Geschichten in der Geschichte der Rostocker Heide: Charles Bencard '''Nachkriegsepisode'''

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Nachkriegsepisoden

Oberforstmeister Charles Bencard stand auch nach dem Ende des zweiten Weltkrieges den Rostocker Waldungen vor. Dessen Sohn Jochen Bencard erinnert sich episodenhaft an die Schwere der Zeit und den Zwang zur Improvisation: „Mein Vater hatte einen Opel, zu dem später auch ein Chauffeur eingestellt wurde. Ersatzteile waren nur umständlich auf dem Tauschwege zu bekommen. Als beispielsweise einmal alle Reifen so weit verschlissen waren, das Neue beschafft werden mussten verhandelte mein Vater mit dem Holzhändler Großmann, einem Groß-Groß-Großberliner, der mit allen Wassern gewaschen war. Am Ende forderte er für einen Satz Reifen einen Waggon Grubenholz, die er dann zähneknirschend auch bekam. Abends nach Dienstschluß wurde immer der Verteilerfinger des Autos ausgebaut um Dieben vorzubeugen. Eines Morgens dann hatten die Russen ihn doch geklaut und nach Rostock abgeschleppt. Ein Bekannter verfolgte kurz darauf einmal das gestohlene Auto durch halb Rostock, jedoch ohne Erfolg. Der sowjetische Stadtkommandant erklärte: „Weisen sie mir nach wo er steht und sie kriegen ihn wieder:“ Daraus wurde aber schließlich doch nichts. Daraufhin tauschte man gegen eine Kreissäge einen alten Adler Baujahr 1928 ein. Der war ein wahrer Reifenfresser. Ich wurde dann Revierförster am südlichen Rand der Heide und brauchte ein Motorrad. Wir beschlossen das Auto gegen ein Motorrad einzutauschen. Ein Wanderzirkus in der Nähe suchte ein ausgefallenens Auto zu Werbezwecken und so beschlossen wir hier den Tausch gegen ein 250er DKW-Motorrad mit Kulissenschaltung einzugehen. Das Auto wurde aufgemöbelt und wir fuhren voller Angst, die porösen, kaum noch Luft haltenden Reifen könnten schon unterwegs ihren Geist aufgeben, ausgesprochen vorsichtig nach Gelbensande, wo der Zirkus gerade Station machte. Bei der Ankunft in Gelbensande sprang eine ganze Horde Zirkuskinder auf das Auto. Ich dachte „Das hält kein Reifen aus.“ Aber es hielt zu unserem Erstaunen. Der Tausch kam zustande und wir sollten sogar noch 700,- Mark obendrauf bekommen. Die wir aber nie gesehen haben. „Die haben wir aber schön besch.. .“ freuten wir uns. Bald merkten wir, das man auch uns besch... hatte, denn das Motorrad war ebensowenig in Ordnung. Ich brachte es in die Motorradwerkstatt Niemann in Ribnitz. Wärend der Reparatur erzählt Niemann: „Jetzt stellen sie sich einmal vor, was mir neulich passiert ist. Da werde ich nachts von einem Zirkusdirektor aus Born angerufen, ich müsse kommen und helfen. Sein Auto sei kaputt. Ich komme hin und sehe das alle vier Reifen platt sind. Nach der Reparatur habe ich dann nicht einmal Geld bekommen.“ Hätte ich erzählt daß das Auto zuvor mir gehörte, wäre mein Motorrad wohl nie fertig geworden.