Mehr über H.F.Becker und sein Wirken

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Hermann Fried(e)rich Becker. geb. 21.4.1766 Rostock, gest. 5.10.1852, ev. Forstbeamter, Kameralist, Kartograph

Eltern: Heinrich Valentin Becker, Prof. geb. 1732 gest. 1796 Theologe, Mathematiker an der Universität Rostock 1765-1792 Rektor der Universität, Mutter Anna Dorothea geb. Burgmann geb.1737 gest.1787 (Tochter des Rostocker Bürgermeisters Dr. Johann Georg Burgmann)

Familienstand: Verh. 22.7.1791 mit Oelgardt Kremer geb. 4.8.1771, gest. 28.1.1846 (Tochter des Gutsbesitzers Christian Krämer auf Dölitz)

Kinder:

Daniel Heinrich Eduard geb. 18.5.1792; gest.(?)

Georg Friedrich Hermann 13.1.1794; gest.(?)

Lisette Marianne Franziska 20.10.1796 verh. mit Gustav Passow; gest.(?)

Gottfried Gustav Friedrich 31.3.1799; gest.(?)

Sophia Emilia 29.10.1802; gest.(?)

Dorothea Luise Therese 14.3.1808 (verh. 18.7.1834 mit Beckers Amtsnachfolger Georg Garthe), gest. 6.10.1835


Hermann Friedrich Becker wirkte ein halbes Jahrhundert in der Rostocker Heide. Versuche, eine geregelte Waldbewirtschaftung in Mecklenburg insgesamt und so auch in den Rostocker Waldungen einzuführen, blieben bis zum Beginn der Tätigkeit Beckers im Jahre 1792, im Dienste der Hansestadt Rostock, erfolglos. Mit seinem Amtsantritt wurde in der Rostocker Heide mit nachhaltiger Forstwirtschaft schlechthin begonnen.

Studentische Zeit: Als Enkel eines Rostocker Bürgermeisters studierte Becker bis 1790 in Rostock, Göttingen, Frankfurt/M und Heidelberg (Immatrikulation in Rostock am 16.10.1788). Er belegte u.a. Physik, Baukunst, Kameralwissenschaften (Ökonomie), Latein, Landwirtschaft, Geschichte und Botanik. Wegen seiner Erscheinung und seines Durchsetzungsvermögens wurde er mehrfach zum Consenior der Rostocker Studentenschaft gewählt. Bereits vor Ende seines Studiums unterhielt Becker gemeinsam mit seinem Freund Adolf Christian Siemssen (1768-1833) als Redakteur die zu jener Zeit geschätzte „Monatsschrift von und für Mecklenburg“. Die Zahl der naturwissenschaftlichen, philosophischen und ökonomischen Beiträge Beckers ist schier unübersehbar. Das für seinen beruflichen Werdegang entscheidende Werk war 1791 seine „Beschreibung der Bäume und Sträucher, welche in Mecklenburg wild wachsen, zum Gebrauch der Landleute und Förster“, die erste umfassende dendrologische Systematisierung der hier heimischen Gehölzarten. Diese Arbeit gereichte ihm als ausschlaggebende Referenz dazu, sich im darauf folgenden Jahr gegen eine Vielzahl von Mitbewerbern um das Amt des Rostocker Forstinspektors durchzusetzen.

Der Forstmann: Mit seinem Amtsantritt wurde für Norddeutschland der Grundstein einer geregelten und damit vor allem Nachhaltigen Forstwirtschaft gelegt, dessen große Leistungen sich im Waldcharakter der Rostocker Heide bis heute widerspiegeln. Der Beginn seiner forstlichen Amtszeit war durch die „große Holznot in Europa“ geprägt. Raubbau und Übernutzung hatte Europa weit Wälder zu Buschlandschaften verkommen lassen. Becker legte 1793 eine komplex vermessene Forstkarte der Rostocker Heide vor. Noch im selben Jahr ließ er erste planmäßige Aufforstungen vornehmen und führte eine Zählung der Eichen in den Rostocker Waldungen durch. Diese Baumart war in jener Zeit die wirtschaftlich Bedeutendste und sollte durch die Bestandsaufnahme nachhaltig gemacht werden. Ein bis auf die heutige Zeit fortdauerndes Ergebnis Beckers war die Schaffung des Schneisennetzes in der Heide, das den einstigen Urwald nun in der gesamten Ausdehnung erschloss und damit effektiv nutzbar machte. Eine entsprechende Wegebauplanung bei seinem Rostocker Dienstherrn eingereicht, stieß auf Ablehnung. Trotzdem setzte er die Planung auf eigene Verantwortung um, was ihm zunächst strenge disziplinarische Bestrafung einbrachte. Als in der Folge das neu angelegte Wegenetz seinen wirtschaftlichen Sinn zeigte, wurde seinen Plänen verspätete Zustimmung zuteil. 1810 ließ Becker die Rostocker Heide in fünf markant gegeneinander abgegrenzte Reviere aufteilen. Deren dafür fortan eingesetzte Revierförster hatten die Aufgabe ihr Revier ökonomisch sinnvoll und nachhaltig zu bewirtschaften und zu verwalten. Mit den genannten Maßnahmen fand erstmals in einem norddeutschen Waldgebiet eine Forsteinrichtung statt. Damit war die Grundlage für eine dauerhafte nachhaltige Forstverwaltung gelegt. Eine weitere einschneidende Veränderung in seinem Wirken zum Beginn einer geregelten Forstwirtschaft erreichte der Forstmann im Jahre 1821 mit der Aufhebung der bisher üblichen Waldweide. Bis dahin schlossen sich Viehhaltung und Waldverjüngung aus. Nicht zuletzt war die Viehwirtschaft eine der wesentlichen Ursachen für die große Holznot der Vergangenheit, da auch die Überweidung die Urwälder zu Buschlandschaften degenerierte. Daneben veröffentlichte Becker unermüdlich forstwissenschaftliche Beiträge, wie z.B. „Rüge verschiedener Holzverschwendungen in Mecklenburg“ (1796) und „Über die beste Art des Pflanzens der Bäume im Verbande“ (1815). Von herausragender Bedeutung für die Forstwirtschaft des baltischen Raumes war seine 1804 im Auftrage des Dänischen Admiralitäts-Collegiums entstandene umfassende Arbeit „Über Cultur, künstliche Bildung und Fällung des Schiffbauholzes“ (Kopenhagen 1804 dän. „Om Skibsbygningstömmers Kultur, konstige Dannelse og Faelding“). In dieser Arbeit wird die Forstwirtschaft mit spezifischem Bezug auf den baltischen Küstenraum als Holzlieferant für den Schiffbau generalisiert. Besonders in Dänemark prägt diese Arbeit über lange Zeit den Betrieb der Forstwirtschaft. Sie ist auch der Anlaß zur Verleihung der Ehrendoktorwürde durch die Universität Kopenhagen. Durch Beckers Verbindung mit den ersten Forstwissenschaftlern seiner Zeit, beeinflusste er das Forstwesen weit über Mecklenburg hinaus. Bereits 1795 während der Gründung der Forstschule in Zillbach („Wiege der deutschen Forstwirtschaft“), dem Vorläufer der späteren Forstakademie Tharandt/Dresden, ist ein intensiver Gedankenaustausch zwischen deren Gründern Heinrich Cotta (1763 – 1844), später Gottlob König (1779 – 1849) und Becker zu verzeichnen. Diese Verbindung währte weit über vier Jahrzehnte. Gemeinsam gründeten sie 1836 die „Versammlung deutscher Land- und Forstwirte“. 1819 wird Becker Mitglied im mecklenburgischen Patriotischen Verein. 1837 veranlasst er den Bau der Teerschweelerei Wiethagen als eine frühe Form der chemischen Fabrik. Sie existiert noch heute, museal betrieben als letzte authentische Teerschweelerei Mitteleuropas.1839 beginnt Becker zeitgleich drei Chroniken zu schreiben, die in ihrer Geschlossenheit einzigartige Zeitdokumente für die Region Rostock in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts darstellen: „Chronik von den Waldungen der Stadt Rostock“ 1839 – 1952 (von Becker bis 1852 geführt Anm.1952 ist kein Schreibfehler), „Chronik von den merkwürdigen Begebenheiten im Kirchspiel Rövershagen und der Umgegend ....“ 1839-1852, „Nachrichten von der Beckerschen Familie...“ 1839 – 1852. Bevor der Forstinspektor 1846 in den Ruhestand ging, gründete er auf eigene Rechnung zwei Industrieschulen (Berufsausbildungsstätte für die Landjugend beiden Geschlechts), baute und finanzierte im damaligen Rostocker Stadtdorf Rövershagen die erste ländliche Leihbibliothek Mecklenburgs, sowie ein Armenhaus-Stiftung.

Der Autor und Philosoph: Über sein gesamtes Wirken als Forstmann hinaus unternimmt Becker immer wieder Ausflüge in andere Themenfelder. Bereits 1787 projektiert und realisiert er ein Denkmal für Bernhard Mathias Graf Bassewitz, das noch heute seinen Platz in der Gutsanlage Dalwitz einnimmt. 1792 erfindet er ein Messgerät („Beckerscher Höhenmesser“). 1819 veröffentlicht er sein Traktat „Luftschiffahrt in Doberan, nebst Bemerkungen über die Lenkung von Luftschiffen“, in dem er beschreibend Grundideen der Formgebung und Konstruktion späterer Luftschiff-Fahrzeuge als Lösungsansatz anregt. Er gilt als erster namentlich bekannter Badegast Warnemündes, da in seiner Handschrift der Familienchronik unter dem Jahr 1817 eine Beschreibung seines mehrtägigen Badeaufenthaltes im späteren Ostseebad enthalten ist.

Ehrungen:

1794 Ehrenmitglied der Königlich Märkischen ökonomischen Gesellschaft

1804 Ehrendoktorwürde der Universität Kopenhagen

1804 Ehrenpreis des Königlich dänischen Admiralitäts-Collegiums

1841 Ehrendoktorwürde Dr. phil. der Universität Rostock


Werke Auswahl:

Becker H.F. „Von der Hydrostatischen Bestimmung der specifischen Schwere der Körper“ 1788 28 S. (B´s veröffentlichte Magisterarbeit)

Becker H.F. „Beschreibung der Bäume und Sträucher, welche in Mecklenburg wild wachsen zum Gebrauch der Landleute und Förster“ 1791 87 S.

Becker H.F. „Topografische Beschreibung des heiligen Dammes bei Dobberan und Rhedewisch in Mecklenburg“ 1792 77 S.

Becker H.F. „Erleuterung zweier Stromcharten Mecklenburgs“ 1792 3 Seiten und zwei Karten

Becker H.F. „Beiträge zu den Staatswissenschaften mit besonderer Rücksicht auf Teutsche Provinzen“ 1.- 3. Stück (1795) 377 S.

Becker H.F. „Über Cultur, künstliche Bildung und Fällung des Schiffbauholzes“ 1904 184 S. (ins dänische übersetzt, von der dänischen Admiralität gekrönte Preisschrift)

Becker H.F. „Nachrichten von der Beckerschen Familie...“ Handschrift 1839 – 1852 2 Bde. (Original verschollen, Abschrift je in Sondersammlung Archiv Universität Rostock sowie Archiv der Hansestadt Rostock)

Becker H.F. „Chronik von den merkwürdigen Begebenheiten im Kirchspiel Rövershagen und der Umgegend ....“ Handschrift 1839-1852 (im Besitz der Kirchgemeinde Rövershagen)

Becker H.F. „Chronik von den Waldungen der Stadt Rostock“ Handschrift 1839 – 1952 (von Becker bis 1852 geführt) Archiv der Hansestadt Rostock

Becker publiziert rund 250 Beiträge zu Naturwissenschaft, Ökonomie und Philosophie besonders in: „Monatsschrift von und für Mecklenburg“, „Gemeinnützige Aufsätze für den Stadt- und Landmann“, „Annalen des Meckl. Patriotischen Vereins“, „Freimüthiges Abendblatt“ u.a.m.

Literatur:

Babendererde, Paul „Meine Rostocker Heide – ein Lebensbericht“ Rostock 1944

Kolp, Otto „Die nordöstliche Heide Mecklenburgs” Berlin 1957 282 S.

Wilfried Steinmüller "Menschenverstand, mehr ist im Wald nicht nötig... - die Familienchronik des Rostocker Forstmannes und Ökonomen Hermann Friedrich Becker (1766-1852)" 2016 208 S.


Porträts: - 2 Silouetten Porträtsammlung Universitätsbibliothek Rostock Sondersammlung - Kopie von Aquarell-Porträt Archiv der Hansestadt Rostock (Original verschollen)