Flurnamen

Aus Ortschroniken
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Bedeutung und Vorkommen

Die Erinnerung an manchen Flurnamen schwindet oder ist schon im örtlichen Gedächtnis verblasst. Jeder Chronist sollte darum die Erinnerung wach halten oder wiederbeleben, denn Flurnamen sind ein Schatz und Teil unseres narrativen, kulturellen Erbes. Aufgrund ihrer Flüchtigkeit der mündlichen Weitergabe, der geringen kommunikativen Reichweite — oft ist eine Bezeichnung für einen Platz nur im Ort, Ortsteil oder gar nur in der Nachbarschaft bekannt — ist der Personenkreis überschaubar, der das Wissen zu den lokalen Ortsbezeichnungen trägt. Verzeichneten in vorherigen Jahrhunderten lokale Karten die wichtigsten Flurnamen, dominieren heute Nummernsysteme für Flure, Flurstücke oder erfolgt die Verortung über Koordinaten.

Flurnamen sind jedoch bedeutsam, liefern sie uns doch vielfältige Hinweise auf:

  • Geographie, Topologie
  • Geologie, Bodenkunde
  • Flora und Fauna
  • Siedlungsformen
  • Landwirtschaftliche Nutzungsformen
  • Geschichte[n] und Ereignisse
  • Eigentümer und Besitzer oder
  • Sprachliche Überlieferungen

Letzteres zeigt sich etwa in der Unmenge an slawischen Bezeichnungen in unserer Gegend, die aus Zeiten vor der einsetzenden deutschen Ostsiedlung im 12. Jahrhundert sich bis in die Gegenwart hinein, wenn auch oft in abgewandelter, verschliffener Form, bewahrt hat.

Eine Übersicht zu Ortschroniken und deren jeweilige Abschnitte, die einen Bezug zu Flurnamen haben oder diese ausführlich auflisten, finden sich in der zugehörigen Kategorie (Verweis am Ende dieser Seite).

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Das Mecklenburgische Flurnamenarchiv (FNA) und seine Digitalisierung

Die Mecklenburgische Flurnamenkommission des Heimatbundes Mecklenburg hat in zwei Kampagnen 1907 und 1923 vor und nach dem ersten Weltkrieg eine systematische Sammlung von Flurnamen in gesamt Mecklenburg initiiert.

Beispiel für die Listen der Flurnamenerfassung, Deckblatt, hier Petschow bei Rostock

In der Zeitschrift Mecklenburg wurde regelmäßig über den erreichten Stand berichtet. Hier ein Bericht aus dem Jahrgang 16 (1921), Seiten 20ff mit einer Übersicht der zum damaligen Zeitpunkt bei der Kommission vorliegenden Orten mit einer Flurnamenerfassung. Leider sind durch Krieg und mehrfache Umzüge viele Teile des Flurnamenarchives verloren gegangen oder verstreut abgelegt. Es gibt immer mal Funde von Kopien oder Vorversionen der Einsendungen in dem einen oder anderen Nachlass eines Beiträgers. Das Flurnamenarchiv ist dankbar für jeden Hinweis.

Das Mecklenburgische Flurnamenarchiv ist heute Bestandteil des Wossidlo-Archives und im Zuge dessen Digitalisierung auch online über WossiDiA zugänglich, wenn auch nicht in der Tiefe erschlossen. Vorbereitet durch die Bachelorarbeit Martin Lichtwarks, wurden wesentliche Teile nicht nur digitalisiert sondern auch ca. 23.000 Flurnamen der vorliegenden Listen transkribiert und ca. 13.000 anhand der Messtischblätter geo-referenziert. Eine Beschreibung des Crowdsourcing-Projektes findet sich in diesem englischsprachigen Foliensatz.

  • Martin Lichtwark, Holger Meyer, Andreas Heuer: Der Einsatz von NoSQL/Graphdatenbanken und Crowd Sourcing am Beispiel des Mecklenburgischen Flurnamenarchives. GI-Jahrestagung 2017: 1137-1148. [1]
  • Martin Lichtwark, Holger Meyer, Andreas Heuer: Einsatzmöglichkeiten von Crowdsourcing im Umfeld des Mecklenburgischen Flurnamenarchivs (Applications of Crowdsourcing in The Mecklenburg Field Name Archive). LWDA 2017: 139. [2]

Das Robert Holsten-Archiv (RHA) der Pommerschen Flurnamen

Eine ähnliche Initiative zur Sammlung von Flurnamen für das Gebiet Pommerns wurde durch Robert Holsten zwischen den Weltkriegen vorangetrieben. Eine Veröffentlichung der pommerschen Flurnamensammlung war für 1942 in Stettin geplant, wurde aber erst postum 1963 bei Böhlau, Köln herausgegeben.

Nachdem viele Jahre die zugehörige Materialsammlung nicht lokalisiert werden konnte, befindet sie sich aktuell an der Universität in Stettin[1]. Die Sprachwissenschaft und Archäologie sind dabei, die Teile der Sammlung zusammen zuführen.

Es gibt Bemühungen über bilaterale Projekte die Flurnamensammlungen für Mecklenburg und (Vor-)Pommern zusammen online darzustellen.

Das Digitale Flurnamenarchiv

ausgelagert auf eine separate Seite

Literatur zur Orts- und Flurnamenforschung

Eine kleine Auswahl regionaler und allgemeiner Literatur soll den Einstieg in die Thematik erleichtern:

  1. Benthien, Bruno: Die historischen Flurformen des südwestlichen Mecklenburg. Schwerin: Petermänken Verlag, 1960.
  2. Clausen, Otto: Flurnamen Schleswig-Holsteins. Rendsburg: Verlag Heinrich Möller Söhne GmbH, 1952.
  3. Endler, Carl August und Johann Ulrich Folkers: Das Mecklenburgische Bauerndorf. Rostock: Hinstorff Verlag, 1930.
  4. Foster, Elzbieta und Cornelia Willich: Ortsnamen und Siedlungsentwicklung — Das nördliche Mecklenburg im Früh- und Hochmittelalter. Stuttgart: Franz Steiner Verlag, 2007.
  5. Greve, Dieter: Ruthen, Hufen und Erben — Vermessung und Kataster in Mecklenburg. Schwerin: cw Verlagsgruppe, 1998.
  6. Greve, Dieter: Flurnamen in Mecklenburg-Vorpommern — mit einem Lexikon der Flurnamenelemente (Flurnamen von A bis Z). Schwerin: Eigenverlag Dieter Greve, 2016.
  7. Holsten, Robert: Die Pommerschen Flurnamensammlung. Köln, Graz: Böhlau Verlag, 1963.
  8. Meinke, Eckhard und Heinrich Tiefenbach (Hrsg.): Mikrotoponyme — Jenaer Symposium, 1. und 2. Oktober 2009. Heidelberg: Universitätsverlag Winter, 2011.
  9. Neumann, Walter: Die Flurnamen des Amtes Grevesmühlen. Dissertation, Philosophische Fakultät, Landesuniversität Rostock, 1931.
  10. Trautmann, Reinhold: Die wendischen Ortsnamen Ostholsteins, Lübecks, Lauenburgs und Mecklenburgs. Neumünster: Karl Wachholtz, 1950.
  11. Vollmann, Remigius: Flurnamen Sammlung. München: Pössenbacher'sche Buchdruckerei und Verlagsanstalt, 1924.
    1. SVZ-Artikel vom 15. Januar 2016