Ortschronik Zempin

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Kenndaten der Ortschronik
OrtZempin
Zeitlicher Schwerpunkt1571 fortlaufend
UrheberrechteHilde Stockmann
Erstellungszeitraumseit 2019
Publikationsdatumveröffentlicht
Inhaltliche KategorisierungGeschichte der Gemeinde Zempin
Status (Ampelsystem)in fortlaufender Bearbeitung


Ortschronik des Seebades ZEMPIN auf Usedom

Um die Chronik von Zempin übersichtlicher zu gliedern, existiert für jede Epoche ein eigener Artikel.

Reformation und Nachreformationszeit (1517 bis 1648)

1571 ZEMPIN - Ersterwähnung in der Lassaner Wasserordnung durch Greifenherzog Ernst Ludwig

Ersterwähnung Zempin

Die Form der Insel Usedom hat sich in vielen Jahrtausenden verändert und wird sich auch weiter durch die Einflüsse der Natur wandeln. Der Ort Zempin ist an einer Stelle der Insel Usedom entstanden, die zu der jüngsten Bodenbildung gehört.

Am heutigen „Lüttenort“ zwischen Koserow und Zempin war lange Zeit ein Durchbruch. Manchmal verstopfte die Natur durch „Zuwachsen“ diesen Ausfluss der Peene, später halfen die Menschen, diesen Durchgang zu verbauen. Der letzte Durchbruch erfolgte im Jahre 1913. Es ist bis heute eine „Schwachstelle“ geblieben.

Durch diese Überflutungen und Dünenbildung konnte sich auch keine kräftige Muttererde in dieser Gegend bilden und so siedelten sich erst sehr spät, im Verhältnis zu anderen Gebieten der Insel, auf diesem sandigen Boden die Menschen an. Sie lebten von wenigen Tieren, dem Ertrag des kargen Bodens und dem Fischfang. Ohne die Möglichkeit des Fischfanges hätten die Menschen an dieser Stelle nicht überleben können. So steht auch der erste Schriftzug „Zempin“ in Verbindung mit dem Fischfang.

Am 04. Juli 1571 wird vom Pommernherzog Ernst Ludwig eine Verordnung bekannt gegeben, welche Abgaben an den Hof, dem Schloss zu Wolgast, aus dem Fischfang des Achterwassers alle Anlieger zu bringen haben. Da das Achterwasser damals die Bezeichnung Lassansches Wasser hatte, wird diese Ordnung „Lassansche Wasserordnung“ genannt.

Herzog Ernst Ludwig lebte von 1545 bis 1592. Er ist der dritte Sohn von Philipp I. und regierte nach dem ersten Sohn, Johann Friedrich, in der Zeit von 1569 bis zu seinem Tode im Jahre 1592. Trotz der Anordnungen seines Vaters Philipp I. waren die Fischereiverhältnisse vielfach ungeklärt. Es gab lange Prozesse mit den Orten Krummin, Neeberg und Ziemitz. Erst Herzog Ernst Ludwig bestimmte mit dieser Ordnung welcher und wie viel Fisch, je nach Fangart, abzuliefern waren.

So wird z.B. festgelegt, dass vom Wintergarn (Eisfischerei) jeder dritte Fisch dem Landesfürsten zu geben ist. Außerdem gehört jeder Herrenfisch, das sind Stör, Lachs, Wels und Karpfen und der Vorfisch, das ist der beste Fisch nach den Herrenfischen, dem Fürsten. Der Kieper (Fischmeister) erhält den nächst besten Fisch. Er hat vorher alle Herrenfische und den Vorfisch herauszunehmen und dann ist erst das Drittel abzumessen.

Außerdem wird bestimmt, dass niemand, bevor nicht das Drittel abgegeben wurde, Fische gegen Geschenke wie Bier oder Brot wegzugeben hat. Bei Nichtbefolgen wird er bestraft! Es ist aber jedem Garnmeister freigestellt, seinem Nachbar, dessen Garn (Netz) nichts gefangen hat, sieben oder acht Fische zum Essen für seine Familie zu leihen.

In der Verordnung sind auch Schonzeiten für die Fische und bestimmte Fangarten festgelegt. So z.B. darf mit dem Sommergarn gefischt werden, sobald das Eis weg ist, aber nur bis Michaelis (29. September), damit es keinen Schaden gibt oder die Fische erschreckt werden. Jedoch soll niemand, außer die Lassanschen, während der Laichzeit fischen. Wer mit dem Sommergarn fischt, der soll dem Herzog in der Zeit von Lichtmess (2. Februar), oder sobald kein Eis mehr ist, bis Urbani (25. Mai) jeden dritten Fisch geben. Von Urbani bis Michaelis ist die Pacht von anderthalb Gulden von jedem Sommergarn zu entrichten. Aber immer ist der Stör, Lachs, Wels und Karpfen abzugeben.

Die Bleinetze sind nur von Lichtmess bis Gregori (23. April) zugelassen und der dritte Fisch ist der fürstlichen Küche zu entrichten. Mit dem Stroh- oder Spongarn darf nur von Lichtmess bis Michaelis gefischt werden, aber die Schonzeit über (von Gregori bis ungefähr Pfingsten) ist es verboten zu fischen. Außerdem dürfen Stroh- oder Spongarne nicht getrieben, sondern vor dem Anker allein aufgezogen werden.

Danach folgen Mengenangeben für die Anklamer, für die vom Gnitz, die Mellenthiner und Umgebung. Für jedes Garn ist ein Gulden zu entrichten, außerdem soll eine entsprechende Anzahl von fürstlichen Kähnen, die 20 Tonnen fassen, mit gemeinen Speisefischen gefüllt werden. Danach wird bestimmt, dass die Fischer von Lassan, Lieper Winkel, vom Lande Usedom und Pudagla, wenn sie denn mit dem Strohgarn fischen, und nur zur vorgeschriebenen Zeit, außer der Geldpacht, auch noch eine gewisse Anzahl von Kähnen voller Speisefische für die fürstliche Küche zu liefern haben. Die Ückeritzer, Loddiner, Koserower, Zempiner und Damerower sollen, außer der Geldpacht, zusammen zwei Kähne mit Speisefischen entrichten.

Danach werden die Zeiten und Abgaben für die Reusen festgelegt. Die vom Haff sollen für jedes Boot einen Gulden Pacht und ein Schock (60 Stück) Brassen (Bleie) und eine Tonne Plötze abgeben. Die anderen, wie z.B. Neppermin, Devichow, Ückeritz, Loddin, Koserow, Damerow, Zempin, Netzelkow usw. geben zur Geldpacht von jedem Boot noch eine Tonne Brassen.

Die Aalrepe oder Aaltowe gebraucht man von Lichtmeß bis Michaelis. Die Anklamschen, so sie Aal fischen, sollen ½ Gulden pro Jahr geben und von jeder Reise einen Achtenteil Aal abgeben. Die anderen Bauersleute sollen neben dem ½ Gulden von jeder Aalrep eine Tonne Aal pro Jahr geben. Driftnetze und Aalstechen werden gänzlich verboten! Wer ohne Brief und Erlaubnis fischt, wird bestraft! Damit auch niemand sich mit Unwissenheit entschuldigen möchte, wurde angeordnet, dass diese Ordnung jedes Quartal in den Kirchen von der Kanzel vorzulesen ist.

In dieser, in Greifswald im Vorpommerschen Landesarchiv liegenden Urkunde ist nachweislich das erste Mal der Ortsname ZEMPIN niedergeschrieben worden. Aus dem Inhalt der Verordnung erkennt man, dass die Bewohner von Zempin vom Fischfang und der Landwirtschaft lebten.

Hier sind nur die Abgaben für die Fischerei aufgeführt. Es gab aber auch noch Abgaben für Grund und Boden, welcher in Zempin herrschaftliches Eigentum war. Erst nach 1851 konnte in Zempin das gepachtete Land von den Bauern für die 18 ½ fache Pacht gekauft werden. Sie konnten auch eine kleine Fläche Wald kaufen, da sie früher immer die Schweine im Eichenwald gemästet hatten. Das Fischen in der Ostsee war früher für jeden frei von Abgaben, aber die Boote und Geräte waren zu dieser Zeit nicht entsprechend.

Noch heute wird in Zempiner Familien gesagt, wenn ein schöner großer Fisch auf den Tisch kommt: „ Heut´ gibt es Herrenfisch!“ Daraus kann man schlussfolgern, dass, trotz Anordnung und Vorlesen von der Kanzel, nicht jeder Herrenfisch in Wolgast landete.


1618 auf der Pommernkarte von E. Lubin mit Sempin bezeichnet

bis zur napoleonischen Zeit (bis 1813)

1693 Zempin

Unter Schwedens Herrschaft (1648 - 1720)

1693 Vermessung und Beschreibung des Ortes Zempin durch Schweden. -fünf Familien wohnen in Zempin. „Ohne die Fische des Achterwassers wäre es fast elendig mit ihnen bestellt“ schreiben die Schweden.

1693 Dieses Dorf gehört unter das Amt Krummin, wohin es seinen Dienst leisten muß, ist ungefähr 2 Meilen östlich von Wolgast gelegen. Früher sollen hier 6 Bauern und 2 Kossaten gewohnthaben, deren Hufenzahl man von den gegenwärtigen Bewohnern nicht erfahren konnte. Der Schulze im Dorf besitzt für seinen Dienst [Acker] für 2 Scheffel Aussaat.

Dieses Dorf untersteht mit seinem Kirchgang Koserow. Was sonst die Grenzen angeht, so hat es im Norden
1693 Zempin Häuser mit Nr.
das große Salzmeer, Die Strand, wie sie es hier nennen, und zum Süden hin das Acterwater. Außerdem haben sie keine feste Grenze im Wald, weil alles unter das Amt gehört.

Einwohner: 1. Petter Sucker, Schulze, 2. Michel Remell, Bauer, 3. Petter Been, Bauer, 4. Hans Beens Witwe, 5. Jean Wichelm, Viehhirte.

1668 Anna Reeßen geb. Maaken aus Zempin, die Resische genannt, wird in Mölschow als Hexe verbrannt. (Thema für den Roman vom Meinhold „Die Bernsteinhexe“)

bis zur Reichseinigung (bis 1871)

Unter Preußen

1779 - Ludwig Wilhelm Brüggemann beschreibt Zempin in „ Ausführliche Beschreibungen des gegenwärtigen Zustandes des Königl. Preußischen Herzogtums Vor- und Hinterpommern Teil 1“ auf Seite 253: „3 1/2 Meilen von Swinemünde nordwestwärts, und 1 1/2 Meilen von der Schwedischen Stadt Wolgast gegen Osten, liegt gegen Norden 1/8 Meile von der Ostsee, und gegen Westen dicht an dem Achterwasser, hat 4 Bauern, 4 Büdner, 1 Schulmeister, und ist zu Coserow in der Usedomschen Synode eingepfarret.“ Auf Seite 254 dokumentiert Brüggemann, dass die Bauern Fronarbeit leisten mussten und die Zempiner müssen in Krummin arbeiten: „Das Vorwerk Crummin hat 1047 Morgen 5 Ruthen. Der Acker liegt in 3 Schlägen von dem Acker des Predigers und der Bauern abgesondert, und ist von ziemlicher Güte. Die Wiesen sind sämtlich einschnittig und mittelmäßig. Das Vorwerk hat mit dem Dorfe längst des kleinen Strummins eine gemeinschaftliche Weide, welche aber sehr tief ist. Die Dienste werden von 2 Bauern aus Krummin, 7 Bauern aus Neberg, 2 Bauern aus Bannemin, und 4 Bauern aus Zempin verrichtet.“ Im Heimatheft Nr. 2 Seite 14 ist genauer beschrieben welchen Umfang diese Fronarbeit schon im Jahre 1693 unter den Schweden hatte. Aber die Einführung dieser zusätzlichen Arbeit bestand schon sehr lange.


Zempin gehörte zum Begriff Wolgaster Ort Die genaue Bezeichnung für einen Teil der Insel Usedom „Wolgaster Ort“ hat 1779 Brüggemann festgehalten: „Crummin hat eine zur Uesedomschen Synode gehörige Mutterkirche, zu welcher die Dörfer Neberg, Mahlzow, Zecherin, Mölschow, Bannemin, Zinnowitz, Sauzin, das Vorwerk Ziemitz, und die ½ Meile von hier entfernte Wolgastische Fähre diesseits der Peene, woselbst die Ueberfahrt mit einem Prahm nach Wolgast ist, inngleichen der so genannte Hammelstall (heute Trassenheide) bei Mölschow, eingepfarret sind. Die sämtlichen zu diesem Kirchspiele gehörigen Oerter, und die Dörfer Zempin, Coserow, Loddin und das Vorwerk Damerow, werden der Wolgastische Ort genannt.“ Dieser Begriff ergab sich aus der Zeit, da die Insel zwei namentliche Teile hatte: Buckow, Buchenort, unterstand der Burg Wolgast (der Teil, den Brüggemann hier bezeichnet als Wolgaster Ort) und Wanzlow unterstand der Burg Uznam, Usedom, beginnend östlich von Loddin mit dem Ort Ückeritz (aus dem Slawischen für Grenzort). Heute wird der Begriff Wolgaster Ort nur noch für den südlichen Teil der Insel Usedom von der B 111 aus von Mahlzow bis Bannemin verwendet.

1756 Der Schneider Michael Hellert unterrichtet die Zempiner Kinder im späteren Armenhaus - heute Dorfstraße 1. Siehe weiter: unter Schule.

1820 große Heringsfänge in der Ostsee – Errichtung der Salzhütten

1850 Amtsrat Gadebusch beschreibt in der Chronik der Insel Usedom Zempin als Bauern- und Fischerdorf am Achterwasser (4 Bauern, 13 Büdner)

1860 13 Boote treiben Fischfang, davon 5 auf dem Achterwasser

1865 Beschreibung Dr. Heinrich Berghaus „Zempin, unter dem Rentamt Swinemünde stehendes Bauern- und Fischer-Dorf, auf der Landenge zwischen Hauptmasse der Insel und dem Wolgaster Ort, südlich ans Achterwasser, nördlich an die Ostsee gränzend, auf Höhen und Niederungen belegen, 3 1/2 Meile nordwestlich von der Kreisstadt entfernt, und nach Koserow eingepfarrt, hat 4 Bauernhöfe, wovon einer zerstückt ist, und 14 Büdner nebst Schule, überhaupt 30 Wohnhäuser mit 235 Einwohnern. Die Feldmark, die zum größten Theil versandet ist, hat ein Areal von 712 Mg. 8 Ruth., davon sind 288. 107 Ackerland, worauf man Kartoffeln und Runkelrüben zum Viehfutter erbaut 104. 87 einschnittige Wiesen, die theils be-, teihls entwässert werden müssen, 302. 91 Hütung, 2. 36 Gärten, in denen man blos den eignen Hausbedarf erzielt, 0. 176 Hof- und Baustellen und 13. 51 Wege und Unland. Viehbestand: 16 Pferde, 70 Rinder, 57 Schafe, 3 Ziegen und 44 Schweine. Von Federvieh werden nur Hühner für den Hausbedarf gezogen. Bei dem kärglichen Ertrage des Ackers bildet die Fischerei gleichsam die Hauptnahrungsquelle, 24 Familien leben vom Fischfang. Sie halten 8 Boote auf der Ostsee und 5 auf dem Achterwasser. Torf, Lehm und Merkel sind die auf der Feldmark vorkommenden Mineral-Erzeugnisse, die auch ausgebeutet werden.“

Kaiserreich (1871-1918)

1872 am 12 – 13. November schwerste Sturmflut bis heute 1913 29. – 30. Dezember Sturmflut – bisher letzter Durchbruch der schmalsten Stelle zwischen Zempin und Koserow (1995, 2006, 2017 schwere Sturmfluten – großer Schaden)* Sturmfluten

1865 Waldhalle errichtet vom Kapitän Schohl als Restaurant und Café (heute Standort Waldhaus/ Waldstraße)

1900 am 6. Januar großer Fang mit dem Wintergarn im Achterwasser - als Dank schenkten die Fischer der Koserower Kirche einen Leuchter

1906 Gründung der Freiwilligen Feuerwehr Zempin

1908 Beitritt der Gemeinde Zempin zum Deutschen Bäderverband (1904 schon 617 Urlauber, 2019: über 50.000)

1911 am 1. Juni erhält Zempin Bahnanschluss

Weimarer Republik (1918-1933)

1930 Errichtung einer Seebrücke, während des Zweiten Weltkrieges zerfallen

Drittes Reich (1933-1945)

1939 Drei Anlagen zum Abschuss der V1 - Waffen entstehen zwischen Zempin und Zinnowitz. Bau der Flak-Unteroffiziersschule (heute Seestraße) Zu DDR Zeiten entstehen auf dem Gelände Beriebsferienheime (siehe Seestraße)

Kinderlandverschickung

Haus Hubertus mit den vielen Kindern
Während des Zweiten Weltkrieges wurden Erholungseinrichtungen für die Kinderlandverschickung, beginnend 1940 und verstärkt zwischen 1943 bis 1945, genutzt. Die Kinder wurden klassenweise zur Erholung in die Seebäder der Inseln Usedom und Rügen geschickt.

Mitgereiste Lehrerinnen und reaktivierte ältere Lehrer führten den Unterricht durch. Die außerschulische Betreuung übernahmen HJ (Hitlerjugend) und BDM (Bund Deutscher Mädel). Die Lagermannschaftsführer waren oft noch nicht 20 Jahre alt. Sie mussten auch die Versorgung mit Lebensmitteln und die Freizeitgestaltung organisieren.

Die Kinder sollten besonders aus Industriegebieten und den Städten, die bombardiert wurden, für mehrere Monate in eine ruhigere Umgebung. Es war freiwillig, aber der Gruppenzwang war oft sehr stark. Der Vater war im Krieg, die Mutter weit weg, die Geschwister in anderen Orten. Kinder von 10-14 Jahren hatten oft großes Heimweh und wer sollte die vielen Kinder trösten? Keiner wollte gehänselt werden, musste sich stark zeigen und weinte abends in das Kopfkissen.

Kinder mit Betreuer und Lehrerin
In Zempin waren Kinder einer Schulklasse aus Pinneberg in der Pension HUBERTUS einquartiert. Nach der Wende kam Frau Inge Versmann aus Pinneberg, die als Kind einige Monate mit ihrer Lehrerin Frau Ziebold in dieser Pension verbracht hatte. Sie übergab Frau Ursula Wengrzin Bilder aus dieser Zeit. Es wurde viel im Gespräch zwischen den Beiden in Erinnerungen gekramt. So sprachen sie auch über die Helferinnen und dass eine Gräfin von Schwerin die Kinder mit betreut hatte. Daraufhin versuchte 1996 Frau Wengrzin die nette Gräfin aus Schmuggerow von damals zu finden. Über die Ostseezeitung erhielt sie die Adresse des Vaters, Manfred Graf von Schwerin in Bielefeld, der über 100-Jährige gab den Brief weiter an seine Tochter, Rose Irene Meyer zu Schwabedissen, geb. Gräfin von Schwerin, in Achern.

Diese antwortete umgehend und erinnerte sich an diese Zeit: „ … In meinem Gedächtnis ist deutlich das Bild Ihrer Mutter, aber auch anderer Frauen, wie sie kochten und die unendlichen Mengen Wäsche wuschen. Damals schätze man ja die Arbeit noch nicht richtig ein – aber es muss schon enorm gewesen sein. Und was ich damals auch nicht richtig verstanden habe: wie schwer muss es für die Eltern der Kinder gewesen sein, sich von ihnen zu trennen. Wie viele Eltern mögen gedacht haben: lieber zusammen sterben als Waisen zurücklassen. Sicher war es auch ganz gut, dass wir Helferinnen unbeschwert an unsere Aufgaben gingen, anders hätte man das ja gar nicht leisten können. Aber wenn man bedenkt, wie sorgsam vorgebildet heute Betreuer von Jugendgruppen sein müssen. ….

Von mir ist zu erzählen, dass ich die Schule fertig gemacht habe, dann RAD (Reichsarbeitsdienst), danach habe ich angefangen zu studieren, aber dann kam 1945 und wir mussten als Gutsbesitzer fort – teils geflüchtet, andere ausgewiesen. Ich habe dann einen Arzt geheiratet, der heute noch arbeitet mit 79 Jahren, wir haben 7 Kinder, die alle verheiratet sind und 27 Enkel. Da ist genug Leben. Aber meine Erinnerungen an die Zeit in Zempin die pflege ich ganz still und für mich.“

In Zempin wurden auch in der Waldstraße die Villa KAGEMANN, das Haus ELISABETH, Villa VINETA und in der Strandstraße das Haus BADER mit Kindern hauptsächlich in den Sommermonaten belegt.


1944 Bomben fallen auf Zempin, Tote sind zu beklagen. Gedenkstein auf dem Friedhof für die Opfer des II. Weltkrieges und für die unbekannten Minenopfer an der schmalsten Stelle der Insel

Kriegsende 1945

Bericht des 17-jährigen Gerhard Wolf * 06.05.1928 in Großolbersdorf + 10.09.1998 in Zschopau

„... Ich musste in Tutow am 2. Osterfeiertag, den 03.04.1945, Pferde beschlagen. Die anderen Soldaten waren im Kino. Nur die Wache war noch im Objekt. Wir waren auf dem Weg nach Bannemin auf Usedom. In Bannemin habe ich nachts einen hellen Feuerstrahl aufsteigen sehen, und eine rote „Kugel“ flog danach in Richtung Westen. Ich wusste damals nicht, was es war. Es waren V-Raketen, die in Peenemünde abgeschossen wurden, Hitlers Geheimwaffen. Hier waren wir einige Tage stationiert. Von Bannemin aus habe ich die Sprengung der Brücke zwischen Wolgast und Usedom miterlebt. Mein Klassenkamerad Karl Weber (Paulus Karl genannt) soll als Pionier bei dieser Sprengung dabei gewesen sein. Er hatte vom 25.-28.04.1945 eine Brücke zur Sprengung über die Ziese mit vorbereitet.

Davor war ich in Bannemin und auch in Krummin, wo ich erstmals Gefechte mit den Russen auf dem Achterwasser erlebt habe. Danach wurden wir über Trassenheide nach Peenemünde an die äußerste Westspitze der Insel Usedom verlegt. Auf dem gegenüberliegenden Festland waren schon die Russen zu hören. Es wurde für uns kritisch. Wir waren eingekesselt. Schnell ging es zurück nach Trassenheide. Wir übernachteten in einer Scheune. Früh liefen wir weiter nach Zinnowitz. Wir rannten in Zinnowitz einen Berg hoch, rechts unterhalb lagen Tennisplätze. Auf der Anhöhe war eine Flakstellung. Dort gab es am Vormittag einen Fliegerangriff. Gegen 14 Uhr kamen uns zwei Obergefreite am Strand entgegen gelaufen. Sie fragten uns, wo wir hin wollten und riefen: „Die Russen sind auf der Insel. Kommt, wir müssen abhauen!“ Diese beiden Obergefreiten, ein 16jähriger Soldat und ich rannten zum Strand in die Nähe von Zempin. Fischerboote lagen dort auf Rollen. Wir schoben ein Boot ins Wasser und ruderten mit letzter Kraft auf das offene Meer. Dabei wurden wir noch von eigenen Leuten bemerkt und auch sofort beschossen, die Kugeln aber klatschten vor uns ins Wasser.

Wir sind mit großer Anstrengung bis zur Greifswalder Oie gerudert. Dort waren deutsche Soldaten ebenfalls dabei zu fliehen. Mit einem Motorboot sind wir mit denen in See gestochen. Auf See wurden wir dann von einem deutschen Schiff aufgenommen, das mit Flüchtlingen aus dem Osten kam. ...“

Auch wenn es noch viele Umwege gab, bis der 17-Jährige wieder in seinem Heimatort am 31.05.1945 wohlbehalten ankam, so erzählte er später alles seinem Sohn. Dieser erkundigte sich in den letzten Jahren, ob wir in Zempin noch feststellen könnten, wem das Boot gehört hatte. Gern hätte er sich bedankt, dass seinem Vater die Flucht mit dem Boot gelungen war. Leider war das nicht mehr möglich.

SBZ und DDR (1945-1990)

1948 Gründung der Genossenschaft werktätiger Fischer (FWG) 1960 Gründung der Fischerei – Produktions – Genossenschaft (FPG) „Gold des Meeres“ besteht bis 1992.

Fischereigenossenschaft vom Fischer Konrad Tiefert

Auszug aus dem Artikel „Fischerdorf Zempin“

Vom damaligen Staat, der DDR, gefördert, kam es 1948 zur Gründung einer Genossenschaft GmbH. Die Fischer der Orte Zinnowitz, Zempin, Koserow, Loddin, Kölpinsee und Ückeritz schlossen sich zu dieser Vereinigung zusammen. Sitz wurde Zempin. Einige Räume einer ehemaligen Fabrik für Zuckerstangen (Nussstangen) wurden als Grundlage genutzt.

Da es kurz danach zu einer Geldentwertung1 kam, war die Finanzgrundlage sehr schlecht. Ein sehr tüchtiger Geschäftsführer brachte trotz aller Hindernisse diese GmbH auf die Beine. Ein Fischverarbeitungsbetrieb entwickelte sich. Es sollte gesalzen, geräuchert und mariniert werden. Einige Männer, vor allem aber Frauen, wurden als Arbeitskräfte eingestellt. Mit günstigen Bankkrediten und guter Organisation ließ sich schon etwas machen.

Der Grundgedanke bei der Gründung dieser Genossenschaft war, den Fisch vom Erzeuger so billig wie möglich an den Verbraucher zu bringen. Ein ausgearbeitetes Statut legte die Pflichten und Rechte der Mitglieder fest. Das eingerichtete Büro übernahm die Schreibarbeiten und die Netz- und Materialbestellung. Zum Anfang wurden die Betriebe, die Netze herstellten, direkt angeschrieben. Die Belieferung war aber nicht ausreichend. Dann kam es zu einer Fischerei-Material-Ausleihe und Beschaffungsstation in Karlshagen, die die Belieferung an die Genossenschaften übernahm. Aber nach wie vor musste alles genau auf die einzelnen Fischer verteilt werden. Noch waren es Baumwollnetze, Sisal- und Hanfsimme. Doch dann kamen Netze und Simme aus Dederon (Name von DDRon = Nylon) auf, die Netze waren aber nicht knotenfest. Die Fischer waren davon nicht begeistert. Außerdem waren die Fänge nicht höher als auf Baumwollnetzen. Nach vielen Verhandlungen und Versuchen mit den Herstellern wurden die Netze knotenfester.

Die Sollbeauflagung des einzelnen Fischers wurde erhöht, sein Verdienst wurde besser. Aber es brachte auch mehr Arbeit für die Frauen, durch das Auspulen (Auspflücken der einzelnen Fische aus den Maschen der Netze) aus den feinen Netzen. Es mussten oft Hilfskräfte, meist Frauen, hinzugezogen werden.

Es wurde eine Ablieferungsstelle eingerichtet, wo der Fisch hingefahren wurde. Die Genossenschaft hatte dazu Pferd und Wagen für Zempin angeschafft. Es gab ziemlich oft Schwierigkeiten mit dem Weitertransport. Die Tische zum Abpflücken standen zu der Zeit unterhalb der Dünen, wo die Fischerfrauen arbeiten mussten, auch bei schlechtem Wetter.

Der erste Geschäftsführer war bei Nacht und Nebel nach Westdeutschland verschwunden, ein neuer kam, ein kluger Mann, aber leider dem Alkohol zugetan. Vorstand und Vorsitzender waren Fischer, ebenso im Aufsichtsrat. In gemeinsamen Sitzungen wurden die anfallenden Probleme durchgesprochen.

Als kulturelle Veranstaltungen gab es Fischerfeste mit Tanz und einigen Darbietungen. Zu den großen Fischereikonferenzen vom damaligen Bezirk Rostock, wurden einige Fischerkollegen delegiert. Der Verarbeitungsbetrieb wurde weiter ausgebaut und arbeitete vielfach mit Bankkrediten. Die Frauen arbeiteten in Stundenlohn.

Langsam hatte sich alles weiter entwickelt, auch einige neue Motoren und Maschinen wurden angeschafft, neue Boote gebaut. Aber das genügte den übergeordneten Stellen noch nicht, denn die Produktionsmittel blieben Privateigentum der Fischer. Ziel war es, alle Boote usw. in Genossenschaftseigentum zu übernehmen. Viel wurde geredet, diskutiert und gestritten. Einige Fischer von Kölpinsee ließen sich überzeugen. So kam es im Januar 1960 dort in Kölpinsee zur Gründung einer F.P.G. (Fischerei Produktions- Genossenschaft). Der Staat wollte diese Entwicklung besonders fördern. Die Zempiner Fischer standen diesem Vorhaben anfangs ziemlich ablehnend gegenüber. Nach etlichen Diskussionen kam es nach drei Monaten zum Beitritt der Zempiner und der anderen Fischerkollegen der ehemaligen F.W.G. zur neuen FPG. Sie bekam den schönen Namen „Gold des Meeres“, auf Vorschlag des Fischerkollegen Paul Will. Ein neues Statut regelte auch hier die Pflichten und Rechte der Mitglieder. Die Frauen des Betriebes und auch Fischerfrauen konnten Mitglied werden. Diese FPG entwickelte sich durch die staatliche Förderung sehr gut.

Es begann eine Zeit sehr guten Verdienstes für den Fischer. In jährlich stattfindenden Vollversammlungen musste die Arbeit des Vorstandes bestätigt werden. Vieles sollte nun verändert werden, sollte Erleichterungen in der Arbeit mit sich bringen, für die Fischer und auch für die Frauen. Abpflückzelte wurden entwickelt und gebaut und die Abpflücker konnten nun in einem gedeckten Raum arbeiten, auch eine Heizung gab es dazu. Elektrowinden zum Aufziehen der Boote wurden gekauft und aufgestellt, was eine große Erleichterung für den Fischer mit sich brachte. Auch konnte der Fang auf neu angeschaffte Wagen mit vier gummibereiften Rädern geladen werden und auf die Düne, in die dort nun aufgestellten Zelte zum Abpflücken der Fische gezogen werden. Die Netze wurden ganz auf Monofilgarn umgestellt. Die Sollbeauflagung der FPG wurde wieder höher und damit auch der Verdienst. Die Aufkaufpreise waren inzwischen schon erhöht worden. Aber die Umstellung brachte große Kosten mit sich, auch waren die Monofilnetze und das Tauwerk nicht billig. Um diese Gelder aufzufangen und diese Entwicklung weiter zu fördern, kam es zu der sogenannten Warenrückvergütung. Das heißt, der Staat übernahm auf Grund der Fangerlöse und der Sollerfüllung die dazu anfallenden Kosten, auch die Reparatur von Booten. Da die Aufkaufpreise stabil blieben, hatten die Fischer bei gutem Fang auch guten Verdienst. So etwas hatte es in der Vergangenheit nie gegeben.

Der Verarbeitungsbetrieb wurde im Laufe der Weiterentwicklung auf Leistungslohn für die dort arbeitenden Frauen und Männer umgestellt, was zu einem besseren Verdienst führte. Der einzelne Fischer selbst bekam auf Beschluss einer Vollversammlung nun 50% seines Fangerlöses monatlich ausgezahlt. Der restliche Teil wurde nach Abzug aller Kosten mit der Jahresendabrechnung im Februar des nächsten Jahres ausgezahlt. Die Fischerfrauen, die nicht im Verarbeitungsbetrieb beschäftigt waren, konnten Mitglied werden. Ein Teil des Fangerlöses des Mannes wurde auf sie als Lohn verrechnet. So waren sie versichert und konnten im Alter mit einer Rente rechnen.

Nach dem Statut wurden Fonds gebildet und Gelder darin eingezahlt. So gab es einen Kultur- Sozial- und Hilfsfond. Auch ein Prämienfond wurde gebildet, um besondere Leistungen mit Auszeichnungen zu würdigen. Für den Sterbefall wurde eine Summe festgelegt. Aus dem Kulturfond wurden nun die jetzt gewünschten Reisen finanziert. Diese Reisen waren sehr beliebt.

Der erste gewählte Vorsitzende, ein Fischer aus Kölpinsee, trat zurück, ein neuer musste gewählt werden. Ein Betriebsangehöriger, der als Schlosser gearbeitet hatte, wurde gewählt. Er übernahm, als der amtierende Geschäftsführer krank wurde, auch noch die Geschäftsführung. Er sorgte vor allem für Verbesserungen im Verarbeitungsbetrieb, wo meistens Frauen arbeiteten.

Auch in der Räucherei wurden Verbesserungen oder Arbeitserleichterungen durchgeführt. Alte Kühlwagen der Reichsbahn und neu gebaute Kühlräume dienten als Bevorratungsraum für Rohware. In den gemeinsamen Sitzungen von Vorstand und Aufsichtsrat wurde über die Weiterentwicklung beraten und diskutiert. Es gab immer wieder Probleme. Das erste Ziel war, die Boote in FPG-Eigentum zu übernehmen. Einige Boote wurden schon als genossenschaftseigene gebaut und kamen in Betrieb. Den Nutzern wurde eine Nutzungsgebühr berechnet. Da einige Boote generalüberholt werden mussten, waren die Eigner bereit, sie an die FPG abzugeben. Nach einigen Jahren war die Warenrückvergütung beendet. Der Staat trug die Kosten nicht mehr.

Das aus Brettern bestehende Erfassungsgebäude wurde etwas erweitert, massiv und in gemeinsamer Arbeit errichtet und am Ausgang mit einer Hebebühne versehen. In dieser Zeit als FPG konnte der Fischfang voll durchgeführt werden, alle Fangsorten (Fischarten) wurden erfasst und auch gut bezahlt. Die FPG konnte Erfassungsgelder pro Tonne berechnen. Ob Frühjahrshering oder der im Herbst manchmal etwas kleinere Hering – alles konnte abgeliefert werden bei stabilen Preisen. Nur für den Transport fehlten die Kühlwagen. Schwierigkeiten entstanden allerdings beim Konsumfisch (Plötz, Blei, Barsch usw.), der nicht mehr gut absetzbar war.

Die Boote waren alle, auch in den anderen Ortschaften, mit Dieselmotoren versehen. Der benötigte Brennstoff wurde durch die FPG beschafft. Über eine Telefonverbindung am Strand mussten die Boote bei einer Grenzsicherungsstelle vor jeder Ausfahrt ab- und zurückgemeldet werden. Langjährig tätige Frauen der Verarbeitung und Fischer wurden auch auf zentralen Veranstaltungen der Seeverkehrswirtschaft in Rostock-Warnemünde mit Medaillen geehrt und ausgezeichnet.

Im Achterwasser wurde mit Hilfe der Genossenschaft von einigen Fischern die Reusenfischerei neu aufgebaut. Der Fischreichtum, auch an Aalfang im Achterwasser, ließ aber merklich nach. In dieser Zeit hatte sich die FPG gut entwickelt. Die Fischer und auch die Frauen in der Verarbeitung hatten einen guten und gesicherten Verdienst. Auch als Ganzes gesehen hatte die FPG eine stabile Finanzlage. So lief das alles über die Jahre.

Es kam der Zusammenschluss beider Teile Deutschlands. Zwei ganz verschiedene Wirtschaftsformen mussten zusammengeführt werden. Was wird nun werden? fragten sich viele Fischer. Vor allem die älteren erinnerten sich an die Zeit nach dem ersten Weltkrieg, der Weimarer Republik mit ihren freien Wirtschaftsformen, den Preisschwankungen für den gefangenen Fisch und den Zwischenhandel. Viele Nachwuchsfischer waren nicht vorhanden. Es durfte in der damaligen DDR niemand, auch nicht der eigene Sohn, zum Fang mitgenommen werden. So war wenig Interesse dafür da. Einige zu der Zeit junge Fischer hatten eine Lehrzeit mit einer Abschlussprüfung. Trotzdem durften sie die Fischerei nur auf der See ausüben.

Anfangs ging alles seinen alten Gang, doch langsam kam es anders. Schwierigkeiten traten auf, für den Fischer und auch für den Betrieb.2 Westdeutsche Firmen kauften Fisch auf. Gingen sie in Konkurs, bekam der Fischer kein Geld. Auch die alten Aufkaufbetriebe, wie Wolgast, waren davon betroffen. Die Fischereiaufsicht wurde erneuert, das Bundesdeutsche Fischereigesetz angewendet, neue Anordnungen durchgeführt. Rentner durften an Firmen nichts mehr liefern, bekamen nur geringe Menge an Fanggeräten frei (begrenzte Mengen der Netze und Angeln von der staatlichen Fischereiaufsicht gepachtet). Die finanziellen Abgaben und Versicherungsbeiträge wurden neu berechnet und waren hoch. Ging so ein Aufkaufbetrieb in Konkurs, war der Fischer davon mit betroffen, er hatte dann kein Geld, um seinen Verpflichtungen nachzukommen. Da die Schwierigkeiten für den Verarbeitungsbetrieb immer größer wurden, wurde die FPG auf Beschluss ihrer Mitglieder aufgelöst. Ein Teil der erarbeiteten Gelder wurde an die Mitglieder ausgezahlt.

Die Rentner waren schon kurz nach der Wende aus der FPG entlassen worden. Einige Fischer der See- und Binnengewässer haben sich zu einer Erzeugergemeinschaft zusammengeschlossen, um so auftretenden Schwierigkeiten entgegentreten zu können.

Im Jahre 2010 haben sich in Zempin besonders die Fischer ihr Einkommen gesichert, die als Familienbetrieb die gefangenen und gekauften Fische verarbeiten und selbst vermarkten.

Aus der Rede von Konrad Tiefert im Jahre 1985 zum Jubiläum „25 Jahre FPG“

„… im Gründungsjahr 1960 war ein Ergebnis von 355,5 Tonnen Frischfisch, davon 95,3 t Hering, 70 t Konsumfisch und der Rest waren Flundern, Dorsch, Edelfisch u.a. sie wurden von 73 Fischern gefangen. .. 1970 waren es 807,5 t davon 670 t Hering, 1980 konnten 1252 t Fisch angelandet werden, davon 1073,6 t Hering und 133,9 t Konsumfisch mit 44 aktiven Fischern. … in den letzten Jahren wurde die Hälfte der Boote in Genossenschaftseigentum überführt. …“

1. Die Deutsche Mark wurde am 21. Juni 1948 in den drei westlichen Teilen Deutschlands (Trizone) und drei Tage später auch in den drei Westsektoren Berlins durch die Währungsreform 1948 eingeführt und löste die Reichsmark als gesetzliche Währungseinheit ab. Vom 24. bis zum 28. Juni fand in der Sowjetischen Besatzungszone (SBZ) und Ost-Berlin eine eigene Währungsreform statt. Am 24. Juli 1948 wurde die Deutsche Mark von der Deutschen Notenbank (DDR) eingeführt. Die Reichsmark wurde teilweise 1:10 abgewertet.

2. Die Verteilung des Frischfisches und der Fertigprodukte wurde in der DDR nach Plan von der übergeordneten Stelle für die Lieferung in die 15 Bezirke aufgeteilt. Jeder Bezirk hatte ein großes Kühllager, das war für die FPG der Vertragspartner. Die weitere Verteilung übernahm dieses volkseigene Zwischenlager. Diese Struktur ist nach der Wende vollkommen aufgelöst worden. Neue Firmen mussten sich erst als Zwischenhändler bilden. Für Werbung und Vertreib war kein Wissen und keine Ansprechpartner vorhanden.


1956 Entstehung des Campingplatzes

die heutige Zeit

1993 am 15. Mai wird die Partnerschaft mit der Gemeinde Klein Nordende / Kreis Pinneberg feierlich unterzeichnet

1996 Staatliche Anerkennung als Seebad

1998 Wappenbrief erhalten MVP Nr. 0156

2000 Im Schulgebäude ist seit Juli kein Schulunterricht mehr, erste Ausstellungen – Vereinshaus „Uns olle Schaul“

2005 Werbename „Bernsteinbäder“ - Verbund mit Koserow, Loddin und Ückeritz

2009 Ein neuer Kindergarten in der Fischerstraße mit dem Saal für Veranstaltungen „Dörps-Treff“

2011 Einweihung Kurpromenade und Kurplatz

2012 neuer Fischereistandort am Strand errichtet

Einigen wichtige Themen sind eigene Artikel gewidmet:

Literatur über Zempin

Zempiner Heimathefte erschienen im Eigenverlag leider ohne ISBN

Zempiner Heimathefte Nr. 1

Geschichte, Geschichten, Bilder, Dokumente 74 Seiten, mit zahlreichen Farbfotos - 8,00 EUR

Aus dem Inhalt: Zempiner Geschichte in Zahlen; Ersterwähnung des Ortes; Was bedeutet der Name Zempin; Das Wappen von Zempin; Die Schule bis 1928; Anfang vom Inselhof; Fischerei mit dem Wintergarn; Wege-, Straßen- und Flurnamen in Zempin; Die Entwicklung des Seebades; Die Salzhütten; Die Hexe von Zempin; Rentensicherung per Notarvertrag; Zempiner Glocken – Geschichte; Das Blüsen – eine frühere Art zu Fischen; Hugo Scheele – Lebensweg; Der Wal; Aus dem Leben eines Zempiner Fischerjungen; Zeitsplitter-Episoden

Zempiner Heimathefte Nr. 2

Geschichte, Geschichten, Bilder, Dokumente auf 95 Seiten mit 120 Bildern - 8,00 EUR

Aus dem Inhalt: Die Schwedenzeit; Sturmfluten; Entwicklung der Fischerei; Bootsmodelle von Konrad Tiefert; Hering und seine Namen; Das Waldhaus; Der Bahnhof; Kriegsende – Reise der Zempiner Mütter; Rosa Kühn; Rohrdächer; Lehrer Ferdinand Biesenack; Erinnerungen eines dankbaren Schülers; Denkmale; Friedhof; Silberölweide Zempin; Hausschlachtung – Schwein; Statistik; Ostseeperle Zempin; Zeitsplitter-Episoden

Zempiner Heimathefte Nr. 3

Geschichte, Geschichten, Bilder, Dokumente 75 Seiten, 135 Bilder - 8,00 EUR

Aus dem Inhalt: Woher kommen die Einwohner; Wie wir Zempiner wurden; Die Flundernfischerei; Die Flunder; Dr. Wernher von Braun im Inselhof; Dr. Wernher von Braun Biographie; Kriegsende 1945 in Zempin; Die Entwicklung zum Seebad in Reiseprospekten; Zempiner Türme; Kurt-Heinz Sieger; Zempiner Eiche; Wetteraufzeichnungen; Das Urhuhn von Zempin; Zeitsplitter-Episoden

Zempiner Heimathefte Nr. 4

Geschichte, Geschichten, Bilder, Dokumente 77 Seiten mit zahlreichen Farbfotos - 9,00 EUR

Aus dem Inhalt: Entwicklung des Gewerbes in Zempin; Zempiner Lehrer: Schüleraufsätze 1965 und 1981; Seestraße und ihre Geschichte; Dorfschulze – Bürgermeister; Fischräuchereien in Zempin: Die Stranddistel; Hugo Scheele 50. Todestag; Fischereigenossenschaft; Gefährliches Küstenleben, Kinderlandverschickung; Kriegsende 1945; Zempiner Vereine; Bildung des Antennenvereins; Zeitsplitter - Episoden

Zempiner Heimathefte Nr. 5

Geschichte, Geschichten, Bilder, Dokumente 79 Seiten mit zahlreichen Farbfotos - 12,00 EUR

Aus dem Inhalt: Zempiner Lebensgeschichten; Usedom unvergessene Heimat; Zempin - neue Heimat; Die Entwicklung der Aalfischerei, FKK in Zempin; Lehrer Dunkel - Erziehung zur Natur; Holunder; Weihnachten und der Krieg; FI 103 (V!) und Zempin; Hermann Heinz Wille; Zempin und Otto Niemeyer-Holstein; Frühling und Blumen in der Ostsee; Familie Darm; Von den Anfängen der Seebäder in der Inselmitte; Zempiner Geschichte in Zahlen; Ergänzungen und Berichtigungen


Hexe von Zempin

Bernsteinhexe von Hugo Scheele

Kenntnis über eine Hexenverbrennung einer Zempinerin im Jahre 1668 erhalten wir aus dem Buch vom Chronisten der Insel Usedom, Robert Burkhardt,: Bilder aus der Geschichte der evangel. Kirchen auf Usedom, Swinemünde 1911. Auf Seite 106 schreibt er von einem Zettel im Krumminer Kirchenarchiv mit folgenden Inhalt: „Am 10.p.Trinitatis (26.Juli) 1668 wurde die Rose´sche, Zauberei halber, von Zempin nach Mölschow geholet, daselbst oft von mir besuchet, zuletzt, wie sie gebrannt worden, habe ich freiwillig dem Pastor in Coserow zugeredet, daß er sie kommunizieren und absolvieren möchte, ist aber sonst gegen Art und Herkommen. Weil es anstatt der Leichenpredigt, soll es von dem Pastor, in dessen Kirchspiel es vorgeht und der Exekution vorsteht, auch von dem Pastor loci verrichtet werden.“

Das Zeitalter der Hexenverfolgung begann in Europa um 1430 und endete um 1780. Wie eine Epidemie verbreitete sich diese Art der Todesstrafe wegen „Schadenszauber, bösem Willen oder dem Packt mit dem Teufel“. Die Insel Usedom wurde nach dem 30jährigem Krieg von 1648 bis 1720 durch die Schweden verwaltet. Die Geschichte vermerkt, in den Jahren 1668 bis 1676 sei in Schweden eine Hexenpanik ausgebrochen. Wie konnte es hier auf der Insel Usedom zu solch einem Urteil kommen. Ausgangs des Dreißigjährigen Krieges waren viele Höfe und Hütten zerstört und geplündert, die Bevölkerung verwildert und in Rohheit versunken. Die Nachkriegszeit brachte viele ungelöste Probleme, Mangel an Brotgetreide durch Wetterunbilden und schwere Krankheiten bei Mensch und Tier. Verdächtigte Personen haben im Dorf oft eine lange Verdachtskarriere hinter sich. Nachbarn sammeln Beobachtungen über Jahrzehnte, oft über ganze Familien. So wird unerklärliches, unerwartetes Unglück, plötzlich auftretende unheilbare Krankheiten und negative Gefühle, wie Neid, Hass oder Angst, zum Ausgangspunkt der Verdächtigung. Wilhelm Meinhold (1797 – 1851) in Netzelkow auf der Insel Usedom geboren, war Pastor von 1821 bis 1827 in Koserow und dann bis 1844 Pastor in Krummin. So ist es zu erklären, dass er den Zettel im Kirchenarchiv gelesen hat und diese Nachricht ihn angeregt hat über die Zeit und Umstände nachzudenken, um dann den Roman „Die Bernsteinhexe“ zu schreiben. Doch am Ende des Romans wird das Mädchen nicht dem Feuer übergeben, sondern gerettet.

Im Jahre 1668 aber wird Anna Reeßen, geborne Maaken, Jochim Reeßen Eheweib, aus Zempin, dem Feuer übergeben. Wie so oft hat ein Mensch, der als Hexe bezichtigt wurde in seiner Qual einen weiteren Menschen verdächtigt. So war es oft eine Kette von Hinrichtungen. So war es auch bei der Reeschen. Aus dem Schriftverkehr vom 05. Mai 1668 von Caspar Andreas Lepel vom Gnitz an die Juristenfakultät in Greifswald erfahren wir den Grund und wer die „Resische“ beschuldigt. Darin schreibt er: „ Marie Zimdal, Peter Dortigmarke Wittwe (gen. Dortigmarksche), hat u.a. den Töchtern Lepels [Jungfrauen] einen Geist - ins leib gewiesen, undt sie alßo jämmerlich quelen lassen -, unter Tortur - gleichwohl aber soviel bekannt, das ein ander weib die Ree[s´]sche genant, solches in ihren nahmen gethan -. Aus weiterem Schriftverkehr geht hervor, dass die Folter immer mehr verschärft wurde ..scharffe frage vorgenommen worden... danach hat sie ausgesagt, dass sie einen ...teufel habe, so Michael heiße und denselbst hat sie von der Teelschen gekriegt.... nach einer Bedenkzeit hat sie dies alles widerrufen und gesagt, dass sie unschuldig sei. Nach weiteren Torturen wird sie als ..hartneckig ..und halstarrig ...bezeichnet. Am 08. August 1668 mußte Anna Reeßen in Mölschow den Feuertod erleiden.

Die Einsicht in die Akten und die Auszüge verdanken wir Herrn Ivo Asmus, Uni Greifswald.

Schule Zempin

Schulgebäude 1. Haus - heute Dorfstraße 1

Wohnung des Schneiders


bis 1832 wurden in dem Gebäude die Dorfkinder vom Schneidermeister unterrichtet. Das Haus wurde später zum Armenhaus der Gemeinde. Der erste namentlich bekannte Lehrer in Zempin war 1783 der Schneider Michael Heller. 1787 wird das Gehalt des Lehrers erhöht, er hat freie Wohnung und kann sein Vieh kostenlos auf den Gemeindewiesen weiden.


2. Haus - heute Fischerstraße 12

Wohnung für die Familie des Lehrers und ein Klassenraum

wurde 1833 gebaut mit einer Dienstwohnung für den Lehrer. Der erste Bewohner war Lehrer Dinse, der bis zu seinem Tode 1877 hier unterrichtete. Er war vorher Schreiber beim Landratsamt in Swinemünde. Die Ortsschulinspektion war seit Gründung der Schule bis 1918 in den Händen der Pastoren des Kirchspiels Koserow. Die Pastoren, so schreibt Wilhelm Meinhold 1836 (Pastor und Verfasser der Bernsteinhexe), bilden die Lehrer monatlich weiter.

Im Jahre 1928 wurde das Haus von der Gemeinde an den Gastwirt Paul Häfke verkauft.


3. Haus heute - Fischerstraße 11 Vereinshaus „Uns olle Schaul“

1928 rechts 2 Wohnungen für Lehrerfamilien, links 2 Klassenräume

Am 13. August 1928 wurde diese Schule eingeweiht in Gegenwart des Landrates, des Schulrates Wernicke und des Lehrers Ernst Lüdke. Erbaut vom Bauunternehmer O. Jahnke, Zinnowitz. Das Gebäude hat 2 Klassenräume. Ein Raum für die 1.-4. Klasse und ein Raum für die 5.- 8. Klasse. Nebenan entstanden zwei Wohnungen für die Lehrerfamilien sogar mit Wasserleitung.

Später wurden die Räume der Wohnungen zu Unterrichtsräumen und eine Baracke im Hofraum mit Klassenzimmern, so dass jeder Jahrgang getrennt unterrichtet wurde. 1977 wurde der Dachraum über den Klassenräumen ausgebaut für die Schulspeisung mit einer eigenen Küche. Auch der „Hort“ - heute Ganztagsschule und Arbeitsgemeinschaften hatten hier ihre Heimat.

Zu DDR - Zeiten war es dadurch möglich im Sommer Kinderferienlager in den Schulräumen für Betriebe durchzuführen.

Einige Jahrgänge bis zur 10. Klasse wurden in Zinnowitz unterrichtet.

Zeitweilig hatte die Schule eine gemeinsame Verwaltung mit der Schule Koserow. Die letzten Jahre bis zum Sommer 2000 war es der Lernort für Grundschüler aus Koserow und Zempin. Im Sommer 2000 wurde in Koserow die Grundschule für die Bernsteinbäder eingerichtet. Alle Kinder fahren mit der UBB zur Schule.

Ab Dezember 2000 begann der Heimatverein Zempin e.V. Ausstellungen aufzubauen. Das Haus steht allen Vereinen für Zusammenkünfte zur Verfügung und im Sommer feiern die Freiwillige Feuerwehr und Zempiner Vereine unter den Linden ihre Feste.


Ständige Ausstellungen: - Fischerei mit Bootsmodellen des Fischers Konrad Tiefert - Schichleins Laden voller Erinnerungen


Lehrer in Zempin

seit 1831 Lehrer Johann Christoph BOLWIG

1834 – Bau eines neuen Schulhauses, das alte Hirtenhaus, in welchem sich das Schulzimmer befand, war höchst baufällig. Zu Michaelis zog Lehrer BOLWIG ein und unterrichtet dort.

1838 – am 1.April , 46 Jahre alt, starb Lehrer BOLWIG an Lungenentzündung. Er hatte als Steuermann gedient und verschiedene Seereisen gemacht. Von den 8 Bewerbern wurde Schneider Dinse aus Lütow angenommen.

1838 (01.11.) beginnt Joachim Friedrich Wilhelm Samuel DINSE – geb. am 10.06.1813 in Netzelkow. Er betreibt das Schneiderhandwerk als Nebengeschäft.

- 1897 – Lehrer WENZEL versetzt in Bezirk Köslin,

1897 - 01.07. beginnt Otto LÜBKE aus Mistroy

1900 – 01.04. Lehrer RAMM aus Liepe.

1902 – Das Stallgebäude der Schule Zempin wurde mit Kredit massiv untermauert.

1903 – Lehrer RAMM wurde versetzt nach ... . An seine Stelle trat STREHLOW aus Stettin, der dann nach Cammin ging. Der gewählte Lehrer Wilhelm BALLMANN, bisher in Luisenhof, trat am 3. September sein Amt an.

1910 – Der Lehrer Ballmann mit seinen vielen Kinder klagt über die völlig unzureichenden Wohnungsverhältnisse. Die Räume zugig und ungesund. Der Klassenraum für die mehr als 80 Kinder ist zu klein.

1914 – Lehrer Ballmann geht nach Linde in d. M.

1914 – am 1. Juli beginnt der Lehrer Wilhelm NACK aus Hagenow i. Meckl. , er zieht in den Krieg als Unteroffizier und fällt am 15. Juli 1915 in Russland.

1915 – im Oktober wurde Lehrer Ernst LÜDKE angestellt. Er ist durch einen Autounfall mit den Nerven zerrüttet. Er hat Ende März geheiratet.

Lehrer Wilhelm Ballmann
Familie Ballmann 1917

Der Lehrer Wilhelm Ballmann unterrichtete vom 01.09.1903 bis zum Osterfest 1914 die Kinder in Zempin. Er war am 26.01.1868 in Dobberpful in Pommern bei Stettin geboren und starb am 22.11.1950 in Altentreptow Kreis Demmin.

Frau Wegener, geb. Wodrich, die 1909 geboren war, konnte sich noch an den Lehrer erinnern und hat auf den Schulbildern auch noch die Zwillinge des Lehrers erkannt.

Durch eine Reisegruppe, die in der Residenz Waldhaus wohnte, bekam ich im Frühjahr 2001 schriftlichen Kontakt mit der 93 jährigen Tochter des Lehrers, Erna Stabenow, geborene Ballmann. So haben wir für unsere Chronik wichtige Angaben und Fotos über diesen Lehrer erhalten.

Die Familie Ballmann zog mit 4 Kindern nach Zempin. Sie kam von Luisenhof Kreis Anklam. Sie wohnten im Schulhaus, heute Fischerstraße 12. In diesem Haus wurden 1905 die Zwillingsjungen Gottfried und Helmut und 1907 das Mädchen Erna geboren. Sieben Kinder hatte nun der Lehrer, der nicht viel verdiente, und nur durch eine kleine Landwirtschaft war das Überleben möglich. Er selbst sagte von sich: „Ich bin Lehrer mit Kleinbauernhof oder Kleinbauer mit Lehrbefähigung“. Diese Äußerung stammt aus einem Buch seiner Enkeltochter, die weiterhin schreibt: ...“Lehrer Ballmann war eine Autorität in der Schule und im Dorf, er war sein Leben lang kaisertreu und gottesfürchtig, wie man es von einem Lehrer seiner Zeit verlangte.“

Es kam die große Sturmflut am 30. Dezember 1913! Die schmalste Stelle der Insel, heute Museum Otto Niemeyer-Holstein, gab es nicht mehr, das Ostseewasser ergoss sich in das Achterwasser und dieses stieg gewaltig an, so dass das Wasser bis weit in den Ort stand. Es dauerte lange, bis die Fluten wieder abzogen und es war vieles verwüstet.

Frau Emma Ballmann bekam solche Angst um die Kinder und die Zukunft, dass sie ihren Mann bat doch sich eine andere Stelle zu suchen, in einen anderen Ort zu ziehen, weiter weg von der Küste. Und der Lehrer zog mit der Familie zu Ostern 1914 nach Linde bei Bahn, Kreis Greifenhagen.

Von den zwei Mädchen und vier Jungen der Ballmanns wurden ein Mädchen und drei Jungen wieder Lehrer, auch bei den Enkelkindern wurde der Lehrerberuf wieder gewählt. Der jüngste Sohn der Ballmanns ist in Stalingrad gefallen.

Erna, die Lehrerin wurde, heiratete einen Lehrer! Er hatte einen sehr schweren Lebensweg, von zwei Weltkriegen gezeichnet und starb in Fünfeichen bei Neubrandenburg.

Am 8.September besuchte mich Frau Erna Stabenow mit ihren zwei Töchtern und Schwiegersohn in Zempin. Sie freute sich, dass man sich noch ihres Vaters in Zempin erinnert. Auf den Tafeln des Naturlehrpfades ist der Name Ballmann vermerkt. Auch liegen noch Originalhandschriften vom Lehrer Wilhelm Ballmann im Archiv, die Handschrift erkannte die Tochter sofort. Lehrer Ballmann hat auch die erste Schulchronik verfasst, auf die die späteren Lehrer aufgebaut haben.

Schule in Zempin bis 1928

Es war in den früheren Jahre möglich, die Knaben vom Pastor unterrichten zu lassen. Aber auch noch in Zempiner Urkunden um 1850 können meist nur die Männer ihren Namen schreiben, während die Frauen als Unterschrift drei Kreuze zeichnen, die von einer Person, die schreiben kann, bestätigt werden. Später sollten in allen Orten Schulen eingerichtet werden. Die Entwicklung der Schulgebäude in unserem Ort ist noch deutlich sichtbar, da alle drei Gebäude, in denen unterrichtet wurde, noch vorhanden sind und nebeneinander stehen.

Das erste Schulhaus ist das rohrgedeckte kleine Haus Nr. 1 der Dorfstraße. 1762 wird erwähnt, dass die Orte Loddin, Zecherin und Zempin eine Schulhalterstelle haben. Im General-Schulregelement von 1763, welches Friedrich II. erließ, steht geschrieben, warum die Kinder zu unterrichten sind: „....eine vernünftige und christliche Unterweisung der Jugend zu Gottesfurcht und anderen nützlichen Dingen als besten Grund des wahren Wohlseins des Staates ...“

Der erste Lehrer muss nicht lange in Zempin geblieben sein, denn 1783 erachtet es die preußische Regierung für notwendig, nochmals eine Schulhalterstelle einzurichten. Der Schneider Michael Hellert wird beauftragt, die Zempiner Kinder zu unterrichten. Es wird berichtet, dass von vier Schulkindern drei unordentlich sind, damit ist gemeint, dass die Eltern nicht das jährliche Schulholz zum Heizen liefern. Vier Kinder gehen überhaupt nicht in die Schule. Der Lehrer hat sich beschwert und ein Schriftstück besagt, dass das Gehalt erhöht wird, er sein Vieh kostenlos auf den Gemeindewiesen weiden lassen kann und die Wohnung mietfrei ist.

Vor dem Jahre 1832, so ist uns bekannt, war Lehrer Bollwig tätig. Sein Beruf war Steuermann. 1833 wurde ein größeres Haus auf dem anschließenden Gemeindeacker als Schule mit Lehrerwohnung gebaut - heute Fischerstr. 12. Es war ein Fachwerkhaus mit Rohrdach. Ein großer Klassenraum nahm alle Kinder auf. Das kleine alte Schulhaus wurde zum Armenhaus, wie uns die Schulchronik berichtet. In dem neuen Schulhaus unterrichtete nun der ehemalige Schreiber des Landratsamtes von Swinemünde, Wilhelm Dinse. Er hat die Kinder bis zu seinem Tode im Jahre 1877 unterrichtet. Er vertrat, laut einer Urkunde, auch bei Erbangelegenheiten die sieben Zempiner Kinder des Bauern Heinrich Lüder.

Aus den Schriften um 1836 von Wilhelm Meinhold erfahren wir, dass monatlich durch den Pastor die Lehrer weitergebildet wurden. Nach dem Tod von Wilhelm Dinse unterrichtet bis 1883 Lehrer Böttcher die Zempiner Kinder. Er fand später in Nerdin bei Anklam in der Dunkelheit in einem Torfloch den Tod. Danach lehrte drei Jahre Lehrer Suckow, der nach Zinnowitz versetzt wurde. Dann kam Lehrer Redepennig und dieser wurde 1888 in die Provinz Posen versetzt. Nun unterrichtete Lehrer Wenzel viele Jahre die Kinder, bis er 1897 nach Schilde ging. Jeweils nur drei Jahre blieben Lehrer Lübke und Otto Ramm. Ein Jahr wurden die Kinder vom Schulamtskanditaten Strelow unterrichtet, bevor Lehrer

Wilhelm Ballmann (*1868 – +1950) am 1. September 1903 mit der Familie in das Schulhaus einzog. Er kam aus Luisenhof, Kreis Anklam. In Zempin vergrößerte sich die Familie des Lehrers, es wurden 1905 die Zwillinge Herbert und Gottfried geboren und 1907 kam als Nachzügler noch Tochter Erna zur Welt. Mit sieben Kindern versuchte Wilhelm Ballmann, mit dem Beruf des Lehrers, seine Familie zu ernähren. Von sich selbst sagte er öfter: „Ich bin Lehrer mit Kleinbauernhof oder Kleinbauer mit Lehrbefähigung“. Wenn er mit dem schwarzen Anzug vor den Schulkindern stand, hatte er bereits einen Teil seines täglichen Arbeitspensums absolviert. Trotz des entbehrungsreichen Lebens wurden vier Kinder der Familie wieder Lehrer!

(Das Schulbild von 1909 der Schule Zempin zeigt eine besondere Umrahmung.

Im oberen Bildrand ist dargestellt die kaiserliche Familie. In der Mitte WILHELM II. (* 1859 + 1941), König von Preußen und deutscher Kaiser von 1888 bis 1918 und die Kaiserin AUGUSTE VICTORIA. Links ist das Abbild von WILHELM, Kronprinz des Deutschen Reiches und ganz rechts das Abbild von CECILIE, Kronprinzessin des Deutschen Reiches. Am linken Bildrand ist dargestellt FRIEDRICH WILHELM, Kurfürst von Brandenburg (* 1620 + 1688), er regierte von 1640 bis 1688, auch genannt der große Kurfürst.

Am rechten Rand ist dargestellt FRIEDRICH II. (* 1712 + 1786), auch Friedrich der Große genannt.

Auf dem unteren Rand links ist zu sehen WILHELM I. (*1797 +1888), König von Preußen von 1861 bis 1888 und deutscher Kaiser von 1871 bis 1888 und rechts ist das Bild von FRIEDRICH III. (*1831 +1888), König von Preußen und deutscher Kaiser 1888 (99 Tage).)


Als am 30. Dezember 1913 eine große Sturmflut über die Insel Usedom herein brach, bat Frau Ballmann ihren Mann inständig, doch die Insel zu verlassen, solche Angst um die Familie hatte sie befallen. Das Achterwasser hatte sich bis in die Mitte des heutigen Ortes hineingewagt und an der Ostseeseite viele Meter Land mitgerissen. Der Zempiner Fischhändler Friedrich Wegner konnte sich nur knapp selbst aus den Fluten retten, als er an der schmalsten Stelle bei Damerow, von Koserow kommend, mit Pferd und Wagen versuchte, Zempin zu erreichen. So zog die Familie Ballmann zu Ostern 1914, es war Einschulungszeit, von Zempin weg.

Ein junger lediger Lehrer, Wilhelm Nack, übernahm die Tätigkeit in der Schule, doch im August des Jahres brach der Erste Weltkrieg aus und der Lehrer musste an die Ostfront, wo er im Jahre 1915 fiel. Sein Name steht auf dem Kriegerdenkmal nahe des Parkplatzes an der Waldstraße.

Wie aus der weitergeführten Schulchronik des Lehrers Ernst Lüdke (in Zempin von 1916 – 1932) zu erfahren ist, war das Schulgebäude recht marode. Aber allgemeine Bestrebungen der Regierung führten auf der Insel Usedom zu Neubauten von Schulen. So wurden die Gemeindevertreter gezwungen, Kredit aufzunehmen, um ein neues Schulhaus zu bauen.

Am 13. August 1928 wurde es eingeweiht. Es entstand neben dem alten Schulhaus. So stehen drei Gebäude nebeneinander, die als Schulen gedient haben. Am 19. Juli 2000 war der letzte Schultag in diesem Gebäude für die Grundschüler aus Zempin und Koserow.

Für die Grundschüler der "Bernsteinbäder" wurde neben der Kirche Koserow eine Grundschule eingerichtet.

Buch Schulbilder Konfirmation Hochzeiten

Bahnhof von Zempin

Die erste deutsche Dampfbahn fuhr 1835. Die Stadt Wolgast erhielt einen Eisenbahnanschluss an die Strecke Berlin - Stralsund von Züssow aus im Jahre 1863. So konnte man von Zempin aus mit dem Pferdewagen bis nach Mahlzow fahren, dort mit der Fähre über den Peenestrom setzen und dann am Bahnhof Wolgast-Hafen in den Zug steigen. Um 1900 gab es für Reisende in die Seebäder der Insel Usedom über Wolgast schon den günstigen Bädertarif, wobei sie für die Übersetzung auf die Insel selbst zu sorgen hatten. 1876 verkehrte die Bahn von Ducherow über Karnin bis Swinemünde. Eine Verlängerung bis Heringsdorf entstand 1894, aber erst 1911 ist eine Verlängerung bis Wolgaster Fähre möglich. Die Heringsdorfer wollten nicht, dass die rauchenden Dampfloks durch das schon recht mondäne Seebad fuhren. Nach langen Verhandlungen fuhr deshalb die Bahn um den Präsidentenberg herum und Heringsdorf erhielt einen Sackbahnhof.

So konnten ab 1876 die Besucher aus Richtung Berlin, die nach Zempin und Zinnowitz wollten, mit der Bahn auf die Insel Usedom bis Karnin fahren, dort in ein Dampfschiff umsteigen und über den Peenestrom und das Achterwasser im Hafen Störlanke (Zinnowitz) ankommen. Hier wurden sie mit dem Pferdewagen abgeholt. Nachdem die Seebrücken an der Ostseeküste (Zinnowitz 1909) gebaut waren, konnte die Anreise auch mit einem Dampfschiff von Stettin aus über Swinemünde zu den Seebrücken erfolgen. Vorher war es auch möglich: Die Gäste wurden „ausgebootet“, d.h. die Dampfer ankerten in der See und die Gäste mussten in kleine Boote umsteigen und wurden dann an den Strand gebracht.

Am 1. Juni 1911 war also auch Zempin an das Netz der Eisenbahn angebunden. Gleichzeitig mit den Gleisanlagen wurden die Bahnhöfe erbaut. Das Gebäude in Zempin war ein spiegelgleicher Bau des Bahnhofes von Ückeritz. Die Veranda der Bahnhofsgasstätte wurde etwas später errichtet. Am 1. Dezember 1911 begann der erste Bahnhofsvorsteher, Karl Schichlein sen., geboren 1874, seinen Dienst in Zempin. Er kam mit Frau und vier Kindern aus Torgelow. Sie wohnten in der Dienstwohnung im Bahnhof, 1914 wurde hier das fünfte Kind, Tochter Hildegard, geboren. Im Jahre 1923 bezog die Familie ihr neues eigenes Haus in der Strandstraße 7. Danach ging Karl Schichlein sen. in Pension. Wie wir aus der Schulchronik wissen, war der Bahnhofsvorsteher Karl Schichlein eine angesehene Person. 1926 wurde er Gemeindevertreter und 1928 / 29 Gemeindevorsteher der Gemeinde Zempin. Er starb 1945 in Zempin.

Einer der nächsten Bahnhofsvorsteher war Herr Grimm. Senta Wodrich, geb. 1920, berichtete, dass ihr Vater, Alfred Wodrich, geb. 1893, als Fahrdienstleiter bei der Bahn beschäftigt war. Manchmal ging Senta am Sonntag Vormittag mit dem Vater zum Bahnhofsgebäude, wo sie Kirchensendungen im Radio hörten. Sie ging auch mit dem Vater zu den Signalen, um die Petroleumlampen zu füllen. Später arbeitete sie selbst einige Jahre bei der Bahn. So wusste sie, dass der Maler Otto Niemeyer-Holstein oft zum Bahnhof kam, um Auskunft über den Fahrplan zu erhalten. Er malte auch ein Bild von Alfred Wodrich in der Bahnhofsuniform. Mündlich wurde übermittelt, dass der Fahrdienstleiter Alfred Wodrich der Einzige war, den man mit der heute noch erhaltenen Zempiner Schützenfahne von 1914 mit der Bahn bis nach Köln senden konnte, um die Fahne im Kölner Dom weihen zu lassen. Obwohl es verwundert, da der Kölner Dom katholisch ist und wir zum evangelischen Kirchspiel Koserow gehören.

Die Gästezahlen auf der gesamten Insel Usedom stiegen mit dem Ausbau der Bahn. Die Gäste wurden von den Vermietern am Bahnhof empfangen, das Gepäck wurde mit dem Handkarren zur Unterkunft gebracht. Da auch unangemeldete Gäste kamen, warteten immer einige Vermieter am Bahnsteig oder am Gartenzaun nach der Zugankunft, um ihre Zimmer anzubieten. Aber es kamen nicht nur Personenzüge, sondern auch Güterzüge. Sie brachten Baumaterial, Kohle usw. Auch die Fischer profitierten von der Bahn. So konnten sie die am Morgen gefangenen Fische über Mittag in den Fischräuchereien des Ortes räuchern lassen. Diese wurden dann in Kisten in Waggons verladen und nach Berlin zur großen Markthalle versandt. Am nächsten Morgen in aller Frühe stand dort die Ware zum Verkauf. Dadurch konnten in Zempin mehrere Fischräuchereien existieren. Ein nennenswertes Ereignis für den Zempiner Bahnhof geschah im April 1933. Ein ausrangierter, acht Tonnen schwerer S-Bahn Wagen ohne Räder traf für den Künstler Otto Niemeyer-Holstein ein. Für 60 Reichsmark hatte er ihn im Jahre 1932 in Berlin erstanden. Achim Roscher schreibt in seinem Buch Lüttenort: „...wo er mit Hilfe Einheimischer in einer abenteuerlichen Aktion auf das Grundstück transportiert wurde.“

Es hat Tage gedauert, ständiges Umsetzen der Hölzer, pro Tag kam man ca. 70 m voran. Aber nach Tagen und Ärger mit der Polizei, da das Ungetüm die einzige schmale Inselstraße verengte, kam das Kommando: zurück zum Bahnhof, wir dürfen doch den Waggon am Grundstück herunterziehen. Etwa 20 Personen aus Zempin und Koserow, darunter viele Fischer, halfen bei dem Transport. Noch heute steht der S-Bahnwagen auf dem Grundstück und ist von zwei Seiten eingemauert. Es war die erste Behausung für den Künstler und seine Frau. An dieser schmalen Stelle wurde ab 1939 das Sperrgebiet Peenemünde West auf Straße und Schiene eingerichtet. Durchreisende zwischen der geschaffenen Haltestelle „Lüttenort“ und Wolgast-Hafen mussten in extra gekennzeichnete Waggons einsteigen und die Waggons wurden zwischen diesen Bahnhöfen verschlossen. Nur Einwohner oder Personen mit besonderem Ausweis durften sich in dem Gebiet aufhalten. Die Strecke Heringsdorf – Wolgaster-Fähre ist eingleisig. An einigen Stellen wurden Ausweichstellen geschaffen, so auch im Bahnhofsbereich Zempin.

Der Bahnhof Zempin wurde während des II. Weltkrieges mit einem zusätzlichen Gleisstück und einer Rampe versehen. Das war erforderlich, um die V1 – Flügelbomben, die zu je drei Stück in einem Güterwaggon verladen waren, hier zu entladen. Sie wurden dann mit LKW auf den Betonbahnen zu den drei Abschussstellen in den Küstenwald zwischen Zempin und Zinnowitz transportiert. Dazu wurde extra ein Betonweg direkt vom Bahnhof zur Straße B 111 geschaffen. Die Ladung kam aus dem Süden Deutschlands. Es kamen viele Waggons, teilweise bis zu 90 Stück V 1, für Industrie- und Transporterprobungen. In der Zeit des zweiten Weltkrieges wurde auch die Schranke an der heutigen Fischerstraße ständig geschlossen und die Straße aufgerissen, um eine Durchfahrt zu verhindern. Im Juli 1944 wurde der Bahnhof durch Bomben zerstört. Erst am 1. Mai 1954 konnte ein Richtfest für den Neubau gefeiert werden, der jedoch viel einfacher in Form und Gestaltung ausfiel. In dieser Zeit wurde der Bahnübergang wieder geöffnet. In dem Bahnhofsgebäude gab es wieder eine Gaststätte und Wohnungen. Auf der Gleisseite standen die Handkurbeln zum Öffnen und Schließen der Schranken.


Da zu Kriegsende die Brücken, auch die Eisenbahnbrücke von Karnin, zur Insel Usedom gesprengt wurden, gab es keine Eisenbahnverbindung zum Festland mehr. Auch die Gleisanlagen wurden teilweise abgebaut und als Reparationen nach Russland geschafft. So gab es auf der Insel durch die Grenzziehung zwischen Polen und Deutschland nur noch eine Gleisverbindung zwischen Ahlbeck und Wolgaster-Fähre. Die Inselbahn fuhr nun immer nur hin und zurück. Zeitweilig war diese Strecke auch unterbrochen, da die Betonbrücke zwischen Zinnowitz und Zempin über die B 111 am Kriegsende gesprengt wurde. Die Fahrgäste mussten diese Stelle zu Fuß überwinden. Zu dieser Zeit fuhren manchmal aber nur drei Züge in der Woche. Diese Brücke mussten von Russen verpflichtete Frauen mit Holzbalkenstapeln und Stahlträgern wieder notdürftig erbauen. Später wurde sie als Stahlbau errichtet und 1998 nach einem Unfall mit einem Bagger erneuert. Fähren kamen wieder zum Einsatz. So in Wolgast die Eisenbahnfähre für jeweils drei Güterwaggons. Es ist die Fähre, die 1890 gebaut, heute als Museumsstück im Wolgaster Hafen steht. Ehemals hatte sie Stralsund mit der Insel Rügen verbunden. Diese Fähre für Güterwaggons war bis November 1990 im Einsatz.

Viele Güterwaggons wurden in Zempin auch zur Zeit der Fischereigenossenschaft be- und entladen. Frostfisch, Räucherholz, Verpackungsmaterial, Fischkisten usw. wurden mit der Bahn transportiert. Die zerstörten Wolgaster und Zecheriner Straßenbrücken wurden 1950 und 1957 wieder aufgebaut. Die Gästezahlen und der Verkehr mit der Eisenbahn stiegen wieder an. Die Ankommenden aus Richtung Züssow verließen in Wolgast am Bahnhof Hafen die Bahn und mussten ca. 1 km über die Peenebrücke laufen, um wieder in den Zug steigen zu können, der die Insel nicht verlassen konnte. Mit den Aufbau des FDGB -Feriendienstes (Freier Deutscher Gewerkschaftsbund) entstanden auch viele Kinderferienlager auf der Insel Usedom, sodass im Sommer Fernzüge zur Ostsee in den Fahrplan aufgenommen wurden. Bis 1955 waren es täglich 5 Zugpaare, dies steigerte sich bis 1984 auf täglich 10 Zugpaare. Alle Reisenden mussten weiterhin die Peenebrücke in Wolgast zu Fuß überqueren, um zum Anschlusszug zu kommen. Diese Situation wurde erst im Mai 2000 geändert. Der Zug konnte nun erstmals die Insel über die neu errichtete breite Peene-Klappbrücke, die mit einem Gleis versehen war, in Richtung Züssow verlassen. Jetzt war die Insel wieder per Schiene mit dem Festland verbunden. Aber auch Fernzüge fuhren seit dem Jahre 2000 wieder bis Heringsdorf. Im Jahre 1993 wurden türkisfarbene Triebwagen auf die Insel gebracht, im Volkmund „Ferkeltaxe“ genannt. In der Werbung der UBB (Usedomer Bäderbahn) finden wir deshalb das kleine Schweinchen. Die UBB fuhr seit dem Sommerfahrplan 1998 im 30-Minuten-Takt und im Winter im Stundentakt in beiden Richtungen. Die Modernisierung ging mit großen Schritten weiter. Die zwei Zempiner Schrankenanlagen, die noch bis 1998 mit der Hand gekurbelt wurden, erhielten im November 2001 modernste automatische Halbschranken. Die fast 100 jährige Stellwerkstechnik im Bahnhofsgebäude wurde durch Relaistechnik vom Koserower Bahnhof aus abgelöst und ist nun museumsreif. Seit dieser Zeit waren im Bahnhofsgebäude Zempin keine Beschäftigten mehr nötig. Im Sommer 2007 richtet die UBB wieder Schalterstunden in Zempin ein, da das vielfältige Fahrkartenangebot (Kombi-Tickets, Tageskarten) zusätzlichen Verkauf und Information für die Reisenden erforderte. Seit dem Jahr 2002 fahren durchgehende Züge bis Stralsund. Neue moderne Dieseltriebwagen mit der blauen Welle bemalt, mit Fahrradabteil und Toiletten an Bord wurden für viele Urlauber eine Alternative zum Stau auf der Straße im PKW. Die Fahrgastzahlen stiegen stetig. Nachdem die UBB Bahnsteige, Beleuchtung und das Gebäude in Zempin äußerlich saniert hatte, konnte auch die Gemeinde Zempin den Vorplatz mit Pflasterung, Beleuchtung, Parkplätzen und Toilette neu gestalten. Im September 2006 wurde dies mit einem Straßenfest gefeiert. An die Gründungszeit erinnern noch das ursprüngliche Kopfsteinpflaster und die mächtigen Kastanien, die bei der Erbauung des Bahnhofes gepflanzt wurden.

Dorfschulze - Bürgermeister

Bürgermeister Schichlein sen.
Bürgermeister Mahrholz und Frau

Die erste Bezeichnung als SCHULZE für den Ort Zempin finden wir in den Aufzeichnungen der schwedischen Vermesser von 1693. Der Schulze war vom „Besitzer, Herrschenden“ beauftragt. Die Einsetzung, Aufgaben und Bezeichnungen änderten sich später. So wurde der Dorfschulze auch Dorfältester oder Gemeindevorsteher genannt. Heute nennen wir die Person mit den entsprechenden Aufgaben und Befugnissen Bürgermeister.

Eine Dorf-Schulzen-Ordnung der Schweden aus dem Jahr 1800 für Vorpommern, dessen Teil nicht unter preußischer Herrschaft stand, zeigt uns, welche Anforderungen an den Schulzen gestellt wurden. Sie soll hier in Auszügen genannt werden:

- Es sollte einer der verständigsten und redlichsten Bauern, welcher wenigstens etwas Schreiben, auch Geschriebenes lesen kann, sein.

- Der Schulze ist der erste Mann im Dorfe, dessen Einwohner, wenn er amtshalber etwas ankündigt, ihm Achtung und Folgsamkeit erweisen müssen.

- Den der Bauerschaft etwa erteilten Königl. Pacht-Contract, das Inventarium, auch die Quittungsbücher und sonstige, die gemeine Dorfschaft angehende Papiere, muss der Schulze stets in einem eigens dazu anzuschaffenden Schrank sorgfältig und reinlich bei sich aufbewahren ...

- wird sämtlichen Schulzen in den Strand- und Fischerdörfern aufgegeben, ernstlich darüber zu wachen, dass 1.) die Netze die ihnen vom Königl.

Amt mitzuteilende Maße nicht überschreiten. 2.) daß die verbotene Fischzeit genau beobachtet, auch 3.) die gefangene junge Fischbrut sofort wieder ins Wasser geworfen, und nicht wie bisher geschehen zu anderen Zwecken, besonders zur Fütterung der Schweine, verwandt werden. Die Schulzen werden dem Fischmeister bei jeder Visitation hiermit verantwortlich gemacht.

Oft wurde dieses Amt auch an die gleiche Familie vergeben. Für Schreibarbeiten wurde oft der Lehrer herangezogen. So war es auch 1836 in Zempin, als der Schulze Johann Heinrich STEFFEN das Amt übernahm, nicht aber schreiben konnte.

Bürgermeister Machals
Bürgermeister Bast

Im Frühjahr 1915 hatte Gemeindevorsteher Heinrich Lüder sein Amt niedergelegt, weil er seine Wirtschaft als alter Mann alleine besorgen musste, sein Sohn war im Felde und die Brotmarkenausgabe mit Listenführung und sonstige Kriegsarbeiten des Gemeindeoberhauptes machte ihm zu viel Arbeit.

Die Gemeinde wählte sich den Eigenbüdner und Fischer Wilhelm Heyden zum Gemeindevorsteher. Er hatte sich nicht für einen neues Schulgebäude eingesetzt. 1926 übernahm der 73-jährige Bauer Lüder die Gemeindegeschäfte. Er ließ sich vom Lehrer Ernst Lüdke unterstützen. Der benutzte die Gelegenheit, den arg vernachlässigten Schulneubau mit List zu fördern. Es gelang ihm, mit Krediten der Gemeinde den Neubau vom Bauunternehmer Jahnke aus Zinnowitz zu planen und 1928 auszuführen.

Hier eine Zusammenstellung der Personen, die für den Ort Zempin verantwortlich zeichneten und zeichnen, soweit die Unterlagen zu finden waren:


1693 Sucker, Peter - Bauer

1716 Scheil, Johan - Bauer

1781 Steffen, Johann - Bauer, am 15.12. verstorben

1793 Steffen, J.F.

1798 Steffen, Heinrich (Hinrich)

1836 Steffen, Johann Heinrich

Bürgermeister Glosch
Bürgermeister Übergabe Stockmann an Schön
Bürgermeister Werner Schön

vor 1864 Lüder, Martin - Bauer

1887 Erdmann, Johann Heinrich

1906 - 1915 Lüder II, Heinrich - Bauer

1915 - 1926 Heyden, Wilhelm - Eigenbüdner und Fischer

1926 Lüder Bauer, 73 Jahre alt

1926 - 1927 Kagemann, Otto

1927 - 1928 Wossowski - Schneider

1928 Schichlein, Karl - Bahnhofsvorsteher in Zempin

1929 - 1938 Mahrholz, Robert - Bankfachmann

1938 1940 Mann, Ernst

1940 - 1945 Verwaltung durch den Ort Zinnowitz, Bürgermeister Kumm

1945 Steffen, Johann

- Schätzchen, Karl

- 1947 Orlowski, Albert - Bahnhofswirt

- Schlorf, Bruno

1947 - 1954 Bast, Walter - Bauarbeiter

- 1961 Machals, Hans

1961 - 1963 Seeck, Erhard

1964 - 1990 Glosch, Reinhard - Motorenschlosser

1990 - 2004 Stockmann, Hilde - Schneiderin

ab 2004 Schön, Werner - Dreher


Unterschriften, Stempel und Siegel der Gemeinde Zempin:

Seestraße und ihre Geschichte

Bis 1935 war an dieser Stelle ein durchgehender Waldstreifen, und die Gegend ist auf der Flurkarte mit „Grabow“ bezeichnet. Der Name Grabow wird abgeleitet vom altslawischen „grabu“ – Hainbuche, somit Buchendorf oder Hainbuchenort. (Wikipedia) Das Areal von ca. 11 ha wurde von der Wehrmacht vermessen und 1936 abgeholzt.

Das ganze Dorf holte sich das Holz. Es wurde eine Unteroffizierschule gebaut. Die Transformatorenstation wurde gegenüber an der Inselstraße errichtet, es ist heute das Haus Hauptstr. Nr. 21 A - „Turino“.

Die Häuser der Ausbildungsstätte waren im Stil dieser Zeit massiv gebaut, mit kleinen Schmuckelementen und Fensterläden. Es war alles eingezäunt und am Eingang gemauerte Pfeiler. Für die Offiziersmesse hatte auch Otto Niemeyer-Holstein ein Wandgemälde gefertigt. Der Entwurf befindet sich im Archiv des Museums Lüttenort. Ein eigener Poststempel der Ausbildungsstätte lautet: Marineflugabwehr- und Küstenartillerieschule Swinemünde Diese Schule war dienstlich nicht mit den Abteilungen für die Abschussrampen der V1 im Ort verbunden. Die am 16.07.1944 durch Bombenangriff britischer Bomber zerstörten Gebäude, dabei mussten mehrere junge Menschen ihr Leben lassen, wurden teilweise wieder instandgesetzt.

Im Mai 1945, beim Einmarsch der Roten Armee, wurden die Häuser und Anlagen gesprengt. Diese Trümmerstelle wurde von den Einheimischen nur „der Platz“ genannt. Aus den Trümmern wurde alles, was nicht niet- und nagelfest war, weggeschleppt. Viele Häuser des Ortes, die schon sehr alt und als Fachwerk errichtet waren, wurden Stück für Stück mit diesem Material ausgemauert. Zaunpfähle aus Beton standen nun auch im Dorf. Aber auch Restbestände an Wäsche und Lebensmitteln wurden gehamstert.

Um 1950 begannen Zeltler sich im Sommer am Rande dieses Platzes auszubreiten. Die Jugend des Ortes wurde motiviert, einen Sportplatz zu errichten und sie räumten dabei sehr fleißig auf, doch ihr Sportplatz wurde 1953 nicht weiter gebaut. In Gemeindeprotokollen wird die Einebnung der geräumten Stelle bestätigt.

Der FDGB (Freier Deutscher Gewerkschaftsbund) konnte nicht allen Menschen einen Urlaubsplatz bieten, und so begannen die volkseigenen Betriebe ab ca. 1960 für ihre Kollegen Hütten aufzustellen. So dicht an der Ostsee war „der Platz“ sehr begehrt. Oft waren sie erst nur als Kinderferienlager konzipiert. Nach und nach siedelten auf dem Trümmerfeld folgende Betriebe:

Handwerkskammer des Bezirkes Gera, VEB Wälzlagerwerke Fraureuth, VEB Zuckerfabrik „Fritz Reuter“ Anklam, Betrieb Zuckerfabrik Jarmen, VEB Melioration Cottbus, Krankenhaus Oschatz, MAW VEB Magdeburger Armaturenwerke „Karl Marx“ - Armaturenkombinat, VEB Armaturenwerke Halle, Heilstätten Zschadras, VEB Burger Knäcke-Werke, VEB Walzwerk Burg, VEB Tierzucht Neubrandenburg

Die Betriebe waren auch verpflichtet, der Gemeinde eine Gegenleistung zu erbringen. So wurde u.a. die Abwasserplanung für den Ort erstellt, das Pumpwerk an der B 111 und die Klärteiche auf den Wiesen zum Achterwasser errichtet. Auch die eigene Zempiner Wasserversorgung wurde von den Betrieben aufgebaut.

Die Arbeiter und Betreuer für den Aufbau und die Durchführung des gewerkschaftlichen Urlauberquartiers mussten die Betriebe aus ihrer Region stellen und auch versuchen, für sie Unterkünfte zu errichten.

Im Frühjahr kam oft ein „Aufbaustab“ von Mitarbeitern der Betriebe und richtete alles für die Betriebskinder oder Beschäftigten und deren Urlaub her. Im Herbst kam dann wieder solch ein „Stab“ und machte alles winterfest. Die Urlauber waren so wie die FDGB-Urlauber für 13 Nächte hier in Vollverpflegung. Da die Versorgung oft sehr schwer zu beschaffen war, hatte z.B. das Walzwerk Burg nur für die Lagerung von Flaschenbier ein extra Gebäude gebaut.

Die Einwohnerzahl stieg deshalb auch auf über 1000.


Nach der Wende wurden die Betriebe in Privatbesitz übertragen. Je nach Stellung der Betriebe war dafür die Treuhand oder das Land zuständig. Grund und Boden, der einst der Wehrmacht gehörte, wurde über das Bundesvermögensamt verkauft.

So wurde aus dem Betriebsheim des VEB Wälzlagerwerke Fraureuth das HOTEL WIKINGER. Auf dem Gelände der Handwerkskammer des Bezirkes Gera wurde das „Haus am Ostseestrand“, das PFLEGEHEIM SEEBAD ZEMPIN GmbH, neu errichtet. Die Handwerkskammer wollte ein neues großes Haus erbauen, aber durch die Wendezeit blieb es unvollendet stehen. Erst nach 10 Jahren kam ein Weiterverkauf zustande. Da waren die Mauerwerke nicht mehr zu verwenden.

Das Ferienheim des VEB Zuckerfabrik „Fritz Reuter“ Anklam, Betriebsteil Zuckerfabrik Jarmen, wurde an die Steuerberaterin Anke NEBERT verkauft, die außer dem Bürogebäude auch Ferienwohnungen im GÄSTEHAUS STÖRTEBEKER daraus entstehen ließ. Das Ferienheim des VEB Melioration Cottbus kaufte die Familie Diethard SCHMIDT aus Zempin und der Sohn führt heute den GASTHOF SEEADLER, Pension und Restaurant, weiter.

Das große Haus des Kombinates MAW VEB Magdeburger Armaturenwerke „Karl Marx“ ist heute das Appartementhaus SÜDWIND. Der Teil des Kombinates des VEB Armaturenwerke Halle ist heute das OSTSEEHOTEL ZEMPIN. Gemeinsam hatten diese Betriebe einen großen Speisesaal mit Großküche und Versorgung errichtet. Dort konnten auch andere Betriebe ihre Urlauber zur Versorgung anmelden. Dieses Gebäude war auf den Fundamenten eines Hauses aus der Zeit der Wehrmacht errichtet. Es wurde bis auf diese Mauern abgerissen und die Wohnanlage DÜNENECK zum Verkauf einzelner Ferienwohnungen erbaut. Die kleinen Bungalows, die die Heilstätten Zschadras für ihre Urlauber am Anfang der Seestraße gebaut hatten, wurden zu Gunsten eines Parkplatzes abgerissen.

Das Areal des VEB Burger Knäcke-Werke (dicht an der Ostsee) erwarb Frau Karin Baudisch-Martin aus Zempin. Sie baute diese Anlage zur Ferienanlage STRANDIDYLL aus.

Die PENSION DÜNENHAUS war das Ferienheim des VEB Tierzucht Neubrandenburg und hat den Eingang im Oberförsterweg, es liegt aber auf dem Gelände der ehemaligen Flakschule. Frau Barbara Gehrke führt dieses Haus. Das Geländes des Kinderferienlagers VEB Walzwerk Burg wird erst jetzt, nachdem es im alten Stil verpachtete war und mehrfachen Eigentümerwechsel überstand, in eine Wohnanlage OSTSEEPARK umgebaut und soll im Sommer 2011 fertig sein. Die Erdgeschosswohnungen sind stufenlos erreichbar und werden alters- und behindertenfreundlich angelegt.

Wasserleitungsbau in Zempin

Wasserleitung Zempin Bau.jpg



























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Zempiner Vereine

Das Wort Verein bezeichnet dem Wortstamm nach etwas vereinen, etwas zusammen bringen. Ein Verein ist eine freiwillige und auf Dauer angelegte Vereinigung von natürlichen oder juristischen Personen zur Verfolgung eines oder mehrere Zwecke. Das Aufblühen des modernen Vereinswesens ist eng mit der Zeit der Industrialisierung verknüpft. In der DDR gab es spätestens seit dem Jahre 1976, mit der Ablösung des BGB durch das Zivilgesetzbuch der DDR, außer Sportvereinen offiziell keine Vereine mehr. Unter dem Kulturbund der DDR (kulturelle Massenorganisation) konnten sich Personen zu vorgegebenen Zwecken zusammenfinden.

Gemäß des Grundgesetzes der Bundesrepublik haben „alle Deutschen […] das Recht, Vereine und Gesellschaften zu bilden.“ Somit ist das Recht auf Vereinsgründung ein bürgerliches Grundrecht.

Zur Gründung eines Vereins müssen sich sieben Personen finden, die sich für einen bestimmten Zweck eine Satzung geben. Die Mitgliederzahl kann im Bestand jedoch wechseln.

Für das Zusammenleben in einem Ort ist es gut, wenn sich Menschen finden, die sich besondere ehrenamtliche Aufgaben übernehmen, ob kulturell, sozial oder zu anderen Zwecken.

In Zempin ist der erste nachweisliche Verein 1874 gegründet worden. Nach der Wende haben sich wieder mehrere Vereine gebildet. Die Menschen mussten erst wieder lernen ohne inhaltliche oder personelle Kontrolle sich zu versammeln. Heute kann die Gemeinde Zempin stolz auf das vielfältig gestaltete Leben der Bürger sein. Auf der Homepage des Seebades Zempin, www.seebad-zempin.de, sind auch die Vereine vertreten und zeigen etwas aus ihren gemeinsamen Veranstaltungen.

Zempiner Vereine

1874 wurde die SCHÜTZENGILDE (Schützenverein) gegründet. Der erste Vorsitzende war der Bauer Lüder

1899 gründete sich der GESANGSVEREIN „Eintracht“

1916 wurde der KRIEGERVEREIN gegründet. Der erste Vorsitzende war der Postmeister Krebs. Es vereinten sich besonders die Kriegsteilnehmer des Ersten Weltkrieges.

1920 etwa führte der THEATERVEREIN „Frohsinn“ plattdeutsche, volkstümliche Stücke für die Gäste und Bewohner auf.

1922 etwa zeigte auch der TURNVEREIN was er alles kann.

1952 etwa trainierte die KUNSTKRAFT - Sportgruppe unter der Leitung von Heini Döge im Waldhaus

1964 am 24. April begann der ANGEL- und SPORTBOOTVERBAND am Ryck seine Arbeit.

1965 entstand der ZEMPINER KARNEVAL - bis 1989 gab es jedes Jahr drei tolle Tage und auch im Sommer ein Neptunfest.

1983 sind die Anfänge der Kleingartensparte, die 1990 den Namen GARTENVEREIN „Am Rieck“ Zempin e.V. erhält.

1988 ist die Gründung der Großgemeinschafts- Antennenanlage, die nach der Wende ANTENNENGEMEINSCHAFT Zempin e.V. heißt. Es ist der zahlenmäßig größte Verein.

1991 am 28.Februar gründet sich der FREMDENVERKEHRSVEREIN er löste sich im November 2002 auf.

1992 entsteht der SIEDLERVERBAND Zempin e.V. Er vereinigt die Interessen der Wochenendhausbesitzer im Küstenwald und Möwenweg.

1994 gibt es am Achterwasser den ANGEL- und WASSERSPORTVEREIN Inselhof e.V.

1995 am 20. April gründet sich der HEIMATVEREIN Zempin e.V.

1995 ab 20. Juni kümmert sich der ELTERNVEREIN „Zempiner Rangen“ e.V. um die Kindertagesstätte.

1996 am 16. März haben die Schützen des Ortes mit den Seebädern Koserow, Loddin und Ückeritz einen AMTSSCHÜTZENVEREIN Vineta gegründet. Vorsitzender: Wolfgang Hauff, Zempin

2000 die Ortsgruppe der VOLKSSOLIDARITÄT e.V. Zempin wird nach langer Pause wiederbelebt und sorgt sich besonders um die Senioren.

2007 DE DANZHEUNER üben Tänze ein, die zur Freude der Gäste und Bewohner bei Veranstaltungen gezeigt werden.


Entwicklung des Gewerbes in Zempin

Im Jahre 1693 erfassten die Schweden systematisch die ganze Insel Usedom. Die kleine Ansiedlung Zempin kann vier Bauern und einen Viehhirten verzeichnen, alle waren Selbstversorger. Werkzeuge oder Haushaltsgegenstände, die man nicht anfertigen konnte, holte man sich aus der Stadt. Die nächste Stadt Lassan war über das Achterwasser zu erreichen. Boote hatte man zum Fischen und als Transportmittel.

Zur Stadt Wolgast, die zu dieser Zeit bis 1815 schwedisch war, konnte man nur mit einer Fähre über den Peenestrom kommen. Swinemünde war nach 1765 als Hafen soweit entwickelt, dass ein Magistrat eingesetzt wurde und der Ort sich als Stadt entwickelte. Swinemünde wurde 1819 Kreisstadt für die Insel Usedom und Wollin.

Im Kirchenbuch erfahren wir, dass im Jahre 1756 in Zempin der Schneider und Lehrer Michael HELLERT heiratet. Es sind weitere Lehrer bekannt, 1838 wird ein Schneider, Wilhelm DINSE aus Lütow, als Lehrer in Zempin angestellt, die Schneiderei betreibt er dann im Nebengewerbe.

Von einem Dorfgasthof in Zempin berichten die Zinnowitzer Reiseführer im Jahre 1887. Der beginnende Badebetrieb in Zinnowitz hat seine Auswirkungen bis nach Zempin. Die Zinnowitzer Gäste wandern nach Zempin und können in der 1865 errichteten Waldhalle des ehemaligen Kapitäns Friedrich SCHOHL einkehren. Er bietet auch Gästebetten an, die preiswerter sind als die im Nachbarort.

In der Werbung vom Jahre 1902 bietet er Konserven, Butter, Aufschnitt und Käse an und wir finden den Hinweis, dass Schlächter und Bäcker täglich aus Zinnowitz kommen und frische Ware anbieten. Die schnelle Entwicklung zum Badeort lässt weitere Gewerbetreibende investieren. 1910 eröffnet das Strandhotel.

1902 wird das Haus, heute Strandstraße 2, erbaut mit Wohnung und Verkaufsladen. 1915 kauft dieses Haus das Ehepaar Robert und Minna NEUMANN. Sie waren schon erfahrene Geschäftsleute, die aus Wolgast nach Zempin zogen. Das Geschäft wird durch die Tochter, verheiratete GREMPLER, weitergeführt, das Haus ist noch heute in Familienbesitz. Dort konnte man Andenken und benötigte Reiseartikel kaufen. Zu DDR-Zeiten bewirtschaftet der KONSUM das Geschäft mit Textilien.

Nebenan kaufen 1905 Ida und Paul WIECK, der gelernte Fleischer, das Gebäude und richteten einen Lebensmittelladen ein. Im anderen Teil des Gebäudes, der „Villa Merkur“, vermietet die Familie Zimmer.

1923 kann man in Zempin schon in Konditorei und Café DAWEZYNSKI, dem späteren Pommernhaus, einkehren und ein Tänzchen wagen. Geworben wird damit, dass nun Kaufleute, Bäcker und Fleischer im Ort sind. Auch sei frisches Gemüse und gute Milch täglich zu haben.

Der Bauer Richard WALTER erkennt, dass nun in Zinnowitz Gemüse und Blumen für die Hotels gebraucht werden und stellt sich um, er wird Gärtner. Die Gäste und Bewohner benutzen gern das neue Transportmittel, die Eisenbahn. Selbst die Kirche richtet sich mit dem Beginn des Gottesdienstes nach dem Fahrplan. Die Wartezeiten vergehen ab 1927 durch die Bahnhofswirtschaft mit dem Gastwirt Gottfried SUHR viel gemütlicher.

Als Kind von drei Jahren kommt Karl SCHICHLEIN mit seinen Eltern nach Zempin, da der Vater an der neuen Strecke Bahnhofsvorsteher wurde. Er lernt Kaufmann, obwohl es schon die Kaufleute BOLDT im Dorf, WIECK und NEUMANN an der Hauptstraße gab. Da die Einwohner- und Gästezahl gestiegen war, hat Schichlein 1928 den Mut, einen Laden in der Strandstraße zu eröffnen. Da der Kaufmann im Haus wohnt, geht man auch mal abends „hintenherum“, um Bier oder Schnaps zu holen. Er wiederum holt die frischen Eier aus dem Stall von seinen Hühnern. Bis 1996 ist der Laden geöffnet, der in den letzten Jahren von seiner Tochter und Schwiegertochter betrieben wird.

Tankstelle, Garagen, Autopflege, Werkstätten und Geschäfte jeder Art werden in Zempin 1933 im Reiseführer angepriesen. Das Gepäck der Gäste wird zum Bahnhof transportiert. So kann sich der Dienstmann Hermann SCHÜTT etwas verdienen.

Eine neue Einnahmequelle ist die Vermietung von Strandkörben. Von Jahr zu Jahr spart man die Einnahmen, um noch mehr Körbe anzuschaffen. Der Badegast bekommt die schwere Arbeit des Einwinterns kaum zu sehen: Die schweren Strandkörbe müssen ins Winterquartier transportiert, gestapelt und repariert werden. Die Fischer bieten den Gästen auch Touren auf die Ostsee an. Ruderboote konnten später am Strand vermietet werden. Zu DDR-Zeiten dürfen allerdings diese Ruderboote nicht mehr am Strand stehen, um die „Republikflucht“ zu verhindern.

Wilhelm KRACHT bietet seine Fleisch- und Wurstwaren im Katalog von 1934 an und betont, dass er einen „elektrischen Betrieb“ hat. Ein Schuhmacher wird im Ort gebraucht, als erster kommt Fritz STEFFEN, später Willi SCHÖN.

Die Versorgung mit frischen Backwaren für die Gäste in den Pensionen und Zimmern der Einwohnern war ein gutes Geschäft, so dass die Bäckerei GEHRMANN an der Hauptstraße vom Bäcker Erich HAUFF weiter geführt wird und in der heutigen Fischerstraße ist der Bäcker Walter DÖRING recht fleißig. Familie GRAUMANN, gegenüber vom Laden Paul Wiecks, verkauft frisches Gemüse und Obst. Emmi SCHLORF hat im Sommer am Strandzugang eine kleine Milchhalle. Der Schneider Karl WODRICH näht die meisten Stücke wie Hosen, Jacken und auch Segel für die Zempiner.

Die Gästezahlen steigen zu DDR-Zeiten stark an. Es gab bis zu 400 „Außenbetten“ (d.h. die Gäste schlafen bei Einwohnern und werden zentral versorgt). Aber auch durch den größer werdenden Zeltplatz und die Betriebsferienheime für Kinder und Arbeiter wird es mit der Versorgung immer schwieriger. Die Betriebe lagern auch einige Dinge wie z.B. Bier waggonweise ein, damit ihre Urlauber gut versorgt werden können.

So wird 1977 von den Betrieben, die ihre Urlauber in Zempin untergebracht haben, eine Kaufhalle gebaut. Diese wird dann dem KONSUM übergeben. Nach der Wende kauft Frau Marlies THUROW das Grundstück und bewirtschaftet es als „Frischemarkt“ mit einem reichhaltigen Angebot.

Senta Wodrich (1920-2002) berichtete mit fast 80 Jahren:

„Der einzige Friseur im Ort war Walter Hitel, manchmal hat er auch einem alten Einwohner einen Zahn gezogen. Im Nebenhaus war unsere alte Post bei Graumanns. Gegenüber war unser Bäckermeister Hauff, die beliebteste Verkäuferin war seine Frau Hede. Sie nahm die Kuchenbleche von Zempinern entgegen zum Abbacken. Auch in der Straße war unsere beliebteste Verkaufsstelle, weil dort Auguste Wieck liebevoll die Kunden bediente. Dann an der Ecke war das Textilgeschäft Neumann, die Tochter Neumann hat es weiter geführt. Weiter an der Hauptstraße entlang war das Haus Danzig, dort wohnte der Bahnhofsgastwirt Suhr. Es gab nur einen Schneidermeister im Dorf, mein Großvater Karl Wodrich. Er hat so manchen Hochzeitsanzug genäht und dabei nächtelang gesungen. Er war aber auch Gräberschuber (Grabstellen ausheben). Beim Kaufmann Boldt im Dorf war ein Tanzsaal. Einmal im Jahr war dort Tanz wie in ollen Zeiten. Auf einer Seite saßen die Mädchen und gegenüber die Jungmänner. Auch meine Eltern haben sich dort in Liebe zusammengefunden.„

Konrad Tiefert (1919 – 2009) schrieb in seinen Lebenserinnerungen :

„14 Jahre war er jetzt ….es waren schlechte Aussichten auf Verdienst für einen jungen Menschen. …. Er war zwar kräftig, aber in der Fischerei voll seinen Mann zu stehen, das konnte er noch nicht. So verdingte er sich beim Bäckermeister Hauff in Zempin zum Semmeln ausfahren. Er musste morgens um 5 Uhr da sein. Ein Rad, mit vorn einem großen Korb, stand zur Verfügung und wurde vollgepackt mit Tüten und Beuteln mit den bestellten Semmeln. Ein Mädchen aus dem Dorf half die Bestellungen vom Vortag auf die Tüten zu schreiben und die Semmeln einzutüten. Es musste alles schnell gehen, damit die Leute ihre Semmeln zum Frühstück hatten. Das Brot wurde am Vormittag mit einem Handwagen ausgefahren. Die Frau Hauff war eine nette freundliche Frau und bediente im Bäckerladen. Konrad war mal mit Kuchen für ein Hotel in Koserow an einen Baum gefahren und musste es ihr beichten, Sie blieb aber trotzdem nett und hat ihn nicht mit großen Vorwürfen bedacht."

Personen Leistungen für Zempin

Johannes Tiemens

Johannes Tiemens Er kam nach der Wende nach Zempin und fand Gefallen an den Villen in der Waldstraße. Diese Häuser sind eine verkleineret "Bäderarchitektur". Teilweise waren Wohnungen zu DDR Zeiten daraus entstanden oder der FDGB hatte Häuser angemietet.

Er kommt aus Hamburg und hatte eine Erbschaft gemacht von einem Onkel, der einen Mühlenbetrieb hatte. Er schaute sich alte Postkarten an und versuchte den alten Glanz der Häuser wieder herzustellen. Es ist ihm gelungen. Die Gemeinde Zempin ist ihm sehr dankbar, dass er diese schöne Straße am Küstenwald hat wieder erstrahlen lassen. Heute sind diese Villen eine Augenweite.

Zeitsplitter - Episoden

Otto Niemeyer-Holstein wird ca. 1940 besucht Einige Jugendliche hatten im Haus „Elisabeth“ in Zempin eine christliche Freizeit verbracht. Gemeinsam mit Pastor K. wanderten sie zum Grundstück Lüttenort. Der Maler Otto Niemeyer-Holstein war nicht zu sehen und zu hören. Die Mädchen sangen mit dem Pastor ein Lied und da sich nichts rührte, noch ein zweites. Dann wanderten sie wieder nach Zempin. Abends trafen sie ONH. Er fragte: „Warum habt ihr denn noch ein zweites Lied gesungen – ich saß doch nackend in der (Regen) Tonne! und konnte nicht raus“. Das Gelächter war langanhaltend auf beiden Seiten.


Eine Zempinerin in München Als ich vor Jahren noch bei der Bahn beschäftigt war, vor der Wende, besuchte ich meine Tochter in München. Da hatte ich ein schönes Erlebnis: Meine Tochter arbeitete in München in der Landesbibliothek. Nun hatte ich den Wunsch, auch mal das so viel besungene Hofbräuhaus kennenzulernen. Meine Tochter meinte, es ist nicht mehr das berühmte weltbekannte Hofbräuhaus. Aber ich wollte das Gebäude kennenlernen. Stellen Sie sich vor, dort spielte eine Damenkapelle, ja woher sollte ich denn eine Damenkapelle kennen? Glauben Sie mir, meine ganzen Jungmädchen-Erinnerungen wurden wach. Ich blieb neben der Kapelle stehen, denn das Lied erklang: „Vor der Kaserne vor dem großen Tor / steht eine Laterne …“ Ja, genauso habe ich gestanden, als mein Verlobter Wache schob, bevor er an die Front kam. Aus vollem Hals habe ich dieses Lied mitgesungen, denn meine Gedanken waren ganz dabei, „vor der Kaserne bleib ich steh´n,/ wie einst Lili Marlen“. Inzwischen hatte sich meine Tochter zu mir gestellt und hakte mich unter, denn es erklang mein Heimatlied, was ich schon immer auf Plattdeutsch gesungen hatte: „Wo die Ostseewellen trecken an den Strand..“ Der Saal wurde immer voller, es kamen immer mehr Leute herein, alle jubelten uns zu, Leute an den Tischen erhoben ihre Gläser. In München, die verstanden doch kein Plattdeutsch, aber ich habe es so laut und deutlich gesungen: ..“wo die Wellen rauschen / wild im Sturmgebrus, dor is mine Heimat, dor bin ik tu Hus.“ Ein Mann hatte für uns große Platten zum Abendbrot auftragen lassen und hat für uns Getränke bestellt. Später haben wir uns davongeschlichen und draußen tüchtig gelacht – Das war mein Erlebnis in München!

Dieser Auszug ist aus einer Niederschrift von der 79jährigen Senta Wodrich. Nachdem sie viele Seite mit der Hand geschrieben hatte, berichtet sie: „ Es hat mir viel Mühe gekostet und auch Freude gemacht, meine Schrift hat auch nachgelassen, wenn ich abgespannt war. Ich habe es so von mir gegeben, wie und was noch in mir ist.“


Auto bekommt neue Farbe Stolz waren wir nach etwa 8 Jahren Anmeldefrist während der DDR-Zeit, dass wir einen neuen Schiguli – später die Marke LADA bekommen konnten. Wir holten das Auto in Neubrandenburg ab. Es gab keine große Farbauswahl, wir nahmen einen dunkelblauen. Das Auto wurde extra „hohlraumkonserviert“, dafür fuhren wir nach Stralsund. Diese komische klebrige Masse wurde in alle Hohlräume gespritzt und sollte das Rosten von innen unterbinden. Bei warmem Wetter wollte aber die Masse wieder aus den Löchern heraus und an den Türen usw. klebte es dann unangenehm. Aber wir waren stolz und froh, dass wir das Auto hatten. Eine Hängerkupplung war das erste, was man brauchte und einen Anhänger. Zum „Besorgen“ von Material war man auf sich gestellt, denn es gab fast keine privaten Fuhrunternehmer. Das Auto tat gute Dienste, aber es rosteten die Kotflügel und ... , so wurde es nach langer Wartezeit in der Zinnowitzer Werkstatt repariert. Aber nun brauchte es auch einen neuen Lack. Monatelang stand es auf dem Hof der Werkstatt. Wir bemerkten, es stand nicht mehr auf dem Hof, also könnte es schon bearbeitet worden sein. Dann fragten wir persönlich nach, denn Telefon hatten nur Wenige: „Wann können wir unser lackiertes Auto abholen?“ „Sofort, dort steht es doch!“ „Wo?“ „Na das Rote, sehen Sie nicht!“ „Wir hatten doch ein blaues Auto.“ „Wir hatten nur einen Kübel roten Lack“. Wir holten tief Luft, bezahlten unser feuerwehrrotes Auto und fuhren es noch viele Jahre, bis die Wende kam und wir uns ein neues Auto ohne „Fußlüftung“ (der Boden war schon durchgerostet) in gewünschter Farbe kaufen konnten.


Anregung für Bootsmodelle Als ich Konrad Tiefert beim Bau seiner Fischerei - Bootsmodelle im September 2001 fotografierte, sagte er mir, dass er viel Wissen vom Bootsbauer Albert Bollow aus Zinnowitz hat. Der hatte die meisten der Zempiner Boote gebaut und repariert. Während der Arbeit, wenn die Fischer vorbeisahen, hat er ihnen alles eingehend erklärt. Bootsbaumeister Albert Bollow, der am Achterwasser an der Störlanke seine Werkstatt hatte, war auch berechtigt Lehrlinge auszubilden. Wenn die Zempiner Fischerfeste feierten, wurde auch Albert Bolow mit seiner Frau eingeladen, er tanzte gern.


Freiwillige Feuerwehr Die erste Begegnung zwischen der Freiwilligen Feuerwehr Zempin und der FF Klein Nordende war am 1. Juli 1990 in Klein Nordende. Die Gemeinde feierte den 100. Geburtstag der Gründung der Feuerwehr. Der Zempiner Wehrführer, Wolfgang Hauff, überbrachte mit weiteren Kameraden Geschenke und Glückwünsche mit wohlgesetzten Worten. Jeder Zempiner kennt ihn und weiß, dass man ihm zum Karneval und anderen Gelegenheiten gern zuhört. Er hielt dort also, zu dieser Zeit als noch „Unbekannter“, eine Rede. Der Bürgermeister von Klein Nordende, Günter Hell, meinte danach: „Grot is er nich, aber snacken kann er!“ Und da Wolfgang Hauff viel Humor hat und auch über sich selbst lachen kann, hier noch eine Begebenheit: Nach 26 Jahren als Wehrführer wird er im Januar 2000 feierlich verabschiedet. Zu den Worten der Ehrungen gibt es von den Kameraden und Freunden reichlich Beifall und alle stehen auf. Er will sich bedanken und beginnt mit den Worten: „Nehmt bitte Platz, damit ich zu sehen bin!“


Erfahrung – Aberglaube in der Fischerei Zum Pfingsten wird ein grüner Schmuck aus frischem Birkengrün oder Flieder an der Mastspitze befestigt. Man hofft, dass dadurch der Blitz nicht ins Boot einschlägt. Auch setzt man am Karfreitag und am Pfingstsonntag keine Netze.


Zempiner verloren 1829 Hütungsrechte Als im Rentamt 1829 die Fischerkolonie Hammelstall (1821 gegründet und seit 1908 in Trassenheide umbenannt) mit sechs Hausstellen erweitert werden sollte, verloren Bannemin wie auch Mölschow, Zempin und Zinnowitz selbst das Hütungsrecht für die Schweinemast in der Zinnowitzer Forst.


Die beste Räucherin Minna (Wilhelmine) Wodrich wohnte auf dem Zickenberg, heute Peenestraße 4. Dieses Haus hatte einen offenen Kamin, in dem man bis zum Himmel sehen konnte. In diesem Kamin, Wiem genannt, stieg Minna auf die Leiter, drehte und sortierte die Schinken und Würste vieler Leute aus dem Dorf. Sie konnte das Räuchern am allerbesten.


Feuerwehr - Spritzenhaus An dem ersten Haus, das im Jahre 1906 für die Spritze auf dem Leiterwagen errichtet war, wurde danach ein Arresthaus angebaut. Zu der Zeit war es üblich, wenn der Polizist einen Straftäter ermittelt hatte oder Order bekommen hatte, jemanden festzusetzen, diesen in das Arresthaus einzuschließen. Da aber wenige Spitzbuben im Ort waren, wurde das Arresthaus auch an Wanderburschen (Handwerkswanderburschen) vermietet. Für 10 Pfennige konnten sie den Schlüssel beim Kaufmann holen und hatten ein Dach über dem Kopf und eine Pritsche. Aber eine Wasserpumpe oder Toilette waren nicht vorhanden.


Sturmflut 1913 Der Vater von Frau Elisbeth Franz (*1914 - +1991), Herr Wegner, kam mit Pferden und Wagen von Koserow und wollte nach Hause, nach Zempin. An der schmalsten Stelle der Insel war plötzlich ein Durchbruch der Ostsee in das Achterwasser. Er dachte: So tief kann es nicht sein, mit dem Wagen komme ich durch. Die Strömung war so stark, dass Pferde und Wagen hinweggerissen wurden. Er konnte sich gerade noch schwimmend retten.


Kaufmann Boldt, zeitweilig auch Spritzenmeister in Zempin, hatte im Sommer, außer seinem Laden gegenüber der Feuerwehr, eine kleine Verkaufstelle auf dem Weg zum Strand (heute Souvenir- und Lottoladen). Es gab dort Lebensmittel und Naschereien. Bei gutem Wetter röstete er den Kaffee vor dem kleinen Laden in einer blanken Röstmaschine, die mit Holzkohle beheizt wurde. Der Greifer der Maschine wendete stetig die Kaffeebohnen, dabei stieg ein herrlicher Duft durch Zempin. Im Laden gingen die Kinderaugen besonders nach links, dort stand ein Regal gefüllt mit Feodora - Schokolade.


Flugzeug im Achterwasser Ca. 1944 ist eine Ju 52? ins Achterwasser südlich der Linie Zempin und Eingang des Rieck gestürzt. Da wir nicht wissen, ob noch Tote in dem versunkenen Flugzeug sind, suchten wir nach Informationen. Rudolf Kernchen? war zu dieser Zeit bei Verwandten auf dem Görmitz und soll zwei Personen auf den Tragflächen stehend gesehen haben. Sie sind dann hingerudert, aber es waren keine Personen mehr da. Das Leitwerk soll noch lange zu sehen gewesen sein, da das Wasser nicht tief ist. Es ist dann aber langsam versunken. In der Karte für die Garnfischerei hat Konrad Tiefert diese Stelle eingezeichnet.


Nachkriegszeit Herr Gabel wollte nach dem Krieg aus der Baracke, die zur V-Abschussstelle Zempin gehörte, an der Stelle am Oberförsterweg, wo heute der Imbiss am Radweg steht, Steine für Reparaturarbeiten gewinnen. Er begann am Schornstein unten Steine herauszuschlagen, dabei fiel der Schornstein um und er wurde darunter tödlich begraben.


Otto Guses Hund Im Jahre 1962 war im FDGB Heim „Frieden” in Zempin am Strand (ehem.Strandhotel) Otto Guse Hausmeister. Es war eine Zeit der Mangelwirtschaft in der DDR. Ernst Hackenschmidt erinnerte sich: Der Hund von Otto Guse war im Umfeld des Heimes beim Spaziergang in ein Loch gefallen, in welchem sich Betonstücke befanden. Um den Hund zu befreien, räumten Erich Hackenschmidt und Otto Guse die großen Brocken beiseite und sie fanden einen Eingang zu einem unterirdischen Bunker. Mit Lampen bewaffnet, tasteten sie sich voran und fanden Erstaunliches: Gestapeltes Geschirr, Teller, Tassen, Schüsseln und Kannen, alles unversehrt. Sie waren auf das Wirtschaftslager der V 1-Stellung gestoßen. Freudestrahlend brachten sie das Geschirr zum Ferienheim, denn sie hatten nur noch angeschlagenes Geschirr. Der Hund bekam für seinen Fund ein extra großes Stück Fleisch.


Vorbeugende Brandschutzkontrolle Durch die Kameraden der Freiwilligen Feuerwehr wurden zu DDR-Zeiten Kontrollen in den Wohnungen durchgeführt, um Brände zu vermeiden. Bei Senta Wodrich, einer armen Frau in der Peenestraße, fehlte die untere eiserne Ofentür. Als der Kamerad fragte, warum sie denn keine Ofentür hätte, antwortete sie: „Ich wollte sie wieder einsetzen lassen, aber ich finde die 50 Mark nicht, die ich in ein Buch gelegt habe.“ Der Kamerad schaut in die Kammer nebenan, es sind keine Dielen mehr drin. Er fragt, wo die Dielen denn seien? Ich hatte nicht genug Feuerholz, da habe ich die Dielen nach und nach verheizt.


DDR-Ausweis Im Jahre 1999 fand eine Kommunalwahl statt. Neun Jahre nach der Einheit Deutschlands kamen Anna und Erich Reich (86 und 85 Jahre alt) in das Wahllokal, öffneten eine kleine Lacktasche und entnahmen dieser zwei schöne blaue DDR-Ausweise, um sich als rechtmäßige Wähler auszuweisen.


Pfingsbrauch Zum Pfingsfest wurde alles mit Birkenreisig geschmückt. In der Wohnung Bilder, Spiegel, Gegenstände; in Vasen und Kannen auch vor der Tür. Einen Strauß hob man über das Jahr auf - in Papier gewickelt, sollte er gegen Blitzschlag helfen. Das Aufheben eines kleinen Straußes ist noch heute bei einigen Familien Tradition. Die Fischer- und Angelboote werden auch jetzt noch bei Ausfahrten zu Pfingsten mit Birkenzweigen geschmückt.


Ende des Jahres Im Ort gibt es eine Redensart zum Jahresende: “...das Jahr wird abgebacken“, das heißt, es gibt zu Silvester eine gebackene Speise: Pfannkuchen, Eierkuchen oder Ähnliches.


Hannes Lührsen Herr Sündermann, Leiter der Forstbehörde Neu Pudagla, erzählte mir im Februar 2004: Er war mit dem PKW in den USA auch in Huntsville. Vorher hatte er bemerkt, dass die Auf- und Abfahrten zu den Autobahnen nicht gut einzulenken und unübersichtliche waren. In der Gegend um Huntsville war das ganz anders, es fuhr sich so gut wie in Deutschland. Darauf sagte ihm jemand: “Dass ist doch kein Wunder, dass hat doch der Zempiner gebaut!” Danach kann es nur Hannes Lührsen vom Inselhof gewesen sein, er war Architekt und mit Wernher von Braun in die USA gegangen.


Rezept För die, die hundert Jahr ölt warden wullen: Den Kopp holt kolt, de Feut hol warm, un schloch die nich so vull denn Darm, de Achterdör lot open ston, denn brukt bi die kein Doktor komm.


Wölfe Über die harten Winter des 17. und 18. Jahrhunderts wird berichtet, dass Fischer und Bauern auf Wolfsjagd gehen: „ ...um hinter Damerow das Netz zu stellen, maßen die Insel dorten wunderlich schmal ist und der Wulf das Wasser scheut...“ Im Jahre 1734 waren die Wölfe so zahlreich, dass der Amtmann in Pudagla einen besonderen Wolfsjäger anstellte.


Kaufmann Paul Wieck stellt eine Diebin In seinem Laden waren alle Waren dicht gedrängt aufgereiht. Es gab alles, was ein Haushalt in Zempin brauchte. Auf dem Ladentisch in einer Schale lagen auch lose Würstchen. Paul Wieck bemerkte, dass sie immer weniger wurden, obwohl keiner Würstchen gekauft hatte. Er dachte nach und wollte den Dieb fangen. Beim nächsten Einkauf einer Frau aus dem Ort war es um sie geschehen! Als sie ein Würstchen schnell wegnahm, trudelten alle Würstchen, die nun mit einem dünnen Faden verbunden waren, über den Ladentisch, die Zempinerin war entlarvt! Von nun an fehlten keine Würstchen mehr. In der Nachkriegszeit war es schwierig, die Regale zu füllen. Aber Paul Wieck wies die Verkäuferin stets an, wenn er eine Lücke sah: „Da gehört noch Hundekuchen hin“. Er meinte, es soll noch eine Packung Knäckebrot dahin gestellt werden, dies gab es reichlicher.


Schneider Wodrich Er nähte, was gebraucht wurde, vom Sonntagsrock bis zum Segel. Er saß mit der Nickelbrille auf der Nase in seiner kleinen Stube auf dem Zickenberg und nähte bei einer kleinen Lampe. Ilse H. wurde als Kind zu ihm geschickt, um eine neue Joppe für ihren Vater zu bestellen. Vorsorglich hatte die Mutter ihr eine kleine Flasche Alkohol mitgegeben. Nachdem sie ihre Bestellung geäußert hatte, fragte er sie auch prompt: „Haste mir auch nen Lütten mitgebracht?“ Bevor er einen Schluck aus der Flasche nahm, hat er den Korken an der Glasflasche gerieben, bis es quietschte.

Er nähte nach Augenmaß, hatte keine Schnittmuster oder Vorlagen, aber alle im Ort waren mit seiner Schneiderkunst zufrieden. Er nähte auch aus Flanell warme Unterhosen für die Fischer. Sie waren blau / weiß gestreift.


Die schwere Fischerei Bei der Strandfischerei ohne Hafen ist die schwerste Arbeit die Boote in und aus dem Wasser auf den Strand zu bringen. Mehrere Fischer bewegten stets ein Boot, jeder half jedem. Der Fischer August Michaelis hat sich dabei so angestrengt, dass Lungenblasen geplatzt sind. Er musste bis zu seinem Tode elendig leiden.


Redensart Wenn es jemanden im Ort gesundheitlich nicht gut ging und man glaubte, dass er sterben wird, so sagte man: „ Der hört wohl den Kuckuck auch nicht mehr“.


Weckerersatz In den Häusern des Ortes gab es schon Uhren, aber für einen Wecker war kein Geld vorhanden. Aber der Wille macht es möglich. Wenn man sich ins Bett legte und um sechs aufsehen wollte, so sprach man vor sich hin: „Liebe gute Seele wecke mich um sechs“. Dabei klopfte man sechs mal mit dem großen Zeh oder mit dem Fuß an das Fußende des Bettgestelles. Das hilft auch heute noch!


Lehrzeit des Kunstmalers ONH Ein Zempiner Fischer wurde von Otto Niemeyer-Holstein gemalt. Nach Besichtigung des gefertigten Werkes durch den Fischer, der sich darauf nicht erkannte, sagte er zu ONH: „Da musst Du aber noch viel lernen!“


Schwere Nachkriegszeit Es gab Lebensmittelkarten und Punktkarten. Mit den Punktkarten konnte man Textilien, Schuhe und ähnliches kaufen, wenn es entsprechend aufgerufen (bekannt gemacht) war. Viele Flüchtlingskinder hatten nichts zum Spielen und auch einheimische Kinder hatten wenig Spielzeug. So wurde 1946 / 47 im Ort zur Spielzeugsammlung aufgerufen. In der Schule wurden die gesammelten Dinge von ehrenamtlichen Helfern gesäubert, gestrichen, repariert und auf Hochglanz gebracht. Für die Puppen wurden neue Puppenkleider genäht und gestrickt. Dieses Spielzeug wurde im „Waldhaus“ ausgestellt und jedes bedürftige Kind konnte ein Los ziehen. So gab es viele strahlende Kinderaugen.


Zwei Glas Bier Der Gemeindearbeiter Julius Martin war für alle Arbeiten in der Gemeinde zuständig, auch für die Arbeiten auf dem Friedhof. Zur Karnevalszeit ging es im Waldhaus immer hoch her. Er stellte sich mit an die Theke und verlangte zwei Glas Bier. Der Wirt fragt verwundert: „Wieso gleich zwei?“ Julius Martin schlägt das Tuch zurück, welches er über der Schulter trägt und sagt: „Na für meinen Freund auch ein Bier!“ Der erstaunte Wirt erblickt einen echten Totenschädel, den Julius Walter beim Grabschaufeln gefunden hatte.


Die Wirkung von West- und Ostwind in Zempin In Zempin gab es zu dieser Zeit keine Kanalisation. Aus dem Bericht des Bürgermeisters zur Badesaison 1965: „... Ein weiteres Problem ist die Müll- und Fäkalienabfuhr. Der Schwerpunkt dabei sind die Fäkalien, und zwar nicht so sehr die Abfuhr, als vielmehr ein geeigneter Schüttplatz. Das Territorium unserer Gemeinde ist an sich recht klein und gestattet nur ein Ausweichen nach Osten oder Westen. Die Fäkalien wurden im vorigem Jahr sämtlich an der Westseite in unmittelbarer Nähe der Zufahrt zum Zeltplatz geschüttet. Das war nicht zu verantworten. Ein Stück weiter östlich belästigte der Gestank bei Westwind die Anlieger, also das war nicht länger tragbar. Der am Ostausgang in Richtung Koserow mit viel Mühe ausgesuchte Platz, belästigt nun wiederum bei Ostwind die Anlieger. Es erhebt sich nun die Frage, wie soll es im nächsten Jahr werden? ...“


Neugierde Ein Fischer fährt mit dem Fahrrad durch das Dorf, auf dem Gepäckträger einen vollen Sack. Frag der Nachbar: „Was hast Du denn da hinten im Sack?“ Da kam die trockne Antwort: „Wenn´s jeder sehen sollte, brauchte ich es nicht in den Sack zu stecken“.


Bekanntmachung Bis es die Schulpflicht gab, also die Einwohner lesen lernten, wurden die auferlegten Steuern und Abgaben der Greifenherzöge der Bevölkerung von der Kanzel verkündet. Es geschah dies etwa aller drei Monate, besonders wenn sich Abgabetermine, wie der „Michaelis“ Tag – Knechtwechsel – nahte.


Auswanderer 1868 am 12. August wanderte Friedrich Johann Joachim BEHN, geb. am 24. August 1862 in Zempin, also mit 4 Jahren mit seinen Eltern und Geschwistern in die USA aus. Der Vater war Martin Peter Heinrich BEHN geb. 1828 in Zempin und die Mutter Christine Dorothea Friederike WALTER geb. 1826 in Neuwarp, sie hatten am 11. November 1851 in Koserow geheiratet. Sie fuhren mit dem Schiff HAMMONIA von Hamburg nach New York. Am 25. August kamen sie an und landeten dann in Chicago im Bundesstaat Illinois. Im Hotelgeschäft konnte später Joachim BEHN arbeiten, sein Sohn Walter wurde Arzt und dessen Tochter wurde Lehrerin. Noch heute treffen sich bis zu 40 Familienmitglieder des Joachim BEHN in den USA.


Schiffahrtsregel Positionslichter - Regel: Sieht ROT ROT ist keine Not Hat ROT GRÜN gesehen, musst du aus dem Wege gehen!


Der Schlüssel Horst Wodrich erinnerte sich an seine Oma Karstädt, die auf dem Zickenberg wohnte. Bis zur Gaststätte und zum Kaufmann Boldt, heute das Haus „Achterwasser“, war es nicht weit. Deshalb nahm sie zum Einkaufen auch keinen Korb oder Beutel mit. Sie trug stets eine bis zu den Knöcheln reichende Schürze über dem Rock, die hinten mit einer Schleife gebunden wurde. Die beiden Ecken der Schürze fasste sie mit einer Hand und dahinein kamen die gekauften Dinge, aber auch der Haustürschlüssel. Wenn es manchmal schon schummrig war, wurden ihr die drei Steine, die, wie es auch heute noch üblich ist, zum Schutz gegen die Verbreiterung der Fahrwege durch die Fuhrwerke hingelegt werden, zum Verhängnis. Sie stolperte und alles lag verstreut. Wenn sie den Schlüssel nicht wieder finden konnte, so ging sie in der Nachbarschaft von Haus zu Haus, sammelte die von außen steckenden Schlüssel ein, um zu probieren, welcher ihre Tür öffnen konnte, was dann auch gelang, denn Sicherheitsschlüssel gab es noch nicht. Am nächsten Tag brachte sie die Schlüssel wieder zu den Nachbarn.


Eissägen Die Fischer verdienten sich im Winter Geld durch das in Blöcke gesägte Eis des Achterwassers. Dies wurde für die Kühlung von Bier und Speisen gebraucht. Die Gaststätten lagerten sich das Eis in sogenannten Eis- oder Bierkellern ein. Für den Inselhof war der Eiskeller auf dem heutigen Grundstück Dorfstraße 15. Am Waldhaus war in der Strandstraße ein zweistöckiges Haus als Bier- und Eiskeller gebaut. Diese Art der Kühlung wurde noch nach dem II. Weltkrieg angewandt.


Dreschplatz Ein Dreschkasten zum Dreschen des Getreides stand auf dem Dorfplatz, heute Feuerwehr. Die kleineren Bauern und Büttner halfen sich gegenseitig beim Dreschen. Es wurde vorher eine Reihenfolge festgelegt, wer wann dreschen durfte. Ein Göbelplatz war am Achterwasser, heute Fischerstraße, gegenüber dem Heydenhof, heute Ferienhof Schön. Die Pferde gingen im Kreis, um eine Dreschmaschine anzutreiben. Der Straßenverlauf auf der Flurkarte zeigt dies deutlich als öffentlichen Platz.


Polizist Egon Knuth Nach 1945 war Egon Knuth, geb. 1913, für den Ort als Polizist eingestellt. Er hatte keine Uniform und trug deshalb eine rote Armbinde. Sein wichtigster Arbeitsgegenstand war die Trompete. So blies er, wenn er meinte, Diebe oder Russen seien auf Streifzug, mächtig in seine Trompete. Diese Töne lockten sogleich die Einwohner auf die Straße, um nach allen Seiten nach Verdächtigen zu schauen. Einmal kam eine Gruppe Russen auf Fahrrädern durch den Ort, Egon blies auf seiner Trompete, alle Russen ließen die Fahrräder fallen und schrieen „Volkssturm“ – vor dem sie Angst hatten - und rannten weg.


Aus Protokollen der Gemeindevertreter 01.08.1947 – 200 Kurgäste haben sich angemeldet, 72 halten sich augenblicklich in Zempin auf. In Zempin befinden sich zur Zeit 390 Umsiedler. Es ist hierbei besonders bedauerlich, dass gerade Zempin fast ausschließlich unterstützungsbedürftige Umsiedler aufnehmen musste. Die Finanzlage der Gemeinde ist derart schlecht, dass es nicht möglich war, die Juli – Unterstützung auszuzahlen.


17.11.1947 – der Landwirt Mähl teilte mit, dass er eine Sterke in Lassan gegen 100 Zentner Kartoffeln tauschen kann, er hat noch 272 Zentner Kartoffeln abzuliefern. Sein Partner will sich nur noch eine Bescheinigung seines Bürgermeisters beschaffen. Wegen des Transportes haben die Abgeordneten Zweifel. Ein Abgeordneter setzt sich telefonisch mit der Wasserschutzpolizei in Verbindung, welche mitteilt, dass diese Ladung auf dem Wasser beschlagnahmt wird, wenn nicht eine Bescheinigung des Greifswalder Landrates vorliegt. Die Freigabe wird nicht erteilt, da Greifswald erst 71 % seines Kartoffelsolls erfüllt hat. Hierauf wird beschlossen Möglichkeiten auszuschöpfen, die Kartoffeln doch auf dem Wasserwege nach Zempin zu bringen.


Helene Weigel in Zempin Das Haus Oberförsterweg Nr. 4 gehörte bei der Erbauung der Schauspielerin Inge Keller, Berlin. Sie war die Freundin von Eduard von Schnitzler, auch genannt der rote Baron, der durch seine Fernsehsendung „Der schwarze Kanal“ bekannt war. Dann kaufte dieses Haus Familie Bork aus Berlin. In diesem Haus war auch öfter die Schauspielerin und Frau von Berthold Brecht, Helene Weigel zu Besuch. Sie trug immer recht einfache Kleidung, einen dunklen langen Wollrock und eine kragenlose dunkle schmucklose Jacke. Als Helene Weigel in den Laden von Paul Wieck einkaufen kam, er kannte sie nicht, gab er den Verkäuferinnen leise Anweisung, diese Frau nicht aus den Augen zu lassen. Er vermutete auf Grund ihres Äußeren, dass sie sehr arm sei und etwas stehlen würde.


Glück!! Am Heiligabend rief Lotto-Lothar (Schichlein) Familie Dethloff an, sie könnten noch die fertigen Fotos abholen. Susanne meinte zu ihrem Manfred, da nimm doch gleich noch ein Los, denn sie hatte die Tage vorher schon mal 10 DM gewonnen. Manfred holte die Bilder und nahm, wie befohlen, ein Los für 1,- DM. Staunend öffnete er es langsam und sprach zu Uschi Schichlein: „Hol eine Flasche Sekt!“ Er hatte 1000 DM gewonnen und legte den Beleg unter den Tannenbaum, denn die Auszahlung dauerte einige Tage. Die Familie hatte nun ein besonderes Fest zu feiern und viele freuten sich mit Ihnen. (vor 2002)


Festtagsbräuche in Zempin Senta Wodrich * 1920 Zempin + 2002 Wolgast – aufgeschrieben im Jahr 1999 im Wolgster Altenheim „In unserer Familie und im Dorf wurde an den Bräuchen, so wie es die Alten gehalten haben, festgehalten. Weihnachten feierte man in der Familie, Ostern war lustiges Ostereiersuchen und Spaziergänge, Pfingsten wurden unsere Häuser mit Maigrün (Birkengrün) geschmückt , vormittags ging es an den Feiertagen in die Kirche und abends war Tanz. Manchmal war auch ein Ummarsch mit der Dorfkapelle. Am Silvestertag gab es zu Mittag Karpfen und am Karfreitag nach dem Kirchgang gab es Eierkuchen. Weihnachten war immer das schönste Fest. Zu Nikolaus wird der Schuh vor die Tür gestellt und vor Weihnachten klopfte der Weihnachtsmann schon mal für die Kinder ans Fenster und fragte, ob wir auch schön artig waren und es wurden schon einige gewünschte Spielsachen gezeigt. Am Heiligabend mussten wir uns ins Zimmer zurückziehen bis der Baum geschmückt war. Dann durften wir reinkommen und dann kam der Weihnachtsmann. Es wurde gebetet und gesungen, alte liebe Weihnachtslieder. Nachdem jeder ein Gedicht aufgesagt hatte bekam er sein Geschenk und danach wurde gemeinsam gegessen. Es gab Kartoffelsalat mit Würstchen. Wir Kinder haben dann noch etwas mit unseren Geschenken gespielt bis uns die Augen zugefallen sind und haben geträumt in unseren Bettchen. Als wir größer waren haben wir uns das Krippenspiel in der Kirche in Koserow angesehen.“


Glücksbringer Ein Kreuzknochen aus dem Kopf des Hechtes als Glücksbringer haben Zempiner in der Geldbörse. Die sechs „Krüger“ Mädchen aus einer Zempiner Fischerfamilie bewahren diese Tradition bis heute.


Karpfenschuppen vom Weihnachts- oder Silvesteressen werden auch ins Portemonnaie getan, damit das Geld nicht ausgeht.


Zempiner Mühle Auf der Höhe, dem Gartenberg, stand eine Windmühle, ein Holländer Mühle mit Sterz ohne steuerndes Windrad, die von der Familie Karl Sauck bis ca. 1915 betrieben wurde. Sie wurde später zerlegt und verkauft. Der Bauer Fritz Lüder, der im Jahre 1896 geboren wurde, erzählte, dass er als Kind mit anderen Kindern dem Müller half, die Mühle am großen Schwengel (Sterz) in den Wind zu drehen. Das Bild ist vom Juli 1912.

Die heute tiefere Fläche östlich des Gartenberges war bis 1981 ein kleiner Berg mit einzelnen Kiefern, die meisten von ihnen in der Form als Windflüchter, der Berg wurde ca. 1980 abgetragen, um den Deich am Achterwasser zu erhöhen. Da kein Mutterboden wieder aufgetragen wurde, entstand hier ein Magerrasen.