Opfer von Krieg und Gewalt aus Demmin: Unterschied zwischen den Versionen

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===Zweiter Weltkrieg===
 
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"Auf dem Ernst-Barlach-Platz (1897 als Wilhelmsplatz eingeweiht, in der DDR-Zeit Wilhelm-Pieck-Platz, seit 1990 Ernst-Barlach-Platz) befindet sich in unmittelbarer Nähe zu einem sowjetischen Soldatenfriedhof  ein  Ehrenmal  für  die  ̈Opfer  des  Faschismus. Dieses Denkmal wurde bereits 1945 in seiner heutigen Form errichtet, es stand zunächst auf dem August-Bebel-Platz, wurde aber anläßlich des 22. Jahrestages  der  DDR  1971  an  seinem  heutigen Standort  eingeweiht.  An  dieser  Stelle  befand  sich auch das Kriegerdenkmal  ̈Für die Helden von 1870/71 ̇. Der Unterbau des alten Denkmals ist noch vorhanden, auf dem Granitsockel stand von 1906 bis 1945 eine Statue Kaiser Wilhelms I. Die Inschrift im Sockel lautet:  ̈Den Toten zur Ehre / den Lebenden zur Pflicht ̇. Nachträglich sind über diesen Worten die  Buchstaben  ̈O. d. F. ̇  (Opfer  des  Faschismus) goldfarben eingearbeitet worden. Das Denkmal befindet sich in der parkähnlichen Anlage auf einem kleinen  Hügel,  zu  dem  Stufen  hinaufführen.  Die Stadt ließ es unverändert. Der daneben liegende sowjetische Soldatenfriedhof wurde 1995 umgestaltet. Die 22 Meter hohe Gedenkstele  mit  dem  Sowjetstern  wurde  entfernt,  die  für Fahnenappelle angelegte planierte Fläche zu Rasen umgewandelt. Unter dieser Fläche liegen 103 Tote. Dabei  handelt  es  sich  nicht  nur  um  Soldaten,  sondern,  wie  die  Friedhofsunterlagen  ausweisen,  auch um sowjetische Zwangsarbeiter, die nach 1945 hierher umgebettet wurden, sowie um Kriegsgefangene  und  ein  sechs  Monate  altes  Kind.  Auf  dem Platz  wurde  1995  eine  Marmortafel aufgestellt, die die  Inschrift  trägt: Den  Opfern  von  Krieg  und Gewaltherrschaft. Ein Findling am Rande des Platzes  trägt  eine  Messingtafel,  auf  der  darüber  informiert wird, daß sich hier seit 1946 ein sowjetischer Soldatenfriedhof befindet.
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''"Auf dem Ernst-Barlach-Platz (1897 als Wilhelmsplatz eingeweiht, in der DDR-Zeit Wilhelm-Pieck-Platz, seit 1990 Ernst-Barlach-Platz) befindet sich in unmittelbarer Nähe zu einem sowjetischen Soldatenfriedhof  ein  Ehrenmal  für  die  ̈Opfer  des  Faschismus. Dieses Denkmal wurde bereits 1945 in seiner heutigen Form errichtet, es stand zunächst auf dem August-Bebel-Platz, wurde aber anläßlich des 22. Jahrestages  der  DDR  1971  an  seinem  heutigen Standort  eingeweiht.  An  dieser  Stelle  befand  sich auch das Kriegerdenkmal  ̈Für die Helden von 1870/71 ̇. Der Unterbau des alten Denkmals ist noch vorhanden, auf dem Granitsockel stand von 1906 bis 1945 eine Statue Kaiser Wilhelms I. Die Inschrift im Sockel lautet:  ̈Den Toten zur Ehre / den Lebenden zur Pflicht ̇. Nachträglich sind über diesen Worten die  Buchstaben  ̈O. d. F. ̇  (Opfer  des  Faschismus) goldfarben eingearbeitet worden. Das Denkmal befindet sich in der parkähnlichen Anlage auf einem kleinen  Hügel,  zu  dem  Stufen  hinaufführen.  Die Stadt ließ es unverändert. Der daneben liegende sowjetische Soldatenfriedhof wurde 1995 umgestaltet. Die 22 Meter hohe Gedenkstele  mit  dem  Sowjetstern  wurde  entfernt,  die  für Fahnenappelle angelegte planierte Fläche zu Rasen umgewandelt. Unter dieser Fläche liegen 103 Tote. Dabei  handelt  es  sich  nicht  nur  um  Soldaten,  sondern,  wie  die  Friedhofsunterlagen  ausweisen,  auch um sowjetische Zwangsarbeiter, die nach 1945 hierher umgebettet wurden, sowie um Kriegsgefangene  und  ein  sechs  Monate  altes  Kind.  Auf  dem Platz  wurde  1995  eine  Marmortafel aufgestellt, die die  Inschrift  trägt: Den  Opfern  von  Krieg  und Gewaltherrschaft. Ein Findling am Rande des Platzes  trägt  eine  Messingtafel,  auf  der  darüber  informiert wird, daß sich hier seit 1946 ein sowjetischer Soldatenfriedhof befindet.
  
Im  Woldeforst  nordwestlich  von  Demmin,  in  der Nähe einer früheren Munitionsfabrik, befindet sich, wie  die  Stadt  erst  1994  erfuhr,  die  Grabstätte  von 20 unbekannten  Zwangsarbeitern,  die  dort  in  Einzelgräbern liegen sollen. Recherchen ergaben, daß es sich  um  einen  schon  in  DDR-Zeiten  bekannten Friedhof handelt. Bei den Toten soll es sich um Russen handeln. Von sowjetischer Seite war kein
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''Im  Woldeforst  nordwestlich  von  Demmin,  in  der Nähe einer früheren Munitionsfabrik, befindet sich, wie  die  Stadt  erst  1994  erfuhr,  die  Grabstätte  von 20 unbekannten  Zwangsarbeitern,  die  dort  in  Einzelgräbern liegen sollen. Recherchen ergaben, daß es sich  um  einen  schon  in  DDR-Zeiten  bekannten Friedhof handelt. Bei den Toten soll es sich um Russen handeln. Von sowjetischer Seite war kein
 
Gedenkzeichen  gewünscht.  Noch  heute  sind  diese Gräber, die zur Gemarkung der Gemeinde Seedorf gehören, ungekennzeichnet.
 
Gedenkzeichen  gewünscht.  Noch  heute  sind  diese Gräber, die zur Gemarkung der Gemeinde Seedorf gehören, ungekennzeichnet.
  
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Es  gibt  kein  Gedenkzeichen  für  diese  Menschen. Teilweise sollen die Gräber neu belegt worden sein. Die Namen der Toten sind nicht bekannt, es soll sich um  Polen  und  drei  sowjetische  Kriegsgefangene gehandelt haben. Die Russen wurden nach 1945 auf den damaligen Wilhelm-Pieck-Platz umgebettet.
 
Es  gibt  kein  Gedenkzeichen  für  diese  Menschen. Teilweise sollen die Gräber neu belegt worden sein. Die Namen der Toten sind nicht bekannt, es soll sich um  Polen  und  drei  sowjetische  Kriegsgefangene gehandelt haben. Die Russen wurden nach 1945 auf den damaligen Wilhelm-Pieck-Platz umgebettet.
  
Auf  dem  Hauptfriedhof von  Demmin  wurden  zwischen 1940 und 1943 nach den Friedhofsunterlagen mindestens 54 Zwangsarbeiter und Kriegsgefangene, auch Kinder von Zwangsarbeiterinnen, beigesetzt. Es handelte sich um Ukrainer und Polen, die an Krankheiten  und  Erschöpfung  starben,  auch  Selbstmord begingen oder wegen angeblicher Vergehen erhängt wurden. Auch kriegsgefangene Russen waren unter ihnen. In der Zuckerfabrik von Demmin waren zahlreiche ausländische Zwangsarbeiter eingesetzt, auch auf  den  Gütern  der  Umgebung.  Es  gibt  für  diese Menschen kein anderes Erinnerungszeichen als die Gräber auf dem Friedhof. In einer besonderen Anlage  befinden  sich  18  mit  Efeu  überwachsene Grabhügel  und  ein  kleiner  schmaler  Stein  mit  der Inschrift:
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''Auf  dem  Hauptfriedhof von  Demmin  wurden  zwischen 1940 und 1943 nach den Friedhofsunterlagen mindestens 54 Zwangsarbeiter und Kriegsgefangene, auch Kinder von Zwangsarbeiterinnen, beigesetzt. Es handelte sich um Ukrainer und Polen, die an Krankheiten  und  Erschöpfung  starben,  auch  Selbstmord begingen oder wegen angeblicher Vergehen erhängt wurden. Auch kriegsgefangene Russen waren unter ihnen. In der Zuckerfabrik von Demmin waren zahlreiche ausländische Zwangsarbeiter eingesetzt, auch auf  den  Gütern  der  Umgebung.  Es  gibt  für  diese Menschen kein anderes Erinnerungszeichen als die Gräber auf dem Friedhof. In einer besonderen Anlage  befinden  sich  18  mit  Efeu  überwachsene Grabhügel  und  ein  kleiner  schmaler  Stein  mit  der Inschrift:
 
Er / ist / unser / Friede
 
Er / ist / unser / Friede
 
[Zeichen eines Kreuzes]
 
[Zeichen eines Kreuzes]
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Opfer des Krieges / 1939—1945
 
Opfer des Krieges / 1939—1945
  
In der Karl-Köthen-Straße gab es eine Gedenktafel für Karl Köthen, geboren 1894, Monteur, Stadtverordneter für die KPD, der 1937 an den Folgen von Mißhandlungen durch die Nationalsozialisten starb. 1990  wurde  die  Karl-Köthen-Straße  in  Baustraße rückbenannt,  die  Gedenktafel  verschwand  und  ist nicht mehr auffindbar.
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''In der Karl-Köthen-Straße gab es eine Gedenktafel für Karl Köthen, geboren 1894, Monteur, Stadtverordneter für die KPD, der 1937 an den Folgen von Mißhandlungen durch die Nationalsozialisten starb. 1990  wurde  die  Karl-Köthen-Straße  in  Baustraße rückbenannt,  die  Gedenktafel  verschwand  und  ist nicht mehr auffindbar.
  
An der Mühlenstra§e/Ecke Clara-Zetkin-Straße gab es eine Gedenktafel für Franz Streit, der als Widerstandskämpfer im Zusammenhang mit der Saefkow-Jacob-Bästlein-Gruppe im Oktober 1944 im Zuchthaus Brandenburg hingerichtet wurde. Das Haus, in dem Franz Streit gelebt hatte, wurde 1992/93 restauriert. Die Gedenktafel verschwand und ist nicht mehr auffindbar."
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''An der Mühlenstra§e/Ecke Clara-Zetkin-Straße gab es eine Gedenktafel für Franz Streit, der als Widerstandskämpfer im Zusammenhang mit der Saefkow-Jacob-Bästlein-Gruppe im Oktober 1944 im Zuchthaus Brandenburg hingerichtet wurde. Das Haus, in dem Franz Streit gelebt hatte, wurde 1992/93 restauriert. Die Gedenktafel verschwand und ist nicht mehr auffindbar."''
  
 
Quelle: Regina Scheer. Demmin, Mecklenburg-Vorpommern In: Bundeszentrale für Politische Bildung (Hg.) ''Gedenkstätten für die Opfer des Nationalsozialismus. Eine Dokumentation. Band II'', Bonn: BpB, 2008, 405f.
 
Quelle: Regina Scheer. Demmin, Mecklenburg-Vorpommern In: Bundeszentrale für Politische Bildung (Hg.) ''Gedenkstätten für die Opfer des Nationalsozialismus. Eine Dokumentation. Band II'', Bonn: BpB, 2008, 405f.

Version vom 30. September 2021, 22:43 Uhr

Napoleonische Zeit

Opfer in französischen Diensten: Französische Flotte, Rußlandfeldzug u.a.

Befreiungskriege

Deutsch/ Französischer Krieg 1870/71

Erster Weltkrieg

Zweiter Weltkrieg

"Auf dem Ernst-Barlach-Platz (1897 als Wilhelmsplatz eingeweiht, in der DDR-Zeit Wilhelm-Pieck-Platz, seit 1990 Ernst-Barlach-Platz) befindet sich in unmittelbarer Nähe zu einem sowjetischen Soldatenfriedhof ein Ehrenmal für die ̈Opfer des Faschismus. Dieses Denkmal wurde bereits 1945 in seiner heutigen Form errichtet, es stand zunächst auf dem August-Bebel-Platz, wurde aber anläßlich des 22. Jahrestages der DDR 1971 an seinem heutigen Standort eingeweiht. An dieser Stelle befand sich auch das Kriegerdenkmal ̈Für die Helden von 1870/71 ̇. Der Unterbau des alten Denkmals ist noch vorhanden, auf dem Granitsockel stand von 1906 bis 1945 eine Statue Kaiser Wilhelms I. Die Inschrift im Sockel lautet: ̈Den Toten zur Ehre / den Lebenden zur Pflicht ̇. Nachträglich sind über diesen Worten die Buchstaben ̈O. d. F. ̇ (Opfer des Faschismus) goldfarben eingearbeitet worden. Das Denkmal befindet sich in der parkähnlichen Anlage auf einem kleinen Hügel, zu dem Stufen hinaufführen. Die Stadt ließ es unverändert. Der daneben liegende sowjetische Soldatenfriedhof wurde 1995 umgestaltet. Die 22 Meter hohe Gedenkstele mit dem Sowjetstern wurde entfernt, die für Fahnenappelle angelegte planierte Fläche zu Rasen umgewandelt. Unter dieser Fläche liegen 103 Tote. Dabei handelt es sich nicht nur um Soldaten, sondern, wie die Friedhofsunterlagen ausweisen, auch um sowjetische Zwangsarbeiter, die nach 1945 hierher umgebettet wurden, sowie um Kriegsgefangene und ein sechs Monate altes Kind. Auf dem Platz wurde 1995 eine Marmortafel aufgestellt, die die Inschrift trägt: Den Opfern von Krieg und Gewaltherrschaft. Ein Findling am Rande des Platzes trägt eine Messingtafel, auf der darüber informiert wird, daß sich hier seit 1946 ein sowjetischer Soldatenfriedhof befindet.

Im Woldeforst nordwestlich von Demmin, in der Nähe einer früheren Munitionsfabrik, befindet sich, wie die Stadt erst 1994 erfuhr, die Grabstätte von 20 unbekannten Zwangsarbeitern, die dort in Einzelgräbern liegen sollen. Recherchen ergaben, daß es sich um einen schon in DDR-Zeiten bekannten Friedhof handelt. Bei den Toten soll es sich um Russen handeln. Von sowjetischer Seite war kein Gedenkzeichen gewünscht. Noch heute sind diese Gräber, die zur Gemarkung der Gemeinde Seedorf gehören, ungekennzeichnet.

Auf dem Friedhof des Stadtteils Vorwerk befinden sich Gräber von 45 Zwangsarbeitern, die zwischen 1941 und 1945 hier ums Leben kamen. Sie waren zur Arbeit auf dem Gut der Familie von Rohr eingesetzt. Es gibt kein Gedenkzeichen für diese Menschen. Teilweise sollen die Gräber neu belegt worden sein. Die Namen der Toten sind nicht bekannt, es soll sich um Polen und drei sowjetische Kriegsgefangene gehandelt haben. Die Russen wurden nach 1945 auf den damaligen Wilhelm-Pieck-Platz umgebettet.

Auf dem Hauptfriedhof von Demmin wurden zwischen 1940 und 1943 nach den Friedhofsunterlagen mindestens 54 Zwangsarbeiter und Kriegsgefangene, auch Kinder von Zwangsarbeiterinnen, beigesetzt. Es handelte sich um Ukrainer und Polen, die an Krankheiten und Erschöpfung starben, auch Selbstmord begingen oder wegen angeblicher Vergehen erhängt wurden. Auch kriegsgefangene Russen waren unter ihnen. In der Zuckerfabrik von Demmin waren zahlreiche ausländische Zwangsarbeiter eingesetzt, auch auf den Gütern der Umgebung. Es gibt für diese Menschen kein anderes Erinnerungszeichen als die Gräber auf dem Friedhof. In einer besonderen Anlage befinden sich 18 mit Efeu überwachsene Grabhügel und ein kleiner schmaler Stein mit der Inschrift: Er / ist / unser / Friede [Zeichen eines Kreuzes] Ausländer Opfer des Krieges / 1939—1945

In der Karl-Köthen-Straße gab es eine Gedenktafel für Karl Köthen, geboren 1894, Monteur, Stadtverordneter für die KPD, der 1937 an den Folgen von Mißhandlungen durch die Nationalsozialisten starb. 1990 wurde die Karl-Köthen-Straße in Baustraße rückbenannt, die Gedenktafel verschwand und ist nicht mehr auffindbar.

An der Mühlenstra§e/Ecke Clara-Zetkin-Straße gab es eine Gedenktafel für Franz Streit, der als Widerstandskämpfer im Zusammenhang mit der Saefkow-Jacob-Bästlein-Gruppe im Oktober 1944 im Zuchthaus Brandenburg hingerichtet wurde. Das Haus, in dem Franz Streit gelebt hatte, wurde 1992/93 restauriert. Die Gedenktafel verschwand und ist nicht mehr auffindbar."

Quelle: Regina Scheer. Demmin, Mecklenburg-Vorpommern In: Bundeszentrale für Politische Bildung (Hg.) Gedenkstätten für die Opfer des Nationalsozialismus. Eine Dokumentation. Band II, Bonn: BpB, 2008, 405f.

Anmerkung: Die Kriegsgräberstätte Woldeforst/Gemeinde Seedort wurde am 17.5.2018 eingeweiht.

Nachkriegszeit (z.B. Lager Fünfeichen)