Gehlsdorf: Unterschied zwischen den Versionen

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(Geographische Lage)
(Der Status von Gehlsdorf im Jahre 1894)
 
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:Gehlsdorf hat sich mit Einführung der seit 1880 bestehenden dampf-Fähre ungemein gehoben. Mehrere Villen - Zum Theil mit Park-Anlagen - und villenartige Gebäude sind entstanden, ferner eine Schlemmkreidefabrik, ein Petroleum-Keller und ein Logirhaus; auch hat Gehlsdorf mit Rostock Telephonverebindung. Es wird sich noch mehr heben, wenn daas jetzt dem Landtage wiederholt vorgelegte Projekt der Anlage einer '''Irrenanstalt''' angenommen wird.  
 
:Gehlsdorf hat sich mit Einführung der seit 1880 bestehenden dampf-Fähre ungemein gehoben. Mehrere Villen - Zum Theil mit Park-Anlagen - und villenartige Gebäude sind entstanden, ferner eine Schlemmkreidefabrik, ein Petroleum-Keller und ein Logirhaus; auch hat Gehlsdorf mit Rostock Telephonverebindung. Es wird sich noch mehr heben, wenn daas jetzt dem Landtage wiederholt vorgelegte Projekt der Anlage einer '''Irrenanstalt''' angenommen wird.  
 
:Die Dampf-Fähre liegt in den Händen einer Rhederei-Gesellschaft, wozu Gehlsdorfer Bauern, benachbarte Pächter und Büdner und ein Rostocker Kaufmann gehören; aus der Rhederei ist zur Verwaltung ein engererr Ausschuß gewählt, an dessen Spitze ein Correspondenzreheder steht.
 
:Die Dampf-Fähre liegt in den Händen einer Rhederei-Gesellschaft, wozu Gehlsdorfer Bauern, benachbarte Pächter und Büdner und ein Rostocker Kaufmann gehören; aus der Rhederei ist zur Verwaltung ein engererr Ausschuß gewählt, an dessen Spitze ein Correspondenzreheder steht.
:In den ersten drei Jahren gaben die Stadt Rostock und die Regieerung - als das Unternehmen zu scheitern schien - einen Zuschuß von zusammen 1200 Mark her, von da ab rentirt die Fähre sich selbst. zum erstmaligen Bau hat der verstorbene Großherzog, der sich sehr für das Zustandekommen dere Fähre ineressirte, ein unverzinsliches Kapital bewilligt.
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:In den ersten drei Jahren gaben die Stadt Rostock und die Regierung - als das Unternehmen zu scheitern schien - einen Zuschuß von zusammen 1200 Mark her, von da ab rentirt die Fähre sich selbst. zum erstmaligen Bau hat der verstorbene Großherzog, der sich sehr für das Zustandekommen dere Fähre ineressirte, ein unverzinsliches Kapital bewilligt.
 
:Das Rettungshaus, in deer Mitte des Dorfes unmittelbar an der Warnow gelegen, besteht jetzt aus drei Büdnerei-Grundstücken. Es steht unter Oberleitung eines Curatoriums von vier Mitgliedern und eines Vorstehers. Die Anzahl der Kinder betrug am 9. November 1891  51 Knaben und 11 Mädchen.
 
:Das Rettungshaus, in deer Mitte des Dorfes unmittelbar an der Warnow gelegen, besteht jetzt aus drei Büdnerei-Grundstücken. Es steht unter Oberleitung eines Curatoriums von vier Mitgliedern und eines Vorstehers. Die Anzahl der Kinder betrug am 9. November 1891  51 Knaben und 11 Mädchen.
 
:Fähre bei Rostock; 1 Erbpächter (Krüger). 1894  8 Einwohner."
 
:Fähre bei Rostock; 1 Erbpächter (Krüger). 1894  8 Einwohner."

Aktuelle Version vom 2. Dezember 2019, 13:28 Uhr


Kenndaten des Orts
Name (heute)Gehlsdorf (OT der Hansestadt Rostock)
Regionale Einordnung (heute)
Postleitzahl18147
VerwaltungsamtStadtverwaltung Rostock
LandkreisRostock
Zahlen
Einwohner4662 (2017)
KoordinatenBreite: 54.0986 / Länge: 12.1220


Das Dorf Gehlsdorf liegt ....


Geographische Lage

Einführende Information

Gehlsdorfer Geschichte(n) Autor: Wilfried Steinmüller

Das „Altona“ von Rostock wurde es einst genannt, den „al to nah“ vor den Toren Rostocks lag Gehlsdorf bis zu seiner Eingemeindung am 8.März 1934. Fast 30 Jahre währte das Bemühen, die herzogliche Enklave auf der anderen Warnowseite dem Rostocker Stadtgebiet anzugliedern, bis die Bestrebungen der Hansestadt endlich Erfolg hatten. Im Jahre 1285 findet „Michkhelestorpe“ das Stammgut der Familie von Michelstorf erstmals Erwähnung. In den folgenden Jahrhunderten wandelt sich der Name zu "Micheelsdorf", „Cheelsdorf“ und später „Gehlsdorf“. Im Jahre 1653 läßt sich erstmals eine Fährverbindung nach Rostock nachweisen. Eine gedruckte Chronik des Ortes ist bis heute nicht entstanden, eine Lücke in der regionalen Landeskunde die noch der Aufarbeitung harrt. Geschichte(n) gäbe es da genug aufzuzeichnen. Etwa die, warum der Ort einen Kirchenplatz, aber keine Kirche hat oder wie aus dem Kaffeegarten „Belvedere“ im Jahre 1914 Gusting´s Studentenkneipe„Onkel Toms Hütte“ entstand (und wie diese jüngst nach 120 Jahren Existenz endgültig verschwand). Die 150jährige Geschichte des „Rettungshauses“ heute Michaelshof und der Gehlsdorfer Kliniken allein füllten dicke Bücher. Menschliches käme zutage, wie etwa die Geschichte der Gutsfrau von der Lühe die den Schäfer des Gutes im Jahre 1586 arg bedrängte wie dieser später dem Niedergericht zu Protokoll gibt: „Frawe lasset mir zufrieden oder dar kunde was anders von her kommen. Hette sie, die frawe wieder gesagt, er solle sie einmal under kriegen, sie hette große begier zu ihm.“ Ein dreiviertel Jahr später stand der Schäfer dann dem just geborenen vermeintlichen Töchterlein des betagten Gutsherrn auch noch Pate. Von einer blutigen Verbrecherjagd berichtet der Rostocker Anzeiger im Januar 1913. Der 29jährige ungeratene Sohn Carl des hiesigen Försters Ferdinand Jochens hatte sich schon wiederholt des Heiratsschwindels schuldig gemacht und Mädchen sitzengelassen. In einem Zeitungsinserat suchte er eine Lebensgefährtin die mit ihm nach Südafrika übersiedeln würde um in „Deutsch-Südwest“ eine Farm zu übernehmen. Ein Mädchen aus Stettin ließ sich auf die Offerte ein, heiratete ihn, wurde um 10 000 Mark erleichtert und verlassen. Als die Gendarmerie in Gehlsdorf daraufhin eine Hausdurchsuchung machte, schoß der junge Jochens den Wachtmeister Burmeister nieder und floh. Eine wilde Verfolgungsjagd entbrannte. Letztendlich kam der Flüchtige bei einer wilden Schießerei am Ortsrande von Toitenwinkel ums Leben. In den 1880er Jahren entdeckten betuchte Rostocker den Ort als Sommerfrische und angenehmen Wohnstandort, eine Vielzahl von Villen entstand. Den Anfang machten der Besitzer der Gehlsdorfer Werft, Schiffsbaumeister Burchard und der bekannte Maler Paul Moennich. Berühmtes Markenzeichen Gehlsdorfs waren seine Gärtnereien, der Familien Pagels, Denker und Ewert (besonders letztere war über die Grenzen Mecklenburgs hinaus bekannt). Ein kleines aber feines Gebäude von der Hand des Architekten Paul Korff findet sich am Warnowufer des Ortes. In nur elf Wochen hat der berühmte Architekt hier im Jahre 1903 für den Preis von 12 400,- Mark inclusive Inneneinrichtung ein Schmuckkästchen im englischen Landhausstil geschaffen, in dem der Großherzog Friedrich Franz IV. als leidenschaftlicher Segler dann häufiger Gast sein sollte Im Jahre 1923 erging es dem Ort besonders schlecht. Die Kommune war zahlungsunfähig geworden. Man entließ alle Angestellten. Jegliche kommunale Tätigkeit wurde eingestellt. Der gerade begonnene Bau einer Strasse nach Rostock blieb unvollendet liegen, die Fähre fuhr nicht mehr. Gut fünfzehn Jahre später endete die eigenständige Geschichte Gehlsdorfs und vieles entgleitet der Erinnerung. Die ins Haus stehende Einebnung des Gehlsdorfer Friedhofes verlöscht gerade wieder ein Stück Erinnerung, ein Stück Geschichte.

Der Status von Gehlsdorf im Jahre 1894

Auszug aus "Mecklenburgische Vaterlandskunde von Wilhelm Raabe Ausgabe Gustav Quade" 1894:

Seite 766f
"Gehlsdorf ...bei Rostock (früher Cheelsdorf, abgekürzt aus Michaelsdorf, aber gewöhnlich Gehlsdorf gesprochen), nordwestlich gegenüber von Rostock am rechten Warnowufer, Dorf mit 8 Erbpächtern, 1 Viertelhufner, 24 Büdnern (1 Restaurant ), 26 Häuslern (2 Schenkwirthe), Schule (2).
1890 654 Einwohner, 1855 512 Einwohner.
Wenn man, von Rostock nach Gehlsdorf kommend, die Rostocker Dampf-Fähre, die viertelstündlich von einem zum anderen Ufer übersetzt, verläßt, führt eine breite, jetzt schön gepflasterte und wohlgepflegte, 25 Minuten lange Dorfstraße in das Domanialdorf Gehlsdorf mit seiner sehr gesunden Lage, vonRostocker Aertzten als Kuraufenthalt immer sehr empfohlen.
Gehlsdorf hat sich mit Einführung der seit 1880 bestehenden dampf-Fähre ungemein gehoben. Mehrere Villen - Zum Theil mit Park-Anlagen - und villenartige Gebäude sind entstanden, ferner eine Schlemmkreidefabrik, ein Petroleum-Keller und ein Logirhaus; auch hat Gehlsdorf mit Rostock Telephonverebindung. Es wird sich noch mehr heben, wenn daas jetzt dem Landtage wiederholt vorgelegte Projekt der Anlage einer Irrenanstalt angenommen wird.
Die Dampf-Fähre liegt in den Händen einer Rhederei-Gesellschaft, wozu Gehlsdorfer Bauern, benachbarte Pächter und Büdner und ein Rostocker Kaufmann gehören; aus der Rhederei ist zur Verwaltung ein engererr Ausschuß gewählt, an dessen Spitze ein Correspondenzreheder steht.
In den ersten drei Jahren gaben die Stadt Rostock und die Regierung - als das Unternehmen zu scheitern schien - einen Zuschuß von zusammen 1200 Mark her, von da ab rentirt die Fähre sich selbst. zum erstmaligen Bau hat der verstorbene Großherzog, der sich sehr für das Zustandekommen dere Fähre ineressirte, ein unverzinsliches Kapital bewilligt.
Das Rettungshaus, in deer Mitte des Dorfes unmittelbar an der Warnow gelegen, besteht jetzt aus drei Büdnerei-Grundstücken. Es steht unter Oberleitung eines Curatoriums von vier Mitgliedern und eines Vorstehers. Die Anzahl der Kinder betrug am 9. November 1891 51 Knaben und 11 Mädchen.
Fähre bei Rostock; 1 Erbpächter (Krüger). 1894 8 Einwohner."

Nachtrag S. 1459 "Die Errichtung einer Landes-Irren-Anstalt auf hiesiger Feldmark (Erbpachthufe Nr. 1) ist bereits in Angriff genommen. Aus der Renterei sollten zu diesem Bau 306 300 Mark, aus derReceptur-Casse eine Million Mark bewilligt werden. Die Stände bewilligten jedoch Ende 1892 statt dieser Million nur 600 000 Mark. Mit Rücksicht auf das dringende Bedürfniß einer zweiten Landes-Irren-Anstalt (nach Sachsenberg in Schwerin) erklärte sich die Regierung unterm 12. December 1892 bereit, diese Beihülfe anzunehmen und den Bau ohne Aufschub beginnen zu lassen."

Gehlsdorf im Spiegel von Karten und Luftbildern

Bildergalerie


Ortschronik von Gehlsdorf

Anmerkung: In der folgenden Liste werden bekannt gewordene chronistische Arbeiten gelistet. In blauer Schrift erscheinen Arbeiten die digital verfügbar sind. In roter Schrift gelistete Titel sind, meist aus urheberrechtlichen Gründen, noch nicht digitalisiert. Aber auch Chroniken die bekannt geworden sind, deren Verbleib aber bislang nicht bekannt ist, sind Bestandteil der Liste.

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