Zwischenablage Murchin

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Die Zwischenablage wird genutzt, um selbst gefundene Bausteine zu parken, oder von anderen Chronisten zugearbeitete Bausteine zur Übermittlung hier einzusetzen.


2026 26.März Ostseezeitung von Henrik Nitzsche

Ein Berliner belebt das DDR-Kulturhaus in Murchin / Erste Veranstaltungen im denkmalgeschützten Gebäude 61 Räume, rund 2000 Quadratmeter Fläche – wer mit Hugo Habrich und seinem Vater durch das alte Kulturhaus in Murchin geht, merkt schnell: Das hier ist nicht nur ein Gebäude, sondern ein Stück Geschichte. Und vor allem viel Arbeit.

Vor zwei Jahren erwarb der junge Berliner das historische Haus zwischen Usedom und Anklam von den Erben des tragisch verunglückten Vorbesitzers Meermann. Seitdem pendelt er fast jedes Wochenende nach Vorpommern. Gemeinsam mit seiner Familie und seinem Vater arbeitet er daran, das Kulturhaus mit seiner bewegten ostdeutschen Vergangenheit aus dem Dornröschenschlaf zu holen. Bekannt wurde das Haus nach der Wende als legendäre Großraumdiskothek „Hyperdome“.

Am Haupteingang stehen die beiden Habrichs bei der Begrüßung, flankiert von vier Hunden. Vor dem Gebäude parkt ein Wohnmobil. Hier übernachten beide, wenn sie auf der Baustelle sind.

Am früheren Eingang der Diskothek hängt noch immer ein Banner mit dem Spruch: „Die Nacht ist zu schade, um irgendwo einzupennen.“ Eines ist für Hugo Habrich klar: „Eine Diskothek wird es auf keinen Fall mehr.“ Stattdessen soll das Kulturhaus wieder ein Ort werden, an dem Menschen zusammenkommen. Ein großer Raum ist bereits wieder zugänglich: die alte Bauernstube. Früher war sie Gaststätte, Kneipe, Treffpunkt und Herzstück des Hauses. Heute steht dort eine lange Tafel mit vielen Stühlen. Am „Stammtisch“ stehen noch drei originale Bänke aus der Kneipenzeit, der Tisch stammt ebenfalls aus den früheren Jahren.

Wand- und Deckenfresken widmen sich der deutsch-ungarischen Freundschaft: Ungarn unterstützte 1954 den Bau des Hauses. Das ist ein Detail, das bis heute sichtbar ist.

Wer in den riesigen Saal blickt, kann die Vergangenheit fast hören: Bumm, bumm, bumm. Hier haben Menschen getanzt und die Nacht zum Tag gemacht. In den 90er-Jahren brachte der „Hyperdome“ Techno nach Vorpommern. Heute ist der Saal gesperrt.

Warum ausgerechnet dieses verfallene, unter Denkmalschutz stehende Gebäude? Für Familie Habrich ist die Antwort klar: „Wir sind Ostdeutsche. Wir haben gesehen, wie die besten Stücke auf Usedom verkauft wurden. Mit diesem Ort wollten wir ein Stück unserer Geschichte zurückholen.“

Noch gleicht vieles einer Großbaustelle. Das Dach ist bereits repariert, aktuell wird eine neue Abwasserleitung verlegt. „Wir kämpfen uns von Raum zu Raum“, sagt Hugo Habrich.

Peu à peu zieht wieder Leben ins Kulturhaus. Einige Räume sollen bald dem Feuerwehrsport aus Murchin zur Verfügung stehen. In einem Raum steht noch der alte Heizkessel. Dieser soll erhalten bleiben als Zeugnis der Vergangenheit. Die Bauernstube ist derweil schon wieder ein Treffpunkt geworden. Hier wird regelmäßig Tischtennis und Darts gespielt. Der Kultur- und Heimatverein veranstaltete Ende 2025 eine Seniorenweihnachtsfeier mit rund 70 Gästen. Einmal pro Woche soll künftig auch ein Friseur für mehrere Stunden ins Haus kommen. „Wir wollen Menschen verbinden, Meinungen austauschen und Kultur lebendig halten“, sagt Hugo Habrich.

Beim Kauf des Kulturhauses beantragte die Familie Einsicht in die Bauunterlagen beim Landkreis. „Wir wurden vertröstet, da viel zu tun sei. 2025 hakten wir nach. Es hieß, dass die Unterlagen aus betrieblichen Gründen nicht zugänglich sind. Uns wurde mitgeteilt, dass viele Dokumente verschimmelt sind.“

Kreissprecher Florian Stahlkopf: „Die betreffenden Akten werden in Anklam archiviert. Ein Teil der dort gelagerten Akten ist von Schimmelbefall betroffen, so auch die Akten das Kulturhaus Murchin betreffend.“

Der Kreis beabsichtige, eine Aufbereitung durch eine Fachfirma durchführen zu lassen. Wegen des Schimmelbefalls sei die Ausreichung der Akten derzeit nicht vertretbar. Hugo Habrich ärgert sich zudem, dass eine vom Landrat ursprünglich schriftlich zugesagte Kaufoption für ein Grundstück neben dem alten Park, den die Habrichs wieder zusammenführen und in den Originalzustand versetzen wollen, überraschend zurückgezogen wurde.

Der Kreissprecher bestätigt das. „Zwischenzeitlich hat die Gemeinde Murchin jedoch um den Erwerb eines kleinen Teils der Fläche zum Zwecke des Allgemeinwohls gebeten. Derzeit ist geplant, den Großteil der Fläche an den Eigentümer des Kulturhauses und einen kleinen Teil an die Gemeinde zu verkaufen.“

Sein Vater ist eng mit der Geschichte des Hauses verbunden. In den 90er-Jahren kam er selbst als Gast in den „Hyperdome“. Gemeinsam mit seinen Freunden reiste er von seinem damaligen Wohnort auf Hiddensee an, um DJ Jens Kunkel auflegen zu hören. Am Morgen nahmen sie die erste Fähre zurück zur Insel. „Das waren wilde Zeiten“, sagt er lachend.

Heute kehrt er nicht als Partygast zurück, sondern als jemand, der dabei hilft, dass in diesem Haus ein neues Kapitel geschrieben werden kann.