Neukloster

Aus Ortschroniken
Wechseln zu: Navigation, Suche


Kenndaten des Orts
Name (heute)Neukloster
Regionale Einordnung (heute)
Postleitzahl23992
VerwaltungsamtAmt Neukloster-Warin
LandkreisNordwestmecklenburg
Zahlen
Einwohner3928 (2017)
KoordinatenBreite: 53.866667 / Länge: 11.683333


Neukloster ist eine Stadt im Landkreis Nordwestmecklenburg und befindet sich etwa 20 Kilometer südöstlich von Wismar am Neuklosteraner See.

Geographische Lage

Neukloster liegt südlich der Bundesautobahn A 20 zwischen den Anschlußstellen 10 (Zurow) und 11 (Neukloster) und nordwestlich der Bundesstraße 192. Der Neuklosteraner See ist ein nordwestlicher Ausläufer der Sternberger Seenlandschaft und gehört somit zur Mecklenburgischen Seenplatte. Neukloster liegt durchschnittlich auf 30 Meter Höhe über Normalhöhennull, die höchsten Erhebungen, die zum eigentlichen Stadtgebiet gerechnet werden, sind der Düsterberg (59,1 Meter), der Petersberg (umgangssprachlich auch "Mühlenberg" genannt) (57,6 Meter) und der Sonnenberg (46,5 Meter). Mit dem Hopfenbach und dem Klaasbach münden zwei kleinere Fließgewässer in den See, über den Tepnitzbach besteht ein Abfluß bzw. eine Verbindung zum Großen Wariner See. Die ganze Umgebung Neuklosters ist durch die Weichseleiszeit geformt und befindet sich überwiegend im Bereich der kuppigen Grundmoräne.

Einführende Information

Der folgende Auszug aus dem "Geographisch-statistisch-historischen Handbuch des Mecklenburger Landes. Zweiter Theil: Topographisch-historische Beschreibung" von Gustav Hempel (Parchim und Ludwigslust 1843), Seite 421-422, zeigt, wie der Ort damals gesehen wurde. Es gab damals zwar ein "Amt Neukloster", der Amtssitz befand sich aber in Warin. Die Blindenanstalt und das Lehrerseminar wurden erst später nach Neukloster verlegt.

"Neukloster, am gleichnamigen See, der in seiner Mitte eine Insel enthält, großes Dorf und Marktort nebst einem Pachthofe, dem früheren Amtssitze, hat eine Pfarrkirche, 2 Schulen, einen Forsthof, Erbkrug, 2 Erbschmieden, 1 Erbwindmühle, 1 Korn- und Oelmühle, Pachtfischerei, 60 Büdner und 717 Einwohner, darunter 56 Handwerker, ein Kaufmann und ein ansehnliches Gasthaus; hält 2 Jahrmärkte. Der Ort ist ziemlich gut gebauet, und enthält außer einigen Nebengassen eine lange in mehreren Krümmungen fortlaufende Hauptstraße, an deren einem Ende, nahe am See, die Kirche und das Amt liegen. Die altgothische Kreuzkirche von ernstem, würdigem Aussehen, ist im Innern ganz frei, ohne Pfeiler und Nebengänge und im Chor gewölbt. Das Altar besteht aus vergoldetem und bemaltem Schnitzwerk von vorzüglich guter Arbeit. Der Chorstuhl für die männlichen Geistlichen und der hohe Chor der Nonnen, mit 32 Sitzen, sind von Eichenholz mit Schnitzwerk. Die Fenster enthalten viele Glasmalereien, ausgezeichnet durch Gluth und Dauerhaftigkeit der Farben. Die Orgel ist vortrefflich. Der runde niedrige Glockenthurm steht entfernt an der Kirchhofsmauer, und hat das Ansehen eines Zwingers. Er trägt die aus Thon geformten Wappen Herzogs Ulrich und seiner Gemahlin. Von den alten Klostergebäuden steht noch das zweistöckige massive Conventshaus mit hohen gothischen Giebeln, jetzt die Pächterwohnung bildend, das untere Stockwerk des Backhauses und der Marstall mit gothischen Giebeln. Neben der Kirche liegt das Amt, der jetzige Pachthof. In einiger Entfernung, südlich nach dem See zu, ist der Sonnenberg. Die Parochie zählt 1839 Seelen mit dem Filiale Bäbelin. - Dieses Kloster wurde ursprünglich von Fürst Heinrich Borowin I. auf dem Sonnenkampe bei Parchow (s. r. A. Bukow) im Jahr 1211 angelegt, nach Verlauf von acht Jahren aber hierher versetzt. Es war eine sehr bedeutende Stiftung, für Nonnen Benedictiner-Ordens bestimmt; 1516 hatte es 54 Nonnen, und 1555 wurde es säcularisirt. In den ältesten Zeiten soll hier die Burg Kyssin gestanden haben."

Kurztext zum Ort

Namengebend für den Ort wurde das 1219 hierher verlegte Benediktiner- bzw. Zisterziensernonnenkloster "St. Maria im Sonnenkamp", zu dessen Erstausstattung auch mehrere bald wüst gefallene slawische Dörfer unsicherer Lage gehörten. Ob sich das Kloster tatsächlich im Schutz der Burg Kussin befand und wo die Burg gelegen haben könnte, ist umstritten. Nördlich des Klosters entstand die Siedlung, zunächst als eine Art Klostervorort. Aus dem 1555 säkularisierten Kloster wurde ein landesherrliches Amt, wodurch der Ort gegenüber umliegenden Dörfern größere Bedeutung erlangte. Es entwickelte sich zu einem kleinen Marktort. 1648 fiel das Amt Neukloster mit Wismar und der Insel Poel durch den Westfälischen Frieden an Schweden und blieb bis zum Abschluß des Malmöer Pfandvertrags 1803, rechtlich sogar bis zum Verzicht auf die Pfandeinlösung 1903, unter schwedischer Verwaltung. 1862 wurde das Lehrerseminar von Ludwigslust nach Neukloster verlegt, 1864 wurde in Neukloster die Landesblindenanstalt eröffnet und 1887 wurde Neukloster mit der Bahnstrecke Wismar-Karow an das mecklenburgische Eisenbahnnetz angeschlossen. 1938 wurde Neukloster die Bezeichnung "Stadt" verliehen. Nach dem Zweiten Weltkrieg stieg die Bevölkerungszahl rasch an, der Ort wurde ausgebaut und erweitert. Das dann unter der Bezeichnung "Institut für Lehrerbildung" firmierende Lehrerseminar wurde allerdings 1975 nach Rostock verlegt, in den ehemaligen Seminargebäuden wurde eine Sehschwachenschule mit Internat eingerichtet. Die politische Wende 1989/90 und die damit verknüpften wirtschaftlichen Probleme in der Region führten zu einer recht starken Abwanderung und damit wieder zu einem Sinken der Bevölkerungszahl. 1998 verlor Neukloster durch Streckenstillegung den Eisenbahnanschluß.

Wappen

Das heute geführte Wappen wurde Neukloster anläßlich der endgültigen Rückkehr nach Mecklenburg am 16. August 1903 von Großherzog Friedrich Franz IV. von Mecklenburg-Schwerin verliehen. Die heraldische Beschreibung (Blasonierung) des Wappens ist:

Gespalten; vorn in Gold ein halber, hersehender schwarzer Stierkopf mit silbernen Hörnern, goldener Krone, aufgerissenem Maul, ausgeschlagener roter Zunge und abgerissenem Halsfell am Spalt; hinten in Rot ein schrägrechter silberner Äbtissinnenstab mit goldener Krümme, begleitet oben und unten von je einer silbernen Lilie.

Mit der Ernennung Neuklosters zur Stadt 1938 war die Verleihung eines neuen Wappens verknüpft, das aber nach dem Ende der nationalsozialistischen Herrschaft sofort wieder durch das "althergebrachte" Wappen ersetzt wurde.

Neukloster im Spiegel von Karten und Luftbildern

Bildergalerie

Chroniken von Neukloster

  • Geschichte des Kirchspiels Neukloster i. Meckl. bis zum Ablauf des 19ten Jahrhunderts von Johann Stahlberg (Neukloster 1900)
  • Festschrift zum 775jährigen Bestehen des Ortes Neukloster, hrsg. von der Stadt Neukloster, Redakteurin: Käthe Goerlt (Neukloster Mai 1994)
  • 1170-2005 Neukloster i. M. Aus der Geschichte, hrsg. von Jürgen Köchel für den Museumsverein Neukloster e. V. (Neukloster 2018)

Weiterführende Informationen über Neukloster