Zwischenablage Prerow
Die Zwischenablage wird genutzt, um selbst gefundene Bausteine zu parken, oder von anderen Chronisten zugearbeitete Bausteine zur Übermittlung hier einzusetzen.
- 2926 07. Mai Ostseezeitung von Timo Richter
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- Seemannskirche Prerow würdigt Georg Baselitz mit Kunstaktion
Prerow.
Am 30. April ist der Künstler Georg Baselitz im Alter von 88 Jahren gestorben. International bekannt wurde er in den 1970er-Jahren mit figurativen, expressiven Gemälden. Vor allem wurde er bekannt durch Werke, mit denen er die bekannte Ordnung störte. Er malte seine Motive so, dass sie auf dem Kopf stehen.
Mit einer durchgängigen Besichtigung seines Werkes „Mein Vater sieht einen Engel“ vom 22. bis 25. Mai wird dem Künstler nun in der Seemannskirche in Prerow – ungewollt – ein Denkmal gesetzt. Gesundheitlich angeschlagen konnte Georg Baselitz dieser Aktion nicht mehr beiwohnen. Er hatte aber noch 25 Kunstdrucke des Werkes persönlich signiert. Der Förderverein der Seemannskirche hat tief betroffen vom Tod Georg Baselitz‘ erfahren, teilt die Vorsitzende Susan Knoll mit. „Ein Weltkünstler hat diese Welt verlassen, ein Maler, der die Kunst geprägt und bereichert hat wie kaum ein anderer.“ Und damit ein Mensch, der durch unbeschwerte Ferienzeiten in Prerow als Kind eng mit dem Ostseebad verbunden gewesen sei.
Auch wenn Georg Baselitz für die Pfingstaktion von vornherein seine Anwesenheit in Prerow aus gesundheitlichen Gründen ausgeschlossen hatte, so standen eine Videoschaltung oder eine Videobotschaft im Raum. „Wie gern hätten wir unser Projekt zu Pfingsten – ‚72 Stunden nonstop Georg Baselitz in Prerow‘ – mit der Ausstellung seines Gemäldes ‚Mein Vater sieht einen Engel‘ von ihm zumindest aus der Ferne begleitet in der Seemannskirche umgesetzt.“ Seine Unterstützung habe es ja erst möglich gemacht, dass sich der Förderverein an das Projekt herangetraut habe und an Pfingsten dieses ganz besondere Gemälde, das seinen Vater am Strand in Prerow mit einem Engel zeigt, 72 Stunden rund um die Uhr ausstellen wird.
„Dass wir damit eine der letzten Ausstellungen eines seiner Gemälde sind, die er noch persönlich begleitet hat, und eine der ersten nach seinem Tode, macht uns betroffen, gibt uns aber auch eine ganz besondere Verpflichtung“, so Susan Knoll.
Die Kunstaktion werde nun anders, stiller geplant, „aber wir tun dies in Würde und in Verneigung vor diesem großen Künstler Georg Baselitz“. Ein Kondolenzbesuch in der Seemannskirche wird allen Gästen und Verehrern der Kunst Georg Baselitz’ zu Pfingsten die Gelegenheit geben, ihrer Trauer und ihrer Bewunderung für diesen großen Künstler Ausdruck zu verleihen.
Die feierliche Eröffnung der Ausstellung findet am 22. Mai um 15 Uhr statt.
- 2026 23. Oktober Ostseezeitung von Helmut Reuter
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- Grabsteine zurück in der Seemannskirche
- Prerow - Am heutigen Freitag findet die Aktion „Rettet die historischen Grabsteine“ des Fördervereines der Seemannskirche ihren feierlichen Abschluss. 32 restaurierte Grabsteine werden der Kirchengemeinde übergeben. Sie erzählen von Leben und Tod, von Schicksalen und Epochen.
„Es gibt Menschen, die noch wissen, dass das ihre Ur-Ur-Ur-Ur-Großeltern waren“, sagt Susan Knoll mit Blick auf die 32 historischen Grabsteine. Hunderte Jahre trotzten sie rund um die Seemannskirche in Prerow Wind, Wetter und Jahreszeiten. Kapitäne, Seefahrer, deren Witwen und Kinder fanden dort ihre letzte Ruhestätte, erzählt die Vorsitzende des Fördervereins der Seemannskirche. Aber Zeit und Witterung hinterließen Spuren. In 1010 Tagen wurden die Grabmale nun saniert und vor dem Zerfall gerettet.
Kapitän J.G. Schmidt und seine Mannschaft dürften auf der Galeasse „Marie Louise“ viel gesehen und erlebt haben. Unter seinem Kommando fuhr der Zweimaster von 1836 bis 1851 als Handels- und Frachtschiff, wie aus der Infotafel zu dem Grabstein hervorgeht. Von 1854 bis 1861 war er dann Kapitän auf dem Schoner „Hermann“. Auf dem Grabstein steht auch der Name seiner Frau Johanna, geborene Niemann.
Die Grabsteine sind mit oft mit Schiffen unter Segeln verziert oder wie im Fall des Ehepaars Schmidt mit ineinander greifenden Händen aus Zink, die für Verbundenheit mit Mensch und Gott stehen.
Einer der Grabsteine könnte sogar älter sein als die Kirche, die von 1726 an errichtet wurde. Der Stein aus der Zeit um 1720 muss wohl lange als Trittstufe benutzt worden sein, denn die Namen und Jahreszahlen sind nicht mehr festzustellen. Allerdings weist die Darstellung eines altertümlich wirkenden Segelschiffs auf die Ruhestätte eines Schiffers hin.
Wind, Sonne und Regen hatten der einmaligen Sammlung von Kapitäns- und Schiffergrabmalen rund um die Kirche über Jahrzehnte stark zugesetzt. „Das sind historische Zeugen einer maritimen Geschichte“, betont Knoll. Doch viele der Grabsteine waren marode und bröselig, je nach Standort und Steinmaterial.
Nun stehen die Steine wieder rund um die Kirche, einige haben Schutz unter einem neu errichteten Lapidarium gefunden. Die ellipsenförmige Dachkonstruktion wurde von Architekten aus dem Förderverein entworfen und gemeinsam mit regionalen Handwerksbetrieben realisiert. Die Handwerker aus dem Ort und der Umgebung seien mit Feuereifer und auch mit Verzicht auf große Geldsummen im Einsatz gewesen, berichtet die Vereinsvorsitzende.
„Die Handwerker haben auch deshalb so begeistert mitgemacht, weil sie wissen, dass das auch ihre Geschichte ist.“ Das im Januar 2024 begonnene vollständig aus Spenden finanzierte Projekt kostete mit Restaurierung und Lapidarium insgesamt rund 350.000 Euro. Das Geld kam von Einheimischen und Urlaubsgästen, von Steinpaten sowie der Zeit Stiftung Bucerius, der Katharina und Gerhard Hoffmann Stiftung und den Fonds des Landes Mecklenburg-Vorpommern für Vorpommern und das östliche Mecklenburg.
Kreuze sind zwar auf den alten Grabmälern eher selten, aber es gibt sie, etwa beim Grabstein für Heinrich Steinorth, der am 14. Juli 1878 starb und gerade mal 14 Jahre alt wurde. Wie er starb, steht dort nicht. Auch macht das Grabmal nicht viele Worte. Die Lebensdaten sprechen für sich. Den Schmerz der Angehörigen kann man nur erahnen. Auf der Rückseite des Sandsteinkreuzes steht: „Dem Auge fern, - dem Herzen ewig nah!“
Am heutigen Freitag findet die Aktion „Rettet die historischen Grabsteine“ des Fördervereins ihren feierlichen Abschluss, wenn die 32 restaurierten Grabsteine sowie das Lapidarium der Kirchengemeinde Prerow übergeben werden. Unterstützung aus der Wirtschaft gab es zum Bedauern des Vereins nur wenig. Von den 100 umsatzstärksten Unternehmen in MV, die der Verein zur Rettung des maritimen Erbes anschrieb, kamen nur zwei Antworten und einmal 200 Euro.