Mestlin - Fortlaufende Ortschronik: Unterschied zwischen den Versionen
Niklot (Diskussion | Beiträge) |
Niklot (Diskussion | Beiträge) |
||
| Zeile 227: | Zeile 227: | ||
===Kaiserreich (1871-1918)=== | ===Kaiserreich (1871-1918)=== | ||
| + | |||
| + | 1872 wird Ludwig Heinrich Hunzinger Pfarrer von Mestlin / Ruest (bis 1895). | ||
| + | |||
| + | 1873 Poststation in Mestlin. | ||
| + | |||
| + | 1877 Klosteramt Dobbertin 1877 - heißt die Inschrift einer Tafel an der Stirnseite des Gutshauses. In den siebziger Jahren des 19. Jh. wurden die Häuser der Tagelöhner des Gutes entlang der Dorfstraße (heute Fritz - Reuter - Str., Goldberger Str.) erbaut. | ||
| + | |||
| + | 1887 erstmalige Erwähnung der zweiten Mestliner Schule | ||
| + | |||
| + | ''Nachschlagewerk 1894'' | ||
| + | |||
| + | ''In der "Mecklenburgischen Vaterlandskunde" (2. Auflage, Wismar, Herausgeber W. Raabe) wird Mestlin beschrieben: "Mestlin, Poststation, 1 1/4 Meile westlich von Goldberg, wichtiger Knotenpunkt unseres Chausseeverkehrs, da sich hier die vier Chausseen von Parchim, Crivitz, Sternberg und Goldberg vereinigen. Südlich der Dobbertiner Klosterforst. Pachthof von H. Dehns (Schmiede). Dorf mit Pfarrkirche, Schule (2), Förster, Mühle, Krug, Ziegelei. - Hof und Dorf 887,7 ha. 295 (240) Einw."'' | ||
| + | |||
| + | ''Folgende Anekdote aus dem Mecklenburg Buch von E. Schulz (Hinstorff Verlag, 1938) könnte sich zu dieser Zeit in Mestlin zugetragen haben: Ein Junge von sieben Jahren aus einem Gutsdorf kam einmal zu spät zur Schule, weil er die Zeit verschlafen hatte. Der Lehrer fragte ihn, wann er zu Bett gegangen sei. "Weet ik nich", war die Antwort. Darauf der Lehrer: "Wär't all düster?" Nach kurzem Überlegen sagte der Junge: "Pläugen harr'n noch künnt."'' | ||
| + | |||
| + | 1895 wird Karl Axel Walter Pfarrer von Mestlin / Ruest (bis 1918). | ||
| + | |||
| + | Ende 1895 lebten in Mestlin 270 und in Ruest 305 Einwohner. | ||
| + | |||
| + | ''Buch um die Jahrhundertwende'' | ||
| + | |||
| + | ''Wie könnte es um die Jahrhundertwende auf dem Gut Mestlin ausgesehen haben? Ein Berliner Arbeitsloser (Name unbekannt), den es auf ein Gut in Mecklenburg verschlagen hatte, schildert seine Erlebnisse: "Hofgängerleben in Mecklenburg". Mit einfachen Worten charakterisiert er die Leute mit denen er zusammentrifft: Inspektor, Knechte und Mägde, Tagelöhner und Hofgänger (... nach mecklenburgischen Begriffen sind die Fremden, die als Hofgänger nach Mecklenburg kommen, zu weiter nichts nütze. ...), er beschreibt das Dorf, das Gutshaus, Lüdstuw, Katen, ... und das tägliche Leben der Leute.'' | ||
| + | |||
| + | 1917 Bernhard Berckemeyer pachtet das Gut Mestlin (bisheriger Pächter Hans Dehns). Besitzer ist das Kloster Dobbertin. Ein Jahr später wird der gesamte Klosterbesitz vom Staat übernommen. B. pachtete bereits seit 1906 das Gut Weisin bei Lübz. 1936 kauft er das ehemalige Gut seiner Eltern in Gr. Thurow zurück. | ||
| + | |||
| + | 1917 war Mestlin in einem sehr schlechten Zustand. Die etwa 60 Familien führten ein schweres Leben. Mitte der zwanziger Jahre meliorierte B. große Flächen um das Gut aufzubauen. Für Vimfow stellte B. den Statthalter Briese ein, für Mestlin den Pferdestatthalter Prestin. Statthalter war in Mestlin zu jener Zeit Hahn. | ||
| + | |||
| + | 1914 - 1918 Wieder gibt es Opfer unter den Mestlinern: Gedenktafel auf dem Friedhof. | ||
===Weimarer Republik (1918-1933)=== | ===Weimarer Republik (1918-1933)=== | ||
Version vom 14. März 2026, 13:11 Uhr
| Kenndaten der Ortschronik | |
|---|---|
| Ort | Mestlin |
| Zeitlicher Schwerpunkt | xxxx-xxxx; fortlaufend |
| Urheberrechte | |
| Erstellungszeitraum | seit 2026 |
| Publikationsdatum | veröffentlicht |
| Inhaltliche Kategorisierung | Geschichte der Gemeinde Mestlin |
| Status (Ampelsystem) | in fortlaufender Bearbeitung |
Die Geschichte von Mestlin (Chronologie)
Mestlin im späten Mittelalter (um 1200 bis 1517)
Um 1250 wird die erste Mestliner Kirche erbaut, der Chor ist davon noch heute erhalten. Im "Lisch" wird dazu 1856 geschrieben:
Kulturhistorisches Nachschlagewerk
Jahrbücher des Vereins für meklenburgische Geschichte und Alterthumskunde, Friedrich Lisch, Schwerin 1856: Die Kirche zu Mestlin bei Dobbertin besteht aus Chor, Schiff und Thurm. Der Chor hat eine quadratische Grundform, mit grader Altarwand, und ist von Feldsteinen (Granitquadern) erbauet; der Sockel und die Ecken sind regelmäßig behauen. Die schmalen Fensteröffnungen haben schräge eingehende glatte Laibungen; ob sie rund oder im Übergangsstyle leise gespitzt gewölbt sind, läßt sich nicht mehr genau erkennen, da in den Fensterwölbungen wohl schon oft restauriert ist. Der Giebel hat Rundbogennischen. Der Chor stammt also sicher aus der Zeit, in welcher unsere meisten Kirchen gebauet sind, ungefähr aus dem J. 1230. Das Schiff ist ein hohes, schönes Gebäude im Spitzbogenstyle, von sehr großen Ziegel, und hat dreitheilige Spitzbogenfenster. In der Mitte des Schiffes stehen zwei schlanke Pfeiler, welche schöne Spitzbogengewölbe tragen. Dadurch wird die Kirche in zwei Schiffe getheilt. Die Pfeiler, welche Sockel haben, sind achteckig und so gestellt, daß 4 Ecken unter den Gewölbescheidungen stehen und mit Diensten bekleidet sind; es laufen also nach den 4 Weltgegenden 4 Dienste an den Pfeilern hinauf. Die in jüngern Zeiten in schwarz, grau und weiß bemalten Gewölberippen haben einen eigentühmlichen, sonst noch nicht beobachteten Schmuck, indem sie mit zahlreichen Scheiben oder Rippenschilden besetzt sind. Diese Scheiben, von 10" Durchmesser und ungefähr 1" Dicke, sind von gebranntem hellgelben Thon und mit verschiedenen Reliefs, wie Sternen, Kreuzen, Rosetten u. s. w., verziert, welche immer mit verschiedenen Farben bemalt sind. Die Südpforte ist von 6 Wulsten eingefaßt und von abwechselnd schwarzen, grünen und rothen Ziegeln aufgeführt. Das Schiff wird ungefähr aus der Mitte des 14. Jh. stammen oder um diese Zeit auf seine jetzige Weise eingerichtet sein. Die Pforte im Thurme ist ebenfalls aus hellgrün glasurten und rothen Ziegeln aufgebauet.
Etwa von 1230 bis 1256 wird auf dem Gebiet des heutigen Landkreises Parchim der Landesausbau durch Fürst Pribislaw von Parchim (herrschte von 1229 - 1256, nach seiner Vertreibung war Nicolaus von Werle der lokale Herrscher) vorangetrieben. Er wurde unterstützt durch eine Reihe von Adligen. Ihre Namen werden auf Urkunden jener Zeit erwähnt.
Am 9. Oktober 1312 wird Mestlin erstmalig urkundlich erwähnt. Der Ortsname lautet in jener Zeit Mustelin / Mostelin. Er ist slawischer Herkunft: das Wort "Brücke" heißt "most" (poln., tschech., russ., bulg.). Die altpolabische Form (die Polaben waren ein Teilstamm der Obotriten) war vermutlich "Mostelin". Die Zwischensilbe "el" ist schlecht zu deuten, eventuell weist sie auf einen Personennamen hin. Im MUB steht:
1312 Octbr. 9. Mestlin
Erich, König von Dänemark, schliesst mit dem Markgrafen Waldemar von Brandenburg einen Vertrag über die Theilung der Summe, welche von Rostock für den Abbruch des Warnemünder Thurms zu erwarten ist. Aar 1312. S. Dionysii Dag, til Mustelin bleff fothandlet imellen Konning Erich oc Margreff Woldemor, at huad som de begge kunde bekomme aff de Rostocker, formedelst Forhandling, for at det Taarn for Verneminde bygd, igien maate affbrydis, oc aldrig siden byggis ved nogen, det skal de lige skiffte: vi skal lade Margreuffuen strax vide, huad os biudis, hand maa hafue otte Vgers frist at beraade sig der om, oc see til om hand kand faa meer end Kongen biudis, Margreffven skal giore os det samme igien, om hannem biusdis nogenslig Fordrag.
[= Im J. 1312, am St.-Dionysius-Tag, ward zu Mustelin verhandelt zwischen dem König Erich und dem Markgrafen Waldemar, dass das, was sie beide durch Verhandlung von den Rostockern dafür bekommen könnten, dass der vor Warnemünde erbauete Thurm wieder abgebrochen werde und nie durch jemand wieder aufgebauet werden dürfe, gleichmässig zwischen ihnen vertheilt werden solle. Wir sollen den Markgrafen sogleich wissen lassen, was uns geboten wird; er mag acht Wochen Frist haben, sich darüber zu berathen und zu sehen, ob er mehr bekommen könne, als dem König geboten wird. Der Markgraf soll dasselbe auch uns thun, wenn ihm ein solcher Vertrag angeboten wird.]
8. Juli 1317 wird Mestlin das zweite Mal urkundlich erwähnt (MUB):
1317 Juli 8. Mestlin
Johann j. j. Fürst von Werle(-Goldberg), bestätigt die Stadt Goldberg auf Grundlage des derselben vom Fürsten Pribislaw von Parchim 1248 verliehenen Stadtbriefes. Nos [P.] dominus in P(er)archem - -. Nos igitur Johannes dei gratia domicellus de Werle notum esse volumus omnibus, tam presentibus quam futuris, quibus hoc scriptum manifestum fuerit sive promulgatum, quod de inclaritate animi nostri maturoque consilio nostrorum fidelium vasallorum in hiis scriptis ratificamus omnem donationis proprietatem civitatis nostre Goltberch, sicut ipsa est a nostris progenitoribus fundata et constructa modis omnibus, [cu]m aquis, aquarumdecursibus, piscationibus, pratis, pascuis, lignis, silvis, nemoribus et paludi[bu]s, rubis, rubetis et sespitibus, usuagiis, ferrifodi[ni]s, cultis et non cultis, viis et inviis aliisque omnibus proventibus, modo quocunque poterint evenire, a nobis et nostris sequacibus in perpetuum omnia et queque premissa sine molestia possidenda et perfruenda pacifice et quiete. Ne vero quis nostrorum successorum super premissa hesitando dubitet, presentum paginam nostro cum sigillo fecimus roborari. Testes sunt: Tesmar[us], Reymar[us] de Mallin, Johannes de Havelberch, milites, [et] alii quam plures fide digni. Datum et actum Mostelin, anno domini M.CCC.XVII., feria sexta post octauas apostolorum Petri et Pauli, nostra in presentia.
1350 ist Heinrich Präemule Pfarrer von Mestlin / Ruest
Am 27. Febr. 1352 wird Dankqward v. Gutzstevel in Mestlin erwähnt, die Urkunde (in Latein) enthält eine Reihe weiterer Namen (darunter 18 Mestliner Bauern). Auch Ruest wird hier das erste mal urkundlich erwähnt (MUB):
1352 Febr. 27. Goldberg
Dankqward v. Gutzstevel und sein Sohn Johann verbessern eine Vicarei zu Mestlin, verpflichten dagegen den Inhaber zu Almosen und zu Messen auf dem Hofe daselbst. In nomine domini, amen. Vniuersis ac singulis, ad quorum noticam presencia peruenerint, Dancquardus de Guzsteuel, armiger, et filius suus Johannes, morantes in villa Mustelyn, Zwerinensis diocesis, salutem in omnium saluatore. ... Hinrici Arnoldi ... Hinrici Hartwici ... Hartwici ... Ludekini Bolten ... Hinrici Hoppener ... Wernekini Dobbin ... Gherardi Robben ... Hennekini Ghildemester ... Hennekini Colwalck ... Hermanni Bernardi ... Hinrici Scampman ... Dancquardi Caluen ... Hermanni Langhemowe ... Hinrici Pramitten ... Hennekini Burlehosen ... Tyderici Blockes ... Bolrauen ... Tyderici Blockes ... Ludekini Croghers ... Johannis Demen ... Hermanni Jacoby ... Henrici Hoppener ... Lutteke Kauele ... Johannes Sternebergh ... Bernardus ... Johannes de Damme ... Wylhelmus de Bomgarde ... Heyno Kule ... Hermannus de Haghenowe ... Ywanus de Belowe ...
1354 erhält Dankward von Gustävel Mestlin als Kirchenlehen (MUB Urkunde, in Altdeutsch):
1354 Jan. 6. Parchim
Nicolaus, Fürst von Werle, belehnt Dankqward Gutzstevel mit den Dörfern und Höfen Mestlin nebst dem Neuenhofe, Rüst und Hohen-Augzin, mit Eigenthum und allen Freiheiten und Gerechtigkeiten. Vy her Nycolawes, van der gnade godes en here tu Werle, vnde vse rechten eruen don wytlyck al den ieghen, de dessen breef seen, lezen vnde horen, vnde begheren openbare tu werdende, dat wy myd rade vser radgheuen vnde vulbord vnde myd wetenegheyd vser eruen hebben leghen vnde lathen vseme leuen ghetruwen Dancquarde van Guzsteuele vnde zynen rechten eruen, dese ieghenwardych synt vnde tukomende, also hyr na screuen steyd, dat dorp tu Mostelyn vnde dan hof an deme dorpe vnde den Nygenhof, de dar lycht vppe der suluen veldmarke, vnde dat dorp tu Hoghen Eutzyn, myd aller bede, myd manbede, myd wynterbede vnde ...
1381 wird Mestlin in einem weiteren Dokument erwähnt (MUB):
1381. Decbr. 4.
Henning von Hagenow verschreibt seinem Schwager Heinrich von Gloveke als Mitgift seiner Schwester einen Hof, 2 Hufen und einen Katen zu "Gloveke". Ich Henning van Haghenowe bekenne vnde bethughe openbar vor allen luden, ... Hinric van Gloueke ... Henneke Dorman ... Dambeke ... Johan Wylz van Mostelin ... Hinrich Gusteuel ... Ludeke Weltzin ...
1389 ist Rektor Johann Wytz Pfarrer von Mestlin / Ruest
1391 / 1392 beschweren sich Mestliner und Ruester über Räuber:
1391-1392
Aufzeichnungen über Räuber und die von ihnen in der Wismarschen Gegend verübten Unthaten. ... [J]tem Henneke Gusteuel to Mostelyn de was mede in der reyze. Jtem Hinric Ernst to Belowe de krech Domelowen perde eyn van Mustine. Item Henneke Dolghe to Rust de kofte Domelowen perde ...
1446 werden in den Hebungen des Marien - Magdalenen - Kalands in der St. Marienkirche zu Parchim Einwohner von Mestlin und Ruest aufgefürt. Mestlin: Michel Warneman, Hermeke Rugenwoldt, Hermen Trost, Henneke Dolghe, Dankwart Gustevel, Raedke, Mowe und Ruest: Curd Bogher.
1448 - 1461 erwirbt das 1220 gegründete Kloster Dobbertin Mestlin (von sieben verschiedenen Nachfahren Gustävels).
1496 Mestlin ist das größte Dorf im Gebiet des Klosteramtes Dobbertin, es hat 132 erwachsene Einwohner, dazu kommen noch etwa 79 Kinder. Seine Bewohner zahlen 8 Mark und 4 Schilling an Steuern. Auf den nächsten "Plätzen" liegen Dobbertin (5 Mark 4 ß) und Ruest (4 Mark minus 1 ß)
Reformation und Nachreformationszeit (1517 bis 1648)
1541 ist Joachim Harney Pfarrer von Mestlin / Ruest (bis 1557, Ruest wird 1557 Tochterkirche von Mestlin)
1567 in Mestlin leben 21 Bauern, 14 Kätner (Kossaten)
1569 ist Nikolaus Georgius Pfarrer von Mestlin / Ruest (Buchholz erwähnt Georgius nicht!)
Visitationsprotokoll 1557
Das Visitationsprotokoll der im Amt Goldberg gelegenen und zum Kloster Dobbertin gehörigen Pfarren und Kirchen beschreibt ausführlich auch die Pfarre zu Mestlin
... 1584 ist Johannes Lönnies Pfarrer von Mestlin / Ruest
1585 ist Andreas Schnepel Pfarrer von Mestlin / Ruest (bis 1615, Schlie geht von 1595 aus)
1601 in Mestlin leben 25 Bauern, 7 Kätner (Kossaten) und 6 Einlieger, in Ruest: 14 Bauern, 2 Kätner und 1 Einlieger.
1611 in Mestlin leben 30 Bauern, 7 Kätner (Kossaten) und 9 Einlieger
1617 wird Bartholomäus Simonis Pfarrer von Mestlin / Ruest (bis 1638)
1627 Truppen des schwedischen Obersten Hunich ziehen durch Dobbertin / Kläden (Mestlin, Ruest, Dabel, Kläden, Dobbin und Sehlsdorf werden in Mitleidenschaft gezogen)
1645 wird Johann Simonis Pfarrer von Mestlin / Ruest (bis 1688)
Bis zur napoleonischen Zeit (bis 1813)
Visitationsprotokoll 1649
Ein Visitationsprotokoll vom 9. Oktober 1649 beschreibt die Besitzungen der Kirche Mestlin. ... zeiget, was die Pfarre an Acker, Weichhölzung, Mast, Länderein, Fischerey und Hütung besitze, wieviel dass Meßkorn betragen, und wieviel Pächter vorhanden ..
1650 Hans Brandt wird (bis 1674) Verwalter von Mestlin.
1652 sind die Auswirkungen des 30-jährigen Krieges in Mestlin, wie überall in Mecklenburg, immens. Nur 12 Bauernstellen bleiben erhalten. 15 Bauernstellen werden vom Kloster nicht wieder verpachtet, sondern dem Hofe zugelegt.
1653 Bau eines Pfarrhauses in Mestlin (wird gegen 1755 beim Neubau des Pfarrhauses wieder abgerissen).
Visitationsprotokoll 1662
Ein Visitationsprotokoll von 1662 beschreibt erneut die Besitzungen der Kirche Mestlin. ... die Hebungen des Herrn Pastoris zu Mestlin und Ruest. In diesem Protokol werden die eingeführten Dörfer, das Meßkorn, Geld Hebungen, Opfer, Accidentien, Wachs, Eyer, Zehend Lämmer, Rauchhühner, Mastung, freye Hözung ... angezeiget ...
1662 hat Mestlin 8 Bauern, 2 große und 5 kleine Kossaten. Ruest hat 4 Bauern und 2 Kossaten.
1674 Hans Jacob Brandt, Sohn des vorigen Pächters, wird (bis 1703) Pächter von Mestlin.
1685 Mestlin hat 10 Hausleute (mit Schulzen) und 5 besetzte und eine unbesetzte Kossatenstelle.
1688 wird Andreas Petri Pfarrer von Mestlin / Ruest (bis 1705).
1703 Jacob Janenzky wird (bis 1712) Pächter von Mestlin.
Beichtkinderverzeichnis 1704
Pfarrer Andreas Petri fertigt ein Verzeichnis aller Mitglieder der Gemeinde, sowie der Getauften , Copulierten und Gestorbenen der Jahre 1688 - 1704
1704 hat Mestlin 109 Einwohner (älter als 14 Jahre), Ruest 64. In Mestlin leben die Hausleute und Kossaten Hinrich Cords, Hans Hohe, Soltwedel, Hartwich Cordes, Westphal / Behrens, Kröger, Dolge, Nehls, Welzin, Joachim Cords minor. Und in Ruest Soltow, Stralendorff / Wiese, Hans Cords minor, Möller, Dolge, Soltwedel, Sülocke (Zülck), Köster, Hans Cords.
1706 wird Georg Brennecke Pfarrer von Mestlin / Ruest (bis 1716).
1712 Lorenz Frahm wird (bis 1715) Verwalter von Mestlin.
1717 wird Carl Helmut Neander Pfarrer von Mestlin / Ruest (bis 1753).
1715 Hans Joachim Schwarz, der Schwiegersohn des vorigen Pächters, wird (bis 1725) Pächter von Mestlin.
1725 Spreckels wird (bis 1728) Verwalter von Mestlin.
1728 Hagemeister wird (bis 1730) Verwalter von Mestlin.
1730 Lanckhoff wird Verwalter von Mestlin. Nach ihm wurde Mestlin für einige Jahre (bis 1736) durch Rechnungsführer des Klosters verwaltet (Schieger, Sternberg, Nüschke).
1733 Neubau der Küsterei nachdem die alte abgebrannt war.
1736 Claus Evert wird (bis 1743) Verwalter von Mestlin.
1743 Graffe wird (bis 1747) Verwalter von Mestlin.
1748 Bau einer ersten Windmühle am Mühlenhofer Weg in Mestlin.
1747 / 1748 Errichtung der Ziegelei in Mestlin gegenüber der Pfarre (hinter Hans Joachim Garlings Stelle). War bis 1771 / 1772 in Betrieb. Zieglermeister war Jacob Wählers, gest. am 25.4.1774
1748 Johann Friedrich Menck wird (bis 1760) Verwalter / Pächter von Mestlin.
1750 Bau eines Pfarr Witwenhauses.
1751 hat Mestlin 179 Einwohner und Ruest 106.
1751 wird die Kirche in der heutigen Gestalt gebaut.
1754 wird Johann Clamor Buchholz Pfarrer von Mestlin / Ruest (bis 1793).
1754 hat Ruest 5 Bauern (mit Schulzen), 9 Halbbauern und mehrere Kätner (6 halbe Stellen wurden später zu 3 vollen zusammengelegt).
1760 Christian Friederich Bade wird (bis 1667) Verwalter / Pächter von Mestlin.
1767 Johann Gregorius Mühlenbruch wird Verwalter / Pächter von Mestlin (bis maximal 1816).
Mühlenbruch wurde am 5.11.1735 in Röbel geboren. Er war er einige Jahre Amtsschreiber in Dobbertin. Kurz vor Antritt der Pachtung heiratete er die Tochter des Küchenmeisters Engel Paschen Friese, Anna Margaretha Augusta Friese (17.11.1748 Dobbertin - 3.5.1781 Mestlin), in Dobbertin. Sie hatten 6 Söhne und 2 Töchter. Muehlenbruch starb am 19.5.1812 in Klein Poserin (andere Angabe: 11.9.1816?).
Pfarrchronik 1784 / 1785
Der Mestliner Pastor schreibt seine Kirchenchronik: "Ausführliche Nachricht von Kirchen und Pfarr-Sachen zu Mestlin und Ruest, und was zu deren gründlichen Übersicht zuwissen nötig geschienen, aufgesetzt, und durch beiliegende Schriften, Pläne und Tabellen bestätigt von Johann Clamor Buchholz, dieser Zeit Pastor zu Mestlin und Ruest, geschrieben in den Jahren 1784 und 85" Für die Nachwelt hält Pastor Buchholz die Geschichte des Dorfes und seiner Bewohner in einzigartiger Weise und in akribischer Vollständigkeit fest (216 eng beschriebene Seiten). Buchholz behandelt z. B. die Geschichte der Mestliner und der Ruester Kirche, ihre Patronen, ihr architektonischer Aufbau. Er fertigte Urkundenabschriften, beschrieb Pfarrländereien, früher und heute zu Mestlin eingepfarrte Dörfer und Gemeinden. Der Abschnitt über die Familien seiner Gemeinde ist für die genealogische Forschung von besonderer Bedeutung (siehe auch Publikation 1938). Publikation: 1938
Ein Abschnitt der Mestliner Pfarrchronik (siehe Publikation 1784 / 85) von Johann Clamor Buchholz wird im Rahmen der Reihe: "Quellen zur bäuerlichen Hof- und Sippenforschung" unter dem Titel "Von den alten Familien zu Mestlin - eine Chronik" gedruckt. Für drei Zeitabschnitte (bis 1648, 1648-1704, 1704-1785) werden die Bauern und Einwohner von Mestlin, Ruest und Mühlenhof aufgeführt. Auftretende Besonderheiten werden interpretiert und kommentiert. 16 Familien, "die die stärksten sind" werden ausführlicher dargestellt: Behrens, Cords, Dieckmann, Dolge, Eckelberg, Ehmck(e), Garling, Hohe
Eine Karte von 1777 zeigt in Mestlin 15 Bauernstellen, zusätzlich den Gutshof an der Kirche, einen Forsthof und zwei Höfe des Schulzen.
1783 sind in Mestlin: Johann Eckelberg, H. J. Garling, Ehmck, Köpcke, Hans Adam Nehls, Westphal, Hans Jacob Kröger, Jochim Nehls, Johann Kröger, Johann Karl Wiese, Friedrich Garling, Soltwedel, Friedrich Cords, H. J. Eckelberg.
1785 Mestlin hat 12 Bauernhäuser, 1 Schmiede, 22 Kathenhäuser, den Hof, die Pfarre und die Mühle. Ruest hat mit dem Schulzen 9 Bauernstellen uznd 15 Käthner.
1793 wird Johann Adam Schulz Pfarrer von Mestlin / Ruest (bis 1816).
1803 sind Hausleute und Kossaten in Ruest: Schulze Hahn, Friedrich Wiese, Hans Sternberg, Michel Sternberg, Borchert, Krüger Rieck, Zülck, Stüdemann, Friedrich Cords.
1808 - 1815 Gedenktafel für Veteranen in der Kirche Mestlin
Bis zur Reichseinigung (bis 1871)
1816 wird Martin Joachim Jakob Heydemann Pfarrer von Mestlin / Ruest (bis 1829).
1816 Der Staatskalender erwähnt in Mestlin: den Hof und die Meierei des Pächters Carl Sauerkohl, 12 Dreiviertelhüfner, die Pfarrkirche, Försterei, Mühle, Krug, Schmiede, Ziegelei und eine Schule. In Ruest gibt es 9 Dreiviertelhüfner, Kirche, Schule und Krug.
1816 (oder eventuell früher) wird Carl Sauerkohl Verwalter / Pächter (bis 1847) von Mestlin.
1828 pachtet der Mestliner (inklusive Vimfow und Kadow) Pächter Sauerkohl auch noch Zidderich mit Steinbeck
1830 wird Johann Heinrich Birkenstädt Pfarrer von Mestlin / Ruest (bis 1871).
1830 besaß Mestlin 12 3/4-Hüfner, Pfarrkirche, Förster, Windmühle, Klosterkrug, Schmiede, Ziegelei und Schule und Ruest: 9 3/4-Hüfner, Kirche, Schule, und Erbkrug.
Im Zusammenhang mit dem Übergang von der Dreifelderwirtschaft zur effektiven Koppelwirtschaft wurden die Ackerstücke der Bauern neu aufgeteilt. Im Juni 1832 wurde den Bauern in Mestlin die geplante Veränderung mitgeteilt, die Herbstbestellung sollten sie bereits in den neuen Hufen vornehmen. Der anfängliche Widerstand der Bauern nützte nichts, Johanni 1833 wurden die 12 Mestliner Bauern in die Ausbauten umgesiedelt und der Ruester Feldmark zugeteilt. Von dem unsicheren Status als Zeitpächter, wurden sie jetzt Erbpächter. Mestlin war fortan ein reines Gutsdorf, während Ruest 1834 Mühle (vorher 8 Bauern) zum großen Bauerndorf aufgewertet wurde, Ruest hat fortan 26 Bauernstellen: 8 alte, 12 aus Mestlin, 4 aus Groß Breesen, der Sohn des Vermessers Stüdemann, und der ehemalige Ruester Krüger.
Der Pächter von Mestlin ist zu dieser Zeit Karl Sauerkohl.
1834 wurde die Mestliner Bockmühle erbaut. Weithin sichtbar könnte sie noch heute ein Wahrzeichen von Mestlin sein - leider brannte sie 1945 ab.
1835 wird die bis dahin Mestlin zustehende Jahrmarktsgerechtigkeit auf Ruest übertragen.
1836 / 1837 Der Staatskalender 1836 erwähnt noch 12 Dreiviertelhünfer für Mestlin und 9 für Ruest. Ab 1837 werden 25 Erbpächter in Ruest erwähnt.
1847 Der bisherige Pächter Carl Sauerkohl gibt den Hof an Gutsbesitzer Carl J. A. Krey ab (bis 1861).
Nachschlagewerk 1857 / 1861
In der "Mecklenburgischen Vaterlandskunde" (1. Auflage, Wismar & Ludwigslust, Herausgeber W. Raabe) wird Mestlin beschrieben: "Mestlin, 1 1/4 Meile westlich von Goldberg, in bergiger Gegend, Hof mit ansehnlicher, zweischiffiger Pfarrkirche, Schule, Försterei, Mühle, Krug, Schmiede, Ziegelei und 240 Einw. Der allein am Saum der Mestliner Hölzung gelegene Forsthof hat 51 Einw. Nachdem die Bauern mit verkleinertem Ackerwerk nach Ruest zu ausgebaut sind, sind auch die schönen Obstgärten, durch die Mestlin früher bekannt war, verschwunden; der Hof hat freilich dadurch ein bedeutendes Areal des trefflichen Bodens zugewonnen."
1857 hat Ruest: 443 Einwohner, Kirche, 25 Erbpächter, Schule, Schmiede und Erbkrug.
1861 In Mestlin findet ein Pächterwechsel statt: der Nachfolger von Gutsbesitzer Carl J. A. Krey wird Domänenrat Hans Dehns (bis 1917).
1869 1871 Gedenktafel übernimmt der Mestliner Pächter Hans Dehns auch noch Vimfow.
1871 Gedenktafel in der Mestliner Kirche für die Gefallenen des Krieges.
Kaiserreich (1871-1918)
1872 wird Ludwig Heinrich Hunzinger Pfarrer von Mestlin / Ruest (bis 1895).
1873 Poststation in Mestlin.
1877 Klosteramt Dobbertin 1877 - heißt die Inschrift einer Tafel an der Stirnseite des Gutshauses. In den siebziger Jahren des 19. Jh. wurden die Häuser der Tagelöhner des Gutes entlang der Dorfstraße (heute Fritz - Reuter - Str., Goldberger Str.) erbaut.
1887 erstmalige Erwähnung der zweiten Mestliner Schule
Nachschlagewerk 1894
In der "Mecklenburgischen Vaterlandskunde" (2. Auflage, Wismar, Herausgeber W. Raabe) wird Mestlin beschrieben: "Mestlin, Poststation, 1 1/4 Meile westlich von Goldberg, wichtiger Knotenpunkt unseres Chausseeverkehrs, da sich hier die vier Chausseen von Parchim, Crivitz, Sternberg und Goldberg vereinigen. Südlich der Dobbertiner Klosterforst. Pachthof von H. Dehns (Schmiede). Dorf mit Pfarrkirche, Schule (2), Förster, Mühle, Krug, Ziegelei. - Hof und Dorf 887,7 ha. 295 (240) Einw."
Folgende Anekdote aus dem Mecklenburg Buch von E. Schulz (Hinstorff Verlag, 1938) könnte sich zu dieser Zeit in Mestlin zugetragen haben: Ein Junge von sieben Jahren aus einem Gutsdorf kam einmal zu spät zur Schule, weil er die Zeit verschlafen hatte. Der Lehrer fragte ihn, wann er zu Bett gegangen sei. "Weet ik nich", war die Antwort. Darauf der Lehrer: "Wär't all düster?" Nach kurzem Überlegen sagte der Junge: "Pläugen harr'n noch künnt."
1895 wird Karl Axel Walter Pfarrer von Mestlin / Ruest (bis 1918).
Ende 1895 lebten in Mestlin 270 und in Ruest 305 Einwohner.
Buch um die Jahrhundertwende
Wie könnte es um die Jahrhundertwende auf dem Gut Mestlin ausgesehen haben? Ein Berliner Arbeitsloser (Name unbekannt), den es auf ein Gut in Mecklenburg verschlagen hatte, schildert seine Erlebnisse: "Hofgängerleben in Mecklenburg". Mit einfachen Worten charakterisiert er die Leute mit denen er zusammentrifft: Inspektor, Knechte und Mägde, Tagelöhner und Hofgänger (... nach mecklenburgischen Begriffen sind die Fremden, die als Hofgänger nach Mecklenburg kommen, zu weiter nichts nütze. ...), er beschreibt das Dorf, das Gutshaus, Lüdstuw, Katen, ... und das tägliche Leben der Leute.
1917 Bernhard Berckemeyer pachtet das Gut Mestlin (bisheriger Pächter Hans Dehns). Besitzer ist das Kloster Dobbertin. Ein Jahr später wird der gesamte Klosterbesitz vom Staat übernommen. B. pachtete bereits seit 1906 das Gut Weisin bei Lübz. 1936 kauft er das ehemalige Gut seiner Eltern in Gr. Thurow zurück.
1917 war Mestlin in einem sehr schlechten Zustand. Die etwa 60 Familien führten ein schweres Leben. Mitte der zwanziger Jahre meliorierte B. große Flächen um das Gut aufzubauen. Für Vimfow stellte B. den Statthalter Briese ein, für Mestlin den Pferdestatthalter Prestin. Statthalter war in Mestlin zu jener Zeit Hahn.
1914 - 1918 Wieder gibt es Opfer unter den Mestlinern: Gedenktafel auf dem Friedhof.
Weimarer Republik (1918-1933)
Drittes Reich (1933-1945)
SBZ und DDR (1945-1990)
Die heutige Zeit
Einigen wichtigen Einrichtungen sind eigene Artikel gewidmet:
Herkunft und erste Erwähnung von Mestlin
Die Burg/ das Schloss/ das Gutshaus/ die Bauernhöfe
Die Mühlen
Die Schule
Die Schmieden
Krüge und Gaststätten
Bedeutende Persönlichkeiten aus Mestlin
Opfer von Krieg und Gewalt aus Mestlin
Napoleonische Zeit
Opfer in französischen Diensten: Französische Flotte, Rußlandfeldzug u.a.
Befreiungskriege
Deutsch/ Französischer Krieg 1870/71
Erster Weltkrieg
Zweiter Weltkrieg
Nachkriegszeit (z.B. Lager Fünfeichen)
To de Mestliner Geschicht up platt (Läuschen un Rimels in uns tweit Amtssprak)
Mecklenburg-Vorpommern ist wohl das einzige Bundesland, das bereits in seiner Verfassung der plattdeutschen Sprache einen besonderen Schutz und besondere Pflege angedeihen läst. Daß es sogar offizielle Amtssprache ist, kann man nicht nur in der plattdeutschen Version der * Verfassung von Mecklenburg-Vorpommen nachlesen, sondern in einer Vielzahl von Orten und Regionen hören und lesen. Plattdeutsches aus den Regionen sollte auch im volkskundlichen Kapitel der Orte festgehalten und bewahrt werden.
- Anregung
- Im Richard Wossidlo-Archiv kann fast jeder mecklenburgische Ortschronist etwas zur niederdeutschen Volkskunde seines Ortes finden.