Neuhaus - Fortlaufende Ortschronik: Unterschied zwischen den Versionen

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''In der gestrigen öffentlichen Sitzung des Stadtparlaments wurde die Parzellierung des Gutes Neuhaus einstimmig beschlossen. Endlich einmal ein werbender Titel in dem Haushalt der Stadt, denn der Rat ist beim Entwurf des Vertrages mit dem Besitzer Dr. Goldberg vorsichtig gewesen indem er auch an direkte Einnahmen für den Stadtsäckel gedacht hat. Durch jede verkaufte Parzelle in Größe von 250 Quadratmetern hat die Stadt eine einmalige Einnahme von 10 M, dazu kommt eine laufende Abgabe von 5 M jährlich pro Parzelle an die Stadtkasse und die Zahlung der Grundbuchsgebühren. Es ist also sicher anzunehmen, daß es Dr. Goldberg leicht sein wird, das Gelände zu verkaufen. Es sind Häuslereien vorgesehen in Form von Eigenheimen und Pensionen. Größere Bauten unterliegen der Genehmigung durch den Rat. Das vorgesehene Gelände liegt nördlich des Weges zum Kurhaus und reicht bis an die Dierhäger Grenze heran, nordwestlich vom Fischländer Weg. Vorläufig sind 500 000 qm für diesen Zweck vorgesehen. Der Rat ist in allen Dingen äußerst vorsichtig gewesen und hat alle evtl. Schwierigkeiten in Betracht gezogen so daß in der Kanon- und Jagdfrage auf alle Fälle die bisherigen Einnahmen bestehen bleiben. Allein ins Hintertreffen gekommen ist durch den neuen Plan die Zentralverwaltung des Ostseebades Ribnitz, denn es ist sicher, daß die Parzellen von Neuhaus leichter zu verkaufen sind, wie die öden Strecken auf den Stadtwiesen. Aus diesem Grunde haben auch mit Herrn Falkenberg erneute Verhandlungen stattgefunden, und man hat einen Zusatzvertrag geschlossen, der den Gründer von Ostseebad Ribnitz vor Schaden bewahren soll. Vor allen Dingen soll ein unlauterer Wettbewerb von vorherein unmöglich gemacht werden. Des weiteren soll weiterhin die Werbetrommel gemeinsam gerührt werden. Leider lag zu der gestrigen Sitzung der Vertragsentwurf Stadt contra Falkenberg noch nicht vor. Er soll aber fertig sein. Auf alle Fälle aber müssen wir feststellen, daß sich der Geschäftsgeist im Rathaus regt, und daß der Rat drauf und dran ist, die Geschicke unserer Stadt kaufmännisch zu lenken. ………"''
''In der gestrigen öffentlichen Sitzung des Stadtparlaments wurde die Parzellierung des Gutes Neuhaus einstimmig beschlossen. Endlich einmal ein werbender Titel in dem Haushalt der Stadt, denn der Rat ist beim Entwurf des Vertrages mit dem Besitzer Dr. Goldberg vorsichtig gewesen indem er auch an direkte Einnahmen für den Stadtsäckel gedacht hat. Durch jede verkaufte Parzelle in Größe von 250 Quadratmetern hat die Stadt eine einmalige Einnahme von 10 M, dazu kommt eine laufende Abgabe von 5 M jährlich pro Parzelle an die Stadtkasse und die Zahlung der Grundbuchsgebühren. Es ist also sicher anzunehmen, daß es Dr. Goldberg leicht sein wird, das Gelände zu verkaufen. Es sind Häuslereien vorgesehen in Form von Eigenheimen und Pensionen. Größere Bauten unterliegen der Genehmigung durch den Rat. Das vorgesehene Gelände liegt nördlich des Weges zum Kurhaus und reicht bis an die Dierhäger Grenze heran, nordwestlich vom Fischländer Weg. Vorläufig sind 500 000 qm für diesen Zweck vorgesehen. Der Rat ist in allen Dingen äußerst vorsichtig gewesen und hat alle evtl. Schwierigkeiten in Betracht gezogen so daß in der Kanon- und Jagdfrage auf alle Fälle die bisherigen Einnahmen bestehen bleiben. Allein ins Hintertreffen gekommen ist durch den neuen Plan die Zentralverwaltung des Ostseebades Ribnitz, denn es ist sicher, daß die Parzellen von Neuhaus leichter zu verkaufen sind, wie die öden Strecken auf den Stadtwiesen. Aus diesem Grunde haben auch mit Herrn Falkenberg erneute Verhandlungen stattgefunden, und man hat einen Zusatzvertrag geschlossen, der den Gründer von Ostseebad Ribnitz vor Schaden bewahren soll. Vor allen Dingen soll ein unlauterer Wettbewerb von vorherein unmöglich gemacht werden. Des weiteren soll weiterhin die Werbetrommel gemeinsam gerührt werden. Leider lag zu der gestrigen Sitzung der Vertragsentwurf Stadt contra Falkenberg noch nicht vor. Er soll aber fertig sein. Auf alle Fälle aber müssen wir feststellen, daß sich der Geschäftsgeist im Rathaus regt, und daß der Rat drauf und dran ist, die Geschicke unserer Stadt kaufmännisch zu lenken. ………"''
'''20. Oktober 1929''' Schreiben von Dr. Leo Goldberg an den Ribnitzer Stadtrat C. Michelsen mit der Bitte an die Stadt Ribnitz, sich an der Finanzierung des Ostseebades Neuhaus zu beteiligen.
''"Sehr geehrter Herr Stadtrat.''
''Ich komme auf unsere Unterhaltung vom 19. X. betr. Beleihung bzw. Beteiligung im Ostseebad Neuhaus und erlaube mir Ihnen Folgendes zu unterbreiten:''
...
''III.''
''Zur Abfindung des im Juni aufgenommenen Kredits wird ein Sozius gesucht, welcher sich mit 280000 RM beteiligt und bekommt dafür die Hälfte von Neuhaus (ohne Kurhaus und Bollhagen welche mit eine Hypothek von 170000RM zu 6 % pro anno bis 1 Juli 1932 belastet sind.''
...
''VII.''
''Da Sie, sehr geehrter Stadtrat zu Neuhaus und zu mir das Vertrauen haben, so bitte ich sie höflichst bei der Direktion Ihrer Bank einen Zwischenkredit in Höhe von 150000RM auf ein Jahr zu erwirken. Ich bewillige 10 bis 12 %% pro anno und dann noch eine Gewinnbeteiligung, welche den Zinssatz verdreifachen wird. Als Sicherheit bekommt die Bank 1) die erste Hypothek auf das Parzellierungs Gelände aus Neuhaus 2) Die Restgelder der schon getätigten Kaufverträge und 3) bei jedem Parzellenverkauf einen entsprechenden Teil der Bargelder. Die Vorteile der Bank sind folgende: Sie bekommt das ganze Inkasso der Restgelder und ausserdem verpflichtet sich Neuhaus den ganzen Umsatz vom Parzellierungsgeschäft durch Ihre Bank zu führen. Dabei wird die Bank einen großen Kundenkreis erwerben.''
...
''IX.''
''Da die Verhandlungen mit der Stadt lange dauern werden, so ist der Zwischenkredit für mich jetzt das einfachste. – Ich hoffe dass Sie diesbezügliche Schritte sofort unternehmen werden und zeichne mit vorzüglicher Hochachtung''
''Dr Leo Goldberg''
                                               
''Neuhaus an 20.X.29. -“''
(Fundstelle: Stadtarchiv Ribnitz-Damgarten)





Aktuelle Version vom 12. April 2026, 17:06 Uhr


Kenndaten der Ortschronik
OrtNeuhaus Ortsteil von Dierhagen
Zeitlicher Schwerpunkt1588 - 1938
UrheberrechteRainer Lorenz
Erstellungszeitraum2026
Publikationsdatum
Inhaltliche KategorisierungGeschichte der Gemeinde Neuhaus
Status (Ampelsystem)in fortlaufender Bearbeitung


Da sich auch zu bereits fertigen Teilen immer wieder neue Aspekte ergeben sowie auch Fehler entdeckt werden können, ist zu empfehlen, beim Arbeiten mit dieser Chronik sich jeweils unter dem Reiter „Versionsgeschichte“ das Veröffentlichungsdatum und ggf. die Kommentare zur Bearbeitung anzusehen.

Umgekehrt können die Hinweise gern unter dem Reiter „Diskussion“ gegeben werden.


Die Geschichte von Neuhaus (Chronologie)

Vorbemerkung:

!!! fortlaufende Bearbeitung !!!


26. Januar 1929 Im SLB vom 26.1.1929 wird von der Stadtverordnetenversammlung der Stadt Ribnitz berichtet:

„Der nächste Punkt der Tagesordnung behandelt den Antrag des Dr. Goldberg, Neuhaus zu parzellieren. Er will dort über 1000 Parzellen einrichten, möchte also ein Konkurrenzunternehmen contra Falkenberg schaffen. Die Versammlung ist geschlossen für Ablehnung des Antrages. Vor allen würde durch die Bevölkerung dieses Landstriches der Fortführung der Bäderbahn Tür und Tor geöffnet. Dies müsse auf alle Fälle vermieden werden. Der Antrag wird einstimmig abgelehnt.“


28. Februar 1929 Am 28. 2 1929 berichtet der SLB von der Stadtverordnetenversammlung der Stadt Ribnitz vom 27.2.1929:

„ Neuhaus wird parzelliert

In der gestrigen öffentlichen Sitzung des Stadtparlaments wurde die Parzellierung des Gutes Neuhaus einstimmig beschlossen. Endlich einmal ein werbender Titel in dem Haushalt der Stadt, denn der Rat ist beim Entwurf des Vertrages mit dem Besitzer Dr. Goldberg vorsichtig gewesen indem er auch an direkte Einnahmen für den Stadtsäckel gedacht hat. Durch jede verkaufte Parzelle in Größe von 250 Quadratmetern hat die Stadt eine einmalige Einnahme von 10 M, dazu kommt eine laufende Abgabe von 5 M jährlich pro Parzelle an die Stadtkasse und die Zahlung der Grundbuchsgebühren. Es ist also sicher anzunehmen, daß es Dr. Goldberg leicht sein wird, das Gelände zu verkaufen. Es sind Häuslereien vorgesehen in Form von Eigenheimen und Pensionen. Größere Bauten unterliegen der Genehmigung durch den Rat. Das vorgesehene Gelände liegt nördlich des Weges zum Kurhaus und reicht bis an die Dierhäger Grenze heran, nordwestlich vom Fischländer Weg. Vorläufig sind 500 000 qm für diesen Zweck vorgesehen. Der Rat ist in allen Dingen äußerst vorsichtig gewesen und hat alle evtl. Schwierigkeiten in Betracht gezogen so daß in der Kanon- und Jagdfrage auf alle Fälle die bisherigen Einnahmen bestehen bleiben. Allein ins Hintertreffen gekommen ist durch den neuen Plan die Zentralverwaltung des Ostseebades Ribnitz, denn es ist sicher, daß die Parzellen von Neuhaus leichter zu verkaufen sind, wie die öden Strecken auf den Stadtwiesen. Aus diesem Grunde haben auch mit Herrn Falkenberg erneute Verhandlungen stattgefunden, und man hat einen Zusatzvertrag geschlossen, der den Gründer von Ostseebad Ribnitz vor Schaden bewahren soll. Vor allen Dingen soll ein unlauterer Wettbewerb von vorherein unmöglich gemacht werden. Des weiteren soll weiterhin die Werbetrommel gemeinsam gerührt werden. Leider lag zu der gestrigen Sitzung der Vertragsentwurf Stadt contra Falkenberg noch nicht vor. Er soll aber fertig sein. Auf alle Fälle aber müssen wir feststellen, daß sich der Geschäftsgeist im Rathaus regt, und daß der Rat drauf und dran ist, die Geschicke unserer Stadt kaufmännisch zu lenken. ………"


20. Oktober 1929 Schreiben von Dr. Leo Goldberg an den Ribnitzer Stadtrat C. Michelsen mit der Bitte an die Stadt Ribnitz, sich an der Finanzierung des Ostseebades Neuhaus zu beteiligen.

"Sehr geehrter Herr Stadtrat.

Ich komme auf unsere Unterhaltung vom 19. X. betr. Beleihung bzw. Beteiligung im Ostseebad Neuhaus und erlaube mir Ihnen Folgendes zu unterbreiten:

...

III.

Zur Abfindung des im Juni aufgenommenen Kredits wird ein Sozius gesucht, welcher sich mit 280000 RM beteiligt und bekommt dafür die Hälfte von Neuhaus (ohne Kurhaus und Bollhagen welche mit eine Hypothek von 170000RM zu 6 % pro anno bis 1 Juli 1932 belastet sind.

...

VII.

Da Sie, sehr geehrter Stadtrat zu Neuhaus und zu mir das Vertrauen haben, so bitte ich sie höflichst bei der Direktion Ihrer Bank einen Zwischenkredit in Höhe von 150000RM auf ein Jahr zu erwirken. Ich bewillige 10 bis 12 %% pro anno und dann noch eine Gewinnbeteiligung, welche den Zinssatz verdreifachen wird. Als Sicherheit bekommt die Bank 1) die erste Hypothek auf das Parzellierungs Gelände aus Neuhaus 2) Die Restgelder der schon getätigten Kaufverträge und 3) bei jedem Parzellenverkauf einen entsprechenden Teil der Bargelder. Die Vorteile der Bank sind folgende: Sie bekommt das ganze Inkasso der Restgelder und ausserdem verpflichtet sich Neuhaus den ganzen Umsatz vom Parzellierungsgeschäft durch Ihre Bank zu führen. Dabei wird die Bank einen großen Kundenkreis erwerben.

...

IX.

Da die Verhandlungen mit der Stadt lange dauern werden, so ist der Zwischenkredit für mich jetzt das einfachste. – Ich hoffe dass Sie diesbezügliche Schritte sofort unternehmen werden und zeichne mit vorzüglicher Hochachtung

Dr Leo Goldberg


Neuhaus an 20.X.29. -“

(Fundstelle: Stadtarchiv Ribnitz-Damgarten)




Bedeutende Persönlichkeiten aus Neuhaus

To de Neuhäuser-er Geschicht up platt (Läuschen un Rimels in uns tweit Amtssprak)

Mecklenburg-Vorpommern ist wohl das einzige Bundesland, das bereits in seiner Verfassung der plattdeutschen Sprache einen besonderen Schutz und besondere Pflege angedeihen läst. Daß es sogar offizielle Amtssprache ist, kann man nicht nur in der plattdeutschen Version der * Verfassung von Mecklenburg-Vorpommen nachlesen, sondern in einer Vielzahl von Orten und Regionen hören und lesen. Plattdeutsches aus den Regionen sollte auch im volkskundlichen Kapitel der Orte festgehalten und bewahrt werden.

Anregung
Im Richard Wossidlo-Archiv kann fast jeder mecklenburgische Ortschronist etwas zur niederdeutschen Volkskunde seines Ortes finden.

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