Benitz - Fortlaufende Ortschronik: Unterschied zwischen den Versionen
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===Herkunft und erste Erwähnung von Benitz=== | ===Herkunft und erste Erwähnung von Benitz=== | ||
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===Das Gutshaus/ die Bauernhöfe=== | ===Das Gutshaus/ die Bauernhöfe=== | ||
[[Datei:Altes Herrenhaus Benitz.jpg|thumb|700px|rechts|Altes Herrenhaus Benitz um 1930, Quelle Heidearchiv]] | |||
:Autor: Antje Rädel | |||
;Geschichte des Hofes Benitz und seines Herrenhauses | |||
:Im Jahr 2020 feierten wir, wenn auch wegen der Corona-Pandemie nur symbolisch, das 750jährige Bestehen des Ortes in Benitz. | |||
:Ob es diesen Ort nicht auch schon früher gab, ist nicht belegt. | |||
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:Die erstmalige Erwähnung in einer Urkunde ist datiert auf den 08. Juni 1270 und war eine Beurkundung | |||
:durch Fürst Nikolaus von Werle und seiner Söhne Heinrich und Johann. Der Lübecker Bürger Heinrich von Iserloh | |||
:erwarb seinerzeit das Eigentum von 8 Hufe Land im Dorfe Benitz und 18 Hühnern aus dem Kruge daselbst.“ | |||
:Der Knappe Eckard von Ankershagen, der in Benitz mit seiner Familie offensichtlich Land bewirtschaftete, | |||
:hatte dieses an Heinrich von Iserloh verkauft. (Hufe = alte Maßeinheit für Land, umfasste durchschnittlich 30 Morgen, | |||
:1 Morgen entsprach dem, was ein Bauer von morgens bis abends an einem Tag bewirtschaften konnte) | |||
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:Über die Wohnverhältnisse um 1270 lässt sich derzeit nichts ausführen, vermutlich gab es jedoch an der Stelle des heutigen Herrenhauses | |||
:bereits ein einfaches Wohngebäude, Stall und Scheune sowie offenbar einen Krug. (Krug = Wirtshaus) | |||
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:Die weiteren Besitzverhältnisse sind bis 1620 gar nicht und bis 1785 nur lückenhaft. | |||
:1620/21 wurde der Hof Benitz an Detloff von Buchwald für 25.000 Gulden verkauft und er war außerdem auf sechs Jahre verpflichtet, | |||
:eine jährliche Pacht von 15.000 Gulden an Herzog Heinrich Albrecht zu zahlen. Detloff von Buchwald erweiterte seinen Besitz schließlich, | |||
:indem er 1633 eine wüste Hufe besetzte, die zum Hofe Benitz gehörte. (wüst = nicht bewirtschaftet / verlassen). | |||
:1634 kündigte er den Hof Benitz, da er plante das Gut Ziesendorf zu kaufen und bat um Rückzahlung des gekündigten Kapitals. | |||
:Zwischen 1635 und 1758 folgten eine ganze Reihe von Erbschafts- und Pfändungsstreitigkeiten sowie verschiedener Erben und Geldgeber | |||
:an den reluierten Hof Benitz (=Hof, an dem alte fürstliche Herrschaftsansprüche wieder hergestellt werden sollten). | |||
:Gleichzeitig litten insbesondere viele Gebäude des Hofes, da sie vermutlich wegen finanzieller Probleme nicht mehr repariert und gepflegt wurden. | |||
:Ab 1785 lassen sich Pächter und Besitzer des Hofes und damit des Gutshauses nachweisen. | |||
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:Damals gehörte der Hof Benitz mit Huckstorf und Pölchow zusammen und wurde bis 1790 von Hauptmann Dietrich von Gützkow bewirtschaftet. | |||
:Danach pachtete Herr Albrecht das Gut Benitz und nach seinem Tod gehörte es noch bis 1810 seiner Witwe. Auf die Pächter Albrecht folgte | |||
:zwischen 1811 und 1832 Franz Theodor Seemann, der wiederum seinen Erben das Gut überließ. Dieses bewirtschafteten Sie bis 1849. | |||
:Es folgten ab 1850 bis 1914 vier weitere Pächter. | |||
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::[[Datei:Herrenhaus DDR-Zeit.jpg|thumb|300px|rechts|Herrenhaus Benitz-Hinteransicht um 1970; Quelle eigene Fotos]] | |||
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:Letzter Pächter ab 1914 war Herrmann Schack, der ab 1938 bis zu seiner Flucht und folgenden Enteignung 1945 schließlich auch alleiniger Besitzer wurde. | |||
:1945 zog wie an so vielen anderen Orten auch zuerst die russische Kommandantur in das Gutshaus ein. Nach und nach kamen viele Umsiedler nach Benitz, | |||
:die natürlich Wohnraum brauchten und zunächst auch in dem verlassenen Gutshaus oder auch bei den alteingesessenen Benitzern in einzelnen Räumen | |||
:zumindest erst einmal einen einfachen Schlafplatz im Stroh hatten. | |||
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:Das Benitzer Gutshaus in seiner heutigen Form gemauert und verputzt mit Kuppelwalmdach und Dreiecksgiebel wurde zwischen 1814 und 1818 | |||
:auf einem Feldsteinfundament neu errichtet, nachdem der vorherige Bau aus dem Jahr 1743 durch einen Großbrand vollständig vernichtet wurde. | |||
:Erst später wurde es durch überdachte Terrasse vor dem Eingangsbereich erweitert. Neben dem Wohnhaus fielen auch weitere Gebäude des Gutes | |||
:den Flammen zum Opfer und mussten neu errichtet werden. Das Gut hatte inzwischen eine beachtliche Größe erreicht. | |||
:1831 wurde ein Inventarverzeichnis des gesamten Gutes erstellt. Dort waren insgesamt 16 verschiedene Gebäude verzeichnet, | |||
:so das Wohnhaus (heutiges Herrenhaus), ein Backhaus, ein Vieh-Haus, ein Schafstall und ein Pferdestall, fünf Katen um den Dorfteich, teilweise mit Stall, | |||
:ein Holländerhaus mit Stall, eine große Scheune, ein Wagenschauer und eine Haferscheune. | |||
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:Nach 1945 entstanden in Benitz insgesamt 59 Bauernsiedlungen jeweils mit eigenem Land und weitere 3 Handwerkssiedlungen. | |||
:Ab 1950 wurde das Gutshaus neben Wohnzwecken für verschiedene gemeinschaftliche Zwecke genutzt. Von 1952 bis 1969 gab es hier eine Schulstube | |||
:und eine Wohnung für einen Lehrer, 1956 zog der Kindergarten ein. Außerdem gab es Räume für die amtliche Verwaltung, ein Arztzimmer | |||
:für die medizinische Versorgung und im Anbau einen Konsum sowie den Speiseraum der LPG. | |||
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:Nachdem Schule, Kindergarten, Arzt und Speiseraum in dem Gebäude nicht mehr benötigt wurden, nutzte die Gemeinde die Räume im alten Gutshaus | |||
:als Gemeindezentrum und Treffpunkt für die Dorfbewohner. Das Gutshaus kam in die Jahre, war dringend sanierungsbedürftig, aber der Gemeinde | |||
:fehlten die Ressourcen, das Gutshaus zu erhalten. Nach Umzug des Gemeindezentrums in den sanierten Anbau wurden nur noch wenige Räume vermietet bzw. genutzt, so dass der Verfall voranschritt. | |||
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:2015 fand sich mit Familie Holzbrecher endlich ein Interessent, die das inzwischen sehr betagte Gutshaus kauften, sanierten und acht Wohnungen ausbauten. | |||
:[[Datei:Neues Herrenhaus Benitz.jpg|thumb|700px|links|Herrenhaus Benitz nach der Sanierung 2017; Quelle eigene Fotos]] | |||
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=== Die Mühlen === | === Die Mühlen === | ||
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==Sagen, Geschichten und Legenden rund um Benitz== | ==Sagen, Geschichten und Legenden rund um Benitz== | ||
;Mit der Milchkanne am Fahrrad | |||
:Benitzer Geschichten -Buch 1 | |||
:Erzählte Lebensgeschichten von Einwohnern aus Benitz zusammengetragen und aufgeschrieben von Benitzer Jugendlichen | |||
:Benitz, die kleine Gemeinde in Warnownähe, hat sich in den letzten Jahren gemausert. Noch zu Beginn der 90er Jahre gab es hier nur eine kurze Kopfsteinpflasterstraße | |||
:vom Herrenhaus bis zu den ehemaligen Schnitterkaten. Sonst waren die Straßen je nach Jahreszeit beschaffen: mal in Staubwolken gehüllt, mal durchzogen tiefe Spurrinnnen | |||
:den aufgeweichten Weg. Die Häuser auf den ehemaligen Siedler- und Neubauernhöfen brauchten dringend eine Schönheitskur. Die wenigen Straßenlaternen beleuchteten die Wege | |||
:im Dunkeln nur spärlich, manchmal auch gar nicht mehr. | |||
:Benitz war ein ganz normales kleines Dorf mit Hundegebell und Gänsegeschnatter, mit Dorfkonsum und Kneipe, mit einem Herrenhaus, das im Laufe der Jahre | |||
:schon verschiedensten Zwecken gedient hatte und mit Einwohnern, die jeden Neu-Benitzer freundlich und interessiert in ihrer Mitte aufnahmen. | |||
:So war das eigentlich schon immer in Benitz, auch nach dem Krieg 1945, nachdem der Gutsherr sein Gut verlassen hatte. Zu den damals mittellosen Landarbeitern | |||
:kamen viele Flüchtlinge hinzu, genauso arm und mittellos wie die Landarbeiter. Nach der Aufteilung des Gutes Benitz erhielt jeder von ihnen ein Stück Land und baute | |||
:sich damit eine Existenz auf. Wenn man die älteren Dorfbewohner fragt, sind sie sich einig – nur durch den Zusammenhalt, die gegenseitige Hilfe und Akzeptanz | |||
:haben sie es geschafft und in Benitz eine neue Heimat gefunden, in der sie alt werden konnten. Sie erzählen Geschichten aus einer Zeit, die geprägt war von Entbehrungen | |||
:und Mangelwirtschaft, von Aufbaugeist und Zuversicht, von harter Arbeit und fröhlichen Festen. | |||
:Für so manch jungen Menschen sind all diese Geschehnisse kaum noch nachvollziehbar und schwer zu verstehen. Aber wie lange wird noch jemand da sein, | |||
:der aus eigenem Erleben die Geschichte der Menschen und damit die Geschichte unseres Dorfes kennt und sie erzählen kann? | |||
:Mit diesem Buch lassen wir die Geschichten der älteren Generationen unseres Dorfes deshalb wieder lebendig werden! Viele Stunden lang haben junge Leute in der | |||
:guten Stube der Alt-Benitzer gesessen und ihnen zugehört, um am Ende jede einzelne und bewegende Lebensgeschichte aufzuschreiben und damit zu bewahren. | |||
:Heute ist Benitz ein schmucker Ort mit asphaltierten Straßen, einer tadellosen Straßenbeleuchtung, modernen Heizungen, Telefon- und Internetanschluss | |||
:in jedem Haushalt, blühenden Vorgärten, liebevoll renovierten und neugebauten Häusern und natürlich freundlichen, hilfsbereiten und aufgeschlossenen Menschen. | |||
:Dieses Buch gibt ihre vergangenen Erlebnisse preis und vermittelt so einen lebendigen Einblick in die Geschichte unseres Dorfes. | |||
;Spielplatz war überall | |||
:Benitzer Geschichten - Buch 2 | |||
:Erzählte Lebensgeschichten von Einwohnern aus Benitz zusammengetragen und aufgeschrieben von Benitzer Jugendlichen | |||
[[Datei:0 kindergarten.jpg|Titelbild 2. Buch]] | |||
:"Wir hatten eine gute Kindheit hier in Benitz." Diesen Satz haben wir oft gehört in den letzten Wochen. | |||
:Wie gut sie aber war und ob es nicht doch auch etwas daran auszusetzen gab, wollten wir genauer wissen. Deshalb haben wir genauer nachgefragt. | |||
:Jugendliche aus Benitz haben die Generation, die nach dem Krieg bis in die 60er Jahre in ihrem Dorf geboren wurde und die Kindheit hier verbracht hat, | |||
:nach ihren Erinnerungen und Geschichten von Damals befragt. Aufmerksam haben sie zugehört und manchmal nicht schlecht gestaunt, was die Generation | |||
:ihrer Eltern früher so draufhatte. Manches, was heute mindestens in einem handfesten Nachbarschaftsstreit enden würde, stellten die Kinder und | |||
:Jugendlichen von damals in Benitz an, kassierten auch mal eine saftige Ohrfeige oder Stubenarrest, aber insgeheim haben wohl manchmal auch die | |||
:Betroffenen darüber geschmunzelt. Aber die Kindheit war vor 30, 40 oder 50 Jahren nicht nur von Spaß und Spiel begleitet, sondern auch von so manch | |||
:ungeliebter Arbeit auf dem elterlichen Hof und Feld. Und natürlich hat auch die Schulzeit noch so manche Erinnerungen geprägt. Was heutzutage vollkommen | |||
:unmöglich erscheint, gehörte damals zur Erziehung dazu. Da flogen auch mal Kreide, Stifte oder Tafellappen auf unaufmerksame Schülerohren oder | |||
:dieselben wurden ihnen langgezogen. In einem jedoch sind sich alle einig: Geschadet haben weder die harte Arbeit noch die strengen Lehrer. | |||
:Und noch etwas fällt immer wieder in den Erzählungen auf. Früher war in Benitz ein ganz enger Zusammenhalt, anders als heute. | |||
:Jeder kannte jeden, jeder hat jedem geholfen und alle zusammen haben hier gut und gern gelebt. Heute fragt man sich, warum das jetzt anders ist. | |||
:Schließlich gibt es seit vielen Jahren einen ehrenamtlichen Verein, der sich um das kulturelle und soziale Leben im Dorf kümmert, der dafür sorgt, | |||
:dass man in Benitz das Miteinander lebt. Dennoch ist es heute anders als früher. Vielleicht liegt es daran, dass die Dorfgemeinschaft inzwischen | |||
:deutlich größer ist als früher. Viel-eicht ist auch die gestiegene eigene Mobilität mit dem Auto ein Grund oder einfach die Tatsache, dass Technik | |||
:die Hilfe des Nachbarn oft entbehrlich macht. Vielleicht werden Freundschaften heute nicht mehr so gepflegt, weil die Kinder auf verschiedene Schulen | |||
:gehen und sich nicht mehr so oft in Benitz auf der Straße zum Spielen treffen. Oder liegt es gar an den höheren Zäunen und Hecken? | |||
:Es wird wohl ein wenig von allem sein, was zu diesem anderen Miteinander geführt hat. | |||
:Das Zusammengehörigkeitsgefühl ist vielleicht anders geworden, aber dennoch - die Benitzer leben heute genauso gern in ihrem kleinen Ort an der Warnow, | |||
:südlich von Rostock und ehemaliger Benitzer kehren gern und regelmäßig hierher zurück, um ihr Dorf immer wieder zu erleben. | |||
:Und wer es nicht will, ist hier auch heute nicht allein. | |||
:Hören wir also zu, was unser kleines mecklenburgisches Dorf und seine Bewohner uns zu erzählen haben. | |||
==Flurnamen auf der Benitzer Feldmark== | ==Flurnamen auf der Benitzer Feldmark== | ||
Version vom 25. Februar 2026, 18:54 Uhr
| Kenndaten der Ortschronik | |
|---|---|
| Ort | Benitz |
| Zeitlicher Schwerpunkt | 1875-1960; fortlaufend |
| Urheberrechte | |
| Erstellungszeitraum | seit 2018 |
| Publikationsdatum | veröffentlichtBenitz... |
| Inhaltliche Kategorisierung | unbekannt |
| Status (Ampelsystem) | in fortlaufender Bearbeitung |

Die Geschichte von Benitz (Chronologie)
Um die Chronik übersichtlicher zu gliedern, existiert für jede Epoche ein eigener Artikel.
Benitz im späten Mittelalter (um 1200 bis 1517)
- 1270 8.Juni
- Benitz wird zum ersten Mal erwähnt
Reformation und Nachreformationszeit (1517 bis 1648)
- 1640
- Benitz gehöhrt zum Amt Schwaan
Bis zur napoleonischen Zeit (bis 1813)
Bis zur Reichseinigung (bis 1871)
Kaiserreich (1871-1918)
Weimarer Republik (1918-1933)
Drittes Reich (1933-1945)
SBZ und DDR (1945-1990)
- 1959
- Schaffung einer zentralen Wasserversorgung in Benitz
Die heutige Zeit
Einigen wichtigen Einrichtungen sind eigene Artikel gewidmet:
z.B.
Herkunft und erste Erwähnung von Benitz


Das Gutshaus/ die Bauernhöfe

- Autor: Antje Rädel
- Geschichte des Hofes Benitz und seines Herrenhauses
- Im Jahr 2020 feierten wir, wenn auch wegen der Corona-Pandemie nur symbolisch, das 750jährige Bestehen des Ortes in Benitz.
- Ob es diesen Ort nicht auch schon früher gab, ist nicht belegt.
- Die erstmalige Erwähnung in einer Urkunde ist datiert auf den 08. Juni 1270 und war eine Beurkundung
- durch Fürst Nikolaus von Werle und seiner Söhne Heinrich und Johann. Der Lübecker Bürger Heinrich von Iserloh
- erwarb seinerzeit das Eigentum von 8 Hufe Land im Dorfe Benitz und 18 Hühnern aus dem Kruge daselbst.“
- Der Knappe Eckard von Ankershagen, der in Benitz mit seiner Familie offensichtlich Land bewirtschaftete,
- hatte dieses an Heinrich von Iserloh verkauft. (Hufe = alte Maßeinheit für Land, umfasste durchschnittlich 30 Morgen,
- 1 Morgen entsprach dem, was ein Bauer von morgens bis abends an einem Tag bewirtschaften konnte)
- Über die Wohnverhältnisse um 1270 lässt sich derzeit nichts ausführen, vermutlich gab es jedoch an der Stelle des heutigen Herrenhauses
- bereits ein einfaches Wohngebäude, Stall und Scheune sowie offenbar einen Krug. (Krug = Wirtshaus)
- Die weiteren Besitzverhältnisse sind bis 1620 gar nicht und bis 1785 nur lückenhaft.
- 1620/21 wurde der Hof Benitz an Detloff von Buchwald für 25.000 Gulden verkauft und er war außerdem auf sechs Jahre verpflichtet,
- eine jährliche Pacht von 15.000 Gulden an Herzog Heinrich Albrecht zu zahlen. Detloff von Buchwald erweiterte seinen Besitz schließlich,
- indem er 1633 eine wüste Hufe besetzte, die zum Hofe Benitz gehörte. (wüst = nicht bewirtschaftet / verlassen).
- 1634 kündigte er den Hof Benitz, da er plante das Gut Ziesendorf zu kaufen und bat um Rückzahlung des gekündigten Kapitals.
- Zwischen 1635 und 1758 folgten eine ganze Reihe von Erbschafts- und Pfändungsstreitigkeiten sowie verschiedener Erben und Geldgeber
- an den reluierten Hof Benitz (=Hof, an dem alte fürstliche Herrschaftsansprüche wieder hergestellt werden sollten).
- Gleichzeitig litten insbesondere viele Gebäude des Hofes, da sie vermutlich wegen finanzieller Probleme nicht mehr repariert und gepflegt wurden.
- Ab 1785 lassen sich Pächter und Besitzer des Hofes und damit des Gutshauses nachweisen.
- Damals gehörte der Hof Benitz mit Huckstorf und Pölchow zusammen und wurde bis 1790 von Hauptmann Dietrich von Gützkow bewirtschaftet.
- Danach pachtete Herr Albrecht das Gut Benitz und nach seinem Tod gehörte es noch bis 1810 seiner Witwe. Auf die Pächter Albrecht folgte
- zwischen 1811 und 1832 Franz Theodor Seemann, der wiederum seinen Erben das Gut überließ. Dieses bewirtschafteten Sie bis 1849.
- Es folgten ab 1850 bis 1914 vier weitere Pächter.
- Letzter Pächter ab 1914 war Herrmann Schack, der ab 1938 bis zu seiner Flucht und folgenden Enteignung 1945 schließlich auch alleiniger Besitzer wurde.
- 1945 zog wie an so vielen anderen Orten auch zuerst die russische Kommandantur in das Gutshaus ein. Nach und nach kamen viele Umsiedler nach Benitz,
- die natürlich Wohnraum brauchten und zunächst auch in dem verlassenen Gutshaus oder auch bei den alteingesessenen Benitzern in einzelnen Räumen
- zumindest erst einmal einen einfachen Schlafplatz im Stroh hatten.
- Das Benitzer Gutshaus in seiner heutigen Form gemauert und verputzt mit Kuppelwalmdach und Dreiecksgiebel wurde zwischen 1814 und 1818
- auf einem Feldsteinfundament neu errichtet, nachdem der vorherige Bau aus dem Jahr 1743 durch einen Großbrand vollständig vernichtet wurde.
- Erst später wurde es durch überdachte Terrasse vor dem Eingangsbereich erweitert. Neben dem Wohnhaus fielen auch weitere Gebäude des Gutes
- den Flammen zum Opfer und mussten neu errichtet werden. Das Gut hatte inzwischen eine beachtliche Größe erreicht.
- 1831 wurde ein Inventarverzeichnis des gesamten Gutes erstellt. Dort waren insgesamt 16 verschiedene Gebäude verzeichnet,
- so das Wohnhaus (heutiges Herrenhaus), ein Backhaus, ein Vieh-Haus, ein Schafstall und ein Pferdestall, fünf Katen um den Dorfteich, teilweise mit Stall,
- ein Holländerhaus mit Stall, eine große Scheune, ein Wagenschauer und eine Haferscheune.
- Nach 1945 entstanden in Benitz insgesamt 59 Bauernsiedlungen jeweils mit eigenem Land und weitere 3 Handwerkssiedlungen.
- Ab 1950 wurde das Gutshaus neben Wohnzwecken für verschiedene gemeinschaftliche Zwecke genutzt. Von 1952 bis 1969 gab es hier eine Schulstube
- und eine Wohnung für einen Lehrer, 1956 zog der Kindergarten ein. Außerdem gab es Räume für die amtliche Verwaltung, ein Arztzimmer
- für die medizinische Versorgung und im Anbau einen Konsum sowie den Speiseraum der LPG.
- Nachdem Schule, Kindergarten, Arzt und Speiseraum in dem Gebäude nicht mehr benötigt wurden, nutzte die Gemeinde die Räume im alten Gutshaus
- als Gemeindezentrum und Treffpunkt für die Dorfbewohner. Das Gutshaus kam in die Jahre, war dringend sanierungsbedürftig, aber der Gemeinde
- fehlten die Ressourcen, das Gutshaus zu erhalten. Nach Umzug des Gemeindezentrums in den sanierten Anbau wurden nur noch wenige Räume vermietet bzw. genutzt, so dass der Verfall voranschritt.
- 2015 fand sich mit Familie Holzbrecher endlich ein Interessent, die das inzwischen sehr betagte Gutshaus kauften, sanierten und acht Wohnungen ausbauten.

Herrenhaus Benitz nach der Sanierung 2017; Quelle eigene Fotos
Die Mühlen
Die Schule
Die Schmieden
Krüge und Gaststätten
Bedeutende Persönlichkeiten aus Benitz
Opfer von Krieg und Gewalt aus Benitz
Napoleonische Zeit
Opfer in französischen Diensten: Französische Flotte, Rußlandfeldzug u.a.
Befreiungskriege
Deutsch/ Französischer Krieg 1870/71
Erster Weltkrieg
Zweiter Weltkrieg
Nachkriegszeit (z.B. Lager Fünfeichen)
Sagen, Geschichten und Legenden rund um Benitz
- Mit der Milchkanne am Fahrrad
- Benitzer Geschichten -Buch 1
- Erzählte Lebensgeschichten von Einwohnern aus Benitz zusammengetragen und aufgeschrieben von Benitzer Jugendlichen
- Benitz, die kleine Gemeinde in Warnownähe, hat sich in den letzten Jahren gemausert. Noch zu Beginn der 90er Jahre gab es hier nur eine kurze Kopfsteinpflasterstraße
- vom Herrenhaus bis zu den ehemaligen Schnitterkaten. Sonst waren die Straßen je nach Jahreszeit beschaffen: mal in Staubwolken gehüllt, mal durchzogen tiefe Spurrinnnen
- den aufgeweichten Weg. Die Häuser auf den ehemaligen Siedler- und Neubauernhöfen brauchten dringend eine Schönheitskur. Die wenigen Straßenlaternen beleuchteten die Wege
- im Dunkeln nur spärlich, manchmal auch gar nicht mehr.
- Benitz war ein ganz normales kleines Dorf mit Hundegebell und Gänsegeschnatter, mit Dorfkonsum und Kneipe, mit einem Herrenhaus, das im Laufe der Jahre
- schon verschiedensten Zwecken gedient hatte und mit Einwohnern, die jeden Neu-Benitzer freundlich und interessiert in ihrer Mitte aufnahmen.
- So war das eigentlich schon immer in Benitz, auch nach dem Krieg 1945, nachdem der Gutsherr sein Gut verlassen hatte. Zu den damals mittellosen Landarbeitern
- kamen viele Flüchtlinge hinzu, genauso arm und mittellos wie die Landarbeiter. Nach der Aufteilung des Gutes Benitz erhielt jeder von ihnen ein Stück Land und baute
- sich damit eine Existenz auf. Wenn man die älteren Dorfbewohner fragt, sind sie sich einig – nur durch den Zusammenhalt, die gegenseitige Hilfe und Akzeptanz
- haben sie es geschafft und in Benitz eine neue Heimat gefunden, in der sie alt werden konnten. Sie erzählen Geschichten aus einer Zeit, die geprägt war von Entbehrungen
- und Mangelwirtschaft, von Aufbaugeist und Zuversicht, von harter Arbeit und fröhlichen Festen.
- Für so manch jungen Menschen sind all diese Geschehnisse kaum noch nachvollziehbar und schwer zu verstehen. Aber wie lange wird noch jemand da sein,
- der aus eigenem Erleben die Geschichte der Menschen und damit die Geschichte unseres Dorfes kennt und sie erzählen kann?
- Mit diesem Buch lassen wir die Geschichten der älteren Generationen unseres Dorfes deshalb wieder lebendig werden! Viele Stunden lang haben junge Leute in der
- guten Stube der Alt-Benitzer gesessen und ihnen zugehört, um am Ende jede einzelne und bewegende Lebensgeschichte aufzuschreiben und damit zu bewahren.
- Heute ist Benitz ein schmucker Ort mit asphaltierten Straßen, einer tadellosen Straßenbeleuchtung, modernen Heizungen, Telefon- und Internetanschluss
- in jedem Haushalt, blühenden Vorgärten, liebevoll renovierten und neugebauten Häusern und natürlich freundlichen, hilfsbereiten und aufgeschlossenen Menschen.
- Dieses Buch gibt ihre vergangenen Erlebnisse preis und vermittelt so einen lebendigen Einblick in die Geschichte unseres Dorfes.
- Spielplatz war überall
- Benitzer Geschichten - Buch 2
- Erzählte Lebensgeschichten von Einwohnern aus Benitz zusammengetragen und aufgeschrieben von Benitzer Jugendlichen
- "Wir hatten eine gute Kindheit hier in Benitz." Diesen Satz haben wir oft gehört in den letzten Wochen.
- Wie gut sie aber war und ob es nicht doch auch etwas daran auszusetzen gab, wollten wir genauer wissen. Deshalb haben wir genauer nachgefragt.
- Jugendliche aus Benitz haben die Generation, die nach dem Krieg bis in die 60er Jahre in ihrem Dorf geboren wurde und die Kindheit hier verbracht hat,
- nach ihren Erinnerungen und Geschichten von Damals befragt. Aufmerksam haben sie zugehört und manchmal nicht schlecht gestaunt, was die Generation
- ihrer Eltern früher so draufhatte. Manches, was heute mindestens in einem handfesten Nachbarschaftsstreit enden würde, stellten die Kinder und
- Jugendlichen von damals in Benitz an, kassierten auch mal eine saftige Ohrfeige oder Stubenarrest, aber insgeheim haben wohl manchmal auch die
- Betroffenen darüber geschmunzelt. Aber die Kindheit war vor 30, 40 oder 50 Jahren nicht nur von Spaß und Spiel begleitet, sondern auch von so manch
- ungeliebter Arbeit auf dem elterlichen Hof und Feld. Und natürlich hat auch die Schulzeit noch so manche Erinnerungen geprägt. Was heutzutage vollkommen
- unmöglich erscheint, gehörte damals zur Erziehung dazu. Da flogen auch mal Kreide, Stifte oder Tafellappen auf unaufmerksame Schülerohren oder
- dieselben wurden ihnen langgezogen. In einem jedoch sind sich alle einig: Geschadet haben weder die harte Arbeit noch die strengen Lehrer.
- Und noch etwas fällt immer wieder in den Erzählungen auf. Früher war in Benitz ein ganz enger Zusammenhalt, anders als heute.
- Jeder kannte jeden, jeder hat jedem geholfen und alle zusammen haben hier gut und gern gelebt. Heute fragt man sich, warum das jetzt anders ist.
- Schließlich gibt es seit vielen Jahren einen ehrenamtlichen Verein, der sich um das kulturelle und soziale Leben im Dorf kümmert, der dafür sorgt,
- dass man in Benitz das Miteinander lebt. Dennoch ist es heute anders als früher. Vielleicht liegt es daran, dass die Dorfgemeinschaft inzwischen
- deutlich größer ist als früher. Viel-eicht ist auch die gestiegene eigene Mobilität mit dem Auto ein Grund oder einfach die Tatsache, dass Technik
- die Hilfe des Nachbarn oft entbehrlich macht. Vielleicht werden Freundschaften heute nicht mehr so gepflegt, weil die Kinder auf verschiedene Schulen
- gehen und sich nicht mehr so oft in Benitz auf der Straße zum Spielen treffen. Oder liegt es gar an den höheren Zäunen und Hecken?
- Es wird wohl ein wenig von allem sein, was zu diesem anderen Miteinander geführt hat.
- Das Zusammengehörigkeitsgefühl ist vielleicht anders geworden, aber dennoch - die Benitzer leben heute genauso gern in ihrem kleinen Ort an der Warnow,
- südlich von Rostock und ehemaliger Benitzer kehren gern und regelmäßig hierher zurück, um ihr Dorf immer wieder zu erleben.
- Und wer es nicht will, ist hier auch heute nicht allein.
- Hören wir also zu, was unser kleines mecklenburgisches Dorf und seine Bewohner uns zu erzählen haben.

