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Verdächtigte Personen haben im Dorf oft eine lange Verdachtskarriere hinter sich. Nachbarn sammeln Beobachtungen über Jahrzehnte, oft über ganze Familien.
 
Verdächtigte Personen haben im Dorf oft eine lange Verdachtskarriere hinter sich. Nachbarn sammeln Beobachtungen über Jahrzehnte, oft über ganze Familien.
 
So wird unerklärliches, unerwartetes Unglück, plötzlich auftretende unheilbare Krankheiten und negative Gefühle, wie Neid, Hass oder Angst, zum Ausgangspunkt der Verdächtigung.
 
So wird unerklärliches, unerwartetes Unglück, plötzlich auftretende unheilbare Krankheiten und negative Gefühle, wie Neid, Hass oder Angst, zum Ausgangspunkt der Verdächtigung.
Wilhelm Meinhold (1797 – 1851) in Netzelkow auf der Insel Usedom geboren, war Pastor von 1821 bis 1827 in Koserow und dann bis 1844 Pastor in Krummin.[https://www.ortschroniken-mv.de/index.php/Wilhelm_Meinhold] So ist es zu erklären, dass er den Zettel im Kirchenarchiv gelesen hat und diese Nachricht ihn angeregt hat über die Zeit und Umstände nachzudenken, um dann den Roman „Die Bernsteinhexe“ zu schreiben.
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Wilhelm Meinhold (1797 – 1851) in [https://www.ortschroniken-mv.de/index.php/Insel_Usedom#Netzelkow_Kirche Netzelkow] auf der Insel Usedom geboren, war Pastor von 1821 bis 1827 in Koserow und dann bis 1844 Pastor in [https://www.ortschroniken-mv.de/index.php/Insel_Usedom#Krummin_Kirche Krummin]. So ist es zu erklären, dass er den Zettel im Kirchenarchiv gelesen hat und diese Nachricht ihn angeregt hat über die Zeit und Umstände nachzudenken, um dann den Roman „Die Bernsteinhexe“ zu schreiben.
 
Doch am Ende des Romans wird das Mädchen nicht dem Feuer übergeben, sondern gerettet.
 
Doch am Ende des Romans wird das Mädchen nicht dem Feuer übergeben, sondern gerettet.
  

Version vom 11. September 2019, 22:32 Uhr

Zempin ist ein staatlich anerkanntes Seebad der - Insel Usedom

in der Mitte der Insel Usedom zwischen Zinnowitz und Koserow. Es gehört zum Kirchspiel Koserow

Zempin, Koserow, Loddin und Ückeritz haben den Werbenamen Bernsteinbäder der Insel Usedom.


Kenndaten des Orts
Name (heute)Zempin (Seebad)
Regionale Einordnung (heute)
Postleitzahl17459
VerwaltungsamtAmt Usedom Süd
LandkreisVorpommern-Greifswald
Zahlen
Einwohner921 (2018)
KoordinatenBreite: 54.0664 / Länge: 13.9542

Geographische Lage





Das Wappen von Zempin

Wappen von Zempin

Das Wappen wurde 1998 unter der Nummer 0156 in die Wappenrolle des Landes eingetragen.

Blasonierung zum Wappen der Gemeinde Seebad Zempin: Das Wappen ist durch einen Wellenschnitt geteilt von Blau und Silber, oben übereinander zwei goldene Sprotten, die untere nach links gewendet, unten ein blauer Zwillingsbalken. Der Graphiker Mathias Zapfe aus Weimar hat dieses Wappen gestaltet.

Ein Fisch steht für das Achterwasser, der andere Fische für die Ostsee. Die Farbe Gold erhielten sie, da viele Räuchereien in Zempin waren und noch heute Fische geräuchert werden.

Kurztext zum Ort

Hafen am Achterwasser
Kurplatz mit Ostseeblick

Zempin – das kleinste Seebad auf Usedom

Zempin hat sein ganz eigenes Gesicht. Die Ersterwähnung erfolgte am 04.07.1571 in der Lassanschen Wasserordnung des Pommernherzog Ernst Ludwig.. Der Ort hat sich aus einem Fischerort am Achterwasser ganz langsam zum Seebad entwickelt. Vieles erinnert noch heute an den Fischerort, so die über 40 rohrgedeckten Häuser im Ortskern und entlang des Achterwassers. Ein kleiner naturbelassener Hafen, an dem noch heute die kleinen Fischerkähne liegen. Daneben hat sich der Anglerverein einen Ausgangspunkt geschaffen. Unter der großen ca. 350 jährigen Eiche kann man sitzen und auf das gegenüberliegende Ufer schauen und den Kirchturm von Lassan entdecken. Viel Grün ist im Ort und auch einige sandige Wege mit Wiesenkräutern. Das Feuerwehrgebäude hat den zentralen Platz bekommen und man sieht, wie es sich Stück um Stück vergrößert hat, so wie das Dorf, ist auch dieses Haus mit seiner Ausrüstung gewachsen. Gegenüber steht die Schule, heute ein Vereinshaus, Fischerstraße 11, mit vielen wechselnden Ausstellungen und den alten Ladenmöbeln des Kaufmannes aus Zempin. Seit Sommer 2000 gehen die wenigen Kinder in die Grundschule nach Koserow. Das Wappen zeigt zwei goldene Fische, einer steht für das Achterwasser und einer für den Strand und viele Fische wurden geräuchert, deshalb die Farbe Gold. Auch heute sind noch eigene Fischräuchereien im Ort und auch Gaststätten, die den eigenen Fang verarbeiten. Am Strand entstanden durch die großen Heringsfänge um 1830 die Salzhütten, in denen das steuerfreie Salz aufbewahrt wurde. Diese zerfallenen Gebäude machten Platz für die neue Kurpromenade. Seit 1911 die Eisenbahn den Ort erobert hat, kamen auch die Urlauber immer zahlreicher. Die Villen an der Waldstraße entstanden und auch sie zeigen die Bäderarchitektur, wenn auch etwas bescheiden. Viele Villen wurden liebevoll nach der Wende restauriert und sie finden angenehme, freundliche Ferienwohnungen darin. Heute hat Zempin über 900 Einwohner, aber es beherbergt in einem Jahr ca. 50 000 Gäste. Aus den Betriebsferienheimen der DDR-Zeit sind Pensionen und Hotels geworden. Der Campingplatz mit Stellplätzen mit dem Blick auf die Ostsee ist sehr beliebt. Aber auch fast zu jedem Haus gehören liebevoll eingerichtete Ferienwohnungen, die von langjährigen Gästen nicht nur im Sommer, sondern auch im Winter, gemietet werden. Viele schöne Parkplätze in Strandnähe, aber auch am Achterwasser wurden nach der Wende geschaffen, auch an Busparkplätze wurde gedacht, um den Kurzreisenden die Erkundung des Ortes zu erleichtern. Die Möglichkeit mit der Bahn anzureisen ist seit dem Jahre 2000 ohne Fußmarsch über die Wolgaster Brücke möglich. Die Fernzüge erhalten Anschluss an die UBB (Usedomer Bäderbahn) in Züssow, so kann man von Züssow bis Zempin ohne umsteigen kommen. Besonders beliebt ist nicht nur Baden am feinen weißen Sandstrand, sondern auch das Wandern und Radfahren auf dem vielen bewaldeten Wegen. Viele Tafeln des Orts- und Natur- lehrpfades erklären Ihnen die Geschichte des Ortes, so z.B. die Herstellung eines Rohrdaches oder die vielen Naturschönheiten. Sie sind herzlich eingeladen!

Links Ostsee / rechts Achterwasser


Fremdenverkehrsamt des Seebades Zempin, 17459 Zempin, Fischerstraße 1

Tel.: 038377 – 42162

E-Mail info@seebad-zempin.de

Weiterführende Information zu Zempin

Bildergalerie

Historische Postkarten

Chronik Jahreszahlen

Schulen und Lehrer in Zempin

Mühle von Zempin

Lageplan auf dem Gartenberg
Gemälde 1912 Zempiner Mühle auf dem Gartenberg


Auf der Höhe, dem Gartenberg, stand eine Windmühle, eine Holländermühle mit Stert ohne Windrad, die von der Familie Karl Sauck bis ca. 1915 betrieben wurde. Der Bauer Fritz Lüder, der im Jahre 1896 geboren wurde, erzählte, dass er als Kind mit anderen Kindern dem Müller half, die Mühle am großen Schwengel in den Wind zu drehen. Die Zempiner Mühle hatte kein Windrad und musste deshalb in den Wind mit dem Steert gedreht werden.

Die nun tiefer liegende Fläche war bis 1981 ein kleiner Berg mit einzelnen Kiefern, die meisten von ihnen in der Form als Windflüchter, der Berg wurde abgetragen, um den Deich am Achterwasser zu erhöhen. Da kein Mutterboden wieder aufgetragen wurde, entstand hier ein Magerrasen.

Als im Jahr 2000 die Hansestraße erweitert wurde und die ersten Straßenbaumaßnahmen begannen, staunten ältere Einwohner und meinten, nun wird der Mühlweg wieder sichtbar. Tatsache ist, dass die Erweiterung der Bebauung auf einen schon früher genutzten öffentlichen Weg gelegt wurde und in verlängerter westlicher Richtung die Windmühle gestanden hat.

Hexe von Zempin

Bernsteinhexe von Hugo Scheele

Kenntnis über eine Hexenverbrennung einer Zempinerin im Jahre 1668 erhalten wir aus dem Buch vom Chronisten der Insel Usedom, Robert Burkhardt,: Bilder aus der Geschichte der evangel. Kirchen auf Usedom, Swinemünde 1911. Auf Seite 106 schreibt er von einem Zettel im Krumminer Kirchenarchiv mit folgenden Inhalt: „Am 10.p.Trinitatis (26.Juli) 1668 wurde die Rose´sche, Zauberei halber, von Zempin nach Mölschow geholet, daselbst oft von mir besuchet, zuletzt, wie sie gebrannt worden, habe ich freiwillig dem Pastor in Coserow zugeredet, daß er sie kommunizieren und absolvieren möchte, ist aber sonst gegen Art und Herkommen. Weil es anstatt der Leichenpredigt, soll es von dem Pastor, in dessen Kirchspiel es vorgeht und der Exekution vorsteht, auch von dem Pastor loci verrichtet werden.“

Das Zeitalter der Hexenverfolgung begann in Europa um 1430 und endete um 1780. Wie eine Epidemie verbreitete sich diese Art der Todesstrafe wegen „Schadenszauber, bösem Willen oder dem Packt mit dem Teufel“. Die Insel Usedom wurde nach dem 30jährigem Krieg von 1648 bis 1720 durch die Schweden verwaltet. Die Geschichte vermerkt, in den Jahren 1668 bis 1676 sei in Schweden eine Hexenpanik ausgebrochen. Wie konnte es hier auf der Insel Usedom zu solch einem Urteil kommen. Ausgangs des Dreißigjährigen Krieges waren viele Höfe und Hütten zerstört und geplündert, die Bevölkerung verwildert und in Rohheit versunken. Die Nachkriegszeit brachte viele ungelöste Probleme, Mangel an Brotgetreide durch Wetterunbilden und schwere Krankheiten bei Mensch und Tier. Verdächtigte Personen haben im Dorf oft eine lange Verdachtskarriere hinter sich. Nachbarn sammeln Beobachtungen über Jahrzehnte, oft über ganze Familien. So wird unerklärliches, unerwartetes Unglück, plötzlich auftretende unheilbare Krankheiten und negative Gefühle, wie Neid, Hass oder Angst, zum Ausgangspunkt der Verdächtigung. Wilhelm Meinhold (1797 – 1851) in Netzelkow auf der Insel Usedom geboren, war Pastor von 1821 bis 1827 in Koserow und dann bis 1844 Pastor in Krummin. So ist es zu erklären, dass er den Zettel im Kirchenarchiv gelesen hat und diese Nachricht ihn angeregt hat über die Zeit und Umstände nachzudenken, um dann den Roman „Die Bernsteinhexe“ zu schreiben. Doch am Ende des Romans wird das Mädchen nicht dem Feuer übergeben, sondern gerettet.

Im Jahre 1668 aber wird Anna Reeßen, geborne Maaken, Jochim Reeßen Eheweib, aus Zempin, dem Feuer übergeben. Wie so oft hat ein Mensch, der als Hexe bezichtigt wurde in seiner Qual einen weiteren Menschen verdächtigt. So war es oft eine Kette von Hinrichtungen. So war es auch bei der Reeschen. Aus dem Schriftverkehr vom 05. Mai 1668 von Caspar Andreas Lepel vom Gnitz an die Juristenfakultät in Greifswald erfahren wir den Grund und wer die „Resische“ beschuldigt. Darin schreibt er: „ Marie Zimdal, Peter Dortigmarke Wittwe (gen. Dortigmarksche), hat u.a. den Töchtern Lepels [Jungfrauen] einen Geist - ins leib gewiesen, undt sie alßo jämmerlich quelen lassen -, unter Tortur - gleichwohl aber soviel bekannt, das ein ander weib die Ree[s´]sche genant, solches in ihren nahmen gethan -. Aus weiterem Schriftverkehr geht hervor, dass die Folter immer mehr verschärft wurde ..scharffe frage vorgenommen worden... danach hat sie ausgesagt, dass sie einen ...teufel habe, so Michael heiße und denselbst hat sie von der Teelschen gekriegt.... nach einer Bedenkzeit hat sie dies alles widerrufen und gesagt, dass sie unschuldig sei. Nach weiteren Torturen wird sie als ..hartneckig ..und halstarrig ...bezeichnet. Am 08. August 1668 mußte Anna Reeßen in Mölschow den Feuertod erleiden.

Die Einsicht in die Akten und die Auszüge verdanken wir Herrn Ivo Asmus, Uni Greifswald.

Kontakte

Sammlungen von Postkarten, Prospekten und Zeitungsausschnitten: Einsicht bei Hilde Stockmann rohrspatz@gmx.com