Fortlaufende historische Chronologie und Geschichte von Torfbrücke: Unterschied zwischen den Versionen
Zur Navigation springen
Zur Suche springen
| (276 dazwischenliegende Versionen von 2 Benutzern werden nicht angezeigt) | |||
| Zeile 1: | Zeile 1: | ||
| + | [https://www.ortschroniken-mv.de/index.php/Rostocker_Heide_(Landschaft) Rostocker Heide] | ||
| + | * [[Torfbrücke]] | ||
| + | * [[Revier Torfbrücke]] | ||
| + | |||
{{Infobox Ortschronik | {{Infobox Ortschronik | ||
| ort = Torfbrücke | | ort = Torfbrücke | ||
| Zeile 10: | Zeile 14: | ||
| − | Chronologischer Abriss der Geschichte von Torfbrücke | + | ==Chronologischer Abriss der Geschichte von Torfbrücke (Ort und Forstrevier)== |
| + | |||
| + | |||
| + | ===bis zur napoleonischen Zeit (bis 1813)=== | ||
| + | |||
| + | ;1696 | ||
| + | :Ersterwähnung „torf Brüg“ als Brückenübergang über den Stromgraben sowie die Rostocker Stadtgrenze für den Torftransport vom Fischland. | ||
| + | |||
| + | ;1774 | ||
| + | :Anlegung der ersten Schleuse an der Stromgrabenmündung | ||
| + | |||
| + | ;1788 | ||
| + | :am Stromgraben-Übergang Errichtung eines Jägerhauses und dreier Forstkaten (für 6 Familien). | ||
| + | ;1813 | ||
| + | :Auch beim Wiedort wird durch den mecklenburgischen Landsturm ein Wachposten in der Nachrichtenkette entlang der Ostseeküste angelegt. | ||
| − | ==bis zur | + | ===bis zur Reichseinigung (bis 1871)=== |
| − | + | ;1831 | |
| − | + | :Auch am Ostsee-Ufer des Torfbrücker Reviers wird eine geschlossene Küstenwachkette gegen die Einschleppung der Cholera eingerichet. | |
| − | + | ===Deutsches Reich bis 1918=== | |
| − | |||
| − | + | ;1877 | |
| − | + | :4. September - Die 21jährige Luise Halwes aus Torfbrücke wird im Wald ermordet. Der Mörder wird später gefasst und hingerichtet | |
| − | + | ;1890 | |
| − | + | :Das alte Jägergehöft abgebrannt | |
| + | [[Datei:Torfbrücke.jpg|thumb|400px|rechts|Flurnamenkarte des Reviers Torfbrücke 1926 (Quelle: Ludwig Krause "Die Rostocker Heide im Spiegel ihrer Orts- Forst- und Flurnamen"]] | ||
| + | ;1891 | ||
| + | :Bau des neuen Forsthauses | ||
| − | + | ;1906 | |
| − | + | :Umgemeindung der Torfbrücker '''Kirchenmitglieder''' in die Graaler Kirchgemeinde | |
| − | + | ;1909 | |
| + | :Im Waldhause wohnte seit mehreren Jahren schon bloß noch eine Familie. Am Ostern 1909 ist auch diese fortgezogen. Seitdem steht das Waldhaus leer und soll, weil sehr baufällig, dazu sowieso im Walde gelegen, nicht mehr bewohnt werden, sondern über kurz oder lang abgebrochen werden. | ||
| − | + | ;1913 | |
| + | :Suche /Bohrung nach Trinkwasser zur Versorgung einer bei Torfbrücke geplanten Villenkolonie | ||
| − | + | ;1913 | |
| + | :Planung einer Villenkolonie am Ostsee-Ufer im Revier Torfbrücke | ||
| − | + | ;1913 | |
| − | + | :Die Sylvesterflut dringt bis an die Häuser von Torfbrücke vor. | |
| − | == | + | ===Deutsches Reich bis 1945=== |
| + | ;1921 | ||
| + | :Einweihung des Gedenksteins für den im Weltkrieg gefallenen Forstinspektor Max Garthe an der Reminschen Wiese | ||
| − | + | ;1945, 1.Mai | |
| + | :Der Torfbrücker Oberförster Schmidt-Wulffen begeht mit seiner Familie Selbstmord. | ||
| − | + | ===SBZ und DDR bis 1990=== | |
| − | |||
| + | ===Die heutige Zeit=== | ||
| − | + | ;2013 | |
| + | :Der Ort hat 52 Einwohner und ist der nördlichste Stadtteil der Hansestadt Rostock. | ||
| + | ==Geschichte von Torfbrücke - Die Furt am Stromgraben und der nördlichste Punkt Rostocks== | ||
| + | [[Datei:IMG 20170226 0024.jpg|thumb|rechts|500px| Carl Malchin "Torfbrücke" um 1890 Quelle: Heidearchiv]] | ||
| + | :Autofahrer sind gedanklich meist schon an ihrem Ziel, dem Seeheilbad Graal-Müritz, wenn sie auf ihrem Wege dorthin die unscheinbare blaue Brücke über den Stromgraben überqueren. | ||
| + | :Manch einer bemerkt gar nicht, das die zuvor passierten gepflegten Häuser am Straßenrande laut Ortseingang zum Rostocker Stadtgebiet gehören. | ||
| + | :Seit einem dreiviertel Jahrtausend bereits findet sich an dieser Stelle der nördlichste Punkt der Hansestadt Rostock. | ||
| + | :Das Örtchen Torfbrücke selbst verdankt seiner „Grenzlage“ auch seine Entstehung. | ||
| + | :Sicher um einiges älter, zeichnet der Rostocker Stadtfenderich Lust im Jahre 16969 eine Karte der Heide mit der „torf Brüg“, einer Brückenquerung für den Verbindungsweg zwischen Rostock und dem Fischland. | ||
| + | :Der Vermessungsingenieur Graf Schmettau zeichnet im Jahre 1788 in seiner Karte ein Jägerhaus ein, der Vorläufer der leider erst in jüngster Zeit abgerissenen Försterei, um den sich bald darauf drei weitere Katen versammeln. | ||
| + | :Bis 1909 waren die Häuser des zu jener Zeit hansestädtischen Dorfes Rövershagen. | ||
| + | :Die städtische Bürgervertretung hatte nun entschieden Torfbrücke zur selbstständigen Ortschaft unter dem Dach der Hansestadt zu erheben. | ||
| − | + | :Zeitungsschlagzeilen machte das Dorf nur einmal, im September des Jahres 1877, als hier eine grausame Bluttat entdeckt worden war. | |
| + | :In der Rostocker Zeitung jener Tage ist zu lesen: | ||
| + | :„Über die bereits erwähnte Mordthat in der Rostocker Heide erfahren wir heute folgendes Nähere. | ||
| + | :Das beim Jäger Keding zu Torfbrücke dienende Mädchen Luise Halwes war am letzten Dienstag nach dem „Neuen Kruge“ an der Rostock - Ribnitzer Chaussee geschickt und kehrte zur festgesetzten Zeit nicht zurück. | ||
| + | :Ihr Dienstherr, dadurch beunruhigt und einen Unfall fürchtend, veranlaßte eine allgemeine Durchsuchung des Gehölzes, bei welcher wie bereits gemeldet, die Halwes am Mittwoch Morgen mit durchschnittenem Halse und augenscheinlich von fremder Hand getödtet vorgefunden wurde. | ||
| + | :Der Verdacht der That richtete sich alsbald gegen einen 21jährigen Seefahrer J.Suhr, welcher in Ribnitz geboren und später mit seinen Eltern nach Torfbrücke verzogen ist. | ||
| + | :Derselbe hatte sich besonders dadurch verdächtig gemacht, daß er sich nicht wie alle übrigen Bewohner von Torfbrücke an den Nachforschungen nach dem :vermißten Mädchen beteiligt, auch nach Auffindung der Leiche sich von dem Orte der That fern gehalten hatte. | ||
| + | :Das hiesige Criminalgericht, welches sich zur Aufnahme des Thatbestandes gestern nach Torfbrücke begeben hatte, verfügte die Verhaftung des Suhr, welche noch gestern erfolgt ist. | ||
| + | :Wie man erzählt hat Suhr schon dem die Verhaftung vollziehenden Beamten gegenüber sofort ein umfassendes Geständnis abgelegt. | ||
| + | :Darnach hat er die Halwes mit der er im Gehölze zusammengetroffen, mit unsittlichen Anträgen verfolgt und sie dann thätlich angegriffen. | ||
| + | :Das Mädchen hat sich tapfer gewehrt und mit der Anzeige des Vorfalls gedroht. | ||
| + | :Hierdurch aufgebracht, hat Suhr einen am Wege liegenden Knittel ergriffen und der davon eilenden Halwes von hinten einen Schlag über den Kopf versetzt, der sie betäubt zu Boden gestreckt hat, worauf er sie durch Durchschneiden des Halses völlig getödtet hat. | ||
| + | :Die ermordete Luise Halwes ist 21 Jahre alt und ebenfalls aus Ribnitz gebürtig; ihre Eltern sind bereits verstorben. | ||
| + | :Sie wird als ein tüchtiges und treues Mädchen bezeichnet und war mit einem in der Nachbarschaft von Torfbrücke dienenden jungen Manne verlobt.“ | ||
| + | :Der ruchlose Mörder büßte seine Tat schließlich mit dem Leben. | ||
| − | |||
| + | === + Das einstige Forsthaus Torfbrücke=== | ||
| + | <gallery mode="packed" widths="200px"> | ||
| − | + | Datei:Torfbrücke 1930.jpg| Blick von dar Graaler Seite über die Stromgrabenbrücke nach Torfbrücke 1930 | |
| + | Forsthaus Torfbrücke um 1910.jpg| Forsthaus Torfbrücke um 1910 Quelle: Heidearchiv | ||
| + | </gallery> | ||
| + | ==Das Revier Torfbrücke== | ||
| − | + | ===Ur- und frühgeschichtliche Funde=== | |
| + | * [[Funde zwischen Rosenort und Uhlenflucht]] | ||
| + | * [[Jörg Ansorge und Sigmund Oehrl "Ein völkerwanderungszeitlicher Bernsteinanhänger mit Runeninschrift vom Ostseestrand der Rostocker Heide"]] | ||
| − | + | :Spuren aus der Ur- und Frühgeschichte finden sich zwischen Rosenort und Wiedort an den Abbruchkanten der Küste im Torfbrücker Revier. | |
| + | :Diese Funde sind dann oft auch durch ihren Fundplatz in der Meeres-Dünung "gerollt", also abgeschliffen. | ||
| + | :Fundorte an der Küste, an denen vor rund 100 Jahren Eugen Geinitz, Robert Beltz, Ludwig Krause oder vor rund 50 Jahren Otto Kolp, Hans Wendt, Hubert Westphal Funde gemacht haben, liegen inzwischen, bei Berücksichtigung des Küstenrückgangs, 50 - 100 und noch mehr Meter von der Küste entfernt im Meer. | ||
| + | :Der wendische Wohnplatz am Stolperort, den Ludwig Krause und Robert Beltz 1925 beschreiben, ist also schon lange vom Meer verschlungen. 1995 im Spülsaum vor dem Rosenort gefundene wendische Schmuckperlen verschwanden als "Urlaubs-Andenken". | ||
| + | ===Der Heide-Kaufvertrag von 1252 und die acht Hufen des Doberaner Klosters=== | ||
| − | |||
| + | :Als am 25. März 1252 Fürst Borwin III. den Rostockern die Kaufurkunde über die, fortan als "Rostocker Heide" bezeichnete Waldfläche,ausstellen läßt, findet sich inmitten des Textdokumentes eine Klausel, das: | ||
| + | :"...die 8 Hufen am Zarnetzstrom, die durch unsere Gnade dem Eigentum der Mönche von Doberan gestiftet sind..." von dem Verkauf ausgeschlossen sind. | ||
| − | + | :Eine Hufe entspricht nach ihrer Bodenbonität, mit unterschiedlicher Flächengröße in Abhängigkeit von der Bodenqualität, dem Grund und Boden auf dem die Existenz einer Bauernstelle gesichert ist. | |
| − | + | :Heute ist vergessen, wo die Fläche der Doberaner Zisterzienser lag, um 8 Höfe einzurichten. Weitere Spuren in alten Dokumenten sind nicht zu finden. | |
| + | :Gerade diese zweizeilige Passage (und nur die) ist in den darauf folgenden Jahrhunderten dem "Mäusefraß" zum Opfer gefallen. | ||
| + | :Man kann annehmen, daß es sich dabei um die heutige Gemarkung von Graal- (dem Westteil von Graal-Müritz) handelt, da diese etwa einer Flächengröße von 8 Hufen jener Zeit entspräche. | ||
| + | :1332 - Durch Landerwerb bis zum "Grothen Strom" (Stromgraben) kommt es, rund achtzig Jahre nach dem Heideverkauf, nordöstlich an die Rostocker Heide angrenzend, zur Gründung eines zweiten Hofes "up den Grahl". (MUB XIII 7680) | ||
| + | :Beide Höfe (Müritz und Grahl) werden von Nonnen des St. Claren Klosters Ribnitz bewirtschaftet und von Büdnern aus Dierhagen, die Hand- und Spanndienste leisten müssen, unterstützt. | ||
| − | + | ===Titaneisensand und Sensenstreicher=== | |
| + | :Fruchtbare Handelsbeziehungen entwickelten die Bewohner Torfbrückes Ende des 19. Jahrhunderts mit dem "Sträkmacherdorf" Thulendorf, bei Sanitz. Die hier gefertigten "Sträk", Sensenstreicher und Messerschärfer waren durch ihre besonders gute Qualität in der Gegend berühmt. Das Geheimnis dieser ausgesprochen gut funktionierenden und langlebigen Schärfinstrumente rührte vom Ostseesand und Heideteer her. Im Strandabschnitt des Torfbrücker Forstreviers fand sich besonders viel "Rotsand", dessen Farbe durch hohe Anteile an Titaneisen, Korund und Granat entsteht. Dieser Grundstoff fachgerecht vermengt mit dem in der Heide gewonnenen Teer, war der gehütete Kern der begehrten Werkzeuge. Ganze Fuhrwerksladungen dieser Grundstoffe nahmen ihren Weg zu den Herstellern. Kostete doch das Scheffel solchen Seesandes nur drei Mark. Schließlich verbot die Obrigkeit den Sandhandel, verursachte der doch hier inzwischen einen unübersehbaren Küstenrückgang, dem es Einhalt zu gebieten galt. | ||
| − | + | ===Die Grabstelle des Torfbrücker Revierförsters Schmitt-Wulffen und seiner Familie im Torfbrücker Revier=== | |
| + | <gallery mode="packed" widths="200px"> | ||
| + | Datei:Familiengrab Schmitt-Wullfen 2015 Foto1 W.Steinmüller.JPG|Das Grab Schmitt-Wulffen im Jahre 2015 Foto 1 (W. Steinmüller) | ||
| + | Datei:Familiengrab Schmitt-Wullfen 2015 Foto2 W.Steinmüller.JPG|Das Grab Schmitt-Wulffen im Jahre 2015 Foto 2 (W. Steinmüller) | ||
| + | </gallery> | ||
| + | :Am Ort der eingezäunten, mit einem Holzkreuz versehenen, Grabstelle ist der Torfbrücker Revierförster Schmidt-Wulffen am 1. Mai 1945 mit seiner Familie in den Freitod gegangen. | ||
| + | :Die Familie fand hier ihre letzte Ruhe. | ||
| + | |||
| + | ==Sagen, Legenden und Geschichten aus Torfbrücke== | ||
| + | |||
| + | ===1877 - Mord bei Torfbrücke=== | ||
| + | |||
| + | :Im September des Jahres 1877 war die Gegend von Torfbrücke Tatort einer blutigen Mordtat. | ||
| + | :In der Rostocker Zeitung jener Tage ist zu lesen: | ||
| + | :"Über die bereits erwähnte Mordta in der Rostocker Heide erfahren wir heute folgendes Nähere: Das beim Jäger Keding dienende zu Torfbrücke dienende Mädchen Luise Halwes war am letzten Dienstag nach dem "Neuen Kruge"an der Rostock - Ribnitzer Chaussee geschickt und kehrte zur festgesetzten Zeit nicht zurück. | ||
| + | :Ihr Dienstherr, dadurch beunruhigt und einen Unfall fürchtend, veranlaßte eine allgemeine Durchsuchung des Gehölzes, bei welcher wie bereits gemeldet, die Halwes am Mittwoch Morgen mit durchschnittenem Halse und augenscheinlich von Fremder Hand getödtet vorgefunden wurde. | ||
| + | :Der Verdacht der Tat richtete sich alsbald gegen einen 21jährigen Seefahrer, J. Suhr, welcher in Ribnitz geboren und später mit seinen Eltern nach Torfbrücke verzogen ist. | ||
| + | :Derselbe hatte sich besondes dadurch verdächtig gemacht, daß er sich nicht wie alle übrigen Bewohner von Torfbrücke an den Nachforschungen nach dem vermißten Mädchen beteiligt, auch nach Auffindung der Leiche sich von dem Orte der Tat fern gehalten hatte. | ||
| + | :Das hiesige Criminalgericht, welches sich zur Aufnahme des Thatbestandes gestern nach Torfbrücke begeben hette, verfügte die Verhaftung des Suhr, welche noch gestern erfolgt ist. | ||
| + | :Wie man erzählt hat Suhr schon dem die Verhaftung vollziehenden Beamten gegenüber sofort ein umgehendes Geständnis abgelegt. :Darnach hat er die Halwes mit der er im Gehölze zusammengetroffen, mit unsittlichen Anträgen verfolgt und sie dann thätlich angegriffen. | ||
| + | :Das Mädchen hat sich tapfer gewehrt und mit der Anzeige des Vorfalls gedroht. | ||
| + | :Hierdurch aufgebracht hat, hat Suhr einen am Wege liegenden Knittel ergriffen und der davoneilenden Halwes von hinten einen Schlag über den Kopf versetzt, der sie betäubt zu Boden gestreckt hat, worauf er sie durch Durchschneiden des Halses völlig Getödtet hat. | ||
| + | :Die ermordete Luise Halwes ist 21 Jahre alt und ebenfalls as Ribnitz gebürtig, ihre Eltern sind bereits verstorben. | ||
| + | :Sie wird als ein tüchtiges und treues Mädchen bezeichnet und war mit einem in der Nachbarschaft von Torfbrücke dienenden jungen Manne verlobt." | ||
| + | :Der ruchlose Mörder büßte seine Tat schließlich mit dem Leben. | ||
| − | |||
==Flurnamen in der Torfbrücker Gemarkung== | ==Flurnamen in der Torfbrücker Gemarkung== | ||
| − | + | * [[Ludwig Krause "Die Orts-,Forst- und Flurnamen der Rostocker Heide"]] | |
| + | |||
| + | [[Category:Flurnamen]] | ||
Aktuelle Version vom 22. Januar 2026, 14:46 Uhr
| Kenndaten der Ortschronik | |
|---|---|
| Ort | Torfbrücke |
| Zeitlicher Schwerpunkt | 1696 - fortlaufend |
| Urheberrechte | Wilfried Steinmüller |
| Erstellungszeitraum | 2016/2017 |
| Publikationsdatum | unveröffentlicht |
| Inhaltliche Kategorisierung | Chronologie des Ortes Torfbrücke |
| Status (Ampelsystem) | unveröffentlicht |
Chronologischer Abriss der Geschichte von Torfbrücke (Ort und Forstrevier)
bis zur napoleonischen Zeit (bis 1813)
- 1696
- Ersterwähnung „torf Brüg“ als Brückenübergang über den Stromgraben sowie die Rostocker Stadtgrenze für den Torftransport vom Fischland.
- 1774
- Anlegung der ersten Schleuse an der Stromgrabenmündung
- 1788
- am Stromgraben-Übergang Errichtung eines Jägerhauses und dreier Forstkaten (für 6 Familien).
- 1813
- Auch beim Wiedort wird durch den mecklenburgischen Landsturm ein Wachposten in der Nachrichtenkette entlang der Ostseeküste angelegt.
bis zur Reichseinigung (bis 1871)
- 1831
- Auch am Ostsee-Ufer des Torfbrücker Reviers wird eine geschlossene Küstenwachkette gegen die Einschleppung der Cholera eingerichet.
Deutsches Reich bis 1918
- 1877
- 4. September - Die 21jährige Luise Halwes aus Torfbrücke wird im Wald ermordet. Der Mörder wird später gefasst und hingerichtet
- 1890
- Das alte Jägergehöft abgebrannt
- 1891
- Bau des neuen Forsthauses
- 1906
- Umgemeindung der Torfbrücker Kirchenmitglieder in die Graaler Kirchgemeinde
- 1909
- Im Waldhause wohnte seit mehreren Jahren schon bloß noch eine Familie. Am Ostern 1909 ist auch diese fortgezogen. Seitdem steht das Waldhaus leer und soll, weil sehr baufällig, dazu sowieso im Walde gelegen, nicht mehr bewohnt werden, sondern über kurz oder lang abgebrochen werden.
- 1913
- Suche /Bohrung nach Trinkwasser zur Versorgung einer bei Torfbrücke geplanten Villenkolonie
- 1913
- Planung einer Villenkolonie am Ostsee-Ufer im Revier Torfbrücke
- 1913
- Die Sylvesterflut dringt bis an die Häuser von Torfbrücke vor.
Deutsches Reich bis 1945
- 1921
- Einweihung des Gedenksteins für den im Weltkrieg gefallenen Forstinspektor Max Garthe an der Reminschen Wiese
- 1945, 1.Mai
- Der Torfbrücker Oberförster Schmidt-Wulffen begeht mit seiner Familie Selbstmord.
SBZ und DDR bis 1990
Die heutige Zeit
- 2013
- Der Ort hat 52 Einwohner und ist der nördlichste Stadtteil der Hansestadt Rostock.
Geschichte von Torfbrücke - Die Furt am Stromgraben und der nördlichste Punkt Rostocks
- Autofahrer sind gedanklich meist schon an ihrem Ziel, dem Seeheilbad Graal-Müritz, wenn sie auf ihrem Wege dorthin die unscheinbare blaue Brücke über den Stromgraben überqueren.
- Manch einer bemerkt gar nicht, das die zuvor passierten gepflegten Häuser am Straßenrande laut Ortseingang zum Rostocker Stadtgebiet gehören.
- Seit einem dreiviertel Jahrtausend bereits findet sich an dieser Stelle der nördlichste Punkt der Hansestadt Rostock.
- Das Örtchen Torfbrücke selbst verdankt seiner „Grenzlage“ auch seine Entstehung.
- Sicher um einiges älter, zeichnet der Rostocker Stadtfenderich Lust im Jahre 16969 eine Karte der Heide mit der „torf Brüg“, einer Brückenquerung für den Verbindungsweg zwischen Rostock und dem Fischland.
- Der Vermessungsingenieur Graf Schmettau zeichnet im Jahre 1788 in seiner Karte ein Jägerhaus ein, der Vorläufer der leider erst in jüngster Zeit abgerissenen Försterei, um den sich bald darauf drei weitere Katen versammeln.
- Bis 1909 waren die Häuser des zu jener Zeit hansestädtischen Dorfes Rövershagen.
- Die städtische Bürgervertretung hatte nun entschieden Torfbrücke zur selbstständigen Ortschaft unter dem Dach der Hansestadt zu erheben.
- Zeitungsschlagzeilen machte das Dorf nur einmal, im September des Jahres 1877, als hier eine grausame Bluttat entdeckt worden war.
- In der Rostocker Zeitung jener Tage ist zu lesen:
- „Über die bereits erwähnte Mordthat in der Rostocker Heide erfahren wir heute folgendes Nähere.
- Das beim Jäger Keding zu Torfbrücke dienende Mädchen Luise Halwes war am letzten Dienstag nach dem „Neuen Kruge“ an der Rostock - Ribnitzer Chaussee geschickt und kehrte zur festgesetzten Zeit nicht zurück.
- Ihr Dienstherr, dadurch beunruhigt und einen Unfall fürchtend, veranlaßte eine allgemeine Durchsuchung des Gehölzes, bei welcher wie bereits gemeldet, die Halwes am Mittwoch Morgen mit durchschnittenem Halse und augenscheinlich von fremder Hand getödtet vorgefunden wurde.
- Der Verdacht der That richtete sich alsbald gegen einen 21jährigen Seefahrer J.Suhr, welcher in Ribnitz geboren und später mit seinen Eltern nach Torfbrücke verzogen ist.
- Derselbe hatte sich besonders dadurch verdächtig gemacht, daß er sich nicht wie alle übrigen Bewohner von Torfbrücke an den Nachforschungen nach dem :vermißten Mädchen beteiligt, auch nach Auffindung der Leiche sich von dem Orte der That fern gehalten hatte.
- Das hiesige Criminalgericht, welches sich zur Aufnahme des Thatbestandes gestern nach Torfbrücke begeben hatte, verfügte die Verhaftung des Suhr, welche noch gestern erfolgt ist.
- Wie man erzählt hat Suhr schon dem die Verhaftung vollziehenden Beamten gegenüber sofort ein umfassendes Geständnis abgelegt.
- Darnach hat er die Halwes mit der er im Gehölze zusammengetroffen, mit unsittlichen Anträgen verfolgt und sie dann thätlich angegriffen.
- Das Mädchen hat sich tapfer gewehrt und mit der Anzeige des Vorfalls gedroht.
- Hierdurch aufgebracht, hat Suhr einen am Wege liegenden Knittel ergriffen und der davon eilenden Halwes von hinten einen Schlag über den Kopf versetzt, der sie betäubt zu Boden gestreckt hat, worauf er sie durch Durchschneiden des Halses völlig getödtet hat.
- Die ermordete Luise Halwes ist 21 Jahre alt und ebenfalls aus Ribnitz gebürtig; ihre Eltern sind bereits verstorben.
- Sie wird als ein tüchtiges und treues Mädchen bezeichnet und war mit einem in der Nachbarschaft von Torfbrücke dienenden jungen Manne verlobt.“
- Der ruchlose Mörder büßte seine Tat schließlich mit dem Leben.
+ Das einstige Forsthaus Torfbrücke
Das Revier Torfbrücke
Ur- und frühgeschichtliche Funde
- Funde zwischen Rosenort und Uhlenflucht
- Jörg Ansorge und Sigmund Oehrl "Ein völkerwanderungszeitlicher Bernsteinanhänger mit Runeninschrift vom Ostseestrand der Rostocker Heide"
- Spuren aus der Ur- und Frühgeschichte finden sich zwischen Rosenort und Wiedort an den Abbruchkanten der Küste im Torfbrücker Revier.
- Diese Funde sind dann oft auch durch ihren Fundplatz in der Meeres-Dünung "gerollt", also abgeschliffen.
- Fundorte an der Küste, an denen vor rund 100 Jahren Eugen Geinitz, Robert Beltz, Ludwig Krause oder vor rund 50 Jahren Otto Kolp, Hans Wendt, Hubert Westphal Funde gemacht haben, liegen inzwischen, bei Berücksichtigung des Küstenrückgangs, 50 - 100 und noch mehr Meter von der Küste entfernt im Meer.
- Der wendische Wohnplatz am Stolperort, den Ludwig Krause und Robert Beltz 1925 beschreiben, ist also schon lange vom Meer verschlungen. 1995 im Spülsaum vor dem Rosenort gefundene wendische Schmuckperlen verschwanden als "Urlaubs-Andenken".
Der Heide-Kaufvertrag von 1252 und die acht Hufen des Doberaner Klosters
- Als am 25. März 1252 Fürst Borwin III. den Rostockern die Kaufurkunde über die, fortan als "Rostocker Heide" bezeichnete Waldfläche,ausstellen läßt, findet sich inmitten des Textdokumentes eine Klausel, das:
- "...die 8 Hufen am Zarnetzstrom, die durch unsere Gnade dem Eigentum der Mönche von Doberan gestiftet sind..." von dem Verkauf ausgeschlossen sind.
- Eine Hufe entspricht nach ihrer Bodenbonität, mit unterschiedlicher Flächengröße in Abhängigkeit von der Bodenqualität, dem Grund und Boden auf dem die Existenz einer Bauernstelle gesichert ist.
- Heute ist vergessen, wo die Fläche der Doberaner Zisterzienser lag, um 8 Höfe einzurichten. Weitere Spuren in alten Dokumenten sind nicht zu finden.
- Gerade diese zweizeilige Passage (und nur die) ist in den darauf folgenden Jahrhunderten dem "Mäusefraß" zum Opfer gefallen.
- Man kann annehmen, daß es sich dabei um die heutige Gemarkung von Graal- (dem Westteil von Graal-Müritz) handelt, da diese etwa einer Flächengröße von 8 Hufen jener Zeit entspräche.
- 1332 - Durch Landerwerb bis zum "Grothen Strom" (Stromgraben) kommt es, rund achtzig Jahre nach dem Heideverkauf, nordöstlich an die Rostocker Heide angrenzend, zur Gründung eines zweiten Hofes "up den Grahl". (MUB XIII 7680)
- Beide Höfe (Müritz und Grahl) werden von Nonnen des St. Claren Klosters Ribnitz bewirtschaftet und von Büdnern aus Dierhagen, die Hand- und Spanndienste leisten müssen, unterstützt.
Titaneisensand und Sensenstreicher
- Fruchtbare Handelsbeziehungen entwickelten die Bewohner Torfbrückes Ende des 19. Jahrhunderts mit dem "Sträkmacherdorf" Thulendorf, bei Sanitz. Die hier gefertigten "Sträk", Sensenstreicher und Messerschärfer waren durch ihre besonders gute Qualität in der Gegend berühmt. Das Geheimnis dieser ausgesprochen gut funktionierenden und langlebigen Schärfinstrumente rührte vom Ostseesand und Heideteer her. Im Strandabschnitt des Torfbrücker Forstreviers fand sich besonders viel "Rotsand", dessen Farbe durch hohe Anteile an Titaneisen, Korund und Granat entsteht. Dieser Grundstoff fachgerecht vermengt mit dem in der Heide gewonnenen Teer, war der gehütete Kern der begehrten Werkzeuge. Ganze Fuhrwerksladungen dieser Grundstoffe nahmen ihren Weg zu den Herstellern. Kostete doch das Scheffel solchen Seesandes nur drei Mark. Schließlich verbot die Obrigkeit den Sandhandel, verursachte der doch hier inzwischen einen unübersehbaren Küstenrückgang, dem es Einhalt zu gebieten galt.
Die Grabstelle des Torfbrücker Revierförsters Schmitt-Wulffen und seiner Familie im Torfbrücker Revier
- Am Ort der eingezäunten, mit einem Holzkreuz versehenen, Grabstelle ist der Torfbrücker Revierförster Schmidt-Wulffen am 1. Mai 1945 mit seiner Familie in den Freitod gegangen.
- Die Familie fand hier ihre letzte Ruhe.
Sagen, Legenden und Geschichten aus Torfbrücke
1877 - Mord bei Torfbrücke
- Im September des Jahres 1877 war die Gegend von Torfbrücke Tatort einer blutigen Mordtat.
- In der Rostocker Zeitung jener Tage ist zu lesen:
- "Über die bereits erwähnte Mordta in der Rostocker Heide erfahren wir heute folgendes Nähere: Das beim Jäger Keding dienende zu Torfbrücke dienende Mädchen Luise Halwes war am letzten Dienstag nach dem "Neuen Kruge"an der Rostock - Ribnitzer Chaussee geschickt und kehrte zur festgesetzten Zeit nicht zurück.
- Ihr Dienstherr, dadurch beunruhigt und einen Unfall fürchtend, veranlaßte eine allgemeine Durchsuchung des Gehölzes, bei welcher wie bereits gemeldet, die Halwes am Mittwoch Morgen mit durchschnittenem Halse und augenscheinlich von Fremder Hand getödtet vorgefunden wurde.
- Der Verdacht der Tat richtete sich alsbald gegen einen 21jährigen Seefahrer, J. Suhr, welcher in Ribnitz geboren und später mit seinen Eltern nach Torfbrücke verzogen ist.
- Derselbe hatte sich besondes dadurch verdächtig gemacht, daß er sich nicht wie alle übrigen Bewohner von Torfbrücke an den Nachforschungen nach dem vermißten Mädchen beteiligt, auch nach Auffindung der Leiche sich von dem Orte der Tat fern gehalten hatte.
- Das hiesige Criminalgericht, welches sich zur Aufnahme des Thatbestandes gestern nach Torfbrücke begeben hette, verfügte die Verhaftung des Suhr, welche noch gestern erfolgt ist.
- Wie man erzählt hat Suhr schon dem die Verhaftung vollziehenden Beamten gegenüber sofort ein umgehendes Geständnis abgelegt. :Darnach hat er die Halwes mit der er im Gehölze zusammengetroffen, mit unsittlichen Anträgen verfolgt und sie dann thätlich angegriffen.
- Das Mädchen hat sich tapfer gewehrt und mit der Anzeige des Vorfalls gedroht.
- Hierdurch aufgebracht hat, hat Suhr einen am Wege liegenden Knittel ergriffen und der davoneilenden Halwes von hinten einen Schlag über den Kopf versetzt, der sie betäubt zu Boden gestreckt hat, worauf er sie durch Durchschneiden des Halses völlig Getödtet hat.
- Die ermordete Luise Halwes ist 21 Jahre alt und ebenfalls as Ribnitz gebürtig, ihre Eltern sind bereits verstorben.
- Sie wird als ein tüchtiges und treues Mädchen bezeichnet und war mit einem in der Nachbarschaft von Torfbrücke dienenden jungen Manne verlobt."
- Der ruchlose Mörder büßte seine Tat schließlich mit dem Leben.