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'''1225/26''' wurde die Städte Parchim und Plau gegründet, nach den Worten Borwin II. in einem "wüsten und unwegsamen, des Teufels Diensten ergebenem Lande", um deutsche Colonisten in das Land zu holen. Fürst Pribislav I. warb dafür erfahrene Locatoren (Ortsgründer) und Siedler aus der Gegend um Gadebusch an. Hier existierten bereits die älteren Siedlungen Goldenbow, Frauenmark und Schönberg sowie Dragun, dem vermutlichen Herkunftsort des Stifters der Kirche zu Frauenmark. In den folgenden Jahren, bis etwa '''1260''',
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wurde das Gebiet nördlich von Parchim erschlossen. In dieser Zeit dürfte auch Goldenbow gegründet worden sein. Ein Hinweis darauf ist die Dorfanlage als Angerdorf, einer für deutsche Locatoren typischen Dorfanlage.
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1225/26 wurde die Städte Parchim und Plau gegründet, nach den Worten Borwin II. in einem "wüsten und unwegsamen, des Teufels Diensten ergebenem Lande", um deutsche Kolonisten in das Land zu holen. Nach seinem Tode im Jahr 1226 wurden in der Ersten Mecklenburgischen Hauptlandesteilung (Link) die vier Herrschaften Mecklenburg, Parchim, Werle und Rostock gegründet. Die Herrschaft Parchim (später Parchim-Richenberg) erhielt sein jüngster Sohn Pribislav, der zu dieser Zeit noch ein Kind war und am Hof seines älteren Bruders und Vormundes Johann, dem Fürsten der Herrschaft Mecklenburg, in Wismar aufwuchs. Johann sandte in den ersten Jahren nach der Teilung ca.30 Locatoren (Ortsgründer) und Siedler aus seinem schon besiedelten Herrschaftsbereich aus dem Raum Gadebusch nach Parchim und Plau. Hier gab es bereits die älteren Siedlungen Goldenbow, Frauenmark und Schönberg sowie Dragun, dem vermutlichen Herkunftsort des Stifters der Kirche zu Frauenmark. 1229 wird als einer der ersten Siedler Gerhard von Mallyn erwähnt, dessen Familie ab Anfang des 14. Jahrhunderts u.a. auch auf der Burg Gömtow saß.
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Nach seiner Volljährigkeit im Jahre 1238 lenkte Pribislav die Geschicke des Landes Parchim und lag vor allem mit seinem nördlichen Nachbarn und Schwager Graf Gunzelin von Schwerin in Streit, der einige Besitzungen in dem alten Land Ture nördlich von Lübz hatte. Mit einem Vergleich in den Jahren 1347/49 verzichtete Gunzelin auf diesen Besitz. Dieser Streit betraf sicher auch das zwischen der Grafschaft Schwerin und dem Land Ture liegenden Gebiet von Goldenbow, denn in der ersten Hälfte des 13. Jahrhunderts wird noch der Teufelsbach als Grenze zwischen den Herrschaften Schwerin und Parchim genannt. Diese wurde möglicherweise im Rahmen des Vergleichs an den Grenzbach zwischen Frauenmark und Goldenbow verschoben (und sorgte fortan bis in die Neuzeit für eine wechselnde Zugehörigkeit der Gemeinde Friedrichsruhe zum Amt Crivitz bzw. zum Kreis Parchim).
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Die Gründung des Ortes Goldenbow ist wohl erst nach Beilegung der Streitigkeiten erfolgt. Ein Hinweis auf eine deutsche Besiedlung ist die Dorfanlage als Angerdorf, einer für deutsche Locatoren typischen Siedlungsform. Bis 1260 soll das Gebiet nördlich von Parchim jedenfalls weitgehend erschlossen gewesen sein.
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1255 endete in Folge weiterer Streitigkeiten von Pribislav mit dem Schweriner Bischof Rudolf die Zeit seiner Herrschaft über Parchim-Richenberg. Er wurde gefangen genommen und sein Herrschaftsbereich zwischen den angrenzenden Herrschaften Schwerin und Güstrow/Werle aufgeteilt. Die Grenze verlief weiterhin am o.g. Grenzgraben zwischen Goldenbow und Frauenmark.
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Die älteste bekannte urkundliche Erwähnung der deutschen Besiedlung   
 
Die älteste bekannte urkundliche Erwähnung der deutschen Besiedlung   

Version vom 21. Januar 2022, 19:46 Uhr

Das Dorf Goldenbow

Autor Christian Pagenkopf

Quellen:

- Burghard Keuthe: Goldenbower Geschichten, Parchimer Verlag GmbH 1994

- Hans-Joachim Ulbrich: Frauenmark 725-Jahrfeier 1989, Aus der Chronik

- Rainer Klützke: Ortschronik der Gemeinde Ruthenbeck 1987

- Henning Müller: Quo vadis? "Alte Wege neu entdecken", Einblicke Heft 15, Landkreis Nordwestmecklenburg 2011

- Jürgen Senger, Chronist der Gemeinde Friedrichsruhe: diverse Materialien, Fotos


Kenndaten der Ortschronik
OrtGoldenbow
Zeitlicher Schwerpunkt1264 - Mitte 20.Jhd.
UrheberrechteAutor, Christian Pagenkopf
Erstellungszeitraum2018/19
Publikationsdatumunveröffentlicht
Inhaltliche KategorisierungGeschichte von Goldenbow im Kirchspiel Frauenmark
Status (Ampelsystem)unveröffentlicht


Abriss der Geschichte von Goldenbow

Um die Chronik von Goldenbow übersichtlicher zu gliedern, existiert für jede Epoche ein eigener Artikel.

Ur- und Frühgeschichte

Zeugnisse der Ur- und Frühgeschichte

Das Gebiet um Goldenbow mit den Nachbardörfern Frauenmark, Friedrichsruhe und Neu- Ruthenbeck sowie der Wüstung Schönberg, das landschaftlich durch die Niederungen des Mühlenbachs und des Teufelsbachs sowie dem Endmoränenzug der Wasserscheide zwischen Nord- und Ostsee mit dem markanten Runden Holz und dem Tempelberg (83,3 m NHN) gekennzeichnet wird, war bereits in der Jungsteinzeit durch Menschen der Trichterbecher-Kultur vor ca. 5000 Jahren besiedelt.

Das eindruckvollste Zeugnis dieser Zeit ist der „Teufelsbackofen“, ein Hünengrab am Teufelsbach, ca. 1 km nördlich von Goldenbow bei Neu-Ruthenbeck. Schlie bezeichnete die nahe gelegene Dorf- und Feldmark von Friedrichsruhe als die an vorgeschichtlichen Erscheinungen reichste in Mecklenburg. [1] [2] Zwei weitere Großsteingräber befinden sich am Weg von Frauenmark nach Grabow und ca. 200 m östlich des Weges von Frauenmark nach Hof Bergrade am Waldrand. Drei liegen südlich des Weges von Frauenmark nach Friedrichsruhe an den Fischteichen. Der Erhalt der beiden erstgenannten ist Prof. Robert Beltz zu verdanken. Scherben-, Schmuck- und Werkzeugfunde aus dieser Zeit belegen die über tausendjährige Besiedlung des Gebietes bis in die Bronzezeit. Für eine germanische Besiedlung in der Eisenzeit um etwa 700 v.u.Z. wurden vor allem im Bereich des Teufelsbaches Belege gefunden. In der Nähe des „Teufelsbackofen“ befanden sich nach Berichten von F. Lisch früher noch mehrere steinerne Zeugnisse und Hügelgräber aus dieser Zeit. Sie wurden jedoch von den Bauern der Umgebung zerstört, um der behördlichen Auflage zur Lieferung von Pflastermaterial für die Befestigung der Chaussee von Crivitz nach Parchim im 19. Jahrhundert nachzukommen. [3] Beltz/Witte berichten 1913 von der Aufdeckung von 14 Grabstätten auf der Erbpachthufe von Herrn Grützmacher (die befand sich östlich des Teufelsbaches). Die Funde wurden auf 700...800 v.Chr. datiert. Einige Grabstätten waren von Steinbrechern zerstört, andere gut erhalten. Es wurden Urnen, Grabbeigaben und Bronzegegenstände gefunden. Die Grabungen sollten fortgesetzt werden. [4]

Vorchristliche Zeit (Slavenzeit/Wendenzeit) (von den Anfängen bis um 1200)

Für die slawische Besiedlung des Gebietes um Goldenbow wird ein Zeitraum von 660 bis 1160 angenommen. Zeugnisse aus dieser Zeit sind ein slawischer Burgwall am Teufelsbach in den Bauerntannen und eine slawische Dorfstelle daneben. Etwas weiter entfernt, zwischen Friedrichsruhe und Klinken befindet sich ein weiterer, im 19. Jhd. teilweise abgetragener Burgwall. [5] Erste Ausgrabungen fanden bereits 1881/82 im Auftrag des Großherzogs Friedrich Franz II. durch Beltz und Wildhagen statt, weitere 1913 durch Beltz. Bei Grabungen in jüngster Zeit wurden zahlreiche Funde zutage gefördert, u.a. die hölzernen Reste einer Brücke über den Mühlenbach westlich der Burg sowie 1967 ein Wikingerschwert. Die Fundstelle wird dem nordelbischen Siedlungsgebiet der Lionen an der Grenze zum karolingisch-fränkischen Reich im 9./10. Jahrhundert zugeordnet. Eine andere Vermutung ist, dass dies eine Hauptburg des Stammes der Warnower war.[6]

Beim Bau der Straße von Goldenbow nach Frauenmark wurden 1912 Gruben mit Resten einer offenen slawischen Besiedlung gefunden. Am nördlichen Ortsrand wurden Scherben aus einer frühdeutschen Besiedlung gefunden.

spätes Mittelalter (von 1225 bis 1517)

Landesentwicklung nach der 1. Landesteilung
stilisiertes Angerdorf auf der Vicke-Schorler-Rolle von 1578
Die Einteilung der Hufen


1225/26 wurde die Städte Parchim und Plau gegründet, nach den Worten Borwin II. in einem "wüsten und unwegsamen, des Teufels Diensten ergebenem Lande", um deutsche Kolonisten in das Land zu holen. Nach seinem Tode im Jahr 1226 wurden in der Ersten Mecklenburgischen Hauptlandesteilung (Link) die vier Herrschaften Mecklenburg, Parchim, Werle und Rostock gegründet. Die Herrschaft Parchim (später Parchim-Richenberg) erhielt sein jüngster Sohn Pribislav, der zu dieser Zeit noch ein Kind war und am Hof seines älteren Bruders und Vormundes Johann, dem Fürsten der Herrschaft Mecklenburg, in Wismar aufwuchs. Johann sandte in den ersten Jahren nach der Teilung ca.30 Locatoren (Ortsgründer) und Siedler aus seinem schon besiedelten Herrschaftsbereich aus dem Raum Gadebusch nach Parchim und Plau. Hier gab es bereits die älteren Siedlungen Goldenbow, Frauenmark und Schönberg sowie Dragun, dem vermutlichen Herkunftsort des Stifters der Kirche zu Frauenmark. 1229 wird als einer der ersten Siedler Gerhard von Mallyn erwähnt, dessen Familie ab Anfang des 14. Jahrhunderts u.a. auch auf der Burg Gömtow saß. Nach seiner Volljährigkeit im Jahre 1238 lenkte Pribislav die Geschicke des Landes Parchim und lag vor allem mit seinem nördlichen Nachbarn und Schwager Graf Gunzelin von Schwerin in Streit, der einige Besitzungen in dem alten Land Ture nördlich von Lübz hatte. Mit einem Vergleich in den Jahren 1347/49 verzichtete Gunzelin auf diesen Besitz. Dieser Streit betraf sicher auch das zwischen der Grafschaft Schwerin und dem Land Ture liegenden Gebiet von Goldenbow, denn in der ersten Hälfte des 13. Jahrhunderts wird noch der Teufelsbach als Grenze zwischen den Herrschaften Schwerin und Parchim genannt. Diese wurde möglicherweise im Rahmen des Vergleichs an den Grenzbach zwischen Frauenmark und Goldenbow verschoben (und sorgte fortan bis in die Neuzeit für eine wechselnde Zugehörigkeit der Gemeinde Friedrichsruhe zum Amt Crivitz bzw. zum Kreis Parchim). Die Gründung des Ortes Goldenbow ist wohl erst nach Beilegung der Streitigkeiten erfolgt. Ein Hinweis auf eine deutsche Besiedlung ist die Dorfanlage als Angerdorf, einer für deutsche Locatoren typischen Siedlungsform. Bis 1260 soll das Gebiet nördlich von Parchim jedenfalls weitgehend erschlossen gewesen sein. 1255 endete in Folge weiterer Streitigkeiten von Pribislav mit dem Schweriner Bischof Rudolf die Zeit seiner Herrschaft über Parchim-Richenberg. Er wurde gefangen genommen und sein Herrschaftsbereich zwischen den angrenzenden Herrschaften Schwerin und Güstrow/Werle aufgeteilt. Die Grenze verlief weiterhin am o.g. Grenzgraben zwischen Goldenbow und Frauenmark.


Die älteste bekannte urkundliche Erwähnung der deutschen Besiedlung beinhaltet die Schenkung der Kirche von Frauenmark [7] , dem Nachbar- und Kirchspielort Goldenbows, von dem Grafen Gunzelin von Schwerin an das Kloster Rühn und stammt aus dem Jahr 1264.

1307 wird Dietrich von Goldenbow im Mecklenburgischen Urkundenbuch erstmalig als Ratsherr in Parchim genannt, letztmalig 1312. 1308 erwirbt er seine Lehensanteile in den nahe gelegenen Orten Zieslübbe und Dargelütz. Er wird wahrscheinlich der Ortsgründer und Namensgeber von unserem Goldenbow sein. Dies legen die in der Erwerbsurkunde genannten Zeugen der Beurkundung nahe. Mehrere Namen verweisen auf Orte in der näheren und weiteren Umgebung von Goldenbow und auf ihre Tätigkeit als Locatoren (Brüsewitz, Mallin (untergegangener Ort südlich von Parchim), Retgendorf, Domsühl, Grambow, Woosten).

Eine weitere, aber eher unwahrscheinliche Erklärung könnte der slawische Ursprung des Names, "Taubendorf", sein, abgeleitet vom altslawischen "golabi". Eine slawische Siedlung mit diesem Namen konnte aber nicht nachgewiesen werden.

Paul Kühnel : Die slavischen Ortsnamen in Meklenburg; Jahrbücher des Vereins für Mecklenburgische Geschichte und Altertumskunde, Band 46 (1881): Goldenbaum, A. Strelitz, 1398 Goldenbow, 1393 Goldenbowe (altsl. goląbĭ. Taube P und A) adj. poss. §. 15 oder 34: "Ort des Golab" oder "Taubenort" (oder deutsch?) (Bei den beiden letzten ON scheint eine Vermengung mit einem deutschen PN Goldenbow, Goldenboge vorzuliegen.) Goldenbow, A. Kriwitz, 1344 Goldenbowe: dasselbe. Goldenbow, A. Wittenburg, 1230 Golenbowe: dasselbe.

Raabe weist 1894 darauf hin, dass es früher eine Familie Goldenbow gab. Der Familienname taucht Ende 19./Anfang 20. Jhd. noch in vielen umliegenden Orten auf (in der Volkszählung von 1919 u.a. in Frauenmark, Dorf Ruthenbeck, Crivitz, Klinken, Parchim).

Eine Sage hierzu - Der Burgwall Gömptow bei Friedrichsruh, unweit Crivitz - ist auch im Band 4 von "Mecklenburgs Volkssagen", gesammelt und herausgegeben von M.Dr.A. Niederhöffer, Erscheinungsjahr 1862, zu finden. (sh. Abschnitt Sagen und Dorfgeschichten [8])

Die deutschen Angerdörfer wurden typischer Weise an Wegekreuzungen errichtet. Vermutlich verlief hier die alte Wegeverbindung von Crivitz nach Parchim, die auf dieser Trasse den günstigeren landschaftlichen Gegebenheiten folgte, über Goldenbow und Frauenmark und von dort weiter über Hof-Bergrade/Dargelütz oder Severin nach Parchim (in der Karte von Wiebeking wird der Weg zwischen Goldenbow und Neu-Ruthenbeck noch als Landstraße bezeichnet). Sie kreuzte hier die von Radepohl, Badegow und Kladrum in Goldenbow zusammenlaufenden Wege und deren Fortsetzung nach Friedrichsruhe. Eine andere Theorie besagt, das Angerdörfer auch eine Umbauung hier bereits vorhandener slawischer Siedlungen gewesen sein könnten. Hierfür gibt es lt. Keuthe in Goldenbow jedoch keinen Nachweis.

In der Mitte auf dem Dorfanger stand üblicherweise die Kirche wie z.B. in den Nachbardörfern Kladrum und Domsühl. Da der Locator aus nicht genauer bekannten Gründen offenbar nicht genug Bauern anwerben konnte wurden nur 10 Hofstellen auf der Ostseite des Ortes vergeben und bebaut. Die unvollständige Besiedlung wird wohl auch der Grund gewesen sein, dass keine Kirche mehr gebaut wurde.

Goldenbow hat 10 Hufen zu 20,8 Hektar, die damit die doppelte Größe der hier üblichen Hufen von 10,4 ha haben. Ursprünglich war diese Fläche wohl für 20 Hufen bei einer beidseitigen Bebauung vorgesehen, aber durch den kargen Boden und einem vermutlich hohen Aufwand für die Urbarmachung [9] wurde die Hufengröße wie bei den sogenannten Hägerhufen (die Urbarmachung eines Waldgebietes) üblich, wohl verdoppelt.

Ein anderer Grund könnte auch die Lage des Ortes an der östlichen Grenze der Grafschaft Schwerin [10] in einem damals umstrittenen und deshalb wahrscheinlich unsicheren Grenzgebiet sein. Die auf Heinrich den Löwen zurückgehende Gründung der Grafschaft grenzte hier im 12. Jhd. an die alte Provinz Warnow und das Land Ture, die slavisch besiedelte Gegend um Lübz. Im Ergebnis der 1. Hauptlandesteilung durch Borwin II. [11] entstand hier die Herrschaft Parchim-Richenberg. Pribislaw I. [12], jüngster Sohn Borwin II. wurde Herr von Parchim-Richenberg und stand, wie an vielen anderen Orten auch, mit dem Grafen von Schwerin im Streit um den Grenzverlauf, so dass er um 1250 den Teufelsbach als Grenzbefestigung sichern ließ. Die neuen deutschen Siedler, die außer den Streitigkeiten der Landesherren auch noch den anhaltenden Überfällen und Raubzügen einiger noch verbliebenen slavischen Stammesgruppen bis Ende des 13. Jhd. ausgesetzt waren, errichteten deshalb mit großem Aufwand die spätromanischen Feldsteinkirchen als Flucht- und Wehrkirchen. Beispiele hierfür sind die Kirchen in den Nachbarorten Frauenmark, Kladrum [13] und Wessin [14] , mit bis zu 3 m dicken Grundmauern (Frauenmark) und Schießscharten im Turm (Wessin). Spätromanische Kirchen sind die ältesten in Mecklenburg erhaltenen Kirchenbauten. Ihr Baubeginn kann, wenn auch urkundlich nicht festgehalten, auf die erste Hälfte des 13. Jhd. datiert werden.

Das Dorf wurde urkundlich erstmalig 1344 erwähnt. Am 12. Mai verkaufte Nicolaus von Mallin, Knappe des Fürsten zu Werle, Hebungen der Ortschaften Goldenbow und Gömtow für 27 Mark und 8 Schilling slawisch an die Knappen Gerhard Neuenkirchen und Werner Schönburg, d.h. die Lehenshoheit über Goldenbow dürfte zu dieser Zeit schon mehrere Jahre oder Jahrzehnte bestanden haben. 1357 und 1374 kauften Nicolaus und Werner Schönberg, ersterer aus Parchim, von Nicolaus von Mallin weitere Hebungen zu Goldenbow.

Im Register der Kirche St. Georg in Parchim wird 1358 Mallin im Zusammenhang mit einem Verkauf "aus dem felde Goldenbow" an N. Schönberg genannt.

Für das Jahr 1363 gibt es für die Hufen 1 bis 8 erstmalig eine namentliche Aufführung der Hufenbauern (Gerhard Mowe, Hermann Elberts, Hinseke Laurenses, Hermann Ulrikes, Hermann Creyemann, Kerstoffer Wolters, Heyne Wolters, Bulowe). Die Hufen 9 und 10 sind nicht besetzt.

Die Ritter von Mallin waren lt. L i s c h im Mittelalter eine vermögene und einflussreiche Familie aus der Umgebung von Parchim. Stammvater war Gerhard I. von Mallin, urkundlich erwähnt 1229 - 1231. Mitte des 14. Jhd. besaßen seine Nachkommen dann mehrere Güter in Nachbardörfern von Goldenbow (Radepohl, Rutenbek, Raduhn).

Die Familie Schönberg erwarb in dieser Zeit bis ca. 1400 in großem Umfang auch Land und sonstiges Eigentum in den Nachbardörfern und entzog damit den in dieser Gegend ansässigen Knappen des Fürsten von Werle (Mallin, Wigert, Bolte Katte), die damals nicht ohne Grund auch als Raubritter bezeichnet wurden, so nach und nach die wirtschaftlichen Grundlagen. Mit dem so erworbenen Kapital konnten die Schönbergs ein Gut in Frauenmark aufbauen, das sie mit List und Gewalt weiter vergrößerten. Dass der Ortsname der benachbarten Wüstung Schönberg an der Grenze zu Goldenbow auf diese Familie zurückgeführt werden kann, ist anzunehmen aber nicht nachweisbar. Der kleine Ort war später jedenfalls lange Zeit von einem Schönberg besetzt.


Der Publikation von Müller ist zu entnehmen, dass nördlich und westlich des Dorfes bereits im Mittelalter wichtige Handelswege von Wismar und der Burg Mecklenburg nach Lenzen und Havelberg an der Elbe und von Lübeck über Schwerin und Malchow nach Stettin verliefen. Sie kreuzten sich vermutlich bei Crivitz. Der Weg zwischen Burg Mecklenburg und Elbe wurde bereits 965 von dem jüdisch-arabischem Reisenden Ibrahim Ibn Jakub, der die ersten Berichte über das spätere Mecklenburg verfasste, benutzt. Vermutlich zog auch Kaiser Otto III. auf diesen Weg von der Altmark zur Burg Mecklenburg, auf der er 995 in einer hier ausgestellten Urkunde die Mikelenburg erstmals nennt und die als "Geburtsurkunde" des Landes gilt. In Tramm zeugt noch ein sogenannter "Sühnestein" von diesem Handelsweg.

Ein weiterer Beleg für die Bedeutung dieser Handelswege könnte der Feldzug von Albrecht III., Fürst von Mecklenburg und König zu Schweden gemeinsam mit den Hansestädten Rostock, Wismar und Lübeck im Jahre 1383 sein. Zu der Zeit war der schlechte Ruf des Henneke v. Mallin als Raubritter und Anführer von Raubzügen im Lauenburgischen in ganz Mecklenburg bekannt. Albrecht der III. verwüstete mit seinem Heer in einem Feldzug gegen ca. 30 „Räuberburgen“ und wohl auch dem Fürsten zu Werle als erste 1385 die zu Gömtow. In der Lübecker Chronik heißt es „… Sie zogen mit dem König von Schweden und mit dem anderen Volke zuerst zu Gometowe. Sie verheerten das ganze Gut, das dem von Mallyn gehörte.“ [15] Von den Auswirkungen auf die umliegenden Dörfer wird leider nicht berichtet. Der Flurname Mordkuhle an der Straße nach Crivitz in Höhe Ruthenbeck geht aber vermutlich auf die Raubzüge und die Ermordung von Kaufleuten zurück. Aber es gab auch das Gerücht, dass in schlechten Zeiten auch einige Goldenbower Bauern die vorbeiziehenden Kaufleute ausrauben würden. [16]

Die genaue Lage der damaligen Burg Gömtow ist nicht belegt. Der mecklenburger Historiker Schlie geht im Zusammenhang mit einer Untersuchung des Burgwalls Friedrichsruhe/Klinken im 19. Jhd. jedoch davon aus, dass dieser nicht die Burg Gömtow gewesen sein kann sondern dass sich diese an der Stelle des späteren Gutes Gömtow befunden haben muss. Genauere Untersuchungen hierzu gibt es leider noch nicht.

Das damit offenbar entstandene Machtvakuum machten sich nun die Frauenmarker Kirche mit ihren reichen Einkünften sowie einem großen Einfluss in den umliegenden Dörfern und das expandierende Gut der Schönbergs streitig, deren Interesse sich jetzt auch auf die Kirchenländereien und –rechte richtete. Der Machtkampf ging so weit, dass lt. einem Meßbucheintrag von 1442 ein Gerke Schönberg sogar den Pfarrer Peter Viti wegen des Mastgeldes erstach. Welche Auswirkungen diese Auseinandersetzungen auf die Bauern hatten und ob die Kirche ggf. die Bauern in Schutz nahm wird in den Urkunden des 15. und 16. Jhd. nicht erwähnt. Sie werden jedenfalls erheblichen Repressalien ausgesetzt gewesen sein.

Die erste urkundliche Erwähnung der dörflichen Verhältnisse findet sich in einer Urkunde des Landesherren Johann, Fürst von Werle aus dem Jahre 1363 im Zusammenhang mit einer Schenkung des Fürsten an den Priester Dethard Schönberg und seinem Bruder Nicolaus zur Gründung einer Fischerei, in der die von der Schenkung betroffenen 8 Hufenbauern namentlich genannt werden. Weitere Besetzungen der Bauernhufen liegen namentlich aus den Jahren 1518, 1545, 1779 und 1860 vor (s.h. Keuthe). 1779 werden erstmals Namen von noch Mitte des 20. Jhd. In Goldenbow ansässigen Bauern genannt (2x Schwartz, 2x Warnke und Beckendorf).

Reformation und Nachreformationszeit (1517 bis 1648)

Um 1540 hält auch die Reformation im Frauenmarker Kirchspiel Einzug. Ob Mattheus Blomberg oder sein Nachfolger, Dionysius Brunow, der erste evangelische Pfarrer war, ist nicht genau überliefert. Zur Landesreligion wird das evangelische Glaubensbekenntnis durch einen Beschluss des Mecklenburgischen Landtages am 15.6.1549. [17]


In den Jahren 1556 und 1574 beschwerten sich die noch freien Bauern von Frauenmark über die „Erhöhung der Dienste und zahlreicher Beeinträchtigungen“ durch den Heinrich von Schönberg. Ein Gesetz aus dem Jahre 1572 hatte zwischenzeitlich das bereits seit Jahren übliche „Bauernlegen“ legalisiert. Auf Goldenbow als domaniales Bauerndorf scheint das aber keine Auswirkungen gehabt zu haben. Jedenfalls blieb die alte Hufenstruktur mit ihren Bauern bis Mitte des 20. Jhd. hier weitgehend erhalten.

1579 wird Trina Damerow als Hexe verbrannt, eine weitere Hexenverbrennung wird 1616 für Anna Schulten genannt. 1613 wird die Frau des Dorfschulzen Jacob Hagen der Hexerei bezichtigt. (Die Quellenlage hierzu, die Dissertation von Katrin Möller, 2007 Bielefeld, ist allerdings unsicher, da der Ort nicht ausreichend lokalisiert wurde. Es könnte deshalb auch Goldenbow bei Vellahn sein.)

Ende des 16. Jhd. wird erstmals die zwischen Frauenmark, Gömtow und Goldenbow gelegene Fischerei am Ellernbruch in Frauenmark erwähnt. Ein ständiger Streitfall zwischen den Schönbergs aus Frauenmark und den neuen Herren von Gömtow, den Grabows, ist die Wasserführung des Mühlenbachs, der die Fischteiche speist und die Gömtower Mühle antreibt.


1630 erreicht der Dreißigjährige Krieg auch das hiesige Kirchspiel. Für Frauenmark ist die Einquartierung von 41 Schweden überliefert und der ab 1635 amtierende Pastor Lindemeier wird durch die Kriegshorden vertrieben. Nach dem Ende des Krieges 1648 wird schon 1653 eine neue Kirchenglocke mit dem stattlichen Durchmesser von 118 cm geweiht und in Frauenmark sind, bis auf eine Hufe, alle freien Bauernstellen gelegt.

Bis zur napoleonischen Zeit (bis 1813)

Findling an der alten Wegekreuzung des Weges von Severin nach Badekow
Bauakte zum Gehöft Nr.3 von 1858
Topografische Karte der Berliner Akademie der Wissenschaften von 1764
Karte Wiebeking 1786
Karte von Schmettau 1788

Das nach dem Dreißigjährigen Krieg in Mecklenburg verstärkt einsetzende Bauernlegen war in Goldenbow auch weiterhin nicht zu verzeichnen. Alle zehn Bauernhufen blieben erhalten. Als Grund dafür ist der Schutz durch das Domanium und der Kirche anzunehmen, deren Pächter die Bauern zum großen Teil waren.

1756 wird das Damenstift des Klosters Rühn, zu dessen Besitz auch das Kirchspiel Frauenmark gehörte, aufgehoben und das Eigentum an den Landesherren übertragen.

Im Jahre 1759 findet deshalb eine „Visitation“ des Kirchspiels durch eine hochamtliche Untersuchungskommission statt, um eine Bestandsaufnahme für den Landesherren durchzuführen. Von den Herren der umliegenden Güter Gömtow, Schlieven, Severin und Frauenmark, die sich in den vergangenen Zeiten unrechtmäßig kirchliches Land angeeignet hatten, wurde bis zuletzt versucht, diesen Termin zu verhindern. Hierzu sollten neben den genannten Gutsherren auch die 350 Beichtkinder der Kirchgemeinde erscheinen. Die Befragung des Pfarrers nach kirchlichen, weltlichen und „moralischen“ Angelegenheiten im Kirchspiel wurde in einem mehrseitigen Protokoll festgehalten. Eine Frage betraf das Vorhandensein von Hebammen und wurde mit „ Ja, zu Frauenmark und zu Schlieven, beeidet seien sie allerdings nicht!“ beantwortet. Für die Bewirtschaftung der Ländereien der Kirche wurden Pächter aus Goldenbow und Gömtow genannt, deren Nachkommen noch Mitte des 20. Jhd. in den umliegenden Dörfern lebten (Bruhn, Frick, Quandt, Hopp, Schröder, Wandschneider, Niemann).

Für ihren neuen Herren hatten die Goldenbower Hand- und Spanndienste von jeweils 180 Tagen auf dem herzoglichen Gut in Gömtow mit dem damaligen Inspector Schroeder zu leisten. Der Herzog war aber als Grundherr andererseits für die Erhaltung seines Eigentums, der sogenannten Hofwehr zuständig, wozu neben den Gebäuden auch Gerätschaften, Vieh und Saatkorn gehörten. In den 1780er Jahren veranlasste dies die Goldenbower Bauern mehrfach zu Bittschriften um finanzielle Unterstützung für Reparaturarbeiten an den Häusern oder den Folgen der Missernte im Jahre 1783. Da ihnen jedoch Unregelmäßigkeiten beim Getreideverkauf auf dem Markt in Parchim zu ihren Gunsten nachgewiesen werden konnten, wurde ihre Bitte abgeschlagen.

1779 hatte Goldenbow 120 Einwohner. Diese sind namentlich nach Alter, Geschlecht (nur Erwachsene), Wohnort und Tätigkeit aufgelistet (sh. Keuthe).

In der Karte der Berliner Akademie der Wissenschaften von 1764 ist östlich von Goldenbow noch ein Weg von Severin über Schönberg nach Radepohl und Bülow eingezeichnet, der von Einheimischen auch als "Alte Poststraße" bezeichnet wurde. Er ist heute im Bereich der Fischteiche südlich der Straße von Goldenbow nach Frauenmark unterbrochen, vermutlich weil die Unterhaltung des hier noch sichtbaren Dammes durch den Teich zu aufwendig war und führt jetzt von Severin nach Frauenmark. Am ehemaligen Wegekreuz mit der Straße von Goldenbow nach Frauenmark erinnert heute ein großer Findling an diese alte Verbindung, die als Feldweg Richtung Radepohl noch heute besteht. In der aktuelleren Karte von Schmettau von 1788 ist der Weg im Abschnitt der Fischteiche nicht mehr enthalten. Der westliche Rand des Dorfangers ist nur im nördlichen Abschnitt bebaut und der Weg nach Ruthenbeck beginnt in Verlängerung der von Frauenmark kommenden Straße. Am Weg von Goldenbow nach Schönberg (Ziegeleiweg) ist die alte Ziegelei eingetragen. Hier verläuft auch noch die alte Straße nach Kladrum. In der Karte von Wiebeking, der Grundlage für die Schmettausche Karte, sind auch die Gemarkungsgrenzen farbig eingetragen. In Neu-Ruthenbeck gibt es noch keine Bebauung. Die Wassermühle am Teufelsbach ist nicht mehr vorhanden. Östlich des Baches sind anscheinend zwei Großsteingräber eingetragen, die heute nicht mehr existieren.


Bis etwa Ende des 18. Jhd. wurden vermutlich die reetgedeckten Niedersächsischen Hallenhäuser, die gemeinsam mit den ebenfalls reetgedeckten Fachwerkscheunen das Ortsbild bis Mitte des 20. Jhd. prägten, errichtet. Für die Hufen 2 und 10 ist wird das Baujahr 1723 genannt. Die Ausfachung der Fachwerkwände bestand aus mit Stroh umwickelten und mit Lehm verputzten Holzstaken. Ein erhalten gebliebenes Zeugnis ist die Bauakte für das Gehöft Nr.3 von 1858 für die Bereitstellung von Bauholz zur Sanierung des Gebäudes. Sie enthält auch eine Zeichnung des ursprünglichen Gebäudes mit einer Breite von 40 Fuß, einer Länge von 80 Fuß und einer Firsthöhe von 28 Fuß (ca. 12,50x25,00x8,70m). Diese Zeichnung ist vermutlich beispielhaft für die meisten Hallenhäuser dieser Zeit in Goldenbow. Die innere Aufteilung und Nutzung der Häuser beschreibt 1837 der Pastor und Heimatforscher Johann Mussäus anschaulich im Mecklenburger Jahrbuch Bd.2. [18]

Von 1798 bis 1832 werden drei Geburtshelfer bzw. Hebammen in Goldenbow genannt (Friedrich Heidemann, Hanna Schwarzen, L. Böttgern). Vor der Häuslerei Nr. 8 (Pagenkopf) stand hier bis 1867 der Hebammenkaten).

1806 findet nördlich von Goldenbow zwischen Crivitz und Kladrum ein Gefecht zwischen preußischen und französischen Truppen statt.

bis zur Reichseinigung (bis 1871)

Bilder von Carl Malchin aus und in der Nähe von Ruthenbeck Ende des 19.Jhd.


1818 wird im Mecklenburgischen Staatskalender zum ersten mal eine Schule in Goldenbow erwähnt.

1822 wurde in Mecklenburg die Leibeigenschaft aufgehoben. Obwohl es in Goldenbow als Bauerndorf vermutlich keine Leibeigenen gab, hatte dies doch erhebliche Auswirkungen auf die Entwicklung des Dorfes in den folgenden 100 Jahren. Die frei gewordenen Leibeigenen von den Rittergütern mussten sich nun als Tagelöhner, Handwerker und Dienstmädchen selbständig um den Erwerb ihres Lebensunterhaltes sowie eine Unterkunft kümmern. Diese fanden sie auch bei den Bauern in Goldenbow, so dass die Einwohnerzahl von 151 EW im Jahre 1819 auf 250 EW im Jahre 1850 stieg. Sie wohnten zunächst auf den Bauernhöfen als sogenannte Einlieger unter meist prekären Bedingungen. Ab Mitte 19. Jahrhunderts wurden bis Anfang des 20. Jhd. dann 3 Büdnereien und 28 Häuslereien (nur Goldenbow) errichtet und die Einwohnerzahl stieg auf rund 350 EW (einschließlich Neu-Ruthenbeck). Damit konnte die Wohnungsnot des 19.Jhd. überwunden und zahlreichen ländlichen Handwerkern ein Auskommen ermöglicht werden.

Ab 1835 begann an der Landstraße nach Crivitz zwischen der Molkerei und dem Teufelsbach, im Volksmund noch bis in das 20. Jhd. hinein Brennmöhl genannt, die Bebauung von Neu Goldenbow mit 5 Büdnerstellen. Hier gab es früher eine Wassermühle, zu der jedoch außer dem noch landschaftlich sichtbaren Mühlenteich und dass sie irgendwann abbrannte, daher der Name, keine weiteren Einzelheiten bekannt sind. Am Teufelsbach verlief bis 1779 auch die Grenze zu Ruthenbeck. Das Gebiet westlich des Baches wurde danach aber Goldenbow zugeordnet und erhielt nach seiner Bebauung ab 1867 den Namen Neu Ruthenbeck.

1838 wurde ein Teil der Schönberger Ländereien in die Goldenbower Feldmark einbezogen, vermutlich im Zusammenhang mit der Vermessung von Breckenfelder. Damit erhöhte sich die durch einen Bauern bewirtschaftete Fläche auf ca. 47 ha. Die sich mit der Dorferweiterung neu ansiedelnden Büdner erhielten 6 ha. Der 1835 neu eingerichteten Hufe 11 auf dem Schönberger Land mit dem hier ansässigen Ziegler wurden 23 ha zugeordnet. Mit der Neuordnung der Ländereien wurde auch wieder die traditionelle Hufeneinteilung eingeführt.

Durch die Aufsiedlung wurde vielen Einwohnern Goldenbows eine selbständige Erwerbstätigkeit ermöglicht. Die traditionellen landwirtschaftlichen Bestimmungen in Mecklenburg untersagten eine Aufteilung der Höfe auf die Nachkommen um sie in der notwendigen Größe als Grundlage für den Lebensunterhalt einer Familie zu erhalten und damit den Fortbestand der bäuerlichen Landwirtschaft im Land zu sichern. Die leer ausgegangenen zweit- und drittgeborenen Söhne und die unverheirateten Töchter mussten einem unselbständigen Lebensunterhalt, meist als Knechte und Mägde, nachgehen bzw. die Männer erlernten ein Handwerk, gingen danach auf die Walz und gingen später ihrer Tätigkeit in der Fremde nach.

In den Büdnereien und Häuslereien konnten sie nun ihr eigenes, oft auch nur bescheidenes Auskommen als „Kleinbauer“ oder Handwerker mit zusätzlicher kleiner Landwirtschaft zur Selbstversorgung finden. Zeitweise gab es sogar mehrere Handwerker einer Gilde in dem kleinen Ort.

1838 wird auf der Hufe 5 der erste Erbzinspächter in Goldenbow genannt. Grundlage für eine Erbzinspacht war der herzogliche Erlass von 1820, der hohe Ablösezahlungen vorsah. 1852 ging auch die Hufe 8 in Erbzinspacht. Nachfolger der ersten Erbzinspächter waren auf der Hufe 5 der Bauer Erdmann und auf der Hufe 8 der Bauer Steusloff. Beide stammten von außerhalb und konnten offenbar die hohen Ablösezahlungen leisten. Die Goldenbower Hauswirte, die quasi noch rechtlosen Hufenbauern, waren dazu womöglich finanziell nicht in der Lage oder hielten es aufgrund ihres jahrhundertealten Gewohnheitsrechtes auch nicht für nötig, diese Belastungen zu übernehmen. Sie wurden erst auf Grundlage des bauernfreundlichen herzoglichen Erlasses von 1867, der die Übernahme der Hufen in Erbzinspacht ohne jegliche zusätzliche Belastungen ermöglichte, zu Erbzinspächtern. Die Folge war ein Aufschwung der Landwirtschaft, wie es vom Land beabsichtigt und damals auch dringend erforderlich war, um den zunehmenden Verfall der Bauernwirtschaften aufzuhalten.

Anfang des 19. Jhd. wurde auch der früher bestehende Mahl- und Schmiedezwang, einer festen Zuordnung der Dörfer bzw. Höfe zu den seit alters her vorhandenen Mühlen und Schmieden, aufgehoben. In der Folge wurden in mehreren Dörfern Mecklenburgs neue Mühlen errichtet, hauptsächlich Windmühlen. Der Müllergeselle Heinrich Pagenkopf, der 1851 nach Goldenbow kam und zunächst als Großknecht auf der Bauernstelle Hufe 4 von Rhode arbeitete, errichtete gegenüber der Straße nach Frauenmark 1868/69 anstelle des alten Hebammenkatens, der auch in der Schmettauschen Karte dargestellt ist, die Häuslerei Nr.8 und auf der Anhöhe dahinter an dem Weg nach Neu-Ruthenbeck einen Erdholländer. Da sich das Mühlenfundament 50 cm zu dicht an dem früher hier verlaufenden Weg nach Ruthenbeck befand, sollte er das Fundament wieder abreißen. Stattdessen verlegte er aber den Weg zwei Hausstellen weiter westlich an die heute noch vorhandene Stelle. In den Anfangsjahren hatte er zudem noch einen Rechtsstreit mit dem Friedrichsruher Müller auszufechten, der ihm die Mahlrechte streitig machen wollte, hierin jedoch unterlag.

In der Volkszählung von 1867 wird das Schulhaus mit dem Lehrer Willöper am westlichen Ortseingang erwähnt, das in der heutigen Gestalt im Zuge der Aufsiedlung entstanden ist. An gleicher Stelle ist schon in der Karte von Wiebeking von 1786 ein Bauwerk westlich vor der Ortschaft verzeichnet.

Mitte des 19. Jhd. erfasste die Auswanderungswelle auch Goldenbow und Neu Ruthenbeck. Bis 1887 wandern 29 Personen, teilweise mit Familie, wohl größtenteils nach Amerika aus. (s.h. Abschn. Einwohnerschaft) Hierzu war beim Ministerium des Innern ein Gesuch zu stellen (die Unterlagen hierzu liegen im Landeshauptarchiv). Den Antragstellern wurde nach der Bearbeitung ein Auswanderungs-Consens erteilt oder eine Entlassungs-Urkunde ausgestellt.

Ende des 19.Jhd. malte und zeichnete der Schweriner Maler Carl Malchin in den Nachbarorten Ruthenbeck und Friedrichsruhe und in deren Umgebung. Die Bilder dürften auch die damalige Situation in Goldenbow gut wiedergeben. (Die Landschaftsbilder entstanden vermutlich in der Niederung des Mühlenbachs zwischen den Orten und am nördlichen Rand der Niederung am Feldweg von Friedrichsruhe nach Ruthenbeck.)

Deutsches Reich bis 1918

Meßtischlatt 1888 mit Gemarkungsgrenze
TK25 1877 - 1889



Ab 1870 wird die ehemalige Reichs- und Heerstraße zwischen Schwerin und Parchim im Ergebnis der bereits seit Jahrzehnten geforderten Verbesserung des Straßenzustandes in Mecklenburg im Rahmen des hierzu erlassenen Straßenbauprogramms gepflastert und zu einer Chaussee ausgebaut.

1881/82 fanden im Auftrag des Großherzogs Friedrich Franz II. durch Beltz und Wildhagen die ersten ärchologischen Grabungen in Goldenbow und den Nachbargemeinden statt. Ein Grabungsschwerpunkt in Goldenbow war die Feldmark östlich des Teufelsbackofens, auf der sich damals noch zahlreiche weitere Zeugnisse der Ur- und Frühgeschichte befanden.

In einem beim Umbau der Kirche im Jahre 1886 eingemauertem Schriftstück wird als einziges Haus in Schönberg noch das alte Herrenhaus genannt, in dem ein Ziegler mit einer Ziegelei am östlichen Goldenbower Ortsrand wohnte, in der er etwa 200000 Ziegel im Jahr brannte.

Am 1. August 1899 wurde die Eisenbahnstrecke von Crivitz nach Parchim durch die Großherzoglich Mecklenburgische Friedrich-Franz-Eisenbahn (M.F.F.E) eröffnet und mit dem Bahnhof in Friedrichsruhe erhielten auch die umliegenden Dörfer einen Bahnanschluss. Die nicht direkt angeschlossenen Orte konnten private Feldbahnanschlüsse zu den Bahnhöfen legen. Von Crivitz aus bestand bereits 11 Jahre früher eine Bahnverbindung nach Schwerin. In der Folge wurde 1900 der auf der Landstraße von Crivitz nach Parchim noch betriebene Postkutschendienst aufgegeben.

Ab 1901 gab es für Goldenbow eine Postversorgung.

1903/04 entstand die genossenschaftliche Dampfmolkerei an der Straße nach Crivitz. Vorher soll in Goldenbow eine sogenannte Holländerei (milchverarbeitender Betrieb) existiert haben. Näheres ist hierzu jedoch nicht bekannt. In dieser Zeit entstand auch die einklassige Dorfschule mit Schulmeisterwohnung am westlichen Dorfausgang. Mit der Bepflanzung des Dorfangers mit 3 Lindenreihen und deren Fortsetzung als Lindenallee entlang der Dorfstraße bis zur Molkerei wurde in der Amtszeit des Bürgermeisters Karl Steusloff um die Jahrhundertwende auch der Dorfverschönerung Rechnung getragen. Die inzwischen mit über hundert Jahren stattlichen und größtenteils noch erhaltenen Linden sind auch heute noch prägend für das besondere Ortsbild Goldenbows.

Die ab Mitte des 19. bis Anfang des 20. Jhd. entstandenen Büdnereien hatten als Kleinbauernstellen eine Größe von maximal 5000 m² und wurden als sogenannte Querdielenhäuser, kombinierten Wohn- und Wirtschaftsgebäuden mit Diele und Stallungen, errichtet. Auf den Bauernhöfen wurden in dieser Zeit die alten, vermutlich Niederdeutschen Hallenhäuser durch zeitgemäße Wohngebäude, teilweise mit repräsentativen Fassaden und Veranden zur Straße sowie der „Guten Stube“, ersetzt. Nur auf den Hufen 2 und 10 sowie auf der Hufe 6 als Scheune und Stallung blieben die alten Fachwerkhäuser sowie einige reetgedeckte Scheunen noch bis Mitte des 20. Jhd. erhalten.

1906 hat die Windmühle einen zusätzlichen Antrieb durch eine Dampfmaschine erhalten.

1908, als die Erweiterung Goldenbows abgeschlossen war, wurden insgesamt 4 Büdnereien und 24 Häuslereien verzeichnet. Weitere 3 Büdnereien und 14 Häuslereien befanden sich im damals noch Goldenbower Ortsteil Neu-Ruthenbeck. Die Anwesen entstanden am bisher noch weitgehend unbebauten westlichem Rand des Dorfangers, den Straßen zu den Nachbarorten und der neuen Achtern Straat als letztem Bauabschnitt. Sie wurde mit der Tischlerei Frick beendet. Das daran anschließende Grundstück wurde schon nicht mehr bebaut und später durch den Tischler als Holzlager und für ein Sägegatter genutzt. Im Messtischblatt 1888 und in der Topografischen Karte TK 25 M 1877-1889 ist auch der Planungs-und Bebauungsstand von Goldenbow zum Ende des 19. Jhd. unterschiedlich dargestellt. Danach sollte die Achtern Straat offenbar noch bis zum Weg nach Neu-Ruthenbeck verlängert werden. Bebaut waren zum in der TK 25 dargestelltem Zeitpunkt erst die beiden nördlichen Grundstücke. Goldenbow hatte zu dieser Zeit 346 Einwohner, davon Neu-Ruthenbeck 101. Grundlage für die Erweiterung und Vergrößerung der Dörfer waren ein Patent der herzoglichen Regierung von 1753, das die Landflucht durch eine Verbesserung der bäuerlichen Situation durch den Bau von Erbpachtstellen (Büdnereien) stoppen sollte und ein Kammerzirkular von 1846 zum Bau von Häuslereien.


Ein undatiertes Foto von etwa 1910 mit der Häuslerei Nr. 8 in der Mitte des Ortes und der dahinter liegenden Mühle zeigt anschaulich das dörfliche Leben um die Jahrhundertwende. Vor der Mühle, damals noch ein Erdholländer, befindet sich der Dampfmaschinenschuppen für den zusätzlichen maschinellen Antrieb der Mühle. Auf der Dorfstraße vor dem Haus steht ein sogenannter zweispänniger Pungenwagen (vermutlich des kleinen örtliche Fuhrunternehmers Kraack), mit dem Sackgut und die Milchkannen befördert wurden. Am Hauseingang steht Müller Heinrich Pagenkopf mit Familie und ein Geselle. Die beiden zum Haus gehörenden Linden sind erst ca. 5m hoch.

1913 wurden unter der Leitung von Beltz erneut ärchologische Grabungen durchgeführt, u.a. auch wieder östlich des Teufelsbackofens auf der Erbpachthufe von Grützmacher.

Im 1. Weltkrieg fielen 16 Kriegsteilnehmer aus Goldenbow und Neu-Ruthenbeck.

Deutsches Reich bis 1945

- Fotos von der Arbeit auf dem Bauernhof in den 1930er Jahren [19]


Der bereits vor dem 1. Weltkrieg begonnene Ausbau der Straße von Friedrichsruhe über Goldenbow nach Frauenmark wurde fortgesetzt und Anfang der 1920er Jahre beendet.

Nach den mündlichen Berichten alter Goldenbower Einwohner gab es in den 1920/30er Jahren anscheinend eine gute und weitgehend einvernehmliche dörfliche Gemeinschaft. Bauern- und Handwerkerschaft hatten ein auskömmliches Einkommen bzw. konnten sogar einen gewissen Wohlstand erreichen. Eine kleine Ansichtskartenserie, vermutlich Ende der 1920er Jahre, von zum Erntefest geschmückten Motivwagen der verschiedenen Berufsgruppen zeigt eine selbstbewusste Einwohnerschaft mit vielen, auch noch in späterer Zeit bekannten Gesichtern. Eine weitere Ansichtskarte zeigt die Sehenswürdigkeiten, den niederdeutschen Bauernhof auf der Hufe 2, das neue Kriegerdenkmal des Kriegervereins von Goldenbow und Neu-Ruthenbeck für die 16 Gefallenen des 1. Weltkrieges und die neue Windmühle.

1924 wurde die alte Windmühle, ein dreigeschossiger Erdhöllander, abgerissen und auf deren Fundamenten ein fünfgeschossiger Galerieholländer, einer der letzten Mühlenneubauten Mecklenburgs, durch Goldenbower Handwerker errichtet. Gemeinsam mit der Lichtenhäger Mühle ist sie die höchste Mühle Mecklenburgs. Als zusätzlicher Antrieb wurde zunächst eine Dampfmaschine, später ein Dieselmotor installiert. Damit wurde auch der erste elektrische Strom im Goldenbow produziert, der auch für die Beleuchtung der zugehörigen Häuslerei Nr.8 eingesetzt wurde. Die hier befindliche, zum Familienbetrieb gehörige Bäckerei erhielt in den 1920er Jahren modernen Dampfbackofen.

In Frauenmark hatte 1916 die Familie von Doetinchen das Gut übernommen, die sich in der Folgezeit erfolgreich um dessen wirtschaftlichen Aufschwung bemühte und hierfür unter anderem vom Bauern Karnatz aus Goldenbow den Barbarateich an der Ortsgrenze zum Aufbau einer Fischwirtschaft kaufte. Auf dem Gut fanden auch mehrere Goldenbower Anstellung, in der Mühle wurde das Deputatkorn geschrotet und die Bäckerei lieferte das Brot für das Gut. Der Frauenmarker Kirchenacker wurde traditionell an Goldenbower Bauern verpachtet. Hieraus ergaben sich zwischen Goldenbow, Frauenmark und auch den neuen Gutsbesitzern enge nachbarschaftliche Beziehungen. Diese anscheinend stabilen wirtschaftlichen Verhältnisse ermöglichten es, Mitte der 1920er Jahre an der Straße nach Frauenmark ein zweites Kolonialwarengeschäft mit angeschlossenem Dorfkrug zu eröffnen. Ein drittes Kolonialwarengeschäft mit Dorfkrug gab es im Ortsteil Neu-Ruthenbeck.

1930/31 kam eine im 1. Weltkrieg ausgebaute Glocke zurück und wurde vom Bahnhof Friedrichsruhe in einem feierlichen Zug durch die Dörfer des Kirchspiels zur Frauenmarker Kirche gebracht und neu geweiht.

Am 19. Dezember 1931 fand im Schloss des Nachbarorts Severin die Hochzeit von Goebbels mit Magda Quandt, der geschiedenen Frau des Großindustriellen Quandt und eine geborene Granzow aus Severin, statt. Die weltliche Trauung wurde im Haus des Standesbeamten in Goldenbow im Beisein von Adolf Hitler als Trauzeuge vollzogen und musste selbst vor den Einwohnern geheim gehalten werden. Hiervon berichtete W. Pagenkopf, der als jugendliches Mitglied des örtlichen Posaunenchors Augenzeuge der Zeremonie war.

Im gleichen Jahr organisierte Hitler gemeinsam mit W. Granzow, dem Bruder von Magda Goebbels, von Severin aus auch den Wahlkampf der NDSAP in Mecklenburg und erreichte mit 49% der Stimmen die Mehrheit, so dass Granzow der erste nationalsozialistische Ministerpräsident des Landes wurde. Auch die Kommunisten waren von Parchim aus auf den Dörfern aktiv. 1932 wurde in der Gastwirtschaft von Friedrichsruhe eine öffentliche Versammlung für die Gemeinden Friedrichsruhe, Goldenbow, Frauenmark und Severin organisiert, die von SA-Schülern aus Severin gestört werden sollte. Dies verhinderte jedoch der kommunistische Kampfbund und hinterließ damit bei der Dorfbevölkerung laut eigener Propaganda einen starken Eindruck.

Die vorherrschende politische Einstellung in Goldenbow wurde von den alten Einwohnern jedoch eher als deutsch-national im Sinne einer konservativen Grundhaltung beschrieben. Als überzeugte Nationalsozialisten wurden nur wenige Einwohner bezeichnet, weiterhin gab es natürlich auch Mitläufer. Dies bezeugen jedenfalls mehrere Fotos aus den 1930er Jahren. Kommunisten und Sozialdemokraten spielten im Dorf wohl keine entscheidende Rolle.

Dorfbekannt war die Geschichte von dem 1930 und 1937 amtierenden Bürgermeister Willi Pagenkopf, der abgesetzt wurde, weil er zum Abschluss einer größeren Propagandaveranstaltung der Nationalsozialisten nicht den Arm zum Hitlergruß erhoben hatte. Er selber berichtete, dass er bei einer Unterhaltung am Rande der Veranstaltung jedoch lediglich den Gruß verpasst hatte. Dieses Ereignis führte dazu, dass er nach Kriegsende als „Antifaschist“ zum ersten Nachkriegs-Bürgermeister von den Russen eingesetzt wurde. Seine zweite Amtszeit währte jedoch nicht lange.

1937 sind im Adressbuch Parchim 10 Fernmeldeanschlüsse genannt.

Zu Beginn des 2. Weltkrieges und in den Folgejahren wurden auch die Goldenbower Männer im wehrfähigen Alter zur Wehrmacht einberufen. Sofern jemand als einziger Mann im arbeitsfähigen Alter im häuslichen Betrieb tätig war, konnte er mit dem Einsatz bei den rückwärtigen Diensten rechnen, der ihm auch die Erreichbarkeit des Heimatortes innerhalb von 24 Stunden ermöglichen sollte. Die Frauen mussten nun mit den Alten und den heranwachsenden Kindern die Höfe bzw. Betriebe allein bewirtschaften. Zeitweise wurden ihnen in den Folgejahren Kriegsgefangene aus Polen, der Sowjetunion und Frankreich als Hilfskräfte zugeteilt. Das Verhältnis zueinander wurde unterschiedlich beschrieben. Während es zu den polnischen Gefangenen wohl oft angespannt war, wurde dies von Russen und Franzosen kaum erwähnt. Anscheinend ergaben sich bei längeren Aufenthalten in Goldenbow zu einigen von Ihnen sogar freundschaftliche Verhältnisse.

Zum Kriegsende werden neben den im Ort befindlichen Kriegsgefangenen auch zahlreiche Flüchtlinge aus Pommern und Ostpreußen untergebracht. Sie waren bei den Alteingesessenen, die inzwischen ebenfalls unter den Kriegsfolgen litten, je nach Betroffenheit und Einstellung, nicht immer willkommen. In einigen Fällen wurde aber auch von der großen Hilfsbereitschaft der Einwohner berichtet. Dies betraf in der aufkommenden Hungersnot vor allem die uneigennützige Versorgung mit Lebensmitteln. Teilweise wurden die Flüchtlingsfamilien zu gemeinsamen Mahlzeiten in einigen Haushalten eingeladen.

1944 stirbt der Erbpächter Christoph Beckendorf im Alter von 102 Jahren. Damit ist er der älteste bekannte Goldenbower. Zu seinem 100. Geburtstag veröffentlichte die Parchimer Zeitung einen Artikel. Ein Foto des knorrigen Alten befindet sich auch auch in dem Prachtband "Mecklenburg" vom Hinstorf-Verlag aus den 1930er Jahren. [20]

Anfang Mai 1945 führt der bereits in Auflösung begriffene Todesmarsch des KZ Sachsenhausen durch Goldenbow und die Nachbarorte. Im Wald zwischen Frauenmark und Goldenbow lagen einige Tage unter freiem Himmel über 400 KZ-Häftlinge, hauptsächlich sind es Franzosen. Angesichts des allgemeinen Chaos während der letzten Kriegstage, den Ängsten vor der heranrückenden Roten Armee aufgrund der ihr vorauseilenden Horrorberichte, den Drohungen und Terroraktionen von flüchtenden Nationalsozialisten gegen die sich auf den "Zusammenbruch" vorbereitenden Einwohner sowie der Furcht vor kriminellen Häftlingen konnte dieses Ereignis aber von vielen Einwohnern in seiner Tragweite anscheinend kaum noch richtig eingeordnet werden. Berichtet wurde vor allem von den damit einhergehenden Diebstählen einiger Häftlinge, die sich mit dem Nötigsten an Kleidung und Lebensmitteln für ihren anonymen Weitermarsch in ziviler Kleidung versorgten sowie vor der Furcht vor Übertragung von ansteckenden Krankheiten. In der Fischerei in Frauenmark wurde von der Gutssekretärin Käthe Wilms und einem französischen KZ-Häftling ein Krankenzimmer für die notleidenden Häftlinge eingerichtet. https://de.wikipedia.org/wiki/KZ_Sachsenhausen#Todesmärsche_und_Lagerauflösung_1945 In Friedrichsruhe wurde der Kommunist W. Kindel von den Nazis wegen des Hissens einer weißen und einer roten Flagge zur Begrüßung der Roten Armee erschossen.

Am 3. Mai 1945 erreichte die Rote Armee Goldenbow und die Nachbardörfer. Die letzten deutschen Truppen waren am 2. Mai abgezogen. Die Häuser nördlich der Dorfstraße müssen für die Unterkünfte der Siegertruppen geräumt werden. Die örtliche Kommandantur wurde in der Häuslerei Nr. 8 eingerichtet. Die Einwohner werden auf den gegenüberliegenden Bauernhöfen untergebracht. Die Mädchen und Frauen versteckten sich vor den zu befürchtenden Übergriffen der Sieger in den Scheunen und im Wald. Hiervon waren besonders die Flüchtlingsfrauen in einer Sammelunterkunft betroffen, da deren Aufenthaltsort bekannt war und sie kaum Möglichkeiten hatten, sich zu verstecken. Von diesen menschenverachtenden Zuständen wurde vor allem in der Zeit unmittelbar nach dem Kriegsende berichtet. Mit den wechselnden Besatzertruppen wurde auch wieder eine weitgehend korrekte Verhaltensweise gegenüber den Einwohnern zur Normalität und von der damals sprichwörtlich gewordene Kinderliebe der Russen wurde auch in Goldenbow berichtet. Darüber hinaus wurde auch negativ über die zunächst noch im Ort befindlichen polnischen Kriegsgefangenen berichtet, die sich jetzt an den Einwohnern rächen wollten. Umfassende Auskünfte über diese Zeit enthält das "Tagebuch von Käthe Wilms aus Frauenmark". [21]; [22]


Von den Gefallenen des 2. Weltkrieges existieren nach gegenwärtigem Kenntnisstand keine Auflistungen. Auf den 2017 noch vorhandenen Grabsteinen werden folgende Personen genannt: Willy Heiden +1944, Willy Schwarz +1944, Fritz Grützmacher +1944 …

Karl Schwaß, +1943, war Gerüchten zufolge möglicherweise ein Opfer des Nationalsozialismus. Er arbeitete zu dieser Zeit in Rostock in der Rüstungsindustrie. Als offizielle Todesursache wurde ein tödlicher Sturz mit dem Fahrrad angegeben, nach den Gerüchten im Dorf wurde er jedoch durch einen Genickschuss getötet.

Die neuen deutschen Machthaber führten bereits im Sommer 1945 eine erste Entnazifizierungsaktion durch. Sie richtete sich gegen fünf Familien, die unter Strafandrohung eine Vorladung in das ehemalige KZ Wöbbelin erhielten, das jetzt als Sammellager für den Abtransport in ein sibirisches Arbeitslager diente. Grundlage war eine Umfrage unter den Goldenbowern, bei der Denunziation, Missgunst und alte Feindschaften sehr wahrscheinlich waren. Die Kriegsereignisse hatten zu dieser Zeit einen tiefen Keil zwischen die alten Goldenbower, Flüchtlinge und Umsiedler getrieben, der noch lange nachwirkte. Einige der Betroffenen konnten sich jedoch teilweise durch Flucht aus dem Lager und anderen nicht weiter bekannten Umständen der Deportation entziehen. Andere wurden ohne Angabe von Gründen bei Nacht und Nebel in den berüchtigten Folterkeller von Parchim gebracht. Einige verschwanden spurlos, andere wurden in das ebenfalls berüchtigte Lager "Fünfeichen" bei Neubrandenburg verbracht. Zu letzteren gehörte auch Hermann Stein, der dort 1947 verstarb.

Am 7. November 1945 verkündet Ernst Goldenbaum unter der KPD-Losung „Junkerland in Bauernhand“ in Severin die Verordnung über die demokratische Bodenreform in Mecklenburg-Vorpommern. Die Zeit drängte, da die Versorgung mit Lebensmitteln im letzten Kriegsjahr zusammengebrochen war und sich die Einwohnerzahl Mecklenburgs binnen kurzer Zeit durch Flüchtlinge und Umsiedler annähernd verdoppelt hatte. Zusätzlich waren mit Vorrang die sowjetischen Truppen zu versorgen. In Frauenmark wurde unter Führung einer Kreiskommission für die Bodenreform ein Bauernkomitee zur Durchführung der Reform gebildet, das die Ländereien des ehemaligen Gutes an 23 landarme Bauern, 7 Umsiedler und 23 Landarbeiterfamilien verteilt. Hierunter waren auch Goldenbower Bauern, Neubauern und Handwerker. Bis Ende des Jahres konnte das Land an die neuen Bauernstellen vergeben werden.

SBZ und DDR bis 1970

Die Entwicklung des historischen Ortsbildes und der Bebauung

Von den Anfängen bis Ende des 18. Jahrhunderts

Die gut erhaltene historische Dorfanlage lässt auch heute noch die vermutliche Gründung als Angerdorf

Beispiel in einer mittelalterlichen Darstellung auf der Vicke-Schorler-Rolle

erkennen, einer bei deutsche Locatoren häufigen Form der Dorfanlage. In der Mitte auf dem Dorfanger stand üblicherweise auch die Kirche wie z.B. in den Nachbarorten Kladrum und Domsühl. Die deutschen Angerdörfer wurden typischer Weise an Wegekreuzungen errichtet. Vermutlich verlief hier die alte Wegeverbindung von Crivitz nach Parchim, die auf dieser Trasse den günstigeren landschaftlichen Gegebenheiten folgte, über Goldenbow und Frauenmark und von dort weiter über Hof-Bergrade/Dargelütz oder Severin nach Parchim (in der Karte von Wiebeking wird der Weg zwischen Goldenbow und Neu-Ruthenbeck noch als Landstraße bezeichnet). Sie kreuzte hier die von Radepohl, Badegow und Kladrum in Goldenbow zusammenlaufenden Wege. Deren Fortsetzung nach Friedrichsruhe durch die sumpfige Niederung erfolgte wohl erst nach der Ortsgründung, womöglich als erstes über den heutigen Wiesenweg zur nahe gelegenen Burg Gömtow, die zumindest der naheliegenden Sage nach, der Ausgangspunkt der Ortsgründung war.

Nachzeichnung der Karte von Schmettau
Ortsbild eines Langangerdorfes Anfang des 18.Jhd. anhand einer Karte von Gieschow 1724


Ein weiterer Grund für die Anlage eines Angerdorfes war die Umbauung einer hier bereits vorhandenen slawischen Siedlung durch deutsche Siedler. Auch dies kann aufgrund vieler Funde der slawischen Besiedlung der Gegend nicht ausgeschlossen werden, wurde bisher aber nicht nachgewiesen. Von der beidseitigen Bebauung eines Angerdorfes wurden bei der Ortsgründung jedoch nur die zehn Hufen südlich des Weges nach Radepohl angelegt. Eine Kirche wurde ebenfalls nicht gebaut. Mögliche Gründe hierfür werden in der Chronik genannt. So unvollständig existierte das Dorf über mehrere Jahrhunderte. Die ersten historischen Unterlagen, die Auskunft über das Ortsbild geben, sind die Karten von Wiebeking und Schmettau aus den Jahren 1786/88. Zur besseren Erkennbarkeit wurde die beigefügte Nachzeichnung angefertigt. Die Wegeverläufe entsprechen mit einigen Abweichungen im Wesentlichen den heute noch vorhandenen Straßen und Wegen. Der Wiesenweg ist mit seinem geraden Verlauf als künstlich angelegter Damm zwischen Goldenbow und dem Gutshof Gömtow erkennbar und deutet auf die historischen Beziehungen zwischen Goldenbow und der Burg Gömtow hin. Vermutlich war er für einige Jahrhunderte sogar die einzige Verbindung durch die Wiesen, denn der heutige Verlauf der Hauptstraße B321 durch das moorige Wiesengelände hat sich anscheinend noch nicht verfestigt. Darauf deutet die im Gegensatz zu den anderen Wegen breite und unregelmäßige, vermutlich im moorigen Untergrund ausgefahrene Fläche hin. Der Weg von Crivitz/Ruthenbeck führte damals direkt weiter nach Frauenmark. Er wird in der Karte von Wiebeking noch als Landstraße bezeichnet und in den Klassifikationstabellen von 1828 (LHA) vermutlich als alter Schweriner Weg. Er wurde erst im Zusammenhang mit dem Bau der Mühle 1868 weiter nach Westen verlegt. Der Weg nach Schönberg und Kladrum verlief zwischen den Hufen 9 und 10 hindurch. Der heutige Ziegeleiweg wurde demzufolge erst im 19. Jahrhundert, wohl in Verbindung mit dem Bau der Ziegelei (Hufe11) und der beginnenden Dorferweiterung angelegt, ebenso die Mühlenstraße (landläufig „Achterstraat“). Die Bebauung der Gehöfte ist noch stark von der älteren, vermutlich auch ursprünglichen Bebauung mit kleineren Gebäuden direkt am Angerrand und weiterer unregelmäßiger Bebauung auf den Gehöften geprägt. Die ältesten Hauptgebäude waren sicher kleine, zum Anger orientierte Längs- oder Querdielenhäuser, wie von Vicke Schorler dargestellt. Die späteren großen reetgedeckten Hallenhäuser, von denen noch vier in den 1950er Jahren das Ortsbild prägten, entstanden erst im 17. und 18. Jahrhundert. Für die Hufen 2 und 10 wird 1723 als Baujahr genannt. Sie waren vom Angerrand zurückgesetzt und standen senkrecht dazu. Der Stall- und Wirtschaftsteil mit dem großen Dielentor war zum Anger gerichtet.

Bauakte zum Gehöft Nr.3

Der Wohnteil, der bei vielen Häusern vermutlich erst nachträglich angebaut wurde, lag nach hinten zum Garten. In der Schmettauschen Karte sind die neuen Hallenhäuser gut auf den Hufen 4, 5, 6 und 7, vermutlich auch 9, erkennbar. Das Haus der Hufe 3, das vermutlich noch älter als die genannten Häuser 2 und 10 war, sollte 1858 saniert werden. Dazu ist es wohl nicht mehr gekommen. Stattdessen wurde zurückgesetzt ein neues Wohngebäude in Stil einer Büdnerei errichtet. Die übrigen Gehöfte bestanden noch aus kleineren und größeren unregelmäßig angeordneten Gebäuden. Am nordöstlichen Ortsrand standen bereits einige kleinere Gebäude auf der anderen Angerseite. Hier befand sich das Armenhaus des Dorfes. Auch das Schulhaus am westlichen Ortsrand ist schon vorhanden, wird im Staatskalender aber erst ab 1818 als Schule genannt. Noch nicht erkennbar ist der Hebammenkaten, der aber spätestens Ende des 18./Anfang des 19. Jahrhunderts an der Straßenkreuzung der Dorfstraße mit der Straße nach Frauenmark am nördlichen Angerrand gestanden haben muss (spätere Häuslerei 8/Bäckerei). Die Lehmgrube am Weg nach Kladrum ist durch eine große fünfeckige Signatur gekennzeichnet, vermutlich wurden hier auch schon Ziegel in sogenannten Feldbrandöfen hergestellt. Die Lehmgrube wurde noch bis Mitte des 20. Jhd. von den Dorfbewohnern genutzt, außerdem lagen hier noch Ziegelreste von den alten Brennöfen.

Das vermutliche Ortsbild Anfang des 18. Jahrhunderts ist auf einer Karte von Gieschow bei Lutheran dargestellt, ebenfalls einem Langangerdorf mit ähnlicher Topografie und Größe wie Goldenbow.


19. Jahrhundert bis Mitte 20. Jahrhundert

Im 19. Jahrhundert begann die Erweiterung des Dorfes und die Vervollständigung des Dorfangers durch die Bebauung der gegenüberliegenden Seite. Grundlage war das Büdner-Patent des Großherzogs Christian Ludwig vom 14. März 1753, dass die Bereitstellung von Land für diese neue Siedlungsform ermöglichte. Hiermit sollte dem eingetretenen Bevölkerungszuwachs und der daraus resultierenden Verelendung der Landbevölkerung entgegengewirkt werden. Dieser Erlass hatte über Jahrzehnte jedoch kaum Erfolge, so dass 1809 ein zweites Patent erlassen wurde. Ab 1820 konnte die Fläche des durch einen Büdner bewirtschafteten Landes auf 5 bis 10 ha vergrößert werden. Im Jahre 1835 werden die ersten Büdnereien in der zu diesem Zweck vorgenommenen Dorferweiterung Neu-Ruthenbeck genannt. Durch die Aufhebung der Leibeigenschaft 1821 entstand jedoch weiterer Bedarf für die nun freien und damit auf sich selbst gestellten Tagelöhner und Handwerker an Wohnungen und Räumlichkeiten für ihr Handwerk sowie für eine kleine Landwirtschaft zur Selbstversorgung. Deshalb wurde 1846 in einem weiteren Erlass die Errichtung von Häuslereien ermöglicht. Darin sind fünf vorgeschriebene Grundrisse für die Häuslereien genannt, es durfte nur eine Wohnung pro Häuslerei geben und es waren vorgegebene Abstände zwischen den Gebäuden einzuhalten. [23]

Die Büdnereien wurden für den vorgesehenen landwirtschaftlichen Betrieb als Kleinbauernstelle als Querdielenhäuser mit Wohn- und Diele-/Stallteil errichtet. Dagegen war die Landwirtschaft für Häusler nur in geringem Umfang für den eigenen Bedarf vorgesehen, hauptberuflich waren die Häusler zunächst als Tagelöhner und Handwerker tätig. Die meisten Häuslereien wurden aber ebenfalls als Querdielenhaus mit Wohn- und Diele-/Stallteil errichtet. Hieraus entwickelte sich nach und nach bei den meisten durch den zusätzlichen Erwerb von Pachtland, in Goldenbow war das häufig Kirchenland, mit den Jahren eine Kleinbauernstelle, bei einigen wurde noch ein Handwerk nebenberuflich betrieben. Die Entwicklung des Dorfes bis Anfang des 20. Jahrhunderts ist aus den nachfolgenden Einträgen im Mecklenburgischen Staatskalender ablesbar:

- 1800: 10 Hauswirthe (Anm.: im 18. Jhd. Bezeichnung für die Bauern, die auf ihren Höfen mehrere Familien als sogenannte Einlieger beherbergten)

- 1810: 10 Vollhüfner

- 1818: 10 Vollhüfner und Schule (Anm.: In Frauenmark und Friedrichsruhe existierten bereits einige Jahre vorher Dorfschulen)

- 1824: dto.

- 1835: 10 Vollhüfner, 1 Erbpachtgehöft und Zieglei, 4 Büdner und Schule

- 1840: 1 Erbpächter, 10 Halbhüfner, 1 Erbpachtgehöft und Zieglei, 5 Büdner und Schule. (Anm.: Warum statt der bisherigen Vollhüfner jetzt Halbhüfner genannt werden, ist wohl verwaltungsrechtlich begründet.)

- 1845: 2 Erbpächter (1Ziegler), 9 Halbhüfner, 5 Büdner, Schule und Indüstrieschule

- 1850: 2 Erbpächter (1 Ziegler), 9 Halbhüfner, 5 Büdner, 4 Häusler, Schule und Indüstrieschule

- (hier fehlten mit Stand 2021 online verfügbareJahrgänge von 1851 bis 1877)

- 1878: 11 Erbpächter (1 Ziegler), 4 Büdner, 8 Häusler (1 Müller), Schule, Ind.Schule / Neu Ruthenbeck: 3 Büdner, 6 Häusler

- 1891: Schulze C. Erdmann, 11 Erbpächter (1 Ziegler), 4 Büdner, 13 Häusler (1 Müller, 1 Krüger), Schule, Ind.Schule / Neu Ruthenbeck: 3 Büdner, 6 Häusler

- 1896: + Schulze Carl Steusloff, 11 Erbpächter (1 Ziegler), 4 Büdner, 16 Häusler (1 Müller, 1 Krüger), Schule, Ind.Schule / Neu Ruthenbeck: 3 Büdner, 10 Häusler

- 1900: Schulze Karl Steusloff, 11 Erbpächter (1 Ziegler), 4 Büdner, 20 Häusler (1 Müller, 1 Krüger), Schule, Ind.Schule / Neu Ruthenbeck: 3 Büdner, 12 Häusler

- 1906: Schulze Karl Steusloff, 10 Erbpächter, 1 Erbziegler, 4 Büdner, 23 Häusler (1 Dampf- u. Windmühle, 1 Krüger, 1 Branntweinhändler, 1 Dampfmolkerei, E.G.m.u.H.), Schule, Ind.Schule / Neu-Ruthenbeck: 3 Büdner, 14 Häusler (1 Schenkwirt), Schulze Steusloff zu Goldenbow

- 1908: Schulze Karl Steusloff, 10 Erbpächter, 1 Erbziegler, 4 Büdner, 24 Häusler (1 Dampf- und Windmühle, 1 Krüger, 1 Branntweinhändler, 1 Dampfmolkerei E.G.m.u.H.), Schule, Ind.Schule / Neu-Ruthenbeck: 3 Büdner, 14 Häusler (1 Schenkwirt), Schulze Steusloff zu Goldenbow

- (hier fehlen mit Stand 2021 online verfügbare Jahrgänge von 1909 bis 1930)

1835 wird die Ziegelei in Goldenbow erstmals genannt. Die ersten Ziegler waren Pächter auf der Hufe 9. Es ist deshalb wahrscheinlich, dass mit dem dortigen Wohnhaus im Stil einer Büdnerei der erste Ziegelbau in Goldenbow und ein vollständiger Dreiseitenhof als Ersatz für die hier noch in der Schmettauschen Karte von 1788 verzeichnete unregelmäßige Bebauung entstanden ist.

Dreiseitenhof der Hufe 9
winterliches Ortspanorama, aufgenommen von der neuen Mühle in der 2.Hälfte der 1920er Jahre
Ortsplan mit Nummerierung der Häuslereien und der Einwohnerschaft Mitte der 1930er Jahre

Mit dem Eintrag von 1908 ist die Erweiterung des Dorfes und die Vervollständigung des Ortskerns als Angerdorf annähernd abgeschlossen. Der Ziegeleiweg und die Straße nach Frauenmark wurden mit 3 bzw. 2 Häuslereien bebaut, an der zur Ortserweiterung neu angelegten Achterstraat entstanden 5 Häuslereien. Die topografische Karte von 1884 zeigt noch die Planung für die Achterstraat, die danach einmal bis zum Neu-Ruthenbecker Weg reichen sollte. In Neu-Goldenbow an der Straße nach Crivitz bis zum Teufelsbach entstanden 4 Büdnereien und 1903 die Genossenschaftsmolkerei. Neu-Ruthenbeck entwickelte sich zu einem eigenständigen Ortsteil.

An der Nummerierung der Häuslereien ist noch die Reihenfolge der Bebauung ablesbar. Zuerst wurden um 1850 die Häuslereien 1 bis 4 in der Ortsmitte unter Auslassung der noch bestehenden Altbebauung mit dem Armenhaus im östlichen Abschnitt gebaut. Danach wurde in der zweiten Hälfte des Jhd. der nördliche Angerrand einschließlich der Straße nach Friedrichsruhe bebaut. Zum Ende des 19. Jhd. wurden noch einige verbliebene Lücken in diesem Bauabschnitt geschlossen und Anfang des 20. Jhd. die Bebauung mit der Achterstraat und den Standorten an der Frauenmarker Straße und dem Ziegleiweg im Wesentlichen abgeschlossen. Die letzte Häuslerei war die Nr. 29, da hier vermutlich noch die alte Bebauung (das 1900 noch existierende Armenhaus?) bis zu dieser Zeit vorhanden war. Grundbrief der Häuslerei Nr.8 [24]

In dieser Zeit wurden auch die meisten Wohngebäude der 10 Bauernhöfe, meist von Anger zurückgesetzt, neu gebaut. Auf den Hufen 5, 6 und 9 waren die neuen Häuser dagegen wieder zum Anger orientiert und erhielten repräsentative Giebel, Veranden und Balkone als Zeichen eines neuen Wohlstandes, den die vormaligen Hufenbauern jetzt durch die Erbpacht erlangt hatten. Einige Bauern errichteten Häuslereien, um Wohnraum für ihre Landarbeiter zu schaffen oder zur Vermietung.

Eine wichtige, das Ortsbild bis heute prägende Maßnahme zur Verschönerung des Ortes war um 1900 die unter dem damaligen Bürgermeister Karl Steusloff durchgeführte Bepflanzung des Dorfangers mit Linden.

Ab Ende des 19. Jhd. entstanden auch die Dorfkrüge (Krauch) und Kolonialwarenläden (Koopmannsladen) in Goldenbow und Neu-Ruthenbeck. Als erstes wird 1896 der Krug in der Häuslerei Nr.12 genannt, 1906 wird eine Branntweinhandlung erwähnt und in Neu-Ruthenbeck ein Schenkwirt. Hier gab es später auch einen Kolonialwarenladen, ebenso wie in der Häuslerei Nr.22 an der Straße nach Frauenmark mit dem „Lindenkrug“ und einem Kolonialwarenladen. Die Häuslerei Nr.12 wurde später aufgestockt, um Fremdenzimmer einzurichten und im hinteren Anbau entstand der Ballsaal mit Bühne als wichtiges Zentrum der Geselligkeit. Weiterhin war hier der öffentliche Fernsprecher des Dorfes installiert. Auch die 1928/29 ausgebaute Bäckerei in der Häuslerei Nr.8 wurde mit dem hier aufgestellten örtlichen Briefkasten aufgrund ihrer günstigen Lage in der Ortsmitte ebenso wie die Kaufmannsläden zu einem regelmäßigen Treffpunkt der Einwohner für einen kleinen Schnack bzw. einer längeren „Klöterie“ (Frauen) oder „Dröhn“ (Männer).


1924 wurde dann, schon am Ende des Windmühlenzeitalters, durch Heinrich Pagenkopf die alte dreigeschossige Windmühle von 1868 durch einen fünfgeschossigen Galerieholländer ersetzt, der gemeinsam mit der Lichtenhäger Windmühle die höchste Windmühle Mecklenburgs ist und zum Wahrzeichen Goldenbows wurde.

Reetdachhäuser nach alten Fotos und die in den 1950er Jahren noch vorhandenen

Ende der 1930er Jahre entstand die restliche Bebauung aus der Vorkriegszeit, zwei Zweifamilienhäuser an den Straßen nach Friedrichsruhe und Frauenmark und zwei Einfamilienhäuser am Ziegeleiweg und an der Straße nach Frauenmark. Mit diesen Gebäuden sollten die für zahlreiche Landarbeiter immer noch erbärmlichen Wohnbedingungen verbessert werden. In einer Propagandaschrift des damaligen Gauleiters Hildebrandt aus dem Jahre 1935 heißt es dazu unter anderem: „Beim Bau der Landarbeiterwohnungen ist beachtet worden, dem Landarbeiter ein mustergültiges Heim zu schaffen … So wurden bei sämtlichen Neubauten große massive Ställe errichtet, die dem Landarbeiter die Möglichkeit geben, ausreichend Vieh für sich zu halten. … Ein Zweifamilienhaus für Landarbeiter, das die Bauern Schultz und Kludt in Goldenbow gemeinsam errichten, befindet sich noch im Bau.“ Die Gaststätte Winter wurde noch während des Krieges entsprechend den Vorstellungen der Nationalsozialisten zur heimattypischen ländlichen Gestaltung umgebaut.

Im Zuge der Erweiterung und Modernisierung des Dorfes gingen leider auch die meisten der historischen Reetdachgebäude verloren. In den 1950er Jahren gab es auf den Hufen 2 und 10 noch die auch zu Wohnzwecken genutzten sogenannten niedersächsischen Bauernhäuser, auf den Hufen 3 und 6 wurden sie noch als Stallgebäude genutzt. Auf den Hufen 2, 3 und 8 standen große reetgedeckte Fachwerkscheunen direkt am Angerrand und prägten mit dem den Reetdachgebäuden auf der Hufe 10 das historische Ortsbild. Außerdem gab es noch kleinere Scheune-/Stallgbäude, unter denen sich auch noch die alte Schulscheune am westlichen Ortseingang befand.


Die Folgen des Krieges, den Goldenbow ohne Zerstörungen überstand, die Besatzung durch die Rote Armee, die sich dagegen viel verheerender auf das Ortsbild auswirkte, sowie die neuen gesellschaftlichen Verhältnisse führten in den 1950er Jahren zu einem Niedergang des ehemals schmucken Dorfes, der besonders durch die in den Westen geflüchteten Goldenbower registriert wurde. In einem Brief einer ehemaligen Goldenbowerin heißt es 1959: „Du machst Dir keinen Begriff, wie verwahrlost das Dorf ist. Zwar macht man jetzt aus dem Schulplatz (Turnhof) einen sogenannten Feierabendplatz mit Bänken und Blumenbeeten, doch der Gesamteindruck des Ortes ist ungepflegt und verfallen.“ So etwas hörten die dagebliebenen Goldenbower nicht gern, war es doch unter den gegebenen Umständen kaum möglich, für den privaten Bedarf mehr als die nötigsten Reparaturen durchzuführen.

Im Laufe der 1960/70er Jahre verfielen die noch vorhandenen reetgedeckten Gebäude zusehends und wurden letztendlich abgetragen. Das Haus der Hufe 2 wurde um 1960 noch für die weitere Nutzung als Wohngebäude saniert, fiel bald danach jedoch einem Brand zum Opfer. Die Mühle, die ebenfalls zusehends verfiel, /Foto/ wurde Mitte der 1980er Jahre unter Denkmalschutz gestellt und unter maßgeblicher Initiative des Friedrichsruher Tierarztes Arvid Kremer saniert. Die Häuslereien wurden nach und nach größtenteils den Wohnerfordernissen und den individuellen Geschmackvorstellungen angepasst, so dass sie heute, bis auf die unter Denkmalschutz gestellte Häuslerei Nr.8, die ehemalige Bäckerei, nur noch in ihrer Kubatur erhalten sind. Trotz dieser unvermeidlichen zeitgemäßen Veränderungen blieb im Ortskern aber das typische Ortsbild eines Angerdorfes, aufgewertet durch die hohen Lindenreihen, erhalten.

Weitere Fotos in der Kategorie Ansichten zu Goldenbow [25]

Die Einwohnerschaft von Goldenbow (bis 1945):

Quellen: B.K.- Burghard Keuthe; LHA/Akte – Landeshauptarchiv; KB - Kirchenbuch; div.- diverse (mündl./Akten/Internet)

Einwohnerzahlen

1779 – 120 EW (B.K.)

1819 – 151 EW (Volkszählung)

1850 – 250 EW (Raabe)

1867 – 271 EW (Volkszählung)

1890 – 299 EW (Volkszählung/222 Goldenbow, 67 Neu Ruthenbeck)

1905 – 346 EW (B.K./Goldenbow 245, Neu Ruthenbeck 101)

1919 – 240 EW (Volkszählung)

1938 – 322 EW (B.K./Goldenbow 249, Neu Ruthenbek 73)

1959 – 330 EW (B.K.)


Opfer der Hexenverfolgung

1579 - Trina Damerow

1616 - Anna Schulten


Besetzung der Bauernhufen (B.K.)

1363 - Gerhard Mowe, Hermann Elberts, Hinseke Laurensis, Hermann Ulrikes, Hermann Creyemann, Kerstoffer Wolters, Heyne Wolters, Bulowe (Hufen 9 und 10 nicht besetzt)

1518 – Thewes Hagenow, Michel Grunth, Arndt Dringk, Jochim Clawes, Jochim Voß, Lawrens Grambow, Dynnies Dabelmann, Clawes Silvennow, Beneke Weltzien, Clawes Darmann (wüst)

1545 – Matthias Wolter, Hans Wolter, Claus Voltzer, Hans Voltzer, Hinrich Herbert, Achim Grambow, Tewes Hagen, Hans Hagen, Hans Grantzien (wüst)

1770 - Verzeichnis der in Goldenbow untertänigen Bauern und übrigen Einlieger verzeichnete Familiennamen: Beckendorf/Beckendorfen, Bosßow, Borchert, Cords/Cordsen, Foeltzer/Foeltzern, Föltzer, Funck, Gieseters(?), Hagen/Hagens, Hartig, Hintzen, Klockowen, Koepken, Lincke, Marten, Meinck/Meincken, Meinick/Meinicks , Palmen, Schwanks, Sollath, Schwartz/Schwartzen, Schuster (Schatz?), Thebow, Warnck/Warncken, , Zachowen

1779 - Hufe 1: Bauer Johann Cordts, 50 Jahre, und Frau Elisabeth, geb. Meincken, 45 Jahre, 3 Kinder von 22,17, 10 J.

- Hufe 2: Bauer Hans Hagen, 39 Jahre, und Frau Dorothea, geb. Völtzern, 42 Jahre, 3 Kinder von 11, 5, 3 Jahre; Stiefmutter Margaretha, geb. Zerrehn aus Wessin, Halbbruder Caspar Hagen, 60 Jahre, liegt bei, Christian Hagen, 20 Jahre, Ilse Hagen, 42 Jahre, ist zu Gömtow, Halbbruder Ernst Völtzer, 34 Jahre, dient bei ihm als Knecht,

- Hufe 3: Bauer Ernst Schwartz, 38 Jahre, und Frau Anna Sophie Beckendorf, 36 Jahre, 4 Kinder von 9, 6, 3, 1 Jahr; Mutter Maria Dorothea Schwartzen, geb. Westphalen, 67 Jahre, Bruder Frau Friedrich Beckendorff, 40 Jahre, dient als Knecht, Schwester Dorothea Schwartzen ist weggeloffen

- Hufe 4: Schultze Cordt Johann Völtzer, 55 Jahre, und Frau Sophia Elisabeth Völtzer, 45 Jahre, 5 Kinder von 17, 11, 8, 5, 1 Jahr; Mutter Helena Elisabeth Völtzer, geb. Praefken, 85 Jahre

- Hufe 5: Bauer Friedrich Völtzer, 50 Jahre, und Frau Maria Warnken, 48 Jahre, 1 Kind von 10 Jahren; Halbbruder Ernst Völtzer, 26 Jahre, Frau Carolina Cordsen, 20 Jahre

- Hufe 6: Bauer Ulrich Friederich Schwartz, 46 Jahre, und Frau Anna Sophie Hartigen, 28 Jahre, 3 Kinder von 13, 8, 1 Jahr

- Hufe 7: Bauer Christoph Cordts, 32 Jahre, und Frau Hedwig Warncken, 22 Jahre

- Hufe 8: Bauer Ernst Warnck, 63 Jahre, und Frau Christina Elisabeth Schwartz, 60 Jahre, Kinder: Ernst Friedrich Warnck, 33 Jahre und Frau Catharina Elisabeth, 28 Jahre, deren Kind Ernst Friedrich, 1 Jahr, Jürgen Christoph Warnck, 30 Jahre, dient als Knecht, Schwester Elisabeth Warnck, 50 Jahre, dient zu Gömtow

- Hufe 9: Bauer Ulrich Friedrich Warnck, 50 Jahre, und Frau Dorothea Elisabeth Cordsen, 50 Jahre, Stiefsohn Carl Meinick, 24 Jahre, 3 leibliche Kinder von 19, 11, 7 Jahren Bruder Christoph Warnck und Schwester Sophia Warnck sind weggeloffen

- Hufe 10: Bauer Christoph Beckendorf, 33 Jahre, und Frau Susanna Carolina Hoppen, 21 Jahre, 1 Kind von 4 Jahren Vater Christoph Beckendorf, 67 Jahre, Mutter Maria Catharina Martens, 62 Jahre Brüder, so sie bei Christoph Beckendorf dienen: Johann Joachim Beckendorf, 25 Jahre, Carl Frantz Beckendorf, 18 Jahre Mutter Helena Maria Hoppen, geb. Schulzen, 50 Jahre

Einlieger: Kuhhirt Hans Warnck, 33 Jahre, und Frau Christina Elisabeth Beckendorff, 44 Jahre, 4 Kinder von 23, 19, 17,12 Jahren, Bruder Cordt Warnck ist weggeloffen, Frauen: Mutter Maria Dorothea Warncken, geb. Westphlen, 70 Jahre, hat noch eine Tochter Elisabeth, so der Herr von Sperling mitgenommen und loß gegeben

Tagelöhner: Christian Meinick, 43 Jahre, Frau, 36 Jahre, 2 Kinder von 9 und 12 Jahren Friedrich Hartig, 40 Jahre, Frau, 50 Jahre, 4 leibliche Kinder von 18, 16, 10, 8 Jahren und 2 Stiefkinder von 22 und 20 Jahren, 3 Schwestern von 60, 54, 52 Jahren, die mittlere ist Witwe mit 2 Kindern von 17 und 12 Jahren Hans Meinick, 60 Jahre, Frau, 2 Kinder von 26 und 23 Jahren Ernst Cords, 44 Jahre, Frau, 36 Jahre, 5 Kinder von 13, 10, 8, 4, 2 Jahren, Schwester Carolina 20 J. Mathias Hagen, 28 Jahre, Frau, 27 Jahre, 1 Kind, 2 Jahre Christian Warnck, 58 Jahre, Frau, 52 Jahre, Sohn Friederich, 28 Jahre, ist mit Frau und Kind verloffen

Weber: Johann Warnck, 50 Jahre, Frau, 40 Jahre, 5 Kinder von 20, 18, 10, 5, 2 Jahren Friedrich Völtzer mit Frau

Zum Gut Schönberg gehörige Untertanen zu Goldenbow: Maria Elisabeth, verehelichte Warncke, geb. Cordsen, 38 Jahre, der Mann Cordt Warnck ist entloffen, Kinder von 15, 15, 6 Jahren, ihre Mutter Anna Elisabeth Cordsen, geb.Hintzen, 66 Jahre, der verstorbenen Tochter Sophia Cordsen Sohn Ernst Christopher, 2 Jahre


Die Deckblätter der Gehöftsakten für die Hufen 1 bis 10 im 18./19. Jahrhundert [26] Quelle: Landeshauptarchiv, Alter Aktenbestand

Hufe 1 (1814 … 1866): … J. Ludw. Schwart, 1814 Ernst Fr. J. Chr. Schwart, 1848 Fr. Viehstädt

Hufe 2 (1799 … 1869): … Hans Hagen, 1799 J. Fr. Hagen, 1830 J. Hagen, 1868 Joh. Beckendorf

Hufe 3 (1799 … 1857): … Ernst Schwarz, 1799 Carl Frdr. Schwarz, 1823 Christoph Schwarz, 1843 Interimswirth Andreas Kluth, 1857 Christoph Schwarz

Hufe 4 (1811…1874): 1. Schulze Rohde, 2. Schulze Chr. Rohde, 3. Chr. Rohde, 4. Interimswirth Pagenkoph

Hufe 5 (1788 … 1870): … Friedr. Völtzer, 1788 Joh. Christ. Völtzer, 1813 Joh. Schliemann, 1838 Nath. Rudolph, 1854 Heinr. Erdmann, 1867 Carl Erdmann

Hufe 6 (1799…1873): … Friedr. Schwart, Carl Schwart, Ernst Schwart, Friedr. Schwarz, 1862 Witten Schwarz

Hufe 7 (1808 … 1867): … Christoph Cords, 1808 Hans Christoph Cords, 1849 Christoph Cords

Hufe 8 (1786 … 1862): … Friedrich Warnke, Ernst Friedr. Warnke, Christian Warnke, Friedrich Warnke

Hufe 9 (? … 1853+): … Warninck, 1787 Dettl. Ahrens, 1813 Joh. Ahrens, 1825 Joh. Kluth, 1853 Andreas Kluth

Hufe 10 (1806 … 1852): … Jurgen Christoph Beckendorf, 1806 Christoph Hinr. Beckendorf, 1819 Interimswirth Christian Pingel, 1838 Christoph Beckendorf


1860 Besetzung der Bauernhufen in der Reihenfolge der Hufennr.(B.K.)

Friedrich Viehstädt, Johann Hagen, Christoph Schwartz, Christoph Rohde, Heinrich Erdmann, Friedrich Schwartz, Christoph Cords, Christoph Warnke, Andreas Kluth, Christoph Beckendorf


1819 – Volkszählung (Quellen: Arbeitskreis Volkszahlregister, LHA, Anchestry) [27]

In der Volkszählung 1819 wurde in Goldenbow 151 Personen gezählt. Die Erfassung erfolgte haushaltweise (kursiv) mit allen zugehörigen Personen einschließlich der auf den Höfen bzw. in den Haushalten Beschäftigten bzw. Wohnenden. Die Geburtsdaten wurden erfragt und stimmen deshalb nicht immer mit den entsprechenden Kirchenbucheinträgen zu den Personen überein. Es gab 10 Hauswirthe (Bauern), 13 Handwerker u.a. Erwerbstätige (davon 3 Schneider, 5 Tagelöhner und Arbeitsmänner, 1 Hebamme), sowie 6 „Mädchen“ und „Jungen“ unter 15 Jahren, die bereits als Arbeitskraft eingestellt waren.

Christoph Rohde, Schulze, Hauswirth/*06.12.1783 in Goldenbow oo Elisabeth Ahrendt/*06.12.1788 in Goldenbow

- Kinder: Christoph/*06.08.1812 in Goldenbow; Friedrich/*13.02.1816 in Goldenbow; Heinrich/*04.12.1818 in Goldenbow

- weitere Personen: Eleonora Rohde, Altenteils-Frau/*20.12.1764 in Goldenbow, Witwe; Heinrich Warnck, Knecht/*1798 in Barnin; Joachim Baeckler, Junge/*1803 in Zapel; Sophia Rohde, Mädchen/*11.06.1800 in Goldenbow; Dorothea Dauck, Mädchen/*22.09.1803 in Frauenmark

Johann Rohde, Maurergeselle/*08.10.1793 in Goldenbow oo Maria Dierke/*05.01.1789 in Dangendorf, Preußen

- Kinder: Friedrich/*1815 in Goldenbow; Wilhelm/*20.08.1818 in Groß Linden, Preußen

- weitere Personen: Maria Saeger, dessen Schwiegermutter/*20.12.1759 in Seddin

Cord Schwart, Hauswirt/*02.04.1769 in Goldenbow oo Sophia Cords/*19.01.1769 in Goldenbow

- Kinder: Christian/*14.04.1793 in Goldenbow oo Dorothea Cords/*1797 in Goldenbow, deren Kind: Maria/*17.05.1818 in Goldenbow; Christina/*1795 in Goldenbow; Ernst/*23.02.1803; Hanna/*15.10.1805 in Goldenbow; Friedrich/*03.01.1807

- weitere Personen: Cords, Christoph, Tagelöhner/*12.08.1797 in Goldenbow oo Sophia Schwart/*1799 in Goldenbow, deren Kinder: Johann/*1817 in Goldenbow; Sophia/* 28.07.1819 in Goldenbow; Sophia Pingel, Mädchen/*1797 in Dammerow

Johann Hagen, Hauswirth/*15.10.1778 in Friedrichsruh oo Hanna Lemcke/*1778 in Zieslübbe

- Kinder: Johann/*02.09.1801 in Goldenbow; Dorothea/*05.02.1802 in Goldenbow; Maria/*08.10.1808 in Goldenbow; Hanna/*15.10.1814 in Goldenbow; Christoph/*21.04.1816 in Goldenbow

- weitere Personen: Carl Beckendorf, Knecht/*1783 in Friedrichsruhe; Joachim Beckendorff, Junge/*1805 Ruthenbeck

Ernst Schwart, Guthswirt/*1786 in Goldenbow oo Hanna Marckward/*10.11.1792 in Domsühl

- Kinder: Maria/24.07.1816 in Goldenbow; Johann/*16.02.1818 in Goldenbow

- weitere Personen: Friedrich Zachow, Knecht/*01.09.1794 in Domfahl; Ernst Schwart/*23.02.1803 in Goldenbow; Hanna Marckward, Mädchen/*10.11.1804 in Zieslübbe; Johann Schwart, Altentheilsmann/*02.04.1753 in Goldenbow oo Carolina Schwart/*1759

Friedrich Schwart, Schneider/*01.12.1970 oo Elisabeth Schwart/*10.03.1798 in Goldenbow

- Kind: Maria/*22.07.1819 in Goldenbow

Lisett Beckendorf, Hauswirtin/*11.11.1781 in Matzlow, Witwe

- Kinder: Hanna/*15.09.1805 in Goldenbow; Friedericke/*15.01.1807 in Goldenbow; Louise/*15.01.1810 in Goldenbow; Christoph/*02.02.1814 in Goldenbow

- weitere Personen: Cord Beckendorff, Knecht, Soldat/*06.07.1795 in Goldenbow; Joachim Rohde, Junge/*1804 in Garwitz; Christoph Beckendorf, Altenteilsmann/*16.02.1745 in Goldenbow, Witwer

Johann Ahrendt, Hauswirth/*02.08.1785 in Goldenbow oo Ernestine Schwart/*03.05.1795 in Goldenbow

- Kinder: Johann/*02.01.1816 in Goldenbow; Christoph/*16.05.1818 in Goldenbow

- weitere Personen: Joachim Ruehs, Knecht/*1797 in Tramm; Johann Hagen, Junge/*08.02.1802 in Frauenmark; Dorothea Koch, Mädchen/*24.10.1801 in Goldenbow; Hanna Pingel, Mädchen/*1814 (?) in Zieslübbe; Dethlof Ahrendt, Altentheilsmann/*1751 in Frauenmark, Witwer

Ernst Warnke, Hauswirth (? Angabe fehlt)/*23.12,1777 in Goldenbow oo Sophia Schwart/*23.09.1778 in Goldenbow

- Kinder: Christoph/*25.07.1799 in Goldenbow; Johann/*26.09.1801 in Goldenbow; Sophia/*02.05.1806 in Goldenbow; Mina/*06.01.1809 in Goldenbow; Hanna/*25.07.1818 in Goldenbow

- weitere Personen: Friedrich Warncke, Altenteilsmann/03.01.1746 in Friedrichsruh oo Margaretha Cords/*27.05.1755 in Goldenbow

Johann Cords, Hauswirth/*28.01.1780 oo Dorothea Gatz/*1785 in Moederitz

- Kinder: Ludwig/*19.05.1810 in Goldenbow; Maria/*13.01.1812 in Goldenbow; Christoph/*28.01.1814 in Goldenbow; Johann/*16.11.1816 in Goldenbow; Friedrich/*05.02.1819 in Goldenbow

- weitere Personen: Christoph Hutmann, Knecht/*01.12.1795 in Goldenbow; Sophia Malchow, Mädchen/*1801 in Dartze; Johann Rohde, Junge/*11.01.1805 in Goldenbow; Christoph Cords, Altenteilsmann/*16.02.1745 in Goldenbow oo Hedwig Warncke/*1755 in Goldenbow

Ernst Schwart, Hauswirth/*15.07.1776 in Goldenbow oo Maria Cords/*1791 in Goldenbow

- Kinder: Maria/*15.01.1807 in Goldenbow; Johann /*08.09.1809 in Goldenbow; Friederich/*26.04.1811; Christoph/*12.03.1815 in Goldenbow; Dorothea/*12.03.1817 in Goldenbow

- weitere Personen: Joachim Schwabe, Knecht/*1797 in Wittstock; Hinrich Danneberg/*1801 in Poserin; Marie Voetzer, Mädchen/*18.11.1793

Joachim Schliemann, Hausvater, Hauswirth/*08.1782 in Niendorf oo Sophia Ahrent/*08.1784 in Goldenbow

- weitere Personen: Joachim Zachow, Knecht/*1801 in Domsühl; Joachim Leonhard, Junge/*24.09.1803 in Prestin; Dorothea Borchard, Mädchen/*1807 in Schlieven; Dorothea Hartig, Mädchen/*1808 in Wamckow;

Hans Witt, Kuhhirte/*15.02.1771 in Severin oo Sophia Warncke/*20.09.1768 in Goldenbow

- Kinder: Sophia/*03.08.1804 in Goldenbow

- weitere Personen: Carl Cords, Junge/*13.01.1807 in Friedrichsruh

Friedrich Frick, Schäfer/*28.01.1798 in Zoelkow oo Ernestine Freude/*03.06.1784 in Severin

- Kinder:Ludewig/*07.04.1813 in Neuhof; Johann/*28.05.1816 in Goldenbow; Ernestine/*16.02.1819 in Goldenbow

- weitere Personen: Dorothea Berlin, Mädchen/*1806 in Zoelkow; Hans Voeltzer, Junge/*15.10.1805 in Goldenbow

Carl Schwart, Tagelöhner/*1766 in Goldenbow oo Catharina Stein, Hebamme/*01.10.1776 in Groß Upahl

- Kinder: Sophia/*05.1803 in Goldenbow; Friedrich/*19.09.1808 in Goldenbow

Christian Rohde, Tagelöhner/*01.01.1786 in Goldenbow oo Dorothea Bekendorff/*24.09.1787 in Goldenbow

- Kinder: Christian/*10.11.1818 in Goldenbow

NN.Karras/05.1772 in Stieten, Witwe

- Kinder: Gottfried/*09.1809 in Goldenbow

Christian Adam, Jäger/*07.1752 in Toddin oo Elisabeth Busch/*14.04.1764 in Hagenow

- Dorothea Wiese, ein Mädchen/*08.03.1813 in Zietlitz

Wilhelm Reincke, Arbeitsmann/*02.01.1788 in Klinken oo Friederike Kröger/*1784 in Walckendorff

- Kinder: Johann Ebeling/*1808 in Schlemmin, Stiefsohn

Wilhelm Reincke, Schulhalter, Schneider/*16.03.1762 in Klinken oo Hanna Kluth/*06,1757 in Dütschow

- Kinder: Ernestine/*24.10.1796 in Friedrichsruh

Christian Rutz, Schneider/21.05.1782 in Mierow oo Elisabeth Reincke/*03.1786 in Klinken

- Kinder:Ernst/*21.04.1816 in Goldenbow; Johann/*14.05.1817 in Friedrichsruh

- weitere Personen: Dorothea Funck, Mädchen/*1806 in Zoelckow; Hinrich Kummer, Geselle/*1801 in Bevensen(Hannover)

Christian Voeltzer, Arbeitsmann/*2.10.1767 in Goldenbow oo Dorothea Hartig/*25.07.1769 in Goldenbow

- Kinder: Maria/*05.10.1795 in Goldenbow, verh.; Johann Voeltzer/*24.10.1811; Sophia Kühn (uneheliche Tochter)/17.07.1817 in Goldenbow

NN. Hagen/*20.07.1769 in Frauenmark, Witwe

Fritz Kluth (unehelich)/*29.11.1815 in Neukloster

Carl Baller, Mauerers Geselle/*03.03.1779 in Klausstorfer Mühle (Kröpelin) oo Elisabeth Basedow/*1784 in Pölitz

- Kinder: Elisabeth/*02.04.1811 in Hof Grabow; Hinrich/*24.12.1812 in Woethen; Dorothea/*29.03.1815 in Woethen


1855/69 - Büdner, Häusler, Einlieger, Tagelöhner (Quelle:LHA, Die Einliegerländereien zu Goldenbow, 2.22-10/5 Nr. 1650)

- Goldenbow - Häusler: Vogel, Cords, Stein, Rohde; Einlieger: Cords, Voß, Völzer, Helms, Borchert, Reinke, Warnke, Beckendorff, Schwarz, Krüger, Porath, Sieverkrop, Wittwe Döscher, Krüger, Rohde, Wienke, Thiel, Hinze Wittwen: Strese, Rudolph, Ahrens; Büdner: Schulz, Krüger, Rohde, Schwarz

- Neu Ruthenbeck - Häusler: Pingel, Wilken; Einlieger: Pingel, Wittwe Brack, Voß, Hartig


Auswanderer aus Goldenbow und Neu Ruthenbeck (Quelle: LHA Schwerin Nr.10832 , 10839 , Akten des DA Crivitz 2.22-10/5)

um 1855 - Rohde, Joh. Christian - Goldenbow?

1857 - Sieverkrop, Albert Friedrich - Goldenbow

1859 - Klockow, Heinrich - Goldenbow

1863 - Niebuhr, Maria u. Adolf (Kind) - Neu Ruthenbeck

1864 - Döscher, Christian - Goldenbow

1865 - Rohde, Louise u. Heinrich (Kind) - Goldenbow

1868 - Döpfner, J.W.L.; Lentz, Jochen mit Frau und Tochter - Neu Ruthenbeck, Hintz, Dorothea - Goldenbow

1869 - Stein, Johann mit Ehefrau Marie u. 5 Kindern - Goldenbow

1875 - Haevenbrok, Hermann - Goldenbow

1882 - Schultz, Marie; Schultz, Jakob (Bruder) - Goldenbow

1884 - Schwartz, Chr. Joh. Friedr. mit Ehefrau u. 3 Kindern - Neu Ruthenbeck; Pingel, Marie Louise Joh. - Goldenbow


1867 - Volkszählung [28]

- Schulhaus: Willöper - 5 Pers.

- Gehöft Nr.1: Viehstädt - 13 Pers.

- Gehöft Nr.2: Hagen - 10 Pers.

- Gehöft Nr.3: Schwarz, Cords - 11 Pers.

- Gehöft Nr.4: Pagenkop, Rohde - 10 Pers.

- Gehöft Nr.5: Erdmann, Schliemann, Voß - 21 Pers.

- Gehöft Nr.6: Schwarz, Borchard, Brath - 20 Pers.

- Gehöft Nr.7: Cords, Schwartz - 14 Pers.

- Gehöft Nr.8: Steusloff, Warnke - 15 Pers.

- Gehöft Nr.9: Kludt, Cords - 15 Pers.

- Gehöft Nr.10: Beckendorf - 9 Pers.

- Erbziegelei: Dörwaldt - 8 Pers.

- Büdnerei Nr.1: Behn, Oldenburg - 13 Pers.

- Büdnerei Nr.2: Krüger - 5 Pers.

- Büdnerei Nr.3: Rohde, Rohde, Helms - 14 Pers.

- Büdnerei Nr.4: Pingel, Schwarz, Kunzel, Döscher - 20 Pers.

- Häuslerei Nr.1: Vogel - 3 Pers.

- Häuslerei Nr.2: Cords - 7 Pers.

- Häuslerei Nr.3: Mein - 7 Pers.

- Häuslerei Nr.4: Mein - 7 Pers. (?)

- Häuslerei Nr.5: Mieckow - 5 Pers.

- Häuslerei Nr.6: Buß - 6 Pers.

- Häuslerei Nr.7: Völzer - 3 Pers.

- Hebammenkaten: Janitz - 7 Pers.

- Armenkaten: Krüger, Streese, Rohde, Schwartz, Beckendorf - 22 Pers


1890 - Volkszählung [29]

- 10 Gehöfte

- Ziegelei

- 9 Büdnereien (5,6 und 8 fehlen)

- 13 Häuslereien

- Armenkaten


1900 - Volkszählung (ohne Neu-Ruthenbeck) [30]

- Gehöft Nr.1: Viehstädt, Baustian, Tarnow - 9 Pers.

- Gehöft Nr.2: Grützmacher, Hinz, Röhl - 7 Pers.

- Gehöft Nr.3: Schwarz, Mieckow, Mulsow, Schmidt - 9 Pers.

- Gehöft Nr.4: Rohde, Warnke, Ahrens, Beckendorf - 10 Pers.

- Gehöft Nr.5: Erdtmann, Möller, Pingel, Klokow, Behn - 8 Pers.

- Gehöft Nr.6: Schwarz, Daebeler, Schmidt, Wickborn, Thiele, Skoruza, Döscher - 11 Pers.

- Gehöft Nr.7: Schröder, Wenzel, Bornhöft, Kempcke, Döscher, Hinz - 9 Pers.

- Gehöft Nr.8: Steusloff, Krüger, Bartels, Buss - 13 Pers.

- Gehöft Nr.9: Kludt, Wüstenberg - 7 Pers.

- Gehöft Nr.10: Beckendor, Eschenburg - 6 Pers.

- Büdnerei Nr.1: Hartig, Schwarz - 10 Pers.

- Büdnerei Nr.2: Krüger, Röhl, Lüth, Tiehsen, Brandt - 9 Pers.

- Büdnerei Nr.3: Warnke, Rohde - 7 Pers.

- Büdnerei Nr.4: Pingel, Tanck, Beckendorf - 9 Pers.

- Häuslerei Nr.1: Mieckow - 4 Pers.

- Häuslerei Nr.2: Bruhn, Cords, Müller - 8 Pers.

- Häuslerei Nr.3: Cords, Buss, Röhl - 6 Pers.

- Häuslerei Nr.4: fehlt

- Häuslerei Nr.5: Stein, Dose, Ahrens - 10 Pers.

- Häuslerei Nr.6: Busse - 4 Pers.

- Häuslerei Nr.7: fehlt

- Häuslerei Nr.8: Pagenkopf, Schröder, Lüdt - 10 Pers.

- Häuslerei Nr.9: Kludt, Busse, Kraack - 8 Pers.

- Häuslerei Nr.10: Voss - 2 Pers.

- Häuslerei Nr.11: Janitz, Vath, Schoknecht - 3 Pers.

- Häuslerei Nr.12 (Gasthof): Kludt - 4 Pers.

- Häuslerei Nr.13: Schwarz - 6 Pers.

- Häuslerei Nr.14: Schwarz, Stein, Viehstädt - 3 Pers.

- Häuslerei Nr.15: Schwanck - 6 Pers.

- Häuslerei Nr.16: Bartels - 4 Pers.

- Häuslerei Nr.17: Eickelberg - 3 Pers.

- Häuslerei Nr.18: Pingel, Döscher - 4 Pers.

- Häuslerei Nr.19: Frick, Westphal - 6 Pers.

- Häuslerei Nr.20: Wandschneider - 4 Pers.

- Häuslerei Nr.21: Frick, Möller - 6 Pers.

- Schulgehöft: Driewer - 3 Pers.

- Ziegelei: Dörwaldt, Meyer - 4 Pers.

- Armenkaten: Schwarz, Mickow, Porath - 11 Pers.


1919 - Volkszählung [31]

- Hofbesitzer: Baustian (9), Grützmacher (9), Schwarz (10), Rohde (12), Erdmann (9), Pagenkopf (6), Schröder (10), Steusloff (10), Karnatz (2), Kludt (8), Kludt (7)

- Büdner: Warnke (4), Schwarz (3), Pingel (3)

- Häusler: Klempkow (5), Rohde (4), Schwahs (2), Schwank (2), Schwarz (4), Busse (3), Bruhn (4), Heilmann (6), Voß (1), Frick (2), Viehstädt (4), Müller (2), Mittelstädt (4), Skoruza (4), Schröder (6), Warncke (4), Tank (6), Frick (4), Hoyn (4), Kludt (5), Kraack (3), Quandt (5), Wandschneider (6), Bartels (3), Ihlenfeldt (6)

- Lehrer, Handwerker: Driewer (?), Kräese (7), Dose (2), Pagenkopf (8)

- Einlieger, Witwen: Pingel (3), Rohde (1), Rathke (4), Vath (1), Frick (2), Schwarz (1), Cords (2)


1918 - Gefallene des 1. Weltkriegs

Fritz Hefke +11.5.1915, Wilh. Cords +31.7.1916, Herm. Frick +21.2.1916, Otto Trost +28.6.1916, Heinr. Viehstädt +4.9.1916, Heinr. Hartig +1.190.1916, Herm. Meyer +2.10.1916, Paul Rohde +17.2.1917, Willy Rohde +7.5.1917, Karl Klemkow +25.5.1917, Herm. Beckendorf +2.3.1918,Albert Hinzmann +3.5.1918, Otto Pingel +17.5.1918, Karl Frick +12.10.1918, Wilh. Wandschneider +6.11.1918, Heinr. Warnkw +2.11.1919


1937 - Adressbuch von Parchim für Goldenbow [32]

Die Einwohnerschaft von Goldenbow in den 1930er Jahren
Goldenbower Bauern in den 1930ern

311 Einwohner, Standesbeamter - Hermann Bartels, Gemeindevorsteher - Wilhelm Pagenkopf

Familiennamen: Bartels, Baustian, Beckendorf, Bruhn, Busse, Dörwaldt, Döse, Erdtmann, Frick, Garnatz, Gerloff, Grützmacher, Heilmann, Herrmann, Hopp, Karnatz, Kludt, Klützke, Kraak, Levermann, Lucht, Müller, Nauhardt, Pagenkopf, Palm, Pingell, Quandt, Rohde, Schröder, Schwaß, Schwank, Schwarz, Spicker, Stein, Steusloff, Tank, Täufer, Viehstädt, Wandschneider, Warnke, Winter, Wulf

1944 stirbt der Erbpächter Christoph Beckendorf im Alter von 102 Jahren. Damit ist er der älteste bekannte Goldenbower. Zu seinem 100. Geburtstag veröffentlichte die Parchimer Zeitung einen Artikel. Ein Foto des knorrigen Alten befindet sich auch auch in dem Prachtband "Mecklenburg" vom Hinstorf-Verlag aus den 1930er Jahren. [33]

Erbpächter Ch. Beckendorf


1939 - 1945 - weitere Einwohner lt. Kirchenbuch

Kretlow, Roseda, Kapp, Klatt, Hermanski(?), Machert, Oldenburg, Krüger, Janvorski, Geufke, Genkel, Trost, Köpke, Hannemann, Griebenow, Köttelhöhn, Restorff, Dobbertin, Oldenburg, Zierke


1945 - in Goldenbow gestorbene Flüchtlinge (Quelle: Kirchenbuch der Pfarre Frauenmark, Landeskirchenarchiv Schwerin)

Schlemminger, Ida *11.4.1877/+5.2.1945; Neukirchner, Marita (Umsiedlerin) *9.2.1914 in Reyhdt/+6.5.1945; Lehmann, Elfriede Luise, geb. Braun *9.10.1914/+7.5.1945; Kaul, Emil Richard, Steuersekretär a.D. *29.10.1886 in Manschow, Krs. Lebus/+11.5.1945 (erschossen, 3.9. überführt); Kölzer, geb. Braun *21.9.1901 in Werschetz/+27.5.1945; Krumm, Katharina, geb. Frischkorn *13.3.1872 in Gundhelm (Hess.)/+27.9.1945; Patro, Günter *12.10.1944/+22.7.1945; Stier, Karla H.E.F., geb. Schröder *26.1.1914/+6.9.1945, Bockdahn, Emma, geb. Hülse, Wwe. *31.7.1879/+29.9.1945, Fröhlich, Wilhelm *11.1.1944 Ukraine/+5.10.1945, Hornburg, Karl *27.11.1884/+10.10.1945; Knop, Willi Karl *4.12.1902/+3.12.1945; Schlichting, Olga, geb. Radetzki, Wwe. *20.1.1887 in Danzig/+21.12.1945; Willomitzer, Klaus Rolf *10.9.1945 in Goldenbow/+27.12.1945


1945 – Eigentümer der Bauernhufen in der Reihenfolge der Hufennr. (B.K.)

Schatz, Grützmacher, Schwartz, Mulsow, Schröder, Pagenkopf, Bartels, Steusloff, Schwartz, Machert


Handwerker, Gewerbetreibende und sonstige Berufe

1779 – Johann Warnck/Weber; Friedrich Völtzer/Weber (LHA)

1798 - Friedrich Heidemann/Geburtshelfer

1814 - J. Raetz/Schneider (KB)

1816 - Hanna Schwarzen/Hebamme

1819 - Rohde/Maurergeselle, Schwart/Schneider, Witt/Kuhhirte, Frick/Schäfer, Adam/Jäger, Reinke/Schneider, Rutz/Schneider, Baller/Maurer, Schwart/Hebamme (VZ)

1819 - C. Vogler, F. Praefke/Ziegler (KB)

1820 - L. Böttgern/Hebamme, J. Böttcher/Schuhmacher (KB), J. Rode/Maurer (KB)

1824 - J. Schwarz/Schneidergeselle (KB)

1826 - J. Lembke/Zieglermeister (KB)

1827 - J. Hopp/Weber und Schulmeister (KB)

1830 - J. Willöper/Schneidermeister und Schulmeister (KB)

1833 - J. Schröder/Webermeister

1834 - J. Willöper/Lehrer (KB)

1839 - J. Ohmann/Rademacher (KB)

1842 - J. Rode/Maurer (KB)

1843 - J. Eichstädt/Erbzieglermeister (KB)

1844 - Ch. Lemcke/Tischlermeister (KB)

1846 - J. Fromm/Schäfer (KB)

1848 - J. Rohde/Zimmergeselle (KB)

1851 - Rohde/Schmiedemeister (KB)

1849 – Voß/Zieglergeselle, Rohde/Schneider, Schwarz/Schneider, Krüger/Schneider (LHA)

1855 - Voß/Hebamme (KB)

1860 - Ch. Schwarz/Nachtwächter (KB), J.Stein/Maurergeselle (KB)

1861 - Janitz/Hebamme (KB)

1862 - J. Nehls/Zieglergeselle (KB)

1863 - J. Karsten/Tischlermeister, F.Frenz/Zieglerlehrling

1864 - L. Schmidt/Zieglergeselle

1865 - J. Kunzel/Steinhauer

1867 – Johann Dörwald (*1810)/Erbziegler, Hermann Dörwald (*1850)/Ziegler (div./Internet)

1867 - Johann Willöper (*1802)/Schullehrer (VZ), Eickelberg/Lohziegler (KB)

1868 – Heinrich Pagenkopf (*1812)/Müller (LHA), J. Koch/Rademacher (KB)

1871 - Johann Mikow (*1838)/Rademacher und Kaufmann (KB), J. Schwarz/Zimmergeselle (KB), J. Willöper/Lehrer (KB)

1874 - Georg Eickelberg (*1838)/Ziegler (KB), Vath/Lehrer (KB)

1875 - Johann Kludt (*1849)/Maurer (KB)

1876 - Friedrich Wiedow (*1850)/Stellmacher (KB)

1876 - Joachim Vath (*1834)/Lehrer (KB)

1879 – Christian Pagenkopf (*1852)/Müller (KB)

1880 - Johann Voss (*1852)/Zinglergeselle (KB)

1881 - Johannes Driewer (*?)/Lehrer (KB)

1883 - August Busse (*1860)/Schneider (KB)

1885 - Friedrich Rohde (*1857)/Maurer (KB)

1886 - Friedrich Schoknecht (*1860)/Tischlergeselle (KB)

1886 - Albert Watter (*1860)/Tischler (KB)

1986 – August Dörwaldt (*1846)/Ziegler (KB)

1886 - Johann Stein (*1860)/Maurer (KB)

1888 - Christoph Schwarz (*1852)/Schneider (KB)

1891 - Johann Tessmann (*1859)/Pungenfahrer (KB)

1895 - Ernst Bruhn (*1871)/Maurer (KB)

1896 - Friedrich Frick (*1871)/Schuhmacher (KB)

1908 - Wilhelm Wandschneider (*1873)/Maurer (KB)

1908 - Ernst Frick (*1876)/Molkereiverwalter (KB)

1909 - Fritz Viehstädt (*1883)/Pungenfahrer (KB)

1909 - Karl Frick (*1883)/Schuhmacher (KB)

1910 - Karl Kludt (*1877)/Kaufmann (KB)

1911 – Karl Frick/Schmied (B.K.)

1913 - Herrmann Stein (*1888)/Maurer (KB)

1914 - Heinrich Pagenkopf (*1879)/Mühlenbesitzer (KB)

1914 - Karl Boldt (*1885)/Kaufmann (KB)

1916 - Ullrich/Kaufmann (Postkarte)

1919 - Driewer/Lehrer, Kräese/Molkereiverwalter, Dose/Stellmacher, Pagenkopf/Müller,

1924 – Heinrich Pagenkopf/Müller, Bäcker (B.K.)

1924 - Karl Kraack/Fuhrgeschäft (div./mündl.)

1925 – Erich Wulff/Lehrer (div./mündl.)

1931 – Wilhelm Pagenkopf (*1915)/Müller, Bäcker (div.)

1931 - Hermann Bartels/Standesbeamter (div./mündl.)

1932 – Hugo Winter/Krüger (div./mündl.), Agnes Winter/Kauffrau (div./mündl.)

1935 - Fritz Tank/Schuster (B.K)

1937 - Hermann Bartels/Standesbeamter, August Busse/Schneider, Carl Döse/Stellmacher, Max Hermann/Stellmacher, Carl Frick/Schmied, Friedrich Frick/Maurer, Carl Palm/Molkereiverwalter, Karl Kludt/Gastwirt, Otto Levermann/Kaufmann, Walter Lucht/Molkereigehilfe, Hermann Stein/Maurer, Hugo Winter/Gastwirt, Erich Wulf/Lehrer, R. Rohde/Pantinenmacher (Quelle: Adressbuch 1937 und M. Machert)


Schullehrer

1814 - W. Reinke (Schulhalter - ein Privatlehrer, der Lesen und Schreiben lehrte)

1828 - J. Hopp

1834/1871 - J. Willöper

1874/1879 - J. Vath

1881/1919 - J. Driever

1925/1945 - E. Wulff

1950 - Buchholz


Bürgermeister und Schulzen von Goldenbow (B.K.)

1779 – Cord Johann Völtzer

1784 – Cord Völtzer

1834 - J. Rhode (KB)

1835 – Johann Schliemann

1841 – J. Cords (KB)

1850 – Christoph Beckendorf

1853 - J. Cords (KB)

1870 – Karl Steusloff

1885 – C. Erdmann

1880 – Rohde

1896 – Karl Steusloff

1923 – Häusler Bartels

1930 – Willi Pagenkopfum

1936 – Fritz Grützmacher

1937 - Wilhelm Pagenkopf



Die nachfolgenden Dokumente ermöglichen ihnen bei der Suche nach ihren Vorfahren den Einstieg in das Kirchenbuch Frauenmark:

- Ortsfamilienbuch von 1800 bis 1918, basierend auf Kirchenbuch Frauenmark [34]

- Namensindex des Kirchenbuchs Frauenmark von 1832[35]

Weitere Themen zu Goldenbow

Der slawische Burgwall (Abschrift aus „Goldenbower Geschichten“ von B.Keuthe)

Grundriß der Slavenburg

Als Zeugnis der slawischen Siedlung auf der Goldenbower Feldmark erhebt sich ein Burgwall am Teufelsbachtal. Eigentlich ist es gar kein Wall im herkömmlichen Sinne, sondern eine abgeplattete Hügelspitze. Sehr geschickt nutzten die Slawen natürliche Gegebenheiten beim Bau dieser Anlage aus. Mitunter wird die Befestigung auch Höhenburg genannt. Der Grund dafür liegt in dem Steilhang zum Teufelsbach. Immerhin fällt hier das Gelände fast 12 m zum Tal des Teufelsbaches hin ab. Auf der Rückseite der Burg sind es nur 4- 5m. Die abgetragene Hügelspitze sieht im Grundriss halbmondförmig aus, zum Tal hin eine Gerade, ins Hinterland ein runder Bogen. Die eigentliche Verteidigungslinie zeigte also zum Tal hin. Es kann vermutet werden, dass hier die Hauptangriffsrichtung lag. Die Burg zeigte sich an dieser Stelle durch den Steilhang und die lange Gerade, an der viele Verteidiger stehen konnten, bestens geschützt. Am Rand des Burgplateaus wird eine hölzerne Befestigung, ein Palisadenzaun oder eine Holzmauer, errichtet im Blockverband, gestanden haben. Als Besonderheit an dieser Burg kann man zwei den eigentlichen Burgplatz flankierende Anhöhen sehen. Sie gehörten ebenfalls zum Befestigungssystem und trugen eine Bastion, einen Turm oder dergleichen. Jetzt ist es relativ mühsam, zum Burgberg zu gelangen. Kein Weg führt dorthin. So kann man sich aussuchen, ob man von Goldenbow aus quer über den Acker oder von Neu Ruthenbeck direkt durch das unwegsame Teufelsbachtal dorthin gelangen möchte. Beides relativ beschwerliche Wege. Daher stellt sich die Frage, was sollte die Burg an jener Stelle? Welchen Zwecken diente sie? Tatsächlich müssen die Wegeverhältnisse in slawischer Zeit ganz anders ausgesehen haben, ohne das man das an alten Karten nachvollziehen kann. Der Burgberg erhebt sich wie ein Horst am Steilufer des Teufelsbaches. Links und rechts an seinen Flanken zogen sich hohlwegartige Rinnen über den Hang ins Tal. Auf der gegenüberliegenden Seite, wo ebenfalls Steilhänge vorhanden sind, verlassen an drei Stellen Wege das Bachtal. Südlich durch die Mord- kuhle verläuft der Weg nach Crivitz. Der mittlere ist wiederum ein Hohlweg, der aber am nahegelegenen Waldrand endet und nicht mehr genutzt wird. Er führte anscheinend nach Wessin. Der nördlich den Bach begleitende Weg endete in Radepohl. Somit lag die Burg an einem Wegekreuz. Die von Osten herankommenden oder den Teufelsbach begleitenden Wege sind nicht mehr erhalten. Die slawische Nutzung des Burgberges ist durch slawische Scherben (Typ Menken- dorf, Teterow, Vipperow), aus der Zeit von 800 bis 1200 u. Z. bewiesen. Der Burgwall lag im slawischen Grenzgebiet. Der Teufelsbach kennzeichnete etwa die Grenze zwischen den damaligen Ländern Ture (Lübz) und Silesen (um Crivitz). Aber auch von Süden reichte das Land Parchim bis hierher. Die Grenze zwischen den späteren deutschen Ämtern Parchim und Ture verlief an der Feldmarkgrenze zwischen Klad- rum und Goldenbow. Danach gehörte das Gebiet um den Burgwall zu Parchim. Dass es ursprünglich doch ein Burgwall der Ture war, zeigt seine Bauweise, vor allem der halbmondförmige Grundriss. Dieser wiederholt sich in der weiteren Umgebung nur bei den Burgwällen von Woeten, Kreien, Wangelin und dem Burgwall in der Fahrenhorst bei Bobzin, welche alle in der Ture lagen. Die einheitliche Bauweise läßt auf ein gemeinsames Stammesgebiet schließen, Eine Nutzung des Burgwalles durch Deutsche erfolgte nicht. Nachdem auch die Wegeführung beim weiteren Ausbau des Landes verändert wurde, geriet der Burgwall vollkommen in Vergessenheit. Für die Ortsansässigen stellte der Platz immer etwas Unheimliches dar. Daher wurde er auch nicht, wie es andernortes üblich war, als Ackerland genutzt. Bald kamen Sagen auf, die die alte slawische Befestigung mit dem Wirken von Hexen in Verbindung brachten. So änderte sich die eigentliche Bezeichnung „Burgberg" in „Blocksberg", bis eines Tages ein Kartenzeichner darunter zwei verschiedene Orte vermutete und es so auf dem Meßtischblatt von 1900 ein- zeichnete, den Blocksberg an üblicher Stelle und den Burgberg am gegenüberliegenden Ufer.


Mühle und Bäckerei

Der Erbauer der ersten Windmühle im Jahr 1868 war Heinrich Johann Ludwig Pagenkopf, der Ururgroßvater des Autors. Deshalb sollen hier ergänzend zum nachfolgenden umfassenden Artikel von B. Keuthe von 1994 noch einige familiengeschichtliche sowie ergänzende Bemerkungen und Korrekturen vorangestellt werden: Heinrich Johann L. kam 1851 im Alter von 33 Jahren nach Goldenbow. Sein Vater war bereits Müller bei Teterow und seine Mutter, eine geborene Hagemeister, stammte aus einem uralten Müllergeschlecht. Heinrich war zunächst Großknecht auf der Hufe 4 des Bauern Rohde, der aber bald darauf verstarb. H. heiratete, wie damals noch üblich, die Witwe und wurde Interimswirt. 1867 wurde der älteste Stiefsohn volljährig und trat die Erbfolge auf dem Bauernhof an. Damit musste H. mit schon 50 Jahren für sich und seine Familie noch eine neue Lebensgrundlage aufbauen. Durch eine geschickte Finanzierung mit Anleihen auf das Ackerland seines Stiefsohns gelang ihm der Bau der Windmühle und der Häuslerei Nr. 8 ohne die wirtschaftlichen Grundlagen des Bauernhofes zu gefährden. Damit konnte er in den folgenden Jahren offenbar noch einen ausreichenden Wohlstand für die Familie erwirtschaften. Er starb 1892, sein Sohn und Nachfolger Christian J. Th. verstarb nur vier Jahre später im Alter von 44 Jahren und hinterließ eine neunköpfige Familie. Dessen ältester Sohn, Heinrich Hermann F. war zu der Zeit gerade 16 Jahre alt und musste mit seiner Mutter das Müllergewerbe weiterführen. Dies gelang ihnen offenbar ebenfalls recht gut, so dass 1906 ein zusätzlicher Dampfmaschinenantrieb für die Mühle gekauft werden konnte. 1924, bereits am Ende des Windmühlenzeitalters, wurde der alte dreigeschossige Erdholländer abgerissen und an dessen Stelle ein fünfgeschossiger Galerieholländer mit örtlichen Handwerkern errichtete. Bei der Finanzierung hatte sich Heinrich Hermann aber gehörig verkalkuliert, die Mühle wurde doppelt so teuer und auch der Wind war in Goldenbow als Antriebskraft für eine so große Mühle nicht ausreichend häufig und gleichzeitig stark genug. Also wurde 1929 eine neue Dampfmaschine angeschafft. Trotzdem konnte er durch zahlreiche kleine Anleihen bei Freunden und Bekannten in diesem Jahr auch noch die Bäckerei mit einem modernen Dampfbackofen einrichten. Seine Mutter hatte bereits vorher am häuslichen Herd Brot für den Verkauf gebacken. Diese enormen Investitionen überlebte er leider nicht lange und starb 1931 mit 51 Jahren. Nun musste sein Sohn Wilhelm, ebenfalls gerade erst 16 Jahre alt, das Müllerhandwerk statt des vorgesehenen Realschulabschlusses erlernen, um das Geschäft mit seiner Mutter weiter führen zu können. Dabei wurden sie tatkräftig von deren Mutter bis ins hohe Alter unterstützt, die deshalb in Goldenbow noch lange nach ihrem Tod einen guten Ruf als eine sehr fleißige und immer hilfsbereite Frau hatte. In den 1930er Jahren wurde die neue Dampfmaschine nach nur wenigen Jahren durch einen Dieselmotor ersetzt und dieser später durch einen Elektromotor, der noch bis zum Verkauf der Mühle 1957 an die LPG seinen Dienst versah. Nach dem Verkauf der Mühle wurde die Bäckerei, ergänzt durch das Ausfahren von Brot in die Nachbardörfer, zur einzigen Erwerbsgrundlage der Familie. 1979 musste die Bäckerei aufgrund der krankheitsbedingten Erwerbsunfähigkeit des langjährigen Gesellen Karl Stephan kurz vor Erreichen des Rentenalters von Wilhelm aufgegeben werden. Die Mühle wurde danach von der LPG zur Futtermittelherstellung genutzt und verfiel mit den Jahren zusehends. Die heutige, wieder tadellose äußere Hülle ist dem Friedrichsruher Tierarzt Arvid Kremer (s.h. Artikel von B. Keuthe) sowie den nachfolgenden Eigentümern H.-J. Schulz (Gaststätte) und Silke Fette/Peter Märzke (Ferienhaus) zu verdanken.

Presseveröffentlichungen zu Mühle und Bäckerei: [36]; [37]; [38]


Geschichten um die Windmühle zu Goldenbow - Heute feiert das Dorf 650-jähriges Bestehen / Im Archiv gestöbert (Dieser Artikel von Burghardt Keuthe erschien am 4.6.1994 in der Parchimer Zeitung)

Goldenbow — Goldenbow begeht an diesem Wochenende seinen 650. Jahrestag der Ersterwähnung. Beim Stöbern in alten Akten und im Gespräch mit Alteingesessenen kamen manche interessante Einzelheiten vom Dorf und seiner Mühle wieder an das Tageslicht. Besonders zur Mühle fand sich so viel Material, dass längst nicht alles Platz in der zum Jahrestag herausgegebenen Festschrift „Goldenbower Geschichten" hatte. Am Teufelsbach, in der Nähe von Neu Ruthenbeck, lag vermutlich seit der Gründung des Ortes eine Wassermühle. Von ihr blieb der Flurname „Brennmöhl" und die mündliche Überlieferung, daß sie vor langer Zeit ein Brand zerstörte. Seltsamerweise wurde sie nicht wieder aufgebaut. Dafür erscheint in den Crivitzer Amtsakten 1448 eine „Neu Mühle" am Hof Schönberg, einem benachbarten Rittersitz, der heute wüst liegt (Anm.: 1800 wird im Kirchenbuch Frauenmark noch der Müllergeselle Timm aus Schönberg genannt). Den dort ansässigen Adligen gehörte umfangreicher Besitz in Goldenbow. Zusammenhänge zwischen dem Brand der alten und dem Bau der neuen Wassermühle bei Schönberg kann man erahnen. Erst mit dem Übergang in das Domanium Ende des 18. Jahrhunderts verlor die Schönberger Mühle ihre örtliche Bedeutung, zumal noch eine weitere, die Gömtower Mühle, in unmittelbarer Nachbarschaft lag. Etwa um 1860 zog aus Wesenberg der gelernte Müller Herman Pagenkopf nach Goldenbow. Er wurde im Ort ansässig und stellte beim Amt in Crivitz den Antrag auf den Bau einer Windmühle. Die Geschichte paßte dem Friedrichsruher (vorher Gömtower, Umbenennung des Ortsnamens zum Ende des 18. Jahrhunderts) Erbmüller Peters ganz und gar nicht, wie es der Inhalt eines Schreibens an das Amt zeigt: „Wie ich gehört habe, beabsichtigt der Müller Pagenkopf, in Goldenbow ebenfalls eine Mühle zu bauen und das Müllerhandwerk gewerbemäßig zu betreiben. Durch die Ausführung solcher Absicht würde ich großen Abbruch in meinem Geschäft leiden und bitte ich daher, dem Pagenkopf die Aufstellung einer Mühle in Goldenbow zu untersagen." Das Gesuch wurde mit der Begründung abgelehnt, dass die Mühle für Goldenbow kein Bannrecht besäße und es im Interesse des Publikums läge, wenn vermehrte Konkurrenz einträte. Hinter der inzwischen erbauten Häuslerei Nr. 8 kaufte Hermann Pagenkopf mit behördlicher Genehmigung vom Bauern Viehstädt 30 Quadratruthen Land für den Standort der Mühle. Bei der baulichen Abnahme des Mühlenfundamentes stellte sich heraus, daß es, entgegen der Vorschrift, 50 cm zu nahe am vorbeiführenden Weg lag (bei einer Entfernung von 20 Ruthen, etwa 90 Meter). Das Fundament sollte abgerissen und neu, um die gefor-derte Entfernung versetzt, gebaut werden. Müller Pagenkopf ließ aber lieber den Weg um dieses Maß verlegen. 1869 dürfte der Bau vollendet gewesen sein, denn in diesem Jahr zahlte der Müller erstmals die anfallenden Steuern. Die Holländermühle befand sich bereits im Besitz der dritten Generation der Familie, als sie Hermann Heinrich Pagenkopf 1924 abreißen und als Galerieholländer neu aufbauen ließ. Die Feldsteinmauern der alten Mühle fanden im Fundament der neuen Verwendung. Die Bauarbeiten führte die im Ort ansässige Baufirma Stein & Tank aus. Die Mühle besaß zwei Galerien, eine in etwa 4,5 m Höhe, umlaufend. Die andere war ganz oben am Mühlenkopf, wo noch heute zwei große Fenster den ehemaligen Ausstieg anzeigen. Von hier hatte man bei klarem Wetter Sicht bis nach Schwerin. Von der unteren Galerie hing man in die Flügel eine Kiste mit Feldsteinen, wenn der Mühlenbetrieb eingestellt wurde und ein unbeabsichtigtes Zuschlagen der Klappen vermieden werden sollte. Dem Zeitgeist entsprechend erhielten die Flügel der Windrose am hinteren Mühlenkopf einen schwarz-weiß-roten Anstrich. Die Mühle erfreute sich großen Zuspruchs, so daß die Windkraft bald nicht mehr ausreichte, um alle Kundenwünsche zu befriedigen. 1929 kaufte sich der Müller eine Dampfmaschine und ließ sie in einen Schuppen neben der Mühle einbauen. Der Dampfkessel wog schwer, und zehn Pferde mussten vor den Wagen gespannt werden, als das Gerät vom Bahnhof auf den Mühlenberg gefahren wurde. Über eine Welle erfolgte die Kraftübertragung zur Mühle. Als in den dreißiger Jahren ein Dieselmotor als Antrieb eingebaut wurde, verkaufte man die Dampfmaschine an das Sägewerk in Suckow. Neben dem Mühlenhandwerk betrieben die Pagenkopf‘s eine Bäckerei. Auch sie war entsprechend damaliger Ansichten modern ausgerüstet. Einen Dampfbackofen besaßen im weiten Umkreis nur noch einige Bäcker in Parchim. Der Müller unterhielt, sozusagen als Kundenservice, einen Fuhrbetrieb. Mit einem sogenannten Pungenwagen holte man das Korn von den Bauern und fuhr das Mehl wieder aus. Gleichzeitig bot man frisch gebackenes Brot an, welches im vorderen Teil des Wagens gelagert wurde. Als Pungen bezeichnete man Säcke, die ein Fassungsvermögen zwischen ein bis zwei Zentner hatten. 1931 verstarb unerwartet der Müllermeister. Sein 16jähriger Sohn verstand zwar das Handwerk, durfte aber ohne nachgewiesene Qualifikation die Mühle nicht betreiben. Die Gesellenprüfung legte er dann bei einem Parchimer Meister ab. Vorrangig wurde Weizen- und Roggenmehl produziert, aber auch Graupen und Grütze (aus Gerste). Bis 1977 betrieb Wilhelm Pagenkopf Mühle und Bäckerei. Eine Weile schrotete er noch für die LPG in der Mühle, bis Reparaturen anstanden, die aber nicht mehr ausgeführt wurden. Im Jahre 1986 kam die Mühle als technisches Denkmal auf die zentrale Denkmalliste. Eine Interessengruppe unter der Leitung von Arvid Kremer, die von der LPG Friedrichsruhe finanzielle Unterstützung erhielt, kümmerte sich um das Bauwerk. Im Mai 1987 führte man Reparaturarbeiten an der Dachhaut der Mühle aus, wobei Technosportler (Bergsteiger) zum Einsatz kamen. Das Mahlwerk wurde ausgebaut, weil die Absicht bestand, die Mühle als Jugendherberge einzurichten. Mit der Wende wurden alle derartigen Pläne eingestellt. Seitdem harrt die Mühle auf eine Vollendung der Renovierungsarbeiten und auf neue Flügel. Burghard Keuthe




Die Molkerei

Krug, Gaststätte und Kolonialwarenläden

Landwirtschaft

Handwerk und Gewerbe

Schule und Soziales

Dorffeste

Personen und Medien: Christoph Bekendorf, Anneliese Rohde, Wilhelm Pagenkopf, Ernst Röhl, Willy Pagenkopf

Sagen und Dorfgeschichten zu Goldenbow

"Sagenhafte" Orte bei Goldenbow

Der Burgwall Gömptow [2] bei Friedrichsruh, unweit Crivitz

Aus: Mecklenburgs Volkssagen, Band 4 Autor: Gesammelt und herausgegeben von M.Dr.A. Niederhöffer, Erscheinungsjahr 1862


Der Hof Friedrichsruh bei Criwitz, der sonst Gömptow hieß, hatte diesen seinen früheren Namen der also genannten, schon 1385 zerstörten Burg entlehnt, die dort auf der Stelle stand, die noch heute „der Burgwall" heißt. Die alte Burg gehörte bis zu ihrer Zerstörung den nun auch schon längst ausgestorbenen Grafen von Goldenbohm oder Goldenbow zu. Ihr letzter Besitzer und Bewohner war einer der kühnsten und verwegensten Raubritter, die es jemals gegeben hat; und er konnte dies auch wohl sein, da er unbezwinglich war und Niemand ihm etwas anhaben konnte. Er, samt allen seinen Leuten stand nämlich im Bündnisse mit dem Teufel, und dieser war ihm nun immer bei allen seinen Unternehmungen behilflich und rettete ihn und seine Mannen aus jeglicher Not und Gefahr. Hiervon kam es denn auch, dass man das unbesiegbare Raubnest Gömptow zuletzt nur noch die Teufelsburg nannte. Als des Raubgrafen und seiner Leute Zeit abgelaufen war, da holte sich Meister Urian ihre armen Seelen, ihre Leiber warf er aber in den nahe vorbeifließenden kleinen Bach, der seit dem der Teufelsbach heißt. Die hiernach ihres Teufelsschutzes ledig gewordene Burg wurde nun zerstört und dem Erdboden gleich gemacht.

Vom genannten Teufelsbache wissen die Landleute allerlei schaurige Sachen und Geschichten zu erzählen; denn die vom Bösen Geholten einstmaligen Insassen der Burg Gömptow sollen dort noch immer herumspuken und ihr Wesen treiben.


Die nachfolgenden Sagen zu Goldenbow wurden dem Buch „Sagen und Geschichten - Crivitz und Umgebung“ von Evemarie und Frank Löser, Verlag Rockstuhl, 1. Auflage 2019, entnommen.


Vorbemerkungen

Die Sagen wurden vom Verfasser nach Themen und Orten zusammengefasst und durch einen Plan der „sagenhaften Orte“ in der Umgebung von Goldenbow ergänzt. Auffallend ist, dass die Sagen nur vereinzelt Goldenbow direkt betreffen, sondern meist die Wege durch die weitläufige Feldmark Richtung Kladrum, Badegow und Ruthenbeck (Neu Ruthenbeck gab es zum Handlungszeitpunkt der Sagen noch nicht). Neben Spuk, Teufel und Riesen spielten natürlich die Hünengräber und die Gömtower (heute Friedrichsruhe) Raubritter, die in der Umgebung von Goldenbow ihr Unwesen trieben, eine wichtige Rolle.


Sagen vom Teufelsbackofen und Teufelsbach

Am Teufelsbach (Badegow)

Es gibt Gegenden, da spukt es - sagen die Leute. Solche Gegend war auch die um Badegow, Goldenbow und Radepohl herum. In Radepohl soll der Teufel sogar auf dem Brennerberg reiten. Hier entspringt auch ein Bach und der trägt den Namen „Teufelsbach“. An diesem Bach soll der Leibhaftige auch einmal einen Schimmel getötet haben; Teile des Pferdes fand man dann auf den umliegenden Wiesen. Wem das Tier gehörte oder woher es stammte ist niemals aufgeklärt worden.

Teufelsritt (Friedrichsruhe)

Ein wahrhaftiger Teufel soll manchmal nahe am Teufelsbach auf einem Schimmel reiten.

Der Bach des Teufels (Friedrichsruhe)

Auch Teufel müssen arbeiten. Dieser arbeitete gemeinsam mit seiner Großmutter; sie zog den Pflug und er lenkte ihn. Aus der Ecke von Klinken sind sie so pflügend gekommen. Der Teufel hielt den Pflug aber nicht akkurat, sondern viel zu tief ins Erdreich hinein. So entstand eine tiefe Furche, in der schon bald ein Bach floss. Und weil der Teufel daran schuld war, nannte man ihn den Teufelsbach. So wird er bis heute genannt.

Der Aufhocker (Friedrichsruhe)

Auf dem Burgwall [3] in Friedrichsruhe soll ein Schatz versteckt sein, danach wurde schon oft gegraben. Man hoffte pures Gold oder gar Geld zu finden. Zwei mit dem Namen Stein, zwei gestandene Männer des Ortes, hatten sich vorgenommen in dunkler Nacht dort auch einmal zu graben. An der Brücke über dem Mühlenbach (Anm.: entsprechend dem früheren Verlauf der Teutelsbach) war ihr Treffpunkt. Als die beiden an der Stelle ankamen, stand da schon der Teufel und wartete. Der eine überlegte nicht lange, kehrte auf dem Absatz um und ging schnurstracks nach Hause. Der andere war mutiger, er ging weiter. Das war dem Teufel recht, er hockte sich sofort bei ihm auf. Mit dieser Last schaffte er es aber nicht bis zum Burgwall und kehrte auf halber Strecke erschöpft um.

Der goldene Sarg (Neu Ruthenbeck)

Unter den großen Steinen, die ,Teufelsbackofen' [4] genannt werden, soll ein König der Riesen in einem goldenen Sarg liegen. Der Riesensarg soll genau auf der geraden Linie von Wittenburg in Richtung Sternberg, also in Neu-Ruthenbeck, liegen. Es gibt aber noch weitere Vermutungen, in welchem Ort und wo genau dieser goldene Sarg liegen soll.

Die Furche des Teufels (Neu-Ruthenbeck)

Der Teufel und seine Mutter pflügten hier einst die Erde. Sie kamen übers flache Land von Klinken her und der Teufel, der den Pflug höchstpersönlich führte, hielt ihn hier zu tief. Dadurch entstand hier eine große Furche, in der seitdem Wasser fließt. Der Bach wurde nach seinem Verursacher benannt und heißt bis heute ,Teufelsbach'.

Der Teufelsbackofen (Neu-Ruthenbeck)

Dieses jungsteinzeitliche Großsteingrab [4] soll die Begräbnisstätte eines Riesenkönigs sein. Und wo ein König bestattet liegt, müsste es auch Gold und Silber geben. Dieser König liege sogar in einem goldenen Sarg, so wurde es immer erzählt. Das haben die Grabräuber auch gehofft, die hier nach Schätzen suchten - aber leider nichts fanden. Nie wurde von einem Fund berichtet; aber klar ist, dass diese Anlage nicht mehr im Originalzustand erhalten ist. Darunter wird auch ein unterirdischer Keller, mit Steinen an der Seite und einer großen Abdeckung obenauf, vermutet. Hier hat vor langer, langer Zeit aber auch der Teufel gewohnt. Die Menschen, die mit ihm einen Vertrag abgeschlossen hatten, kamen nach Ablauf der Zeit hierher, um im Höllenfeuer zu Braten. In der Johannisnacht sollen diejenigen erkennbar sein, die hier in die Hölle gefahren sind. Sie tanzen wild wie Irrlichter umher. Es wird aber auch berichtet, dass dies der Backofen von Riesen gewesen sei. Hier hätten sie ihr Brot gebacken. Es gibt aber auch diese Geschichte über den Teufelsbackofen: Die Riesen wohnten nach der Eiszeit noch im Land und der Teufel stieg aus einem tiefen Loch nahe Ruthenbeck aus der Erde. (Diese Stelle wird bis heute ,Hölle' [6] genannt.) Er brauchte für seine Unternehmungen auch Wasser und leitete den nahen Bach einfach um. Auf dem Tobelsberg bei Bahlenhüschen lebte ein Riese, dem missfiel diese Schurkerei gar sehr. Er suchte sich den größten Findling den er bewältigen konnte und warf ihn weit über die Göhrenschen Tannen und Trammer Felder genau vor die Hölle. Dem Teufel war dies sogar recht, denn er baute mit diesem Findling für seine Großmutter einen Backofen. Die Großmutter freute sich darüber und nutzte den Ofen oft und gerne. Darin briet sie viele Äpfel, denn gebratene Äpfel zum Nachtisch war eine ihrer Lieblingsspeisen. Bei feuchtwarmer Witterung kann man noch heute Nebel am Teufelsbackofen aufsteigen sehen. Es ist so, als würde die Großmutter wieder einmal Äpfel braten.


Sagen von Raubrittern und Räubern

Die unvollendete Kapelle (Friedrichsruhe)

Ein offenbar sehr übler Raubritter trieb in Gömtow und Umgebung sein Unwesen. Er hatte schlecht geschlafen und auch am Tage drückten die vollbrachten bösen Taten auf sein Gewissen. Für sein Seelenheil wollte er deshalb eine kleine Kapelle auf seinem Hof [2] erbauen. Die notwendigen Glocken dafür bestellte er in der Glockengießerei in Parchim. In Gömtow begann derweil der Bau des Kirchleins. Der Guss der Glocken war auf Anhieb gelungen und nun sollten sie nach Gömtow transportiert werden. Sie wurden auf Wagen geladen, die Pferde wurden angespannt und die Fahrt begann. Je näher sie aber zum Räubernest kamen umso schwerer schien die Fracht zu werden. An der Grenze zum Dorf Gömtow schafften die Pferde die Last nicht mehr; die Wagen standen still. Gut zureden oder die Peitsche bewirkten nichts, der Treck stand. Die Fuhrleute spannten nun ihre Rosse aus, um sich auf dem nahegelegenen Hof frische ausgeruhte Tiere zu holen. Groß war die Überraschung, als sie kurze Zeit später wieder zurückkamen. Beide Wagen waren leer, die Glocken verschwunden. Zu Johanni ging ein Bauer, der ein Sonntagskind war, zufällig an der Stelle des Geschehens spazieren. Auf einem kleinen Berg, der gleich neben dem Dorf lag, hörte er ganz fein aber deutlich das Klingen von Glocken. Aber sein Rundumblick konnte keine Glocke erspähen, der Klang kam aus der Tiefe der Erde. Er legte sich auf den Acker und hörte das Glockenläuten ganz deutlich; so hatten doch die verschwundenen Glocken geklungen! Die Unterirdischen, die hier in der Umgebung des Berges lebten, hatten sich diese Glocken geholt. Der größte dieser Hügel wurde nun fortan der Glockenberg genannt. Für die Kapelle war das Verschwinden der Glocken kein gutes Omen. Sie blieb unvollendet und Gömtow bekam deshalb nie eine Kirche.

Der Raubritter (Friedrichsruhe)

Einst stand auf dem Kannenberg eine Burg, eine Raubritterburg [2]. Sein Besitzer lebte vom Rauben und überfiel Kaufleute, die in Reichweite seiner Burg mit ihren Waren vorbeifuhren. Diese Händler kamen aus Lübeck, Lüneburg, Parchim, auch aus Rostock und wollten ihre Waren im Land verkaufen. Bei einem Überfall auf mehrere Händler aus Lüneburg wurde der Raubritter auch Besitzer einer goldenen Kanne. Sie war sehr wertvoll und deshalb versteckte er sie in seiner Schatzkammer. Wie immer ging er später in diese Kammer, um seine ,Neuerwerbungen' noch einmal in aller Ruhe zu betrachten. Aber die goldene Kanne war weg, wo war sie? Hatte der Knecht sie gestohlen? Doch der verneinte die Anschuldigung mit fester Stimme, er habe die Kanne nicht entwendet. Dem Raubritter schwoll die Stirnader, so wütend war er über diese Antwort. Er zog sein Schwert und streckte den Untertan nieder. Bevor dieser sein Leben aushauchte schwor er nochmals, dass er unschuldig sei. Man beerdigte ihn und dabei läutete plötzlich eine kleine Glocke, die sich auch in der Schatzkammer befand. Der Ritter ahnte was kommen würde und wollte die Glocke zum Schweigen bringen, aber es misslang. Da kamen in schnellem Galopp schon seine Feinde auf die Burg und nahmen ihn gefangen. Der Raubritter wurde wegen seiner vielen Freveltaten hingerichtet; die Burganlage wurde zerstört und mit Erde befüllt. Sie sollte nicht mehr existieren, Bei diesen Arbeiten fand man auch die goldene Kanne, die dem ehrlichen Knecht ins Grab gelegt wurde.

Der Hufeisentrick (Friedrichsrhuhe)

Die Burg in Friedrichsruhe [2] gehörte einst einem Raubritter und der machte die ganze Gegend unsicher. Es gab unzählige Versuche, dem Raubritter das Handwerk zu legen. Es gelang nicht, irgendwie stellte er sich immer klüger an als seine Häscher. Sein Trick: die Hufeisen seines Pferdes waren verkehrtherum aufgenagelt. Verließ er die Burg, zeigten die Hufspuren in Richtung Burgeingang. Kam er zurück auf die Burg, so war es genau umgekehrt. Und immer dachten die Leute genau das verkehrte.

Der Raubritter (Friedrichsruhe)

In Friedrichsruhe gab es einst eine Burg, eine Raubritterburg [2]. Unweit der Burg floss der Teufelsbach (Anm.: hier der Mühlenbach) vorbei, der viel breiter und tiefer war als heute. In diesem Bach gab es so viel Wasser, dass man ihn mit einem Kahn befahren konnte. Das nutzte der Raubritter auch, um unbemerkt seine Burg zu verlassen oder zu ihr zurückzukehren. Mit einem Kahn fuhr er von seiner Burg den Teufelsbach entlang bis zum Blocksberg [1]. Hier wartete er auf vorbeiziehende Reisende und raubte sie aus. Manche verloren dabei ihr Leben und deshalb wurde die Stelle auch ,Mordskuhle' [6] genannt. Es wurde immer wieder versucht den Raubritter dingfest zu machen, aber es soll nicht gelungen sein. Spuren fand man auf dem Land keine, der Kahn im Wasser war ein sicheres Gefährt. Die Burg des Raubritters, der mit dem Teufel im Bunde gestanden haben soll, nannte man auch Teufelsburg. Als der Teufel dann seine Seele holte, warf er den Körper einfach in den fließenden Bach, der fortan Teufelsbach hieß. Manchmal soll es dort auch heute noch spuken oder sehr gruselig sein. Es wurde auch erzählt, dass der Räuber Vieting aus Parchim mit dem Räuber aus Friedrichsruhe in Verbindung stand und sie gemeinsame Sache machten. Das wird auch von den Räubern der Mordskuhle in Radepohl, dem Burgwall in Friedrichsruhe [3] und dem Sonnenberg in Parchim erzählt. Die Räuber sollen eine Art ,Räubergesellschaft' gebildet haben.

Die Teufelsburg (Friedrichsruhe)

Der letzte Besitzer, der auch in der Burg [3] wohnte, wird in der Sage als der kühnste verwegene Raubritter der Gegend beschrieben. Es schien als sei er unbezwingbar und keiner konnte ihm im Kampf tatsächlich etwas anhaben. Es wurde vermutet, dass der Raubritter und seine Gefährten mit dem Teufel im Bündnis standen. Sie hatten ihm ihre Seelen verschrieben. Er beschützte sie, wenn sie andere überfielen und half ihnen, die Beute nach Hause zu bringen. Sie waren dadurch unbesiegbar. Wenn über den Burgwall gesprochen wurde, setzte sich immer öfter der Begriff Teufelsburg durch. Aber auch die schönste Raubritterzeit geht einmal vorbei. Das Bündnis mit dem Teufel ging zu Ende und er kam höchstpersönlich, um die ihm versprochenen Seelen abzuholen. Die toten Leiber warf er in den vorbei fließenden Bach, der seit dieser Tat nur noch Teufelsbach hieß. Die Burg stand nun auch nicht mehr unter dem Schutz des Teufels; sie wurde zerstört und verfiel nach und nach.

Der Blocksberg (Goldenbow)

Auch in Goldenbow gibt es am schwer zugänglichen Steilufer des Teufelsbaches einen Blocksberg [1]. Das ist aber kein Berg, sondern ein slawischer Burgwall, der beinah in der Geschichte verloren ging. Dass hier einst eine Räuberbande gehaust und gemordet haben soll, das blieb in guter Erinnerung. Auf diesem Blocksberg durften die Bauern aber nur Buchweizen und Rauhafer (in Mecklenburg auch Purhafer genannt) anbauen, nichts anderes. Ringsherum liegt ein Torfmoor, in dem auch Torf zur Feuerung gestochen wurde. Kanonenkugeln und alte Gewehre hat man dabei gefunden, die man alle der Räuberbande auf diesem Berg zuschrieb.

Räuberbande (Radepohl)

Auch die Räuber in der hiesigen Gegend waren untereinander verbündet und bildeten eine Art Räubergesellschaft. Der Räuber Vieting war in den Sonnenbergen bei Parchim zu Hause und trieb dort sein Unwesen. Er stand mit den Räubern vom Friedrichsruher Burgwall [3] und mit denen aus Goldenbow [1] in enger Verbindung. Auch die Räuber aus Radepohl, die von der Mordkuhle [5], gehörten in diese Gemeinschaft


Sagen zu Feldflur und Wegen

Der Scheidegänger (Badegow)

Ein Landarbeiter aus Badegow musste aufs Gut nach Schönberg und kam abends erst sehr spät zurück. Er lief auf dem Weg von Goldenbow nach Badegow. Er war genau an der Grenze, auch Grenzscheide [12] genannt, als er eine alte tiefgebückte Gestalt sah. Der Alte rief bei seinem hin und her laufen immer die Worte: „Hier verläuft die Grenze." Dieser Alte soll ein Tagelöhner gewesen sein, der einst für seinen Herrn bei der Festlegung der Grenze nicht die Wahrheit ausgesagt hatte. Seitdem muss er als Strafe dafür hier immer hin und her laufen. Aber man darf ihn nicht ansprechen! Denn dann muss man selbst anstelle des Alten hier bleiben und rufen.

Der unterirdische Gang (Badegow)

Zwischen den Orten Badegow und Goldenbow soll es einst einen Gang gegeben haben - so erzählten es noch die ganz Alten. Keiner wusste aber wo und ob er noch begehbar sei.

Der Brautwagen (Frauenmark)

Auf dem Weg von Goldenbow nach Frauenmark lag bis zum Bau der Chaussee ein großer Stein, Brautwagen genannt. Er hieß so, weil er eine versteinerte Brautkutsche sein soll. Eine Hochzeitsgesellschaft, die weder fromm und noch tadellos im Leben war, fuhr einst zur Kirche nach Frauenmark. Kirchlich getraut wollten sie wenigsten sein, damit ja nach Außen alles seine Ordnung habe. Zur Strafe wurden sie deshalb in einen großen Stein verwandelt. Und so lange man von dieser Stelle [vermutl. 9] zur anderen Seite gelangen kann, sollte die versteinerte Kutsche dort liegen bleiben; so wurde es erzählt. Aber das wussten die Arbeiter vom Straßenbau nicht.

Der Schimmelreiter (Frauenmark)

An einem Kreuzweg spukt es. Hier kreuzen sich die Wege von Kladrum nach Goldenbow und der Weg von Frauenmark nach Radepohl [13, die alte Straße]. Man kann hier an besonderen Tagen einem Schimmelreiter begegnen. Als er noch lebte war er ein sehr hartherziger Mann. In Radepohl und in Schönberg (einst bei Frauenmark gelegen und schon lange wüst) soll er jeweils eine Burg besessen haben. Sein Lebenswandel ließ aber sehr zu wünschen übrig: er raubte in der Gegend die Leute aus und brachte sie auch um. Für seine schändlichen Taten wurde er verurteilt und geköpft. Nun irrt er auf dem Weg von Radepohl nach Schönberg hin und her, denn über den Kreuzweg kommt er nicht.

Die Brückenhexe (Frauenmark)

Uber den kleinen Bach von Goldenbow nach Frauenmark [10, richtig muss es heißen ‚zwischen … und‘] kam man einst nur zu Fuß. Die heutige Brücke gibt es noch nicht ewig. Wer auf die andere Seite wollte, musste über lose gelegte Bohlen balancieren. An dieser Brücke gab es eine Hexe, die den Leuten nur Ungemach bereitete. Wer nicht von allein von den glitschigen Bohlen abrutschte und ins Wasser fiel, dem gab sie einfach einen kleinen Schubs. So landeten alle im Wasser. Die Brücke war weder bei denen aus Goldenbow noch bei denen aus Frauenmark beliebt. Auch die Toten mussten zur Beerdigung über diese Brücke getragen werden. Dieser letzte Weg stand wieder einmal an und da passierte folgendes: Die vorderen Sargträger sahen die Hexe genau mittig auf der Brücke sitzen. Da rutschten ihre Herzen vor Schreck in die Hosen und sie schlitterten mitsamt dem Sarg von den schmalen Bohlen. Es kostete sie viel Mühe und Schweiß, den Sarg wieder in die richtige Lage und ohne umzukippen auf die andere Seite zu bringen.

Spuk am Kreuzweg (Frauenmark)

Ein Kreuzweg liegt am östlichen Ende von Frauenmark [14]. Von hier aus gelangte man nach Goldenbow, Kladrum, Severin und natürlich zurück ins Dorf. Mehrere Linden standen einst hier um diesen Kreuzweg genau zu markieren. Der Sturm warf einige um und nur zwei Linden blieben stehen. Ein lebensmüder Mann wählte sich zum Erhängen eine der Linden aus und ging dort in den Freitod. Das galt als unrecht und er war nun allzeit dazu verdammt, zur Geisterstunde um Mitternacht als Spuk zu erscheinen und die Passanten zu erschrecken.

Schimmelreiters Revier (Goldenbow)

Ein alter Landweg, von Radepohl kommend nach Schönberg hin, war das Revier des Schimmelreiters aus Goldenbow. Die Orte Radepohl und Schönberg waren einst ritterliche Niederlassungen. Dieser Landweg kreuzte den Weg von Goldenbow nach Kladrum [13]. Hier, in dieser Gegend, soll man den Schimmelreiter besonders häufig gesehen haben. Er habe die Menschen besonders erschreckt und wer ihn sah, so die Überlieferung, musste im noch gleichen Jahr sterben.

Der Galgenberg (Goldenbow)

Galgenberg [7], das war ein Flurname mit deutlicher Beschreibung für diese Stelle. Später wurden dort Büdnereien gebaut und nach und nach kam die Flurbezeichnung in Vergessenheit. Ein Mann aus Goldenbow, namens Ditten E., hatte den Grenzstein seines Ackers versetzt, natürlich zu seinen Gunsten. Nun wurden Untersuchungen durchgeführt und Auch er wurde dazu befragt - und er schwor Meineid. Diese Untat wurde aufgedeckt und Ditten landete am Galgen, genau auf seinem Acker. In der Mitternachtsstunde ist Ditten hier schon mehrmals gesehen worden. Er findet einfach keine Ruhe.


Aberglaube

Hexenhasen (Goldenbow)

Die Goldenbower erzählten einst folgendes: Wenn einer der Bauern ein Gespann mit vier Pferden fuhr, da würde immer ein Hase - ein Hexenhase - zwischen den Vorder- und Hinterpferden über die Deichsel springen.


Quelle: Evemarie und Frank Löser, Sagen und Geschichten Crivitz und Umgebung, Verlag Rockstuhl, 1.Auflage 2019

Plan „Sagenhafte“ Orte bei Goldenbow – Ch. Pagenkopf


Der Goldenbower Dorfreim

Veihstädt kakt dei Bauckweitengrütt,

Hagen wahnt an die Adepütt,

Swart sünd die Buurn nich gaut,

Rohd‘ dräggt ´nen hogen Haut,

Irdmann is dat Lock brun,

Swart dei kiekt öwern hogen Tun, (oder: Tanten Swart kieckt öwern Hakeltun)

Schröder hält dat Hus so blank,

Steusloff tingel tang, (oder: Steusloff hett een Klingenklang)

Kluth die slöggt dei Ossen väl,

Beckendörp ritt up’n Bessenstäl.


Hierzu schreibt B.Keuthe 1994: Damit sind alle Bauern, beginnend mit der Hufe l. benannt. Wann der Spruch entstand, läßt sich anhand der Familiennamen ohne weiteres nicht bestimmen, weil beim Wechsel des Hofbesitzers ein neuer Reim eingefügt oder nur der Name ausgewechselt wurde. Anhand von Vergleichen mit Sprüchen aus anderen Orten lässt sich erahnen, dass Sprüche dieser Art in Umlauf gerieten, als die Bauern Erbpächter wurden. Das geschah in der Masse der Bauern um 1870. (Anm.: Hagen wird in der Volkszählung 1867 noch genannt, 1868 wird in der Hofakte hier Bekendorf genannt. Einen Erpächter Hagen gab es danach in Goldenbow nicht mehr.) Sicherlich waren solche Reime vorwiegend den Dorfkindern geläufig und Gegenstand von Neckereien, aber sie wurden wohl auch auf den Festlichkeiten im Ort von den Erwachsenen zu Gehör gebracht. Für die Kinder war der Spruch so etwas wie eine Unterrichtsstunde im Fach Heimatkunde, lernten sie doch spielend, wie viele Bauern im Ort in welcher Reihen folge mit welchen Familiennamen vorhanden waren. Heute, da die meisten der Genannten schon gar nicht mehr bekannt sind. stellt der Reim ein Stück Geschichte dar. Obwohl in der Zeit bis 1930 etliche solcher Dorfreime in den verschiedensten Orten gedichtet wurden, sind sie jedoch heute eine Rarität. Wenn dann neben dem eigentlichen Vers noch bekannt ist, was der kurze Reim ausdrücken soll, ist der heimatgeschichtliche Wert umso höher einzuschätzen, Buchweizengrütze werden nur noch die Älteren kennen. Man kann nicht sagen, dass es ein Essen reicher Leute war. Wie das mit dem Bauern Viehstädt zusammenhängt, lässt sich erahnen. Die Adepütt ist eine Jauchengrube. Auf dem Grundstück der Hufe 3, heute Grützmacher, muss sich eine auffällige, derartige Grube befunden haben (sie befand sich davor zwischen den Hufen 1 und 2). Der Nachbar Schwartz scheint sich nicht mit den anderen Bauern vertragen zu haben. Es besteht nur die Frage, welcher Schwartz gemeint war. Der Bauer Rohde, heute Grundstück Mulsow, trug einen hohen Hut. Damit ist ein Zylinder gemeint, damals ein modernes Bekleidungsstück, was sich vielleicht nicht jeder leistete. In der nächsten Verszeile ist die hintere menschliche Öffnung gemeint, eine typisch derbe Ausdrucksweise, die es gar nicht so boshaft meinte, wie sie vielleicht heute klingt. Der Bauer Schwartz des folgenden Gehöfts (später Pagenkopf) und wohl auch seine Frau pflegten das Schwätzchen mit dem Nachbarn über den Zaun. So etwas kann man auch heute erleben. Weil der Abstand zwischen den Erzählenden oft beträchtlich ist, wird das Gespräch lautstark geführt, so dass viele im Dorf mithören können, was es da für Neuigkeiten gibt. Ein Hakeltun, ein aus Zweigen geflochtener Zaun, kann auf dem Pingelhof in Alt Damerow besichtigt werden. Sie existieren in den Dörfern nicht mehr. Bauer Schröder war dafür bekannt, dass bei ihm alles spiegelblank war. Die Frau Ingrid Pagenkopf weiß von ihrer Schwiegermutter (geb. Schwarz), die selbst für große Sauberkeit war, dass sie die Schröders immer als Vorbild in Fragen Sauberkeit erwähnte. Ingrid Pagenkopf wusste zum Spruch zu ergänzen: Bauer Kludt neigte zum Jähzorn. Seine Mutter aber, die Urgroßmutter des jetzigen Hofbesitzers D. Schwarz, war dafür bekannt, dass sie etwas konnte (Blut stillen bei Wunden etc.) Bei Erdmann fiel dem Verfasser wohl nichts anderes ein. Tante Swart... heißt, dass die gute Frau sehr redselig war und gern klönte. Der alte Beckendorf lebte viele Jahre als Witwer auf dem Hof seines Schwiegersohnes Christoph Rohde. Er wurde fast 103 Jahre alt. Wenn er wirklich mit Hexerei was zu tun gehabt hätte, müsste man das wissen. Den Bauernhof übernahm erst sein Bruder, der starb. Beckendorf hatte Schmied gelernt und war auf Wanderschaft. Als er heimkehrte, konnte er kein Platt mehr. Kurz nach seiner Rückkehr trat er versehentlich auf eine Harke. Die schlug ihm an den Kopf und seitdem konnte er wieder in seiner Muttersprache reden. So etwas wird auch bei Fritz Reuter erzählt. Im Spruch müsste es daher richtig heißen: Beckendörp tritt up‘n Bessenstäl.

Flurnamen in Goldenbow

Die Flurnamen der Feldmark (Abschrift aus „Goldenbower Geschichten“ von B.Keuthe)

Bei einem alten Bauerndorf wie Goldenbow hätte man eigentlich annehmen müssen, daß sich mehr Flurnamen in der Feldmark erhalten hätten. Das ist leider nicht so, weil mehrere dicht aufeinanderfolgende Neuvermessungen der Feldmark Ende des 18. Und im Laufe des 19. Jahrhunderts die inhaltliche Bedeutung der einstigen Flurnamenbenennungen aufhoben. Nur wenige der im Folgenden aufgeführten Flurnamen sind in Gebrauch geblieben.

Achtern Dorfstücke – Dorfstücke sind Ackerstücke, die außerhalb der großen Bauernschläge, aber in der Nähe des Dorfes liegen. Nicht mehr zu lokalisieren. Armenkaten – Der Armenkaten stand etwa in der Gegend des alten Spritzenhauses am oberen Ende des Dorfangers. Er war mit Stroh oder Ried gedeckt und beherbergte die Armen des Dorfes (Benificiaten).

Bauernseite – Der Teil des Angers, der an den Höfen der zehn Bauern entlang führt.

Bauerfeld – Die drei Schläge der zehn Bauern bildeten in ihrer Gesamtheit das Bauerfeld. Wegen der fehlenden Karten und der verlorenen Kenntnis der Flurnamen läßt es sich in der Lage nicht eindeutig bestimmen. Es erstreckte sich wohl zwischen Teufelsbach und Dorf, etwa bis zur Straße nach Kladrum.

Bauertannen – Am Ende des Bauerfeldes gelegen.

Bauernweide – Die Wiesen der Goldenbower Bauern lagen am Mühlenbach auf der Friedrichsruher Feldmark. Sie wurden 1838 aufgeteilt in das Amtsreservat, die Schulzenwiese und die Büdnerwiesen sowie die Weide der Hauswirte (Bauern). Sie wurden bis dahin in Kommunion genutzt.

Binnenacker – Ungefähr identisch mit dem Bauerfeld, den ursprünglichen drei Feldschlägen.

Birkenweg – ehemaliger Weg vom Kreuzweg vor Kladrum nach Frauenmark, jetzt übergepflügt.

Blocksberg/Burgberg – Der slawische Burgwall am Rande des Teufelsbachtals.

Brennmöhl/Brandtenmühle – Der Großvater der Maria Machert hatte ihr als kleines Mädchen erzählt, daß am Teufelsbach eine Wassermühle stand, die abbrannte und nicht wieder aufgebaut wurde. So entstand der eigenartige Flurname. Die Ausmaße des ehemaligen Mühlenteiches sind noch heute gut zu erkennen.

Büdneracker – An der Brennmöhl.

Büdnerwiesen – Durch Abtrennung von den Wiesen der Bauern entstanden, außerhalb der Goldenbower Feldmark.

Butenacker – Die Ackerstücke, die nicht zu den drei Hauptschlägen gehörten und erst durch Rodung oder Urbarmachung hinzugewonnen wurden. Hauptsächlich zwischen Kladrumer Weg und der heutigen Frauenmarker Scheide gelegen.

Der Hinter Kämpen – Ein Kamp ist ein wegen des Schutzes vor Wild umzäuntes Stück Ackerland. Oft lagen sie weit außerhalb des Dorfes, in diesem Falle an der Badegower Scheide.

Doerf Städen Horst – Gelegen am Blocksberg. Es kann sich demnach nur um das Waldstück amhh Rande des Teufelsbachs handeln. Die slawische Siedlungsstelle liegt südlich am Burgwall.

Eichholz, „genannt Brutwagen“ – Lage unbekannt. Man muß davon ausgehen, daß einst vorhandene Eichenbestände vollständig abgeholzt wurden. Der Flurname „Brutwagen“ (Anm. des Autors: Brautwagen) deutet auf ein überliefertes Geschehen oder eine Sage. Vom „Brutwagen“ bei Barkow (bei Herzfeld) erzählt man sich, daß dort eine Kutsche mit einem Brautpaar auf dem Weg zur Kirche im Moor versank. Daher vermutliche Laage: An einem Moor in Nähe des Weges in Richtung Frauenmark. „Brutwagen“ können im Zusammenhang mit Großsteingräbern stehen.

Einliegerweide und Einliegeracker – Einlieger wohnten mit ihren Familien auf den Höfen der Bauern. Manche besaßen ein bißchen Vieh, zu deren Versorgung Weide und Acker benötigt wurden.

Füllenkoppel – Am Timpenhorn, genaue Lage unbekannt.

Galgenberg – Ende des 18. Jahrhunderts als Flurname verzeichnet. Wann hier ein Galgen stand und wer über die Gerichtsbarkeit verfügte bleibt vorläufig ungeklärt.

Gemeindeland – Das Land westlich des Teufelsbaches. Gehörte ehemals zu Ruthenbeck.

Grenzgraben – nach Badegow, existiert nicht mehr.

Heidberg – „… mit Steinhaufen“, die Anhöhe vor Neu Goldenbow.

Hölle – Ein Höhenzug am Westufer des Teufelsbaches gegenüber der Brennmöhl.

Höllerberg – Der auffällige Hügel hinter Grützmachers Hof (Anm. des Autors: Hufe 2) Es soll über den eigenartigen Namen eine Erklärung gegeben haben, die aber nicht mehr aufzufinden war. Höller – in der Bedeutung Holunder, der wiederum Anzeiger ehemaliger Siedlungsstellen sein kann. Auf oder am Berg konnte allerdings dahingehend nichts festgestellt werden. Gehört zur Feldmark, die Hölle nicht.

Kohldämme – Hinter den Höfen der Bauern gelegene kleine Kohlgärten.

Landstraße – Bezeichnung des Weges von Goldenbow zur Brücke bei Neu-Ruthenbeck Ende des 18. Jahrhunderts (Wiebeking’sche Karte)

Moskowiter Brücke – Ein Ackerstück, auf dem russische Truppen biwakierten, in der Nähe des Dorfes. Der Name „Moskowiter“ bezieht sich auf eine Zeit um oder vor 1813. Vielleicht das Gelände am Kuhstall. (Anm.: am Ziegeleiweg am Ortsausgang)

Mühlenbach – Grenzbach zu Friedrichsruhe. Er erhielt den Namen nach der Gömtower Mühle, die lag in der Nähe der heutigen Fischteiche.

Scheidebach – Mündet in den Mühlenbach. Grenzbach zu Frauenmark, nachdem das Schönberger Feld aufgeteilt war. (Anm. des Autors: In der Karte Ducatus Meklenburgici tabula generalis 1712 von Johann Baptist Homann verläuft hier auch die Grenze zwischen der Grafschaft Schwerin und dem Land Güstrow/Werle, vermutlich davor auch zu Parchim-Richenberg.)

Schulkompetenz, Schulkoppel – Zur Schule gehörendes Land, welches durch den Schulmeister/ Dorflehrer bewirtschaftet wurde und zu seinem Lebensunterhalt beitrug.

Schulzenwiese, Schulzen Dienst Länder – Wurden durch den jeweiligen Schulzen bewirtschaftet, stellten sozusagen eine Aufwandsentschädigung für seine Arbeit als Schulze dar.

Schönberger Feld – Zum Gut Schönberg gehörig, nur zeitweise eine selbständige Feldmark mit einer landwirtschaftlichen Nutzfläche von 240 ha. Die drei Höfe von Schönberg, mit Gebäuden aus dem 16. Jahrhundert, brannten 1908 ab. Bis in die (neunzehnhundert)sechziger Jahre stand dort noch eine Schnitterkaserne. Teile des Schönberger Feldes wurden als Hufe XI (Ziegeleihufe) der Goldenbower Feldmark zugeschlagen.

Schwarzer Berg – Auf der Schmettauschen Karte irrtümlich Schwane Berg genannt. Die Bedeutung dieser sich zahlreich in Mecklenburg wiederholenden Hügelbezeichnungen in Mecklenburg ist noch nicht eindeutig geklärt. Der Begriff „schwarz“ könnte im Zusammenhang stehen mit durch Leichenverbrennung dunkel gefärbter Erde.

Soten Berg – Süßer Berg, benannt nach einer dort ehemals wachsenden „süßen“ Grasart.

Teufelsbach – Bach von Radepohl, in den Mühlenbach mündend.

Teufelsbachtal – Durch seine relative Abgeschiedenheit und schlechte Zugänglichkeit ein Eldorado für Naturfreunde. Es sind Überlegungen im Gange, diese einzigartige Landschaft als Naturschutzgebiet zu erklären. Der Weg aus dem Teufelsbachtal in Richtung Crivitz führt durch die Mordkuhle.

Teufelsbackofen – Das Großsteingrab am Rande des Teufelsbaches. Beliebte Sehenswürdigkeit und gut von Neu-Ruthenbeck aus zu erreichen.

Timpenhorn – Ein spitzwinkliges Stück Acker oder Wiese am Weg nach Frauenmark, genaue Lage unbekannt.

Torfmoor – In Nähe der B 321. Die Bedeutung des Torfes kam durch seine Verwendung als Brennmaterial zustande.

Torfmoor auf dem Bauerfeld – Heute ein mit Wasser gefülltes Loch zwischen Goldenbow und Neu-Ruthenbeck.

Tränke – Eine Wasserstelle vor Neu Goldenbow, unweit des dortigen Gehöftes.

Vier Berg – Eine Stelle, an der statt der üblichen Dreifelderwirtschaft eine Feldbearbeitung in vier Perioden vorgenommen wurde.

Wasserloch – Am Weg nach Frauenmark. Diente seit jeher als Löschwasserentnahmestelle.

Weinberg – Lage unbekannt, wohl die Anhöhe am Ostrand des Dorfes.

Wuhrte – Besteht aus der Hofstelle, dem am Haus liegenden Gartenland und dem daran befindlichen Acker, der ohne Flurzwang von den Bauern beliebig bestellt werden konnte.

Ziegelei – Errichtet auf dem vom Schönberger Feld abgetrennten Acker, die Hufe XI. Die Löcher in der Umgebung entstanden durch Lehmentnahme für die Ziegelei.

Ziegeleiweg – Weg vom Dorf zur Ziegelei, heute die offizielle Bezeichnung. 1838 angelegt: „… ein Weg für den Ziegler nach dem Moore …“

Ziegeleiacker, Ziegeleiwiese – siehe unter Schönberger Feld. Die Wiese lag an der Grenze zu Frauenmark.


Eigene Nachforschungen

Hopfenhof – eine Wiese 1782, Lage unbekannt (LHA)

Hopfen-Damm – vormals Schönberger, jetzt Goldenbower Feld, nach 1800, Lage unbekannt (LHA)

Rusch-Wiesen – vormals Schönberger, jetzt Goldenbower Feld, nach 1800, Lage unbekannt (LHA)

Gieselerschen Frei-Wiesen – auf dem Friedrichsruher und Goldenbower Felde, nach 1800,Lage unbekannt (LHA)

Aus der Klassifikationstabelle 1828 (LHA):

Timpenhörnsche Wiesen, Frauenmarker Weg, Spletenwiesen, Tielwiesen, Bornwiesen, Langewiesen, Hirtenwiesen, Düwelsbeeck, Niedrigung, Moscowiter Tannen, Hohe Weide, Niedrige Weide, Toorfmoor, Harst, Friedrichsruher Weg, alter Schweriner Weg, Ochsenkoppel, Haidberg, Schafweide, Trinkelgrund, ehemalige Schulzenwisch, Düstern Broock, Sipgen Soll, Timpenhörn, Hopfenwiese, Wöhrten, Schulzenacker, Dewstädter Harst.

Eine Verortung der meisten Namen ist leider nicht mehr möglich.

In den Transporttabellen werden mehrfach Steinhaufen zwischen Haidberg und Bauerntannen entlang der Düwelsbeck genannt. Hierbei handelt es sich vermutlich um die damals noch vorhandenen Hügelgräber in diesem Gebiet.


Zur Kartenansicht [39]

(blauer Punkt - historische Bezeichnung nach Keuthe, roter Punkt - gebräuchlich in der 2. Hälfte des 20. Jhd.)


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