Dargun

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Kenndaten des Orts
Name (heute)Dargun
Regionale Einordnung (heute)
Postleitzahl17159
Verwaltungsamtunbekannt
LandkreisKreis Mecklenburgische Seenplatte
Zahlen
Einwohner4436 (Stand 2015)
KoordinatenBreite: 53.9008741 / Länge: 12.8571946


Das Städtchen Dargun liegt rund 60 Kilometer östlich der Hansestadt Rostock an der Bundesstraße 110, unweit eines einstigen mittelalterlichen Überganges der Via Regia (Königsstraße)

Wappen von Dargun nach Teske

Geographische Lage

Wappenbeschreibung

Das Wappen ist geteilt, oben gespalten, vorn in Gold ein gekrönter schwarzer Stierkopf, hinten in Silber ein roter Greif, unten in Blau ein quer gelegter, die Krümmung nach rechts und abwärts kehrender goldener Bischofsstab. Hier stand die alte Zisterzienserabtei Dargun, die 1552 aufgehoben und in ein herzogliches Schloß verwandelt wurde. Der dabei erwachsene Ort erhielt 1875 vom Großherzog obiges Wappen verliehen, wobei der Greif an die ehemalige Zugehörigkeit zu Pommern und der Krummstab an das Kloster erinnern soll.

Einführende Information

Nachstehender Auszug legt den Status der Stadt Dargun im Jahre 1893 dar:

Auszug aus "Mecklenburgische Vaterlandskunde von Wilhelm Raabe Ausgabe Gustav Quade" 1894 (S.590-595):

"Dargun, Poststation, Flecken, Sitz des Amts und eines Amtsgerichts (der Amtsrichter hieselbst verwaltet commissarisch die richterlichen Geschäfte für das benachbarte Neukalen). Es befinden sich ferner hier eine Ackerbauschule , der Forstinspectionsbeamte un´d ein Förster (zur Inspection ist auch die aufgehobene Inspection Ritzerow - Amt Stavenhagen gelegt), weiter sind hier 2 Aerzte, 1 Apotheker, 9 Erbpächter, 168 Büdner (6 Gastwirthe, 4 Schenkwirthe, 1 Fischer, 2 Kalkbrenner, 3 Schmiede, 1 Brauer), 2 Wassermühlen (verpachtet an einen Großherzogl. Pächter), 2 Schmiede, 1 Gastwirth, 1 Dampfmolkerei. Der Ort hält zwei Jahrmärkte ab. Er hat Chausseeverbindung mit Neukalen (19 km), mit Gnoien (12km) und mit Demmin im Preußischen (12 km). Die Einwohnerzahl beträgt 1890 2186 und 1855 2224. Dargun bestand früher aus drei Theilen, nämlich aus dem Schloß mit seinen Umgebungen und mit der Schloß- oder Klosterkirche, welche zusammen das ursprüngliche, eigentliche Dargun bildeten, ferner aus der Neubaute, einer Erweiterung der Röcknitz und früher auch nur Neu-Röcknitz, oder Röcknitzer Neubauten genannt und aus dem Dorfe Röcknitz. Diese drei Theile, die früher als Dargun und Röcknitz mit den Neubauten bezeichnet wurde, erhielten seit 1854 in allen amtlichen Beziehungen nur den einen Namen "Flecken Dargun". Am 16.April 1875 erhielt dieser Flecken eine eigene Gemeindeordnung. Danach werden die Gemeinde-Angelegenheiten selbständig durch den Gemeinde-Vorstand (1 Obervorsteher, 2 Ortsvorsteher) und die Gemeindeversammlung verwaltet. Letztere besteht aus dem Gemeinde-Vorstand und 8 Gemeinde-Vertretern, welche von sämmtlichen Gemeindeberechtigten in vier Classen gewählt werden. Es giebt wenige Orte Mecklenburgs in so idyllisch-schöner Lage wie Dargun. Dasselbe wird daher gern als Sommerfrische von Großstädtern, namentlich Berlinern, aufgesucht. durch einen sich lang hinziehenden See von waldbekränzten Anhöhen getrennt, liegt es unter dem Schutze derselben in traulicher Abgeschlossenheit von der Außenwelt. die das eine Seeufer schmückende hochgelegene Buchenwaldung wird jetzt "Thiergarten" benannt. Sie beherbergt viele Rehe und acht einen Theil der großen Darguner Forst aus, von derselben, die am Saume verschiedene Ruheplätze aufweist, erfreut man sich herrlicher Aussichten auf den tief im Grunde liegenden See und auf Dargun selbst. In baulicher Beziehung hat Dargun sich eine gewißen ländlichen Charakter bewahrt, nur an einer Stelle erinnern mächtige Monumentalbauten daran, daß Dargun dereinst ein bevorzugter geistlicher und Fürstensitz gewsen. Wenn das auch längst nicht mehr der Fall, so überragt der Flecken doch eine ganze Reihe mecklenburgischer Städte hinsichtlich des Verkehrs und durch sonstige lokale Vorzüge. am südöstlichen Ende des Ortes liegt das Schloß, welches den Beschauer lebhaft in das 17. Jahrhundert versetzt, in dem hintern Theile aber das Klostergebäude noch ziemlich unverändert zeigt und ein großes dreistöckiges Viereck bildet, das an drei Ecken mit einem runden Thurm versehen ist und in dessen innerem Hofe offene Säulenhallen ringsumher laufen. Der Thurm der hinteren Seite, die nur einen solchen Thurm hat, da die andere Ecke dieser Seite von der Kirche eingenommen wird, erinnert lebhaft an den Thurm des alten Schlosses zu Neustadt . Obgleich nun das Schloß, wenigstens in seinem Vorderflügel und in der innereen Facade der beiden Seitenflügel ein gleichmäßiges Aeußere hat, so ist es doch nicht in allen Theilen zu gleicher Zeit entstanden, der größte Theil besteht noch aus dem alten Klostergebäude, nämlich dem Flügel nach Osten, das sogenannte Alte Haus und außer der Kirche nach der dieser gegenüber liegende nördliche Flügel nach 1616 wurde das alte Gebäude durch Vormauerung an der Westfronte und Durchbau des Ganzen zum Schlosse eingerichtet und diente nunmehr - das Kloster ward 1552 säcularisiert - als Jagdschlosß und Nebenresidenz. In seiner jetzigen, mehr einheitlichen Gestalt wurde das Schloß unter Herzog Gustav Adolf (gest. 1695)vollendet, der durch seine Bauten auch bewirkte, daß Dargun, namentlich von Handwerkeren, stärker bevölkert ward. Die erste Umgestaltung der Klostergebäud geschah durch Herzog Ulrich (gest. 1603), der sich hier häufig der Jagd wegen aufhielt, und auch zu Wirtschaftsbedürfnissen das früher das früher zum Betriebe der Brauerei und Brennerei, jetzt den Zwecken der hiesigen Genossenschafts-Dampfmolkerei dienende, links von dem Schlossestehende Gebäude aufführte, welches auch sein und seiner Gemahlin Wappen und die Jahreszahl 1585 trägt. Der sogenannte Redoutensaal im nördlichen Flügel, der die ganze zweite und dritte Etage einnimmt, hat eine Länge von 46 m und zeigt noch Spuren älterer Gipsarbeit. Als mit Herzog Gustav Adolf die Linie Mecklenburg-Güstrow ausgestorben war, residirte später seine ihn über ein halbes Jahrhundert überlebende Tochter Auguste, gewöhnlich die Prinzessin von Dargun genannt, von 1719 bis zu ihrem 1756 erfolgten Tode in dem Schlosse zu Dargun und gab demselben durch den sogenannten Darguner Bußkampf eine Art Berühmtheit, indem sie von auswärts mehrere der pietistischen Schule angehörige Prediger in das Amt berief, die in einen heftigen Kampf mit den der orthodoxen Richtung angehörigen übrigen Geistlichen, so wie mit der theologischen Facultät und dem Consistorium zu Rostock gerieten. Der Austrag des Streites an den Reichshofrath wurde durch die Vermittelung der Könige von Preußen und Dänemark abgewendet, welche eine Art Vegleich zu Sgtande brachten. Nach dem Tode der Prinzessin war das Schloß nur Sitz des Domanialamtes und einiger Beamten, hatte aber noch einige reservirte fürstliche Zimmer. Beachtenswerth sind außer dem schon erwähnten Redoutensaal das Audienzzimmer und andere Räume mit Stuck-Plafonds und Wanddekorationen ein Relief in italienischer Renaissance und großer Schönheit. Während der letzten Belagerung Stralsunds durch die Franzosen diente das Schloß diesen als Lazareth. Jetzt dient das Schloß für die Ackerbauschule mit Wohnung für den Director und mehrere Lehrer, ferner für Beamte (Förster) und Private. Die Schloß- oder Klosterkirche, zum Theil mit in dem Viereck des Schlosses enthalten, und nur mit dem Chor und dem südlichen Theil des Kreuzes gant frei außerhalb des Vierecks stehend, zeigt einen schlanken, im Spitzbogenstil aufgeführten Bau mit der Grundform des Kreuzes. Die älteren Theile sind romanisch von 1225, die neueren gothisch 1464 bis 1479 erbaut mit 22 m hohen Kreuzgewölben. Der westliche (romanische) Theil der Kirche, die sog. katholische Kirche, diente lange zur Aufbewahrung von Baumaterialien, wurde aber 1850 wieder zur Kirche gezogen. An Alterthümern sind viele Grabsteine, namentlich der alten Aebte und mehrere der Flotow´schen, Maltzahn´schen und Hahn´schen Familie vorhanden. Das Innere wurde unter Beseitigung der Kalktünche 1864/65 neu mit Farben stilgemäß decorirt. Ein neuer Altar ward errichtet, das Altarbild stammt von Lange in München. Kanzel und Verschlußwand am Altarraum wurden gothisch von Eichenholz ausgeführt. Einen sehr schönen Eindruck macht der Orgelprospect aus dem 17. Jahrhundert im Renaissancestil. Vom Schlosse führt nun eine herrliche Allee am See entlang auf dem Klosterdamm zu der Neubaute, welcher Theil von dem jetzigen Dargun wesentlich zuerst im Anfange des 17. Jahrhunderts entstand. Von der Neubaute ist nur eine kurze Strecke dicht bebaut, während im Allgemeinen die in größerer oder geringer Entfernung von einander stehenden Häuser ihre großen Gärten neben sich haben. Die Büdnerei Nr.47, ein älteres, massives, zum Theil von Granitquadern errichtetes Gebäude, ursprünglich das "Schweinehaus" genannt, war zur Aufbewahrung des Zeuges für die Saujagden bestimmt und wurde 1631 dem Jobst von der Wallen von dem Herzoge nebst einem Privilegium zum Wollhandel im ganzen Lande verliehe. Jetzt ist in dem Gebäude ein Kaufmannsgeschäft. In der Nähe dieses alten Gebäudes fast in der Mitte des Fleckens, liegt der Marktplatz, an welchem in den Jahren 1855 und 1856 ein ansehnliches Schulhaus für die große Schule erbaut ward. Die Röcknitzer oder Pfarrkirche und Küsterei liegen unfern des westlichen Endes des Ortes. Das Schiff der Kirche hat eine balkendecke, der Chor - romanisch - ist gewölbt. Außer dem bei dieser Kirche befindlichen Friedhofe ist noch ein neuer Begräbnisplatz vor Dargun angelegt. Zur besonderen Zierde gereicht dem Ort, wie schon erwähnt, der See, Klostersee genannt. Er ist künstlich und wahrscheinlich im 14. Jahrhundert dadurch geschaffen, daß der Klostedamm aufgeworfen und dadurch die beiden Bäche Ruhenic und Röknitz, welche ihre Fortsetzung in den jetzigen Mühlbach hatten, aufgestaut wurden. Der See ist durch den Mühlbach mit der Peene und durch diese bei der Aalbude mit dem Kummerower See verbunden. die untere Hälfte das Mühlbachs ist in einen mit Hafen vesehenen Canal verlegt und findet ein nicht unbeträchtlicher Schiffsverkehr über die Peene usw. statt. Dem Flecken Dargun ist zu seinem Siegel ein Bild verliehen, das im oberen einen waagerecht liegenden Abtstab darstell. Geschichtliches Dargun im Lande Circipanien war mit einem Theile dieses letzteren in der Verwirrung während der Bekehrungskriege an den pommerschen Fürsten gekommne und der Bischof von Kamin betrachtete auch noch nachher, als es bereits wieder den obodritischen Fürsten gehörte, das Land als zu seinem Sprengel gehörig, da es nach seiner Ansicht ein ursprünglicher Theil von Pommern war. Zu Dargun odeer Dargon, einer alten wendischen Burg, deren Burgplatz am Ende des Thiergartens, jenseits des Sees lag (wo sich noch mehrfache Umwallungen findenund deren inneren Burgplatz jetzt der Judenkirchhof einnimmt), herrschte zuletzt der edle Wende Miregrav oder Mirognew, was so viel heißt als wie Sanftgroll. Dieser schenkte dem Kloster, welches schon im Jahre 1172 zu Dargun unter dem Fürsten Kasimir von Pommern durch den Bischof Berno von Schwerin als Citercienser-Mönchskloster gegründet wurde, die Feldmark des Orstes nebst einem umfänglichen Gebiete. Die Darguner Mönche kamen aus dem Kloster Esrom auf Seeland. Als Fürst Kasimir von Pommern 1182 in einer Schlacht gefallen wurde das KLoster Dargun zerstört und blieb eine "Räuber- und Wildhöhle"; erst 1209 konnte der Bischof Sigwin von Kamin das Kloster wiederherstellen, worauf es dann durch Mönche aus dem Kloster Doberan wider besetzt wurde. Aalbude bei Verchen, am Ausfluss der Peene aus dem Kummerower See, auf einer durch die beiden Arme der Peene gebildeten Insel, hat einen Aalfang, der früher zum Kloster gehörte. Das Kloster erhielt ihn seiner Zeit durch zwei verschiedene Schenkungen und ward ihm schon damals ein hoher Werth beigelegt. 1837 sollen für 6000 Thlr. Aale nach Berlin geschickt sein. In Aalbude wohnt 1 Fischer (Schenkwirth) mit Pachtfischerei. 1890 13 und 1855 6 Einwohner Zu Aalbude gehört die Fischerei auf dem nördlichen Theil des mecklenburgischen Kummerower Sees (Preußen bestreitet übrigens die mecklenburgische Landeshoheit zum Theil). Der Aalfang an der Peene wird jetzt immer nur auf 12 Jahre wechselweise von Mecklenburg und Preußen für gemeinschaftliche Rechnung verpachtet."

Bildergalerie zum Kloster/Schloss

Chroniken von Dargun

Anmerkung: In der folgenden Liste werden bekannt gewordene chronistische Arbeiten gelistet. In blauer Schrift erscheinen Arbeiten die digital verfügbar sind. In roter Schrift gelistete Titel sind, meist aus urheberrechtlichen Gründen, noch nicht digitalisiert. Aber auch Chroniken die bekannt geworden sind, deren Verbleib aber bislang nicht bekannt ist, sind Bestandteil der Liste.

Weiterführende Information zu Dargun

Kontaktinformation

Über Anregungen und Hinweise zu den hier enthaltenen Chroniken, oder generell zur Ortsgeschichte Darguns bin ich dankbar. Wilfried Steinmüller Kontakt über E-Mail:

[ mailto:windfluechterMV@gmail.com ]