Güstrow wichtige Einrichtungen: Unterschied zwischen den Versionen

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Version vom 29. September 2022, 19:41 Uhr

ELEKTRIZITÄT in Güstrow

Zeittafel Elektrizität

Dieser historische Überblick wurde aus "Güstrow und die Elektrizität"
von Prof. Dr. Friedrich Lorenz übernommen.
Das Buch erschien 1998 im Rostocker Neuen Hochschulschriftenverlag. ISBN 3-929544-58-X
1883
Beleuchtung der Fabrikhallen der Zuckerfabrik mit elektrischem Bogenlicht
1889
Bierlokal in Güstrow benutzt elektrisches Licht
1896
Wasser der Nebel in Kuchelmißer Mühle zur Stromerzeugung genutzt
1897
Heinrich Siemund aus Hoppenrade arbeitet an elektrischem Schweißverfahren
1897
Heinrich Siemund aus Hoppenrade arbeitet an elektrischem Schweißverfahren
1899
Hotel Erbgroßherzog nutzt Gleichstrom zur Beleuchtung
1911
Drehstromkraftwerk Rostock-Bramow geht am 11. Juli ans Netz
1912
Hotel Erbgroßherzog erhält neue Gleichstromanlage.
AEG baut 15-Kilovolt-Leitung von Güstrow nach Rostock-Bramow.
Errichtung und Inbetriebnahme des Güstrower Stadtnetzes.
1913
Erbgroßherzog erhält einen Personenfahrstuhl
1915
Inbetriebnahme einer 15-Kilovolt-Leitung von Tessin nach Güstrow
1922
15-Kilovolt-Leitung von Neukloster über Güstrow nach Teterow-Malchin fertiggestellt
1924
Errichtung einer 15.Kilovolt-Schaltstation in Lalendorf (Ortslage Raden)
Wasserkraftwerk Zülow nutzt Wasser der Mildenitz
1925
Gründung der Städtischen Werke Güstrow
1928
Wasserkraftwerk "Am Berge" nutzt Wasser der Nebel
1931
Bau einer modernen Übergabe-Schaltstation 15-Kilovolt in Güstrow
Bau der Leitung Finkenheerd-Güstrow
1933
MEW (Mecklenburgisches Elektrizitätswerk) übernimmt Stromlieferung nach Mecklenburg-Schwerin
Inbetriebnahme eines modernen Freiluft-Umspannwerkes in Güstrow
1937
Güstrow verfügt bei den Städtischen Werken über eine amtliche Zählerprüfstelle
1939
Stromstreit zwischen dem Hotel Erbgroßherzog Güstrow und den Stadtwerken
1945
Kraftwerk Finkenheerd stellt am 6. Febraur 1945 den Betrieb ein
MEW liefert keinen Strom mehr nach Mecklenburg/ Pommern
Bombardierung des Zeugamtes Güstrow (7. April. Anmerkung DK), Leitungen zerstört
Kampflose Übergabe der Stadt Güstrow am 2. Mai
Stromeinspeisung von Alt Garge über Boizenburg-Hagenow nach Mecklenburg
Auflösung der Stadtwerke
1946
Demontage des Wasserkraftwerkes Zülow als Reparationsleistung an die UdSSR
1948
Energiebezirk Nord entsteht, SMAD-Befehl 64 und 74
1952
Neubauernprogramm "Licht für das Land"
1953
Wasserkraftwerk geht neu errichtet wieder ans Netz
1954
Gründung des VEB Energieversorgung Nord
1959
Gründung der Produktionsgenossenschaft Metall
1962
220-Kilovolt-Umspannwerk Güstrow geht in Betrieb
Zuckerfabrik Güstrow nimmt Industriekraftwerk in Betrieb
1969
Gründung des VEB Energiekombinat Nord
1970
Stilllegung des Wasserkraftwerkes Güstrow "Am Berge"
Regulierung der Nebel
1979
Kernkraftwerk Lubmin speist ins Netz ein
1980
Selbstständiges Energiekombinat für die drei Nordbezirke gebildet
1989
380-Kilovolt-Umspannwerk in Güstrow fertiggestellt
1990
1. Juli, Umbildung der Energiekombinate zu Aktiengesellschaften
1994
Inbetriebnahme eines neuen Industriekraftwerkes (Erdgas) durch die Güstrower Zuckerfabrik
1995
Elektrische Wiedervereinigung am 13. September
Stadtwerke nehmen erstes Block-Heiz-Kraftwerk in Betrieb
1996
Inbetriebnahme des Block-Heiz-Kraftwerkes in der Nordstadt Güstrows
380 Kilovolt-Leitung Rostock-Güstrow-Lübeck


WASSER in Güstrow

Über die Wasserversorgung in Güstrow

Hinweis: Zur Geschichte des Wassers in Güstrow hat Professor Friedrich Lorenz ausführlich in seinem Buch „Wasser für Güstrow“ geschrieben, erschienen 2000 im Laumann-Verlag Dülmen-Güstrow, welches wir Interessierten gerne empfehlen. Die Angaben der unten sichtbaren Zeittafel entnahmen wir diesem Buch.

Zeittafel Wasser

1287
Mühlentormühle wird erstmals urkundlich erwähnt
1292
Gleviner Mühle wird erstmals urkundlich erwähnt
1293
Mühlentor Mühle wird aus dem Landrecht entlassen
1295
Herzog sichert ungehinderten Lauf der Nebel
1307
Die Stadt Güstrow erhält den Gutower See (Inselsee)
1320
Bauern errichten Mühlengraben in Kirch Rosin
1442
Rücklauf der Mühlentor Mühle durch die Stadt
1446
Verlegung der Gleviner Mühle zur Stadt
1567
erste künstliche Wasserversorgung durch Rohrleitungen
1597
Erweiterung der Wasserkunst
1606
Gassenwärts gelegene Kloaken müssen abgedeckt werden
1607
der Pferdemarkt erhält eine Wasserkunst
1627
aus dem Mühlbach ist ein kleiner Winzer geworden
1629
Deutschland und Tuchmacher erhalten eine Walkmühle
1634
Stadt verfügt über 2 Druckpfosten und 19 Sode
1635
Stadt er wirbt 110 Tannen für Wasserrohre
1638
Stadt erwirbt weitere 285 Stämme
1643
am Mühlentor wird eine Papiermühle erbaut
1676
Schuster kaufen die veraltete Papiermühle
1704
Tuchmacher erhalten eine neue Werkmühle
1738
Stadt erhebt Einspruch wegen Sägemühle in Kirch Rosin
1751
Gleviner Mühle hält wegen Wassermangel eine Roßmühle
1753
Stadt lässt am „Brunnen“ ein Wärterhaus errichten
1766
Berichte über heilsame Quelle am „Brunnen“
1776
Am Mühlentor wird eine Sägemühle errichtet
1789
Wassermühle Mühl Rosin soll nach Kirch Rosin verlegt werden
1800
fließt eine Heilquelle an der Gleviner Burg
1820
Wegen Wassermangels werden Windmühlen genutzt
1823
Magistrat errichtet Windmühle am Sankt Jürgens weg
1831
Wasserversorgung mit der Mühlentor Mühle
1858
Mühlentor Mühle soll auf andere Straßenseite verlegt werden
1862
Bahnbau Teterow -Malchin erfordert Eingriff in den Lauf der Nebel
1863
Gewerbefreiheit hebt Mühlenzwang auf
1864
Gleviner Mühle brennt bis auf die Grundmauern nieder
1865
Gleviner Mühle wird neu errichtet in Betrieb genommen
1869
Die Walkmühle wird stillgelegt Nullzeile
1872
Güstrow erhält Kanalisation
1880
Bau der Filteranlage am Lauf der Nebel
1880
Stadt verfügt über 3 Warmbäder
1881
Güstrow erhält Wasserweg an der Nebel
1885
Masserberg erhält 35-PS—Turbine für Pumpenantrieb
1885
Wasserturm an der Baustraße entsteht
1886
Güstrow -Bützow-Kanals
1887
Errichtung der Schleusenanlage am Kanal
1880
der Borwin Brunnen am Pferdemarkt wird eingeweiht
1892
weiterer Ausbau der Kanalisation
1896
Eröffnung des Güstrower Hafens
1912
Güstrow erhält Drehstrom vom Kraftwerk Rostock-Bramow
1914
Gleviner Mühle erhält Wasserturbine mit 48 PS
1914
Gleviner Mühle erhält eine neue Dampfmaschine (35 PS)
1923
Wasser der Mühlentor Mühle zur Stromversorgung genutzt
1926
Baubeginn des Wasserkraftwerkes Am Berge
1927
Inbetriebnahme des Wasserwerkes am Berge
1928
Wasserwerk am Pfahlweg fertiggestellt
1929
Rutengänger ortet Radiumquelle an der Langen Stege
1929
Wasserturm an der Goldberger Straße in Betrieb genommen
1930
Wasserwerke Pfahlweg und Am Berge speisen das Stadtnetz
1932
Stadt errichtet Wasserwerk min Bockhorst
1933
Wasserwerk Pfahlweg nutzt zusätzlich Wasser des Inselsees
1945
Wasserversorgung wird über Notstromaggregate gesichert
1949
Städtische Badeanstalt an der Nebel wird geschlossen
1952
Zwei Filterbecken werden zu Schwimmbecken vereinigt
1962
Gleviner Mühle stellt Mahlbetrieb ein
1963
Bau eines Wasserwerkes in der Goldberger Str.
1964
Mühlentormühle stellt Mahlbetrieb ein
1967
Inbetriebnahme der Hauptpumpen der Kläranlagen
1972
Wasserkraftwerk Am Berge wird stillgelegt
1972
Schlossgraben wird um den Renaissancegarten geführt
1975
Wasserwerk Langensee wird in Betrieb genommen
1975
Eingriffe in den Lauf der Nebel wegen Brückenbaues
1975
Inselseewasser wird nicht mehr für Trinkwasser genutzt
1975
Wasserturm Goldberger Str. wird stillgelegt
1976
Wehr am Philipps Weg entsteht
1976
Bau des 5000-Kubikmeter-Behälters am Hohen Rad
1977
Inbetriebnahme der Pumpenstation am Hohen Rad
1978
Probelauf des Brunnens auf dem Markt
1997
Inbetriebnahme Schneckenschöpfwerk Sumpfseewiesen
1998
Baubeginn zur Öffnung des Energiegrabens
1999
Probelauf des Borwin-Brunnens mit Trinkwasser

Seit dem 16. Jahrhundert gab es neben zahlreichen Brunnen und Pumpen in der Stadt auch schon eine zentrale Wasserversorgung über Holzröhren, in denen Wasser aus dem Inselsee in die Stadt geleitet wurde. An die Einrichtung einer für damalige Verhältnisse modernen Wasserversorgung von 1889 und an die Gründung der Stadt Güstrow von 1226 durch Heinrich Borwin II., erinnert heute der Borwin-Brunnen auf dem Pferdemarkt.

Wassertürme in Güstrow

Der erste Wasserturm, man nannte das Bauwerk damals auch „Wasserhebung“, war Teil der als „Wasserkunst“ bezeichneten städtischen Wasserversorgung. Er wurde ungefähr um 1830 aus Holz gefertigt und stand "Am Berge" hinter dem jetzigen Verwaltungsgebäude der Stadtwerke. Hölzerne Pumpen beförderten das Wasser der Nebel in einen aus Holz bestehenden Hochbehälter über den jedoch nur ein Teil der Stadt versorgt wurde. 1882 ging man, von der neben der Versorgung über den Hochbehälter (1. Wasserturm) weiterhin bestehenden Wasserversorgung aus dem Inselsee ab und nutzte nach der Modernisierung der Wasserversorgung einen neuen Hochbehälter in der Baustraße (2. Wasserturm). Güstrow erhielt sein Wasser nun vollständig aus der Nebel. Dieser zweite Wasserturm steht heute noch in der Baustraße 4-5. Erst 1928 wurde mit dem Neubau eines Wasserwerkes Am Pfahlweg und des Wasserturmes im Goldberger Viertel die Nutzung des bisherigen Wasserturmes in der Baustraße für die städtische Wasserversorgung beendet. Dieser diente zuletzt in den 1990er Jahren zur Schlauchtrocknung der Schläuche mehrerer Feuerwehren des Landkreises. 2013 entschieden die Stadtwerke sich für die Einrichtung eines modernen Blockheizkraftwerkes in dem alten Bauwerk, welches das Kunsthaus, das Technische Rathaus und das Altstadthotel in der Baustraße sowie die Senioreneinrichtungen in der Armesünderstraße. und der Schnoienstraße mit Wärme und Strom versorgen wird.

Anfang Mai 1928 beschloss die Stadtverordnetenversammlung den Bau eines neuen Wasserturmes im Goldberger Viertel, einschließlich der erforderlichen Brunnen zwischen Inselsee und Goldberger Chaussee sowie den Bau eines Maschinenhauses und Rieselgebäudes am Inselsee. (Pfahlweg)

Der Wasserturm wurde dann in ca. 15-monatiger Bauzeit errichtet. Nach der Fertigstellung des Wasserturms erhielt ganz Güstrow sein Wasser aus 12 Brunnen, die gleichzeitig zwischen Inselsee und Goldberger Chaussee errichtet wurden. Bald zeigte sich jedoch, das die Kapazität der 12 Brunnen zur Versorgung der Stadt nicht ausreichte, so dass auch wieder Wasser aus dem Inselsee zugeführt werden musste. Über Sammler, Filter, Enteisungsanlagen und Rieseltechnik wurde das Wasser durch das Wasserwerk am Pfahlweg dem neuen Wasserturm zugeführt. Der neue Wasserturm hatte ein Fassungsvermögen von 750 m³ und war damit dreimal so aufnahmefähig als der alte Turm in der Baustraße. Der Wasserturm im Goldberger Viertel ist der dritte Turm der in Güstrows Stadtgeschichte errichtet wurde.

Architekt Martin Eggert, dessen Wirken in unserer Stadt an vielen Orten sichtbar ist, konnte seine Vorstellungen von einem modernen Zweckbau überzeugend darlegen und verwirklichen.

Die Güstrower Baufirma Willy Feine wurde mit der Durchführung der Hochbaumaßnahmen beauftragt und die Berliner Aktiengesellschaft Bamag-Meguin, gegründet 1901, plante und errichtete den Hochbehälter mit Kugelboden, der auf einem Stahlbetonring und Stahlstützen, die die Ecken eines Achteckes bilden, ruhte. Der Stahl hierfür wurde von den Borsig-Werken aus Oberschlesien geliefert. Der Bau des Wasserturms wurde im Juni 1928 begonnen und im Spätsommer 1929 in Nutzung genommen.

Bautechnische Daten
Bauherren waren die Städtischen Werke Güstrow,
Architekt: Der Entwurf des Wasserturmes, der uns heute besonders interessiert, stammt von Martin Eggert, der lange in Güstrow lebte.
Höhe des Turmes über dem Gelände 35,90 m,
Fassungsvermögen des stählernen Behälters: 750 m3
Baukosten 1928 91.700 Reichsmark
Bauzeit 1928/1929 : ca. 15 Monate

Bis 1975 wurde der Wasserturm genutzt, danach Leerstand und Verfall. Der Verfall schritt weiter voran und war schon von Weitem sichtbar. Ab der Mitte der 1970er Jahre wurde die Wasserversorgung für Güstrow über eine Versorgungsleitung aus dem Bereich Langensee bei Gülzow vorgenommen, so dass der Wasserturm im Goldberger Viertel nicht mehr benötigt wurde. Er verfiel und wurde zur Bauruine. Der Verkauf des denkmalgeschützten Wasserturmes durch die Stadt an ein Berliner Architekturbüro hielt diese Entwicklung nicht auf. Es tat sich nichts. Der einzige "Vorteil für die Stadtverwaltung" war, dass sie bei kritischen Hinweisen auf den Bauzustand des höchstgelegenen Bauwerkes auf den Berliner Privatmann, der nun Eigentümer der Bauruine war, verweisen konnte. Als dass Unternehmen in Berlin sich auflöste wurde der Wasserturm wieder Eigentum der Stadt Güstrow. Nachdem Abstriche bei den Auflagen des Denkmalschutzes erfolgten und der Behälter nicht mehr in seiner Gesamtheit erhalten werden brauchte, konnte der Wasserturm versteigert werden. Unter diesen neuen Bedingungen hatte die Umnutzung der verfallenen Immobilie eine letzte Chance. Nach einer Ersteigerung des verfallenen Bauwerkes erfolgte eine Sanierung und der Umbau im Jahre 2007/2008 durch die Bauherren, Bankkaufmann Andre Grieger und Bauingenieur Andreas Krüger. Geschaffen wurden innerhalb des nach außen nur wenig veränderten Turmes 9 Wohneinheiten, eine je Ebene. Die höchstgelegene Wohnung befindet sich auf zwei Ebenen ab dem 9. Stockwerk. Nur von dieser Wohnung aus hat man Zutritt über die Krönung zu dem höchstgelegenen Balkon Güstrows. Unsere Informationen sowie die Dokumente zu dieser Studie fanden wir im Stadtarchiv Güstrow "Heinrich Benox" bzw. wurden uns aus den Archiven von der Innenarchitektin Frau Christel Sievert aus Güstrow und Herrn Dipl.- Ing. Andreas Krüger aus Klein Kussewitz zur Verfügung gestellt. Geschaffen wurden innerhalb des nach außen nur wenig veränderten Turmes 9 Wohneinheiten, eine je Ebene.

Wasserturm wird Wohnhochaus

Vom baufälligem Wasserturm zum Wohnhochhaus Güstrows

Viele Bilder zeigen den Umbau zum Wohnhochhaus und den Innenausbau von Wohnungen.

Wadergedicht von Güstrow

Wadergeschicht von Güstrow up Platt

von Berend Böckmann, Vörsitter von dei Güstrower Plattsnacker

aus: Plattdüütsche Rimels tau dei Stadtgeschicht von Güstrow, BS-Verlag, Rostock 2011, S. 18-21

Dei Wådergeschicht
Dreihst up denn Håhn, schon is dat dor,
reiget Wåder frisch un klor;
deist in Buddeln dormit hanneln,
kannst Wåder in väl Geld verwanneln.
Vör disse Tiet wiern Minschen froh,
as wür erfunnen dat Wåderklo.
Un noch davör wier grot dei Sägen,
wenn dei Sot deed Wader gäben
un wür mit Emmers anne Dracht
up dei Waderbänk maracht.
Doch bevör dit wier so wiet
geef dat noch ’ne lange Tiet
wo Frugens ünner grote Quålen
dat Wåder vonne Bäk ranhålen
In Güstrow wiern sei äbenso
œwer’t Näbelwåder froh.
Mit Wåder künn’n Waschen, Kåken,
un Küürn tau Mähl un Öl ok måken,
wenn’t Wåder, dörch ’n Wehr uphollen,
vun båben is up Mœhlrö’ follen,
bröcht disse düchtig denn in Draff
un leep gliek ünnen wedder af
un keem in Gråbens denn dor an,
wo man sik Wåder hålen kann.
Man keem in’t Grübeln un ok Sinnen,
wull niege Wääch för’t Wåder finnen,
dat sik allein ut eigen Kraft
sienen Wech tau’n Piermarkt schafft
un bucht mit hölten Rühren denn,
’n Wåderkunst in Güstrow hen;
oh, wat wier dat Wunner grot,
as dei iersten keemen an’n Sot
up denn Piermarkt Wåder hålen,
åhn ’n Bäten tau betåhlen.
As Wallenstein nå Güstrow keem,
hei sei tau’n Ogenspeigel nehm;
blot hei künn nich mihr beläben,
dat twinnig Borns denn Wåder gäben
un lange Tiet wier Güstrow stolt
up sien Wåderkunst ut Holt.
Dei Grünnerjohr, sei keemen ran,
in Güstrow höll dei Iesenbåhn
un männig mål wier grot dei Not
wenn kein Wåder in denn Sot.
So buucht man denn ’ne Riesenbütt
för Güstrow höchste Wåderpütt
un denn allergrötsten Born
up einen höltern Wådertorm
un sett denn gliek noch näbenan
dei Wåderreinigung mit ran,
an einen Urt, denn jeder kennt
un hüt man noch denn Filter nennt.
Dat allerierste Wåderwark
pumpt’ nu bald vun’n Mœhlenbarg
in’n niegen Torm dat Wåder rin,
dei denn inne Bustråt stünn.
Üm denn Fortschritt tau bewiesen,
wier dei Bütt nu schon ut Iesen,
doch sei wier denn ok tau lütt,
höll nich mit’n Fortschritt mit
un nå sœbenhunnert Johr
stünn ein Nieger nu noch dor.
Hei hett sienen Deinst lang dån,
gråd so as dei bi dei Iesenbåhn.

GAS in Güstrow

Nachstehender Text wurde mir auf meine Bitte vom Herrn Michael Bohm, 1. Monteur, Technische Betriebe Gas der Stadtwerke Güstrow am 13.09.2022 übersandt

Gas-Netz Güstrow -Teil I-

(Quelle: Mecklenburgische Tageszeitung vom 3.11.1928)

Im Jahre 1851 erhielt der englische Ingenieur Corlott von der Stadt Güstrow die Konzession zum Bau eines Gaswerkes „um die Stadt Güstrow zu erleuchten“. Corlott fing an zu bauen, doch bald geriet er in Geldschwierigkeiten. Es gelang ihm von dem Vertrag freizukommen und den Hamburger Kaufmann Fehlandt für das Objekt zu gewinnen. Von Fehlandt wurde dann 1852 der Bau des Gaswerkes vollendet. Somit war das in Güstrow errichtete Gaswerk das erste Werk Mecklenburg-Vorpommerns. Als Besitzer des Gaswerkes schloss Fehlandt im Jahre 1854 mit der Stadt Güstrow einen Gasliefervertrag auf 20 Jahre ab. Im Jahre 1851 wurden Verhandlungen eingeleitet, die die Übernahme des Gaswerkes durch die Stadt Güstrow zum Ziel hatten. Diese Verhandlungen zogen sich jedoch noch jahrelang hin, so dass der Vertrag mit Fehlandt Land im Dezember 1875 nochmals erneuert werden musste. Der Gaspreis betrug für öffentliche Beleuchtung 19 Pfennig pro m³. Bei den damals verhältnismäßig niedrigen Preisen für Steinkohle muß der Gaspreis als sehr hoch bezeichnet werden. Im Jahre 1888 betrug die Gasabgabe für öffentliche Beleuchtung 35078m³ an private Haushalte 76976 m³ und Gasverluste ergaben 15721 m³.


Gas-Netz Güstrow -Teil II-

(Quelle: Chronik der Stadtwerke Güstrow GmbH)

Im Jahre 1890 übernahm die Stadt Güstrow das Werk und führte es zunächst in der übernommenen Form weiter. Das Werk diente ausschließlich zur Erzeugung von Gas zu beleuchtungszwecken. Wie schwer es zur damaligen Zeit war, technische Neuerungen durchzusetzen geht aus folgenden, uns heute als spaßhaft erscheinenden Archivnotizen hervor. Aus Kreisen der Bevölkerung, die man sogar wohl zu den sogenannten gebildeten Kreisen gehörend ansehen muss, wurden u. a. folgende Argumente gegen die Einführung der Gasbeleuchtung ins Feld geführt. 1. Aus theologischen Gründen: Weil sie ein Eingriff in die Ordnung Gottes bedeutet. Nach dieser ist die Nacht zur Finsternis eingesetzt die nur zu gewissen Zeiten vom Mondlicht unterbrochen wird, die Menschheit dürfe die Nacht nicht zum Tage umwandeln wollen. 2. Aus juristischen Gründen: Weil die Kosten dieser Beleuchtung (Straßenbeleuchtung) durch eine indirekte Besteuerung aufgebracht werden sollen. Warum soll dieser oder jener für eine Einrichtung zahlen, die ihm gleichgültig ist, keinen Nutzen bringt, oder ihn in mancher Verrichtung stört. 3. Aus medizinischen Gründen: Die Gasausdünstung wirke nachteilig auf die Gesundheit schwachleibiger und zartnervigen Personen und lege auch dadurch zu vielen Krankheiten den Stoff. Weil sie den Leuten das nächtliche Verweilen auf den Straßen leichter machen und Ihnen Schnupfen Husten und Erkältungen auf den Hals ziehen. 4. Aus moralischen Gründen: Die Sittlichkeit werde durch die Gasbeleuchtung verschlimmert. Künstliche Helle verscheuche den Gemütern das Grauen vor der Finsternis, dass die Schwachen von mancher Sünde abhält. Die Helle mache den Trinker sicher, daß er in den Zechstuben bis in die Nacht hinein schwelgt und sie verkuppelt verliebte Paare.


Gas-Netz Güstrow -Teil III-

Am 1. Januar 1856 waren in Güstrow 151 Gaslaternen vorhanden mit denen ein Jahresverbrauch von 26200 m³ erzielt wurde. Im Jahre 1915 waren 400 Gaslampen vorhanden die einen Jahresverbrauch von 182400 m³ ergaben. Um den erheblich gestiegenen Gasbedarf abdecken zu können, wurden im Jahre 1916 die Ofenanlage und die Apparateanlage grundlegend umgebaut und erneuert. In den Jahren 1927 /28 wurde eine Kohlentransportanlage und ein Wohlfahrtsgebäude errichtet. Bereits im Jahre 1929 musste eine nochmalige umfassende Erweiterung der Werksanlagen durchgeführt werden. Im Verlaufe der Jahre 1929 bis 1933 wurde die Retortenofenanlage durch eine Horizontal-Kammerofenanlage mit einer größeren Leistung ersetzt. Eine 15 t – Waage wurde ebenfalls gebaut. Nach Ende des Zweiten Weltkrieges im Jahre 1945 ist eine zeitweilige Steillegung des Gaswerkes Güstrow vermieden worden. Dies ist besonders der Initiative der zu dieser Zeit im Gaswerk beschäftigten Kollegen zu verdanken. Sie haben nicht nur mit betriebseigenen Mitteln durch Beschusseinwirkung entstandene Schäden an den vorhandenen Gasbehältern schnellstens beseitigt, sondern auch bei mangelnder Steinkohlezufuhr in der ersten Zeit nach Kriegsende die Gaserzeugungskammern mit Holz beschickt und auf diese Weise Gas für die Bevölkerung erzeugt. Eine wahrlich nicht leichte und bequeme Arbeit für die den Kollegen Dank und Anerkennung gezollt werden muß. Aus zwei Zahlen geht hervor, welche Entwicklung in der Zeit von1852 bis 1984 gegangen ist. -1852 betrug die Jahresabgabe rd. 20 000 m³ -1984 betrug die Jahresabgabe rd. 5 745 823 m³ Nach der Wiedervereinigung 1989/90 und der Umstellung von Stadtgas auf Erdgas wurde das Gaswerk Anfang der 90er Jahre stillgelegt und zum größten Teil zurück gebaut.

POSTWESEN in Güstrow

Vorbemerkungen:

Die Post ist gewissermaßen die um 350 Jahre viel ältere und größere Schwester des Fernmeldewesens. Nach dem Sieg im preußisch-österreichischen Krieg 1866 zwang Preußen durch einen Abtretungsvertrag Thurn und Taxis erhebliche Rechte im Postwesen ab. Post- und Fernmeldewesen existierten in unserer Region die längste Zeit als staatlich verwaltete und organisierte Bereiche für die Ortsveränderungen von Nachrichten im gesamten Norden des Deutschen Reiches. Diese Aufgaben erledigten die beiden Zweige sowohl eigenständig als auch lange Zeit unter einem gemeinsamen Dach vereinigt. Beide Bereiche gehören aus wirtschafts-philosophischer Sicht dadurch eng zusammen, weil in beiden Bereichen mit unterschiedlichsten Mitteln und Methoden der Transport von Nachrichten in verschiedensten Formen über mehr oder minder große Entfernungen durchgeführt wurde.(Marx!). Die einst von Wallenstein eingeführte Organisationsform des Postwesens ist in Mecklenburg grundsätzlich erhalten geblieben. Nach der Einnahme Deutschlands durch Napoleon am Anfang des 19. Jahrhunderts wurde der Einfluss von Thurn und Taxis weiter verkleinert. 1867 kaufte schließlich die Preußische Post die fast wertlosen Rechte von Thurn und Taxis auf. Das gesamte Postwesen war nun in staatlicher preußischer Hand. Die einheitliche, streng regulierte Organisation führte im Volksmund zu der Bezeichnung „Staat im Staate“. Mit der späteren Einführung des Kraftfahrwesens bei der Reichspost wurde der Postdienst stetig beschleunigt. Die Modernisierung der Reichspost führte zur Verkürzung der Laufzeiten der Postsendungen bei hoher Sicherheit der Zustellung. Diese Prozesse liefen auch in den Kriegs- und Nachkriegszeiten und bei allen Änderungen der politischen Verhältnisse bis in die 1990er Jahre mit großer Regelmäßigkeit ab. Eine umfassende Güstrower Chronik des Postwesens von den Anfängen bis zur Gegenwart wird vermisst.

Nachstehend wird zunächst von den anfänglichen Entwicklungen des Postwesens in der Region Güstrow und anschließend der des Fernmeldewesens bis zu deren beider Einzug in das 1896 errichtetet Kaiserliche Postamt am Pferdemarkt berichtet. Infolge der gedankenlosen „Entsorgung“ von "nicht mehr benötigten" Aktenbeständen des 1989 aufgelösten Post- und Fernmeldeamtes Güstrow in der Wendezeit, fanden wir zufällig einen Schnellhefter mit der Aufschrift - "Postgeschichtliche Aufzeichnungen" auf unserem Betriebsgelände auf einem Altpapiercontainer, in dem wir u. a. auch eine "Chronologische Darstellung der Geschichte unserer Heimatstadt Güstrow entdeckten". Diese Aufzeichnungen früherer Berufskollegen, die wir um Angaben aus der jüngeren Zeit ergänzt haben, möchten wir hier vorstellen. Die Lage Güstrows, der heute mit knapp 30000 Einwohnern siebengrößten Stadt in Mecklenburg-Vorpommern im Herzen Mecklenburgs, hat in der Vergangenheit auf unterschiedliche Weise meistens Vorteile für seine Herrscher und Bewohner geboten. Während im Mittelalter ihre Lage in der sumpfigen Umgebung der Residenzstadt des Herzogtums Mecklenburg-Güstrow einen Schutz vor Überfällen bot, brachten später die Kreuzung der Postwege und danach der Verlauf der Eisenbahnlinien zwischen Kopenhagen und Berlin und zwischen Hamburg und Lübeck nach Stettin lebhaften Verkehr nach Güstrow und das Gastgewerbe erblühte. Nach der Fertigstellung der ersten mecklenburgischen Eisenbahnverbindung von Hagenow über Schwerin und Bützow nach Rostock im Jahre 1847, folgte 1850 der Anschluss Güstrows an das Eisenbahnnetz. 1862 entstand die Verbindung zwischen Güstrow und Neubrandenburg und 1882 folgte der Ausbau der Eisenbahnstrecke von Güstrow nach Plau. Mit dem Ausbau des Eisenbahnnetzes entstanden auch die ersten Telegraphenlinien und Telegraphenstationen. In Güstrow gab es ab 1854 eine Staats-Telegraphenstation in der Baustraße 3. Dort konnten Telegramme in deutscher und englischer Sprache aufgegeben werden.

Auch die zentrale Lage Güstrows und die Nutzung des Autos als Verkehrsmittel hatten Vorteile für Güstrow. Die günstige Lage der Stadt empfahl sich als Kreuzungspunkt mehrerer Chausseen und befestigter Landstraßen. Heute sind es vor allem die Bundesstraßen B 103 und B 104) und der erfolgte Anschluss an das Autobahnnetz (A 19), welche eine gute Erreichbarkeit Güstrows gewährleisten. Die mittelalterliche Struktur der Stadt, mit dem Marktplatz im Zentrum des Ortes und des sich auf ihm kreuzenden, historisch gewachsenen Wegenetzes, sind auch nach einhundert Jahren immer noch ein Hindernis für den heutigen Straßenverkehr mit Kraftfahrzeugen. Für den Durchgangsverkehr ist die Beachtung der Verkehrszeichen durch die Fahrzeugführer von aller größter Bedeutung. Das Befahren der Innenstadt mit Lkw ist unmöglich.

Ab den 1990er Jahren erfolgte die Teilung der "Post" in die drei eigenständigen privatwirtschaftlich orientierten Einrichtungen: Post AG, Telekom AG und Postbank. Mit deren Einrichtung hörte das staatlich organisierte Post- und Fernmeldewesen in Deutschland auf zu existieren.


Studie über die Anfänge des Postwesens in Güstrow

Das Postwesen im Herzogtum Mecklenburg-Güstrow bis zur Residenzzeit Herzog Gustav Adolfs Durch den Erbvergleich von 1621 wurde Mecklenburg in die Herzogtümer Mecklenburg-Schwerin und Mecklenburg-Güstrow aufgeteilt. Das Herzogtum Mecklenburg-Güstrow, Residenzstadt Güstrow, umfasste den östlichen Teil des Landes und im Westen als Enklave die Stadt und das Amt Boizenburg an der Elbe. Dazu kam ein Anteil an Stadt und Land Rostock, welches im gemeinsamen Besitz der beiden Herzöge verblieb. Schon vor der Residenzzeit Wallensteins in Güstrow gab es verschiedene postgeschichtlich interessante Vorläufer eines planmäßigen Aufbaus der Post im Herzogtum Mecklenburg-Güstrow, die erst später mit der Errichtung der Herzoglich Mecklenburg-Güstrow'schen Landespost nach Wallensteins Residenzzeit und der Wiedereinsetzung des vertriebenen Herzog Gustav Adolfs, auf der Grundlage von Beratungen und Beschlüssen auf den mecklenburgischen Landkreistagen 1661/62 und 1664 einen zwischenzeitlichen Abschluss fand.

Hierauf wird nachstehen Rückblick gehalten. So gab es schon lange vor der Errichtung der staatlichen Post in Mecklenburg-Güstrow Boteneinrichtungen in Mecklenburg. Aus dem 13. Jhdt. ist die Botenanlage der Hansestädte, die als Danziger Bote in die mecklenburgische Postgeschichte einging, bekannt. Dieser Einrichtung der Hanse gehörten auch Botenstellen in Rostock und Wismar an. Die Aufsicht über diesen Botendienst übten zwei Älterleute der Hamburger Kaufmannschaft aus, die später einen Botenmeister als Obmann der Läufer bestellten, der für mehr Sicherheit und Pünktlichkeit der Läufer sorgte. Der Botenweg führte von Brügge über Gent, Antwerpen, Herzogenbusch, Nimwegen, Arnheim, Bentheim, Lingen, Bremen, Hamburg, Lübeck, Wismar, Rostock, Stralsund, Anklam, Stettin, Kolberg, Danzig, Königsberg nach Riga. Die Boten führten ihre Dienste, zu der sie ein Bestallungsschreiben mitführten, reitend oder mit bespannten Wagen aus. Die mecklenburgischen Herzöge hatten Läufer an ihren Höfen, die die Verbindungen zu diesem Hansekurs hielten. Ihnen waren Schutzbriefe durch die Herzöge erteilt worden, die ihnen freien Lauf und Sicherheit gewähren sollten. Abgesehen von diesem Kurs fehlte jegliche Regelmäßigkeit im mecklenburgischen Botenwesen. Am 14.09.1564 ordnete Herzog Ulrich zu Güstrow an, auf der Strecke Neubrandenburg, Malchin, Güstrow, Neukloster eine Reitpost einzurichten und an den genannten Orten Relaisstationen mit einem tüchtigen Knecht und einem guten Pferd zu stellen. Die Postillione und Pferde wurden an diesen Orten gewechselt, um einen schnellen Postlauf zu haben. Diese Reitpost, die nur kurze Zeit bestanden hat, sollte auch „den gemeinen Untertanen mit zum Höchsten gelegen sein“ und war somit allen Bevölkerungskreisen, zumindest laut Papier zugänglich.

Dies war die erste regelmäßig verkehrende öffentliche Post durch Güstrow und in ganz Mecklenburg, die vermutlich infolge zu hoher Kosten wieder eingestellt werden musste.

(Das Mecklenburg-Schwerin‘sche Postwesen dokumentierte als erste staatliche Postverbindung die Verbindung zwischen Schwerin und Lübeck aus den Jahre 1644.) Mit dem Niedergang der Hanse zerfiel auch der bisherige vollständige Botendienst. Hamburg und Lübeck betrieben lediglich Teilstrecken weiter. Amtsboten der mecklenburgischen Herzöge erfüllten nur für die Landesfürsten Botendienste außerhalb des Landes zu Fuß oder zu Pferde. Sie hatten ihnen einen Boteneid zu leisten. Diese Boten wurden mit einem festen Gehalt entlohnt, erhielten Bekleidung und Schuhe und trugen auf der Brust ein metallenes später silbernes Schild mit herzoglichen Wappen. Der Güstrower Herzog hatte 1588 drei geschworene Boten, die wie die Schweriner Boten besoldet wurden. Sie erhielten:

8 Gulden Besoldung, 16 Gulden Monatsgeld, 8 Gulden Kleidergeld und 6 Schilling Hutgeld, außerdem Lauf-und Zehrgeld von 3 – 4 Schilling je Meile und für Warten am Ort 3 Schilling pro Tag. (1 fl. = 1 Gulden = ½ Th,, 1Th (Thaler) = 24 ß Schilling = 288 Pfennige).

Mit der Bestellung eines Botenmeisters in Güstrow und durch die Erstellung einer Kanzleiordnung des Herzogs Johann Albrecht zu Güstrow im Jahre 1569 wurden eingehende Vorschriften zur Registerführung im Botenamt Güstrow erlassen. Dieses Botenamt hielt die Verbindung zum hanseatischen Botenamt in Rostock, welches die Weiterbeförderung der herzoglichen Korrespondenz sicherte. Innerhalb Mecklenburgs wurden Botengänge je nach Bedarf von geeigneten Personen gegen ein Entgelt des Auftraggebers erledigt. Die mecklenburgischen Städte, Gerichte, Ämter, Klöster, Kirchen, Universität usw. haben zeitweilige Botenreisen veranlasst. Diese Einrichtungen beauftragten vorwiegend zuverlässige Amtspersonen, die im Nebenamt Botendienste leisteten. Auch diese mussten den Boteneid schwören, der sie u.a. verpflichtete „ gegenwärtig, gehorsam, getreulich zu sein und den Auftrag förderlich mit Fleiß aus(zu)richten“. Das Herzogtum Mecklenburg-Güstrow, Residenzstadt Güstrow, umfasste den östlichen Teil des Landes und im Westen als Enklave die Stadt und das Amt Boizenburg an der Elbe. Dazu kam ein Anteil an Stadt und Land Rostock, weiche im gemeinsamen Besitz der beiden Herzöge verblieben.

Brustschild der herzoglichen Boten und Postillione

Wallenstein wird Herzog von Mecklenburg und auch ein Reformer des mecklenburgischen Postwesens Am 19.11.1627 trafen der Kaiser Ferdinand II. und Wallenstein in Brandeis bei Prag zu Beratungen zusammen. Wallenstein wurden auf Grund seiner Erfolge als kaiserlicher Feldherr Ehren zuteil, die sonst nur den höchsten Fürsten des Reiches zukamen. Ferdinand bot Wallenstein sogar den dänischen Thron an, den dieser aber ablehnte. Dieser entschied sich für das Herzogtum Mecklenburg als kaiserliches Lehen, das die Herzogtümer Mecklenburg-Schwerin und Mecklenburg-Güstrow umfasste. Wallenstein erhielt dieses neue Herzogtum als Ausgleich für die Gelder, die er dem Kaiser für dessen Kriegsführung vorgeschossen oder geliehen hatte. Am 01.02.1628 wurde Wallenstein mit Mecklenburg belehnt und zwei Wochen später zum General des Ozeanischen und Baltischen Meeres sowie zum Herzog von Friedland und Sagan erhoben. Am 02.04.1628 fand im Rathaus Güstrow die Huldigung Wallensteins als neuer Herzog von Mecklenburg durch die Stände der mecklenburgischen Landtage statt, obwohl sich der bisherige Güstrower Herzog Albrecht noch im Schloss befand. Am 27.07.1928 bezog Wallenstein das Güstrower Schloss. Inzwischen waren die beiden zum Protestantismus konvertierten mecklenburgischen Herzöge in Güstrow und Schwerin des Landes verwiesen worden. Die Errichtung der mecklenburgischen Residenz Wallensteins in Güstrow führte zur Reformen in vielen Bereichen des höfischen und öffentlichen Lebens in der Stadt und in Mecklenburg. Manches blieb auf Grund der kurzen Amtszeit Wallensteins in Güstrow unvollendet oder nur geplant. Wallenstein hielt sich auf Grund seiner Aufgaben als kaiserlicher Feldherr außerdem kaum in Güstrow auf. Er verließ seine Residenz in Güstrow am 23.07.1629 für immer. Mit seiner Absetzung Anfang 1630 verlor er das kaiserliche Lehen an dem Herzogtum Mecklenburg und damit seine Residenz in Güstrow schon nach nur zwei Jahren wieder. Wenn Wallenstein auch vorrangig als kaiserlicher Feldherr in die Geschichte einging, ist uns sein reformerisches Wirken auf verschiedenen Gebieten in Erinnerung geblieben. Hier sind zu erwähnen die Änderungen in der Organisation der Verwaltung, Strukturänderungen und Zentralisierung der Regierung, Veränderungen im Gerichtwesen, Planung einer Akademie zur Bildung des Adels, landesweite Organisierung des mecklenburgischen Postwesens. Auf die Einflüsse Wallensteins auf das herzoglich Güstrower Postwesen soll hier nun näher eingegangen werden. Während seiner Residenzzeit in Güstrow (1628 – 1630) befahl Wallenstein die Einrichtung von regelmäßigen Reitpostlinien von Güstrow, Grünen Winkel 4 (- leider brannte das historisch wertvolle Gebäude im Januar 2005 ab -), in alle Richtungen Mecklenburgs zur besseren Verwaltung des Landes.


Erste öffentliche Postanstalt in Mecklenburg, Grüner Winkel 4

Die Postlinien führten von Güstrow aus nach Parchim, Wismar, Waren, Dömitz, Rostock, Plau, Schwerin, Gnoien und Neubrandenburg. Die Auswechselung der Pferde war Aufgabe der Städte und Ämter. Alle nicht von der Reitpost berührten Städte und Ämter waren verpflichtet, durch Boten Verbindung zur Reitpost zu halten. Somit war das gesamte mecklenburgische Hoheitsgebiet Wallensteins in die Postverbindungen zur Residenzstadt einbezogen. Über Dömitz gelangten Nachrichten vom Kriegsschauplatz an Wallensteins Hof. Über Plau, mit Anschluss an brandenburgische Botendienste, bestanden Verbindungen zu den Wallensteinschen Besitzungen in Böhmen. Mit der Absetzung Wallensteins gingen diese Posten wieder ein. Diese von Wallenstein eingeführte Organisationsform des Postwesens in Mecklenburg hat sich grundsätzlich bis in die 1990 Jahre erhalten.

Herzoglich Mecklenburg-Güstrow‘sche Landespost

Schon vor der Residenzzeit Wallensteins in Güstrow gab es verschiedene postgeschichtlich interessante Vorläufer eines planmäßigen Aufbaus der Post im Herzogtum Mecklenburg-Güstrow, die erst später mit der Errichtung der Herzoglich Mecklenburg-Güstrow‘schen Landespost nach Wallensteins Residenzzeit und der Wiedereinsetzung des vertriebenen Herzog Gustav Adolfs, auf der Grundlage von Beratungen und Beschlüssen auf den mecklenburgischen Landkreistagen 1661/62 und 1664 einen zwischenzeitlichen Abschluss fanden. Im Güstrower Herzogtum erfolgte der Aufbau der Landespost weit planmäßiger als im Herzogtum Mecklenburg-Schwerin, wo es lange an einer festen Postordnung mangelte. Die im Herzogtum Mecklenburg-Güstrow frühzeitig erlassene Postordnung diente später dem Aufbau der Mecklenburg-Schwerin‘schen Post als Vorbild. Eine der ältesten Poststraßen Mecklenburgs führte von Güstrow nach Rostock. Der Herzog von Mecklenburg-Güstrow hielt nach seiner Rückkehr in die Residenz Güstrow seit 1637 regelmäßig einmal wöchentlich Verbindung mit dem Rostocker Botenmeister des Hansebotenkurses. Der Botenmeister in Rostock wurde zur Beförderung der herzoglichen Poststücke mit verpflichtet und bediente die ankommenden und abgehenden Post-(Fuß-)Boten für Güstrow. Mit der Einführung der Turn und Taxisschen (Reichs)Postlinie über Niedersachsen nach Hamburg kam es zur Einführung der öffentlichen Herzoglich Mecklenburg-Güstrow‘schen Landespost auf der Grundlage der Regularien des Westfälischen Friedensvertrages, der zwischen dem 15. 05. und dem 24.10.1648 in Münster und Osnabrück den Dreißigjährigen Krieg in Deutschland beendete.

Ab dem 26.11.1661 wurden die wöchentlich einmal und später zweimal verkehrenden „ordinari Post-(Fuß)-Boten“ durch eine wöchentlich zweimal verkehrende Fahrpost ersetzt, die aus Güstrow mittwochs und sonnabends und aus Rostock montags und freitags abging. Zur Verkürzung der Laufzeit wurde zwischen Güstrow und Rostock ein neuer Weg angelegt, der in gerader Flucht ohne Rücksicht auf Dörfer meist zweispurig ausgerichtet wurde. Dieser Postkurs hatte folgenden Verlauf: ab Güstrow, vorbei an Strenz, Bredentin, Käselow, Siemitz auf Hohen Sprenz, über Sabel, vorbei an Prisannewitz, Kavelsdorf auf Hohen Schwarfs zu und weiter in Richtung Rostock. Im Jahre 1693 verkehrten auf dieser Route bereits täglich Fahrposten in jeder Richtung außer sonntags und montags. Am Sonntag ging ein Parchimer Bote von Rostock nach Güstrow und kam am Montag zurück. Die Ladungen der Posten zwischen Rostock und Güstrow wurden beim Erbkrug- und Wassermühlengehöft (Hufe 12) in Sabel ausgetauscht, so dass Übernachtungen in Rostock bzw. Güstrow vermieden wurden. Hier erfolgte ebenfalls die Fütterung der Postpferde. Dieser Postkurs hatte eine besonderer Bedeutung für den Güstrower Hof und dem dänischen Königshaus, zwischen denen verwandtschaftliche Beziehungen bestanden.

Ab 1693 täglich befahrener Postkurs Güstrow - Rostock 1693 bestanden auf Mecklenburg-Güstrow‘schen Gebiet folgende eigene Postlinien: Rostock-Ribnitz, Rostock-Tessin-Gnoien-Demmin (mit Anschluss an die Schwedisch-Pommersche Post über Anklam, Ückermünde nach Stettin) (seit 1666), Rostock-Güstrow (seit 1637), Rostock-Kröpelin-Neubukow-Wismar- Grevesmühlen-Dassow-(Schönberg)- Lübeck(seit 1666), Güstrow-Bützow-Warin-Wismar (seit 1664), Güstrow-Teterow-Malchin-Stavenhagen-Penzlin-Neubrandenburg (seit 1662), Güstrow-Sternberg-Hagenow-Boizenburg-Hamburg (später geänderter Route über Sternberg-Schwerin-Wittenburg-Boizenburg), ergänzt durch Fuß-Boten-Post (seit 1674) Rostock-Güstrow-Sternberg-Crivitz-Parchim (vorher von der Kaufmannschaft betrieben) (seit 1670), Güstrow-Krakow-Plau-(Berlin) (ab 1661) Die Reformierung des Postwesens durch den Güstrower Geheimen Kammerrat Mumme Seit 1689 bearbeitete in der herzoglichen Kammer in Güstrow der Geheime Kammerrat Mumme als Postdirektor die Postsachen. Auf seine Veranlassung wurden alle Mecklenburg-Güstrow'schen Posten 1690 wieder in die direkte herzogliche Verwaltung zurückgenommen. Es sollte damit ein stärkerer Einfluss auf die Abstellung von Mängeln gewonnen und die Kurse voll für die herzogliche Kasse nutzbar gemacht werden. Es wurde ein Hofpostmeister benannt und mehrere Postmeister berufen, die für ein Gehalt das ordnungsgemäße Funktionieren der Postkurse zu garantieren hatten. Schließlich wurde 1693 die „Fürstlich.-Meckl.-Güstrow'sche Renovierte Postordnung“ eingeführt. Die Mecklenburg-Güstrow'sche Postverwaltung hatte jedoch auch nach all den Veränderungen immer noch gegen die Nichtbeachtung der erlassenen Vorschriften zu kämpfen und glaubte, die restlose Abstellung der noch vorhandenen Mängel durch einen privaten Unternehmer zu erreichen. Der bisherige Postdirektor Mumme des Güstrower Herzogs übernahm am 13.07.1694 die Post gegen Zahlung einer Jahrespacht von 1000 Th als privater Unternehmer. Die Postbediensteten blieben weiterhin fürstliche Diener. Die bestehenden Postkontore rechneten jährlich mit dem Pächter Mumme ab. Mumme war ein reger Unternehmer und fand die dauerhafte Unterstützung durch den Herzog. Unter Mummes tatkräftiger Führung wurden ganz erhebliche Fortschrittes des Postbetriebes erzielt, die den Postaufbau günstig beeinflussten und zu einer geordneten, festen Grundlage führten.

Auch nach dem Erbvergleich von 1701, bei dem es zur Vereinigung von Mecklenburg-Güstrow mit Mecklenburg-Schwerin und zur Bildung des Landes Mecklenburg-Strelitz kam, blieb der Vertrag mit Mumme wirksam und wurde ab 1703 mit Wirkung bis 1707 auf ganz Mecklenburg-Schwerin ausgedehnt. Danach wurde Mumme auf Wunsch des Schweriner Herzogs in das Schweriner Kammer-Kollegium berufen, damit er seine reichen Kenntnisse und Erfahrungen für den Aufbau der einheitlichen Landespost einsetze. Die Errichtung der Mecklenburg-Güstrow‘schen Landespost diente für den Aufbau der einheitlichen Landespost in Mecklenburg als Vorbild. Im Schweriner Kammer-Kollegium hat er die erforderlichen Maßnahmen energisch vertreten und geriet dadurch in Gegensätze zu den anderen Kammermitgliedern, die für das Postwesen nicht immer das richtige Verständnis zeigten. Dennoch zog sich Mumme 1712 auf sein Gut Nepersdorf bei Wismar mit der Genugtuung zurück, dass wenigstens wichtigste seiner Vorschläge zur Ausführungen gelangt waren. Mumme starb im Jahre 1717 in Nepersdorf.

Postwagen der Mecklenburg - Güstrow'schen Fahrpost nach Hamburg von 1674

Folgende fremde Posten führten zur gleichen Zeit über Mecklenburg-Güstrow‘sches Gebiet: Mecklenburg-Schwerin'sche Post: Schwerin- Sternberg-Bützow-Schwaan-Rostock (wurde allein von dem Herzog von Mecklenburg-Schwerin betrieben.) Brandenburgische Post: Cölln-Hamburg, parallel der Elbe über die Höhen-Umspannstation Quassel bei Lübtheen-Boizenburg, Cölln-Plau (Plau war Mecklenburg-Güstrow‘sche Grenzstadt mit Anschluss an die Mecklenburg-Güstrow‘sche Post). Lübecker (lübsche) Post: Lübeck-Zarrentin-Boizenburg. Schwedisch-Pommersche Post: Stalsund-Behrenshagen-Damgarten-Ribnitz-Rostock-Altkarin-Wismar-Mühlen-Eichsen-Gadebusch-Ratzeburg-Hamburg (Die Fahrpost hatte, statt über Altkarin, über Kröpelin und Neubukow nach Wismar zu fahren.) Kurzzeitig vor 1700 bestand eine Direktverbindung (Küchenpost) von Stettin nach Hamburg über Neubrandenburg-Penzlin-Waren-Mestlin-Wittenburg-Schwarzenbek. Hamburger Stadtreitpost: Hamburg-Mölln-Rehna-Grevesmühlen-Wismar.

Anmerkung:

Übertragen von Güstrow Stadtgeschichte durch Holger Meyer. Autoren der Web-Seite sind Dieter Kölpien und Gernot Moeller.

FERNMELDEWESEN in Güstrow

"Studie zur Geschichte des Fernmeldewesens in der Region Güstrow"

Infolge der gedankenlosen „Entsorgung“ von "nicht mehr benötigten" Aktenbeständen des aufgelösten Post- und Fernmeldeamtes Güstrow in der Wendezeit, fanden wir zufällig auf einem Altpapiercontainer einen Schnellhefter mit der Aufschrift "Postgeschichtliche Aufzeichnungen", in dem wir u. a. auch eine chronologische Darstellung der Geschichte unserer Heimatstadt Güstrow entdeckten. Dieser Sachverhalt und die intensive Beschäftigung mit dem Fernmeldewesen, einem Bewahrens werten Bereich der Technikgeschichte im Wandel von der analogen Technik zur Digitalisierung Güstrows hat für uns mindestens drei Gründe:

  • Erstens hatten wir seit längerer Zeit das persönliche Bedürfnis eine Chronik über die Entwicklungsgeschichte des Fernmeldewesens, als Teil der Technikgeschichte unserer Heimatregion, zu verfassen.
  • Zweitens gehören wir zu der letzten Generation von Postlern im Fernmeldewesen, die zur Geschichte des Fernmeldewesens im staatlichen Post- und Fernmeldewesen aus eigenem Erleben berichten kann.
  • Drittens wurden wir durch das im Jahre 2003 in unserer Heimatstadt Güstrow stattfindende 775-jährige Stadtjubiläum und durch das sich am 01.10.2004 zum 150. mal jährende Datum der Inbetriebnahme des Großherzoglich Mecklenburgischen Staatstelegrafen angeregt, die Chronik der Fernmeldegeschichte gerade jetzt zu schreiben.

Mit der Unterstützung weiterer Kollegen versuchten wir, die historischen Abläufe im Fernmeldewesen unserer Region von den Anfängen 1854 bis zum Jahre 2003 zusammenzutragen. Wir wollten verhindern, dass die Lebensleistungen unserer beruflichen Vorfahren und unserer Zeit-Gefährten auf diesem Gebiet, gerade in einer Zeit massiver Umbrüche, vergessen werden. Zu diesen Bedenken besteht leider Anlass. Darüber hinaus ist es uns ein Bedürfnis, an dieser Stelle darauf hinzuweisen, dass es besonders in den letzten 60 Jahren in unserer Region stets FernmelderInnen gab, die leidenschaftlich und mit technischem Geschick und Können, die teilweise sehr alte, oft schon historische Technik warteten und ihre Funktionsfähigkeit bis zur plötzlichen und unerwarteten geschichtlichen „Wende“ Ende der 1980er und Anfang der 1990er Jahre sicherten.

Der Berufsstolz und die Gemeinsamkeit im Handeln im Interesse der Nutzer des Fernmeldewesens, (Nutzer = Teilnehmer) waren stets ausgeprägte und verbindende Elemente unter unseren Berufskollegen im Fernmeldewesen, dabei war es egal, ob sie "in der Technik“ (Technik = Vermittlungsstellen u. Übertragungsstellen), "am Draht" (Draht steht hier für Freileitungn u. Kabel) oder „am Schrank" (Schrank = Fernsprechvermittlungseinrichtung zur manuellen Verbindungsherstellung) arbeiteten oder wie groß der eigene Anteil am Zustandekommen der richtigen und schnellen Verbindung zur gewünschten Zeit war. Alle diese FernmelderInnen, die bis auf einige wenige inzwischen RentnerInnen sind, können Stolz auf ihre Lebensleistungen sein, die sie vorwiegend bei der Deutschen Post der DDR und zuletzt bei der Deutschen Telekom AG im geeinten Deutschland erbrachten. "Die Wende" brachte für uns alle unerwartete Veränderungen im persönlichen und beruflichen Leben mit sich, die in der Mehrzahl als Verbesserung der Lebensqualität gesehen werden. Doch gibt es auch sehr viele persönliche Sorgen in den Familien der jüngeren Ruheständler, deren Lebensabend wesentlich anders als ursprünglich geplant, verlaufen wird. Wir wollen mit unseren vorwiegend technisch orientierten historischen Betrachtungen keine nostalgischen Gefühle hervorrufen, sondern eine sachliche Darstellung der Fernmeldegeschichte vornehmen. Doch gehört für uns auch die traurige Tatsache zu dieser Chronik, dass heute mehr Postler im Ruhestand sind, als im Arbeitsleben stehen. Wir bedauern, dass es uns - trotz der großen Freude über den beispiellosen fernmeldetechnischen Fortschritt der Jahre nach der Wende in unserer Region Güstrow - nicht gelungen ist, historische wertvolle fernmeldetechnische Geräte, Ausrüstungen und Dokumente zur Anschauung und zum Vergleich mit der Gegenwart, für unsere Region und damit für die Menschen hier oder für Museen zu erhalten. Wir haben eine einmalige Möglichkeit der technischen Dokumentation der Vergangenheit auf dem fernmeldetechnischen Gebiet im „Rausch“ der technischen Erneuerung und in der Sorge um die eigene Zukunft verstreichen lassen, das war ein großer Fehler, den wir nun bedauern. Um so wichtiger ist es, noch vorhandene historische Daten zusammenzutragen und für interessierte Nachfahren aufzuschreiben. Wie wichtig diese Erkenntnis ist, zu der wir nach heutigen Ansichten gern viele Jahre früher gekommen wären, mag nachfolgende Tatsache verdeutlichen. Die Errichtung des modernsten Fernmeldenetzes in Europa führte in unserer Region dazu, dass lediglich die beiden Immobilien, Neukruger Str. 7 und Clara-Zetkin- Str. 9, eine gewisse Bedeutung behalten haben.

Die Wendezeit ließ uns besonders im Fernmeldewesen kaum Zeit, diese Veränderung zu begreifen und im Zusammenhang zu bedenken. Als Senioren haben wir nun die Zeit und das Bedürfnis, die Vergangenheit aufzuschreiben, die für uns - mit über 43- bzw. 44-jähriger Berufstätigkeit bei der Deutschen Post, Deutschen Bundespost und der Deutschen Telekom AG - auch den längsten Abschnitt unseres Lebens ausmacht. Wenn wir nicht selbst dazu beitragen, Lücken in der Geschichtsschreibung zu schließen, wird es der nächsten Generation einmal sehr schwer werden, die Beweggründe für die jetzt ergriffenen Maßnahmen, technischer und nicht technischer Art, zu verstehen und unser Wirken bewerten zu können.

Die Führung von "Postamtschroniken" wurde von dem Schöpfer des Weltpostvereins, dem großen Organisator des Postwesens, Heinrich von Stephan, bereits im Jahre 1874 angeordnet und mit unterschiedlicher Gewissenhaftigkeit von den jeweiligen Postler-Generationen wahrgenommen. Nach seiner Verfügung vom 07.06.1874 sollte die Chronik in bündigster Kürze nachstehend Genanntes verzeichnen:

Gründung des Orts, seine Lage und die Hauptereignisse seiner Geschichte; Herleitung seines Namens, soweit mit Sicherheit bekannt; Beschaffenheit des Bodens, auf dem sich der Ort erhebt, sowie der Umgegend in geologischer Beziehung; Wasserverhältnisse, namentlich auch mit Rücksicht auf den Gesundheitszustand (Seuchen); etwaige Besonderheiten der Witterungsverhältnisse; Verkehrsgeschichte des Orts, soweit darüber zuverlässige Angaben vorhanden; Entwicklung seines Handels und seiner Gewerbe; Hauptnahrungszweige der Einwohner, hauptsächlichste Bezugs- und Absatzgebiete des Ortes und seiner Umgegend; sonstige, die Eigentümlichkeit des Orts bezeichnende Angaben. Sodann die Gründung der Postanstalt, ihre Geschichte, Namen der Vorsteher der Postanstalt, soweit sie aus der Vergangenheit bekannt; Geschichte der Postverbindungen des Orts; Nachrichten von dauernder Bedeutung über das Postgebäude; Behörden im Ort; Fremdenverkehr, soweit er die Posteinrichtungen beeinflusst; Besonderheiten des Brief- und Fahrpostverkehrs, z.B. nach welchen Gegenden er vorzugsweise gerichtet, ob und welche Gewerbe sich hauptsächlich am Paket- und Geldverkehr beteiligen; ob reger Auslandsverkehr und besonders mit welchen Ländern; Angaben der im Ort erscheinenden Zeitungen und Zeitschriften; Zahl der Buchhandlungen usw.

Nicht zu allen Sachgebieten werden von uns Ausführungen in unserer Studie über die Geschichte des Fernmeldewesens - einem Teil der Güstrower Technikgeschichte- gemacht, jedoch dem Fernmeldewesn versuchten wir sorgfältig die gebotene Aufmerksamkeit zu widmen, ohne auch nur hoffen zu können, eine vollständige Darstellung zu Wege zu bringen. Dabei scheiterten wir mit Gewissheit weniger an unserem eigenen Unvermögen, als an der Tatsache, dass es den „Technikern“ schon immer nicht das Wichtigste war, etwas aufzuschreiben, sondern eher die praktische Handhabe der Dinge für sie im Vordergrund stand. Hinzu kommen die bewegten kriegerischen Zeiten, die das Fernmeldewesen seit der Einführung des Telegrafen begleiteten und das Fehlen einer Dokumentation im Stephan’schen Sinne aus früherer Zeit in Güstrow. Das Telegrafenwesen wurde von den Postlern für nicht so bedeutend gehalten wie von dem Generalpostmeister Heinrich von Stephan.

Doch ohne Zweifel ist die Bedeutung des Postwesens durch die Einführung der Telegrafie - bereits 1833 wurde eine optische Telegrafenlinie von Berlin nach Koblenz eingerichtet - erheblich gewachsen. Die Nutzung dieser technischen Neuerung für den Postdienst hatte der Generalpostmeister von Stephan weitsichtig erkannt.

Wir haben unsere gesammelten Erkenntnisse über die Fernmeldegeschichte in einer chronologisch abgefassten Studie festgehalten, deren Inhalt auf dieser Internetseite nur sehr allgemein erwähnt wird. Wer weitergehendes Interesse an regionalen Details hat, sollte die Studie in der gedruckten Version zur Hand nehmen. Sie liegt im Museum, Archiv und in der Bibliothek in Güstrow vor.

Bei der Suche in den Archiven sind wir oft auf historisch bedeutsame Ereignisse in der langen mecklenburgischen Postgeschichte gestoßen, in der die Postanstalten Güstrow eine hervorragende Rolle wahrgenommen haben. Es wäre eine sehr sinnvolle Aufgabe für unsere KollegenInnen von der "gelben Post" hierüber ebenfalls Aufzeichnungen zu machen.

Nicht zuletzt fühlen wir uns auch als Bewunderer der Lebensleistung des weitsichtigen Postlers, Heinrich von Stephan, auf dem Gebiet des Fernmeldewesens zur Aufzeichnung uns bekannter und von uns zusammengetragener Begebenheiten der regionalen Fernmeldegeschichte verpflichtet.

Da es zu keiner Zeit in der Geschichte soviel "Ruheständler" unseres Berufsstandes wie gegenwärtig gab, sind wir uns sicher, dass unsere Aufzeichnungen auch von vielen sachkundigen Fachkolleginnen und -kollegen gelesen und bewertet werden.

Wir bitten alle Leser der Chronik freundlichst um Hinweise für Ergänzungen, kritische und andere hilfreiche Äußerungen zur Vervollständigung der Aufzeichnungen.

Zu dieser Beschäftigung mit der Technikgeschichte des Fernmeldewesens wurden wir insbesondere durch die sehr interessante Veröffentlichung des Güstrower Professors i. R. Dr. Friedrich Lorenz aus dem Jahre 1998 inspiriert.

So haben wir Anlass, uns auf diesem Wege bei unserem „Berufskollegen“ (Dr. Lorenz war gelernter Fernmeldetechniker), für die Anregung zum Schreiben unserer Chronik unter dem gewählten Titel

"GÜSTROW UND DAS FERNMELDEWESEN"

zu bedanken. Wir danken Ihm ebenso herzlich für sein Nachwort in unserer Studie.

Das 775-jährige Stadtjubiläum und das bevorstehende 150-jährige Jubiläum der Wiederkehr der Aufnahme des Telegrafenbetriebes in Güstrow sind ein guter Anlass, diese Chronik in je einem Exemplar dem Bürgermeister der Stadt Güstrow, dem Stadtarchiv der Stadt Güstrow, dem Museum der Stadt Güstrow, der Historischen Bibliothek des Stadtmuseums Güstrow, der „Uwe-Johnson-Bibliothek“, dem Archiv des Landkreises , dem Landeshauptarchiv Schwerin und der Niederlassung der Deutschen Telekom AG Potsdam zu überreichen.

„Gar manches Menschen Fuß im Lebenslauf; wirbelt den Staub von Jahrhunderten auf; einer schüttelt ihn ab mit Verachtung; dem Andern wird er zum Stoff der Betrachtung" (Nach Bodenstedt)


Wir Chronisten bedanken uns für die Unterstützung bei dieser Arbeit bei vielen unserer Güstrower Kolleginnen und Kollegen, den Mitarbeiterinnen des Stadtarchivs, des Museums und der Bibliothek unserer Heimatstadt Güstrow und des Landeshauptarchivs Schwerin.

Dieter Kölpien & Gernot Moeller
Güstrow, Sommer 2003


Fernmeldewesen-güstrow-abb-01.jpg

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Anmerkung:

Übertragen von https://www.stadtgeschichte-guestrow.de/ durch Holger Meyer. Autoren der Web-Seite sind Dieter Kölpien und Gernot Moeller.


Fernmeldewesen in Güstrow

Telegraphen und Telefone in Güstrow

Güstrow Baustraße 3, einst Großherzoglich-Mecklenburgische Telegraphen-Station von 1854

Der unter Denkmalschutz stehende Gebäudekomplex auf der Nordseite der Baustraße, zwischen Armesünderstraße und Flethstaken, wurde 1899 im Auftrag des Güstrower Stadtamtes für Stadtsanierung durch das Lübecker Büro für Bauforschung, Gebäudevermessung und Sanierungsplanung – Dipl.- Ing. Margrit Christensen, aus denkmalpflegerischer Sicht untersucht. Die vielseitige Dokumentation über diese umfangreiche Arbeit wurde der Stadt Güstrow 1999 übergeben. Aus den umfangreichen Unterlagen des Büros Christensen geht nach Sichtung von Stadtbüchern, Schossbüchern, Katasterunterlagen, Adressbüchern, Brandkassenbüchern hervor, dass um 1829 auf dem Gelände „Fleischerscharren“ (Schlacht- und Verkaufsbuden) standen, davor 1806 neun Buden und bereits um 1875 hier Stadtwohnungen existierten. Bei diesen sorgfältig durchgeführten Arbeiten blieb dennoch unentdeckt, dass das Haus Nr. 3 für die einstige Güstrower Großherzoglich-Mecklenburgische Telegraphen-Station“ , zum 01.10.1854, durch das entschlossene Handeln der Güstrower Stadtväter, unter dem damaligen Bürgermeister Langfeld, innerhalb eines halben Jahres errichtet und als solche bis zum Jahre 1874 an dieser Stelle betrieben wurde. Diese Erkenntnisse konnten nun nach einer Studie der beiden Chronisten des Güstrower Fernmeldewesens, Dieter Kölpien und Gernot Moeller, mit einer weiteren Studie zur Geschichte der Telegraphie in Güstrow gewonnen und dem bereits vorhandenen Wissen über dieses Haus hinzugefügt werden. Im Auftrage des damaligen Eigentümers wurden die Gebäude Baustraße 3-5 um 2000 durch das Güstrower Ingenieurbüro Lankau ansprechend saniert. Das Haus Nr. 3 wurde in der Formensprache des Spätklassizismus restauriert und ist heute ein Blickfang in der Baustraße. Mit der Studie der beiden Güstrower Fernmeldeingenieure „Geschichte der Güstrower Großherzoglich-Mecklenburgischen Telegraphen-Station“, die anlässlich der 150-jährigen Wiederkehr des Datums der Inbetriebnahme der Station, am 01.10.1854, an den Beginn der Telekommunikation in unserer Heimatstadt erinnert, wurde erreicht, dass neben der baulichen Wiederherstellung des Gebäudes im Jahre 2000 nun auch vieles über seine ca. 20-jährige Funktion als Telegraphenstation bekannt ist. An dem Haus wurde kürzlich eine neue Erläuterungstafel angebracht, die dem interessierten Besucher eine kurze Auskunft über das historische Gebäude vermittelt.

In einem Brief an die in Güstrow gut bekannte Lübecker Bauingenieurin Christensen, brachten die beiden Güstrower Fernmeldeingenieure Kölpien und Moeller kürzlich ihre Freude darüber zum Ausdruck, dass sie, obwohl sie auf unterschiedlichen Gebieten mit dem Haus Baustraße 3 befasst waren, gemeinsam dazu beigetragen haben, dass ein kulturhistorisch wertvolles Baudenkmal, entsprechend seiner Bedeutung für die Güstrower Stadtgeschichte, besser eingeordnet werden kann.

Vorschlag für neuen Eintrag auf der Erläuterungstafel am Gebäudekomplex Baustraße 3 bis 5: Baustraße 3 erbaut 1854 als Gebäude für die Großherzoglich-Mecklenburgische-Staatstelegrafen-Station in Güstrow im Stile des Spätklassizismus. Der Telegraf wurde am 01.10.1854 als 4. Station in Mecklenburg in Betrieb genommen. Der Vorsteher der Telegrafenstation, Gotthelf Heinrich Wilhelm Meyen, hat hier von 1854 bis 1874 seinen Dienst versehen.

Baustraße 4 - 5 der zweigeschossige Bau mit backsteinsichtiger Fassade wurde 1882 als städtisches Spritzenhaus errichtet. Nach seiner Aufstockung und baulichen Verbindung mit dem Haus Nr. 3 im Jahre 1929 befand sich im Obergeschoss eine Dienstwohnung und der Sitz des Bauamtes der Stadt.

Später bis zur Wende 1990 war hier das Schulamt untergebracht. Das Erdgeschoss wurde bis 1991 durch die Freiwillige Feuerwehr Güstrow genutzt. 

Ab 1999 befand sich ein Schlauchpflegestützpunkt in den Räumen.

Wasserturm 1886 als viergeschossiges, massives Bauwerk auf quadratischem Grund im neugotischer Form errichtet . 1895 als 2. Wasserturm in Betrieb genommen. Nach 1930 diente er der Feuerwehr lange Zeit als Schlauchtrocknungseinrichtung.

Telegrafen- und Telefonleitungen über den Dächern von Güstrow Güstrow
Die Dachgestänge (Einrichtungen für die Führung der Telegrafen- und Telefonleitungen oberhalb der Wohnhäuser) wurden bis zur Verlegung und Nutzung von Erdkabeln bis 1930 genutzt. Während die Drähte vollständig demontiert wurden blieben einige Dachgestänge teilweise bis zum Ende de 20. Jahrhunderts bestehen und wurden z. T. als Fernsehantennenträger genutzt.

(Siehe nachstehende alte Ansichten).

Sendeversuche mit Erdantennen im Frühjahr 1912 in der Region Güstrow

Abb. 1
Abb. 2

Es war uns Güstrower Ortschronisten bis zum Beginn des Jahre 2022 unbekannt (da hier nicht dokumentiert), dass das kaiserliche "Telegraphen-Versuchsamt des Reichs-Postamtes" hier in Güstrow eine Versuchsanlage errichtete, um herauszufinden, welche Auswirkungen der Abstand zwischen den Antennendrähten und den Grundwasserständen auf die Qualität der drahtlosen Zeichenübertragung (Telegraphie) hat.

Diese Anlage existierte in den Monaten Februar bis Mai 1912 und wurde nach dem Muster einer Antennenanlage, mit der in Belzig Versuche unternommen wurden, hier an einen bislang nicht genau bekannten Standort errichtet. Aus dem Heft VII des Berliner Verlages Julius Springer von 1914 ist hierzu Folgendes zu entnehmen:

Die Anlage diente ausdrücklich Versuchen und war nicht für den Dauerbetrieb vorgesehen. Der Standort der Anlage könnte westlich von Güstrow (Bauhofsfeld?) zwischen den beiden Seen Inselsee (früher auch Gutower See) und Sumpfsee, wegen der eindeutigen erkennbaren Höhe der Grundwasserstände, des Luftraums (Entfernung zwischen den Versuchsorten Norddeich, Swinemünde) und der geographische Lage (52-54 nördlicher Breite) ausgewählt worden sein. Telegraphierversuche, ähnlich denen bereits in Belzig erfolgten, wurden danach zwischen Berlin, Güstrow, Norddeich und Swinemünde durchgeführt. Die Lage der Stationen und ihre Entfernungen sind aus Abb.1 zu ersehen. Zu den Meßverfahren und Beobachtungen zwischen Norddeich und Swinemünde werden hier keine Ausführungen gemacht. Uns Güstrower Chronisten interessierten lediglich die Beobachtungen in Güstrow. Dazu wurden in der benannten Quelle (Heft VII S.155 ff) ausgeführt. In der Nähe Güstrow wurde auf dem Bauhofsfeld, die in Abb. 2 Gezeichnete Antennenanlage errichtet.

In der Mitte stand der Schuppen S; von hier aus wurden in den vier Haupthimmelsrichtungen 250 m lange Stangen-Leitungen errichtet. Jede Stange war 15 m hoch und bestand aus zwei gekoppelten Holzstangen. Die Stangen trugen auf Porzellandoppelglocken (Isolatoren; d. Aut.) drei Leitungen aus 2 mm starkem Bronzedraht und zwar eine in 15 Meter Höhe über den Boden, eine in 5 m und eine in 1 m Höhe.

Die inneren Enden dieser Leitungen waren isoliert in den Schuppen eingeführt und konnten dort an die Sende- und Empfangsgeräte angeschlossen werden. Die äußeren Leitungsenden wurden entweder frei endigend verwendet oder über Leidener Flaschen an die Erde angeschlossen. In der Mitte des Platzes dicht neben dem Schuppen wurde ein 5 Meter hoher Bock aus Telegrafenstangen errichtet, auf dem mit Glaskörpern isoliert ein 25 m hoher Kometmast aufgestellt wurde. Dieser Mast diente als Träger eine 30 m hohen Schirmantenne, die aus dem Stahlmast als Zuleitung und einem Schirm aus acht 20 m langen Kupferdrähten bestand. In der Umgebung des Schuppens war ein Erdleitungsnetz vergraben, bestehend aus vier sternförmig angeordneten 25 m langen verzinkten Eisendrahtnetzen und 16 Zinkblechen von 200 x 400 cm Oberfläche. 4 kleinere fächerförmige Erdleitungen, bestehend aus je 2 Netzen und 6 Zinkplatten von der angegebenen Größe was wurden an den Außenenden der Stangen Leitungen vergraben...

Als Kraftstation für die Sendeversuche diente ein Benzindynamo, der vorübergehend bei Voller Belastung etwa 2 KW Schwingungsleistung herzustellen gestattete. Die Schwingkreise bestanden aus Leidener Flaschen und verstellbaren Ölkondensatoren. Es wurde mit tönenden Löschfunken gearbeitet; die zugehörigen Spulen wurden an Ort und Stelle hergestellt und so bemessen, daß mit folgenden Wellenlängen gesendet werden konnte: 970, 1340. 184,2370,3200, 3900. 5500 m. Als normale Telegraphier Welle für Güstrow wurde die Welle1350 m erkannt

Über die Absichten und Ergebnisse des Versuche wurde beim Großherzoglichen Kabinett III in Schwerin eine Akte geführt und im Archiv des Landesamtes für Kultur und Denkmalpflege Sign.: 2803 archiviert. Durch seine geografische Lage kam Güstrow als Versuchsstandort in in erster Linie in Betracht. Die Genehmigung des Besitzers zur Nutzung des Bauhofs bei Güstrow war nützlich. Nachdem gleichzeitig die Erdantennen in Norddeich und Swinemünde auf Grund der gewonnenen Erfahrungen verbessert worden waren, nahmen die Versuche in Güstrow einen günstigen Verlauf; es gelang hier zum ersten Male, einen wechselseitigen Verkehr zwischen mehreren mit Erdantennen ausgerüsteteten Stationen zu erzielen.

Über diesen Funkversuche tauschte ich mich mit den Güstrower Amateurfunkern aus und stellte ihnen Recherchematerialien zur Verfügung.

FEUERWEHR Güstrow

DENKMALE



Ehrengrabstätten


„Ein Ort, an dem Kulturdenkmale verfallen,
ist wie ein Mensch, der sein Gedächtnis verliert“
  • Motto zum Tag des offenen Denkmals am 12. September 2005

Mit unserer Studie über Denkmale und andere bildnerische Werke in Güstrow möchten wir auf einige Zeit-Zeugnisse in unserer Heimatstadt aufmerksam machen, deren Erhaltung als Kulturgut, sowohl aus stadtgeschichtlicher als auch aus persönlicher Sicht, von Bedeutung für Güstrows Einwohner und Besucher sein sollten. Als gebürtige Güstrower sind wir an der Erhaltung möglichst aller Zeugnisse unserer Stadtgeschichte interessiert. Die Denkmalliste des Landkreises Güstrow enthält allein über 500 schützenswerte Gebäude und Gebäudekomplexe. Die Bewahrung dieser Kulturgüter ist nicht nur eine finanzielle Angelegenheit, die die örtlichen Verwaltungen zu regeln haben, sondern sie betrifft auch sehr oft private Eigentümer und die Allgemeinheit. Wir möchten mit dieser Studie sowohl die Geschichte einiger Denkmale und ihrer Erbauer in Erinnerung rufen als auch auf Ereignisse aufmerksam machen, die den Verlust oder die Beschädigung einzelner Kunstwerke zur Folge hatten. Wir fanden auch schützenswerte bildnerische Werke, die bisher nicht durch die Aufnahme in die Denkmalliste staatlich geschützt sind.

Mecklenburg-Vorpommern ist auch wegen seiner 25000 Denkmale ein interessantes Besucherziel. Alle Denkmale sind nicht nur durch natürlichen Verfall gefährdet, sondern sind leider auch durch Vandalismus und Unachtsamkeit stets in großer Gefahr, für immer verloren zu gehen. Die Liebe zur Heimat schließt die Bewahrung der Denkmale in ihren unterschiedlichsten Formen mit ein. Die kleinen und großen Kunstwerke, die unsere Güstrower Vorfahren uns „vererbt“ haben, gilt es sowohl im eigenen Interesse als auch für künftige Generationen zu erhalten. Mit der gesellschaftlichen Veränderung geht auch eine veränderte Bewertung der Denkmale einher. In der Regel gab es zu Denkmalen immer unterschiedliche Ansichten. Die Beseitigung von „unliebsamen“ Denkmalen ist jedoch nicht der richtige Weg, um sich mit Fehlentwicklungen der eigenen Vergangenheit auseinander zu setzen. Solche Denkmale können hingegen hilfreich sein beim Nachdenken und Beurteilen der gesellschaftlichen Entwicklung. Insofern können sie den jeweiligen Betrachter auch zur Kritik, zur Selbstkritik und zum Bedauern zeitgeschichtlicher Entwicklungen herausfordern. Im § 1 des Denkmalschutzgesetzes von Mecklenburg-Vorpommern steht geschrieben: Die Aufgabe des Denkmalschutzes und der Denkmalpflege ist, die Denkmale als Quellen der Geschichte und Tradition zu schützen, zu pflegen, wissenschaftlich zu erforschen und auf eine sinnvolle Nutzung hinzuwirken.

Ohne einen pfleglichen Umgang mit seinen Kulturstätten verliert Güstrow nicht nur seine Geschichte, sondern auch sein schönes Angesicht.

Wir haben uns bei all unseren Recherchen von dem Grundsatz leiten lassen, dass ein mehrfach dokumentiertes Datum eines historischen Ereignisses der sicherste Ausgangspunkt jeglicher weiteren historischen Betrachtung eines Themas sein sollte.

Bei der Anfertigung dieser Studie fanden wir bereitwillige Unterstützung durch Frau Soltwedel (Archiv der Stadt Güstrow „Heinrich Benox“), Frau Diekow-Plassa (Museum der Stadt Güstrow) und Frau Heidler (Historische Bibliothek des Museums der Stadt Güstrow). Viele auskunftsbereite Güstrower Bürger zeigten Interesse an unserem Vorhaben und beeinflussten durch Gespräche unser Quellenstudium und unsere Aufzeichnungen. Wir danken Propst Helwig und Küster Steinhagen (Domkirche), Pastor Ortmann und Küsterin Tschritter (Pfarrkirche), weiteren Mitarbeitern und Helfern in verschiedenen Einrichtungen und vielen Privatpersonen. Bei einer Lesung anlässlich der Landeskulturtage 2006 konnten wir unsere Studie einem Kreis interessierter Güstrower erstmals öffentlich vorstellen. Wir hatten Gelegenheit in persönlichen Gesprächen beim Landrat und beim Bürgermeister unsere Studie zu übergeben und empfingen hierfür anerkennende Worte.

Inzwischen hielten wir Vorträge mit interessanten Diskussionen im Kreis der Güstrower Denkmalschützer. Bei Herrn Kowalzik (SVZ), dem wir unserer Studie übergaben, fanden wir dadurch Anerkennung, dass er über unserer Arbeit im „Güstrower Anzeiger“ berichtete. Dies führte zu zahlreichen interessanten und hilfreichen Anrufen von Güstrower Bürgern bei uns. Für das Interesse an unserer Arbeit möchten wir allen herzlich danken.

Dieter Kölpien (DK) und Gernot Moeller (GM),


Denkmale Güstrows

Borwin-Brunnen, Pferdemarkt

Die Bekrönungsfigur des Brunnens wurde zur Erinnerung an den Stadtgründer Heinrich Borwin II., Fürst des Landes Rostock und Werle, der seinen Sitz nach Güstrow verlegt hatte, aus Sandstein gefertigt.

1889 errichtet aus Anlass der Fertigstellung der Güstrower Wasserleitung. Das Denkmal (Standbild) fertigte der Bildhauer Richard Thiele aus Hamburg, ein Lehrer von Ernst Barlach, an. Es stellt den Stadtgründer mit der Urkunde zur Stadtgründung in seiner rechten Hand dar, während er sich mit der linken Hand auf einen Schild stützt, auf dem der Rostocker Greif dargestellt ist.

Die Säule und die Schale arbeitete der Bildhauer Cuwio aus Lübeck. Die noch erforderlichen Steinmetzarbeiten führte die Firma Scheinpflug aus Waren aus. An der Brüstung des unteren Wasserbeckens befindet sich der Werle’sche Stierkopf und das Güstrower Stadtwappen. In erhabenen Buchstaben zeigt der Unterbau aus Sandstein die lateinische Inschrift, welche in der Übersetzung lautet:

“Sowohl unsere Zeitgenossen als unsere Nachfolger späterer Zeiten sollen wissen, dass wir dem Wunsche unserer Bürger von Güstrow mit freundlichem Wohlwollen entgegenkommend, denselben das Schwerinische Stadtrecht, welches unser Vater ihnen verliehen hatte, bestätigen.“

Unter dieser Urkunde ist hinzugefügt:

„Zur Erinnerung an Heinrich Borwin II., Fürst zu Mecklenburg, dem Stifter der Stadt, ist nach Vollendung der Wasserwerke dieser Brunnen errichtet im Jahre 1889.“

Die Mittel in Höhe von 12.000 M wurden seinerzeit einem Fonds zur Verschönerung der Stadt entnommen. Der Entwurf stammt von Baurat Georg Daniel. Der Baumeister Georg Daniel wurde 1829 in Rehna geboren und war als Architekt und Denkmalpfleger in Schwerin tätig. Der Brunnen war viele Jahre defekt. Eine Renovierung zu DDR-Zeiten führte zu einer zeitweiligen Wiederherstellung der Funktionsfähigkeit des Brunnens. 1999 erfolgte eine weitere Renovierung mit Städtebaufördermitteln, Spenden der Volks- und Raiffeisenbank und anderer Spender, die die Funktionsfähigkeit dann dauerhaft wiederherstellte. In der Silvesternacht 2003/2004 wurde ein Teil des Denkmals durch randalierende Güstrower Jugendliche erheblich beschädigt. Die Reparatur kostete damals ca. 40000 €, welche z.T. mit Spendenmittel der Güstrower Einwohner für das Denkmal abgedeckt wurde.

Der neuerliche Anschlag in der Silvesternacht 2017/2018 wird weit darüber liegende Kosten verursachen. Diese sinnlose Beschädigung ist auch eine Tat, die sich gegen die sich gerade entwickelnde Tradition eines Güstrower Brunnenfestes richtet.




Das großherzogliche mecklenburgische Wappen

Das großherzogliche mecklenburgische Wappen in einfacher Gestaltung war ein Stierkopf.

Das vollständige Wappen bestand aus sechs Feldern und einem Mittelschild.

Es erinnerte an die sieben Landesteile, aus denen im Laufe der Geschichte 1348 Herzogtümer bzw. ab 1815 die beiden Großherzogtümer hervorgegangen sind.


Die Felder hatten folgende Bedeutung
1. Herzogtum Mecklenburg: Auf goldenem Grund ein schwarzer Stierkopf mit aufgerissenem Maul und ausgestreckter roter Zunge. Auf dem Kopf trägt er silberne Hörner und eine goldene Lilienkrone.
2. Herrschaft Rostock: Auf blauem Grund ein goldener Greif mit ausgestreckter Zunge und aufgehobener rechten Vorderklaue.
3. Fürstentum Schwerin: Ein quer geteiltes Feld; in der oberen blauen Hälfte befindet sich ein goldener Greif, in der unteren silbernen Hälfte ein grünes Viereck.
4. Fürstentum Ratzeburg: Auf rotem Grunde befindet sich ein silbernes Kreuz mit goldener Krone.
5. Herrschaft Stargard: Auf rotem Grunde ein silberner weiblicher Arm mit goldenem Ring zwischen Daumen und Zeigefinger.
6. Fürstentum Wenden: Auf goldenem Grund ein schrägliegender Stierkopf mit silbernen Hörnern und goldener Lilienkrone, aber mit geschlossenem Maul.
7. Grafschaft Schwerin: Der quer geteilte Mittelschild; die obere Hälfte ist rot, die untere golden. Das großherzoglich mecklenburgische Wappen wurde links von einem Stier und rechts von einem Greif gehalten und war mit einer Königskrone geschmückt.


Der Großherzog von Mecklenburg-Strelitz führte Wappen und Titel mit dem Großherzog von Mecklenburg-Schwerin gemeinschaftlich. Der Titel beider Großherzöge lautete
„Großherzog von Mecklenburg, Fürst zu Wenden, Schwerin und Ratzeburg, Graf zu Schwerin, der Lande Rostock und Stargard Herr“ Die Landesfarben Mecklenburgs waren früher blau, gelb, rot.

Die Wappen wurden zum Teil mit allegorischen Darstellungen versehen, um Begriffe gleichnishaft zu veranschaulichen. Als Sinnbilder für die Rechtssprechung befinden sich am Güstrower Gerichtsgebäude neben dem Wappen zum Beispiel Darstellungen mit Spiegel, Waage und Schwert.

Quelle: Bilder aus der mecklenburgischen Geschichte und Sagenwelt… Dr. R. Wagner, 1914, Verlag A. Stein’s Verlagbuchhandlung Potsdam


Brunnen in Bülower-Burg

Gedenkstein am Brunnen in Bülower-Burg

Die Übersetzung der Inschrift auf dem Findling lautet:

Brunnen ist sehr schön Thomas Nugent London 1766 - Wir bauten 1964 G. W. 97

Dem englischen Gelehrten und Historiker Thomas Nugent war die mecklenburgische Geschichte bereits aus Studien bekannt, als er 1766 die Heimat der englischen Königin Charlotte bereiste. Diese war am 19.05.1744 als Sophie Charlotte, Prinzessin von Mecklenburg-Strelitz, in Mirow geboren. 1761 wurde sie durch die Heirat mit König Georg III. als Königin Charlotte Königin von Großbritannien und Irland und Kurfürstin (später Königin) von Hannover.

Durch diese Verbindung interessierten sich die Briten für die beiden mecklenburgischen Herzogtümer. Mehrere Monate bereiste Thomas Nugent die beiden Herzogtümer Mecklenburg-Schwerin und Mecklenburg-Strelitz.

Er hielt sich unter anderem in Wismar, Ludwigslust, Schwerin, Rostock, Doberan, Güstrow, Bützow, Waren, Neustrelitz, Mirow und Neubrandenburg sowie in vielen kleinen Orten auf. Ein Ausflug zu Fuß führte ihn auch von Güstrow über Bülower-Burg nach Bülow. Er schrieb hierüber in „Reisen durch Deutschland und vorzüglich durch Mecklenburg“ in seinen 1781/82 in deutscher Fassung veröffentlichten Reisebriefen, zuletzt herausgegeben von Sabine Bock und 1998 im Schweriner Verlag Thomas Helms erschienen.

„Auf halbem Wege trafen wir auf einen angenehmen Lustort, der Brunnen genannt, der von einer vortrefflichen und sehr gesunden Quelle, die in dieser Gegend entspringt, den Namen haben soll. Inzwischen wird dieser Ort doch nur vorzüglich um des schönen Weins willen, den man hier haben kann, besucht, und auch wegen der vortrefflichen Alleen und Spaziergänge, die hier dicht, an einem angenehmen See liegen“.

Es war der Güstrower Günther Woese, der den vor Ort gefundenen Findling 1997 bemeißelte. Aus eigener Verbundenheit mit dem „Brunnen“ und in inhaltlicher Übereinstimmung mit den damals ca. 230 Jahre alten Empfindungen des Engländers, wählte er seinen Text „Brunnen is most beautiful“.

Die Aufstellung des Denkmals erfolgte durch weitere interessierte Anwohner, hauptsächlich durch Paul Metz und Manfred Weiß.



Denkmal für Carl Philipp Emanuel Bach

Denkmal für Carl Philipp Emanuel Bach im Güstrower Rathaus?

Bei Recherchen in der historischen Bibliothek unseres Museums wurden wir auf einen Schriftwechsel aufmerksam, der 1925 zwischen den Herren Heinrich Miesner aus Flensburg und Friedrich Schult aus Güstrow geführt wurde. Herr Miesner schrieb an seiner Dissertation und war als cand. phil. und Gymnasialmusiklehrer an der Klärung folgenden Sachverhaltes interessiert:

Miesner war beim Lesen der vom preußischen Finanzminister Bitter 1868 veröffentlichten Biographie über C.P.E. Bach, auf eine Quellenangabe im „Magazin für Musik“ (Jahrgang 1, 1783, Seite 556 – 557, Herausgeber war Professor Carl Friedrich Carsten in Kiel) gestoßen, in der von der Enthüllung eines Carl-Philipp-Emanuel-Bach-Denkmals im Güstrower Rathaus, anlässlich des Konzertes der Güstrowschen musikalischen Societät, am 04.03.1773 die Rede war.

Dort ist zu lesen: „Am 4ten März dieses Jahres, stiftetet die Güstrowsche musikalische Societät dem Vater unserer deutschen Musiker, Herrn Carl P. E. Bach, an dem am 4ten Februar neu erbauten Orchester, ein Denkmal, von dem ich Ihnen eine Zeichnung hierbey sende. Das Publikum, welches zu einem Concert eingeladen war, ward nicht wenig überrascht da ihm sogleich beym Eintreten im Saal, dieser Gegenstand ins Auge fiel.“ Bei der musikalischen Societät handelte es sich um eine Vereinigung Güstrower Musiker und musizierender Bürger, dessen Orchester seit dem 03.10.1781 Konzerte im Rathaussaal gab. Das Orchester wurde von dem in Güstrow als Organist an der Pfarrkirche tätigen Johann, Carl, Christian Fischer geleitet.

Miesners erste Anfragen an den Rat der Stadt vom 07.09.1925 lauteten: „Hat dort solches Denkmal gestanden? Steht es noch?“ Ein in Güstrow angebrachter Bearbeitungsvermerk auf dem Original lautete „Es liegt wohl Ortsverwechselung vor (Unterschrift)…, weiterer Vermerk ist nicht lesbar). Die schriftliche Antwort des Rates der Stadt Güstrow hierauf fanden wir in dem von Heinrich Miesner 1929 geschriebenen Buch „Philipp Emanuel Bach in Hamburg – Beiträge zu seiner Biografie und zur Musikgeschichte seiner Zeit“, Neudruck Dr. Martin Sändig oHG., Wiesbaden 1969. Dort auf der Seite 48 steht: „Auf eine Anfrage beim Rate der Stadt Güstrow erhielt ich zur Antwort (09.09.25), daß dort von einem Denkmal Ph. E. Bach nichts bekannt sei. („Güstrau“ ist die alte Schreibweise für Güstrow).“

Miessner schrieb dennoch am 18.09.1925 eine weitere Karte an Friedrich Schult und nannte noch einmal genau die Quellen seiner Informationen über das Bach-Denkmal in Güstrow. Friedrich Schult benannte in seinem Antwortbrief vom 24.09.1925 an H. Miesner ebenfalls mehrere Schriftquellen zum Vergleichen, in denen von diesem Konzert berichtet wurde (am 04.03. 1783; vergl. Mecklenburgische Nachrichten, Fragen und Anzeigen, Schwerin, 1783, 9. Stück, und das „Magazin für Musik“, 1783, S. 557).

Danach war jedoch immer noch nicht bewiesen, ob es am 04.03.1783 zur Enthüllung eines Denkmals für Carl Philipp Emanuel Bach im Güstrower Rathaus gekommen war.

Obwohl nach Kenntnis von Friedrich Schult von diesem Denkmal „keine noch so bescheidene Spur erhalten geblieben ist“, interessierten wir uns weiter für diesen nach unserem Verständnis immer noch ungeklärten Sachverhalt.

Zunächst übergaben wir den Schriftwechsel Miesner – Schult an Frau Johanna Schult, der Schwiegertochter von Friedrich Schult, die diesen noch einmal vollständig und somit zweifelsfrei für uns transkribierte und uns später noch einen kurzen unveröffentlichten Text von Friedrich Schult über Johann, Carl, Christian Fischer mit einem einzigen Satz zu dem von Fischer enthüllte Denkmal übergab. Hierfür danken wir ihr herzlich. Dieser Satz lautete “Es ist kaum bekannt, dass auf sein Betreiben im Güstrower Rathause das erste Denkmal Carl, Philipp, Emanuel Bachs geweiht wurde (am 4.März 1783; vergl. Mecklenburgische Nachrichten, Fragen und Anzeigen, Schwerin, 1783, 9. Stück, und das Magazin für Musik, 1783, S. 557) ein Denkmal, von dem sich keine noch so bescheidene Spur erhalten hat.“ –

Über die Fernleihe beschaffte uns unsere Güstrower Bibliothek den Mikrofilm „Mecklenburgische Nachrichten“ von der Universitätsbibliothek Rostock und die veröffentlichte Dissertation Heinrich Miesners über C.P.E. Bach (H. Miesner: Philipp Emanuel Bach in Hamburg. Leipzig 1929, Ndr. Wiesbaden 1969) aus Wolfenbüttel. Den Mitarbeiterinnen der Güstrower Uwe Johnson Bibliothek gilt für ihre hilfreiche Unterstützung unser besonderer Dank. Wir bemühten uns ohne Erfolg um die Unterstützung des gebürtigen Güstrower Erich Wolfgang Krüger, heute Professor an der Hochschule für Musik „Franz Liszt“ in Weimar im Fach Violine und Mitwirkender in verschiedenen Kammerorchestern, die die Werke von C.P.E. Bach international zu Gehör brachten.

Wir fanden im Internet Beiträge zur Bach-Forschung des Bach-Archivs Leipzig und setzten uns mit Dr. Wolfram Ensslin in Verbindung, der an einem Forschungsprojekt Bach-Repertorium arbeitet, um von dort Auskunft zum Quellenmaterial bzw. Kopien von den Originaltexten zu erhalten. Wir wollten nicht die aneinander gefügten Zitate mehrerer Autoren verwenden, sondern eine Kopie des „Magazin für Musik“ aus dem Jahre 1783 direkt betrachten. Inzwischen erhielten wir die gewünschte Kopie aus dem Bach-Archiv per E-Mail. Schließlich konnten wir noch in Erfahrung bringen, dass unter der Bezeichnung „Carl Philipp Emanuel Bach: Dokumente zu Leben und Wirken aus der zeitgenössischen Presse 1767 – 1790“ eine Arbeit von Barbara Wiermann von der Hochschule für Musik und Theater „Felix Mendelsohn Bartholdy“ Leipzig existiert, in der eine Abbildung des Güstrower Bachdenkmals enthalten sein soll. –

In einem Telefongespräch erklärte uns die Autorin, dass es sich bei dem Güstrower Denkmal um eine Zeichnung des Denkmals (möglicherweise um einen Entwurf?) für ein C.P.E. Bach Denkmal handele, welches wahrscheinlich aber nie zur Ausführung gekommen sei. Eine Kopie der Zeichnung Fischers, wie sie seinerzeit im Magazin für Musik erschien, wurde uns zugesandt.

Wir danken Herrn Doktor Ensslin vom Bach-Archiv und Frau Barbara Wiermann für ihre hilfreiche Unterstützung zur Klärung der offenen Fragen um das Bachdenkmal in Güstrow. Wir haben lange und intensiv nach einem Denkmal gesucht, welches nach Aussage von verschiedenen achtenswerten Personen, ja teilweise „Experten“, am 04.03.1783 im Güstrower Rathaus enthüllt worden ist bzw. enthüllt worden sein soll bzw. die Angabe Güstrow vermutlich eine Ortsverwechselung sei bzw. vielleicht auch nur sinnbildlich im Rahmen des tatsächlich stattgefundenen Konzertes eine Ehrung für C.P.E. Bachs „dem Vater der deutschen Musiker“ erfolgt sei. Wenn wir auch keine dieser vielen widersprüchlichen Ansichten zu unserer eigenen gemacht haben, so haben wir sie doch alle beachtet und können nun dank unserer Beharrlichkeit und den heutigen Möglichkeiten der Kommunikation und des Gedankenaustausches die Fragen des Herrn Heinrich Miesner an den Rat der Stadt Güstrow aus dem Jahre 1925, „Hat dort solches Denkmal gestanden? Steht es noch?“ endgültig befriedigend beantworten.

Es gilt für uns als erwiesen, dass am 04.03.1783 anlässlich eines Konzertes der Güstrower musikalischen Societät im Güstrower Rathaus ein C.P.E. Bach-Denkmal enthüllt wurde. Das Denkmal war nach unseren Erkenntnissen nicht nur eine Zeichnung, sondern eine gegenständliche Darstellung, möglicherweise ein erster modellierter Entwurf von Johann, Carl, Christian Fischer, der persönlich diese Nachricht von der Enthüllung des Denkmals auch an das „Magazin für Musik“ übersandte.

Für ein endgültiges künstlerisch gestaltetes Denkmal zur Ehrung C.P.E. Bachs durch einen namentlich bekannten Künstler im Güstrower Rathaus oder an anderem Orte in Güstrow fanden wir keine Anhaltspunkte.

Wie das Güstrower Denkmal nach den Vorstellungen von Johann, Carl, Christian Fischer einmal aussehen sollte, zeigt die nachstehende Zeichnung, die Teil seiner Nachricht an das „Magazin für Musik“ 1883 war.


Meilensteine auf Güstrower Gebiet

Vor dem Haus 1 in Gutow steht ein "Postmeilenstein",

dessen noch erkennbare aber nicht mehr lesbare Inschrift nicht wie üblich in Richtung der Landstraße I. Ordnung weist, sondern, um mehr als 90 Grad im Uhrzeigersinn verdreht, nach Osten zeigt. Dies wird nur einem aufmerksamen Beobachter auffallen.

Von dem Bewohner des Hauses konnten wir erfahren, dass der Meilenstein einst bei der Verlegung der Gasleitung innerhalb der Ortslage im Wege stand. Um die Leitung gerade verlegen zu können, wurde der Postmeilenstein zeitweilig von seinem Standort entfernt und nach der Verlegung des Gasrohres auf seinen früheren Platz, nun jedoch oberhalb der Gasleitung, zurückgestellt. Offensichtlich hatten die Leute, die sich an dem Stein zu schaffen machten, keine Ahnung von dessen Bedeutung für den Postverkehr früherer Jahre und beachteten die Lesbarkeit der Inschrift für vorbeifahrende Gespannführer nicht.

Nachdem 1813 die Franzosen Mecklenburg verlassen mussten, wollte Mecklenburg auch keine preußische Post mehr dulden. 1815 beauftragte der Landesherr Friedrich Franz I. den Ludwigslust er Artilleriehauptmann J. C. H. von Seydewitz mit den Vermessungsarbeiten für Post- und Frachtstraßen zwischen Städten und Orten des Großherzogtums Mecklenburg-Schwerin. In dessen Bekanntmachung vom 30. August 1816 heißt es:

“Auf aller höchsten Befehl von mir gemessene Entfernungen Großherzoglich Mecklenburg-Schwerinscher Städte und Örter, die Meile zu 22713,198 Pariser gleich 25236,887 Mecklenburgischen Landmesserfüßen gerechnet. (Eine Postmeile betrug 7,5 km). 1824 fanden erste Verhandlungen zur Errichtung von Kunststraßen (Chausseen) im Großherzogtum Mecklenburg-Schwerin in Ludwigslust statt. Im Zuge der Straßenbauarbeiten erfolgte auch die Aufstellung von Meilensteinen in 7,5 Km Entfernung voneinander.

Im Gegensatz zu den preußischen Steinen, die rechts der Straßen stehen, befinden sich die Steine in Mecklenburg an der linken Straßenseite. Hieraus lässt sich schließen, dass der in Gutow (noch) vorhandene Postmeilenstein der erste Meilenstein an der Poststraße von Güstrow nach Goldberg ist. Als der höchste und schönste Meilenstein seiner Art in Mecklenburg präsentiert sich der auf „Geheiß“ des Großherzogs 1830 errichtete Obelisk an der B 5 in Ludwigslust, dieser diente lange Zeit als Nullpunkt bei den Vermessungsarbeiten in Mecklenburg-Schwerin. Üblicherweise begann die Straßenvermessung auf dem Marktplatz, den es in Ludwigslust jedoch nicht gab.

Auf diesen Beitrag reagierte mit nachstehender wesentlicher Ergänzung, Herr Olaf Grell, Forschungsgruppe Meilensteine e. V., die wir hier vollständig wiedergeben und uns für die detaillierten Ausführungen bedanken

1. Es ist richtig, dass umgangssprachlich von Postmeilensteinen die Rede ist. Allerdings wurden Postmeilensteine nur bis etwa 1806 aufgestellt. Wie der Name sagt, erfolgte die Aufstellung der Meilensteine durch die jeweiligen Postverwaltungen (z. B. in Sachsen und Preußen). Die wohl berühmtesten und prächtigsten Postmeilensteine sind die kursächsischen Postmeilensäulen des 18.Jahrhunderts. Auch deshalb hat sich der Begriff wohl eingeprägt.

Nach 1815 änderten sich die Zuständigkeiten und Meilensteine wurden jetzt nur noch im Zusammenhang mit dem Bau neuer Kunststraßen (Chausseen) aufgestellt. Dies geschah nicht mehr durch die Post, sondern durch die jeweiligen Straßenbauverwaltungen (oder in Mecklenburg auch durch private Chausseebau-Aktiengesellschaften). Deshalb spricht man ab 1815 nur noch von Chausseemeilensteinen. In den mecklenburgischen Herzogtümern wurden nachweislich Meilensteine erst ab etwa 1824 aufgestellt. Somit fallen diese also in die Epoche des Chausseebaus und sie sind damit keine Postmeilensteine mehr, sondern Chausseemeilensteine.

2. In Mecklenburg-Schwerin und auch in Mecklenburg-Strelitz galt in der Zeit der Meilensteinsetzung die preußische Meile als Entfernungsmaß (1 Meile = 7,53248 km). Insofern wurden die Meilensteine ursprünglich alle in diesem Entfernungsmaß aufgestellt. In Mecklenburg-Schwerin stellte man aber auch zusätzlich noch Halbmeilensteine auf. Damit standen alle halbe Meile an den Chausseen Meilensteine in der Folge (Nullpunkt)-Halbmeilenstein-Ganzmeilenstein-Halbmeilenstein-Ganzmeilenstein usw.

3. Ob die Meilensteine an der linken oder rechten Straßenseite aufgestellt wurden, hat nicht mit "Preußen" oder "Mecklenburg" zu tun. Dies war nur eine rein pragmatische Festlegung, die abhängig von der konstruktiven Gestaltung der Chaussee war. Normalerweise bestand die Chaussee aus zwei Fahrbahnteilen, einem Winterweg (der speziell befestigt oder gepflastert war) und einem Sommerweg (der aus Sandbestand). Gemäß den Anweisungen zum Chausseebau sollten die Meilensteine auf der Seite des Sommerweges aufgestellt werden. Ob der Sommerweg nun rechts oder links angelegt wurde, hing mit den örtlichen Gegebenheiten zusammen. Nur zwei Beispiele: an der Chaussee von Ludwigslust nach Lauenburg (Nullpunkt in Ludwigslust) stehen die Meilensteine noch heute an den originalen Standorten an der linken Straßenseite. An der Chaussee von Ludwigslust nach Schwerin (Nullpunkt in Ludwigslust) und von Schwerin nach Güstrow (Nullpunkt in Schwerin) dagegen befinden sich die originalen Standorte der Meilensteine an der rechten Straßenseite.

4. Im Zusammenhang mit der Einführung des metrischen Systems in Deutschland gab es Veränderungen an den Meilensteinen. Die Einführung wurde im Norddeutschen Bund per Gesetz zum 01.01.1872 festgelegt (u. a. wurde erst hier die Meile zu 7,500 km festgelegt) und der vorgezogene Gebrauch bereits zum 01.01.1870 zugelassen. Wiederum per Gesetz wurde die Meile zum 01.01.1874 abgeschafft. Diese Regelungen hatten zur Folge, dass u.a. die Meilensteine von der bisherigen Meile zu 7,53248 km auf die Meile zu 7,500 km versetzt wurden. In Mecklenburg-Schwerin wurden danach aber die meisten Meilensteine auf Abstände von 5 Kilometern umgesetzt. Nur an wenigen Straßen blieben sie am originalen Standort erhalten.

5. Der Nullpunkt ist nicht üblicherweise auf dem Markt. Außerdem wechselten die Nullpunkte im Laufe der Zeit öfter. Für Mecklenburg gibt es für die Zeit des Chausseebaus zwei wichtige Nullpunkte: einmal in Ludwigslust der sogenannte Hauptmeilenstein vor dem Grabower Tor und für Mecklenburg-Strelitz ein Nullstein in der Mitte des Marktes in Neustrelitz. Weitere Nullpunkte konnten Stadttore, Postämter, Schlosstürme oder Denkmale sein. Im Zusammenhang mit den Veränderungen (Neuvermessungen) bei der Einführung des metrischen Systems wurden die Nullpunkte vielfach an wichtige Straßenkreuzungen/-abzweigungen verlegt.

Zu vorgenannten Themen gibt es eine schöne Buchveröffentlichung: Wolf Karge/Dieter Greßmann: „Planen, Pflastern, Asphaltieren … 150 Jahre Straßenbauverwaltung in Mecklenburg-Vorpommern“, VSVI Mecklenburg-Vorpommern, Schwerin 2007.

Der Meilenstein in Gutow markiert heute die Position "5 km von Güstrow". Als Bezugspunkt dürfte hier tatsächlich die Ecke Markt/Gleviner Straße in Güstrow dienen. Der Stein wurde also nach Einführung des metrischen Systems nach 1872 hierher versetzt. (Olaf Grell , Forschungsgruppe Meilensteine e.V.)


Grenzstein am Parumer See

Grenzsteine im Umland Güstrows

Der Stein unmittelbar am Ostufer des Parumer Sees ist kein Gedenkstein zur Erinnerung an das Unglück, sondern sehr wahrscheinlich ein Grenzstein, der die frühere westliche Stadtgrenze Güstrows markiert. Ähnliche Grenzsteine befinden sich in der Nähe des Grenzweges ab Schabernack in Richtung Osten.

Das Unglück

Der 83-jährige frühere Güstrower Bürger und spätere Gesandte des Deutschen Kaisers in Madrid, Lissabon und Bern, Hofrat Rudolf Sprenger, beendete Ende Dezember 1926 in Wabern bei Bern seine Aufzeichnungen von Erinnerungen an seine Vaterstadt Güstrow, die im 1. Halbjahr 1927 in 121 Ausgaben des „Güstrower Anzeiger“ als Fortsetzungen, zunächst unter dem Titel „Aus Güstrows Vergangenheit“, und ab der 48. Folge als „Lebenserinnerungen eines alten Güstrowers“ veröffentlicht wurden.

In der 32. und 33. Fortsetzung im „Güstrower Anzeiger“ vom 29. und 30.03.1927 schildert er den tragischen Verlauf einer „Kahnfahrt auf dem Brunnensee“ zu Pfingsten (?) 1856 (?). “Es war Brauch, dass am Pfingstmorgen vor Sonnenaufgang die Dienstmädchen und jungen Leute in die Umgegend der Stadt auszogen um „Maien“, d.h. grüne Birkenzweige und Flaschen mit fließendem Wasser, das noch nicht von der Sonne beschienen war nach Hause zu bringen. Dieses Wasser sollte sich das ganze Jahr frisch erhalten und zu allen möglichen abergläubischen Gebräuchen Verwendung finden, besonders gerne benutzte man es zum Taufen von Kindern. Bessere Dienstboten zogen nachmittags mit Ihren Schätzen auf einen der Vergnügungsplätze, die im Umkreis der Stadt lagen. …

Der „Brunnen“ lag an der Schweriner Chaussee, etwa eine halbe Meile von Güstrow. Unterhalb des Wirtschaftsgebäudes dehnte sich ein ziemlich großer See aus, an dessen Ufer zwei alte Fischerkähne lagen. Junge Burschen luden ihre Mädchen zu einer Seefahrt ein. Um die Boote sicherer zu machen, band man sie mit Stangen aneinander und bald waren sie mit jungem Volk besetzt. Die Fahrt begann mit fröhlichem Gesang, der aber bald in herzzerreißendem Geschrei ausklang. Man hatte im Übermute angefangen, die überfüllten Kähne von einer Seite auf die andere zu neigen, um die ängstlichen jungen Mädchen zu necken. Dadurch hatten sich die Verbindungsstangen gelockert und waren zerbrochen, und ein Kahn kippte über und alle Insassen fielen ins Wasser.

Um sich zu retten, klammerten sich die Ertrinkenden an den zweiten Kahn, den sie dadurch auch zum Umschlagen brachten. Einige 30 Personen waren von einem Augenblick zum andern in Todesangst versetzt und da die meisten des Schwimmens unkundig waren, ertranken nach verzweifelten Todeskämpfen nicht weniger als 16, meist blühende junge Mädchen. …

Erst nach einigen Tagen konnten alle Leichen geborgen und in die Stadt gebracht werden, wo sie feierlich in einem gemeinsamen Grabe bestattet wurden.“ Sprenger selbst erinnerte sich daran, dass er als 13-Jähriger einer der ersten gewesen sei, die diese Nachricht vom Unglücksort nach Güstrow überbracht hätten und eine Bedienstete aus dem elterlichen Haushalt unter den tödlichen Verunglückten gewesen sei.


Anmerkung der Autoren

1. Wilhelm Mastaler benennt als das Datum des Unglücks den 10.06.1855, anlässlich des alljährlichen sommerlichen Brunnenfestes, -Quelle: „Eine Güstrower Stadtkunde“ Schriftenreihe des Archivs der Stadt Güstrow Nr.1, Herausgeber Stadt Güstrow 1996-)

2. Angelika Schmiegelow Powell erwähnt in ihrem Buch „Güstrow im 20. Jahrhundert“ einen Brieftext des Schumachermeisters Hassebring, der damals an seinen Sohn schrieb, dass am 2. Sonntag nach Pfingsten bei einer Vergnügungsfahrt im Jahre 1855 das Unglück geschehen sei.)

Diese beiden Daten decken sich und lassen die Vermutung zu, dass die Angabe des Herr Rudolf Sprenger, bezüglich des Datums des Unglücks falsch ist. (Zwischen dem Ereignis und seinen Aufzeichnungen vergingen immerhin ca. 70 Jahre).


Die Namen der verunglückten Jugendlichen fanden wir in einer Kopie des Sterbebuches der Pfarrkirche.

Am 11. oder 12. Juni 1855 sind dort nacheinander 13 Todesfälle von Jugendlichen eingetragen, die nicht, wie üblich, von einer Totenfrau gemeldet wurden. Diese 13 Jugendlichen stammten alle aus ärmlichen Güstrower Verhältnissen. Sechs tödlich verunglückte Jungen waren Lehrlinge oder Handlanger bei verschiedenen Handwerkern. Die ertrunkenen 5 Mädchen waren zumeist Hausmädchen. Zwei Kinder gehörten einer Witwe.

Die Trauerfeier für alle Ertrunkenen wurde in der Pfarrkirche vor den 16 Särgen vom Kirchenrat Loescher, unter Beteiligung aller Güstrower Pastoren, durchgeführt.

Die Güstrower nahmen sehr zahlreich am Trauergottesdienst für die Verunglückten teil.

In der „Güstrower Zeitung“ vom 11.06.1855 ff wurde sehr umfangreich und detailliert über das Unglück berichtet.

Hier fanden wir auch die restlichen Namen von zwei Verunglückten die nicht aus Güstrow stammten und die Namen der an einer Spendenaktion beteiligten Güstrower Bürger.

Die Spendenaktion wurde nach einem Aufruf der Güstrower Herren A. Vermehren, A. Türk, Fr. Löscher und I. Tarnow durch den Kaufmann Strade und den Maler Weihnacht organisiert und öffentlich Rechenschaft über die Verwendung der eingegangenen milden Gaben gegeben.

Aus der Ausgabe der „Güstrower Zeitung“ vom 14.06.1855 konnten wir entnehmen, dass die Verunglückten in einer gemeinsamen Gruft auf dem Friedhof an der Rostocker Straße beerdigt wurden.

Der genaue Begräbnisplatz auf den Friedhof ist nicht bekannt, da die Beerdigungen von 1855 nur unvollständig in den Unterlagen nachweislich sind.


Elisabethstein in den Güstrower Heidbergen

Dieser Gedenkstein steht seit 1883 in den Güstrower Heidbergen. Er erinnert an die Bepflanzung dieses einst unfruchtbaren Heidelandes auf Veranlassung der ersten Ehefrau Elisabeth, des Herzogs Ulrich III. zu Mecklenburg, im Jahre 1573.

Elisabeth war einst als Prinzessin von Dänemark an den Güstrower Hof gekommen. Die Bepflanzung erfolgte durch Schüler der Güstrower Domschule. Die Umgebung des Gedenksteins wurde durch den Förderverein Güstrow e. V. vor Jahren würdig hergerichtet.


Marie-Elisabeth-Stein im Primer

Durch Zufall entdeckten wir vor einigen Jahren beim Lesen in der Broschüre „Der Primer – Betrachtungen zu seiner Geschichte“, (Herausgeber: Förderverein Region Güstrow e. V., 1997, nach Recherchen von Gertrud Gust und Manfred Ullerich) auf einer Karte vom Primer den Vermerk „Elisabethstein“.

Im Verlaufe unserer Recherchen befragten wir nun den Güstrowers Jochen Peters, einen Sachkundigen für Flurnamen in Güstrows Umgebung. Dieser erinnerte sich an Unterlagen des Stadtschreibers Heinrich Benox über eine Befahrung des Primers durch Forstleute zu Beginn des vorigen Jahrhunderts. Dadurch fanden wir mit Hilfe von Frau Soltwedel die entsprechende Schrift, sie heißt: „Führer auf dem Ausflug der XXVII. Versammlung des Vereins Mecklenburgischer Forstwirthe am 12. Juli 1902 durch die Güstrower Stadtforsten - Mit Übersichtskarte“ die vom Oberförster Kohlmeyer im Juni 1902 erarbeitet und in der Rathsbuchdruckerei C. Michaal in Güstrow gedruckt wurde.

Auf Seite 19 fanden wir unter der in der Karte mit ESt markierten Stelle folgende Angabe:

„An der Schneise befindet sich der Marie–Elisabethstein, eine Erinnerung an das in Güstrow im Jahre 1891 in Gegenwart der Großherzogin Marie und Tochter abgehaltene Musikfest.“

(Anmerkung der Autoren: die Tochter von Marie hieß Elisabeth(!).) Wir erkannten erst durch diesen Text, dass sich die Eintragung auf dem Stein nicht auf eine einzelne Person, sondern auf zwei Namen von weiblichen Mitgliedern der großherzoglichen Mecklenburg - Schwerinschen Familie bezieht.

Der Stein wurde zur Erinnerung an das vom 24. bis 26. Mai 1891 in Güstrow in Anwesenheit der Großherzogin Marie und deren Tochter Herzogin Elisabeth durchgeführte "XI. Mecklenburgische Musikfeste" nachträglich errichtet. Die beiden Damen besuchten am Vormittag des 26.05.1891 bei einem Ausflug den Primerwald. (Großherzogin Marie Karoline Auguste von Schwarzburg-Rudolstadt (1850-1922) war die dritte Ehefrau des Großherzogs Friedrich Franz II. (1823-1883), und Elisabeth (1869-1955) das erstgeborene Kind aus dieser Ehe, die 1868 geschlossen wurde. Elisabeth heiratete 1896 Großherzog Friedrich August von Oldenburg. Großherzogin Marie war die Repräsentantin der großherzoglichen Familie bei diesem Fest. Der amtierende Großherzog Friedrich Franz der III. war ein Halbbruder von Marie aus erster Ehe und wegen seines chronischen Asthma- und Herzleidens fast immer im südlichen Ausland. Marie verstarb am 22. April 1922 in Den Haag, wo sie sich zu den Feierlichkeiten zum 46. Geburtstag ihres Sohnes Heinrich aufhielt. Heinrich war das vierte Kind aus ihrer Ehe mit Friedrich Franz II. und Gemahl der Königin Wilhelmina der Niederlande. Marie war die Urgroßmutter der derzeitigen Königin Beatrix der Niederlande (* 1938). Großherzogin Marie hatte die Repräsentationsaufgaben der großherzoglichen Familie bei diesem Fest vorgenommen.


Ehemalige Gebäude des Kaiserreiches und des Großherzogtums

Steinsitz im Primerwald

Der Steinsitz ist ein aus großen Steinen angelegter Rastplatz im Primerwald.

Er liegt auf halben Weg zwischen Primerburg und dem früheren beliebten Ausflugslokal „Övelgönne“.

Die Straße, die von der Glasewitzer Chaussee, rechts abzweigend, durch Primerburg bis in den Primerwald führt, heißt seit Februar 2001 „Zum Steinsitz“. Ein Verein mit dem Namen „Musbuck“, bestehend aus Güstrower Handwerksmeistern, Kaufmännern und Gastwirten traf sich hier alljährlich am 27. Dezember, um eine Flasche Hochprozentigen zu leeren und eine neue Flasche für das nächste Jahr zu vergraben. (gelesen bei Ulrich Schirow, „Güstrow 1860-1845“. Edition Temmen, Bremen 2003)

Wandgemälde im Ratskeller

Wandgemälde im Restaurant „Ratskeller“

Das Restaurant „Ratskeller“ besteht an dieser Stelle auf dem Markt seit 1915.

Um diese Zeit wurden die Räumlichkeiten des ehemaligen „Ratskellers“ im Rathaus anderweitig genutzt und der heutige „Ratskeller“ wurde damals außerhalb des Rathauses eingerichtet.

Dass erklärt, weshalb der „Ratskeller“ sich in Güstrow nicht im Rathaus, sondern in dessen Nachbarschaft befindet.

Vermutlich sind auch seit 1915 die drei nicht signierten Wandgemälde in der Gaststätte.

Sie wurden von einem unbekannten Maler mit Ölfarben auf Leinen gefertigt und sind direkt mit der Wand verbunden.

Es gibt eine vergleichbare Ansicht vom Rathaus von der Malerin Marie Hader, die möglicherweise als Vorlage genutzt wurde.

Im Werkenachweis von Marie Hager gibt es keinen Hinweis auf die Wandmalerei in Güstrow.

Zwei Bilder sind noch im Original erhalten, während das dritte Bild nach einer, dem ursprünglichen Bilde ähnlichen Postkartenansicht, vor wenigen Jahren von dem Rostocker Maler Kamper neu geschaffen wurde.

Unterhalb des dritten Bildes, das eine Stadtansicht mit Blick aus Richtung Eisenbahnlinie zeigt, befinden sich die Reste des früheren Wandbildes, welches nicht restauriert werden konnte.


Wandbilder Bahnhofsgaststätte

Wandbilder in der Gaststätte des Güstrower Bahnhofs

Auf den beiden Bildern sind Ansichten der Stadt Güstrow in Trivialkunst mit den repräsentativsten Bauten der Stadt (von links nach rechts: alter Wasserturm, Post, Pfarrkirche, Schloss, Dom, neuer Wasserturm) dargestellt.

Es ist nicht bekannt, wer diese Bilder gemalt hat. Der Maler hat die Bilder aber mit Sicherheit nach 1928 hergestellt, da das rechts auf der Gesamtansicht dargestellte höchste Bauwerk offensichtlich der neue Wasserturm sein soll, welcher erst 1928 fertiggestellt wurde.

Diese Ansicht zeigt Güstrow aus der nordwestlichen Perspektive.

Die auf dem anderem Bild dargestellte Ansicht des Schlosses zeigt einen Blick aus südwestlicher Richtung. Im Dezember 2016 haben unabhängig voneinander mehrere Personen eine Signatur am unteren rechten Bildrand der Gesamtansicht als Hoffmann Berger '40 oder Hoffmann Bergen '40 deuten können.



Fallschirmspringerin Ella Tauer

Gedenkstein für die tödlich verunglückte Fallschirmspringerin Ella Tauer

Am 08.07.1928 zwischen 16.30 und 17.00 Uhr stürzte die Fallschirmspringerin Ella Martha Tauer aus Gera (Reuß) beim 1. Volks- und Werbeflugtag in Güstrow M-V aus ca. 450 m Höhe ab und verunglückte auf der Feldmark zwischen dem Ortsausgang Güstrow, links vom Parumer Weg, in einem Kornfeld tödlich.

Mehrere Ortskundige bezeichneten den genaueren Ort, auf dem später ein Gedenkstein errichtet wurde, mit geringfügigen Abweichungen, als Glockenblumenberg bzw. Schlüsselblumenwiese. Die Flurkarten weisen für den Bereich als die Gemarkung „Das hohe Rad“ aus. Die Fallschirmspringerin wurde am 08.03.1897 in Leipzig geboren und war 31 Jahre alt.

Für die tödlich Verunglückte hat es noch bis in die 1970er Jahre einen ca. 60 cm hohen und 40 cm breiten Gedenkstein in der Feldmark gegeben, der heute leider nicht mehr auffindbar ist.

Über dessen Verbleib können nur Vermutungen angestellt werden.

Ein Zeitzeuge gab die Inschrift nach seiner Erinnerung wie folgt an: Ella Tauer Fallschirmpilotin 1897 - 1928 .

In einem Vorbericht zur Flugschau in der Mecklenburgische Tageszeitung (Güstrow) vom 05.07. 1928 wurden verschiedene Flugattraktionen angekündigt.

„Güstrower Anzeiger“ 06.07.1927:

Die Flugschau wurde damals von dem Flugbetrieb Meisterknecht aus Halle (Saale) veranstaltet.

Unsere Recherchen bei Flieger- und Fallschirmclubs in Gera, Leipzig, Halle (Saale) und Merseburg sowie beim Deutschen Schokoladenmuseum in Köln, um weiteres über die Fallschirmspringerin zu erfahren, waren nicht sehr ergiebig.

Durch den Nachfolger des Schokoladenherstellers „TRUMPF“, der Ludwig Schokolade GmbH & Co. KG aus 51469 Bergisch Gladbach konnten wir in Erfahrung bringen, dass 1924 erstmalig ein TRUMPF-Flugzeug über den Städten Deutschlands kleine Fallschirme mit Schokolade abwarf.

Es hätte keinen Flugtag in Deutschland gegeben, an dem sich nicht die Kunstflieger der TRUMPF-Werke beteiligten.

Zu dem konkreten Vorkommnissen in Güstrow lägen jedoch keine Informationen bei „Trumpf“ vor.


Gedenken für Feuerwehrkameraden

Ort des Gedenkens für Feuerwehrkameraden
Denkmal im ehemaligen Spritzenhaus der Freiwilligen Feuerwehr

Dieses Denkmal wurde einst im Jahre 1931 auf Veranlassung des damaligen Stadtbaudirektors Richter zum Gedächtnis der Stadt Güstrow an die verstorbenen Kameraden der Freiwilligen Feuerwehr Güstrow in dem damaligen Spritzenhaus in der Baustraße 3-5 errichtet.

In der eingelassenen Nische wurde das noch heute vorhandene, in Leder gebundene, mit den Namen der verstorbenen Kameraden versehene, Ehrenbuch in einer hölzernen Schatulle aufbewahrt.

Während der Zeit des Nationalsozialismus und in der Nachkriegs- und DDR-Zeit erfolgten keine Eintragungen von Namen der verstorbenen Kameraden in dieses Buch. Es wurde lange verborgen und sorgsam aufbewahrt. Nun gehört es zu den vielen geschichtsträchtigen Archivalien der Freiwilligen Feuerwehr Güstrow. Als die Feuerwehr aus den Räumen auszog, fand das Denkmal keine Beachtung mehr und wurde durch die Verlegung von Rohrleitungen in unmittelbarer Nähe erheblich verunstaltet.

Traditionsbewusste Feuerwehrmänner haben vor der Aufgabe des Standortes in der Baustraße 3-5 und dem Umbau der Geräträume das Denkmal um 1999 fotografiert und bautechnisch erfassen lassen, so dass eine Wiedererrichtung an einem geeigneten Standort vorgenommen werden könnte. Der Wiederaufbau wird vom Vorstand des Feuerwehrvereins Barlachstadt Güstrow e. V. beabsichtigt.

Dorfgeiger

Der Dorfgeiger

Diese Figur Barlachs, geschaffen 1913/1914, hat es je einmal in Gips, in Holz (2002 als „sensationelle Neuerwerbung“ in Amerika erworben und heute im Ernst-Barlach-Haus der Hermann F. Reemstma Stiftung im Hamburger Jenischpark zu sehen) und in Bronze (H 500, B 202, T 280) gegeben.

Erstguss von Cassierer 1929 ermöglicht. Ein Exemplar der Bronzefigur wurde 1931 von Ernst Barlach der Stadt Güstrow zum Geschenk gemacht. Die Skulptur wurde durch Bernhard A. Böhmer, Kunsthändler und Freund Barlachs, in dessen Auftrag am 30.07.1931 an den Rat der Stadt Güstrow überreicht.

Bürgermeister Dr. Heydemann bedankte sich damals schriftlich bei dem selbstlosen Spender für das Geschenk. Auf Anregung des damaligen Bürgermeisters Heydemanns hatte der Rat der Stadt 1930 den Beschluss gefasst, den Birkenweg am Inselseekanal als Ernst-Barlach-Weg zu benennen. In einem Brief an den Bürgermeister Heydemann bedankte sich Barlach für die beabsichtigte Ehrung, lehnte sie jedoch dauerhaft ab. Die Skulptur fand zunächst einen repräsentativen Platz im Rathaus.

1936 wurde die Bronzeplastik – von dem Güstrower Rechtsanwalt Dr. Blauert und dem damaligen Güstrower nationalsozialistischen Oberbürgermeister Lemm als „Scheusal“ bezeichnet - für den Betrag von 350,00 RM verkauft.

Der erzielte Betrag wurde für die Verwendung zugunsten der einzurichtenden Güstrower „Ahnenhalle“ gebucht. Dieser Vorgang ist hinsichtlich des erzielten Preises bei der Stadt Güstrow eindeutig dokumentiert. Im Barlach-Werke-Verzeichnis von Friedrich Ernst Schult wird der erzielte Preis dennoch mit 300,00 RM angegeben. Käufer war das Mitglied einer bekannten Güstrower Familie. Der Dorfgeiger befindet sich noch heute im Besitz der Verwandten des einstigen Käufers.

In Güstrow wurde am 30. 08. 1937 die dritte „Ahnenhalle“ Mecklenburgs als „Tempel des deutschen Blutes“ durch die Nationalsozialisten errichtet. Die frühere Gertrudenkapelle, erbaut 1430, die dafür von Güstrower Handwerkern hergerichtet wurde, war zuvor für 20000 RM durch die Stadt Güstrow von der Pfarrkirche gekauft worden.

Die Missachtung Barlachs durch den damaligen Oberbürgermeister Lemm muss den Künstler sehr beleidigt haben, umso mehr befriedigt heute die Tatsache, dass Güstrow zur Ehrung des Bildhauers den Namen „Barlachstadt“ führt und in der ehemaligen „Ahnenhalle“, die nun wieder Kapelle St. Gertruden heißt und der Barlach-Stiftung in Güstrow gehört, Werke Barlachs ausgestellt sind.

Die Stadt Güstrow, das Güstrower Theater und ein Gymnasium tragen den Namen Ernst Barlachs. Auch der nach 1945 in Barlachweg umbenannte beliebte Spazierweg (Birkenweg) am Inselseekanal in Richtung Barlach-Atelier erinnert an den Künstler. Der Weg sollte bereits ab 1930 (60. Geburtstag Barlachs) auf Vorschlag des Bürgermeisters Heydemann nach einem Beschluss des Rates der Stadt den Namen Ernst Barlachs erhalten. Barlach bat freundlichst und dauerhaft, dieses zu unterlassen, da es nicht seinem Wesen entspräche.

Die Barlachstadt Güstrow sollte weiterhin ein reges Interesse am Verbleib der Plastik „Der Dorfgeiger“ zeigen, die 1931 als ein Geschenk des Künstlers an die Stadt durch dessen Oberbürgermeister im Jahre 1935 verschachert wurde. Auch ein möglicher Rückkauf der Plastik für die Barlach-Stiftung sollte durch die Stadt unterstützt werden, um damit die aufrichtige Wertschätzung für Barlach und dessen Schaffen in der heutigen Zeit zu bekunden.


Mutter Erde

Das Denkmal steht heute auf dem Güstrower Gertrudenfriedhof, wo sich auch die Barlach Gedenkstätte befindet.

Dieses Grabmal wurde 1920 von Ernst Barlach in seiner Güstrower Werkstatt in einem ehemaligen Pferdestall in der früheren Schützenstr 30 (heute „Zu den Wiesen“) als Auftragswerk für den Stettiner Holzhändler Biesel im Maßstab 1:2 gefertigt.

Der Hamburger Künstler Friedrich Bursch führte es 1921 in Kirchheimer Muschelkalk aus. Danach fand es seinen Platz auf dem Friedhof in Stettin.

Das Grabmal wurde 1963 durch Bernhardt Blaschke, dem damaligen Leiter der Güstrower Barlachgedenkstätte (Gertrudenkapelle), auf dem Stettiner (Szczeciner) Friedhof im beschädigten Zustand entdeckt. Da sich in Güstrow noch glücklicherweise das Werkmodell des beschädigten Kopfes befand, sollte nach seinen Vorstellungen eine Restaurierung des Grabmals mit Hilfe der DDR ermöglicht werden.

1964 überreichte der Generalkonservator der Volksrepublik Polen dem Kulturministerium der DDR überraschend das Denkmal mit einer „Schenkungsurkunde“.

Die 1967 angebrachte Sockelinschrift lautete: „Der Deutschen Demokratischen Republik im Jahre 1964 von der Volksrepublik Polen übergeben und 1967 restauriert“.


Maria Himmelfahrt

Mariä Himmelfahrt - Plastik an der katholischen Kirche

Die Bronzeplastik an der Außenfläche der 1929 in Güstrow von Paul Korff erbauten katholischen Kirche ist ein Werk von Ludwig Nolde.


Stadtwappen aus Eisenguss

Am einstiegen Wehr am Mühlentor befand sich noch nach dessen Rückbau eine Darstellung des „alten“ Güstrower Stadtwappens aus Eisenguss. Der Entwurf aus der Mitte des 19. Jahrhunderts stammt von dem Güstrower Fabrikanten Johann, Heinrich, Daniel Kaehler. Dass nach seinem Entwurf mindestens vier Reliefs mit großer Wahrscheinlichkeit in den 1930er Jahren im van-Tongel-Stahlwerk Güstrow gegossen wurden, wird von den Autoren vermutet. Ein Auftraggeber ist nicht bekannt.

Nach Angaben des Fördervereins Region Güstrow e. V. wurde der „Bau einer Freischleuse mit Brücke in Güstrow“ durch ein „Arbeitsbeschaffungsprogramm“ 1933-1934 ausgeführt. Hierzu wurden der Güstrower Baufirma Martens 16 Arbeitslose (Unterstützungsempfänger der Krisenfürsorge und der öffentlichen Fürsorge) zugewiesen. In der Zeit vom 01.09.1933 bis 31.03.1934 wurden die Arbeiten ausgeführt. Das Wappenbild existierte nach vorhandenen Fotos viermal an Standorten in Güstrow. Das Wappen von der Brücke befindet sich heute im Güstrower Museum. Vermutlich wurde es bei einem versuchten Diebstahl an der linken unteren Ecke beschädigt. Auf der äußeren Brückenwand zur Unterwasserseite wurde zur Zierde ein gegossenes Güstrower Stadtwappen laut Rechnung vom 25.04.1934 von der Güstrower Baufirma Martens befestigt. Weitere Standorte von gleichartigen Wappen in Güstrow sind bzw. waren außerdem,

das letzte Kaehler’sche Wohnhaus in der Domstraße, das Barlach-Atelierhaus und das kleine Wohnhaus von van Tongel in der Grabenstraße.

Eine Abformung des Kaehler’schen Originals befindet sich im Museum der Stadt Güstrow.

Das Exemplar von dem Hause van Tongel ist verloren gegangen.



Stadtwappen Eingangstür zur Kongresshalle

Stadtwappen im Oberlicht der Eingangstür zur Kongresshalle

Diese Holzarbeit wurde von dem Güstrower Bildhauer Oskar Schumann entworfen und aus Eichenholz gefertigt.

Die große Ähnlichkeit mit den gusseisernen „Wappen von Güstrow“ von Heinrich Johann Kaehler lässt vermuten, dass Oskar Schumann dessen Entwurf möglicherweise als Vorlage für seine 1935 geschaffene Holzarbeit des „Wappen von Güstrow“ im Oberlicht der mittleren Eingangstür der Kongresshalle wählte bzw. entsprechende Vorgaben von der Stadt hierfür erhielt.


Sämann und mähender Bauer

Bildhauerarbeiten von Prof. Wilhelm Wandschneider aus Plau. Beide Reliefs wurden wahrscheinlich erst nach der eigentlichen Eröffnung der Ausstellungshalle (Kongresshalle) links bzw. rechts der Bühne platziert. (MTZ v. 16.04.1935)

Die Motive dieser inzwischen leider verloren gegangenen Reliefs sind heute noch als Bronzeplastiken vor dem ehemaligen Kino in Plau zu sehen.

Während die Anfertigung der Modelle für die Reliefs im Plauer Atelier Wandschneiders, im Auftrage der Stadt Güstrow, erfolgte, wurden die handwerklichen Arbeiten aus Eichenholz vom Bildhauer Hermann Engel ausgeführt.

Zur Eröffnung der Kongresshalle wurde zunächst nur das eichene Relief eines großen Hoheitsadlers, dass oberhalb der Bühne angeordnet war, fertig. Die Anbringung der beiden hölzernen Flachreliefs aus Eichenholz erfolgte 1936. Wandschneiders "Mähender Bauer" und "Sämann" gehörten zu den wenigen bronzenen Großplastiken in Mecklenburg, die ihre von der NS-Kulturpolitik vorgesehene Funktion, ideologische Inhalte in den öffentlichen Raum zu transportieren, erfüllten.

Die beiden überlebensgroßen Bronzefiguren wurden ursprünglich im Freigelände der NS-Gauschule Schwerin aufgestellt. Heute stehen die beiden Bronzefiguren vor dem ehemaligen Kino in Plau am See.

Bei Renovierungs- und Reparaturarbeiten in der Güstrower Kongresshalle in den 1970er Jahren wurden die aus Eichenholz gefertigten 3,50 m hohen Reliefs „Sämann“ und „Mähender Bauer“ stark beschädigt und schließlich in der Heizungsanlage der Halle "entsorgt". Der mit der Handhabung der Sense vertraute Betrachter wird an der Figur des "Mähenden Bauern" eine falsche Beinstellung bemerken.


Wandbilder in der Cafeteria des heutigen Landkreishauses

Die Bilder stellen Personen aus der ländlichen Bevölkerung in historischen mecklenburgischen Trachten dar. Von ihnen werden Tätigkeiten in der Landwirtschaft ausgeführt.

Die Wandbilder wurden mit der Errichtung des Gebäudes als Sitz der nationalsozialistischen Landesbauernschaft Mecklenburgs im Jahre 1936 von dem Güstrower Architekten Adolf Kegebein auf den schmalen Wandflächen zwischen den Fenstern geschaffen. (Vgl. Katalog Bildende Kunst in Mecklenburg 1900 – 1945, S. 169, Hrg. Heidrun Lorenzen und Volker Probst im Auftrag der Hansestadt Rostock und der Ernst Barlach Stiftung Güstrow, Verlag Hinstorff, 1. Auflage 2010).

Während der Nutzung des Gebäudes als „Militär-Hospital“ durch die Sowjetarmee waren die Bilder übermalt worden. Bei Renovierungs- und Umbauarbeiten des Gebäudes zum Sitz der Kreisverwaltung wurden die Wandmalereien von dem Restaurator Fred Kluth wiederhergestellt. Teile der Wandbilder konnten erhalten werden, wobei die Beschädigungen an den oberen Teilen wohl nicht umgangen werden konnten. Oberhalb der Köpfe der Figuren wurden Träger eingezogen. Vielleicht ist eine Restaurierung bei besserer finanzieller Lage später einmal möglich.



Schmückende Details in und an Güstrower Gebäuden

Wandbild in der Turnhalle der jetzigen Fritz-Reuter-Schule Güstrow

Die Gestaltung der beiden Wände links- und rechtsseitig des bühnenähnlich ausgeführten Sportgeräteraumes der Turnhalle mit jugendstilähnlichen Motiven, ist eine Arbeit des Bildhauers und Malers Erwin Fuchs aus dem Jahre 1937. Er wurde 1908 in Stettin geboren und erhielt dort an der Kunstgewerbeschule eine Ausbildung. Von 1935 bis 1947 lebten er und seine Familie in Güstrow (Glasewitzer-Burg). Sein Atelier befand sich in der Schnoienstraße / Ecke Flethstaken. E. Fuchs entwickelte sich überwiegend autodidaktisch auf verschiedensten Gebieten der Malerei und Grafik weiter.

Die Nachkommen von Erwin Fuchs haben seinen künstlerischen Nachlass teilweise dem Museum der Stadt Güstrow, einschließlich eines Verzeichnisses der im Familienbesitz verblieben Werke des Künstlers, übergeben.

Die Darstellung auf der linken Seite zeigt fünf um einen Baum tanzende Mädchen. Auf der rechten Seite sind vier ballspielende Jungen zu sehen. Die Wandbilder sind in den Putz hinein modelliert und gemalt (Grafitto) worden. Der unregelmäßig geformte Untergrund ist heute in einem Braunton gestaltet. Der Raum wird nicht nur als Sportraum, sondern auch für andere Schulveranstaltungen genutzt.


Jüdischer Friedhof in Güstrow

Gedenkstätte Jüdischer Friedhof in Güstrow, Neukruger Straße

Der ehemalige Judenkirchhof der israelischen Gemeinde in Güstrow wurde schon im 19. Jahrhundert benutzt.

Das Friedhofsgelände umfasste vor 1945 einen Teil der Heinrich – Borwin-Straße bis zum Suckower Graben.

Beerdigungen sollen hier noch bis Anfang der 1930er Jahre stattgefunden haben.

Die Trauerhalle wurde in der Reichskristallnacht vom 09.11. zum 10.11.1938 angesteckt und danach vollständig zerstört.



Bodenreform 1945

Gedenkstein zur Erinnerung an die Bodenreform im Kreis Güstrow, in Bredentin

Der Gedenkstein wurde 10 Jahre nach der 1945 durchgeführten Bodenreform im Jahre 1955 zur Erinnerung an dieses Ereignis errichtet und trägt die Inschrift:

10 Jahre demokratische Bodenreform 1945 – 1955 Junkerland in Bauernhand übergeben von Landrat Bernhard Quandt - Superintendenten Sibrand Siegert 16.9.1945


Gedenkstein Arbeiterjugendbewegung

Gedenkstein von 1954 für die Kämpfer der Arbeiterjugendbewegung in Mühl-Rosin, Heidberg

Die Inschrift auf dem Gedenkstein, der in der Wendezeit 1989/1990 von bisher Unbekannten zerstört wurde, trug die Inschrift:

Ruhm und Ehre den mutigen Kämpfern der deutschen Arbeiterbewegung gegen Faschismus und Krieg.

Gewidmet anlässlich des 50. Jahrestages der Gründung der deutschen Arbeiterjugendbewegung Güstrow, den 10. Oktober 1954 Kreisverband der Freien Deutschen Jugend.

Der Gedenkstein markierte den Standort einer Blockhütte, die von der Sozialistischen Arbeiterjugend und vom Kommunistischen Jugendverband für Treffs genutzt wurde.

Das Blockhaus wurde 1933 von den Nationalsozialisten zerstört



Denkmal für die drei Kämpfer

gegen Imperialismus und Krieg für Sozialismus und Frieden
Walter Griesbach war ein Antifaschist und ab 1935 Mitglied der illegalen Inlandleitung der KPD.
Willi Schröder war Mitbegründer der KPD in Mecklenburg, 1944 im KZ Sachsenhausen an einer Blutvergiftung verstorben.
Johanna Beutin, mecklenburgische Widerstandkämpferin gegen Faschismus, erhängte sich 1935 in einer Gefängniszelle im Zuchthaus Bützow - Dreibergen.



Gedenktafel für Karl-Alfred Gedowsky

Gedenktafel für Karl-Alfred Gedowsky (geb. 31.01.1927, hingerichtet 26.03.1952)

Dieses Zeichen der Erinnerung an den ehemaligen Schüler der Güstrower John Brinckman Oberschule (heute Gymnasium) befindet sich seit 2003 rechts vom Eingang an der Ostseite des Gebäudes auf dem Domplatz.

Der 21-jährige Karl-Alfred Gedowsky machte 1948 an der Brinckman-Oberschule das Abitur. Er studierte Deutsch und Sport an der Rostocker Universität und legte 1950 das Lehrerexamen ab. 1951 wurde er mit fünf weiteren Studenten wegen angeblicher Spionage verhaftet und zunächst in Bautzen inhaftiert.

Als „Leiter“ der Gruppe wurde er angeklagt und in Schwerin vor einem Militärtribunal zum Tode verurteilt. Am 26.03.1952 wurde er in Moskau hingerichtet. Auf Antrag des Verbandes ehemaliger Rostocker Studenten wurde Karl-Alfred Gedowsky im Februar 2003 vom Generalstaatsanwalt in Russland rehabilitiert.


Tafel an der Kirche 1954

Walkmühlenstraße 24

Eine Holztafel an dem bescheidenen Haus Nr. 24 in der Walkmühlenstraße erklärt, dass das „Häuschen“ 1954 an dieser Stelle mit Spendenmitteln schwedischer Christen errichtet wurde.

Es diente den im westlichen Güstrow lebenden Mitgliedern der Domgemeinde als christlicher Versammlungsort.

Auf dem Giebel des Hauses war früher ein hölzernes Kreuz angebracht. Eine Glocke hat es an dieser Stelle nicht gegeben.


Glasmalerei von Erwin Fuchs

in der Landesgehörlosenschule Güstrow, Plauer Chaussee

1957 fertigte der schon durch andere Arbeiten mit Güstrow verbundene Künstler Erwin Fuchs im Schulteil des Gebäudekomplexes der heutige Landesgehörlosenschule einen Brunnen vor einer Glasmalerei an.

Der Brunnen ist nicht mehr vorhanden. Nach Auskunft der Denkmalpflege beim Landkreis Güstrow ist die Restaurierung des künstlerischen Werkes (funktionsfähiger Springbrunnen vor der Glasmalerei) des Künstlers Erwin Fuchs, im Rahmen von im Jahre 2007 laufenden Umbau- und Renovierungsarbeiten am Schulgebäude, vorgesehen. Der Teil des Schulgebäudes wurde jedoch abgerissen, die Glasmalereien sind in einem Keller des Schulgebäudes gesichert verwahrt (Stand 2022. Auskunft Schulleiterin Frau Fischer)

Letzte Information:2022 befanden sich die ausgebauten Teile des Denkmals nach Auskunft der Schulleiterin geschützt verwahrt in einem Kellerraum des Gebäudes.



Mosaik Wandbild - Landesgehörlosenschule

Mosaik Wandbild im Eingangsbereich der Landesgehörlosenschule in Güstrow, Plauer Chaussee

Im Foyer des Hauptgebäudes befindet sich ein großes Wandbild aus Mosaiksteinchen, das von der Malerin und Grafikerin Vera Kopetz entworfen wurde. Diese Malerin und Grafikerin aus Schwerin, entwarf dieses bunte Mosaik in der Gehörlosenschule als Szene einer Schulaufnahme an (Höhe 173 cm, Breite 345 cm).

Die Herstellung des Mosaiks erfolgte 1956.

Nach neuesten Erkenntnissen aus dem Jahre 2016 durch Mosaikkünstler der Firma "Heinrich Jungebloedt Mosaiken" aus Schulzendorf bei Berlin. Diese Erkenntnis ergibt sich nach der Erforschung des Nachlasses durch Klaus Schädel aus Eichwalde bei Berlin. Dunkelrote und braune, meist quadratische Natursteinchen (Smalten) bilden den Hintergrund. Die acht Personen sind deutlich und lebensnahe dargestellt. Die Gesichter sind gut zu erkennen. Das Mosaik befindet sich in einem guten Zustand (2016). Fußboden und Wände der Halle sind mit hellbraunem Marmor ausgelegt, mit dem auch ein erhabener Rahmen das Mosaik umrandet ist.


Mosaikbilder im Ernst-Barlach-Theater

Mosaikbilder im Ernst-Barlach-Theater der Stadt Güstrow, Franz-Parr-Platz

Das Güstrower Theater wurde 1828 seiner Bestimmung übergeben.

Der Demmler-Bau hat zwei Mosaikbilder, die von der der Künstlerin Vera Kopetz entworfen wurden und von Mosaikkünstlern der Firma "Heinrich Jungebloedt Mosaiken" hergestellt wurden.

Sie befinden sich seit 1957 im Güstrower Ernst-Barlach Theater Güstrow links und rechts der Vorbühne des Theaters.

Die Figuren stellen die Kunstrichtungen „Schauspiel“ (Thalia) und „Tanz“ (Terpsychore) dar.

Oberhalb der mittleren Treppe an der Decke befindet sich eine von Vera Kopetz ausgeührte Malerei.

Die Mosaike an den vier Säulen im Foyer sind wahrscheinlich auch von der Fa. "Heinrich Jungebloedt Mosaiken " ausgeführt worden.

Die Mosaikarbeiten und die Malereien wurden während des Umbaus des Theaters zwischen 1955 und 1957 ausgeführt.



Steinerne Reliefs

zum Thema „Bildung und Kultur“ an der Fach-Hochschule für öffentliche Verwaltung, Rechtspflege und Polizei

Außerhalb des Eingangsbereiches des Kultur- und Wirtschaftsgebäudes der ehemaligen Pädagogischen Hochschule (heute Festsaal FHfÖVRP) befinden sich jeweils an der nordöstlichen – bzw. südwestlichen Seite ca. 6,90 m hohe und 2,60 m breite steinerne Backstein-Reliefs des Bildhauers Jo Jastram.

Die Arbeiten wurden durch den Künstler im Jahre 1956/1957 ausgeführt. Links des Eingangsgebäudes sind Volkstänzer und rechts Musiker dargestellt.

Die Bauarbeiten am Gebäude gerieten um 1957 wegen finanzieller Probleme ins Stocken.

Da Jo Jastram für die Vorbereitung der Arbeiten kein atelierähnlicher Raum zur Verfügung stand, diente nach der Erinnerung des Künstlers, der rohbaufertige Festsaal des Kultur –und Wirtschaftsgebäudes als Atelier.

An zwei großen im späteren Festsaal aufgestellten Gestellen formte der Künstler im Winter 1956/1957 zunächst die Reliefs, die danach in handliche und brennfähige Teile zerschnitten wurden, um sie nach dem Brennen zu dem endgültigen Kunstwerk an den beiden Außenwänden zusammenzufügen.



Tanzendes Paar

Das tanzendes Paar in der Südstadt

Die Bronzeplastik von A. Wittig wurde im ersten Güstrower Neubaugebiet der 1960-er Jahre errichtet.

Da diese Zeit voller Optimismus war, strahlten die jugendlichen Tänzer Frohsinn und Jugendfreude aus. Das junge Paar tanzt schon nahezu 50 Jahre und ist immer noch voller Schwung


Wappenfries der Handwerkerschaft

Auf dem Flur der Kongresshalle hing noch in 1950-er Jahren oberhalb der Eingangstüren zur eigentlichen Halle ein Wappenfries mit Symbolen der Handwerkerschaft.

Der ehemalige Innungsmeister des Güstrower Tischlerhandwerks, Herr Dieter Anders, erinnerte sich nach Befragung daran, dass die Innungswappen bei Renovierungsarbeiten von der Wand in der Kongresshalle entfernt wurden und anscheinend entsorgt werden sollten.

Sein Vater habe diese Wappen geborgen und in der eigenen Tischlerei aufgearbeitet. Diese wurden dann später im Saal des „Hauses des Handwerks“ aufgehängt. Dort verblieben sie bis zur Umwidmung des Restaurants zu einer griechischen Nationalitätengaststätte.

Heute hängen 20 Wappen mit Initialen der Handwerkerinnungen im Saal der Güstrower Kreishandwerkerschaft im gleichen Gebäude.



Lenin Denkmal Kaserne Prmerwald

Lenin-Denkmal in der ehemaligen sowjetischen Garnison Primerwald

Das Denkmal wurde 1967 anlässlich des 50. Jahrestages der Oktoberrevolution in Russland auf dem Gelände der sowjetischen Garnison in Güstrow – Primerwald errichtet.

Das Lenin-Denkmal wurde durch den Rat des Kreises und Betriebe der Stadt Güstrow als Geschenk übergeben.

Nach der Wende stand der Gedenkstein noch in dem einstigen Ehrenhain. Die Lenin-Büste war entfernt worden.

Das Gelände ist bis heute weiterhin für die Öffentlichkeit unzugänglich.

Das Denkmal trug damals die folgende Inschrift in kyrillischer Schrift:

Lenin lebte,

Lenin lebt, Lenin wird leben

Friedrich Schult, Nachlassverwalter Barlachs

Ehrengrab der Stadt Güstrow für Friedrich Schult,

(genannt „Lütten Schult“) auf dem Güstrower Friedhof

Friedrich Schult verstarb am 23.06.1978. Das Grab des Freundes und Nachlassverwalters Ernst Barlachs ziert ein Barlach-Relief aus Bronze (1917), es stellt auf drei Bildern „Tod und Leben“ dar.


Gerhard-Papke-Brunnen - Mosaik

Mosaik-Brunnen von Heinrich Jungebloedt (1874 - 1976) in der FHföVPR in der Goldberge Straße

Nach einer Erweiterung des Gebäudekomplexes 1959 wurde im damaligen Pädagogischen Institut ein Pausen-Bereich errichtet, in dem der Mosaik-Brunnen einen zentralen Platz einnimmt.

Der Brunnen wurde in dem rundlichen Teil des Gebäudes nicht etwa erst später eingepasst, sondern der Brunnen ist erkennbar das architektonisch bestimmende Element des Bauwerkes zwischen dem Verwaltungsteil und den Hörsälen und Klassenräumen der pädagogischen Einrichtung gewesen und geblieben.

Der Brunnen bestimmte die Gestaltung des Bereiches, der durch die vollständige Verglasung und breiten Holzrahmen eine beeindruckende Wirkung von Sonnenlicht, Schatten und plätscherndem Wasser in dem Raum erzeugt.

Die Brunnenschale hat einen Durchmesser von ca. 300 cm und steht auf einer runden Platte, die ca. 12 cm hoch ist und einen Durchmesser von ca. 400 cm hat. Der obere Rand der Brunnenschale ist ca. 25 cm breit und wie auch die äußere Schale und die Grundplatte aus Beton.

Der als Mosaik ausgeführte innere Teil der Brunnenschale mit einem Durchmesse von ca. 250 cm ist zum größten Teil mit türkisfarbenen, unterschiedlichsten Keramikscherben (!) ausgelegt. Mehr oder wenig breite Streifen andersfarbiger, darunter auffällig auch goldfarbene, aus eckigen Materialien gefertigt, durchlaufen gerade, in einem nicht strengen Muster den Boden der Brunnenschale.

Der Brunnen, der von dem seinerzeit bekanntesten deutschen Mosaizisten Heinrich Jungebloedt aus Schulzendorf bei Berlin gestaltet wurde, enthält keine Signatur.

Unterhalb des Brunnens ist eine kleine Stele mit einem Messingschild angeordnet auf dem die Bezeichnung „Gerhard-Papke-Brunnen“ geschrieben steht. Herr Gerhard Papke hatte sich langjährig (schon zu DDR-Zeiten und auch nach der Wende) um die unter Denkmalschutz stehende größte Güstrower Liegenschaft verdient gemacht.


Archimedes - auf dem Markt

Bronzeplastik Archimedes, auf dem Markt zu Güstrow, gegenüber vom Hotel „Stadt Güstrow“

Zum 750-jährigen Stadtjubiläum 1978 wurde der Markt umgestaltet. Diese Plastik Archimedes entstand 1976 als Auftragswerk für den Universitätscampus Würzburg. 1977/78 hat der Künstler noch vier weitere nicht identische Varianten von „Archimedes“ geschaffen.

Eine davon steht seit 1978 auf dem Markt zu Güstrow an der Nordseite der Pfarrkirche Sankt Marien. Archimedes, der berühmte Gelehrte der Antike, der 212 v.u.Z. lebte, ist bekannt für seine Leistungen auf den Gebieten Astronomie, Geometrie, Arithmetik und Mechanik. Die Bronzeplastik verkörpert einen nachdenklichen Archimedes.

Zur Freude der Güstrower und ihrer Besucher wurden Ende Juni 2006 notwendige Reparaturarbeiten am Sockel ausgeführt.



Marktbrunnen

Der Brunnen war eine Arbeit des Magdeburger Metallgestalter Josef Bzdok.

Er war 3,0 m hoch und der Durchmesser des Brunnenbeckens betrug 4,5 m.

Der Brunnen war das moderne Schmuckelement im altstädtischen Ensemble, das durch die klassizistische Fassade des Rathauses geprägt wird.

Er ist 1978 zur 750-Jahrfeier Güstrows errichtet worden. Die Architektur des Brunnens sollte sich in das Stadtbild als belebendes Element einfügen. In der Ruhestellung, also ohne sprudelndes Wasser, sollte er eine stilisierte Pflanze darstellen.

Der Brunnen benötigte zum Betrieb stündlich eine Wassermenge zwischen 70-80 Kubikmeter, die aus dem Trinkwassernetz bereitgestellt wurde.

Wegen technischer Mängel wurde der Brunnen 1992 demontiert und zum Stadtbauhof in die Lange Stege verbracht, wo er noch 2020 stand. Inzwischen hat er einen sehr geeigneten Standort in der Ruhezone des linken Bereiches der Wohnanlage in der Armesünderstraße gefunden.

Bild vom neuen Standort einfügen!

Tierstele auf dem Markt

Tierstele auf der Nordseite des Marktes

Die 2 m hohe steinerne Stele von Lothar Rechtarcek wurde 1976 aufgestellt. Sie zeigt Tiere Europas, wie z. B. Bär und Fischotter.

Holzplastik in der Sportgaststätte

Holzplastik in der Sportgaststätte des VfL Grün - Gold Güstrow

Auf diese Holzarbeit wurden wir durch eine Güstrowerin aufmerksam gemacht, die diese 1989 in dem Ausstellungsraum gesehen hatte. Nach unserer Kenntnis hatten die damals stadtbekannten Firmeninhaber Werner Bruchhäuser und Sohn Axel, das Gebäude in dem sich die Holzplastik befindet, als soziale und kulturelle Einrichtung (Kantine) für die Beschäftigten, sowie mit einem Ausstellungsraum für Polstermöbel ihres Betriebes errichtet und genutzt.

Die Nutzung der Räume konnte teilweise auch durch die Sportler der damaligen „BSG Einheit“ erfolgen.

Wir haben nach den beiden Künstlern, Leni Menge (inzwischen Schamal) und Ernst Löber, deren Namen deutlich in die Holzplastik eingearbeitet wurden, gesucht und dabei folgende Erkenntnisse gewonnen.

Leni Schamal und Ernst Löber sind Geschwister und 1938 bzw. 1935 geboren und entstammen einer Ahrenshooper Künstlerfamilie. Der Vater war Bildhauer und die Mutter Malerin. Währen sich Leni der künstlerischen Gestaltung mit Hölzern widmete, entwickelte Ernst eine Behandlungstechnik der Hölzer mit Feuer, wobei die Asche schließlich von dem angebrannten Holz abgebürstet und dieses anschließend poliert wurde. Die Idee, so eine Arbeit in seinem Möbelausstellungsraum durch die Künstler gestalten zu lassen, hatte Werner Bruchhäuser bei einem Besuch in Ahrenshoop, wo er eine Holzplastik der beiden Künstler im damaligen Reisebüro entdeckte.

Die Verbindung zwischen der Natur und dem Tischlerhandwerk wurde durch Baumscheiben, Bohlen und Teile einer Hobelbank aus dem Bruchhäuser‘schen Unternehmen von den Künstlern allegorisch dargestellt.

Ernst Löber erzählte uns, dass seine Eltern und Geschwister stets eine große Verehrung für das Werk Ernst Barlachs hegten und es für seine Schwester und ihn eine ehrenvolle Aufgabe war, die Holzarbeit für die Fa. Bruchhäuser und Sohn KG, damals in Güstrow ausführen zu dürfen.

Ernst Löber zitierte für uns Ernst Barlach
„Zur Kunst gehören zwei, einer, der sie macht, und einer der sie braucht.“ Wir bekamen bei unseren Recherchen heraus, dass die Plastik von den beiden Künstlern Leni Menge und Ernst Löber teilweise vor Ort hergestellt wurde.

Gedenkstein für Willi Schröder

Gedenkstein für Willi Schröder auf dem Nachtigallenberg

Der Gedenkstein am Weg zwischen Gymnasium und Hansenstraße erinnert an Willi Schröder, einen Antifaschisten,

der am 09.02.1897 in Schorrentin bei Neukalen geboren wurde und am 27.10.1944 im Konzentrationslager Sachsenhausen starb.

Der Sohn eines Land- und Hafenarbeiters besuchte die Schule in Rostock, als Soldat des I. Weltkrieges verwundet; beteiligte sich an der Novemberrevolution 1918;

Mitglied der USPD; wurde um 1924 zu vier Jahren Zuchthaus verurteilt; baute nach seiner Entlassung in Mecklenburg den Rotfrontkämpferbund auf; als Mitglied der KPD 1929 - 1933 im Kampf gegen den erstarkenden Hitlerfaschismus;

1929 und 1932 Mitglied des Landtages von Mecklenburg-Schwerin; war einer der Vorsitzenden des sechsten Landtages; von 1927 - 1933 im Rostocker Stadtparlament.

Er war mit führend bei der Organisation des Widerstandes gegen die Nazidiktatur; 1933 verhaftet und 1935 zu drei Jahren Zuchthaus verurteilt; nach Haft in Bützow-Dreibergen ab 1937 bis zu seinem Tod im KZ Sachsenhausen.

Der FDJ Grundorganisation der EOS „John Brinckman“ wurde 1969 der Name „Willi Schröder“ verliehen.


Unsere Studien zu Denkmalen führten uns zu der Erkenntnis, dass derselbe Stein

ursprünglich die Inschrift Ernst Lintz 1868 – 1909 trug. Der Stein wurde zunächst anlässlich des Todes von Ernst Lintz, der damit als verdienstvolles Mitglied der Güstrower Schützenzunft geehrt wurde, vor der Südseite des damaligen Schützenhauses aufgestellt.

Die Jahresdaten benannten, nach Informationen des Urenkels des Geehrten, Herrn Christian Lintz aus Celle, den Zeitraum der Zugehörigkeit des Hof- Maurermeisters zur Güstrower Schützenzunft von 1441.

Ernst Lintz war auch Vorstand der Freiwilligen Feuerwehr der Stadt Güstrow und Vorsitzender des Landesfeuerwehrverbandes sowie Bruder der Güstrower Freimaurer-Loge „Phoebus Apollo“. Diese Bruderschaft bestellte 1880 einen Bechstein-Flügel für das Logenhaus, der 1884 ausgeliefert wurde und 120 Jahre im gleichen Raum stand.

In dem Zeitraum von 2004 bis 2005 ermöglichte sein Urenkel, Christian Lintz aus Celle, die Reparatur des Flügels durch das Piano-Haus Kunze aus Alt Meteln.

Wir konnten durch Befragung eines Anwohners erfahren, dass der Stein nach dessen Erinnerung zuletzt ohne Sockel unbeachtet in der Nähe seines Gartengrundstückes am östlichen Rand des damaligen Schützenplatzes lag.

Dorthin war er nach unserer Erkenntnis nach vorherigen achtlosen Umsetzungen von der GST geräumt worden. Von dort war der Stein im Sommer 1978 von Mitgliedern der Patenbrigade aus der Schlosserei im Düngerstreuerbau des VEB Landmaschinenbaus, im Rahmen der Patenschaftsarbeit mit einer 10. Klasse (10N1 oder 10S) der Oberschule, zum Nachtigallenberg in die Nähe des jetzigen Spielplatzes, transportiert worden.

Die Patenklasse hatte die Jahresaufgabe, eine Ehrung für Willi Schröder, dessen Namen die FDJ-Grundorganisation der EOS seit 1969 trug, mit der Errichtung eines Gedenksteins vor der Schule zum 25-jährigen Bestehen der Schule vorzubereiten.

Am 01.07.1978 wurde der Gedenkstein im Rahmen der Festwoche zum 750. Stadt- und zum 25. Schuljubiläum vor der Schule eingeweiht. Die Festrede hielt Dr. Klaus Sorgenicht, der nach dem Krieg der erste Bürgermeister Güstrows war. 1978 war Dr. Sorgenicht Mitglied des Staatsrates und Leiter der Abteilung Staats- und Rechtsfragen des Zentralkomitees (ZK) der Sozialistischen Einheitspartei Deutschlands (SED).

Der Stein könnte zunächst für einen Findling gehalten worden sein, weil die alte Widmung auf dem sicherlich stark verschmutzten Stein erst nach dessen gründlicher Reinigung bemerkt, ignoriert und entfernt wurde. Diese Vorgehensweise widerspricht den Grundsätzen im Umgang mit Zeugnissen der Zeitgeschichte.

Vorschlag: Für Ernst Lintz sollten Schützenverein und Freiwillige Feuerwehr wieder eine Gedenktafel am Schützenhaus oder an dem ehemaligen Spritzenhaus errichten.



Gedenkstein Artur Becker

Der Gedenkstein für Artur Becker stand zunächst rechts unter der Platane, neben der einstmaligen Artur-Becker-Schule in der Hafenstraße. Dann wurde er vor das Schulgebäude der Grundschule am Hasenberge in die Hamburger Straße versetzt, weil diese Schule bis zur Wende den Namen Artur- Becker-Schule führte.

Die Inschrift auf dem Gedenkstein wurde einst von Güstrower Steinmetzen des VEB Stadtwirtschaft eingemeißelt und ist inzwischen mutwillig beschädigt worden und dadurch nahezu unleserlich.

Der Stein ist in dieser Form kein Gedenkstein mehr. Warum wird das Andenken an Artur Becker nicht aufrechterhalten?


Zur Erinnerung

Artur Becker (* 12. Mai 1905 in Remscheid; † 16. Mai 1938 in Burgos, Spanien) war ein Funktionär des Kommunistischen Jugendverbandes Deutschlands (KJVD), Spanienkämpfer und Widerstandskämpfer gegen den Nationalsozialismus.

Er trat als Jugendlicher 1919 der Freien Sozialistischen Jugend, 1920 dem Kommunistischen Jugendverband und 1922 der Kommunistische Partei Deutschlands (KPD) bei. In der Zeit der Besetzung des Ruhrgebietes war er am aktiven Widerstand beteiligt.

Seit 1926 war er als Politiker tätig, zunächst als Leiter der kommunistischen Jugend am Niederrhein (1926 bis 1928), ab 1928 als Mitglied des Exekutivkomitees der Kommunistischen Jugendinternationale, vom September 1930 bis 31. März 1933 als (jüngstes) Mitglied des Deutschen Reichstages (für den Wahlkreis Düsseldorf-West) und 1931 bis 1932 als Vorsitzender des Zentralkomitees des Kommunistischen Jugendverbandes Deutschlands. Mit der Verfolgung der politischen Gegner durch die Nationalsozialisten war er 1933 zur Emigration gezwungen. Er floh nach Moskau.

Später organisierte er den Kampf für die Spanische Republik. Ab August 1937 nahm er an den bewaffneten Kämpfen teil, ab Frühjahr 1938 als Politkommissar des Thälmann-Bataillons der Internationalen Brigaden.

Am 1. April 1938 geriet er verwundet in Gefangenschaft der Franco-Truppen. Nach mehrwöchigen Verhören wurde er am 16. Mai 1938 im Zuchthaus Burgos erschossen. Wahrscheinlich war er von den eigenen Leuten denunziert worden.

(vgl. Walter Janka „Spuren eines Lebens“. 170 ff.)

Nach dem Ende des Nationalsozialismus erfuhr Artur Becker in der DDR umfassende Ehrungen. Nach ihm wurden Straßen und Schulen benannt. Die Jugendorganisation Freie Deutsche Jugend verlieh seit 1960 die Artur-Becker-Medaille in Gold, Silber und Bronze für hervorragende Leistungen im sozialistischen Jugendverband.

Nach dem Ende der DDR wurden nach Artur Becker benannte Objekte und Straßen weitgehend umbenannt. (Quelle Wikipedia)

Tafel für Dr. Georg Benjamin

Gedenkstein für Dr. Georg Benjamin vor der ehemaligen Medizinischen Fachschule in der Gustav-Adolf-Straße

Die Medizinische Fachschule am Güstrower Krankenhaus erhielt am 12.09.1979 den Namen „Dr. Georg Benjamin“.

Nach einem zunächst begonnenen Mathematikstudium wurde er Soldat des 1. Weltkrieges. 1918 setzte er sein Studium als Medizinstudent fort und trat 1920 der Unabhängigen Sozialdemokratischen Partei Deutschlands (USPD) bei.

1923 Promotion zum Doktor der Medizin. Der kommunistische deutsche Arzt jüdischer Herkunft war bis 1931 Schul- und Säuglinsfürsorgearzt und Kommunalpolitiker der KPD in Berlin. Nach mehreren Verhaftungen und Zuchthausaufenthalt wurde er am 26.08.1944 im Konzentrationslager Mauthausen ermordet.

Die Gedenktafel wurde nach der Wende von Unbekannten „entsorgt“.

Hain mit Gedenkstein

Thälmann-Dimitroff-Hain, Südstadt III. Bauabschnitt

Dieser Hain und die beiden benachbarten Schulen, die einmal die Namen Ernst Thälmanns und Georgi Dimitroffs trugen, waren dem Andenken an diese beiden Arbeiterführer gewidmet.

Das Denkmal blieb erhalten, während die beiden Schulen zu einer Schule vereinigt wurden, die nun die Bezeichnung 5. Regionalschule trägt.

Die beiden früheren Namengeber waren Antifaschisten und vertraten die Interessen der Arbeiterklasse. Thälmann war Kriegsgegner und wurde 1919 zum ersten Vorsitzenden der USPD in Hamburg gewählt. Von 1919 bis 1933 ist er Mitglied der Hamburger Bürgerschaft. 1921 wird er in den Vorstand der Kommunistischen Partei in Hamburg gewählt. Von 1924 bis 1933 ist Thälmann Mitglied des Reichstages. Von 1925 bis 1933 ist Thälmann Vorsitzender der KPD. 1933 wird er verhaftet und des Hochverrats angeklagt. Von 1933 bis 1937 sitzt er im Gefängnis Moabit ein. Obwohl der Prozess gegen Thälmann eingestellt wurde, wird er weiter bis 1944 in verschiedenen Gefängnissen in Schutzhaft festgehalten. 1944 werden auch seine Tochter und seine Frau verhaftet und in das KZ Ravensbrück eingewiesen.

Am 18. August 1944 wird Ernst Thälmann in der Nacht in Buchenwald erschossen. Seine Leiche wird sofort im Krematorium verbrannt. Wenige Wochen später behauptet die nationalsozialistische Propaganda, Thälmann wäre bei einem Bombenangriff am 24. August ums Leben gekommen.

1958 wurde in der DDR die Jugendorganisation "Junge Pioniere" für Kinder gegründet und erhielt zur Ehrung seines Vermächtnisses den Namen Pionierorganisation Ernst Thälmann. Am 27. Februar 1933 stand das Reichstagsgebäude in Berlin in Flammen. Die Nazis behaupteten sofort, die Kommunisten hätten den Brand als Signal für den „Kommunistischen Aufstand“ gelegt. Noch in derselben Nacht verhafteten die Nazis nach vorbereiteten Listen zehntausende aufrechte Demokraten, Antifaschisten, Sozialdemokraten und Kommunisten.

Am 9. März 1933 verhafteten sie auch Dimitroff unter dem Vorwand, er sei an der Brandstiftung beteiligt gewesen. „Im Namen des Volkes“ hatten die Nazis Dimitroff gefesselt und vors Gericht gezerrt. Nach monatelangem Prozess mussten die Nazis Dimitroff, unter dem Druck stürmischer Demonstrationen auf der ganzen Welt, freilassen. Die Schlussrede Dimitroffs im Prozess war nicht nur eine Anklagerede gegen die Nazis, sie war auch ein leidenschaftlicher Aufruf zum Kampf für die Einheit der Arbeiterklasse gegen Faschismus und Krieg.

1946 wurde Dimitroff zum Ministerpräsidenten der Volksrepublik Bulgarien gewählt. Dieses Amt übte er bis zu seinem Tod, am 2. Juli 1949, aus. Die Namen der beiden Schulen wurden nach der Wende geändert. Der Hain mit einem Gedenkstein blieb erhalten.



Gedenktafeln am Gasthaus in Bölkow

Gedenktafeln am Gasthaus in Bölkow und in der Bülower Str. in Güstrow

Die Tafel erinnerte von 1987 bis zur Wende an die Durchführung des 1. Lehrgangs der Bezirksleitung Mecklenburg, der Kommunistischen Partei Deutschlands, vom 07. bis 13.08.1927.

Teilnehmer oder Lehrer des Lehrgangs waren u. a. Bernhard Quandt, Ernst Bruhns, Willi Schröder, Hermann Schult, Else Warczycek, Gustav Sobottka, Hermann Duncker, Heinrich Rau, Ernst Goldenbaum. Nach der Wende wurde diese Tafel entfernt.


Den Opfern der Gewalt 1949 – 1989

Gedenkstein „Den Opfern der Gewalt 1949 – 1989“, in der Neukruger Str.

Am 21.12.1984 wurden die beiden Güstrower Bürger

U. Siatkowski, geb. 02.09.1954, gest. 22.12.1984

und

W. D. Runge, geb. 24.08.1954, gest. 24.12.1984

durch einen Offizier der Staatssicherheit (Wachmann Funk) angeschossen und verstarben an diesen Schussverletzungen.

Ihnen und anderen Opfern zur Erinnerung wurde am 21.12.1989 dieser Gedenkstein unter großer Anteilnahme der Güstrower Bevölkerung errichtet.

Ein Ermittlungsverfahren gegen den Verantwortlichen wurde aus Mangel an Tatverdacht durch die DDR-Behörden eingestellt.

1996 verurteilt das Landgericht Berlin die ehemaligen DDR-Militärstaatsanwälte „Im Namen des Volkes“ zu Bewährungsstrafen von 6 bzw. 18 Monaten Haft.



Linde zur Einheit 1990

Linde auf dem Franz-Parr-Platz

Zur Erinnerung an das Ereignis der deutschen Einheit am 03.10.1990 wurde diese Linde von Bürgermeister Lothar Fila aus Güstrow und seinem Amtskollegen Oberbürgermeister Manfred Scherrer aus der Partnerstadt Neuwied gepflanzt.

Zwischen Neuwied und Güstrow bestand seit dem 01.03.1989 eine deutsch- deutsche Städtepartnerschaft, deren Fortführung nach der Vereinigung mit einem Nachvertrag vom 09.05.1992 durch die Bürgermeister Fila und Scherrer im Namen ihrer Städte bestätigt wurde.

An dem Ort der Erinnerung befindet sich kein Hinweis auf die symbolische Pflanzung „des Baumes der deutschen Einheit und Partnerschaft zwischen Neuwied und Güstrow“ (siehe chronologische Dokumentation 10 Jahre Städtepartnerschaft Güstrow–Neuwied)


Barlach-Stele, Diestelberg

Zum Andenken an den bekannten Bildhauer Ernst Barlach schuf der Bildhauerkollege Klaus Freytag eine Stele

für den Bereich des Wohngebietes Distelberg, die 1996 an der Einmündung der Ahornpromenade in die Niklotstraße aufgestellt wurde.

“Wahrhaftiges, gehauen aus sprödem Sandstein“, titelte die Schweriner Volkszeitung vom 01.02.1996 dieses Ereignis.

Klaus Freytag wurde 1951 in Gräfenthal/Thüringen geboren und erlernte von 1968 bis 1972 in Meißen den Beruf des Porzelanmodelleurs. Es folgte ein Studium an der Hochschule für Bildende Künste Dresden im Fach Plastik. Seit 1977 in Dresden freischaffend tätig, ab 1980 „Mecklenburger“.

(Der Zustand des Platzes an dem dies "Denkmal" steht und das "Denkmal" selbst, haben m. E. in keiner Weise eine Würdigung Barlachs dargestellt.)


Anmerkungen von Dieter Kölpien (Frühjahr 2019)

Als gebürtiger Güstrower möchte ich mich an dieser Stelle auch zu der öffentlichen Diskussion einer Umgestaltung des Marktes unter Einbeziehung einer Barlach-Skulptur äußern. Wir haben in der Barlachstadt Güstrow zwei museale Einrichtungen und das Ernst-Barlach-Theater und seinen "Schwebenden" im Dom, diese Stätten würdigen in hervorragender Weise das Andenken an den Künstler Ernst Barlach. Diese historisch gewachsenen Einrichtungen werden durch die Barlach-Stiftung, den Landkreis und die Kirche mit höchstem Sachverstand durch qualifizierte Mitarbeiter geführt. Aus meiner Sicht verbietet sich eine Nachbildung einer Barlach-Skulptur durch einen Bildkünstler in Güstrow. Barlach kann auf diese Weise nicht geehrt werden und hätte einer Entscheidung in dieser Form widersprochen. Diese ablehnende Haltung hat sich bei mir durch eine intensive Beschäftigung mit Barlachs Leben in Güstrow herausgebildet.

Zur Erinnerung

Barlach lebte ab 1910 gemeinsam mit seiner Mutter und seinem Sohn zurückgezogen in Güstrow. Der Künstler kümmerte sich um seine Kunstwerke und mied die Öffentlichkeit. Das Verhältnis zu den Güstrowern war distanziert. Dennoch war er der Stadtverwaltung gegenüber in irgendeiner Weise dankbar und schenkte der Stadt die Kleinplastik “Dorfgeiger“, die Bernhard A. Böhmer am 30.07.1931 an den damaligen Bürgermeister Dr. Heydemann überreichte. Heydemann bedankte sich schriftlich für das selbstlose Geschenk. Es fand einen repräsentativen Platz im Rathaus.

Der Rat der Stadt Güstrow hatte zuvor 1930(!) den Beschluss gefasst, den Birkenweg am Inselsee-Kanal als Ernst-Barlach-Weg zu benennen.

Für die beabsichtigte Ehrung bedankte sich Barlach in einem Brief, lehnte sie jedoch dauerhaft ab. Der spätere NS-Bürgermeister Lemm ließ das Barlach-Geschenk „Dorfgeiger“ für wenig Geld verschachern und buchte den Erlös zugunsten der als Ahnenhalle umgestalteten Gertruden-Kapelle. Nach dem Kriege setzte sich die Stadt über Barlachs Willen hinweg. Der Weg wurde zum Barlach-Weg umgewidmet.

Die Universität Rostock bot Barlach die Ehrendoktorwürde an, er bedankte sich und schlug diese aus. Ich wage zu behaupten, dass der bescheidene Barlach es auch abgelehnt hätte, Ehrenbürger der Stadt Güstrow zu werden und auch einer Namensgebung Barlachstadt Güstrow nicht zugestimmt hätte. Dieser Künstler war nicht eitel und wünschte sich in aller Bescheidenheit kreativ arbeiten zu können. Seine ablehnenden Reaktionen auf zuvor beabsichtigte öffentliche Ehrungen lassen diesen Schluss zu. Barlach wollte in Ruhe und Zurückgezogenheit in Güstrow leben und arbeiten, dass sollte dauerhaft respektiert werden.

Der Bürgermeister und die Barlach-Stiftung sollten reges Interesse daran zeigen, mit dem derzeitigen Eigentümer des „Dorfgeigers“ in Verbindung zu treten, um einen Rückkauf zu versuchen. Der „Dorfgeiger“ (ggf. auch eine Abformung) könnte dann wieder an seinem alten Platz im Rathaus aufgestellt werden.

Dieses wäre mit Sicherheit nicht nur eine bedeutende historische Geste gegenüber Barlach, sondern auch eine von Barlach geschätzte Ehrung.



Städtepartnerschaft Güstrow Kronshagen

Stein zur Erinnerung an die Städtepartnerschaft Güstrow Kronshagen, errichtet 23.06.2007 im Rosengarten

Seit dem 23.06.2007 soll der Gedenkstein im Rosengarten (in der Nähe der Fußgängerampelanlage) an die seit 15 Jahren bestehende lebendige Städtepartnerschaft zwischen Kronshagen (Schleswig-Holstein) und Güstrow (Mecklenburg-Vorpommern) erinnern.

Als der Partnerschaftsvertrag 1992 unterschrieben wurde, steckten sich die Beteiligten das Ziel, dass sich die Menschen in Ost und West näherkommen sollten. Heute bestehen vielfältige Beziehungen zwischen Kirchen und Vereinen beider Städte.


Skulptur hinter dem Bürgerhaus

Skulptur im Park hinter dem Bürgerhaus

Der Künstler Peter Lewandowski lebt in der Nähe von Güstrow.

Die Travertinskulptur (Mutter mit Kind?) wurde 1999 im Park des Güstrower Bürgerhauses errichtet.

„Die Konfrontation zwischen belebter und unbelebter Natur, wie sie sich im bildhauerischen Akt offenbart, die Metamorphose des Steines in Figur und umgekehrt, ist eines der großen Themen des Bildhauers Lewandowski. Zunehmende Abstraktion steigert die Universalität der Aussage und die Entdeckung des Winkelschleifers als Arbeitsinstrument - wodurch die Arbeit für Künstler und Stein gefährlicher und brisanter wird - führt zu ihrer Radikalisierung.“

(aus: „Die Steine“ von Regina Erbentraut)

3 Figuren vor dem Museum

Figuren vor dem Museum, Güstrow, Franz-Parr-Platz

Diese 3 Figuren aus Sandstein sind 1993 als Auftragswerk von Erika Wolf für die Güstrower Nordstadt entstanden.

Eine Aufstellung erfolgte erst 2000 am heutigen Standort.

Eines Morgens lagen sie umgestürzt auf dem Boden. Weshalb dieses geistlose absichtliche Zerstörungswerk?


Der Stier von Güstrow

Der Stier von Güstrow, Kreisverkehr Güstrow-Bauhof

Diese Bronzeskulptur von Michael Mohns, „Stier zu Güstrow“, wurde mit der Einrichtung des Kreisverkehrs in Güstrow-Bauhof im Frühjahr 2000 aufgestellt.

Der 1955 in Berlin geborene Bildhauer Michael Mohns erhielt seine künstlerische Ausbildung von 1981 bis 1984 an der Kunsthochschule Berlin-Weißensee und ist seitdem als Bildhauer tätig.

Er lebt in Tarnow bei Bützow und ist zurzeit Vorsitzender des Künstlerverbandes Mecklenburg und Vorpommern e. V. im BBK.

Die Skulptur wurde von den an der Entwicklung und Bebauung des Wohngebietes am südwestlichen Teil Güstrows beteiligten Firmen als Auftragswerk (50.000 DM) gestiftet.

Stifter-Firmen: CKS Wohnungs- und Gewerbebau GmbH, Güstrower Baugesellschaft mbH, Strüwing – Bau- und Immobilien GmbH, Ingenieurbüro KULTA GmbH, Jahnke und Schuller GmbH, Deutsche Bau- und Grundstücks-AG.)

Der Stier wurde schon mehrfach von Kunstrowdies mit Farbe beschmiert.



Würfel aus Beton – Verkehrsinsel

Auf Stahlstützen ruhender Würfel aus Beton, Verkehrsinsel Südstadt

Entwurf von dem Schüler Henry Bernardt -Schülerwettbewerb 2002/2003-.



Denkmal für die Totgeborenen

Seit einiger Zeit befindet sich auf dem Friedhof eine Grabstätte, auf der tote Kinder mit einem Geburtsgewicht unter 500 Gramm bestattet werden können.

Derartige Grabanlagen, die als Schmetterlingsgräber bezeichnet werden, sind ein noch recht neuer Teil der Begräbniskultur. Die Sensibilität für dieses Thema ist gerade erst erwacht. Von den Schmetterlingen wurde der Name für diese Grabstellen entlehnt, weil die zarten Falter in vielem an früh gestorbene Kinder erinnern. Schmetterlinge sind Inbegriff für Anmut und Schönheit und vermitteln Lebensfreude. So schön sie sind, so schnell sind sie auch wieder davon.

Zu spät haben oft die Eltern nach einer Früh- oder Fehlgeburt daran gedacht: Was passiert mit meinem Kind? Wo ist es? Die Grünfläche mit der Stele in der Mitte können nun die Eltern als Gedenkort nutzen. Im Jahre 2004 wurde die Grabstätte eingerichtet und geweiht.

Das Denkmal wurde von dem Bildhauer Günter Kaden aus Wendischhagen in Mecklenburg geschaffen. Kaden wurde 1941 in Leipzig geboren, erlernte den Beruf des Steinmetzers und arbeitete zunächst bei einem Bildhauermeister. Nach Abitur und Studium an der Kunsthochschule Giebichenstein Halle/Saale bei den Professoren G. Lichtenfeld und W. Sitte absolvierte er 1972 als Diplom-Bildhauer. Von 1972 bis 1975 war er künstlerischer Leiter der Restaurierungsarbeiten an der gotischen St-Moritz-Kirche in Halle/Saale. Seit 1973 arbeitete Kaden in Projektgruppen für architekturbezogene Kunst.

Seit 1979 lebt er in Wendischhagen und arbeitet freiberuflich als Bildhauer. Der Künstler erläuterte uns seine Skulptur persönlich: “Der Verlust eines geliebten Menschen ist immer schmerzlich. Wenn aber ein Kind, noch bevor es das Licht der Welt erblickt hat, stirbt, ist die Trauer umso größer. Ich versuche mit meinem Kunstwerk den schützenden Raum des ungeborenen Lebens darzustellen. Die Form des hellgrünen Steines könnte die Bewegung von Händen darstellen oder den weiblichen Uterus symbolisieren.

Das Labyrinth ist seit Jahrtausenden ein christliches Symbol für den Wandel, für Werden und Vergehen. Berühmt ist z. B. das Labyrinth als Fußbodenmosaik in der Kathedrale von Chartres. Die hellen lichten Farben stehen für die Unschuld des Kindes und das Labyrinth für das Werden und Vergehen des Lebens und für die Unverletzlichkeit und Unsterblichkeit der Seele. Diese Gewissheit könnte Trauernden Trost spenden und neue Hoffnung geben.“ (Günter Kaden)


Affengruppe

Affengruppe, Südstadt III. Bauabschnitt

Die Betonplastik „Die Affen“ wurde von dem Künstler H. Stierling geschaffen.

Die Plastik fand in erster Linie das Interesse der Kinder und diente als Spielgerät.

Diese Plastik gibt es in mehreren Städten - z. B. auch in den Erfurter Parkanlagen.



Synagoge im Krönchenhagen

Erinnerung an die Zerstörung der jüdischen Synagoge im Krönchenhagen

Seit dem 18.08.2006 erinnert eine Inschrift im Gehweg der Straße „Krönchenhagen“ an den Standort der ehemaligen jüdischen Synagoge in Güstrow.

Das jüdische Versammlungs- und Gotteshaus für Gebet, Schriftstudium und Unterweisung der Gemeindemitglieder war am 28.08.1829 eingeweiht worden.

Historisch gibt es diese Versammlungsräume, der Tradition nach, seit der Zerstörung des Tempels in Jerusalem und der dann folgenden Babylonischen Gefangenschaft des jüdischen Volkes 586 - 539 vor Christi. Synagogen dienen nicht nur zum jüdischen Gottesdienst, sondern auch für Gemeindeveranstaltungen, Erwachsenenbildung und als Hebräischschule für schulpflichtige Kinder. (Wikipedia).


Am 24.04.1938 gehörten der jüdischen mecklenburgischen Landesgemeinde 44 Güstrower Juden an. Die Synagoge wurde in der Nacht vom 09. zum 10.11.1938 in Brand gesetzt und staatlich gebilligt abgebrannt und zerstört. Die Feuerwehr schützte die angrenzenden Gebäude, deren Einwohner vor der Brandstiftung an der Synagoge gewarnt und zum Schutz ihrer Häuser aufgefordert wurden.

Die Synagoge selbst wurde nicht gelöscht. Gleichzeitig gab es Brandstiftungen an der Trauerhalle auf dem jüdischen Friedhof und an einem jüdischen Geschäftshaus in der Baustraße.

Standorte früherer jüdischer Synagogen waren auf dem heutigen Klosterhof (1300) und Ecke Baustraße/Armesünderstraße (1766) (Nähe ehemaliger Stadtbauhof)

Am 10.07.42 wurden die letzten Juden aus Güstrow in Vernichtungslager abtransportiert.

Am 27.01.1945 wurde das Konzentrationslager Auschwitz befreit.

Seit dem 27.01.2003 wird in Deutschland nach einer Erklärung des Bundespräsidenten Herzog an die Opfer des Nationalsozialismus mit einem „Tag des Gedenkens“ erinnert.



Ginkgo - Lebenshilfe e. V.

Ginkgo auf dem Gelände der Lebenshilfe e. V. in der Güstrower Nordstadt

Anlässlich des 50-jährigen Bestehens freundschaftlicher Beziehungen zwischen den evangelischen Kirchgemeinden der Laudategemeinde Garching bei München und der Pfarrgemeinde Güstrow, Pfarre Gerd-Oemke-Haus, in Güstrow Dettmannsdorf, wurde der Güstrower Gemeinde ein Ginkgo geschenkt,

der am 14.10.2006 auf dem Gelände der Lebenshilfe e. V. gemeinsam von Galchinger und Güstrower Gemeindeangehörigen gepflanzt wurde.

Die Stadt Garching bei München mit den Stadtteilen Dirnismaning, Hochbrück und Forschungsinstitute, liegt im Norden des Landkreises München und gehört zum Regierungsbezirk Oberbayern. Das Stadtgebiet grenzt im Süden an die Landeshauptstadt München, im Westen an die Gemeinde Oberschleißheim, im Norden an die Gemeinde Eching(Landkreis Freising) und im Osten an die Gemeinde Ismaning.

Der Baum stammt ursprünglich aus Ostasien, wo er auch wegen seiner Samen oder als Tempelbaum kultiviert wird. Er wurde von holländischen Seefahrern aus Japan nach Europa gebracht und wird hier seit 1730 n. Chr. als Zierbaum gepflanzt. Sanftheit, Weichheit, Harmonie, Langlebigkeit, Widerstandfähigkeit, Anpassungsfähigkeit führten zu seiner inzwischen weltweiten Beliebtheit.

Zur modernen Mythenbildung hat auch wesentlich die Geschichte des Tempelbaumes in Hiroshima beigetragen, der bei der Atombombenexplosion in Flammen aufging, aber im selben Jahr wieder austrieb und weiterlebte.


Stele für Uwe Johnson

Stele für den Schriftsteller Uwe Johnson auf dem Domplatz

Am 20.07.2007 wurde die Stele des Schriftstellers Uwe Johnson (* 20.07.1934 in Cammin, Pommern; † vermutlich in der Nacht vom 23. zum 24.02.1984 in Sheerness on Sea, auf der Themse-Insel Sheppey, in Kent, England.

Johnson besuchte von 1948 bis 1952 die Oberschule in Güstrow und legte hier die Abiturprüfung ab. Es folgte ein Germanistikstudium in Rostock und Leipzig.

Seine bekanntesten Werke sind “Ingrid Babendererde. Reifeprüfung 1953“, „Mutmaßungen über Jakob“ und das 4-bändige Hauptwerk „Jahrestage“.

Die Stele wurde anlässlich seines 73. Geburtstages von dem Bürgermeister Arne Schuldt und dem Vorsitzenden des Kunst- und Altertumsvereins, Prof. Jan Harff, in Anwesenheit des Schöpfers des Denkmals, Wieland Förster, zahlreicher Güstrower Bürger und Prominenter aus Kultur und Politik, enthüllt.



Neue Kunstwerke in Güstrow==

Bildhauer-Symposium 2009, neue Kunstwerke in Güstrow sind entstanden

Unter dem Motto „Wasser“ arbeiteten im Juni 2009 sechs durch eine Jury ausgewählte Künstler auf dem Gertrudenfriedhof an unterschiedlichsten Kunstwerken, die nun in Abstimmung zwischen Künstlern und Stadtvertretern im öffentlichen Raum unserer Stadt als Dauerleihgaben Aufstellungsorte fanden.

Die Veranstaltung kam durch das Zusammenwirken von Kunst- und Altertumsverein Güstrow e. V. und Ernst Barlachstiftung unter Einbeziehung des Kinder-Jugend-Kunsthauses Güstrow e. V. zustande.