Dreilützow: Unterschied zwischen den Versionen
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| − | Dreilützow hatte einst ein eigenes Rauchhaus. Das Rauchhaus war eines der ältesten Häuser des Dorfes. Die Wände waren aus Feldsteinen (überwiegend Granit) und das Dach war mit Reet gedeckt. Es gab keinen Schornstein, denn der Rauch, der beim Heizen und Kochen entstand, wurde zum Abkühlen auf die Diele geleitet | + | Dreilützow hatte einst ein eigenes Rauchhaus. Das Rauchhaus war eines der ältesten Häuser des Dorfes und stand an der in der Karte rot eingezeichneten Stelle. Die Wände waren aus Feldsteinen (überwiegend Granit) und das Dach war mit Reet gedeckt. Es gab keinen Schornstein, denn der Rauch, der beim Heizen und Kochen entstand, wurde zum Abkühlen auf die Diele geleitet, stieg auf und räucherte Würste, Schinken und andere Räucherwaren, die die Dorfbewohner brachten und in den Rauch hängen ließen. In der Zeit vor dem Kühlschrank war das eine der gängigsten Methoden zum Haltbarmachen von Lebensmitteln. Mit der Zeit war sämtliches Gebälk und die Dacheindeckung von innen rabenschwarz vom Rauch. |
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Die letzten Eigentümer waren Ernst und Annemarie Wiech, die keine Kinder hatten. Ernst Wiech galt im zweiten Weltkrieg in Russland als verschollen (also nicht für tot erklärt). Seine Frau Annemarie ging in den Westen nach Schleswig-Holstein. | Die letzten Eigentümer waren Ernst und Annemarie Wiech, die keine Kinder hatten. Ernst Wiech galt im zweiten Weltkrieg in Russland als verschollen (also nicht für tot erklärt). Seine Frau Annemarie ging in den Westen nach Schleswig-Holstein. | ||
| − | Nun, da das Gehöft leer stand, zog der Bruder von Ernst Wiech, Werner Wiech, mit seiner Familie ein. Von den DDR-Behörden wurde Werner Wiech als Eigentumspfleger für seinen Bruder eingesetzt. Ein Rechtsinstitut, das alle Eigentümerpflichten auferlegt aber keine Eigentümerrechte einräumt. | + | Nun, da das Gehöft leer stand, zog der Bruder von Ernst Wiech, Werner Wiech, mit seiner Familie ein. Von den DDR-Behörden wurde Werner Wiech als Eigentumspfleger für seinen Bruder eingesetzt. Ein Rechtsinstitut, das alle Eigentümerpflichten auferlegt aber keine Eigentümerrechte einräumt. Als dann Werner Wiech mit seiner Familie in ein eigenes Gehöft neben dem Rauchhaus zog, nutzte die MTS (Maschinen- und Traktorenstation - ein Vorläufer der LPG) das Rauchhausgehöft als Station in Dreilützow ohne sich um die notwendigsten Instandhaltungen zu kümmern. Letztlich war das Gebäude baufällig und die MTS zog aus. Nun wurde durch die Gemeinde und den Rat des Kreises Hagenow der Eigentumspfleger, Werner Wiech, in die Pflicht genommen. Er sollte auf seine Kosten das Gebäude abreißen. Da er das Geld nicht aufbringen konnte, musste er der Gemeinde den heutigen Dorfplatz am Saal aus seinem Eigentum abtreten, damit sie im Gegenzug den Abriss übernahm. Der Abriss erfolgte nur unvollständig und die Grundmauern und Feldsteine aus dem Abriss lagen noch bis zur Wende auf dem Grundstück. <br> |
| + | Nach dem Tod der eingangs erwähnten kinderlosen Annemarie Wiech fanden sich die erbberechtigten Nichten und Neffen zusammen und stellten fest, dass nur ihr 50-%iger Anteil an dem Gehöft zur Vererbung anstand. Die anderen 50% Eigentumsanteil des verschollenen Ernst Wiech mussten für 99 Jahre beim Grundbuchamt des Amtsgerichtes in Parchim eingezahlt werden. Die Erbengemeinschaft einigte sich darauf, dass zwei aus diesem Kreis der Erbberechtigten alle anderen für das Erbe nach Annemarie Wiech auszahlen und den Eigentumsanteil für Ernst Wiech hinterlegen. Damit war es möglich, dass das Grundstück heute mit zwei Einfamilienhäusern bebaut ist. | ||
| + | Mit dem Neubau wurden die alten Feldsteine als Umzäunungsmauer verwendet und sind noch heute als solche von beiden Straßen aus sichtbar. | ||
==Kein Wappen von Dreilützow== | ==Kein Wappen von Dreilützow== | ||
Aktuelle Version vom 16. März 2026, 19:27 Uhr
| Kenndaten des Orts | |
| Name (heute) | Dreilützow |
| Regionale Einordnung (heute) | |
| Postleitzahl | 19243 |
| Verwaltungsamt | Wittenburg |
| Landkreis | Ludwigslust-Parchim |
| Zahlen | |
| Einwohner | ca. 500 |
| Koordinaten | Breite: 53.533978 / Länge: 11.111845 |
Einführende Information
Das Dorf Dreilützow befindet sich an der Landesstraße 42 nördlich von Wittenburg in Richtung Schwerin. Dreilützow besteht aus dem Hauptdorf mit alter Gutsanlage, der Häuslerei, den Altbauern und den im Rahmen der Reichsumsiedlung entstandenen Siedlungen "Zwölf Apostel" (auch "Luckwitzer Straße" genannt) und der "Parumer Straße". Nach der Wende entstand die neue Wohnstätte St. Josef, ein Zuhause für behinderte Menschen, die Teil unserer Dorfgemeinschaft sind. Im ehemaligen Gutshaus befindet sich das Schullandheim, Bildungs- und Begegnungsstätte Schloß Dreilützow der Caritas. Als Ferien- und Bildungsdomizil macht diese Einrichtung den Ort Dreilützow über die Grenzen des Landes M-V hinaus bekannt.
- Koordinaten: Breite: 53.533978 Länge: 11.111845
-Größere Karte von Dreilützow anzeigen-
Alte Ortschroniken und Schriften
Chronik von 2007 geschrieben und zusammengetragen von Erich Mehlig (†) aus Harst
Es ist eine Weiterführung der von den Chronisten der Gemeinde Wittendörp (ABM bis zum 3.Oktober 2002) erstellten Chronik.
Es waren Frau Petra Dehlke-Liehr, Frau Silke Samofahl und Herr Dieter Zwar, die hier einen fundiert Grundstein gelegt haben.
Weiteres umfangreiches Material, das Herr Rolf Ulbricht (†) aus Dreilützow beisteuerte, floss ebenfalls ein.
Hier gehts zur Chronik ↓
Medium:Dreilützow-Erich Mehlig-Chronik von Dreilützow-2007.pdf
Heft zur 775-Jahrfeier am 25.08.2007: "Die Geschichte der Dreilützower Schule"
An der Erstellung dieser Broschüre waren beteiligt:
Johanna Lubig, Daniel Rotermann, Tom Meier,
Simon Lubig, Anna Rotermann, Franziska Groß
Stephanie Heckmann
Angeleitet wurden sie von: Berno Groß und Susanne Lubig
Wir danken dem Fachdienst Jugend des Landkreises Ludwigslust für die Unterstützung dieses Jugendprojektes.
Ein Dank geht auch an die Schule am Friedensring in Wittenburg für die Bereitstellung von alten Dokumenten zur Schulgeschichte in Dreilützow.
Projektträger: Schloss Dreilützow / Caritas Mecklenburg e.V., Am Schlosspark 10, 19243 Dreilützow
Hier gehts zum Heft ↓
Medium:Dreilützow-Heft Die Geschichte der Dreilützower Schule- zur 775-Jahrfeier 20070825.pdf
Fortlaufende Ortschronik von Dreilützow
Dreilützow im späten Mittelalter (um 1200 bis 1517)
Reformation und Nachreformationszeit (1517 bis 1648)
Bis zur napoleonischen Zeit (bis 1813)
Bis zur Reichseinigung ( bis 1871)
Kaiserreich (1871-1918)
Weimarer Republik (1918-1933)
Drittes Reich (1933-1945)
SBZ und DDR (1945-1990)
die heutige Zeit
Einigen wichtigen Einrichtungen sind eigene Artikel gewidmet:
Die Schule
Das Rauchhaus
Dreilützow hatte einst ein eigenes Rauchhaus. Das Rauchhaus war eines der ältesten Häuser des Dorfes und stand an der in der Karte rot eingezeichneten Stelle. Die Wände waren aus Feldsteinen (überwiegend Granit) und das Dach war mit Reet gedeckt. Es gab keinen Schornstein, denn der Rauch, der beim Heizen und Kochen entstand, wurde zum Abkühlen auf die Diele geleitet, stieg auf und räucherte Würste, Schinken und andere Räucherwaren, die die Dorfbewohner brachten und in den Rauch hängen ließen. In der Zeit vor dem Kühlschrank war das eine der gängigsten Methoden zum Haltbarmachen von Lebensmitteln. Mit der Zeit war sämtliches Gebälk und die Dacheindeckung von innen rabenschwarz vom Rauch.
Die letzten Eigentümer waren Ernst und Annemarie Wiech, die keine Kinder hatten. Ernst Wiech galt im zweiten Weltkrieg in Russland als verschollen (also nicht für tot erklärt). Seine Frau Annemarie ging in den Westen nach Schleswig-Holstein.
Nun, da das Gehöft leer stand, zog der Bruder von Ernst Wiech, Werner Wiech, mit seiner Familie ein. Von den DDR-Behörden wurde Werner Wiech als Eigentumspfleger für seinen Bruder eingesetzt. Ein Rechtsinstitut, das alle Eigentümerpflichten auferlegt aber keine Eigentümerrechte einräumt. Als dann Werner Wiech mit seiner Familie in ein eigenes Gehöft neben dem Rauchhaus zog, nutzte die MTS (Maschinen- und Traktorenstation - ein Vorläufer der LPG) das Rauchhausgehöft als Station in Dreilützow ohne sich um die notwendigsten Instandhaltungen zu kümmern. Letztlich war das Gebäude baufällig und die MTS zog aus. Nun wurde durch die Gemeinde und den Rat des Kreises Hagenow der Eigentumspfleger, Werner Wiech, in die Pflicht genommen. Er sollte auf seine Kosten das Gebäude abreißen. Da er das Geld nicht aufbringen konnte, musste er der Gemeinde den heutigen Dorfplatz am Saal aus seinem Eigentum abtreten, damit sie im Gegenzug den Abriss übernahm. Der Abriss erfolgte nur unvollständig und die Grundmauern und Feldsteine aus dem Abriss lagen noch bis zur Wende auf dem Grundstück.
Nach dem Tod der eingangs erwähnten kinderlosen Annemarie Wiech fanden sich die erbberechtigten Nichten und Neffen zusammen und stellten fest, dass nur ihr 50-%iger Anteil an dem Gehöft zur Vererbung anstand. Die anderen 50% Eigentumsanteil des verschollenen Ernst Wiech mussten für 99 Jahre beim Grundbuchamt des Amtsgerichtes in Parchim eingezahlt werden. Die Erbengemeinschaft einigte sich darauf, dass zwei aus diesem Kreis der Erbberechtigten alle anderen für das Erbe nach Annemarie Wiech auszahlen und den Eigentumsanteil für Ernst Wiech hinterlegen. Damit war es möglich, dass das Grundstück heute mit zwei Einfamilienhäusern bebaut ist.
Mit dem Neubau wurden die alten Feldsteine als Umzäunungsmauer verwendet und sind noch heute als solche von beiden Straßen aus sichtbar.
Kein Wappen von Dreilützow
Der Ort Dreilützow wie auch die vormals eigenständige Gemeinde Dreilützow führt kein Wappen. Aus Anlass der 775-Jahrfeier, im Jahr 2007, wurde ein wappenförmiges Logo gezeigt, das aus einem goldenen durch blaue Wellenlinie (für den Fluss Motel) schrägrechts geteilten Wappenschild mit schwarzen Zinnen bestand, in der unteren Hälfte stand die aus dem Wappen der von Lützows entlehnte vierstufige Sturmleiter, in der oberen Hälfte standen Windmühlenflügel, die auf Dreilützow als Standort einer bedeutenden Galeriewindmühle verwies.
Wie auch die vormals eigenständige Gemeinde Dreilützow führt die Gemeinde Wittendörp, der Dreilützow heute angehört, kein eigenes Wappen. Für Gemeinden ohne eigenes Wappen gelten die Regelungen des § 6 der Hoheitszeichenverordnung M-V. Gemäß Hoheitszeichenverordnung - HzVO M-V - führen das kleine Landessiegel die Gemeinden, die kein eigenes Wappen führen. Gemeinden im Landesteil Mecklenburg führen das kleine Landessiegel mit dem Wappenbild des Landesteils Mecklenburg, einem hersehenden Stierkopf mit abgerissenem Halsfell und Krone. Dem entsprechend ist das Siegel der Gemeinde Wittendörp ähnlich dem Siegelbild unten.
Kurztext zum Ort
Dreilützow liegt nordöstlich von Wittenburg an der Landesstraße 42 (Wittenburg-Schwerin). Das Dorf geht auf die Familie von Lützow zurück. Die Lützows sind nach eigener Familienüberlieferung mit Heinrich dem Löwen als sächsisch-deutsche Ritter etwa um 1150 nach Mecklenburg gekommen. Sie haben als sog. Lokatoren im Auftrag ihres Landesherrn die Besiedelung des bis dato slavischen Landes mit deutschen Bauern organisiert und ihre Stammburg /Stammsitz in Lutzowe begründet. In Folge einer Dreiteilung unter den Lützows während des 17. oder 18. Jahrhunderts wandelt sich der Name von Lutzowe in Dreen Lutzowe, Dreen Lütau, Drei Lützow und zuletzt in Dreilützow.
Die von Lützows stifteten in der ersten Hälfte des 14. Jahrhunderts die Kirche von Dreilützow und übten das Kirchenpatronat aus.
Die Gemarkung Dreilützow grenzt im NW an Püttelkow, NO an Pogreß, O im Bereich der Parumer Heide an Parum, im SO an Luckwitz, im Süden im Verlauf der Navers Beck an Wölzow und im SW an Wittenburg. Der Siedlungstyp ist ein Guts-Straßendorf. Lange bestand das Dorf nur aus dem Kern mit dem Gutskomplex sowie entlang der Straße aus den Landarbeiter- und Tagelöhnerhäusern, einem Altbauernhof am alten Dreilützower Weg und einer Windmühle an der Parumer Straße. Mitte des 19. Jahrhunderts wurde als Reaktion auf die beginnende Landflucht im Lande, gefördert durch den Großherzog, die Häuslerei mit zehn Grundstücken mit kleinem Haus und Gartenland errichtet. Mit der Weltwirtschaftskriese 1929 begann der wirtschaftliche Niedergang auch des Gutes in Dreilützow. Zwischen 1936 und 1942 kaufte die Reichsumsiedlungsgesellschaft einen Großteil der landwirtschaftlichen Gutsflächen zum Bauernhofbau. Als Kriegsvorbereitung wegen der Anlage von Flug- und Truppenübungsplätzen sowie anderer „kriegswichtiger“ Einrichtungen wurden zur Vorbereitung des Zweiten Weltkriegs einzelne Hofstellen, aber auch komplette Dörfer im Westen Deutschlands zwangsweise umgesiedelt und hier neu angesiedelt. So entstanden Gehöfte mit umliegendem Land: 9 an der Parumer Straße und 12 an der Luckwitzer Straße (später "Zwölf Apostel"). Nach 1945 entstand im Gutshaus ein Kinderheim später ein Heim für Behinderte. Weiter entstand eine Schule auch für die umliegenden Dörfer.

