: Ehemaliger Forsthof im Friedrichsdorfer Holz gelegen, Zuwegung von der Strasse zwischen Teschow und Garvensdorf; Zeitpunkt der Aufgabe unbekannt [[Image:Kirch-Mulsow-700-01-Dorfmitte-Luftaufnahme.png|frame|Luftaufnahme Dorfmitte, Sportanlage und Friedhof]]
: Ehemaliger Forsthof im Friedrichsdorfer Holz gelegen, Zuwegung von der Strasse zwischen Teschow und Garvensdorf; Zeitpunkt der Aufgabe unbekannt [[Image:Datei:Garvensdorf-Ausschnitt-Messtisch-666-Försterei.jpg|frame|Försterei im Friedrichsdorfer Holz im Messtischblatt #666]]
Flurnamen gehören zu den Toponymen. Das sind Bezeichnungen für topographische Gegenstände, zu denen außer den Flurnamen beispielsweise die Landschafts-, die Orts- und die Gewässernamen zählen. Flurnamen benennen und beschreiben als Mikrotoponyme kleinräumige Landschaftsteile, die allgemein landwirtschaftlich oder forstwirtschaftlich genutzt werden. Sie beschreiben in gewisser Weise die Landschaft. In dieser Arbeit sollen auch die Namen der Gewässer und solche in den Binnen- und den Küstengewässern behandelt werden.
Die Flurnamen sind ein wichtiges Kulturgut. Ihre Entstehung geht auf den Beginn der menschlichen Tätigkeit zurück. Bereits die Sammler und Jäger werden die Flurelemente benannt haben, um sich bei ihren Streifzügen hinsichtlich der Örtlichkeiten verständigen zu können. Als die Menschen zum Ackerbau und zur Viehzucht übergingen, war die Notwendigkeit der Benennung der einzelnen Flächen umso notwendiger. Somit haben von vornherein die wirtschaftlichen Notwendigkeiten zur Bildung von Flurnamen geführt. Ähnlich verhält es sich mit Bezeichnungen für die unmittelbare Lebensumwelt des Menschen in den Städten und Dörfern, die häufig zu Straßen- und Platznamen geworden sind. Das schließt nicht aus, dass auch topographische Elemente aus nichtrationalen Gründen benannt wurden. Als Beispiele sollen dafür die zu der Zeit der Benennung nicht bestiegenen Berge des Hochgebirges genannt werden, die aus rein ideellen Gründen benannt wurden.
Die Flurnamen spiegeln somit ein Stück der volkskundlichen Überlieferung eines Territoriums wider. In vielen Fällen erinnern sie an historische Ereignisse, häufig in der Form von Sagen, die mit den Flurnamen verbunden sind. Sie liefern uns Erkenntnisse
über die Besiedlung des Landes und die Herkunft der Siedler,
über die geologischen und geomorphologischen, sowie klimatischen Bedingungen,
über die topographischen und die ökologischen Bedingungen während der Landnahme,
zur Pflanzen- und Tierwelt im Laufe der Geschichte,
über die Bewirtschaftung der Flächen zu unterschiedlichen Zeiten und die damit verbundenen wirtschaftlichen Rahmenbedingungen,
über historische Ereignisse,
über untergegangene Siedlungen und Bauwerke,
über die Mythologie,
und nicht zuletzt auch über die Entwicklung der Sprache der jeweiligen Region.
Auch zur Genealogie der Bauerngeschlechter finden sich Hinweise.
Die Entstehung unserer Flurnamen in Mecklenburg-Vorpommern wird im Wesentlichen auf die Zeit der deutschen Ostkolonisation zurück gehen. Ein nicht unwesentlicher Teil wird jedoch von den hier zuvor siedelnden slawischen Stämmen übernommen worden sein. In geringerem Umfange sind aus den vorslawischen Zeiten indogermanische und germanische Toponyme tradiert worden. Das trifft insbesondere auf die Namen der Gewässer, speziell der Flüsse zu. Wirtschaftliche Veränderungen brachten in der Folge die Notwendigkeit der Bildung neuer Flurnamen mit sich, was dann den Untergang bisheriger Bezeichnungen nach sich zog. Die ältesten Flurnamen sind uns aus der Zeit der beginnenden schriftlichen Überlieferung aus alten Urkunden bekannt. Das konnte natürlicherweise keine flächendeckende Überlieferung zur Folge haben. In Kirchenvisitationsprotokollen, Lehnurkunden usw. findet sich eine Reihe von Flurnamen, jedoch ohne Darstellung in Karten. In Bonitierungsregistern ist um die Wende zum 18. Jahrhundert eine Vielzahl von Flurnamen überliefert. Diese sind aber nur teilweise kartographisch dargestellt, wie in Vorpommern, dem historischen Amt Neukloster und der Insel Poel in den schwedischen Matrikelkarten. In Mecklenburg ist die Direktorialvermessung 1768 bis 1780 eine der ersten Quellen, die sowohl kartographisch als auch in Registern die Flurnamen nennt, nachdem die Karten (Brouillons) der Bonitierung und Vermessung im Domanium 1701f nur teilweise archiviert wurden.
In den Zeiten, in denen der Ackerbau die wichtigste Tätigkeit der ländlichen Bevölkerung, aber auch eines großen Teils der Bewohner der Städte, insbesondere der so genannten Ackerbürger bildete, lebten die Flurnamen so wie gegenwärtig die Straßennamen in der Bevölkerung, dienten der Identitätsbestimmung von Teilen der Fluren. Teil dieses Lebens mit der volkskundlichen Überlieferung war die ständige Weiterentwicklung des Namensgutes in Abhängigkeit von wirtschaftlichen, aber auch sprachlichen Veränderungen. Das führte zu Entwicklungen, die den Ursprung der Namen häufig kaum noch oder gar nicht mehr erkennen lassen. Verbunden mit der Weiterentwicklung der Flurnamen war der Untergang einer Vielzahl von ihnen, aber auch die Neubildung.
Mit dem Prozess der Lösung vom Boden und der Migration fremder Bevölkerungsteile in die früher sehr homogene, bodenständige Einwohnerschaft, gerieten mit den bäuerlichen Traditionen auch die Flurnamen immer stärker in Vergessenheit. In den Dörfern und Städten wurden die Flurnamen auf Grund der Bebauung vorher landwirtschaftlich genutzter Flächen nun nicht mehr benötigt. Nur teilweise leben sie in Straßen- und Stadtteilnamen fort. Auch dabei gab es im wechselhaften Verlauf der Geschichte häufige Umbenennungen, die den Prozess des Vergessenwerdens beförderten. Aber der Übergang zur großflächigen Bewirtschaftung der landwirtschaftlichen Areale in den letzten Jahrzehnten führt in weitaus dramatischerem Umfange zum Vergessen der Flurnamen, die zur Kennzeichnung der kleinen bäuerlichen Flächen notwendig waren. Im Extrem erhalten die Flächen gegenwärtig nur noch Schlagnummern.
Um dem Vergessenwerden entgegen zu wirken, ist es erforderlich, Inventare der überlieferten Flurnamen in den Territorien anzulegen. Einen Anfang dafür können die Sammlungen bilden, die die Ortschronisten für die Chroniken anlegen.
Garvensdorf in Kartendarstellungen
Garvensdorf auf der Wiebeking'schen Karte (1786, Blatt 3)
Garvensdorf auf der Schmettau'schen Karte (1788)
Garvensdorf mit Umgegend auf den Messtischblättern #666 und #667 (1877-1889)
Garvensdorf im Geoportal M-V, Topographische Karten, Ausgabe Staat, TK25-AS (1981-87)
Garvensdorf im Geoportal M-V, Topographische Karten, Normalschnitt, TK25-N (1990-96)
Garvensdorf bei OpenStreetMap
Garvensdorf bei GoogleMaps
Flurnamen in der Gemarkung Clausdorf=Garvensdorf
Durch die Geschichte sind die Orte Garvensdorf und Clausdorf eng verbunden. Dies spiegelt sich auch in den Kartendarstellungen wieder, die oft beide Dörfer zusammen darstellen, so etwa die Direktorialvermessung, die in der Gemarkung durch durch den Dobbertiner Ingenier F. von See in den Jahren 1767 und 1768 geleitet und ausgeführt wurde. Die Ergebnisse sind in der Direktorialvermessungskarte [DVK] von 1768 eingeflossen und wurden in das Wiebekingsche [WK] und Schmettausche Kartenwerk [SK] übernommen.
Die Quellen der Flurnamen
Die Flurnamen entstammen der Karte der Direktorialvermessung des Ritterschaftlichen Amtes Bukow von 1768 (Landeshauptarchiv, Bestand 2.22-5, Direktorialvermessungs- und Bonitierungskommission, Sign. 26). Zum Teil wurden sie ergänzt um Angaben aus der Liste der Flurnamen, die sich im Wossidlo-Archiv in der Bestandsgruppe ZAW unter AIII-15-15-2.1 und AIII-15-15-2.2 findet. In der Bestandsgruppe FNA (Flurnamenarchiv, dem Bestand der Flurnamenkommission) ist nichts auffindbar. Das zugehörige Messtischblatt #2036 Kirch-Mulsow ist im Bestand leer und wohl nicht ausgereicht worden.
Weitere Quellen sind das Flurnamenarchiv [FNA] der Flurnamenkommission und das Wossidlo Archiv [WA], dass sowohl in Orts- als auch Flurnamenkästen umfangreiche Hinweise auf den Ursprung des Flurnamen, mit ihnen verknüpfte Sagen und Bräuche und besprechende Literatur aufzeigt. Auch neuere Karten, etwa online beim Landesdienst ORKA-MV einsehbar, zeigen Flurnamen auf, so die Messtischblätter [MB] oder topographischen Karten aus den 80er [TK-AS] und 90er [TK-N] Jahren.
Liste der Flurnamen
In der Adebars Hörn
Adebar als alternative Bezeichnung des Storch deutet auf eine Landzunge, die in ein Feuchtgebiet ragt
Lage: SW; Typ: Wiese; Quelle: DVK, WA [1, w]
Backenberg
Lage: N; Typ: Hügel; Quelle: DVK, WA [2]
Blocksberg
Lage: O; Typ: Erhebung; Quelle: DVK, WA [3]
Bohnwisch
Lage: S: Typ: Wiese; Quelle: DVK, WA [5a]
Börnung
kann sowohl auf eine Quelle wie auf eine kleines Gewässer hindeuten, dass als Tränke diente, hier wohl letzteres
Lage: S; Typ: Gewässer; Quelle: DVK, WA [5b, wl]
Försterei
Ehemaliger Forsthof im Friedrichsdorfer Holz gelegen, Zuwegung von der Strasse zwischen Teschow und Garvensdorf; Zeitpunkt der Aufgabe unbekannt Datei:Datei:Garvensdorf-Ausschnitt-Messtisch-666-Försterei.jpgFörsterei im Friedrichsdorfer Holz im Messtischblatt #666
Lage: W; Typ: Wüstung; Quelle: MB
#
Name
Lage
Typ
Quelle
Anmerkung
8
Auf der Burgstedt [a]
W
DVK, WA
Hinweis auf früheren Burgstandort. Reste einer Wallanlage sind noch heute im Friedrichsdorfer Holz nachzuweisen. Ob slawischen Ursprungs oder etwa Standort einer Motte (Turmburg) etwa aus der Zeit der Ostkolonisation und der Lokatoren ist nicht geklärt.
11
In der Dornkamp [a]
NW
DVK, WA
Dornkamp
12a
Ehmckenhorst [sf]
S
Erhebung
DVK, WA
ehmk, ndt. für Ameise; soviel wie Ameisenhügel
14
Auf dem Faulenblock [a]
W
Acker
DVK, WA
Flurstück, dass wohl wenig Ertrag abwarf
15
In dei Fetthorn [w]
SW
Acker
DVK, WA
Flurstück mit ertragreichen Boden
16
Fiskesoll
W
Soll
DVK, WA
Ein Kleingewässer, das wohl über fischbesatz verfügte
17
Friedrichstorffer Holz
W
Wald
DVK, WA
1746-1798 waren Clausdorf und Garvensdorf im Besitz der Familie von Thornow, die auch Friedrichsdorf besass. 17?? wurden Clausdorf und Garvensdorf verpfändet, später verkauft. Der Wald blieb wohl im Besitz der Friedrichsdorfer Familie.
18
Galgenberg [a]
W
Hügel
DVK, WA
19
Granberg
SW
Hügel
DVK, WA
20
In Hauffschlag [h]
W
DVK, WA
21
Hauwes Brock [brw]
W
DVK, WA
22
Hellberg
SW
Hügel
DVK, WA
Heller Berg, Hinweis auf Bodenbeschaffenheit, etwa sandiger Boden
23
Hechtpaul
N
DVK, WA
25a
Hoppesberg [a]
S
Hügel
DVK, WA
25b
Hoppenwisch
N
Wiese
DVK, WA
29
Groth Kreienberg
O
Hügel
DVK, WA
30
Lütt Kreienberg
N
Hügel
DVK, WA
31
Küsterwisch
W
Wiese
DVK, WA
Wiese, die vom Küster genutzt wurde
32
Lausebusch
S
DVK, WA
34
Pfankoppel [a]
S
Wiese
DVK, WA
37
Rickmannswisch
S
Wiese
DVK, WA
40
Pägenwiese[?]
S
Wiese
DVK, WA
41
Schelpsoll
S
Soll
DVK, WA
Schelp ndt. für Schilf; ein mit Schilf bestandenes Kleingewässer/Soll
42
Schmiedeberg [a]
W
Hügel
DVK, WA
43
Schniederwischen
O
Wiese
DVK, WA
Wisch mdt. für Wiese; offensichtlich eine vom Schneider genutze Wiese
44
Schwartze Pohl [wl]
NW
DVK, WA
45
Siewersberg
W
Hügel
DVK, WA
46
Sühring [w]
NW
DVK, WA
eventuell Hinweis auf das Auftreten des Sauerampfers oder generelle sauren Bodens
47
Up'n Sühringsberg
SW
Hügel
DVK, WA
48
In der Stirs [br]
W
DVK, WA
49
Stubbenberg [a]
W
Hügel
DVK, WA
Hinweis auf nach der Rodung verbliebene Baumstümpfe, ndt. Stubben
50
Lütt Stubbenberg [a]
W
Hügel
DVK, WA
kleiner Stubbenberg, siehe #49
51
In der Stubbenwisch
W
Wiese
DVK, WA
Wiese am Friedrichsdorfer Holz, siehe #49
Die Abkürzungen gr und l (als Präfix) weisen auf ndt. grot [groß] und lütt [klein] hin. Worte, die aus dem Platt- oder Niederdeutschen stammen sind mit ndt. sowie dem Mittelhochdeutschen (der Sprache Walter von der Vogelweides) mit mdt. gekennzeichnet. Anmerkungen in der Form [a], [br], [brw], [sf] sowie [wl] sind Verweise Richard Wossidlos auf die Herkunft (slawisch, wendischen Ursprungs) oder Überlieferungen in Sagen, Bräuchen, Bauernregeln usw.
Häufig vorkommende Bestandteile von Flurnamen
Barg
in der niederdeutschen Sprache die Bezeichnung für eine Anhöhe oder Berg
Born, Börn auch Börm, Börnung, Börning
bezeichnet allgemein eine Quelle, oft in Verbindung mit einem Bestimmungswort, etwa Bornholtz. Kleine Gewässer, die als Tränke für Pferde und Rinder dienten, werden auch als Börn oder Börnung bezeichnet.
Bäk, Bäke
kleines fliessendes Gewässer
Brauck, Brock, Brack, Braak
Bezeichnung für Bruchwälder und Moore, etwa ndt. Ellernbraak, hdt. Erlenbruch
Brink
Flächen mit [all]gemeiner Nutzung, etwa Grasflächen die u.a. mit Katen für die Dorfarmen bebaut wurden (Armenklaten, Hirtenkaten, Brinksitter), auch Bezeichnung für den Dorfanger, ebenso aufgrund der gemeinen Nutzung als Freiheit benannt.
Diek
Teich
Horst, ndt. de Höst (Host)
ursprünglich auch kleine Gehölze, so etwa in Westmecklenburg und der Lewitz
-hörn, -horn
Winkel, Landzunge, die in einen See, ein Moor oder tiefer gelegene Fläche ragt
Hude
extensiv genutzte Weideflächen
Kamp
Bezeichnung für Flächen, die allgemein von der Nachbarschaft genutzt wurden (sog. Allmende), meist durch Dorfbewohner, die kein Hufenland besaßen.
Koppel
meist Weide, teilweise auch Ackerflächen, oft mit Hecken eingefriedet.
Knick
Wallhecke
Sohr, Söhring, Sühring
sohr ndt. für trocken, aber auch sur, sühr ndt. für sauer
Soll
im engeren Sinne (nach Eugen Geinitz: Die Eiszeit. Vieweg, Braunschweig 1906) eiszeitlich entstandene Restlöcher, allgemein jedoch für kleine Gewässer