Aktuell fortlaufende Geschichte von Hirschburg: Unterschied zwischen den Versionen

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;1888/89
 
;1888/89
: - Der nördlich der Chaussee gelegene Teil der Rostock/Ribnitzer Heide, das Revier Hirschburg eingeschlossen, wird zu einem Groß-Gatter eingezäunt. Einziger Zugang in die Waldungen von Hirschburg aus, ist eine große Doppel-Toranlage für den Landweg, gegenüber der Teerschweelerei Hirschburg. Unweit davon wird die Anlage an der Hirschburger Scheide durch einen Wildeinsprung ergänzt.
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: - Der nördlich der Chaussee Rostock-Ribnitz gelegene Teil der Rostock/Ribnitzer Heide, das Revier Hirschburg eingeschlossen, wird zu einem Groß-Gatter eingezäunt. Einziger Zugang in die Waldungen von Hirschburg aus, ist eine große Doppel-Toranlage für den Landweg, gegenüber der Teerschweelerei Hirschburg. Unweit davon wird die Anlage an der Hirschburger Scheide durch einen Wildeinsprung ergänzt.
  
 
;1908
 
;1908
:18. August - Der Teerschweeler Hermann Stahlaus Wiethagen kauft die Hirschburger Teerschweelerei.
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:18. August - Der Teerschweeler Hermann Stahl aus Wiethagen kauft die Hirschburger Teerschweelerei.
  
 
==Deutsches Reich (bis 1945)==
 
==Deutsches Reich (bis 1945)==
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;1939
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:Mit dem Überfall Deutschlands auf Polen beginnt der zweite Weltkrieg.
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:Die nur unter großen Umständen zu praktizierende Verwaltung des 5,8 Kilometer von der geschlossenen Ortslage Gelbensande stehenden Forstkatens Klein-Müritz, mit vier Werkswohnungen, Haus-, Hofplatz und Gärten, ist für die Gemeinde Gelbensande eine große Belastung. Bereits in den zwanziger Jahren scheiterten Bemühungen um die Umgemeindung von Gelbensande nach Hirschburg an den Hirschburgern, die zu hohe Kosten befürchteten. Nun unternehmen Bürgermeister Kranz und Ortsgruppenleiter der NSDAP Ohlert erneut einen Versuch. Schließlich sind die Hirschburger unter der Bedingung mit der Übernahme des Katens einverstanden, wenn die Gelbensander auch die anfallenden Steuern aus dem Revier Klein-Müritz an sie abtreten.
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:Somit kann durch Erlaß des Staatsministeriums, Abteilung des Innern, mit Wirkung vom 1. April 1940 „aus der Gemeinde Gelbensande, Kreis Rostock, ausgegliedert und in die Gemeinde Hirschburg, Kreis Rostock, eingegliedert werden: Eine bewohnte Fläche von 4280 qm – der an der Landstraße I. Ordnung Bad Müritz–Hirschburg zwischen Klein Müritz und Neuheide gelegene Forstkaten. Die Fläche wird begrenzt: Im Norden durch den Grenzgraben an der Büdenrei 7 in Neuheide, im Osten durch die Landstraße I. Ordnung Rövershagen–Graal/Müritz–Ribnitz zwischen km 7,7 und 7,8 etwa 15 m hinter km 7,8, im Süden und Westen durch die Forst des Landgutes Gelbensande“.
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==SBZ und DDR (bis 1990)==
 
==SBZ und DDR (bis 1990)==
 
==die heutige Zeit (ab 3.Oktober 1990)==
 
==die heutige Zeit (ab 3.Oktober 1990)==
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Den nächsten zaghaften Versuch nachhaltige Waldwirtschaft in den Vordergrund zu stellen, dokumentiert die 1789 verabschiedete „Patent-Verordnung wegen Schonung des Eichen-Holzes, insonderheit wegen mißbräuchlicher Verschwendung junger Eichen-Hester ...“.
 
Den nächsten zaghaften Versuch nachhaltige Waldwirtschaft in den Vordergrund zu stellen, dokumentiert die 1789 verabschiedete „Patent-Verordnung wegen Schonung des Eichen-Holzes, insonderheit wegen mißbräuchlicher Verschwendung junger Eichen-Hester ...“.
 
Großherzog Friedrich Franz I. Lebte es, alljährlich im Herbst große Saujagden mit der Findermeute abzuhalten. In Gelbensande bestanden zu der Zeit speziell angelegte Zuchteinrichtungen für Hetz-, Leit- und Schweißhunde. Versuche der herzoglichen Forstinspektoren (Oberförster Ehlers, Dienstzeit von 1776-1789; Oberförster von Schildfeld 1789-1816; Oberförster Walter 1794-1806; Oberförster Böcler 1806-1816) unter diesen Rahmenbedingungen geregelte Forstwirtschaft zu realisieren, blieben damit weitgehend wirkungslos. Erst mit dem Dienstantritt  
 
Großherzog Friedrich Franz I. Lebte es, alljährlich im Herbst große Saujagden mit der Findermeute abzuhalten. In Gelbensande bestanden zu der Zeit speziell angelegte Zuchteinrichtungen für Hetz-, Leit- und Schweißhunde. Versuche der herzoglichen Forstinspektoren (Oberförster Ehlers, Dienstzeit von 1776-1789; Oberförster von Schildfeld 1789-1816; Oberförster Walter 1794-1806; Oberförster Böcler 1806-1816) unter diesen Rahmenbedingungen geregelte Forstwirtschaft zu realisieren, blieben damit weitgehend wirkungslos. Erst mit dem Dienstantritt  
Philipp von Stenglin´s, eines späterhin bedeutenden Forstmannes begann im Jahre 1816 die Ära einer wirklich tiefgreifenden geregelten Forstwirtschaft. Nur kurz zuvor hatte von Stenglin die Forstakademie Heinrich Cottas (einem der Wegbereiter der deutschen Forstwirtschaft) in Zillbach /Thüringen als einer der ersten Absolventen verlassen. Er führte in den fürstlichen Waldungen die erste wirkliche Forsteinrichtung durch, gliederte die Reviere in Abteilungen, ließ Ansaaten bzw. Pflanzungen eingattern, um so geschützt, um so geschützt vor Wildverbiß ansehnliche Forstbestände aufwachsen zu lassen. Er machte erste erfolgreiche Versuche, standortgemäß auf Plaggstreifen zur Frischerhaltung des Humus übersandete Kiefern-Streifensaaten anzulegen. Von Stenglin gelang es selbst unter den erschwerten Bedingungen eines fürstlichen Präsentationsjagdgebietes, eine Musterforst von landesweiter Bedeutung auf den Weg zu bringen. Welche Beachtung sein forstliches Wirken fand, belegen unter Anderem auch Studienaufenthalte von Land- und Forstwirten nationalen Ranges, wie der Cotta´s im September 1825 oder des berühmten Nationalökonomen Johann Heinrich von Thünen im Jahre 1831 an der Gelbensander Forstinspektion. Eine bemerkenswerte Initiative von Stenglin´s ist auch die Gründung des „Versorgungsvereins für Forstarbeiter zu Gelbensande“ sowie der „Allgemeinen Witwen- und Waisen-Kasse“ 1830 als zwei der ersten Sozialkassen in Mecklenburg. In der Regierungszeit des Großherzogs Friedrich Franz II. Ab 1842 war schließlich auch das Ende der aufwändigen Parforce-Jagden und Hauptjagden gekommen. Fortan prägten mehrheitlich Pirsch- und Ansitzjagd das Geschehen in der fürstlichen Heide. Nach Philipp von Stenglin´s Tode am 30.9.1844 setzten dessen Amtsnachfolger: Forstmeister von Bülow Dienstzeit 1844-1851; Forstmeister Schulz 1851-1874, nun dessen forstliches Vermächtnis mit Kontinuität fort. Mit Max Garthe, dem Enkel des in der Rostocker Heide berühmt gewordenen Forstmeisters Hermann Friedrich Becker, begann 1874 ein weiterer Forstmann von herausragender Bedeutung an der Gelbensander Forstinspektion seine Dienstzeit. Als hier unter seiner Leitung 1875 bis 1877  unmittelbar neben der barocken Jagdresidenz der Komplex einer neuen Forstinspektion gebaut wird, erhielt diese zugleich den Status der zentralen Ausbildungsstätte für den gehobenen Forstdienst in Mecklenburg.
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Philipp von Stenglin´s, eines späterhin bedeutenden Forstmannes begann im Jahre 1816 die Ära einer wirklich tiefgreifenden geregelten Forstwirtschaft. Nur kurz zuvor hatte von Stenglin die Forstakademie Heinrich Cottas (einem der Wegbereiter der deutschen Forstwirtschaft) in Zillbach /Thüringen als einer der ersten Absolventen verlassen. Er führte in den fürstlichen Waldungen die erste wirkliche Forsteinrichtung durch, gliederte die Reviere in Abteilungen, ließ Ansaaten bzw. Pflanzungen eingattern, um so geschützt, um so geschützt vor Wildverbiß ansehnliche Forstbestände aufwachsen zu lassen. Er machte erste erfolgreiche Versuche, standortgemäß auf Plaggstreifen zur Frischerhaltung des Humus übersandete Kiefern-Streifensaaten anzulegen. Von Stenglin gelang es selbst unter den erschwerten Bedingungen eines fürstlichen Präsentationsjagdgebietes, eine Musterforst von landesweiter Bedeutung auf den Weg zu bringen. Welche Beachtung sein forstliches Wirken fand, belegen unter Anderem auch Studienaufenthalte von Land- und Forstwirten nationalen Ranges, wie der Cotta´s im September 1825 oder des berühmten Nationalökonomen Johann Heinrich von Thünen im Jahre 1831 an der Gelbensander Forstinspektion. Eine bemerkenswerte Initiative von Stenglin´s ist auch die Gründung des „Versorgungsvereins für Forstarbeiter zu Gelbensande“ sowie der „Allgemeinen Witwen- und Waisen-Kasse“ 1830 als zwei der ersten Sozialkassen in Mecklenburg. In der Regierungszeit des Großherzogs Friedrich Franz II. Ab 1842 war schließlich auch das Ende der aufwändigen Parforce-Jagden und Hauptjagden gekommen.  
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[[Datei:Einsprung Ridinger.jpg|thumb|200px|rechts|Mehrere solcher Einsprünge gab es ab der 1880 erfolgten Eingatterung der gesamten Heide]]
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[[Datei:RH Einsprung Nordende Hirschb Landweg.jpg|thumb|200px|rechts|Reste des Wildeinsprunges am Nordende des Hirschburger Landweges als Relikt der 1880 erfolgten Eingatterung der gesamten Heide]]Fortan prägten mehrheitlich Pirsch- und Ansitzjagd das Geschehen in der fürstlichen Heide. Nach Philipp von Stenglin´s Tode am 30.9.1844 setzten dessen Amtsnachfolger: Forstmeister von Bülow Dienstzeit 1844-1851; Forstmeister Schulz 1851-1874, nun dessen forstliches Vermächtnis mit Kontinuität fort. Mit Max Garthe, dem Enkel des in der Rostocker Heide berühmt gewordenen Forstmeisters Hermann Friedrich Becker, begann 1874 ein weiterer Forstmann von herausragender Bedeutung an der Gelbensander Forstinspektion seine Dienstzeit. Als hier unter seiner Leitung 1875 bis 1877  unmittelbar neben der barocken Jagdresidenz der Komplex einer neuen Forstinspektion gebaut wird, erhielt diese zugleich den Status der zentralen Ausbildungsstätte für den gehobenen Forstdienst in Mecklenburg.
 
So hat ein großer Teil bedeutender mecklenburgischer Forstmänner in der Zeit bis 1944 hier eine ganz wesentliche forstberufliche Prägung erhalten.
 
So hat ein großer Teil bedeutender mecklenburgischer Forstmänner in der Zeit bis 1944 hier eine ganz wesentliche forstberufliche Prägung erhalten.
  
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Im November 1744 kommt unter Herzog Carl Leopold ein „Forstmeister Brand zu Hirschburg“ vor (Jb. XI S.114). Als dieser Brand 1752 nach dem Tode des Amtmanns Jörns, zugleich zu dessen Nachfolger beim Amte Ribnitz ernannt wurde, wurde letzteres auf Brands Antrag nach Hirschburg verlegt, wo es bis 1833 blieb. (Tott, Gesch. d. Stadt und des Klosters Ribnitz, 1853 S.6)
 
Im November 1744 kommt unter Herzog Carl Leopold ein „Forstmeister Brand zu Hirschburg“ vor (Jb. XI S.114). Als dieser Brand 1752 nach dem Tode des Amtmanns Jörns, zugleich zu dessen Nachfolger beim Amte Ribnitz ernannt wurde, wurde letzteres auf Brands Antrag nach Hirschburg verlegt, wo es bis 1833 blieb. (Tott, Gesch. d. Stadt und des Klosters Ribnitz, 1853 S.6)
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[[Kategorie:Forstgeschichte]]
  
 
==Das Amt Hirschburg und das Amtsgericht==
 
==Das Amt Hirschburg und das Amtsgericht==
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==Menschen in und um Hirschburg==
 
==Menschen in und um Hirschburg==
  
Hier wird an Menschen erinnert die in Hirschburg geboren oder verstorben sind bzw. durch eine besondere Beziehung zum Ort ihre Spuren hinterlassen haben:
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==='''Ulrich Borchert - Erinnerungen an die Nachkriegsjahre'''===
In Vorbereitung
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;Ich bin im Oktober 1946 in Hirschburg geboren.
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[[Datei:Ulrich Borchert auf dem Familienpferd.png|thumb|400px|rechts|Ulrich Borchert auf dem Familienpferd]]
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:Außer meinen Eltern wohnten bei uns meine Großeltern väterlicherseits und eine Flüchtlingsfrau im Dachgeschoß.
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:Im Ort waren viele Kinder von klein bis groß.
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:In Klockenhagen gab es einen Kindergarten, den besuchte meine zwei Jahre jüngere Schwester bis sie eingeschult wurde.
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:Am 1.September 1953 wurde ich in Klockenhagen eingeschult.
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:Die 2. und 4. Klasse war für mich nebenan in der Schule in Hirschburg.
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:Meine Großeltern betrieben eine Büdnerei.
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:Die übernahm 1954 mein Vater und meine Mutter.
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:Leider verstarb mein Vater viel zu früh, im Dezember 1954.
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:Zu unserem Hof gehörten ca. 6 Hektar Land und dem entsprechend Vieh:
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:1 Pferd, 3 Kühe, 2 Stärken, Schweine, Schafe und Hühner.
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:Es war eben ein richtiger Bauernhof, mit all den Arbeiten die dazu gehörten.
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:Da es meinen Vater nicht mehr gab und mein Großvater nicht gesund war, würde die Arbeit auf Alle aufgeteilt.
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:Schon mit 8 Jahren konnte ich mit Tieren gut umgehen.
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:Vor allem das Pferd, da hatte mein Vater mich sehr früh vorgeführt. Es war für mich kein Spielzeug, aber ich durfte auf dem Feld schon die leichteren Arbeiten (Eggen und Grubbern) ausführen.
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:Somit war eine Beschäftigung im Sommer nach der Schule immer gegeben und es machte mir auch Freude.
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:Im Winterhalbjahr war draußen Pause und die Tiere blieben im Stall. Kühe und Schafe wurden dann im Stall versorgt.
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:Zu gerne erinnere ich mich an die Zubereitung des Futters für die Kühe.
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[[Datei:Ulrich_Borchert_mit_dem_Familienpferd.jpg|thumb|300px|rechts|Ulrich Borchert mit dem Familienpferd]]
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:Mit dem Rübenschneider, der einen Elektromotor als Antrieb hatte, wurden Rüben und Wruken zerkleinert, und mit einer Kaffschicht (Abfall beim Dreschen),für die nächste Fütterung der Kühe und Schafe, jeweils morgends und abends, vorbereitet.
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:Morgens waren wir in der Schule, am Nachmittag und Abend wurden von uns diese Arbeiten ausgeführt.
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:Dazu kam das tägliche Heu runterstoßen vom Heuboden.
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:Es machte mir alles viel Freude.
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:Es war aber nicht so, daß ich es unbedingt machen mußte, denn die körperlichen Kräfte waren als Kind ja begrenzt, aber meine Leute und meine Mutter und meine Großeltern hatten erkannt, ich konnte schon viel unterstützen.
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:Schularbeiten wurden abends erledigt.
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:Ich erinnere mich auch noch sehr gut daran, wie ich bei der Feldarbeit mit dem Pferd (Eggen) ein Gedicht lernte.
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[[Datei:Ulrich Borchert beim Mähen mit der Sense.png|thumb|300px|rechts|Ulrich Borchert beim Mähen mit der Sense]]
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:Der Text wurde mit aufs Feld genommen. Am anderen Ende der Furche stand ein Schulfreund, der mich abhörte und verbesserte.
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:Wenn die Arbeit fertig war, dann war es auch das Gedicht und es brauchte sich keiner darum zu kümmern.
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:Meine Mutter hätte dafür auch wenig Zeit gehabt und es gab in dieser Hinsichht auch keine Probleme mit ihren Kindern.
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:Das Spielen in der Freizeit kam nicht zu kurz. Wir wußten uns immer zu beschäftigen.
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:Die Mädchen spielten mit dem Ball oft auch an Hauswänden.
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:Wir Jungen spielten auf dem Schulhof in Hirschburg oder dem dazugehörigen Sportplatz Fußball.
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:Abends wurde in großer Gemeinschaft Völkerball gespielt.
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:Auch Murmelspiele waren sehr beliebt.
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:Mit dem Schuhhacken wurde ein Loch in den Boden gedreht, eine Startlinie gezogen und schon begann der Wettkampf.
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:Jeder hatte seinen Murmelbeutel mit Glas- oder gebrannten Ton-Murmeln in unterschiedlichen Größen, die auch einem unterschiedlichen Wert entsprachen, ständig dabei.
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:Man mußte gut werfen können, und etwas Glück haben, um die Murmeln der anderen zu gewinnen und nicht selbst alles zu verspielen.
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:Im Winter, schon vor Weihnachten, hatten wir in der Regel Eis auf den Wiesen. Dann wurde Schlittschuh gelaufen und im Wald am Hang einer alten Sandkuhle gerodelt.
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:Auch Hundeschlitten wurde gefahren. Die größeren Bauern hatten in der Regel zwei größere Hunde, als Wachhund wie auch Hütehund, diese wurden vor die Schlitten gespannt und ab ging die Jagd.
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:Ich erinnere mich noch daran, wie wir die vielen Maikäfer fingen, die an den Bäumen hingen.
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:Wir hatten  eine riesige Buchenhecke, in der ließen sich die Käfer nieder und wir fingen sie.
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:In der Schule wurden damit auch so Streiche gemacht, indem plötzlich ein Käfer durch den Klassenraum brauste.
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:Oft spielten wir im Wald "Räuber und Gendarm". Alle Jungen und teilweise auch Mädchen waren dabei.
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:Beliebt war auch das Versteck-Spiel in den Hirschburger Linden (bei Hartmann).
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:In unserem Haushalt lebten wie schon zuvor erwähnt, nach dem Tode meines Vaters, dann auch die Eltern meiner Mutter.
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:Es war eng, aber es machte sich erforderlich weil für meine Mutter die Arbeit nicht zu leisten war.
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:Das Verhältnis unter den Geschwistern verlief problemlos.
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:Die Regel war, daß die Großen auf die Kleinen aufpassten.
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:Im Sommer bei der Feldarbeit kamen die Kinder mit an den Feldrand.
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:Ich durfte schon mit der Hacke umgehen  oder auch Rüben verziehen.
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:Mit den Großeltern gab es keine Probleme. Wir waren so erzogen, daß wir Respekt und Disziplin an den Tag legten. War das mal nicht der Fall, wurde von Seiten unserer Mutter für Ordnung gesorgt.
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:Großen Streit gab es nicht. Worüber sollte man auch streiten.
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:Wir hatten alle ein Dach über dem Kopf, wurden satt und waren angezogen. Damit waren wir als Kinder zufrieden.
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[[Datei:Ulrich Borchert beim Tonnenabschlagen.png|thumb|300px|rechts|Ulrich Borchert beim Tonnenabschlagen]]
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:Nach 1958 verkaufte meine Mutter unser Vieh, weil mein Großvater väterlicherseits 1957 verstarb und die Last an Arbeit nicht mehr zu bewältigen war.
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:Für mich war es ein schmerzlicher Einschnitt.
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:Unser Pferd, an dem ich besonders hing, wurde im Sommer, als ich im Schwimmlager war verkauft.
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:Als ich wiederkam war der Stall leer, aber es blieb im Ort, wo ich es häufig sehen konnte.
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:Da ich als "Kutscher" schon bekannt war, durfte ich in den Ferien bei den Bauern auf der Mähmaschine die Pferde bei der Getreidemahd fahren.
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:Auch nach 1960, mit Gründung der LPG, änderte sich daran nichts.
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:Ich verbrachte meine Ferienzeit in der Landwirtschaft und mit dem Älterwerden auch die Herbstferien zur Kartoffelernte.
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:Im Pferdestall der LPG unter den Kutschern fühlte ich mich wohl.
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:In dieser Zeit wurde mir ein Gespann zugewiesen, was mich sehr stolz machte.
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:Ich habe für die damaligen Verhältnisse viel hinzu verdient. Zunächst fürs Fahrrad und der Rest für die Mutter und die gemeinsame Kasse.
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:Es war für mich nie langweilig und ich wurde von den Erwachsenen anerkannt.
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:In der Dorfgemeinschaft hielten alle zusammen. Einer half dem Anderen ohne wenn und aber.
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:Es brauchte sich niemand zu sorgen. Türen müßten nicht ständig verschlossen werden. Wäsche durfte auf der Leine auch nachts hängen bleiben.
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:Feiertage wurden zünftig begangen.
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:So gab es in den 50er Jahren noch gut organisierte Kinderfeste und Erntefeste in Hirschburg.
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:Auch Faschingsveranstaltungen gab es in der Dorfgaststätte. Es war klein aber fein.
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:Klockenhäger sagten oft, so gemütlich und so schön wie in Hirschburg war es bei uns nicht.
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:Staatliche Feiertage, dazu gehört der 1.Mai und der 7.Oktober
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:Der 1. Mai wurde Anfang der 70er Jahre in Klockenhagen auf dem Dorfplatz gefeiert.
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:Es waren fast Alle auf den Beinen und mit Getränken wurde man gut versorgt.
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:Es war natürlich eine politische Veranstaltung, die aber von allen Beteiligten nicht so eng gesehen wurde.
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==='''Christine Szymkowiak - Meine Kinderzeit in Hirschburg'''=== (aufgeschrieben am 15.03.2022)
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:Ich schaue gern Talkshows, lese gern und setze mich gern mit den jeweiligen Themen auseinander. Fast immer taucht die Frage nach der Kindheit der Anwesenden auf. Wenn man mich nach meiner Kindheit fragen würde, lehnte ich mich träumend zurück und tauchte in die Vergangenheit ein. War sie schön? War sie glücklich? Was machte sie besonders? Eines kann ich mit Bestimmtheit sagen: Es gibt keinen Ort auf der Welt, wo ich meine Kindheit und Jugendzeit lieber verbracht hätte. Dafür gibt es viele Gründe, die vermutlich von Jedem anders empfunden werden. Für mich kann ich das jedenfalls so sagen und vielleicht gelingt es mir, es zu erklären.
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:Als viertes Kind von Rita Borchert erblickte ich im Dezember 1957 das Licht der Welt und wohnte bis zum Studienbeginn 1974 in Hirschburg.
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:Wir wohnten im Dorfzentrum in einem Haus an der Dorfstraße. Vor unserem Haus befand sich die Bushaltestelle und neben uns war der Konsum – das war schon eine ausgesprochen glückliche Kombination! Später – so etwa 1964 kam ein weiterer Bonus dazu. Es wurde Jemand gesucht, der bereit wäre, die Fernsprechstelle für die Dorfbewohner in sein Haus zu nehmen. Unsere Mutter war ohnehin durch ihre Hilfsbereitschaft und ihr Engagement so etwas wie die Anlaufstelle für Probleme jeder Art und Berater vieler Menschen. So war es dann fast folgerichtig, dass sich die öffentliche Fernsprechstelle bei uns im Flur befand. Ein Telefon hatte zu der Zeit kaum Jemand – es war ein ungeheurer Luxus. Natürlich brachte es auch Unruhe und zusätzliche Pflichten. Es war ja wie eine Telefonzelle und musste für alle Menschen verfügbar sein. Nicht selten klopften spätabends Menschen an die Tür, die z.B. einen Arzt brauchten. Auch Telegramme aufgeben, annehmen und zustellen gehörte zu den Aufgaben. Besonders bei Sturm und Regen verfluchten wir es manchmal, wenn wir mit dem Rad eventuell bis zur Kuhweide oder nach Klein-Müritz fahren mussten. Aber die Vorteile lagen auf der Hand. Wir hatten das Telefon im Haus und wir Kinder lernten sehr früh den Umgang mit solchen Dingen kennen. Auch schnelles Mitschreiben und Buchstabieren gemäß des Telefonalphabetes beherrschten wir frühzeitig.  
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:Unser Flur war den Dorfbewohnern auch durch den Eieraufkauf bekannt. An zwei Abenden in der Woche lieferten sie die Eier bei meiner Mutter ab. Entsprechend der gelieferten Eier bekamen die Menschen Futtermittel und Geld zugeteilt. Meine Mutter hatte den Eieraufkauf als zusätzliches Arbeitsverhältnis übernommen. In unserer Flurecke stapelten sich also Eierkisten, die wöchentlich vom Fahrer der VEAB (Volkseigener Erfassungs- und Aufkaufbetrieb) abgeholt wurden. Fast nebenher lernte ich dadurch frühzeitig eine Waage zu bedienen, Abrechnungen zu machen oder Geld zu verwalten.
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:Man kannte im Grunde alle Bewohner des Dorfes und auch die Familiensituationen. Das ist eine Besonderheit! In Hirschburg war man nie allein. Jedenfalls gilt das für die Häuserreihe, in der ich wohnte. Man konnte eigentlich mit Jedem sprechen, egal ob Erwachsene oder Kind. Verschlossene Haustüren waren eher die Ausnahme, man klopfte an oder ging einfach hinein. Ganz egal, ob man nun Jemanden zum Spielen suchte, etwas ausrichten sollte oder etwas fragen wollte. Diese Zugehörigkeit genossen auch die vielen Sommergäste – ob nun Familienangehörige aus dem Westen oder Urlauber aus dem Süden der DDR. Man kannte sich oder wurde einander vorgestellt und schon gehörten die Gäste für eine kurze Zeit zum Dorfensemble. Wer dazu gehören wollte, egal ob bei den Erwachsenen, Kindern oder Jugendlichen, war herzlich willkommen.
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:Sehr gern denke ich an die Abende auf dem Schulhof oder dem Sportplatz. Der Schulhof war direkt neben unserem Haus, denn zweitweise befand sich im Haus der Familien Bollmann und Pitzschke ein Klassenraum. Die Grundschule besuchten wir Kinder in Klockenhagen, aber die 3. Klasse wurde in jenem Klassenraum unterrichtet, weil der Platz in der Schule Klockenhagen nicht ausreichte. Der Sportplatz wiederum befand sich auf der Wiese hinter unserem Haus (heute: Büdneracker genannt und mit Häusern bebaut). Es war wie ein ungeschriebenes Gesetz, dass man sich so gegen 18.00 oder 18.30 Uhr dort zum gemeinsamen Spiel traf. Ich war ja meist eine von den Kleinen – alle anderen waren schon älter, aber das spielte keine Rolle. Es gab Spiele wie Ich schicke den Brief, Verstecken, Federball, Volleyball, Völkerball (heute als Zweifelderball bekannt) Lange Nase und vieles mehr.
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:Alle liebten das Spiel Berliner-Stettiner-Eckenflitzer. Das wurde rund um den Konsum gespielt. Man einigte sich vor Spielbeginn, an welcher Seite des Hauses sich Berlin und an welcher Stettin befand. Meist war links Berlin, rechts Stettin. Warum, das vermag ich nicht mehr zu sagen. Der Fänger wird durch Abzählen ermittelt. Er steht vor dem Haus. Alle anderen stehen hinter dem Haus. Dann rufen sie: “Berliner, Stettiner Eckenflitzer von wo?” Der Fänger antwortet dann mit einem von beiden und rennt sogleich los. Er kommt also aus Berlin oder Stettin. Alle anderen rennen ebenfalls los, vor ihm weg. Der Fänger muss nun versuchen, einen zu erwischen – es geht also mehrere Runden herum, bis er einen erwischt hat. Die Gejagten können sich hinter einer Hausecke verstecken, indem sie sich fest an die Wand drücken. Wenn der Fänger an ihnen vorbei rennt und sie nicht bemerkt, rufen sie “Vorbei.” und sind damit frei. Der erste, den der Fänger dann einfängt, muss der nächste Fänger sein. Wir haben dieses Spiel geliebt und vermutlich dabei ganz wunderbar Kondition, Gewandtheit und Ausdauer trainiert.
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:Abenteuerlich und spannend waren die Versteckspiele in der Dunkelheit, die dann meist in den Linden gespielt wurden. Unsere Mutter sah es nicht gern, denn nicht selten ging eine Taschenlampe zu Bruch oder verschwand. Ich hatte ehrlich gesagt immer ein wenig Angst dabei, aber kneifen wollte ich auch nicht. Unvergessen sind die Tobestunden in den Scheunen auf Heu - oder Strohböden. Am besten ging es in der alten Scheune auf dem Hof bei Malowitz. Unvergessen sind auch die abenteuerlichen Klettereien auf den großen Strohmieten. Das war eigentlich verboten, aber es machte uns so extrem viel Spaß, da wurde das Verbot nicht nur einmal missachtet. Damals gab es nur Baumwollhosen und blöderweise bekam man Heu und Stroh so schlecht davon abgezupft. Obwohl wir uns so viel Mühe gaben, entdeckten die Eltern fast immer, wo wir gewesen sind und der Ärger war vorprogrammiert. Das Spielen und Klettern auf den Mieten nahm für uns ein jähes Ende, als ein Junge einmal darin einbrach. Wir weinten und riefen um Hilfe. Udo war tief nach unten gesackt und war in Lebensgefahr. Die Männer eilten vom Feld herbei und nur weil alle halfen, wurde er gesund gerettet. Ab da war das Thema Strohmieten für alle erledigt!
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:Aber Hirschburg mit seinen abgelegenen Höfen, alten Maschinen oder Teichen war der beste Spielplatz der Welt. In den leeren Tonnenfässern konnte man so wunderbar Raumschiff oder U-Boot spielen. Ob die zeitweise unangenehm rochen? Wenn ja, hat es uns nicht gestört! Barfuß über die Wiesen rennen, einfach im Gras liegen und den Wolken nachschauen, Sumpfdotterblumen für zuhause pflücken, dabei auch mal in einen weichen Kuhfladen treten, Stichlinge im Glas fangen – alles Dinge, die ich mit meinem Kindersommer verbinde. Unvergessen ist das klare Wasser im Bach. Wir konnten darin baden und fanden es herrlich. Die größeren fuhren mit den Rädern zur „Kuhle“. Dort war das Wasser tiefer und der Bach in einer Kurve breiter. Viele lernten dort schwimmen. Mir reichte es, von der alten Brücke zu springen und im flacheren Wasser zu baden. Nach dem Bau der neuen Brücke war das dann vorbei. Sie war deutlich höher und der Bach wurde von Jahr zu Jahr dunkler und wuchs an den Rändern zu.
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:Das Plumpsklo der Familien stand auf dem Hof und Toilettenpapier wie wir es heute kennen, war gar nicht vorstellbar. Es wurde Zeitungspapier in entsprechend große Stücke geschnitten und dort aufgehängt. Das musste man vor dem Benutzen lang genug knüllen, damit es den nötigen Zweck erfüllte. Im Winter war man verständlicherweise deutlich schneller fertig, als in den warmen Monaten. Abends mochte ich nie dorthin gehen – ich fürchtete mich immer in der Dunkelheit. In den Linden oder Kastanien herumklettern und dabei Pirat, Räuber, Gangster, Cowboy oder Soldat zu sein….ich habe es geliebt. Wir hatten keine konstruierten Spielplätze, aber klettern und laufen und hangeln konnten wir wohl fast alle.
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:Wenn wir Unterrichtsschluss hatten, gingen wir oft zu Fuß nach Hause. Das Anhängen an den Milchwagen war verboten, denn auf der Straße hatten Kinder nichts zu suchen. Der Milchwagen war ein Pferdegespann. Zwei Pferde zogen den Wagen, der von Haus zu Haus oder zu den Ställen fuhr und die Milchkannen abholte. Wir liefen dem Wagen hinterher, hängten uns dran oder kletterten dann auf die Wagenfläche. War es gefährlich? Vermutlich ja, wenn man nicht die nötige Kraft und Gewandtheit hatte. Aber es war wie ein Sieg, wenn man es geschafft hatte. Der Fahrer war uns Kindern bekannt und schimpfte nie, sondern nahm uns ein Stück mit.
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:Manche Kinder konnten schon mit ihren Eltern in den Urlaub fahren. Ich hatte keine so richtige Vorstellung davon, was das konkret hieß. Aber die Ansichtskarten oder Fotos und ihre Erzählungen danach, weckten in mir immer so ein bisschen Hunger auf die Welt. Ich kannte es nicht und habe es auch nicht vermisst, denn ich war glücklich. Glücklich, wenn ich als Frühaufsteher im Badeanzug nach Klockenhagen zu Bäcker Jens radeln durfte und meine Familie mit warmen Brötchen überraschen konnte. Die kleinen Enten – und Gänseküken waren mir wundervolle Gefährten. Ich kuschelte mit ihnen und versuchte immer mal wieder, sie zu dressieren. Leider meist ohne Erfolg. Wenn ich dann auf der Wiese bei ihnen saß oder lag und dann noch ein Buch dabei lesen konnte ….perfekter konnten Ferien nicht sein!
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:Die jüngeren Dorfkinder nicht zu vergessen. Mit großer Freude übernahm ich es, auf sie aufzupassen oder mit ihnen zu spielen, wenn ihre Eltern es wollten. Irgendwie war ich immer in verschiedenen Rollen integriert. Für die Jüngeren war ich der Begleiter, für Gleichaltrige der Ideenfinder und für ältere ein Unterhalter. Es gab wohl kein Haus in der Reihe, wo man mich nicht irgendwann einlud: „Tine, sing mal das Lied. …Oder mach mal „das oder das“ vor. Ich fand das nicht schlimm und genoss es, Freude gemacht zu haben. Aber das ist im Leben ja wohl immer so. Jeder muss seinen Platz finden und ihn ausleben.
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:Ich denke mit Freude und manchmal ein bisschen Wehmut an die Zeit zurück, wenn es hieß, die Kinder treffen sich bei Frau Bollmann. Dort wurden Lieder geübt, Programme vorbereitet und Blockflöte gelernt. Ich glaube, fast jedes Dorfkind konnte ein wenig Blockflöte spielen. Mit netten Programmen unterhielten wir dann Gäste auf Weihnachtsfeiern oder überraschten besondere Jubilare. Das war einfach schön! Was hab ich sie um die Gitarre beneidet und mir geschworen….irgendwann hast du eine und wirst spielen. Das dauerte dann allerdings noch viele Jahre! Es gab ja selten eine zu kaufen und dann war sie sehr teuer. Aber es sei bemerkt, dass ich mir zum 30.!!! Geburtstag den Wunsch erfüllen konnte und seitdem auch im autodidaktischen Verfahren darauf spielen lernte. Diese Freude an der Musik – ob nun singen, Blockflöte- oder Gitarre spielen hat sich in mir absolut festgesetzt. Sowohl in meiner pädagogischen Tätigkeit als auch in der Freizeit hab ich diese Freude an unzählige Kinder weiter gegeben und sie beim Erlernen des Instrumentes begleitet. Die Basis für diese Freude und auch viele Fähigkeiten erwarb ich in Hirschburg! Auch solche :Dinge wie Hilfsbereitschaft, Verantwortungsbewusstsein, Freundlichkeit, Selbstbewusstsein und Aufrichtigkeit gab man mir als Rüstzeug dort auf den Weg!
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:Ganz besondere Nachmittage waren in jedem Jahr die LPG Weihnachtsfeier und der Fasching. Die Erwachsenen sorgten immer mit vielen guten Einfällen, fröhlichen Singspielen, Quatschliedern, Rätselrunden, gemeinsamem Singen und vielem mehr dafür, dass Jeder auf seine Kosten kam und glücklich nach Hause ging. Man bedenke, es gab weder Kassettenrekorder noch CD-Player oder Verstärker mit Boxen. Die Musik machte ein Akkordeonspieler oder man sang laut zu bestimmten Spielen. „Laurenzia“ war dann noch das harmloseste.
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:Die Winter brachten meist noch Eis und Schnee. Die Wohnungen waren kalt, geheizt wurden in der Regel nur die Zimmer. Es musste viel Brennmaterial (Holz und Kohlen) geschleppt werden. Abends legte man einen Ziegelstein oder einen Kastanienbeutel in die Ofenröhre. Die nahm man mit ins Bett, damit es sich anfangs nicht so klamm anfühlte und die Füße warm wurden. Kastanien gab es im Herbst genug. Unsere Mutter hatte die Beutel genäht und es war herrlich, die Wärme zu spüren. Ich mochte es, wenn morgens die Fenster mit Eisblumen zugefroren waren. Dann hauchte ich Löcher hinein oder kratzte Muster ins Eis. Für uns Kinder waren Eis und Schnee eine Freude. Wir waren den ganzen Nachmittag auf den überschwemmten, zugefrorenen Wiesen oder den kleinen Dorfteichen zum Schlittschuhlaufen. Es gab noch keine Schneehosen und nicht selten waren wir wirklich steif gefroren, wenn wir nach Hause gingen. An sogenannte Kneifer in den Fingern oder Zehen denke ich sehr ungern zurück. Aber auch das gehörte zu den Wintererlebnissen.
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:In Erinnerungen eintauchen ist spannend und manchmal anrührend. Manches macht auch wehmütig, weil man Dinge vermisst. Aber Zurückschauen macht in erster Linie reich, weil man Dinge schätzen lernt, die durchaus nicht überall und immer selbstverständlich sind. Einander helfen, die Sorgen und Freuden mit anderen teilen, sich willkommen fühlen, von Fremden vielerlei Techniken lernen dürfen, ohne sich nervig und störend zu finden, das sind Dinge, die von gelebter Menschlichkeit und sozialer Wärme geprägt sind. Ein guter Platz zum glücklich Großwerden – das war Hirschburg für mich!
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:Ich erlebte Katastrophenwinter mit eingeschneiten Häusern, großen Schneeverwehungen, Blitzeis auf der Straße, dass wir mit Schlittschuhen bis Klockenhagen fahren konnten, Orkane mit herumfliegenden Dächern und umstürzenden alten Linden und so viele andere Sachen. Aber auch solche schlimmen Dinge wurden miteinander bewältigt und nach getaner Arbeit saßen die Erwachsenen zusammen. Es wurde angestoßen, meist mit Bier, Grog, Spezi (ein dem Cognac ähnliches Getränk) oder anderen alkoholischen Getränken. Es wurde gelacht oder man plante besorgt die nächsten Schritte. Allein brauchte jedenfalls Niemand die Schäden beseitigen. Man half einander und wir Kinder durften, sollten, konnten immer dabei sein.
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:Für mich war Hirschburg der beste Platz, um glücklich lernen und einfach Kind sein zu dürfen. Ich danke jedem Einzelnen, der mir half, Dinge zu verstehen, Verantwortung zu übernehmen und auch Freude an kleinen Dingen zu haben.
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:Wenn ich heute die Häuserreihe entlang gehe, fallen mir viele Episoden ein und ich denke an die ehemaligen Bewohner, sehe sie vor meinem inneren Auge an der Gartenpforte stehen oder fluchend über den Hof gehen. Dann lächle ich zuweilen vor mich hin und weiß, dass es heute so eine Kinderzeit wohl nicht mehr gibt. In mancherlei Hinsicht haben wir es heute ja deutlich einfacher und angenehmer. Allerdings bin ich dankbar und glücklich, es auch anders erlebt zu haben.
  
 
=Sagen, Geschichten und Legenden rund um Hirschburg=
 
=Sagen, Geschichten und Legenden rund um Hirschburg=

Aktuelle Version vom 13. April 2022, 13:50 Uhr

Fortlaufende Ortschronik von Hirschburg

Was der Boden über die Ur- und Frühgeschichte erzählt

Reformation und Nachreformationszeit (1517 bis 1648)

bis zur napoleonischen Zeit (bis 1813)

1665 In Hirschburg habe "der alte Glöde gewohnt, jetzt wohne dort der H. Forstmeister, der Knechte jung und Mägde helt, und ein "Schüzze" sei"

1700 In Hirschburg wird eine von fünf Forstinspektionen in Mecklenburg eingerichtet.

1744 unter Herzog Carl Leopold findet ein "Forstmeister Brand zu Hirschburg" Erwähnung

1752 Forstmeister Brand wird nach dem Tode des Amtmanns Jörns dessen Amtsnachfolger und das Amt Ribnitz wird auf Brand´s Antrag nach Hirschburg verlegt (wo es bis 1833 bleibt).

1775 Grenzkonflikt zwischen der Stadt Ribnitz und dem herzoglichen Amt Hirschburg, nachdem der herzogliche Amtmann Klotz zu Pfingsten ohne Wissen der Stadt Grenzpfähle setzen ließ.

1787, 1. Juni bittet das Ribnitzer Amt der Grob- und Fein-Schmiede den Herzog, dem Hirschburger Schmied "die fernere Haltung des doppelten Feuers und die Fertigung aller Schiffs-Arbeit bei einer Strafe von 50 Talern auf jeden Contraventions-Fall ob periculum in mora bald gnädigst inhibiren zu lassen.

Bis zur Reichseinigung (bis 1871)

Deutsches Reich (bis 1918)

1888/89
- Der nördlich der Chaussee Rostock-Ribnitz gelegene Teil der Rostock/Ribnitzer Heide, das Revier Hirschburg eingeschlossen, wird zu einem Groß-Gatter eingezäunt. Einziger Zugang in die Waldungen von Hirschburg aus, ist eine große Doppel-Toranlage für den Landweg, gegenüber der Teerschweelerei Hirschburg. Unweit davon wird die Anlage an der Hirschburger Scheide durch einen Wildeinsprung ergänzt.
1908
18. August - Der Teerschweeler Hermann Stahl aus Wiethagen kauft die Hirschburger Teerschweelerei.

Deutsches Reich (bis 1945)

1939
Mit dem Überfall Deutschlands auf Polen beginnt der zweite Weltkrieg.
Die nur unter großen Umständen zu praktizierende Verwaltung des 5,8 Kilometer von der geschlossenen Ortslage Gelbensande stehenden Forstkatens Klein-Müritz, mit vier Werkswohnungen, Haus-, Hofplatz und Gärten, ist für die Gemeinde Gelbensande eine große Belastung. Bereits in den zwanziger Jahren scheiterten Bemühungen um die Umgemeindung von Gelbensande nach Hirschburg an den Hirschburgern, die zu hohe Kosten befürchteten. Nun unternehmen Bürgermeister Kranz und Ortsgruppenleiter der NSDAP Ohlert erneut einen Versuch. Schließlich sind die Hirschburger unter der Bedingung mit der Übernahme des Katens einverstanden, wenn die Gelbensander auch die anfallenden Steuern aus dem Revier Klein-Müritz an sie abtreten.
Somit kann durch Erlaß des Staatsministeriums, Abteilung des Innern, mit Wirkung vom 1. April 1940 „aus der Gemeinde Gelbensande, Kreis Rostock, ausgegliedert und in die Gemeinde Hirschburg, Kreis Rostock, eingegliedert werden: Eine bewohnte Fläche von 4280 qm – der an der Landstraße I. Ordnung Bad Müritz–Hirschburg zwischen Klein Müritz und Neuheide gelegene Forstkaten. Die Fläche wird begrenzt: Im Norden durch den Grenzgraben an der Büdenrei 7 in Neuheide, im Osten durch die Landstraße I. Ordnung Rövershagen–Graal/Müritz–Ribnitz zwischen km 7,7 und 7,8 etwa 15 m hinter km 7,8, im Süden und Westen durch die Forst des Landgutes Gelbensande“.

SBZ und DDR (bis 1990)

die heutige Zeit (ab 3.Oktober 1990)

Einigen wichtigen Einrichtungen sind eigene Artikel gewidmet:

Herkunft von Hirschburg

Historischer Abriß zur Waldlandschaft – Ribnitzer Forst, Hirschburg/Gelbensander Forst, Forst Alte Heide

Das Forstrevier Hirschburg als Teil der fürstlichen Waldungen

(NHG) Betrachten wir die historische Entwicklung des östlichen Teils jener Waldlandschaft, die mit 12 000 ha Ausdehnung das größte geschlossene Forstgebiet an der gesamten deutschen Seeküste ist und für dessen Geschlossenheit die Geographen den Begriff „Nordöstliche Heide Mecklenburgs“ prägten, so umfasst sie angesichts schriftlicher Belege einen Zeitraum von mehr als 750 Jahren. Das Datum des ältesten erhaltenen Dokumentes berichtet von der größten Zäsur in der Geschichte dieser Landschaft, eben deren Teilung. Bis zum 25. März 1252 befand sich hier das gesamte in sich geschlossene Urwaldgebiet zwischen Rostock und der Recknitzmündung im Besitz der mecklenburgischen Landesherrschaft. Dann verkaufte Fürst Borwin der III. Die mehr als 6 000 ha umfassende Westhälfte an die Stadt Rostock. Die in ihren Grundzügen bis in unsere Tage anhaltende Teiliung in die westliche „Rostocker Heide“ und die östliche „fürstlich Ribnitzer Heide“ war vollzogen. Fortan machten diese beiden Waldhälften eine nutzungsgeprägt sehr unterschiedliche Entwicklung durch. In der Rostocker Heide dominierte der Holzerwerb, in der fürstlichen Heide prägte die höfische Repräsentationsjagd die weitere Entwickliung der Landschaft. Aus einer Urkunde, datiert vom 20.April 1262, ist zu entnehmen, dass die Jagd nicht mehr der allgemeinheit zustand, sondern das ihre Ausübung bereits allmählich als ein besonderes mit dem Eigentum an Grund und Boden verbundenes und aus diesem entspringendes Recht verstanden wurde. So stand nun die „Hohe Jagd“, also Hetz-, Pirsch- und Beitzjagd auf Edel-, Reh-, Schwarzwild, Auer-, Birk-, und Haselhuhn, Fasan, Trappe, Kranich und Adler ausschließlich dem Landesherrn zu. Alle übrigen jagdbaren, in der Heide vorkommenden Tierarten, die „Niedere Jagd“, also Hühnerfang mit dem Hühnerhund sowie Habichsbeize auf den Hasen, gestand man auch dem niedeeren Adel, städtisch Ribnitzer bzw. klösterlicher Beauftragter in Form von Privilegien zu. Einfachen Untertanen war nun das Vogelfangen mit Leimruten (Leimspillenausleger) gestattet.

Wann der einst hier vorkommende letzte Auerochse erlegt worden ist, kann heute nicht mehr festgestellt werden. Dass er, genauso wie der Elch, einmal recht häufig anzutreffen war, belegen jedoch gelegentlich bei Erdarbeiten gemachte Funde. Auch Luchs, Bär, Wolf, Auer-, Birk- und Haselhuhn waren ehemals hier heimisch. Im Jahre 1272 finden sich erstmals urkundliche Nachweise, die einen größeren Waldbesitz der Stadt Ribnitz im Nordostteil des Waldareals belegen. Teile der Fürstlichen Heide gelangten ab 1328 durch Schenkung der Landesfürsten in den Besitz des Klarissenklosters zu Ribnitz. Dieser Streubesitz umfasste im 16. Jahrhundert Waldflächen bei Dierhagen, Müritz, Altheide/Neuhof, Petersdorf und Wilmshagen, laut der Klosterchronik von Lambert Slaggert: „Waldungen um rund 1 000 Schweine feist zu machen“. Eine Größenbestimmung, die uns zugleich von einer weiteren Art der Waldnutzung, der in Teilen bis Anfang des 19. Jahrhunderts anhaltenden Waldweide, berichtet. Wald und Schweinebestand des Klosters Ribnitz und seiner Höfe waren unzertrennbar mit einander verbunden, denn der Waldbestand spielte als Ernährungsfaktor in der Schweinehaltung die weitaus größte Rolle. Die klösterliche, wie auch die fürstliche Forstwirtschaft war zu Beginn des 16. Jahrhunderts vernachlässigt worden. Man betrieb die Forstwirtschaft nur als Plänterwirtschaft, d.h. man fällte die geeigneten Stämme regellos, ohne sich um den Ersatz durch Anpflanzung junger Bäume zu kümmern. Eine Ausnahme machten ab 1620 klösterliche Flächen in der Dierhäger Feldmark. Sie zu rein landwirtschaftlichen Zwecken zu benutzen schien unwirtschaftlich, deshalb hatte man junge Bäume angepflanzt, so dass hier im Gegensatz zu den Ausrodungen alter Waldungen der damals sicherlich seltene Fall eintrat, das früheres Ackerland zum Holzanbau benutzt wurde. Zum Problem wurde die Übernutzung der sogenannten „weichen Holzung“ (Büsche, Sträucher und niedrige Bäume). Aus ihr verschaffte sich das Kloster eine wesentliche Einnahmequelle. Es erlaubte den Bauern, sich ihren Bedarf Holz zu hauen, und erhob für mehrere Ladungen 20-30 Thaler. Die weiche Holzung wurde nicht allein als rohes Holz, sondern beereits im 16. Jahrhundert nachweislich zur Holzkohleherstellung genutzt. Das Kloster selbst betrieb keine Meiler, sondern es kaufte die benötigte Kohle von seinen Bauern. Durch den Erbvertrag von 1611 wurde auch der Übergang der Klosterwaldungen in den Besitz der Herzöge Adolph Friedrich und Johann Albrecht von Mecklenburg festgeschrieben. Dem folgte jedoch ein mehr als ein halbes Jahrhundert anhaltender Streit, bis schließlich 1669 der überwiegende Teil des Ribnitzer Klosterwaldes in fürstlichen Besitz über ging und nun Bestandteil der fürstlichen Heide wurde.

Ab 1554 sind für die fürstliche Heide erste Jagdreglemente nachweisbar, so „Wider das Jagen zur verbotenen Zeit“ (1554), „Wider das Schießen und Jagen in der fürstlichen Heide“ (1557). Beginnend im Jahre 1599 finden sich Berichte über fürstliche Jagdablager in den fürstlichen und klösterlichen Waldungen (Reh- und Schweine-Ablager; aufwändig betriebene Treibjagd-Veranstaltungen verbundenmit umfangreichen Bauerndiensten). An die Stelle des Fürsten persönlich traten während der Ablager oft die Jäger des Landesherrn, da dieser nicht selbst in jedem Jahr in allen Teilen seiner domanialen Besitzungen jagen konnte. Ein im Visitationsprotokoll 1649 erwähnter wüster Heidereiter-Sitz in Gelbensande (ein Jahr zuvor endete der 30-jährige Krieg), der zu jener Zeit wieder aufgebaut wurde, lässt den Schluß zu, dass hier bereits vor Ausbruch dieses Krieges ein fürstlicher Jagdaufseher seinen Sitz hatte. Gelbensande sollte in der Folge nicht nur Bedeutung als Sitz der landesherrlichen Jagdaufsicht, sondern auch als fürstliche Jagdresidenz in diesem ausgedehnten Areal erhalten. Vom 3. September 1687 ist uns aus der fürstlichen Heide ein Bericht überliefert, als „Ihre fürstliche DurchlauchtHerzog Gustav Adolph eine Jagd, welche er zu Ehren seines bei ihm zu Besuch weilenden Schwiegersohn, des Grafen von Stolberg und dessen Gemahlin abgehalten...“. Hier wird berichtet, dass das Treiben von Schwarzwild ebenso beliebt war, wie die lärmreiche Klapperjagd auf Füchse, Hasen und Schnepfen. Beim „Buschieren“, der Suchjagd auf Niederwild mit Vorsteh- und Stöberhund, dem übrigens der Begriff „auf den Busch klopfen“ entstammt, bei der im Gebüsch verborgene Tiere „herausgeklopft“ wurden, fanden die Durchlauchten ihr Jagdvergnügen. Die hochherrschaftlichen Weidmänner des rühen Barock bevorzugten dann jedoch mehr die körperlich weniger strapaziös eingestellte Jagd, auch umstelltes oder deutsches Jagen genannt. Darunter verstand man mittels Lappenketten umstelle Waldtrassen, in denen Treiber dem Jagdherrn das Wild zum Schusse zutrieben. Besondere Bedeutung erlangten die Ribnitz/Gelbensander Waldungen während der regierungszeit des Herzogs friedrich Wilhelm (1675-1713), der hier seiner Vorliebe, der Parforce-Jagd häufig nachging. Die Parforce-Jagd, auch französische Jagd oder „chassé á courre“ genannt, von par force = mit Gewalt; ohne jeglice Pardon , zielte in der Regel auf den edlen Hirsch, der von einer Meute speziell abgerichteter Hunde und den Treibern bis aufs Blut gehetzt wurde. Er veranlasste 1694 auch das „Edict wider das Jagen in der verbotenen Zeit, worin zugleich dessen Befehl, denen Hunden auf dem Lande die Schleif- oder Zwergknütteln von 5 viertel Ellen lang anzuhengen“ gefolgt vom „Jagd- und Forst-Edict“ 1697. Dazu gelang es dem Herzog durch den „Vergleich mit der Stadt Rostock wegen der Besetzung und cedirten Ober- und Niederjagden in der Rostocker Heyde“ am 28. März 1702, das Recht der Jagd in der Rostocker Heide auf Lebenszeit zu erlangen. Somit stand ihm die Jagd in der Fürstlichen Waldung, wie auch der Ribnitzer und Rostocker Stadtwaldung zu. Das hatte schließlich zur Folge, das er zeitweise seine Hauptresidenz nach Rostock verlegte und am Heidereiter-Sitz Gelbensande ein kleines Jagdschloss errichten ließ. Auf sein Betreiben hin wurde 1702 eine Holzordnung erlassen, die inhaltliche Ansätze zu geregelter Forstwirtschaft (Erhaltung und Schonung der Waldungen, erste Durchforstungsregeln, Schlageinteilung von Niederwald) enthielt. Im Jahre 1715, zwei Jahre nach Friedrich Wilhelms Ableben, gereichte das diesem Landesfürsten seitens der Rostocker auf Lebenszeit eingeräumte Jagdrecht in den städtischen Waldungen zu einem handfesten Streit mit dessen jüngerem Bruder und Amtsnachfolger, Herzog Carl Leopold. In Folge dieser Streitigkeiten besetzten herzogliche Truppen die gesamte Waldlandschaft, auch wurde die Rostocker Bürgervertretung festgesetzt. Am 26. Mai erging der kaiserliche Bescheid, dass die „Transaktion“ des Herzogs „vor Null und nichtig erklähret“ wurde. So musste sich Carl Leopold, der kurz zzuvor gerade ein politisches Bündnis mit Zar Peeter dem Großen eingegangen war und dessen Nichte Katharina Iwanowna geheiratet hatte, den Gelbensander Jagdsitz zu einer barocken Jagdresidenz-Anlage erweitern. Die heute nicht mehr existierende Anlage ähnelte dem barocken Jagdschloß Friedrichsmoor fast zwillingshaft und wurde ebenso vom Baumeister Christian von dem Knesebeck erbaut. Sie wurde zu einem der besonders beliebten Aufenthaltsorte des Fürstenpaares. Die umgebenden fürstlichen Waldungen nutzte man als bevorzugten Aufenthaltsort der Präsentationsjagden. Als wohl berühmtester Jagdgast nahm daran Zar Peter wiedereholt teil. Ab etwa 1719, in der Zeit der de facto Entmachtung Herzog Carl Leopolds verekümmerte die höfische Repräsentationsjagd in den fürstlich Gelbensander Forsten für Jahrzehnte fast bis zur Bedeutungslosigkeit.

Angesichts des in Mecklenburg, wie in ganz Europa raumgreifenden Gespenstes der Holznot, der überwiegende Teil der Waldungen war durch Übernutzung zu Strauchwüsten verkommen, waren die hiesigen fürstlichen Forsten weitgehend intakt. Die 1702 erlassene Forstordnung und eine Reihe, den Folgejahren entstammender, darauf aufbauender Edikte und forstlicher Verordnungen, zeigten hier ihre Wirkung. Zaghaft wurden erste Schritte zu geregelter Forstwirtschaft praktisch umgesetzt. 1736 kam es zur Errichtung der fünf ersten Forstinspektionen in Mecklenburg. In der fürstlich Gelbensander Heide entstand so die Hirschburger Forstinspektion. Eine Einteilung der Waldungen in Reviere folgte bald darauf. Im August 1750 entstand die erste Teerschweelerei in den fürstlichen Waldungen in der Nähe Gelbensandes. Insgesamt existierten im 18./19. Jahrhundert viet Teerschweelereien in der fürstlichen Heide. Erst drei Jahre nach Regierungsbeginn Herzog Christian Ludwigs II., also ab 1750 rückte dieses fürstliche Waldgebiet wieder in den Focus höfischen Jagdgeschehens. Ab 1755 wurde der Bestand an Hetzhunden und Pferden in der Gelbensander Jagdresidenz beachtlich erhöht. Parforce-Jagden erlebten eine Renaissance, forstliche Aspekte traten wiederhinter höfische Repräsentation zurück .

Den nächsten zaghaften Versuch nachhaltige Waldwirtschaft in den Vordergrund zu stellen, dokumentiert die 1789 verabschiedete „Patent-Verordnung wegen Schonung des Eichen-Holzes, insonderheit wegen mißbräuchlicher Verschwendung junger Eichen-Hester ...“. Großherzog Friedrich Franz I. Lebte es, alljährlich im Herbst große Saujagden mit der Findermeute abzuhalten. In Gelbensande bestanden zu der Zeit speziell angelegte Zuchteinrichtungen für Hetz-, Leit- und Schweißhunde. Versuche der herzoglichen Forstinspektoren (Oberförster Ehlers, Dienstzeit von 1776-1789; Oberförster von Schildfeld 1789-1816; Oberförster Walter 1794-1806; Oberförster Böcler 1806-1816) unter diesen Rahmenbedingungen geregelte Forstwirtschaft zu realisieren, blieben damit weitgehend wirkungslos. Erst mit dem Dienstantritt Philipp von Stenglin´s, eines späterhin bedeutenden Forstmannes begann im Jahre 1816 die Ära einer wirklich tiefgreifenden geregelten Forstwirtschaft. Nur kurz zuvor hatte von Stenglin die Forstakademie Heinrich Cottas (einem der Wegbereiter der deutschen Forstwirtschaft) in Zillbach /Thüringen als einer der ersten Absolventen verlassen. Er führte in den fürstlichen Waldungen die erste wirkliche Forsteinrichtung durch, gliederte die Reviere in Abteilungen, ließ Ansaaten bzw. Pflanzungen eingattern, um so geschützt, um so geschützt vor Wildverbiß ansehnliche Forstbestände aufwachsen zu lassen. Er machte erste erfolgreiche Versuche, standortgemäß auf Plaggstreifen zur Frischerhaltung des Humus übersandete Kiefern-Streifensaaten anzulegen. Von Stenglin gelang es selbst unter den erschwerten Bedingungen eines fürstlichen Präsentationsjagdgebietes, eine Musterforst von landesweiter Bedeutung auf den Weg zu bringen. Welche Beachtung sein forstliches Wirken fand, belegen unter Anderem auch Studienaufenthalte von Land- und Forstwirten nationalen Ranges, wie der Cotta´s im September 1825 oder des berühmten Nationalökonomen Johann Heinrich von Thünen im Jahre 1831 an der Gelbensander Forstinspektion. Eine bemerkenswerte Initiative von Stenglin´s ist auch die Gründung des „Versorgungsvereins für Forstarbeiter zu Gelbensande“ sowie der „Allgemeinen Witwen- und Waisen-Kasse“ 1830 als zwei der ersten Sozialkassen in Mecklenburg. In der Regierungszeit des Großherzogs Friedrich Franz II. Ab 1842 war schließlich auch das Ende der aufwändigen Parforce-Jagden und Hauptjagden gekommen.

Mehrere solcher Einsprünge gab es ab der 1880 erfolgten Eingatterung der gesamten Heide
Reste des Wildeinsprunges am Nordende des Hirschburger Landweges als Relikt der 1880 erfolgten Eingatterung der gesamten Heide

Fortan prägten mehrheitlich Pirsch- und Ansitzjagd das Geschehen in der fürstlichen Heide. Nach Philipp von Stenglin´s Tode am 30.9.1844 setzten dessen Amtsnachfolger: Forstmeister von Bülow Dienstzeit 1844-1851; Forstmeister Schulz 1851-1874, nun dessen forstliches Vermächtnis mit Kontinuität fort. Mit Max Garthe, dem Enkel des in der Rostocker Heide berühmt gewordenen Forstmeisters Hermann Friedrich Becker, begann 1874 ein weiterer Forstmann von herausragender Bedeutung an der Gelbensander Forstinspektion seine Dienstzeit. Als hier unter seiner Leitung 1875 bis 1877 unmittelbar neben der barocken Jagdresidenz der Komplex einer neuen Forstinspektion gebaut wird, erhielt diese zugleich den Status der zentralen Ausbildungsstätte für den gehobenen Forstdienst in Mecklenburg.

So hat ein großer Teil bedeutender mecklenburgischer Forstmänner in der Zeit bis 1944 hier eine ganz wesentliche forstberufliche Prägung erhalten.

Der Forsthof Hirschburg

(NHG) In einem Berichte (concept) des Magisters Samuel Nicolaus Wagner, Pastor v. Ribbenitz, angeblich vom Jahre 1665, über die Verhältnisse der Stadtkirche zu Ribnitz (Original in den Akten der Superintendentur Doberan) heißt es von Hirschburg, dort habe früher „der alte Glöde „ gewohnt, jetzt wohne dort der H. Forstmeister, „der Knechte jung und Mägde helt, und ein „Schüzze“ (d.h. also ein Jäger). Der Forstmeister Jürgen Christoffer Malchow (?) zu Hirschburg habe ferner Freudenberg und Hirschburg in Pacht und habe auch eine wüste Hufe von Klockenhagen inne. Der Forstmeister muß damals also eine ausgedehnte Landwirtschaft betrieben haben.

Im November 1744 kommt unter Herzog Carl Leopold ein „Forstmeister Brand zu Hirschburg“ vor (Jb. XI S.114). Als dieser Brand 1752 nach dem Tode des Amtmanns Jörns, zugleich zu dessen Nachfolger beim Amte Ribnitz ernannt wurde, wurde letzteres auf Brands Antrag nach Hirschburg verlegt, wo es bis 1833 blieb. (Tott, Gesch. d. Stadt und des Klosters Ribnitz, 1853 S.6)

Das Amt Hirschburg und das Amtsgericht

Aus der alten „Burgvogtey zu Ribnitz“ entstand die spätere Vogtey nach deutschem Brauch als Schulz- und Verwaltungsbehörde, welche noch später den Namen „Amt“ erhielt , bis 1752 ihren Sitzt im Klosterküchenmeisterhofe hatte, dann aber nach dem Tode des Amtmanns Jörns, auf Antrag des zu Beamten ernannten Forstmeisters Brandt nach Hirschburg verlegt wurde, 1833 jedoch wieder nach Ribnitz kam. (Tott, Gesch. d. Stadt und des Klosters Ribnitz, 1853 S.6)

1810 war „de oll Amtshauptmann Klotz“ zu Hirschburg. Ludwig Dolberg berichtet, 1810 bei der Kontinentalsperre hätten die Franzosen den Dierhäger Schulzen „dod ängst, obschons he´n Kirl was, vor den süß de oll Amtshauptmann Klotz, der dunntomalen noch to Hitzborg wahnen deihr, Respect harr. Denn wenn em seggt würr, dor wier ein Schult, de will em spreken, un he frog, wecker dat den war; un se sehren em: de Deirhäger was dat, dunn sehr he: „Denn möt ick henn.“ (L. Dolberg 1885, S. 117)

In Hirschburg sollen zwei langgestreckte einstöckige Gebäude und der Rest einer Allee Überbleibsel des Amtes sein, das im Anfang des 19. Jahrhunderts in Hirschburg statt in Ribnitz war. (Friedrich Schlie 1914)

Die Schule

Die Schmiede

Am 1. Juni 1787 bittet das Ribnitzer Amt der Grob- und Fein-Schmiede den Herzog, dem Hirschburger Schmied „die fernere Haltung des doppelten Feuers und die Fertigung aller Schiffs-Arbeit bei einer Strafe von 50 Talern auf jeden Contraventions-Fall ob periculum in mora bald gnädigst inhibiren zu lassen. Die Hirschburger Schmiede hatte damals augenscheinlich noch nicht lange bestanden, war aber mit einem ziemlich umfangreichen Banngebiet verehen. Denn in der Beschwerde der Ribnitzer wird diesbezüglich erwähnt, daß der Hirschburger Landschmiede bei ihrer „vor eben nicht gar langer Zeit“ erfolgte Errichtung die Höfe Neuhof und Petersdorf und das ganze Fischland als Zwangsgäste beigelegt seien. (Ribnitzer Amtsakten: Landschmiede, Generalia Schlie 1914)

Die Teeröfen (Teeraben] in Neu-Hirschburg (Teerschweeler Wilhelm Böldt)

1912 kaufte der Rademacher Wilhelm Böldt die Büdnerei 11 in Neu-Hischburg mit den darauf befindlichen 2 Teeröfen
(auf dem Bild der große Teerofen in Betrieb, dahinter lag der kleinere Teerofen).
  • Neu Hirschburg Teerofen 1925 Teerschweeler Wilhelm Böldt
Wilhelm Boldt brannte von 1912 bis 1935 (letzter Brand) Holzkohle und fuhr sie mit dem eigenen Pferdegespann alle 4 Wochen nach Rostock. Hauptabnehmer waren die Neptunwerft (Kupferschmiede) und die Brauerei Mahn&Ohlerich.
Der Holzteer wurde vorwiegend als Anstrichmittel verwendet. Alle der Witterung ausgesetzten Holzkonstruktionen wie Ackerwagen, Türen und Scheunentore, Verbretterungen an Gebäuden, Zäune usw. erhielten wiederholt Anstriche mit Holzteer. Andere preiswerte Anstrichstoffe standen zu jener Zeit kaum zur Verfügung. Ob es neben dem direkten Verkauf an den Endverbraucher auch Lieferungen an Großabnehmer gab, nicht bekannnt.
Der Brennrhythmus war eine Woche beschicken mit Meterholz, zwei Wochen Tag und Nacht brennen, eine Woche abkühlen, eine Woche entleeren und beschicken usw. . Die Öfen waren Rundbauten aus Klinkermauerwerk zweischalig. Der Fußboden des Innenraums hatte ein Gefälle zur Mitte, von dort führte ein Eisenrohr nach draußen zu den Teertonnen, die in einer Bodenvertiefung standen. Nach der Beschickung des Innenraumes, das Holz wurde so eng wie möglich gestapelt, wurde der Innenraum zugemauert und damit luftdicht abgeschlossen.
Die äußere Hülle hatte im Sohlenbereich einen lichten Abstand von der Innenschale von ca. 1 Meter, dieser Abstand verjüngte sich nach oben zu den Rauchabzugsöffnungen (Nüstern oder Nünstern).
Der Raum zwischen den beiden Mauerwerksschalen war der Feuerraum. Er war vom Brennerschauer zugänglich. Die Öffnung des Feuerloches konnte mit einer Eisenplatte variabel eingestellt zugestellt werden..
Vor dem Brennerschauer war eine Umfahrt um die Teerofenanlagen. In gleicher Höhe mit dem Brennerschauer war neben einem großen Apfelbaum ein offener Soot, der mit großen Felsen ausgekleidet war. Er diente der Löschwasserbereitstellung.

Hochburg des Reitsports

Zeitzeugen berichten

Menschen in und um Hirschburg

Ulrich Borchert - Erinnerungen an die Nachkriegsjahre

Ich bin im Oktober 1946 in Hirschburg geboren.
Ulrich Borchert auf dem Familienpferd
Außer meinen Eltern wohnten bei uns meine Großeltern väterlicherseits und eine Flüchtlingsfrau im Dachgeschoß.
Im Ort waren viele Kinder von klein bis groß.
In Klockenhagen gab es einen Kindergarten, den besuchte meine zwei Jahre jüngere Schwester bis sie eingeschult wurde.
Am 1.September 1953 wurde ich in Klockenhagen eingeschult.
Die 2. und 4. Klasse war für mich nebenan in der Schule in Hirschburg.
Meine Großeltern betrieben eine Büdnerei.
Die übernahm 1954 mein Vater und meine Mutter.
Leider verstarb mein Vater viel zu früh, im Dezember 1954.
Zu unserem Hof gehörten ca. 6 Hektar Land und dem entsprechend Vieh:
1 Pferd, 3 Kühe, 2 Stärken, Schweine, Schafe und Hühner.
Es war eben ein richtiger Bauernhof, mit all den Arbeiten die dazu gehörten.
Da es meinen Vater nicht mehr gab und mein Großvater nicht gesund war, würde die Arbeit auf Alle aufgeteilt.
Schon mit 8 Jahren konnte ich mit Tieren gut umgehen.
Vor allem das Pferd, da hatte mein Vater mich sehr früh vorgeführt. Es war für mich kein Spielzeug, aber ich durfte auf dem Feld schon die leichteren Arbeiten (Eggen und Grubbern) ausführen.
Somit war eine Beschäftigung im Sommer nach der Schule immer gegeben und es machte mir auch Freude.
Im Winterhalbjahr war draußen Pause und die Tiere blieben im Stall. Kühe und Schafe wurden dann im Stall versorgt.
Zu gerne erinnere ich mich an die Zubereitung des Futters für die Kühe.
Ulrich Borchert mit dem Familienpferd
Mit dem Rübenschneider, der einen Elektromotor als Antrieb hatte, wurden Rüben und Wruken zerkleinert, und mit einer Kaffschicht (Abfall beim Dreschen),für die nächste Fütterung der Kühe und Schafe, jeweils morgends und abends, vorbereitet.
Morgens waren wir in der Schule, am Nachmittag und Abend wurden von uns diese Arbeiten ausgeführt.
Dazu kam das tägliche Heu runterstoßen vom Heuboden.
Es machte mir alles viel Freude.
Es war aber nicht so, daß ich es unbedingt machen mußte, denn die körperlichen Kräfte waren als Kind ja begrenzt, aber meine Leute und meine Mutter und meine Großeltern hatten erkannt, ich konnte schon viel unterstützen.
Schularbeiten wurden abends erledigt.
Ich erinnere mich auch noch sehr gut daran, wie ich bei der Feldarbeit mit dem Pferd (Eggen) ein Gedicht lernte.
Ulrich Borchert beim Mähen mit der Sense
Der Text wurde mit aufs Feld genommen. Am anderen Ende der Furche stand ein Schulfreund, der mich abhörte und verbesserte.
Wenn die Arbeit fertig war, dann war es auch das Gedicht und es brauchte sich keiner darum zu kümmern.
Meine Mutter hätte dafür auch wenig Zeit gehabt und es gab in dieser Hinsichht auch keine Probleme mit ihren Kindern.
Das Spielen in der Freizeit kam nicht zu kurz. Wir wußten uns immer zu beschäftigen.
Die Mädchen spielten mit dem Ball oft auch an Hauswänden.
Wir Jungen spielten auf dem Schulhof in Hirschburg oder dem dazugehörigen Sportplatz Fußball.
Abends wurde in großer Gemeinschaft Völkerball gespielt.
Auch Murmelspiele waren sehr beliebt.
Mit dem Schuhhacken wurde ein Loch in den Boden gedreht, eine Startlinie gezogen und schon begann der Wettkampf.
Jeder hatte seinen Murmelbeutel mit Glas- oder gebrannten Ton-Murmeln in unterschiedlichen Größen, die auch einem unterschiedlichen Wert entsprachen, ständig dabei.
Man mußte gut werfen können, und etwas Glück haben, um die Murmeln der anderen zu gewinnen und nicht selbst alles zu verspielen.
Im Winter, schon vor Weihnachten, hatten wir in der Regel Eis auf den Wiesen. Dann wurde Schlittschuh gelaufen und im Wald am Hang einer alten Sandkuhle gerodelt.
Auch Hundeschlitten wurde gefahren. Die größeren Bauern hatten in der Regel zwei größere Hunde, als Wachhund wie auch Hütehund, diese wurden vor die Schlitten gespannt und ab ging die Jagd.
Ich erinnere mich noch daran, wie wir die vielen Maikäfer fingen, die an den Bäumen hingen.
Wir hatten eine riesige Buchenhecke, in der ließen sich die Käfer nieder und wir fingen sie.
In der Schule wurden damit auch so Streiche gemacht, indem plötzlich ein Käfer durch den Klassenraum brauste.
Oft spielten wir im Wald "Räuber und Gendarm". Alle Jungen und teilweise auch Mädchen waren dabei.
Beliebt war auch das Versteck-Spiel in den Hirschburger Linden (bei Hartmann).
In unserem Haushalt lebten wie schon zuvor erwähnt, nach dem Tode meines Vaters, dann auch die Eltern meiner Mutter.
Es war eng, aber es machte sich erforderlich weil für meine Mutter die Arbeit nicht zu leisten war.
Das Verhältnis unter den Geschwistern verlief problemlos.
Die Regel war, daß die Großen auf die Kleinen aufpassten.
Im Sommer bei der Feldarbeit kamen die Kinder mit an den Feldrand.
Ich durfte schon mit der Hacke umgehen oder auch Rüben verziehen.
Mit den Großeltern gab es keine Probleme. Wir waren so erzogen, daß wir Respekt und Disziplin an den Tag legten. War das mal nicht der Fall, wurde von Seiten unserer Mutter für Ordnung gesorgt.
Großen Streit gab es nicht. Worüber sollte man auch streiten.
Wir hatten alle ein Dach über dem Kopf, wurden satt und waren angezogen. Damit waren wir als Kinder zufrieden.
Ulrich Borchert beim Tonnenabschlagen
Nach 1958 verkaufte meine Mutter unser Vieh, weil mein Großvater väterlicherseits 1957 verstarb und die Last an Arbeit nicht mehr zu bewältigen war.
Für mich war es ein schmerzlicher Einschnitt.
Unser Pferd, an dem ich besonders hing, wurde im Sommer, als ich im Schwimmlager war verkauft.
Als ich wiederkam war der Stall leer, aber es blieb im Ort, wo ich es häufig sehen konnte.
Da ich als "Kutscher" schon bekannt war, durfte ich in den Ferien bei den Bauern auf der Mähmaschine die Pferde bei der Getreidemahd fahren.
Auch nach 1960, mit Gründung der LPG, änderte sich daran nichts.
Ich verbrachte meine Ferienzeit in der Landwirtschaft und mit dem Älterwerden auch die Herbstferien zur Kartoffelernte.
Im Pferdestall der LPG unter den Kutschern fühlte ich mich wohl.
In dieser Zeit wurde mir ein Gespann zugewiesen, was mich sehr stolz machte.
Ich habe für die damaligen Verhältnisse viel hinzu verdient. Zunächst fürs Fahrrad und der Rest für die Mutter und die gemeinsame Kasse.
Es war für mich nie langweilig und ich wurde von den Erwachsenen anerkannt.
In der Dorfgemeinschaft hielten alle zusammen. Einer half dem Anderen ohne wenn und aber.
Es brauchte sich niemand zu sorgen. Türen müßten nicht ständig verschlossen werden. Wäsche durfte auf der Leine auch nachts hängen bleiben.
Feiertage wurden zünftig begangen.
So gab es in den 50er Jahren noch gut organisierte Kinderfeste und Erntefeste in Hirschburg.
Auch Faschingsveranstaltungen gab es in der Dorfgaststätte. Es war klein aber fein.
Klockenhäger sagten oft, so gemütlich und so schön wie in Hirschburg war es bei uns nicht.
Staatliche Feiertage, dazu gehört der 1.Mai und der 7.Oktober
Der 1. Mai wurde Anfang der 70er Jahre in Klockenhagen auf dem Dorfplatz gefeiert.
Es waren fast Alle auf den Beinen und mit Getränken wurde man gut versorgt.
Es war natürlich eine politische Veranstaltung, die aber von allen Beteiligten nicht so eng gesehen wurde.

===Christine Szymkowiak - Meine Kinderzeit in Hirschburg=== (aufgeschrieben am 15.03.2022)

Ich schaue gern Talkshows, lese gern und setze mich gern mit den jeweiligen Themen auseinander. Fast immer taucht die Frage nach der Kindheit der Anwesenden auf. Wenn man mich nach meiner Kindheit fragen würde, lehnte ich mich träumend zurück und tauchte in die Vergangenheit ein. War sie schön? War sie glücklich? Was machte sie besonders? Eines kann ich mit Bestimmtheit sagen: Es gibt keinen Ort auf der Welt, wo ich meine Kindheit und Jugendzeit lieber verbracht hätte. Dafür gibt es viele Gründe, die vermutlich von Jedem anders empfunden werden. Für mich kann ich das jedenfalls so sagen und vielleicht gelingt es mir, es zu erklären.
Als viertes Kind von Rita Borchert erblickte ich im Dezember 1957 das Licht der Welt und wohnte bis zum Studienbeginn 1974 in Hirschburg.
Wir wohnten im Dorfzentrum in einem Haus an der Dorfstraße. Vor unserem Haus befand sich die Bushaltestelle und neben uns war der Konsum – das war schon eine ausgesprochen glückliche Kombination! Später – so etwa 1964 kam ein weiterer Bonus dazu. Es wurde Jemand gesucht, der bereit wäre, die Fernsprechstelle für die Dorfbewohner in sein Haus zu nehmen. Unsere Mutter war ohnehin durch ihre Hilfsbereitschaft und ihr Engagement so etwas wie die Anlaufstelle für Probleme jeder Art und Berater vieler Menschen. So war es dann fast folgerichtig, dass sich die öffentliche Fernsprechstelle bei uns im Flur befand. Ein Telefon hatte zu der Zeit kaum Jemand – es war ein ungeheurer Luxus. Natürlich brachte es auch Unruhe und zusätzliche Pflichten. Es war ja wie eine Telefonzelle und musste für alle Menschen verfügbar sein. Nicht selten klopften spätabends Menschen an die Tür, die z.B. einen Arzt brauchten. Auch Telegramme aufgeben, annehmen und zustellen gehörte zu den Aufgaben. Besonders bei Sturm und Regen verfluchten wir es manchmal, wenn wir mit dem Rad eventuell bis zur Kuhweide oder nach Klein-Müritz fahren mussten. Aber die Vorteile lagen auf der Hand. Wir hatten das Telefon im Haus und wir Kinder lernten sehr früh den Umgang mit solchen Dingen kennen. Auch schnelles Mitschreiben und Buchstabieren gemäß des Telefonalphabetes beherrschten wir frühzeitig.
Unser Flur war den Dorfbewohnern auch durch den Eieraufkauf bekannt. An zwei Abenden in der Woche lieferten sie die Eier bei meiner Mutter ab. Entsprechend der gelieferten Eier bekamen die Menschen Futtermittel und Geld zugeteilt. Meine Mutter hatte den Eieraufkauf als zusätzliches Arbeitsverhältnis übernommen. In unserer Flurecke stapelten sich also Eierkisten, die wöchentlich vom Fahrer der VEAB (Volkseigener Erfassungs- und Aufkaufbetrieb) abgeholt wurden. Fast nebenher lernte ich dadurch frühzeitig eine Waage zu bedienen, Abrechnungen zu machen oder Geld zu verwalten.
Man kannte im Grunde alle Bewohner des Dorfes und auch die Familiensituationen. Das ist eine Besonderheit! In Hirschburg war man nie allein. Jedenfalls gilt das für die Häuserreihe, in der ich wohnte. Man konnte eigentlich mit Jedem sprechen, egal ob Erwachsene oder Kind. Verschlossene Haustüren waren eher die Ausnahme, man klopfte an oder ging einfach hinein. Ganz egal, ob man nun Jemanden zum Spielen suchte, etwas ausrichten sollte oder etwas fragen wollte. Diese Zugehörigkeit genossen auch die vielen Sommergäste – ob nun Familienangehörige aus dem Westen oder Urlauber aus dem Süden der DDR. Man kannte sich oder wurde einander vorgestellt und schon gehörten die Gäste für eine kurze Zeit zum Dorfensemble. Wer dazu gehören wollte, egal ob bei den Erwachsenen, Kindern oder Jugendlichen, war herzlich willkommen.
Sehr gern denke ich an die Abende auf dem Schulhof oder dem Sportplatz. Der Schulhof war direkt neben unserem Haus, denn zweitweise befand sich im Haus der Familien Bollmann und Pitzschke ein Klassenraum. Die Grundschule besuchten wir Kinder in Klockenhagen, aber die 3. Klasse wurde in jenem Klassenraum unterrichtet, weil der Platz in der Schule Klockenhagen nicht ausreichte. Der Sportplatz wiederum befand sich auf der Wiese hinter unserem Haus (heute: Büdneracker genannt und mit Häusern bebaut). Es war wie ein ungeschriebenes Gesetz, dass man sich so gegen 18.00 oder 18.30 Uhr dort zum gemeinsamen Spiel traf. Ich war ja meist eine von den Kleinen – alle anderen waren schon älter, aber das spielte keine Rolle. Es gab Spiele wie Ich schicke den Brief, Verstecken, Federball, Volleyball, Völkerball (heute als Zweifelderball bekannt) Lange Nase und vieles mehr.
Alle liebten das Spiel Berliner-Stettiner-Eckenflitzer. Das wurde rund um den Konsum gespielt. Man einigte sich vor Spielbeginn, an welcher Seite des Hauses sich Berlin und an welcher Stettin befand. Meist war links Berlin, rechts Stettin. Warum, das vermag ich nicht mehr zu sagen. Der Fänger wird durch Abzählen ermittelt. Er steht vor dem Haus. Alle anderen stehen hinter dem Haus. Dann rufen sie: “Berliner, Stettiner Eckenflitzer von wo?” Der Fänger antwortet dann mit einem von beiden und rennt sogleich los. Er kommt also aus Berlin oder Stettin. Alle anderen rennen ebenfalls los, vor ihm weg. Der Fänger muss nun versuchen, einen zu erwischen – es geht also mehrere Runden herum, bis er einen erwischt hat. Die Gejagten können sich hinter einer Hausecke verstecken, indem sie sich fest an die Wand drücken. Wenn der Fänger an ihnen vorbei rennt und sie nicht bemerkt, rufen sie “Vorbei.” und sind damit frei. Der erste, den der Fänger dann einfängt, muss der nächste Fänger sein. Wir haben dieses Spiel geliebt und vermutlich dabei ganz wunderbar Kondition, Gewandtheit und Ausdauer trainiert.
Abenteuerlich und spannend waren die Versteckspiele in der Dunkelheit, die dann meist in den Linden gespielt wurden. Unsere Mutter sah es nicht gern, denn nicht selten ging eine Taschenlampe zu Bruch oder verschwand. Ich hatte ehrlich gesagt immer ein wenig Angst dabei, aber kneifen wollte ich auch nicht. Unvergessen sind die Tobestunden in den Scheunen auf Heu - oder Strohböden. Am besten ging es in der alten Scheune auf dem Hof bei Malowitz. Unvergessen sind auch die abenteuerlichen Klettereien auf den großen Strohmieten. Das war eigentlich verboten, aber es machte uns so extrem viel Spaß, da wurde das Verbot nicht nur einmal missachtet. Damals gab es nur Baumwollhosen und blöderweise bekam man Heu und Stroh so schlecht davon abgezupft. Obwohl wir uns so viel Mühe gaben, entdeckten die Eltern fast immer, wo wir gewesen sind und der Ärger war vorprogrammiert. Das Spielen und Klettern auf den Mieten nahm für uns ein jähes Ende, als ein Junge einmal darin einbrach. Wir weinten und riefen um Hilfe. Udo war tief nach unten gesackt und war in Lebensgefahr. Die Männer eilten vom Feld herbei und nur weil alle halfen, wurde er gesund gerettet. Ab da war das Thema Strohmieten für alle erledigt!
Aber Hirschburg mit seinen abgelegenen Höfen, alten Maschinen oder Teichen war der beste Spielplatz der Welt. In den leeren Tonnenfässern konnte man so wunderbar Raumschiff oder U-Boot spielen. Ob die zeitweise unangenehm rochen? Wenn ja, hat es uns nicht gestört! Barfuß über die Wiesen rennen, einfach im Gras liegen und den Wolken nachschauen, Sumpfdotterblumen für zuhause pflücken, dabei auch mal in einen weichen Kuhfladen treten, Stichlinge im Glas fangen – alles Dinge, die ich mit meinem Kindersommer verbinde. Unvergessen ist das klare Wasser im Bach. Wir konnten darin baden und fanden es herrlich. Die größeren fuhren mit den Rädern zur „Kuhle“. Dort war das Wasser tiefer und der Bach in einer Kurve breiter. Viele lernten dort schwimmen. Mir reichte es, von der alten Brücke zu springen und im flacheren Wasser zu baden. Nach dem Bau der neuen Brücke war das dann vorbei. Sie war deutlich höher und der Bach wurde von Jahr zu Jahr dunkler und wuchs an den Rändern zu.
Das Plumpsklo der Familien stand auf dem Hof und Toilettenpapier wie wir es heute kennen, war gar nicht vorstellbar. Es wurde Zeitungspapier in entsprechend große Stücke geschnitten und dort aufgehängt. Das musste man vor dem Benutzen lang genug knüllen, damit es den nötigen Zweck erfüllte. Im Winter war man verständlicherweise deutlich schneller fertig, als in den warmen Monaten. Abends mochte ich nie dorthin gehen – ich fürchtete mich immer in der Dunkelheit. In den Linden oder Kastanien herumklettern und dabei Pirat, Räuber, Gangster, Cowboy oder Soldat zu sein….ich habe es geliebt. Wir hatten keine konstruierten Spielplätze, aber klettern und laufen und hangeln konnten wir wohl fast alle.
Wenn wir Unterrichtsschluss hatten, gingen wir oft zu Fuß nach Hause. Das Anhängen an den Milchwagen war verboten, denn auf der Straße hatten Kinder nichts zu suchen. Der Milchwagen war ein Pferdegespann. Zwei Pferde zogen den Wagen, der von Haus zu Haus oder zu den Ställen fuhr und die Milchkannen abholte. Wir liefen dem Wagen hinterher, hängten uns dran oder kletterten dann auf die Wagenfläche. War es gefährlich? Vermutlich ja, wenn man nicht die nötige Kraft und Gewandtheit hatte. Aber es war wie ein Sieg, wenn man es geschafft hatte. Der Fahrer war uns Kindern bekannt und schimpfte nie, sondern nahm uns ein Stück mit.
Manche Kinder konnten schon mit ihren Eltern in den Urlaub fahren. Ich hatte keine so richtige Vorstellung davon, was das konkret hieß. Aber die Ansichtskarten oder Fotos und ihre Erzählungen danach, weckten in mir immer so ein bisschen Hunger auf die Welt. Ich kannte es nicht und habe es auch nicht vermisst, denn ich war glücklich. Glücklich, wenn ich als Frühaufsteher im Badeanzug nach Klockenhagen zu Bäcker Jens radeln durfte und meine Familie mit warmen Brötchen überraschen konnte. Die kleinen Enten – und Gänseküken waren mir wundervolle Gefährten. Ich kuschelte mit ihnen und versuchte immer mal wieder, sie zu dressieren. Leider meist ohne Erfolg. Wenn ich dann auf der Wiese bei ihnen saß oder lag und dann noch ein Buch dabei lesen konnte ….perfekter konnten Ferien nicht sein!
Die jüngeren Dorfkinder nicht zu vergessen. Mit großer Freude übernahm ich es, auf sie aufzupassen oder mit ihnen zu spielen, wenn ihre Eltern es wollten. Irgendwie war ich immer in verschiedenen Rollen integriert. Für die Jüngeren war ich der Begleiter, für Gleichaltrige der Ideenfinder und für ältere ein Unterhalter. Es gab wohl kein Haus in der Reihe, wo man mich nicht irgendwann einlud: „Tine, sing mal das Lied. …Oder mach mal „das oder das“ vor. Ich fand das nicht schlimm und genoss es, Freude gemacht zu haben. Aber das ist im Leben ja wohl immer so. Jeder muss seinen Platz finden und ihn ausleben.
Ich denke mit Freude und manchmal ein bisschen Wehmut an die Zeit zurück, wenn es hieß, die Kinder treffen sich bei Frau Bollmann. Dort wurden Lieder geübt, Programme vorbereitet und Blockflöte gelernt. Ich glaube, fast jedes Dorfkind konnte ein wenig Blockflöte spielen. Mit netten Programmen unterhielten wir dann Gäste auf Weihnachtsfeiern oder überraschten besondere Jubilare. Das war einfach schön! Was hab ich sie um die Gitarre beneidet und mir geschworen….irgendwann hast du eine und wirst spielen. Das dauerte dann allerdings noch viele Jahre! Es gab ja selten eine zu kaufen und dann war sie sehr teuer. Aber es sei bemerkt, dass ich mir zum 30.!!! Geburtstag den Wunsch erfüllen konnte und seitdem auch im autodidaktischen Verfahren darauf spielen lernte. Diese Freude an der Musik – ob nun singen, Blockflöte- oder Gitarre spielen hat sich in mir absolut festgesetzt. Sowohl in meiner pädagogischen Tätigkeit als auch in der Freizeit hab ich diese Freude an unzählige Kinder weiter gegeben und sie beim Erlernen des Instrumentes begleitet. Die Basis für diese Freude und auch viele Fähigkeiten erwarb ich in Hirschburg! Auch solche :Dinge wie Hilfsbereitschaft, Verantwortungsbewusstsein, Freundlichkeit, Selbstbewusstsein und Aufrichtigkeit gab man mir als Rüstzeug dort auf den Weg!
Ganz besondere Nachmittage waren in jedem Jahr die LPG Weihnachtsfeier und der Fasching. Die Erwachsenen sorgten immer mit vielen guten Einfällen, fröhlichen Singspielen, Quatschliedern, Rätselrunden, gemeinsamem Singen und vielem mehr dafür, dass Jeder auf seine Kosten kam und glücklich nach Hause ging. Man bedenke, es gab weder Kassettenrekorder noch CD-Player oder Verstärker mit Boxen. Die Musik machte ein Akkordeonspieler oder man sang laut zu bestimmten Spielen. „Laurenzia“ war dann noch das harmloseste.
Die Winter brachten meist noch Eis und Schnee. Die Wohnungen waren kalt, geheizt wurden in der Regel nur die Zimmer. Es musste viel Brennmaterial (Holz und Kohlen) geschleppt werden. Abends legte man einen Ziegelstein oder einen Kastanienbeutel in die Ofenröhre. Die nahm man mit ins Bett, damit es sich anfangs nicht so klamm anfühlte und die Füße warm wurden. Kastanien gab es im Herbst genug. Unsere Mutter hatte die Beutel genäht und es war herrlich, die Wärme zu spüren. Ich mochte es, wenn morgens die Fenster mit Eisblumen zugefroren waren. Dann hauchte ich Löcher hinein oder kratzte Muster ins Eis. Für uns Kinder waren Eis und Schnee eine Freude. Wir waren den ganzen Nachmittag auf den überschwemmten, zugefrorenen Wiesen oder den kleinen Dorfteichen zum Schlittschuhlaufen. Es gab noch keine Schneehosen und nicht selten waren wir wirklich steif gefroren, wenn wir nach Hause gingen. An sogenannte Kneifer in den Fingern oder Zehen denke ich sehr ungern zurück. Aber auch das gehörte zu den Wintererlebnissen.
In Erinnerungen eintauchen ist spannend und manchmal anrührend. Manches macht auch wehmütig, weil man Dinge vermisst. Aber Zurückschauen macht in erster Linie reich, weil man Dinge schätzen lernt, die durchaus nicht überall und immer selbstverständlich sind. Einander helfen, die Sorgen und Freuden mit anderen teilen, sich willkommen fühlen, von Fremden vielerlei Techniken lernen dürfen, ohne sich nervig und störend zu finden, das sind Dinge, die von gelebter Menschlichkeit und sozialer Wärme geprägt sind. Ein guter Platz zum glücklich Großwerden – das war Hirschburg für mich!
Ich erlebte Katastrophenwinter mit eingeschneiten Häusern, großen Schneeverwehungen, Blitzeis auf der Straße, dass wir mit Schlittschuhen bis Klockenhagen fahren konnten, Orkane mit herumfliegenden Dächern und umstürzenden alten Linden und so viele andere Sachen. Aber auch solche schlimmen Dinge wurden miteinander bewältigt und nach getaner Arbeit saßen die Erwachsenen zusammen. Es wurde angestoßen, meist mit Bier, Grog, Spezi (ein dem Cognac ähnliches Getränk) oder anderen alkoholischen Getränken. Es wurde gelacht oder man plante besorgt die nächsten Schritte. Allein brauchte jedenfalls Niemand die Schäden beseitigen. Man half einander und wir Kinder durften, sollten, konnten immer dabei sein.
Für mich war Hirschburg der beste Platz, um glücklich lernen und einfach Kind sein zu dürfen. Ich danke jedem Einzelnen, der mir half, Dinge zu verstehen, Verantwortung zu übernehmen und auch Freude an kleinen Dingen zu haben.
Wenn ich heute die Häuserreihe entlang gehe, fallen mir viele Episoden ein und ich denke an die ehemaligen Bewohner, sehe sie vor meinem inneren Auge an der Gartenpforte stehen oder fluchend über den Hof gehen. Dann lächle ich zuweilen vor mich hin und weiß, dass es heute so eine Kinderzeit wohl nicht mehr gibt. In mancherlei Hinsicht haben wir es heute ja deutlich einfacher und angenehmer. Allerdings bin ich dankbar und glücklich, es auch anders erlebt zu haben.

Sagen, Geschichten und Legenden rund um Hirschburg

(NHG) ? Todte beschwören.

Das fürstliche Amt, welches jetzt in Ribnitz ist, war früher in Hirschburg. Damals fungirte in Hirschburg ein Candidat, welcher die Kunst verstand, Geister zu citiren. Einmal wollte derselbe die zwölf Apostel citiren. Als er bereits drei herangelesen hatte, da sagte der dritte, welcher Petrus war ›Ich ruhe nun schon viele Jahrhunderte in der Erde; warum störst du meine Ruhe?‹ Da hielt der Candidat für diesmal mit dem Citiren inne. – Um diese Zeit starben einem Bauer in Dänschenburg zwei Töchter, worüber der Vater sich viel grämte und späterhin den Wunsch hegte, die Kinder noch einmal sehen zu können. Als er dies dem Candidaten mittheilte, machte derselbe um sich und den Bauer einen Kreis und fing an zu lesen. Da erschienen die beiden Töchter. Sie hatten sich beide an der Hand gefaßt und sahen so recht bös aus. Nachdem der Bauer sie genugsam beschaut, las der Candidat sie wieder weg. Der Bauer aber hat darauf geäußert, er verlange die Kinder in diesem Leben nie wieder zu sehen. Lehrer Schwartz nach Mittheilung der Weberfrau Thiel in Klockenhagen.


Die Wäscherin am Wallbach.

Zwischen Gelbensande und Hirschburg fließt durch den Gelbensander Forst ein Bach, dessen beide Ufer sich auf einer Strecke wallartig erheben, weshalb der Bach da ›Wallbach‹ heißt. Hier auf einer Brücke traf vor Jahren ein Mann aus Hirschburg eine Frau, welche wusch. Als er ihr ›guten Tag‹ sagte, antwortete sie ›Gibt es denn auf der Welt kein Helf-Gott mehr?‹ (Man pflegte früher häufig hier zu Lande die bei der Arbeit Beschäftigten mit ›Helf Gott!‹ zu begrüßen.) Dann fuhr sie fort ›Wenn eine von den Eichen, welche jetzt auf den Wäschenberg (genannter Berg liegt unweit des Baches im Forste) gepflanzt werden, groß ist und aus derselben eine Wiege gefertigt wird, dann kann das erste Kind, was in derselben gewiegt wird, mich erlösen, bis dahin aber muß ich hier noch waschen.‹ Bei diesen Worten verschwand sie.

Lehrer Schwartz nach Mittheilung seines Dienstmädchens, das die Geschichte von seiner Großmutter in Hirschburg gehört hat.

Jäger Gländ.

Im Gelbensander Forste zwischen Hirschburg und Klein Müritz lebte vor Zeiten ein Jäger Gländ, von dem es hieß, er stehe mit dem Teufel im Bunde. Er wurde deshalb Gländ (der Glühende) genannt, und besonders eine Eiche in dem Revier, das der Sack heißt, als die Stelle bezeichnet, wohin er das Wild durch Zauberkunst brachte und wo er es schoß. Diese Eiche wurde daher von den Leuten gemieden. Unter ihr fand man ihn einst todt, mit schwarzem Gesichte; er wurde unter der Eiche begraben. Nun geht die Sage, daß, wenn ein Jäger unter der Eiche auf dem Anstand stehe und dem Wilde auflaure, dasselbe sich bald blicken lasse, wenn aber der Jäger schießen wolle, lasse sich ein leiser Pfiff hören und das Wild verschwinde. Auch sagen Arbeiter, sie hätten Jäger Gländ unter der Eiche gehen sehen. Heute ist nur noch der untere Theil des Stammes übrig und heißt Glände- Sęt (Gländes Sitz); auch wird die in der Nähe befindliche Schneise Gländesęt-Schneese genannt. P. Grambow.

Flurnamen auf der Hirschburger Feldmark