Wustrow fortlaufende Chronik

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Wustrow (Ostseebad)

Die Geschichte von Wustrow - Chronologie und Geschichte(n)

in Bearbeitung!

Wustrow Ortsplan ca. 1914


Um die Chronik übersichtlicher zu gliedern, existiert für jede Epoche ein eigener Artikel.

Die Boddenkultur - Zur Ur- und Frühgeschichte des Fischlandes

* Ansiedlung bei Wustrow und Niehagen Robert Beltz In: Jahrbücher des Vereins für Mecklenburgische Geschichte und Altertumskunde, Bd.64 (1899) S.143-144
* "Der Boddenfund - eine nordische Faustkeilkultur von altsteinzeitlichem Gepräge" Willy Bastian o.J. (Auszüge)

Die Wendenzeit auf "Swante Wustrow"


Eugen Geinitz "Pfahlstrukturen am Wustrower Boddenufer" noch einfügen!

Herkunft von Wustrow

Für die Frühgeschichte Wustrows relevante Urkunden im Mecklenburgischen Urkundenbuch
MUB Nummer: 442, 3641, 4964, 5001, 5007, 5017, 5019, 5021, 5193
(im einzelnen noch aufarbeiten!)

Wustrower Geschichte chronologisch

Kirchdorf (Wustrow) im späten Mittelalter (um 1200 bis 1517)

Das Fischland zur Reformation und Nachreformationszeit (1517 bis 1648)

Wustrow bis zur napoleonischen Zeit (bis 1813)

1777,bis
Zu den Gottesdiensten wird um einen "gesegneten Strand" gebetet

Die Entwicklung des Fischlandes bis zur Reichseinigung (bis 1871)

1843
Wustrow erhält eine feste Straßenverbindung
1843
Verheerende Ostsee-Sturmflut mit mehreren Deichdurchbrüchen.
1846
Gründung der Navigationsschule (existierte bis 1992)
Wustrow 1859 Nachlaß Kapitän August Voß
1869
Der "Große Brand", 43 Büdnereien und 5 Bauerngehöfte werden zerstört. Noch im selben Jahr beginnt der Wiederaufbau.




Wustrow im Deutschen Reich bis 1918

Christian Peters Gerichtsverfahren Wustrow RZ 11. Juli 1884 1
Christian Peters Gerichtsverfahren Wustrow RZ 11. Juli 1884 2

1873 Die von dem Schweriner Architekten Theodor Krüger erbaute neue, neugotische Kirche wird geweiht

1880
Beginn des Badebetriebes
1881
180 Badegäste verweilen in der Saison in Wustrow
1905
Bau der Rettungsstation
1909, Januar
Strandung des Dampfers "Adele" vor Wustrow
Wustrow Strandung Dampfer Adele 1909
1911
Erweiterung und Ausbau der Seefahrtsschule
1917
An der Seefahrtsschule entsteht der Turm für die Ausbildung zur astronomischen Navigation


Fischland im Deutschen Reich bis 1945

Wustrow in der SBZ und DDR bis 1990

1949, 6. Mai Wiedereröffnung der Seefahrtsschule und anschließende Erweiterung

1953 Bau des Internates zur Seefahrtsschule

1959 - 1964 Bau des neuen Lehrgebäudes der Seefahrtsschule (Lehrgebäude, Bibliothek, Planetarium)

1965 Vor der Wustrower Küste strandet der Segelfrachter "Stinne". einheimische übernehmen das Wrack und verholen es an Land auf die Boddenseite, wo es fortan als Unterkunft dient.

1970 Die Kirche erhält eine Jehmlich-Orgel

die heutige Zeit auf dem Fischland

1992 Schließung der Seefahrtsschule

1992/1993 Bau der neuen Seebrücke (240 m lang)

2018, 21.8. Einsturz des Daches der ehemaligen Seefahrtsschule

Einigen wichtigen Einrichtungen sind eigene Artikel gewidmet:

Die Wustrower Kirchen

Die alte Kirche von "Kirchdorf", wie Wustrow noch im 19. Jahrhundert genannt wurde, ist im Jahre 1868 abgerissen worden.
Die Kirche von * Wustrow im "Schlie" .
Die neue Kirche von "Kirchdorf", ist im Jahre 1868 erbaut worden.
In alten Urkunden begegnet uns die wendische, vollständigere Bezeichnung "Swantewustrowe", das heißt "heilige Insel ".
Der 1868 begonnenen Neubau der Kirche steht auf dem alten wendischen Burgwall, der zugleich Fliehburg und Heiligtum war, durch Wassergräben inselgleich geschützt.
Der Inselcharakter Wustrows wurde dadurch verstärkt, daß ursprünglich südlich von Wustrow (am Permin) und nördlich vom Ahrenshooper Wald eine schiffbare durchfahrt von der offenen See zum Bodden bestand.
Der gotische Altbau der Kirche zu Wustrow war bis zu halber Höhe in Feldstein aufgeführt und mit zwei Seitenschiffen angelegt.
Er besaß einen für Mecklenburg höchst seltenen runden Chor.
Dieser Altbau wurde für den neugotischen Neubau abgerissen.
Nur ein gotischer Taufstein und einiges kirchliches Gerät sind noch von dem ursprünglichen Bau erhalten geblieben.
Durch die erhöhte Lage ist der Turm als Wahrzeichen des Fischlands weithin sichtbar und bietet durch die zugängliche Treppenanlage gute Aussicht über Bodden, Ort und See.

Die Schwedenschanze

Der Friedhof an der Schwedenschanze

Die beiden Wustrower Mühlen

Die Seefahrtsschule Wustrow

Noch 1862 waren 132 Schiffe in Fischland beheimatet, diese Zahl ist seitdem unausgesetzt zurückgegangen.
Von einer Berufswahl war auf dem Fischland lange Zeit fast gar nicht die Rede.
Mit Ausnahme weniger junger Leute, welche auswärts die höheren Schulen besuchten oder sich dem Kaufmanns- und Handwerkerstande zuwandten, fuhren fast alle männlichen Einwohner zur See.
Der Schiffersohn suchte sich möglichst mit der Schiffertochter zu verbinden und die Eltern und verwandten Familien des jungen Paares waren dann darauf bedacht, den jungen Mann in den Besitz eines Schiffes zu bringen.
Für die Ausbildung der Seefahrer, welche zur Führung von Schiffen deutscher Flagge zugelassen werden sollen, sorgt die zu Wustrow befindliche Navigationsschule, die im Jahre 1846 begründet wurde.
Sie hat außer dem Direktor 3 Lehrer und 1 Hilfslehrer.
Die nächste Behörde ist das aus einem Beamten des Amts Ribnitz und aus zwei Schifferältesten bestehende Curatoriums, welches die Verwaltungsangelegenheiten zu besorgen hat, während die Leitung des Unterrichts dem Director zusteht.
Gesondert hiervon ist die Prüfungscommission für Seeleute zu Wustrow, die aus einem Vorsitzenden, zwei öffentlichen Navigationslehrern und zwei Schiffahrtskundigen besteht.

Die Seenotrettugsstation

Barnstorf als Ortsteil von Wustrow

Hof IV

Hof III

Hof II

Hof I

Die alte Wustrower Fischräucherei

Das Fischland, Sturmfluten und Küstenschutz

"Swantewustrow", "Kirchdorf" oder "Wustrow" - über die Jahrhunderte im Spiegel von Literatur und Zeitgenossen

Wustrower Persönlichkeiten

Balzer, Thuro - Maler

geb. 9.5.1882 Weißhof (Marienwerder/Ostpreußen) gest. 8.11.1967 Hannover

Kindheit auf dem Lande; praktische Lehre in verschiedenen Ateliers, zuletzt in Breslau; 1902 Schüler der Akademie für Kunst und Kunstgewerbe Breslau; 1904 Prüfung als Zeichen-, 1906 als Turnlehrer; bis 1906 Maler in Breslau; 1908 akademischer Zeichenlehrer an der Großen Stadtschule Rostock; Maler der mecklenburgischen Landschaft: »Kleiner Ostseehafen«, »Dorflandschaft an der Küste«, »Bucht von Ahrenshoop«, »Wiecker Moor«, »Landweg nach dem Regen«, »Tauwetter«; Städteansichten von Rostock und Doberan; Blumenstillleben und Porträts (Selbstbildnis); Gebrauchsgrafiker; 1909 Sonderausstellung des Kunstvereins Rostock; 1916 Übersiedlung nach Wustrow (Fischland); 1919-1922 Geschäftsführer

Bastian, Willy -Pädagoge, Denkmalpfleger

geb. 5.1.1893 Kieth gest. 24.1.1970 Schwerin

Pädagogikstudium in Berlin; lange Zeit Lehrer in Wustrow; trug dort die umfangreichste Privatsammlung an Artefakten von Mecklenburg zusammen; stellvertretender Denkmalpfleger des Landes; Aufbau einer ehrenamtlichen Pflegeorganisation; 1935 Berufung an das Mecklenburgische Landesmuseum Schwerin; Neuaufstellung einer großen Schausammlung im Schweriner Schloss; 1953 Leiter des Forschungsunternehmens »Burgwallaufnahmen Mecklenburg« beim Institut für Ur- und Frühgeschichte der Deutschen Akademie der Wissenschaften Berlin; 1935 Mitglied des Vereins für mecklenburgische Geschichte und Altertumskunde; 1938 John-Brinckman-Preis; »Der Boddenfund« (1935); »Vorgeschichtliche Handwerkskunst in Mecklenburg« (1937); »Corpus archäologischer Quellen zur Frühgeschichte« (1973); »Das steinzeitliche Fischland« und »Frühbesiedlung und Umweltbedingungen« in »Mecklenburgische Monatshefte« (1927); »Stromburgen im ehemaligen Land Barth und die Burg Vitte in Ahrenshoop« in »Jahrbuch für Bodendenkmalpflege« (1961).

Gilles, Werner - Maler

geb. 29.8.1894 Rheydt (Mönchengladbach) gest. 22.6.1961 Essen

Realgymnasium in Mühlheim (Ruhr); 1914 Studium an der Kunstakademie Kassel; 1914-1918 Soldat im Ersten Weltkrieg; 1919-1921 Studium an der Hochschule für Bildende Kunst in Weimar bei Walther Klemm und am Bauhaus Weimar bei Lionel Feininger; ab 1921 regelmäßige Aufenthalte in Italien; 1925-1927 in Düsseldorf; Auszeichnung mit dem Rom-Preis und 1931/32 Aufenthalt in der Villa Massimo; 1932/33 in Berlin; übernahm 1933 ein verwahrlostes Haus in Barnstorf (bei Wustrow) auf dem Fischland, lebte 1934/35 in Born auf dem Darß; malte Landschaftsbilder und Hafenansichten; »Boote und Fischer am Strand« (1933); Freundschaft mit Gerhard Marcks, der 1937 eine Porträtbüste und eine Kreidezeichnung von ihm anfertigte; arbeitete 1936-1945 in der Künstlergemeinschaft Klosterstraße Berlin und in Italien; 1937 Beschlagnahme fünf seiner Aquarelle aus dem Besitz der Berliner Nationalgalerie (ein Bild in der Ausstellung »Entartete Kunst« in München); lebte 1945-1948 in Vöcklabrück (Österreich) und in Schwarzenbach an der Saale, seit 1948 in München und während des Sommers auf Ischia; Mitglied des Deutschen Künstlerbundes, der Berliner und der Rheinischen Sezession; 1954 Großer Kunstpreis des Landes Nordrhein-Westfalen.

Holtz, Erich Theodor - Maler

geb. 29.12.1885 Storkow gest. 27.6.1956 Wustrow

Vater: Apotheker Ehefrau: Hedwig Holtz-Sommer, Malerin Ausbildung an der Kunstgewerbeschule Dresden und der Akademie der Künste Berlin; lebte zunächst in Berlin und 1917-1924 in Prerow im Haus Lindenhöhe; leitete hier gemeinsam mit Theodor Schulze- Jasmer die Darßer Kunsthütte; seit 1924 in Wustrow ansässig; Küstenlandschaften, auch Bildnisse und Stillleben; Vorsitzender des Künstlerkreises Fischland; Mitglied des Künstlerkollektives Ahrenshoop.

Holtz-Sommer, Hedwig (geb.: Sommer) - Malerin

geb. 22.8.1901 Berlin gest. 23.8.1970 Wustrow

Ehemann: Erich Theodor Holtz, Maler Bis 1911 Volksschule in Dortmund, 1912-1917 Höhere Töchterschule in Gera; 1917-1921 Schülerin der Kunstgewerbeschule und Lehre als Schneiderin; 1922-1924 Modezeichnerin in Esslingen (Neckar); 1925-1927 Schneiderin in Gera; 1927-1929 Hochschule für Bildende Kunst in Weimar; 1929- 1933 freischaffend in Weimar; 1934 Heirat und in Wustrow ansässig; Porträts und Landschaften vom Fischland; »Kinderporträt« (1942); »Bildnis Ottomar Enking« (1943); »Selbstbildnis« (1946); »Fischländer Kapitän« (1947); »Alte Fischländerin« (1954); Fischlandserie mit 19 Aquarellen (1956- 1966; »Wustrower Straße«, »Wustrower Hafen«, »Am Strande«, »Fischlandhäuser«); Illustrationen zu Maxim Gorkis »Drei Menschen« (1951), Nikolai Gogols »Das Bildnis« (1954) und Anton Tschechows Erzählungen »In der Barbierstube« (1957), »Das Kunstwerk« (1957), »Im Dunkeln« (1957), »Unteroffizier Prischibejew« (1960), »Der Orden« (1961) und »Übers Ziel hinausgeschossen« (1962); Zeichnungen zu Max Frischs »Andorra« (1963) sowie Bertolt Brechts »Mutter Courage« (1964/65) und »Der Kaukasische Kreidekreis« (1955); 1952 Mitglied eines mecklenburgischen Künstlerkollektivs, das den Aufbau Berlins in Malerei und Grafik gestaltete und des Künstlerkollektives Ahrenshoop; 1961 Leitung des Mal- und Zeichenzirkels des Deutschen Kulturbundes; 1946 und 1949 auf den Deutschen Kunstausstellung Dresden; 1947 eigene Ausstellung im Museum Rostock; 1956 in der Ausstellung Mecklenburger Künstler im Landesmuseum Schwerin; 1963 und 1966 in der Ausstellung des Verbandes Bildender Künstler Deutschlands, Bezirk Rostock in Rostock; 1940 Dürerpreis der Stadt Nürnberg; 1965 Johannes-R.- Becher-Medaille.

Hurtzig, Hans Erich - Theologe

geb. 3.4.1909 Grevesmühlen gest. 14.10.1941 vor Moskau (Russland)

Vater: Paul (Hermann Martin) H., Theologe Abitur in Schwerin; 1927 Theologiestudium in Erlangen, Zürich und Rostock, 1933-1941 Pastor auf dem Fischland; Gedenktafel in der Wustrower Kirche; Käthe Miethe setzte ihm in »Das Fischland« (1949) ein literarisches Denkmal.

Jaenichen, Johann (auch: Hanns) - Bildhauer

geb. 8.10.1873 gest. 7.5.1945 Wustrow

Ehefrau: Hedwig Woermann, Bildhauerin, Malerin Gab seine Tätigkeit als Finanzassessor bei der sächsischen Eisenbahn auf, um sich der Kunst zu widmen; Studien in Rom, vor allem zur Darstellung von Pferden; 1908 Heirat mit Hedwig Woermann in Rom; 1909 Übersiedlung auf einen Bauernhof in Sceaux (bei Paris); 1914 Rückkehr nach Dresden; 1919 Umzug nach Wustrow auf dem Fischland; Atelier in der alten Fischräucherei in Barnstorf; schuf Pferde und Reiterskulpturen; Reisen nach Frankreich und einige Jahre Aufenthalt in Argentinien; Selbstmord.

Klünder, Arnold - Maler, Grafiker, Kunsthandwerker

geb. 3.11.1909 Groß Stepenitz (Pommern; Stepnica/Polen) gest. 23.12.1976 Rostock begr. Wustrow

Ehefrau: Barbara K., Kunsthandwerkerin, Malerin Studium an den Kunstgewerbeschulen in Stettin und Berlin-Charlottenburg; freischaffend in Berlin tätig; lebte nach seiner Heirat 1946 in Althagen auf dem Fischland im Haus seiner Schwiegereltern Dora Koch-Stetter und Fritz Koch-Gotha; malte vor allem maritime Motive; gründete 1950 mit seiner Frau die Keramikwerkstatt Klünder im Künstlerhaus am Bodden.

Klünder, Barbara (geb.: Koch) - Kunsthandwerkerin, Malerin

geb. 28.9.1919 Berlin gest. 8.4.1988 Althagen begr. Wustrow

Vater: Fritz Koch-Gotha, Maler, Grafiker Mutter: Dora Koch-Stetter, Malerin, Pädagogin Ehemann: Arnold K., Maler, Grafiker, Kunsthandwerker Kam schon als Kind jährlich mit ihren Eltern auf das Fischland; nach der Ausbombung in Berlin ständiger Wohnsitz in Althagen; 1946 Heirat; betrieb mit ihrem Mann eine gemeinsame Keramikwerkstatt; setzte sich für die Bewahrung des Erbes ihrer Eltern ein; im Kulturbund und in der Gemeindevertretung aktiv.

Kriemann, Albert - Seemann, Modellbauer

geb. 1872 (Bad) Doberan gest. 1945 Wustrow

Seefahrtsschule Wustrow; Steuermanns- und Kapitänspatent; infolge eines Unfalls berufsunfähig; Modellschiffsschnitzer, stellte Schiffstypen und Seezeichen dar; besaß in seinem privaten Museum etwa 150 Modelle, die 1945 ins Schifffahrtsmuseum Leningrad kamen; einige Modelle kehrten im Zuge der Rückführung der Dresdener Kunstschätze zurück; entwarf ein Wappen für Wustrow.

Lange, Heinrich - Pädagoge, Organist, (niederdeutscher) Schriftsteller (Ehrenbürger des Ostseebades Wustrow)

geb. 23.7.1863 Tessin gest. 6.10.1938 Rostock

Vater: Zimmerer Stadtschule in Tessin; 1884/85 Lehrerseminar Neukloster; 1885 Lehrer in Sülze; 1886-1890 Lehrer in Dierhagen; 1890 Erster Lehrer in Hohenfelde (bei Doberan); zugleich Küster und Organist in Althof; 1907-1927 Lehrer, Küster und Organist in Wustrow; 1904 Gründer des Plattdeutschen Vereins in Doberan; nach Übersiedlung auf das Fischland Ehrenmitglied des Vereins; 1908 Vorsitzender des Plattdeutschen Vereins Fischland; Leiter eines Kinderchors und eines Gesangvereins in Wustrow; 1928 Ehrenbürger von Wustrow; lebte seit 1929 in Rostock; niederdeutsche Gedichte und Geschichten in Zeitungen und Zeitschriften; schrieb hoch- und niederdeutsche Erzählungen und Lustspiele; »Kapitän Peiter Potts Abendteuer tau Water un tau Land« (1899); »Dörch Nacht tau’m Licht« (1901); »Dei Wendenkron« (1905); »Dei Gegenbuhlers« (1905); »Unter dem Banner des Löwen. Geschichtliche Erzählung aus dem Anfange des 14. Jahrhunderts« (1906); »Twei Geschichten ut ’e Franzosentid« (1909); »Aus schwerer Zeit. Geschichtliche Erzählungen aus Mecklenburgs Vergangenheit« (1910); »Fritz Reuter als Heiratsstifter« (1910); übersetzte mehrere Werke von John Brinckman ins Hochdeutsche wie »Peter Lorenz bei Abukir und andere Geschichten« (1914); Herausgeber einer Werkausgabe von Fritz Reuter mit Biographie »Sämtliche Werke« (8 Bde.; 1904); Neubearbeitung von Carl Johann Friedrich Peters’ »Das Land Swante Wustrow oder Das Fischland« (1926); »Das Tonnenfest in Wustrow auf Fischland« in der Zeitschrift des Heimatbundes »Mecklenburg« (1912); »Fischerei und Schiffahrt auf dem Fischlande« in »Mecklenburgische Heimat« (1931); »Die Bauernlegung in Mecklenburg-Schwerin« in »Mecklenburgische Monatshefte« (1935).

Lettow, Toska - Pädagogin, Schriftstellerin

geb. 13.6.1895 Wustrow gest. 6.3.1985 Berlin

Vater: Ulrich L., Mediziner 1918 Lehrerin an der Stadtschule Ribnitz; hier wurde ihr Stück »Die Nebelfrau« aufgeführt; »Swante Wostrowe« (1917; Roman, der auf dem Fischland spielt); »Laternenkinder« (1921); »Ram Mohun« (1924); zusammen mit Margarete Bruch Herausgeberin von »Schön ist der Mutter liebliche Heimat. Deutsche Muttergedichte aus 2 Jahrhunderten.« (1935); »Swante-Wustrows 600 jährige Gedenkfeier« in »Mecklenburgische Monatshefte« (1928).

Menzler, Dora - Pädagogin

geb. 1874 gest. 10.9.1951 Wustrow

Gründete 1908 in Leipzig eine der ersten Gymnastikschulen in Deutschland; bildete vor allem Lehrerinnen für Körperkultur aus; erwarb 1919 in Wustrow ein Haus, verlegte das Sommersemester an die Ostsee und führte dort Ferienkurse der Dora- Menzler-Schule für Gymnastik und gestaltende Bewegung durch; 1933 Weiterführung der Einrichtung von ihrer Kollegin Hildegard Marsmann als Menzler- Marsmann-Schule bis 1951; »Körperschulung der Frau in Bildern und Merkworten« (5 Bde., 1924/25); »Die Schönheit deines Körpers. Das Ziel unserer gesundheitlich-künstlerischen Körperschulung« (1924); »Gestaltete Bewegung. Neues aus der Dora Menzler-Schule« (1926).

Methling, Fritz - Pädagoge, Maler

geb. 13.8.1911 Rostocker Wulfshagen gest. 17.3.1989 Wustrow Soldat im Zweiten Weltkrieg und amerikanische Gefangenschaft; seit 1950-1976 Lehrer für Deutsch und Fremdsprachen an der Seefahrtschule Wustrow; widmete sich in seiner Freizeit und nach der Pensionierung der Malerei; 1982 Ausstellung im Fischlandhaus Wustrow.

Miethe, Käthe - Schriftstellerin, Übersetzerin

Käthe Miethe 1968

geb. 11.3.1893 Rathenow gest. 12.3.1961 Althagen (heute zu Ahrenshoop) begr. Wustrow

Vater: Adolf (Christian Heinrich) M., Chemiker, Fotograf, Erfinder Höhere Töchterschule in Berlin; lebte längere Zeit in Skandinavien, wo sie Sprachstudien betrieb; im Ersten Weltkrieg Rote-Kreuz-Helferin in Belgien; Referentin beim Presseattaché in Holland; ab 1918 Mitarbeiterin der »Deutschen Allgemeinen Zeitung« und anderer Presseorgane; übersetzte Bücher aus dem Norwegischen, Dänischen und Holländischen; Bibliothekarin, Publizistin, Verlagslektorin und Heimatschriftstellerin; 1939 Umzug in ihr Haus auf dem Fischland (Büdnerei B54 in Althagen); 1923- 1944 entstanden Jugend- und Mädchenbücher: »Die Smaragde des Pharao« (1923), »Das Stadtmädel wird Bäuerin« (1935), »Flucht und Heimkehr« (1936), »Schifferkinder« (1937) und »Hanning sucht ihren Weg« (1941); Herausgeberin von Heimatbüchern: »Das Fischland« (1949; 9. Aufl., 2008), »Die Insel Hiddensee« (1951), »Die Insel Rügen« (1953; 8. Aufl., 1958), »Die Halbinsel Darß und Zingst« (1956) und »Stralsund, die Stadt am Sund« (1958); »Unter eigenem Dach. Zwei Erzählungen aus dem Fischland« (1949; 6. Aufl., 1962); »Bark Magdalene. Ein Fischländer Heimatroman« (1951; 8. Aufl., 1999); »Die Flut. Bilder vom alten Ahrenshoop« (1953; 5. Aufl., 2004); »Auf großer Fahrt. Die Navigationsschule zu Wustrow auf Fischland« (1956); »Der erste Rang. Erzählung« (1957); »Rauchfahnen am Horizont. Roman einer Seemannsfamilie« (1959); »… und keine Möwe fliegt allein. Erzählung« (1960); »So reiten sie in Althagen« (1933), »Alte Türen an der Wasserkante« (1934) und »Seemannspoesie. Ein Kapitel über Reiseandenken« (1934) in »Mecklenburgische Monatshefte«.

Leider ist die digitale Veröffentlichung der Bücher von Käthe Miethe aus urheberrechtlichen Gründen erst ab dem Jahr 2031 möglich.

Morich, (Johann Heinrich) Otto - Theologe, Pädagoge

geb. 27.8.1829 Braunschweig gest. 24.2.1912 Wismar begr. Wustrow

Vater: Pädagoge Gymnasium in Braunschweig; 1849-1852 Studium in Göttingen; 1853 Hauslehrer in Ueffingen (bei Braunschweig), 1855/56 in Braunschweig; 1857 Lehrer an einer Privatschule in Wittenburg; 1857 Gymnasiallehrer in Schwerin; 1858 Rektor in Gadebusch, 1864 in Dargun; 1874-1900 Pastor in Wustrow; 1900 Kirchenrat.

Neckel, Werner - Seemann

geb. 30.10.1887 Wildkuhl gest. ?

Vater: Wilhelm (Julius Ludwig Christian) N., Gutsbesitzer Schule in Röbel, Stavenhagen und Güstrow; ab 1903 Ausbildung zum Seemann; 1908 Steuermannsprüfung; 1912 Kapitänsprüfung in Wustrow; fuhr 1913/14 für die Woermann-Linie in Hamburg; 1908/09 Einjährig-Freiwilliger in der Kriegsmarine; 1914 Zweiter Offizier auf der Henriette Woermann in Kamerun; in Kriegsgefangenschaft in Dahomey und Marokko; entkam 1916 nach Deutschland; Kriegsmarine; fuhr ab 1919 mit der Woermann- und Stinneslinie; 1926 im Auftrag des Mangrovenrindengeschäfts Gorsky aus Hamburg in Ostafrika; 1930 in Deutschland; seit 1931 Farmer und Hotelbesitzer in Walfisch-Bay (Südwestafrika).

Niemann, Gottfried - Maler, Kunstwissenschaftler, Musikwissenschaftler, Komponist

geb. 28.1.1882 Berlin gest. 1945 Picher

Vater: Albert N., Sänger Sein Vater war der weltberühmte Heldentenor und Wagnersänger Albert N. (1831-1917), in erster Ehe mit der Schauspielerin Marie Seebach (1829- 1897) verheiratet; Sohn aus zweiter Ehe mit der Schauspielerin Hedwig Raabe (1844-1905); Studium an den Akademien in Dresden und München; lebte in Wustrow (Fischland); Landschaftsbilder: »Ostseebad Ahrenshoop« (1931); »Rauhreif« (1931), »Wustrow auf dem Fischland« (um 1933) und »Herbstabend auf dem Fischland« (1935); Autor der Schriften »Richard Wagner und Arnold Böcklin« (1904) und »Einführung in die Bildende Kunst« (1928); »Albert Niemanns Verhältnis zur Musik. Zu des Künstlers 100. Geburtstag am 15. Januar 1931« in »Die Musik« (1931); »Rettet die Heimat!« (1933), »Erntesegen meckenburgischer Erde« (1935) und »Vogelgeschichten aus meinem Garten« (1936) in »Mecklenburgische Monatshefte«; schrieb Suiten für Violine und Klavier, Klavierstücke und Lieder nach eigenen Texten.

Peters, Christian Johann Friedrich - Pädagoge

geb. ? gest. nach 1884

1850-1884 Lehrer an der Navigationsschule in Wustrow auf dem Fischland; schrieb das erste Heimatbuch über das Fischland »Das Land Swante Wustrow oder das Fischland« (1862; 3. Aufl., 1926 überarbeitet von Heinrich Lange).

Röhl, Karl - Pädagoge, niederdeutscher Schriftsteller

geb. 1889 Wustrow gest. 1968 Wiek (Rügen)

1910-1932 Lehrer in Zicker auf Zudar (Rügen); 1932-1964 Lehrer in Wiek (Rügen); liebevoll Papa Röhl genannt; widmete sich besonders dem Heimatkundeunterricht und der Pflege der niederdeutschen Sprache; seine Gedichte erschienen in Zeitungen, Zeitschriften und in »Plattdeutsche Lyrik« (1925).

Scharnow, Ulrich - Seemann

geb. 4.10.1926 Küstrin gest. 20.5.1999 Warnemünde (Rostock)

1940 an der Schiffsjungenschule Stettin; Matrose; Seefahrtsschule Elsfleth; Studium und 1967 Promotion an der Pädagogischen Hochschule Potsdam; Ausbildungsoffizier; Kapitänspatent; Lehrer, ab 1965 stellvertretender Direktor der Seefahrtschule Wustrow, dann Prorektor der Ingenieurhochschule für Seefahrt Warnemünde-Wustrow, 1991 Emeritierung; begründete das Warnemünder Modell der Seefahrtsausbildung; an der Entwicklung der Laderaummeteorologie beteiligt; 1990 Gründer und bis 1995 Leiter des Nautischen Vereins in Rostock; 1992-1998 stellvertretender Vorsitzender des Ständigen Fachausschusses des Deutschen Nautischen Vereins; »Ozeanographie für Nautiker« (1961); »Seekarte, Kompass und Radarschirm« (1962); »Die meteorologische Navigation als eine Methode zur optimalen Nutzung physischgeographischer Gegebenheiten im Seeverkehr« (Diss., 1967); »Seemannschaft« (3 Bde.; 1975- 1984); »Lexikon Seefahrt« (1976; 5. Aufl., 1988); »Grundlagen der Ozeanologie« (1978); »Maritime Wetterkunde« (1990); »Die Verwendung morphologischer Kleinformen am winterlichen Ostseestrand für den Geographieunterricht« in »Zeitschrift für den Erdkundeunterricht« (1957); »Die Ingenieurhochschule für Seefahrt Warnemünde/ Wustrow« in »Seewirtschaft« (1970).

Schütz, Ernst Friedrich - Pädagoge

geb. 5.11.1821 Rostock gest. 18.11.1880 Wustrow

Seemännisch-nautische Ausbildung auf Marineschiffen; Navigationslehrer in Danzig; 1846- 1880 Lehrer und Direktor der neu gegründeten Großherzoglichen Navigationsschule in Wustrow; 1847/48 Bau des Schulgebäudes; seit 1847 Leiter der Großherzoglich-Mecklenburgischen Rettungsanstalt in Wustrow; nach seinem Tod Benennung des Wustrower Ruderrettungsboot in »Navigationsschuldirektor Schütz«, das 1945 Angehörigen der Kriegsmarine zur Flucht diente.

Steinfatt, Walter - Pädagoge

geb. 23.12.1900 Schwerin gest. ?

Realgymnasium in Schwerin; 1918 Abitur; im Ersatzbataillon des Grenadier-Regiments Nr. 89; 1919 Mathematik- und Physikstudium in Rostock und Kiel; 1924 Staatsprüfung; 1926 pädagogische Prüfung; 1927-1931 Studienassessor in Wismar; 1932 Studienrat an der Seefahrtschule Wustrow; »Funknavigation für die Schiffahrt« (1954); »Nautische Astronomie« (1962); »Astronomische Navigation« (1969).

Voss, Friedrich - Pädagoge

geb. 30.1.1887 Wustrow gest. 4.9.1974 Friedberg (Hessen)

Realgymnasium in Rostock; 1905-1909 Mathematik und Naturwissenschaftsstudium in Rostock und München; 1910-1913 wissenschaftlicher Hilfslehrer am Realgymnasium Malchin; 1912 Promotion in Rostock; 1913 Oberlehrer am Lyzeum und Oberlyzeum in Güstrow; seit 1921 Studienrat am Gymnasium Friderico Francisceum Bad Doberan; 1966 Umzug nach Friedberg (Hessen); 1936-1945 Kreisnaturschutzbeauftragter Landkreis Rostock; Mitglied des Vereins der Freunde der Naturgeschichte in Mecklenburg; »Die Klassifikation der Kurven zweiter Ordnung und zweiter Klasse bei Plücker« (Diss., 1912).

Wendlandt, Johann (Jens) Friedrich Theodor - Theologe

geb. 25.9.1812 Wustrow gest. 20.4.1890 Hohenmocker

Vater: Kaufmann 1824-1832 Gymnasium in Salzwedel; 1832-1834 Theologiestudium in Greifswald, 1834/35 in Berlin; wegen Mitgliedschaft in der Alten Greifswalder Burschenschaft Arminia mit sechs Wochen Gefängnis bestraft, die er in der Berliner Hausvogtei verbüßte; nach Hauslehrertätigkeit und den beiden theologischen Prüfungen Prediger in Teterin (bei Anklam); 1841 Pfarrer in Sarnow, Synode Wollin, 1853 in Altsarnow; 1861 Pfarrer in Altstadt Pyritz und zugleich Seminardirektor; 1866-1890 Pastor in Hohenmocker.

Woermann, Hedwig (verh.: Jaenichen) - Bildhauerin, Malerin

geb. 1.11.1879 Hamburg gest. 22.12.1960 Wustrow

Vater: Adolph W., Kaufmann, Reeder Ehemann: Johann Jaenichen, Bildhauer Um 1900 Malschule bei Fritz Mackensen in Worpswede; 1900-1903 Unterricht in Bildhauerei bei Emile Bourdelle in Paris; 1903-1908 Bildhauerin in Rom; 1908 Heirat; 1909-1914 auf einem Bauernhof in Sceaux (bei Paris); 1911 Afrikareise; 1914 Malerin in Dresden; 1919 in Wustrow ansässig; 1939 Mitinhaberin der Bunten Stube Ahrenshoop; gestaltete besonders die mecklenburgische Landschaft und die Ostseeküste; »Schwarze Frau am Meer« (1917); »Sommernachtsfantasie« (um 1920); »Kuhhirte Schümann mit Hund« (1937); größter Teil ihrer Arbeiten in ihrem Haus in Wustrow (Museum Woermann); seit 1927 Mitglied des Vereins Berliner Künstlerinnen; 1928 in der Frühjahrsausstellung des Vereins vertreten; zog 1928 nach Paris, 1932 nach Buenos Aires (Argentinien); 1936 Rückkehr nach Wustrow; überlebte 1945 einen Selbstmordversuch, bei dem aber ihr Mann starb.

Sagen und Legenden rund um Wustrow und das Fischland

Die Entstehung des Fischlandes

Vor vielen, vielen Jahren, als ein überaus heftiger Sturm die Ostsee aufwühlte und ihre Wellen gegen die Ufer peitschte, riß von der dänischen Insel ein großes Stück Land ab und trieb übers Wasser, bis es sich an der Nordküste Mecklenburgs anlegte, wo es fortan eine Landbrücke zwischen Meer und Bodden zum Darß bildete und den Namen Fischland erhielt.
Auf dem angetriebenen Landstrich soll ein Schloß gestanden haben auf dem eine Prinzessin wohnte, und vor nicht allzulanger Zeit hat man auf dem Dierhäger Feld noch eine Stelle bezeichnet, wo es sich einst erhoben hat.

Riese auf Wustrow

In Wustrow auf Fischland geht die Sage, daß ein Riese mit Hilfe eines Schimmels in einer Nacht den
ganzen Berg, auf welchem die Kirche steht, zusammengefahren habe.
Es wird noch die Vertiefung in der Wiesenfläche daneben landeinwärts gezeigt, aus welcher er die Erde genommen haben soll.
Friedrich Lisch in den Meklenburgischen Jahrbüchern 27, 189, wo der Riese auf den Wendengott Swantevit gedeutet wird.

Die Hexe Tilsche Schellwegen

"Tilsche Schellwegen, die Hexe vom Fischland" (Hans Erichson 1997)
Besonders in der Zeit nach dem Dreißigjährigen Krieg loderten in unserm Land immer wieder die Scheiterhaufen, und unschuldige Frauen wurden als Hexen verbrannt.
Ein solches schlimmes Schicksal erlitt auch eine Kätnersfrau aus Wustrow, die Tilsche Schellwegen.
Auf diesen Hexenprozeß wurde der Schriftsteller Ottomar Enking (1867 - 1945) aufmerksam.
Der Dresdener Professor verlebte seit 1913 regelmäßig seine Ferien auf dem Fischland.
Er beschäftigte sich intensiv mit der Fischländer Vergangenheit und fand im Schweriner Archiv ein dickes Aktenbündel über einen Hexenprozeß.
Diese Quelle verwertete er für seinen 1936 herausgegebenen Roman „Tilsche Schellwegen - die Hexe vom Fischland“.
„Anno 1663, den 30 Mayus, hat der Küster Johann Hermann Holste eine Hexe namens Tilsche Schellwegen, des Kirchdorfer Käthner Hans Dahmen Eheweib, denunzieret“, so steht es im Wustrower Kirchenbuch.
Johann Holste war drei Jahre nach Ende des Dreißigjährigen Krieges als Schulmeister nach Wustrow gekommen.
Von Beruf war er Weber, denn allein von dem Schulgeld konnte er in dieser schweren Zeit seine Familie nicht durchbringen.
Wahrscheinlich hat er sich auch der Kätnersfrau Tilsche Schellwegen genähert, war aber abgewiesen worden.
Jedensfalls verklagte sie den Küster beim herzoglichen Amt in Ribnitz, versäumte aber die am 8. Mai 1663 angesetzte Verhandlung und wurde dadurch unglaubwürdig.
Nun drehte der Küster den Spieß um und denunzierte sie beim mecklenburgischen Herzog als Hexe.
Schon in den ersten Jahren nach dem großen Kriege hatten die Leute in Wustrow erzählt, daß Tilsche Schellwegen böten und zaubern könnte.
Als diese den Witmann Hans Dahme heiratete, waren die Vorwürfe aber verstummt.
Später ereigneten sich aber wieder einige schlimme Vorfälle, und viele Leute zeigten auf Tilsche, nur sie könnte daran schuld sein.
Als der Pastor sogar von der Kanzel gegen die Zauberei und das Böten wetterte und die Hexe ermahnte, von ihrem Tun zu lassen, ging die Schellwegen einige Tage später im Dunkeln mit einem Korb voll Fischen zum Pastor und bat ihn, er möge sie vor den bösen Anschuldigungen der Wustrower schützen.
Als dann die Kuh des Fischers Permin krank wurde und starb, konnte es nur die Tilsche Schellwegen gewesen sein, die das Tier verzaubert hatte.
So fiel diese Denunzierung der Tilsche Schellwegen durch den Wustrower Küster auf fruchtbaren Boden.
Wenige Tage nach der Anzeige erging der herzogliche Befehl, Tilsche Schellwegen „in sicheren Gewahrsam zu nehmen, weil die Denunzierte einigermaßen Schaden getan haben mochte“.
Wiederum ein paar Tage später polterte ein Wagen mit dem Ribnitzer Gerichtsdiener nach Wustrow.
Beim Schulzen kehrte er ein. Dann gingen sie zu Dahmes Katen, packten die Zauberin und zerrten sie zum Wagen.
In Ribnitz angekommen, warf sie der Scharfrichter in den Wolf, den dunklen Gefängniskeller.
Er schloß Tilsche die Handklauben um die Hände und legte ihr die Helden, die schweren Fußeisen, an.
Der Scharfrichter hatte seine Erfahrung mit Hexen.
Nun nahm der Prozeß seinen Lauf. Der Stadtrichter lud zwei Wochen später 16 Einwohner aus Wustrow und den Nachbardörfern zur ersten Zeugenvernehmung in das Ribnitzer Amtshaus, darunter auch den Pastor Mund, aber nicht den Küster.
Der Richter ermahnte alle Zeugen zur Wahrheit, nichts aus Neid und Haß, sondern alles mit Fleiß und Ernst auszusagen.
Ein Zeuge nach dem anderen trat vor den Richter und erzählte mit großem Eifer von den bösen Taten der Hexe.
„Mein Mann hat einmal drei Gänse der Tilsche gepfändet, weil diese in unser Korn gelaufen waren, er wurde bald krank und starb mit großen Schmerzen im Leib.“
„Mir hat sie das Schwein verhext, daß es nicht mehr fressen wollte und tot umfiel.“
„Auf der Weide hat die Hexe meine Kuh mit einem Holunderzweig berührt, so daß sie nicht mehr fressen wollte und nur noch rote Milch gab und bald tot blieb.“ :Permin sagte über seine tote Kuh aus.
Der Pastor berichtete, daß Tilsche Schellwegen ihm Fische gebracht hätte, die er zwar abgewiesen, aber seine Frau doch angenommen hätte.
Der Stadtschreiber mußte alles genau in das Protokoll eintragen.
Dann stellte der Stadtrichter die Inculpierte den Zeugen gegenüber.
Aber auf jede Vorhaltung antwortete sie: „Das ist nicht wahr, ich bin keine Hexe.“
Sie blieb fest und leugnete alles. Zwar war die Zahl der Zeugen recht groß, aber der Richter konnte wenig Durchschlagendes feststellen.
Wenn er nicht mehr aus dem Weib herausbrächte, müßte er sie eigentlich freilassen. Aber er sammelte weitere Verdachtsmomente.
Dann schickte er die Akten an die juristische Fakultät nach Greifswald, um dort ein Gutachten einzuholen.
Die Greifswalder Juristen antworteten, daß man die Inculpierte noch einmal sechs Zeugen gegenüberstellen sollte, wenn sie dann nicht in Güte bekennen wolle, sollte man zur Erkundigung der Wahrheit die scharfe Frage anzuwenden befugt sein.
Die scharfe Frage war die Folter.
So saß die gequälte Frau viele Tage in dem dunklen Gefängniskeller. Ihre Hände waren gefesselt und an den Füßen hingen die Helden.
Sie wußte genau, was ihr bevorstand. Durch Zufall entdeckte sie in einer Vollmondnacht über ihrem Lager einen Spalt im Mauerwerk.
Sie kratzte mit dem Löffelstiel einen Stein heraus. Am nächsten Abend setzte sie ihre Arbeit fort, das Loch wurde immer größer.
Schließlich streifte sie mit aller Gewalt die Handfesseln von ihren dünnen Händen.
Sie wollte auch die Füße von der schweren Last befreien, aber es gelang nicht. Dann zwängte sie sich durch das Loch ins Freie.
Im Schatten der Häuser quälte sie sich mit den schweren Eisen weiter bis sie völlig erschöpft war und sich in einem Strohschober versteckte.
In der nächsten Nacht kroch sie weiter und fand in der Nähe des Mühlentores ein Loch in der Stadtmauer.
Als sie durch die sumpfige Niederung des Klosterbaches kriechen wollte, zogen die schweren Gewichte an den Füßen sie in den Sumpf.
Sie sank immer tiefer und verlor den festen Boden unter den Füßen. Da schrie sie um Hilfe, und der Torwächter am Rostocker Tor hörte ihr Rufen.
Man zog sie aus dem Sumpf, und der Scharfrichter trieb sie wieder in den Wolf.
„Gib zu, du Hexe, das waren deine Teufelsbuhlen, die dich befreit haben. Sie wollten dich vor dem Scheiterhaufen retten.“
Am 9. Oktober begann der Ribnitzer Richter mit der peinlichen Befragung. „Willst du nun endlich eingestehen, daß du mit dem Teufel im Bunde bist und Menschen und Vieh großen Schaden zugefügt hast?“
Tilsche brachte nur ein leises „Nein“ hervor. Die sechs Zeugen wurden hereingerufen und dem Weib gegenübergestellt.
Sie leugnete alles.
Dann übergab der Richter sie dem Scharfrichter und Henker. Er brachte sie in die Folterkammer und erklärte ihr die furchtbaren Marterinstrumente, die Daumenschrauben, die Beinschiene, die Reckeleiter und die anderen Geräte.
Tilsche wimmerte nur: “Ich bin unschuldig.“ Dann legte er ihr die Daumenschrauben an und zog sie langsam fester. Aber sie hielt die Schmerzen aus und wimmerte: „Ich bin keine Hexe.“
Der Henker schimpfte über den Starrsinn und legte ihr die Beinschienen an.
- Der Leser möge mir die Schilderung der weiteren Tortur ersparen. - Schließlich kamen aus ihrem Munde die Worte: „Ja, ich kann zaubern, laßt mich los.“ Sie bekannte alles, was man von ihr wissen wollte: Von dem Teufelsbuhlen Chim, den ihr die Rothäsische zueignete, von der sie das Zaubern und Böten gelernt hatte, von dem Schaden, den sie Menschen und Tieren angetan hatte.
Die Frage des Richters, wer noch mit dem Teufel im Bunde wäre und zaubern könne, wollte sie nicht beantworten.
Aber des Henkers Griff nach den Beinschienen brachte sie zum Reden.
Sie nannte noch zwei Frauen, die sie bei den nächtlichen Festen gesehen hätte.
Der Stadtschreiber hatte alle 24 Geständnisse aufgeschrieben.
Am folgenden Tag wurde die Urgicht gehalten, die erst Gültigkeit und Beweiskraft besaß. Unter Fernsein des Angstmannes, des Henkers, wurde ihr Punkt für Punkt ihres Geständnisses vorgelesen. Dann fragte der Richter, ob sie etwas einzuwenden hätte.
Sie rührte sich nicht und schüttelte nur den Kopf.
Der Stadtschreiber schrieb: „Die Tilsche Schellwegen aus dem Kirchdorf hat heute im guten bekannt, daß sie eine Hexe ist.“
Damit war das schlimme Schicksal der Tilsche Schellwegen besiegelt.
Wie viele andere unschuldige Frauen wurde sie ein Opfer des unseligen Hexen- und Teufelsglaubens.
Am 17. Mai 1664 wurde sie in Güstrow auf dem Scheiterhaufen verbrannt.
Die Volksüberlieferung will jedoch wissen, daß Tilsche in Wustrow den qualvollen Tod erlitt.
Noch um die Mitte des 19. Jahrhunderts wurde der Platz gezeigt, auf dem Tilsche Schellwegen als Hexe verbrannt wurde.

Hexe als Fuchs

Hexen hat es auch in Wustrow gegeben. Sie konnten allerlei Thiergestalten annehmen.
Einst geht eine Hexe in Fuchsgestalt übers Feld und bezaubert das Vieh ihres Nachbarn.
Wie sie damit fertig ist und nach Hause will, kommt ihr Mann von seinem Tagewerk heim.
Sie ergreift bei seinem Anblick die Flucht, schlüpft durch die Hinterthür und versteckt sich im Bett.
Aber sie hat es so eilig, daß sie den Schwanz heraus hängen läßt. Das sieht der Mann und läuft
nach seinem Beile, um den Fuchs zu tödten.
Wie er zurück kommt, liegt seine Frau im Bette und der Fuchs sammt Schwanz ist verschwunden.
Fr. H. in Wustrow; vgl. Müllenhoff S. 230.

Hexe als Wehrwolf

Mal geht eine Hexe in Gestalt eines Wehrwolfs über Feld, um die Kühe eines Bauern zu behexen.
Da kommt ihr Mann daher, und wie er den Wehrwolf sieht, befürchtet er, es sei seine Frau und ruft ihm zu
"Marie, Marie, wat deihst du do?"
Da erschrickt das Weib und verwandelt sich in ihre menschliche Gestalt.
Aber wie sich der Mann ihr nähert, hängen ihr noch die langen rothen Haare über Hals und Brust und ihre Augen funkeln noch ganz wie Wolfsaugen.
Fr. H. in Wustrow; vgl. NS. 22.

Beiern

In Wustrow auf dem Fischlande wird in der Weihnachts- und Neujahrsnacht von 1 bis 2 Uhr gebeiert und mit der großen Glocke geläutet.
Wenn die Leute dies hören, stehen sie auf und trinken Kaffee und essen Semmel (Stoll) dazu. Darauf legen sie sich wieder nieder.
Seminarist Rühberg.

Tangerort auf Fischland

Zwischen Dierhagen und Wustrow tritt das Land
etwas weiter vor in die Binnensee und bildet einen
Vorsprung, der mit Schilf und Rohr bewachsen ist.
Dieser Haken heißt der Tangerort.
In früheren Zeiten soll die Verbindung zwischen dort und der pommerschen
Küste so schmal gewesen sein, daß man einen Eselskopf in die Rinne geworfen und darauf tretend
die Wasserrinne überschreiten konnte.
H. Burmeister-Körkwitz nach Mittheilung des Lehrers Gernenz-Dierhagen.

Plattdütsch Riemels rund um Wustrow und das Fischland

Der überfüllte Himmelssaal

Oll Käppen Brathiring von´t Fischland het gaut un giern sien achtzig Johr up de Nack.
Hei hett sien Dag´n Hasenfaut in de Tasch hatt.
Man nu will hei bie Petrus eins anfragen, wat för em in´n Himmel noch´n lütten Platz frie is.
Hei kümmt nu baben an un kloppt an de Himmelsdör.
Donn geiht de Dör up un Petrus fröggt: "Wecker is dor?"
"Hier is Käppen Brathiring von´t Fischland", seggt oll Brathiring.
"Un wat wullst du?" fröggt Petrus wierer.
"Ja", antert Brathiering, "ick wull eins anfragen, wat ick woll ok´n Platz in´n Himmel kriegen künn?"
"Dat deit mi leed", seggt Petrus, " dat ward sworhollen.
Kiek, de Bänken sünd all beset´t, un dor is kein einzigst Platz mihr."
Un dormit geiht de Himmelsdör up, un de oll Käppen süht, dat nu jo sülben, dat alle Plätze besett´t sünd.
Na, donn treckt Käppen Brathiring jo wedder af.
Nah Dagener acht kloppt oll Bradhiring wedder an bie Petrus.
De Dör geiht ok wedder up, un Petrus fröggt: "Wat gifft´t? Dor büst du jo all wedder ."
"Ja", seggt Brathiring, "ick wull man blot fragen, wat nu all´n Platz in´n Himmel frie worden is."
Donn geiht wedder de Himmelsdör up, un de Bänken sünd noch all besett´t.
Dor hölt Käppen Bradhiring de beiden Händ´n vör den Mund un röppt so luut as hei jichtens kann:
"Schipp up´n Strand´n!"
Donn hebben all de Fohrenslüd", de in´n Himmel seten, Büüt bargen wullt, un de Bänken sünd all frie worden.
Käppen Bradhiering is up disse Wies´in den Himmel kamen.

Navigatschon ist to väl Gelihrsamkeit

Der Seemann Peter Bradhering in Wustrow hat einen Sohn, der sich am Ende des 19.Jahrhunderts auf das Seuemannsexamen vorbereitet.
Eines Tages klagt Sohn Hinrick seinem Alten, daß er in der Navigationsschule soviel Überflüssiges lernen muß .
"Ach Vadder, Du glöwst gor nich, wat wi alls bi den Professorvlieren möten."
Peter scüttelt bedächtig den Kopf und meint:
"Dat kümmt mi doch schnurrig vör."
Einige Tage später trifft Hinricks Professor am Strande den ihm wohlbekannten Peter Bradhering.
"Nun Peter, wie geht´s?"
"Danke Herr Professor, wat mi anbidröppt, ganz god, äwer mit mienen Hinrick steiht dat schlicht."
Der Professor sieht den alten Seemann verwundert an:
"Ist ihr Sohn den plötzlich erkrankt?"
"Gottlob nee, äwer nehmen Sei mi dat nich äwel, Herr Professor, Sei quälen mi den Jungen toveel mit dei Gelihrsamkeit un maken em mit de Navigatschon dat Lewen to schwer."
"Ja mein lieber Freund, das läßt sich nun einmal nicht ändern.
Die Wissenschaft muß sich mehr mit der Praxis verbinden, damit auch der Seemann Tüchtiges in seinem Fache leisten kann."
"Dat will ick ok nich bestrieden, äwer dei Navigatschon, Herr Professor, des is nich nah mienen Geschmack."
"Sie kann man aber heute nicht mehr entbehren."
"Meinen sei dat, Herr Professor. Ick bün anner Ansicht. Seihn Sei dor dei Jacht in´n Strom liggen?
Un glöwen Sei, dat ick un mien Maat dat Schipp ahn alle Hülp nah Kopenhagen henbringen koenen?"
"Ohne Zweifel, Peter."
"God. Nu will ick sei mal wat seggen. Wenn sick twölf Professers von dei Navigatschon up dei Jacht setten, so glöw ick nich, dat sei dat Schipp ut den Strom rutbringen.
Adschüß ok, Herr Professe."

De olle Kort - witt un klor

Als Kaptein Permin aus Althagen auf dem Fischland die Seekarte von Norwegen betrachtete, die er im Wustrower Buchladen verlangt hatte, da schüttelte er immer erstaunter und immer ablehnender das mächtige Haupt. Schließlich fuhr er mit dem Finge über all die Linien, Kreise, Punkte und Zahlen, die auf dem Papier herumwirbelten und fragte, deutliches Mißfallen in der Stimme:
"Wat schall denn dat bedüden?"
Der Verkäufer wußte bestens Bescheid und erklärte höflichst "Die Karte ist das Erstklassigste, was ich Ihnen auf diesem Gebiete zur Zeit vorlegen kann, Herr Kapitän.
Soeben erschienen - die neueste amtliche Seekarte.
Die geringste Untiefe - nich´war, natürlich, in den Fjorden, das Fahrwasser - ich möchte sagen, jeder Stein sogar - braucht nur ein bißchen unter der Oberfläche zu liegen - alles genauest verzeichnet. Fabelhaft.
Da kann nichts passieren.
Tiefenzahlen - alles letzte Vermessungen.
dabei die Ausführung: bester Stahlstich, haarscharf, auch bei Nacht leserlich..."
Kaptein Permin hörte zu, dachte lange nach, dann schob er ärgerlich die Karte weg und sagte:
Näh, dat geiht nich! Datkann ick nich bruken! Wie sall ick denn mit dei Kort´an dei KÜst rankamen? Nä - dei will ick nich hebben! Denn beholl ick leiwwer min :olle Kor, dor is dat allens witt un klor. Dor sünd nich so väl Stein´ op. Dor kan ick överall mit henführen, wo ick will."
(Nach Fritz Koch-Gotha, zuerst veröffentlicht in "Mecklenburer Monatshefte", November 1931)

Flurnamen auf der Wustrower Feldmark