Markgrafenheide´

Aus Ortschroniken
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1579 , 14. März Ratsprotokoll zum Bau eines "Graffen", dem Moorgraben
Der verordnete Bürger J. Barchmann aus Müggenburg initiiert beim Rat den Bau eines Kanals (bezeichnet als "Graffen") in die Heide "zum Besten der Stadt".

Hier dürfte es um die Verbindung des Radelsees Richtung Hütelmoor, aber noch nicht bis Stinkengraben (erst 1760) gehen, da der Radelsee über die Kleine Radel mit dem Breitling bereits schiffbar verbunden war.

Ein solches Vorhaben dürfte über längere Zeit viele Arbeitskräfte, Zugtiere, Geschirr und Hausrat benötigt haben, so dass man dafür eine Versorgungslinie und dauerhafte Gebäude errichtet haben müsste. So erwähnt das Ratsprotokoll auch "einen Hof in der Heide". Erwähnt werden Arbeiten, den Grassodenabstich und den Aushub zum Dünenbau zu verwenden. Der Vorarbeiter Claus Jendrick hatte "viel Volk", darunter "sodenstecker" und "grewer" beschäftigt. Bauern übernahmen den Transport des Aushubs.

Die Ratsherrn Heine und Bürgermeister Gerdes treten als Investoren dieses Projektes in Erscheinung, obwohl der Rat das Vorhaben von Barchmann zunächst abgelehnt hatte. 1587 soll der Moorgraben fertiggestellt gewesen sein und wegen des Nutzens durch Bereitstellung und den Transport u.a. von Baumaterial (Soden, Sand und "Wasen" für Faschinen, die könnten aus Waesen=Espen vorgefertigt worden sein) für das "Einfangen" des Neuen Tiefs auch ertragreich, so dass Gerdes und Heine von der Stadt wie vereinbart entschädigt wurden. Auch werden Pflanzungen von "Pradtwiden" (Anm. OS: wohl Widen=Weiden, Bruchweiden wurden als bevorzugte Baumart auf sickernassen Standorten, zudem selbstvermehrend über Stecklinge aus "Bruch" zur Damm- und Deichbefestigung verwendet) durch Andreas de Greuer erwähnt. (In.: K. Voß: Geschichte des Rostocker Hafens, 1927).

1585, 25. November Pachtvertrag des Bürgermeisters und Rates der Stadt Rostock mit Johann Thor Balcken; Urkundliche Ersterwähnung der Bezeichnung "Markgrafen Heide"
Der Kontrakt mit Johann Thor Balcken beauftragt diesen, die Haffdünen auszubessern, den Breitling mit "Wasen" zu befestigen und das Neue Tief zu sichern.

Vielmehr ist anzunehmen, dass Balck den Breitling mit einer Schutzpflanzung aus Waesen (alt für Espen in: D.Greve: Flurnamen in Mecklenburg-Vorpommern, Schwerin 2016) versehen sollte, die als robuste, schnellwachsende und wasserziehende Gehölze geeignet sind, Ufer und Deiche zu stabilisieren. Eine Bepflanzung der Dünen wie häufig wiedergegeben, mit Wasen (Espen) ist wegen der hohen Salzgehalte und der Windexposition, durch welche die Gehölze mit ihren Wurzeln eher die Dünen zerstören als erhalten, nicht aufgetragen und nicht Inhalt der Urkunde. Das man Gehölzpflanzungen als geeignet ansah und auch vornahm, ist mit den "Pradtwiden" belegt.

Balcken soll auch als Meister Aufsicht führen über Tagelöhner und anderes Arbeitsvolk "mit allem Ernst und Fleiß". Vierteljährlich sollen Arbeiten und Erledigung angekündigt und durch die Baubehörde abgenommen werden, nach Abnahme sollen keine Ansprüche mehr geltend gemacht werden. Weitere Aufgaben sind die Aufsicht "unserer ganzer Hafen und Heide, darmitt desulue van nemandt moge bestahlen werden..." und die Begutachtung des Alten Tiefs für den Rat. Damit Johann Thor Balcken diese Aufgaben "am ganzen strande desto beter upsicht van ehme geschehen moge", soll ihm und seiner Frau ein Platz auf der '''Markgrafen Heide''' ab Ao.1586 frei und ohne Pension 12 Jahre lang für Ackerwerk, Hutung und Weide an anderes seines Gefallens zum Gebrauch zugewiesen werden, den er "mitt einem graven vmmetheen und vor Jeder Rode der Stadt anderthalb Schilling Lübsch na Uthgang gedachter 12.Jahr berekenen". Das Pachtjahr beginnt und endet mit Johannis, ein Jahr vor Ablauf ist Kündigungsfrist vereinbart.
Des weiteren wurde geregelt, dass Johann und seine Frau(en) (!)- falls fristgemäß gekündigt wurde - nach Ablauf der 12 Jahre den her- und eingerichteten Platz samt alledem, was darauf gebaut, gewachsen und gesät ist, verlassen sowie das zur Erbauung des Hauses, dem angelegten ersten und anderer notwendigen "grafen" und zur Erhaltung Aufgewendete gegen Entschädigung aufgeben, auch wenn die Stadt diesen Platz nicht zum Eigenbedarf wieder annehmen und gebrauchen würde. (Transkription der Pachtsache, 2020, Thomas Rudert)

Vermutlich hat Johann Thor Balcken nach einem geeigneten Platz für den Hof, den er mit seiner Frau, dem Hausrat und dem Vieh für mindestens 12 Jahre besiedeln soll, selbst (aus)suchen dürfen, seiner Fachkunde vertraut man gemäß der Urkunde ja. Bereits das Ratsprotokoll vom 14.März 1579 befasste sich mit einer Hofstelle in der Heide auf Vorschlag des J. Barchmann. Eine Festlegung auf einen bestimmten Platz findet sich in der Pachturkunde nicht, mit einer Ausnahme: Er darf zur Sicherung der Futterversorgung 4 Pferde an der Brücke des Neuen Tiefs weiden (und nur die eigenen), wenn er Vorsorge trägt, dass sie nicht die Dünen schädigen. Es musste also ein repräsentativer Hofplatz sein, der dauerhaft bebaubar und gegen Naturereignisse einigermaßen sicherbar war, Acker-, Garten- und Weidemöglichkeit bot und die Arbeitsaufgabe ermöglichte und beförderte. Den idealen Platz wird man nicht gefunden haben, wie noch zu erfahren ist.

Der bisher einzige Nachweis einer Hofstelle aus der Zeit mit dem entsprechenden Nutzungsprofil wurde im Zuge von Meliorationsarbeiten in den 1970er Jahren (Wasserstandsregulierungen) im Hütelmoor an den Dünen nordwestlich des Moorgrabens, auf dem "Weidenmoor" (Krausesche Flurnamenkarte 1926) mittels bodenarchäologischer Untersuchungen zwischen 1976 und 1982 erbracht (H. Schäfer: Eine Wüstung des späten 16. und 17.Jhdt. im Weidenmoor bei Rostock. In: Küstenbilder, Beiträge zur Heimatgeschichte und zur Denkmalpflege im Bezirk Rostock, 1986).

Diese Hofstelle wird 2 Nutzungsperioden, einmal von ca. 1580...1600 und einmal von ca. 1600...1623 bzw.1625 bewohnt, die erste davon fällt in die Zeit Johann Thor Balckens und wird diesem zugeschrieben. Sowohl die Topografie mit Hofstelle, hochwertige Ziegel und Glasfenster als Baumaterial, luxuriöse Hausratfundstücke als auch die Flurstücksbezeichnungen "Weidenmoor" und stützen diese Zuschreibung. Die Hofstelle liegt aber somit nicht im heutigen Ort Markgrafenheide oder nahe an Flurstücken mit diesem Namensbestandteil, sondern etwa 2 km nördlich von diesen.


1592, 4.Juni bis 1593 Johann Thor Balcken bittet um außerordentliche Kündigung des Pachtvertrags

Das Pachtverhältnis dauerte entgegen der erwarteten 12 lediglich 5 Jahre. Hat Johann Thor Balcken mit seiner Fachkenntnis das Risiko der Siedlung im Moor vorhergesehen? Auch gibt es Streit wegen Besitzstörung und Misshandlung Johann Thor Balckens, interessanterweise durch J.Berchmann (Barchmann, dem Initiator des Moorgrabens aus Müggenburg?)

Johann Thor Balcken hat den Hof "auf dem woosten Platz des Marckgrauen heide dem Rade zum Bestenn angelecht und auff gebawett". Jedoch haben Berchmanns Schweine auf den Haffdünen mehr Schaden als Pferde angerichtet. Der Rat behandelt diese "Zivilklage" gegen Berchmann und entscheidet: "Berchmann wird von seinem Hoffe abziehen in der hertzogen gebiete" (Krausesche Fundchronik, Archiv Hansestadt Rostock 3.9, frdl. Zuarbeit von R. Mulsow 2021)
1594, 31.Oktober Die Pachtsache steht zur Verhandlung
Verhandlungen der Stadt Rostock zur Übertragung der Pachtsache Thor Balck auf Anfrage M. Frankes

Dieser Kontrakt kommt offensichtlich nicht mit M. Franke, sondern mit Jacob Schott (richtig "Schoff", Transkription Th. Rudert 2020) zustande. Fraglich ist, mit welcher Aufgabe dieser Pächter wird.

1597, 18. November Antrag des J. Schoff
Jacob Schoff stellt Antrag auf Verlängerung seines seit 1594 laufenden und zu Johannis 1598 endenden Pachtvertrags. In seinem Schreiben erwähnt Schoff seine Leistungen zum Erhalt der Hofstelle, bittet um Verlängerung der Pacht oder Übernahme gegen Entschädigung.
1600 ca. Schäferei im Hütelmoor, Moorhof
Zweite zugeschriebene Nutzungsperiode der Hofstelle im Weidenmoor durch eine Schäferei, Entstehung des Moorhofs als Teil der Schafweidenutzung,

noch zu prüfen: "Schoff" für "Schäfer"? Die archäologischen Untersuchungen der Hofstelle durch Schäfer in den 1970er Jahren belegen auch in der 2. Nutzungsperiode ab 1600...1623/25 eine höherwertige Ausstattung, wie sie für Bedienstete der Stadt sprechen würde, dies stellt die Nutzung durch einen Schäfer jedoch in Zweifel.

1625, 4.November Gewettsrechnung des A. Dobbin
In den Jahren 1623 machten Hochwasser und insbesondere 1625 eine Sturmflut mit 3 m üNN. die Hofstelle zunichte. In der Gewettsrechnung des A. Dobbin vom 4.11.1625 wird beschrieben: "...nach der Marggrauen Heyde gewesen das Haus abnehmen, und das Holz nach der Müggenborch führen lassen und das shedliche Hol, so aus dem heiligen She in die groshe She gebrochen besichtigt und wieder vorzufertigen angeordnet..."

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1588, 8. August Bestellung des Jürgen Brand(t) als "Jegermeister und Wiltschutzen"
In der Ratssitzung vom 8.8.88 beschlossen die Ratsherrn mit Ausnahme M. Gerdes die Anstellung eines privaten Ratsbeamten als Jäger und Wildschützen, also nicht auf Kosten des städtischen Haushaltes, sondern auf Kosten der Ratsherren. Per 10. August "Laurenti" d.J. wurde Jürgen Brand(t) in sein neues Amt eingewiesen. Er soll "zu geburenden Zeiten mit hochsten trewen und vleiße" jagen. U.a. wird Brandt auch die Jagdpolizei übertragen, die "frembde von Adel, so allhie nicht wonhafftig" von der Rostocker Feldmark fernhalten soll. Seine Zuständigkeit erstreckt sich nicht nur auf die Rostocker Ländereien und Forsten, sondern auch den Landbesitz der Bürger und rostockschen Gotteshäuser.
Die Bestellung, die Zuständigkeit und die Aufgaben haben eine Rechtsgrundlage in der Polizeiverordnung des Rats von 1576, 14. April. "...Von Alters her ist unsern Bürgern, so Jagthund, Wind und Pfand gehalten, frey gewesen, auff der Staatgütern zu jagen, und wird auch keinem unserBürger gewehret...". Wer aber selber des Jagens unkundig war oder kein vergnügen daran fand, konnte sich auf seine Kosten einen Wildschützen halten, musste ab "unter seiner eigenen Hand und Pitschafft einen Schein dem Schützen mittheilen, daß der solchen den Heyd-Vögten einhändige" (zit. in: A.u.R.Ahrens, Die Heide, Kleinod der Stadt Rostock, 2. Auflage; Behrend&Boldt, Rostock 1920 )
Darauf wurde Brand(t) vereidigt. Dem bediensteten Jäger Brand(t) wurden Waffen, Munition, Hunde, Pferde, Zaumzeug und Futter gestellt, er erhielt Lohn in Geld und Naturalien, für sich und "seine Jungen", also Gehilfen. Detaillierte Angaben zur Bestellung finden sich bei L. Krause: Private Raths-Jägermeister im 16. und 17. Jhdt., in: Mecklenburgische Monatshefte, August 1926; s.a. "Zum historischen Jäger Brandt", W. Steinmüller. Dokumentiert ist Brand(t)s aktive Zeit bis 1589, 6. August. Für das Jahr 1595 liegen jedoch noch Abrechnungen über Jagdhunde des Rats vor. Erst 1668 wird eine weitere beabsichtigte Bestellung mit Tobias Buck zum Jägermeister aktenkundig.

Im Gegensatz zur beabsichtigten Bestellung des Buck 1668 wird Brand(t) 1588 kein Wohnraum oder Hof gestellt oder zugewiesen (bei Buck 1688 ausdrücklich in der Stadt Rostock!). Der Sage nach soll Jäger Brand(t) in Markgrafenheide gewohnt haben. Unwahrscheinlich ist das nicht, denn der Angestellte Jürgen Brand(t) dürfte die Ausrüstung, die Pferde, Hunde, das Futter sowie Waffen und Munition an einem festen, sicheren und geeigneten Ort verwahrt und diesen regelmäßig aufgesucht haben, so dass auch eine dauerhafte Unterkunft anzunehmen sein sollte. Ein Ort in der Stadt Rostock scheint dafür eher unwahrscheinlich.

Somit wären Ausgang des 16.Jhdt bewohnte Gebäude verschiedenster städtischer Bediensteter und Lohnarbeiter zu sehr unterschiedlichen Zwecken wie Dünensicherung, Moorgrabenbau und Jagd vorhanden gewesen, von denen aber nur eine urkundlich sowie archäologisch belegt ist und eine Zuschreibung rechtfertigt: Die Hofstelle im Weidenmoor.

1617 Ansiedlung von Kossaten auf der Markgrafenheide

Vermutlich wurden i.Z. mit dem Bau des Moorgrabens entlang desselben Wirtschaftshöfe eingerichtet und durch die Stadt verpachtet. Für den Moorgraben war es notwendig, dass Hand- und Spanndienste, vermutlich auch Treideldienste und Instandhaltungsarbeiten am Moorgraben abgesichert werden. Pächter waren sog. Kossaten (Kätner), freie Kleinbauern in Selbstversorgerwirtschaft. Vermutlicher Beginn der ortsbezogenen Waldmast und Eingatterung ortsnaher Waldweiden. Insofern kein Widerspruch zu den Rodungen und Ackernutzungen im 14. Jhdt und deren Rückbau. Der Forstfuhrmannshof ist das letzte bestehende Kossatenhaus, erbaut 1737.

1618 bis 1648 Dreißigjähriger Krieg
"Während des Dreißigjährigen Krieges von 1618 bis 1648 dürfte man auch nichts für die Cultur der Waldungen erwarten als Ruhe vor Menschenhänden; sie wuchsen auf, verbreiteten sich und nahmen die Plätze zum Theil wieder ein, welche die Ackercultur ihnen geraubt hatte". (H.F.Becker. Die Chronik von den Waldungen der Stadt Rostock,1839)


" ...Die Dünen, an deren Erhaltung man derzeit erhebliche Kosten verwandt hatte, waren vom Stromgraben bis Warnemünde und von hier bis Diedrichshagen vom Meerwaßer überstiegen, zerrißen und niedergestürzet. Die von Eichenholz mit starken eisernen Klammern verbundenen und mit großen Steinen beschwereten Kisten, sowohl am Meer als im Hafen und am Breitling waren gänzlich umgestürzet, die Steine ins Waßer gefallen, jedoch ohne das Fahrwaßer zu verschütten; das Kistenholz war zerbrochen,gänzlich weggeschwemmt und auf die Ufer von Marienehe und Bramow geworfen...In der Rostocker Heide waren eine große Menge Eichen, Buchen, Kiefern pp. umgeworfen. In dem Stadt Dorf Mohr, vermuthlich dem im Walde gelegenen Moorhof, welcher jetzt nicht mehr existirt aber auf die Reiter Charte bemerkt stehet, sind einige Pferde und Ochsen ertrunken. Die Menschen haben sich auf den (Anm.OS: Dach-)Boden gerettet und dort drey Tage ohne Speise geseßen. Wie weit das Waßer in die Heide vorgedrungen ist nicht bemerkt worden, nach einer mündlichen Tradition soll es in Niedrigungen bis Blankenhagen vorgerückt seyn" (H.F.Becker: Die Chronik von den Waldungen der Stadt Rostock, 1839)
17.Jhdt. Küstenfischerei
Im 17.Jhdt ist die mobile Strandfischerei östlich der Warnow bis zum Fischland und Darß als sog. Wadenfischerei per Abgabenlisten nachgewiesen. In: Th. Rudert: Die neuzeitliche Grenze als Lebenswelt, pers. Exempl. d.Verf.

1795 pachtete ein Niederhäger die Fischerei vor Rostocks Heideküste. O. Kolp beschreibt die bis 1835 vor Rosenort und Markgrafenheide betriebene Reusen- und Wadenfischerei durch Rövershäger Einlieger, mit "kleinen Buden" am Strand, schreibt diese jedoch Fischländer Wadenfischern zu. Da Rudert Warnemünder Fischer vor dem Fischland nachweist, ließe sich daraus schließen, dass Fischereirechte überregional vergeben wurden oder an der Außenküste gänzlich oder zeitweise ungeordnet waren.

1648 bis zur napoleonischen Zeit (bis 1813)

1668 vermutliche Bestellung Tobias Bucks zum Ratsjägermeister
s.a. 1588 Jäger J. Brand(t)
1669 datiert die Sage vom Jäger Brandt
1669 ward der zu Markgrafenheide wohnende Jäger Brandt von einem Keiler erschlagen. Auf dem Heimwege nach der Kirche, wo er communicieren wollen, trifft er den Keiler und soll die ruchlosen Worte gesagt haben : Nach meiner Rückkehr soll dich oder mich der Teufel holen. Man fand ihn Abends todt mit aufgeschlitztem Bauch. Es ist ihm an dem Platz ein Kreutz errichtet und bis jetzt erhalten.(Beckersche Kirchspielchronik Rövershagen) und in: * zum historischen Jäger Brandt (Heidearchiv W. Steinmüller)
um 1690 Änderung der Nutzungsziele und Formen der Heideäcker und Waldungen
"Diese Verhältniße (Anm.OS: Äcker und Wiesen in den Hagendörfern) bestehen noch, nur ist Müggenburg ganz gelegt und mit Holz bestanden, und von Markgrafenheide der größte Theil der Waldung zugelegt und nur zwey Koßaten geblieben. Dagegen wurden die Meiereien Fullery Dorf Moor oder Moorhof und Born – Ansiedlungen sehr alter Zeiten, die aber 1690 noch bestanden, der Waldung einverleibt und existieren nur noch deren Nahmen" (in: H.F.Becker: Chronik von den Waldungen der Stadt Rostock, 1839).
1696 Lustsche Reiterkarte, Erster kartografischer Eintrag des Ortes als "De Marckgrafenheyde"
Als Zeichner und Autor trägt die Karte die Signatur: "Gotfriet Lust / Stadtfenderich / 1696 d." Auf der Lustschen Reiterkarte sind an heutiger Position jeweils 1 Haus dargestellt für De Marckgrafenheyde, Der "morig Hoff" und noch "Müggenborg", jedoch kein Haus mehr für Johann Thor Balckens Hofstelle. Die Karte verzeichnet im Wesentlichen Hauptwege (H.F.Becker charakterisiert die Lust'schen Wege als "mehrgleisig ausgefahrene Fuhrwerksbahnen) und Flurstücksgrenzen und deren bodennahe Beschaffenheit wie Baumbestand, Wiese, Morast. Als Gewässer sind u.a. der "heilige See", die "radoll beck" (Radelbek) und der Stromgraben mit detailreicher Brücke in de "torf brüg" kenntlich gemacht. Einen Beitrag von L. Krause zu dieser Karte findet man hier: "Grundlicher / Abriß der Stadt /Rostock Heyde / Anno 1696 / Den".
1760 bis 1770 Verlängerung des Moorgrabens bis Stinkengraben
..."Da unternahmen die Rostocker Kaufleute Jacob Johann Stypmann und Paul Grube eine große Torf Enterprise und ließen den Pramgraben vom Stinkengraben bis zum Breitling verfertigen" (in: Beckersche Kirchspielchronik Rövershagen).
O. Kolp verweist auf die Direktorialkarte von Dost 1765, auf der im Schlüssermoor Torfstiche eingetragen sind.
1782 Ratsbeschluss zum Torfabbau in Schlüssermoor
1805 Zeitungsmeldung über Torfverkauf in Markgrafenheide
Die schlechte Torfqualität und der üble Gestank beim Heizen (infolge des an Salz und Meeresorganismen reichen Überflutungsmoores, "von Schilfwurzeln durchsetzt" in: (in.O.Kolp: Die Nordöstliche Heide Mecklenburgs, Berlin 1957) zwang zur Aufgabe des Vorhabens, der Moorgraben blieb für den Transport von Holz, Holzkohle.
Der Verweis auf den Umschlag von getrocknetem Heide-Torf am Schnatermann belegt aber, dass es demnach (siehe auch Anzeige zum Torfverkauf) durchaus verwertbare Torfqualitäten aus der Heide gegeben haben muss.
1786 Wiebekingsche Karte
„Marckgrafenheyde“ ist als Ort verzeichnet, auch eine Stelle nahe der Hofstelle Johann Thor Balckens ist kartografisch als Siedlung dargestellt. Der Moorgraben heißt Prahmgraben, sein weiterer Verlauf zum Heiligensee dann Stinckengraben. Der Verlauf bis zum Moorhof und der Floßgraben sind in einfacher Strichführung ohne Bezeichnung eingetragen.
1788 Schmettausche Karte
Der Moorgraben/Prahmgraben führt offenbar bis zum Moorhof, der Floßgraben zum Moorhof ist ebenfalls mit deutlicherer Strichführung verzeichnet. Als „Marggrafenheide“ wird eine Fläche deutlich östlich (ab etwa Ahrensheidenschneise bis Steinheide…) der heutigen Position und als zu Niederhagen gehörig bezeichnet. Gebäude sind nicht eingetragen.
1792-1799 Plan zur Anlage von geraden Schneisen in der Heide durch H.F.Becker
Die Schneisen sollten die Verjüngung des Waldes befördern. Die bisherige ungeregelte Durchfahrt mit schweren Fuhrwerken und Hufen von Ochsen und Pferden, die den gewachsenen Waldboden und das Schwachholz, welches für die Rostocker wichtig zum Heizen und für die Waldbauern ein Geschäft war, zerstörte, stand einer ordnungsgemäßen Forstwirtschaft entgegen." ...das Unwesen mit den willkürlichen Wegen dauerte fort. Dieses bewog des Forstinspector unterm 9. Decbr. 1799 seine Vorschläge dringend zu wiederholen. Er setzte den Nutzen der geraden Wege deutlich auseinander und trug darauf an wenigstens die Durchfuhr Wege nach der Gelbensander Forst und den Wiesen bewilligen und vorläufig vier Wege grade legen zu laßen, nämlich a) vom Jägerhaus zu Wiethagen nach Meyershausstelle, b) von Hinrichshagen nach der Torfbrücke, c) von Sandhagen nach Markgrafenheide (Anm.OS: Sandhagen ist der Dorfteil Hinrichshagens westliche Richtung ab Schinkenkrug bis Baumschule) d) vom Mönckortsbaum nach den Bauernwiesen mit einem Arm nach dem Schnatermann." (H.F.Becker, Die Chronik der Waldungen der Stadt Rostock)
1796 Vertiefung des Moorgrabens und Uferbefestigung mit Bohlen
1801 3.November
war ein heftiger Sturm der die Torfscheune umwarf. (Beckersche Kirchspielchronik Rövershagen)


1813 Befreiungskriege gegen Napoleonsche Fremdherrschaft
9.November - Der Landsturm patroulliert unter Forstinspektor Beckers Kommando zwischen Markgrafenheide und Torfbrücke

bis zur Reichseinigung (bis 1871)

Zeitungsmeldung von H.F.Becker im Freimüthigen Abendblatt 1823 über den tödlichen Unfall Kedings
1815
Den 25.März starb der Holzwärter Carl Fried. Wramp zu Markgrafenheide 68 J. alt. (BK)
1821 H.F.Becker erwirkt das Ende der Waldweide
von Pferden, Ochsen, Kühen und Kälbern in der Heide als Grundvoraussetzung einer Forstwirtschaft.
1822
erschoß sich am 29.Dec. der Holzwärter Johann Christian Nicolaus Grälert zu Markgrafenheide 43 J.alt aus Unachtsamkeit als er mit einer geladenen vor sich gehaltenen Büchse die mit einander kämpfenden Hunde trennen wollte. (BK)
1823
Kam der Einl.Claus Fried.Keding auf unglückliche Art ums Leben, indem die Pferde des Jag. Köhn die er führte nach einem Schuß davon liefen, er vom Wagen stürzte und die Hirnschale zerschlug. Den 13.Oct. starb der E.Heinrich Pragst durch einen Sturz vom Balken in der Scheune des Forstinspectors. Den 3.März starb der Jäger Carl Friedr. Köhn zu Hinr. 68 Jahr alt. (BK)
1838 Verlängerung des Prahm/Moorgrabens bis zum Moorhof
Der Moorhof wird der zentrale Holzlager- und Umschlagplatz der Rostocker Heide
1839 Konzept der Heide-Wasserwege von Hermann Friedrich Becker und Georg Garthe
…Die Lage der Rostocker Heide an schiffbarem Wasser kann man eine günstige nennen…
1845 Vertrag W. Meyers mit G. Garthe über den Bezug von Material für die Köhlerei am Moorgraben (siehe auch Kapitel "Die Köhlerei am Moorgraben)

Deutsches Reich (bis 1918)

1897, 22.März Beginn des motorisierten Ausflugschiffsverkehrs auf Breitling, Schnatermann, Kleiner Radel, Radelsee bis Moorgrabenbrücke in Markgrafenheide mit MS "Princeß" und MS "Kronprinz Wilhelm" der Reederei D. Ohlerich, Warnemünde
1910, Februar Baubeginn der Strandbahn Warnemünde-Markgrafenheide
1910 1. Juli Eröffnung der Strandbahn Warnemünde-Markgrafenheide
* Norbert Enenkel "Die vergessene Bahn - Die elektrische Strandbahn Warnemünde-Markgrafenheide 1910-1945" veröffentlicht.

Deutsches Reich (bis 1945)

1922 Gebietsstreitigkeiten zwischen Rövershagen und der Hansestadt Rostock um die zu Rövershagen gehörende Enklave am Taterhörn zwischen Hohe Düne und Markgrafenheide (AHR)
Bis dato gehörten alle Heideortschaften, der städtisch Rostocker Heide, so auch Markgrafenheide, zu Rövershagen. Die westliche Dorfgrenze Rövershagens hinter den Dünen der Ostseeküste befand sich beim Taterhörn zwischen Markgrafenheide und Warnemünde.
1924 Eingemeindung Markgrafenheides zur Stadt Rostock
der Ort zählt 24 Einwohner
1934 Abriß und Ende der Köhlerei am westlichen Moorgrabenufer gegenüber Kossatenkoppel
"Kleines Hexenhäuschen": "An der Stelle der Alten Köhlerei am Markgrafenheider Kanal steht noch heute (1926) ein einsames Strohdachhäuschen, das hin und wieder einzelnen Waldarbeitern, die zu weit entfernt wohnen, als Nachtquartier und Kochgelegenheit dient, meist aber unbewohnt und verschlossen ist..." (Dr. L. Krause: Die Rostocker Heide im Spiegel ihrer Orts-, Forst- und Flurnamen, 1926)

Sowjetische Besatzungszone und DDR (bis 1990)

1957 Unterschutzstellung NSG Schnatermann
1957 Unterschutzstellung NSG Hütelmoor und Heiliger See
Verkleinerung 1961, teilweise landwirtschaftliche Nutzung durch Melioration (1975) und extensive Beweidung mit Rindern
1969 bis 1970 Erneuter Ausbau des Moorgrabens (in Bearbeitung)
Verfüllung des früheren Ausflusses des Radelsees zum Breitling über die kleine Radel und Wollkuhl durch Anlage des Spülfeldes südöstlich Taterhörn und Ausbau des Kanals am heutigen schiffbaren Moorgraben Schnatermann-Radelsee.

Allerdings ist im Streckenplan der Strandbahn bereits zwischen Errichtung der Kasernen (1930er Jahre) und Ende der Strandbahn 1947 (Quelle: Dr.N. Enenkel, Die Strandbahn Hohe Düne-Markgrafenheide, 1990) die Lage des Spülfeldes, welches die Kleine Radel verfüllt, und die des verlegten Moorgrabens, verzeichnet.

1990 Unterschutzstellung NSG Radelsee,

Erweiterung 1993, extensive Mahd und Beweidung mit Rindern

Die heutige Zeit

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1996 Februar
Die Rostocker Heide wird Landschaftsschutzgebiet.
1999 Eröffnung der modernen Moorgrabenbrücke
Das Bauwerk von 1920 und der Rohrdurchlass werden abgerissen, die Straße verbreitert und die getrennten Fahrspuren zusammengelegt. Das neue Bauwerk erhält einen Ottersteig. Die Brücke wird Bestandteil der späteren Ringeindeichung Markgrafenheides.
Der Anleger der Reederei Kammel am Moorgraben 2021, Foto: OS
2000 Wiedereröffnung der Personenschiffahrt vom Schnatermann nach Markgrafenheide
Die Reederei R. Kammel (Rostock) nimmt mit der Motorbarkasse "Schnatermann" die motorisierte Personen-Ausflugsschifffahrt auf dem Moorgraben und Radelsee bis zur Moorgrabenbrücke Markgrafenheide/Forsthaus wieder auf. R. Kammel entwickelte konkret ab 1998 ein Konzept, mit einem Flachbodenboot durch das NSG Radelsee auf historischen Kanälen zu fahren. Die Motorbarkasse für 50 Plätze verfügte über einen dieselelektrischen Antrieb, damit im NSG im E-Modus "Flüsterbetrieb" gefahren werden konnte. Die Inbetriebnahme der Ausflugslinie Schnatermann -, später Alter Strom -Markgrafenheide und retour, musste bis nach dem Ende der Bauarbeiten an der neuen Moorgrabenbrücke 1999 bis zur Saison 2000 warten. Ab Saison der 2012 befährt das Schrauben- und Heckrad-getriebene Fahrgastschiff "Schnatermann" mit einer Kapazität von 154 Fahrgästen diese Route. Der Anleger im Hafen Markgrafenheide wird seitdem immer weiter zur Verbesserung des Service und der Sicherheit ausgebaut.


2003 17. Oktober Beginn der Sturmflutschutzmaßnahmen in Markgrafenheide,
Federführend durch das damalige Staatliche Amt für Umwelt und Natur, Rostock (heute StALUMM) erfolgen die Maßnahmen zur erweiterten Sturmflut- und Küstenschutz.
Die Maßnahmen bestehen aus: Dünenaufspülung Strand, Ringdeich Budentannenweg und Moorgraben, Deich und Spundwände am Radelsee Stankgraben bis Vierrade (ehem. Warnowmündung) Deichüberfahrt Warnemünder Chaussee Höhe Strandaufgang Stubbenwiese).
Allein die Aufspülung der Düne vor Markgrafenheide dauerte bis 22. April 2004. In dieser Zeit wurden für rund 2000 m Strand Richtung Hütelmoor rund 661 Tsd m³ Sand aus Naßbaggerung vor Ort für die Erhöhung der Düne auf 5,5 m üHN und Verbreiterung der Dünenkrone auf 45 m aufgespült. Der Strand wird auf eine Breite von 35 m ausgelegt, der am Dünenwald gelegene alte Rettungsturm der Wasserwacht wird Aufenthalts- und Bereitschaftsraum, ein neuer Rettungsturm wird strandseitig am Dünenaufgang errichtet.
Es erfolgte danach die Dünensicherung mit Sandfangzäunen und die Bepflanzung mit Strandhafer. Ebenso wurden 350 m Krötenschutzzaun eingerichtet.
Die Buhnen werden sukzessive nach dem zerstörerischen Befall durch die eingeschleppte Schiffsbohrmuschel durch muschelresistentes, FSC-zertifiziertes Tropenholz ersetzt. Dennoch nagen Wellen, Sand und Eis an den Buhnen.
Das Heidehaus im Jahr 2020, Foto OS
2003 bis 2004
Abriß der Schule in Markgrafenheide und Baufeldherrichtung für großflächigen Einzelhandel mit Parkplatz
2010, 4.September
Eröffnung des Heidehauses mit Touristinformation, AWO-Treff, Polizei und Radverleih
2011 Änderung der Ziele des Sturmflut- und Dünenschutzes im Bereich Rosenort-Heiligensee
Der letztmalig nach der Sturmflut 1995 aufgespülte und mit Buhnen gesicherte Dünenabschnitt am Heiligensee kurz vor Rosenort wird der natürlichen Küstendynamik ausgesetzt.
Ziel ist die Wiederherstellung eines Wasseraustauschs zwischen Ostsee und Hütelmoor nach Totalerosion der Düne. (D.Dochow: Numerische Modellierungen zur Erosionsstabilität der Restdüne Hütelmoor. Univ.Rostock, AUF, 2011)
Des weiteren wurde der Wasseraustausch des Hütelmoores über den direkten Moorgraben zum Radelsee durch Rückbau des alten Schöpfwerkes ("Alte Mündung") und Ersatzneubau eines Dammes beendet. Der Abfluss von Hochwässern erfolgt jetzt über die Mündung des Floßgrabens in den Moorgraben bei der Stückenschneise, ein Mindestwasserstand im Moorkörper wird durch eine Steinschüttung an der Mündung des Floßgrabens aufrechterhalten.
2019, Januar Sturmhochwasser, Dünenüberspülung am Heiligensee
Trotz der Erwartung, dass im wesentlichen der Wasserstand der Ostsee diesen Prozess befördern wird, und seitdem mehrere Sturmhochwässer auftraten, dauerte es bis 2019, dass ein erster wesentlicher Einbruch von Ostseewasser in diesem Bereich zu verzeichnen ist.
An dieser Entwicklung werden auch Zielkonflikte zwischen Naturschutz (Zulassung von Küstendynamik, Wiederherstellung der ehem. Durchbrüche alter Warnowmündungen und Entwicklung des Überflutungsmoores mit Salzgraswiesen) und Sturmflutschutz (Hinterland, Wasserdurchbruch auf topografischen Isolinien bzw. alten Flussbetten nach O. Kolp bis weit in die Heide) erkennbar.
2013 Eröffnung der Ferienanlage "Strandresort"
Auf dem Gelände des ehemaligen Ferienlagers "A.Maressjew", dessen Haupthaus, Bungalows und Nebengebäude noch bis etwa 2007 von verschiedenen Trägern als gepachtete Ferienlage weitergenutzt wurden, es jedoch an nötigen Investitionen mangelte, wurde bis 2013 eine moderne Ferienanlage mit Dreifachhäusern, Mehrstöckern mit Ferienwohnungen, Erlebnisreich, großem Abenteuerspielplatz und Restaurants errichtet. Das Haupthaus, ehemals zentraler Speisesaal, ist in ein modernes Receptions-, Verwaltungs-, Restaurant-, Konferenz- und Spa-Gebäude umgebaut worden, wobei der äußere Charakter erhalten blieb. Ebenso erhalten bielb ein Plattenbau, in dem nun Servicestationen wir Radverleih, Wäscherei etc. untergebracht sind.
2019 Bebauung des Ortskerns mit Wohn- und Geschäftshäusern im Bereich der ehemaligen Schule, Modernisierung und Erweiterung der ehemaligen Kaserne- und später Wohngebäude Albin-Köbis-Str.
Auf dem Gelände der ehemaligen Schule in Plattenbauweise entsteht ein neuer Wohn- und Geschäftskomplex in Privatbesitz. Die WIRO Rostock modernisiert und erweitert die ehemaligen Kasernen-, später Wohngebäude, durch Aufsetzen eines Stockwerkes, Anbringen von Loggien und Balkonen, energetische Sanierung.
2020 Auftrieb einer Herde Wasserbüffel im Radelsee
Wasserbüffel im NSG Radelsee (Foto: OS)

Die Überflutungswiesen der Radel und Heubek waren wiederholt als Mäh- und/oder Weideland genutzt worden. Alte Flurnamen wie Postwiese, Schulzenwiese, Purkshöfer- oder Rövershäger Bauernwiese weisen auf diese über Jahrhunderte gebräuchliche Nutzung hin (Dr. L. Krause: Die Rostocker Heide im Spiegel ihrer Orts-Forst- und Flurnamen, 1926).

In der Zeit der intensivierten Plan-Landwirtschaft (nach 1960...1990) wurden häufig sog. "Futterreserven" in aus wirtschaftlicher Sicht minderwertigen Flächen erschlossen, deren Ertrag jedoch gering war. Deshalb erfolgte oft die Beweidung mit Mutterkühen (Rassehybriden zur Fleischerzeugung über Mastkälber), mit Robustrassen, Jungkühen oder Milchkühen in der Laktationspause (sog. Trockensteher).

Nach der Unterschutzstellung 1990 wurden weiterhin Rinder aufgetrieben, im Jahre 2020 dann eine kleine Herde von Wasserbüffeln. Grundlage war eine naturschutzgerechte Beweidung zur Erhaltung des Lebensraumtyps "Atlantische Salzgraswiesen" Natura 2000 und etablieren eines standortgerechten Vegetationsbestandes.

Wasserbüffel gehören ebenso wie Hausrinder und auch Bisons und Wisente zur Familie der Bovinae (Rind), bilden allerdings eine eigene Gattung Bubalus. Sie zeichnen sich durch ihre Robustheit und Angepasstheit vor allem an sumpfige Standorte aus, so dass sie im Gegensatz zu europäischen Hausrindern z.B. weniger Klauenprobleme auf feuchtem Grund bekommen und auch Gräser mit niedrigerem Futterwert oder geringer Verdaulichkeit wie z.B. Schilf gut verwerten. Ebenso richten sie ihren Tränkwasserbedarf auf die verfügbaren Quellen, z.B. Feuchtigkeit im Futter und natürliche Gewässer, aus. Die Büffel werden deshalb auch als "Habitatkonstrukteure" bezeichnet.So finden sich im NSG Radelsee gute Voraussetzungen für eine artgerechte und zielorientierte Beweidung.

2021 wird das Pflegekonzept mit den Wasserbüffeln überarbeitet und dem Schutz- und Entwicklungsziel angepasst, wobei der Schutz des Lebensraums "Küstenüberflutungsmoor" mehr in den Fokus rückt.

Bemerkenswerten Daten, Themen, Personen und Einrichtungen sind eigene Artikel gewidmet:

Herkunft und erste Erwähnung von "Markgrafenheide"

  • In der Pachturkunde 1585 der Stadt Rostock mit Johann Thor Balcken ist zweifelsfrei der Name "Markgrafen Heide" und damit die vermutlich älteste bekannte urkundliche Erwähnung dieser Bezeichnung in der annähernd heutigen Schreibweise enthalten.


Dies als definierte Ersterwähnung eines bestimmten Ortes gleichen Namens zu deuten, scheint jedoch vorschnell: Balcken kann sich einen Siedlungsplatz "auf der Markgrafen Heide" frei wählen. Ihm wird kein Platz vorgegeben, sondern ein Raum, ein Gebiet. Die spätere Gewettsrechnung des A.Dobbin 1625 für die Hofstelle bezeichnet ebenfalls ein Gebiet, in dem er schreibt: "...sind...nach der Marggrauen Heyde gewesen (Anm.: OS: nicht in Marggrauen Heyde!), das Haus abnehmen", (bei H. Schäfer in: Eine Wüstung des späten 16. und 17.Jhdt. im Weidenmoor bei Rostock; in Küstenbilder 1986), so dass "Marggraue Heyde" nicht den Hof selbst meint oder gar bezeichnet.

  • Für "grafen" finden sich bereits in der Ratsurkunde vom 14.März 1579, den Moorgrabenbau betreffend, und in der Pachturkunde 1585 eine Verwendung, die im Kontext die Gleichsetzung mit "Graben" für ein Bauwerk erlaubt: J. Barchmann schlägt dem Rat den Bau eines "Graffen" in die Heide "zum Besten der Stadt" vor, der 1579 von Gerdes und Heine auch in Angriff genommen wird.

Johann Thor Balcken wird später in seinem Pacht Vertrag verpflichtet, mindestens einen "grauen", auch mehrere "grafen" anzulegen, um seinen Hof vor Grund- und Hochwasser zu schützen. Im gleichen Schriftstück wird also "grafen" einmalig als Name des Gebietes und mehrmalig als "grauen, grafen" für "Graben" als Bauwerk verwendet. Dies stützt die These der Deutung von "grauen, grafen" für "Graben".

In Karten des 18.Jhdts. und deren Interpretation (in: W. Steusloff: Das Alte Fahrwasser, Tidingsbringer Nr. 19) wird die Grenze der Rostocker Heide am östlichen Ufer des Radelsees und dem daraus nordwestlich ausfließenden Graben ("Kleine Radel") bis etwa Taterhörn (vermutlich Mündung "Altes Fahrwasser") wiederholt als "Heide-Grenzgraben" erwähnt. Bei alledem sollte man aber den Willen der Parteien 1252 nicht unberücksichtigt lassen, dass die Westgrenze nicht nur das Ufer der Warnow, sondern alternativ auch "deren Wasser" bilden solle, um Streitigkeiten zum Grenzverlauf infolge der Küstendynamik, deren Folgen ja sichtbar waren, in Zukunft zu vermeiden oder zu regeln. Insofern kann man annehmen, das erst in späteren Jahrhunderten eine Festlegung der westlichen Heidegrenze an eindeutig (ggf. i.V. mit Wasserbau und Küstenschutz, Flurbereinigungen und Flächentausch) feststellbaren Gräben und Ufern erfolgte und kartografisch festgehalten wurde.


  • Der Ortsname in der Kartografie (vgl. auch Beitrag: Markgrafenheide, Moer und Moer in historischen Karten: Verwirrung von Amts wegen):

1696 erscheint der Ort "Marckgrafenheyde" in der Lustschen Reiterkarte, der Mohrig Hoff ist ebenfalls verzeichnet, nicht jedoch mehr die Hofstelle Johann Thor Balckens, deren Reste wenige Jahrzehnte nach der Zerstörung durch die Sturmflut sowohl bekannt als auch noch sichtbar gewesen sein müssten (wenn sie es 2006 im Bodenprofil immer noch sind). Die mit Wappen autorisierte Karte schreibt also den Namen nicht mehr dem Gebiet zu, sondern legt erstmals einen konkreten Siedlungsort mit dem betreffenden Namen etwa an heutiger Position fest. 1700 vermerkt der Hoickhusen-Atlas ebenfalls "March=Grafin=Heyde" und den Moorhof, in den ausführlich dargestellten Dünen vor dem Hütelmoor ist jedoch kein Ort verzeichnet.

Recht kurze Zeit nach der Lustschen Reiterkarte und des Hoinckhusen-Atlas bezeichnet die Homannsche Karte 1712 das betreffende Heidegebiet wieder als "Moer" (Moor, Morast), ohne Ortsnamen, jedoch mit einer unbeschrifteten Ortsmarke an etwa der heutigen Stelle.

Die Wiebekingsche Karte 1786 greift dann eine Siedlung etwa an der Stelle des Hofes in den Dünen des Weidenmoores wieder auf und ein weiterer Ort "Marggrafenheyde" wird an heutiger Position verzeichnet.

  • Eine weitere Möglichkeit zur Deutung des Namens ergibt sich aus den Flur-und Ortsnamen, welche den Terminus für "Moor" enthalten. Dies ist aber nicht hinreichend belegt und wird lediglich phonetisch begründet. So gibt es das "Moer" als Ortsnamen, den Moorgraben, die "Mohrige Heide" (Flurstück im Hütelmoor) und den "Mohrig Hoff". Die Wahrscheinlichkeit für eine Bedeutung als "Moorgrabenheide" ist eher gering, aber nicht ganz auszuschließen.
  • Und schließlich "Heide", welche auch über die Jahrhunderte in verschiedenen Schreibweisen erscheint.

So finden sich Hinweise für damaligen analogen Sprachgebrauch von Mark und Heide (in: wikipedia.de), sowie des Weiteren für dän. "høyde" für Höhe, Anhöhe: "...Um nun vom Torfmoor zum Breitling kommen zu können, zogen sie vom Stinkengraben den sogenannten Pramgraben durch ein höher gelegenes sandiges Terrain bei Markgrafenheide vorbei in die Radel..." (H.F.Becker, 1839).

  • Der "Markgraf zu Brandenburg" als sagenhafter Namensgeber des Ortes

wird im wesentlichen durch die Geschichte König Erik Menveds Heerfahrt begründet. Zwar gab es einen Askanier diesen Namens, gest. 1319, der auch in Kriege der Zeit, z.B. in Pommern oder dem Deutschen Orden, verwickelt war. Eine Waffenbrüderschaft mit Erik Menved und zeitweise Hoheit über die Danskeborg am Breitling ist wohl nur ein Mythos. Sofern man die bei P. Babendererde (König Eriks Heerfahrt, Verlag Adlers Erben, Rostock 1935) erwähnten, vermeintlich von jenem gesiegelten Verpfändungsurkunden auffinden kann, böte sich ein anderes Bild, was aber nicht zwangsläufig die Namensgebung des Ortes in neuem Licht erscheinen läßt.


  • Fazit

Es halten sich Sagen, wiedergegeben und weit verbreitet in Bestsellern ihrer Zeit (P. Babendererde s.o., und A.u.R. Ahrens, Behrend & Boldt, 2. Aufl., Rostock 1920) und in allgemeiner Erinnerung und scheinbarem Geschichtswissen: "Aber der Moorgraben ist geblieben, und Markgrafenheide soll seinen Namen von ihm haben. Ich glaub das nicht, ich denke immer noch an die Zeiten des Mittelalters, als der Brandenburger Markgraf bei uns kam, manchmal als Freund, manchmal wohl auch als Gegner...So denk ich doch, hat die Markgrafenzeit den Namen geschaffen"...

Nach Auffassung des Verfassers dieses Beitrags liegt der Ursprung des Namens in der Beschreibung für das Gebiet, nicht jedoch des Ortes, bereits in der Heidekaufurkunde 1252, der Grenzziehung durch Gräben und den dafür verwendeten Termini.

Die Pachturkunde 1585 für die Hofstelle im Moor "auf der "Markgrafen Heide", Folgeurkunden und -karten sowie deren Verwendung und Würdigung sind aussagekräftige Zeitzeugnisse, sie erklären für sich genommen nicht die Gründung des Ortes und dessen heutiger Bezeichnung, liefern aber weitere klare Hinweise zur Namensentstehung.

Johann Thor Balcken war deshalb mit einiger Sicherheit nicht der Ortsgründer oder Erstbewohner eines "Markgrafenheide". Da die weit ab liegende Hofstelle 1625 von der Stadt aufgegeben wurde, wären J. Schoff als Nachpächter oder A.Dobbin als Liquidator dann schon die Letzten gewesen, folgte man der Logik dieser These. Nach gerademal knapp 40 Jahren. Auch dürften die Sturmfluten und Warnowaustritte (Chyträus 1579) Einsicht gebracht haben, wo man baut und wo besser nicht.

Man muss aber fragen, was sich denn am Ort des heutigen Markgrafenheide zu damaliger Zeit noch abgespielt haben wird. Immerhin gab es den Jäger Brand(t) 1588, der dort eine Jagd des Rates zu unterhalten hatte, und seine gesamte vom Rat gestellte Ausrüstung wie Waffen, Munition, Hunde und Pferde, Futter und Zaumzeug und sicher auch seine "Jungen", also Jagdgehilfen, irgendwo unterbringen musste. Da die Jagd u.a. dem Schutz der Waldmast vor Wildschweinen diente, dürften auch Bauten für Schweinehirten bestanden haben. Ab 1617 sind Kossaten, also ortsfeste Bauern, im Gebiet niedergelassen. Und nicht zuletzt: der Bau des Moorgrabens ab 1579 von der Radel bis zum Hütelmoor erforderte Material, Versorgung und Unterkunft zahlreicher Menschen und der Graben wurde nach seiner Fertigstellung sicher auch benutzt.

Der maschinenschriftliche Vermerk eines unbekannten Autors auf dem Beiblatt zur Akte des Stadtarchivs "wenn der 1587 bestellt Wasenmeister eher als städtischer Angestellter anzusehen ist, 1586 Markkgrafenheide erstmals als bewohnter Ort erwähnt wird, dann war Johann von der Balck der erste Bewohner von MGH. Sein Hof begründete somit den Ort" (Stadtarchiv Rostock, Fundstelle 1.1.3.19. Bd. 5 Kämmerei, Forst- und Hospitalverwaltung) dürfte daher eher romantisch verklärt als hinreichend belegt sein.

Und bestätigt: Nicht mal zu dem Zeitpunkt dieses Vermerks wusste man, wie man Markgrafenheide richtig schreiben soll.

Markgrafenheide, Moer und Moorhof in historischen Karten

Kossatengehöft später Forstfuhrmannshof

Zur Definition "Kossaten"

Auszug aus: "Durch die Rostocker Heide von Graal über Moorhof nach Markgrafenheide ...." Hans Vollrath Kirsch o.J. (vor 1925)
"...Hinter dem Forsthause liegen die Kossatengehöfte mit ihren malerischen alten Strohdachhäusern, deren Bewohner Kossaten oder Kossäten genannt, hergeleitet von "Katen" oder "Koten" = kleiner Hof und "sassen" = Insassen, der Stadt als Grundeigentümerin Spanndienste zu leisten verpflichtet sind. Sie müssen auf Geheiß der Forstverwaltung jederzeit das in der Heide geschlagene Holz an die Verladestelle befördern und zu diesem Zwecke in ihren kleinbäuerlichen Betrieben eine vorgeschriebene Anzahl Pferde halten."


Kossatengehöft in Markgrafenheide
Heute zeugen nur noch der alte Forstfuhrmannshof am Budentannenweg, Flur- und Wegenamen wie Weidenmoor, Kuhschneise, Kossatenkoppel, Lehmkuhl, Krüger- und Holländerwiese sowie die mächtigsten Eichen der Heide mit den ihren ausladenden Kronen, gepflegt und gedüngt von Generationen von Hausschweinen auf Eichelmast, von der ehemaligen Nutzung.


Die Köhlerei am Moorgraben

Betrachtet man den Verlauf des Moorgrabens in Richtung Hütelmoor, so findet man in der Krauseschen Flurnamenkarte 1926 eine Eintragung "Alte Köhlerei" und "Kösel". Heute ist dort nichts mehr zu sehen, auf alten Postkarten findet man noch Fotos des Kösels oder sog. Hexenhäuschens.
Zur Aufarbeitung der Geschichte der Köhler und Teerschweler hat sich Oberförster a.D. Gerd Heil, verdient gemacht. Insbesondere sein Verdienst ist es, dass in Wiethagen am Köhlerhof nicht nur ein originaler, denkmalgeschützter Köhlerofen noch in Betrieb ist, sondern auch der Erfahrungsschatz der Köhler und Teerschweler erhalten und öffentlich zugänglich bleibt.
Die frühesten Nachweise auf eine gewerbliche Köhlerei/Schwelerei in der Heide werden auf 1634 datiert, es ist aber wahrscheinlich, dass dieses Verfahren schon viel früher betrieben wurde. Das Datum 1634, also vor der geordneten Forstwirtschaft nach H.F.Becker, wird auf ein Verbot der Köhlerei in der Heide bezogen, ein Regulativ also gegen die Allmende, den Gemeingebrauch von Holz, Lehm und Wasser.
Köhlereien bzw. Schwelereien stellten eine breite Produktpalette her: Holzkohle als Heizmaterial für Metallurgie, Glasschmelzen, Teer für den Schiffbau, Holzgeist als Lösungsmittel und Medizin. Rohstoff war das Holz der Heide, insbesondere versprach man sich von der Nutzung von Rodestubben und Schwachholz für die Köhlerei eine Entlastung des Wertholzbedarfes und eine bessere Verjüngung des Waldes durch Anzucht auf wurzelfreien Flächen.
In dem Krauseschen Flurnamenregister findet man Flurstücksbezeichnungen, die auf Köhlerei hinweisen. G. Heil lokalisiert in der Rostocker Heide frühere Standorte von 6 Teeröfen und 3 Erdmeilern.
Die Unterscheidung in Öfen und Meiler hat im wesentlichen technologische Gründe: Teeröfen sind ortsfeste, bauliche Anlagen aus Ziegeln, das Bauwerk ist also am Ende getrennt vom Produkt; Erdmeiler sind de facto mobile, immer wieder zu errichtende Schichtkegel, die z.T. selbst zum Produkt werden. Ein weiterer Unterschied besteht darin, dass ein Teerofen nach dem Brand zumeist langsam über mehrere Tage von selbst herunterkühlt, wogegen ein Meiler mit Wasser abgelöscht werden muss.
So sind auch die Standorte vom Meilern, wie der der Köhlerei am Moorgraben, in Wassernähe erklärt. Auch gibt G.Heil Hinweise darauf, dass die Lehmkuhlen (siehe Kapitel "Kossatengehöft" und "Kuhlen, Mulden, Deiche und Dämme") auch dazu dienten, Baumaterial für die Köhlereien, als Kluthen (Backsteine) oder Lehm zum Verputzen, Dichten oder Reparieren, zu gewinnen. (G.Heil: Geschichte der Köhler und Teerbrenner in der Rostocker Heide, Riedick&Schade, 2002).
Die für den Betrieb eines oder mehrerer Meiler notwendigen Voraussetzungen und Ressourcen wie minderwertiges Holz, Sand, Lehm, Wasser und idealerweise auch noch der Transportweg waren für den Standort am Moorgraben also gegeben. So betrieb ein "Adjunkt" Voigt Wilhelm Meyer 1845 die Köhlerei am Moorgraben. Die Bezeichnung "Adjunkt" deutet darauf hin, dass die Stadt Rostock von Amts wegen (heute würde man das ggf. als Eigen- oder Regiebetrieb bezeichnen) die Köhlerei betreiben ließ.
Es gab seitens Meyers auch Versuche, Torfsoden aus dem Hütelmoor zu verschwelen. Hier gibt G. Heil einen Hinweis zur Aufklärung, das es gerade diese Torfkohle war, die so entsetzlich stank, dass die Rostocker sie nicht haben wollten. Dies erklärt, warum trotz der Legende dennoch Torf vom Schnatermann noch im frühen 19. Jhdt. geworben, getrocknet und vermarktet wurde (Vgl. Kapitel Jahr 1782 und Verkaufsofferte 1805). Denn die Versuche W. Meyers zur Verkohlung von Torf datieren erst 1849.
Das Hexenhäuschen am Moorgraben, vor 1934. Quelle: Sammlung J. Dudek
Dass wir es am Moorgraben mit einem Erdmeiler zu tun haben, ist auch die naheliegende Erklärung dafür, heute dort keine als Bauwerk erkennbare Köhlerei mehr vorzufinden. Wie lange diese betrieben wurde, ist noch zu klären. Gegebenenfalls ließe sich der Standort des Meilers anhand von Bodenprofilproben noch nachweisen, denn teerhaltige Rückstände und Aschen in ungestörten Böden sind labortechnisch auch nach langer Zeit sehr gut zu analysieren.
Romantisch verklärt wird daher das zum Meilerstandort errichtete Wohn- oder Wirtschaftshaus, das sog. "Hexenhäuschen". Belege darüber, dass mit dem Meiler auch ein Wirtschafts- und/oder Wohngebäude errichtet und genutzt wurde, wären noch beizubringen. Wir finden bei L.Krause einen Hinweis, der das Gebäude selbst nur am Standort, nicht aber zwingend als Teil der Köhlerei beschreibt. "An der Stelle der Alten Köhlerei am Markgrafenheider Kanal steht noch heute (1926) ein einsames Strohdachhäuschen, das hin und wieder einzelnen Waldarbeitern, die zu weit entfernt wohnen, als Nachtquartier und Kochgelegenheit dient, meist aber unbewohnt und verschlossen ist..." (Dr. L. Krause: Die Rostocker Heide im Spiegel ihrer Orts-, Forst- und Flurnamen, 1926). Von Köhlern keine Rede mehr.
Wohl aber von Forstarbeiter- oder Flößerunterkunft. Und so passt auch die Geschichte des Wutbürgers und Fischers Hans Bödewig in die romantische Erzählweise (in: Dr. J. Rabbel: Der letzte Heidefischer. in NNN 29.2.2008): Der machte im Sommer 1923 den "Hausbesetzer" und wollte nachträglich ein Wohnrecht oder Pachtvertrag von der Hansestadt. Das ging nur unter einer befristeten Pacht, mit Ausnahmen, Zugeständnissen und Duldung der Forstbehörde gut. Bis 1925, dann wurde die Räumung angeordnet, die Bödewig aber bis 1926 hinauszuzögern wusste, u.a. wegen Wohlverhaltens bei ehrenamtlichen Einsätzen im Stadtforst. Der letzte Versuch des Widerspenstigen endete im Dezember 1927 mit Klage und Androhung der Zwangsräumung des Hexenhäuschens, woraufhin er den Platz Richtung Hotel Mama in Rostock verließ.
1934 wurde dieses, unbeheizbare, Häuschen dann abgerissen. Insofern ist auch der Hinweis..."im Winter unbewohnbar" als Indiz zu werten, dass das Häuschen nicht zum Daueraufenthalt eines Köhlermeisters errichtet worden war.

Das Forstrevier Markgrafenheide

Das Forsthaus Markgrafenheide im Jahre 1908 im Vordergrund Förster Gottschlich mit Hund, Quelle: W. Steinmüller
  • Revier Markgrafenheide


Die Schule in Markgrafenheide

https://rostock-markgrafenheide.de/geschichte/geschichte-der-schulen/

Die Ausflugsschiffahrt auf Breitling, Radel und Moorgraben

Die Strandbahn


Kasernen und Schießplätze

Hohe Düne

Die Rövershäger Enklave "Taterhörn" von 1912 bis 1922

Die Rövershäger Enklave am Taterhörn, 1920 letztmalig in der Generalkarte der Rostocker Heide vom Vermessungsingenieur dargestellt


Opfer von Krieg und Gewalt aus ...

Napoleonische Zeit

Opfer in französischen Diensten: Französische Flotte, Rußlandfeldzug u.a.

Befreiungskriege

Deutsch/ Französischer Krieg 1870/71

Erster Weltkrieg

Zweiter Weltkrieg

Nachkriegszeit (z.B. Lager Fünfeichen)

* Lag Warnemünde einst am Rande von Markgrafenheide?

Sagen, Geschichten, Legenden und Anekdoten rund um Markgrafenheide und Umgebung

Flurnamen auf der Markgrafenheider Feldmark

offene Fragen bei der Aufarbeitung der Markgrafenheider Geschichte

-Herkunft, Deutung und Bedeutung der Flurstücke: "Postwiese"; "Armenkirchhof"; "Lehmkuhl" der Krauseschen Flurkarte 1926
-das "Zollhaus" in der Krauseschen Flurkarte 1926
-slawische Steinkreise in der Steinheide bei Dolberg 1886
-Das mißglückte Experiment mit den Torfprahmen
-Die Franzosen in Markgrafenheide (Postenkette der Kontinentalsperre)
-Fort Hindenburg
-Die Vereins-Wanderhäuser
-Vom Forsthaus zum Restaurant
-Franzosenlager (Dr. Reno Stutz)
-Der Todesmarsch der Schwarzenpfoster Häftlinge nach Markgrafenheide
-Beerdigung von Kriegsgefangenen
-Der Fliegerhorst