Carwitz-Skizzen - Geschichte des Dorfes und Geschichten seiner Bewohner
Carwitz-Skizzen - Geschichte des Dorfes und Geschichten seiner Bewohner
- Autor Ernst F. Dörffel, Redaktion Carola Hasan 2026
- +CD 1 und 2
Vorwort
- Wie kam es zur Idee „Puzzleteile der Geschichte von Carwitz“?
- Anfang 2000 las ich die gerade veröffentlichte Dorfgeschichte von Mechow, südlich von Carwitz im selben Landkreis Mecklenburgische Seenplatte gelegen. Da kam mir der Gedanke eine Dorfgeschichte von Carwitz zu schreiben.
- Ich fing an zu sammeln und kam aus dem Staunen nicht heraus.
- Mit dem Verfasser der Dorfgeschichte von Mechow, Erich Goetsch, kam ich freundschaftlich ins Gespräch. :Erich Goetsch hatte damals als 80-jähriger sehr intensiv in den Archiven, insbesondere im Landesarchiv Schwerin, geforscht und gesammelt. Er selbst wohnte seit Mitte der Fünfziger Jahre bei Bremen, seine Tochter seit den 90er Jahre in Mechow.
- In den Jahren 2005-2008 interviewte ich mehrere Carwitzer Bürgerinnen und Bürger. Sie erzählten sehr interessant, insbesondere über die Zeit zwischen den Kriegen im 20. Jahrhundert und über die DDR. Auch zeigten sie mir z.T. uralte Dokumente aus dem 19. Jahrhundert.
- Während der folgenden Jahre hatte ich versucht, für meine Sammlung von Fragmenten einen Archivar in Feldberg zu interessieren. Er hat angeblich damit gearbeitet. Mir ist aber nicht bekannt, ob davon auch etwas veröffentlicht worden ist.
- Ich ließ mir meine per USB-Stick überlassenen Dateien 2023 zurückgeben.
- Meine Sammlung aus den verschiedensten Quellen und Dokumenten sind von mir nicht verbindlich überprüft worden. Ihre Veröffentlichung ohne Überprüfung der Dokumente im Landesarchiv Schwerin ist mir nicht möglich.
- Die Interviews mit Carwitzern wurden chronologisch eingearbeitet. Es sind bis 2025 immer wieder viele Ergänzungen mit gelesenen und gehörten Informationen hinzugefügt worden.
- Zufällig entdeckte ich Ende Februar 2026 im Internet eine Interessentengruppe für Ortschroniken in Mecklenburg-Vorpommern. Sie wird vom Bildungsministerium unterstützt. Da existiert auch eine kurze Chronik von Carwitz. Kontakte wurden aufgenommen.
- Diese „Carwitzgeschichte“ wurde über zwei Jahrzehnte mit Unterbrechungen erarbeitet.
- Jetzt möchte ich gedruckte Exemplare an die Familie, an Freunde und Interessierte weitergeben.
- Die Unterlagen, Interviews und familiäre Bezüge bleiben auf Festplatten gespeichert.
- Ich bitte alle Interessierten mir persönlich Korrekturen, Änderungen, Streichungen und insbesondere Ergänzungen mitzuteilen.
- Interessante Einzelheiten sind dort zu finden, so in „Ein Beitrag zur Siedlungs- und Landschaftsgeschichte des Feldberger Gebietes“ von Ulrich Voigtländer, Schriftenreihe des Karbe-Wagner-Archiv, Nr. 5.
- Die Fotos stammen aus sehr verschiedenen Quellen, so von Ernst Rittwagen (Feldberg), aus alten Büchern u.v.a.m.
- Ernst F. Dörffel 03981 442361, mernstdoerffel@web.de
- Carola Hasan +49151 10257415
1. Eiszeitliche Gestaltung der Feldberger Seenplatte
- Siehe auch alte Landkarten (mit Word-Fotos, also kein PDF-Format)
- Carwitz liegt mit Hügeln und Tälern am südlichen Ende des Feldberger Endmoränen-Bogens, der jahrhundertelang Teil des Gletscherrandes war. Dieser zog sich von Güstrow über Neustrelitz bis in die Uckermark. Südlich von Carwitz beginnt das Sandergebiet.
- Unsere Vorstellungskraft ist wohl meistens überfordert, wenn wir uns ein realistisches Bild der geologischen und klimatischen Situation vor 12.000 Jahren, am Ende der letzten Eiszeit machen wollen. Der zerklüftete Rand des Gletschers von 300 Meter Höhe stand Jahrhunderte still, bis er endgültig nach Norden zurückwich. Am Gletscherrand sammelten sich die von ihm mitgeführten Findlinge und das Geschiebe beim Abtauen an. So entstand auch der Hünenwall, eine Satzendmoräne zwischen Luzinstein, oberhalb der Luzinhalle, und dem Kesselmoor im Hullerbusch. Aus Tunneln unter dem Eis floss ein riesiger Strom von Schmelzwasser mit Geröll und Sand hervor. Auf Grund der Thermik wehte ständig ein stürmischer Wind und transportierte Staub und feinen Sand nach Süden. Es bildete sich der mehrere Kilometer breite „Sander“. Riesige Eisblöcke der vorangegangenen Eiszeit waren als Toteis im Untergrund liegen geblieben und vom Gletscher praktisch „überfahren“ worden. Sie schmolzen erst mit dem Ende der letzten Eiszeit völlig weg. Dank dieser Toteisblöcke entstanden die vielen Sölle und größeren Seen. Die Grund- und Endmoräne haben fruchtbaren Boden. Die Sanderböden dagegen sind unfruchtbar. Deshalb fand dort später weniger Besiedlung statt.
2. Landschaft zu Beginn der menschlichen Besiedlung
- Eine sehr ausführliche und interessante Darstellung der kulturhistorischen Entwicklung der gesamten Region, einschließlich Carwitz, findet sich in der Schriftenreihe des Karbe-Wagner-Archiv, Nr. 5, S. 7 „Ein Beitrag zur Siedlungs- und Landschaftsgeschichte des Feldberger Gebietes“ von Ulrich Voigtländer. Das Heft steht in Carwitzer Kate 1 zwischen den Büchern
- Am Ende der letzten Eiszeit, Weichsel-Eiszeit, vor 12.000 Jahren folgten steinzeitliche Jäger den großen Tierherden nach Norden. Aber erst ab ca. 4.000 v. Chr. sind Menschen in unserem Raum archäologisch nachweisbar. Bronzezeitliche Funde werden um 1.250 v. Chr. datiert (23). Zeugnisse sind die Großsteingräber auf dem Hauptmannsberg und am Breiten Luzin sowie das älteste bekannte Schlachtfeld Europas im Tollensetal.
- Die germanische Besiedlung bis zur großen Völkerwanderung, 375 – 568 n. Chr., wird in groben Zügen bei römischen und griechischen antiken Autoren erwähnt. Im Großraum der unteren Elbe bis zur Weichsel, also Norddeutschland/Polen, sind das die Vandalen, die Semnonen, die Sueben, die Goten und die Burgunder. Exakte Gebiete können den einzelnen Stämmen nicht zugeordnet werden. In den zwei Jahrhunderten der Völkerwanderung werden die Volksstämme durcheinander gewirbelt. Unser Gebiet wird besonders entlang der großen Flüsse von den genannten Stämmen nur durchzogen. Im wahrsten Sinne des Wortes tritt eine Entvölkerung ein. Ursache der großen Völkerwanderung sollen klimatische, wirtschaftliche oder demographische Faktoren gewesen sein. Auslöser der Völkerwanderung war aber dann der Vorstoß der Hunnen aus Asien über Russland nach Europa. Dadurch wurden die germanischen Stämme, die Goten und Vandalen, aus dem Raum des westlichen Russlands vertrieben, sie flüchteten vor der drohenden Gefahr.
- Es erfolgte in den nächsten Jahrhunderten durch slawische Stämme von Osten eine friedliche Landnahme des menschenleeren Raums, in dem nur noch eine germanische Restbevölkerung lebte. So bildete sich kampflos ein geschlossenes slawisches Siedlungsgebiet, unterteilt in verschiedene Stämme, bis zur Elbe-Saale. Sie drangen sogar weiter westlich bis zum Main und der Regnitz vor. Noch heute bezeugen das slawische Orts- und Flurnamen eindeutig.
Für unser Gebiet der oberen Havel und östlich der Tollense werden die Redarier mit ihrer Tempelburg Rethra genannt. Sie waren wohl der bedeutendste Stamm der Kernstämme der Lutizen, die Kessiner, Zirzipanen und die Tollenser.
- Eine gute Darstellung findet sich bei Goetsch “Dorfchronik Mechow“ (5/S.6 – 14)
- CD 06
- Bronzene Schmuckscheibe von 4,8 cm Durchmesser im degenerierten Jellingstil aus der jungslawischen Inselsiedlung Carwitz. Wurde 1837 auf dem Kohlwerder im Carwitzer See oder dort „beim Fischen“ gefunden. In der nordischen Mythologie ist der dargestellte „Fenriswolf“ der dämonische Sumpfwolf, der das Bösartige, Zerstörische symbolisiert. Text Wikipedia (Corpus Archäologischer Quellen zur Frühgeschichte, Textband, Akademie-Verlag, Berlin 1979)
- Die in der Zwischenzeit christianisierten und wirtschaftlich erstarkten deutschen Volksstämme, Franken und Sachsen, begannen seit Karl dem Großen ab 800, insbesondere dann unter Kaiser Otto I., in grausamen und rücksichtslosen wechselvollen Kriegen nach Osten vorzudringen. Diese Expansion erreichte nach der Herausbildung des deutschen Staates mit der sogenannten Deutschen Ostkolonisation im 11. bis 13. Jahrhundert ihren Höhepunkt. 1147 lehnten die sächsischen Fürsten es ab, sich an einem zweiten Orientkreuzzug, leidenschaftlich dazu vom französischen Abt Bernhard von Clairvaux aufgerufen, zu beteiligen. Da sie „Völker zu Nachbarn haben, die noch dem schändlichen Götzendienst huldigten, nahmen (sie) zwar ebenfalls das Kreuz, aber um gegen jene Völker Krieg zu führen“. Im Wendenkreuzzug 1147 zogen sie unter der Bernhardschen Parole „Bekehrung oder Vernichtung“ gegen die heidnischen slawischen Völkerschaften zwischen Elbe und Oder. (7)
- Das Hauptheiligtum Rethra, Riedegost, mit dem Gott Svarožić wird zerstört und verschwindet völlig aus dem Gedächtnis. Später wurden mindestens 20 verschiedene Lokalisationen als Standort für Rethra diskutiert. Die wahrscheinlichste Lage ist die Fischerinsel am Südwestufer des Tollensesees bei Wustrow. Die herrschenden slawischen Familien wurden unter der Bedingung anerkannt und „belehnt“, wenn sie selbst das Christentum annehmen und sich um seine weitere Verbreitung aktiv bemühen. (6) Damit beginnen auch die schriftlichen Dokumentationen in Lehnzeugnissen und Kirchenarchiven. Als Zeichen der erfolgreichen Christianisierung findet man in ganz Mecklenburg die Feldsteinkirchen des 13. Jahrhunderts.
- CD 07
- Besiedlung Carwitz. Stammt aus „Ausgrabungen und Funde 13“ S. 203 – Abb.3 der Akad. D. Wissenschaften Berlin, 1968, ergänzt nach Corpus Bd.2
- Die Großsiedlung Burgwall Feldberg ist auf dem Schlossberg am Breiten Luzin gelegen. Für Carwitz wurde durch Ausgrabungen auf der Halbinsel Hauswerder, heute Bohnenwerder, die früheste Besiedlung für das 7. - 8. Jahrhundert an der Bucht gegenüber dem Stein- und dem Bollenwerder nachgewiesen. Die Besiedlung der Feldmark Hanow, (Wüstung im Dreißigjährigen Krieg) auf der Hochfläche westlich vom Hauptmannsberg, geschah im 8. bis 12. Jahrhundert und für alle Inseln im Carwitzer See im 11. – 12. Jahrhundert. Vom „Festland“, beim heutigen Fischer in Carwitz, gingen Brücken über den Jäger-, Gänse- und Steinwerder zum Bollenwerder und bis zu den Ziegenbergen des gegenüberliegenden Ufers. (6) Die Inseln boten Schutz vor plötzlichen Überfällen. Spätestens im 10. Jahrhundert wurden die slawischen Dörfer gegründet, meist als Runddörfer um kleine Teiche. Die deutschen Einwanderer gründeten später Straßendörfer. Die typischen Endungen -itz oder -ow sind Merkmale slawischer Ortsnamen.
3. Carwitz wird erstmalig 1216 genannt (oder auch erst 1393?)
Der Ortsname stammt von dem altpolabischen Wort „karva“ für Kuh ab. Im Gegensatz dazu ist „Conow“, auf der anderen Seite des Carwitzer Sees, mit „Pferdedorf“ zu übersetzen. („con“ = Pferd). Erwin Schulz schreibt: „1393 Carwytze, 1459 Karviz, 1518 Carvitze, 1708 Karwitz, 1796 Carwitz.“ Carwitz gehörte zur „Herrschaft Stargard“ und diese gehörte seit 1130 zum Herrschaftsbereich der Herzöge von Pommern. Ab 1292 war die Herrschaft Stargard ein Wittum (Mitgift oder Brautpreis) der Markgrafentochter Beatrix von Brandenburg. Da sie die Frau des mecklenburgischen Fürsten Heinrichs II., genannt „der Löwe“, war, kam die Herrschaft Stargard ab 1299 faktisch an die Fürsten (später Herzöge) zu Mecklenburg. Am Ende des 14. Jahrhunderts – so eine weitere Notiz – wiesen die Herzöge von Mecklenburg - Stargard einem Henning Parsenow Pachtgeld aus Carwytze an. Bei (22) heißt es aber auch S. 37: „Mechow ist das erste Dorf im früheren Amt Feldberg, das urkundlich erwähnt wird (1271) und einer der drei Orte in diesem Amt, die noch im 13. Jahrhundert ins Licht der Geschichte treten (Flatow und Warbende 1299).“ Feldberg wird 1256 und die Krüseliner Mühle 1275 als „Feldberger Mühle“ erwähnt.
Am Anfang des 16. Jahrhunderts wurde das Gebiet endgültiger Besitz der mecklenburgischen Herzöge. Das Dorf wurde dem Amt Feldberg (Domänenamt) zugeordnet. Kirchlich war das Angerdorf Carwitz bis zum Dreißigjährigen Krieg und dann wieder ab 1740 eine selbstständige Pfarrei. Dazu gehörten die umgebenden Dörfer einschließlich Feldberg. Daraus kann man schließen, dass es in damaliger Zeit ein früher Ort der ursprünglichen Besiedlung gewesen sein könnte. Seitdem lebt es, mit Ausnahme von Kriegs- und Pestzeiten, beschaulich dahin. Obwohl in den vergangenen Jahrhunderten echte Friedenszeiten die Ausnahme waren, berührten die kriegerischen Auseinandersetzungen nur selten diese Gegend. Wenn es dazu kam, dann waren die Folgen meist verheerend. So wurden durch die Streitigkeiten zwischen Brandenburg und Mecklenburg 1440 viele Dörfer „wüst“. Hanau (Hanow westlich vom Hauptmannsberg) wurde nie wieder aufgebaut. In Carwitz vergrößerte sich der Dorfkern, das „boomdörp“, nur langsam um die Kirche mit Friedhof und Bäumen. Das „unnerdörp“ an „de bäk“ ist aber mit einigen Erdhütten wohl eher der ursprüngliche Siedlungsort gewesen. Zur Besiedlung, zu den Streitigkeiten um Grenzen, der Lage von Mühlen und dem Zugang bzw. dem Besitz der Seen und Bäche siehe im Anhang Tilemannus Stella von Siegen 1575/78, „Bericht von den Landtgrentzen ...“.
4. 30-jähriger Krieg und Folgezeit
In den Jahrzehnten vor dem dreißigjährigen Krieg (1618 – 1648) bestand ein relativer Wohlstand. 1637 plünderten, raubten, mordeten die Horden des Grafen Gallas. 1639 gab es in Feldberg nur noch 3 Kossaten mit ihren Frauen. Um 1600 waren es um die 60 Personen gewesen. Georg Krüger schreibt: „1639 lebten im ganzen Amt (Feldberg) 47 Personen: 5 Bauleute (Bauern), 8 Kossäten, 13 Witwen, 9 Kinder, 10 Knechte und 2 Mägde. Und ist im selbigen Amt kein Vieh, an Klein oder Groß vorhanden, wie auch daselbst anitzo kein Sommer- oder Winterkorn geseyet ist.“ Nach dem 30-jährigen Krieg kam die Pest. Auf dem Feldberger Pestfriedhof, der in den 1960er Jahren auf dem Amtswerder entdeckt wurde, fanden sich etwa 80 Tote.
Die dem westfälischen Frieden von 1648 nachfolgenden Kriegszüge der feudalen Herren und Fürsten mit ihren marodierenden Truppen brachten immer wieder Not und Elend mit sich. 1658 - 1660 durchzogen im Krieg gegen Schweden 30.000 kaiserliche, brandenburgische und polnische Soldaten Mecklenburg. 1674/75 waren es wiederum die Truppen des Großen Kurfürsten, die Dänen und die Kaiserlichen, die durch Mecklenburg zogen. 1683 lebten in Carwitz mehrere Vollbauern, dazu der Freischulze sowie Kossaten und landlose Einlieger (Mietsleute), die als Landarbeiter tätig waren. Der westlich des Dorfes gelegene Freischulzenhof wurde 1858 aus Carwitz herausgelöst, ab 1874 Rosenhof benannt. Auch das alte Dorf Krüselin, mit der dortigen Meierei, seit 1945 eine Wüstung, sowie die Krüseliner Mühle gehörten zum Umfeld von Carwitz mit wechselnder Unterstellung. Durch den Hamburger Erbvergleich von 1701 kam das Amt Feldberg und damit Carwitz zum Herzogtum Mecklenburg-Strelitz. 1756 – 1763 Siebenjährige Krieg mit „Besetzungen, Truppendurchmärschen, Plünderungen und Pressungen der männlichen Bevölkerung zum Kriegsdienst“ (5) „Von den zum Krieg gegen Russland 1812 gepressten 400 Strelitzern, die bis Moskau kamen, haben kaum 100 überlebt.“ (5)
Krüselin: zu unterscheiden sind die heutige wüste Dorfstelle von der Wassermühle am See. Krüger, Georg schreibt dazu (13): „1393 Cruzelin, 1422 Krüselin, nach Kühnel = Sandort. 1393 wurde Henning Parsenow Krüselin angewiesen. 1422 verkaufte Henning Parsenow die wüste Feldmark und das Dorf Krüselin an das Kloster Wanzka für 300 Mark. 1539 verkaufte das Kloster die Feldmark an Herzog Heinrich für 200 fl (Historische Gulden florenus). Schon vor 1600 war in Krüselin eine Feldberger Amtsmühle, die im dreißigjährigen Krieg zerstört, aber wieder aufgebaut wurde. In Krüselin wird früher eine Kirche gestanden haben, denn Henning Parsenow versetzte 1401 zwei Glocken, die früher in Krüselin gehangen hatten, an das Kloster Wanzka, die eine für 34, die andere für 10 Mark. Später haben in Krüselin 2 Bauern und 1 Kossate gesessen. 1724 wurde durch den Feldberger Amtmann Borchmann eine Meierei aufgebaut.
Laeven: Krüger, Georg schreibt (9) S. 119: „1393 wurde Bede in Läven an Henning Parsenow gegeben. 1590 werden dort genannt: „12 dort wohnende Familienamen. 1639 waren 5 Bauernhöfe nebst der Kirche niedergebrannt, und wo früher ein Freischulze und acht Bauleute mit ihren Familien gewohnt hatten, lebten noch ein Bauer, eine Frau und ein Knecht. Im Juni 1640 war alles wüste und niedergebrannt. 1683 war dort eine Schäferei, die zur Meierei Neuhof gehörte.“
Hauptmannsberg: Christa Schönfeld erfuhr im Heimatkundeunterricht: Im 30jährigem Krieg hatte bei einer Besetzung ein Hauptmann auf dem bis dahin Wartsberg genannten Berg seinen Beobachtungsposten. Die Landschaft war zur damaligen Zeit praktisch entwaldet, sodass von dort oben ein weiter Blick bis Feldberg, Laeven, Conow, Thomsdorf und Mechow möglich war. Andere erzählten mir, dass ein Hauptmann dort seinen Lieblingsplatz gehabt habe. Otto Schultz bestätigt das und fügt hinzu, dass im 30jährigen Krieg „der König“ auf dem „Königsberg“ seinen Standort hatte und der Hauptmann vom Hauptmannsberg her ihm entsprechende Zeichen seiner Beobachtungen gegeben habe. Der „Königsberg“ sei an der Mühle, neben dem jetzigen Friedhof gewesen. Auf der Handzeichnung des Feldberger Gebietes von 1578 von Tilemann Stella (21) steht am Hauptmannsberg „Der Wartsberg“.
Die Inseln: wurden zur Slawenzeit und landwirtschaftlich bis in die Mitte der siebziger Jahre privat genutzt. Sie waren mit den umliegenden Ufern durch Holzbrücken verbunden. So hat man Reste von Holzpfählen vom Carwitzer Ufer beim Fischer zu den Inseln und bis zu den Ziegenbergen am jenseitigen Ufer gefunden. Bohnenwerder: frühere Bezeichnung „Boomwerder“ = „Baumwerder“, so auch noch von Fallada und seiner Frau Suse bezeichnet. Christa Schönfeld vermutet, dass „Bohnenwerder“ nach 1945 eine Verballhornung des plattdeutschen „Boomwerder“ ist. Otto Schulz nennt ihn „Boamwierl“ = Baumwerder. Vor dem Krieg war auf ihm ein großes Spargelfeld. An der Terrassierung erkennt man noch heute, dass er bis ca. 1953 landwirtschaftlich genutzt wurde. In den 60er und 70er Jahren weideten in den Sommermonaten noch regelmäßig Ponys zwischen den sich sonnenden Nacktbadern. Damals wurden auch die Ziegenberge am gegenüberliegenden Ufer mit Kühen beweidet.
- Auf alten Karten wurde der Bohnenwerder mit „Hauswerder“ bezeichnet. Wahrscheinlich weil auf dieser Halbinsel die ersten Häuser gestanden hatten.
- Blick von der Brücke am Bohnenwerder über den Carwitz-See nach Thomsdorf
Bollenwerder: ursprünglich „Bullwerder“ oder „Bullenwerder“ genannt, gehörte Helene Kratochwill und jetzt noch den Erben. Christa Schönfeld: „In meiner Kindheit in den 20er Jahren wurden im Frühjahr die Kühe an Stricken im Schlepptau von Booten hinübergezogen und im Herbst zurück. Im Sommer fuhr jeden Tag zweimal die Magd oder der Knecht hinüber, um die Kühe zu melken. Später in den 30er Jahren waren nur noch Färsen darauf.“ Die Mauerreste eines kleinen Stalles sind jetzt noch am südlichen Ende zu finden. Noch in den 60er- und 70er- Jahren weideten im Sommer Ponnys auf dem Bollenwerder. Steinwerder: Im 30jährigen Krieg wurde dort ein Schatz vergraben und die Sage ging, dass dort zu Johannis im Mondlicht das Gold glänzt. Ob es einer mal versucht hat, den Schatz auszugraben? Heute im Besitz der Erben vom „Kröger“ Paul Utnehmer. Der Steinwerder wurde in den Sommerferien bis 1990 jedes Jahr als Campingplatz der Erfurter Reichsbahn genutzt. Mit der aufkommenden Umweltproblematik gab es hier zunehmend Probleme und Auflagen der Hygiene-Kontrollen. Die Sammelbehälter der Toiletten mussten dann per Boot nach Carwitz zur Entsorgung gebracht werden. Jägerwerder, Gänsewerder, Kohlwerder wurden ebenfalls landwirtschaftlich genutzt. Sie gehörten Rudi Dreiseidel, der ca 1960 die Mosterei gründete. In diesem Zusammenhang wurden auf diesen Inseln, wie auch hinter der ehemaligen Mosterei, Obstbäume gepflanzt. Elswerder, Eiswerder: auf den Karten fälschlicherweise heute als Eiswerder bezeichnet. Otto Schulz nennt ihn „Elswierl“. Mit Erlen hätte das nichts zu tun¸ denn diese heißen im Plattdeutschen „Ellern“.
- CD 09
„Feldmarck Thomsdorff 1783“
Diese Karte hing im Goethemuseum Weimar Anfang der 90er Jahre. 2025 war sie im Museum verschollen. Im Landesarchiv Brandenburg wurde eine Reproduktion erworben. Interessant ist die damalige Dreifelderwirtschaft mit den rhythmisch wechselnden Saatzeiten und die Ausdehnung der landwirtschaftlich genutzten Flächen. Bis 1961 waren noch die Getreidefelder auf der Fläche des heutigen Campingplatzes am Dreetz zu sehen. Braun = Brachfeld, Grün = Herbst-Winterbestellung, Gelb = Frühjahr-Sommerbestellung.
5. 19. Jahrhundert bis Ende des Kaiserreichs 1918
- (Die Orte der Umgebung z. T. bis heute)
Für diese Zeit bis zum Ende des Ersten Weltkriegs gibt es über Carwitz wenig zu berichten. Carwitz war „noch nicht entdeckt“! Nach der gescheiterten Revolution von 1848 verlief die gesellschaftliche Entwicklung in Deutschland und besonders in Mecklenburg-Strelitz ganz im Sinne des politisch äußerst konservativen Großherzogs Georg und seiner Nachfolger. Georg hatte die demokratische Bewegung als eine „Bande terrorisierender Radikaler“ diffamiert. (1 S. 20) Fritz Reuter schreibt ironisch: § 1 der Mecklenburger Verfassung „Allens bliewt bin ollen“.
Das Großherzogtum Mecklenburg-Strelitz war das kleinste aber auch reichste Fürstentum des Deutschen Kaiserreiches. So hatten Grundadel und Fürstenhaus bis 1919 das Recht auf fremden Grund und Boden zu jagen. Dabei betrifft „Reichstes Fürstentum“ das persönliche Eigentum des Großherzogs Friedrich Wilhelm II. (1860-1904). Seine Regierungszeit war geprägt durch eine an Geiz grenzende Sparsamkeit bei allen öffentlichen Ausgaben. Notwendige Investitionen in Wirtschaft, Infrastruktur und Bildung unterblieben weitgehend. Deshalb stagnierten moderne Entwicklungen oder hielten nur zögerlich Einzug. Durch diese Politik konnten über Generationen angehäufte Schuldenberge des Fürstenhauses abgetragen werden. Das Land entwickelte sich jedoch zu einem der rückständigsten deutschen Territorien. Einem Ausspruch zufolge wollte Reichskanzler Otto von Bismarck im Falle des Weltuntergangs nach Mecklenburg fliehen, da hier die Welt 50 Jahre später untergehen würde. Als größter Grundbesitzer des Herrschaftsgebietes Mecklenburg Strelitz war der Großherzog im System der feudalen landständischen Verfassung Mecklenburgs eingebunden und hatte nur begrenzte Handlungsspielräume. Sein persönliches Vermögen wuchs dadurch während seiner Regierungszeit zu einem der reichsten deutschen Fürsten an. Er spekulierte und handelte sogar an der Börse. Am Spring, einer südlich von Laeven mitten im Walde gelegenen wunderschönen Quelle, steht ein Denkmal für den letzten Hirsch, der vom Großherzog geschossen wurde, d. h. eigentlich ein Denkmal für den Großherzog.
Von Christa Schönfeld liegen handschriftliche Unterlagen des Amtes Feldberg vor. Die rechtlichen Festlegungen zu Haus und Hof sind unglaublich. Dazu auch der Fischereirechtsstreit vom 29.12.1801:1 „verhandelt im Amte Feldberg den 29. Dezember 1801 in Gegenwart des Herrn Amtsrats auf heute ist der Freischulze Mollenhauer zu Carwitz, und der hiesige Fischer Sewkow vorgefordert, und da sie erschienenen; so hat man ihnen das von Herzoglicher Hochpreislicher Kammer unterm 20.vorigen Monats erlassenes gnädigstes Reskript in Betreff der von dem Freischulzen Mollenhauer auf dem Carwitzer See verlangten Fischerei hinlänglich bekannt gemacht, und die Erklärung des Freischulzen Mollenhauer darüber erfordert. Selbige gehet dahin: er hätte noch niemals die Fischerei auf dem ganzen Carwitzer See verlangt, sondern nur bloß, so wie sie seine Vorfahren gehabt. Er hätte niemals weiter als auf dem Vorlande gefischt, außer, dass er sein Netz doch außer dem Vorlande ausstellen müssen, weil er sonst gar keine Fische fangen können. Er wäre sehr bereit, sich der Fischerei wegen in der Güte auf einen gewissen Fuß zu setzen, wenn er nur überzeugt sein könnte, solche in der Zukunft ohne Streit und Zank auszuüben. Er erkläre sich völlig zufrieden mit dem ihn zugestandenen Revier zur Fischerei, nämlich von der Hälsung auf dem Dreetz in den Carwitzer See an bis an das Thomsdorfer Feld, und um diesen herum, bis an den Vor-Pool bei Thomsdorf. Er wäre auch damit zufrieden, dass der Fischer in Feldberg , oder wer sonst den Carwitzer See gepachtet hätte, dieses Revier mit ihm gemeinschaftlich befischte, jedoch müsste er hoffen und sich ausbedingen, dass alle chikaneuse und ihm nachteilige Verfügungen in der Fischerei nachblieben, damit er mit dem Fischer diese Fischerei zusammen auf einen freundschaftlichen Fuß ausüben könnte. Der Fischer Sewkow bezeuget seine Bestimmung, so wie schon vormals zu den, dem Freischulzen Mollenhauer zur Fischerei zugestandenen Revier, und versichert, dass er von seiner Seite keine Gelegenheit dazu anderweitigen Streitigkeiten mit dem Freischulzen geben, sondern mit dem derselben auf dem bestimmten Revier, wenn das Wasser offen wäre, die Fischerei auf eine gemeinschaftliche und freundschaftliche Art ausüben wollen, jedoch müsse er sich ausbedingen, dass die Reusen nicht aus dem Vorlande, da wo er fischte gelegt würden, und dass der Freischulze, wenn er die Fischerei durch einen Arbeitsmann exercierte, entweder selbst dabei wäre, oder auch seinen Sohn oder einen von seinen Leuten dabei hielte, damit er, der Fischer, überzeugt würde, dass die Fischerei wirklich von dem Freischulze betrieben würde. Der Freischulze Mollenhauer agnosciret auch diese beiden von dem Fischer Sewkow vorgetragenen Punkte, genehmiget nochmal seine vorstehende Erklärung, und entsaget sich allen weitern Forderungen an der Fischerei auf dem Carwitzer See, außer dem bestimmten Ort. Da der Fischer Sewkow auch nichts weiter zu erinnern weiß, so ist diese Verhandlung geschlossen, und soll solche zur Herzoglichen Hochpreisl. Kammer eingesandt werden. Geschehen wie oben."
Hausbrief über das Freischulzenhaus an Friedrich Schulz "Urkundlich ist dieser Hausbrief unter dem Siegel und der gewöhnlichen Unterschrift des Großherzoglichen Kollegiums und Forstkollegiums erteilt worden. Geschehen Neustrelitz 2. April 1859"
„Von dem Großherzoglichen Mecklenburger Kammer- und Forst-Kollegio hieselbst ist dem Eigentümer Friedrich Schulz über das von dem Particulier Moldenhauer zu Neustrelitz laut Contrakts vom 1. März 1859 für 2500 Courant gekaufte, in Carwitz belegene vormalige Freischulzenhaus c.p. nachstehender Hausbrief erteilt worden: der Eigentümer Friedrich Schulz soll berechtigt sein, das vorgedachte Haus nebst Ställen und den unzertrennlichen Pertinenzen als: 1. der Haus- und Hofstelle von 76 Quadrat-Ruten2 2. den beiden Gärten und der Wörde hinter dem Hause zusammen von 1393 qr 3. der an die Wörde stoßenden Wiese von 443 qr 4. den beiden im Zansen See befindlichen Inseln a) dem Bullenwerder von 585 qr b) dem Steinwerder von 484 qr zusammen 2981 qr 5. der Rohrwerbung hinter der Wörde 6. die Fischerei auf demjenigen Teile des Carwitzer Sees und unter denjenigen Bestimmungen, welche vor dem Amte Feldberg ad protocollum vom 29. Dezember 1801 festgesetzt worden, mit der Befugnis, den Graben aus dem Santzow ((? = Zantzen )) in den Dreetzer See allein zuzustellen, ohne jedoch Wehren in demselben anlegen zu dürfen, in Grundlage des Bestätigungsbriefes von 19. Februar 1853 eigentümlich zu besitzen und zu nutzen, wobei aber die Jagd auf den bis Ländereien vorbehalten und bedungen ist, dass der Eigentümer dieses Haus keine neuen Wohnungen in demselben anlegen darf. Dagegen muss von diesem Hause nebst Zubehör ein jährliches Grundgeld von zwei Thalern Courant... Mit dem üblichen Quittungsgelde an die Reservaten-Kasse, oder wohin es sonst angewiesen wird, prompt bezahlt werden. Außerdem müssen von diesem Hause resp. von den Besitzern desselben alle öffentlichen kommunal- und sonstigen Abgaben und Lasten, nicht minder die Kirchen-Pfarr- und Küster-Abgaben und Dienste, wie sie durch Edikte, Verordnungen oder Herkommen bereits bestehende, und resp. entweder verkündiget oder nötigen Falls durch das Amt werden repartieret und führen dies Grundstück bestimmt werden, unweigerlich bezahlt getragen und geleistet werden...“
- "Haus Nr. 18 in Carwitz
Zusatz zum Bestätigungsbrief vom 27. Oktober 1872 Auf Grund der deutschen Maß- und Gewichtsordnung und des Reichsmünzgesetzes, sowie in Folge desfallsiger Vereinbarung mit dem Besitzer des Hauses Nr. 18 in Carwitz, dem Holzwächter Behrends kommen sind der Flächeninhalt der Pertinentien des Grundstücks und die dasselbe belastenden Abgaben in nachstehende Art umgewandelt und festgestellt. " ((Es folgen die in Quadratmetern umgerechneten Flächen des Freischulzenhofes von 1859.)) " 2. davon ist ein jährliches Grundgeld von sechs - 6 - Mark mit dem üblichen Quittungsgelde an die Reservatenkasse des Großherzoglichen Amts Feldberg oder wohin es sonst angewiesen wird, zu bezahlen." ((Es folgen Bestimmungen zu einer aus einem Teile des früheren Pfarrgehöftes in Carwitz gebildeten Erbpachtstelle I.B. § 1 legt die Vermessung des Grundstückes fest)) " § 2 der g. Behrends hat das Recht der Mitbenutzung der Trift zum Lucin-See zum Tränken seines Viehes. Sonstige Gerechtigkeiten an den Seen von Carwitz stehen ihm nicht zu. Er hat ferner mit den Besitzer der Erbpachtstelle I.A gemeinschaftlich einen Ackerbestellungsweg so lang wie die Stellen sind, in einer Breite von - zwei und einhalb - 2 1/2 Meter und zwar jeder zur Hälfte von seinem Acker herzugeben und zu unterhalten. Die Jagd auf der Erbpachtstelle wird reserviert ((bedeutet was?)), und hat g. Behrends für Wildschaden keine Ansprüche zu erheben. ((s. dazu (1 S.21- 23).. § 3 betrifft Gebäude, Wohnungen und deren Verfügung)) " § 4 der Besitzer hat gegen die Kommüne, die Kirche, sowie die Küsterei zu Carwitz und gegen die Pfarre zu Feldberg den vierten Teil aller derjenigen Verpflichtungen zu übernehmen und zu leisten, wie sie ein Bauer in Carwitz hat oder nach ergehenden Bestimmungen und Verordnungen künftig haben wird; namentlich hat er das Messkorn an den Pastor in Feldberg und den Küster in Carwitz wie ein Carwitzer Bauer zum vierten Teile zu leisten und abzutragen. Auch hat er den vierten Teil der Hand - und Spanndienste bei den Bauten und Reparaturen der Kirche, des Kirchhofes, des Witwen-, Küster- und Schulenhauses zu Carwitz, sowie bei dem bestehenden Pfarrgehöft in Feldberg wie ein Carwitzer Bauer zu leisten und unterwirft sich hinsichtlich dieser Leistungen der Repartition des Großherzoglichen Amtes Feldberg. Ebenso hat er zur Besserung der über das Carwitzer Feld führenden Wege und der Dorfstraße, sowie event. zum Dämmen der letzteren, sowie zur Herstellung und Erhaltung der nöthigen Brücken nach demselben Verhältnisse beizutragen. Er hat auch auf Verlangen den Schulzen- und andre Gemeindedienste zu übernehmen, ersteren gegen die von dem Großherzoglichen Kammer- und Forst-Kollegio zu bestimmende Renumeration. Dem Abdeckereizwange für Carwitz ist er unterworfen. Er hat auch dem bei einer eventuellen Versetzung des Küsters in Carwitz verbleibenden Schulmeister den vierten Teil desjenigen zu prästiren, was ein Carwitzer Bauern leistet oder leisten wird. Seinen Grenznachbaren hat er stets die nach Vorschrift des Amtes nöthige Vorfluth zu verschaffen. § 5 der g. Behrends erhält weder Brennholz für sich, oder seine etwaigen Einlieger, noch Bauholz oder sonstige Materialien. § 6 der Besitzer unterwirft sich allen polizeilichen und administrativen Ordnungen und Anordnungen, welche über die Kommüne, die Schule und die Armenpflege von Carwitz bestehen oder noch erlassen werden sollten. § 7 von diesem Grundstück ist von Johannis 1877 ab alljährlich ein Grundgeld von zwölf - 12 - Mark zu entrichten. Dasselbe wird in halbjährlichen Raten zu Michaelis und Ostern mit dem üblichen Quittungsgebühren an die Reservatenkasse des Amtes Feldberg oder wohin es sonst verlangt wird, frei bezahlt § 8 das Grundgeld und alle sonstigen Abgaben, welche der Besitzer erbbrieflich zu entrichten hat, unterliegen dem Exekutionszwange des Großherzoglichen Kammer- und Forst-Kollegii resp. des Großherzoglichen Amtes Feldberg. Neustrelitz, den 21. August 1877 „
Testament des Gastwirtes „Zum Krug“ August Utnehmer 1916 („de Kröger“) „Großherzogliches Amtsgericht Feldberg Carwitz, 21. Juni 1916 gegenwärtig: Amtsrichter Dr. Weber als Richter, Gerichtsaktuar Renter als Gerichtsschreiber
auf den Antrag des Krügers August Utnehmer in Carwitz sein Testament in seiner Wohnung aufzunehmen, begaben die Unterzeichneten sich heute in die in Carwitz gelegene Krugwirtschaft des Antragstellers. Sie trafen dort in einem zu ebener Erde nach dem Hofe hinaus belegenen Schlafraum einen älteren Mann im Bette liegend an, der auf Befragen des Richters erklärte, dass er der Krüger August Utnehmer sei und ein Testament errichten wolle. Die Persönlichkeit des Erblassers ist dem Gerichtsschreiber persönlich bekannt und wurde durch diesen auch dem Richter vorgestellt. Der Krüger August Utnehmer war offensichtlich krank, die Unterredung mit ihm ergab aber seine zweifellose Geschäftsfähigkeit. Er erklärte seinen letzten Willen mündlich wie folgt: § 1 als Erben setze ich
- -meine Ehefrau Ida Utnehmer geb.Brüggemann zu 1/4 und
- -meine beiden Kinder Paul und Elisabeth Utnehmer zu je 3/8 ein.
§ 2 der Nachlass besteht im Wesentlichen aus dem Kruggehöft eingetragen im Grundbuch von Carwitz Blatt 26. Ich bestimme über die Auseinandersetzung, dass mein Sohn Paul dieses Kruggehöft mit allen darauf ruhenden Rechten und Lasten übernehmen soll, insbesondere also auch die darauf ruhenden Eigentümergrundschulden Fol. 1 bis 3 im Gesamtbetrage von 2700 Mark. Dafür hat er meine Frau und meine Tochter Elisabeth in der in den folgenden Paragrafen bestimmten Art abzufinden. Außerdem hat er als Alleinschuldner eine Schuld aus Darlehn von 2700 Mark, die für die Wirtschaft bei dem Vorschussverein im Feldberg aufgenommen worden sind, zu übernehmen. § 3 meine Ehefrau Ida geb. Brüggemann soll zur Abfindung von meinem Sohn ein in das Grundbuch eingetragenes Altenteil aus der Wirtschaft erhalten und zwar:
- -400 Mark jährlich bar,
- -die für ihren persönlichen Bedarf erforderlichen Kartoffeln,
- -wöchentlich ein Pfund Butter,
- -täglich einen Liter Milch und ein Pfund Brot,
- -jährlich ein Schwein von 2 1/2 Zentnern Lebendgewicht,
- -und endlich freie Wohnung in den beiden Zimmern hinter der Krugstube.
- Sollte meine Frau aus irgendwelchen Gründen nicht die Altenteilwohnung und die ihr ausgesetzten Naturalien in Anspruch nehmen wollen, so soll es ihr freistehen, statt dieser Leistungen weitere 400 Mark jährlich von meinem Sohn zu verlangen. Auch dies soll in das Grundbuch eingetragen werden.
§ 4 an meine Tochter Elisabeth soll mein Sohn 5000 Mark zur Abfindung aus dem Nachlass zahlen. Diese Erbschaftsforderung soll in das Grundbuch eingetragen werden und bis zu ihrer Heirat oder bis zum Tode der Mutter unverzinslich, dagegen von den bezeichneten Zeitpunkten an mit 4 v. H. in den landesüblichen Terminen verzinslich sein. Die Kündigung der Forderung ist bis zu ihrer Heirat oder dem Tode ihrer Mutter unzulässig, dagegen könnte sie von da an zu den landesüblichen Terminen erfolgen, frühestens aber zum zweiten Termin nach der Heirat bzw. dem Tode der Mutter. Außerdem soll mein Sohn persönlich verpflichtet sein, seiner Schwester Elisabeth im Falle ihrer Verheiratung eine Aussteuer im Werte von mindestens 2000 Mark aus dem Nachlass zu geben. Dies Protokoll wurde vorgelesen, von dem Erblasser genehmigt und von ihm eigenhändig unterschrieben. gez. A. Utnehmer geschlossen gez. Weber Amtsrichter gez. Renter Aktuar“
Hullerbusch = Holunderbusch. Der Holunder wurde in der nordischen Mythologie als Baum des Lebens betrachtet. Er wurde von der Göttin Freyja verehrt und brachte Wohlstand und Glück. Er wurde im Mittelalter auch als Tor zur Unterwelt gesehen. Hullerbusch-Bauernhof: Dr. med. Horst Rügler (Amtsarzt, Spechtstr. 5 in 1000 Berlin 33 Dahlem) übergab Frau Christa Schönfeld am 21.8.1992 die von ihm niedergeschriebene Geschichte des Hofes. Er schrieb sie als Schüler 1937 auf. Die Geschichte und Karte des Vermessungsamtes liegen als Kopien in den Unterlagen von Christa Schönfeld. (s. 12 u. 19)
- „Der Hof
dem Bauern Christian Schulz gehörte nach seinem Grundbrief vom 30. 6.1832 ein Hof "auf der Bleiche" in Carwitz. Als dieser durch einen Brand vernichtet und die Flur neue reguliert wurde, bat er das großherzogliche Kollegium durch das Amt Feldberg am 11.4.1845 um die Erlaubnis, sein Gehöft auf seiner demnächstiegen Hufe am Hullerbusch neu aufzubauen, was ihm vier Tage darauf zugebilligt wurde. Dem Förster wurde aufgegeben, diesen Teil des Hullerbusches sofort vom Holze räumen zulassen, und der Bau des Gehöftes konnte beginnen. Er starb jedoch schon kurz darauf, und seine Witwe, eine geborene Hartwig, übergab am 27.2.1847 dem ältesten Sohn Johann Schulz, der am 21.3.1818 in Carwitz geboren war, den Hof. Mit seiner Ehefrau, Dorothea, geborene Köller, hatte er acht Kinder. Im Jahre 1887 übergab er dem ältesten Sohn Wilhelm Schulz die Wirtschaft, die dieser am 4.8.1913 an Wilhelm Strasen verkaufte, der am 8.2.1856 in Mechow geboren und bis dahin Meister am Dolgener Teerofen war. Von diesem erwarb der Landwirt Arno Troche den Hof, der nach dessen Tode, am 25.4.1931, in Konkurs ging, sodass ihn Wilhelm Strasen zurücknahm, um ihn am 14. 07. 1932 an meinen Großvater, Wilhelm Hasse, zu verkaufen. Nachdem dieser am 30.5.1935 gestorben war, wurde am 6.3.1937 meine Mutter, Martha Rügler, Erbin."
Nach dem 2. Weltkrieg wurde der Hof vom ehemaligen Pächter oder Besitzer des über 20 ha großen Hofes Wiesenthal bei Zierke / Neustrelitz übernommen. Dieser Bauer Schäfer betrieb dort Gemüseanbau - vielen Flüchtlingsfrauen wurde dadurch in der schweren Zeit nach dem Kriege geholfen. Bald ging aber auch er in den Westen.
„In Hullerbusch wurde 1904 das Jagdschlösschen des bankrotten Gutsherrn von Wittenhagen abgerissen. Der neue Eigentümer, der ehemalige Schutztruppenoffizier3 Meike, baute es – nach Osten versetzt – wieder auf. Interessant ist, dass dabei die wertvollen ausländischen Hölzer mit Wurzelballen herausgenommen wurden. Meike fiel übrigens im hohen Alter noch im ersten Weltkrieg.“
- Vor dem Umbau zum Hotel
Der Großvater von Christa Schönfeld, Wilhelm Strasen, kaufte 1913 das Bauerngehöft Hullerbusch, ca. 200 Morgen Land. Das ist die jetzige Schäferei. (s. Interview Schönfeld) Die Kahnfähre über den Schmalen Luzin an der ehemaligen Gaststätte „Luzinhalle“ soll seit 1907 existieren.
- „uralte“ Luzinhalle
- Hullerbusch Bauernhof 1925 Meckl. Strel. Vermessungsamt
- Blick auf Carwitz vor 125 Jahren
- Blick über die Luzinhalle auf das Schmal
Krüselin: die alte Dorfstelle der deutschen Ostkolonisation, heute Wüstenei Krüselin – wurde 1945 endgültig zerstört, da sich Letten-SS oder Hitlerjugend dort verschanzt hatten; die Grundmauern wurden nach 1990 aufgefrischt. Seit Anfang des 20. Jahrhunderts war dort eine Revierförsterei und beherbergte auch drei Waldarbeitergehöfte.
- Unter der zum Gedenken an den Sohn des Försters gepflanzten Silberlinde steht der Stein
- (Hartmannsweilerkopf liegt im Elsass)
Eine uralte Wassermühle steht am Ausfluss des Sees Krüselin. Jenseits des Baches liegt Brandenburg. Die Geschichte dieser Wassermühle mit dem Streit um ihren Besitz und die damit verbundenen Einnahmen ist interessant und erheiternd. (Siehe Abschnitte Tilemannus Stella von Siegen 1575-78, „Bericht von den Landtgrentzen ...“ im Anhang) Die Wassermühle ist heute eine Ferienpension. Es gibt noch mehrere Ferienhäuser. Die Gaststätte liegt sehr schön am See.
6. Weimarer Republik und Nationalsozialismus / 1919 - 1945:
Die vier Interviews mit Christa Schönfeld, Ehepaar Hildegard und Otto Schulz, Ehepaar Ursula und Kurt Güldner, sowie Erna Morach, geb. Güldner, in den Jahren 2005-2008 spiegeln die Verhältnisse in der Landwirtschaft, den Handwerken und insbesondere auch die Schulbildung, in dieser Zeit wider.
Christa Schönfeld (1921-2009), Carwitz, Dorfstr.78 erzählte 2005 bei mehreren Zusammenkünften: Ihr Urgroßvater Brüggemann hatte den Krug (die jetzt geschlossene Gastwirtschaft) 1826 gekauft. Seitdem war er im Besitz der Familie. Der Großvater August Utnehmer heiratete Ida Brüggemann und übernahm „de Krog“, seitdem war er „de Kröger“. Er starb 1916 und ihr Vater Paul Utnehmer übernahm den Krug.4 Vor dem 2. Weltkriege hatte Carwitz ca. 280 – 300 Einwohner. Man unterschied das untere vom oberen Dorf. So gab es „de unnerdörpchen un de boomdörpchen“ - die Unter- und die Oberdörfler. Boomdörp = Dorf mit großen alten Bäumen um die Kirche herum Der älteste Hof (früher Familie Benzin), der seit dem 30-jährigen Krieg bestehen soll, gehört der jetzigen Familie Juhl, Dorfstr. 66. Es ist das Restaurant mit dem Eisstand und dem Straßenkiosk.
- Der Krog vor 1906
Während die Wohnhäuser im 19. Jahrhundert meist schon mit Ziegeln gedeckt waren, waren die Scheunen noch mit Rohr gedeckt. 1926 brannte die Scheune von Schönfelds ab (Dorfstr.78, später Kratochwil). Durch den Funkenflug über die Straße hinweg wurden auch die Scheunen vom Pfarrhof und vom Hof Dreiseidel angezündet und brannten ab. Da drei Scheunen abgebrannt waren, wurde auf dem Bollenwerder ein kleiner Stall für die dort weidenden Kühe gebaut.
Das wirtschaftlich genutzte Land, die Äcker gehörten alle dem Großherzog. Die Bauern hatten es gepachtet, als Erbpacht. Nur der Freischulze besaß eigenes Land. Die Höfe und der Hausgarten, „de Woerde“, gehörten aber schon länger dem Hofbesitzer. Erst nach der Enteignung der Fürsten 1919 konnten die Bauern in den 20er und 30er Jahren das Land ziemlich günstig nach und nach vom Staat kaufen. So hat „de Kröger“ Paul Utnehmer sein Land damals im Tausch gegen eine für die Gastwirtschaft bestehende „Gerechtsamkeit“, die in Holzlieferungen der Forst bestand, ablösen lassen.
- Paul Utnehmer mit Sohn Joachim bringen einen Feriengast zum Bahnhof
In Carwitz gab es in den 20er und 30er Jahren 3 Vereine: Der Schützenverein, der Geselligkeitsverein und der Gesangsverein. Die Krogwirtschaft hat die Vereinsfeste betreut. Das waren reine Männervereine, Frauen waren nur bei den Festen dabei. In den Hullerbusch-Wald, hinter dem jetzigen Ferienhotel, wurden Bänke, Tischplatten auf Böcken und Zelte gebracht. Der Krog wurde mit Mecklenburger Fahnen und Girlanden geschmückt. Wenn sich alle versammelt hatten, zog der Schützenverein hinaus zum Hullerbusch. „De Kröger“ Paul Utnehmer half Muttern mit einem kleinen Schubs auf den Pferdewagen und fuhr hinterher. Angekommen zapfte er ein großes Fass Bier an und schenkte aus. Die Frau des Krögers kochte auf einem eisernen Dreifuß über Holzfeuer in einem Kessel den Kaffee. Bäcker Schulz hatte Pfannkuchen gebacken. Die Männer tranken mehr Bier und Cognac. Auf Schießscheiben wurde dann auch noch geschossen. Am Abend, nachdem das Vieh versorgt war, gab es dann großen Tanz im Krog bis frühmorgens um 6 Uhr. Wenn es zu laut wurde oder Raufereien begannen, wurden die Unruhstifter vom kraftvollen Kröger sehr schnell an die frische Luft gesetzt. Manchmal gab es auch Lehrer oder andere Interessierte, die vor allem zu Weihnachten Theaterspiele organisierten. Es waren Märchen oder die Texte wurden selbst verfasst. Auch die Kostüme wurden selbst genäht oder geklebt. Alle Darsteller waren aus Carwitz. Feldberger oder andere Auswärtige kamen dafür nicht infrage Ich war mal die Großmutter im Märchen „Rotkäppchen“. Da ich das Taschentuch verloren hatte, trocknete ich mir die Tränen demonstrativ mit meiner Trägerschürze ab. Dafür bekam ich stürmischen Applaus. Malermeister Schmidt, der Vater von Ursula Barthels, hat aus 32 Volksliedern ein Theaterstück zusammengestellt. Er konnte nicht singen, sie auch nicht. Aber das hat er wunderbar gemacht. Er wandert in die Ferne und kommt erst nach Jahren zurück. Da ist seine ehemalige Geliebte entgegen dem Schwur beim Abschied, unglücklich mit einem Gärtner verheiratet. Ich spielte ihr kleines Mädchen. Sie schaut am Gartentor mit tränenumflortem Blick in die Ferne und denkt dabei an ihren früheren Schatz. Wo ist er wohl jetzt? Der tritt unerkannt auf sie zu mit den Worten: „Warum weinst du holde Gärtnersfrau, weinst du um das Veilchen Dunkelblau?“ So setzte er die Liedtexte dann aneinander. Mit der Machtübernahme durch die Nazis wurden die Vereine alle aufgelöst oder gleichgeschaltet und die Feste fanden nicht mehr statt. Sie entsprachen nicht mehr den Vorstellungen vom „völkischen Brauchtum“.
- Foto von Christa Schönfeld hinterm Krog mit Keglern
- re. außen mit Kegelkugel = Paul Utnehmer, der mit weißem Schnauzbart und Hut ist sein Vater August Utnehmer, li. mit dem Arm auf der halben Wand = Ida Utnehmer seine Frau.
Christa Schönfeld: „Aufgewachsen bin ich im Krog. Ostern 1928 kam ich mit 8 weiteren Kindern in die einklassige Schule in Carwitz. (heute wohnt dort Fr. Deuß, Dorfstraße 74) Sie hatte 8 Klassenstufen, insgesamt hatte die Schule 54 Kinder in dem einen Raum. Ich hab’ geheult, ich wollte nicht in die Schule gehen. Die ABC-Schützen saßen vorn in der ersten Reihe. Einziger Lehrer war „Köster“ Heiy, der später nach Weisdin versetzt wurde. Der Lehrer wurde „de Köster“ genannt, obwohl er das zu dieser Zeit schon nicht mehr war. Trotzdem spielte er am Sonntag zum Gottesdienst die Orgel. „De Glöckner“ Schmidt läutete dreimal am Tage die „Bädglock“ - 7.00, 12.00 und 18.00 -. Auch den Sonntag hat er eingeläutet und danach die Orgel getreten. Nebenbei hat „de Glöckner“ noch die beiden Friedhöfe gepflegt. „Erzogen“ wurde mit dem Rohrstock. „Wenn ich beim 2. Male beim Schwatzen ertappt wurde, musste ich nach vorn kommen, die flachen Hände vorstrecken und bekam dann mit dem Rohrstock paar übergebrettert, das hat gezogen! Na, den Jungs wurde mit dem Rohrstock regelrecht der Hintern verprügelt. Bestimmt über ein halbes Jahr hat es gedauert, bis ich mich an die Schule gewöhnt hatte. Ich fragte mich immer, warum fragt „de Köster“ nicht die älteren Kinder, wenn er was wissen will? Weil ich nicht lesen und schreiben wollte, gab mir Mutter so nach einem halben Jahr im November paar ordentliche Ohrfeigen. Von diesem Abend an konnte ich plötzlich lesen und schreiben. Ich hatte ja eine gute Auffassungsgabe, obwohl ich eigentlich ein Phlegmatiker war. Was ich nicht mochte, mochte ich nicht. Der Nachfolger, Herr Neckritz, kam aus Brohm einem Gutsarbeiterdorf. Er trug braune SA-Uniform. Frühmorgens mussten wir ihn alle mit ausgestrecktem rechtem Arm und „Heil Hitler“ begrüßen. Da ich gut in Orthographie war, musste ich die Diktate der jüngeren Schüler mit Bleistift korrigieren und er schrieb das dann mit roter Tinte nach und setzte sein „N„ darunter. Er war sehr nervös und den Anforderungen einer großen Dorfschule nicht gewachsen. Oft reagierte er unüberlegt und ungehalten. So ging ihm mal das ständige „Heil Hitler“ - „Heil Hitler“ so auf die Nerven, dass er missmutig sagte „Ihr wisst ja gar nicht, was ihr sagt, da könnt ihr auch „Heil Moskau“ sagen. Der „Dorfrat“, den es zwar nicht gab, den aber die interessierten Männer des Dorfes am Stammtisch des Krogs bildeten, veranlasste darauf, dass er auf eine andere Schule versetzt wurde. Der Nachfolger war Lehrer Schwoch. Das war ein noch größerer Nazi. Der bespitzelte alle und wurde später „Blockleiter“ des Dorfes. Er hat meinen Vater angezeigt, weil er die Urlauber noch nach der Sperrstunde - 23 Uhr - bei sich im Krog sitzen ließ.
- 1928 Carwitzer Schulklasse mit Lehrer …
- (vor der Schule Dorfstr. 74. Das einzige „Umgebindehaus“ in Carwitz)
1936 wurde ich an Palmsonntag konfirmiert und aus der Schule entlassen. Der Lehrer empfahl meinem Vater, mich aufs Lyzeum in Neustrelitz zu schicken. Aber das konnte sich mein Vater finanziell nicht leisten. Ich blieb dann zu Hause, erlernte keinen Beruf, half im Hause und in der Gastwirtschaft. Mein späterer Mann, Siegfried Schönfeld, kam aufs Carolinum in Neustrelitz. Er war auch hier in Carwitz geboren und ging die ersten Jahre hier zur Schule. Seine Tante, eine vermögende Oberin in Eutin, hat ihm das Gymnasium bezahlt. Sie hat ihn dann noch auf die NAPOLA (Nationalpolitische Anstalt) in Plöhn geholt. Da hatte er eine furchtbar harte Ausbildung. Im Kriege waren die jungen Männer alle in der Wehrmacht. Fremdarbeiter und Kriegsgefangene - Polen, Franzosen, Russen - waren den Bauernwirtschaften zugeteilt worden. Da kam es dann öfter mit den Mädchen oder jungen Frauen zu Liebesbeziehungen, die dramatische Folgen haben konnten. So beantragte 1943 der „Blockleiter“ und Lehrer Schwoch, dass ein Pole gehängt werden solle, weil er ein Verhältnis mit einem Dienstmädchen (von Köllers) hatte. Das konnten der besagte „Dorfrat“ der engagierten älteren Bauern, beim Dorfvorsteher Schmidt (Bürgermeister gab es damals nicht) aber verhindern, indem er das Gerücht als nicht wahrheitsgemäß bezeichnete und den Polen versetzen ließ.“5
„Ende April 1945 kamen zu uns nach Carwitz Lettische SS, Freiwilligen-SS. Wir waren schon vorher mit Pferden und Wagen in den Wald, hinter der damaligen Dorfstelle Krüselin, geflüchtet. Das Vieh hatten wir aber in den Ställen lassen müssen. Da bin ich mit dem Fahrrad noch mal hingefahren und habe die Kühe gemolken. Ich hörte schon die Geschütze am Erddamm in Feldberg / Wittenhagen donnern. Der eine Lette hat mich händeringend angefleht, weit wegzufahren mit dem Fahrrad. Ich solle keine Rücksicht auf meine Eltern nehmen. Seiner jungen Frau sei es ganz furchtbar durch die Russen ergangen. Ich bin aber bei meinen Eltern in einer Fichtenschonung im Walde geblieben. Am 28. April kamen dann die Russen. Erst pfiffen die Kugeln über uns hinweg, da die Dorfstelle Krüselin beschossen wurde. Dort lag Lettische SS. Dann war es ½ Stunde ruhig. Auf einmal stürmten die Russen zu uns in den Wald. Ein junger Offizier sagte zu mir: „Frau komm mit“ Ich: „nein, nein, nein!“ Da kamen alle Russen auf uns zu, haben die Maschinenpistolen auf uns gehalten. Ein bei uns arbeitender polnischer Junge, der die russische Sprache verstand, sagte zu mir, dass ich mitgehen müsste, sonst würden „der Chef und die Frau“ - meine Eltern - erschossen. Ich wurde losgezerrt und war in den ersten 5 Minuten schon vergewaltigt.
Danach mussten wir aus dem Wald wieder zurück nach Carwitz. Auf dem Weg nach Laeven wälzte sich eine unvorstellbare Menge von Panzern, LKW’s, Pferdewagen, Fußsoldaten auf dem Vormarsch nach Berlin entlang. Damals gab es noch keine befestigten Chausseen. Vielen von uns wurden die Koffer oder sonstige Gepäckstücke, die wir retten wollten, weggenommen und auf die Lastwagen geworfen. Später haben wir noch gelacht, weil einige Frauen ihren Mann beschimpften: „Fritz was bist du dämlich, dass du dir den Koffer hast wegnehmen lassen.“ Was sollte er denn anders tun? Es hat lange gedauert, bis wir wieder zu Hause waren. Der Hof war voller Russen, die dauernd wechselten. Sie konnten sich nur kurz bei uns ausruhen. Ich habe mich tagelang auf dem Stallboden hinter Strohballen versteckt, bin dort auch nicht gefunden worden. Meine Mutter wurde noch mehrfach vergewaltigt. Eine Familie Dr. Horn, eine Frau und ihre beiden Söhne, kam aus Feldberg und wollte sich unten am Ufer des Schmalen Luzins vergiften. Bei der Frau und einem Sohn hat es geklappt. Das Schlimmste aber war, dass die Frau in ihrem Todeskampf noch vergewaltigt worden ist. So lag sie da, so hat man sie gefunden. Den Ehemann, er war Rechtsanwalt, hat man durch Feldberg geschleift. Er ist nach Russland deportiert worden, aber später wieder zurückgekommen. Er stammte aus dem Westen Deutschlands. Der andere Sohn Peter Horn (12) ist bei Frau Kratochwil untergekommen und dann im Herbst schon nach Westdeutschland gegangen. Die Leichen wurden zunächst am Luzin begraben und Anfang der 50-er Jahre auf den neuen Friedhof umgebettet. Mitte Mai 1945, wir wussten nicht, dass der Krieg schon zu Ende war, haben meine jüngere Nachbarin, Christa Völkner, und ich uns wieder verstecken müssen. Da sind wir auf Brettern über „de Hals“6 auf das sumpfige Ufer geflüchtet und haben uns bei sehr schönem Wetter dort versteckt. Mein Vater hatte mir unter einer Dachgaube ein Versteck gebaut. Die Christa Völkner wurde aber in ihrem Haus unter dem Bett hervorgezerrt und 7 oder 8 Mann haben sich dann über sie hergemacht. Mutter und Oma waren mit bei. Ein 2. Strohsack wurde in mein Versteck noch hineingezwängt. Fast täglich wurde das ganze Haus vom Keller bis zum Boden durchsucht. Es war furchtbar. Ich habe eine Eisenstange neben mich gelegt und hätte den, der mich entdeckt, erschlagen. Das konnte ich nicht noch einmal ertragen. Dann hätten sie mich eben lieber erschießen sollen. 13 Wochen haben wir nachts in dem Versteck gelegen. Obwohl ein Nachbar, der alte K., uns verraten und den Russen gesagt hatte, dass dort 2 Mädel sind, wurden wir nicht gefunden.
Otto Schulz, (1923-2008) in Carwitz und Hildegard, geb. Rakow, (1923- ) in Thomsdorf, erzählten 2006: Otto Schulz: „Mein Vater wurde in Hasselförde 1883 geboren. Er heiratete 1909 in den Bauernhof Benzin ein. Unser jetziges Haus, Dorfstr. 90, rechts vor der Bäk, wurde von ihm gleich danach gebaut. Nach dem 1. Weltkrieg 1923 kaufte mein Vater das bis dahin gepachtete Land vom Staat, denn das Land der Fürsten war 1919 enteignet worden. Mein Großvater mütterlicherseits war auch Ortsvorsteher. Nachdem er starb übernahm meine Großmutter dieses Amt. Ja, die hatte Haare auf den Zähnen, meine Großmutter“.
Christa Schönfeld meinte zu dieser Großmutter: „Das Sagen auf den Bauernhöfen hatten die Besitzer, d.h. auch in Familienangelegenheiten sagten die Alten, wie es lang ging. So hatte die junge Familie Schulz schon 5 Söhne. Das waren nach Ansicht der alten Bäuerin, schon zu viele. So bestimmte sie als Schwiegermutter, dass das junge Paar in Zukunft getrennt zu schlafen habe“. „Otto Schulz, der jüngste Sohn, damals 5 Jahre alt, war en Dollbrägen, ne war das en Dollbrägen“. Im harten Winter 1929 starb die Großmutter. Als sie aus dem Dachgeschoss über die steile Treppe nach unten gebracht wurde, meinte Otto: „Un ehre Knochen, de habn geklöttert!“ – „und ihre Knochen, die haben geklappert“.
Otto: „Eingeschult wurde ich 1930 bei Lehrer Hey, später waren meine Lehrer Wils, Richter, Neckritz. Neckritz war ein SA-Mann, wir mussten frühmorgens mit „Heil Hitler grüßen. 1937 wurde ich in Carwitz bei Pfarrer Schwuch konfirmiert. Nach Schulabschluss der 8. Klasse lernte ich bei der Fa. Licht in Feldberg den Beruf „Maschinenschlosser“. 1941 zur Wehrmacht eingezogen kam ich ins Afrikacorps. Im Februar 1948 wurde ich aus amerikanischer Kriegsgefangenschaft, aber aus Schottland entlassen. Am 3.2.1948 war ich wieder zu Hause in Carwitz. 1949 heirateten wir. Meine Braut wohnte vorher in Thomsdorf. Um zu ihr zu kommen, musste ich über den „Hals“. Dort lag damals ein Brett über dem Bach; manchmal lag auch ein Kahn am Ufer. Erst Anfang der 50er Jahre wurde die Fußgängerbrücke gebaut. Zuerst haben meine Frau und ich nur für Kost und Logis bei meinem Vater auf dem Hof gearbeitet. Wir waren sehr gut eingerichtet in der Wirtschaft.“
Erna Morach, geb. Güldner (1921-2012) in Carwitz. wohnte 2008 in der Carwitzerstr. 617: „Die einklassige Schule besuchte ich von 1927-1935. Die älteren Schüler mussten sich um die jüngeren kümmern und deren Hefte auf Fehler kontrollieren. Ich selbst war gut im Rechnen, weshalb ich nur für die Kontrolle der Rechenaufgaben eingesetzt wurde. Lehrer waren Herr Hey und Herr Richter. Meine Schwester Susanne war mit Lore Ditzen, der „Mücke“, von Familie Hans Fallada befreundet. Wenn die Familie Fallada spazieren ging, dann kamen sie oft auf dem Wege zum Hauptmannsberg bei uns vorbei und holten Susi ab. Sie klopften an das Hoftor und riefen: “Susi komm aus deinem Husi“.
- Foto von Erna Morach
Mit 14 Jahren wurde ich in Carwitz konfirmiert. Danach ging ich jeweils für 1 Jahr als Dienstmädchen nach Rosenhof und nach Tornowhof. Danach hatte ich eine 2-jährige Wirtschaftslehre auf dem Gut Walkendorf bei Rostock. 1940 wurde ich von meinem ersten Kind, einem Jungen, entbunden. Ich lebte dann bis zu unserer Hochzeit 1947 im Elternhaus. Die Eltern hatten 1933 das Haus – rechte Ecke nach Hullerbusch, heute Dorfstr. 83 – gekauft. Dort betrieben sie eine kleine Landwirtschaft von 7 Morgen, mit 1 Kuh, paar Schweinen und Kleinvieh. Dazu hatten sie auch ständig noch Sommergäste. Da sie keine Pferde hatten, mussten sie sich von den Bauern die Äcker auf dem Bohnenwerder – „7 Stücke vor und hinter der Brücke“ – bearbeiten lassen (Pflügen, Eggen, Mähen etc.). Diese Dienstleistungen wurden dann von den Familien wieder abgearbeitet. Für meine Eltern musste ich beim Müller Schmidt die Rechnung „abarbeiten“.
1945: Die Rote Armee kam in der 2. Aprilhälfte von Wittenhagen und von Thomsdorf. Ich flüchtete mit der Letten-SS, die sich in Carwitz befand, in den Wald hinter Rosenhof. Aber nach 1 Tag ging ich bereits wieder zurück in unser Haus. Drangsalierungen o. ä. erlebte ich selbst direkt nicht. Wenn die Russen vorn hereinkamen, flüchtete ich in die Scheune hinter das Heu und Stroh. Die Russen lebten nicht im Dorf, sondern bauten sich am Weg nach Laeven Erdbunker. Die Löcher, Senken von ca. 8x4 m sieht man heute noch.“
Aus dem Interview 2008 mit Ehepaar Ursula (geb. Koch) (1931-2016) in Neuhof bei Feldberg, und Kurt Güldner, Kurt (1925-2015) in Carwitz: Kurt wurde geboren gegenüber dem Backhaus im Oberdorf. Nach 7 Jahren zogen die Eltern ins Unterdorf Nr.83, rechtes Eckhaus am Abzweig nach Hullerbusch, heutiges Restaurant „Carwitz Eck“.
„Kurt besuchte von 1932-1940 die einklassige Volksschule für die 1.-8. Klasse in Carwitz (Dorfstr. 74). Lehrer war zunächst Herr Wilz für 41 Schüler. Von den Jungen lebt außer Kurt Güldner heute (10.4.08) keiner mehr, von den Mädchen noch einige. Schulzeit im Sommer für die 3.-8. Klasse 7.00 – 12.00; für die 1. und 2. Klasse 10.00 – 12.00. Im Winter begann der Unterricht erst 8.00. Ab 1934 kam als Nachfolger Lehrer Schwoch. Dieser kam aus Mirow, war überzeugter Nationalsozialist und war als Lehrer völlig ungeeignet. Die Versetzung nach Carwitz war wohl schon eine disziplinarische Maßnahme gewesen. Er unterrichtete als überzeugter Nazi mit militärischer Dressur und Prügel. Morgengruß „Heil Hitler“. Wenn man 3 Fehler im Diktat hatte, bekam man mit dem frisch vom Kirchhof geschnittenen Zweig eines Fliederbusches Prügel, die Jungen auf den Po, die Madel auf den Buckel“. Schwoch hatte auch Fischereirecht für den Hals, den Kanal zwischen Carwitzer See und Dreetz. Dort musste Kurt Güldner immer die Fische aus dem Kasten für das Mittagessen des Lehrers holen. Die größeren Schüler wurden von 10.00 bis 12.00 mit Aufsätzen, Rechenaufgaben, Lesen etc. beschäftigt. Ulli Ditzen, der ältere Sohn von Suse und Hans Fallada, war von der 1.- 4. Klasse auch Mitschüler und Spielkamerad in dieser Dorfschule. Danach ging er nach Templin aufs Joachimsthaler Gymnasium.
- 1933, Frühjahr
- Lehrer Wils und Klasse 1.- 8. vor der Linde am Denkmal des 1. Weltkrieges
1. Reihe, 2. links Kurt Güldner, Gottlieb Rohde, Adolf Vogler, Otto Schulz, Jochen Utnehmer, Hans Rode?, Arnold Hofer 2. Reihe: 3. von links Henny Wiese, geb. Güldner, 4. Erna Morach, geb. Güldner
- Die einklassige Schule für die 1. – 4. Klasse mit 2 Lehrern wurde 1960 aufgelöst. Die Carwitzer Schüler mussten dann zuerst jeden Tag zu Fuß nach Feldberg gehen oder mit dem Rad fahren. Kurze Zeit später wurde ein Schulbus eingesetzt.
- Mit 17 Jahren wurde Kurt 1942 Flakhelfer und 1943 zur Wehrmacht eingezogen. 1945 kam er in russische Gefangenschaft und wurde mit 25 Jahren, Dezember 1950 aus der Gefangenschaft (Donezbecken) entlassen.
Ursula (damals 14) floh mit ihrer Mutter nicht mit der Letten-SS, die in Carwitz und Neuhof einquartiert war. Sie blieben auf dem Hof bei den Großeltern. „Als die Kampftruppe der Russen kam, versteckten wir uns mit dem Vieh in selbstgebauten Erdbunkern am Küstersteig zum Schmalen Luzin. Die Russen entdeckten uns hier nicht, bis wieder „normale“ Zeiten eintraten. Dadurch kam es auch in unserer Familie zu keinen Übergriffen.“ Ursula hat von diesen Tagen und wenigen Wochen bis zum Abzug der russischen Kampftruppen im Juni 1945 nur lustige, heitere Erinnerungen: so hatten wir am Küstersteig aktuell kein Wasser und wuschen uns mit Kuhmilch. Die Kühe mussten ja gemolken werden, die Milch konnte aber nicht abtransportiert werden. Die Russen erschossen alle Hühner unseres Hofes. Daraus mussten wir Suppe kochen, aber auch mitessen, damit keine heimlichen Vergiftungen erfolgen konnten. Die Frisierkommode wurde als Futterkrippe für die Pferde genommen. Ihre eigenen 2 Pferde wurden gegen alte abgearbeitete der Russen ausgetauscht. Während des Schlafes hat eine Maus ein großes Loch in meine Jacke gefressen. Die russischen Soldaten aus den unendlichen Weiten Russlands, wo es noch keine Technik gab, staunten dann auf unserem Hof, dass Wasser aus der Wand und Licht aus der Decke kamen. Ein Soldat hatte 7 Armbanduhren am Unterarm. Keine ging mehr, da er sie nicht aufgezogen hatte. Alle 7 hat er gegen eine noch laufende Uhr meiner Mutter eingetauscht. Später verlor meine Mutter, eine sonst sehr energische Frau, 3x ihre Stiefel an die Russen. Sie musste sie ausziehen und übergeben. Danach lief sie nur noch mit drei Paar übereinander gezogenen Wollsocken herum.
Auch alle Bewohner des Gutsdorfes Laeven mussten ihre Häuser verlassen, weil sich dort die Kampftruppen einquartierten. Sie zogen in verlassene Stellungen der deutschen Soldaten an der Mooskoppel.10 Die Frauen und die Kinder bestellten im Frühsommer bald wieder die Felder und ernteten später im Herbst auch. Männer gab es noch nicht wieder. Sie selbst konnte keinen Beruf erlernen.
- Dorfstraße 1932 W. Gotsmann
- Carwitz Blick auf Bohnenwerder 1936, die Veranda bei Fallada schon angebaut
- Blick aufs boomdörp und aufs unnerdörp
- mit Luzin, Hauptmannsberg, Ziegenbergen und Bohnenwerder
- Feldberg 1940
7. Fortsetzung der Interviews mit Carwitzern zum Nachkrieg und zur DDR
Am 1. Januar 1969 wurde Carwitz in die Stadt Feldberg eingemeindet. 1975 hatte Carwitz 216 Einwohner. Am 13. Juni 1999 ging Carwitz in der neu gegründeten Gemeinde Feldberger Seenlandschaft auf, nachdem die Stadt Feldberg ihre Kommunalautonomie aufgegeben hatte. 2007 hatte Carwitz 325 Einwohner. Das Dorf und das Hans-Fallada-Museum wurden im Rahmen der Städtebauförderung von 1992 bis 2007 gründlich saniert. In der Liste der Baudenkmale in Feldberger Seenlandschaft sind für Carwitz sieben Baudenkmale aufgeführt. Das Fallada-Haus mit dem Museum und dem Archiv Die Holländermühle mit Sockelgeschoss und Galerie von 1896–1937 am Südwestrand von Carwitz Die bescheidene Dorfkirche am Anger (gemeinnütziger Dorfplatz) Der Carwitzer See ist 3,95 km² groß. Am Hals befindet sich ein Wanderrastplatz und ein Campingplatz „klein und fein“ Der 5 km lange Schmale Luzin (Fläche: 1,45 km²) Der 2 km lange Dreetz (Fläche: 0,63 km²) Das Haus Dreiseidel am Kirchenanger mit seinem Krüppelwalmdach, gedeckt mit Biberschwanz-Tondachziegeln
Christa Schönfeld, geb. Utnehmer, erzählte 2005: „1945 – 1949 Nach dem Kriege waren alle Häuser und Höfe mit Flüchtlingen, Umsiedlern und Evakuierten voll belegt. Meist bewohnte eine Familie nur 1 Zimmer. Die gemeinsame Toilette war am Misthaufen auf dem Hofe. Gewaschen wurde sich nach vorangehender Absprache in der Küche. Fallada war für wenige Wochen Bürgermeister in Feldberg. Unser Bürgermeister hieß Schäfer. Er war vorher „Schweitzer“ (Melker) in Laeven gewesen. Er hat uns alle unvorstellbar traktiert und gequält. Es gab ja keine funktionierenden Gerichte. So war seiner und anderer Willkür Tür und Tor geöffnet. Besonders bestand für die Bauern das Problem der Erfüllung ihres Solls an landwirtschaftlichen Abgaben. Da kamen die Russen und sperrten für 8 oder 12 Tage meinen Vater oder andere Bauern einfach mit der Begründung ein, er habe sein Soll nicht erfüllt. Das Vieh war uns weggenommen worden, wir hatten keine Pferde mehr, der schlechte Acker mit Kies und Steinen sollte aber den gleichen Ertrag bringen wie guter Boden. Uns gehörten damals 17 Hektar am Zansen, dort wo jetzt der Wanderweg nach Hullerbusch ist. Der Steilhang galt auch als Acker und war sollpflichtig. 1951, zur Zeit der DDR, wurde mein Vater, Paul Utnehmer, der damalige „Kröger“, wegen sogenannten „Wirtschaftsvergehen“ mehrfach verhaftet und angeklagt. Er starb 1980 in Carwitz, nachdem er wegen dieser anhaltenden Repressalien 1952 nach Westberlin geflohen war. Sein Besitz wurde enteignet. Der „Krog“ wurde vom Konsum übernommen. Nach der Wende übernahm ihn ein Pächter für 1 ½ Jahre. Nach der Rückübertragung an die „Erbengemeinschaft Paul Utnehmer“ wurde das Krog-Gehöft an den jetzigen Besitzer verkauft.
Am 6. April 1945 habe ich und Siegfried Schönfeld geheiratet, eine Kriegstrauung. Siegfried war während der Ardennenoffensive am Kopf verwundet worden und hatte für einige Tage Genesungsurlaub erhalten. Das nutzten wir zur Heirat. Gleich nach der Hochzeit, am 13. April 1945, musste er wieder weg. Er kam dann in amerikanische Gefangenschaft. Später wurde er in französische Gefangenschaft übergeben und arbeitete in Südfrankreich in der Landwirtschaft. Dort habe ich ihn dann 1947 / 1948 besucht. Ich suchte mir dort auch Arbeit als Haushaltshilfe in einem Nachbardorf. Aus einem völlig verwilderten Haushalt habe ich in einem halben Jahr einen ordentlichen „deutschen“ Haushalt gestaltet. Ende 1948 sind wir gemeinsam auf getrennten Wegen nach Carwitz zurückgekehrt.11
LPG: Durch „das Soll“, d. h. die Zwangsabgabe für die Bauernwirtschaften, wurden viele mittlere und größere Höfe „devastiert“ – heruntergewirtschaftet. Diese sogenannten „devastierten“ Betriebe wurden dann von oben, von der Kreisverwaltung zwangsbewirtschaftet, d.h. der Bauer hatte überhaupt keine Verfügungsberechtigung mehr über seinen Hof, das zugehörige Land und Vieh. Kleinere Höfe verschonte man. 1959/1960 begann dann die Zwangs-Kollektivierung. Der psychologische Druck, in die LPG einzutreten, wurde immer stärker und dann zum indirekten Zwang. Die Vorteile der Kollektivierung wurden in leuchtenden Farben geschildert: Arbeitserleichterungen durch Bewirtschaftung der großen Felder mit großen Maschinen, feste Entlohnungen, Ferien. Geregelte Arbeitszeit von 8 Stunden und Ferien kannte ein Bauer ja bisher überhaupt nicht. Mit Lautsprecherwagen wurden diese Parolen in den Dörfern verkündet. In Neuhof ging eine Bäuerin nach draußen zum Lautsprecher, drehte sich rum, zog ihre Schlüpfer runter und zeigte, sich bückend, den blanken Hintern. 1960 wurde dann die LPG Typ I in Carwitz gegründet. Typ I bedeutete nur gemeinsame Feldwirtschaft. Die Viehhaltung blieb individuell. 1965 wurden dann alle Dörfer in der Nähe von Feldberg, so Neuhof, Laeven, Carwitz, Triepkendorf und Schlicht zu einer LPG Typ III zusammengefasst. Die Feld- und Viehwirtschaft wurde gemeinschaftlich betrieben.
Erna Morach erzählte 2008: 1947 heiratete sie Waldemar Morach, geb. 20.04.1919, der mit seiner Mutter aus Ostpreußen gekommen war. Sie hatten auf Rosenhof, der benachbarten Dorfstelle, eine Neubauernsiedlung von 9 ha erhalten. Im Herbst 1945 war der damalige Pächter des Rosenhofs, Panzegrau, auf Veranlassung der deutschen Behörden von den Russen verhaftet und nach Fünfeichen bei Neubrandenburg gebracht worden. Dort ist er verhungert.12 Besitzer des Rosenhofs war damals Hahn, ein Seifenfabrikant aus Berlin, der aber kaum hier war. 1946 war der Rosenhof mit Neubauern aufgesiedelt worden. 1949 wurde ihr 2. Kind, ihre Tochter (später Lehrerin) geboren. 1958 musste ihr Mann in die LPG II eintreten. 1 Pferd verkauften sie, das andere musste in die LPG mit eingebracht werden. Anfänglich konnten sie sich vom „Deputat“ noch eine Kuh halten, später reichte es nur für Schweine und Kleinvieh. 1961 begann sie selbst in der LPG zu arbeiten, um später eine Altersrente zu erhalten.13 Sie bekamen damals und auch später nach der Wende keinerlei Entschädigung für den in die LPG eingebrachten Besitz.
Ihre 9 ha Land hat sie den Enkeln übertragen. 1965 kauften sie das jetzige Haus. Sie selbst hat dann bei Ladwig im Unterdorf und in der Mosterei Dreiseidel gearbeitet. 1974-1984 haben sie das Ferienheim des Ingenieurbüros der GIESAG/Leipzig mit 28 Betten geleitet. Zu dieser Zeit und auch später hatten sie zusätzlich Sommergäste (maximal 11) in ihrem Haus und hatten dadurch ein einigermaßen stabiles Einkommen. 1984 gingen sie und ihr Mann in Rente. 1997 starb ihr Ehemann.
Otto Schulz, im Haus an der Bäk erzählte 2006: Die Wirtschaft seines Vaters war mit 54 ha recht groß. Das Land, der Acker ging vom Ufer des Schmalen Luzins rechts parallel zur Straße hinüber nach Laeven. Er hatte 5 Pferde. Aber bei Kriegsende wurde ihm alles Vieh von den durchziehenden russischen Truppen weggenommen. „Wegen Nichterfüllung des Solls seiner Wirtschaft wurde mein Vater etwa 1950, wie fast alle anderen Bauern, auch eingesperrt. In Neustrelitz wurde er mit den Worten entlassen: „Faule und träge Altbauern schert euch an die Arbeit“. Die Landwirtschaft meines Vaters wurde in dieser Zeit von den Behörden „devastiert“. Ihm wurde jegliche Verfügungsgewalt genommen. In seinem Stall standen dann 20 Kühe der LPG. Die Gülle lief direkt in den See. Später, 1955 nach der Gründung der LPG arbeitete ich in der MTS in Feldberg. Als Brigadeschlosser wurde ich in Carwitz in der Schmiede bei Friedrich Rechlin eingesetzt. Als Rudi Dreiseidel in den 60er Jahren privat die Mosterei aufbaute, betreute ich seit 1971 die Maschinentechnik.“
Ehepaar Ursula (geb.Koch) (1931-2016) und Kurt Güldner (1925-2015) erzählten 2008: Kurt konnte bedingt durch die Kriegsereignisse keinen Beruf erlernen. Er kam 1950 aus russischer Gefangenschaft und arbeitete dann ab 1950 als Forstarbeiter. Von 1958 – 1964 im Straßenbau. Als der Kinderbuchverlag das Grundstück von Suse Ditzen gekauft hatte, zogen sie 1962 ins Fallada-Haus. Dort wohnten sie in der Scheune, bis Suse Ditzen in ihr neu gebautes Holzhaus in Feldberg umzog. Dann bewohnten sie das Untergeschoss des Haupthauses. Dieses Holzhaus von Suse Ditzen in Feldberg hat Kurt Güldner als „Leiter einer Feierabendbrigade“ gebaut. In den Jahren der DDR waren die sogenannten „Feierabendbrigaden“ außerhalb der regulären Arbeitszeit auf rein privater Basis tätig. Das bedeutet, es war Schwarzarbeit, da der Lohn, das Entgelt, praktisch auf die Hand gegeben wurde. Es wurde also nicht versteuert. Teilweise wurde auch in Naturalien oder mit Mangelwaren bezahlt. „Als der Kinderbuchverlag ins Fallada-Haus zog, sollten alle Möbel vernichtet werden“. Güldners sorgten dafür, dass die Möbel in der Scheune unterm Dach abgestellt wurden So retteten sie die Sachen vor dem Feuer. 1962 – 1978 waren sie als Ehepaar Hausmeister im Betriebs-Ferienheim (Fallada-Haus) des Kinderbuchverlages. Die Ferienhütte der Familie Dörffel bauten wir in den Jahren 1974-1977 “eigenhändig“ auf.“ Kurt Güldner war Chef einer Feierabendbrigade geblieben.
- Vor Zeiten – Blick vom Hauptmannsberg
- Schmaler Luzin ca 1970, rechts Mühle
- Blick vom Südufer auf Spitze des Bohnenwerder 1978, Hintergrund Mühlberg
- Blick vom Südufer des Carwitzsees auf Fallada-Bucht vor 1934
- Vorn links Hang „Hügel 16“ mit heute noch stehendem Baum,
im Hintergrund Hauptmannsberg, rechts Fallada-Haus
- Uralter Blick vom Fallada-Garten auf heutigen Hügel 16
- mit Kirchturm, Windmühle und Stall von Otto Schulz. Der große Baum steht noch.
- Gleicher Blick heute
- Kate 1 1979
- Fallada Haus an der Bucht 1979
- Fallada Haus und Garten an der Bucht 1979
- Ca 1900
- 1979 Haus der Familie Morach noch mit Linden Dorfstr.15 (heute 61)
8. Früher „Fremdenverkehr“ in der Feldberger Seenlandschaft und in Carwitz
1830 wird „Feldberg“ als Wanderziel im Mecklenburgischen Staatskalender genannt. (18) 1850 Gründung des „Gemeinnützigen Verein für Fremdenverkehr“
Feldberg: 1935 16 000 Übernachtungen 1937 3 832 Feriengäste 1938 32 000 Übernachtungen 2025 ?
Christa Schönfeld erinnert sich: „Feriengäste kamen nach Carwitz schon seit dem Ende des 19. Jahrhunderts. Pensionen oder Hotels gab es nicht. Neben Privatzimmern logierten sie vor allem auch im Krog. In ihm gab es 2 Gastzimmer. Werbung wurde nicht gemacht. Carwitz war schon damals ein „Geheimtipp“. In den 30er Jahren wohnten im Sommer vor allem Maler und Ingenieure aus Berlin in Privatzimmern, bei Tock, Barthels, Dreiseidel, Ladwig. Die Zimmer waren einfach eingerichtet: Bett, Stuhl, Tisch, Kleiderschrank. Waschmöglichkeit, Toilette auf dem Hof oder später auf dem Flur. Für 3 Reichsmark/Person/Tag bekam man in den 20er Jahren neben dem Bett noch ein Frühstück mit Brot, Butter, 1 Ei und Honig. Vor dem 2. Weltkrieg wurden es dann 4 Reichsmark/Person/Tag. Feriengäste, die bei Kratochwill wohnten – ein Deutsch-Amerikaner mit einer Gräfin Arko – hatten Anfang der 30er Jahre den Stall auf dem Bollenwerder etwas „möbliert“ und feierten dort mit ihren Gästen „italienische Nächte“. Der dortige Stall, heute sind die Grundmauern noch vorhanden, war der aufwendig zubereitete Treffpunkt. Im Saal vom „Krog“ stellten die Maler immer ihre Gemälde zum Trocknen und evtl. Verkauf aus. Das waren damals vor allem 4 Landschaftsmaler. So hat Prof. Achtenhagen das alte Pfarrhaus mit dem großen Nussbaum daneben wunderschön gemalt. Kaiser-Eichberg aus Potsdam wohnte schon 1902 bei meiner Großmutter im „Krog“. Der war der große „Kiefernmaler“. Ein anderer Professor hat vor allem viele Wolken gemalt, das war der „Wolkenmaler“. Jeder hatte eben seinen eigenen Stil. Meier-Pyritz malte uns aber auch beim Halmaspiel. Über unsere schwarzen, mit weißer Wolle gestopften Strümpfe, die er getreulich malte, haben wir 15-jährigen Mädchen uns köstlich amüsiert. Nach dem 2. Weltkrieg wurden Anfang der 50er Jahre in Carwitz zunächst Privatzimmern vermietet, so u. a. bei Familie Dreiseidel, bei Anna Ditzen, Ursula Barthels und Familie Ladwig. Seit der Mitte der 60er Jahren kamen einzelne auf Privatgrund gebaute und ab der 70er Jahre siedlungsartig angelegte sogenannte Datschen, bzw. Bungalows sowie Betriebsferienheime hinzu. So wurden am Hügel 16 auf dem Privatbesitz von Otto Schulz von Rapoport, Meyer-Foreyt, Blume und Stratonowitsch die ersten Bungalows gebaut, in den 70er Jahren auf sogenannten Treuhand-Grundstücken entstanden unsere Katen.
Nachdem die LPG die sandigen Böden ab 1961 nicht mehr bewirtschaftete, entstanden am Südufer des Dreetz und an der Schappwasch zunächst wilde Zeltplätze. Sogar auf dem Steinwerder im Carwitzer See war jahrelang ein sehr romantisches Ferienlager. Die Abfälle, der Müll und die Toilettenkübel, sollen regelmäßig mit dem Boot nach Carwitz zur Entsorgung gebracht worden sein. Der Bau einer Bungalowsiedlung auf dem Bohnenwerder konnte durch massive Proteste u. a. durch Ruth Werner verhindert werden. Auch Bebauungspläne am Fischersteig und am Hauptmannsberg wurden nicht realisiert. Bewirtschaftete Zeltplätze entstanden an der Mühle runter zum Dreetz und „Klein aber Fein“ am Carwitzsee auf dem Privatgelände von Familie Schönfeld. Anfang der 90er Jahre wurden die heute noch bestehenden Zeltplätze legalisiert.
Ruth Werner und andere Mitarbeiter des Kinderbuchverlages lernten Carwitz durch ihre Kinder kennen, die 1951 mit ihrer Schulklasse nach Carwitz gefahren waren. Der „Geheimtipp“ sprach sich rum und so wohnten Mitarbeiter des Aufbauverlages, des Kinderbuchverlages in den 50er Jahren bei Anna Ditzen im Fallada-Haus. Sie genossen dort Annas Gastfreundschaft und ihren vorzüglichen Mittagstisch. In den 60er und 70er Jahren trafen sich mehrfach Autoren mit ihren Lektoren des Kinderbuchverlages zu „Carwitzer Gesprächen“ (nach Günther Ebert: „Vom Genius loci“ in Carwitzer Notizen, Kinderbuchverlag Berlin 1985).
Weitere mir namentlich bekannte „berühmte“ Bewohner und Feriengäste. Ohne Anspruch auf Vollständigkeit, da es noch viel mehr geben wird:
Hans Fallada, (1893-1947) Schriftsteller Rudolf Ditzen, lebte 1933–1944 in Carwitz. S. Extra-Kapitel Anna Ditzen, (1901-1990) Ehefrau von Hans Fallada, lebte 1933 bis 1965 in Carwitz, danach in Feldberg. Ruth Werner (1907-2000) Schriftstellerin Ursula Beurton, geborene Ursula Maria Kuczynski lebte seit 1952 im Sommer in verschiedenen Hütten in Carwitz. S. Extra-Kapitel. Hans Mayer-Foreyt (1916-1981), Maler und Grafiker, Mitbegründer der „Leipziger Schule“, der bedeutenden Strömung der modernen Malerei der DDR in den 70er und 80er Jahren. Lebte in den Sommermonaten in Carwitz. Harry Blume (1924-1992), Maler der Leipziger Schule lebte zeitweise in seinem Sommerhäuschen am Zugang zu unseren Katen rechts. Hans Mayer-Foreyt und Harry Blume fuhren Anfang der 60er Jahre mit ihren Studenten in die Feldberger Landschaft. Während die Studenten sich der Pleinairmalerei widmeten, saßen sie im Krog oder streiften durch die Gegend und entdeckten so den Hügel 16, auf dem sie ihre Bungalows errichteten Gabriele Meyer-Dennewitz, Grafikerin und Malerin, lebte und arbeitete von 1964, seit 1991 ganzjährig, bis zu ihrem Tode 2011 in Carwitz im Unterdorf. Frank Merker, Maler und Grafiker, lebte und arbeitete bis zu seinem Tod 2008 in Carwitz Jürgen Wittdorf, Maler und Graphiker, kaufte 1964 ein über hundert Jahre altes Fachwerkhaus in Carwitz, das er selbst sanierte und seitdem in den Sommermonaten bewohnte. Prof. Samuel Mitja Rapoport (1912-2004) österreichischer Arzt, Direktor des Instituts für Physiologische Chemie an der Charité. Prof. Inge Rapoport (1912-2017) Charité, erster europäischer Lehrstuhl für Neonatologie. Mit 102 Jahren verteidigte sie ihre Doktor-Dissertation, die ihr 1937 aufgrund der Rassegesetze verwehrt geblieben war. Ihr erster Bungalow am Zugang zu unseren Katen links, später bauten sie noch einen am Fischersteig. Ihr damaliger Badesteg ist unser jetziger von Kate 3. Charly Hübner, (*1972) Schauspieler, ist in Carwitz Feldberg als Hoteliersohn aufgewachsen. Till Lindemann, (Band Rammstein) hat ca 2020 das Grundstück des alten in den 70er Jahren abgerissenen Pfarrhauses gekauft. Dazu gehören ausgebaute Nebengebäude. Max Kaus (1891-1977), Maler, dessen Bilder von den Nazis 1937 als „entartete Kunst“ diffamiert und aus den Museen entfernt wurden.
- „Carwitz II“ 1921, Max Kaus, Blick vom Hauptmannsberg zum Bohnenwerder vor 100 Jahren.
9. Hans Fallada - Schriftstellername von Rudolf Ditzen
- (* 21.7.1893 Greifswald † 5. 2. 1947 in Berlin)
- Hans Fallada machte das Dorf Carwitz über die Grenzen Deutschlands hinaus bekannt. Die nachfolgenden kursorischen Bemerkungen können nicht seine Biografie ersetzen.
Geboren als Sohn des späteren Reichsgerichtsrates Wilhelm Ditzen und seiner Frau Elisabeth. Er hatte eine „schwierige“ Jugend mit Besuch mehrerer Gymnasien, in einem als Duell getarnten Doppelselbstmordversuch erschießt er seinen Mitschüler Hanns Dietrich von Necker in Rudolstadt, Tätigkeiten in der Landwirtschaft in Sachsen, Pommern, Mecklenburg, Alkohol- und Drogenabhängigkeit.
Fallada-Porträtkarikatur von e.o.plauen
Seit 1920 mehrere Romane ohne Erfolg. Mehrfache Unterschlagungen, wiederholte Verurteilungen zu Gefängnisstrafen bis 2 ½ Jahren. 1929 Heirat mit Anna Margarete Issel.14 Geburt der Kinder: Ulrich Ditzen *1930, von Zwillingstöchtern bleibt Lore (Mücke) am Leben *1933, sie stirbt 1951 an Sepsis in Neustrelitz15, Achim Ditzen *1940. Ernst Rowohlt, damals Annoncenwerber und Journalist, wird auf ihn schon in den zwanziger Jahren aufmerksam und unterstützt ihn finanziell. 1932 Welterfolg von „Kleiner Mann - was nun?“ mit 45 Auflagen und 20 Auslandsauflagen. In diesem Roman erzählt Hans Fallada, dass die Herzenswärme von Lämmchen und Pinneberg mit ihrem Sohn Murkel stärker ist als ihre Not und der Abstieg von Pinneberg zum hoffnungslosen Arbeitslosen. Von diesen Einnahmen kauft er sich für den damals unerhörten Preis von 11.700 Reichsmark im Juli 1933 in Carwitz die Büdnerei Nr.17, das Haus Wehrle, am Wege zum Bohnenwerder. Es war 1849 gebaut worden. „Der Verkäufer des Hauses Wehrle kam mit der Landwirtschaft und dem Versuch eines Cafes nicht zurecht. (18 S. 265)
So soll Fallada das Haus 1933 übernommen haben. Die Partie zum See ist unrealistisch.
So sah vor 1930 die „Fallada-Bucht“ mit Wehrle vom heutigen Hügel 16 aus
Hier lebte und arbeitete er zwischen 1933 und 1944. Nach der Trennung von Mummi, seiner ersten Frau, lebte er mit seiner zweiten Frau, Ursula Losch, in Feldberg bis Anfang 1946. In Carwitz zog er sich nach Drangsalierungen durch das nationalsozialistische Regime in die „innere Emigration“ zurück. Er konnte sich nicht entschließen Nazideutschland zu verlassen. Trotzdem hatte er eine glückliche, produktive Zeit. In diesen Jahren entstanden 17 Romane, u.a. „Wer einmal aus dem Blechnapf frisst“ (1934), „Wir hatten mal ein Kind“ (1934), „Wolf unter Wölfen“ (1937), „Der eiserne Gustav“ (1938), „Damals bei uns daheim“ (1941), „Heute bei uns zu Haus“ (1943). Letzteres beschreibt mit erzählerischer Freiheit sehr amüsant die Jahre mit seiner Familie in Carwitz. Neben Unterhaltungsromanen schreibt er mit großer Fabulierkunst auch heute noch lesenswerte Kinderbücher, „Geschichten aus der Murkelei“ (1938), „Fridolin der freche Dachs“ (1944). Das Verhältnis zu den Dorfbewohnern ist meist getrübt: „... was man aus Neid, Hass und Übelwollen heute auszuhalten hat, wenn man wie ich auf dem Präsentierteller sitzt und weit und breit kein Mensch ähnlicher Denkungs- und Arbeitsart ...“ (15) Alkoholismus, Drogenabhängigkeit führen zum Zerwürfnis mit Mummi und es kommt zum Gebrauch einer Schusswaffe. Daraufhin erfolgt die Zwangseinweisung in die Landesnervenheilanstalt Alt-Strelitz. Hier schreibt er „Der Trinker“ auf bereits bedrucktem Papier zwischen den Zeilen auf. Die Erzählung seiner eigenen Problematik wird erst posthum 1950 veröffentlicht. Danach fortbestehende Dogenabhängigkeit gemeinsam mit seiner 2. Frau Ursula Losch in Feldberg, wo er auch das Ende des 2. Weltkrieges erlebt. Kurzzeitig wird er von den Sowjets als Bürgermeister von Feldberg eingesetzt.
Mit Unterstützung von Johannes R. Becher siedelt er nach Berlin-Niederschönhausen über. Von ihm bekommt er Unterlagen zum Ehepaar Elise und Otto Hampel. Ende 1946 schreibt er über den isolierten Widerstand dieses Ehepaars zur Diktatur des Nationalsozialismus seinen letzten Roman in knapp 4 Wochen: „Jeder stirbt für sich allein“.
Fallada stirbt am 5. Februar 1947. 1981 wird die Urne Hans Falladas vom Park-Friedhof Berlin-Pankow zur Grab- und Gedenkstätte auf dem alten Dorffriedhof in Carwitz überführt. Auch seine Suse, seine Tochter Mücke und seine Mutter sind hier begraben. Der DEFA-Spielfilm „Fallada – Letztes Kapitel“ (Regie: Roland Gräf, 1988) wurde zu großen Teilen in Carwitz gedreht. 1965 kaufte der Berliner Kinderbuchverlag, damaliger Leiter Günther Schmidt, von Anna Ditzen das Grundstück. Sie konnte das große Gehöft allein nicht mehr bewirtschaften. Damit war Anna Ditzen die Sorge genommen, dass ein völlig „Fremder“ das Haus übernehmen und das „Früher“ auslöschen könne. Vermittler waren Ruth Werner und Fred Rodrian, (15, S.65)
Nach dem Umbruch wollte die Treuhand 1992 das Grundstück an Privatleute verkaufen. Es ist einem glücklichen Zufall zu verdanken, dass das verhindert werden konnte. Die Hans-Fallada-Gesellschaft betreibt im Haus und auf dem gesamten Anwesen ein lebendiges Museum, das von der Bundesregierung als „Kultureller Gedächtnisort von nationaler Bedeutung“ zertifiziert ist. Das Arbeitszimmer von Hans Fallada ist mit originalem Mobiliar wiederhergestellt worden. Auch in der Veranda, dem Esszimmer – beides in originaler Ausstattung – und im Raum “Hans Fallada. Leben und Werk“ kann man hautnah sein facettenreiches und umfangreiches Leben bestaunen, wie verschlungen und ambivalent seine Biografie ist. Das 15.000 m² große Anwesen am Carwitz See ist wunderbar angelegt, das Dreieckbeet ist original bepflanzt, das Bienenhaus denkmalgerecht saniert, das Bootshaus originalgetreu nachgebaut, seine Streuobstwiese und die „Sitzecke am Seeufer“ können gefühlsmäßig nachempfunden werden. Fallada war auch ein versierter Landwirt. 2000 wurden die Räumlichkeiten der „Scheune“ auf dem Fallada-Hof übergeben. Die Sanierung lief seit 1996. Allein für die Scheune wurden 1 Mill. DM investiert. Der große Raum wird ganzjährig für verschiedenste Veranstaltungen genutzt. Hier kann man auch fundierte Sonderausstellungen im Scheunensaal erleben. Jährlich finden die Hans Fallada Tage jeweils am Wochenende vor oder nach seinem Geburtstag am 21. Juli statt. Dazu gehört auch die sommerliche Veranstaltungsreihe an jeden zweiten Freitag um 20:00 Uhr “freitags bei Fallada“ mit Lesungen, Konzerten, Theateraufführungen oder Filmvorführungen.
Fallada Heute 1. Hans-Fallada-Museum in Carwitz 17258 Feldberger Seenlandschaft Ortsteil Carwitz Zum Bohnenwerder 2, Tel.: 039832 20359 – museum@fallada.de 2. Hans-Fallada-Gesellschaft e.V. - hfg@fallada.de, gegründet 1991 3. Literaturzentrum Neubrandenburg mit dem Fallada-Archiv. 4. Hans-Fallada-Klub in Neustrelitz, gegründet 1973 als „Club der Intelligenz“ im Kulturbund der DDR. Heute: info@hans-fallada-klub.de Website: www.hans-fallada-klub.de 5. Verein Pommersche Literatur-Gesellschaft e. V. ist 2000 hervorgegangen aus dem 1991 gegründeten Hans-Fallada-Verein Greifswald. Er hat seinen Sitz im Geburtshaus von Hans Fallada. 6. Hans-Fallada-Schule Feldberg erhielt ihren Namen 1976. Beachtet werden sowohl seine erzählerischen Leistungen als auch sein psychopathisches Verhalten.
In einem Artikel “Zwei Gesellschaften und viele Wahrheiten“ (7.12.2005) schreibt Frank Pergande: “Es vergingen 30 Jahre bis die DDR den Versuch unternahm, Fallada postum zu vereinnahmen.“ Der damals in Neubrandenburg lebende Literaturwissenschaftler Tom Crepon war bei Recherchen für eine Fallada-Biografie auf Falladas Nachlass gestoßen – im Keller einer Braunschweiger Fleischerei. 1978 wurde der Nachlass von der Akademie der Künste der DDR gekauft und zwei Jahre später nach Feldberg gebracht. Im selben Jahr erschien Crepons Biografie “Leben und Tode des Hans Fallada“. 1983 erschien eine weitere Biografie, von Werner Liersch unter dem Titel “Fallada. Sein großes kleines Leben“. Weitere Informationen gibt es in den Artikeln der genannten Autoren, von der damaligen Archivarin des Fallada-Archivs Sabine Lange und auch von Heide Hampel mit Streitereien zur Stasi und zum Fallada-Nachlass in Feldberg, in Carwitz und dem Literaturzentrum Neubrandenburg. Heide Hampel baute das Hans-Fallada-Archiv in Feldberg/Meckl. auf und trug u. a. Sammlung und Nachlass der Schriftstellerin Brigitte Reimann zusammen. Klaus-Jürgen Neumärker schrieb u. a. anhand der Krankengeschichte: „Der andere Fallada“. Darin schildert er die „Psychopathie“ von Fallada.
10.Ruth Werner (* 15. Mai 1907 in Friedenau † 7. Juli 2000 in Berlin)
- Das ist seit 1958 der Schriftstellername von Ursula Beurton, zuvor Ursula Hamburger, geboren als Ursula Maria Kuczynski. Sie war eine deutsche Schriftstellerin und Agentin des russischen Militärnachrichtendienstes GRU der Roten Armee (Deckname „Sonja“), der späteren Sowjetarmee. Ihr älterer Bruder war Wirtschaftswissenschaftler, Prof. Jürgen Kuczynski. Andere Schwestern lebten nach 1933 großbürgerlich in England.
1953 war Ruth Werner mit Len Beurton, ihrem Mann, das erste Mal nach Carwitz gekommen. Bereits in jungen Jahren wurde sie Mitglied im Kommunistischen Jugendverband Deutschland. Sie blieb der Vision einer sozialistisch-kommunistischen klassenlosen menschlichen Gesellschaft treu bis zu ihrem Tode. Wie weit sie die Verbrechen der stalinistischen und anderer sozialistischer Staaten kannte und beurteilte bzw. verurteilte ist mir nicht bekannt. Ihre Autobiografie unter dem Titel „Sonjas Rapport“ erschien erstmalig 1977. Darin schildert sie grundsätzlich, aber unvollständig, ihre Agententätigkeit. Ben Macintyre schrieb eine erschütternde Biografie (2022 Insel Verlag Berlin) „Agent Sonja - Kommunistin, Mutter, Topspionin | Vom unglaublichen, aber wahren Leben der Spionin Ursula Kuczynski (alias Ruth Werner), die den Lauf der Weltgeschichte veränderte“ Er schildert aufgrund neuer Informationen den dramatischen und fast selbstmörderischen Lebenslauf. Insbesondere wird diese Spannung zwischen Spionin und Ehefrau mit wechselnden Männern sowie ihren Kindern sehr ausführlich dargestellt, teilweise kann es einem schaudern. Man muss für die in dieser Zeit lebenden, denkenden und handelnden Menschen immer wieder „die Vision“ des Kommunismus bedenken. Mit ihr erklärt sich nicht nur die spätere Machtpolitik des sogenannten sozialistischen Weltsystems, sondern auch von Anfang an die unmenschlichen verbrecherischen Handlungen. Diese Vision wird heute als Illusion beurteilt, sowohl politisch gesellschaftlich als auch wissenschaftlich philosophisch. Die neue Biografie soll mit ihrem heute in Carwitz lebenden Sohn, Peter Beurton, abgesprochen worden sein. (Beide Biografien stehen in Carwitz-Bibliothek, Kate 1.) Hierzu einige Daten, die das Interesse am Leben von Ruth Werner bis zu ihrer Übersiedlung in die DDR wecken können. Mit ihrem ersten Ehemann, dem deutschen Architekten Rudolf Hamburger, ging sie als 23-Jährige nach Schanghai. Dort wurde, trotz der Weltwirtschaftskrise, zu dieser Zeit stark gebaut. Sie lernte den im deutschen Botschaftsdienst tätigen Richard Sorge kennen und lieben. Er nutzt sie als Informantin und empfiehlt sie der militärischen Aufklärung der Roten Armee. Ursula Hamburger wird von 1933 bis 1934 in Moskau ausgebildet. Für ihre Tätigkeit in China erhielt sie 1937 (!) den Rotbannerorden in Moskau. 1938 flüchtete Ruth Werner mit ihrem Ehemann in die Schweiz. Dort lernte sie den englischen Spanienkämpfer Len Beurton kennen. Für ihn war es nach seinen Schilderungen Liebe auf den ersten Blick. Sie schilderte es als Pflicht zur Tarnung. Beide wurden dann nach England beordert. In der Schweiz und in England baute sie ein Informationsnetz für Moskau auf. 1943 landet sie ihren größten Coup: Sie übermittelt während des Krieges Unterlagen des deutsch-britischen Kernphysiker und sowjetischen Atom-Spions Klaus Fuchs (1911-1988), also das britisch-amerikanische Atomgeheimnis, an die Sowjets. Daher war Stalin nicht überrascht, als er 1945 in Potsdam über die Explosion der ersten Atombombe in Japan informiert wurde. 1949 flüchtete das Ehepaar Beurton nach der Enttarnung von Klaus Fuchs in die DDR. Nach zwanzig Jahren unentdeckter Geheimdienstarbeit scheidet sie 1950 auf eigenen Wunsch als Oberst der Roten Armee aus. Sie gilt als eine der erfolgreichsten sowjetischen Kundschafterinnen.16
Sie war dann sechs Jahre im Staatsdienst der DDR beschäftigt. Als Autorin, Ruth Werner, trat sie zunächst mit der Publikation von Kinderbüchern auf. Ihre bekanntesten Bücher sind "Muhme Mele", "Olga Benario" und "Sonjas Rapport". Ihr Sohn soll erst 1977 durch ihre Autobiografie „Sonjas Rapport“ von ihrem Doppelleben erfahren haben. Immerhin hatte das GRU die Veröffentlichung genehmigt. Werner Liersch schreibt (15/S.65): „Ruth Werner war eine der spektakulären Personen des 20. Jahrhunderts und sie war von äußerster Bescheidenheit, Aufrichtigkeit und Wahrheitsliebe. Sie war eine kommunistische Idealistin. Die Frauen (Anna Ditzen) verstanden sich.“ In den Wintermonaten wohnt sie anfangs manchmal in einer der beheizbaren Dachmansarden bei Anna im Fallada-Haus. Im Sommer hat sie Adressen von Hütten im Dorf.17 In den 70er Jahren bekommt sie von der Stasi vermittelt eine kleine Hütte auf der zum See abfallenden Wiese hinter dem Fallada-Haus unter den alten Obstbäumen. Sie schreibt in Falladas Garten: „An die hundert Seiten, Sonjas Rapport’ gehören zu seiner Wiese, mit dem Blick auf den Carwitzer See; hundert Seiten auf dem winzigen Rasenfleck vor dem Gemüse- und Blumengarten der Ursula Barthels mit Blick über den Dreetz, der wie ein Bergsee ins Tal gebettet liegt.“ Sie müht sich, dass das Dorf, die Landschaft und der alte Friedhof ihr Gesicht erhalten können. Die Atheistin Ruth Werner gibt Geld für die Kirche. „Sie (Karl Gossow und Wolfgang Steinitz) retteten gemeinsam mit dem kunst- und naturverständigen Weimarer Architekten Professor Engelberger die liebliche Halbinsel Bohnenwerder vor einer geplanten Bungalowsiedlung.“ Sie erinnert sich an Kurt und Jeane Stern, die nach Carwitz kommen. Sie sind Spanienkämpfer wie Len, und Autoren berühmter Filme wie „Das geteilte Dorf“ und „Stärker als die Nacht“. Sie sind treue und nahe Freunde von Anna Seghers über 50 Jahre. Ruth Werner hinterlässt den bis heute nicht eingelösten Satz: „Sollten nicht auch diese Jahre, diese Namen in die Annalen des Fallada-Hauses mit eingehen?“.
Bei der Beisetzung ihrer Urne im Juli 2000 auf dem Friedhof Berlin Baumschulenweg sprach ein Gesandter der Russischen Föderation als Trauerredner. Sie war Oberst der Roten Armee. In Carwitz, wurde seit 2010 die Erinnerung an sie mit einer Ausstellung von einem Verein unter Ingrid Becker wachgehalten. Er löste sich 2023 auf. Die in Neustrelitz ansässige Deutsche Stiftung für Engagement und Ehrenamt unterstützt die Digitalisierung der vorhandenen Materialien. Darin geht es um das Weltbild Ruth Werners, ihre Tätigkeit im Nachrichtendienst, ihr Leben in der BRD, DDR und im vereinten Deutschland.
11. Charly Hübner
- Am 25. März 2006 war im Sternkino von Neustrelitz die Premiere des Films “Das Leben der Anderen“ von Florian Henckel von Donnersmarck. Neben Ulrich Mühe, Martina Gedeck und Sebastian Koch spielte auch Charly Hübner eine wichtige Rolle. Danach war im Foyer ein Gespräch mit Charly Hübner.
Charly Hübner hatte ein Interview mit der „Strelitzer Zeitung“ über die Verknüpfung der Stasi mit dem Feldberger Hotelgewerbe.
12. Bankräuberpaar lebte unauffällig
Berliner Zeitung 2. März 2013 Das Doppelleben der Postbank-Räuber M. Wittge O. Kröning:
Die Brüder Frank und Ralf L. überfielen insgesamt 18 Postbanken. Ihr Motiv: Spiel- und Drogensucht. Formularbeginn Formularende Im Sommer, wenn die Urlauber kamen, florierte ihr Landgasthof in Mecklenburg. Dann führten Frank (52) und Ralf L. (49) ein braves Wirts-Leben. Im Winter zog es die Brüder oft in ihre alte Heimat, nach Berlin. Dann überfielen sie Banken, verspielten das Geld, nahmen Drogen. Beim 19. Überfall war das SEK schneller am Bankschalter als die Postbank-Räuber! Der Pastor-Niemöller-Platz in Niederschönhausen, gegen 18.40 Uhr: Die Postbankfiliale hat bereits seit 40 Minuten geschlossen. Die Angestellten und der Filialleiter sind noch in der Bank, erledigen vor dem Feierabend noch letzte Büroarbeiten, bevor sie durch den Hintereingang nach Hause verschwinden wollen. Dort lauern die beiden Bankräuber, bewaffnet mit Messer und Pistole. Mit Fahrrädern waren die Brüder zu der Pankower Bank geradelt. Was Frank und Ralf L. nicht ahnen. Auch sie werden beobachtet, von Zivilpolizisten, und das schon seit zwei Monaten. Fünf Minuten später folgt der Zugriff: SEK-Beamte stürmen aus ihren Verstecken, überwältigen die völlig überraschten Täter und bringen sie zum Landeskriminalamt. „Bei der Vernehmung gestanden die Brüder, insgesamt 15 Banküberfälle in Berlin und drei im Land Brandenburg verübt zu haben“. Von dem Geld soll nach ihren Aussagen nichts mehr übrig sein. Sie sollen es bei Sportwetten verspielt und in Kokain investiert haben. Teilweise zeigten Frank und Ralf L. bei den Überfällen außergewöhnlichen Erfindungsreichtum: So verkleideten sich die Brüder bei einem Bankraub im Januar 2010 in Neukölln zur Tarnung als Reinigungskräfte, die von der Rückseite des Gebäudes rote Farbschmierereien entfernen wollten. Sie hatten das Gebäude selbst mit Farbe beschmiert. Bei einem Überfall im Dezember an der Oranienburger Straße verkleidete sich das Räuber-Duo als Handwerker, klingelte an der Postbank. Die Eltern von Frank und Ralf L., die den Söhnen bei der Bewirtschaftung des Gasthofes in der Feldberger Seenlandschaft halfen, können noch gar nicht glauben, dass ihre Söhne gefährliche Serienbankräuber sein sollen. „Ich habe davon nichts geahnt“, sagt die Mutter. „Es ist so furchtbar, sie sind Freitag nach Berlin gefahren.“ Ralf L. hatte am Abend angerufen. „Er sagte uns, dass sie bei der Polizei sind und wir uns keine Sorgen machen müssten“, erzählt der Vater. „Er meinte noch, dass alles gut werden würde.“
Seitdem ist „Der Krog“ als Gaststätte geschlossen. Gelegentlich gibt es Ausstellungen.
13. Infrastruktur, Elektrizität, Wasser, Abwasser
Elektrifiziert wurde Carwitz ca. 1902/03 nach der Erzählung von Paul Utnehmer (Frau Christa Schönfeld). Einige Straßenlampen gab es auch schon vor dem zweiten Weltkrieg. Sie wurden per Handschalter an einem Lampenmast gegenüber dem Friedhof bei Einbruch der Dunkelheit eingeschaltet und 23 Uhr ausgeschaltet.
Die Stadtvertretung der Stadt Feldberg beschloss in ihrer Sitzung am 22.4.1999 eine Satzung über die förmliche Festlegung des Sanierungsgebietes Feldberg OT Carwitz „Dorfkern“ Darin heißt es u. a. (auszugsweise): „Im nachfolgend näher bezeichneten Gebiet liegen städtebauliche Missstände vor. Das insgesamt ca. 20 ha umfassende Gebiet (...) erhält die Bezeichnung Feldberg OT Carwitz „Dorfkern“.
Das Sanierungsgebiet umfasst alle Grundstücke (...) innerhalb der im Lageplan (...) durch eine schwarz gestrichelte Linie gekennzeichneten (...) abgegrenzten Fläche.
Es können sowohl städtische Maßnahmen im Bereich Hoch- und Tiefbau, als auch private Modernisierungsmaßnahmen an Gebäuden durch Ausreichung eines Zuschusses oder Darlehns gefördert werden.“
Die intensive Sanierung von Carwitz erfolgte einschließlich der vorausgehenden Maßnahmen von 1992-2007. Aber ab Anfang der 80er Jahre versorgte bereits eine zentrale Wasserleitung von einem Wasserwerk oberhalb des „Schappwaschs“ (Schafwäsche) am Dreetz alle Gehöfte und Ferienhäuser. Die Einzelbrunnen wurden verfüllt oder nicht mehr gepflegt.
Eine allgemeine Abwasseranlage mit Anschlusspflicht für alle Bewohner wurde 1997/99 gebaut. Bis dahin wurden die Klärkammern jedes Gehöftes und der Ferienhäuser für Schmutzwasser regelmäßig von Spezialautos abgepumpt und zentral entsorgt. Dazu gibt es die Berichte, dass aus Zeitmangel oder Bequemlichkeit die Entsorgungsfahrzeuge ihren Abwasserschlamm in Seen oder im Wald abkippten.
Damals war Lutz Teichfischer Bürgermeister von Feldberg. Für Interessenten liegt in Kate 1 ein Heft von 60 Seiten: “CARWITZ Abschlussdokumentation der Sanierung“. Die Gesamtkosten betrugen 2.894.920 €, davon entfielen 1.340.880 € auf die Dorfstraße, die Wege und Plätze, sowie 210.980 € auf die Modernisierung und Instandsetzung von privaten Gebäuden. Ich erinnere mich, dass aus historischen Gründen die Dorfstraße mit Kopfsteinpflastern von Spezialkräften aus Portugal durchgeführt wurde.
Blicke auf Carwitz beim Rundflug 2008
14. Dorfkirche, Pfarrhof, Friedhöfe
Im Mittelalter war Carwitz selbstständige Pfarre des Bistums Brandenburg. 1534 gehörten dazu die Kapellen in Feldberg, Laeven und Hinrichshagen (Lüttenhagen). Im 30-jährigen Krieg ging die Pfarre ein und die Parochie wurde von Triepkendorf aus verwaltet. 1706 entstand am Anger die Dorfkirche als rechteckiger Fachwerkbau mit einem freistehenden Glockenturm vor dem Westgiebel.18 1740 wurde Carwitz wieder Pfarrsitz. Eingepfarrt wurden dorthin Feldberg, Conow, Weitendorf, Wittenhagen, Försterei Laeven und Neuhof. Der „Küstersteig“ zweigt von der Bahnhofstrasse in Feldberg ab und führt entlang der Wiesen zum Schmalen Luzin, er war also der Weg, auf dem Pfarrer und Küster aus Carwitz nach Feldberg zum Gottesdienst gingen und zurück. Seit 1815 war Feldberg „Flecken“ und erhielt erst 1919 das Stadtrecht. 1857 wurde die Pfarre trotz stärkster Proteste der Carwitzer nach Feldberg gelegt, Dafür durften im Gegensatz zu den anderen Dörfern die Carwitzer weiterhin ihre Kinder in ihrer eigenen Kirche konfirmieren. Auf dem uralten Kirchhof befindet sich ein offener Glockenstuhl mit zwei Gussstahlglocken. Diese wurden in Bochum gegossen und kamen um 1920 nach Carwitz. Die vorherigen beiden Bronzeglocken mussten während des ersten Weltkrieges für die Verarbeitung zu Munition abgeliefert werden. Bei diesen Bronzeglocken handelte es sich um eine kleinere mittelalterliche Glocke und eine große Glocke von 1859, welche ein Geschenk des Großherzogs Georg war.
Dem ursprünglichen Friedhof an der Kirche folgte im 19. Jahrhundert der heute aufgelassene Friedhof mit dem Fallada-Gedenk-Grab. Im 2. Weltkrieg wurde dort noch beerdigt, siehe Grab eines russischen Hilfsarbeiters in der rechten Ecke zum Luzin. Der heutige Friedhof am Kreisel wurde nach dem 2. Weltkrieg eingerichtet. Er ist aus Gründen mangelnden Unterhalts heute nicht mehr allgemein belegbar, außer vorgemerkt mit jährlichen Gebühren.
- vor 1906
- Die jetzige Kirche ist ein rechteckiger Fachwerkbau, eingeweiht 1706. Der hölzerne Westturm mit Spitzhelm wurde 1912 wegen Baufälligkeit abgerissen.
Im Innern der rechteckigen Saalkirche befinden sich an drei Seiten Emporen. Der Kanzelaltar wurde unter Verwendung von Resten eines spätmittelalterlichen Flügelaltars und mit einem Kanzelrumpf in der Renaissanceform nach 1714 aufgebaut. Die beiden Altarflügel (um 1500) zeigen rechts oben Maria und Sankt Elisabeth, unten Sankt Matthias und Sankt Bartholomäus. Auf dem linken Flügel sind oben Sankt Jakobus und Sankt Andreas, unten Sankt Agnes und Sankt Petrus dargestellt. Die beiden auf den Flügeln stehenden Schnitzfiguren zeigen Maria mit dem Christuskind (links) und Sankt Johannes (rechts) sowie auf den Rückseiten eine Verkündigungsszene. Die dritte Schnitzfigur im Altarraum an der Wand links stellt Sankt Valentin dar und stammt ebenso wie das Kruzifix aus der Zeit um 1500.
Erna Morach, Christa Schönfeld und Otto Schulz erzählten: Vor dem Krieg bekam der Pfarrer jedes Jahr den „Obsterwangs“ (von ihr so ausgesprochen) . Das war der große Kirchenzehnte, ein Rest der Feudalsteuer. Die Bauern gaben ihm 10 Zentner Roggen oder mehr, die sie gleich in die Mühle nach Feldberg bringen mussten. Der Pastor bekam dann nur das Geld für den an den Müller verkauften Roggen. Wurst, Eier kamen noch hinzu. Die Namen der Pastoren sind ihnen nicht mehr erinnerlich. Noch in den 20er und 30er Jahren sammelte „de Glöckner“ Wilhelm Schmidt den Kirchenzehnten in Naturalien zu Ostern ein. In ihrer Kindheit läutete der Glöckner, Herr Schmidt, die kleine Kirchenglocke 3x täglich: bim-bim-bim Sommer 7:00 (Winter 8:00), 12:00, Sommer 18:00 (Winter 16:00). Am Sonntag wurde von ihm die große Glocke 10:00 geläutet und wenn der Pfarrer kam, wurde auch die 2. große Glocke geläutet. Der Glöckner „trampelte“ dann auf den Blasebälgen der Orgel die Luft in die Pfeifen, die vom Lehrer gespielt wurden. „Wir Kinder sangen dazu“.
Die Reste des alten Pfarrhofs an der Bushaltestelle wurden erst 1974 im Auftrag der Kirche vom Bauunternehmer Börner aus Feldberg abgerissen und in den Modder-Mücken-Teich am Hügel 16 vor unseren Katen 2/3 geschüttet.
Beim Umbau 1978 / 2000 wurde im Zuge der Dorfsanierung auch die Kirchhofsmauer aufwendig umgebaut. Das geschah in der jahrhundertealten Fertigungstechnik als sogenannte Trockenfeldsteinmauer. Trockenmauern bieten in ihren vielen Ritzen und Hohlräumen ein spezielles Kleinklima und wertvolle Ersatzlebensräume für Reptilien und Insekten. Durch Samenflug siedeln sich außerdem auf den Steinen und zwischen den Fugen vielfältige Arten von Moosen, Flechten und Pflanzen an, die zur Stabilität dieses Naturdenkmals entscheidend beitragen. Wegen der besonderen Sensibilität ihre Beschaffenheit ist eine derartige Mauer nicht geeignet, zu erklettern, zu begehen oder zu “besetzen“. Diese Mauer des Kirchenhofs sollte geschützt und damit erhalten werden.
- sanierte Kirche Carwitz
- 2004/2005 wurden die Grundmauern und der Keller des Pfarrhofs wieder freigelegt.
15. Mühle: „flügellos“
Die Holländer Mühle brannte am 07.03.1892 ab. Sie wurde danach wiederaufgebaut.
- Vor 1906
Otto Schulz erzählte sinngemäß: Letzter Mühlenbesitzer war Otto Schmidt. Nach der Kollektivierung wurde die Mühle der LPG unterstellt. Zum Schluss wurde mit elektrisch betriebenem Mahlwerk nur noch Futter für Schweine und Rinder der LPG (Tierproduktion) Dolgen geschrotet.
- Carwitzer Windmühle ca 1900
- 2009
Seit 1998 bemüht sich der örtliche Mühlenverein um die Sanierung. Die Plattform war zeitweise wieder begehbar. So wurde sie vom Kunstladen Thomsdorf zeitweise auch als Verkaufsstelle genutzt. Die Mühlenflügel ohne Funktion würden Zehntausende € kosten. So oder so ist sie ein weithin sichtbarer Ort.
- Ca 1970
16. Gesundheitswesen
Christa Schönfeld: „Nach dem Kriege wurde die aus Ostpreußen geflüchtete Schwester Selma Wehrmeister als 1. Gemeindeschwester in Carwitz sesshaft. Sie war sehr beliebt, da sie fachlich sehr gut war, energisch und vor allem immer sofort da war, wenn sie gerufen wurde. Sie war auch oft als Hebamme tätig, denn damals gab es bis Mitte der 50er Jahre nur Hausentbindungen. Sie wohnte bei Dreiseidel im jetzigen Haus von Familie Teifel und hatte ihre Gemeindeschwesternstube in der damaligen Schule (Fr. Deuß, Dorfstraße 74). Dort wurde auch bis 1990 ein- bis zweimal die Woche Sprechstunde eines Feldberger Arztes abgehalten. Schwester Selma war nicht nur Gemeindeschwester für Carwitz, sondern auch für Laeven und für Wittenhagen bis 1963.
17.Bäckerei und Kaufmannsladen
Christa Schönfeld, Erna Morach und Güldners erinnern sich: Bäckermeister Hermann Schulz gab altersbedingt Anfang der 60er Jahre die Bäckerei in Carwitz auf. Er war selbständiger Bäcker und Konditor. Das ehemalige Backhaus mit dem erhaltenen großen Backofen ist jetzt ein Ferienhaus auf dem Grundstück Dorfstr. ?19 Bäcker Schulz buk frühmorgens das Brot, die Brötchen und die Kuchen. Dann zog er ein- bis zweimal in der Woche mit dem Pferdewagen über die Nachbardörfer zum Verkauf. Viele Dörfler buken damals ihr Brot noch selbst. So ist der Erdhügel gegenüber unserem Eingangstor in Carwitz der Rest des ehemaligen Backofens der Familie Schönfeld. Es wurde auch noch selbst gebuttert. Die Maibutter war die beste, da die Kühe jetzt wieder das frische Gras fressen konnten20.
In den 20er und 30er Jahren fuhr Hermann Rohrbeck aus Koldenhof mit einem Pferde-Planwagen über die benachbarten Dörfer. Er läutete eine große Glocke. Dann kamen die Frauen und kauften die Grundnahrungsmittel ein. Er füllte die gewünschten Waren, Mehl, Zucker, Erbsen, in Tüten. Diese nahmen die Frauen dann in ihre Trägerschürzen, die sie vor dem Bauch hochhoben und trugen sie nach Hause. Netze, Einkauftaschen gab es damals auf den Dörfern noch nicht, bzw. wurden nicht benutzt. Ein Lebensmittelladen des Konsums wurde 1952, nach dem Weggang des Krögers Paul Utnehmer, in der Gaststätte links hinter dem Eingang eingerichtet. Später wurde für den Laden eine Baracke anstelle der abgerissenen Scheune links neben dem Krog gebaut. Und noch später wurde ein eigener Laden daneben gebaut, in dem es alles „für den täglichen Bedarf“ gab.
Zur paradoxen völlig verfahrenen, weil ideologisch dogmatisch bestimmten Preispolitik der DDR einige Beispiele: Ich erlebte, wie eine Carwitzer Einwohnerin „das Übliche“ - zehn große Brote kaufte, die sie in einen dreckigen Sack warf. Die Verkäuferin klärt mich dann auf: Diese Brote sind nicht für die Gäste, sondern für die Hühner und Schweine bestimmt. Brot wird subventioniert, reines Korn, also das Futter für die Schweine ist viel teurer im Einkauf. LPG-Bäuerinnen hatten kein eigenes Korn mehr.
Frische Lebensmittel wurden zur DDR-Zeit staatlich zu überhöhten Preisen aufgekauft, um sie in Westberlin frisch verkaufen zu können. Dazu gehörten zum Beispiel Spargel, Erdbeeren und auch Eier. Ein Teil dieser Waren kam aber auch in unseren Konsum zum Verkauf zurück und konnte nun für den persönlichen Bedarf in kleiner Menge zurückgekauft werden. Der Rückkauf war zum Teil nur die Hälfte vom vorher erfolgten Verkaufspreis.
Der Konsum wurde 1990 bald nach dem Umbruch und nach Klärung der Eigentumsverhältnisse abgerissen. Ein Doppelhaus steht jetzt dort.
18. Fischerei
Erna Morach erinnert sich: Herr Hagen holte sich nach dem Kriege die Fische vom Fischer Haase. Er (Herr Hagen) wohnte im letzten Haus links am Weg nach Hullerbusch, Dorfstr. 67. Der Fischer wohnte im ersten Haus an der breiten Bucht. Hagen fuhr die Fische, anfangs mit dem Fahrrad, später mit seinem Pferdewagen zum Verkauf über die benachbarten Dörfer. Später übernahm sein Sohn Ernst Hagen dieselbe Tätigkeit von seinem Vater.
- „In Carwitz produzierte die Binnenfischerei 60 t Forellen.“21
Die Seenlandschaft wurde durch die wirtschaftliche Entwicklung massiv belastet: Abwasser der Molkerei in Feldberg, ungenügende Abwasserklärung der Stadt Feldberg und der umliegenden Dörfer, Mosterei in Carwitz, chem. Pflanzenschutzmittel und Düngung insbesondere mit Flugzeugen. Die Problematik wurde in den 70er und 80er Jahren wohl erkannt, aber dieentgegenwirkenden Maßnahmen konnten aufgrund der wirtschaftlichen Möglichkeiten und ideologischer Schranken nur halbherzig sein. Erfreulich, dass sich nach der Wende in den 90er Jahren vieles veränderte. Die sich von Jahr zu Jahr verbessernden Seen haben fast alte Klarheit zurückgewonnen.22 Gleiche Autoren berichten: „Es wäre schon vorgekommen, dass die Fischer Bleie (Brachsen, Brassen) von 60 bis 80 cm mit 6-7 kg gefangen hätten“. (18 / S.29 u. 266)
Fischermeister Bruno Haase erzählte, dass zu dieser Zeit von ihm im Carwitzer See, im Zansen und im Dreetz immerhin pro Jahr noch eine Tonne amerikanischer Flusskrebse gefangen wurde. 1959 erreichte der Bisam die Feldberger Gewässer, jedenfalls gibt es aus dieser Zeit erste verlässliche Berichte.
19. Schmiede
Es gab bis in die Nachkriegsjahre 2 Schmieden. 1. vom Kreisel kommend das erste Haus links, Dorftsr. 5, daneben das kleinere Haus war die ehemalige Schmiede gewesen. 2. gegenüber dem alten Friedhof, Dorfstr. 40, die Schmiede von Friedrich Rechlin, die später von Kavemann übernommen wurde.
20. Verkehr
1789, so wird berichtet, erreichte die Post zweimal in der Woche Feldberg. Die „Fahrpost“ von Neustrelitz (durch den Serrahner Forst) über Goldenbaum, Grünow, Dolgen, Weitendorf (alte Poststraße) nach Feldberg existierte von 1821 bis zum 21. 12. 1910. An diesem Tag erreichte die Eisenbahn, die „Friedrich-Wilhelm-Bahn“, das erste Mal öffentlich Feldberg. „Erst 1875 konnte der wichtige Straßenanschluss Feldbergs an die Chaussee Neustrelitz-Woldegk bei Möllenbeck fertiggestellt werden.“ (18) Die letzte Sonderfahrt der Bahn war am 21.Dezember 2000 zum 90-jährigen Streckenjubiläum. Der Personennahverkehr war bereits zum 27. Mai 2000 abgestellt worden.
Zu Fuß oder mit der Pferde-Kutsche ging es von Carwitz nach Feldberg zum Amt oder zum Bahnhof. Die Feldberger Seenkette bildete eine Barriere von Lichtenberg bis Thomsdorf. So soll Blücher mit seiner Armee entlang dem Nordufer des Breiten Luzin 1806 vor den Franzosen geflohen sein. Der Erddamm durch den Schmalen Luzin wurde erst 1847 geschüttet.
Die Brücke über „de Bäk“ in Carwitz hatte nur Bedeutung für die Verbindung zwischen Wittenhagen und Carwitz. Der Schulbus fuhr bald nach Schließung der Dorfschule.
Christa Schönfeld: „Die ersten Autobesitzer vor dem 2. Weltkrieg waren Hans Fallada, Kratochwil und der Müller Schmidt. Fallada hatte vorher eine Pferdekutsche. Mit ihr hatte er seine Probleme, wie er in „Heute bei uns zu Haus“ lebhaft schildert. Der Teil der Dorfstraße vom Krog bis zum Kirchhof wurde ca. 1928/29 gepflastert. Die Straße von Feldberg und die gesamte Dorfstraße wurde erst Anfang der 70er Jahre befestigt.
- Rechts Haus von Otto Schulz vor der Bäk
- Nach der Sanierung
- Auch die Zufahrt von Feldberg/Neuhof wurde komplett neu asphaltiert.
Eine alte unbefestigte Fahrstraße führte durch den Wald von Wokuhl über Hasselförde, Triepkendorf, Laeven. Sie ist auch heute noch befahrbar und war nach dem katastrophalen Wintereinbruch 1978/79 für einige Tage die einzig befahrbare Straße von Neustrelitz nach Carwitz und Feldberg. Möllenbeck - Feldberg war wegen Schneeverwehungen unpassierbar.
21. Wald und Naturschutz
Von 1972 bis 2001 war Klaus Borrmann Leiter des Forstamt Lüttenhagen. Er hat mehr als 200 kleinere und größere Abhandlungen, Aufsätze in Fachzeitschriften und Heimatbroschüren zur Natur und Geschichte der Feldberger Region veröffentlicht. In der zweibändigen Darstellung Mecklenburg-Strelitz – Geschichte einer Region (2000 und 2002) hat er die rund 300-jährige Forst- und Jagdgeschichte des Großherzogtums dargestellt. Und in „Lüttenhäger Oberförster“ 2001 würdigt er seine Amtsvorgänger und verbeugt sich vor ihren Leistungen für die Wälder der Feldberger Seenlandschaft. Borrmann ist auch Vater des 1999 eröffneten Lüttenhagener Waldmuseums „Lütt Holthus“, das vor allem jungen Besuchern „Natur zum Anfassen“ bietet. Der ursprüngliche Wald war vor 1000 Jahren ein Buchen-Eichen-Mischwald. Darin eingestreut lagen die, durch friedliche Einwanderung in den Jahrhunderten nach der Völkerwanderung entstandenen, slawischen Rund-Dörfer. Mit der Osterweiterung des Deutschen Kaiserreiches kamen später deutsche Siedler dazu. Es wurden Reihen-Dörfer gegründet. Jede Familie hatte im Mittelalter eine Hufe Land von ca. 7-8 ha mit Nutzung der Allmende, des Allgemein-Eigentums.
Der 30-jährige Krieg ließ auch in der Feldberger Seenlandschaft ein fast menschenleeres Land zurück. Viele Dörfer waren wüst, so Hanau am Schmalen Luzin vor dem Hullerbusch und Krüselin. Viele Dörfer wurden im wahrsten Sinne dezimiert. Der Wald drang in wenigen Jahrzehnten auf diesen Flächen vor. Das Land erholte sich nur sehr langsam. Nach 1700 beschleunigte sich die wirtschaftliche Entwicklung. Der enorme Holzbedarf der Glashütten, Köhlereien, Teeröfen, -schwelereien und die Bautätigkeit entwaldete erneut die Region. Gegenmaßnahme waren seit Ende des 18. und im 19. Jahrhundert gezielte, organisierte Aufforstungen insbesondere mit Kiefern.
Interessante Anweisung des Herzogs Adolf Friedrich im Jahre 1783 an den Förster Schwarz in Carwitz zur sparsamen Holzverwendung (1/S.35 ): „Wann wir gnädigst resolviret, dass von nun an alles Klafter-Holz ohne Ausnahme in jeder unserer Forsten, es sey zum Behuf der Glashütten, zur Köhlerei, Ziegeleien, Kalköfen, zur häuslichen Feuerung oder Deputat-Brennholze, wie auch alles Pfahlholz ohne alle Einwendung und Wiederrede, nicht wie bisher geschehen mit der Axt, sondern mit der Säge gekürzt werden soll, außer das sogenannte Wadelholz, auch Zweig- oder Zopfholz, welches noch keinen Fuß im Durchschnitt hat, als welches mit der Axt klein zu machen frei bleibt.“ Damit sollte der Holzverlust verringert werden.
„Der ranghöchste Forstmann aller Zeiten zwischen Neustrelitz und Feldberg hatte seinen Sitz zwischen 1786 und 1816 auf dem Forsthof in Carwitz. Der Oberforstmeister Christoph Ernst von Kamptz“ s. (1/S.171ff) Nach seinem Tod kam der Wald zwischen Carwitz und Triepkendorf zur Försterei Mechow. Auch die Stelle des Oberforstmeisters wurde dann 1932 aufgelöst. Der letzte Förster, Walter Kruse, wurde nach Strasen versetzt. Das Haus übernahm Malermeister Tock und nach seinem Tod in den 70er Jahren Fischer Götz. Für Carwitz verblieb nur der Hullerbusch und der Conower Werder, was für einen Holzwärter reichte.
Neben der geschichtlichen Entwicklung des Feudalismus ist sicher auch die Randlage von Carwitz entscheidend für die gesamte wirtschaftliche Entwicklung gewesen.
Das Naturschutzgebiet Hauptmannsberg umfasst 43 Hektar des markanten Ausschnitts einer Endmoräne der letzten Eiszeit.
Der Hauptmannsberg, 120 Meter hoch, ist eine Satzendmoräne. Nach Abtauen des Eises blieben die noch heute sichtbaren Findlinge zurück. Bronzezeitliche Hügelgräber belegen auch hier eine frühe menschliche Besiedlung. Das im 13. Jahrhundert gegründete Hanow, später Hanau, wurde im 15. Jahrhundert aufgegeben und die Flächen anschließend von Carwitzer Bauern genutzt. Auf einer Karte von Tilemann Stella aus dem Jahr 1578 sind die Flächen waldfrei verzeichnet. Bereits im 18. Jahrhundert wurden steile und unwegsame Flächen aufgegeben und bewaldet. Die anderen Flächen wurden abwechselnd als Wiese und Acker genutzt. Die landwirtschaftliche Nutzung wurde im Jahr 1971 vollständig aufgegeben. Erst seit 1992 erfolgt wieder eine regelmäßige Beweidung. In den steilen Hangbereichen am Ufer des Zansen wachsen jetzt Wälder mit Hainbuche, Rotbuche und Eiche, eingestreut findet sich Haselnuss. Nach der Nutzungsaufgabe Mitte des 20. Jahrhunderts konnten sich Besenginster, Brombeere und Schlehe ausbreiten. Die offen gehaltenen Bereiche bedecken artenarme Rotstraußgrasfluren und Grasnelken-Schwingelrasen. Nur noch in kleinen Flächen sind die an basenreiche Standorte gebundenen Pflanzengesellschaften mit Steppenlieschgras und Glatthafer zu finden. Zahlreiche wärmeliebende Zikaden- und Heuschreckenarten besiedeln das Gebiet, darunter der Kleine Heidegrashüpfer und die Zweifarbige Beißschrecke. Die Brutvogelwelt hat sich in den letzten Jahrzehnten durch die Veränderung der Flächen gewandelt. Es sind heute vorrangig hecken- und waldbewohnende Arten anzutreffen, wie Sperbergrasmücke, Neuntöter, Sprosser und Wendehals. Rechtlich besteht das Schutzgebiet seit dem 20. März 1957. Es grenzt an das nördlich und westlich liegende Naturschutzgebiet Hullerbusch und Schmaler Luzin. Es ist nach EU-Recht als FFH-Gebiet23 und Vogelschutzgebiet eingestuft. Der ursprünglich beabsichtigte Schutz des Offenlandes mit beweideten Trockenrasen hat sich durch Wiederansiedlung von Gehölzen geändert. Auch der später wieder geförderte Verbiss durch die Schafbeweidung und maschinelle Pflegemaßnahmen können dies nicht ändern. Der durchziehende Wanderweg entlang am Zansen ist mit seinen Aussichten auf die Seen ein touristisches Hauptziel. Aber die „Aussichtsmöglichkeiten“ haben sich durch den kompromisslosen Naturschutz massiv vermindert. So verhindert der Baumbewuchs des Hauptmannsberg die Rundumsicht auf die Seen: Schmaler Luzin, Dreetz, Falladabucht, Carwitzer See, Zansen. Es ist nur noch ein eingeschränkter Blick auf den Carwitzer See übriggeblieben. Diese Entwicklung wirft immer wieder die Frage nach der Zielstellung des Naturschutzes auf. Soll es so bleiben, wie es im Moment ist, oder soll es wieder werden wie vor 50 Jahren, wie vor 200, 1.000 oder 10.000 Jahren?
- In den „Heilige Hallen“ sind nach einem Sturm die gestürzten Buchen nicht von den Wegen geräumt worden
- So sieht es heute mit dem „Naturschutz“ aus. Vor ihm gab es dort keinen Wald.
Die mit dem Naturschutz, der modernen Landwirtschaft und den veränderten Besitzverhältnissen verursachten Veränderungen in der Tierwelt bedürften einer besonderen Darstellung. Es geht dabei nicht um die Neuansiedlung von Wölfen, sondern um die grundsätzlich veränderten Lebensbedingungen für die Kleintierwelt. Der Waschbär hat enormen Schaden verursacht, insbesondere in der Vogelwelt. In den siebziger Jahren gab es noch Fasane, Haubentaucher, Schellenten, Pirole in der unmittelbaren Umgebung von Carwitz.
22. Kiesabbau Carwitz - Thomsdorf verhindert – Findlingsgarten gegründet
- (zusammengefasst nach informativen Gesprächen mit Gudrun Kunze, Gründungsmitglied der Bürgerinitiative)
Nach dem Umbruch versuchte in den neunziger Jahren ein Bauunternehmen das Recht auf Kiesabbau im Bereich Carwitz/Thomsdorf westlich und südlich zwischen Schmalen Luzin, Dreetz und Krüselinsee zu erwerben. Es betraf 127 Hektar in Mecklenburg-Strelitz und 87 Hektar in der Brandenburgischen Uckermark.
- Das Kiesabbaugebiet ist schwarz markiert
Als das bekannt wurde, kam es im März 1996 zur Bildung eines länderübergreifenden Vereins “Aufbruch Carwitz/Thomsdorf e.V. Bürgerinitiative gegen den Kiesabbau“. Die 60 Gründungsmitglieder regten die Diskussion in den zuständigen Gemeinden und Kreistagen zur Verhinderung dieses massiven Eingriffes in das Landschafts- und Naturschutzgebiet der Feldberger Seenlandschaft an. Es kam zu 15.000 Unterschriften. Die Vereinsmitglieder steckten den Kopf nicht in den Sand des geplanten Kiesabbaus. Im Rahmen dieser Bürgerinitiative wurde zunächst der Weg von Carwitz nach Mechow wiederbelebt und mit Birken bepflanzt. Mit Spenden und Fördermitteln erwarb der Verein 2002 ein Grundstück auf dem Kiesfeld. Der NABU des Kreises Mecklenburg-Strelitz mit seinem damaligen Vorsitzenden Erwin Hemke hatte dann die Idee zu einem Findlingsgarten mit Heidelandschaft. Im September 2002 wurde zu dessen Einweihung ein fast 20 t wiegender Granitstein, ein Findling aus der Eiszeit, in Anwesenheit des damaligen Umweltministers Dr. Wolfgang Methling (PDS) von Mecklenburg-Vorpommern an den Ortsrand von Carwitz neben den genannten Weg gebracht. Er wurde auf den Namen „Der Hüter“ getauft, denn er soll und wird das Landschaftsschutzgebiet bewachen. Weitere Findlingssteine formen den Umriss eines Mammuts nach. Texte informieren über die skandinavischen Herkunftsorte der 168 Findlinge aus einem Umkreis von ca 30 km. 2005 konnte dann eine unabhängige Gruppe privater Personen das Bergrecht für den Kiesabbau kaufen. Damit war der Abbau von Kies auf Dauer verhindert. 2017 kam es zur Verschmelzung der Vereine: „Aufbruch Carwitz/Thomsdorf e.V. Bürgerinitiative gegen Kiesabbauund Deponien“ und „Eiszeit- und Naturerlebnis Wittenhagen e.V.“ zum „Feldberger Eiszeit- und Naturerlebnis e.V.“.
- Foto
- B. Krause 2022
23. Gedanken zum Schluss
- Man kann erfahren, wie bekannt Carwitz ist, wenn man irgendwo in Deutschland auf dieses Dörfchen zu sprechen kommt. Die wirtschaftliche und kulturelle Zukunft von Carwitz liegt heute einzig und allein im Tourismus und für Feldberg auch im Kurbetrieb.
- Einzigartig ist aber nicht nur Carwitz, sondern auch die nähere und weitere Umgebung der Feldberger Seenlandschaft. Einige unserer Familie und Freunde hatten deshalb schon den Gedanken, eine kleine Broschüre zu gestalten.
- “111 Orte um Carwitz, die man gesehen haben sollte“. Orte aus der Vergangenheit, im aktuellen Urlaub gesehen oder aber auch vorgenommen, in der nahen Zukunft zu besuchen. Diese Idee wurde schon vor langer Zeit ausgesprochen.24 Eine Auflistung führte zu vielen weiteren Orten, zu mehr als 111 Diamanten in der Umgebung. Sie reicht von Alt Placht, dem Kirchlein im Grünen, bis weit hinaus übers Restaurant Zollhaus am Erddamm in Feldberg.
- Auch die hier genannten Orte und Geschichten können vielleicht anregen, über Carwitz und die umliegenden Seen hinaus etwas zu erleben und zu genießen.
Also „Auf Schusters Rappen“, auf die Fahrräder oder auch ins Auto: Hans –Fallada-Museum: Zum Bohnenwerder 2 in Carwitz Lütt Holthus: Waldmuseum in Lüttenhagen Neustrelitz: ehemalige Residenzstadt der Großherzöge von Mecklenburg-Strelitz mit einmaliger spätbarocker sternförmiger Stadtanlage und Schloßgarten Schloss Hohenzieritz: Sterbeort der Königin Luise von Preußen, Nationalparkamt, Anfang oder Ende der Königin-Luise-Route Hohenzieritz-Charlottenburg Frauenkonzentrationslager Ravensbrück bei Fürstenberg, Gedenkstätte Dorfkirchen in Carwitz, Conow, Fürstenhagen, Mechow, Wittenhagen Spring: Quelle und Picknick-Platz ca 10-15 Min. vom Friedhof Laeven entfernt Dorfwüstung Krüselin und Picknick-Platz: 30 Min. von Carwitz entfernt Hullerbusch mit Hünenwall und Teufelstein: eiszeitlich geformter Buchenwald, Hochuferweg am Zansen Hauptmannsberg mit Wanderweg entlang des Hochufers am Zansen: schönster Blick Mecklenburgs Bohnenwerder: eindrucksvoller 360°-Rundblick über den Carwitzer See Heilige Hallen: ältester 300-400-jähriger Buchenwald Deutschlands 3 Friedhöfe in Carwitz:
- 1. an der Kirche,
- 2. „in de Mitte von Dorp“,
- 3. bei der Mühle
Kahnfähre über den Schmalen Luzin: Verbindung vom Hotel Hullerbusch zur Luzinhalle Schmaler Luzin: Uferweg von Carwitz nach Feldberg (Luzinhalle) Feldberg: Amtswerder, Klinik, Blick vom Reiherberg Wittenhagen: Luzintheater, Kirche, Eiszeit-Route Scharteisen – glazialer Toteissee; von Wittenhagen aus zu erreichen
24. Glossar
Adjungiert zugeordnet, beigefügt boom Baum (plattdeutsch) irgendwo als „oben“ genannt ist falsch Cammer-Collegium s. Kammerkollegium Devastiert zerstört, verwüstet, heruntergewirtschaftet Domäne Landesherrschaftliches Staatsgut, das auch verpachtet werden konnte Domanium verpachteter landesherrschaftlicher Besitz ( Dörfer, Höfe ) mit direkter Steuerpflicht gegenüber dem Landesherren. Bestand bis 1919 Emolumente Nebeneinnahmen, Nutzen Erbvergleich (auch Landesgrundgesetzlicher) Mecklenburger Gesetzessammlung von 1755 zur Regelung der Beziehungen zwischen dem Landesherren und der Ritterschaft, Städten. Praktisch die Landesverfassung des Mecklenburger Ständestaates bis 1919. Etablissement hier dienstliche oder betriebliche Niederlassung der Forstwirtschaft Gerechtsame, die veraltet für (Vor)recht Glashütte Manufaktur zur Herstellung von Glas aus Quarzsand und Pottasche in einem Schmelzofen. Hatte sehr großen Holzverbrauch in ihrer unmittelbaren Umgebung. Hutewald die Dorfbewohner durften nach uraltem Recht in diesem Wald ihr Vieh – meist ihre Schweine – hüten, weiden lassen Kammerkollegium herzogliche Finanzverwaltung, auch als Cammer-Collegium bezeichnet KWA Karbe-Wagner-Archiv in Neustrelitz LHA Landeshauptarchiv Schwerin Meierei größeres landwirtschaftliches Gut meist außerhalb der Dorfgemarkung Meierei Wirtschaft auch Meierei Hof - Wirtschaft zur Herstellung von Milch, Butter, Käse Moräne von Gletschereis abgelagerte Erde und Gesteine, fruchtbarer Boden Pertinens, das (lat.) Zugehöriges, Zubehör Pertinenz, die (lat.) Zugehörigkeit Resolviren entscheiden, einen Beschluss öffentlich machen Rute deutsches Längenmaß und als Quadratrute Flächenmaß vor der Reichsgründung 1871; in jedem deutschen Land anders: Mecklenburg-Strelitz = 5,02 m, 1 QR = 25,2 m²; Mecklenburg-Schwerin = 4,65 m, 1QR = 21,6 m² Sander durch Schmelzwasser vor dem Gletscher ausgeschwemmte oft auch verwehte Sandflächen mit Dünen, gering fruchtbar Teerofen Holzschwelerei, zur Herstellung von Teer, der vor allem als Schmierstoff für Wagenräder benutzt wurde. Sehr großer Holzverbrauch in unmittelbarer Umgebung Werder ??? Wie(r)l Insel (Plattd.) Wörde Hausacker, Hausgarten unmittelbar hinter oder neben dem Haus, in Carwitz zum See hinabreichend
25.Literatur (Auswahl)
- 1. Borrmann, Klaus u. Tempel, Holger: Die Wildparks Serrahn & Lüttenhagen. Verlag: Erich Hoyer Galenbeck 2005, u a.
- 2. Brandenburgisches Landeshauptarchiv files: Flurkarte „Plan von der Feldmark Thomsdorf" – Signatur 37 Boitzenburg K 65 B / Potsdam, Tel. 0331-5674-213
- 3. Carpin, Gasthof Schleser See: histor. Landkarte an der Wand: „herzogl. Directoerialkommission Generalplan 1750 aufgenommen von Hallas“ als Hinweis für
- 4. Carwitz Abschlussdokumentation der Sanierung1992-2007
- 5. Goetsch, Erich: Mechow. Zur Geschichte einer kleinen bäuerlichen Siedlung in der Gemeinde Feldberger Seenlandschaft. Cappenberg 2004 s. a. sein Literaturverzeichnis
- 6. Herrmann, Joachim: Die Slawen in Deutschland Akademie-Verlag Berlin 1985
- 7. Herrmann, Joachim: „Die Ergebnisse der Ausgrabungen in Feldberg“ in Ausgrabungen und Funde Bd. 13, Akademie-Verlag, Berlin 1968, S. 198 – 204
- 8. Kinderbuchverlag Berlin: Carwitzer Notizen, 1985
- 9. Karbe-Wagner-Archiv 17235 Neustrelitz, Schloßstr.12-13, im Kulturquartier
- 10. Kaus, Sigrid Ehefrau des Malers Max Kaus, der in 20er Jahren in Carwitz malte. Potsdamerstr.44 in 12205 Berlin Lichterfelde Tel.: 030- 833 60 25
- 11. Krappe, Martin u. Arno Waterstraat: „Fischfauna der oberen Feldberger Seen und des Carwitzer Sees“ in Labus Heft 24/2006 S. 44-58 Phönix Multimedia Service GbR Elisabethstr. 28, 17235 Neustrelitz hier der Hinweis auf Sonderheft 5/2003 S.24 ff über die Ostgroppe und die Tiefenmaräne
- 12. Krausch, Hans-Dieter und Werner Schmidt: „Das Feldberger Seengebiet“, Verlag Hermann Böhlhaus Nachfolger Weimar 1997, Bd.57 in der Reihe „Werte der Deutschen Heimat“
- 13. Krüger, Georg: Kunst- und Geschichtsdenkmäler des Freistaates Mecklenburg-Strelitz. (3 Bd.) I. Band Das Land Stargard II. Abteilung: Amtsgericht Feldberg S. 102 - 108 Neubrandenburg 1925 Brünslowsche Verlagsbuchhandlung
- 14. Landeshauptarchiv Schwerin
- 15. Liersch, Werner: Dichters Ort, S. 159 wahrscheinlich auch in Fallada Biografie Individuell Verlag 2005
- 16. Mecklenburgica – Archiv- und Recherchedienst Schwerin (Herr Steinbruch) entziffert alte Dokumente
- 17. Mecklenburg-Strelitz . Beiträge zur Geschichte einer Region, Hrsgb. Landkreis Mecklenburg-Strelitz mit div. Autoren. Verlag Druckerei Steffen 2001
- 18. Richter, Dipl. Biolog. Wolfgang M. ( ca 1928 geb.) und Fr. Ingeborg Verfasser von „Feldberg“ Verlag Michael Gust 1999 und aktiver Mitarbeiter bei BONITO Drosselgang 2 / 21709 Himmelpforten, Niederelbe Tel.: 04144 – 4925
- 19. Interview Carwitz: Schönfeld, Christa, geb. Utnehmer - Schulz, Otto und Hildegard, geb. Rakow - Güldner, Ursula, geb. Koch und Kurt - Morach, Erna geb. Güldner
- 20. Stange, Hartmuth: Die ur- und frühgeschichtliche Besiedlung Ostmecklenburgs in 2)
- 21. Tilemannus Stella von Siegen 1575/78, „Bericht von den Landtgrentzen ...“. In Auszügen siehe Anhang. Karten und Akte liegen im Landeshauptarchiv Schwerin : LHAS Landesgrenzakten Sign. 370 Bestand 2.11-2) und wurden mir bereitgestellt in der Übertragung und Bearbeitung von Ulrich Voigtländer / Waren u. W.M. Richter / Himmelpforten LUZIN-REPORT 10. Lieferung 1989/90
- 22. Schulz, Erwin: „Ortsnamen in Mecklenburg- Strelitz von 1170 bis 1572“ des Institut für Slawistik der E.-M.-A.-Universitä Greifswald
- 23. Voigtländer, Ulrich: „Ein Beitrag zur Siedlungs- und Landschaftsgeschichte des Feldberger Gebietes“ in Karbe-Wagner-Archiv, neue Schriftenreihe Nr. 5 / 2007 Thomas Helms Verlag, Schwerin
- 24. Lemke, Hans-Jürgen: "Die Krüseliner Mühle - Historie - Schicksale - Anekdoten" Erinnerungen, 2018 Selbstverlag, 135 S., wesentlich erweiterte und überarbeitete Auflage