Zeitreise durch Diedrichshagen

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Kenndaten der Ortschronik
OrtDiedrichshagen
Zeitlicher Schwerpunktfortlaufend
UrheberrechteKarin Koltermann
Erstellungszeitraum2014
Publikationsdatumveröffentlicht
Inhaltliche KategorisierungZeitreise durch Diedrichshagen
Status (Ampelsystem)in Erstellung


Prolog

Welch herrliche Lage!

Was für ein wunderbares Dorf - meiner Kindheit!

[caption id="attachment_1073" align="aligncenter" width="300"]<a href="http://tragolat.bplaced.net/wp-content/uploads/2023/03/dhagen_oben.jpg"><img class="wp-image-1073 size-medium" src="http://tragolat.bplaced.net/wp-content/uploads/2023/03/dhagen_oben-300x200.jpg" alt="Mein Diedrichshagen." width="300" height="200" /></a> Mein Diedrichshagen.[/caption]

Aus zeitlicher und räumlicher Distanz betrachte ich das Bild aus einer völlig veränderten Perspektive. Weil Erinnerungen mit nachlassendem Gedächtnis schöner werden, habe ich mich auf Spurensuche begeben, um die in den siebziger Jahren entstandene Sammlung meines Vaters Gerhard Hinze zur Dorfgeschichte zu ergänzen, von der es nur fünf Exemplare gibt.

[caption id="attachment_1356" align="aligncenter" width="219"]<a href="http://tragolat.bplaced.net/wp-content/uploads/2023/03/opa.jpg"><img class="wp-image-1356 size-medium" src="http://tragolat.bplaced.net/wp-content/uploads/2023/03/opa-219x300.jpg" alt="Mein Vater, Gerhard Hinze." width="219" height="300" /></a> Mein Vater, Gerhard Hinze.[/caption]

Dazu habe ich auch die alten Fotos (1952/2002) und Erzählungen (2006) meines 80jährigen Bruders Klaus genutzt. Alles ist im Original übernommen.

Nach anfänglichem Zögern wurden zahlreiche Diedrichshäger - auch ehemalige - zu Verbündeten.

Allen bin ich dankbar.

So konnte ich den streitbaren Versuch unternehmen, die Entwicklung dörflichen Lebens in Vergangenheit und Gegenwart in Ansätzen zu erfassen, um Zukünftiges aufzuspüren.

„Der heutige Tag ist ein Resultat des gestrigen. Was dieser gewollt hat, müssen wir begreifen, wenn wir zu wissen wünschen, was jener will.“ (H. Heine)

Die vorliegende Auswahl ist lediglich eine Dorfgeschichte — mit Geschichten:

  • zum Gedenken an Vergangene und Vergangenes
  • zum Bedenken des Gegenwärtigen
  • mit unterschiedlichen Ansichten von Land und Leuten

Dabei hat jeder seine Sicht dargestellt, seine Erfahrungen verarbeitet und in alten Fotos und Unterlagen gekramt; schließlich sind wir alle keine Profis. Natürlich sind auch die Erwartungen, Standpunkte und Perspektiven der Leser unterschiedlich. Dem Anspruch einer Chronik konnte und wollte ich nicht gerecht werden.

Asiatische Steppenvölker errichten dazu Steinhügel – Owo. Vorbeiziehende verharren, fügen Stein um Stein hinzu, auf dass der Owo wachse und weithin sichtbar werde. Niemand darf einen Owo stören, niemand darf das Gedächtnis gelebten Lebens beleidigen oder beschädigen. In diesem Sinne - fügen Sie Stein um Stein hinzu!

Karin Koltermann (2014)

Das Kirchdorf Diedrichshagen

Da das 7 km südlich von Grevesmühlen gelegene Dorf Thiderikeshagen (Dhiderekeshagen) in dem um 1230 aufgestellten Zehntenregister gar nicht genannt wird, in der vom Fürsten Johann und seinen Söhnen revidierten Ordnung vom 7. März 1260_aber bereits als Kirchdorf auftritt, so müssen beide, Dorf und Kirche, zwischen 1230 und 1260 entstanden sein, und möglicherweise ist jener deutsche Kolonist Theodericus, der sich um 1230 auf der alten Grevesmühlener Feldflur angesiedelt hat (in agris antiquis Grewesmulnc) der Gründer.

Für die Anlegung des Dorfes lässt sich sogar noch eine engere Zeitbegrenzung finden. Aus dem am 19. Mai 1291 vom Bischof Konrad von Ratzeburg erneuten Privilegienbrief des mecklenburgischen Klosters Eldena erfahren wir, dass Bischof Gottschalk das Kloster mit dem Zehnten von vier Hufen in Thiderikeshagen ausgestattet hatte.

Da nun Bischof Gottschalk den bischöflichen Thron zwischen 1229 und 1235 innehatte, so ist das Dorf zwischen 1230 und 1235 angelegt worden.

[caption id="attachment_1406" align="aligncenter" width="300"]<a href="http://tragolat.bplaced.net/wp-content/uploads/2023/03/Klaus14434.jpg"><img class="wp-image-1406 size-medium" src="http://tragolat.bplaced.net/wp-content/uploads/2023/03/Klaus14434-300x195.jpg" alt="Der alte Thurm und die neue Kirche." width="300" height="195" /></a> Der alte Thurm und die neue Kirche.[/caption]

Die Kirche erhält wie alle anderen Kirchen der Umgegend ihren Antheil an der Weinspende Heinrich’s des Pilgers vom Jahre 1267 und steht wie die übrigen unter dem Archidiakonat von Rehna. Das Patronat aber haben später die der Ordensregel des heiligen Benedikt unterstellten Kloster-Jungfrauen von Eldena, doch wann und von wem es ihnen verliehen worden, darüber fehlt es bis jetzt an einer Urkunde.

Es lässt sich nur sagen, dass sie es erst nach 1291 erhalten haben werden, denn sonst wäre dessen in der Privilegien Erneuerung dieses Jahres durch den Bischof Konrad sicher Erwähnung geschehen. Sie behalten es bis zur Säkularisierung des Klosters im Jahre 1556. Im Visitationsprotokoll von 1568 wird bereits der Herzog Ulrich als Patron der Kirche zu Diedrichshagen aufgeführt.

Von den Plebanen des Mittelalters sind zwei Namen auf uns gekommen, der des Hartwicus um 1319 und der des Otto Yesevisse (?) zwischen 14350 und 1481.

1541 ist Stephan Prutze Kirchherr, 1568 Hermann Schröder, 1505 Joachim Lucae, 1610 Theodor Loste, von 1623 bis über 1647 fort Balthasar Meyer, 1651 wird Valerius Fiedler berufen, 1657 Petrus Schulz, 1675 Heinrich Susemihl, 1699 Jakob Wilh. Pistorius, 1717 Gottl. Wilh. Hornemann, 1769 Joh. Konr. Christian Riedel und 1782 Jakob Boysen. Ueber ihn und seine Nachfolger vgl. Walter a. a. O.

In der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts begegnen uns in Diedrichshagen die deutschen Bauern Ditmar, Bole und Lüdeke.

Die landesherrlichen Einkünfte verpfändet Herzog Albrecht am 15. Mai 1356 an die Herren von Bülow, in erster Reihe an Klawes von Bülow auf Wedendorf. Sodann ersehen wir aus ungedruckten Urkunden und Akten des 15. Jahrhunderts, dass die Herren von Quitzow auf Voigtshagen Besitz und Rechte der adeligen Familien Negendanck (1423/24) und Scharfenberg (1435, 1448, 1457) Diedrichshagen an sich bringen.

[Best_Wordpress_Gallery id="10" gal_title="Schlie"]

Auch erwerben sie dort im Jahre 1455 von Herzog Heinrich IV das höchste Gericht. Demgemäss erscheint Diedrichshagen um 1590 als Pertinenz von Voigtshagen. Es bleibt bis um die Mitte des 17. Jahrhunderts im Besitz der Familie Quitzow, geht aber nachher mit Gross-Walmstorf zusammen aus ihren Händen in die der Prälaten, Ritter- und Landschaft des Herzogthums Braunschweig - Lüneburg über.

1705 kauft es von diesen Herr Joachim von Bernstorff auf Bernstorf. Bernstorff'sches Gut bleibt es bis 1798. 1799 übernimmt es die herzogliche Reluitions-Kommission.

<a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Friedrich_Schlie">Friedrich Schlie</a>, 1899, Bd. 2, S. 413 ff.

Ortsgründung Diedrichshagen

Die Ortsgründung erfolgte um 1230. Erste urkundliche Erwähnung stammt aber erst von 1260

Die meisten Orte im Nordwesten Mecklenburgs sind durch das 1230 angefertigte Ratzeburger Zehntenregister nachgewiesen. Einige von ihnen waren schon. zuvor urkundlich erwähnt, andere sind offensichtlich erst später entstanden.

Zu dieser Gruppe von Dörfern scheint Diedrichshagen zu gehören, das als „Hagendorf“ auf seine Anlage als Rodungsdorf verweist, das unter der Führung des Ortsgründers ("Lokator") Theodericus (Diedrich) im. damals bestehenden Wald angelegt worden wäre.

Offensichtlich hat der deutsche Kolonist Theodericus Anteil an der Gründung gehabt. Seine Ansiedlung auf der damaligen Grevesmühlener Flur ist für 1230 nachgewiesen. Damals gehörte der südlich Grevesmühlens gelegene Raum bis an die Rütinger Feldmark zum Kirchspiel Grevesmühlen. Man vermutet, dass Diedrichshagen im Zeitraum zwischen 1230 und 1235 gegründet worden ist. Seine erste urkundliche Erwähnung erfolgte aber erst am 7. März 1260, nun aber bereits als Kirchdorf. Zwischen: 1230und 1260 muss hier also eine rasante Entwicklung erfolgt sein. In diesen Jahrzehnten gehörte es mit vier Hufen und damit zumindest teilweise zum Besitz des Klosters Eldena und. stand 1260 unter dem Archidiakonat Rehna.

Daneben muss es aber wenigstens drei Bauernstellen gegeben. haben, von denen der jeweilige mecklenburgische Herzog Einkünfte bezog. Nach der „Säkuralisierung“ des Klosters Rehna (1556) wurde Herzog Ulrich Patron der Kirche zu Diedrichshagen. Die Herzöge verpfändeten die Einkünfte aus dem Ort an adlige Familien, deren Namen mit der Geschichte fast aller Dörfer Nordwestmecklenburgs verbunden sind. Zu ihnen gehörten die Herren von Bülow, von Quitzow, von Negendanck und Scharffenberg. Nachhaltig war besonders der Einfluss derer von Quitzow auf Voigtshagen zwischen 1590 bis Mitte des 17. Jahrhunderts.

Dann ging der Besitz an die Lüneburger Ritterschaft über. Zwischen 1705 und 1798 gehörte Diedrichshagen zu den Besitzungen derer von Bernstorff, ehe das Dorf Teil des Großherzoglichen Haushalts wurde.

Eckart Redersborg, Ostsee Zeitung, 2004.

Diedrichshagen

Diedrichshagen gilt zwar als Kirchdorf, das seit etwa 400 Jahren auch eine Schule besaß, war aber wirtschaftlich immer durch seine bäuerliche Struktur gekennzeichnet.

Vor 200 Jahren gab es hier sieben Vollhüfner(1830 als Viertelhüfner und ab 1843 als Drittelhüfner bezeichnet), zwei Viertelhüfner (ab 1830 Erbzinsmänner und ab 1843 Erbpächter genannt) und zunächst einen Büdner (1820).

Ab 1843 kümmerte sich außerdem ein so genannter „Pfarrbüdner“ um das Kirchenland. Größere Veränderungen vollzogen sich ab 1870, denn danach wirtschafteten in Diedrichshagen neben nunmehr neun Erbpächtern und den beiden Büdnern auch neun Häusler, letztere wurden fast ausschließlich auf dem "Ziegenberg" ansässig.

<a href="http://tragolat.bplaced.net/wp-content/uploads/2023/03/er1.jpg"><img class="aligncenter wp-image-1078 size-medium" src="http://tragolat.bplaced.net/wp-content/uploads/2023/03/er1-300x270.jpg" alt="Diedrichshagen, Postkarte (?)" width="300" height="270" /></a>Im Dorf bestand bereits seit1849 (?) ein Erbkrug für den der eine Büdner sorgte.

Ab 1880 sprach man von, einem "Stationsjäger" und seit 1890 von der Poststation. Diedrichshagen war damals für die Post der wichtigste: Ort zwischen Grevesmühlen und zumindest Mühlen Eichsen, denn hier gab es eine Postagentur, wo zum Beispiel die aus den umliegenden Dörfern eingehende Post abgestempelt und weiterbefördert wurde.

[caption id="attachment_1167" align="aligncenter" width="300"]<a href="http://tragolat.bplaced.net/wp-content/uploads/2023/03/oldenburg5.jpg"><img class="wp-image-1167 size-medium" src="http://tragolat.bplaced.net/wp-content/uploads/2023/03/oldenburg5-300x192.jpg" alt="Postbote 1890." width="300" height="192" /></a> Postbote 1890.[/caption]

Die Post verkehrte seinerzeit von Grevesmühlen über Dorf und Hof Wotenitz sowie über Kastahn nach Diedrichshagen. Das änderte sich erst mit dem Bau der Chaussee zwischen Grevesmühlen und Schwerin vor etwa 100 Jahren. Diedrichshagen war bis zu diesem Zeitpunkt ein Durchgangsort, geriet damit aber in eine Abseitslage, wodurch sich das alte Dorfbild in seiner Beschaulichkeit bis in die heutige Zeit erhielt.

Eckart Redersborg, ohne Quellenangabe

Nach dem 30-jährigen Krieg

Wie es in der Diedrichshäger Gemeinde am Ausgang des 30jährigen Krieges aussah. Davon erzählen alte auf der Pfarre befindliche Schriftstücke aus den Jahren 1647 und 1653. Es find sogen. Visitations-Protokolle aus der Amtszeit des Pastoren Balthasar Meyer (1598 - 1650), damals bereits 42 Jahre im Amt.

Meyer berichtet aus der schlimmen Zeit, die er von Anfang bis zu Ende in Diedrichshagen durchlebte, daß „die Gemeinde in allen zu dem Kirchspiel gehörigen Dörfern uber die Hälfte und mehr verringert sei.“

Im Jahre 1653 zählte die Gemeinde "383 Seelen, nämlich 236 Kommunikanten und 147 Kinder."

[caption id="attachment_1109" align="aligncenter" width="248"]<a href="http://tragolat.bplaced.net/wp-content/uploads/2023/03/heimatbote1.jpg"><img class="wp-image-1109 size-medium" src="http://tragolat.bplaced.net/wp-content/uploads/2023/03/heimatbote1-248x300.jpg" alt="Heimat-Bote für die Kirchengemeinden Börzow, Bössow, Diedrichshagen, Friedrichshagen, Gressow." width="248" height="300" /></a> Heimat-Bote für die Kirchengemeinden Börzow, Bössow, Diedrichshagen, Friedrichshagen, Gressow.[/caption]

Wie sehr Krieg und Seuchen und andere Umstände unter den Bewohnern aufgeräumt, ergibt sich aus folgendem: In Diedrichshagen 11 Bauleute und 5 Käter gewesen; ihre Zahl war auf 3 Bauleute (Eigentümern oder Pächtern, die als Hauptberuf selbständig einen landwirtschaftlichen Familienbetrieb betreiben, Anm. d. A.) und 2 Käter (Häusler - Kleinstbauern mit eigenem Haus, aber nur wenig Grundbesitz, Anm. d. A.) zurückgegangen.

In Sievershagen waren übrig geblieben von 7 Bauleuten und 4 "Kassaten": 1 Baumann und 3 Kassaten; in Schildberg von 6 Bauleuten und 2 Kassaten: "3 Baustädter, welche aber ganz darniederlagen."

Einigermaßen verschont waren geblieben "Büttling" mit 3 Bauleuten und einem Müller, dessen Stelle aber zu der einen Baustädte hinzugelegt ward, ebenso Kastahn mit 4 Bauleuten und "Boyenhagen" mit 7 Bauleuten und 3 Kassaten. Von diesen letzteren 3 Dörfern wird besonders berichtet, daß sie "noch in gutem Stande sind."

In Sievershagen waren durch J.F.G das Fräulein zu Rhena 6 "Baustädten davon genommen und ein Meyerhof daraus gemacht", ebenso hatten in Schildberg die in Rüting sitzenden von "Quitzowen einen Meyerhof daselbst geleget, dazu sie 3 Bau- und 2 Kassatenstädten genommen."

Das Pfarrhaus ist (1647) "mit einer Stube - 12 Glasfenster, - und mit einer Studierstuben nebst Schlafkammer versehen und mit Stroh gedeckt gewesen," - befand sich 1653 in "ziemlichem Stande." Außerdem sind vorhanden gewesen 1 Scheune von 4 Fach, neu gebaut, ein Backhaus von 3 "Gebind" mit einer kleinen Abseite und ein kleiner Stall von 2 Fach.

"Hausrat und eisern Vieh" ist 1651 nicht vorhanden gewesen. Meyer hat bei seinem Antritt von "eisern Vieh" noch vorgefunden

"4 Kühe, 1 Rind von 3 Jahrenn 1 Starke im anderen Jahr und 1 Ochsenkalb im ersten Jahr; sei ihm aber samt all seinem anderen Vieh von den Kayserlichen Soldaten in der Nacht von der Wedene weggenommen."

Daß das Kriegsvolk nicht bloß das Vieh, sondern auch anderes gebrauchen konnte, geht daraus hervor, daß, wie Meyer berichtet, 4 oder 5 Apfelbäume, welche um einen Fischteich gestanden, "von den "Reutern" abgehauen" seien.

Ferner daraus, daß "von einem Kriegsobristen" ein Meßgewand mit rotem Sammet mit gelbem Grund mit einem Chorhemd gekauft und in die Kirche verehrt war, weil die andreren von den „Reutern“ waren weggenommen.

Küster ist seit 1645 in Diedrichshagen ein Hans Frahme gewesen; er sagt aus, „er wolle gern Schule halten, wenn ihm die Leute nur Kinder bringen wollten, hätte in diesen beiden Jahren nur ein Kind gehabt“; im übrigen „gebrauche er sich seines Handwerkes eines Leinwebers.“

1653 heißt es:

„er hält Schule, hat diesen Winter gehabt 10 Kinder, welche haben fein beten können.“  „Er singet und warte in der Kirche und auch dem Pastor auf und schlägt dreimal die Betglocke.“

Die Küsterwohnung hat 1 Stube enthalten. Von der Küsterei heißt es 1647:

„sie ist ganz baufällig, die Windelböden in der Stuben ganz darniedergefallen und muß die Küsterei, wofern sie nicht ganz herunterfallen soll, gebauet werden.“

Von der Kirche heißt es: „sie ist an sich inwendig gut mit einem brettern Boden, auch noch gut von Fenstern, welche darin neu verehret“, und sind 52 Fenster darin.“

Sie ist „mit einem duppeltem Steindach“ versehen, der Turm „mit Steinen ausgemauret“, die die Spitze mit einem Spohndach“ gedeckt. An einem Orte nach dem Wasser zu sinkt die Kirche und ist „sehr baufällig wegen vieler Risse“, „weil das Wasser im See hoch gestauet werde.“

Von den Kirchenjuraten (Kirchvater, Vertreter der Kirchengemeinde, der gemeinsam mit dem Pfarrer Aufgaben wahrnimmt, Anm.d.A.) 1647: Zu den Vorstehern der Kirche zu Diedrichshagen sind

"ao. 1647 12. Mai bestellt und in Eid genommen worden Hans Boddecker von Upahl, Hans Lunan zu Boienhagen und Hans Lüders zu Sievershagen."

Die letzte aufgenommene Rechnung der Kirche zu Diedrichshagen ist auf Martini ao. 1617 geschlossen von … unleserlich … Superintendenten in Wismar Mag. Nicolas Siegfrieden und dem Herrn Hauptmann zu Santau Johann Jarchower (?), richtig und recht befunden worden, geschehen auf dem Fürstl. Meckl. Amtshause Santau ao. 1618 den 10. Februar.“

Unsere Vorfahren wußten, warum sie beteten und sangen:

Steck ein das böse Schwert, das uns will fressen, den Würger laß vorübergehn. Gib deinen Kindern Brot zu essen; laß keine solche Zeit entstehn, daß man dein Wort uns teuer macht und unser Herz dabei verschmacht.

Heimat-Bote für die Kirchengemeinden Börzow, Bössow, Diedrichshagen, Friedrichshagen, Gressow, 1927.

Die Kirche

Die Kirche ist ein stattlicher Neubau aus den fünfziger Jahren. Ihre Einweihung fand 1861 statt. Alt ist nur der aus trefflich gebrannten grossen Ziegeln aufgeführte gothische Thurm, der mit seinem aus vier hübschen Giebeln entwickelten achtseitigen Helm eine Höhe von ungefähr 60 m hat.

Die Giebel sind ebenso verschieden wie die des Kirchthurms zu Proseken und offenbaren gleich ihnen den Einfluss der Wismar’schen Bauten des XV Jahrhunderts. Zu diesem Fingerzeig für die Zeitbestimmung gesellt sich als zweiter die grösste der drei Glocken mit dem Datum MCCCCLI (1451, Anm.d.A.).

In der Kirche ist von dem Mobiliar der alten nichts zurückgeblieben.

[caption id="attachment_328" align="aligncenter" width="300"]<a href="http://tragolat.bplaced.net/wp-content/uploads/2023/03/schlie2_kirche-_inneres-300x195.jpg"><img class="wp-image-328 size-medium" src="http://tragolat.bplaced.net/wp-content/uploads/2023/03/schlie2_kirche-_inneres-300x195.jpg" alt="Inneres der Kirche zu Diedrichshagen." width="300" height="195" /></a> Inneres der Kirche zu Diedrichshagen.
Quelle: F. Schlie.[/caption]

Im Thurm hängen, wie schon bemerkt worden, drei Glocken. Die grösste hat die Inschrift: O rex glorie christe veni cum pace (O König der Ehre, Christus, komm mit Frieden. Anm.d.A.) osanna anno dni mccccli, dazu das nebenstehende Giesser-Zeichen. Die zweite Glocke hat keine Inschrift; die dritte, die kleinste vom Jahre 1653 hat hübsche hat hübsche Renaissance - Verzierungen (Engelsköpfe, Blumen, Blätter, Ranken, Trauben) im flachen Relief und die Inschrift:

MAGISTER VALERIUS FIDLER PASTOR. HANS FRAME KVESTER HANS BODEKER HINRICH LVNOW HANS LVDER HINRICH SCHWARTE VORSTEHER GOTT GIEB FRIEDE IN DEINEM’ LANDE. GLVCK VND HEIL ZV ALLEM STANDE. ANNO 1653. M. STEFANEVS WOILLO VND NIKOLAVS GAGE LOTRIN.

Holzbild. Im Thurm ein altes Bild auf Holz, ca. 1,25 m hoch und 75 (c)m breit, darstellend den Krucifixus mit Maria und Johannes.

Friedrich Schlie, 1899, Bd. 2, S. 413 ff.

Die Kirche und Kirchengemeinde Diedrichshagen

Zeugnis aus gebrannten und lebendigen Steinen seit ihren Anfängen in der Mitte des 13. Jahrhunderts

Wer sich unserem Diedrichshagen gleich aus welcher Himmelsrichtung und über welche Straßen und Wege nähert, sieht schon aus gehöriger Entfernung die Spitze des an die 60 Meter hohen Kirchturms in die Höhe ragen. Der Turm stammt aus der Erbauungszeit der Kirche Mitte des 15. Jahrhunderts. Das Kirchenschiff ist nach dem Abriss des alten in neugotischem Stil 1861 errichtet worden. Nach umfangreichen Sanierungs- und Renovierungsmaßnahmen außen und innen in den letzten 25 Jahren, von den sichtbaren Fundamenten bis hin zur Turmbekrönung mit vergoldeter Kugel und Wetterhahn, ist das altehrwürdige Gebäude in einem erfreulich guten Zustand und kündet von dem Willen der in den Dörfern der Kirchengemeinde (nach Kirchspiel genannt, wie z. B. im Namen des Vereins zur Traditionspflege im Kirchspiel Diedrichshagen von 1996) lebenden Menschen in Vergangenheit und Gegenwart, dass die Kirche im Dorf bleiben soll.

Im Turm hängen zwei Glocken und künden morgens und abends mit ihrem Geläut Anfang und Ende eines Arbeitstages an. Sie sind zu hören, wenn Gemeindemitglieder verstorben sind, läuten zu Gottesdiensten, Trauungen und Trauerfeiern. Die Turmuhr zeigt zum Dorf hin die Zeit an und schlägt zu jeder halben und vollen Stunde. In der Kirche kann man eine bescheidene und doch kraftvolle Orgel vom Orgelbauer Friese (III) zum Klingen bringen und in vertraute Lieder aus dem Gesangsbuch anstimmen.

Unweit der Kirche und des sie umgebenden Kirchhofes mit einigen Grabstätten liegt der Mitte des 19. Jahrhunderts angelegte Friedhof als Begräbnisstätte für die im Bereich der Kirchengemeinde Verstorbenen.

In der Kirchengemeinde haben seit der Reformation mit dem derzeit noch amtierenden Pastor 22 Männer der Kirche gewirkt und die Geschicke von Menschen in den Dörfern Upahl, Boienhagen, Kastahn, Sievershagen, Büttlingen, Rüting, Schildberg und Diedrichshagen selbst begleitet und im Wechsel der Zeiten auch nicht unerheblich mitgestaltet. (Büttlingen, gehört inzwischen zu Grevesmühlen, Rütting gehörte einmal zu Mühlen-Eichsen).

[Best_Wordpress_Gallery id="15" gal_title="Pfarrhaus"]

Das sind die Namen der Pastoren:

  • Stephan Prutze 1541
  • Hermann Schröder 1568
  • Joachim Lucä 1578
  • Balthasar Meyer 1598-1650
  • M. Valerius Fidler 1651-1657
  • Peter Schultze 1658-1675
  • Heinrich Susemihl 1658-1699
  • Jakob Wilhelm Pistorius 1700-1716
  • Gottlieb Wilhelm Hornemann 1717-1762
  • Joh. Christian Riedel 1764-1781
  • Jacob Boysen 1782-1817
  • Friedrich Georg Walter 1817-1839
  • Emil Heinrich Kliefoth 1840-1865
  • Friedrich Wilhelm Andreas Franz Schliemann 1865-1883
  • Johann Carl Martens 1883-1909
  • Paul Ludwig Heinrich Nevermann 1909-1916
  • Friedrich Heinrich Lehnhardt 1916-1939
  • Herbert Heidelk 1939-1940
  • Paul Zedler 1946-1957
  • Hans Albrecht Steffen 1957-1969
  • Hans Treptow 1971-1990
  • Jochen Meyer-Bothling 1993-2013 (>2015)

Sie alle haben mit ihren Familien in und mit der Gemeinde gelebt. Dabei wurden sie von Kirchenältesten unterstützt, die man vor 1918 Kirchenjuraten nannte. Küsterinnen und Küster haben ein Auge darauf gehabt, dass die Kirche als ein guter Ort erlebt werden konnte und kann. Alte Kirchenbücher, die noch m Archiv in Schwerin aufbewahrt werden und neuere, die noch im Pfarrhaus verblieben sind, geben interessante Einblicke in das Leben der Christen in den Dörfern, das begleitet worden ist von der Wiege bis zur Bahre. Andere alte Aufzeichnungen erzählen von glanzvollen Zeiten in Diedrichshagen, in denen die heute für manche Veranstaltungen zu große Kirche nicht zu groß gewesen ist. Als besondere Schätze werden einige vasa sacra (Taufschalen, Kelche, Patenen, Oblatendosen) in Ehren gehalten, die für entsprechende Anlässe bedeutungsvoll sind.

Die in den Mitgliederzahlen sehr überschaubare kleine Kirchengemeinde lebt. Sonntägliche Gottesdienste waren die Selbstverständlichkeit. Jetzt sind dazu das Pfarrhaus bzw. die Kirche jeweils am 1 und 3. Sonntag im Monat geöffnet. Einmal im Monat treffen sich mit großer Begeisterung Senioren im Pfarrhaus. Am Himmelfahrtstag feiert die Gemeinde anlässlich des jährlichen Kastahner Ringreitens einen Eröffnungsgottesdienst im Zelt.

[Best_Wordpress_Gallery id="21" gal_title="Ringreiten"]

Seit dem 1000. Geburtstag Mecklenburgs im Jahre 1995 ist die Kirchengemeinde nicht unwesentlich an der Vorbereitung und Durchführung der jährlichen Festwoche im Kirchspiel Diedrichshagen beteiligt. Das Erntefest am 1 Sonnabend im September ist ein besonderer Höhepunkt. Dass die Kirche für den Heilig Abend ein Anziehungspunkt für Menschen aus der Gemeinde selbst und über ihre Grenzen hinaus ist, das ist lange bekannt.

Bis Mitte 2013 gehörte die Arbeit mit Kindern aus dem Kirchengemeindebereich zu den selbstverständlichen Aufgaben. Die Kinder müssen sich jetzt nach Grevesmühlen orientieren. Der Kirchhof und der Friedhof werden von vielen Grabnutzungsberechtigten als eine Gemeinschaftsaufgabe verstanden, was im jährlichen Laubharken kurze Zeit vor dem Ewigkeitssonntag seinen Ausdruck findet.

Westlich der Kirche liegt nicht weit von ihr entfernt das 1821 gebaute Pfarrhaus. In einer umfangreichen Sanierung im Jahre 1991/1992 wurde es in einen baulich guten Zustand gebracht. Dieses Pfarrhaus und seine Vorgängerbauten sind über Generationen hin wichtige Häuser gewesen als Anlaufpunkte für Menschen in unterschiedlichsten Lebenslagen.

Pastoren haben als Prediger, Seelsorger und früher nicht selten auch als Landwirte gewirkt. Letztere Aufgabe war über lange Zeiten in den Blick zu nehmen, denn die Pfarrländereien mussten bewirtschaftet werden und sollten für den Lebensunterhalt der Pastorenfamilien genug abwerfen. Die Kirchengemeinde hat Haus und Grundstück vorgehalten, damit kleine und große Feste gefeiert werden konnten. Diese Funktion ist bis heute hin ein wichtiger Stützpfeiler. Hier und da hört man Menschen in den Dörfern sagen, dass es gut wäre, wenn das Licht im Pfarrhaus noch möglichst lange brennen würde.

Fest steht schon seit längerer Zeit, dass die Pfarrstelle Diedrichshagen zwar nicht aufgehoben wird und damit ihren eigenen Namen auch nicht verliert, aber doch nicht wieder mit einem eigenen Pastor/ einer eigenen Pastorin besetzt wird. Strukturentscheidungen der Evangelischen Kirche in Norddeutschland sehen für die Zukunft eine Verbindung mit der Kirchengemeinde Grevesmühlen vor.

Noch brennt Licht im Pfarrhaus. Von den Pfarrstelle-Inhabern seit dem Ende des 2. Weltkrieges kann man sagen, denn von denen davor wissen nur noch ganz wenige etwas, das sie und ihre Familien in je eigener Weise gern im Pfarrhaus gelebt haben bzw. es noch tun und sich bemüht haben und weiter bemühen, es offen zu halten für die Menschen, die Einlass gesucht haben und suchen aus den unterschiedlichsten Gründen.

Die Residenzpflicht war bislang kein Problem. Dass Dienstliches und Privates oft getrennt gesehen wird aus der Sicht der Pfarrstelleninhaber, das ist eine Entwicklung, die sich in jüngerer Zeit mehr und mehr durchsetzt.

Es ist der Kirchengemeinde Diedrichshagen mit den eingepfarrten Dörfern, ihren Mitgliedern und allen Bewohnern sehr zu wünschen, dass sie, egal aus welcher Richtung sie kommen, in diesem Kirchspiel gern zu Hause sind.

Jochen Meyer-Bothling, 2014.

Vom Turmknauf und dem, was er in sich birgt und gelegentlich hergibt

An höchster Stelle über dem Kirchdorf) Diedrichshagen dreht sich der vergoldete Hahn im Wind. Erinnern will er, daß wir es um Gottes und Christi willen mit der Wahrheit halten sollten. Ein wenig unter ihm glänzt die Kugel. Sie ist nicht nur von außen wertvoll, sie birgt auch in sich manches Geheimnis. Das ist nämlich so: Immer wenn Dachdecker sich am Turm zu schaffen machen, und das kommt in hundert Jahren in der Regel nicht nur einmal vor, nehmen indem Zusammenhang die Klempner Kugel und Hahn unter die Lupe. Dabei wird die Kugel geöffnet. Sie gibt dann her, was in ihr verborgen ist.

Was also die Kugel (Turmknauf) in Diedrichshagen betrifft, so ist sie nachweislich im Jahre 1751, dann wieder 1800, dann 1860 usw. geöffnet und neu vergoldet und mit Zeitdokumenten gefüllt worden. Zuletzt sind Hahn und Kugel neu vergoldet worden, als 1989 der Kirchturm mit neuen Schindeln gedeckt werden konnte.

In den Pfarrakten liegt ein dickes Stück Papier, das auf vier Seiten beschrieben ist. Man sieht ihm an, daß es einige Jahre alt ist. Und inzwischen ist klar, dieses Papier, das sehr mitgenommen aussieht, ist das Exemplar aus der Kugel, in die es 1800 getan worden ist. Es gibt Auskunft über all das, was den Leuten in und um Diedrichshagen damals wichtig gewesen ist.

Da kann man nun u.a. dies lesen:

„Heil und Frieden allen unsern Nachkommen, besonders den Lesern dieser wenigen Nachrichten aus unseren Zeiten!"

Kurznachrichten

Man stelle sich vor, daß damals die Nachrichten aus der weiten Welt weite Wege hatten. Und dennoch weiß man in Diedrichshagen, was in der Welt los ist. So heißt es in dem Dokument unter der angeführten Überschrift:

„1789 bracheine allgemeine Revolution in Franckreich aus. Die monarchische Regierung ward aufgehoben und eine Aristokratische oder Republikanische eingeführt. Der letzte König Ludwig XVI ward durch die Guillotine hingerichtet. Desgleichen wiederführ seiner Gemalin Anna Antonia, des Römischen Kaisers Franz I. Tochter, und noch sehr viel Vornehme im Reiche. Hierdurch entstand ein blutiger Krieg, der bis jetzt dauert.“

Und dann ist davon die Rede, wie alles viel teuerer geworden ist. Preise werden genannt von Dingen des „täglichen Lebens“. Zum Schluß steht dies geschrieben:

„Kurtz, alles hat sich an Preis gewaltig erhöhet. Alles seufzet nach dem süssen Frieden und bessern Zeiten. Gott, der allgütige gebe, Friede in seinem Land, Glück und Heil in jedem Stande.“

Gänsesäger im Kirchturm Diedrichshagen

Wer hoch hinaus will, muss wissen, dass er tief fallen kann.

Das Fallen ist bestimmt nicht angenehm. Doch was Menschen Probleme machen kann, ist für Mauerseglerküken eine selbstverständliche Übung, bevor sie sich mit ihren kleinen Beinen laufend oder schwimmend ihre Welt erobern.

Gänsesäger hatten sich den Kirchturm in Diedrichshagen als Nistplatz ausersehen, nachdem die Gerüste für die Neueindeckung des Turmes Ende der achtziger Jahre gefallen waren. Da sind Maueröffnungen in ca. 20 Meter Höhe offengeblieben und wurden von den Gänsevögeln dankbar angenommen. Jahr für Jahr kam ein Gänsesägerpaar zum Brutgeschäft in eins der Mauerlöcher, um mit Turmfalken, Käuzchen, Schleiereulen, Mauerseglern und vielleicht auch ein paar Spatzen in dem altehrwürdigen Gebäude den Nachwuchs auszubrüten und aufzuziehen.

Bei den Gänsesägern ist die Verweildauer in der Brutstelle am kürzesten. Wasservögel zieht es bekanntlich sehr schnell nach dem Schlüpfen aus den Eiern ins nasse Element.

So konnte Familie Oldenburg in Nachbarschaft zur Kirche mehr als einmal beobachten, wie die kleinen flauschigen Küken aus ca. 20 m Höhe hinab fielen oder auch segelten, um dann unten angekommen den Eltern folgend auf dem kürzesten Wege die Stepenitz zu erreichen. Das Fallen ist, wie man zur Kenntnis nehmen muss, nicht für alle Geschöpfe gleichermaßen schlimm. Für die Gänsesäger ist es selbstverständlich, ja lebensnotwendig.

Mit dem Jahr 2000 und der Sanierung des Kirchturmmauerwerks nahm das Leben für die Gänsesäger eine Wendung. Die Mauerlöcher wurden verschlossen, die Vögel fühlten sich vor die Tür gesetzt. Von den Menschen war das überhaupt nicht nett, wie man eingestehen muss. Aber für die Baulichkeit war die Lösung irgendwann fällig.

Die Vögel haben allerdings durch Öffnungen aus der Bauzeit des Turms Zugang zum Inneren gefunden. Nur mit dem Springen aus luftiger Höhe und dem Fallen in die Tiefe konnte das nicht gelingen. Gänsesäger sind aber kein dummes Federvieh. Da gab es doch eine Turmtreppe, die nach unten, wenn auch nicht gleich nach draußen führt.

So geschah es, dass die Altvögel mit ihren Küken Stufe für Stufe in die Kirche hinabstiegen oder auch gesprungen sind. Sie mögen gestaunt haben über die Größe des Inneren ihres seit vielen Jahren angestammten Wohnsitzes auf Zeit.

Auf das Ereignis von Willi Borgwardt, dem Küster der Gemeinde, aufmerksam gemacht, habe ich die Gänsesägerfamilie im Altarraum unter dem Taufstein angetroffen. Sie zu taufen, ist mir nicht in den Sinn gekommen.

Für den Weg in die Freiheit und zur Stepenitz hin haben wir ihnen die Türen weit geöffnet. Die so noch nie dagewesenen Bedingungen haben die Familie zwar ein wenig beunruhigt, aber schließlich und endlich ist sie zum Südportal hinaus gewatschelt, um dann um den Turm herum die Stepenitz zu erreichen.

Die Prozedur muss ihnen nicht besonders gut gefallen haben. Im nächsten und vielleicht auch noch übernächsten Jahr haben die Alten den Anflug auf die Kirche noch ein paar Mal probiert, sich dann aber entschieden, sich für ihre Kleinen einen neuen lebensdienlicheren Brutplatz zu suchen. Sie werden einen solchen gefunden haben, natürlich ordentlich ein paar Meter über der Erde.

Jochen Meyer-Bothling, 2014.

Dorfrundgang 1

Gerber, Am Hühnerbusch 3.

<a href="http://tragolat.bplaced.net/wp-content/uploads/2023/03/gerber1.jpg"><img class="aligncenter wp-image-140 size-medium" src="http://tragolat.bplaced.net/wp-content/uploads/2023/03/gerber1-300x202.jpg" alt="" width="300" height="202" /></a><a href="http://tragolat.bplaced.net/wp-content/uploads/2023/03/gerber2.jpg"><img class="aligncenter wp-image-141 size-medium" src="http://tragolat.bplaced.net/wp-content/uploads/2023/03/gerber2-300x175.jpg" alt="" width="300" height="175" /></a><a href="http://tragolat.bplaced.net/wp-content/uploads/2023/03/gerber5.jpg"><img class="aligncenter wp-image-144 size-medium" src="http://tragolat.bplaced.net/wp-content/uploads/2023/03/gerber5-300x146.jpg" alt="" width="300" height="146" /></a>

[caption id="attachment_143" align="aligncenter" width="300"]<a href="http://tragolat.bplaced.net/wp-content/uploads/2023/03/gerber4.jpg"><img class="wp-image-143 size-medium" src="http://tragolat.bplaced.net/wp-content/uploads/2023/03/gerber4-300x179.jpg" alt="" width="300" height="179" /></a> Lotti Freytag.[/caption]

[caption id="attachment_1100" align="aligncenter" width="300"]<a href="http://tragolat.bplaced.net/wp-content/uploads/2023/03/gerber3.jpg"><img class="wp-image-1100 size-medium" src="http://tragolat.bplaced.net/wp-content/uploads/2023/03/gerber3-300x177.jpg" alt="Richard Freytag und Enkel." width="300" height="177" /></a> Richard Freytag und Enkel.[/caption]

Gehöft 1

  • 1803 Heinrich Oldenburg
  • 1822 Heinrich Freytag
  • 1920 Richard Freytag
  • 1952 Hans Otto Freytag
  • Verkauf an Frau Gerber plus 5 ha Grünland, Umbau der Ferienwohnung "Ferien auf dem Bauernhof, mit Islandpferden und anderen Tieren. Das Ackerland gehört Hans-Otto Freytag in Klütz.

Schwarz, Am Hühnerbusch

<a href="http://tragolat.bplaced.net/wp-content/uploads/2023/03/schwarz1.jpg"><img class="aligncenter wp-image-1213 size-medium" src="http://tragolat.bplaced.net/wp-content/uploads/2023/03/schwarz1-300x157.jpg" alt="" width="300" height="157" /></a>

<a href="http://tragolat.bplaced.net/wp-content/uploads/2023/03/schwarz2.jpg"><img class="aligncenter wp-image-252 size-medium" src="http://tragolat.bplaced.net/wp-content/uploads/2023/03/schwarz2-300x179.jpg" alt="" width="300" height="179" /></a>

Gehöft 2

  • 1802 Hans Schwarz
  • 1920 Otto Schwarz (gest. 1979), Frieda Schwarz (gest. 1996)
  • 1979 Dieter Schwarz
  • 1993 Neubau. Das Land wird von der Argrar e.G. bewirtschaftet

<a href="http://tragolat.bplaced.net/wp-content/uploads/2023/03/schwarz5.jpg"><img class="aligncenter wp-image-1217 size-medium" src="http://tragolat.bplaced.net/wp-content/uploads/2023/03/schwarz5-300x189.jpg" alt="" width="300" height="189" /></a> <a href="http://tragolat.bplaced.net/wp-content/uploads/2023/03/schwarz4.jpg"><img class="aligncenter wp-image-1216 size-medium" src="http://tragolat.bplaced.net/wp-content/uploads/2023/03/schwarz4-300x167.jpg" alt="" width="300" height="167" /></a>

<a href="http://tragolat.bplaced.net/wp-content/uploads/2023/03/schwarz3-251x300.jpg"><img class="aligncenter wp-image-253 size-medium" src="http://tragolat.bplaced.net/wp-content/uploads/2023/03/schwarz3-251x300.jpg" alt="" width="251" height="300" /></a>Gehöft 3

  • 1794 Gottfried Kaven
  • 1868 Johann Kaben
  • 1895 August und Helene Kaben
  • 1990 Kabens Enkel verkauft das Land an den Wiedereinrichter Mumm in Sievershagen
  • 1990 Verkauf der Hofstelle an Dr. Roland Leibold. Sein Bruder erwarb die daneben liegende Weide. Das Gebäude steht nicht mehr.

Dr. Leibold

<a href="http://tragolat.bplaced.net/wp-content/uploads/2023/03/leibold2.jpg"><img class="aligncenter wp-image-194 size-medium" src="http://tragolat.bplaced.net/wp-content/uploads/2023/03/leibold2-300x195.jpg" alt="" width="300" height="195" /></a> <a href="http://tragolat.bplaced.net/wp-content/uploads/2023/03/leibold1.jpg"><img class="aligncenter wp-image-1152 size-medium" src="http://tragolat.bplaced.net/wp-content/uploads/2023/03/leibold1-300x199.jpg" alt="" width="300" height="199" /></a>Büdnerei Nr. 1 (Büdner: Kleinbauer mit weniger als 5 ha Land, Pferde, Kühe, Kleintiere)

  • 1799 Weber Gutow
  • 1817 Büdner Jansen
  • 1839 Büdner Krause
  • 1938 Pauline Rieckhoff und Tochter Erna
  • 1975 Verkauf an an Dr. Leibold (Wohnhaus) 1991 Bau der Arztpraxis in Rüting 2005 Übernahme der Praxis durch Robert Leibold (Grevesmühlen)

Grote, Sievershäger Weg 1a

<a href="http://tragolat.bplaced.net/wp-content/uploads/2023/03/grote1.jpg"><img class="aligncenter wp-image-146 size-medium" src="http://tragolat.bplaced.net/wp-content/uploads/2023/03/grote1-300x188.jpg" alt="" width="300" height="188" /><img class="aligncenter wp-image-147 size-medium" src="http://tragolat.bplaced.net/wp-content/uploads/2023/03/grote2-300x183.jpg" alt="" width="300" height="183" /></a>Gehöft 4

  • 1803 Friedrich Lau
  • 1867 Gastwirt Joachim Ratzeburg
  • 1873 Rudolf Westphal
  • 1908 Johann Rieckhoff
  • 1937 Wilhelm Grote, Sohn Willi Grote (gest. 1941) Günther Grote und Frau Waltrad, geb. Wien
  • 1993 Ackerland: Verkauf an die Wiedereinrichter Mumm aus Sievershagen, Thomas Grote und Frau Ilka (1991 Firmengründung und Malstudio) Nebengebäude: Erwerb durch Willi Borgward, Umbau zum Wohnhaus mit Unterstützung der LPG für die Familie (4 Kinder)

Steffen, Dorfstrasse 20

<a href="http://tragolat.bplaced.net/wp-content/uploads/2023/03/steffens1.jpg"><img class="aligncenter wp-image-1226 size-medium" src="http://tragolat.bplaced.net/wp-content/uploads/2023/03/steffens1-300x213.jpg" alt="" width="300" height="213" /></a> <a href="http://tragolat.bplaced.net/wp-content/uploads/2023/03/steffens2.jpg"><img class="aligncenter wp-image-1227 size-medium" src="http://tragolat.bplaced.net/wp-content/uploads/2023/03/steffens2-300x258.jpg" alt="" width="300" height="258" /></a> <a href="http://tragolat.bplaced.net/wp-content/uploads/2023/03/steffens3.jpg"><img class="aligncenter wp-image-1228 size-medium" src="http://tragolat.bplaced.net/wp-content/uploads/2023/03/steffens3-300x164.jpg" alt="" width="300" height="164" /></a>

Gehöft 7

  • 1738 Karsten Orth wird von Jochen Orth abgelöst
  • 1787 Hans-Jürgen Schwarz
  • 1811 Claus Kessin
  • 1860 Heinrich Freytag (ehemals Hufe 1)
  • 1887 Johann Freytag
  • 1907 Otto Freytag und Frau Dora Georg Freytag (gest. 1997), Magdalene Freytag (gest. 1987)
  • 1985 Tochter Margarete und Hans-Martin Steffen, Kinder Wiebke und Richard

<a href="http://tragolat.bplaced.net/wp-content/uploads/2023/03/steffens4.jpg"><img class="aligncenter wp-image-267 size-medium" src="http://tragolat.bplaced.net/wp-content/uploads/2023/03/steffens4-300x184.jpg" alt="" width="300" height="184" /></a>  <a href="http://tragolat.bplaced.net/wp-content/uploads/2023/03/steffens5.jpg"><img class="aligncenter wp-image-268 size-medium" src="http://tragolat.bplaced.net/wp-content/uploads/2023/03/steffens5-300x173.jpg" alt="" width="300" height="173" /></a><a href="http://tragolat.bplaced.net/wp-content/uploads/2023/03/steffens6.jpg"><img class="aligncenter wp-image-269 size-medium" src="http://tragolat.bplaced.net/wp-content/uploads/2023/03/steffens6-300x218.jpg" alt="" width="300" height="218" /></a>

<a href="http://tragolat.bplaced.net/wp-content/uploads/2023/03/steffens7.jpg"><img class="aligncenter wp-image-270 size-medium" src="http://tragolat.bplaced.net/wp-content/uploads/2023/03/steffens7-153x300.jpg" alt="" width="153" height="300" /></a> <a href="http://tragolat.bplaced.net/wp-content/uploads/2023/03/steffens8.jpg"><img class="aligncenter wp-image-1233 size-medium" src="http://tragolat.bplaced.net/wp-content/uploads/2023/03/steffens8-144x300.jpg" alt="" width="144" height="300" /></a>

Bollow, Haubenweg 1

<a href="http://tragolat.bplaced.net/wp-content/uploads/2023/03/bollow1.jpg"><img class="aligncenter wp-image-110 size-medium" src="http://tragolat.bplaced.net/wp-content/uploads/2023/03/bollow1-300x234.jpg" alt="" width="300" height="234" /></a> <a href="http://tragolat.bplaced.net/wp-content/uploads/2023/03/bollow2.jpg"><img class="aligncenter wp-image-111 size-medium" src="http://tragolat.bplaced.net/wp-content/uploads/2023/03/bollow2-300x183.jpg" alt="" width="300" height="183" /></a> <a href="http://tragolat.bplaced.net/wp-content/uploads/2023/03/bollow3.jpg"><img class="aligncenter wp-image-112 size-medium" src="http://tragolat.bplaced.net/wp-content/uploads/2023/03/bollow3-300x169.jpg" alt="" width="300" height="169" /></a> <a href="http://tragolat.bplaced.net/wp-content/uploads/2023/03/bollow4.jpg"><img class="aligncenter wp-image-113 size-medium" src="http://tragolat.bplaced.net/wp-content/uploads/2023/03/bollow4-300x149.jpg" alt="" width="300" height="149" /></a>Gehöft 9

  • 1814 Joachim Mellahn Erben: Seeger, Luckmann
  • 1895 Karl Bollow
  • 1938 Ewald Bollow (gest. im 2. WK) Leni und Ernst Klatt Erwin (gest. 2005) und Heidi Bollow mit Familie
  • 1984 Hausbrand und Aufbau Ackerland Agrar e. G.

Ziebarth, Haubenweg

<a href="http://tragolat.bplaced.net/wp-content/uploads/2023/03/ziebarth1.jpg"><img class="aligncenter wp-image-299 size-medium" src="http://tragolat.bplaced.net/wp-content/uploads/2023/03/ziebarth1-300x145.jpg" alt="" width="300" height="145" /></a>Haubenweg 24

  • 1951 Schmiedemeister Paul Ziebarth
  • 1980 Baracke durch massiven Bau ersetzt, Installationsbetrieb durch Sohn Günter
  • 1993 Firmengründung Ziebarth und Söhne Inhaber Raimund Ziebarth Radio-TV Wolfram Ziebarth in Rüting

<a href="http://tragolat.bplaced.net/wp-content/uploads/2023/03/ziebarth2.jpg"><img class="aligncenter wp-image-300 size-medium" src="http://tragolat.bplaced.net/wp-content/uploads/2023/03/ziebarth2-300x202.jpg" alt="" width="300" height="202" /></a>Haubenweg 25

  • Bauherr: Klatt
  • 1978 Verkauf an Walter Rogert und Frau Bauder
  • 1980 Erwerb und Umbau durch Raimund Ziebarth

Hoth, Dorfstraße 13

<a href="http://tragolat.bplaced.net/wp-content/uploads/2023/03/hoth1.jpg"><img class="aligncenter wp-image-1117 size-medium" src="http://tragolat.bplaced.net/wp-content/uploads/2023/03/hoth1-300x235.jpg" alt="" width="300" height="235" /></a> <a href="http://tragolat.bplaced.net/wp-content/uploads/2023/03/hoth2.jpg"><img class="aligncenter wp-image-160 size-medium" src="http://tragolat.bplaced.net/wp-content/uploads/2023/03/hoth2-300x224.jpg" alt="" width="300" height="224" /></a>

Spritzenhaus — (Cafe Frieda)

  • 1900 gebaut und als Spritzenhaus genutzt, später Gemeindebüro dann Wohnhaus von Frieda Lawrenz, nach ihrem Tode Jugendclub/Wahlbüro/Leerstand.
  • 1982 kauften Edgar Hoth und Frau Brigitte (Hochschullehrer/Kindergärtnerin), wohnhaft in Wismar, das Haus von der Gemeinde Rüting., zugehöriges Land 175 m² - zur Nutzung. Umbau zum Wochenendhaus, Pacht des Pfarrgartens (Bienenhaus)
  • 1990 Kauf des Hausgrundstücks und 300 qm vom anliegenden Bollowschen Land (Grundbuch: Flur 2/89)

Dzillack, Dorfstrasse 22

<a href="http://tragolat.bplaced.net/wp-content/uploads/2023/03/zillath1.jpg"><img class="aligncenter wp-image-1272 size-medium" src="http://tragolat.bplaced.net/wp-content/uploads/2023/03/zillath1-300x182.jpg" alt="" width="300" height="182" /></a>

<a href="http://tragolat.bplaced.net/wp-content/uploads/2023/03/zillath2.jpg"><img class="aligncenter wp-image-311 size-medium" src="http://tragolat.bplaced.net/wp-content/uploads/2023/03/zillath2-300x162.jpg" alt="" width="300" height="162" /></a> <a href="http://tragolat.bplaced.net/wp-content/uploads/2023/03/zillath3.jpg"><img class="aligncenter wp-image-312 size-medium" src="http://tragolat.bplaced.net/wp-content/uploads/2023/03/zillath3-300x166.jpg" alt="" width="300" height="166" /></a> <a href="http://tragolat.bplaced.net/wp-content/uploads/2023/03/zillath4.jpg"><img class="aligncenter wp-image-313 size-medium" src="http://tragolat.bplaced.net/wp-content/uploads/2023/03/zillath4-300x227.jpg" alt="" width="300" height="227" /></a>

Pfarrbüdnerei 1 - "Krugehöft"

  • 1841 Krüger Heinrich Kienke
  • 1847 Krüger Demmin
  • 1860 Johann Ratzeburg
  • 1892 Gastwirt Johann Ahlers
  • 1934 Gastwirt Werner Ahlers
  • 1940 Verkauf an Pastor Schulz i. R.
  • 1956 Verkauf an Erich Dzillack (gest. 1977) Hartmut Dzillack (gest. 1993)
  • 1993 Sigrid Dzillack und Sohn Lothar (Tochter Siglinde baute auf dem Ziegenberg)

<a href="http://tragolat.bplaced.net/wp-content/uploads/2023/03/zillath5.jpg"><img class="aligncenter wp-image-1276 size-medium" src="http://tragolat.bplaced.net/wp-content/uploads/2023/03/zillath5-300x175.jpg" alt="" width="300" height="175" /></a> <a href="http://tragolat.bplaced.net/wp-content/uploads/2023/03/zillath6.jpg"><img class="aligncenter wp-image-315 size-medium" src="http://tragolat.bplaced.net/wp-content/uploads/2023/03/zillath6-300x219.jpg" alt="" width="300" height="219" /></a>1865 brannte der Krug ab, wird neu gebaut und 1890 wieder in Brand gesteckt.

1902 bei der Gründung des Kriegervereins wurde die Dorfeiche gepflanzt und in der Gaststätte gefeiert. Der Verein hatte das Ziel, militärische Traditionen zu pflegen, Kriegerdenkmale zu errichten und das Andenken für Gefallene zu pflegen. Zunächst wurden Kriegsteilnehmer 1870/71 und 1914/18 Mitglieder, später kamen andere „Patrioten“ hinzu.

1925 fand aus Anlass der dörflichen Stromversorgung das „Lichtfest“ statt. Bis 1940 wird der Saal regelmäßig zu Tanzvergnügen, Erntefesten und Vereinstreffen genutzt.

Nach 1933 trugen die uniformierten Mitglieder Hakenkreuzfahnen und demonstrierten ihre Verbundenheit mit dem Nationalsozialismus. Wie es endete, ist hinlänglich bekannt ...

Die drei erschossenen Amerikaner

Mitte Juni 1944 war ich beim Kleemähen auf dem Schildberger Felde, als so gegen 11 Uhr ein viermotoriger amerikanischer Bomber in niedriger Höhe angebraust kam.

Ich versuchte schnell hinter den Weiden an der Mergelgrube Deckung zu bekommen. Das Flugzeug drehte über Diedrichshagen nach rechts und verschwand hinter dem Rüting-Schildberger Gehölz. Hier sind dann zwei Besatzungsmitglieder über Rüting-Steinforter-Wüstenmarker Gebiet abgesprungen. Den dritten Amerikaner sah ich mit dem Fallschirm über Webelsfelder-Hindenberger Gebiet heruntergehen, Die restlichen 9 Insassen sind über Hof-Meteln mit Fallschirmen abgesprungen.

Der Bomber ist über der Feldmark von Alt-Meteln abgestürzt. Die abgeführten Gefangenen sollen vom Förster Haselow aus Moorbrink erschossen worden sein. Beim Zusammenbruch 1945 wurde er verhaftet und später erhängt.

Den dritten Gefangenen hat der in Hindenberg stationierte Wachmann nach Grevesmühlen zum Amtsgerichte bringen sollen. Unterwegs am Rambeeler Damm hat ihn dann der Kreisleiter Köpcke übernommen und hinter der Hecke erschossen.

Der Ortsgruppenleiter von Sievershagen, Lehrer Möller, hat den damaligen Bürgermeister E. Michaelis den Auftag erteilt:

"Einen auf der Flucht erschossenen Amerikaner beim Telefonmast 34 oder 43 (an die Zahl konnte sich E. Michaelis. nicht mehr genau erinnern) zum Bürgermeister nach Rüting zu fahren."

Sein Pole hat daraufhin gleich die Pferde angespannt und hat ihm auch beim Aufladen des Amerikaners geholfen. Er wurde anschließend mit Klee zugedeckt. Der Bürgermeister Beckmann hat sie zurück nach Diedrichshagen geschickt, mit dem Hinweis, den Toten zu den beiden anderen zu legen.

Die beiden anderen Erschossenen haben der Ortsgruppenleiter Wehrspaun mit dem Bauern August Stock auf Befehl des Kreisleiters Köpcke im Pustowschen Feldweg und den dritten Richtung Webelsfelder Grenze aufgeladen Auch hier hieß es: "Auf der Flucht erschossen." Am Abend wurden sie dann auf dem Friedhofe bei der Kirche an der Nordwest-Seite an der Oldenburgschen Koppel unter einem Holunderstrauch von den Rütinger Parteigenossen begraben.

Bis auf Hemd und Unterhose wurden sie ausgezogen und mit einem größeren Sacktuch abgedeckt. Die Uniformen mußte der Bürgermeister bei der Kreisleitung abliefern.

Über diese barbarische Handlung waren alle Einwohner sowie die Fremdarbeiter ziemlich erregt und auch die beiden französischen Gefangenen, die bei Frau Bollow und bei meinem Nachbarn Becker arbeiteten.

In den Jahren hatte ich mit dem Franzosen guten Kontakt bekommen. Er war im Zivilberuf Beamter und hatte in der Präfektur in Rouen gearbeitet. Er sprach dasselbe Französisch, wie ich es sechs Jahre in der Schule gelernt hatte.

Wir haben uns am nächsten Morgen über diese Angelegenheit unterhalten und ich habe auch mein Bedauern ausgesprochen und ihn gebeten, er möge keine unbedachten Äußerungen machen. Denn käme dies an den Kreisleiter, würden wir ohne Frage in ein Nebengrab kommen.

Auch die Polen haben wir beruhigt. Als die Engländer im April 1945 die Amerikaner ablösten, mußten sämtliche Männer bei der Kirche zusammenkommen. Einige mußten jetzt die Toten wieder ausgraben und in Särge legen.

Die Unterwäsche hielt die Leichen noch zusammen. Ihre Gesichter waren aber schon schwarz und ein sehr übler Geruch verbreitete sich schnell. Es haben wohl etliche von den Zwangszuschauern an Vergeltungsmaßnahmen gedacht, so wie man es aus Wehrmachtsberichten oft hörte. Aber nichts dergleichen geschah. Die Särge wurden auf Wehrmachtautos geladen, die sofort abfuhren.

Der Kreisleiter Köpcke wurde von Zivil-Polen verfolgt. Er ließ sein Auto auf Wichmannsdorfer Feldmark stehen und flüchtete nach Tarnewitz zu seinem Parteigenossen Tretow. Im Keller der Häuslerei setzte er sich noch zur Wehr. Weil man ihn lebend haben wollte, schickte man seine Ehefrau zu ihm, die ihn zur Kapitulation überreden sollte. Hierauf haben sich beide sofort vergiftet.

Sein Komplize, der Justizoberinspektor Wilck vom Amtsgerichte Grevesmühlen, hat sich mit seiner Frau erschossen. Auch das Ehepaar Brügemann aus Maschendorf ist seinem Beispiel gefolgt.

Umsturz 1945

Schon im Januar, als wir zum Holzeinschlag in die Everstorfer Forst fuhren, begegneten uns immer. wieder Trecks, die von Wismar in Richtung Grevesmühlen fuhren. Diese wurden von Woche zu Woche mehr. Ende Februar mußten wir von Grevesmühlen bis hinter Degiow nur noch im Beiweg fahren, Der Trecks wegen kamen wir überhaupt nicht mehr auf die eigentliche Fahrbahn.

Es war wohl schon März, als mein Nachbar Becker und ich vom Ortsbauernführer August Freitag die Order bekamen "Flüchtlinge" von der Schule bei der Turnhalle in Grevesmühlen abzuholen. Wir fuhren auf unserem Kastenwagen dann auch los und auf dem dortigen Schulhof kam uns schon der Ortsgruppenleiter von Sievershagen, Lehrer Möller, entgegen und teilte uns unsere 'Fracht' zu.

Es waren zum größten Teil Frauen von Eisenbahnern aus Pommern, für die man wohl noch einen Platz bereitgehalten hatte. Viele kamen uns mit dem Hitlergruß entgegen und trugen vor ihren blauen Skimützen noch das Hoheitsabzeichen, den Adler mit Hakenkreuz. Es waren Frau Fietzke, ihre Schwester Frau Heumann, beide mit Kinderwagen, Frau Schomacher und Frau Ziegler, beide mit ihren Ehemännern und noch einige andere Personen, die ich heute nicht mehr erinnere.

Mein Nachbar Becker meinte: "Nu hemm wi oewer "Heil Hitler’s" na Diedrichshagen kraegen." "Dat hett sick bald utheilt, Becker" war meine Antwort und so kam es dann ja auch einige Wochen später.

Alle Aufgeführten sind bald nach dem Zusammenbruch in die BRD abgewandert. Eine berittene Gendarmerie-Abteilung zog im April in meine Scheune ein. Sie waren in Gardelegen zusammengestellt und sind dann über Stendal, Berlin nach hier nur des Nachts geritten. Ihr Führer, Oberleutnant von Schalburg, war im Zivilberuf Rechtsanwalt in Güstrow und hat es fertiggebracht, das Kriegsende hier in Diedrichshagen abzuwarten.

Als bekannt. wurde, daß in Sievershagen eine amerikanische Kommandantur eingerichtet war, ritten von Schalburg mit seinem Hauptwachheister nach Sievershagen und kehrten beide mit einer Armbinde zurück, auf der stand "Military Government Police".

Eine Stunde später nahm ein Panzerfahrzeug mit aufgebauter Kanone Stellung zwischen Beckers und unserem Haus. Zwei Amerikaner gingen in die Scheune und kamen gleich zurück. Somit war die Übergabe perfekt.

Nach und nach löste sich die Truppe dann auf. Der Rest verzog nach Everstorf und machte in der Forst der Holzdiebstähle wegen Dienst.

Auch eine Luftwaffenabteilung vom Geschwader Udet löste sich hier auf. Eine gewaltige Zugmaschine mit zwei sehr großen Hängern und hinten eine leichte Flakkanone hielten beim Transformatorenhaus und luden ab. Die Pelzpilotenjacken werden hier heute noch getragen. Kostbare Funk- und Radio-Apparate, auch viele andere Sachen wurden in der Wiese verbrannt. Einige von der Truppe gingen zu Fuß weiter. Der Rest verbrachte die Nacht in Bollows Scheune. Auch einige uniformierte Nachrichtenhelferinnenwaren dabei.

Am nächsten Tag hat sich dann der Rest verzogen. Uniformen, Decken und andere Kleidungsstücke sind vielen Umsiedlern zu Nutzen gekommen. Ein Hänger mit Munition und allerlei Kriegsgerät wurde am nächsten Tag von den Polizisten, die in meiner Scheune lagen, in der Schildberger Wiese gesprengt. Ein Teil wurde dort vergraben.

Nach 25 Jahren stieß man bei Dräinagearbeiten auf diesen Rest, der von Schweriner Feuerwerkern unschädlich gemacht wurde. Viele Sprengköpfe waren noch dabei, die bei falschem Anstechen mit Spaten hätten noch. zur Explosion kommen können.

Dorfrundgang 2

Oldenburg, Dorfstrasse 11

[caption id="attachment_207" align="aligncenter" width="300"]<a href="http://tragolat.bplaced.net/wp-content/uploads/2023/03/oldenburg4.jpg"><img class="wp-image-207 size-medium" src="http://tragolat.bplaced.net/wp-content/uploads/2023/03/oldenburg4-300x153.jpg" alt="Erbaut 1894. Eiche 1902 gepflanzt." width="300" height="153" /></a> Erbaut 1894. Eiche 1902 gepflanzt.[/caption]

<a href="http://tragolat.bplaced.net/wp-content/uploads/2023/03/oldenburg3.jpg"><img class="aligncenter wp-image-206 size-medium" src="http://tragolat.bplaced.net/wp-content/uploads/2023/03/oldenburg3-300x148.jpg" alt="" width="300" height="148" /></a> <a href="http://tragolat.bplaced.net/wp-content/uploads/2023/03/oldenscheune.jpg"><img class="aligncenter wp-image-361 size-medium" src="http://tragolat.bplaced.net/wp-content/uploads/2023/03/oldenscheune-300x248.jpg" alt="" width="300" height="248" /></a>Gehöft 8  

  • 1798 Nicolaus Oldenburg übergibt das verschuldete Gehöft und Schulden an den verarmten Erbpächter H-J. Oldenburg (Altenteilstreit)
  • 1889 Erbpachthufe an den Verwandten Heinrich Körner, Kinder Elfriede (1916 - 1973) und Joachim Oldenburg (gest. 1975) - schuldenfreie Übergabe!
  • 1973 Hans Oldenburg und Frau Hedda Jens Oldenburg und Familie, Ackerland Agrar e.G. Tim Oldenburg.

<a href="http://tragolat.bplaced.net/wp-content/uploads/2023/03/oldenburg4.jpg"><img class="aligncenter wp-image-207 size-medium" src="http://tragolat.bplaced.net/wp-content/uploads/2023/03/oldenburg4-300x153.jpg" alt="" width="300" height="153" /></a><a href="http://tragolat.bplaced.net/wp-content/uploads/2023/03/oldenburg6.jpg"><img class="aligncenter wp-image-209 size-medium" src="http://tragolat.bplaced.net/wp-content/uploads/2023/03/oldenburg6-300x177.jpg" alt="" width="300" height="177" /></a>

Palasis, Dorfstrasse 9

<a href="http://tragolat.bplaced.net/wp-content/uploads/2023/03/palasis2.jpg"><img class="aligncenter wp-image-221 size-medium" src="http://tragolat.bplaced.net/wp-content/uploads/2023/03/palasis2-300x179.jpg" alt="" width="300" height="179" /></a><a href="http://tragolat.bplaced.net/wp-content/uploads/2023/03/palasis3.jpg"><img class="aligncenter wp-image-222 size-medium" src="http://tragolat.bplaced.net/wp-content/uploads/2023/03/palasis3-300x166.jpg" alt="" width="300" height="166" /></a>  <a href="http://tragolat.bplaced.net/wp-content/uploads/2023/03/palasis1.jpg"><img class="aligncenter wp-image-220 size-medium" src="http://tragolat.bplaced.net/wp-content/uploads/2023/03/palasis1-300x197.jpg" alt="" width="300" height="197" /></a>

  • bis 1958 Grundschule (rechts) , Konsum, Wohnung des Lehrers, zuletzt Fam. Radloff,
  • ab 1970 vermietet : M. Heeren
  • 1993 Reiterladen, Verkauf an Fam. Palasis

<a href="http://tragolat.bplaced.net/wp-content/uploads/2023/03/palasis4.jpg"><img class="aligncenter wp-image-223 size-medium" src="http://tragolat.bplaced.net/wp-content/uploads/2023/03/palasis4-300x158.jpg" alt="" width="300" height="158" /></a> <a href="http://tragolat.bplaced.net/wp-content/uploads/2023/03/palasis5.jpg"><img class="aligncenter wp-image-224 size-medium" src="http://tragolat.bplaced.net/wp-content/uploads/2023/03/palasis5-300x173.jpg" alt="" width="300" height="173" /></a> <a href="http://tragolat.bplaced.net/wp-content/uploads/2023/03/palasis6.jpg"><img class="aligncenter wp-image-1185 size-medium" src="http://tragolat.bplaced.net/wp-content/uploads/2023/03/palasis6-300x158.jpg" alt="" width="300" height="158" /></a>

Gehöft 5

  • Hauswirt Törber
  • 1763 Heinrich Christ
  • 1768 — 1788 Schumacher Sohn 1914/18 im 1. WK gefallen Hermann Schwarz
  • 1954 Hans Hamann, Flucht in den Westen Magda Schwarz (gest.) und Sohn Jürgen (Umzug Ziegenberg) Hälfte der Hoffläche im Besitz der Kinder von Hans Hamann (Gebäude zusammen gefallen, Verkauf des Ackerlandes an Familie Reemtsma) Verkauf der halben Hoffläche an die Gemeinde Rüting (Festplatz)

Hacker, Ehrlich, Adjunski, Dorfstrasse 23

<a href="http://tragolat.bplaced.net/wp-content/uploads/2023/03/hacker2.jpg"><img class="aligncenter wp-image-149 size-medium" src="http://tragolat.bplaced.net/wp-content/uploads/2023/03/hacker2-300x193.jpg" alt="" width="300" height="193" /></a> <img class="wp-image-1106 size-medium aligncenter" src="http://tragolat.bplaced.net/wp-content/uploads/2023/03/hacker1-300x193.jpg" alt="" width="300" height="193" /> <a href="http://tragolat.bplaced.net/wp-content/uploads/2023/03/hacker3.jpg"><img class="aligncenter wp-image-150 size-medium" src="http://tragolat.bplaced.net/wp-content/uploads/2023/03/hacker3-300x153.jpg" alt="" width="300" height="153" /></a>

Gehöft 6

  • 1793 Christian Mellahn
  • 1835 Johann Freitag
  • 1887 Joachim Freitag
  • 1933 August Freitag, Hans und Erna Freitag (gest. 2000), Joachim (gest. 1993) und Ingrid (gest. 1997)2000
  • 1993 Ingrid Freitag
  • 1997 Hans-Joachim und Karin Freitag (Umbau, Renovierung) Ackerland bewirtschaftet Agrar e. G.
  • 2012 Hacker, Ehrlich und Adjnski

Bumannn, Dorfstrasse 23a

<a href="http://tragolat.bplaced.net/wp-content/uploads/2023/03/bumann1.jpg"><img class="aligncenter wp-image-115 size-medium" src="http://tragolat.bplaced.net/wp-content/uploads/2023/03/bumann1-300x212.jpg" alt="" width="300" height="212" /></a>Dorfstraße 23a

  • 1988/90 Neubau Heiko Bumann und Familie 1991 Firmengründung und Kosmetiksalon

<a href="http://tragolat.bplaced.net/wp-content/uploads/2023/03/grote_vermietet.jpg"><img class="aligncenter wp-image-145 size-medium" src="http://tragolat.bplaced.net/wp-content/uploads/2023/03/grote_vermietet-300x158.jpg" alt="" width="300" height="158" /></a>Dorfstraße 24

  • 2007/2008 Thomas Grote Vermietet

Rater, Dorfstrasse 4

<a href="http://tragolat.bplaced.net/wp-content/uploads/2023/03/1996_2370-scaled.jpg"><img class="aligncenter wp-image-1387 size-medium" src="http://tragolat.bplaced.net/wp-content/uploads/2023/03/1996_2370-300x182.jpg" alt="" width="300" height="182" /></a>

<a href="http://tragolat.bplaced.net/wp-content/uploads/2023/03/rater2-300x133.jpg"><img class="aligncenter wp-image-230 size-medium" src="http://tragolat.bplaced.net/wp-content/uploads/2023/03/rater2-300x133.jpg" alt="" width="300" height="133" /></a> <a href="http://tragolat.bplaced.net/wp-content/uploads/2023/03/rater3-300x178.jpg"><img class="aligncenter wp-image-231 size-medium" src="http://tragolat.bplaced.net/wp-content/uploads/2023/03/rater3-300x178.jpg" alt="" width="300" height="178" /></a> <img class="wp-image-1192 size-medium aligncenter" src="http://tragolat.bplaced.net/wp-content/uploads/2023/03/rater4-300x206.jpg" alt="" width="300" height="206" />Wohnhaus Dorfstraße 4

  • 1948 Neubau Familie Paskowski
  • 1973 Brand Dachgeschoss in der Osternacht
  • 1975 Verkauf an Edmund (gest. 2010 ) und Helga Rater Paskowskis verzogen nach Rüting

Weiß, Dorfstrasse 3

<a href="http://tragolat.bplaced.net/wp-content/uploads/2023/03/weiss1.jpg"><img class="aligncenter wp-image-294 size-medium" src="http://tragolat.bplaced.net/wp-content/uploads/2023/03/weiss1-300x199.jpg" alt="" width="300" height="199" /></a> <a href="http://tragolat.bplaced.net/wp-content/uploads/2023/03/weiss2.jpg"><img class="aligncenter wp-image-295 size-medium" src="http://tragolat.bplaced.net/wp-content/uploads/2023/03/weiss2-300x164.jpg" alt="" width="300" height="164" /></a>Häuslerei Nr. 3  

  • 1870 Stationsjäger Adolf Baerens
  • 1880 Pensionär Heinrich Timm aus Hamburg
  • 1889 Sattlermeister Heinrich Rieckhoff
  • 1937 Otto Raben (gest. 1974)
  • 1974 Verkauf an Familie Weiß Ackerland Anfang der 90er an die Agrar e. G. verkauft

Hinze, Dorfstrasse 2

<a href="http://tragolat.bplaced.net/wp-content/uploads/2023/03/hinze3.jpg"><img class="aligncenter wp-image-1113 size-medium" src="http://tragolat.bplaced.net/wp-content/uploads/2023/03/hinze3-300x175.jpg" alt="" width="300" height="175" /></a>

<a href="http://tragolat.bplaced.net/wp-content/uploads/2023/03/hinze2.jpg"><img class="aligncenter wp-image-154 size-medium" src="http://tragolat.bplaced.net/wp-content/uploads/2023/03/hinze2-300x163.jpg" alt="" width="300" height="163" /></a>

<a href="http://tragolat.bplaced.net/wp-content/uploads/2023/03/hinze1.jpg"><img class="aligncenter wp-image-1111 size-medium" src="http://tragolat.bplaced.net/wp-content/uploads/2023/03/hinze1-300x261.jpg" alt="" width="300" height="261" /></a>

Häuslerei Nr. 2

Häusler: in der Regel vorher Einlieger, d. h. Hungerleider, Knecht, Tagelöhner oder Wandergesellen o. ä. mussten bei Bauantrag Kapitalnachweis erbringen. Durchschnittlich 1 ha Land hinter dem Haus, eine Kuh, Kleintiere.

  • 1870/71 Johann Schmidt, Viehverschneider
  • 1879 Heinrich Hinze Maurergeselle durch Hochzeit mit Karoline Schmidt (unsere Uroma)
  • 1926/28 Gerhard (gest. 1979) und Hedwig Hinze (gest. 2002), Standesamt 1935 - 1958
  • 1979 Harald und Edeltraud Hinze mit Sohn Heino und 2 Enkelkindern Sohn Holger wohnt in Rüting, Ackerland Agrar e. G.

[caption id="attachment_1116" align="aligncenter" width="295"]<a href="http://tragolat.bplaced.net/wp-content/uploads/2023/03/hinze6.jpg"><img class="wp-image-1116 size-medium" src="http://tragolat.bplaced.net/wp-content/uploads/2023/03/hinze6-295x300.jpg" alt="Vier Generationen der Familie Hinze: Ernst, Gerhard, Harald und Holger." width="295" height="300" /></a> Vier Generationen der Familie Hinze: Ernst, Gerhard, Harald und Holger.[/caption]

[caption id="attachment_156" align="aligncenter" width="149"]<a href="http://tragolat.bplaced.net/wp-content/uploads/2022/07/1965_1137-scaled.jpg"><img class="wp-image-156 size-medium" src="http://tragolat.bplaced.net/wp-content/uploads/2023/03/hinze4-149x300.jpg" alt="Hedwig und Gerhard Hinze." width="149" height="300" /></a> Hedwig und Gerhard Hinze.[/caption]

Am 29. April 1849 wendet sich Hintze an die Landesregierung in ziemlich harter Form, aber in seinem Falle ohne Erfolg, denn er ist seine Pfeifen losgeworden und der Pastor hat sein Geld bekommen. Ich bringe die Beschwerde wörtlich:

Hohe Landesregierung

Das Amt Grevesmühlen hat mir ohne Urtheil und Recht auf Befehl des Herrn Pastor Kliefoth zu Diedrichshagen auspfänden lassen und zwar deshalb, das ich den Pastor angeblich 4 Sch 8 Pfennig Beichtgeld schuldig sei, welches ich zwangsmäßig zweimahl auf Jahr bezahlen soll, worin ich noch nie gewilligt habe, daß ich meine Sündenabbüßung ein halbes Jahr vorher bezahlen, weil es ganz gegen mein Gewissen ist, indem mir Christi Lehre in der Schule zu sehr eingepredigt ist, das Christus gesagt hat, so oft ihrs thut, thut es zu meinem Gedächtnis, er hat es seinen Jüngern aber überlassen, so oft sie es zu seiner Erinnerung thun wollten, selbst der berüchtigte Tetzel hat es mit seiner Ablaßkrämerei nicht so weit getrieben, wie Pastor Kliefoth es treibt, der hat doch erst den Ablaßzettel ausgeteilt, eh er das Geld genommen, je mehr ausfallend ist es mir, daß Pastor Kliefoth seine Wut allein an mir auslassen will, da doch so viele Mitglieder erklärt haben, sie wollten ihr Beichtgeld bezahlen, wenn sie gebeichtet hatten, das vorher bezahlen sei gegen ihr Gewissen und haben es mithin nicht bezahlt; sollte es daher kommen, daß Pastor Kliefoth vor einiger Zeit zu mir sagte, wenn wir uns zu der Rechten der abgeordneten Kammer hielten, alsdann wolle er stets mit uns, sonst stets gegen uns sein, wie wird mein Gewissen bei einer solchen Sprache eines Predigers und eine Forderung deselben gerügt und zerrüttelt, ich wollte lieber wünschen, das ich nie ein Christ, sondern ein Heide geworden sei, alsdann hätte ich nicht einen solchen Gewissensbiß an meinen Herzen als jetzt.

Meine allerunterthänigste Bitte geht dahin, hohe Landesregierung wolle gerecht handeln und den Pastor Kliefoth kein Gespött mit der Religion treiben zu lassen und das Amt Grevesmühlen anbefehlen, mir meine ausgefändeten Sachen wieder zu geben und mir überlassen, wenn ich zum Tisch des Herrn gehe, das ich alsdann mein Beichtgeld bezahle, dann kann ich nach Christi Lehre, die ich in der Schule gelernt habe, nur Beruhigung für meiner armen Seele finden.

Indem ich mein ganzes Vertrauen zu meiner hohen Landesregierung habe, das die allerhögst mich in Schutz nehmen wird und meiner armen Seele dadurch Ruhe zu verschaffen, den Pastor Kliefoth doch mitzutheilen, das er als mein Beichtvater gegen mir eine bessere reine christliche Gesinnung ausüben möge, als er bis jetzt gethan hat. Schließlich bitte ich hohe Landesregierung um recht baldige Untersuchung meiner Beschwerde und geneigte Antwort.

Upahl, allunterthänigst

29.April 1849

Hinze, Maurer

Diese Beschwerde des Maurers Hinze wird wohl Anlaß gewesen sein zur Zusammenkunft des Superintendanten Karsten zu Schwerin als Vertreter des Oberkirchenrates hier im Pfarrhause am 27. August 1850 mit 14 Vertretern aus den Dörfern der Kirchengemeinde, die einstimmig beschließt, die von Pastor Walter eingeführte Beichtordnung aufzuheben und die alte Ordnung wieder einzuführen, nach der jeder Teilnehmer während des Abendmahls bezahlt.

Pastor Walter hat 1832 mit den Schulzen der Gemeinden des Kirchspiels eine neue Beichtordnmung vereinbart, wonach die Einwohner des Dorfes 12 Schilling jährlich der Kirche zu zahlen haben im Voraus für das zu empfangende Abendmahl.

Mit dem Klingelbeutel hat er es auch so machen wollen, aber damit ist er nicht durchgekommen.

Schröder, Dorfstrasse 1

<a href="http://tragolat.bplaced.net/wp-content/uploads/2023/03/schroeder2.jpg"><img class="aligncenter wp-image-244 size-medium" src="http://tragolat.bplaced.net/wp-content/uploads/2023/03/schroeder2-300x211.jpg" alt="" width="300" height="211" /></a> <a href="http://tragolat.bplaced.net/wp-content/uploads/2023/03/schroeder1.jpg"><img class="aligncenter wp-image-243 size-medium" src="http://tragolat.bplaced.net/wp-content/uploads/2023/03/schroeder1-300x194.jpg" alt="" width="300" height="194" /></a><a href="http://tragolat.bplaced.net/wp-content/uploads/2023/03/schroeder3.jpg"><img class="aligncenter wp-image-245 size-medium" src="http://tragolat.bplaced.net/wp-content/uploads/2023/03/schroeder3-300x180.jpg" alt="" width="300" height="180" /></a> <a href="http://tragolat.bplaced.net/wp-content/uploads/2023/03/schroeder4.jpg"><img class="aligncenter wp-image-246 size-medium" src="http://tragolat.bplaced.net/wp-content/uploads/2023/03/schroeder4-217x300.jpg" alt="" width="217" height="300" /></a>Häuslerei Nr. 1

  • 1868 Christian Hinze
  • 1945 Theodor Hintze (gest. 1991) und Elsbeth (gest. 1990) Ackerland erben die Söhne Dirk und Goto (Agrar e. G.)
  • 1991 Hausgrundstück an Ilka Hintze und 2 Kinder

Besondere Begebenheiten in Diedrichshagen

Um 1865 brannte der Krug ab und in den achtziger Jahren des vorigen Jahrhunderts zur Zeit des Gastwirts Will brannte der Krug wieder. Das Feuer wollte aber nicht recht in Gang kommen. Die Jungen halfen, sie warfen die Scheiben ein, dadurch bekam das Feuer Luft. Will hat aber trotz des Brandes Konkurs gemacht. So hat es mir mein Vater erzählt.

1902 wurde die Eiche vor Oldenburgs Haus gepflanzt (Gründung des Militär-Vereins).

Im Herbst 1925 brannte zum ersten Mal das elektrische Licht. Die Bergmann Elektrizitäts A.G. aus Schwerin hatte die Installation hier im Orte fertiggestellt.

1999/30 wurde die Dorfstraße gebaut. Die großen Felsen der Friedhofsmauer wurden zerkleinert und zum Bau mitverbraucht. Als Ersatz für die Steinmauer wurde eine Lebensbaumhecke gepflanzt., die aber heute bis auf einen kleinen Rest durch einen Drahtzaun ersetzt wurde.

Im Januar 1937 brannte die große Pfarrscheune durch Kurzschluß ab. Sie wurde nicht wiederaufgebaut, weil der Pfarracker in Weide lag.

Am neuen Friedhof wurde 1967 eine Totenfeierhalle errichtet.

1973 wurde die Wasserleitung von Rüting über Schildberg nach Diedrichshagen gebaut.

1977 wurde das alte elektrische Ortsnetz gegen ein neues mit Zementmasten ausgewechselt und die Leiterverbindung nach Schildberg. und Rating hergestellt, die vorher ihre Energie von Gadebusch bekommen hatten. Auch wurde hier ein Fußgängerplattenweg gelegt, ebenfalls erhellt seit 1977 eine moderne Beleuchtung unsere Dorfstraße.

1972 im Februar/März wurden große Zementpfähle für eine neue Brücke in Richtung Rüting eingerammt. Im Mai 1978 wurde eine Asphaltstraße von der Rütinger Straße bis zur Brücke gebaut. Auch von Rüting nach Schildberg und im Orte dort wurde eine Ringverbindung aus Asphalt hergestellt.

Die Chaussee Grevesmühlen - Schwerin wurde 1906 fertig und wurde 1972 an vielen Stellen bis Mühlen-Eichsen begradigt und mit einer Asphalt-Decke versehen. Die Abzweigung Upahl - Bobitz wurde 1908 gebaut und ist ebenfalls 1968 mit einer Schwarzdecke belegt worden.

Der Schandpfahl zu Diedrichshagen

Am 14. 9.1717:

„Stefan Parbs in Gefängnisschaft bis nächstkommenden Pfingsttag beizubehalten, darauf am Pfingstsonntag am Pfahl zu Liedrichshagen, von 8 - 11  Uhr vormittags, nebst Anhängung eines Sacks mit Korn zu stellen, und demnächst diese Güther wegräumen soll. Heinrich Freytag  aber soll heute 2 Stunden und morgen früh 2 Stunden an den hiesigen Dorfpfahl gestellt werden und soll hernach der Freytag die Güther räumen. Das gestohlene Korn ist an die Obrigkeit verfallen und soll Freytag dem. Voigt 12 Schillinge und an drey Wächters auf die nacht, 12 Schillinge, der Parbs aber dem Voigdt für die Verwahrung im Gefängnis 16 Schillinge und dem Schließer die Atzung für das Anschließen zu Diedrichshagen a‘ parte bezahlen, zu solchem allen Sie hiermit condemmiert werden.“

Dies ist eine Gerichtsverhandlung gewesen, die der Graf von Bernstorf mit einem Gerichtsschreiber gehalten hat. Parbs und Freytag haben 4/2 Scheffel Weizen getrennt von zwei Haufen in Schildberg beim Dreschen entwendet. Die Gefangenen waren in Rüting im Keller des Gutshauses angeschlossen und von dort zur befohlenen Zeit nach Diedrichshagen gebracht und dort angeschlossen, damit sie von den Kirchgängern gesehen wurden, um auch diese abzuschrecken. Parbs und Freytag waren "leibeigen", denn das Wort "Untertan" ist wiederholt angegeben.

Arbeit in der Landwirtschaft

Hand- und Spanndienste

  • 7 Bauern haben 84 Spanntage und 84 Handtage,
  • 2 Kossaten haben 24 Handtage zu leisten.
  • Außerdem mußten noch „Extradienste“ geleistet werden.
  • 1803 haben sie 381 Spann- und 292 Handtage geleistet, die beiden Kossaten 42 Handtage.
  • Bezahlt wurde ein Spanntag mit 16 Schilling = 1/3 Thaler
  • Bezahlt wurde ein Handtag mit 8 Schilling = 1/6 Thaler.
  • 1 Spanntag = 4 Pferde mit Wagen und 1 Knecht.

Vererbpachtung der 7 Hauswirte, 1872

Hufe Nr. 7 als Schuld an Großherzogl. Kammer

für Gebäude 611 Thaler 45 Schillinge
für die Hofwehr 422 Thaler 6 Schillinge
für Saat u. Bestellung 206 Thaler 44 Schillinge
1240 Thaler 47 Schillinge 9 Pfennig

Diese Capitalschuld von 1240 Thaler wird für die Großherzogl. Kammer mit 6225 Thaler in das Grundbuch eingetragen und mit 4 % Zinsen und 1 % zur Tilgung verzinst.   1860 war die Dorfübliche Abfindung der Kinder:

  • 1 begangene Sterke: 25 Thaler
  • 1 Ehrenkleid (Brautkleid): 10 Thaler
  • 1 halbe Hochzeit: 5 Thaler
  • Bei der Verheiratung: 40 Thaler in bar

Ortsübliches Altenteil bei den Hauswirten um 1860/70

  • 1 Kuh wird im Stall mitgefüttert.
  • 20 Thaler Taschengeld. Die nötige Feuerung.
  • 12 Scheffel Roggen, 2 Scheffel Weizen
  • 2 Scheffel Gerste, 2 Scheffel Erbsen
  • 6 Tonnen Kartoffel (ca. 10 Zentner).
  • Zu Weihnachten ein Schwein von 14 L = 225: Pfund
  • Zu Martini 2 fette Gänse a 12 Pfund
  • Zu Michaelis 1 Faß Backbirnen und 1 Faß Backpflaumen.
  • Ausnutz von 2 Schafen. 1 Faß Lein zur Aussaat.
  • 16 Quadrat-Ruten Garten. Fahrten zum Arzt.

Die Altenteiler arbeiten nach ihren Kräften auf der Hufe mit.

Verdienst des Landarbeiters

Um 1800 hat ein Knecht 12 Thaler, eine Magd 9 Thaler im Jahr verdient.

1890 verdiente der Großknecht 50 Thaler, der Halbknecht 30 Thaler und Mädchen 40 Thaler.

Ein Gutsarbeiter bekam bis 1945 an Deputat 3 Zentner Korn pro Monat. Zu Ostern, Pfingsten und Weihnachten je 50 Pfund Weizen, 100 Quadrat-Ruten Kartoffelland. 5 rm Holz, 2. Klasse, und 27 Zentner Brikett. Freie Kuhhaltung oder 4 Liter Milch pro Tag. Mit Einwilligung des Besitzers konnte im Notfalle ein Jungtier aufgezogen werden.

Im Dezember und Januar verdiente er 63 Pfennig pro Tag. In der anderen Zeit 87 Pfennig, in der Ernte 1,15 Mark pro Tag.

Ab 1. März wurden 10 Stunden gearbeitet. Bei 10 Stunden Drillen mit Handsteuerung und zu Fuß gehen, wurden 25 Pfennig pro Tag extra gezahlt. Ebenso war es beim Mähen und Düngerstreuen mit der Hand. Im Kuhstall mit Handmelken von 25 Kühen pro Tag 1 Mark extra. Von dem Lohn mußte noch Licht und die Sozialversicherung zur Hälfte bezahlt werden.

Wenn eine Frau keine Kinder hatte, war sie verpflichtet, auf dem Gute beim Waschen und Hausarbeiten zu helfen. Hierfür bekam sie 18 Pfennig pro Stunde. Ein Deputant hat im ersten Jahr in Schildberg seiner Frau 3 Tage Kartoffel sammeln helfen. Hierfür mußte er auf dem Gute später für Grunddeputat, Lichtgeld und Sozialversicherung 3 Wochen umsonst arbeiten.

Für das Hocken von Brachweizen nach Feierabend wurden pro Morgen 80 Pfennig gezahlt. Für Rübenarbeit ebenfalls nach Feierabend 18 Mark für den Morgen. Im ersten Jahr gab es noch keinen Urlaub. Im zweiten Jahr zwei Tage. Im vierten 6 Tage.

Mähen und Dreschen des Getreides

Jahrhunderte lang wurde das Getreide mit Sichel und Sense gemäht und zu Garben gebunden, Zehn Paare (1 Stiege) wurden von beiden Seiten aneinander lehnend zu Hocken in gerader Reihe aufgestellt. Nach ein oder zwei Wochen Trockenzeit wurde dann "Eingefahren".

Aus dem Kastenwagen wurde ein "Erntewagen" gemacht. Der ganze Kasten wurde heruntergenommen. Zwischen Vor- und Hinterwagen wurde ein Verlängerungsstück von gut 1 m (Mauleisen oder auch Langzug) gesetzt. Dann kam das Unterbrett, oft waren es auch miteinander verbundene Trennschleete. An beiden Seiten wurden die Ernteleitern aufgesetzt. Dies waren je zwei Schleete von ca. 5m Länge und ca. 10 cm Durchmesser, die mit 3 oder 4 Scheiden und zwischen diesen mit gut daumendicken Stöcken verbunden waren.

[Best_Wordpress_Gallery id="19" gal_title="Ernte"]

Damit der Wagen recht breit wurde, setzte man den oberen Leiterbaum noch über die Wagenrunge nach außen. Er wurde von zwei passenden Ringen, die mit einem halbrunden, handlangen und breiten Eisen verbunden waren, getragen und war noch über der Hinterachse von dem sogenannten "Lüntstaaken" gestützt.

Bei Roggen und Weizen wurden ca. 8 Lagen aufgeladen. Das Seil der Garbe wurde unmittelbar nach innen am Leiterbaum gelegt. Über das hohe Fuder kamen zwei Binder, die vorne befestigt waren und hinten mit einer Winde, die durch zwei „Winnknüppel“ gedreht wurden, sehr stramm gezogen.

<a href="http://tragolat.bplaced.net/wp-content/uploads/2023/03/opa1.png-scaled.jpg"><img class="aligncenter wp-image-1346 size-medium" src="http://tragolat.bplaced.net/wp-content/uploads/2023/03/opa1.png-300x202.jpg" alt="" width="300" height="202" /></a><a href="http://tragolat.bplaced.net/wp-content/uploads/2023/03/uropa1.png"><img class="wp-image-1347 size-medium aligncenter" src="http://tragolat.bplaced.net/wp-content/uploads/2023/03/uropa1-300x199.png" alt="Erntewagen." width="300" height="199" /></a>

Erntewagen. Dank künstlicher Intelligenz wieder farbig.In der Scheune wurden die Garben immer mit den Ähren nach innen sauber auseinander gepackt. Nach drei bis vier Wochen konnten dann. die ausgeschwitzten Gaben gedroschen werden.

Ich muß noch mal zum Mähen zurückkommen, Den Grasmäher gab es schon vor 95 Jahren. Die ersten Mäher kamen aus Amerika. Es waren die Massey-Harries- und Cormick-Mäher. Hieran baute man eine Vorrichtung, die die abgeschnittenen Getreidehalme zur Garbengröße sammelte. Sie wurden durch einen Fußtritte abgelegt.

Die Firma Frost & Wood aus England brachte die ersten Loppenmaschinen nach Deutschland, Das große, breite Tragrad setzte Messer und zwei sehr starke Flügelharken, die auf Rollen sich in einer vorgeschriebenen Bahn drehten, in Bewegung. Das geschnittene Getreide sammelte sich auf einer Plattform von der die Harken es in Garbengröße ablegten.

Auch deutsche Firmen, wie Heinrich Lanz in Mannheim brachten verbesserte Maschinen in die Landwirtschaft und erleichterten somit dem Landarbeiter seine Tätigkeit. Erst der Mähbinder erlöste die Frauen von dem Garbenbinden. Auf dem Garbentisch, wohin die geschnittenen Getreidehalme durch sich gegeneinander drehende Gummilaken gebracht. wurden, wurde die Garbe mit einem Sisalband zusammengeschnürt und auf die Stoppel geworfen. Stoppeln sind die in der Erde verbleibenden Rückstände der abgeschnittenen Getreidehalme.

[Best_Wordpress_Gallery id="17" gal_title="Grasmaeher"]

Die Cormick-Binder waren leichte, sehr gut durchkonstruierte Maschinen, die mit gutem Band einwandfrei arbeiteten. Zum Antrieb meines Binders hatte ich einen 5 PS-Fichtel-Sachs-Motor. Somit hatten meine zwei Pferde nur den Binder zu ziehen und ich den Vorteil, durch stark lagerndes Getreide langsam fahren zu können.

Jahrhunderte hindurch wurde das Getreide mit dem Dreschflegel gedroschen. Dies war ein armlanges Vierkantholz von ca. 6 cm Durchmesser, das sich um einen Stiel drehte. Nachdem die aufgeschnittenen Garben mit den Ähren zusammen auf die Scheunendiele ausgebreitet waren, wurde solange mit dem Flegel geklopft, bis sich die Körner aus ihrer Umhüllung gelöst hatten. Auch wurde die „Lage“ gedreht und noch einmal bearbeitet.

Die Strohhalme wurden gut durchgeschüttelt, zusammengeforkt und zu Bunden mit einem Strohseil zusammengebunden. Die Ährenenden wurden handlang übereinandergelegt und entgegengesetzt gedreht, so entstand das Seil.

Nachdem die Spreu abgeharkt war, wurden die Körner mit der Schaufel gegen den Wind geworfen und zwar so oft, bis sämtliches Kaff (Spreu) herausgeweht war. Vor ca. 100 Jahren löste der Breitdrescher, auch Göpel genannt den Dreschflegel ab.

Der Drescher war eine aus starkem Stahldraht gebaute Trommel mit Schlagleisten von ca. 1,5 m Breite und einem Durchmesser von ca. 30 cm, die sich sehr schnell in wenig Abstand um einen Dreschkorb drehte. Nach unten wurde wenig Abstand zwischen Trommel und Korb enger, so daß noch die letzten Körner aus den Ähren noch herausgetrieben wurden. Diese Trommel wurde durch 4 bis 8 Pferde angetrieben und zwar durch. ein großes Kammrad, auf dem kreuzweise zwei starke Balken befestigt waren, an deren Enden die Pferde über starke Zughaken zogen.

Die Zugtiere mußten immer im Kreise gehen. Vor die Trommel baute man später schon ein Schüttelwerk, vor dem das Stroh dann unmittelbar zusammengebunden wurde.

Die Körner wurden zu dieser Zeit schon mit einer Windfege gesäubert. Diese sogenannte „Rummel“ war eine dreiseitige Bretterverschalung von 1,30 m Höhe und ca. 1,50 m Länge. Hinten war eine Brettertrommel eingebaut, die mit der Hand gedreht wurde und dieser starke Luftzug wehte die Spreu heraus, während die Körner über Siebe liefen, die vorn eingeschoben wurden und schon. ein Sortieren nach Größe bewirkten. Somit war man von der sehr ungesunden Arbeit des Kornwerfens gegen den Wind entbunden. Diese Dreschart wurde in kleinbäuerlichen Betrieben bis zum Ende des ersten Krieges 1914/18 beibehalten.

Die ersten großen Reinigungsmaschinen kamen vor ca. 100 Jahren aus England. Es war die "Marschall". Sie wurden von Lokomobilen angetrieben. Dies waren Kesseldampfmaschinen, die auf fahrbarem Untergestell montiert waren. Sie wogen ca. 120 Zentner und wurden von 6 bzw. 8 Pferden gezogen.

Die Fa. Heinrich Lanz in Mannheim baute zu Anfang der achtziger Jahre des vorigen Jahrhunderts auch schon Reinigungsmaschinen, die von. selbstfahrenden Lokomobilen angetrieben wurden. Nach der Erfindung des Diesel-Motors wurden die viel zu schweren Lokomobilen, die zwei Stunden vor Arbeitsbeginn angeheizt werden mußten, dann abgelöst.

Durch die Elektrifizierung der Landwirtschaft 1920 - 25 kamen kleinere Dreschmaschinen auch mit Strohpressen in die bäuerlichen Betriebe. Ebenfalls wurden Schrotmühlen, Häckselmaschinen und Kreissägen von E-Motoren angetrieben.

Schon vor dem letzten Kriege 1939/45 hat in Manderow bei Wismar ein Mähdrescher gearbeitet. Er soll aber nur kurze Zeit benutzt worden sein. Erst der aus der Sowjetunion eingeführte Mähdrescher "Stalinez" machte hier dem in Neustadt an der Saale gebauten Mähdrescher "Fortschritt" E 175 und E 512 mit einer Schnittbreite von 4.85 m Platz.

[caption id="attachment_1224" align="aligncenter" width="300"]<a href="http://tragolat.bplaced.net/wp-content/uploads/2023/03/stalinez2.jpg"><img class="wp-image-1224 size-medium" src="http://tragolat.bplaced.net/wp-content/uploads/2023/03/stalinez2-300x179.jpg" alt="Stalinez S4." width="300" height="179" /></a> Mähdrescher Stalinez S4.[/caption]

[caption id="attachment_1223" align="aligncenter" width="300"]<a href="http://tragolat.bplaced.net/wp-content/uploads/2023/03/stalinez1.jpg"><img class="wp-image-1223 size-medium" src="http://tragolat.bplaced.net/wp-content/uploads/2023/03/stalinez1-300x219.jpg" alt="Mähdrescher E175." width="300" height="219" /></a> Mähdrescher E175.[/caption]

Nach vollbrachter Ernte gab es das Erntebier - das "Ornbier". Dazu dürfen aus jedem Bauernhaus 2 Männer und 1 Frau, aus jedem Kossatenhaus 1 Mann und 1. Frau kommen. Der Hof gibt 3 Tonnen Bier und Speisung, die besteht aus einem Zugemüse, entweder Kohl oder Gerstengrütze mit Milch gekocht oder Rüben oder Kartoffeln, dazu Speck auf jedes Haus 1 Pfund, gerechnet oder Schaf- oder Rindfleisch ebenfalls 1 Pfund, auf jedes Haus. Die Vollbauern in Jeese und Pieverstorf haben jeder 2, die dortigen Kossaten jeder 1 Brot zuzugeben, wovon jedes Haus 1 Brot erhält. Die übrigbleibenden Brote dienen als Reserve, falls irgendwo Mangel eintritt.

Besonders wird bemerkt, daß die Untertanen nicht die Hungerharke ziehen. Im Jahre 1772 hatte Joachim v. Bernstorf die an Wilkenhagen angrenzende Feldmark Schindelstädt von der herzoglichen Kammer zugekauft. Die darauf wohnenden 2 Bauern Roxin und Dettmann wurden nach Bonnhagen versetzt. 1728/29 werden in Pieverstorf 6 Bauern und 2 Kätner, in Jeese 2 Bauern und 3 Kätner (2 Bauern dienten nach Othersdorf), in Teschow 4 Bauern, 7 Kätner ….

1660 erfolgte der Ankauf von Rüting mit den Nebengütern Steinfort und Wüstenmark für 31.344 Gulden (1 Gulden = 1,5 Mark).

Eine sehr wichtige und sehr ernst genommene Funktion der damaligen Gutsherrrschaft war die Handhabung der ihr zustehenden hohen und niederen Gerichtsbarkeit, Hierauf bezieht sich ein großer Teil der erhaltenen Akten. Die Protokollbücher aus den Jahren 1713 -22 geben ein genaues Bild, wie es dabei zuging. Es wurden regelmäßig Gerichtstage abgehalten, auf denen alle vorliegenden Straf-, Zivil- und Verwaltungssachen zur Aburteilung und zur Erledigung kamen. Hierbei hatte ein rechtsgelehrter Notar die Leitung.

In der Zeit nach 1700 ist es der Notar Friedrich Conrad Rüdemann aus Gadebusch. Als Beisitzer fungierte der Gutsverwalter. Der Gutsherr oder die Gutsherrin (Hedwig Maria) ist selbst Richter. Das Urteil wird nur in ihrem Namen gefällt und sie werden in den Protokoller selbst als Richter aufgeführt. Bei Sachen der hohen Gerichtsbarkeit, wo es sich um Hals und Hand handelt, werden zwei Assessoren zugezogen.

Landwirtschaft nach dem Krieg

1956 wurde in Diedrichshagen die Landwirtschaftliche Produktionsgenossenschaft „An der Stepenitz“ gegründet. Vorausgegangen waren in den vorherigen Jahren der Betrieb einer Druschgemeinschaft der Betriebe Bollow, Raben und Theodor Hintze. Hinzu kamen noch die vorhandenen Kleinstbetriebe. Diese Druschgemeinschaft bewährte sich durch gegenseitige Hilfe bei der Abfahrt des Getreides vom Feld direkt zur Dreschmaschine, wodurch die Arbeitskräftegestellung, die schnelle Ablieferung der Pflichtablieferungen gelöst wurde, ja sogar erhebliche Zeiteinsparung erfolgte. Auch die Kleinstbetriebe druschen im Rahnen dieser Gemeinschaft ihre Ernte ab.

So war es kein Wunder, daß sich auch diese Betriebe zur LPG zusammenfanden. Es kamen noch der Betrieb vom „Hühnerbusch“ (H.O. Freytag), ein Traktorist (G. Klatt), der gelernte Schweizer und zur Zeit Industriearbeiter am Bohrunternehmen, Wilhelm Schulz, sowie der Wirtschafter und derzeitige Ehemann von Leni Bollow, Ernst Klatt, den landwirtschaftlichen Lehrlingen Erwin Bollow und Otto-Manfred Raben und der Kleinstbäuerin Charlotte Paskowski hinzu. Zusammen mit den Pachtländereien aus der Pfarrstelle wurden rund 80 ha gemeinsam bewirtschaftet.

[caption id="attachment_1159" align="aligncenter" width="300"]<a href="http://tragolat.bplaced.net/wp-content/uploads/2023/03/milchwagen.jpg"><img class="wp-image-1159 size-medium" src="http://tragolat.bplaced.net/wp-content/uploads/2023/03/milchwagen-300x242.jpg" alt="Milchtransport mit dem gemeindeeigenen Wagen." width="300" height="242" /></a> Milchtransport mit dem gemeindeeigenen Wagen.[/caption]

Es kam jedoch recht bald die Fläche der Wirtschaft Hamann hinzu, die grade aus der örtlichen amtlichen Bewirtschaftung durch den Rat der Gemeinde wegen der Republikflucht des besitzenden Ehepaares in die Bewirtschaftung der LPG "Am Mühlenteich" in Rüting gegeben war, so daß es rund 100 ha wurden. Auch die Schwester der Frau Hamann, Magda Schwarz, wurde Mitglied der LPG.

An festen Vergütungen wurden für den Vorsitzenden - gewählt wurde Theodor Hintze - der auch als Initiator und Gründer anzusehen ist, 25 AE (Arbeitseinheiten), für die Brigadiere Otto Raben und Wilhelm Schulz (Feld- bzw. Viehwirtschaft) 12 AE, für die Buchhalterin, Frau Baskowski, 17 AE.

Die LPG entwickelte sich in 3 Jahren zu einer guten Gemeinschaft und der Viehbestand wuchs. Die Milchproduktion zählte im 3. Jahr zu den höchsten Kuhleistungen des Bezirkes.

[Best_Wordpress_Gallery id="27" gal_title="Landmaschinen"]

Gezahlt wurde 6 Mark Vorschuß monatlich je geleistete AE, zur Jahresendabrechnung wurden 1 Mark pro AE und 80 bis 100 Mark pro ha eingebrachten Landes jedoch höchstens bis 10 ha, ausgezahlt. Die Zahlungen wurden in den ersten zwei Jahren durch den Staat gestützt. Die materielle Vergrößerung des Vermögens wurde in der derzeitigen Buchhaltung noch nicht berücksichtigt. Erst in späteren Jahren wirkten sich die Bilanzverbesserungen der Grund- bzw, Umlaufmittel erst auf die Gewinn- und Verlustrechnungen aus.

Der Patenschaftbetrieb der LPG "An der Stepenitz" war der Kreisvorstand der Vereinigung der gegenseitigen Bauernhilfe von Grevesmühlen mit seinem gesamten Kollektiv.

Zum Ende des Jahres 1957 wurde auf Grund eines Nutzungsvertrages, den der Staat mit dem Bauern Otto Schwarz abschloß, die LPG um die Größe dieses Betriebes erweitert.

Zum 1. Januar 1959 erfolgte der Zusammenschluß der 3 Nachbargenossenschaften Rüting, Schildberg und Diedrichshagen zu einem Betrieb mit dem Sitz in Rüting. Nachdem sich inzwischen die Betriebe Hans Freitag und Günter Grote zum Eintritt und Einbringung ihrer Wirtschaften entschlossen, kamen zu Beginn des Jahres 1960, im Februar, die letzten Bauern in die Produktionsgenossenschaft.

Mit ihnen kamen auch die bis dahin beschäftigten Landarbeiter. Somit war formal eine große Gemeinschaft auf dem Dorfe geschaffen, deren moralische Verkraftung bei den Mitgliedern aber noch einige Zeit benötigte. Immerhin waren aber stets Genossenschaftsbauern aus Diedrichshagen im Vorstand bzw. in der Leitung vertreten und die Einsicht zu einer guten genossenschaftlichen Arbeit zum Nutzen des eigenen Wohls setzte sich durch.

Besonders erwähnenswert aus der letzten Zeit ist für mich der Winter 1978/79 mit den lange nicht erlebten Schneemassen. Diese waren nicht nur im extremen Ausmaß im Bezirk Rostock auf der Insel Rügen, sondern auch in unserem Wohngebiet.

Das Dorf war straßenmäßig etwa 2 Tage nicht erreichbar und die Traktoren brachten übers freie Feld auf den geeignetsten Stellen die notwendige Ware, wie Brot und Milch. Mit aller verfügbaren Technik und dem Einsatz der Einwohner wurden Stück für Stück die riesigen Schneewehen, die teilweise 3 m Höhe erreichten, geräumt.

Das Wild hatte sehr schwer unter dem Schnee und Frost zu leiden, Es wurden vom Pastor ca. 16 tote Rehe auf der Feldmark alleine in der Nähe des Dorfes Diedrichshagen gefunden. Zum Glück hatte die Herbstsaat nicht gelitten.

Gerhard Hinze, 8. Mai 1979

Dorfgeschichten

Ornbier

Ein - wenn nicht der -  Höhepunkt im Leben eines Bauerndorfes war das Erntefest. Rechtzeitig - meist schon im Vorjahr - war der Termin festgelegt. Waren doch die Wochenenden um die Septembermitte bei den Kapellen lange ausgebucht. Vier Musiker - auch Amateure -  benutzten je nach Können Geige, Trompete, Klarinette, Akkordeon, Waldhorn, Bass und Schlagzeug (Dr.).   Ort der Handlung: Der Saal der Gaststätte oder ein leerer Kornboden. Für eine große Diele oder ein Zelt wurde eine transportable Bretterdiele ausgeliehen.

Die persönliche Vorbereitung bestand im Herrichten der Frisur und der Festkleidung. Sparsame verschönten sich auch wechselseitig mit Brennschere und sonstigem Gerät. Die Kinder wurden sowieso privat gestylt.

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Aber die wesentlichste Vorbereitung fand in den Küchen statt. Ein Bullenkalb, ein Pölk und diverses Geflügel erlebten das Fest nur noch gekocht oder gebraten. Ein Pölk ist übrigens ein bis dahin herangewachsenes Schwein.

Den heranwachsenden Leuten oblag das Binden der Erntekrone. Dies fand beim Ornsbiervadder statt. Das war der Bauer, der die vorjährige Krone erhalten hatte. Wesentliche Nebentätigkeiten brachten die Haupttätigkeit oft durcheinander.

Anderntags trugen drei stattliche Kerls die Krone wechselweise auf einer Forke voran. Es folgten die Kapelle und die Folgenden. Zur Stärkung hatten alle erst einmal "Einen zur Brust" genommen. Dann ging der Zug zum nächsten Gehöft. Hier wurden sie empfangen - wie eben verabschiedet. Ein kleines Ständchen usw.

Am Ort der Handlung war Tanz für Kinder und Jugendliche. Oma und Opa aßen, tranken, schwatzten und gaben Kommentare. Ansonsten musste das Vieh be- und versorgt werden. Nach einem kräftigen Abendbrot ging es dann um die zwanzigste Stunde munter weiter. Einige besonders Muntere machten auch mal Pause.

Ein Höhepunkt war der Kegel-Volkstanz mit jeweils fünf Paaren. Drei Kegel gleichzeitig, da war es gewollt turbulent. Der Kegelbock - das letzte Paar - musste jeweils eine Kegelrunde geben.

Um Mittenacht war Abendbrot angesagt. Jeder lud jeden ein. Die Musiker mussten natürlich mit - natürlich einzeln. Dort, wo am wenigsten Platz war -  wie bei uns -  war es am gemütlichsten. Die Stühle mussten schon mal paarweise besetzt werden. So nach einer guten Stunde begann das Fest zum zweiten Mal. Einige hatten sich wohl mehr oder weniger unauffällig verabschiedet.

Mit Tanz und Trunk und etwas Stunk verging die Zeit bis zur Morgendämmerung. Da wurde es Zeit, die Krone abzuliefern. Das Tragen mit der Forke war zu aufwendig und gefährlich. Also wurde sie einem standfesten Kerl übergestülpt. So zog der Rest der Gesellschaft zum nächsten Erntevater.

Dort war dann Belagerungszustand angesagt. Die erschöpften Musiker einigten sich auf eine gemeinsame Melodie. Damit war die offizielle Feier beendet.

Swinslachten

Wenn das Ablieferungssoll in allen Positionen erfüllt war, konnte mit der Aussicht auf Erfolg ein Antrag auf Schlachtschein beim Gemeindeamt gestellt werden.

Der Termin lag meist zwischen Mitte November und Weihnachten. Absprachen mit dem Hausschlachter, dem Fleischbeschauer und dem Wetter waren nötig.

Der Kübel, eine Leiter und Stricke standen und lagen parat. Der Delinquent wurde betäubt und die Hauptadern aufgeschnitten. Das auslaufende Blut wurde in einer großen Schale aufgefangen und musste permanent gerührt werden - am besten mit der Hand - damit es nicht gerinnt.

Das Brühwasser sollte nur ziehen. Bevor man das Schwein ins Brühwasser tunkte, gab es einen Klaren (sonst brüht es nicht). Danach schabte man die Borsten mit der Glocke ab. Resthaare wurden unter kaltem Wasser mit einem Messer entfernt. In späteren Jahren musste die Rücken- und Seitenhaut samt Borsten abgepellt werden - zur Ablieferung. Diese Prozedur dauerte bei geübten Schlachtern ... Minuten. Einschneiden minderte Qualität und Preis.

Rücklings mit dem Querholz durch die Hacksehnen befestigte man das Schwein am oberen Ende der Leiter und stellte beide schräg. Man sprach oft vom Richtfest und dem Richtenberger Klaren. Die Bauchseite war jetzt vorn. Messer und Beil legten die Innereien frei und eine Molle nahm sie auf. Das Fleisch konnte jetzt bis zum Abend auskühlen.

Für die Hausfrau begann eine - nicht gerade - Lieblingsarbeit. Das Gedärm wurde zerteilt – grob entleert, durchgespült und mit Wasser von innen nach außen gekehrt. Die Technik war verblüffend einfach, aber schwer zu beschreiben. Eine Person krempelte ein Ende des Darms nach außen. In diese Delle wurde Wasser gegossen und der Darm nachlaufen gelassen. Danach war Seitenwechsel angesagt. Salz, Alaun, viel Wasser und Geduld reinigten die Därme und bereiteten sie auf ihre neue Rolle als Wurstpelle vor.

Am nächsten Tag begann das, was man jetzt romantisch nostalgisch als Schlachtfest bezeichnet. Nach der groben Zerteilung in Schinken, Schulter, Rückgrat, Speckseiten konnte Fleisch für Wurst zugeschnitten und zerkleinert werden.

Der Fleischwolf mit Handkurbel trat in Aktion. Lunge und Leber, Salz, Pfeffer und andere Gewürze mit Fleisch vermengt, gaben die entsprechende Wurstmasse. Mit dieser wurde der Wolf dann zum zweiten Mal gefüttert und über ein Endrohr füllt er die Därme neu. Jede Hausfrau hatte ihre Rezepte und die jeweiligen Mengen aus Erfahrung und nach Geschmack. Ein Teil Wurst und Fleisch wurde in Gläsern und Dosen konserviert.

Das Fleisch bekam ein Solbad in der Pütz - dem Pökelfass. Eisbeine, Pfote, Schwanz, Ohren, Genickbraten waren zum alsbaldigen Verzehr bestimmt. Schulter, Schinken und Speckseiten kamen zu den Würsten auf den Räucherboden.

Die Frage, was an diesen Böden das Wichtigste war, ist einfach zu beantworten: das Schloss an der Tür! Geräuchert wurde mit "Wiedenolm", dem weichen Innenholz der Kopfweiden und Sägespänen. Knochen und Schwarten landeten dann irgendwann in der Tonne, die das Material zum Seifekochen aufnahm.

Übrigens — mein Vater in der Funktion des Hausschlachters erläuterte mir die inneren Organe und ihre Funktion am Original: "So sieht der Mensch innen auch aus - außen aber anders."

Seife kochen

Zur Seifenherstellung werden Fett und Seifenstein benötigt. Durch Sammlung von allerlei Fettresten besaß man in einer Bauernwirtschaft bald ein Fass übelriechenden Inhalts. Dieses im Waschkessel mit Seifenstein genügend lange gekocht, ergab beim Erkalten eine Schicht schöner weißer Kernseife und halbflüssige Schmierseife.

Der üble Geruch wurde dabei in Kauf genommen. Noch nach Tagen, konnte man riechen, in welchem Haus man Seife gekocht hatte. Der Zusatz von Aromastoffen zur Seife hat sich nicht durchgesetzt.  

Sirup kochen

Da jeder Bauer auch Zuckerrüben anzubauen hatte, lag es nahe, Sirup zu kochen. Wer eine 20-Liter Kanne dieser klebrig-braunen Masse haben wollte, musste ungefähr 300 Kilo Zuckerrüben recht sauber putzen, bürsten und waschen, zerkleinern sowie mit etwas Wasser mürbe kochen. Diese Schnitzel wurden dann in einen stabilen Beutel gefüllt und ausgepresst.

Dazu hatten die bekannt findigen Handwerker Pressen konstruiert - Spindelpressen. Unser Vater hatte einen äußerst stabilen Kasten aus Holzbohlen und Rundhölzern gebaut. In diesen Kasten kamen der Schnitzelsack, dann der Deckel und die Wagenwinde. Da der Kasten in einer Türfüllung stand, konnte ein beträchtlicher Druck ausgeübt werden - Know how.

Der sogenannte Rohsaft musste im Waschkessel stundenlang gekocht werden. Heizen war wieder Kinderarbeit. Irgendwann wurde der Rübensaft dunkelbraun und zäh. Der Sirup sollte "Spiegel ziehen", d. h. membranartig von der Kelle ablaufen, dann hatte er nach dem Erkalten die richtige Konsistenz.

Eine besondere „Freude“ war das Reinigen aller Dinge, Räume, Kleider und Kinder. Eine Scheibe Schwarzbrot mit Quark und Sirup war eine echte Delikatesse.

Öl pressen

Der eigene Bedarf und die Nachfrage führten auch zur Produktion von Öl aus Raps, Senf und Mohn. Die Pressen stellten findige Handwerker her. Engpass war der benötigte E-Motor. Für 50 kg Ölfrucht benötigte es ungefähr acht Stunden und ergab je nach Frucht acht bis 15 Liter.

Der Treber war ein hochwertiges Viehfutter. Mohn-Treber eigneten sich wunderbar für braune Pfeffernüsse.

Um „Störungen“ zu vermeiden, musste die Ölmühle in der Schlaf- oder der „Guten Stube“ installiert werden. Das Nachfüllen war meist Kinderarbeit – weil kinderleicht. Da kam die Stromsperre oft passlich.

Ach so, amtlich verboten war die gesamte Aktion natürlich auch noch.

Kartoffelmehl herstellen

Ende September wurde Kartoffelmehl produziert. Dazu mussten 5 bis 10 Zentner möglichst stärkehaltige Kartoffeln recht gründlich gereinigt werden.

Unser findiger Handwerker-Vater hatte ein Blech mit einem viereckigen Eisen gelöchert und dieses dann auf einem Zylinder befestigt. Trichter, Gestell, Motor und Antrieb ergaben die Reibe, die er in Lohnarbeit betrieb. Über das „Breuküben“‘, ein oben offenes Holzfass wurde ein grobes Sacktuch gespannt. Sonst diente der Küben zum Brühen der Schweine bzw. zum Pökeln des Fleisches.

Jetzt war es ja frei und zu zwei Dritteln mit Wasser gefüllt. Drei bis vier Liter der Kartoffelplümpe gab man auf das Tuch und wusch dann die Stärke aus. In einem zweiten Kübel wiederholte sich die Prozedur, um auch den Rest der Stärke zu nutzen. Das hatte was mit Osmose zu tun.

Am nächsten Tag hatte sich die Stärke abgesetzt, je nachdem so an die 15 Zentimeter. Im ersten Kübel Wasser erneuern und dann die Arbeit des Herrn Sysiphus: mit einem stabilen Löffel oder ähnlichem strichweise die Stärkeschicht lösen. Je nach Reinigungsgrad musste dieses Verfahren mindestens fünfmal wiederholt werden. Dann schnitt man die Stärkeschicht in handliche Stücke und trocknete sie und wandelte sie dann zweimal gesiebt zu Kartoffelmehl und Flitzgruben (Sago).

Uns überzeugte erst die Fruchtsuppe von der Notwendigkeit der gesamten Produktion.

Päpernööt backen för förtig Johr

Laut plattdeutschem Wörterbuch sind Päpernööt ein braunes, rundes, hartes Weihnachtsgebäck. Dieses wurde zum 1. Advent in großen Mengen produziert, danach konsumiert, dadurch reduziert, schließlich minimiert. Meine Mutter plante so zwei 20-Liter-Milchkannen voll Teigwaren.

[caption id="attachment_1360" align="aligncenter" width="300"]<a href="http://tragolat.bplaced.net/wp-content/uploads/2023/03/kannen.jpg"><img class="wp-image-1360 size-medium" src="http://tragolat.bplaced.net/wp-content/uploads/2023/03/kannen-300x216.jpg" alt="Milchkannen." width="300" height="216" /></a> Milchkannen.[/caption]

Gedeckelt und hinter den Schlafstubenofen abgestellt waren diese Kannen für uns von magischer Anziehung, gewissermaßen Massenanziehung. Es bestand kein direktes Entnahmeverbot ... denn sonst hätten wir ja nie ... na ja. Aber wie es so ist im Leben, die Realität holte die Vorstellung, dass einige der braunen, runden, harten Dinger noch auf dem Weihnachtsteller verenden, meist ein. Kurz: Zum Fest war Schluss mit Nuss.

Dabei entstanden diese braunen, runden, harten Kuchen als echtes Teamwork. Unsere Mutter stellte. die Zutaten bereit. Das Rezept im Kopf, das Maß in den Händen, entstand mit letzteren letztlich ein brauner steifer Teig. Der musste anschließend gehen, d. h. eigentlich ruhen.

Mein Part bestand nach der Ruhe im Rollen von Rollen mit 22 mm Durchmesser. Darauf wurde die Rolle in 14 mm starke Stücke zerteilt und diese auf dem Backblech verteilt. Dieses oblag meiner Schwester. Anschließend kam ihr großer Auftritt - nein, nicht so - mit der flachen Hand und einem munteren Schlag derselben wurden die Rohlinge in braune runden Fladen umgeformt.

Der Backofen sorgte mit dosierter Hitze in ebensolcher Zeit für die nötige Härte. Fertig war das braune, runde, harte Gebäck. Weihnachten erlebte es nie. Wir verzichteten auf das Abendbrot und hatten eine unruhige Nacht.

Soweit die detaillierte Beschreibung des Produktionsvorganges. Jetzt kurz das Rezept mit den Zutaten, das ich 1944 ins Kochbuch schreiben durfte:

Braune Pfeffernüsse

  • 3500 g Mehl
  • 11250 g Zucker
  • 1250 g Sirup - braun
  • 500 g Butter
  • 3,5 Teelöffel Natron

Etwas Pfefferkuchengewürz eventuell gehackte Mandeln und bis 3 Stunden ruhen, dabei etliche Male durchkneten  

Klaus Hinze (2006)

Wurst

Blutwurst

Zur Hälfte mageres und fettes Schweinefleisch verwenden. Mit Schwarten fein hacken und gekochten, in kleine Würfel geschnittenen Speck daruntermischen. Alsdann Salz, gemahlene Nelken, Pfeffer und Muskat hinzugeben und mit dem noch warmen durchgesiebten Schweineblut mischen. Keinesfalls die Gläser zu hoch anfüllen, da die Masse steigt.

Sterilisierdauer 100 Min. bei 100°C.

Leberwurst

Frische Schweinsleber von Sehnen befreien und 10 Minuten in Fleischbrühe kochen. Darauf zweimal durch die Fleischmühle getrieben. Fettes Bauchfleisch ebenfalls durch die Fleischmühle treiben. Dann die Lebermasse mit dem Fleisch mischen und nach Geschmack in Würfel geschnittenen oder gemahlenen Speck darunter geben. Gewürz wie Nelken, Pfeffer, Muskat, Salz beigeben und in Gläser einfüllen. Gläser nur ¾ hoch anfüllen und beim Kochen nicht aufwallen lassen, damit sich die Masse nicht zwischen Glas und Ring oder Ring und Deckel setzt.

Sterilisierdauer 100 Min. bei 100°C.

[caption id="attachment_297" align="aligncenter" width="234"]<a href="http://tragolat.bplaced.net/wp-content/uploads/2023/03/wurst-scaled.jpg"><img class="wp-image-297 size-medium" src="http://tragolat.bplaced.net/wp-content/uploads/2023/03/wurst-234x300.jpg" alt="" width="234" height="300" /></a> Kein Wurstblatt.[/caption]

Preßkopf

Dazu verwende man Schweinskopf, Kalbsfüße, Schwarten und sonstiges Fleisch. Weichgekocht, in Würfel schneiden und mit Salz, Pfeffer tüchtig mischen. Etwas von der Fleischbrühe hinzugeben und in passende Sturzgläser einlegen. Sterilisierdauer 100 Min. bei 100°C.   Schwartenmagen.   Schweinefleisch (durchwachsenes Bauchfleisch), Herz, Nieren, Ohren dazu verwenden, weichkochen und zusammen fein hacken. Salz und Gewürz hinzugeben und in Sturzgläser einfüllen.

Sterilisierdauer 100 Min. bei 100°C.

Fürstlich(e) Speisen

Hochzeitsmenü

Oktober 1960 - Grüne Hochzeit Elke u. Peter Bumann

<a href="http://tragolat.bplaced.net/wp-content/uploads/2023/03/bumann_hochzeit.jpg"><img class="aligncenter wp-image-1071 size-medium" src="http://tragolat.bplaced.net/wp-content/uploads/2023/03/bumann_hochzeit-300x167.jpg" alt="" width="300" height="167" /></a>Traditionelles Hochzeitsmenü - Spezialitäten ut Pot un Pann

10.00 Uhr nach der standesamtlichen Eheschließung:

  • Gulasch und Gurken

14.00 Uhr kirchliche Trauung

15.00 Uhr Mittagessen

  • Hochzeitssuppe: Klare Rindfleisch- oder Geflügelbrühe mit Gemüseeinlage und Klößchen
  • Fischgang: weiß gekochter Fisch mit Petersilien- oder Dillsoße
  • Fleischgang: Rind-, Schwein- oder Kalbsbraten, Gemüseplatte mit Erbsen und Möhren
  • Dessert: Zitronenspeise oder Semmelpudding mit Weinschaumsoße, Großer Hans *

18.00 Uhr Kaffeetafel

  • Festtagstorte nach Art des Hauses: Frankfurter Kranz, Tüten

Nachtmahl

  • Fleisch- und Geflügelsalat
  • ...

Festtagstorte

  • 6 Eier
  • 150 g Puderzucker
  • 30 g Kakao
  • 70 g Mehl
  • 700 ml Schlagsahne
  • 1 Glas Sauerkirschen
  • 4 Päckchen Sahnesteif
  • 4 Päckchen Sahnefest
  • 12 Belegkirschen
  • 1 Päckchen Schokoraspel (Zartbitter)
  • 1 Fläschen Rumaroma oder Rum
  • 3 Päckchen roter Tortenguss

Eigelb mit Puderzucker und Kakao auf höchster Stufe mixen, bis es schaumig ist, steifen Eischnee, darüber das Mehl sieben, unterheben. Masse in eine ausgemehlte Springform (Nicht den Rand fetten!) geben und bei Mittelhitze bei 60°C backen, gut auskühlen lassen und durchschneiden.

Sauerkirschen abtropfen, 200 ml Saft und, 200 ml Wasser aufkochen mit ¾ Päckchen. Tortenguss Kirschen unterrühren, erkalten lassen. Rum unterrühren. Den Tortenboden mit 2 Päckchen Sahnesteif bestreuen, Kirschmasse, zweiter Boden, 2 Päckchen Sahnesteif. Die mit Sahnefest in zwei Portionen aufgeschlagene Sahne zu zwei Drittel verteilen, kalt stellen.

Erst am nächsten Tag: 12 Stücke schneiden (der besseren Standfestigkeit ein Mittelstück) Rand mit Sahne bestreichen, Belegkirschen, verzieren mit Schokoraspel   Am dritten Tag schmeckt sie erst besonders gut, kann sowohl ganz als auch portionsweise eingefrostet werden (wenn überhaupt was übrig bleibt).

Zum Kaffeekränzchen der Damen

Hefe-Blätterteig (für zwei Strudel)

  • 1 Würfel Hefe
  • Apfel
  • Butter
  • Zitronensaft
  • Sultaninen
  • 500 gr. Mehl
  • 250 gr. Butter
  • 1 Becher saure Sahne
  • Rum-Aroma,
  • wenig Zucker
  • zum Bestreichen: Eigelbe, Puderzucker mit Zitronensaft (nach dem Backen)

Zutaten auf einem Backblech zusammenkneten, Geduld!

Teig einen Tag oder länger in den Kühlschrank, auch eingefroren möglich, mehrmals ausrollen und zusammenschlagen. Auf Blechgröße zusammenschneiden. Mit den in Butter und Zucker gedämpften und erkalteten Äpfeln (Rum und Rosinen) auf eine Hälfte der Teigplatte geben, überschlagen. Ränder mit der Gabel festdrücken.

Mit Eigelb bestreichen, erst dann Stücke mit dem Messer markieren, mit kaltem Wasser bespritzen und im vorgeheizten Ofen bei 200°C 15 Minuten goldgelb backen. Mit Puderzucker (Zitronensaft) bestreichen, warm mit Schlagsahne servieren.   Geht schnell, schmeckt teuflisch, gelingt immer!

[caption id="attachment_1170" align="aligncenter" width="300"]<a href="http://tragolat.bplaced.net/wp-content/uploads/2023/03/oma_kraenzchen.jpg"><img class="wp-image-1170 size-medium" src="http://tragolat.bplaced.net/wp-content/uploads/2023/03/oma_kraenzchen-300x227.jpg" alt="Kränzchen, 1980." width="300" height="227" /></a> Kränzchen, 1980.[/caption]

Weihnachtsstollen

Rezept für 3 Stollen

Spätestens am 1. Advent backen

  • 1 kg Mehl
  • 2 Würfel Hefe (bei größerer Menge Anteil erhöhen)
  • 4 ganze Eier
  • 400 g. Butter
  • 30 g Rindertalg oder Kokosfett
  • 1 Prise Salz
  • 750 g Rosinen
  • 500 g Korinthen
  • 250 g Mandeln (1/2 gestiftelt, 1/2 gemahlen)
  • 250 g Zitronat
  • 250 g Orangeat
  • 2 Zitronen oder Zitrusback
  • 1 Fläschen Rum
  • 250 g Butter zum Bestreichen
  • Puderzucker
  1. Rosinen, Korinthen, Mandeln, Zitronat, Orangenat mit 1 Fl. Rum eine Nacht (Tag) einweichen.
  2. Mehl und Hefestück gehen lassen.
  3. Fett, Eier, Zucker und Salz lauwarm unterrühren, gehen lassen.
  4. Zutaten unterkneten (auch Rum). Kann alles eine Nacht kalt rasten.
  5. Formen, mit Alufolie bedecken, bei 160°C Umluft 1 Stunde und 15 Minuten backen (zwei Bleche gleichzeitig)

Kontrollieren, Folie entfernen, dann buttern, zuckern, buttern, zuckern, auskühlen lassen, in Alufolie verschließen, kühl (12 bis 15°C) lagern!

Schmeckt wochenlang (allerdings nicht von einem Kilo).

Braune Pfeffernüsse

  • 1 kg Mehl
  • 750 g Butter
  • 750 g Zucker
  • 1 Glas Sirup (dunkel)
  • 2 Teel. Natron
  • 250 g Mandeln (gehackt, gehobelt)
  • 1 Zitronensaft
  • 1 Prise Pfeffer

Am ersten Tag auf kleiner Flamme flüssig: Butter, Sirup, Zucker, Zitrone. Mit Mehl, Mandeln, Pfeffer zusammenrühren - Kühlschrank o. ä. (hält sich).

Später: Abstechen, fingerdicke Walzen rollen, 1 cm Stücke abschneiden, zwischen 2 Lagen Backpapier (auf Blechgröße) mit dem Nudelholz ausrollen und auf dem Papier 6 Min. bei Umluft 180 ° backen. (immer zwei Bleche gleichzeitig mit dem Papier rausholen und wiederverwenden). Gut auskühlen lassen. Dose erst am Folgetag schließen und verstecken. Nützt aber nichts.

Semmelpudding mit Weinschaumsoße

Man rührt 10 Eidotter und 4 ganze Eier mit einer Flasche Weißwein, worin man 375 g Zucker mit der abgeriebenen Schale von 2 Zitronen hat schmelzen lassen, nebst dem Safte der 2 Zitronen durch ein Sieb.

Diese Mischung bringt man auf das Feuer und lässt sie dort unter fortwährendem Schlagen mit dem Quirl sich erhitzen, bis sie aufstößt, das heißt bis kurz vor dem Kochen. Brächte man die Soße zum Kochen, so würde der Schaum zusammensinken.

Dies ist der Originaltext meiner Oma Dora. Man muss gründlich lesen, um ihn zu verstehen.

Semmelpudding - die Langversion

Es werden zunächst 200 g Butter zu Sahne und 8 Eidotter sowie 2 ganze Eier damit gut eben gerührt und unter fortgesetztem Rühren 200 g feingestoßener Zucker und dann 375 g geschälte und geriebene Semmeln sowie ferner die abgeriebene Schale einer kleinen Zitrone 35 g gestoßene süße und 15 g bittere Mandeln, 125 g Korinthen, ein Glas Rum und eine Prise Salz dazu gegeben.

Alles mischt man mit dem zu Schnee geschlagenen Eiweiß der 8 Eier durch, tut es in eine Form und kocht es im Wasserbad 1 ½ - 2 Stunden gar.

Dazu Weinschaumsoße. Schmeckt hervorragend. Ist aber sehr nahrhaft.

Der große Hans

Wird im Wasserbad gekocht. In Scheiben geschnitten. Dazu Sauerkirschsuppe. Mmm!

  • 1 Liter Milch
  • 250 g Margarine
  • 250 g Zucker
  • etwas Salz
  • 500 g Grieß aufkochen
  • 1 Zitrone
  • 10 Eigelbe
  • 10 Eiweiße schlagen und darunterheben

Köstlichkeiten gab es zu Fest- und Feiertagen. Die Alltagsküche war einfach, schmackhaft, aber gesund.

Mit Zutaten aus eigener Produktion - ohne Geschmacksverstärker und künstliche Konservierungsstoffe - wurde täglich frisch gekocht und ganzjährig vorgesorgt: Eingeweckt, gesalzen, gesäuert, getrocknet, geräuchert. Keller, Speisekammer, Räucherboden, Backhaus (Kartoffel- und Gemüsemieten) waren - jahreszeitlich bedingt - für Kinder Tabuzonen.

Süßigkeiten wurden nicht rationiert, sie waren schlichtweg nicht vorhanden - oder?

Käse, groß und rund. Butter, gelb und frisch, brachte der Milchwagen von der Molkerei mit.

Am Sonnabend, so gegen 15.00 Uhr, kam Brinckmann von der Rütinger Mühle mit dem Planwagen und hatte den wöchentlichen Vorrat Brot (Vollkornbrot 50 Pfennig, Weizenbrot 1,00 Mark, Brötchen 5 Pfennig, Mehl und Hefe je 10 Pfennig.

[caption id="attachment_1385" align="aligncenter" width="300"]<a href="http://tragolat.bplaced.net/wp-content/uploads/2023/03/milchwagen1-1.jpg"><img class="wp-image-1385 size-medium" src="http://tragolat.bplaced.net/wp-content/uploads/2023/03/milchwagen1-1-300x231.jpg" alt="Milchauto." width="300" height="231" /></a> Milchauto.[/caption]

Fische angelten wir - wenn überhaupt mit Glück - aus dem Bach für die Katz. Später kam sogar ein Fischauto. Was fehlte noch? Wenig! Konsum und HO (in Upahl ab 1952) hatten - auch mit Glück - den Rest!

Rezepte unserer Mütter und Großmütter, geerbt, bewahrt und aktualisiert von:

  • Hedda Oldenburg
  • Edeltraud Hinze
  • Elisabeth Grimnitz
  • Karin Koltermann

Gutes Gelingen in allen Dingen!

Die Schule

Erste Stunde: Geschichte

Küster ist seit 1645 in Diedrichshagen Hans Frahme. Er sagt aus

„er wollte gerne Schule halten, wenn ihm die Leute nur Kinder bringen wollten, hätte in diesen beiden Jahren nur ein Kind gehabt. Im Übrigen gebrauche er sich seines Handwerks eines Leinewebers.“

1653 heißt es:

„er hält Schule, hat diesen Winter gehabt 10 Kinder, welche haben fein beten können, Er singet und wartet in der Kirche und auch dem Pastor auf und schläget dreimal die Betglocke.“

Die Küsterwohnung hat 1 Stube. Von der Küsterei heißt es 1647:

„sie ist ganzbaufällig, die Windelböden in der Stube ganz darniedergefallen und muß die Küsterei, sofern sie nicht ganz herunterfallen soll, gebauet werden."

Erst 1746 - 1772 ist hier ein Küster Parbs nachweisbar. Er war 26 Jahre Küster in Diedrichshagen.

Der Sohn Gottlieb Joachim Friedrichs hat am 22.6.1762 mit einer Schüssel-Büchse gegen die Kirchhofsmauer geschossen. Am Hause soll Stroh gelegen haben und während die Familie beim Mittagessen war, ist das Schulhaus abgebrannt. Das Pulver ist vom Tagelöhnersohn Busch aus Schildberg beim Krämer Besen in Rehna gekauft worden.

Dieses Protokoll ist vom Landreiter aus Grevesmühlen abgefaßt worden.

Der Kostenanschlag mit 197 Rthl. für den Neubau wird am 29.8.1764 vom Großherzog bewilligt. Der Oberförster Stender in Zickhusen bekommt Anweisung für Bauholz.

Von 1772 - 1813 ist Freyenhagen Küster in Diedrichshagen. Sein Sohn Jakob Heinrich von 1814 - 1822. Ab 1823 ist Küster Teßmann im Amte. Am 1. Oktober 1831 hält Pastor Walter eine Schulkonferenz mit den Schullehrern ab.

  1. Küster Teßmann, Diedrichshagen
  2. Lehrer Anthon, Sievershagen
  3. Lehrer Neumann, Upahl
  4. Lehrer Grebbin, Boidenhagen

Walter steilte folgende Fragen:

  1. warum können nur die Hälfte der Kinder erträglich lesen?
  2. Warum besteht Unsicherheit im Hersagen des Katechismus?
  3. Warum gibt es so große Schwierigkeiten, den Kindern das Schreiben und Rechnen beizubringen?
  4. Welche Schüler sind den Lehrern bekannt, die wegen Armut nicht das nötige Schulzeug haben, um gehörig zur Schule zu kommen?

Zu allen Punkten meinten die Schulmeister:

Durch die fehlende Sommerschule müsse man oft. wieder neu beginnen. Am 3. Oktober soll wieder die Schule beginnen. Da die Saatbestellung noch nicht fertig war, haben die Hauswirte um 8 Tage Aufschub gebeten.

Dies wurde dann auch genehmigt.

Im März 1834 machen dann die Hauswirte Revolte. Sie schreiben an den Schulrat:

„Hochwürdiger Hochzuehrender Herr Schulrat!   Verzeihen Euer Hochwürden, daß wir es wagen, dieselben eine recht dringende Bitte vorzulegen.   Die unerhörte Vorkommenheit, die wir jetzt erleben, ist nicht denkbar. Wir glauben, es sei der Eltern erste Pflicht, für ihre Kinder Bildung und ewiges Wohl zu sorgen. Allein dem Manne, dem wir unsere Kinder anvertrauen, verstrickt sie in Schande und Laster, Das Gute und Religiöse, was wir ihnen noch einzuprägen glauben, wurde leider von unserem Küster Teßmann wieder verwaschen.“

Die Hauswirte bitten um Ablösung des: Küsters Teßmann. Wahrscheinlich wird aber Pastor Walter das Schreiben an den Schulrat abgefaßt haben, denn es ist ganz sein Schreibstil. Auch die Archivakten erweisen Walter als erbitterten Gegner von Teßmann.

Der Amtshauptmann Balk lobt die Diedrichshäger Hauswirte für Treuherzigkeit, Fleiß und Ordnung: „daß sie die ihm liebste Gemeinde bilden“ trotz „eines so vielfach tadelswerten Predigers.“ Ein Gespräch mit Teßmann ergibt keine Klärung. Am 6. Februar 1836 wird er entlassen.

Die Tür, die von der Schulstube in Teßmanns Wohnstube geht, wird zugenagelt. Teßmann hatte ein Kalbfell auf dem Schulofen getrocknet und in der Schulstube ein „Opus naturae“ - ein Werk der Natur - verrichtet. Da gab es eine Untersuchung und es wurde hin und her gestritten.

Aber Pastor Walter läßt nicht locker. Es kommt zu einer Gefängnisstrafe für Teßmann - die ersten 3 Tage bei Wasser und Brot. Der stellt seine Kinder als Wache auf und entfernt sich bei der Ankunft des Gendarmen ...

Ihn löst Boosmann ab. Am 8. Juli 1847 wendet er sich an die Großherzogliche Kammer. Er will sein an 3 Stellen liegendes Land an einer Stelle haben oder für die 2 abgelegenen eine Geldentschädigung. Am Kastahner Felde waren 989 Quadrat-Ruten, auf dem Upahler Felde 656 Quadrat-Ruten und am Weg nach Schildberg 500 Quadrat-Ruten.

Boosmann wird im Oktober 1849 wegen Betruges und Trinkens entlassen und bekommt eine Polizeistrafe. Sein Nachfolger, Lehrer Gustloff, beschwert sich am 11. 9.1850 beim Amte (in sehr schöner Schrift), daß die Bauern seine Kartoffeln nicht anfahren.

„Wenn es nicht so weit. wäre, spannte ich mich lieber selber vor die Karre, als in Streit zu geraten.“

Er meint, es stehe nicht im Contrakt, weil vor 50 Jahren „überall noch keine Kartoffeln im Felde gepflanzt wurden“.

Von 1877 - 1892 war David Dunze hier Küster. Er hatte 3 Söhne, die alle Lehrer wurden und 2 Töchter, die Lehrer heirateten.

[caption id="attachment_1470" align="aligncenter" width="300"]<a href="http://tragolat.bplaced.net/wp-content/uploads/2023/03/FrLueth1.jpg"><img class="wp-image-1470 size-medium" src="http://tragolat.bplaced.net/wp-content/uploads/2023/03/FrLueth1-300x218.jpg" alt="Lehrer Dunze mit Frau und Klasse, 1891." width="300" height="218" /></a> Lehrer Dunze mit Frau und Klasse, 1891.[/caption]

1893 - 1903 war Goldberg hier im Amte. Auf einem Schulbild zu seiner Zeit waren 21 Jungen und 35 Mädchen. Schildberg und Kastahn waren hier mit eingeschult. 56 Kinder in einem Raum und dann noch 8 Jahrgänge, kann man sich 1978 überhaupt nicht vorstellen.

Goldberg soll ein ziemlich strenger Lehrer gewesen sein, der das kleinste Vergehen gleich mit dem Rohrstock sühnte. So erzählte mir vor Jahren der alte Richard Freytag aus dem Hühnerbusch, er hätte gleich als erster morgens eine tüchtige Tracht Prügel bekommen.

Nach Beendigung hätte ihn Goldberg gefragt, ob er wisse, warum er die Prügel bekommen hätte. Wegen der Tränen und der Schmerzen hätte er nur mit dem Kopf schütteln können. Darauf hätte Goldberg ihm geantwortet:

„Vom Kirchturm aus habe ich gesehen, wie du gestern ein Mädchen aus Kastahn in den Graben gestoßen hast.“

Richard erzählte noch, daß sie auch später noch nach dem Kirchturm gesehen hätten, bevor sie eine Dummheit gemacht hätten.

Otto Schwarz erzählte mir einmal, daß in einer Religionsstunde vorgekommen wäre: „und er nahm sich ein Weib“. Auf dem Heimweg wäre ihnen am Pastorgarten Frau Goldberg begegnet und er hätte leise zu seinem Mitschüler gesagt: „Dat’s uns Köster sin Wiew“. Am nächsten Morgen ist es ihm dann genau. so ergangen wie seinem Nachbarn Richard Freytag.

1904 übernahm Kantor Franz Lüth die Schule und unterrichtete fast 40 Jahre bis er 1943 in den Ruhestand ging.

[caption id="attachment_1469" align="aligncenter" width="228"]<a href="http://tragolat.bplaced.net/wp-content/uploads/2023/03/FrLueth.jpg"><img class="wp-image-1469 size-medium" src="http://tragolat.bplaced.net/wp-content/uploads/2023/03/FrLueth-228x300.jpg" alt="Lehrer und Küster Franz Lüth." width="228" height="300" /></a> Lehrer und Küster Franz Lüth.[/caption]

Während seines Kriegsdienstes 1914 - 18 vertritt ihn der Schulassistent Walter Benzin 1916/17. Er wird beim Bauern Schumacher beköstigt, pro Tag 2 Mark. Auch er wird zur Wehrmacht eingezogen.

[caption id="attachment_1468" align="aligncenter" width="300"]<a href="http://tragolat.bplaced.net/wp-content/uploads/2023/03/Dunze.jpg"><img class="wp-image-1468 size-medium" src="http://tragolat.bplaced.net/wp-content/uploads/2023/03/Dunze-300x174.jpg" alt="Diedrichshagen im Grossherzoglich Mecklenburg-Schwerinscher Staatskalender(?)" width="300" height="174" /></a> Diedrichshagen im Grossherzoglich Mecklenburg-Schwerinscher Staatskalender(?)[/caption]

Wilhelm Arnholt kommt an seine Stelle 1917/18. Auch er wird noch am 11.9.1918 eingezogen. 1918/19 ist Assistent Paarmann in Diedrichshagen.

Am 28.11.1918 meldet sich Lüth aus dem Kriege zurück. Er ist müde und schwerhörig geworden und bittet um einen Erholungsurlaub. Am 23. November 1921 Besichtigung der Schule durch den Schulrat Wulff:

1. Reinigung der Schule muß zunächst zweimal in der Woche geschehen.

2. Die alten Schulbänke sind durch neue zu ersetzen. Das Pult ist auszubessern.

3. An Lehrmitteln sind erforderlich: 4 - 6. Anschauungsbilder, Lineal von 1 m Länge mit Einteilung, Wandtafel-Zirkel, Winkelmesser, Holzkörper, Globus. Die Sachen für Naturlehre, zumal für Mechanik.

4. Zu Ostern 1922 ist der Turnplatz herzurichten, die Turngeräte sind zu beschaffen,

Am 22, Januar 1922 meidet Schulze Freitag für die Punkte 1 – 4: Alles in Ordnung.   Landdrosteil - Schulbehörde, Grevesmühlen   Das Ergebnis der stattgefundenen Elternvertreter-Wahl für die hiesige Schule ist folgendes:

  1. Arbeiter Wilh., Leu, Schildberg
  2. , Otto Freytag, Diedrichshagen
  3. Häusler Aug, Tretow, Kastahn

Ersatzleute:

  1. Hofbes. Richard Freytag, Diedrichshagen
  2. Heinrich Körner
  3. Arbeiter Wilh. Kröger, Schildberg,
  4. Lüth, Lehrer

Im November 1922 will der Pastor die Schulstube für den Konfirmandenunterricht. Lüth hat Bedenken. Auch Schulze Freitag meint, daß eine Konfirmandenstube im Pfarrhaus sei.

Oktober 1924: Als Spiel und Turnplatz war die Dorffreiheit bestimmt, wo heute das Ratersche Haus liegt. Angegeben mit 1500 Quadrat-Ruten. Schulze Freitag meldet weiter, daß die Turngeräteschaft bestellt und auch bereits fertig ist.

Nach 1943 gingen die Schüler nach Upahl bzw. die Schildberger Kinder nach Rüting. Von März bis Mai 1945 unterrichtete der Umsiedler Lehrer Marschner die Diedrichshäger Kinder im westlichen Anbau der Pfarre, weil die Schulstube noch belegt war. Von Oktober 1945 bis Sommer 1946 unterrichtete Marschner dann im Schulhaus.

Als seine braune Vergangenheit offenbar wurde, mußte er die Schulgeschäfte an die Lehramtsbewerberin Winter abgeben, Von ihr übernahm die Lehrerin A. Raetz die Unterstufe, während die Klassen 5 bis 8 1947 nach Rüting umgeschult wurden.

1949 wurde Werner Heyme Lehrer in Diedrichshagen. Er verzog 1954 in die BRD. Ihm folgte aus Wotenitz kommend der Lehrer Radloff, bis die Schule 1958 eingestellt und die Unterstufe in Rüting und die Oberstufe zentral in Upahl unterrichtet wurde.

Radloff bewohnte das Schulhaus noch bis 1970, dann verzog er nach Rüting. In dem ehemaligen Klassenraum befindet sich heute die Konsum-Verkaufsstelle, während Wohnraum incl. Stallungen von der Genossenschaftsbäuerin M. Heeren mit ihrem verheirateten Sohn genutzt wird. Ebenfalls nutzen sie Garten und Wiese.

Unser Lehrer Werner Heyme

Hinter der Kirche lag unsere Dorfschule, in der sich die Wohnung des Lehrers und ein Klassenraum für vier Klassenstufen befanden. Werner Heyme unterrichtete von 1949 bis 1955 etwa 30 Kinder aus Diedrichshagen, Schönberg und Kastahn im Schuljahr.

Bemerkenswert waren seine pädagogischen und organisatorischen Fähigkeiten. Außer Religion und Nadelarbeit unterrichtete er alle Fächer in den vier Altersstufen. Jeder lernte Schreiben, Lesen und Rechnen. Es wurde gezeichnet, gesungen und auf dem Schulhof fand der Sportunterricht statt. Weit- und Hochsprung, Ballspiele, Seilspringen und Laufen mit Stoppuhr. Von der Schiefertafel mit Griffel bis hin zum Schreiben mit Füllfederhalter und Heft.

Wir lernten was an dieser kleinen Schule und hatten ein Grundwissen, das den Übergang an die weiterführende Zentralschule im Nachbarort mühelos machte.

Frau Heyme half bei Sportveranstaltungen, auch in den Pausen bei Streitigkeiten und sie hatte viel Verständnis für Kinder in Notsituationen.

Unvergessen sind für mich seine Buchvorlesungen am letzten Schultag vor den Ferien! Ich freute mich tagelang darauf.

Wir hatten Achtung, Respekt, aber auch Vertrauen.

Herzliche Grüße!

Christiane Dreyer (Heidelk) , 2014. Link zur Biografie.

1. 9. 1950 Einschulung

Ausgleichende Gerechtigkeit gibt es in keiner Schule und im Leben schon gar nicht, sagen Sie? Stimmt, manchmal dauert es verdammt lange!

[caption id="attachment_1212" align="aligncenter" width="300"]<a href="http://tragolat.bplaced.net/wp-content/uploads/2023/03/schule4.jpg"><img class="wp-image-1212 size-medium" src="http://tragolat.bplaced.net/wp-content/uploads/2023/03/schule4-300x191.jpg" alt="" width="300" height="191" /></a> Hintere Reihe (v. r. n. l.): Jürgen Höppner, Gerhard Patza, Hans Oldenburg, Marianne Lenz, Dieter Schwarz, Dieter Unverzagt, Rudolf Dahlke. Vordere Reihe: Ilse Seifert, Karin Hinze (ohne Tüte), Rosemarie Dießner, Brigitte Keller, Christiane Heidelk (ohne Tüte), Heinz Gelfahn. Lehrer ist Werner Heyme.[/caption]

Am Vorabend bekam ich eine Schultüte (und habe mir keine Gedanken gemacht, woher meine Eltern die in dieser kargen Zeit hatten). Sie war gefüllt: Auf geknülltem Zeitungspapier lag eine Tüte Sahnebonbons - welche Rarität!

Dazu gab es die klare Anweisung: „Morgen bleibt die Tüte hier. Christiane hat auch keine, sonst wird ihr das Herz zu groß.“ Mein Vater, der Einspruch erheben wollte, wurde zurechtgewiesen: „Das Kind muss verzichten lernen.“

Am nächsten Morgen trottete ich los -  ohne Tüte -  aber mit Bonbons im Tornister (heute Rucksack). Als mich Christiane - auch ohne Tüte - aber mit leuchtenden Augen sah, wusste ich, dass Verzichten schön sein kann und Freude das einzige ist, das sich verdoppelt, wenn man es teilt. Zumal wir uns den Verzicht mit Sahnebonbons versüßten.

Woher wusste meine Mutter schon am Vorabend, dass Christiane keine Tüte haben würde?

Wilfried, Heidrun und Christiane waren die Kinder von Pastor Heidelk. Er ist 1944 im Krieg umgekommen. 1946 hatte mein Vater die typhuskranke Frau Heidelk auf dem Pferdewagen in die Lungenheilstätte nach Schloss Bothmer bei Klütz transportiert und im Sarg wieder abgeholt. Die drei Waisen am Grab waren nach den Schrecken des Krieges zum Trauma für die Eltern geworden und standen im Dorf unter Schutz. Pastor Zedler, der Onkel, selbst fünf Kinder, nahm sie auf, aber Schmalhans war nicht nur Küchenmeister.

<a href="http://tragolat.bplaced.net/wp-content/uploads/2023/03/karin1.jpg"><img class="aligncenter wp-image-1119 size-medium" src="http://tragolat.bplaced.net/wp-content/uploads/2023/03/karin1-300x161.jpg" alt="" width="300" height="161" /></a>

Ausgleichende Gerechtigkeit: Nach 63 Jahren - zum 70. Geburtstag überreichte ich Christiane (Dreyer) im großen Kreis ihrer Gäste, Kinder und Enkel, Geschwister ihre Schultüte (mit Zeitungspapier und Sahnebonbons)   Es gibt keine ausgleichende Gerechtigkeit? Auf jeden Fall aber nachhaltige Erziehung.

Karin Koltermann, 2014.

Ganzheitsmethode

Mit sechs Jahren wurden die Kinder in die Schule gebeten. Ostern ging es los. Das erste Halbjahr dauerte bis Michaelis. Darin lagen natürlich die Sommerferien.

Die erste Klasse bestand aus zwei Sitzenbleibern und mir. Für mich ging es erst einmal ums Lesen. Es geschah nach der Ganzheitsmethode. Das heißt, in der Fibel auf der ersten Seite stand in schönstem Sütterlin:

<img class="size-medium wp-image-1287 aligncenter" src="http://tragolat.bplaced.net/wp-content/uploads/2023/03/Peter_Reifen1-300x63.png" alt="" width="300" height="63" />Das ist Peter. Das ist ein Reifen.

Dazu ein schönes Bild von besagtem Knaben mit seinem Spielzeug.

Da ich von Großvater meine Fibel schon rechtzeitig bekommen hatte, konnte ich den Text und die folgenden längst auswendig.

Natürlich fiel es meiner Mutter bald auf, dass ich bei meinem Lesen mit dem Finger meist an anderer Stelle war. Auch das Zeigen von einem bestimmten Buchstaben ging oft daneben.

Jetzt war Alarm!

Großvater kam und mit seinem Kollegen und Freund war man sich über eine längst bekannte Tatsache einig - die neue Ganzheitsmethode war Unfug.

Fortan kam der gute alte Buchstabenkasten in der Schule wieder zu Ehren. Nun durfte ich mit meinen Klassenkameraden üben. Aber die hatten auch im zweiten Anlauf keinen Erfolg. So kam ich allein in Klasse zwei. Da das ja auch keinen Sinn hatte, durfte ich gleich in Klasse drei mitmachen. Die Einklassenschule hatte eigentlich auch Vorteile.

Klaus Hinze (2006)

Geschichtsunterricht

Die Nachrichten vom 17. Juni 1953 (Revolten in Großstädten wegen hoher Arbeitsnormen) verfolgten meine Eltern außerordentlich besorgt, weil der große Bruder Student in Berlin war. Zu allem Übel gab unser Vorkriegsvolksempfänger, Marke Goebbels-Schnauze, auch noch den Geist auf.

Kurz entschlossen erstand mein Vater in der Kreisstadt ein neues <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Rafena">Radio der Marke „Rafena“</a>. Kurz-, Mittel- und Langwelle kamen jetzt aus einer schicken polierten Holzkiste mit stoffbespannter Front und magischem Auge.

Aufgeregt verfolgte unsere Familie die RIAS-Parolen. Ich, 10 Jahre, erfasste zwar die angespannte Atmosphäre - Hauptsache kein Krieg! ... verstand aber wenig - um nicht zu sagen - gar nichts.

Mein Großvater (1936 als Lehrer durch Entlassung bedroht, weil er kein Mitglied der Nazipartei werden wollte, 1946 entlassen, weil er Mitglied war) erklärte mir die Weltpolitik auf seine Weise:

„De Düwel schitt ümmer up den grötsten Hümpel“.

Soweit 1953! Oder? Sollte der Sieger, der immer die Geschichte schreibt, nicht lieber den Bleistift nehmen?

Karin Koltermann (2014)

Uns Stunnenplan von dunnemals

Ik bün Ostern 1927 noch mit Schiefertafel un Griffelkasten in Grevsmöhlen inschault worden. Arger mit Dintenkleckse haren wi ierst ein Johr later. Na de Osterferien wiern wi ümmer up denn‘ Stunnenplan för dat neechste Schauljohr niegelich.

Mal heff ik nu denn‘ Stunnenplan von mienen Enkel mit mienen damaligen vergläken. Mathemathik haren wi damals nich, up unsen Stunnenplan stünn „Rechnen“. Wi hebben ahn Taschenräkner räken lihrt un dat Einmaleins bimst. Mit Wörteltrecken un mit lange Upgaben mit Klammer up un Klammer tau un Tahlen un Baukstaben up un ünner denn Bruchstrich hebben wi uns nich alltau lang uphollen. Doch Dreisatzupgaben lösen un Prozente uträken, dat künnen wi allemal.

Statt Biologie haren wi Naturgeschicht. De Probleme mit Zellbildung, Assimilatschon un Protoplasma hebben uns nich lang beschäftigt, doch Fauna un Flora in us Heimat lihrnten wi bi Lihrer Karl Tiede sen. recht gaut kennen.

Statt Geographie haren wi Heimatkunde un Erdkunde. Mit Bildmaterial un spannende Reiseberichte hett uns Lihrer Wahl niegelich up de Alpen makt, so dat ik mien Läben lang dor na Sehnsucht har.

In de soebente Klass haren wi Jungs ein Johr lang Handarbeiten tau bewältigen. Mit farbiget Stickgoorn süllen wi verschieden Stiche up ein Baukhüll anbringen. Wat wieren wi Jungs froh, as dat Schauljohr tau Enn’ wier.

Ein Johr lang haren wi mandachs in de ierst Stunn Religion. Dat hett damals noch uns‘ Klassenlihrer besorcht. Mal vertellte hei uns, woans un in wecke Reihenfolg de leif Gott Himmel un Ierd, Licht un Wader, Diere, Planeten un de Minschen schafft hett. Mien Nawer up de Schaulbänk un ik, wi hebben uns fracht, wer dat woll damals so registriert hett. Wi hebben uns oewer nicht trucht, denn‘ Lihrer dorna tau fragen.

Schulleiter Herbert Radloff, Ostsee-Zeitung vom 25. Juli 2007 und Heimatheft 2/2008.

Es ist schon interessant, einen solchen Stundenplan vor Augen haben zu können. Die nämlich, die in der Schule von „damals“ groß geworden sind, sind in die Jahre gekommen.

[caption id="attachment_1246" align="aligncenter" width="300"]<a href="http://tragolat.bplaced.net/wp-content/uploads/2023/03/stundenplan1.jpg"><img class="wp-image-1246 size-medium" src="http://tragolat.bplaced.net/wp-content/uploads/2023/03/stundenplan1-300x185.jpg" alt="Stundenplan Vormittag, 1912." width="300" height="185" /></a> Stundenplan Vormittag der Schule Diedrichshagen, 1912.[/caption]

[caption id="attachment_1247" align="aligncenter" width="300"]<a href="http://tragolat.bplaced.net/wp-content/uploads/2023/03/stundenplan2.jpg"><img class="wp-image-1247 size-medium" src="http://tragolat.bplaced.net/wp-content/uploads/2023/03/stundenplan2-300x147.jpg" alt="Stundenplan Nachmittag der Schule Diedrichshagen, 1912." width="300" height="147" /></a> Stundenplan Nachmittag, 1912.[/caption]

Die junge Generation weiß das alles bestenfalls dadurch, daß Großeltern ihnen einen Einblick in vergangene Zeiten gegeben haben.

[caption id="attachment_1448" align="aligncenter" width="300"]<a href="http://tragolat.bplaced.net/wp-content/uploads/2023/03/ScanImage747.jpg"><img class="wp-image-1448 size-medium" src="http://tragolat.bplaced.net/wp-content/uploads/2023/03/ScanImage747-300x202.jpg" alt="Der Upahler Lehrer Friedrich Mierow hat aber nun nicht nur den Stundenplan überliefert, er hat auch ausführliche Erläuterungen hinzugefügt, die wir uns nicht entgehen lassen wollen." width="300" height="202" /></a> Erläuterungen zum Stundenplan vom Upahler Lehrer Friedrich Mierow.[/caption]

Der Upahler Lehrer Friedrich Mierow hat aber nun nicht nur den Stundenplan überliefert, er hat auch ausführliche Erläuterungen hinzugefügt, die wir uns nicht entgehen lassen wollen.

Das Zuhause unserer Kindheit

Am liebsten erinnert man sich natürlich an positive Erlebnisse und Ereignisse aus der Kindheit und Jugend. Aber die Zeit war meist auch arg negativ besetzt.

Weil unser Vater nicht in den Krieg musste, (Kopfverletzung, Standesbeamter) unsere Mutter als Schneiderin aus allem was machte, kamen wir mit der kleinen Landwirtschaft als gesunde Ernährungsgrundlage relativ gut zurecht. Dass wir ein seltenes Glück hatten, ist uns erst viel später klar geworden.

Aber der Krieg kam auch zu uns! Was für unsere Eltern bedrohlich war, erlebten wir als Kinder eher spannend und abenteuerlich: Viele fremde Menschen im Dorf (Flüchtlinge), in unserer Bodenkammer Frau Wien mit drei Kindern - wir haben uns doch keine Gedanken gemacht, welches Leid mit der traumatischen Katastrophe von Flucht und Vertreibung verbunden war, welche existenziellen Nöte es gab.

Viel Arbeit war für alle selbstverständlich. Haushalt, Vieh und Wirtschaft mussten be- und versorgt werden. Ach so, und die Schule war auch noch da. Wer das Glück hatte, die Oberschule (in Grevesmühlen) zu besuchen, musste im Privatquartier (gegen Naturalien) untergebracht werden. Erst später gab es ein Internat. Die freie Zeit haben wir im Dorf intensiv erlebt und genutzt, hatten eine schöne Kindheit und sind unseren Eltern heute noch dankbar dafür!

Die Stepenitz

Die Stepenitz - ein kleiner Bach - umfließt den Ort meiner Jugend. Mit einer Stange an der unten ein Querbrett befestigt war, konnte man mit Glück und Schwung den Fluss überspringen. Ohne Glück, Schwung oder Querbrett nicht.

Im Frühjahr - so um Mitte Mai - begann die Saison. Für die Badeerlaubnis hatten wir einen kleinen Trick: Eine Blechdose mit Wasser kurz in die Sonne stellen - und Mutter war einverstanden. Diese Zusage überzeugte dann auch die anderen Mütter. Durch geeignete Maßnahmen wurde die Badestelle erweitert und das Wasser aufgestaut. Die Badestelle mussten wir mit den Kühen teilen. Die nutzten diese als Tränke oder wie wir. Die kollektive Erfrischung und Säuberung war natürlich an heißen und Erntetagen sehr willkommen. Ehrlich geschrieben - richtig warm wurde das Wasser der Stepenitz eigentlich nie.

In den zwanziger Jahren staute der Rütinger Müller Groth das Wasser und so konnten die jungen Leute die Fische keschern. Unsere Angelbeute kam nur für die Katzen in Frage.

Als man noch Trocken-WCs benutzte und auch keine Abwässer sonstiger Herkunft in die Stepenitz gelangten, als nur die kleinen Fische, die Kühe und die Badegäste die Stepenitz benutzten, konnte man das Wasser auch für die Wäsche holen. Stege zum Wasserholen und Wäschespülen gehörten zum Dorf.

[caption id="attachment_1399" align="aligncenter" width="300"]<a href="http://tragolat.bplaced.net/wp-content/uploads/2023/03/Opa_614530.jpg"><img class="wp-image-1399 size-medium" src="http://tragolat.bplaced.net/wp-content/uploads/2023/03/Opa_614530-300x202.jpg" alt="Wäschewaschen in der Stepenitz." width="300" height="202" /></a> Wäschewaschen in der Stepenitz.[/caption]

Für den täglichen Bedarf an dem nassen Element hatte jedes Gehöft eine Pumpe - eine Saugpumpe - auf dem Hof.

Diese Wasserstelle hatte zwei Nachteile. Im Sommer stand sie leicht trocken, im Winter fror sie ein. Im ersteren Fall musste man sie angießen, im zweiten mit Stroh umkleiden und gegebenenfalls mit heißem Wasser auftauen. Da man bei jeder Tageszeit und jedem Wetter zur Pumpe musste, war die Wasserbeschaffung oft unangenehm.

Unser Urgroßvater hatte beim Bau des Hauses den Brunnen in den Keller verlegt. So beseitigte er die Nachteile - hatte die Pumpe in der Speisekammer und sparte drei Meter beim Brunnengraben. Für den Bedarf einer Familie mit etwas Kleinvieh reichte es.

Als aber später mehrere Großvieheinheiten (GVE) dazukamen, wurde es kritisch. Ein Tiefbrunnen musste her. Der Brunnenbauer legte die beste Stelle auf dem Nachbargrundstück fest. Ein großer Dreibock, zwei kräftige Männer, ein Bohrer und die Sache ging voran - nach unten.

Eines Morgens, als mein Vater ins Wetter schaute, rauschte es - aber es waren weder Nordsee noch Regen. Es war die Quelle, ein artesischer Brunnen, der über Nacht aufgebrochen war. Eine sieben Meter hohe und vierzig Zentimeter dicke Fontäne hatte das gesamte Anwesen und die Straße unter Wasser gesetzt. Der Nachbar schlief noch im ersten Stock, wenn man so will. Wenn man Diabetes übersetzt, war es ein totaler Durchfluss durch das Haus. Einen ganzen Tag kämpften die Brunnenbauer, das Wasser zu bändigen.

Der Dorfgraben wurde zum Vorfluter und wir hatten herrliches Quellwasser.

Das erste Geld

Nach der Inflation wurde unser Vater bei der Bank in Wismar entlassen. Uropa starb, Uroma war 65 und hatte es im Kreuz. Was tun? Unser Vater kam erst mal, kümmerte sich um Oma, die Häuslerei und das Vieh. Für das Kompetenzland kaufte er zwei Halbponys. Als der Nachbar einen Krämerladen aufgab, übernahm er die Restware und ein Geschäft, das keines war.

[caption id="attachment_134" align="aligncenter" width="300"]<a href="http://tragolat.bplaced.net/wp-content/uploads/2022/07/1937_0003-scaled.jpg"><img class="wp-image-134 size-medium" src="http://tragolat.bplaced.net/wp-content/uploads/2022/07/1937_0003-300x177.jpg" alt="Die Halbponys." width="300" height="177" /></a> Die Halbponys.[/caption]

Seine Freundin - unsere Mutter - gab schweren Herzens ihre Stellung als Schneiderin bei Frau Baronin von Langermann und Erlenkamp auf. Unnötig zu erwähnen, welche Kenntnisse sie von Landwirtschaft und den angeschlossenen Problemen hatten. Die ironische Bezeichnung für beide war: Intelligenzbauern. Aber die half auch nicht weiter. 16 Morgen Land und zwei Morgen Koppel reichten zu nix.

Da beschloss die Landesregierung ein Siedlungsprogramm. 40 Morgen von der Nachbardomäne konnten gepachtet werden. Auch die Pfarre verpachtete Wiesen und Weiden - so um die sechs Hektar.

Irgendwann konnten die Eltern eine tragende Sterke verkaufen. Das brachte richtig Geld. Geld, das nicht gleich wieder ausgegeben werden musste. Doch wohin damit?

Alle möglichen Verstecke schienen unsicher. Bis Mutti die Erleuchtung kam - in der Ampel der Schlafstube. Darauf würde auch der beste Dieb nicht kommen. Als nun am Abend die ebenfalls darin enthaltene Lampe benutzt wurde - die Enttäuschung: Das viele Geld warf einen langen Schatten.

Die klassische Variante mit der Matratze war dann aber auch gut.

Uroma

Uroma war 77 - an sie kann ich mich schwach erinnern. Sie pflegte auf mein Reden stereotyp mit „ja, mein Jung“ zu antworten. Da soll ich mal gesagt haben: „Uroma, du musst auch mal „Nein“ sagen“, ihre Antwort wie zuvor: „Ja, mein Jung“.

In einem anderen Dialog ging es um höhere Belange: „Uroma, was ist das da oben?“ „Das ist der Himmel, mein Jung.“ „Was ist der Himmel?“ „Da komm ich rein, wenn ich tot bin.“ Schweigen. „Nee Uroma - wenn du tot bist, macht der Schuster eine Kuhle und da kommst du rein.“

Nichtlandwirtschaftliche Geräte

Katapult

Y-förmige Gabel je 10 cm lang. 30 cm langer Gummistreifen und ein Lederstück für die Munition. Mit Steinen ehrlich gefährlich. Getrocknete Lehmkugeln, Pferdebohnen (Puffbohnen), Kartoffeläpfel und sonstige Früchte für friedliche Zwecke.

Stein-Kanone

Für eine vergrößerte Variante hatten wir wohl das Urheberrecht. Das Radgestell von einem alten Karrenpflug bekam am Rahmen den Gummistreifen mit Lader. An den Zug eine Verlängerung und ein Kasten für die Munition. Allerdings musste ein Rad ausgetauscht werden wegen der Gleichung. Als Zielscheibe ein altes Türblatt oder ähnliche neutrale Targets. Besonders effektvoll war aber auch die große Blechscheune unseres Nachbarn aus sicherer Entfernung.

Ballerbüss

Aus einem Holunderstammstück das Mark rauspulen oder brennen, ergibt einen schönen Lauf. Die Schubstange ist kürzer und hat an einem Ende ein aufgenageltes Brettstück. Als harmlose Munition dienen am besten zurechtgeschnittene Meerrettichpfropfen.

Der erste wird mit der Schubstange ans vordere Ende getrieben. Pfropfen 2 komprimiert dann die Luft, mit deutlichem Knall entfleucht Nr. 1 und wird durch Nr. 2 ersetzt.

Hierbei ging es mehr um die moralische Wirkung. Handhabe: Rohr mit beiden Händen umfassen, den Bauch mit einem Brett schützen und dann kräftig in die richtige Richtung pressen.

Klaus Hinze, 2006.

Kindertag 1954

Du siehst uns hier im Sonntagsstaat — denn schließlich war ja Kindertag! Weiße Hemden, bunte Kleidchen - Blumen tragen wir im Haar - sind fast vierzig - wunderbar!

[caption id="attachment_1121" align="aligncenter" width="300"]<a href="http://tragolat.bplaced.net/wp-content/uploads/2023/03/kindertag.jpg"><img class="wp-image-1121 size-medium" src="http://tragolat.bplaced.net/wp-content/uploads/2023/03/kindertag-300x198.jpg" alt="1.6.1954, Kindertag." width="300" height="198" /></a> 1.6.1954, Kindertag.[/caption]

Es ist so viele Jahre her und deshalb weiß es keiner mehr, wie ärmlich wir ja auch noch vor Jahren am Alltag angezogen waren. Egal ob Männchen oder Weibchen, wir trugen fürchterliche Leibchen, mit Schnallen, die herunterhingen, um lange Strümpfe anzubringen, die Hosen gingen bis zum Knie, war’n oft geflickt und passten nie.

Die Füße schwitzten Schritt für Schritt In Schuhen ganz aus Igelit. Auch was man damals überzog, das stand in keinem Katalog, war von Geschwistern übernommen (und nicht von Neckermann, dem damaligen Amazon, gekommen).

Die Nachkriegszeit, so schlimm sie war, für uns erschien sie wunderbar. Kein Flugzeug kam, keine Bomben fielen, wir konntenauf der Straße spielen, mit Murmeln erst im Haufen Sand, dann „Neunerball“ an einer Wand. Zum Völkerball ging’s an die Eiche, zum Eislauf auf die Jaucheteiche und Buhle Böttchers Rodelbahn, besetzten Räuber und Gendarm.

Wir lernten schwimmen, das ist kein Witz - mit Schlüpfern in der Stepenitz. Wir hatten viele Jagdreviere, war’n nicht nur deshalb spindeldürre.

Wer in die 5. Klasse muss - nach Upahl ohne Rad und Bus - ohne Schirm und Regencaps preußisch pünktlich - selten spät. Zur Fitness in kein Studio - man war vom Weg genug k. o.

[caption id="attachment_1248" align="aligncenter" width="300"]<a href="http://tragolat.bplaced.net/wp-content/uploads/2023/03/teich1.jpg"><img class="wp-image-1248 size-medium" src="http://tragolat.bplaced.net/wp-content/uploads/2023/03/teich1-300x229.jpg" alt="Schlittschuhlaufen auf dem Hofteich." width="300" height="229" /></a> Schlittschuhlaufen auf dem Hofteich, unserem Eisstadion.[/caption]

Natürlich wir heut die Jugend fragen, wie konntet ihr diese Zeit ertragen? Ganz ohne Schuh von Addidas und ohne Jeans, wie macht man das? Woher kam euer Lebenswille, ganz ohne Disco Pop und Pille, ganz ohne Joint und Ecstatsy? Das war doch trostlos, denken sie. Ja, wenn ich das so im Rückblick seh’, es gab keinen Walkmann, keine CD, kein Zweitfernseher überm Bett, kein Video und kein Internet, kein Smartphon gab’s in jenen Jahren, doch denk ich, dass wir glücklich waren.

So ist das, glaub mir nur, von Missmut gibt es keine Spur. Die, die solche Zeiten überstanden, später dann als Hauptprobanden, im Verlauf von 60 - 70 Jahren auch nicht zu erschüttern waren, weil man ja in solchen Stunden echte Freunde hat gefunden.

Das ist ohne Kraft zu meiern, ganz gewiss ein Grund zu feiern!

Die Post

Nach Fertigstellung des Oldenburgschen Hauses 1894 wird wohl die Postagentur dort eingerichtet worden sein. Über der Haustür prangte ganz groß: „Kaiserliche Postagentur“. Der erste Postagent war der Erbpächter Heinrich Körner.

[caption id="attachment_1164" align="aligncenter" width="300"]<a href="http://tragolat.bplaced.net/wp-content/uploads/2023/03/oldenburg2.jpg"><img class="wp-image-1164 size-medium" src="http://tragolat.bplaced.net/wp-content/uploads/2023/03/oldenburg2-300x204.jpg" alt="Die Kaiserliche Postagentur, 1901." width="300" height="204" /></a> Die Kaiserliche Postagentur, 1901.[/caption]

Die Post wurde mit Fuhrwerk morgens von Grevesmühlen gebracht. Das Pferd wurde im Stall auf der Pfarre untergestellt. Der Fahrer mußte noch Postbotendienste verrichten.

Ein Briefträger bestellte Diedrichshagen links vom Körnerschen Haus, ging dann nach Kastahn, von dort nach Upahl und von Boienhagen weiter nach Testorf. Auf dem Rückweg mußten die ausgebauten Hufen von Upahl noch bestellt werden. Der andere Briefträger hatte Diedrichshagen rechts von der Agentur zu bestellen. Ging nach Rüting, von dort. Nach Schildberg, weiter auf einem Richtweg nach Hindenberg, von Rambeel zurück über Sievershagen und Ausbau Diedrichshagen.

Diese letzte Marschrute ist vom Postboten Otto Bandelow, der heute noch 93-jährig im Altersheim zu Schönberg lebt, viele Jahre begangen worden. Gegen 18 Uhr fuhr dann der Postwagen über Kastahn - Wotenitz wieder nach Grevesmühlen zurück.

1928 wurde die Postagentur in die Ahlersche Gastwirtschaft verlegt. 1937 verkaufte Ahlers an Borck, der 1940 zur Wehrmacht eingezogen wurde. Darauf kam sie in das Böttchersche Haus. Bis 1953 bediente die Schwester von A. Böttcher noch den alten Klappenschrank. Erst 1952/53 wurde die Selbstwählanlage eingebaut. Durch Einrichtung von Poststellen in den Wachbardörfern wird von Diedrichshagen nur noch Schildberg bestellt.

Die Schulzen und Bürgermeister der Gemeinde

Klas Kaben, geboren 1703, gestorben 1766, wird im Kirchenbuch schon als Schulze bezeichnet. Dieses Schulzenamt bleibt bis in die achtziger Jahre des vorigen Jahrhunderts bei der Familie Kaben. Der Erbpächter Joachim Freitag (Hufe Nr. 6) löst Kaben ab. Sein Sohn August behält das Schulzenamt bis Juli 1945.

Dann übernimmt der Schlosser Ernst Meetz das Bürgermeisteramt. Nach ihm kommen Meier, Paskowski, Böttcher, Frau Eickworth, Schellhorn, Kather, Peters. Dann kam die Zusammenlegung der Gemeinden Rüting, Diedrichshagen und Schildberg mit dem Sitz in Rüting. Erster Bürgermeister war Wedemeier, nach ihm Pomann, Brassat, Grunewald, Dörnbrack, dann als zweite Frau Helene Anderson.

Standesamt

Mit 1. Januar 1876 wurden hier in Mecklenburg Standesämter eingerichtet. Durchweg wurden zur Standesamtsführung Lehrer herangezogen. Sämtliche Beamte hatten eine schöne Schrift und die Registereintragungen waren sauber und korrekt, Als erster Standesbeamter war es der Domänenpächter L. Ehlers aus Schildberg bis in die achtziger Jahre.

[caption id="attachment_1402" align="aligncenter" width="300"]<a href="http://tragolat.bplaced.net/wp-content/uploads/2023/03/Klaus14432.jpg"><img class="wp-image-1402 size-medium" src="http://tragolat.bplaced.net/wp-content/uploads/2023/03/Klaus14432-300x218.jpg" alt="G. HInze war bis 1958 der letzte Standesbeamte." width="300" height="218" /></a> G. Hinze war bis 1958 der letzte Standesbeamte.[/caption]

Dann war es der Domänenpächter H. Rose aus Sievershagen, bis 1897 der Inspektor F. Gebien aus Schildberg, bis 1917 der Lehrer Daebeler aus Upahl, bis 1927 der Büdner J. Gröning dortselbst und auf kurze Zeit Lehrer L. Mierow aus Upahl. Dann kam es nach Diedrichshagen und der Bauer A. Kaben führte es bis August 1935.

Bis 1958 war ich der letzte Standesbeamte. Darauf ging es in Gemeindehand über. Heute werden die Eintragungen in Grevesmühlen im Rathaus gemacht.

Handel, Handwerk und Gewerbe

Der erste Konsum wurde von Resi Radloff und Anni Tschepp in Paskowskis Haus (Rater) später von Frau Dzillack in der ehemaligen Schule betrieben. War hier auch die von Tante Illa verwaltete Bücherei?

Sattler Rickhoff in Häuslerei 3 hatte als Nebenerwerb einen Kaufmannsladen.

Das Schusterhandwerk betrieben Lenz und Michael Tschepp auf dem Ziegenberg. Sie konnten aus zu klein gewordenen Schuhen seltsame Riemchensandalen zaubern.

So mancher machte aus der Not eine Tugend: Frau Ullrich (Tante Ulli) nähte aus Uniformen und Decken Mäntel und Hosen, stopfte beutelweise Strümpfe und hatte immer Zeit für uns Kinder. Frau Zeiger nähte, strickte und brachte es dem Nachwuchs in der Schule als Handarbeitslehrerin bei. Die Gemeindesekretärin, Frau Reinitz, strickte uns aus Schafwolle wahre Kunstwerke (sie sahen zwar schick aus, kratzten aber entsetzlich …).

Frau Esau (Büdnerei Rickhoff - Dr. Leibold) hatte einen „Friseurladen“. Von ihr gab es die blanken Zopfhalter (hatte sie auch ein Waschbecken?)

Maler Walter Freitag (Ziegenberg) beherrschte die seltene Kunst des Maserns, d. h. Haustüren das echte Aussehen alten Holzes zu verleihen.

In der Pfarrbüdnerei 1 war von 1897 bis 1940 die Gaststätte Ahlers. 1948 bauten Paskowskis dem neuen Friedhof gegenüber ein Haus mit Kneipe und Saal. So entwickelte sich der Dorfmittelpunkt für Feste und Feiern: Ornbier, Kindertag, Ringreiten und diversen Tanzvergnügen (Bums oder Schwof genannt).

Dorfgeschichten

Katastrophenalarm beim Bergbauern

Der Nachkriegswinter 1946/47 soll extrem kalt und schneereich gewesen sein, das Frühjahrshochwasser verheerend: die Stepenitz ein gefährlicher „Strom“. Felder, Wiesen und Straßen ein See. Verlockend für uns Vierjährige und besonders verführerisch die kleine bunte Dose im Graben vor unserem Haus.

[caption id="attachment_1404" align="aligncenter" width="300"]<a href="http://tragolat.bplaced.net/wp-content/uploads/2023/03/Opa_214484.jpg"><img class="wp-image-1404 size-medium" src="http://tragolat.bplaced.net/wp-content/uploads/2023/03/Opa_214484-300x187.jpg" alt="Überschwemmung, 1941(?)." width="300" height="187" /></a> Die Stepenitz tritt über ihre Ufer. 1941.[/caption]

Mein Verlangen wurde mir - fast - zum Verhängnis und ich mit ihr unter der Brücke durchgetrieben.

Alarm!!!

Spielgefährten unten und Oma Dora oben brüllten Hilfe herbei und Nachbar Michael Tschepp erwischte mich kurz vor dem Bach beim Schopfe. Er hat mir nicht nur das Leben, sondern auch meine erste Erinnerung gerettet. Zu Hause: keine Standpauke - im Gegenteil! Erst in Muttis Bett bin ich wieder aufgetaut.

Elisabeth Grimnitz (Freytag), 2014.

Schwester Frieda

Sie war mehr als eine Krankenschwester - sie war eine Institution. Ob es festgelegte Sprechstunden in ihrer medizinischen Ambulanz gab, weiß ich nicht mehr.

Zerschundene Knie, Blinddarm und Mumps hielten sich an keine Zeiten. Sie war immer für uns da oder kam auf dem Moped angesaust. Einmal wöchentlich hielt der Doktor aus Grevesmühlen Arztsprechstunde. Anschließend kümmerte er sich um Schwester Frieda (sagen vieldeutig die Großen).

[caption id="attachment_1395" align="aligncenter" width="202"]<a href="http://tragolat.bplaced.net/wp-content/uploads/2023/03/frieda-1.jpg"><img class="wp-image-1395 size-medium" src="http://tragolat.bplaced.net/wp-content/uploads/2023/03/frieda-1-202x300.jpg" alt="Schwester Frida, 1952." width="202" height="300" /></a> Schwester Frida, 1952.[/caption]

Weil sie sich um uns kümmerte, Kindertagsfeste, Umzüge, Schulausflüge nach Poel und Boltenhagen organisierte und auch bei Herzleid tröstete, war sie bei uns beliebt.

Karin Koltermann, 2014

Hilfsbereite „gute Geister“ früher und heute

Spontan fallen mir aus meiner Kinder- und Jugendzeit die fröhliche Frau Wien (Mutter von Traute Grote) und Frau Schulz vom Ziegenberg ein - schon lange tot, aber unvergessen.

Beide halfen im Dorf, wo sie gebraucht wurden - große Wäsche, Frühjahrsputz, Feierlichkeiten usw. Frau Wien, selbst etwas gehbehindert, übte lange Zeit das Küster-Amt mit Einsatz und Freude aus. Frau Schulz unterstützte jahrelang Familie Treptow bei der elterlichen Pflege.

Ich sehe sie noch heute vor mir, wie sie 1962 bei den Vorbereitungen zur Silberhochzeit meiner Eltern zusammen mit Frau Unverzagt in unserer Küche 500 Fleischklößchen für die Suppe drehten - dabei ging es fröhlich zu!

Mit Willi Borgward verbinde ich schon meine Kindheit, denn er arbeitete und wohnte bis zum Zwangseintritt in die LPG auf unserem Hof, wurde Mitglied der Genossenschaft und übernahm als Rentner Küsterdienste. Mit Spaten und Pickelhacke schaufelt er die Gruben im Friedhofslehm, schmückt die Kirche zu Höhepunkten und schaut auf seiner Dorfrunde nach dem Rechten: Danke, Willi!

Dieter Schwarz, bis zu seiner Rente Mitglied der LPG und Agrarprodukt e. G. kennt sich mit Technik bestens aus und hilft, wo er gebraucht wird. Als Kirchgemeinderatsmitglied hat er die Geschichte vieler Jahrzehnte wesentlich mitgestaltet. Dieter kümmert sich um seine Mitmenschen und beschränkt seine Hilfe nicht auf Diedrichshagen. Er besucht Ältere, ist ihnen in Alltagsangelegenheiten behilflich, macht Fahrdienste zum Arzt und Einkauf.

Einer, der nicht der Kirche angehört, hat mal zu mir gesagt, so wie Dieter ist, stellt er sich einen guten Christen vor: Danke, Dieter!

Margarete Steffen, 2014.

Hei lött sik nich begäuschen

Ik bün Rentner un wenn dat Wäder mitspält, gah ik jeden Dach mal mit unsen Dackel an de Lien in Diedrichshagen spazieren. So verpedden wi uns beid mal de Bein un ik kann denn ok mal mit nette Lüd oewer dit un dat schnacken.

Körtens güng ik ok mal oewer unsen Friedhoff. Ein Ehepor wier grad dorbi, Hack’ un Hark an ehren Platz tau stellen. De Fru hett sik gliek mit mienen Dackel beschäftigt.

[caption id="attachment_1438" align="aligncenter" width="300"]<a href="http://tragolat.bplaced.net/wp-content/uploads/2023/03/herbert-1.jpg"><img class="wp-image-1438 size-medium" src="http://tragolat.bplaced.net/wp-content/uploads/2023/03/herbert-1-300x159.jpg" alt="Herbert Radloff." width="300" height="159" /></a> Herbert Radloff.[/caption]

Doch de Mann keek recht grimmig ut de Wäsch un hett sik beklagt. De Goordengeräte sünd kum noch gebruksfarig un för de utrangierten Plastepött un Gläs’ fählen Container. Hei bemängelte ok, dat noch vör un up denn’ Friedhoff dat ganze Lof von de groten Kestannenböm rümlicht. Hei meinte, dor wi doch in Ostdüütschland ümmer oewer so väl Arbeitslose verfügen, künnen de dat doch aftransportieren.

Nu wüss ik, woher de Wind weiht, taumal vör denn Friedhoff ein PKW mit Nummernschild „OH” stünn. Ik heff denn‘ Mann versichert, dat bestimmt tau’n Wochenenn‘ de Sak mit de Bläder erledigt ward. Doch de Mann künn sik nich beruhigen un hett noch so allerlei von sik gäben. Ok sien Fru künn em nich begäuschen.

[caption id="attachment_1441" align="aligncenter" width="300"]<a href="http://tragolat.bplaced.net/wp-content/uploads/2023/03/herbert-Kopie.jpg"><img class="wp-image-1441 size-medium" src="http://tragolat.bplaced.net/wp-content/uploads/2023/03/herbert-Kopie-300x186.jpg" alt="Friedhof Diedrichshagen." width="300" height="186" /></a> Friedhof Diedrichshagen.[/caption]

Ik heff denn‘ Friedhoff miesmaudig verlaten. Wi mütten uns dor woll mit affinnen, dat weck Lüd ümmer meinen, dat se allein weiten, wat richtig is un woans dat makt warden mütt. Wi willen mal annähmen, dat sik disse Lüd in de Minnerheit befinnen.

Herbert Radloff, Ostsee Zeitung vom 9. November 2006.

De Melkmann is dor

Melk wier all ümmer för uns Minschen ein beleiftet un för de körperliche Entwicklung von uns’ Kinner ein wichtiget Nahrungsmittel.

Ursprünglich würd de anfallende Melk von de Landwirte mit Zentrifuuch un Bodderfatt sülfst verarbeid’t, deilwies würden Melk un Bodder an de oewrige Bevölkerung verköfft. De industrielle Melkverarbeitung geef dat na 1880 in jeden grötteren Urt.

<a href="http://tragolat.bplaced.net/wp-content/uploads/2023/03/1954_0181.jpg"><img class="aligncenter wp-image-1400 size-medium" src="http://tragolat.bplaced.net/wp-content/uploads/2023/03/1954_0181-300x215.jpg" alt="" width="300" height="215" /></a>

So stünn ein Molkerie ok tau’n Bispill in Hanshagen, Upahl, Mummendörp, Börzow un Roggenstörp. In Grevsmöhlen hebben Landwirte 1889 in’n Hotel „Großherzog“ ein Molkeriegenossenschaft gründ t un 1890 würd von de Buünnernähmer Kauschen un Gädert för 13 000 Reichsmark de Molkerie an’n Vielbecker See buucht.

Dunnemals stellten de Buern ehre vullen Melkkannen up einen Melkbuck un ein Kutscher hett denn‘ mit einen Kastenwagen de Melk tau ein Molkerie transportiert.

[caption id="attachment_103" align="aligncenter" width="195"]<a href="http://tragolat.bplaced.net/wp-content/uploads/2022/07/Klaus14408-scaled.jpg"><img class="wp-image-103 size-medium" src="http://tragolat.bplaced.net/wp-content/uploads/2022/07/Klaus14408-195x300.jpg" alt="Milchbock." width="195" height="300" /></a> Melkbuck.[/caption]

De beiden Melkfohrer Wilhelm Koch un Albert Bumann sünd däächlich mit einen speziellen Melkwagen de Straten in Grevsmöhlen afführt un hebben Melk un Melk-Produkte verköfft.

Dat Ehepor Bumann har in de Wismarsch Strat (Larmbarch) bestimmte Standurte. Mit ein grot Glock un ein ludet „De Melkmann is a dor“ mök sik de Melkfohrer bemarkbor. De Husfrugens keemen un leeten sik Vullmelk orrer Boddermelk in ehre Emmer orrer Kannen geiten. Bodder, Kees un Sahne künn man ok hebben.

Bet 1953 wiern disse Melkwagen in Grevsmöhlen ünnerwägens, tauletzt mit Fiete Nordengrün, de sik denn in de Parkstrat ‘ne Melkhall inricht hett. In de sösstiger Johren würden de Läbensmittelgeschäfte Konsum un HO mit Flaschenmelk beliewert. Un de Schaulkinner künnen in de grote Paus Drinkmelk verkonsumieren.

1978 hett de Molkerie de Verkopsstellen mit Melk in Plastebüdel versorcht. Siet 1995 stellt de supermoderne Molkerie „Hansano“ för uns de Melk in Tetra Pack un väle leckere Melkprodukte her.

Up ein Verpackung heff ik mal lääst:

„Sall di ein langet Läben winken, vergät nich, däächlich Melk tau drinken.“

Un ‘ne säute Melksupp mit Klackerklüten is ok nich tau verachten.

Herbert Radloff, Ostsee Zeitung“ vom 14. März 2007 und im Heimatheft 3/2007.

Vom Bauerndorf zum ...

.... Refugium - für Alltagsgestresste? Naturliebhaber? Ruheständler?  Wenn ich mir heute die alten Bilder von der Getreideernte vor 50 Jahren ansehe, ist das wie aus einer anderen Welt. Welch enorme Entwicklung hat es besonders in der Landwirtschaft gegeben!

Im Frühjahr 1960 wurde die Zwangskollektivierung vollzogen. Am 1.1.1960 gab es noch drei Einzelbauern: Georg Freytag, Joachim Oldenburg und Gerhard Hinze. Ihre wirtschaftliche Situation war gut - Soll und Abgaben wurden erfüllt und so war es auch kein Wunder, dass sie sich massiv gegen eine Aufnahme gewehrt haben. Doch die Werbungsgespräche erhärteten sich immer mehr, bis hin zu Drohungen, keine Düngemittel zu bekommen.

Es muss eine schwere Zeit für sie gewesen sein, bis sie Ende März aufgegeben haben. Das Inventar wurde bewertet. Ein Pflichtinventarbeitrag von 500 Mark pro Hektar eingebrachter Fläche musste abgegeben werden. Der überschüssige Inventarbeitrag wurde später in Raten ausgezahlt. Die Tiere blieben bis zum 1. Mai in den Ställen, um das Winterfutter aufzubrauchen. Es muss für die Bauern schmerzlich gewesen sein, als die Tiere vom Hof geholt wurden. So war es verständlich, dass sich die Lust auf genossenschaftliche Arbeit in Grenzen hielt.

Mein Vater z. B. nahm die Arbeit erst im Juni wieder auf. Die Vergütung der Genossenschaftsbauern erfolgte über AE (Arbeitseinheiten). Jede Familie hatte Anspruch auf eine individuelle Hauswirtschaft.

Zwei Morgen (0,5 ha) Land für Getreide, Hackfrüchte und Weidefläche für eine Kuh. So konnten Schweine, Bullen, Milch und Eier verkauft werden, um die Barvergütung aufzubessern.

1974 fielen die Kühe der Leukosesanierung zum Opfer. Bullen, Schweine und Geflügel wurden bis zum Ende der DDR gehalten. Alle Bauern erhielten 200 Mark Bodenanteile, ungeachtet, ob 5 oder 30 Hektar eingebracht worden waren. Pachten wurden nicht gezahlt. Die nicht genossenschaftlich genutzten Hofgebäude mussten von den Eigentümern erhalten oder abgerissen werden.

Nach anfänglichen wirtschaftlichen Schwierigkeiten haben sich die Bauern darauf besonnen, die Genossenschaft zum Erfolg zu führen. Vorstände und Leitungen wurden mit guten Fachkräften besetzt. Trotz aller Probleme (z. B. fehlende Ersatzteile) entwickeln sich die LPG in den 60er — 70er Jahren zu einem wirtschaftlich starken Betrieb.

Das war im Kreis Grevesmühlen durchaus unterschiedlich und so wurden Kooperationen gebildet und die Tier- und Pflanzenproduktion getrennt. Ab 1975 gehörten wir zur KAP (Kooperative Pflanzenproduktion) Testorf (6.000 ha), aus der 1978 die LPG Pflanzenproduktion mit drei Abteilungen gegründet wurde.

Zwischen den Betrieben Pflanzen- und Tierproduktion bestand eine Ware-Geld-Beziehung. Die wirtschaftlichen Unterschiede konnten durch die Trennung nicht beseitigt werden.

1975 gingen wir schuldenfrei in die KAP und kehrten bei der Auflösung am 30.6.1990 mit über einer Million Altschulden zurück. Wir hatten eine ausgewogene Arbeitskräftesituation, qualifizierte einheimische Leitungen und einen hoffnungsvollen Nachwuchs, der von der Genossenschaft finanziell, materiell und personell bei Neubau und Sanierung alter Häuser unterstützt wurde.

Wir haben gut zusammengehalten, uns gegenseitig geholfen und schöne Feste gefeiert. Da es in Rüting keine Räumlichkeiten dafür gab, (200 Teilnehmer) zogen wir umher: Mühlen-Eichsen, Mallentin ... Schließlich haben wir den staubigen Betonboden der Kohlhalle glattgetanzt (es fehlte noch das Tanzparkett) und sind 1987 in den fertigen Saal des Landhauses gezogen.

Das Erntefest mit Krone, Umzug und Blasmusik und Kaffee und Kuchen, Gulasch und Rauchwurst finanzierten die Genossenschaften und die Gemeinde. Die Musik hat damals unser heutiger Bürgermeister, Holger Hinze, mit seiner Kapelle gemacht und Herbert Pohlmann mit seiner Gaststätte die Bewirtung übernommen. So haben wir Traditionen weiterentwickelt.

Nach der Wende (1989) sollten die Genossenschaften laut Einigungsvertrag bis Ende 1991 aufgelöst, privatisiert oder in eine eingetragene Genossenschaft umgewandelt werden. Da wir qualifizierte Leute hatten, suchten wir einen Weg, möglichst viele Arbeitskräfte zu erhalten, um sie in die neue Gesellschaft mitzunehmen. Das musste sich nun aber rechnen lassen...

Hatten wir nach der Rückgabe an die Bauern genug Fläche zur Verfügung? Und würden wir das Vertrauen der Bürger erhalten?

Im November 1991 haben wir alle Landeigentümer zu einer Versammlung eingeladen und ein Abfindungsangebot gemacht. Laut Landwirtschaftsanpassungsgesetz musste das Vermögen der Genossenschaft aufgeteilt und an die Beteiligten ausgezahlt werden nach Landnutzung und Arbeitsjahren. 10 % Eigenkapital konnten für eine mögliche Weiterführung einbehalten werden.

Wir erhielten das Vertrauen und den Auftrag, eine Umwandlung der Genossenschaft vorzubereiten. Auf der Vollversammlung der Agrarprodukt e.G. Rüting wurde Ende November 1991 am Vormittag die Auflösung und am Nachmittag die Neugründung (drei Gegenstimmen) beschlossen. Durch Reemtsma und Mumm werden die erworbenen Flächen in Diedrichshagen eher „anonym“ bewirtschaftet. Ergebnis der Wahl des Vorstandes und Aufsichtsrates:

  • Vorstandsvorsitzender: Karl-Heinz Sommer
  • Stellvertreter: Hans Oldenburg
  • Mitglied: Gerd Anderson
  • Aufsichtsrat: Manfred Uhde, Dieter Schwarz, Klaus Klüssendorf

Mit den Landeigentümern wurden Pachtverträge abgeschlossen. Neben der Altschuldenbeseitigung war die Reduzierung des Arbeitskräftebestandes (noch 130! Mitglieder) die komplizierteste Aufgabe.

Es war schwer für uns, schließlich kannten wir uns teilweise ein Leben lang und Vertrauen ist schnell verbraucht.

Durch Vorruhestandsregelungen und Vermittlung gelang es so einigermaßen — es gab nur wenige Arbeitslose. Ein qualifizierter Stamm von 20 Fachkräften übernahm den 1100 ha-Betrieb und 1200 Rinder. Das war eine schwere Aufgabe - aber wann hatte es ein Bauer schon mal leicht?

Selbst unsere Söhne -Jens Oldenburg und Fred Anderson-sind nach anfänglichem Zögern und zusätzlicher Qualifikation in die Verantwortung gewachsen. (2003/2007) Auch die Buchhaltung wurde von Hedda Oldenburg an die engagierte Friederike Pitschke übergeben.

Wenn wir heute als Aufsichtsrat Bilanz ziehen, war der damals eingeschlagene Weg richtig. Der Betrieb hat sich solide entwickelt, bildet Lehrlinge aus und ist für die Gemeinde eine starke Stütze. Darauf können wir stolz sein! Aber wie ist es mit den Erfolgen und Kakteen? Freuen und nicht draufsetzen!

Hans Oldenburg, 2014.

Dit und Dat - für jeden watt. Mal auf Hoch - mal up Platt.

Freiheitsberaubung?

Da die Arbeit in der LPG (1961) zunächst schwierig und damit auch lustlos anlief, wurden Gelegenheiten der Ablenkung gefunden. Im Winter musste das in den Scheunen gelagerte Getreide gedroschen werden.

Weil zwei Kollegen Geburtstag hatten, stellten wir den Dreschkasten am frühen Nachmittag ab und auf der Scheunendiele bei Hans Freitag (neben dem Friedhof) wurde gefeiert.

Diesmal schien die Trinkerei etwas sehr aus dem Ruder gelaufen zu sein …

Schenk uns noch nen Lütten in, denn lücht sich dat berer.

Es können aber nicht nur Lütte gewesen sein, wir wurden immer unternehmungslustiger und Herrmann musste nach Hause gebracht werden. Aber wie? K

Kurz entschlossen stellten wir einen Schweinekasten (zum Viehtransport) auf die Schleppe, spannten ein Pferd davor, sperrten Herrmann in den Kasten und ab ging die Fuhre. Ich war der Kutscher auf dem Pferd, Harald Hinze saß auf dem Kasten und Herrmann brüllte durch die Latten:

„Ich bin kein Verbrecher, holt mich hier raus!“ (Fühlte er sich im Knast oder gar im Dschungelcamp?) So kutschierte das Pferd durch das belebte Dorf und wurde erschrocken eskortiert. Wir aber lieferten Herrmann am anderen Ende heil (?) zu Hause ab. (Ob das Pferd uns allerdings wieder heil nach Hause brachte, entzieht sich der Kenntnis des Kutschers ...)

Von der Pferdestärke zur Motorisierung

Im Frühjahr 1961 wurden die Scheunen aufgeräumt — motorisiert — mit Traktor (Marke Aktivist).

Da Herrmann bisher nur Pferde kutschiert hatte, war er der Meinung, im Zuge der Entwicklung, Trecker fahren zu müssen. Nach schwerem Bedenken haben wir dem nachgegeben. Herrmann bestieg den Bock, ich stand als Co-Pilot auf der Ackerschiene!

Die Teststrecke begann bei Oldenburgs Scheune. Zunächst ging es geradeaus. Zunächst.

Bis Böttchers Haus (gegenüber dem Pfarrhaus) eine magische Anziehungskraft auszuüben schien. In letzter Minute brachte ich mich in Sicherheit, brüllte noch: „Lenkrad loslassen!" Seine Pferde hatten ja immer allein den richtigen Weg gefunden.

Herrmann machte das Gegenteil, hielt das Lenkrad krampfhaft fest, gab in seiner Not Vollgas und die Wohnzimmerwand wurde ein wenig versetzt. Sein zerknirschter Kommentar: Verfluchte Technik! Der Schaden hielt sich in Grenzen, wurde auf Kosten der LPG reguliert. Wir haben nie was zurückgezahlt.

Hans Oldenburg (2014)

Die Poesie der Landwirtschaft

Kennen Sie die? Natürlich! Es ist eine beruhigende, naturverbundene und lohnende Freizeitbeschäftigung.

Imkern ist die Menschen moralisch erhebende,

die Natur belebende, vom Wirtshaus abziehende, Honig und Wachs spendende uns Einkünfte zuwendende und reiche Früchte bringende, für Befruchtung nützliche, zuweilen auch kitzlige Imkerei.

Poesie der Landwirtschaft!

So, nun wissen Sie, warum gegenwärtig 18 Mitglieder des überregionalen Imkervereins 172 Bienenvölker bewirtschaften und der Verfasser seit 1973 eine kleine Standimkerei betreibt, zumal wir eine lange Tradition haben, die bis 1880 zurückreicht. (siehe auch Flaschenpost im Kreisarchiv, "Ein Verein stellt sich vor").

Aus der wechselvollen Vereinsgeschichte nur drei protokollarisch belegte Beispiele.

1928 - Inflation, Aufstellung der Finanzen

  • Einnahmen: 253.834 M
  • Ausgaben: 19.837.507 M
  • Defizit eines Jahres: 19.619.673 M

1925 - aufziehender Nationalsozialismus

Vortrag „Das ideale Ethische der Bienenzucht“... in schöner packender Weise wurde die Bienenzucht als eine Lehrmeisterin des deutschen Volkes geschildert:

„Bienenfleiß und Bienentreue werden auch unser Volk wieder hochbringen.“

1944 schließt der Protokollant resigniert die Vereinsakte mit dem Satz:

„Infolge des Krieges hört hier alles auf!“

Die Bienen flogen weiter, auch nach 1953 wurde der Verein in VKSK (Verband der Kleingärtner, Siedler und Kleintierzüchter) als Sparte geführt, die Imkerei stabilisierte sich.

Seit 1990 als Neugründung im Landesverband und Deutschen Imkerbund organisiert. Nach der Vereinssatzung erstreckt sich der Einzugsbereich über viele Dörfer und nimmt jederzeit Bewerber auf:

für eine beruhigende,

naturverbundene und lohnende

... (s.o.)

Edgar Hoth, 2014.

Grenzen und Wege um 1770

Die erste genauere Vermessung der Gemarkung ist 1771 von Schröder gemacht worden. Schildberg ist 1769 vermessen worden. Auch in Rüting wird dies um dieselbe Zeit gemacht worden sein.

[caption id="attachment_1120" align="aligncenter" width="300"]<a href="http://tragolat.bplaced.net/wp-content/uploads/2023/03/karte1.jpg"><img class="wp-image-1120 size-medium" src="http://tragolat.bplaced.net/wp-content/uploads/2023/03/karte1-300x220.jpg" alt="Karte der Umgebung, 1792." width="300" height="220" /></a> Karte der Umgebung, 1792.[/caption]

Ganz Mecklenburg ist damals auf Befehl und Anordnung Friedrich des Großen vermessen worden; denn der mecklenburgische Mehlsack wurde von seinen Steuereintreibern tüchtig geklopft. Kriege und Bauten mußten bezahlt werden.

Sieht man sich die Karte genauer an, so stellt man fest, daß die Grenze zwischen Diedrichshagen und Schildberg weiter bis an die Rambeeler und Hanshäger Gemarkung heranging. Die Koppel vor unserem Haus war nur 113 Qu-Ruten groß. Der ganze übrige Acker links vom Weg in Richtung Schildberg gehörte dorthin.

Auch führte nur eine Brücke, die bei Bollow, über den „Mühlenstrom“. Die Bezeichnung Stepenitz wird jünger sein.

Die Koppel vor Bollow’s Haus war damals schon mit 569 Quadrat-Ruten angegeben. Die obere Grenzverlängerung auf das Kabensche Gehöft zu, trennte eine weitere Fläche von 559 Quadrat-Ruten Ackerland ab. Diese beiden Parzellen werden zur Mühle gehört haben, die hinter Böttchers Haus auf der Oldenburgschen Koppel vor 300 Jahren lag. Sie sind auch das einzige Ackerland, das auf der anderen Seite des Mühlenstroms war.

Neben vielen Feldwegen gab es noch. einen öffentlichen Hauptweg, der vor dem Hühnerbuscher Teich in Richtung Sievershäger Weg verlief und am Berg bei der sogenannten Lehmkuhle. Dieser Weg verlief zwischen den Schwarz‘schen Wasserkuhlen und umschloß das kleine Wasserloch auf der Kabenschen Hufe, das ca. 50 m vom Weg abliegt. Auch das Loch in der Hecke deutet noch auf die Einmündung hin.

<a href="http://tragolat.bplaced.net/wp-content/uploads/2023/03/wegweiser.jpg"><img class="aligncenter wp-image-1255 size-medium" src="http://tragolat.bplaced.net/wp-content/uploads/2023/03/wegweiser-300x201.jpg" alt="" width="300" height="201" /></a>

Das Lau’sche Gehöft (Nr. 4). lag links am Ziegenberger Weg und wurde 1868, wo heute das Grotesche Wohnhaus liegt, wiederaufgebaut. Das alte Oldenburg‘sche Wohnhaus, Gehöft Nr. 8, lag mit dem Giebel zur Straße und wurde 1894 durch das jetzige ersetzt. Im Pfarrgarten links lag das Prediger-Witwen Haus. Es wurde 1786 neu erbaut.

Straßenbau

1975 - 1985

Mit Finanzmitteln des Kreises und durch Unterstützung der Betriebe wurden die Dorfstraße, die Wege zum Hühnerbusch und nach Gretie, der Ziegenberg und der Anschluss zum Friedhof in Eigeninitiative gebaut.

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Vorwiegend sonnabends musste der Fertigbeton aus Grevesmühlen mit Traktoren und Einachsern herangefahren werden und mit Schaufel und Spaten … 1978 erhielt die Straße nach Rüting eine Asphaltdecke und die Stepenitz statt der Holz- eine Betonbrücke.

Befestigte Straße in Diedrichshagen

In der Gemeinde Rüting, im Ortsteil Diedrichshagen, ist ein weiterer Schritt zur ‚Verbesserung der Lebensbedingungen der Einwohner gemacht worden. Kürzlich wurde eine weitere Straße befestigt. Das hat viele Herzen höherschlagen lassen und, große Zufriedenheit hervorgerufen.

Der persönliche Einsatz der Bürgermeisterin. Helene Anderson und die tatkräftige Unterstützung der Genossenschaftsbauern der LPG (P) Testorf, der LPG (T) in Rüting und des Bereichsleiters Hans Oldenburg haben sich gelohnt und Früchte getragen.

So erhielt etwa ein Kilometer Straße eine feste Decke, die schweren Landmaschinen mit ihren Lasten gelangen nun leichter ans. Ziel. Auch die vielen Personenkraftwagen und nicht zuletzt das immer noch bewährte Fortbewegungsmittel, das Fahrrad, sind besser zu handhaben und bei der Bushaltestelle brauchen nicht mehr wie früher die Schuhe gewechselt werden, wenn: das Wetter schlecht ist. Allen, die Hilfe geleistet haben, sei nochmals ein Dank gesagt.

Theodor Hintze, Ostsee Zeitung vom 11.6.1985.

Wendetage 1989

Als die Grenzen geöffnet wurden, lag ich ziemlich platt mit Zahnproblemen auf dem Sofa. Die „Aktuelle Kamera“ des DDR-Fernsehens, lief etwas benebelt an mir vorbei. So habe ich den entscheidenden Satz von Herrn Schabowski gar nicht recht mitbekommen.

Die Männer, mein Vater Georg Freytag und mein Mann Martin, waren an jenem Donnerstag zur Versammlung in Rüting, auf der die Genossen die Bürger noch einmal beruhigen sollten und wohl mehr Demokratie versprachen.

Gegen 22 Uhr kamen sie zurück und berichteten von einer turbulenten Diskussion, an deren Ende kam jemand in den Saal und signalisierte die Grenzöffnung. Sofort war die Versammlung beendet.

Am nächsten Tag ging ich ganz normal zur Arbeit ins Büro der LPG (P) Testorf. Alle Kollegen traf ich allerdings nicht an. An Arbeit war kaum zu denken und telefonisch fast niemand zu erreichen - alle waren erstmal verreist.

Als die 100 DM-Begrüßungs-Aktion anlief, fuhren die Züge stündlich ab Grevesmühlen. Da wir schon vorher Verwandte im Westen besucht hatten, war unsere Neugier nicht ganz so groß. Die Kinder drängten natürlich.

So standen wir auch nach einer Woche um 6:30 Uhr auf dem Bahnhof. Es war unglaublich, was sich dort abspielte. Der Zug war beim Einlaufen schon knüppeldickevoll, es war eisig kalt, aber die Menschen drängelten mit Babys in den Kinderwagen, mit weiteren Kinder an der Hand und Oma und Opa an der Seite trotzdem noch hinein in freudiger Erwartung auf den Westen und die 100 DM, die in Lübeck in der Nähe des Bahnhofs ausgezahlt wurden. Die Menschen standen in langer dicker Schlange und warteten geduldig.

Und wir mussten doch ein wenig lächeln über manchen standhaften Genossen, den wir dort sahen. Die Auszahlung erfolgte nur an anwesende Personen. Die Anzahl der Kinder wurde mit dem Personalausweis der Eltern verglichen. Bei einer Familie war wohl eins nicht mit angereist, jedenfalls wurde unser damals 13jähriger Richard zum Vorzeigen „ausgeliehen“, so dass die Familie vollständig ihr Geld erhielt. Wir sind dann an einen anderen Schalter gegangen und haben uns köstlich amüsiert.

Gekauft haben wir an diesem Tag nichts. Dafür reisten wir an einem Wochenende alle mit dem Trabbi über Ratzeburg nach Hamburg. Leider waren wir auch hier nicht die Einzigen. An der Grenze musste wegen der Ausweiskontrolle lange gewartet werden. Die Motoren ließen wir laufen. Wir froren jämmerlich und es stank entsetzlich von den Abgasen.

Auch im Westen war noch Stau und die Menschen dort reichten warme Getränke, Obst, Schokolade usw. in die Fahrzeuge. Es war eine herrliche Stimmung. Ab 24.12.1989 durften nun auch die Westdeutschen die Grenze ohne Reisepapiere einreisen. So packten wir zur Begrüßung einen Picknickkorb und fuhren nach Selmsdorf. Die Mannschaft eines überholenden Feuerwehrautos sang Fahne schwenkend aus voller Kehle. Dann fielen mir dann doch ein paar Tränen aus den Augen.

Am Grenzübergang trafen wir auf Massen, sogar eine Tanzgruppe war angereist - so dass die Grenze schon vor 0:00 Uhr geöffnet wurde und Ost und West gemeinsam feierten. Wir sind dann noch mit unserem Körbchen zu den etwas schüchtern schauenden Männern vom Bundesgrenzschutz gegangen.

Sie ahnten wohl schon, dass ihr Arbeitsplatz sich bald ändern würde. Das wurde auch für uns schnell klar. Im März 1990 wurde ich (noch vom damaligen Rat des Kreises) als Bürgermeisterin der Gemeinde Rüting (mit Gehalt) eingesetzt und mit der demokratischen Wahl am 7. Mai bestätigt.

Nach einem Jahr musste ich mich entscheiden, ob ich ehrenamtlich weiter Bürgermeisterin und arbeitslos sein wollte oder in die Verwaltung eines sich bildenden Amtes gehe. Ich habe mich für die Verwaltung entschieden und bin dankbar, dass meine Wähler dafür Verständnis hatten. Dieses eine Jahr war das interessanteste und schönste in meinem ganzen Arbeitsleben, obwohl auch traurige Entscheidungen anstanden (Entlassungen, Schließung der Krippe usw.).

Mit der Umstrukturierung der LPG gehörte mein Mann Martin als Leiter der Bauabteilung in der LPG mit zu den ersten Arbeitslosen. Aber auch er fand nach einem Jahr Tätigkeit in der Denkmalpflege und einer Fortbildung bald wieder eine feste Arbeitsstelle.

Margarete Steffen (2014)

Nach der Wende — Dorferneuerung (ohne Ende?)

Förderprogramme des Bundes und der EU 1991 — 1994:

  • Programm zur Dorferneuerung:
  • Sanierung von Fassaden
  • Installationen von Heizungsanlagen

Zwölf „Neue“ werden am Ziegenberg herzlich begrüßt.

Flurneuordnung

Ein Vorteil war die kostenlose Neuvermessung der Grundstücke und eine zweckmäßige Flächenzuordnung, so dass es keine Grenzstreitigkeiten mehr gab. 1995 wurde allen Haus- und Landeigentümern das Programm auf einer Versammlung erläutert, ein Vorstand gewählt, der eine Prioritätenliste erarbeitet und den Kostenplan erstellt hat. (Eigenanteil der Gemeinde 30 % innerorts, 10 % außerorts)   1997/98 Dorfstraße mit Straßenpflaster zwischen den Friedhöfen.

Asphaltierung:

  • 1999 nach Schildberg
  • 2000 nach Rüting
  • 2002 bis zur Gemeindegrenze Sievershagen
  • 2003 Kreuzung Steffen — Grenze Kastahn (Betonspur)
  • 2004 Haubenweg mit Brückenerneuerung
  • 2014 Sanierung Trauerhalle

Grünfläche um die „Eiche“ in Diedrichshagen  

Die privaten Grundstückseigentümer mühen sich ihre Flächen zu pflegen. In die jeweiligen Arbeiten sind ebenfalls die Bereiche zwischen den Privatgrundstücken und der öffentlichen Straße einbezogen. Bäume und Sträucher werden gepflegt, Gräben entschlammt und gemäht oder Pflasterungen entkrautet. Rasen mähen gehört zu den entspannteren Tätigkeiten.

Besonders ärgerlich ist es, wenn der Dreck anderer Leute weggeräumt wird. An dieser Stelle ein kleiner, unvollständigen Auszug der Bereiche, in denen ein Anlieger ebenfalls die andere, gegenüberliegende Straßenseite in ihre Pflege genommen haben. Ein nicht hoch genug zu schätzender Beitrag zu einem gepflegten Ortsbild.

Zwei Seiten — eine Adresse: Am Ziegenberg

Aus welcher Richtung man auch kommt, irgendwann taucht sie auf - die Kirchturmspitze - und zeigt an, dass hier Menschen zu Hause sind. Seit 1987, als eingefleischte Städter zugezogen, gehört die Familie Lubahn dazu. Was anfänglich mit einem Irrtum begann, ist für uns alle zu einem Ort der Ruhe und Geborgenheit geworden.

Diedrichshagen - das war das Dörfchen, in dem wir ein altes Häuschen erwerben wollten. Als Rostocker für uns ideal - nahe an der Ostsee und Warnemünde. Erst der vereinbarte Kontaktbesuch brachte die Erkenntnis, dass bei Grevesmühlen auch ein idyllisches Dorf gleichen Namens existiert.

Und dann begann das Abenteuer; Berge von Kohlen schippen, um das Haus zu heizen; Fehlbrandsteine aus der Ziegelei Daliendorf besorgen, um den maroden Schornstein zu erneuern; Kontakte knüpfen, um ein paar notwendige Baumaterialien zu besorgen.

Aber das Tolle, man konnte überall im Dorf um Hilfe bitten. Dann wurde mal schnell ein Traktor der LPG vorbei geschickt. Nachbar Gerhard Weiß spannte seinen Gaul an und pflügte den Garten um. Der alte Hühnerstall wurde mit Nachbarschaftshilfe von einer Grundstücksecke in die andere getragen. Die Gebrüder Klatt brachten den alten Moskwitsch immer wieder zum Laufen.

Wir wurden schnell heimisch am Ziegenberg und genossen die Felder und Wiesen um uns herum. Raps, Mais oder Kartoffeln vor der Haustür. Die Kühe guckten über den Gartenzaun.

Die beiden Töchter fühlten sich in der familiären Upahler Schule und in der Dorfgemeinschaft der Kinder sehr wohl. Wir lebten fast am Ende der Welt. Wer den Ziegenberg hinauffuhr, wollte zu uns oder hatte die Wendemöglichkeiten völlig falsch eingeschätzt.

Dann, in den 90er Jahren, wurde die Entscheidung getroffen, die Feldseite mit neuen Eigenheimen zu bebauen. Das wurde von uns Ziegenbergbewohnern etwas skeptisch aufgenommen. Und die Erschließung der Grundstücke verlief dann auch nicht besonders glücklich, was die Straßenverhältnisse und die Optik der Grundstückszugänge betrifft. Natürlich wurde der Bau der Häuser fachmännisch von den Bewohnern der Ziegenberggegenseite beäugt und kommentiert.

Zwölf Familien wurden die „Neuen“. Einige waren schnell bemüht, sich am Ziegenberg gut einzuleben. Sie suchten den Kontakt und so wurde bald ein Komitee gegründet, dem Vertreter beider Straßenseiten angehörten. Hauptaufgabe wurde die Organisation eines jährlichen Ziegenbergfestes, was uns alle auch schnell nähergebracht hat. Aus dieser Zeit besitzen etliche Bewohner verschiedener Altersstufen noch ein eigenes dunkelblaues T-Shirt mit einem eigens entwickelten Ziegenberg-Logo. Diese Initiative des gemeinsamen Festes hat einen dauerhaft guten nachbarlichen Kontakt hergestellt, aus dem jetzt kleinere Traditionen gewachsen sind.

Heutzutage treffen sich jedes Jahr im Dezember etwa zehn Familien bei Familie Lubahn/Schröder zu einer gemeinsamen Weihnachtsfeier, bei der das Gruselwichteln nicht fehlen darf.

Familie Weippert sind die Gastgeber der liebgewonnenen Glühweinpartys. Und der 1. Januar, 16.00 Uhr ist ein fester Termin, an dem traditionell gemeinsam auf der Wendeschleife des Ziegenberges das neue Jahr begrüßt wird.

Gemeinsames Grillen und Klönen übern Gartenzaun gehören ebenso zu unserem Ziegenbergleben. Einige der Anwohner wissen diese Entwicklung sehr zu schätzen und sehen sie als etwas Besonderes an. Dennoch, auch vor diesem Fleckchen Erde macht der Lauf des Lebens nicht halt.

Menschen gehen und Menschen kommen. Jüngere Generationen haben es schwer, ihren Lebensmittelpunkt in Diedrichshagen zu belassen. Unsere älteste Tochter arbeitet in Lübeck, ist aber mit dem Ziegenberg fest verwurzelt und wohnt hier. Die jüngere Tochter hat in der näheren Umgebung keine berufliche Perspektive gehabt und lebt in Bremen. Aber wenn es sich einrichten lässt, ist sie bei Ziegenbergfeierlichkeiten stets gern dabei.

Das trifft auch auf andere Ehemalige wie z. B. Maiko Tschepp zu. 2014 — jede Familie am Ziegenberg hat ihr Leben, Freuden auch Sorgen und Nöte. Na klar, einige wünschen keinen Kontakt zur Nachbarschaft …

Ich, Gabriele Lubahn, lebe gern am Ziegenberg, weil ich weiß, wer hinter dem Gartenzaun zu Hause ist. Ach, wie würde ich den wöchentlichen Schnack mit meiner Nachbarin und Eierfrau Elke Schwarz vermissen!

Gabi Lubahn, 2014.

Seit 1996 unsere neue Adresse: Am Ziegenberg

1995 entschlossen wir uns, ein eigenes Haus zu bauen. Nun hatte man natürlich einige Vorstellungen und Wünsche — und nicht nur vom eigenen Heim, sondern auch vom Standort. Für uns legten wir fest, dass es ein schönes kleines Dorf sein sollte, möglichst ein kleiner Bach, der den Ort durchquert, eine schöne Kirche und keine Eigenheimsiedlungen.

Genau diese „eigenen Vorgaben“ fanden wir in Diedrichshagen. 1996 bauten wir „Am Ziegenberg“ ein kleines Häuschen. Schon bald nach Einzug merkten wir, was wir hier für uns gewonnen hatten, nämlich Ruhe und Erholung vom Alltagsstress. Vögel, die den Tag ankündigen und eine Natur, um welche uns viele Menschen beneiden können. Wir brauchen nicht in die Ferne zu reisen und Urlaub machen, unser Urlaub ist unser Zuhause.

Unsere beiden Kinder, welche bei Einzug 14 bzw. 16 Jahre alt waren, haben zwischenzeitlich eine eigene Familie, aber auch sie wurden vom dörflichen Charakter und Charme gefesselt und leben heute mit ihren Familien in ähnlichen Orten unserer schönen Heimat.

Nun leben wir hier schon 18 Jahre und haben es keinen Tag bereut. Wir möchten hier alt werden und so vielleicht ein Stückchen Geschichte von Diedrichshagen mitschreiben.

Frank und Marion Weippert

Die neuen Einfamilienhäuser der linken Seite auf dem Ziegenberg wurden Mitte der 90er Jahre gebaut. Diese Häuser bewohnen

  • Haus Nr. 8: Familie Nehls,
  • Haus Nr. 9: Familie Dexta,
  • Haus Nr. 10: Familie Bräutigam,
  • Haus NR. 11: Familie Krause,
  • Haus Nr. 12: Familie Linshöft,
  • Haus Nr. 13: Familie Gerhardt,
  • Haus Nr. 14: Familie Glaser,
  • Haus Nr. 15: Familie Weippert,
  • Haus Nr. 16: Familie Pigulla,
  • Haus Nr. 17: Familie Kirmße,
  • Haus Nr. 18: Familie Unger,
  • Haus Nr. 19: Familie Schneiderer

Grundsteinlegung für die Festwochen im Kirchspiel Diedrichshagen

Mehr als eine Idee war es am Anfang nicht. . .   Anno Domini (im Jahr des Herrn) 1995 war für Mecklenburg ein runder Geburtstag angesagt. Der Tausendste sollte festlich begangen werden.

Ich habe als noch ziemlich neuer Diedrichshäger Pastor im Lauf des Jahres 1994 gedacht, dass sich daraus auch für eine Kirchgemeinde im Zusammenwirken mit den Kommunen im Bereich des Kirchspiels etwas machen lassen könnte.

Eine Einladung sollten die Bürgermeister Jürgen Ditz, Eckhard Schneider und Holger Hinze aus den Gemeinden Sievershagen/Hanshagen, Upahl und Rüting bekommen. Mit dabei sein sollten der Kirchenälteste, Hans Groth aus Kastahn und der Vorsitzende der Agrargenossenschaft Rüting, Hans Oldenburg aus Diedrichshagen.

Gesagt, getan, trafen wir sechs Männer uns am 17. September 1994, 16.00 Uhr im Amtszimmer des Pfarrhauses, um die Idee zu beraten. Am Ende des Gesprächs über die Idee, den tausendsten Geburtstag auch in unserem Verantwortungsbereich und in gutem Miteinander zwischen Kommunen und Kirchgemeinden zu feiern, wurde sogar ein Name für das Vorhaben gefunden.

Die Festwoche im Kirchspiel Diedrichshagen wurde kurzerhand so gut wie aus der Taufe gehoben. Ja, eine ganze Woche wollten wir feiern mit unterschiedlichen Angeboten, mit Gottesdiensten, mit einem Festumzug, mit Erntefest und Tanz, mit Konzerten, mit plattdeutschem Theater usw.

Aus der Rückschau kann ich nur immer wieder sagen, es war wie ein Geschenk, dass sich an dem Nachmittag sechs richtige Leute getroffen haben und schnell mit einem Wort zum Ziel gekommen sind.

Übrigens waren das noch Zeiten wie in fetten Jahren. Bevor wir auseinandergingen, haben wir verabredet, dass jede Kommune und die Kirchgemeinde zur Erstausstattung für die Festwoche jeweils 2500 DM in den Haushalt 1995 aufnehmen sollten, was dann auch so geschehen ist. 1995 standen uns 10.000 DM als Startkapital zur Verfügung.

Im Protokoll von dieser ersten Ideenrunde heißt es am Schluss ganz lapidar: „Gemeinsam wird als nächster Termin Samstag, d. 15. Okt., 17.00 h, im Pfarrhaus, verabredet.“ Anno Domini 2014 ist die XX. Festwoche mit ungetrübter Freude und ungebrochenem Erfolg unter Einschluß des Kreiserntedankfestes gefeiert worden.

Jochen Meyer-Bothling, Pastor, 2014.

15. Festwoche im Kirchspiel Diedrichshagen 29.08. - 06.09.2009

Sonnabend - 29. August 10.00 Uhr Eröffnung: Fußballturnier in Sievershagen 19.30 Uhr Gospel-Konzert mit Gospel Schröder in der Kirche

<img class="size-medium wp-image-1249 alignright" src="http://tragolat.bplaced.net/wp-content/uploads/2023/03/trecker1-284x300.jpg" alt="" width="284" height="300" />

Sonntag - 30. August 10.00 Uhr Festgottesdienst und Kirchgemeindefest mit Landesbischof Dr. A.v.Maltzahn

Dienstag - 1. September 19.00 Uhr   „Diedrichshäger Klimbim plattdt. Theater in „Elkes Landhaus“ in Rüting

Mittwoch - 2. September 16.00 Uhr   Romme- und Skatturnier in „Elkes Landhaus“

Donnerstag - 3. September 16.00 Uhr Kleines „ Kinderfest“   auf dem Festplatz

Freitag - 4. September 14.30 Uhr Seniorennachmittag 19.30 Uhr Konzert mit dem „Grevesmühlener Liederkreis“ 21.00 Uhr DISCO im Zelt mit R. Grote

Sonnabend - 5 . September - „ERNTEFEST“ 12.30 Uhr Festumzug ab Hanshagen mit den „Warnowern“ 14.00 Uhr Festprogramm in Diedrichshagen mit Angebote für Groß u. Klein: Tombola, Line Dance usw. 15.15 Uhr Ankunft d. Festumzuges „Blasorchester Theodor Körner“ 20.00 Uhr Tanz bis in den Sonntagmorgen mit „Spätlese“

Sonntag - 6. September 9.30 Uhr Plattdeutscher Gottesdienst 10.30 Uhr Musikalischer Frühschoppen mit Spaß und Spiel ..... open end

Veranstalter : Verein zur Traditionspflege im Kirchspiel Diedrichshagen     Diedrichshagen/WB/sm.

Festspielwoche im Kirchspiel Diedrichshagen war ein voller Erfolg

Am Sonnabend, 2. September, setzte sich pünktlich um 12.30 Uhr die Kolonne zum diesjährigen Festumzug des Diedrichshagener Erntefestes in Gang.

Das es sich dabei aber nicht um eine Einzelaktion handelte, zeigte auch die Teilnahme der Bürgerinnen und Bürger in den umliegenden Gemeinden. Überall standen sie an ihren Gartenzäunen und boten den Vorüberziehenden einen kleinen Schluck auf den Weg an.

[caption id="attachment_1389" align="aligncenter" width="300"]<a href="http://tragolat.bplaced.net/wp-content/uploads/2023/03/Opa_514499.jpg"><img class="wp-image-1389 size-medium" src="http://tragolat.bplaced.net/wp-content/uploads/2023/03/Opa_514499-300x173.jpg" alt="Klaus Hinze, Jochen Freitag und Theo Freitag, 1940." width="300" height="173" /></a> Klaus Hinze, Jochen Freitag und Theo Freitag, 1940.[/caption]

[caption id="attachment_1391" align="aligncenter" width="300"]<a href="http://tragolat.bplaced.net/wp-content/uploads/2023/03/2002_13612.jpg"><img class="wp-image-1391 size-medium" src="http://tragolat.bplaced.net/wp-content/uploads/2023/03/2002_13612-300x187.jpg" alt="Klaus Hinze, Jochen Freitag und Theo Freitag, 2000." width="300" height="187" /></a> Klaus Hinze, Jochen Freitag und Theo Freitag, 2000.[/caption]

Sonnabendnachmittag gegen 16 Uhr wurde dann in Diedrichshagen die Erntekrone gehisst und die Musikschule Fröhlich spielte zum Tanz auf.

Wie auf solchen Dorf- und Erntefesten üblich, wurde vom Tanzangebot auch rege Gebrauch gemacht und mancher, der sonst eher zu- rückhaltenden Herren, zeigte, dass man auch im fortgeschrittenen Alter noch ‘ne flotte Sohle auf’s Parkett legen kann. Abends ging es dann aber richtig los. Mit Livemusik vom Feinsten ging's bis in den frühen Morgen.

Zwar gab es auch wieder einige Herrschaften, die wegen eines erhöhten Alkoholkonsums zwischenzeitlich pausieren mussten, aber alles hielt sich doch in seinen Grenzen.

Am nächsten Tag ging es dann mit einem zünftigen Sonntagsfrühschoppen mit Blasmusik weiter,

Natürlich war an beiden Tagen auch die alte Dorfkirche zur Besichtigung geöffnet. Beson- deres Bonbon: dort hatte Inka Grote eine kleine Galerie aufgestellt, deren Exponate dort aber nicht gekauft werden konnten. Gegen eine Bestellung hatte die Galeristin jedoch nichts einzuwenden.

Die Bilder können aber im Ostseebad Boltenhagen besichtigt und gekauft werden, Landschaftsbilder, Stillleben und Blumenmalereien dominieren die Malereien von Inka Grote.

Eine Besucherin, die das erste Mal am Diedrichshagener Erntefest teilnahm, sagte unserer Zeitung: "Ich bin ganz be geistert. SO etwas habe ich hier wirklich zum ersten Mal erlebt, Die Menschen, waren sehr freundlich und aufgeschlossen, es war eine tolle Stimmung und auch unsere Tochter war mit ganzem Herzen dabei. Wenn wir im nächsten Jahr Zeit haben, werden wir bestimmt wieder hierher kommen."

Auf jeden Fall haben die Organisatoren des diesjährigen Diedrichshagener Erntefestes wieder ganze Arbeit geleistet.

Verantwortung ...

Dorfwettbewerb mit 31 Teilnehmern

Hinter der 12köpfigen Jury des Wettbewerbs „Unser Dorf soll schöner   werden - unser Dorf hat Zukunft“ liegt eine 10tägige Kreisrundreise.

Erfreulicherweise hatten sich 31 Gemeinden aus Nordwestmecklenburg am 4. Landeswettbewerb, dessen erste Stufe die Ermittlung des Kreissiegers ist, beteiligt.

Im Vergleich: Vor drei Jahren waren es lediglich sechs Gemeinden. So ging es diesmal von Nord (z. B. Damshagen) nach Süd (z. B. Pokrent) und von West (z. B. Utecht) nach Ost (z. B.Steinhausen).

Vielen Dank insbesondere an die ehrenamtlichen Mitglieder der Jury von der Interessengemeinschaft „Bauernhaus“ und Christoph Gondesen vom Landschaftsplanungsbüro Trüper, Gondesen & Partner.

Während eines Dorfwettbewerbs sind alle Initiativen zu betrachten   | ner Form zur Entwicklung und   wicklung, die Grünflächengestal- der Erhalt des unverwechselbaren   „Alle, die teilgenommen haben, haben gewonnen, denn so ein   man steht, sondern löst vielfältige Initiativen aus“, sagte Landrat Dr. Udo Drefahl vor der Preisverleihung.

Diese wurde von den anwesenden Bürgermeistern voller Spannung erwartet, denn das genaue Ergebnis kannte im Vorfeld nur die Jury. Umso erfreuter und überraschter zeigten sich die Sieger und Platzierten.

Alt Meteln erreichte nach dem zweiten Platz 1997 diesmal den Sieg, gefolgt von Lübow sowie Gottesgabe und Vietlübbe (Ortsteil von Dragun), die sich den 3, Platz teilten.

Ein großes Dankeschön an die Sparkasse Mecklenburg-Nordwest, die Raiffeisenbank, die Firmen „Palmbergmöbel“, „HANSANO“, „Jolitz“ und Agro- & Landschafts- pflegeservice GmbH Beidendorf, welche die Preise zur Verfügung estellt haben.

Den Ehrenpreis des Landrates im Wertungsbereich „Soziales_und kulturelles Leben“ erhielt die Gemeinde Rüting für ihr besonderes Engagement auf diesem Gebiet. Ein Traditionsverein fühlt sich hier verantwortlich für die Gestaltung einer alljährlichen Festwoche im Kirchspiel Diedrichshagen mit vielen Aktivitäten und großem Umzug am letzten Augustwochenende.

Auffallend um diese Zeit sind die einfallsreich gestaltetetn, mannshohen Strohpuppen auf vielen Grundstücken.Überaus gut angekommen ist auch die Initiative von Martin Steffen im Ortsteil Diedrichshagen, Er hat nämlich den guten alten Milchbock wieder aufgestellt. Dieser kommt als Treffpunkt prächtig an und es fand sogar schon das erste Milchbockfest statt.

Aus Nordwestblick, 12/2000.

De Diedrichshäger Laienspälers

2003 - im Ergebnis einer übermütigen Bierrunde - erfasste uns der Spieltrieb.

Leichtfertig hatte ich mich verpflichtet, ein Theaterstück zu schreiben, nicht ahnend, dass die Runde tatsächlich zu ihrem Wort stehen würde ... Auf Steffens Diele begannen die Proben.

Wir - Erwin Bollow, Hans Oldenburg, Margarete und Martin Steffen, der Autor aus „Uns Sprüttenhus“ - versuchten uns mit „Dörpgeschichten“ - ein Schwank mit Gesang. Damit wir nicht so oft hängen blieben, wurde Hedda Oldenburg unsere sensible Souffleuse.

Öffentlich wollten wir uns nicht blamieren, darum gab es eine Privatvorstellung zum 60. Geburtstag von Hans. Der Erfolg verführte uns und wir eroberten die Bretter von „Elkes Landhaus“.

Das Theaterspektakel fand so viel Anklang bei Jung und Alt, dass ich einen Dreiakter „Nicks as Arger“ für neun Personen zusammendichtete und Ina Werner, Klaus Rater, Nils Oldenburg und Elli Pohlmann das Team verstärkten. Vom Erfolg getrieben, spielten wir in den folgenden Jahren in wechselnder Besetzung:

  • 2008 De Samenräuber vom Zägenbarg
  • 2009 Diedrichshäager Klimbim I
  • 2010 Reuter-Abend
  • 2011 Lütt bäten Hoeg un Brüderie
  • 2012 De Bseäuk
  • 2013 Klimbim II
  • 2014 Tratsch im Dörp

Die Aufzählung wäre unvollständig ohne das Lampenfieber, den Aufwand, die technischen und Organisationsprobleme, Dinge, die wir nur gemeinsam vor und hinter der Bühne lösen müssen.

Allen gebührt Dank und Anerkennung!

Wenn mir die Tinte nicht eintrocknet ...

Auszug nach Edgar Hoth (2014)

Laienspälers zeigen "Nicks as Arger"

Rüting. Mit ihrem ersten Stück, dem plattdeutschen Schwank „Nicks as Arger", kamen die Laienspälers ut Diedrichshagen beim Publikum riesig an. Aufgrund der großen Nachfrage wird der Schwank von Edgar Hoth noch einmal aufgefühlt Er ist am kommenden Mittwoch, dem 12. Juli, um 19 Uhr in „Elkes Landhaus" in Rüting zu sehen. Weü zur Premiere am 21. Mai die 150 Plätze nicht ausreichten, bitten die Veranstalter diesmal um Reservierung -entweder persönlich in der Gaststätte oder unter » 03 88 22/34 41. Der Eintritt zur Vorstellung ist frei.

<a href="http://tragolat.bplaced.net/wp-content/uploads/2023/03/reuterspiele1.jpg"><img class="aligncenter wp-image-1197 size-medium" src="http://tragolat.bplaced.net/wp-content/uploads/2023/03/reuterspiele1-300x281.jpg" alt="" width="300" height="281" /></a>

De Laienspälers wünschen den Taukiekers väl Pläsier. Amüsante Episoden, Gescheihnisse in ehr Dörp und plattdütsch Gesang und Verse wesseln in denn Dreiakter üramer harmonisch miteinanner af. De Laienspälers hebben dat Stück mit väl Geschick vortragen.

Übrigens: Weil sie und das Publi kum soviel Spaß hatten, schreibt Edgar Hoth bereits an einem neuen Stück. Die Proben beginnen im Januar.

Bis dahin müssen sich alle Liebhaber des Niederdeutschen gedulden, welche Dorf- und Familiengeschichte der Autor dann erzählt.

Quelle: Vermutlich Ostsee Zeitung.

Das Dorflied

Erwin: Im Dorf gibt's ne Zeitung, die ist immer neu. Der Willi weiß alles, er hat keine Scheu.

Martin: Der eine baut' ne Mühle, der Nachbar gratuliert. Da freu'n sich die Dörfler, dass es so schön harmoniert.

Hans: Doch es dauert nicht lange, nach einiger Zeit liegen Müller und Nachbar ständig im Streit.

Margarete: Der eine will Gras mäh'n , fährt den Trecker in'n Bach. Da freu 'n sich die Dörfler über soviel Marach.

Edgar: Die Kirche im Dorfe, die ist doch schön groß. Wenn der Pastor drin predigt, dann ist hier was los.

Martin: Der Erwin sitzt im Keller, trinkt laufend sein Bier. Doch heut spielt er Theater und sang nun mal hier.

Hans: Wenn de Festwoch tau end is, den is't wedder sowiet, denn singt unser Erwin dat Meckelborger Lied.

Erwin: So geht es im Dorfe mal rauf und mal runter. Die einen, die schlafen, die anderen sind munter.

Margarete: Uns hett dat väl Spoß makt, nu nähmt uns nix krumm, de klatschen meint dat gaud und de annnem sünd dumm.

Alle: Nu sünd wi hier lustig alle tausammen. Und hett juch das Spoß makt, kann't wieder mal gähn.

Alle: Ihr habt schön geklatscht, ihr habt mit gesungen, es hat wohl gefallen, den Alten und Jungen.

Alle: Die Vorstellung ist zu Ende, wie bleiben noch hier. Wir trinken dann ein Schnäpschen und auch ein Glas Bier.

Alle: Wenn wir morgen früh aufsteh'n und der Kopf tut uns weh, reiß dich zusammen, sagt die Frau, und nun geh: zum Frühschoppen!

Refrain: Ist das denn möglich, ist das denn wahr, das ist ja wirklich so wunderbar.

Aus „Dörpgeschichten“, Juni 2010.

Rütinger Flaschenpost

Mast ma s Licht aus

Im Ortskem von Diedrichshagen befinden sich noch die unansehnlichen Freileitungen unseres Stromversorgers. Die Krone des ganzen Desasters ist ein Mast, der mitten im Bürgersteig steht. Spuren von Zahnschlag sind zwar noch nicht zu entdecken, doch steht dieses Ding dort ganz einfach dumm.

Die Beantwortung der Frage, was denn nun wohl erst da war, der Mast oder der Bürgersteig, macht die Sachlage auch nicht schöner. In Schildberg und Rüing wurde in den vergangenen Jahren eine Erdverkabelung durchgeführt, welches in Diedrichshagen nun auch sehnlich erwartet wird. Eine frohe Kunde: In diesem Jahr noch, wird der Stromversorger in Teilbereichen eine Erdverkabelung durchführen, so dass die unansehnlichen Freileitungen entbehrlich werden. Wer jedoch meint, der Stromversorger beginnt im Ortskern, der irrt. Mit den Arbeiten wird am Umspannhäuschen am „Haubenweg“ begonnen, und in den Bereichen „Sievershäger Weg“ und „Am Hühnerbusch“ durchgeführt.

Egal, der Anfang ist gemacht, oder besser, wird gemacht sein werden.

Aus dem Internetz gefischt - Eine Generationengeschichte

Wenn du nach 1978 geboren wurdest, hat das hier nichts mit dir zu tun ...   Kinder von heute werden in Watte gepackt ...

Wenn du als Kind in den 50er, 60er oder 70er Jahren lebtest, ist es zurückblickend kaum zu glauben, dass du so lange überleben konntest! Wir saßen in Autos ohne Sicherheitsgurte und ohne Airbags. Unsere Bettchen waren angemalt in strahlenden Farben voller Blei und Cadmium. Die Fläschchen aus der Apotheke konnten wir ohne Schwierigkeiten öffnen, genauso wie die Flasche mit Bleichmittel.

Türen und Schränke waren eine ständige Bedrohung für unsere Fingerchen. Auf dem Fahrrad trugen wir nie einen Helm. Wir tranken Wasser aus Wasserhähnen und nicht aus Flaschen. Wir bauten Wagen aus Seifenkisten und entdeckten während der ersten Fahrt den Hang hinunter, dass wir die Bremsen vergessen hatten. Damit kamen wir nach einigen Unfällen klar.

Wir verließen morgens das Haus zum Spielen. Wir blieben den ganzen Tag weg und mussten erst zu Hause sein, wenn die Straßenlaternen angingen. Niemand wusste, wo wir waren, und wir hatten nicht mal ein Handy dabei!

Wir haben uns geschnitten, brachen Knochen. Und keiner fragte nach "Aufsichtspfliicht”.

Kannst du dich noch an Unfälle erinnern? Wir kämpften und schlugen einander manchmal grün und blau. Damit mussten wir leben, denn es interessierte die Erwachsenen nicht.

[caption id="attachment_1410" align="aligncenter" width="300"]<a href="http://tragolat.bplaced.net/wp-content/uploads/2023/03/gallery13.png.jpg"><img class="wp-image-1410 size-medium" src="http://tragolat.bplaced.net/wp-content/uploads/2023/03/gallery13.png-300x144.jpg" alt="Fünf Freunde müsst ihr sein: Erwin Bollow, Harald Hinze, Hans Oldenburg, Dieter Unverzagt, ?." width="300" height="144" /></a> Fünf Freunde müsst ihr sein: Erwin Bollow, Harald Hinze, Hans Oldenburg, Dieter Unverzagt, ???, 1953.[/caption]

Wir aßen Kekse, Brot mit dick Butter, tranken sehr viel Limo und wurden trotzdem nicht zu dick. Wir tranken mit unseren Freunden aus einer Flasche. Computer, Internet-Chat-Rooms.

Wir hatten Freunde, marschierten einfach zu deren Heim und klingelten. Manchmal brauchten wir gar nicht klingeln und gingen einfach hinein. Ohne Termin und ohne Wissen unserer Eltern. Keiner brachte uns und keiner holte uns ... Wie war das nur möglich?

Wir dachten uns Spiele aus mit Holzstöcken und Tennisbällen. Außerdem aßen wir Würmer. Und die Prophezeiungen trafen nicht ein: Die Würmer lebten nicht in unseren Mägen für immer weiter, und mit den Stöcken stachen wir nicht besonders viele Augen aus.

Beim Straßenfußball durfte nur mitmachen, wer gut war. Wer nicht gut war, musste lernen, mit Enttäuschungen klarzukommen.

<a href="http://tragolat.bplaced.net/wp-content/uploads/2023/03/ball.jpg"><img class="aligncenter wp-image-1064 size-medium" src="http://tragolat.bplaced.net/wp-content/uploads/2023/03/ball-300x113.jpg" alt="" width="300" height="113" /></a>

Manche Schüler waren nicht so schlau wie andere. Sie rasselten durch Prüfungen und wiederholten Klassen. Das führte nicht zu emotionalen Elternabenden oder gar zur Änderung der Leistungsbewertung.

Unsere Taten hatten manchmal Konsequenzen. Und keiner konnte sich verstecken. Wenn einer von uns gegen das Gesetz verstoßen hat, war klar, dass die Eltern ihn nicht aus dem Schlamassel heraushauen. Im Gegenteil: Sie waren der gleichen Meinung wie die Polizei! So etwas!

Unsere Generation hat eine Fülle von innovativen Problemlösern und Erfindern mit Risikobereitschaft hervorgebracht. Wir hatten Freiheit, Misserfolg, Erfolg und Verantwortung. Mit alldem wussten wir umzugehen. Und du gehörst auch dazu.

Herzlichen Glückwunsch!

Die „Rütinger Flaschenpost“ erscheint monatlich, und wird per Email verschickt. Themenvorschläge, Gastbeiträge, Bestellungen oder Anregungen per Email, Fax oder Telefon an XXXX.

Fragen, die keiner gestellt hat

  • Was macht das Leben im Dorf auf Dauer lebenswert?
  • Was wird aus einem Kirchdorf ohne Pastor?
  • Was passiert mit alten Einwohnern, die mit ihren Häusern allein bleiben?
  • Fragen, die mich nicht zu interessieren haben?
  • Was können, werden, müssen wir ändern, wenn wir hier mal alt werden wollen?
  • Wer schreibt die Dorfgeschichten weiter?

Viel Glück!

Karin Koltermann (2014)

Quellensammlung

Friedrich Georg Heinrich Christian Walter: Unterricht in der Bienenzucht in Frage und Antwort

Großherzoglich-Mecklenburg-Schwerinscher Staats-Kalender: 1834

Friedrich Schlie: Die Kunst- und Geschichts-Denkmäler des Grossherzogthums Mecklenburg-Schwerin

Heimathefte für Mecklenburg Vorpommern

Gerhard Hinze: Chronik des Dorfes Diedrichshagen ab 1230 - 1979

Jahrbücher des Vereins für Mecklenburgische Geschichte und Altertumskunde (Mecklenburgische Jahrbücher) 1836-1940 auf dem Dokumentenserver der Landesbibliothek Mecklenburg-Vorpommern