Ortschronik Zempin: Unterschied zwischen den Versionen

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(Kaiserreich (1871-1918))
(Seestraße und ihre Geschichte)
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'''1756''' Der Schneider Michael Hellert  unterrichtet die Zempiner Kinder im späteren Armenhaus - heute Dorfstraße 1. ''Siehe weiter:'' unter Schule.
 
'''1756''' Der Schneider Michael Hellert  unterrichtet die Zempiner Kinder im späteren Armenhaus - heute Dorfstraße 1. ''Siehe weiter:'' unter Schule.
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'''1820'''  große Heringsfänge in der Ostsee – Errichtung  der Salzhütten
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'''1850'''  Amtsrat Gadebusch beschreibt in der Chronik der Insel Usedom Zempin als Bauern- und Fischerdorf am Achterwasser (4 Bauern, 13 Büdner)
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'''1860'''  13 Boote treiben Fischfang, davon 5 auf dem Achterwasser
  
 
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Nach der Wende wurden die Betriebe in Privatbesitz übertragen. Je nach Stellung der Betriebe war dafür die Treuhand oder das Land zuständig.  Grund und Boden, der einst der Wehrmacht gehörte, wurde über das Bundesvermögensamt verkauft.
 
Nach der Wende wurden die Betriebe in Privatbesitz übertragen. Je nach Stellung der Betriebe war dafür die Treuhand oder das Land zuständig.  Grund und Boden, der einst der Wehrmacht gehörte, wurde über das Bundesvermögensamt verkauft.
  
So wurde aus dem Betriebsheim des VEB Wälzlagerwerke Fraureuth das HOTEL WIKINGER. Auf dem Gelände der Handwerkskammer des Bezirkes Gera wurde das „Haus am Ostseestrand“, das PFLEGEHEIM SEEBAD ZEMPIN GmbH, neu errichtet. Die Handwerkskammer wollte ein neues großes Haus erbauen, aber durch die Wendezeit blieb es unvollendet stehen. Erst nach 10 Jahren kam ein Weiterverkauf zustande. Da waren die Mauerwerke nicht mehr zu verwenden.
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So wurde aus dem Betriebsheim des VEB Wälzlagerwerke Fraureuth das '''HOTEL WIKINGER'''. Auf dem Gelände der Handwerkskammer des Bezirkes Gera wurde das „Haus am Ostseestrand“, das '''PFLEGEHEIM SEEBAD ZEMPIN GmbH,''' neu errichtet. Die Handwerkskammer wollte ein neues großes Haus erbauen, aber durch die Wendezeit blieb es unvollendet stehen. Erst nach 10 Jahren kam ein Weiterverkauf zustande. Da waren die Mauerwerke nicht mehr zu verwenden.
  
 
Das Ferienheim des VEB Zuckerfabrik „Fritz Reuter“ Anklam, Betriebsteil Zuckerfabrik Jarmen, wurde an die '''Steuerberaterin Anke NEBERT''' verkauft, die außer dem Bürogebäude  auch Ferienwohnungen im GÄSTEHAUS STÖRTEBEKER daraus entstehen ließ. Das Ferienheim des VEB Melioration Cottbus kaufte die Familie Diethard SCHMIDT aus Zempin und der Sohn führt heute den GASTHOF SEEADLER, Pension und Restaurant, weiter.
 
Das Ferienheim des VEB Zuckerfabrik „Fritz Reuter“ Anklam, Betriebsteil Zuckerfabrik Jarmen, wurde an die '''Steuerberaterin Anke NEBERT''' verkauft, die außer dem Bürogebäude  auch Ferienwohnungen im GÄSTEHAUS STÖRTEBEKER daraus entstehen ließ. Das Ferienheim des VEB Melioration Cottbus kaufte die Familie Diethard SCHMIDT aus Zempin und der Sohn führt heute den GASTHOF SEEADLER, Pension und Restaurant, weiter.

Version vom 9. November 2019, 10:12 Uhr

Ortschronik des Seebades ZEMPIN auf Usedom

Zusammenstellung: Hilde Stockmann

Um die Chronik übersichtlicher zu gliedern, existiert für jede Epoche ein eigener Artikel.

Reformation und Nachreformationszeit (1517 bis 1648)

1571 ZEMPIN - Ersterwähnung in der Lassaner Wasserordnung durch Greifenherzog Ernst Ludwig

Ersterwähnung Zempin

Die Form der Insel Usedom hat sich in vielen Jahrtausenden verändert und wird sich auch weiter durch die Einflüsse der Natur wandeln. Der Ort Zempin ist an einer Stelle der Insel Usedom entstanden, die zu der jüngsten Bodenbildung gehört.

Am heutigen „Lüttenort“ zwischen Koserow und Zempin war lange Zeit ein Durchbruch. Manchmal verstopfte die Natur durch „Zuwachsen“ diesen Ausfluss der Peene, später halfen die Menschen, diesen Durchgang zu verbauen. Der letzte Durchbruch erfolgte im Jahre 1913. Es ist bis heute eine „Schwachstelle“ geblieben.

Durch diese Überflutungen und Dünenbildung konnte sich auch keine kräftige Muttererde in dieser Gegend bilden und so siedelten sich erst sehr spät, im Verhältnis zu anderen Gebieten der Insel, auf diesem sandigen Boden die Menschen an. Sie lebten von wenigen Tieren, dem Ertrag des kargen Bodens und dem Fischfang. Ohne die Möglichkeit des Fischfanges hätten die Menschen an dieser Stelle nicht überleben können. So steht auch der erste Schriftzug „Zempin“ in Verbindung mit dem Fischfang.

Am 04. Juli 1571 wird vom Pommernherzog Ernst Ludwig eine Verordnung bekannt gegeben, welche Abgaben an den Hof, dem Schloss zu Wolgast, aus dem Fischfang des Achterwassers alle Anlieger zu bringen haben. Da das Achterwasser damals die Bezeichnung Lassansches Wasser hatte, wird diese Ordnung „Lassansche Wasserordnung“ genannt.

Herzog Ernst Ludwig lebte von 1545 bis 1592. Er ist der dritte Sohn von Philipp I. und regierte nach dem ersten Sohn, Johann Friedrich, in der Zeit von 1569 bis zu seinem Tode im Jahre 1592. Trotz der Anordnungen seines Vaters Philipp I. waren die Fischereiverhältnisse vielfach ungeklärt. Es gab lange Prozesse mit den Orten Krummin, Neeberg und Ziemitz. Erst Herzog Ernst Ludwig bestimmte mit dieser Ordnung welcher und wie viel Fisch, je nach Fangart, abzuliefern waren.

So wird z.B. festgelegt, dass vom Wintergarn (Eisfischerei) jeder dritte Fisch dem Landesfürsten zu geben ist. Außerdem gehört jeder Herrenfisch, das sind Stör, Lachs, Wels und Karpfen und der Vorfisch, das ist der beste Fisch nach den Herrenfischen, dem Fürsten. Der Kieper (Fischmeister) erhält den nächst besten Fisch. Er hat vorher alle Herrenfische und den Vorfisch herauszunehmen und dann ist erst das Drittel abzumessen.

Außerdem wird bestimmt, dass niemand, bevor nicht das Drittel abgegeben wurde, Fische gegen Geschenke wie Bier oder Brot wegzugeben hat. Bei Nichtbefolgen wird er bestraft! Es ist aber jedem Garnmeister freigestellt, seinem Nachbar, dessen Garn (Netz) nichts gefangen hat, sieben oder acht Fische zum Essen für seine Familie zu leihen.

In der Verordnung sind auch Schonzeiten für die Fische und bestimmte Fangarten festgelegt. So z.B. darf mit dem Sommergarn gefischt werden, sobald das Eis weg ist, aber nur bis Michaelis (29. September), damit es keinen Schaden gibt oder die Fische erschreckt werden. Jedoch soll niemand, außer die Lassanschen, während der Laichzeit fischen. Wer mit dem Sommergarn fischt, der soll dem Herzog in der Zeit von Lichtmess (2. Februar), oder sobald kein Eis mehr ist, bis Urbani (25. Mai) jeden dritten Fisch geben. Von Urbani bis Michaelis ist die Pacht von anderthalb Gulden von jedem Sommergarn zu entrichten. Aber immer ist der Stör, Lachs, Wels und Karpfen abzugeben.

Die Bleinetze sind nur von Lichtmess bis Gregori (23. April) zugelassen und der dritte Fisch ist der fürstlichen Küche zu entrichten. Mit dem Stroh- oder Spongarn darf nur von Lichtmess bis Michaelis gefischt werden, aber die Schonzeit über (von Gregori bis ungefähr Pfingsten) ist es verboten zu fischen. Außerdem dürfen Stroh- oder Spongarne nicht getrieben, sondern vor dem Anker allein aufgezogen werden.

Danach folgen Mengenangeben für die Anklamer, für die vom Gnitz, die Mellenthiner und Umgebung. Für jedes Garn ist ein Gulden zu entrichten, außerdem soll eine entsprechende Anzahl von fürstlichen Kähnen, die 20 Tonnen fassen, mit gemeinen Speisefischen gefüllt werden. Danach wird bestimmt, dass die Fischer von Lassan, Lieper Winkel, vom Lande Usedom und Pudagla, wenn sie denn mit dem Strohgarn fischen, und nur zur vorgeschriebenen Zeit, außer der Geldpacht, auch noch eine gewisse Anzahl von Kähnen voller Speisefische für die fürstliche Küche zu liefern haben. Die Ückeritzer, Loddiner, Koserower, Zempiner und Damerower sollen, außer der Geldpacht, zusammen zwei Kähne mit Speisefischen entrichten.

Danach werden die Zeiten und Abgaben für die Reusen festgelegt. Die vom Haff sollen für jedes Boot einen Gulden Pacht und ein Schock (60 Stück) Brassen (Bleie) und eine Tonne Plötze abgeben. Die anderen, wie z.B. Neppermin, Devichow, Ückeritz, Loddin, Koserow, Damerow, Zempin, Netzelkow usw. geben zur Geldpacht von jedem Boot noch eine Tonne Brassen.

Die Aalrepe oder Aaltowe gebraucht man von Lichtmeß bis Michaelis. Die Anklamschen, so sie Aal fischen, sollen ½ Gulden pro Jahr geben und von jeder Reise einen Achtenteil Aal abgeben. Die anderen Bauersleute sollen neben dem ½ Gulden von jeder Aalrep eine Tonne Aal pro Jahr geben. Driftnetze und Aalstechen werden gänzlich verboten! Wer ohne Brief und Erlaubnis fischt, wird bestraft! Damit auch niemand sich mit Unwissenheit entschuldigen möchte, wurde angeordnet, dass diese Ordnung jedes Quartal in den Kirchen von der Kanzel vorzulesen ist.

In dieser, in Greifswald im Vorpommerschen Landesarchiv liegenden Urkunde ist nachweislich das erste Mal der Ortsname ZEMPIN niedergeschrieben worden. Aus dem Inhalt der Verordnung erkennt man, dass die Bewohner von Zempin vom Fischfang und der Landwirtschaft lebten.

Hier sind nur die Abgaben für die Fischerei aufgeführt. Es gab aber auch noch Abgaben für Grund und Boden, welcher in Zempin herrschaftliches Eigentum war. Erst nach 1851 konnte in Zempin das gepachtete Land von den Bauern für die 18 ½ fache Pacht gekauft werden. Sie konnten auch eine kleine Fläche Wald kaufen, da sie früher immer die Schweine im Eichenwald gemästet hatten. Das Fischen in der Ostsee war früher für jeden frei von Abgaben, aber die Boote und Geräte waren zu dieser Zeit nicht entsprechend.

Noch heute wird in Zempiner Familien gesagt, wenn ein schöner großer Fisch auf den Tisch kommt: „ Heut´ gibt es Herrenfisch!“ Daraus kann man schlussfolgern, dass, trotz Anordnung und Vorlesen von der Kanzel, nicht jeder Herrenfisch in Wolgast landete.


1618 auf der Pommernkarte von E. Lubin mit Sempin bezeichnet

bis zur napoleonischen Zeit (bis 1813)

Unter Schwedens Herrschaft (1648 - 1720)

1693 Vermessung und Beschreibung des Ortes Zempin durch Schweden. -fünf Familien wohnen in Zempin. „Ohne die Fische des Achterwassers wäre es fast elendig mit ihnen bestellt“ schreiben die Schweden.

1668 Anna Reeßen geb. Maaken aus Zempin, die Resische genannt, wird in Mölschow als Hexe verbrannt. (Thema für den Roman vom Meinhold „Die Bernsteinhexe“)

bis zur Reichseinigung (bis 1871)

1756 Der Schneider Michael Hellert unterrichtet die Zempiner Kinder im späteren Armenhaus - heute Dorfstraße 1. Siehe weiter: unter Schule.

1820 große Heringsfänge in der Ostsee – Errichtung der Salzhütten

1850 Amtsrat Gadebusch beschreibt in der Chronik der Insel Usedom Zempin als Bauern- und Fischerdorf am Achterwasser (4 Bauern, 13 Büdner)

1860 13 Boote treiben Fischfang, davon 5 auf dem Achterwasser

Kaiserreich (1871-1918)

1872 am 12 – 13. November schwerste Sturmflut bis heute 1913 29. – 30. Dezember Sturmflut – bisher letzter Durchbruch der schmalsten Stelle zwischen Zempin und Koserow (1995, 2006, 2017 schwere Sturmfluten – großer Schaden)* Sturmfluten

1865 Waldhalle errichtet vom Kapitän Schohl als Restaurant und Café (heute Standort Waldhaus/ Waldstraße)

1900 am 6. Januar großer Fang mit dem Wintergarn im Achterwasser - als Dank schenkten die Fischer der Koserower Kirche einen Leuchter

1906 Gründung der Freiwilligen Feuerwehr Zempin

1908 Beitritt der Gemeinde Zempin zum Deutschen Bäderverband (1904 schon 617 Urlauber, 2019: über 50.000)

1911 am 1. Juni erhält Zempin Bahnanschluss

Weimarer Republik (1918-1933)

1930 Errichtung einer Seebrücke, während des Zweiten Weltkrieges zerfallen

Drittes Reich (1933-1945)

1939 Drei Anlagen zum Abschuss der V1 - Waffen entstehen zwischen Zempin und Zinnowitz. Bau der Flak-Unteroffiziersschule (heute Seestraße) Zu DDR Zeiten entstehen auf dem Gelände Beriebsferienheime (siehe Seestraße)

1944 Bomben fallen auf Zempin, Tote sind zu beklagen. Gedenkstein auf dem Friedhof für die Opfer des II. Weltkrieges und für die unbekannten Minenopfer an der schmalsten Stelle der Insel

SBZ und DDR (1945-1990)

1948 Gründung der Genossenschaft werktätiger Fischer (FWG) 1960 Gründung der Fischerei – Produktions – Genossenschaft (FPG) „Gold des Meeres“ besteht bis 1992.

1956 Entstehung des Campingplatzes

die heutige Zeit

1993 am 15. Mai wird die Partnerschaft mit der Gemeinde Klein Nordende / Kreis Pinneberg feierlich unterzeichnet

1996 Staatliche Anerkennung als Seebad

1998 Wappenbrief erhalten MVP Nr. 0156

2000 Im Schulgebäude ist seit Juli kein Schulunterricht mehr, erste Ausstellungen – Vereinshaus „Uns olle Schaul“

2005 Werbename „Bernsteinbäder“ - Verbund mit Koserow, Loddin und Ückeritz

2009 Ein neuer Kindergarten in der Fischerstraße mit dem Saal für Veranstaltungen „Dörps-Treff“

2011 Einweihung Kurpromenade und Kurplatz

2012 neuer Fischereistandort am Strand errichtet

Einigen wichtige Themen sind eigene Artikel gewidmet:

Hexe von Zempin

Bernsteinhexe von Hugo Scheele

Kenntnis über eine Hexenverbrennung einer Zempinerin im Jahre 1668 erhalten wir aus dem Buch vom Chronisten der Insel Usedom, Robert Burkhardt,: Bilder aus der Geschichte der evangel. Kirchen auf Usedom, Swinemünde 1911. Auf Seite 106 schreibt er von einem Zettel im Krumminer Kirchenarchiv mit folgenden Inhalt: „Am 10.p.Trinitatis (26.Juli) 1668 wurde die Rose´sche, Zauberei halber, von Zempin nach Mölschow geholet, daselbst oft von mir besuchet, zuletzt, wie sie gebrannt worden, habe ich freiwillig dem Pastor in Coserow zugeredet, daß er sie kommunizieren und absolvieren möchte, ist aber sonst gegen Art und Herkommen. Weil es anstatt der Leichenpredigt, soll es von dem Pastor, in dessen Kirchspiel es vorgeht und der Exekution vorsteht, auch von dem Pastor loci verrichtet werden.“

Das Zeitalter der Hexenverfolgung begann in Europa um 1430 und endete um 1780. Wie eine Epidemie verbreitete sich diese Art der Todesstrafe wegen „Schadenszauber, bösem Willen oder dem Packt mit dem Teufel“. Die Insel Usedom wurde nach dem 30jährigem Krieg von 1648 bis 1720 durch die Schweden verwaltet. Die Geschichte vermerkt, in den Jahren 1668 bis 1676 sei in Schweden eine Hexenpanik ausgebrochen. Wie konnte es hier auf der Insel Usedom zu solch einem Urteil kommen. Ausgangs des Dreißigjährigen Krieges waren viele Höfe und Hütten zerstört und geplündert, die Bevölkerung verwildert und in Rohheit versunken. Die Nachkriegszeit brachte viele ungelöste Probleme, Mangel an Brotgetreide durch Wetterunbilden und schwere Krankheiten bei Mensch und Tier. Verdächtigte Personen haben im Dorf oft eine lange Verdachtskarriere hinter sich. Nachbarn sammeln Beobachtungen über Jahrzehnte, oft über ganze Familien. So wird unerklärliches, unerwartetes Unglück, plötzlich auftretende unheilbare Krankheiten und negative Gefühle, wie Neid, Hass oder Angst, zum Ausgangspunkt der Verdächtigung. Wilhelm Meinhold (1797 – 1851) in Netzelkow auf der Insel Usedom geboren, war Pastor von 1821 bis 1827 in Koserow und dann bis 1844 Pastor in Krummin. So ist es zu erklären, dass er den Zettel im Kirchenarchiv gelesen hat und diese Nachricht ihn angeregt hat über die Zeit und Umstände nachzudenken, um dann den Roman „Die Bernsteinhexe“ zu schreiben. Doch am Ende des Romans wird das Mädchen nicht dem Feuer übergeben, sondern gerettet.

Im Jahre 1668 aber wird Anna Reeßen, geborne Maaken, Jochim Reeßen Eheweib, aus Zempin, dem Feuer übergeben. Wie so oft hat ein Mensch, der als Hexe bezichtigt wurde in seiner Qual einen weiteren Menschen verdächtigt. So war es oft eine Kette von Hinrichtungen. So war es auch bei der Reeschen. Aus dem Schriftverkehr vom 05. Mai 1668 von Caspar Andreas Lepel vom Gnitz an die Juristenfakultät in Greifswald erfahren wir den Grund und wer die „Resische“ beschuldigt. Darin schreibt er: „ Marie Zimdal, Peter Dortigmarke Wittwe (gen. Dortigmarksche), hat u.a. den Töchtern Lepels [Jungfrauen] einen Geist - ins leib gewiesen, undt sie alßo jämmerlich quelen lassen -, unter Tortur - gleichwohl aber soviel bekannt, das ein ander weib die Ree[s´]sche genant, solches in ihren nahmen gethan -. Aus weiterem Schriftverkehr geht hervor, dass die Folter immer mehr verschärft wurde ..scharffe frage vorgenommen worden... danach hat sie ausgesagt, dass sie einen ...teufel habe, so Michael heiße und denselbst hat sie von der Teelschen gekriegt.... nach einer Bedenkzeit hat sie dies alles widerrufen und gesagt, dass sie unschuldig sei. Nach weiteren Torturen wird sie als ..hartneckig ..und halstarrig ...bezeichnet. Am 08. August 1668 mußte Anna Reeßen in Mölschow den Feuertod erleiden.

Die Einsicht in die Akten und die Auszüge verdanken wir Herrn Ivo Asmus, Uni Greifswald.

Schule Zempin

Schulgebäude 1. Haus - heute Dorfstraße 1

Wohnung des Schneiders


bis 1832 wurden in dem Gebäude die Dorfkinder vom Schneidermeister unterrichtet. Das Haus wurde später zum Armenhaus der Gemeinde. Der erste namentlich bekannte Lehrer in Zempin war 1783 der Schneider Michael Heller. 1787 wird das Gehalt des Lehrers erhöht, er hat freie Wohnung und kann sein Vieh kostenlos auf den Gemeindewiesen weiden.


2. Haus - heute Fischerstraße 12

Wohnung für die Familie des Lehrers und ein Klassenraum

wurde 1833 gebaut mit einer Dienstwohnung für den Lehrer. Der erste Bewohner war Lehrer Dinse, der bis zu seinem Tode 1877 hier unterrichtete. Er war vorher Schreiber beim Landratsamt in Swinemünde. Die Ortsschulinspektion war seit Gründung der Schule bis 1918 in den Händen der Pastoren des Kirchspiels Koserow. Die Pastoren, so schreibt Wilhelm Meinhold 1836 (Pastor und Verfasser der Bernsteinhexe), bilden die Lehrer monatlich weiter.

Im Jahre 1928 wurde das Haus von der Gemeinde an den Gastwirt Paul Häfke verkauft.


3. Haus heute - Fischerstraße 11 Vereinshaus „Uns olle Schaul“

1928 rechts 2 Wohnungen für Lehrerfamilien, links 2 Klassenräume

Am 13. August 1928 wurde diese Schule eingeweiht in Gegenwart des Landrates, des Schulrates Wernicke und des Lehrers Ernst Lüdke. Erbaut vom Bauunternehmer O. Jahnke, Zinnowitz. Das Gebäude hat 2 Klassenräume. Ein Raum für die 1.-4. Klasse und ein Raum für die 5.- 8. Klasse. Nebenan entstanden zwei Wohnungen für die Lehrerfamilien sogar mit Wasserleitung.

Später wurden die Räume der Wohnungen zu Unterrichtsräumen und eine Baracke im Hofraum mit Klassenzimmern, so dass jeder Jahrgang getrennt unterrichtet wurde. 1977 wurde der Dachraum über den Klassenräumen ausgebaut für die Schulspeisung mit einer eigenen Küche. Auch der „Hort“ - heute Ganztagsschule und Arbeitsgemeinschaften hatten hier ihre Heimat.

Zu DDR - Zeiten war es dadurch möglich im Sommer Kinderferienlager in den Schulräumen für Betriebe durchzuführen.

Einige Jahrgänge bis zur 10. Klasse wurden in Zinnowitz unterrichtet.

Zeitweilig hatte die Schule eine gemeinsame Verwaltung mit der Schule Koserow. Die letzten Jahre bis zum Sommer 2000 war es der Lernort für Grundschüler aus Koserow und Zempin. Im Sommer 2000 wurde in Koserow die Grundschule für die Bernsteinbäder eingerichtet. Alle Kinder fahren mit der UBB zur Schule.

Ab Dezember 2000 begann der Heimatverein Zempin e.V. Ausstellungen aufzubauen. Das Haus steht allen Vereinen für Zusammenkünfte zur Verfügung und im Sommer feiern die Freiwillige Feuerwehr und Zempiner Vereine unter den Linden ihre Feste.


Ständige Ausstellungen: - Fischerei mit Bootsmodellen des Fischers Konrad Tiefert - Schichleins Laden voller Erinnerungen


Lehrer in Zempin

seit 1831 Lehrer Johann Christoph BOLWIG

1834 – Bau eines neuen Schulhauses, das alte Hirtenhaus, in welchem sich das Schulzimmer befand, war höchst baufällig. Zu Michaelis zog Lehrer BOLWIG ein und unterrichtet dort.

1838 – am 1.April , 46 Jahre alt, starb Lehrer BOLWIG an Lungenentzündung. Er hatte als Steuermann gedient und verschiedene Seereisen gemacht. Von den 8 Bewerbern wurde Schneider Dinse aus Lütow angenommen.

1838 (01.11.) beginnt Joachim Friedrich Wilhelm Samuel DINSE – geb. am 10.06.1813 in Netzelkow. Er betreibt das Schneiderhandwerk als Nebengeschäft.

- 1897 – Lehrer WENZEL versetzt in Bezirk Köslin,

1897 - 01.07. beginnt Otto LÜBKE aus Mistroy

1900 – 01.04. Lehrer RAMM aus Liepe.

1902 – Das Stallgebäude der Schule Zempin wurde mit Kredit massiv untermauert.

1903 – Lehrer RAMM wurde versetzt nach ... . An seine Stelle trat STREHLOW aus Stettin, der dann nach Cammin ging. Der gewählte Lehrer Wilhelm BALLMANN, bisher in Luisenhof, trat am 3. September sein Amt an.

1910 – Der Lehrer Ballmann mit seinen vielen Kinder klagt über die völlig unzureichenden Wohnungsverhältnisse. Die Räume zugig und ungesund. Der Klassenraum für die mehr als 80 Kinder ist zu klein.

1914 – Lehrer Ballmann geht nach Linde in d. M.

1914 – am 1. Juli beginnt der Lehrer Wilhelm NACK aus Hagenow i. Meckl. , er zieht in den Krieg als Unteroffizier und fällt am 15. Juli 1915 in Russland.

1915 – im Oktober wurde Lehrer Ernst LÜDKE angestellt. Er ist durch einen Autounfall mit den Nerven zerrüttet. Er hat Ende März geheiratet.


Schule in Zempin bis 1928

Es war in den früheren Jahre möglich, die Knaben vom Pastor unterrichten zu lassen. Aber auch noch in Zempiner Urkunden um 1850 können meist nur die Männer ihren Namen schreiben, während die Frauen als Unterschrift drei Kreuze zeichnen, die von einer Person, die schreiben kann, bestätigt werden. Später sollten in allen Orten Schulen eingerichtet werden. Die Entwicklung der Schulgebäude in unserem Ort ist noch deutlich sichtbar, da alle drei Gebäude, in denen unterrichtet wurde, noch vorhanden sind und nebeneinander stehen.

Das erste Schulhaus ist das rohrgedeckte kleine Haus Nr. 1 der Dorfstraße. 1762 wird erwähnt, dass die Orte Loddin, Zecherin und Zempin eine Schulhalterstelle haben. Im General-Schulregelement von 1763, welches Friedrich II. erließ, steht geschrieben, warum die Kinder zu unterrichten sind: „....eine vernünftige und christliche Unterweisung der Jugend zu Gottesfurcht und anderen nützlichen Dingen als besten Grund des wahren Wohlseins des Staates ...“

Der erste Lehrer muss nicht lange in Zempin geblieben sein, denn 1783 erachtet es die preußische Regierung für notwendig, nochmals eine Schulhalterstelle einzurichten. Der Schneider Michael Hellert wird beauftragt, die Zempiner Kinder zu unterrichten. Es wird berichtet, dass von vier Schulkindern drei unordentlich sind, damit ist gemeint, dass die Eltern nicht das jährliche Schulholz zum Heizen liefern. Vier Kinder gehen überhaupt nicht in die Schule. Der Lehrer hat sich beschwert und ein Schriftstück besagt, dass das Gehalt erhöht wird, er sein Vieh kostenlos auf den Gemeindewiesen weiden lassen kann und die Wohnung mietfrei ist.

Vor dem Jahre 1832, so ist uns bekannt, war Lehrer Bollwig tätig. Sein Beruf war Steuermann. 1833 wurde ein größeres Haus auf dem anschließenden Gemeindeacker als Schule mit Lehrerwohnung gebaut - heute Fischerstr. 12. Es war ein Fachwerkhaus mit Rohrdach. Ein großer Klassenraum nahm alle Kinder auf. Das kleine alte Schulhaus wurde zum Armenhaus, wie uns die Schulchronik berichtet. In dem neuen Schulhaus unterrichtete nun der ehemalige Schreiber des Landratsamtes von Swinemünde, Wilhelm Dinse. Er hat die Kinder bis zu seinem Tode im Jahre 1877 unterrichtet. Er vertrat, laut einer Urkunde, auch bei Erbangelegenheiten die sieben Zempiner Kinder des Bauern Heinrich Lüder.

Aus den Schriften um 1836 von Wilhelm Meinhold erfahren wir, dass monatlich durch den Pastor die Lehrer weitergebildet wurden. Nach dem Tod von Wilhelm Dinse unterrichtet bis 1883 Lehrer Böttcher die Zempiner Kinder. Er fand später in Nerdin bei Anklam in der Dunkelheit in einem Torfloch den Tod. Danach lehrte drei Jahre Lehrer Suckow, der nach Zinnowitz versetzt wurde. Dann kam Lehrer Redepennig und dieser wurde 1888 in die Provinz Posen versetzt. Nun unterrichtete Lehrer Wenzel viele Jahre die Kinder, bis er 1897 nach Schilde ging. Jeweils nur drei Jahre blieben Lehrer Lübke und Otto Ramm. Ein Jahr wurden die Kinder vom Schulamtskanditaten Strelow unterrichtet, bevor Lehrer

Wilhelm Ballmann (*1868 – +1950) am 1. September 1903 mit der Familie in das Schulhaus einzog. Er kam aus Luisenhof, Kreis Anklam. In Zempin vergrößerte sich die Familie des Lehrers, es wurden 1905 die Zwillinge Herbert und Gottfried geboren und 1907 kam als Nachzügler noch Tochter Erna zur Welt. Mit sieben Kindern versuchte Wilhelm Ballmann, mit dem Beruf des Lehrers, seine Familie zu ernähren. Von sich selbst sagte er öfter: „Ich bin Lehrer mit Kleinbauernhof oder Kleinbauer mit Lehrbefähigung“. Wenn er mit dem schwarzen Anzug vor den Schulkindern stand, hatte er bereits einen Teil seines täglichen Arbeitspensums absolviert. Trotz des entbehrungsreichen Lebens wurden vier Kinder der Familie wieder Lehrer!

(Das Schulbild von 1909 der Schule Zempin zeigt eine besondere Umrahmung.

Im oberen Bildrand ist dargestellt die kaiserliche Familie. In der Mitte WILHELM II. (* 1859 + 1941), König von Preußen und deutscher Kaiser von 1888 bis 1918 und die Kaiserin AUGUSTE VICTORIA. Links ist das Abbild von WILHELM, Kronprinz des Deutschen Reiches und ganz rechts das Abbild von CECILIE, Kronprinzessin des Deutschen Reiches. Am linken Bildrand ist dargestellt FRIEDRICH WILHELM, Kurfürst von Brandenburg (* 1620 + 1688), er regierte von 1640 bis 1688, auch genannt der große Kurfürst.

Am rechten Rand ist dargestellt FRIEDRICH II. (* 1712 + 1786), auch Friedrich der Große genannt.

Auf dem unteren Rand links ist zu sehen WILHELM I. (*1797 +1888), König von Preußen von 1861 bis 1888 und deutscher Kaiser von 1871 bis 1888 und rechts ist das Bild von FRIEDRICH III. (*1831 +1888), König von Preußen und deutscher Kaiser 1888 (99 Tage).)


Als am 30. Dezember 1913 eine große Sturmflut über die Insel Usedom herein brach, bat Frau Ballmann ihren Mann inständig, doch die Insel zu verlassen, solche Angst um die Familie hatte sie befallen. Das Achterwasser hatte sich bis in die Mitte des heutigen Ortes hineingewagt und an der Ostseeseite viele Meter Land mitgerissen. Der Zempiner Fischhändler Friedrich Wegner konnte sich nur knapp selbst aus den Fluten retten, als er an der schmalsten Stelle bei Damerow, von Koserow kommend, mit Pferd und Wagen versuchte, Zempin zu erreichen. So zog die Familie Ballmann zu Ostern 1914, es war Einschulungszeit, von Zempin weg.

Ein junger lediger Lehrer, Wilhelm Nack, übernahm die Tätigkeit in der Schule, doch im August des Jahres brach der Erste Weltkrieg aus und der Lehrer musste an die Ostfront, wo er im Jahre 1915 fiel. Sein Name steht auf dem Kriegerdenkmal nahe des Parkplatzes an der Waldstraße.

Wie aus der weitergeführten Schulchronik des Lehrers Ernst Lüdke (in Zempin von 1916 – 1932) zu erfahren ist, war das Schulgebäude recht marode. Aber allgemeine Bestrebungen der Regierung führten auf der Insel Usedom zu Neubauten von Schulen. So wurden die Gemeindevertreter gezwungen, Kredit aufzunehmen, um ein neues Schulhaus zu bauen.

Am 13. August 1928 wurde es eingeweiht. Es entstand neben dem alten Schulhaus. So stehen drei Gebäude nebeneinander, die als Schulen gedient haben. Am 19. Juli 2000 war der letzte Schultag in diesem Gebäude für die Grundschüler aus Zempin und Koserow.

Für die Grundschüler der "Bernsteinbäder" wurde neben der Kirche Koserow eine Grundschule eingerichtet.

Buch Schulbilder Konfirmation Hochzeiten

Bahnhof von Zempin

Die erste deutsche Dampfbahn fuhr 1835. Die Stadt Wolgast erhielt einen Eisenbahnanschluss an die Strecke Berlin - Stralsund von Züssow aus im Jahre 1863. So konnte man von Zempin aus mit dem Pferdewagen bis nach Mahlzow fahren, dort mit der Fähre über den Peenestrom setzen und dann am Bahnhof Wolgast-Hafen in den Zug steigen. Um 1900 gab es für Reisende in die Seebäder der Insel Usedom über Wolgast schon den günstigen Bädertarif, wobei sie für die Übersetzung auf die Insel selbst zu sorgen hatten. 1876 verkehrte die Bahn von Ducherow über Karnin bis Swinemünde. Eine Verlängerung bis Heringsdorf entstand 1894, aber erst 1911 ist eine Verlängerung bis Wolgaster Fähre möglich. Die Heringsdorfer wollten nicht, dass die rauchenden Dampfloks durch das schon recht mondäne Seebad fuhren. Nach langen Verhandlungen fuhr deshalb die Bahn um den Präsidentenberg herum und Heringsdorf erhielt einen Sackbahnhof.

So konnten ab 1876 die Besucher aus Richtung Berlin, die nach Zempin und Zinnowitz wollten, mit der Bahn auf die Insel Usedom bis Karnin fahren, dort in ein Dampfschiff umsteigen und über den Peenestrom und das Achterwasser im Hafen Störlanke (Zinnowitz) ankommen. Hier wurden sie mit dem Pferdewagen abgeholt. Nachdem die Seebrücken an der Ostseeküste (Zinnowitz 1909) gebaut waren, konnte die Anreise auch mit einem Dampfschiff von Stettin aus über Swinemünde zu den Seebrücken erfolgen. Vorher war es auch möglich: Die Gäste wurden „ausgebootet“, d.h. die Dampfer ankerten in der See und die Gäste mussten in kleine Boote umsteigen und wurden dann an den Strand gebracht.

Am 1. Juni 1911 war also auch Zempin an das Netz der Eisenbahn angebunden. Gleichzeitig mit den Gleisanlagen wurden die Bahnhöfe erbaut. Das Gebäude in Zempin war ein spiegelgleicher Bau des Bahnhofes von Ückeritz. Die Veranda der Bahnhofsgasstätte wurde etwas später errichtet. Am 1. Dezember 1911 begann der erste Bahnhofsvorsteher, Karl Schichlein sen., geboren 1874, seinen Dienst in Zempin. Er kam mit Frau und vier Kindern aus Torgelow. Sie wohnten in der Dienstwohnung im Bahnhof, 1914 wurde hier das fünfte Kind, Tochter Hildegard, geboren. Im Jahre 1923 bezog die Familie ihr neues eigenes Haus in der Strandstraße 7. Danach ging Karl Schichlein sen. in Pension. Wie wir aus der Schulchronik wissen, war der Bahnhofsvorsteher Karl Schichlein eine angesehene Person. 1926 wurde er Gemeindevertreter und 1928 / 29 Gemeindevorsteher der Gemeinde Zempin. Er starb 1945 in Zempin.

Einer der nächsten Bahnhofsvorsteher war Herr Grimm. Senta Wodrich, geb. 1920, berichtete, dass ihr Vater, Alfred Wodrich, geb. 1893, als Fahrdienstleiter bei der Bahn beschäftigt war. Manchmal ging Senta am Sonntag Vormittag mit dem Vater zum Bahnhofsgebäude, wo sie Kirchensendungen im Radio hörten. Sie ging auch mit dem Vater zu den Signalen, um die Petroleumlampen zu füllen. Später arbeitete sie selbst einige Jahre bei der Bahn. So wusste sie, dass der Maler Otto Niemeyer-Holstein oft zum Bahnhof kam, um Auskunft über den Fahrplan zu erhalten. Er malte auch ein Bild von Alfred Wodrich in der Bahnhofsuniform. Mündlich wurde übermittelt, dass der Fahrdienstleiter Alfred Wodrich der Einzige war, den man mit der heute noch erhaltenen Zempiner Schützenfahne von 1914 mit der Bahn bis nach Köln senden konnte, um die Fahne im Kölner Dom weihen zu lassen. Obwohl es verwundert, da der Kölner Dom katholisch ist und wir zum evangelischen Kirchspiel Koserow gehören.

Die Gästezahlen auf der gesamten Insel Usedom stiegen mit dem Ausbau der Bahn. Die Gäste wurden von den Vermietern am Bahnhof empfangen, das Gepäck wurde mit dem Handkarren zur Unterkunft gebracht. Da auch unangemeldete Gäste kamen, warteten immer einige Vermieter am Bahnsteig oder am Gartenzaun nach der Zugankunft, um ihre Zimmer anzubieten. Aber es kamen nicht nur Personenzüge, sondern auch Güterzüge. Sie brachten Baumaterial, Kohle usw. Auch die Fischer profitierten von der Bahn. So konnten sie die am Morgen gefangenen Fische über Mittag in den Fischräuchereien des Ortes räuchern lassen. Diese wurden dann in Kisten in Waggons verladen und nach Berlin zur großen Markthalle versandt. Am nächsten Morgen in aller Frühe stand dort die Ware zum Verkauf. Dadurch konnten in Zempin mehrere Fischräuchereien existieren. Ein nennenswertes Ereignis für den Zempiner Bahnhof geschah im April 1933. Ein ausrangierter, acht Tonnen schwerer S-Bahn Wagen ohne Räder traf für den Künstler Otto Niemeyer-Holstein ein. Für 60 Reichsmark hatte er ihn im Jahre 1932 in Berlin erstanden. Achim Roscher schreibt in seinem Buch Lüttenort: „...wo er mit Hilfe Einheimischer in einer abenteuerlichen Aktion auf das Grundstück transportiert wurde.“

Es hat Tage gedauert, ständiges Umsetzen der Hölzer, pro Tag kam man ca. 70 m voran. Aber nach Tagen und Ärger mit der Polizei, da das Ungetüm die einzige schmale Inselstraße verengte, kam das Kommando: zurück zum Bahnhof, wir dürfen doch den Waggon am Grundstück herunterziehen. Etwa 20 Personen aus Zempin und Koserow, darunter viele Fischer, halfen bei dem Transport. Noch heute steht der S-Bahnwagen auf dem Grundstück und ist von zwei Seiten eingemauert. Es war die erste Behausung für den Künstler und seine Frau. An dieser schmalen Stelle wurde ab 1939 das Sperrgebiet Peenemünde West auf Straße und Schiene eingerichtet. Durchreisende zwischen der geschaffenen Haltestelle „Lüttenort“ und Wolgast-Hafen mussten in extra gekennzeichnete Waggons einsteigen und die Waggons wurden zwischen diesen Bahnhöfen verschlossen. Nur Einwohner oder Personen mit besonderem Ausweis durften sich in dem Gebiet aufhalten. Die Strecke Heringsdorf – Wolgaster-Fähre ist eingleisig. An einigen Stellen wurden Ausweichstellen geschaffen, so auch im Bahnhofsbereich Zempin.

Der Bahnhof Zempin wurde während des II. Weltkrieges mit einem zusätzlichen Gleisstück und einer Rampe versehen. Das war erforderlich, um die V1 – Flügelbomben, die zu je drei Stück in einem Güterwaggon verladen waren, hier zu entladen. Sie wurden dann mit LKW auf den Betonbahnen zu den drei Abschussstellen in den Küstenwald zwischen Zempin und Zinnowitz transportiert. Dazu wurde extra ein Betonweg direkt vom Bahnhof zur Straße B 111 geschaffen. Die Ladung kam aus dem Süden Deutschlands. Es kamen viele Waggons, teilweise bis zu 90 Stück V 1, für Industrie- und Transporterprobungen. In der Zeit des zweiten Weltkrieges wurde auch die Schranke an der heutigen Fischerstraße ständig geschlossen und die Straße aufgerissen, um eine Durchfahrt zu verhindern. Im Juli 1944 wurde der Bahnhof durch Bomben zerstört. Erst am 1. Mai 1954 konnte ein Richtfest für den Neubau gefeiert werden, der jedoch viel einfacher in Form und Gestaltung ausfiel. In dieser Zeit wurde der Bahnübergang wieder geöffnet. In dem Bahnhofsgebäude gab es wieder eine Gaststätte und Wohnungen. Auf der Gleisseite standen die Handkurbeln zum Öffnen und Schließen der Schranken.


Da zu Kriegsende die Brücken, auch die Eisenbahnbrücke von Karnin, zur Insel Usedom gesprengt wurden, gab es keine Eisenbahnverbindung zum Festland mehr. Auch die Gleisanlagen wurden teilweise abgebaut und als Reparationen nach Russland geschafft. So gab es auf der Insel durch die Grenzziehung zwischen Polen und Deutschland nur noch eine Gleisverbindung zwischen Ahlbeck und Wolgaster-Fähre. Die Inselbahn fuhr nun immer nur hin und zurück. Zeitweilig war diese Strecke auch unterbrochen, da die Betonbrücke zwischen Zinnowitz und Zempin über die B 111 am Kriegsende gesprengt wurde. Die Fahrgäste mussten diese Stelle zu Fuß überwinden. Zu dieser Zeit fuhren manchmal aber nur drei Züge in der Woche. Diese Brücke mussten von Russen verpflichtete Frauen mit Holzbalkenstapeln und Stahlträgern wieder notdürftig erbauen. Später wurde sie als Stahlbau errichtet und 1998 nach einem Unfall mit einem Bagger erneuert. Fähren kamen wieder zum Einsatz. So in Wolgast die Eisenbahnfähre für jeweils drei Güterwaggons. Es ist die Fähre, die 1890 gebaut, heute als Museumsstück im Wolgaster Hafen steht. Ehemals hatte sie Stralsund mit der Insel Rügen verbunden. Diese Fähre für Güterwaggons war bis November 1990 im Einsatz.

Viele Güterwaggons wurden in Zempin auch zur Zeit der Fischereigenossenschaft be- und entladen. Frostfisch, Räucherholz, Verpackungsmaterial, Fischkisten usw. wurden mit der Bahn transportiert. Die zerstörten Wolgaster und Zecheriner Straßenbrücken wurden 1950 und 1957 wieder aufgebaut. Die Gästezahlen und der Verkehr mit der Eisenbahn stiegen wieder an. Die Ankommenden aus Richtung Züssow verließen in Wolgast am Bahnhof Hafen die Bahn und mussten ca. 1 km über die Peenebrücke laufen, um wieder in den Zug steigen zu können, der die Insel nicht verlassen konnte. Mit den Aufbau des FDGB -Feriendienstes (Freier Deutscher Gewerkschaftsbund) entstanden auch viele Kinderferienlager auf der Insel Usedom, sodass im Sommer Fernzüge zur Ostsee in den Fahrplan aufgenommen wurden. Bis 1955 waren es täglich 5 Zugpaare, dies steigerte sich bis 1984 auf täglich 10 Zugpaare. Alle Reisenden mussten weiterhin die Peenebrücke in Wolgast zu Fuß überqueren, um zum Anschlusszug zu kommen. Diese Situation wurde erst im Mai 2000 geändert. Der Zug konnte nun erstmals die Insel über die neu errichtete breite Peene-Klappbrücke, die mit einem Gleis versehen war, in Richtung Züssow verlassen. Jetzt war die Insel wieder per Schiene mit dem Festland verbunden. Aber auch Fernzüge fuhren seit dem Jahre 2000 wieder bis Heringsdorf. Im Jahre 1993 wurden türkisfarbene Triebwagen auf die Insel gebracht, im Volkmund „Ferkeltaxe“ genannt. In der Werbung der UBB (Usedomer Bäderbahn) finden wir deshalb das kleine Schweinchen. Die UBB fuhr seit dem Sommerfahrplan 1998 im 30-Minuten-Takt und im Winter im Stundentakt in beiden Richtungen. Die Modernisierung ging mit großen Schritten weiter. Die zwei Zempiner Schrankenanlagen, die noch bis 1998 mit der Hand gekurbelt wurden, erhielten im November 2001 modernste automatische Halbschranken. Die fast 100 jährige Stellwerkstechnik im Bahnhofsgebäude wurde durch Relaistechnik vom Koserower Bahnhof aus abgelöst und ist nun museumsreif. Seit dieser Zeit waren im Bahnhofsgebäude Zempin keine Beschäftigten mehr nötig. Im Sommer 2007 richtet die UBB wieder Schalterstunden in Zempin ein, da das vielfältige Fahrkartenangebot (Kombi-Tickets, Tageskarten) zusätzlichen Verkauf und Information für die Reisenden erforderte. Seit dem Jahr 2002 fahren durchgehende Züge bis Stralsund. Neue moderne Dieseltriebwagen mit der blauen Welle bemalt, mit Fahrradabteil und Toiletten an Bord wurden für viele Urlauber eine Alternative zum Stau auf der Straße im PKW. Die Fahrgastzahlen stiegen stetig. Nachdem die UBB Bahnsteige, Beleuchtung und das Gebäude in Zempin äußerlich saniert hatte, konnte auch die Gemeinde Zempin den Vorplatz mit Pflasterung, Beleuchtung, Parkplätzen und Toilette neu gestalten. Im September 2006 wurde dies mit einem Straßenfest gefeiert. An die Gründungszeit erinnern noch das ursprüngliche Kopfsteinpflaster und die mächtigen Kastanien, die bei der Erbauung des Bahnhofes gepflanzt wurden.

Dorfschulze - Bürgermeister

Bürgermeister Schichlein sen.
Bürgermeister Mahrholz und Frau

Die erste Bezeichnung als SCHULZE für den Ort Zempin finden wir in den Aufzeichnungen der schwedischen Vermesser von 1693. Der Schulze war vom „Besitzer, Herrschenden“ beauftragt. Die Einsetzung, Aufgaben und Bezeichnungen änderten sich später. So wurde der Dorfschulze auch Dorfältester oder Gemeindevorsteher genannt. Heute nennen wir die Person mit den entsprechenden Aufgaben und Befugnissen Bürgermeister.

Eine Dorf-Schulzen-Ordnung der Schweden aus dem Jahr 1800 für Vorpommern, dessen Teil nicht unter preußischer Herrschaft stand, zeigt uns, welche Anforderungen an den Schulzen gestellt wurden. Sie soll hier in Auszügen genannt werden:

- Es sollte einer der verständigsten und redlichsten Bauern, welcher wenigstens etwas Schreiben, auch Geschriebenes lesen kann, sein.

- Der Schulze ist der erste Mann im Dorfe, dessen Einwohner, wenn er amtshalber etwas ankündigt, ihm Achtung und Folgsamkeit erweisen müssen.

- Den der Bauerschaft etwa erteilten Königl. Pacht-Contract, das Inventarium, auch die Quittungsbücher und sonstige, die gemeine Dorfschaft angehende Papiere, muss der Schulze stets in einem eigens dazu anzuschaffenden Schrank sorgfältig und reinlich bei sich aufbewahren ...

- wird sämtlichen Schulzen in den Strand- und Fischerdörfern aufgegeben, ernstlich darüber zu wachen, dass 1.) die Netze die ihnen vom Königl.

Amt mitzuteilende Maße nicht überschreiten. 2.) daß die verbotene Fischzeit genau beobachtet, auch 3.) die gefangene junge Fischbrut sofort wieder ins Wasser geworfen, und nicht wie bisher geschehen zu anderen Zwecken, besonders zur Fütterung der Schweine, verwandt werden. Die Schulzen werden dem Fischmeister bei jeder Visitation hiermit verantwortlich gemacht.

Oft wurde dieses Amt auch an die gleiche Familie vergeben. Für Schreibarbeiten wurde oft der Lehrer herangezogen. So war es auch 1836 in Zempin, als der Schulze Johann Heinrich STEFFEN das Amt übernahm, nicht aber schreiben konnte.

Bürgermeister Machals
Bürgermeister Bast

Im Frühjahr 1915 hatte Gemeindevorsteher Heinrich Lüder sein Amt niedergelegt, weil er seine Wirtschaft als alter Mann alleine besorgen musste, sein Sohn war im Felde und die Brotmarkenausgabe mit Listenführung und sonstige Kriegsarbeiten des Gemeindeoberhauptes machte ihm zu viel Arbeit.

Die Gemeinde wählte sich den Eigenbüdner und Fischer Wilhelm Heyden zum Gemeindevorsteher. Er hatte sich nicht für einen neues Schulgebäude eingesetzt. 1926 übernahm der 73-jährige Bauer Lüder die Gemeindegeschäfte. Er ließ sich vom Lehrer Ernst Lüdke unterstützen. Der benutzte die Gelegenheit, den arg vernachlässigten Schulneubau mit List zu fördern. Es gelang ihm, mit Krediten der Gemeinde den Neubau vom Bauunternehmer Jahnke aus Zinnowitz zu planen und 1928 auszuführen.

Hier eine Zusammenstellung der Personen, die für den Ort Zempin verantwortlich zeichneten und zeichnen, soweit die Unterlagen zu finden waren:


1693 Sucker, Peter - Bauer

1716 Scheil, Johan - Bauer

1781 Steffen, Johann - Bauer, am 15.12. verstorben

1793 Steffen, J.F.

1798 Steffen, Heinrich (Hinrich)

1836 Steffen, Johann Heinrich

Bürgermeister Glosch
Bürgermeister Übergabe Stockmann an Schön
Bürgermeister Werner Schön

vor 1864 Lüder, Martin - Bauer

1887 Erdmann, Johann Heinrich

1906 - 1915 Lüder II, Heinrich - Bauer

1915 - 1926 Heyden, Wilhelm - Eigenbüdner und Fischer

1926 Lüder Bauer, 73 Jahre alt

1926 - 1927 Kagemann, Otto

1927 - 1928 Wossowski - Schneider

1928 Schichlein, Karl - Bahnhofsvorsteher in Zempin

1929 - 1938 Mahrholz, Robert - Bankfachmann

1938 1940 Mann, Ernst

1940 - 1945 Verwaltung durch den Ort Zinnowitz, Bürgermeister Kumm

1945 Steffen, Johann

- Schätzchen, Karl

- 1947 Orlowski, Albert - Bahnhofswirt

- Schlorf, Bruno

1947 - 1954 Bast, Walter - Bauarbeiter

- 1961 Machals, Hans

1961 - 1963 Seeck, Erhard

1964 - 1990 Glosch, Reinhard - Motorenschlosser

1990 - 2004 Stockmann, Hilde - Schneiderin

ab 2004 Schön, Werner - Dreher


Unterschriften, Stempel und Siegel der Gemeinde Zempin:

Seestraße und ihre Geschichte

Bis 1935 war an dieser Stelle ein durchgehender Waldstreifen, und die Gegend ist auf der Flurkarte mit „Grabow“ bezeichnet. Der Name Grabow wird abgeleitet vom altslawischen „grabu“ – Hainbuche, somit Buchendorf oder Hainbuchenort. (Wikipedia) Das Areal von ca. 11 ha wurde von der Wehrmacht vermessen und 1936 abgeholzt.

Das ganze Dorf holte sich das Holz. Es wurde eine Unteroffizierschule gebaut. Die Transformatorenstation wurde gegenüber an der Inselstraße errichtet, es ist heute das Haus Hauptstr. Nr. 21 A - „Turino“.

Die Häuser der Ausbildungsstätte waren im Stil dieser Zeit massiv gebaut, mit kleinen Schmuckelementen und Fensterläden. Es war alles eingezäunt und am Eingang gemauerte Pfeiler. Für die Offiziersmesse hatte auch Otto Niemeyer-Holstein ein Wandgemälde gefertigt. Der Entwurf befindet sich im Archiv des Museums Lüttenort. Ein eigener Poststempel der Ausbildungsstätte lautet: Marineflugabwehr- und Küstenartillerieschule Swinemünde Diese Schule war dienstlich nicht mit den Abteilungen für die Abschussrampen der V1 im Ort verbunden. Die am 16.07.1944 durch Bombenangriff britischer Bomber zerstörten Gebäude, dabei mussten mehrere junge Menschen ihr Leben lassen, wurden teilweise wieder instandgesetzt.

Im Mai 1945, beim Einmarsch der Roten Armee, wurden die Häuser und Anlagen gesprengt. Diese Trümmerstelle wurde von den Einheimischen nur „der Platz“ genannt. Aus den Trümmern wurde alles, was nicht niet- und nagelfest war, weggeschleppt. Viele Häuser des Ortes, die schon sehr alt und als Fachwerk errichtet waren, wurden Stück für Stück mit diesem Material ausgemauert. Zaunpfähle aus Beton standen nun auch im Dorf. Aber auch Restbestände an Wäsche und Lebensmitteln wurden gehamstert.

Um 1950 begannen Zeltler sich im Sommer am Rande dieses Platzes auszubreiten. Die Jugend des Ortes wurde motiviert, einen Sportplatz zu errichten und sie räumten dabei sehr fleißig auf, doch ihr Sportplatz wurde 1953 nicht weiter gebaut. In Gemeindeprotokollen wird die Einebnung der geräumten Stelle bestätigt.

Der FDGB (Freier Deutscher Gewerkschaftsbund) konnte nicht allen Menschen einen Urlaubsplatz bieten, und so begannen die volkseigenen Betriebe ab ca. 1960 für ihre Kollegen Hütten aufzustellen. So dicht an der Ostsee war „der Platz“ sehr begehrt. Oft waren sie erst nur als Kinderferienlager konzipiert. Nach und nach siedelten auf dem Trümmerfeld folgende Betriebe:

Handwerkskammer des Bezirkes Gera, VEB Wälzlagerwerke Fraureuth, VEB Zuckerfabrik „Fritz Reuter“ Anklam, Betrieb Zuckerfabrik Jarmen, VEB Melioration Cottbus, Krankenhaus Oschatz, MAW VEB Magdeburger Armaturenwerke „Karl Marx“ - Armaturenkombinat, VEB Armaturenwerke Halle, Heilstätten Zschadras, VEB Burger Knäcke-Werke, VEB Walzwerk Burg, VEB Tierzucht Neubrandenburg

Die Betriebe waren auch verpflichtet, der Gemeinde eine Gegenleistung zu erbringen. So wurde u.a. die Abwasserplanung für den Ort erstellt, das Pumpwerk an der B 111 und die Klärteiche auf den Wiesen zum Achterwasser errichtet. Auch die eigene Zempiner Wasserversorgung wurde von den Betrieben aufgebaut.

Die Arbeiter und Betreuer für den Aufbau und die Durchführung des gewerkschaftlichen Urlauberquartiers mussten die Betriebe aus ihrer Region stellen und auch versuchen, für sie Unterkünfte zu errichten.

Im Frühjahr kam oft ein „Aufbaustab“ von Mitarbeitern der Betriebe und richtete alles für die Betriebskinder oder Beschäftigten und deren Urlaub her. Im Herbst kam dann wieder solch ein „Stab“ und machte alles winterfest. Die Urlauber waren so wie die FDGB-Urlauber für 13 Nächte hier in Vollverpflegung. Da die Versorgung oft sehr schwer zu beschaffen war, hatte z.B. das Walzwerk Burg nur für die Lagerung von Flaschenbier ein extra Gebäude gebaut.

Die Einwohnerzahl stieg deshalb auch auf über 1000.


Nach der Wende wurden die Betriebe in Privatbesitz übertragen. Je nach Stellung der Betriebe war dafür die Treuhand oder das Land zuständig. Grund und Boden, der einst der Wehrmacht gehörte, wurde über das Bundesvermögensamt verkauft.

So wurde aus dem Betriebsheim des VEB Wälzlagerwerke Fraureuth das HOTEL WIKINGER. Auf dem Gelände der Handwerkskammer des Bezirkes Gera wurde das „Haus am Ostseestrand“, das PFLEGEHEIM SEEBAD ZEMPIN GmbH, neu errichtet. Die Handwerkskammer wollte ein neues großes Haus erbauen, aber durch die Wendezeit blieb es unvollendet stehen. Erst nach 10 Jahren kam ein Weiterverkauf zustande. Da waren die Mauerwerke nicht mehr zu verwenden.

Das Ferienheim des VEB Zuckerfabrik „Fritz Reuter“ Anklam, Betriebsteil Zuckerfabrik Jarmen, wurde an die Steuerberaterin Anke NEBERT verkauft, die außer dem Bürogebäude auch Ferienwohnungen im GÄSTEHAUS STÖRTEBEKER daraus entstehen ließ. Das Ferienheim des VEB Melioration Cottbus kaufte die Familie Diethard SCHMIDT aus Zempin und der Sohn führt heute den GASTHOF SEEADLER, Pension und Restaurant, weiter.

Das große Haus des Kombinates MAW VEB Magdeburger Armaturenwerke „Karl Marx“ ist heute das Appartementhaus SÜDWIND. Der Teil des Kombinates des VEB Armaturenwerke Halle ist heute das OSTSEEHOTEL ZEMPIN. Gemeinsam hatten diese Betriebe einen großen Speisesaal mit Großküche und Versorgung errichtet. Dort konnten auch andere Betriebe ihre Urlauber zur Versorgung anmelden. Dieses Gebäude war auf den Fundamenten eines Hauses aus der Zeit der Wehrmacht errichtet. Es wurde bis auf diese Mauern abgerissen und die Wohnanlage DÜNENECK zum Verkauf einzelner Ferienwohnungen erbaut. Die kleinen Bungalows, die die Heilstätten Zschadras für ihre Urlauber am Anfang der Seestraße gebaut hatten, wurden zu Gunsten eines Parkplatzes abgerissen.

Das Areal des VEB Burger Knäcke-Werke (dicht an der Ostsee) erwarb Frau Karin Baudisch-Martin aus Zempin. Sie baute diese Anlage zur Ferienanlage STRANDIDYLL aus.

Die PENSION DÜNENHAUS war das Ferienheim des VEB Tierzucht Neubrandenburg und hat den Eingang im Oberförsterweg, es liegt aber auf dem Gelände der ehemaligen Flakschule. Frau Barbara Gehrke führt dieses Haus. Das Geländes des Kinderferienlagers VEB Walzwerk Burg wird erst jetzt, nachdem es im alten Stil verpachtete war und mehrfachen Eigentümerwechsel überstand, in eine Wohnanlage OSTSEEPARK umgebaut und soll im Sommer 2011 fertig sein. Die Erdgeschosswohnungen sind stufenlos erreichbar und werden alters- und behindertenfreundlich angelegt.