Zwischenablage Griebenow

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2026 03. August Ostseezeitung von Marcus Taschke
Schlossverein feiert Teileröffnung

Das Schloss Griebenow zwischen Greifswald und Grimmen erstrahlt in neuem Glanz. Die grundständige Sanierung ist – bis auf Restarbeiten – abgeschlossen und das historische Gemäuer steht Besuchern wieder vollumfänglich zur Verfügung.

Das Herzstück im Erdgeschoss, der Festsaal, kann mit seinem imposanten Kronleuchter, dem Stuck an den Wänden und dem großen Flügel nach sieben Jahren wieder für Konzerte und andere Kulturveranstaltungen genutzt werden.

Bei der feierlichen Teileröffnung des Schlosses war dieser Raum prall gefüllt mit Politikern, Vereinsmitgliedern und Kunstliebhabern, die die Bedeutung des Schlosses für Vorpommern herausstellten.

„Mit dem Schloss und der Kapelle hat Griebenow ein kulturhistorisches Gesamtensemble, das ein Anziehungspunkt für die gesamte Region ist“, betonte Wolfgang Blank, Landesminister für Wirtschaft, Tourismus, Infrastruktur und Arbeit.

Er hatte einen Zuwendungsbescheid in Höhe von 4,5 Millionen Euro dabei, um die Gemeinde Süderholz und den Schlossverein finanziell zu unterstützen. Die Gesamtkosten für die Sanierung werden auf etwa 13 Millionen Euro geschätzt.

Überdies sei das Bauwerk ein „beeindruckendes Zeugnis aus der Epoche der Schwedenzeit“, ordnete der Bundestagsabgeordnete Georg Günther (CDU) ein, der aus der Region stammt.

Ein Ergebnis der Sanierung ist das neu geschaffene Trauzimmer im Erdgeschoss. Dort hängt jetzt ein historischer Spiegel aus Schweden. „Eine Besonderheit ist die Deckenbemalung, die in einem Feld fehlt. Die Decke ist während der Arbeiten an dieser Stelle eingebrochen“, nennt Brunhilde Weiß einen Schreckmoment während der Bauarbeiten. Sie engagiert sich im Vorstand des Betreibervereins „Barockschloß zu Griebenow“. Schlussendlich ist aber alles ansehnlich geworden, wie auch das neu gestaltete Café sowie die Rezeption mit Souvenirshop belegen. Mit der Teileröffnung kann der Gastronomiebetrieb von seinem Provisorium im Kellergewölbe wieder nach oben ziehen.

Vorstandsmitglied Kurt Günther erklärt, weshalb von Teileröffnung die Rede ist. „Die Außenanlage ist noch nicht fertiggestellt. Es fehlt unter anderem ein barrierefreier Zugang zum Schloss und in den Keller zieht noch eine Dauerausstellung ein“, listet er auf.

Besucher des Kulturgebäudes kommen oft aus dem Greifswalder Umland, obwohl Griebenow zum Landkreis Vorpommern-Rügen gehört. Deswegen nahmen an der Feierstunde auch Greifswalds Oberbürgermeister Stefan Fassbinder (Grüne) sowie Vorpommern-Greifswalds Landrat Michael Sack (CDU) teil, der das Schloss „als Scharnier“ bezeichnete, das die beiden Landkreise zusammenbringen könne.

Süderholz’ Bürgermeister Alexander Benkert (CDU) lobte in seinem Grußwort auch die vielfältige Mithilfe Greifswalds bei der Modernisierung. Letztendlich war es aber seine Gemeindevertretung, die immer wieder Mittel für das Bauvorhaben freigeben musste.

„2016 haben wir uns erstmals mit möglichen Fördermitteln beschäftigt. Damals war noch von drei Millionen Euro die Rede, wenig später hieß es bereits sieben Millionen Euro“, erinnert sich Alexander Benkert. Mit maßgeblicher Unterstützung des damaligen Landesministers Harry Glawe kam schließlich das nötige Geld zusammen.

Eines war Brunhilde Weiß während der Sanierung besonders wichtig. „Die Fassade! Wenn etwas schick werden musste, dann die Fassade. Sie ist unser Aushängeschild.“ Bereits 2022 verschwand das Gerüst und offenbarte neue Fenster sowie den frischen Anstrich.


Das Schloss Griebenow befindet sich in der Gemeinde Süderholz im Landkreis Vorpommern-Rügen. Es wurde 1709 errichtet und gehört mit dem Gutspark und den erhaltenen Wirtschaftsgebäuden und einer bemerkenswerten Kirche zu einem denkmalgeschützten Gesamtensemble im Ort Griebenow, neun Kilometer westlich von Greifswald.


2026 07. August Ostseezeitung von Marcus Taschke
„Die tragenden Balken waren morsch“
Griebenower Schlossverein stemmt Generalsanierung mit viel freiwilliger Arbeit / Fördermittel waren an Vorgaben geknüpft

Wenn Brunhilde Weiß auf die vergangenen sieben Jahre zurückblickt, fällt ihr vor allem ein bürokratischer Begriff ein, den sie vorher noch nie gehört hatte: Parkpflege- und Entwicklungskonzept.

Dieses galt es, im Zuge der Kernsanierung des Barockschlosses Griebenow zu erarbeiten. Damit nicht genug: Für Fördermittel sollten die Vereinsmitglieder zudem ein neues touristisches Informationszentrum schaffen sowie die Vernetzung der regionalen Wirtschaft vorantreiben.

„Wir hatten vorher überhaupt keine Ahnung davon und mussten uns damit erst einmal vertraut machen. Unser Vereinsziel ist die Förderung von Kultur und nicht das Ausarbeiten von Anträgen“, blickt die 69-jährige frühere Lehrerin zurück.

Davon ließen sich die etwa 50 Mitglieder des Vereins „Barockschloß zu Griebenow“ allerdings nicht abschrecken. Vergangene Woche luden sie zu einer Festveranstaltung, um das Ende der Baumaßnahmen zu feiern. Bis auf Restarbeiten ist das Denkmal deutsch-schwedischer Geschichte wieder für Besucher vollumfänglich nutzbar, inklusive des Festsaals.

„Es ist wirklich klasse, wie sich alle hier ins Zeug gelegt haben. Nur so konnten wir – auch mit Unterstützung der Gemeinde Süderholz–die Sanierung stemmen“, sagt Brunhilde Weiß wertschätzend. Zu tun gab es immerhin reichlich, um das Herrenhaus vor dem Verfall zu bewahren. „Die tragenden Balken waren komplett morsch. Diese zu ersetzen, war eine Mammutaufgabe.“ Die Gesamtkosten belaufen sich auf etwa 13 Millionen Euro.

Harry Glawe, seinerzeit Landesminister in Schwerin, bemühte sich um entsprechende Fördermittel für das Projekt. „Die Fenster wurden damals nicht fachgerecht eingebaut. Das war bei den Bauarbeiten ein großes Problem“, schilderte der Politiker beim Festakt.

Auch die Fußböden und das Dach hatten ihren Zenit bereits überschritten. „Eine Vorgabe war auch, alles barrierefrei umzubauen. Die Treppe am Eingang hat einen Lift bekommen und im Erdgeschoss sind neue Toiletten entstanden“, listet Kurt Günther auf. Wie Brunhilde Weiß und Maria Roth engagiert er sich im Vorstand des Vereins.

Es sind aber auch Kleinigkeiten, die die Vereinsmitglieder auf Trab gehalten haben. „In der Küche waren beispielsweise fast keine Steckdosen vorgesehen. Da musste ich wirklich aufpassen“, schilderte Brunhilde Weiß einst gegenüber der OZ.

Doch die Mühen haben sich gelohnt. Der Festsaal steht wieder für Kunst und Kultur zur Verfügung und das Café wartet mit einem neuen Tresen auf. Auch die eingangs genannten Vorgaben für Fördermittel sind erfüllt. „Das obere Stockwerk kann für Büros genutzt werden und im Erdgeschoss haben wir eine Rezeption mit Souvenirshop eingerichtet“, berichtet Brunhilde Weiß.

Auch sämtliche Brandschutzauflagen wurden erfüllt. „Das hat wirklich viel Arbeit gekostet“, gibt die 69-Jährige zu. Sie verrät, weshalb sie so viel Zeit in das Schloss gesteckt hat. „Bei einer Vereinssitzung ist der Vorsitzende zusammengebrochen und schließlich verstorben. Irgendjemand musste dann weitermachen.“

Das war 2020, ein Jahr zuvor hatte die Sanierung des Schlosses begonnen. Während des kommenden siebenjährigen Zeitraums bestand eine Herausforderung auch darin, den Cafébetrieb für Einnahmen am Laufen zu halten. „Die Gastronomie war zunächst im Marstall untergebracht und ab 2024 im Kellergeschoss“, sagt Kurt Günther.

Nun genießen Gäste Kaffee und Kuchen wieder im Erdgeschoss, wo im Zuge der Sanierung auch ein separates Trauzimmer entstanden ist. Beim Rundgang durch das Schloss fallen zudem mehrere große Gemälde auf, so wie das des Grafen von Rehnschild in der Bibliothek.

Des Weiteren wurden viele Wände gestrichen. „Wo der Farbton nicht historisch überliefert war, haben wir uns für neutrale Töne entschieden“, erklärt die Vorsitzende. Für sie ist die aufregende Zeit der Sanierung jetzt größtenteils abgeschlossen.

„Es ist gar nicht in Zahlen zu fassen, wie viele Überstunden meine Mitarbeiter und ich in dieser Zeit geleistet haben“, fasst sie zusammen. „Es fehlt zwar noch einiges, aber mit der Teileröffnung haben wir das Wichtigste geschafft.“