'''Fortlaufende Ortschronik und Wiethäger Geschichte(n) Autor Wilfried Steinmüller''': Unterschied zwischen den Versionen

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===Der Schießplatz Wiethagen===
 
===Der Schießplatz Wiethagen===
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===Der Gedenkstein für Forstinspektor Hermann Friedrich Becker===
  
 
===Die Ruheforst===
 
===Die Ruheforst===

Version vom 20. Mai 2022, 23:43 Uhr

Wiethagen

Abseits vom Weltgeschehen, in purer Idylle liegt Rostocks östlichster Ortsteil am Rande der Rostocker Heide versteckt. Einzig der Umstand, das die oberste Forstbehörde der Hansestadt hier ihren Sitz hat, verhilft der Ortschaft zu etwas Bedeutung.

Wie Wiethagen einst entstanden ist, verbirgt sich noch etwas im Dunkel der Geschichte. Berichtet wird, das Mitte des 18. Jahrhunderts die Bauern in Oberhagen und Niederhagen gelegt wurden. Auf deren Flächen legte man zwei Güter an. Für die nun landlosen Bauern wurden abseits des Dorfes zwei Armenkaten errichtet, aus denen Wiethagen hervor ging. Einer der beiden Katen bestand nur wenige Jahre, mit seinem Ende verbindet sich ein Unglück und eine daraus entstandene Sage.

Der Forstinspektor Hermann Friedrich Becker schreibt in der Chronik von Rövershagen: „1780 15.Oct. erschoß sich der verdienstvolle Forstinspector Möller mit einer Pistole, er wurde 52 Jahre alt und hatte manche Kränkungen und Unfälle erlitten. Er liegt unter der großen Linde des Kirchhofes.“

Was war geschehen. Einige Monate zuvor hatte Möller auf dem Forsthofe Wiethagen wohnend seinem minderjährigen Sohn ein Gewehr geladen, damit der vom Strohdach des benachbarten Katens Krähen herunterschießen könne. Der Schuß des Jungen entzündete das Strohdach des Katens und er brannte gänzlich nieder. Darüber kam es zum Prozess, den Möller verlohr. Aus Gram und Verzweiflung setzt nun der Forstmann selbst seinem Leben am 15. Oktober 1780 durch einen Pistolenschuß ein Ende. Die Sage lässt den Unglücklichen noch heute am Orte der Tat, der Pöstenschneise, als Geist umgehen. Übrigens fast genau zweihundert Jahre darauf am 26. Juni 1979 zünden zwei Jungen wiederum ein Gebäude in Wiethagen an.

Auf einer alten Heidekarte aus dem Jahre 1769 taucht Wiethagen erstmals auf.

1835 besteht der Ort aus einer Jägerei, sowie den Gehöften eines Baumwärters und eines Sägemeisters. Dazu kam noch „dat bunte Hus“ (der zweite einstige Armenkaten, 1992 abgerissen), ist es vielen Ortsansässigen als „Discherkaten“ in Erinnerung. Der alte Name entstand vor rund 200 Jahren als 5 Bönhasen ein buntes Gewerbegemisch in dem fünfhieschigen Katen ("fünfteiligen", ähnlich einem Reihenhaus strukturiert) betrieben. Den Rostockern waren sie stets ein Dorn im Auge, da Bönhasen zunftpflichtiges Handwerk außerhalb der Legalität betrieben. 1825 entstand in der Nachbarschaft der Sägerei das so genannte Holzmagazin, als Trockenlager für das frisch verarbeitete Heideholz. Heute ist es das älteste Gebäude der Ortschaft, und allgemein als Witwenkaten bekannt.

Als 1889 die Bahnlinie die Heidelandschaft erreichte war man bestrebt Sägerei und sonstige Holzverarbeitung in die Nähe der Gleise zu verlegen. Das intakte Gebäude des Holzmagazins hatte seine Funktion verloren und wurde für einen neuen Nutzungszweck umgebaut.

Bis in die zweite Hälfte des 19. Jahrhunderts war es oft Bestandteil des Dienstvertrages der Jäger und Förster, die nachgelassenen Witwen bzw. älteren Töchter verstorbener Dienstvorgänger als Teil des Arbeitsverhältnisses zu heiraten, damit sie weiter versorgt waren. Diese Gepflogenheit endete nun und das Holzmagazin wurde Witwenkaten, also zentrale Wohnstätte für Witwen und Töchter einstiger städtischer Forstbediensteter.

Bis in unsere Tage wirkt eine Gründung des Jahres 1838 fort, die Wiethäger Teerschwelerei. In jenem Jahr entstand auf Betreiben des verdienstvollen Forstmannes Hermann Friedrich Becker, aufgebaut durch den Teerschweeler Johann Schütt die kleine frühe Form der chemischen Fabrik, die in unseren Tagen als Museum „Forst- und Köhlerhof Wiethagen“ immer einen Besuch wert ist.

Chronologie zur Geschichte des Heidedorfes Wiethagen

Die Kürzel am jeweiligen Ereignis weisen auf deren Quellen hin:

BK = Kirchspielchronik von Rövershagen begonnen 1839 von H.F.Becker;

AHR = Archiv Hansestadt Rostock

Do = Ludwig Dolberg "Eine Küstenwanderung von der Warnow bis Wustrow durch die Rostocker Haide, Grahl, Müritz, Dändorf und Dierhagen wie das Fischland"

UM = "Unser Mecklenburg : Heimatblatt für Mecklenburger und Vorpommern" Landsmannschaft Mecklenburg. - Hamburg, 1951-1983

NHK = "Neue Heidechronik" unveröffentlichtes Manuskript 1998 entstanden

WS = Wilfried Steinmüller

bis zur napoleonischen Zeit (bis 1813)

1702 Überließ die Stadt dem Herzoge Friedrich Wilhelm die Jagd in der Heide auf Lebenszeit, und nahm sie alsdann wieder an sich. Herzog Carl Leopold wollte sie mit Gewalt an sich reißen und schickte einen Lieutenant mit 20 Dragonern nach Rövershagen um den Rostockern die Ausübung der Jagd zu wehren, ein kaiserl. Mandat vom 28. März 1714 inhibitierte diesen Gewaltstreich. (BK)

1743 Die von Rothermann gezeichnete Karte von Rövershagen zeigt zwei Häuser am Waldeingang bei Wiethagen ohne eine Namensbezeichnung. (WS)

1762 Bildete sich das erste Forstkollegium in Rostock, löste sich aber 1768 wieder auf, das Heidedepartement trat 1769 wieder an dessen Stelle. (BK)

1764 Trat der Gewetts Secretair J.F.Möller seinen Dienst als Forstinspector an, er bekleidete ihn 16 Jahre. (BK)

1767 Wurde von der Stadt eine Dienst-, Bauern-, und Wirtschafts-Ordnung eingeführt, die lange normierte. (BK)

1768 Starb der Jäger Hans Schulze (BK)

1769,1. Januar ging die Verwaltung der Rostocker Heide an das Rostocker Gewett über. In den Übergabeakten und einer beigefügten Karte taucht Wiethagen (120 Einwohner) erstmalig auf.(UM 6/75)

(Damit beging Wiethagen am 1. Januar 2019 den 250. Jahrestag seiner Ersterwähnung WS)

1770 Apr. starb der Wildfahrer Hans Borgwarth. (BK)

1779 Im Mai erschoß sich der Jäger Fiede (sic.) zu Haus als er mit einem geladenen Gewehr zwischen die sich beißenden Hunde schlug. (BK)

1780 15.Oct. erschoß sich der Forstinspector Möller mit einer Pistole, er wurde 52 Jahre alt und hatte manche Kränkungen und Unfälle erlitten. Er liegt unter der großen Linde des Kirchhofes.

Im Juli starb der Baumwärter Schnockel zu Haus. (BK)

1781Trat der Forstinspector J.Roedler seinen Dienst an. Er diente 10 Jahre und ward pensioniert. (BK)

1783Im Apr. starb der Wildfahrer Claus Borgwarth 49 J. (BK)

1791 Legte der Forstf. Rödler seinen Dienst nieder. 1.Juli ward der Forstinspector Herm. Fr. Becker zu Rövershagen eingeführt. Es waren dazu aus Rostock eingetroffen Sen.Dr. Prehn, Sen. Stange,Sen.Schrepp,K.Schroeder, K. Neuendorf,L.Altmann, L.Lober, Secret.Dethlof. (BK)

1800 Wurde von dem Prediger, Forstinspector,den Pächtern, Bauern und Einliegern eine privat Armenanstalt errichtet, welche sich sehr nützlich erwies. (BK) Man fing an die Holzweide aufzuheben und das Vieh auf die Ackerweide zu verweisen. (BK)

1802 26.Oct. war im Dorf Einquartierung von rußischen Truppen auf eine Nacht. (BK)

1803 Am Palmsonntag tritt der hier zum Prediger d.20. Jan. erwählte Cand.Christian Carl Wolf sein Amt mit einer rührenden Predigt an. (BK)

bis zur Reichseinigung (bis 1871)

1814 ertrank des C. Aug. Waak Tochter 11 Jahr alt, auch wurden unsere Ochsen und Hunde toll.(BK)

1817 15. April starb der Jägermeister Joh.Hinrich Schäning 61J. Den 1. Jul. starb der Jäger Johann Jochim Adam Karsten zu Wiethagen 54 J. alt.

1819
(Jäger, Holzwärter ?)Kröger genannt.

1823 Kam der Einl. Claus Fried. Keding auf unglückliche Art ums Leben, indem die Pferde des Jäg. Köhn die er führte nach einem Schuß davon liefen, er vom Wagen stürzte und die Hirnschale zerschlug. 13.Oct. starb der E. Heinrich Pragst durch einen Sturz vom Balken in der Scheune des Forstinspectors.

1825 Es ward ein groß Holzmagazin zu Wiethagen erbauet.

1827 19.März starb der Wildfahrer Joh.Hinrich Borgwarth 59 J.alt

1831 Wüthete die Cholera in Mecklenb. und Rostock, hier im Dorf starb nur ein Mensch daran. Am 2. März starb der Baumwärter Jacob Hinr. Peters zu Meiershausstelle. Da die Cholera-Epedemie erst im Mai ausbrach, kann sie nicht die Todesursache gewesen sein, wie oft spekuliert wurde.

1833 In diesem Jahr lösete sich das Heidedepartement auf und bildete sich das 2.Forstdepartement welches die Viraition (?) der Waldungen übernahm, wogegen das Cämmerey Collegium die Jurisdiktion und das Patronat erhielte.Fing die Regulierung der Stadt Waldungen an welche dem Oberförster Garthe zu Remplin und dem Forstinspector Becker hieselbst von E.E.Rath übertragen war. Den Juli 27. starb der Jäger Friedrich Johann Dewitz zu Wiethagen 60 J.alt. Den 9. Sept. starb der Pächter Joachim Hopff (?) zu Niederhagen 78 J. alt.

1837 28. November Unterzeichnung des "Contract zwischen dem Forstdepartement der Stadt Rostock und dem Theerschweeler Johann Schütt zu Marxhagen über die Erbauung einer Theerschweelerei und der dazugehörigen Gebäude und sonstigen Einrichtungen..."

1838 Ward eine Theerschwelerey im Wiethäger Revier angelegt und ward ein Canal vom Moorhof zum Pramgraben gezogen. BK/HK

1850 Der Katenmann Johann Keding wird in die Mecklenburgische Abgeordnetenkammer gewählt.

1863 In der Nacht vom 22ten auf den 23ten December war ein solcher Sturm, daß in der Rostocker Heide ungefähr 26 bis 30 000 Bäume umgestürzt sind.

1867 Oberforstinspektor Garthe lässt am Weg zwischen Forsthof und Wiethagen ein neues Samenhaus zum ausdarren der "Tannensamen" (richtig müßte es Fichtensamen heißen. WS) errichten.

Deutsches Reich bis 1918

1890 Eingatterung des größten Teils der Heide.

1900 Von Mitte Juni bis Mitte August wird das Schulhaus in Hinrichshagen durchgebaut. Der Schulunterricht, der wegen des Baues in der Schulstube nicht erteilt werden kann, wird in das Wiethäger Samenhaus verlegt.

1912 1.Juli Verwaltungsrechtliche Abtrennung der bislang zu Rövershagen gehörenden "Wohnplätze" Hinrichshagen, Markgrafenheide, Schnatermann, Wiethagen und Meyershausstelle, die unter der Bezeichnung "Heideortschaften" zu einer selbständigen Ortschaft ernannt werden.

1912 10.Juli "Zum Ortsvorsteher der Heideortschaften Hinrichshagen, Markgrafenheide, Schnatermann, Wiethagen und Meyershausstelle ist der Förster Albert Voss zu Wiethagen ernannt. Die Kämmerei"

Deutsches Reich bis 1945

1941 In Wiethagen wird ein Gefangenenlager für 100 russische Kriegsgefangene eingerichtet.

SBZ und DDR bis 1990

1950 (?) Das "Stalinhaus" wird gebaut.

1979 Am 26.Juni um 14.25 Uhr entsteht ein Stallbrand, ausgelöst durch das Rauchen eines 11 und eines 12 Jahre alten Jungen. Der gesamte Dachstuhl 85x20m) wurde vernichtet. (UM 5/79)

Ab Wiedervereinigung

1996 August Der "Discherkaten" oder as "Bunte Hus" wird abgerissen. (WS)

die heutige Zeit

Einigen wichtigen Einrichtungen sind eigene Artikel gewidmet:

Das Forstgehöft (heute Stadtforstamt) und das Forstrevier Wiethagen

Das Forsthaus Wiethagen


Auszug aus Ludwig Krauses Flurnamenkarte 1926

"Wallensteins Lager"

An der Ostseite der Chaussee Hinrichshagen - Graal-Müritz befindet sich nach der Fritz-Weinert-Siedlung auf halber Strecke die Bushaltestelle Georg-Schneise. Hier werden nur wenige Schritte neben der Haltestelle eine Reihe kleiner Hügel sichtbar, im Volksmund bereits seit dem späten Mittelalter als die Wahrberge oder Warschen Berge genannt. In jüngerer Zeit hat hier der Name Wallensteins Lager Verbreitung gefunden. Der Historiker Ludwig Krause schreibt 1924 dazu:

"Der Teil östlich der Chaussee heißt im Volksmunde jetzt Wallensteinslager.
Wallenstein soll hier auf seinem Stralsunder Zuge mit seinem Heere gelagert haben, und die Höhen seien die Reste der Lagerumwallung. Wäre die Sage begründet, so würde Lust den Namen (1696) warscheinlich auf seiner Karte vermerkt haben.
Wallenstein benutzte außerdem nicht den Rostocker, sondern den Schwaaner Warnowübergang, konnte auf seinem Marsch also schwerlich an jene Stelle in der Heide kommen.
Wohl aber mag hier am Wege von Rostock nach Graal (Graaler Zoll) und dem Fischlande einmal eine kleine Truppenabteilung gelegen haben.
Wenn die Sage nicht erst später zur Erklärung des Namens Wahrberge entstanden ist, denn War bedeutet Warte oder Wehr."
Ludwig Krauses handschriftliche Notiz an der Flurnamenliste

Die Falschmeldung über das hiesige Heerlager Albrecht von Wallensteins

Im Rahmen seiner Mitarbeit in der mecklenburgischen Flurnamenkommission zwischen 1908 und seinem Tode 1924 legt der Historiker Ludwig Krause seinen besonderen Arbeitsschwerpunkt in die Erforschung der Flurnamen im Gebiet der Rostocker Heide.
Dessen Krönung sein diesbezüglich 1926 postum erschienenes Buch darstellt.
Am letzten Blatt der von ihm ausgefüllten Erhebungsbögen ist nebenstehende Kurznotiz von seiner Hand beim Flurnamen "Wallensteins Lager" mittels einer Büroklammer angeheftet:
"Hier sei darauf aufmerksam gemacht, das sich unter de in den Handel gebrachten Ansichtskarten aus der Rostocker Heide eine Anzahl Fälschungen befindet, indem Ansichten aus der Diedrichshäger Kühlung und der Gegend von Arendsee-Brunshaupten (heute Kühlungsborn. W.S.) einfach mit Namen aus der Rostocker Heide versehen sind.
Unter diesen Karten befindet sich auch eine mit der Untershrift:
"Wallensteins Lager - auf seinem Zuge gegen Stralsund 1628"
Genau dieselbe Karte führte früher die Bezeichnung "Kühlung b. Arendsee i.M."
Im Jahre 1906 ist diese Photographie aber auch nicht aufgenommen, denn ich kaufte wiederum genau dasselbe Bild mit genau denselben zwei Personen, an genau derselben Stelle unter der auf der Ansicht dargestellten alten Buche in der Kühlung bereits im Jahre 1901 in Kröpelin als: "Gruß aus der Kühlung bei Kröpelin."
Das belegt, daß das sagenhafte Lager des Feldherren Albrecht von Wallensteins während des Dreißigjährigen Krieges hier inmitten der Rostocker Heide, eine Marketing-Erfindung des "Strandkorb-Erfinders" und Postkarten-Verlegers Rudolph Bartelmann ist.

Der Jagdsitz des Hamburger Konsuls Diederich

Wallensteins Lager in der NS-Zeit

Die Nutzung durch den Militärforstbetrieb in der DDR-Zeit

(Autor: OFM Horst Friesecke 1998)
Wie schon erwähnt, war die militärische Entwicklung, die die Standorte der Truppe und ihre Einrichtungen betraf, weitgehend 1963 abgeschlossen. :Nach dem Bau der Mauer wurden in den Jahren 1961 - 1963 der Aufbau der militärischen Streitkräfte beschleunigt.
Verbunden waren damit größere Flächenübernahmen in die Rechtsträgerschaft der NVA, die im Bereich des Forstwirtschaftsbetriebes der NVA Prora dazu führte, daß sich die Bewirtschaftungsfläche gegenüber den bis 1960 übernommenen Flächen fast verdoppelte.
Für die Rostocker Heide betrug der Anteil rund 2800 ha, so daß die Bewirtschaftungsfläche in der Rost. Heide auf über 3600 ha erweitert wurde. :Diese 3600 ha waren das größte geschlossene Waldgebiet im Bereich des Forstbetriebes Prora, das hinsichtlich seiner exponierten Lage, seiner historischen und forstlichen Vergangenheit und Bedeutung alle Aufmerksamkeit verlangte.
Die bis 1962/63 praktizierte direkte Anleitung der Revierförster durch den Forstbetrieb Prora konnte nun durch die Flächenübernahmen und deren Streulage nicht mehr aufrechterhalten werden.
Immerhin verteilten sich die Flächen des Forstbetriebes Prora über 9 Landkreise des damaligen Bezirkes Rostock und 4 Landkreise des ehemaligen :Bezirkes Neubrandenburg. Im Forstbtrieb Prora wurden 3 Oberförstereien gebildet.
Für den westlichen Bereich des Betriebes wurde die Oberförsterei in der früheren Jägerei Wallensteinslager gebildet.
Der Oberförsterei wurden zugeordnet die Reviere Rostocker Heide, Hirschburg und Wiethagen, also Reviere, die in der Rost. Heide lagen - und das Revier Zingst sowie das Revier Retschow.
Das Revier Zingst bewirtschaftete Streuflächen östlich und das Revier Retschow Streuflächen westlich der Rost. Heide.
Mit dem 1.1.1964 wurde Fm Friesecke mit der Leitung dieser Oberförsterei betraut und nahm damit maßgeblichen Einfluß auf die weitere forstliche Tätigkeit.
Die bis zu diesem Zeitpunkt praktizierte direkte Anleitung der Revierförster durch den Forstbetrieb Prora wurde damit beendet.
Dem Oberförster oblag somit die Einflußnahme auf die forstliche Planung und Realisierung der notwendigen Aufgaben in der Neu - und Wiederaufforstung, der Pflege der Kulturen und Jungwüchse, der Pflege der Bestände und die Rückung des anfallenden Rohholzes- Kahlschläge waren untersagt bzw. in Ausnahmefällen durch den Forstbetrieb genehmigungspflichtig - , der Be - und Entwässerung, der Instandhaltung der Wege, der Organisation des Forst- besonders des Waldbrandschutzes.

Das Ende von Wallensteins Lager

Der Feuerwachturm bei Wallensteins Lager im Revier Wiethagen

Der 1942 errichtete Feuerwachturm bei Wallensteins Lager diente während des Krieges eher der Luftüberwachung vor alliierten Bombern. Es ist auffallend, daß er zeitgleich mit dem etwas südöstlich davon im Meiershaussteller Revier gelegenen, getarnten KZ-Waldlager der Heinkelwerke errichtet wurde. Auf dem Höhepunkt des Krieges wurden für so profane Dinge wie eine Feuerwache sicher keine kriegswichtigen Recourcen freigegeben. Das Foto dürfte unmittelbar vor dem, bislang nicht endgültig geklärten Abrissdatum, um 1950 entstanden sein, da der Turm hier bereits offen, von den Kahlschlagsflächen des nach Kriegsende entstandenen "Russenschlags" oder "Reparationsschlag" umgeben, zu sehen ist.

Die Teerschweelerei

Bereits im Jahre seines Dienstantrittes versucht Forstinspektor Hermann Friedrich Becker in der Rostocker Heide die Einrichtung einer Teerschweelerei zu initiieren. Da er bei Bürgerschaft und Rat zunächst auf Ablehnung trifft publiziert er sein Anliegen öffentlich um der Sache Nachdruck zu verleihen.

"Discherkaten"/ "Dat bunte Hus"

Das Kriegsgefangenenlager während des zweiten Weltkrieges

Die Nerzfarm

Um zur Verbesserung des Devisenhaushaltes der DDR beizutragen, wurden Ende der 50er Jahre einige Forstbetriebe angehalten mit dem Aufbau von Pelztierfarmen zu beginnen. Durch die günstige Lage zu den Lieferanten von Futterfisch wurden die 4 Forstbetriebe an der Ostseeküste mit dem Aufbau von Nerzfarmen beauftragt. Der Forstbetrieb Rostock/Rövershagen begann 1959 in Wiethagen mit der Haltung von Nerzen. Neben den offenen Schuppen zur Unterbringung der Tiergehege wurde 1960/61 eine massive Futterküche mit integriertem Kühlhaus errichtet. Damit konnte nunmehr der in der Fangsaison bei den Fischereibetrieben reichlich anfallende Futterfisch tiefgefroren über längere Zeit gehalten werden und stand dann im Sommer während der Aufzucht der Jungtiere zur Verfügung. Futterfleisch konnte ganzjährig vom Schlachthof in Rostock bezogen werden. Mit der Errichtung des Kühlhauses stand einer schnellen Vergrößerung des Tierbestandes nichts mehr im Wege. Die fachliche Anleitung einschl. der tierärztlichen Betreuung erfolgte durch die Volkseigene Pelztierfarm in Plau/Appelburg. Dieser Betrieb übernahm auch die Ausbildung der Mitarbeiter der Farm zu Facharbeitern. Diese Ausbildung erfolgte als Erwachsenenqualifizierung in einem Fernstudium, so daß der Farmbetrieb ungestört weiter laufen konnte. Da 1961 weder Wiethagen noch Rövershagen an ein zentrales Wassernetz angeschlossen waren, wurde die Nerzfarm in Absprache mit dem VEG Rövershagen durch dessen betriebsinternes kleines Wasserwerk versorgt. Über diese Leitung wurden dann auch ein Teil der Wohnungen in Wiethagen mit fließendem Wasser versorgt. Durch die geringe Leistung der Wasserpumpe kam es während der Hauptentnahmezeiten regelmäßig zu einem starken Druckabfall der doch mitunter erhebliche Probleme mit sich brachte. Erst mit Anschluß von Wiethagen und damit auch der Nerzfarm an das öffentliche Wassernetz hat sich dieses Problem gelöst. Nach der Pelzung jeweils ab November jeden Jahres wurden die Felle in mehreren Lieferungen direkt nach Leipzig transportiert. Dort wurden sie weiter bearbeitet und für die jährliche Pelzauktion vorbereitet. Erst das Ergebnis dieser Auktion brachte dem Forstbetrieb die Kenntnis über die erzielten Fellerlöse und damit Gewißheit über das ökonomische Ergebnis der Farm. 1990 wurde der gesamte Tierbestand gepelzt und die Farm geschlossen. Anfang 1998 wurde durch die Stadt Rostock, in deren Eigentum der Grund und Boden rückübertragen wurde, alle baulichen Anlagen der Farm zurückgebaut. (NHK)

Der Schießplatz Wiethagen

Der Gedenkstein für Forstinspektor Hermann Friedrich Becker

Die Ruheforst

Bedeutende Persönlichkeiten aus Wiethagen

Kaeding (Tagelöhner)

„.. In Wilthagen liegt auch ein großes von Fachwerk erbautes Holzmagazin. Südlich vom Forsthofe liegt „in de Eck“, wie es hier heißt, ein Kathen, in welchem der frühere Abgeordnete der ersten mecklenburgischen Abgeordnetenkammer, der Tagelöhner Keding, wohnte, der nach Beschluß seiner politischen Carriere durch Auflösung der Kammer nach Amerika auswanderte und dort bald starb. ...“

Auszug „Archiv für Landeskunde“ Jg. 18, 1868,S. 254 (Autor anonym, Ludwig Dolberg ?)

Sagen und Legenden zu Wiethagen

Flurnamen im Revier Wiethagen

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