die weiter in natura geliefert werden und 10 rm Kiefernkluft von den Gütern Niederhagen (55 rm) 10 rm Ellernkluft und Oberhagen (10 rm) anzuliefern sind.

Im Frühling wurde der alte, im Jahre 1846 erbaute Holzturm abgebro-chen. An seiner Stelle wurde ein neuer, massiver Turm aufgeführt, der am 13.Juli gerichtet werden konnte.
Die seit dem Jahre 1887 gerissene kleine Glocke wurde, nachdem sie umgegossen war, am 13. Sonnt.vor Trin. vom Pastor durch Geleut am Gottesdienst eingeweiht.
1901
Im Januar wird der nunmehr vollendete neue Turm und die durch neuen Anstrich geschmückte Kirche der Gemeinde vom Patronat zur Benutzung übergeben, nachdem solange interimistisch im Schulhause Gottesdienst abgehalten war.
1902
Am 23.Mai stirbt nach langer Krankheit der Pastor Christian Schultze im Alter von fast 66 Jahren, der seit Dezb. 1875 in hiesiger Gemeinde das Pfarramt verwaltet hat.
Mit der Aufwartung während des Gnadenjahres, das übrigens vom Patronat bis zum 1.Juli 1903 verlängert wird, wird der Pastor Haefke - Volkenshagen beauftragt.
Von Mitte Juni bis Mitte August wird das Schulhaus in Hinrichshagen durchgebaut. Der Schulunterricht, der wegen des Baues in der Schulstube nicht erteilt werden kann, wird in das Wiethäger Samenhaus verlegt.
1903
Am 26.April folgt Gertrud Schultze, Tochter des Pastors Schultze, noch auf dem Sterbebett konfirmiert, ihrem im Tod vorangegangenen Vater im Tode nach, eben 14 Jahre alt.
Am Sonntag Invocavit, d.1.März, findet die Wahl eines neuen Pastors statt. Es sind der Gemeine zur freien Wahl präsentiert:
Rektor Werner - Gadebusch
Pastor Borgwardt - Rechlin
Konrektor Ritter - Ludwigslust.
Bei der Wahl, die altem Herkömmen gemäß vom Patronat geleitet wird, erhält von 141 abgegebenen Stimmen Rektor Werner 105, Borgwardt 13, Ritter 23 Stimmen. Werner ist somit mit großer Stimmenmehrheit gewählt. Den sogenannten Honoratioren der Gemeinde sagt der gewählte Pastor nicht zu, und schon gleich nach der Wahl wird darauf hingearbeitet, die Wahl Werners rückgängig zu machen. Man wirft ihm unerlaubte Wahlumtriebe vor. Die von ihm selbst, mehr aber noch von seinen Angehörigen und Verwandten ins Werk gesetzt sein sollen. Er soll auch in seiner Wahlpredigt in unerlaubter Weise für seine Person geworben haben. Wie viel Wahres an diesen Beschuldigungen ist,kann der Berichterstastter nicht beurteilen. Jedenfalls. Jedenfalls ist dem Rektor Werner vom Oberkirchenrat nahe gelegt worden, zurückzutreten, was dieser dann auch getan hat. - Über diesen Ausgang der Pfarrerwahl bricht bei den kleinen Leuten helle Empörung aus. Sie wollen, wie sie sagen, `ihren, von ihnen ordnungsgemäß gewählten Pastor haben und keinen anderen´. Die Empörung und Unzufriedenheit in der Gemeinde wird von bestimmter Seite her gehörig geschürt, teilweise in widerwärtiger Weise, und wächst immer mehr. Selbst die bevorstehende Reichstagswahl wird benutzt, um die Unzufriedenheit zu schüren. Ein liberaler Wahlredner hält auf dem Rövershäger Krug eine Wahlrede über "Reichstagswahl und Pfarrerwahl". In der Lübecker Eisenbahnzeitung erscheint ein Artikel über die "Ritterwahl in Ränkeshausen", der in glühenden Parolen das den kleinen Leuten in der Rövershäger Gemeinde geschehene Unrecht schildert. Kein Wunder, wenn diese erklären, sie würden bei einer neuen Kirchenwahl einfach nicht in der Kirche erscheinen. Von dieser Drohung haben sie aber wohlweislich keinen Gebrauch gemacht. Die neue Wahl wird vom Patronat auf den Sonntag Rogate d.7.Mai, angesetzt. Diesmal wurden der Gemeinde präsentiert:
Rektor Wegner - Doberan

Rektor Iaacks - Warin Rektor Schultz - Neustadt.

Es wurden 107 Stimmen abgegeben, wovon Wegner 3, Iaacks 30, Schultz 74 Stimmen erhält. Damit ist Schultz gewählt. Dieser wird am 1.Sonnt. post Trin. durch den Superintendenten Dr.Behm introduzirt. er hält zugleich seine Antrittspredigt über Luk. 16.19-31. das Evangelium des betr. Sonntages. Anfang Juli siedelt Schultz von Neustadt hierher über und hält am 5.Sonnt.p.Trin.,also am Bettag vor der Ernte, seine erste unter den fortlaufenden Predigten.
Die verwitwete Pastorin Schultze zieht nach Gehlsdorf. Die Kämmerei hat ihr 450 Mark Mietsentschädigung zugebilligt.
Um Weihnachten herum wird eine Hauskollekte für ein in Schwerin zu erbauendes Männersiechenhaus in der Gemeinde abgehalten. :Nach Abzug der Unkosten kann als Ertrag der Kollekte 81,10 M abgeschickt werden.
Bei Gelegenheit der Pfarrbaukonferenz bittet der Pastor das Patronat um Schenkung eines neuen Altar-Kruzifixes. Das alte war beim Durchbau der Kirche und Neubau des Turmes zerbrochen worden.
- Anfangs Dezember teilt das Patronat mit, daß es 100 Mark zur Anschaffung eines Kruzifixes zur Verfügung stelle. Pastor besorgt ein solches von der Kunstanstalt der Berliner Stadtmission. Das Kruzifix, Ebenholz mit echtem versilbertem Bronzeträger, trifft am 23. Decb. hier ein und dient zum ersten Mal am Weihnachtsfest als neuer, schöner Schmuck der Kirche.
1904
Schon wärend der ganzen zweiten Hälfte des Jahres 1903 waren wegen Vererbpachtung der hiesigen Pfarrländereien an die Stadt Rostock Verhandlungen geschlagen zwischen Pastor, Kämmerei und Oberkirchen-rat. Der Kämmerei liegt sehr daran, den Pfarracker zu erwerben, weil die hiesigen Hauswirte vererbpachtet werden sollen und nach ihrer Vererbpachtung nicht mehr nötig haben, die Kühe der Forstarbeiter und ded Küsters, wie bisher, auf ihre Weide zu nehmen. Die Kämmerei ist somit genötigt, einen Weideplatz für diese Kühe zu schaffen. Dazu liegt ihr der Pfarracker sehr bequem, der schon lange Jahre hindurch nicht bestellt worden ist,sondern immer als Weide für des Pastors Kühe gedient hat.
Der Oberkirchenrat ist bereit, die Vererbpachtung gegen einen von 10 zu 10 oder von 20 zu 20 Jahren neu zu regelnden Kanon zu genehmigen.
Auch der Pastor erklärt sich bereit.. Da er aber den in der Nähe des Waschhauses außerhalb des Gartens liegenden Teich nicht entbehren kann, (zum Zweck der Wäsche und des Begießens durchaus notwendig!) stellt er die Bedingung, daß der Teich und etwa 400 Quadratruten des ihn umgebenden Ackers zum Garten geschlagen werden, und daß der ganze Garten, incl. des Reservats, das der Pfarre verbleiben soll, und das bisher als Standkoppel gedient hat, mit einem haltbaren, sicheren Drahtzaun umgeben werde. :Die Erfüllung dieser Bedingungen wird zugesagt.
-Nachdem die eben erwähnten 20 Ruten (Teich und umgebendes Land), außerdem noch 80 Ruten, die zur Erweiterung der anno 1888 errichteten Pfarrhäuslerei dienen sollen, vom Pfarracker abgetrennt sind, soll nunmehr im Sommer in einer Schlußsitzung über die Vererbpachtung der noch verbleibenden 5110 Ruten Ackers verhandelt werden, ebenso über die Vererbpachtung der zur Pfarre gehörigen Wiesen.
In dieser Sitzung, die in der Kämmerei zu Rostock stattfindet, erklärt der Vertreter der Kämmerei plötzlich, die Stadt Rostock sehe von einer Vererbpachtung der Pfarrländereien ab, sie wolle dieselben vielmehr gegen Erlegung eines einmaligen Kaufpreises erwerben. Der Superintendent ist, - trotz der Einsprüche des Pastors - sofort bereit,den Verkauf der Pfarrländereien beim Oberkirchenrat zu befürworten, und der Oberkirchenrat erklärt sich auch - trotz aller bösen Erfahrungen bei Verkäufen von Pfarrlande wie in früheren Zeiten - damit einverstanden, daß die Pfarrländereien gegen ein Kaufgeld in den Besitz der Stadt Rostock übergehen - für immer!! Als Kaufpreis werden 20685,43 Mark vereinbart. Dieser Preis ist in der Art berechnet, daß für die 5110 Quadratruten Acker 511 Mark(10 Pfennige pro Rute!)für die Wiesen 213 Mark,im ganzen also 724 Mark in Ansatz gebracht sind.Diese 724 Mark als Zinsen gedacht, ergeben das Kapitalvon 20685,43 Mark(das Nähere hierzu siehe in den Akten über die Pfarrländereien!)
Der Kaufvertrag ist unter dem 15./23.Septb.1904 abgeschlossen und am 24.Oktober 1904 oberbischöflich bestätigt worden.Die aus dem Kaufpreis aufkommenden Zinsen stehen dem jeweiligen Pastor zu,jedoch nicht in vollem Umfang.Der Pastor muß vielmehr ein Fünftel dieser Zinsen als für die Pfarre zu kapitalisierenden Betrag abgeben.So bildet sich mit dem Jahre 1904 ein Pfarrfonds, der sich von Jahr zu Jahr um 1/5 jener Zinsen vergrößern wird. Die Verwaltung dieses Fonds steht dem Pastor zu, der aber dem Superintendenten alljährlich bis zum vorgeschriebenen Termin darüber Rechnung abzulegen hat.
Mit dem Verkauf der Pfarrländereien häng tzusammen eine Änderung betr.die von den Hauswirten zu leistenden Anfuhr von 4 Fuhren Heu.Die Hauswirte haben sich bereiterklärt,für diese 4 Fuhren(a 6 Mark) jährlich an den Pastor 24 Mark,jeder 3 Mark, zu zahlen.Diese 24 Mark sollen immer zusammen mit dem Michaelisopfer eingesammelt werden.
Januar: Die Hauswirte haben in die Pfarre 12 Scheffel Roggen, 36 Sch.Gerste und 48 Sch. Hafer = Rostocker Maß = zu liefern (§ 22.1a des Rövershäger Dorfkontraktes !). Für dieses Korn hat die Kämmerei seit langen Jahren den Hauswirten den entsprechenden Geldbetrag bezahlt,und zwar nach Martinipreisen.Die Kämmerei ließ den Schulzen das Geld zukommen, der es dann unter die übrigen Hauswirte verteilte.Die Hauswirte aber gaben zum größten Teile nicht das Geld an den Pastor, sondern lieferten ihm das Korn in oft recht minderwertiger Qualität in natura.Der Pastor ist,da er ja keine Wirtschaft mehr hat und haben kann,deshalb bei der Kämmerei darum übereingekommen,daß diese den bisher an die Hauswirte bezahlten Geldbetrag direkt an ihn auszahlen.Die Kämmerei war dem nicht entgegen,und so ist denn die der Pfarre von den Hauswirten zustehende Kornlieferung von jährlich 12 Sch.Roggen,36 Sch.Gerste u.48 Sch.Hafer vertragsmäßig für immer in eine Geldzahlung,die nach Martinipreisen von der Kämmerei an den Pastor zu leisten ist,umgewandelt.Dieser Vertrag ist unter d.24.Januar 1904 oberbischöflich bestätigt worden.(s.Akten!)
Ostern 1904 ist der Lehrer Klatt aus Stuthof in das neuerbaute Schulhaus zu Niederhagen eingewiesen worden.Die Schule in Stuthof geht ein, dafür ist in Niederhagen eine Schule errichtet worden. Die neue Schulstube ist ein für ca.48 Schüler genügender Raum, sehr hell und luftig, mit praktischen neuen Schulbänken und Schultischen ausgestattet.Das freundliche Schulhaus entspricht allen Anforderungen, die man an ein solches stellen kann.Bei der Verlegung der Schule von Stuthof nach Niederhagen vernotwendigt sich eine neue Verteilung der Schulkinder aus den einzelnen Ortschaften.
Es wurden zugewiesen der Schule zu Niederhagen:die Kinder aus Niederhagen, Stuthof, Jürgshof und die Kinder vom Westende Rövershagens (Taubenberg, Forstgehöft, Hufe I, Wildfahrer und die dort liegenden Katen)
Die Schule in Hinrichshagen giebt ab die Kinder von Niederhagen und erhält dafür diejenigen aus Wiethagen.
Die Schule in Rövershagen, behält aber diejenigen von Purkshof und Oberhagen.
Im Laufe des Sommers 1904 wird das Pfarrhaus einem langwierigen Durchbau unterworfen. Die Ständer oben sind zum großen Teil bereits vergangen,und das Dach ist schadhaft geworden. So wird den der ganze obere Teil des Hauses abgerissen und erneuert und das ganze Haus mit einem neuen Schieferdach versehen. Das Pfarrhaus hat durch diese Änderung sehr gewonnen, um so mehr,als noch einige neue Stuben hinzugekommen sind und ein ordentlicher Rauchboden, der bisher fehlte, geschaffen ist.
Im Novbr.hat d.Pastor das der Pfarre gebliebene Reservat (bisher Stadtkoppel) auf seine Kosten rigolen lassen (60-70 cm tief) und den ganzen Ort mit Obst bepflanzt, und zwar zum größten Teil mit Apfelzwergbäumen, gleichfalls auf eigene Kosten.
Vorher ist dieses Stück Land,da es zu naß war, abdräniert. Die Drains hat die Kämmerei geliefert,die Ausgaben an Tagelohn hat der Pastor zu tragen.Bei dieser Gelegenheit ist auch der alte Garten der Länge nach, vom Waschhause bis zum Graben an der Nordseite,durch einen Strang drainiert worden.
1905
Im Frühling des Jahres 1905 ist um den ganzen Garten, incl. Reservat, der versprochene Drahtzaun errichtet worden. Die Pfähle sind eichen, also auf lange Zeit haltbar. Der Draht ist ziemlich dichtmaschig und bietet deshalb sicheren Schutz gegen etwa eindringende Hasen und dgl.
Im Laufe des Jahres ist mancherlei zum Schmuck der Kirche angeschafft worden.
Am 31. Aug. traf eine neue vom mecklenburgischen Posamentenverein angefertigte Altarbekleidung, sowie eine neue Altarpult- und Kanzelpultdecke ein. Alles ist aus grünem Tuch angefertigt. Altarbehang und Kanzeldecke sind mit Goldstickereien versehen. Letzteres enthält das Monogramm ....Die Altardecke zeigt vorn ein goldgesticktes Kreuz mit der Umschrift: Lasset uns ihn lieben, denn er hat uns erst geliebt.Das gleichfalls neu angeschaffte leinene Altartuch enthält den rotgestickten Spruch: Das Blut Jesu Christi muß uns rein von aller Sünde. Nachträglich wurden noch Schutztücher von gemeinem Leinen beim Posamentenverein bestellt, die im Oktober geliefert wurden.Die Kosten für den Altar- und Kanzelschmuck sowie für die Schutztücher wurden aus den angesammelten `milden Gaben´bestritten.Da uns für den Altar- und Kanzelschmuck nur ca.100 Mark zur Verfügung standen, kam der Pastor beim Vorstand des Posamentenvereins ein um Ermäßigung der kosten, die in entgegenkommender Weise gewährt wurde.Der ganze Kanzel- und Altarschmuck hat nur 100 Mark, die Schutztücher 20 Mark gekostet.
Im Oktober ist aus der Kirchenkasse ein Opferteller aus poliertem Messing, versilbert,angeschafft worden, der auch von der Kunstanstalt der Berliner Stadtmission bezogen worden ist.
1906
Auf Anregung des Pastors und nach langen diesbezüglichen Verhandlungen mit der Kämmerei wird Ostern 1906 in allen drei Schulen der Gemeinde Handarbeitsunterricht eingeführt, der für alle Mädchen, wenn sie 8 Jahre alt sind, obligatorisch ist.
Als Lehrerinnen für diesen Unterricht, der in 6 Stunden wöchentlich erteilt werden soll, wurden gewonnen :
die Frau des Lehrers Hansen für die Schule in Rövershagen,
die Frau des Lehrers Rong für Hinrichshagen
und für die Schule in Niederhagen die unverehelichte Näherin Marie Papenhagen in Niederhagen.
Alle drei legten,um den Nachweis ihrer Fähigkeit zur Erteilung des Industrieunterrichtes zu erbringen,eine Prüfung in Neukloster ab, die von allen bestanden wurde.
Im Laufe des Sommers wird das alte Strohdach des Küsterhauses abgerissen und statt dessen dem Küsterhause eine Bedachung von Zementziegeln gegeben. Bei dem zu diesem Zweck nötigen Durchbau werden oben zugleich 2 neue Stuben hergerichtet, eine am Südgiebel des Hauses, die andere vorn über der Haustür.
Am 23. November wird die zur Pfarre gehörige Scheune an der Westseite des Teiches, da sie nach dem Verkauf der Pfarrländereien überflüssig geworden ist, auf Abbruch verkauft, und zwar für 241 Mark. Diese Summe wird dem Pfarrfonds zugelegt. Die Zinsen von den 241 Mark stehen ohne Abzug dem jeweiligen Pfarrer zu.
1907
Von Ostern 1907 ab dürfen die Kinder vom Westende des Dorfes Rövershagen, die seit Ostern 1904 der Schule in Niederhagen zugewiesen waren, wieder, wie seit alters her und wie nur billig, die Schule in Rövershagen besuchen. Da durch diesen Zuwachs die hiesige Schule überfüllt wird, wird bis auf weiteres in dieser Halbtagsunterricht erteilt. Dadurch entstehen zwei Klassen. Zur zweiten Klasse, der unteren Stufe, gehören drei Jahrgänge; die übrigen 5 Jahrgänge werden der ersten Klasse, der Oberstufe zugewiesen. Die Oberstufe hat durchweg am Vormittag, die Unterstufe am Nachmittag Unterricht. (näheres darüber je in den Schulakten und Stundenplänen!)
1908
Mit dem 1.Januar 1908 tritt nach Verfügung des Oberkirchenamts vom 12.Sept 1907 eine neue Ordnung für Begräbnisgebühren in Kraft. Es ist fortan zu zahlen:
1) für Erwachsene (über 15 Jahre) ohne Rede = 5,18 mit Rede = 6,35 M
2)für Kinder zwischen 6 Wochen und 15 Jahren ohne Rede = 3,00 M mit Rede = 4,17 M
3)für totgeborene Kinder und Kinder unter 6 Wochen nach einfachem Ritus = Nichts, wenn Pastor Rede hält = 1,17 M
4)für Leichen anderwärts nahmhafter,aber in der Gemeinde Rövershagen gestorbener und auch auswärts beerdigter Personen sind nur dann Gebühren zu zahlen, wenn kirchliche Funktionen in Anspruch genommen wurden.
5)Für auswärts nahmhafte u.gestorbene Leichen, die hierher zur Beerdigung überführt werden,bleiben,wie bisher,die dergestalten Gebühren von Bestand.
Die der Kirche, dem Pastor und dem Küster durch diese Neuregulierung entstehenden Einbußen sollen aus dem Kirchenfonds ersetzt werden, und zwar
der Kirche mit 2,35 M jährlich
dem Pastor mit 5,15 M jährlich
dem Küster mit 1,78 M jährlich
Um Johannis ist in der Gemeinde eine Hauskollekte zum Besten des Gotteskastens abgehalten werden.
Es konnten nach Abzug der Unkosten 75 Mark eingeschickt werden.
Im Sommer wurde an der Nord- und Westseite des Friedhofes, soweit derselbe hier nicht eingefriedigt war, ein weiß gestrichener Lattenzaun errichtet, der sehr zur Verschönerung des Friedhofes beiträgt und ihn zugleich schützt gegen das Eindringen von Kühen und anderen Tieren.
Dem Wohlwollen und Entgegenkommen des Patronats ist es zu danken, daß der Altarraum der Kirche erheblich verschönert ist, indem die Schranken um den Altar sowie das um diesen liegende Kniekissen erneuert, die Schnitzereien des Altaraufsatzes neu gemalt, bzw neu vergoldet worden sind unter Aufwendung erheblicher Kosten. Dadurch hat die ganze Kirche unendlich gewonnen, und der freundliche Eindruck, den die hiesige Kirche auf jeden macht, der in sie eintritt, ist dadurch noch wesentlich erhöht worden.
Im Herbst ist die in Graal-Müritz neu erbaute Kirche eingeweiht worden in Gegenwart des Großherzoges und der Großherzogin. :Der neu entstandenen Gemeinde Graal-Müritz ist auch Torfbrücke und das Torfbrücker Waldhaus zugeteilt worden, die bis dahin zur hiesigen Gemeinde gehörten. Die aus Torfbrücke und Waldhaus eingehenden Gebühren, besond. das Michaelisopfer, stehen, so lange der jetzige Rövershäger Pastor im Amt ist, diesem zu.
Fürderhin ist es den Einwohnern von Torfbrücke und Waldhaus gestattet,in Rövershagen taufen und beerdigen zu lassen etc.,so lange die Amtsdauer des jetzigen Pastors währt.
1909
Im Waldhause wohnte seit mehreren Jahren schon bloß noch eine Familie. Am Ostern 1909 ist auch diese fortgezogen. Seitdem steht das Waldhaus leer und soll, weil sehr baufällig, dazu sowieso im Walde gelegen, nicht mehr bewohnt werden, sondern über kurz oder lang abgebrochen werden. Dafür ist vor einigen Jahren bereits ein neuer dritter Forstarbeiterkaten in Torfbrücke gebaut worden, der von 4 Familien bewohnt wird. Im Sommer ist die Süd- und die Ostseite der Kirche mit mit selbstklimmendem Wein (Ampelopsis Veitchii und Ampel.Engelmanii) bepflanzt, wodurch, wenn der Herr Gedeihen giebt, auch das Äußere des Gotteshauses sehr gewinnen wird.
Am 15.November starb, 61 Jahre alt, die Witwe Auguste Marie Dorothea Peters, geb Borgwardt, Ehefrau des anno 1882 gestorbenen hiesigen Küsters Johann Carl Adolf Peters. Sie war seit der Zeit ihrer Ehe hier, wo sie den lange schwerkranken Mann zu pflegen hatte, eine rechte Kreuzträgerin gewesen und ist ihr Leben lang eine solche geblieben. Zumal in den letzten Jahren hat sie selber an schwerer Krankheit zu tragen gehabt, treu gepflegt von ihrer Tochter Marie, der Frau des jetzigen Lehrers und Küsters Hansen. (mit Bleistift kaum leserliche Anmerk.:gest 1952...?)
Um Weihnachten wurde in der Gemeinde eine Hauskollekte abgehalten zum Besten der Mission in Deutsch-Ostafrika. Diese Kollekte brachte netto die Summe von 70 Mark.

1910

Der Pastor bittet die Kämmerei, sie möge ihm für seine Amtszeit das der Pfarre noch zustehende Deputatholz (s.1900!) nicht in natura verabfolgen lassen, sondern ihm den dafür ausgesetzten Betrag von 381,25 Mark auszahlen. (Dieser Preis ist seit vielen Jahren schon von der Kämmereikasse an die Forstkasse bezahlt worden.) Kämmerei erklärt sich bereit, die Bitte des Pastors zu erfüllen, behält sich aber vor, die betr. Verfügung zurückzunehmen, "wenn dazu ein Anlaß gegeben ist." Das betr. Deputatholz ist von den Gütern Niederhagen (55 rm) und Oberhagen (10 rm) anzufahren. Die freie Anfuhr wird dem Pastor mit 65 Mark berechnet. Das Gut Oberhagen verpflichtet sich zur Zahlung von 10 Mark, das Gut Niederhagen zur Zahlung von 45 Mark pro anno an den Pastor, so lange dieser auf die Anfuhr des Holzes verzichtet.
Mit Johannis 1910 beginnt für das Gut Niederhagen eine neue Pachtperiode. Pächter bleibt der bisherige Pächter Wilh.Stichert: Auf ein entsprechendes Antrag des Pastors an die Kämmerei ist in den Pachtkontrakt die Bestimmung aufgenommen, daß, so lange die jetzige Pachtperiode dauert, alle Abgaben des Gutes Niederhagen an die Pfarre in Geld zu zahlen sind. Dabei sollen für Eier, Kaff u.s.w. die Preise gelten, die in den "Grundsätzen für die Veranschlagung von Pflanzen"(Regierungsbl.1906, No.5) festgesetzt sind, das Korn soll nach der höchsten Rostocker Notiz des Michaelistages bezahlt werden.
Seit vielen Jahren nicht sind so wenige Geburten in der Gemeinde Rövershagen gewesen wie in dem Kirchenjahr 1909/1910 (16!). Selten sind aber auch so wenige Todesfälle vorgekommen wie in diesem Jahr. Es sind nur 6 Personen beerdigt,
und unter diesen 6 war noch ein totgeborenes Kind und eine Leiche, die von Wandsbeck hierher gebracht war zur Beerdigung.
  1. mit diesem Datum irrte H.F.Becker, W.S.