Gelbensander Forst, ehem. Fürstliche Heide: Unterschied zwischen den Versionen
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:Dass er, genauso wie der Elch, einmal recht häufig anzutreffen war, belegen jedoch gelegentlich bei Erdarbeiten gemachte Funde. :Auch Luchs, Bär, Wolf, Auer-, Birk- und Haselhuhn waren ehemals hier heimisch. | :Dass er, genauso wie der Elch, einmal recht häufig anzutreffen war, belegen jedoch gelegentlich bei Erdarbeiten gemachte Funde. :Auch Luchs, Bär, Wolf, Auer-, Birk- und Haselhuhn waren ehemals hier heimisch. | ||
:Im Jahre 1272 finden sich erstmals urkundliche Nachweise, die einen größeren Waldbesitz der Stadt Ribnitz im Nordostteil des Waldareals belegen. | :Im Jahre 1272 finden sich erstmals urkundliche Nachweise, die einen größeren Waldbesitz der Stadt Ribnitz im Nordostteil des Waldareals belegen. | ||
| − | :Teile der Fürstlichen Heide gelangten ab 1328 durch Schenkung der Landesfürsten in den Besitz des Klarissenklosters zu Ribnitz. :Dieser Streubesitz umfasste im 16. Jahrhundert Waldflächen bei Dierhagen, Müritz, Altheide/Neuhof, Petersdorf und Wilmshagen, laut der Klosterchronik von Lambert Slaggert: | + | :Teile der Fürstlichen Heide gelangten ab 1328 durch Schenkung der Landesfürsten in den Besitz des Klarissenklosters zu Ribnitz. |
| + | :Dieser Streubesitz umfasste im 16. Jahrhundert Waldflächen bei Dierhagen, Müritz, Altheide/Neuhof, Petersdorf und Wilmshagen, laut der Klosterchronik von Lambert Slaggert: | ||
:„Waldungen um rund 1 000 Schweine feist zu machen“. | :„Waldungen um rund 1 000 Schweine feist zu machen“. | ||
:Eine Größenbestimmung, die uns zugleich von einer weiteren Art der Waldnutzung, der in Teilen bis Anfang des 19. Jahrhunderts anhaltenden Waldweide, berichtet. | :Eine Größenbestimmung, die uns zugleich von einer weiteren Art der Waldnutzung, der in Teilen bis Anfang des 19. Jahrhunderts anhaltenden Waldweide, berichtet. | ||
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:Er veranlasste 1694 auch das „Edict wider das Jagen in der verbotenen Zeit, worin zugleich dessen Befehl, denen Hunden auf dem Lande die Schleif- oder Zwergknütteln von 5 viertel Ellen lang anzuhengen“ gefolgt vom „Jagd- und Forst-Edict“ 1697. | :Er veranlasste 1694 auch das „Edict wider das Jagen in der verbotenen Zeit, worin zugleich dessen Befehl, denen Hunden auf dem Lande die Schleif- oder Zwergknütteln von 5 viertel Ellen lang anzuhengen“ gefolgt vom „Jagd- und Forst-Edict“ 1697. | ||
:Dazu gelang es dem Herzog durch den „Vergleich mit der Stadt Rostock wegen der Besetzung und cedirten Ober- und Niederjagden in der Rostocker Heyde“ am 28. März 1702, das Recht der Jagd in der Rostocker Heide auf Lebenszeit zu erlangen. | :Dazu gelang es dem Herzog durch den „Vergleich mit der Stadt Rostock wegen der Besetzung und cedirten Ober- und Niederjagden in der Rostocker Heyde“ am 28. März 1702, das Recht der Jagd in der Rostocker Heide auf Lebenszeit zu erlangen. | ||
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:Das hatte schließlich zur Folge, das er zeitweise seine Hauptresidenz nach Rostock verlegte und am Heidereiter-Sitz Gelbensande ein kleines Jagdschloss errichten ließ. | :Das hatte schließlich zur Folge, das er zeitweise seine Hauptresidenz nach Rostock verlegte und am Heidereiter-Sitz Gelbensande ein kleines Jagdschloss errichten ließ. | ||
:Auf sein Betreiben hin wurde 1702 eine Holzordnung erlassen, die inhaltliche Ansätze zu geregelter Forstwirtschaft (Erhaltung und Schonung der Waldungen, erste Durchforstungsregeln, Schlageinteilung von Niederwald) enthielt. | :Auf sein Betreiben hin wurde 1702 eine Holzordnung erlassen, die inhaltliche Ansätze zu geregelter Forstwirtschaft (Erhaltung und Schonung der Waldungen, erste Durchforstungsregeln, Schlageinteilung von Niederwald) enthielt. | ||
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:Im Jahre 1715, zwei Jahre nach Friedrich Wilhelms Ableben, gereichte das diesem Landesfürsten seitens der Rostocker auf Lebenszeit eingeräumte Jagdrecht in den städtischen Waldungen zu einem handfesten Streit mit dessen jüngerem Bruder und Amtsnachfolger, Herzog Carl Leopold. | :Im Jahre 1715, zwei Jahre nach Friedrich Wilhelms Ableben, gereichte das diesem Landesfürsten seitens der Rostocker auf Lebenszeit eingeräumte Jagdrecht in den städtischen Waldungen zu einem handfesten Streit mit dessen jüngerem Bruder und Amtsnachfolger, Herzog Carl Leopold. | ||
:In Folge dieser Streitigkeiten besetzten herzogliche Truppen die gesamte Waldlandschaft, auch wurde die Rostocker Bürgervertretung festgesetzt. | :In Folge dieser Streitigkeiten besetzten herzogliche Truppen die gesamte Waldlandschaft, auch wurde die Rostocker Bürgervertretung festgesetzt. | ||
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:Ab etwa 1719, in der Zeit der de facto Entmachtung Herzog Carl Leopolds verkümmerte die höfische Repräsentationsjagd in den fürstlich Gelbensander Forsten für Jahrzehnte fast bis zur Bedeutungslosigkeit. | :Ab etwa 1719, in der Zeit der de facto Entmachtung Herzog Carl Leopolds verkümmerte die höfische Repräsentationsjagd in den fürstlich Gelbensander Forsten für Jahrzehnte fast bis zur Bedeutungslosigkeit. | ||
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1750,7.8. Bau einer Teerschweelerei in Gelbensande | 1750,7.8. Bau einer Teerschweelerei in Gelbensande | ||
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[[Datei:Gelbensander Forst 1881 a.jpg|thumb|300px|rechts|Gelbensander Forst 1881 (Quelle: Heidearchiv)]] | [[Datei:Gelbensander Forst 1881 a.jpg|thumb|300px|rechts|Gelbensander Forst 1881 (Quelle: Heidearchiv)]] | ||
[[Datei:Gelbensander Forst 1909.jpg|thumb|300px|rechts|Gelbensander Forst 1909 (Quelle: Heidearchiv)]] | [[Datei:Gelbensander Forst 1909.jpg|thumb|300px|rechts|Gelbensander Forst 1909 (Quelle: Heidearchiv)]] | ||
| − | :Angesichts des in Mecklenburg, wie in ganz Europa raumgreifenden Gespenstes der Holznot, der überwiegende Teil der Waldungen war durch Übernutzung zu Strauchwüsten verkommen, waren die hiesigen fürstlichen Forsten weitgehend intakt. Die 1702 erlassene Forstordnung und eine Reihe, den Folgejahren entstammender, darauf aufbauender Edikte und forstlicher Verordnungen, zeigten hier ihre Wirkung. Zaghaft wurden erste Schritte zu geregelter Forstwirtschaft praktisch umgesetzt. :1736 kam es zur Errichtung der fünf ersten Forstinspektionen in Mecklenburg. In der fürstlich Gelbensander Heide entstand so die Hirschburger Forstinspektion. Eine Einteilung der Waldungen in Reviere folgte bald darauf. Im August 1750 entstand die erste Teerschweelerei in den fürstlichen Waldungen in der Nähe Gelbensandes. Insgesamt existierten im 18./19. Jahrhundert viet Teerschweelereien in der fürstlichen Heide. Erst drei Jahre nach Regierungsbeginn Herzog Christian Ludwigs II., also ab 1750 rückte dieses fürstliche Waldgebiet wieder in den Focus höfischen Jagdgeschehens. Ab 1755 wurde der Bestand an Hetzhunden und Pferden in der Gelbensander Jagdresidenz beachtlich erhöht. Parforce-Jagden erlebten eine Renaissance, forstliche Aspekte traten wiederhinter höfische Repräsentation zurück . | + | :Angesichts des in Mecklenburg, wie in ganz Europa raumgreifenden Gespenstes der Holznot, der überwiegende Teil der Waldungen war durch Übernutzung zu Strauchwüsten verkommen, waren die hiesigen fürstlichen Forsten weitgehend intakt. |
| + | :Die 1702 erlassene Forstordnung und eine Reihe, den Folgejahren entstammender, darauf aufbauender Edikte und forstlicher Verordnungen, zeigten hier ihre Wirkung. Zaghaft wurden erste Schritte zu geregelter Forstwirtschaft praktisch umgesetzt. | ||
| + | :1736 kam es zur Errichtung der fünf ersten Forstinspektionen in Mecklenburg. In der fürstlich Gelbensander Heide entstand so die Hirschburger Forstinspektion. | ||
| + | :Eine Einteilung der Waldungen in Reviere folgte bald darauf. Im August 1750 entstand die erste Teerschweelerei in den fürstlichen Waldungen in der Nähe Gelbensandes. | ||
| + | :Insgesamt existierten im 18./19. Jahrhundert viet Teerschweelereien in der fürstlichen Heide. | ||
| + | :Erst drei Jahre nach Regierungsbeginn Herzog Christian Ludwigs II., also ab 1750 rückte dieses fürstliche Waldgebiet wieder in den Focus höfischen Jagdgeschehens. | ||
| + | :Ab 1755 wurde der Bestand an Hetzhunden und Pferden in der Gelbensander Jagdresidenz beachtlich erhöht. Parforce-Jagden erlebten eine Renaissance, forstliche Aspekte traten wiederhinter höfische Repräsentation zurück . | ||
:Den nächsten zaghaften Versuch nachhaltige Waldwirtschaft in den Vordergrund zu stellen, dokumentiert die 1789 verabschiedete „Patent-Verordnung wegen Schonung des Eichen-Holzes, insonderheit wegen mißbräuchlicher Verschwendung junger Eichen-Hester ...“. | :Den nächsten zaghaften Versuch nachhaltige Waldwirtschaft in den Vordergrund zu stellen, dokumentiert die 1789 verabschiedete „Patent-Verordnung wegen Schonung des Eichen-Holzes, insonderheit wegen mißbräuchlicher Verschwendung junger Eichen-Hester ...“. | ||
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:Großherzog Friedrich Franz I. Liebte es, alljährlich im Herbst große Saujagden mit der Findermeute abzuhalten. | :Großherzog Friedrich Franz I. Liebte es, alljährlich im Herbst große Saujagden mit der Findermeute abzuhalten. | ||
| − | :In Gelbensande bestanden zu der Zeit speziell angelegte Zuchteinrichtungen für Hetz-, Leit- und Schweißhunde. Versuche der herzoglichen Forstinspektoren ''' | + | :In Gelbensande bestanden zu der Zeit speziell angelegte Zuchteinrichtungen für Hetz-, Leit- und Schweißhunde. Versuche der herzoglichen Forstinspektoren: |
| + | :'''-Oberförster Ehlers, Dienstzeit von 1776-1789,''' | ||
| + | :'''-Oberförster von Schildfeld 1789-1816,''' | ||
| + | :'''-Oberförster Walter 1794-1806,''' | ||
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| + | die unter diesen Rahmenbedingungen geregelte Forstwirtschaft zu realisieren, blieben damit weitgehend wirkungslos. | ||
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| + | Datei:Einsprung Ridinger.jpg|Mehrere solcher Einsprünge gab es ab der 1880 erfolgten Eingatterung der gesamten Heide | ||
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:Erst mit dem Dienstantritt '''Philipp von Stenglin´s''', eines späterhin bedeutenden Forstmannes begann im Jahre 1816 die Ära einer wirklich tiefgreifenden geregelten Forstwirtschaft. | :Erst mit dem Dienstantritt '''Philipp von Stenglin´s''', eines späterhin bedeutenden Forstmannes begann im Jahre 1816 die Ära einer wirklich tiefgreifenden geregelten Forstwirtschaft. | ||
:Nur kurz zuvor hatte von Stenglin die Forstakademie Heinrich Cottas (einem der Wegbereiter der deutschen Forstwirtschaft) in Zillbach /Thüringen als einer der ersten Absolventen verlassen. | :Nur kurz zuvor hatte von Stenglin die Forstakademie Heinrich Cottas (einem der Wegbereiter der deutschen Forstwirtschaft) in Zillbach /Thüringen als einer der ersten Absolventen verlassen. | ||
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:Eine bemerkenswerte Initiative von Stenglin´s ist auch die Gründung des „Versorgungsvereins für Forstarbeiter zu Gelbensande“ sowie der „Allgemeinen Witwen- und Waisen-Kasse“ 1830 als zwei der ersten Sozialkassen in Mecklenburg. In der Regierungszeit des Großherzogs Friedrich Franz II. | :Eine bemerkenswerte Initiative von Stenglin´s ist auch die Gründung des „Versorgungsvereins für Forstarbeiter zu Gelbensande“ sowie der „Allgemeinen Witwen- und Waisen-Kasse“ 1830 als zwei der ersten Sozialkassen in Mecklenburg. In der Regierungszeit des Großherzogs Friedrich Franz II. | ||
:Ab 1842 war schließlich auch das Ende der aufwändigen Parforce-Jagden und Hauptjagden gekommen. Fortan prägten mehrheitlich Pirsch- und Ansitzjagd das Geschehen in der fürstlichen Heide. | :Ab 1842 war schließlich auch das Ende der aufwändigen Parforce-Jagden und Hauptjagden gekommen. Fortan prägten mehrheitlich Pirsch- und Ansitzjagd das Geschehen in der fürstlichen Heide. | ||
| − | :Nach Philipp von Stenglin´s Tode am 30.9.1844 setzten dessen Amtsnachfolger: '''Forstmeister von Bülow Dienstzeit 1844-1851; Forstmeister Schulz 1851-1874''', nun dessen forstliches Vermächtnis mit Kontinuität fort. Mit '''Max Garthe''', dem Enkel des in der Rostocker Heide berühmt gewordenen Forstmeisters Hermann Friedrich Becker, begann 1874 ein weiterer Forstmann von herausragender Bedeutung an der Gelbensander Forstinspektion seine Dienstzeit. | + | :Nach Philipp von Stenglin´s Tode am 30.9.1844 setzten dessen Amtsnachfolger: |
| + | ;'''Forstmeister von Bülow Dienstzeit 1844-1851 | ||
| + | ; Forstmeister Schulz 1851-1874''', nun dessen forstliches Vermächtnis mit Kontinuität fort. Mit '''Max Garthe''', dem Enkel des in der Rostocker Heide berühmt gewordenen Forstmeisters Hermann Friedrich Becker, begann 1874 ein weiterer Forstmann von herausragender Bedeutung an der Gelbensander Forstinspektion seine Dienstzeit. | ||
:Als hier unter seiner Leitung 1875 bis 1877 unmittelbar neben der barocken Jagdresidenz der Komplex einer neuen Forstinspektion gebaut wird, erhielt diese zugleich den Status der zentralen Ausbildungsstätte für den gehobenen Forstdienst in Mecklenburg. | :Als hier unter seiner Leitung 1875 bis 1877 unmittelbar neben der barocken Jagdresidenz der Komplex einer neuen Forstinspektion gebaut wird, erhielt diese zugleich den Status der zentralen Ausbildungsstätte für den gehobenen Forstdienst in Mecklenburg. | ||
| − | '''1815''' Eine Wasserhose, über der Ostsee bei Graal entstanden zieht quer durch die Gelbensander Forst, bis Altheide und hinterläßt eine Schneise der Zerstörung auf diesem Wege von einer halben Meile Breite (ca. 4,5 km ) Baron Stenglin berichtet: „Teerschweeler Zeppelin gebe beim Brand immer mancherley Missgeschicke vor, aber er sey ein Trunkenbold.“ | + | '''1815''' Eine Wasserhose, über der Ostsee bei Graal entstanden zieht quer durch die Gelbensander Forst, bis Altheide und hinterläßt eine Schneise der Zerstörung auf diesem Wege von einer halben Meile Breite (ca. 4,5 km) Baron Stenglin berichtet: „Teerschweeler Zeppelin gebe beim Brand immer mancherley Missgeschicke vor, aber er sey ein Trunkenbold.“ |
'''1816,Januar''' Oberförster Böcler in Gelbensande verstorben (wie gestorben?), Philipp Freiherr von Stenglin wird unmittelbar darauf sein Amtsnachfolger. | '''1816,Januar''' Oberförster Böcler in Gelbensande verstorben (wie gestorben?), Philipp Freiherr von Stenglin wird unmittelbar darauf sein Amtsnachfolger. | ||
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'''1851''' Forstmeister Schulz übernimmt die Forstinspektion | '''1851''' Forstmeister Schulz übernimmt die Forstinspektion | ||
| − | '''1867''' Das Gebäude der Revierförsterei Gelbensande wird im Mai fertiggestellt | + | '''1867''' Das Gebäude der Revierförsterei Gelbensande wird im Mai fertiggestellt |
====Forstwirtsschaft in den Gelbensander Forsten zwischen Reichseinigung 1871 und erstem Weltkrieg 1919==== | ====Forstwirtsschaft in den Gelbensander Forsten zwischen Reichseinigung 1871 und erstem Weltkrieg 1919==== | ||
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[[Kategorie: Forstgeschichte]] | [[Kategorie: Forstgeschichte]] | ||
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| + | ; [["Der Wald bei Müritz" Oberforstmeister Max Garthe sen. Gelbensande 1885]] | ||
| − | [[ | + | ; [[ Buch "Mecklenburger Landschaften - Gelbensander Forst, Ribnitzer Stadtforst und die Alte Heide"]] |
Aktuelle Version vom 9. März 2026, 17:31 Uhr
Die großherzoglichen Waldungen - Die Gelbensander Forst, das "Haus in Geelen Sand" und der Forsthof
- 1675 Erste Erwähnung vom „Haus zum Gelben Sande“ des Heidereiters Hans Kühl, das von dänischen Truppen gebrandschatzt worden war.
- 1696 Das Haus „Gehlen Sandt“ auf der Reiterkarte von Gotfriet Lust graphisch dargestellt
Die fürstlichen Waldungen und das Forstrevier Hirschburg
- Betrachten wir die historische Entwicklung des östlichen Teils jener Waldlandschaft, die mit 12 000 ha Ausdehnung das größte geschlossene Forstgebiet an der gesamten deutschen Seeküste ist und für dessen Geschlossenheit die Geographen den Begriff „Nordöstliche Heide Mecklenburgs“ prägten, so umfasst sie angesichts schriftlicher Belege einen Zeitraum von mehr als 750 Jahren. :Das Datum des ältesten erhaltenen Dokumentes berichtet auch von der größten Zäsur in der Geschichte dieser Landschaft, eben deren Teilung.
- Bis zum 25. März 1252 befand sich hier das gesamte in sich geschlossene Urwaldgebiet zwischen Rostock und der Recknitzmündung im Besitz der mecklenburgischen Landesherrschaft.
- Darauf verkaufte Fürst Borwin der III. die mehr als 6 000 ha umfassende Westhälfte an die Stadt Rostock. Die Teilung war in ihren Grundzügen bis in unsere Tage anhaltende Teilung in die westliche „Rostocker Heide“ und die östliche „fürstlich Ribnitzer Heide“ war vollzogen. Fortan machten diese beiden Waldhälften eine, nutzungsgeprägt, sehr unterschiedliche Entwicklung durch. In der Rostocker Heide dominierte der Holzerwerb, in der fürstlichen Heide prägte die höfische Repräsentationsjagd die weitere Entwicklung der Landschaft.
- Aus einer Urkunde, datiert vom 20.April 1262, ist zu entnehmen, dass die Jagd nicht mehr der Allgemeinheit zustand, sondern das ihre Ausübung bereits allmählich als ein besonderes mit dem Eigentum an Grund und Boden verbundenes und aus diesem entspringendes Recht verstanden wurde.
- So stand nun die „Hohe Jagd“, also Hetz-, Pirsch- und Beitzjagd auf Edel-, Reh-, Schwarzwild, Auer-, Birk-, und Haselhuhn, Fasan, Trappe, Kranich und Adler ausschließlich dem Landesherrn zu.
- Alle übrigen jagdbaren, in der Heide vorkommenden Tierarten, die „Niedere Jagd“, also Hühnerfang mit dem Hühnerhund sowie Habichsbeize auf den Hasen, gestand man auch dem niederen Adel, städtisch Ribnitzer bzw. klösterlicher Beauftragter in Form von Privilegien zu.
- Einfachen Untertanen war nun das Vogelfangen mit Leimruten (Leimspillenausleger) gestattet.
- Wann der einst hier vorkommende letzte Auerochse erlegt worden ist, kann heute nicht mehr festgestellt werden.
- Dass er, genauso wie der Elch, einmal recht häufig anzutreffen war, belegen jedoch gelegentlich bei Erdarbeiten gemachte Funde. :Auch Luchs, Bär, Wolf, Auer-, Birk- und Haselhuhn waren ehemals hier heimisch.
- Im Jahre 1272 finden sich erstmals urkundliche Nachweise, die einen größeren Waldbesitz der Stadt Ribnitz im Nordostteil des Waldareals belegen.
- Teile der Fürstlichen Heide gelangten ab 1328 durch Schenkung der Landesfürsten in den Besitz des Klarissenklosters zu Ribnitz.
- Dieser Streubesitz umfasste im 16. Jahrhundert Waldflächen bei Dierhagen, Müritz, Altheide/Neuhof, Petersdorf und Wilmshagen, laut der Klosterchronik von Lambert Slaggert:
- „Waldungen um rund 1 000 Schweine feist zu machen“.
- Eine Größenbestimmung, die uns zugleich von einer weiteren Art der Waldnutzung, der in Teilen bis Anfang des 19. Jahrhunderts anhaltenden Waldweide, berichtet.
- Wald und Schweinebestand des Klosters Ribnitz und seiner Höfe waren unzertrennbar mit einander verbunden, denn der Waldbestand spielte als Ernährungsfaktor in der Schweinehaltung die weitaus größte Rolle.
- Die klösterliche, wie auch die fürstliche Forstwirtschaft war zu Beginn des 16. Jahrhunderts vernachlässigt worden.
- Man betrieb die Forstwirtschaft nur als Plänterwirtschaft, d.h. man fällte die geeigneten Stämme regellos, ohne sich um den Ersatz durch Anpflanzung junger Bäume zu kümmern.
- Eine Ausnahme machten ab 1620 klösterliche Flächen in der Dierhäger Feldmark.
- Sie zu rein landwirtschaftlichen Zwecken zu benutzen schien unwirtschaftlich, deshalb hatte man junge Bäume angepflanzt, so dass hier im Gegensatz zu den Ausrodungen alter Waldungen der damals sicherlich seltene Fall eintrat, das früheres Ackerland zum Holzanbau benutzt wurde.
- Zum Problem wurde die Übernutzung der sogenannten „weichen Holzung“ (Büsche, Sträucher und niedrige Bäume).
- Aus ihr verschaffte sich das Kloster eine wesentliche Einnahmequelle.
- Es erlaubte den Bauern, sich ihren Bedarf Holz zu hauen, und erhob für mehrere Ladungen 20-30 Thaler.
- Die weiche Holzung wurde nicht allein als rohes Holz, sondern bereits im 16. Jahrhundert nachweislich zur Holzkohleherstellung genutzt.
- Das Kloster selbst betrieb keine Meiler, sondern es kaufte die benötigte Kohle von seinen Bauern.
- Durch den Erbvertrag von 1611 wurde auch der Übergang der Klosterwaldungen in den Besitz der Herzöge Adolph Friedrich und Johann Albrecht von Mecklenburg festgeschrieben.
- Dem folgte jedoch ein mehr als ein halbes Jahrhundert anhaltender Streit, bis schließlich 1669 der überwiegende Teil des Ribnitzer Klosterwaldes in fürstlichen Besitz über ging und nun Bestandteil der fürstlichen Heide wurde.
- Ab 1554 sind für die fürstliche Heide erste Jagdreglemente nachweisbar, so „Wider das Jagen zur verbotenen Zeit“ (1554), „Wider das Schießen und Jagen in der fürstlichen Heide“ (1557). Beginnend im Jahre 1599 finden sich Berichte über fürstliche Jagdablager in den fürstlichen und klösterlichen Waldungen (Reh- und Schweine-Ablager; aufwändig betriebene Treibjagd-Veranstaltungen verbunden mit umfangreichen Bauerndiensten).
- An die Stelle des Fürsten persönlich traten während der Ablager oft die Jäger des Landesherrn, da dieser nicht selbst in jedem Jahr in allen Teilen seiner domanialen Besitzungen jagen konnte.
- Ein im Visitationsprotokoll 1649 erwähnter wüster Heidereiter-Sitz in Gelbensande (ein Jahr zuvor endete der 30-jährige Krieg), der zu jener Zeit wieder aufgebaut wurde, lässt den Schluß zu, dass hier bereits vor Ausbruch dieses Krieges ein fürstlicher Jagdaufseher seinen Sitz hatte.
- Gelbensande sollte in der Folge nicht nur Bedeutung als Sitz der landesherrlichen Jagdaufsicht, sondern auch als fürstliche Jagdresidenz in diesem ausgedehnten Areal erhalten.
- Vom 3. September 1687 ist uns aus der fürstlichen Heide ein Bericht überliefert, als "Ihre fürstliche Durchlaucht Herzog Gustav Adolph eine Jagd, welche er zu Ehren seines bei ihm zu Besuch weilenden Schwiegersohns, des Grafen von Stolberg und dessen Gemahlin abgehalten...". Hier wird berichtet, dass das Treiben von Schwarzwild ebenso beliebt war, wie die lärmreiche Klapperjagd auf Füchse, Hasen und Schnepfen. Beim "Buschieren", der Suchjagd auf Niederwild mit Vorsteh- und Stöberhund, dem übrigens der Begriff "auf den Busch klopfen" entstammt, bei der im Gebüsch verborgene Tiere „herausgeklopft“ wurden, fanden die Durchlauchten ihr Jagdvergnügen.
- Die hochherrschaftlichen Weidmänner des frühen Barock bevorzugten dann jedoch mehr die körperlich weniger strapaziös eingestellte Jagd, auch umstelltes oder deutsches Jagen genannt.
- Darunter verstand man mittels Lappenketten umstellte Waldtrassen, in denen Treiber dem Jagdherrn das Wild zum Schusse zutrieben. :Besondere Bedeutung erlangten die Ribnitz/Gelbensander Waldungen während der Regierungszeit des Herzogs Friedrich Wilhelm (1675-1713), der hier seiner Vorliebe, der Parforce-Jagd häufig nachging.
- Die Parforce-Jagd, auch französische Jagd oder „chassé á courre“ genannt, von "par force" = mit Gewalt, ohne jeglichen Pardon, zielte in der Regel auf den edlen Hirsch, der von einer Meute speziell abgerichteter Hunde und den Treibern bis aufs Blut gehetzt wurde.
- Er veranlasste 1694 auch das „Edict wider das Jagen in der verbotenen Zeit, worin zugleich dessen Befehl, denen Hunden auf dem Lande die Schleif- oder Zwergknütteln von 5 viertel Ellen lang anzuhengen“ gefolgt vom „Jagd- und Forst-Edict“ 1697.
- Dazu gelang es dem Herzog durch den „Vergleich mit der Stadt Rostock wegen der Besetzung und cedirten Ober- und Niederjagden in der Rostocker Heyde“ am 28. März 1702, das Recht der Jagd in der Rostocker Heide auf Lebenszeit zu erlangen.
1700 bis 1813
- Somit stand ihm die Jagd in der Fürstlichen Waldung, wie auch der Ribnitzer und Rostocker Stadtwaldung zu.
- Das hatte schließlich zur Folge, das er zeitweise seine Hauptresidenz nach Rostock verlegte und am Heidereiter-Sitz Gelbensande ein kleines Jagdschloss errichten ließ.
- Auf sein Betreiben hin wurde 1702 eine Holzordnung erlassen, die inhaltliche Ansätze zu geregelter Forstwirtschaft (Erhaltung und Schonung der Waldungen, erste Durchforstungsregeln, Schlageinteilung von Niederwald) enthielt.
- Datei:Holzordnung 1706.pdf Fürstlich Mecklenburgische Forst- und Holz- auch Jags- und Wild-Ordnung 1706/1722
- Im Jahre 1715, zwei Jahre nach Friedrich Wilhelms Ableben, gereichte das diesem Landesfürsten seitens der Rostocker auf Lebenszeit eingeräumte Jagdrecht in den städtischen Waldungen zu einem handfesten Streit mit dessen jüngerem Bruder und Amtsnachfolger, Herzog Carl Leopold.
- In Folge dieser Streitigkeiten besetzten herzogliche Truppen die gesamte Waldlandschaft, auch wurde die Rostocker Bürgervertretung festgesetzt.
- Am 26. Mai erging der kaiserliche Bescheid, dass die „Transaktion“ des Herzogs „vor Null und nichtig erklähret“ wurde.
- So musste sich Carl Leopold, der kurz zzuvor gerade ein politisches Bündnis mit Zar Peter dem Großen eingegangen war und dessen Nichte Katharina Iwanowna geheiratet hatte, den Gelbensander Jagdsitz zu einer barocken Jagdresidenz-Anlage erweitern.
- Die heute nicht mehr existierende Anlage ähnelte dem barocken Jagdschloß Friedrichsmoor sehr und wurde ebenso vom Baumeister Christian von dem Knesebeck erbaut.
- Sie wurde zu einem der besonders beliebten Aufenthaltsorte des Fürstenpaares.
- Die umgebenden fürstlichen Waldungen nutzte man als bevorzugten Aufenthaltsort der Präsentationsjagden.
- Als wohl berühmtester Jagdgast nahm daran Zar Peter wiederholt teil.
- Ab etwa 1719, in der Zeit der de facto Entmachtung Herzog Carl Leopolds verkümmerte die höfische Repräsentationsjagd in den fürstlich Gelbensander Forsten für Jahrzehnte fast bis zur Bedeutungslosigkeit.
1750,7.8. Bau einer Teerschweelerei in Gelbensande
1754 Gelbensande wird eine der 16 in Mecklenburg neu eingerichteten herzoglichen Förstereien
1755 Bau einer Unterbringungsmöglichkeit für fünf bis sechs Pferde und 20 Hetzhunde für die herzoglichen Jagden
1775 in Mecklenburg werden insgesamt 21 Forstinspektionen eingerichtet, eine davon in Gelbensande
1782 Oberförster Ehlers als Forstverwalter in Gelbensande
1788 Großer Waldbrand an der Mörderkuhle (Waldrand am Hirschburger Landweg)
1789 Oberförster Ehlers stirbt in Gelbensande Oberförster von Schildfeld wird nach Gelbensande versetzt
1794 Oberförster Walter ist Forstverwalter in Gelbensande
- 1806 Oberförster Samuel Böcler wird neuer Forstinspektor.
Er berichtet über die Teerschweelerei: „daß Teerschweeler Zeppelin bitter arm sey ...er wisse nicht wovon er zu Michaelis die Pacht zahlen soll, da der Teerofen eingefallen sey.“
Gelbensande als Forstinspektion
- Angesichts des in Mecklenburg, wie in ganz Europa raumgreifenden Gespenstes der Holznot, der überwiegende Teil der Waldungen war durch Übernutzung zu Strauchwüsten verkommen, waren die hiesigen fürstlichen Forsten weitgehend intakt.
- Die 1702 erlassene Forstordnung und eine Reihe, den Folgejahren entstammender, darauf aufbauender Edikte und forstlicher Verordnungen, zeigten hier ihre Wirkung. Zaghaft wurden erste Schritte zu geregelter Forstwirtschaft praktisch umgesetzt.
- 1736 kam es zur Errichtung der fünf ersten Forstinspektionen in Mecklenburg. In der fürstlich Gelbensander Heide entstand so die Hirschburger Forstinspektion.
- Eine Einteilung der Waldungen in Reviere folgte bald darauf. Im August 1750 entstand die erste Teerschweelerei in den fürstlichen Waldungen in der Nähe Gelbensandes.
- Insgesamt existierten im 18./19. Jahrhundert viet Teerschweelereien in der fürstlichen Heide.
- Erst drei Jahre nach Regierungsbeginn Herzog Christian Ludwigs II., also ab 1750 rückte dieses fürstliche Waldgebiet wieder in den Focus höfischen Jagdgeschehens.
- Ab 1755 wurde der Bestand an Hetzhunden und Pferden in der Gelbensander Jagdresidenz beachtlich erhöht. Parforce-Jagden erlebten eine Renaissance, forstliche Aspekte traten wiederhinter höfische Repräsentation zurück .
- Den nächsten zaghaften Versuch nachhaltige Waldwirtschaft in den Vordergrund zu stellen, dokumentiert die 1789 verabschiedete „Patent-Verordnung wegen Schonung des Eichen-Holzes, insonderheit wegen mißbräuchlicher Verschwendung junger Eichen-Hester ...“.
- Großherzog Friedrich Franz I. Liebte es, alljährlich im Herbst große Saujagden mit der Findermeute abzuhalten.
- In Gelbensande bestanden zu der Zeit speziell angelegte Zuchteinrichtungen für Hetz-, Leit- und Schweißhunde. Versuche der herzoglichen Forstinspektoren:
- -Oberförster Ehlers, Dienstzeit von 1776-1789,
- -Oberförster von Schildfeld 1789-1816,
- -Oberförster Walter 1794-1806,
- -Oberförster Böcler 1806-1816
die unter diesen Rahmenbedingungen geregelte Forstwirtschaft zu realisieren, blieben damit weitgehend wirkungslos.
- Erst mit dem Dienstantritt Philipp von Stenglin´s, eines späterhin bedeutenden Forstmannes begann im Jahre 1816 die Ära einer wirklich tiefgreifenden geregelten Forstwirtschaft.
- Nur kurz zuvor hatte von Stenglin die Forstakademie Heinrich Cottas (einem der Wegbereiter der deutschen Forstwirtschaft) in Zillbach /Thüringen als einer der ersten Absolventen verlassen.
- Er führte in den fürstlichen Waldungen die erste wirkliche Forsteinrichtung durch, gliederte die Reviere in Abteilungen, ließ Ansaaten bzw. Pflanzungen eingattern, um so geschützt, um so geschützt vor Wildverbiß ansehnliche Forstbestände aufwachsen zu lassen. Er machte erste erfolgreiche Versuche, standortgemäß auf Plaggstreifen zur Frischerhaltung des Humus übersandete Kiefern-Streifensaaten anzulegen. Von Stenglin gelang es selbst unter den erschwerten Bedingungen eines fürstlichen Präsentationsjagdgebietes, eine Musterforst von landesweiter Bedeutung auf den Weg zu bringen.
- Welche Beachtung sein forstliches Wirken fand, belegen unter Anderem auch Studienaufenthalte von Land- und Forstwirten nationalen Ranges, wie der Cotta´s im September 1825 oder des berühmten Nationalökonomen Johann Heinrich von Thünen im Jahre 1831 an der Gelbensander Forstinspektion.
- Eine bemerkenswerte Initiative von Stenglin´s ist auch die Gründung des „Versorgungsvereins für Forstarbeiter zu Gelbensande“ sowie der „Allgemeinen Witwen- und Waisen-Kasse“ 1830 als zwei der ersten Sozialkassen in Mecklenburg. In der Regierungszeit des Großherzogs Friedrich Franz II.
- Ab 1842 war schließlich auch das Ende der aufwändigen Parforce-Jagden und Hauptjagden gekommen. Fortan prägten mehrheitlich Pirsch- und Ansitzjagd das Geschehen in der fürstlichen Heide.
- Nach Philipp von Stenglin´s Tode am 30.9.1844 setzten dessen Amtsnachfolger:
- Forstmeister von Bülow Dienstzeit 1844-1851
- Forstmeister Schulz 1851-1874, nun dessen forstliches Vermächtnis mit Kontinuität fort. Mit Max Garthe, dem Enkel des in der Rostocker Heide berühmt gewordenen Forstmeisters Hermann Friedrich Becker, begann 1874 ein weiterer Forstmann von herausragender Bedeutung an der Gelbensander Forstinspektion seine Dienstzeit.
- Als hier unter seiner Leitung 1875 bis 1877 unmittelbar neben der barocken Jagdresidenz der Komplex einer neuen Forstinspektion gebaut wird, erhielt diese zugleich den Status der zentralen Ausbildungsstätte für den gehobenen Forstdienst in Mecklenburg.
1815 Eine Wasserhose, über der Ostsee bei Graal entstanden zieht quer durch die Gelbensander Forst, bis Altheide und hinterläßt eine Schneise der Zerstörung auf diesem Wege von einer halben Meile Breite (ca. 4,5 km) Baron Stenglin berichtet: „Teerschweeler Zeppelin gebe beim Brand immer mancherley Missgeschicke vor, aber er sey ein Trunkenbold.“
1816,Januar Oberförster Böcler in Gelbensande verstorben (wie gestorben?), Philipp Freiherr von Stenglin wird unmittelbar darauf sein Amtsnachfolger. Die Teerschweelerei Gelbensande bricht endgültig zusammen.
1818 Ein großer Wintersturm vernichtet große Waldbestände in der Gelbensander Forst.
1819 Gelbensande besteht aus dem Forsthof mit 51 Bewohnern (Förster, Forstschreiber, Jäger) und einer verfallenen Teerschweelerei (zwischen dem heutigen Friedhof und Meiershausstelle gelegen), sowie ersten Tagelöhnerfamilien, einem Schweine- und einem Kuhhirt.
1830 Forstinspektor von Stenglin gründet den „Versorgungs-Verein für Forstarbeiter zu Gelbensande“, eine der ersten Sozialkassen in Mecklenburg. Er schreibt ein anerkanntes Fachbuch über industrielle Herstellung von Dünger. Der Erlös des Buches fließt in die Versorgungskasse.
1831 Johann Heinrich von Thünen hält sich zu Studienzwecken bei Forstinspektor von Stenglin in Gelbensande auf. Jagdjunker von Wickede kommt in die Dienste des Barons von Stenglin.
1837,25.April Gründung einer Chausseebaukommission in der u.a. Forstinspektor von Stenglin und der Rostock/Rövershäger Forstinspektor H.F.Becker sowie Forstadjunkt Georg Garthe vertreten sind.
1841-43 Bau der Chaussee Rostock - Ribnitz, als gänzlich neu angelegte Wegetrasse durch die Heide (davor war der über Volkenshagen, Behnkenhagen, Willershagen, Wilmshagen verlaufende alte Landweg die regionale Verkehrstrasse, die dann ihre Bedeutung verlor)
1842 Oberforstmeister von Bülow kommt an die Forstinspektion in Gelbensande
1844,30.9. Oberforstmeister von Stenglin stirbt in Gelbensande und wird in Volkenshagen begraben (Grab dort noch vorhanden)
1845 Forstmeister von Bülow übernimmt die Forstinspektion
1851 Forstmeister Schulz übernimmt die Forstinspektion
1867 Das Gebäude der Revierförsterei Gelbensande wird im Mai fertiggestellt
Forstwirtsschaft in den Gelbensander Forsten zwischen Reichseinigung 1871 und erstem Weltkrieg 1919
1874 Forstmeister Max Garthe, der Enkel von Hermann Friedrich Becker und Sohn von Georg Garthe, zwei in Mecklenburg berühmten Forstmännern, wird aus Lübz auf die Forstinspektorenstelle in Gelbensande berufen
1877 -Fertigstellung des neuen Forsthofes ( heute Pflegeeinrichtung „Charlottenhof“). Neben dem Forsthof, entlang des Meiershausstelleweges wird eine Allee amerikanischer Roteichen gepflanzt (heute älteste Roteichen-Allee Mecklenburgs)
-Anschließend Abriß des rund 160 Jahre alten Forstinspektionsgebäudes.
1877, 26.Juni Oberforstrath Georg Garthe, der bedeutende mecklenburgische Forstwissenschaftler stirbt in Gelbensande (begraben in Rövershagen vor der Nordwestecke des Glockenturmes neben der alten Gerichtslinde).
1878 Ferdinand von Raesfeld, der „Vater des deutschen Waidwerkes“ ist Gast in der neuen Gelbensander Forstinspektion
1892, Oktober Georg von Arnswald, der „Vater des Naturschutzes in Mecklenburg“ beginnt seine Forstausbildung an der Forstinspektion Gelbensande.
1893 Adolf von Oertzen tritt als Forstinspektor die Nachfolge von Max Garthe an, der nach 28 Dienstjahren in den Ruhestand geht.
1895,25.11. 1.Reichstreffen des Deutschen Jagdhundeverbandes „Hirschmann“ in Gelbensande
Der Hauptausflug des Vereins Mecklenburgischer Forstwirte am 28.Juni 1909
- " Am zweiten Tage der in Rostock in der vorigen Woche abgehaltenen Versammlung unternahm der Verein, wie üblich, eine Waldfahrt, deren Ziel diesmal das Gelbensander Gehege bildete. Ueber 100 Personen versammelten sich morgens auf dem Gelbensander Bahnhof, wo ein stattlicher Fuhrpark, von den Herren der Umgegend liebenswürdigerweise gestellt, die Teilnehmer erwartete. Die Fahrt begann dann in nördlicher Richtung, kreuzte beim Doppeltor die Hirschburger Landstraße und ging bis zum Großherzoglichen Jagdhaus, wo die Teilnehmer die Wagen verließen und sich vor dem Portal versammelten. Die im Jagdhause wohnenden allerhöchsten Herrschaften, Ihre Königlichen Hoheiten der Großherzog und die Frau Großherzogin und Ihre Kaiserlichen und Königlichen Hoheiten die Frau Großherzogin-Mutter und die Kronprinzessin, schritten nun die Treppe hinab und wurden vom Vorsitzenden Forstmeister von Arnswaldt in eineer längeren Ansprache begrüßt, die mit einem kräftig aufgenimmenen dreimaligen "Horridoh" schloß. Nachdem die allerhöchsten Herrschaften längere Zeit hindurch verschiedene Teilnehmer ins Gespräch gezogen hatten, wurde die Versammlung dann entlassen und begab sich wieder auf die Wagen, um die Fahrt in der Richtung auf Hirschburg fortzusetzen, wobei die ganze stattliche Wagenkolonne noch einmal vor den Herrschaften, die sich im Viererzug ins Revier begeben hatte, defilieren konnte.
- In der Nähe des Forsthofes Hirschburg erwartete ein Frühstück im Walde die Teilnehmer, dann wurden der Forsthof und die Pflanzgärten besichtigt.
- Die Fahrt kreuzte dann, nachdem die neuerbauten Forsthäuslereien berührt waren, wieder die Landstraße und erreichte, viele forstlich und jagdlich interessante und lehrreiche Punkte den Teilnehmern vorführend, gegen 2 Uhr Müritz, wo zunächst eine Besichtigung des von den Sturmfluten sehr gefährdeten Ufers, sowie der Schutzmaßregeln erfolgte.
- Um 1/4 4 Uhr vereinigte man sich zu einem gemeinsamen Mittagessen im Hotel "Mecklenburger Hof", von wo aus gegen 6 Uhr die Rückfahrt angetreten wurde. Diese folgte zum größten Teil der Granze mit der Rostocker Stadtforst. Besonderes Interesse erregten dabei die wundervollen Altholzbestände der sogenannten Natheide, sowie ein sehr starker Rudel geweihter Hirsche, das auf einer Wiese stand und mit seinen Kolben im Sonnenschein einen imposanten Eindruck gewährte.
- Gegen 8 Uhr endete die Fahrt, die den Teilnehmern gleich genuß- wie lehrreich gewesen war, wieder auf dem Bahnhof Gelbensande. Während die meisten Herren mit dem Abendzuge nach Rostock zurückkehrten, fuhr ein Teil nach Stralsund, um am nächsten Tage noch nach der Insel Rügen einen Nachausflug zu unternehmen-"
- Rostocker Anzeiger Nr.149, 30.Juni 1909
Hauptausflug durch das Gelbensander Gehege am 25. Juni 1909
Forstwirtschaft zwischen den Weltkriegen in den restituierten Großherzoglichen Privatforsten zu Gelbensande
- Abschluß des
- "Vertrag zwischen dem Freistaat Mecklenburg-Schwerin und dem ehemaligen Landesherrn,
- betreffend die Auseinandersetzungen über die vermögensrechtlichen Verhältnisse, sowie die von dem ehemaligen Landesherrn und den Mitgliedern der vormals landesherrlichen Familie abgegebenen Verzichts- und Anerkennungserklärungen",
- im Auftrage des im dänischen Exil lebenden ehemaligen Großherzogs Friedrich Franz IV. ausgehandelt durch Oberhofmarschall Cuno von Rantzau, in dessen Ergebnis die Gelbensander Waldungen, das Landgut Gelbensande sowie das Jagdschloss mit allem Inventar Privatbesitz des ehemals regierenden Großherzogs übergehen.
(Zeit Adolf von Oertzens einfügen !)
- Letzter Forstinspektor der fürstlichen Privat-Waldungen um Gelbensande war von 1938 bis zum Ende des zweiten Weltkrieges Forstmeister Jürgen Freiherr von Brandenstein .
- So hat ein großer Teil bedeutender mecklenburgischer Forstmänner in der Zeit bis 1945 hier eine ganz wesentliche forstberufliche Prägung erhalten.
1945,2.5. Rote Armee besetzt Gelbensande. Revierförster Wilhelm Prüter erschießt seine Familie und sich selbst auf dem Boden der Revierförsterei. Forstinspektor von Brandenstein flieht nach Niedersachsen.
Damit endet die Ära der zentralen Großherzoglichen Forstverwaltung in Gelbensande endgültig.