Offene Fragen und weiße Flecken in der Aufarbeitung der Warnemünder Geschichte

Aus Ortschroniken
Wechseln zu: Navigation, Suche

Fragen zur Geschichtsaufarbeitung der Warnemünder Geschichte

Dieses Seite soll für den Chronisten eine Hilfestellung sein, in der weiße Flecken aus der Geschichte des Ortes aufgelistet und dargestellt werden, um Nutzer des Portals zu animieren, Anstöße, Hinweise und Hilfen bei deren Erforschung zu geben.

Die weißen Flecken um Warnemündes Ursprünge

Meinte man vor einigen Jahren noch, zur Geschichte Warnemünde sei das Wesentliche erforscht und gesagt, man hatte ja schließlich seinen „Barnewitz“ ( „Geschichte des Hafenortes Warnemünde“) aus dem Jahre 1925, so zeigte sich spätestens um das Jahr 1995 herum, dass es noch viele weiße Flecken zu erforschen gilt.. Die Warnemünder schickten sich an, ein Jubiläum zu feiern und das begründende alte dänische Dokument aus dem Jahre 1195 war nicht zu finden (dazu siehe auch Tidingsbringer Nr.1 S.14 - 18) Barnewitz selbst beschreibt auf den ersten vierzig Seiten seiner Chronik nur die allgemeine Geschichte der gesamten Region. Das erste verbürgte, auf Warnemünde bezogene, konkrete Datum ist der 25. März 1252, als Warnemünde mehrfach im Kaufvertrag der Rostocker Heide Erwähnung findet. Vertieft man sich dann noch mehr in die Thematik, so tauchen immer mehr Fragen auf, wo es nun an der Zeit wäre, die Suche nach Antworten aufzunehmen. Pressemeldungen, dass es im Mittelalter zwei Warnemünde gab, nämlich das Städtische, irgendwo, etwa einen Kilometer westlich von Markgrafenheide, an einem heute nicht mehr vorhandenen Mündungsarm der Warnow, und das Fürstliche, aus dem 1323 das heutige Warnemünde hervorging, erweckten Erstaunen. So schnell geht das mit dem Vergessen. Noch in den Jahren 1924 - 1940 entbrannte ein Gelehrtenstreit über die Lage des alten städtischen Warnemünde auf der Hohen Düne. 1924 veröffentlichte der renommierte Historiker Ludwig Krause seinen Aufsatz „Die alten Warnowmündungen und der ursprüngliche Rostocker Hafen zu Warnemünde“, im Jahre 1928 folgte der Aufsatz von Kuno Voß „Der Seehafen der Stadt Rostock in seiner geschichtlichen Entwicklung bis zum dreißigjährigen Krieg“, mit seiner Theorie, wo das alte Warnemünde zu suchen sei. Im Jahre 1940 schließlich widersprach Dr. Walter Johannes Schröder den Theorien seiner beiden Kollegen mit seinem Beitrag „Wo lag der älteste Rostocker Seehafen?“ völlig. Der Kriegsausbruch ließ das Thema letztendlich vergessen, in den folgenden Jahrzehnten beschäftigten die Warnemünder andere Dinge. Die Reste davon auf der hohen Düne zu suchen gestaltet sich heute schwierig, man hätte nun nämlich die Wahl, archäologische Grabungen auf dem Militägelände des dortigen Marinekommandos, unter den Küstenschutz-Dünen, den in jüngster Zeit angelegten Spülfeldern oder im Naturschutzgebiet Radelsee durchzuführen, je nachdem welcher Theorie man folgt. Einen ersten großen Lichtblick gab es dann im Jahre 1995, als die Taucher des Regionalvereins Unterwasserarchäologie in der Ostsee einige der alten Hafenanlagen des verschollenen Warnemünde wiederfanden und dokumentierten (es entsprach im Ergebnis haargenau der Beschreibung von Kuno Voß! ). Der Beitrag von Maik-Jens Springmann „Steinkistenbollwerke des Breitlings im Spiegel unterwasserarchäologischer Untersuchungen - ein Beitrag zur Geschichte des Seehafens Rostock“ macht nach 55 Jahren erstmals wieder auf jenen Gelehrtenstreit aufmerksam und ergänzt ihn durch neue Forschungsergebnisse. Viele Spekulationen gibt es in diesem Zusammenhang um die sogenannte „Danskeborg“, eine im 14. Jahrhundert vielfach erwähnte Befestigung, zu jener Zeit Sitz des dänischen Vogtes und häufiger Aufenthaltsort des Dänenkönigs Erik Menved, der in seiner Regierungszeit die Herrschaft Rostock und damit auch Warnemünde dem Königreich Dänemark angegliedert hatte. Warnemünde war für ihn geographisch ein günstiger Ankunftsort, so daß er hier mehrfach Hof hielt. Ob die Überbleibsel von Menveds „Danskeborg“ noch unter dem Sand der Hohen Düne verborgen liegen oder besonders alte Gebäudeteile der kürzlich restaurierten Vogtei als Reste davon anzusehen sind harrt noch der Klärung. Wenn man nun auch noch die These, es könnte sogar drei Warnemünde gegeben haben öffentlich äußerte, wäre das Unverständnis sicher groß. Und doch ist auch das nicht ganz von der Hand zu weisen, wenn damit, unabhängig vom Ortsnamen, die erste Siedlung an dem Orte der Warnow-Mündung in die Ostsee gemeint ist. In der Dissertation von Dr. Otto Kolp „Die Nordöstliche Heide Mecklenurgs“ findet sich eine Karte in der nördlich von Markgrafenheide im heutigen Naturschutzgebiet Heiligensee/ Hütelmoor“ letztmalig die „Alte Mündung“ verzeichnet ist. Aus früheren Jahrhunderten finden sich dazu noch eine Reihe weiterer Belege. Betrachten wir dazu den Küstenabschnitt zwischen Stoltera und Rosenort/ Rostocker Heide in seiner Entwicklung der letzten 6000 Jahre einmal mit den Augen der Geologen und Meereskundler. Zu Beginn dieser Zeitspanne war der heutige Breitling eine offene Meeresbucht. In den dann folgenden Jahrhunderten wuchs der von Südwest nach Nordost, parallel verlaufenden Küstenströmung folgend (etwa bei der heutigen Stoltera beginnend) bald eine Nehrung in die Bucht hinein, vergleichbar den großen Nehrungen an der polnisch-russich-litauischen Küste. So schnürte am Ende dieser Zeitspanne die entstandene Nehrung die Bucht schließlich fast ganz ab und nur beim Rosenort blieb vor etwa 1000 Jahren noch eine schmale Flußmündung offen. Ob diese Mündung schließlich durch Sedimentablagerung verlandete und der Wasserdruck des Flusses zu neuen natürlichen Wasserläufen mitten durch die Nehrung führte, oder Menschenhand alle in der Geschichte Warnemündes belegten Wasserverbindungen durch die Nehrung gegraben hat harrt bislang noch der Untersuchung. Flussmündungen waren jedenfalls von jeher auch interessante Siedlungsgebiete. So grub der berühmte mecklenburgische Ur- und Frühgeschichtler Prof. Dr. Robert Beltz zu Beginn unseres Jahrhunderts, am Rosenort, genau am Ostrande dieser alten Warnow-Mündung eine slawische Siedlung aus, einen Ort an dem einst die Warnow mündete. Inzwischen zeugen nur noch die Aufzeichnungen des Professors von diesem „Ur-Warnemünde“, das sicher noch keinen Namen hatte. Bedingt durch den hier stetigen Küstenrückgang wird die Ostsee der weiteren archäologischen Erforschung an diesem Ort zuvor gekommen sein. Immerhin finden sich hier am Spülsaum des Strandes immer wieder Relikte dieser Siedlung.

Um sich der Lösung dieser Lücke in der Warnemünder Frühgeschichte zu nähern, müßten eine Reihe von Fragen beantwortet werden:

1. Wo lag der im Heide-Kaufvertrag von 1252 genannte Warnowlauf, an dessen rechtem Ufer fortan (bis 1922!) die Grenze der Rostocker Heide lag?

2. Welche Wasserdurchflüsse gab es zwischen 1160 und ca. 1550 duch die Dünen-Nehrung zwischen Stoltera und Rosenort (Rostocker Heide)?

3. Gibt es unter der Dünen-Nehrung Zwischen Diedrichshagen und Rosenort und auf dem Grunde des Breitlings natürliche Vorkommen von Findlingen oder sind alle Groß-Findlinge die hier lokalisiert werden können durch Menschenhand um und auf die Nehrung gebracht worden (z.B. Schnatermannstein, Steinpackungen auf dem östlichen Marine-Gelände)?

4. Finden sich Spuren der alten Warnow-Mündungen im Kartenbild?

5. Gibt es eine oft angeführte erste Erwähnung Warnemündes im Jahre 1195 in dänischen Quellen?

5. Was erfahren wir in deutschen und dänischen Quellen über die "Danskeborg". Wann und wie wurde sie wirklich abgerissen?

6. Welche Schlüsse können wir aus Flurnamen zwischen Warnemünde und Markgrafenheide (z.B. Taterhörn, Mandel, Vierraden, "Quator Ruotac"lat., ole Kisten u.a. ziehen?

7. Wie verliefen bis 1323 die Wassergrenzen auf dem Breitling/der Unterwarnow zwischen dem Moltke-Besitz, der Rostocker Heide und dem fürstlichen Warnemünde?

Auszüge von Karten und Luftbildern


Hier nachfolgend die Digitalisate der relevanten Publikationen zum "Danskeborg-Problem"