Sagen und Legenden aus der Friedländer Region

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Friedland – Sagen und Legenden

Die verfluchte Kirchthurmuhr in Friedland.

Vor Zeiten hat einmal ein Ritter von Lübbersdorf bei der Stadt Friedland Geld geliehen und versprochen, dasselbe an einem bestimmten Tage, vor Ablauf der zwölften Stunde, auf dem Rathhause zurückzuzahlen, widrigenfalls ein großer Theil seiner Aecker am sogenannten Immenhofe, die er der Stadt zum Pfande gesetzt, dieser gehören sollten. Am richtigen Tage hatte sich der Ritter mit dem Gelde auf den Weg gemacht. Wie ihn nun die Friedländer aus der Ferne heransprengen sahen, rückten sie die Kirchthurmuhr um eine Stunde vor, so daß, als der Ritter eben durchs Thor reiten wollte, die Glocke Zwölf schlug. Im Zorne sprach er einen derben Fluch über die Uhr aus, die ihm so schweren Verlust brachte. Seit der Zeit geht die Uhr immer vor und alle Versuche, sie in Ordnung zu bringen, waren vergeblich. Die geschicktesten Uhrmacher von nah und fern vermochten sie nicht einmal zum Stillstehen zu bringen, sie lief immer ärger, bis man sich endlich entschloß, sie durch ein neues Werk zu ersetzen. Niederh. 1, 77 ff.

Der Teufelsstein auf dem Immenhof

Als die Friedländer den Turm der stolzen Marienkirche bauen, stellte sich der Teufel auf den Stein am Immenhof und schaute dem Treiben zu. Er wollte nämlich den Turm im letzten Augenblick vor seiner Fertigstellung durch einen gewaltigen Fluch einstürzen lassen. Die Friedländer aber wurden den Teufel gewahr und griffen zu einer List. Sie errichteten heimlich in der dunklen Nacht vor der Vollendung das Kreuz oben auf der Spitze. Als der Teufel am nächsten Morgen wieder Ausschau hielt, sah er das Kreuz, stampfte zornschnaubend auf, drehte sich um und entschwand. Von diesem Absprung zeugt noch heute die im Stein erkennbare Fußtrappe. Von den übrigen Steinen, die auf dem Immenhof liegen, heißt es : Der Teufel wollte einst Friedland kaufen. Die Ratsherren konnten mit ihm aber nicht handelseinig werden und zogen wieder ab. Als der Teufel darum nach ihnen mit einem großen Findling warf, verfehlte er sie. Der Stein aber zersprang in tausend Stücke, die liegen noch heute auf dem Acker am Immenhof.

Die Teufelsbrücke im Gahlenbeker See.

In den Gahlenbeker See (in der Nähe von Friedland) streckt sich eine wahrscheinlich künstliche Landzunge bis etwa in die Mitte hinein. Dieselbe heißt die Teufelsbrücke und soll der Rest einer vom Teufel erbauten, aber unvollendet gelassenen Brücke sein. Ein Schäfer mußte die Heerde immer um den ganzen See herumtreiben, um zur Weide zu gelangen; das war ihm immer sehr ärgerlich und unter Fluchen wünschte er sich einst, daß eine Brücke über den See ginge. Kaum hat er den Wunsch geäußert, als ein Mann sich zu ihm gesellt, der ihm unter der Bedingung, daß er (der Schäfer) ihm angehören wolle, in einer Nacht, bis der Hahn dreimal gekräht hat, eine Brücke herzustellen verspricht. Der Schäfer ging auf den Vorschlag ein. Des Abends, als er heimgekehrt, erzählt er es seiner Frau. Die sagte gar nichts, sondern ging um Mitternacht in den Hühnerstall und weckte den Hahn. Der meinte, es sei schon Morgen und krähte dreimal. Das hörte der Teufel, der mit seiner Arbeit noch nicht fertig war, und zornig fuhr er durch die Luft von dannen, ohne die Brücke zu vollenden. Fräulein W. Zimmermann in Neu-Strelitz.

Räuber auf Schloß Pleez.

Ein armer Junge aus Friedland, der seine Eltern früh verloren hatte, ward von einer Räuberbande, die in einem benachbarten Walde hauste, aufgegriffen und in ihre Höhle geschleppt. Als die Räuber ihn schlafend glaubten, beriethen sie unter sich einen Raubmord gegen den Ritter von Bertikow auf Schloß Pleez. Der Knabe sollte vorausgehen, sich in das Schloß schleichen und ihnen von innen öffnen. So geschah es auch, aber der Knabe hatte doch noch Zeit gefunden, eine alte Dienerin zu benachrichtigen, die dann Alles im Schlosse weckte, so daß die eindringenden Räuber überwältigt und in einen Thurm geworfen wurden, der im Schloßgraben stand. Am andern Morgen ging der Knabe an dem Thurm vorbei und fühlte sich unwiderstehlich festgehalten. Er sah, wie von unsichtbarer Hand ein in einen weißen Zettel gewickelter Stein in den Thurm geworfen wurde. Als man den vermißten Knaben endlich beim Thurme fand, erzählte er, was geschehen und was er gesehen. Der Ritter ließ den Thurm durchsuchen, endlich fand man den Zettel unter der Zunge des Hauptmanns. Darauf stand, daß der Falkonier des Ritters des Nachts die Räuber befreien wolle. Um den armen Knaben aus der Zaubergewalt des Räuberhauptmanns zu befreien, berief man den Geistlichen. Dieser wußte die Räuber durch die Kraft seiner Worte zu bewältigen, so daß ihm der Zaubermantel des Räubers ausgeliefert wurde. Denselben tauchte der Geistliche dreimal unter Gebeten in den Schloßteich und beim drittenmale war der schwarze Mantel schneeweiß geworden. Darauf legte der Pfarrer den Mantel nochmals aufs Wasser. Er versank jetzt in die Tiefe und ein bläulichrothes Flämmchen schwebte aus demselben empor. Der Knabe war nun entzaubert und lebte noch viele Jahre auf Schloß Pleez. Niederh. 4, 107 ff.

Der Todtschlag bei Friedland.

Am Landwege zwischen Neumühle und Gahlenbeck bei Friedland befindet sich ein hoher, aus Sträuchern, Rasenstücken und Steinen gebildeter Haufen, unter dem ein hier vor langen Jahren ermordeter armer Handwerksbursche ruht. Derselbe hatte nämlich im Kruge zu Gahlenbeck scherzhaft geäußert, daß er hundert und einen Groschen in der Tasche habe; er meinte nämlich mit dem hundert sogenannte Stahlzwicken, die er nebst seinem einen Groschen bei sich führte, denn er war ein ehrlicher Schustergeselle. Zwei dort gerade anwesende Strolche glaubten nun, daß der Handwerksbursche hundert Thaler und einen Groschen in der Tasche habe; deshalb schlichen sie ihm nach, als er weiter reiste, und ermordeten ihn auf der bezeichneten Stelle. Doch arg wurden sie enttäuscht, als sie in der Tasche des armen Gesellen statt der erwarteten hundert Thaler nur hundert Stahlzwicken und einen Groschen fanden. Jeder der vorübergehenden schlichten Landleute hält es nun für eine heilige Pflicht, entweder einen Strauch, ein Stückchen Rasen oder einen Stein auf des Handwerksburschen Grab zu werfen, damit der Geist des Erschlagenen, der hier in nicht geweihter Erde schlummert, Ruhe habe. Niederh. 4, 212 f.