Mehr über Julius Ludwig Garthe und sein Wirken

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Autor: Wilfried Steinmüller


Julius Ludwig Garthe

geb. 14. März 1780 in Kirchheim (Kurhessen), gest. 17. Januar 1855 in Güstrow

Julius Ludwig Garthe Gemälde um 1830 (Privatbesitz Garthe)

J.L. Garthe hat über 50 Jahre im Dienste des Fürsten von Schaumburg-Lippe gestanden und galt als wissenschaftlich gebildeter, sehr erfahrener und verdienstvoller Forstpraktiker. Besondere Anerkennung erwarb er sich u. a. durch die von ihm in den 1820er und 1830er Jahren eingerichteten größeren Kommunal- und Privatforsten nach dem Flächenfachwerk von Cotta, das dieser 1808 erstmalig beschrieb. So auch das "Erachten der Regulierung der zur Stadt Rostock gehörigen sogenannten Rostocker Heide und Willershäger Waldungen erarbeitet und vorgelegt von Hermann Friedrich Becker und Julius Ludwig Garthe am 17.Juli 1833". Das war für die damalige Zeit ein bedeutsamer Schritt in die geregelte, nachhaltige Forstwirtschaft. Garthe entwickelte Remplin zu einem forstlichen Beispielbetrieb. Er gilt zu Recht als ein Pionier der norddeutschen Buchenwirtschaft. Von 1822 bis 1834 leitete er die erste und einzige private Forstlehranstalt in Mecklenburg. Seine forstliche Laufbahn begann nach dem Besuch des Gymnasiums in Kassel 1796 mit der Forstausbildung bei dem Oberförster Bril in Holzhausen in Reinhardswalde. Nach Abschluß seiner Forstlehre 1799 trat er noch im Oktober in die Dienste des Fürsten zu Schaumburg-Lippe, zunächst als Forstgehilfe des Oberforstmeisters von Kaas in Bückeburg. Unter der Anleitung dieses erfahrenen Forstmannes hat J.L. Garthe sich vor allem mit Vermessungs- und Forsteinrichtungsaufgaben beschäftigen müssen. Von 1802 bis 1803 besuchte J.L. Garthe die private Forstlehranstalt von H.Cotta in Zillbach/ Thüringen. Danach nahm er seine frühere Tätigkeit als Hofjäger wieder auf. 1805 wurde ihm die Leitung des Spiessingholer Revieres übertragen. Er unterhielt hier von 1810 bis 1816 eine private Forstlehranstalt. Die Gründung dieser und der späteren Lehreinrichtung in Remplin dürfte auf den Einfluß Cottas zurückzuführen sein. 1816 erwarb der Fürst von Schaumburg-Lippe vom Grafen Hahn zu Basedow den 5.000 ha umfassenden Besitz Remplin. Zur Betreuung des 1.00 ha großen Waldes erfolgte 1817 die Versetzung von J.L. Garthe nach Mecklenburg. gleichzeitig hatte er die Inspektion über weitere Besitzungen seines Dienstherrn wahrzunehmen. Mit der Förderung des Großherzogs von Mecklenburg-Schwerin, Friedrich-Franz I., eröffnete J.L.Garthe 1822 in Remplin eine forstliche Meisterschule als private Lehreinrichtung. Vorwiegend Mecklenburger wurden in einem zweijährigen Ausbildungskurs auf ihren zukünftigen Beruf vorbereitet. Jährlich wurden 5 bis 10 Schüler aufgenommen. Die Ausbildung hatten u.a. Garthe und sein Sohn Georg übernommen. Der Unterricht, der auch naturwissenschaftliche Grundlagenfächer einbezog, war sehr praxisnah ausgerichtet. Pfeil schrieb (1834), daß "man daselbst alles das erlernen könne, was nur allein durch den Aufenthalt im Walde und durch längere Beschäftigung damit zu erlernen ist." Da jegliche staatliche Unterstützung fehlte, auch Schulgeld nur begrenzt aufgrund der geringen Schülerzahl zur Verfügung stand, mußte Garthe auch aus seinem Privatvermögen die geringen Gehälter der Lehrer bezahlen. 1834 schloß diese erste forstliche Lehreinrichtung in Mecklenburg ihre Pforten. 1847 wurden die Rempliner Güter an Freiherrn von Maltzahn auf Sommersdorf verkauft. J.L.Garthe wurde nicht übernommen. Es folgte kurzzeitig die Leitung des Vietgester Reviers und bald darauf seine Versetzung nach Güstrow. Auf Grund seiner Verdienste wurde Garthe durch den Großherzog zum Forsttaxator für Konkursverfahren von Landgütern berufen und war Mitglied der "Forstexaminations-Kommission. Von seinen fünf Söhnen schlugen zwei ebenfalls die Forstlaufbahn ein: Georg Garthe (1805 - 1877) und Julius Garthe (1815-1897). Beide waren auf einander folgend Forstinspektoren in der Rostocker Heide. (unter Verwendung eines Beitrags von Dr. Manfred Schorcht, Redefin 1999)