Fortlaufende historische Chronologie und Geschichte von Torfbrücke: Unterschied zwischen den Versionen
Zur Navigation springen
Zur Suche springen
Zeile 1: | Zeile 1: | ||
+ | |||
+ | ==Chronologischer Abriss der Geschichte von Torfbrücke (Ort und Forstrevier)== | ||
+ | |||
+ | |||
+ | ===bis zur napoleonischen Zeit (bis 1813)=== | ||
+ | |||
+ | ;1696 | ||
+ | :Ersterwähnung „torf Brüg“ als Brückenübergang über den Stromgraben sowie die Rostocker Stadtgrenze für den Torftransport vom Fischland. | ||
+ | |||
+ | ;1774 | ||
+ | :Anlegung der ersten Schleuse an der Stromgrabenmündung | ||
+ | |||
+ | ;1788 | ||
+ | :am Stromgraben-Übergang Errichtung eines Jägerhauses und dreier Forstkaten (für 6 Familien). | ||
+ | |||
+ | ;1813 | ||
+ | :Auch beim Wiedort wird durch den mecklenburgischen Landsturm ein Wachposten in der Nachrichtenkette entlang der Ostseeküste angelegt. | ||
+ | |||
+ | ===bis zur Reichseinigung (bis 1871)=== | ||
+ | |||
+ | ;1831 | ||
+ | :Auch am Ostsee-Ufer des Torfbrücker Reviers wird eine geschlossene Küstenwachkette gegen die Einschleppung der Cholera eingerichet. | ||
+ | |||
+ | ===Deutsches Reich bis 1918=== | ||
+ | |||
+ | ;1877 | ||
+ | :4. September - Die 21jährige Luise Halwes aus Torfbrücke wird im Wald ermordet. Der Mörder wird später gefasst und hingerichtet | ||
+ | |||
+ | ;1890 | ||
+ | :Das alte Jägergehöft abgebrannt | ||
+ | [[Datei:Torfbrücke.jpg|thumb|400px|rechts|Flurnamenkarte des Reviers Torfbrücke 1926 (Quelle: Ludwig Krause "Die Rostocker Heide im Spiegel ihrer Orts- Forst- und Flurnamen"]] | ||
+ | ;1891 | ||
+ | :Bau des neuen Forsthauses | ||
+ | |||
+ | ;1906 | ||
+ | :Umgemeindung der Torfbrücker Kirchenmitglieder in die Graaler Kirchgemeinde | ||
+ | |||
+ | ;1909 | ||
+ | :Im Waldhause wohnte seit mehreren Jahren schon bloß noch eine Familie. Am Ostern 1909 ist auch diese fortgezogen. Seitdem steht das Waldhaus leer und soll, weil sehr baufällig, dazu sowieso im Walde gelegen, nicht mehr bewohnt werden, sondern über kurz oder lang abgebrochen werden. | ||
+ | |||
+ | ;1913 | ||
+ | :Suche /Bohrung nach Trinkwasser zur Versorgung einer bei Torfbrücke geplanten Villenkolonie | ||
+ | |||
+ | ;1913 | ||
+ | :Planung einer Villenkolonie am Ostsee-Ufer im Revier Torfbrücke | ||
+ | |||
+ | ;1913 | ||
+ | :Die Sylvesterflut dringt bis an die Häuser von Torfbrücke vor. | ||
+ | |||
+ | ===Deutsches Reich bis 1945=== | ||
+ | |||
+ | ;1921 | ||
+ | :Einweihung des Gedenksteins für den im Weltkrieg gefallenen Forstinspektor Max Garthe an der Reminschen Wiese | ||
+ | |||
+ | ;1945, 1.Mai | ||
+ | :Der Torfbrücker Oberförster Schmidt-Wulffen begeht mit seiner Familie Selbstmord. | ||
+ | |||
+ | ===SBZ und DDR bis 1990=== | ||
+ | |||
+ | |||
+ | ===Die heutige Zeit=== | ||
+ | |||
+ | ;2013 | ||
+ | :Der Ort hat 52 Einwohner und ist der nördlichste Stadtteil der Hansestadt Rostock. | ||
+ | |||
+ | ==Entstehungsgeschichte der Baumwärterstelle und dem Revier== | ||
+ | + | ||
+ | ==Chronologischer Abriss der Geschichte von Torfbrücke (Ort und Forstrevier)== | ||
+ | |||
+ | − | ||
+ | Der Name des Ortes stammt von der hier über den Stromgraben führenden Brücke, die auf der Heidekarte von 1696 als "de torf Brüg" bezeichnet, ohne das damals eine Wohnstätte dort vorhanden gewesen wäre. Sicher gab es schon lange zuvor eine Furt hier am Fischländer Weg und dessen Querung des Zarnetz-Stromes (heute Stromgraben). Die große Karte von Schmettau gibt 1788 ein Haus an. | ||
+ | |||
+ | − | ||
+ | Auf der 1793 von Forstinspektor Beckerr gefertigten Karte findet sich bereits ein geschlossener Forsthof neben der Stromgrabenbrücke und ein Grenzpfosten, der die Hoheitsgrenze zwischen städtisch Rostocker und herzoglichem Gebiet markiert. | ||
+ | |||
+ | ==Torfbrücke - Die Furt am Stromgraben und der nördlichste Punkt Rostocks== | ||
+ | [[Datei:IMG 20170226 0024.jpg|thumb|rechts|500px| Carl Malchin "Torfbrücke" um 1890 Quelle: Heidearchiv]] | ||
+ | :Autofahrer sind gedanklich meist schon an ihrem Ziel, dem Seeheilbad Graal-Müritz, wenn sie auf ihrem Wege dorthin die unscheinbare blaue Brücke über den Stromgraben überqueren. | ||
+ | :Manch einer bemerkt gar nicht, das die zuvor passierten gepflegten Häuser am Straßenrande laut Ortseingang zum Rostocker Stadtgebiet gehören. | ||
+ | :Seit einem dreiviertel Jahrtausend bereits findet sich an dieser Stelle der nördlichste Punkt der Hansestadt Rostock. | ||
+ | :Das Örtchen Torfbrücke selbst verdankt seiner „Grenzlage“ auch seine Entstehung. | ||
+ | :Sicher um einiges älter, zeichnet der Rostocker Stadtfenderich Lust im Jahre 16969 eine Karte der Heide mit der „torf Brüg“, einer Brückenquerung für den Verbindungsweg zwischen Rostock und dem Fischland. | ||
+ | :Der Vermessungsingenieur Graf Schmettau zeichnet im Jahre 1788 in seiner Karte ein Jägerhaus ein, der Vorläufer der leider erst in jüngster Zeit abgerissenen Försterei, um den sich bald darauf drei weitere Katen versammeln. | ||
+ | :Bis 1909 waren die Häuser des zu jener Zeit hansestädtischen Dorfes Rövershagen. | ||
+ | :Die städtische Bürgervertretung hatte nun entschieden Torfbrücke zur selbstständigen Ortschaft unter dem Dach der Hansestadt zu erheben. | ||
+ | |||
+ | :Zeitungsschlagzeilen machte das Dorf nur einmal, im September des Jahres 1877, als hier eine grausame Bluttat entdeckt worden war. In der Rostocker Zeitung jener Tage ist zu lesen: „Über die bereits erwähnte Mordthat in der Rostocker Heide erfahren wir heute folgendes Nähere. Das beim Jäger Keding zu Torfbrücke dienende Mädchen Luise Halwes war am letzten Dienstag nach dem „Neuen Kruge“ an der Rostock - Ribnitzer Chaussee geschickt und kehrte zur festgesetzten Zeit nicht zurück. Ihr Dienstherr, dadurch beunruhigt und einen Unfall fürchtend, veranlaßte eine allgemeine Durchsuchung des Gehölzes, bei welcher wie bereits gemeldet, die Halwes am Mittwoch Morgen mit durchschnittenem Halse und augenscheinlich von fremder Hand getödtet vorgefunden wurde. Der Verdacht der That richtete sich alsbald gegen einen 21jährigen Seefahrer J.Suhr, welcher in Ribnitz geboren und später mit seinen Eltern nach Torfbrücke verzogen ist. Derselbe hatte sich besonders dadurch verdächtig gemacht, daß er sich nicht wie alle übrigen Bewohner von Torfbrücke an den Nachforschungen nach dem vermißten Mädchen beteiligt, auch nach Auffindung der Leiche sich von dem Orte der That fern gehalten hatte. Das hiesige Criminalgericht, welches sich zur Aufnahme des Thatbestandes gestern nach Torfbrücke begeben hatte, verfügte die Verhaftung des Suhr, welche noch gestern erfolgt ist. Wie man erzählt hat Suhr schon dem die Verhaftung vollziehenden Beamten gegenüber sofort ein umfassendes Geständnis abgelegt. Darnach hat er die Halwes mit der er im Gehölze zusammengetroffen, mit unsittlichen Anträgen verfolgt und sie dann thätlich angegriffen. Das Mädchen hat sich tapfer gewehrt und mit der Anzeige des Vorfalls gedroht. Hierdurch aufgebracht, hat Suhr einen am Wege liegenden Knittel ergriffen und der davon eilenden Halwes von hinten einen Schlag über den Kopf versetzt, der sie betäubt zu Boden gestreckt hat, worauf er sie durch Durchschneiden des Halses völlig getödtet hat. Die ermordete Luise Halwes ist 21 Jahre alt und ebenfalls aus Ribnitz gebürtig; ihre Eltern sind bereits verstorben. Sie wird als ein tüchtiges und treues Mädchen bezeichnet und war mit einem in der Nachbarschaft von Torfbrücke dienenden jungen Manne verlobt.“ Der ruchlose Mörder büßte seine Tat schließlich mit dem Leben. | ||
+ | |||
+ | |||
==Der Karl Mewis Kanal bei Torfbrücke== | ==Der Karl Mewis Kanal bei Torfbrücke== | ||
Version vom 9. Juli 2024, 11:29 Uhr
Chronologischer Abriss der Geschichte von Torfbrücke (Ort und Forstrevier)
bis zur napoleonischen Zeit (bis 1813)
- 1696
- Ersterwähnung „torf Brüg“ als Brückenübergang über den Stromgraben sowie die Rostocker Stadtgrenze für den Torftransport vom Fischland.
- 1774
- Anlegung der ersten Schleuse an der Stromgrabenmündung
- 1788
- am Stromgraben-Übergang Errichtung eines Jägerhauses und dreier Forstkaten (für 6 Familien).
- 1813
- Auch beim Wiedort wird durch den mecklenburgischen Landsturm ein Wachposten in der Nachrichtenkette entlang der Ostseeküste angelegt.
bis zur Reichseinigung (bis 1871)
- 1831
- Auch am Ostsee-Ufer des Torfbrücker Reviers wird eine geschlossene Küstenwachkette gegen die Einschleppung der Cholera eingerichet.
Deutsches Reich bis 1918
- 1877
- 4. September - Die 21jährige Luise Halwes aus Torfbrücke wird im Wald ermordet. Der Mörder wird später gefasst und hingerichtet
- 1890
- Das alte Jägergehöft abgebrannt
- 1891
- Bau des neuen Forsthauses
- 1906
- Umgemeindung der Torfbrücker Kirchenmitglieder in die Graaler Kirchgemeinde
- 1909
- Im Waldhause wohnte seit mehreren Jahren schon bloß noch eine Familie. Am Ostern 1909 ist auch diese fortgezogen. Seitdem steht das Waldhaus leer und soll, weil sehr baufällig, dazu sowieso im Walde gelegen, nicht mehr bewohnt werden, sondern über kurz oder lang abgebrochen werden.
- 1913
- Suche /Bohrung nach Trinkwasser zur Versorgung einer bei Torfbrücke geplanten Villenkolonie
- 1913
- Planung einer Villenkolonie am Ostsee-Ufer im Revier Torfbrücke
- 1913
- Die Sylvesterflut dringt bis an die Häuser von Torfbrücke vor.
Deutsches Reich bis 1945
- 1921
- Einweihung des Gedenksteins für den im Weltkrieg gefallenen Forstinspektor Max Garthe an der Reminschen Wiese
- 1945, 1.Mai
- Der Torfbrücker Oberförster Schmidt-Wulffen begeht mit seiner Familie Selbstmord.
SBZ und DDR bis 1990
Die heutige Zeit
- 2013
- Der Ort hat 52 Einwohner und ist der nördlichste Stadtteil der Hansestadt Rostock.
Entstehungsgeschichte der Baumwärterstelle und dem Revier
+
Chronologischer Abriss der Geschichte von Torfbrücke (Ort und Forstrevier)
− Der Name des Ortes stammt von der hier über den Stromgraben führenden Brücke, die auf der Heidekarte von 1696 als "de torf Brüg" bezeichnet, ohne das damals eine Wohnstätte dort vorhanden gewesen wäre. Sicher gab es schon lange zuvor eine Furt hier am Fischländer Weg und dessen Querung des Zarnetz-Stromes (heute Stromgraben). Die große Karte von Schmettau gibt 1788 ein Haus an.
− Auf der 1793 von Forstinspektor Beckerr gefertigten Karte findet sich bereits ein geschlossener Forsthof neben der Stromgrabenbrücke und ein Grenzpfosten, der die Hoheitsgrenze zwischen städtisch Rostocker und herzoglichem Gebiet markiert.
Torfbrücke - Die Furt am Stromgraben und der nördlichste Punkt Rostocks
- Autofahrer sind gedanklich meist schon an ihrem Ziel, dem Seeheilbad Graal-Müritz, wenn sie auf ihrem Wege dorthin die unscheinbare blaue Brücke über den Stromgraben überqueren.
- Manch einer bemerkt gar nicht, das die zuvor passierten gepflegten Häuser am Straßenrande laut Ortseingang zum Rostocker Stadtgebiet gehören.
- Seit einem dreiviertel Jahrtausend bereits findet sich an dieser Stelle der nördlichste Punkt der Hansestadt Rostock.
- Das Örtchen Torfbrücke selbst verdankt seiner „Grenzlage“ auch seine Entstehung.
- Sicher um einiges älter, zeichnet der Rostocker Stadtfenderich Lust im Jahre 16969 eine Karte der Heide mit der „torf Brüg“, einer Brückenquerung für den Verbindungsweg zwischen Rostock und dem Fischland.
- Der Vermessungsingenieur Graf Schmettau zeichnet im Jahre 1788 in seiner Karte ein Jägerhaus ein, der Vorläufer der leider erst in jüngster Zeit abgerissenen Försterei, um den sich bald darauf drei weitere Katen versammeln.
- Bis 1909 waren die Häuser des zu jener Zeit hansestädtischen Dorfes Rövershagen.
- Die städtische Bürgervertretung hatte nun entschieden Torfbrücke zur selbstständigen Ortschaft unter dem Dach der Hansestadt zu erheben.
- Zeitungsschlagzeilen machte das Dorf nur einmal, im September des Jahres 1877, als hier eine grausame Bluttat entdeckt worden war. In der Rostocker Zeitung jener Tage ist zu lesen: „Über die bereits erwähnte Mordthat in der Rostocker Heide erfahren wir heute folgendes Nähere. Das beim Jäger Keding zu Torfbrücke dienende Mädchen Luise Halwes war am letzten Dienstag nach dem „Neuen Kruge“ an der Rostock - Ribnitzer Chaussee geschickt und kehrte zur festgesetzten Zeit nicht zurück. Ihr Dienstherr, dadurch beunruhigt und einen Unfall fürchtend, veranlaßte eine allgemeine Durchsuchung des Gehölzes, bei welcher wie bereits gemeldet, die Halwes am Mittwoch Morgen mit durchschnittenem Halse und augenscheinlich von fremder Hand getödtet vorgefunden wurde. Der Verdacht der That richtete sich alsbald gegen einen 21jährigen Seefahrer J.Suhr, welcher in Ribnitz geboren und später mit seinen Eltern nach Torfbrücke verzogen ist. Derselbe hatte sich besonders dadurch verdächtig gemacht, daß er sich nicht wie alle übrigen Bewohner von Torfbrücke an den Nachforschungen nach dem vermißten Mädchen beteiligt, auch nach Auffindung der Leiche sich von dem Orte der That fern gehalten hatte. Das hiesige Criminalgericht, welches sich zur Aufnahme des Thatbestandes gestern nach Torfbrücke begeben hatte, verfügte die Verhaftung des Suhr, welche noch gestern erfolgt ist. Wie man erzählt hat Suhr schon dem die Verhaftung vollziehenden Beamten gegenüber sofort ein umfassendes Geständnis abgelegt. Darnach hat er die Halwes mit der er im Gehölze zusammengetroffen, mit unsittlichen Anträgen verfolgt und sie dann thätlich angegriffen. Das Mädchen hat sich tapfer gewehrt und mit der Anzeige des Vorfalls gedroht. Hierdurch aufgebracht, hat Suhr einen am Wege liegenden Knittel ergriffen und der davon eilenden Halwes von hinten einen Schlag über den Kopf versetzt, der sie betäubt zu Boden gestreckt hat, worauf er sie durch Durchschneiden des Halses völlig getödtet hat. Die ermordete Luise Halwes ist 21 Jahre alt und ebenfalls aus Ribnitz gebürtig; ihre Eltern sind bereits verstorben. Sie wird als ein tüchtiges und treues Mädchen bezeichnet und war mit einem in der Nachbarschaft von Torfbrücke dienenden jungen Manne verlobt.“ Der ruchlose Mörder büßte seine Tat schließlich mit dem Leben.
Der Karl Mewis Kanal bei Torfbrücke
- Kanalbaupläne durch die Rostocker Heide vor einem halben Jahrhundert (Autor Wilfried Steinmüller)
- Mancher Heidewanderer, der seinen Weg von Torfbrücke ins Herz der Landschaft, in Richtung Pöstenschneise lenkt, ist etwas erstaunt bereits nach wenigen Schritten durch den Heidewald auf ein kleines seeartiges Gewässer zu stoßen. Der Volksmund hat dieser kleinen Wasseridylle den Namen „Karl-Mewis-Gedächtniskanal“ verliehen.
- Hier wird an ein von dem einstigen SED-Parteichef des Bezirkes Rostock besonders propagiertes Wirtschaftsprojekt der DDR erinnert.
- Zu Beginn des Jahres 1962 findet sich auf einer Titelseite der Ostsee-Zeitung folgender Pressebeitrag:
- „Stapellauf in Graal-Müritz
- Kanalbau durch die Rostocker Heide"
- Einen Stapellauf besonderer Art werden in wenigen Wochen die Einwohner von Graal-Müritz erleben.
- Vor den Toren des Seeheilbades sind Raupenbagger des VEB Wasserstraßenbau Magdeburg dabei, ein Becken auszuheben.
- Die Arbeiter des Magdeburger Wasserstraßenbaus werden von der Straße bei Torfbrücke aus 2,8 km des Kanals graben, der den Breitling mit dem Saaler Bodden verbinden soll.
- Mit diesem Kanal wird der Anschluss des Überseehafens an das Binnenwasserstraßennetz hergestellt.
- Nach seiner Fertigstellung soll er die Durchfahrt von 1000t-Schiffen ermöglichen sowie Eisenbahn und Kraftverkehr vom jährlichen An- und Abtransport von 1,5 Millionen Tonnen Güter vom und zum Rostocker Überseehafen entlasten. ...“
- Ziel des Projektes war Binnenlastschiffe vom Überseehafen aus durch die Rostocker Heide, die Boddenkette und den Strelasund in Richtung Oder-Wasserstraße fahren zu lassen.
- Auch zwei weitere Kanalbauprojekte, über Bodden-Recknitz-Trebel-Peene sowie Rostock – Wittenberge-Elbe, waren in Ergänzung dazu bereits in der Planungsvorbereitung. Zuvor waren einige Fachleute, die dem Projekt kritisch gegenüber standen mundtot gemacht worden.
- Sie hatten darauf verwiesen, das es bereits vierzig Jahre zuvor Planungsarbeiten und Geländeuntersuchungen zum Bau eines Kanals Rostock – Ribnitz gegeben hatte und das Projekt seinerzeit angesichts der extrem schwierigen geologischen Verhältnisse als undurchführbar zu den Akten gelegt werden musste.
- Noch im Frühjahr 1962 begann man von drei Punkten (Markgrafenheide, Torfbrücke und Dändorf) ausgehend mit der Umsetzung des Prestige-Projektes.
- Während vorhandene Schwimmbagger nach Markgrafenheide und Dändorf an den Start gebracht wurden, gestaltete sich schon der Beginn im Bauabschnitt Torfbrücke ausgesprochen schwierig.
- Zunächst wurde an den südöstlichen Ortsrand von Torfbrücke eine Elektro-Umspannstation eingerichtet.
- Auf der Ostseite der vorbeiführenden Bäderbahnstrecke legte man dann einen großen Kahlschlag an um hier Anschlussgleise zum verladen von Gütern anzulegen.
- In diesem Bereich war auch ein größeres Brücken- und Schleusenbauwerk vorgesehen.
- Fußnote am Rande; mit dem anfallenden Baggergut wollte man das zwischen dem südlichen Ortsrand von Graal und dem Stromgraben gelegene Terrain zu Bauland für ein zukünftiges Plattenbau-Wohngebiet erhöhen.
- Um nun die eigentlichen Baggerarbeiten beginnen zu können, wurde auf einer kleinen improvisierten Helling ein zuvor zerlegter Eimerketten-Schwimmbagger sowie eine Lastschute wieder zusammengebaut.
- Motorisierte Eimerbagger gruben zeitgleich ein großes Loch um hier schließlich den Schwimmbagger zu Wasser lassen zu können.
- Zitat aus der Ostsee-Zeitung jener Tage:
- „zu den Kanalbauern gehören so erfahrene Schachtmeister wie Otto Kirchner, der bereits 18 Jahre im Wasserbau tätig ist und am Kanal des Friedens 1951 sowie der Talsperre Dippoldiswalde zwei Jahre zuvor mitgearbeitet hat.
- Am Kanalbau sind die Betriebe VEB Wasserstraßenbau Berlin und Magdeburg, sowie der VEB Erdbau Magdeburg beteiligt.“
- Sehr bald sollte die Kompliziertheit des Bauvorhabens offenbar werden.
- Die Geologen hatten ja zuvor gewarnt, dass das gesamte Areal der Rostocker Heide aus einer acht Meter mächtigen Schwemmsandfläche besteht.
- Es war schier unmöglich diesen bei den Heidebewohnern als „Sogsand“ bezeichneten Massen einhalt zu gebieten.
- So wie der Schwimmbagger sich mühsam voranbaggerte schwemmte der Sand nur wenige Meter dahinter wieder zu und das Unterfangen wurde zur wahren Sisyphus-Arbeit.
- Bereits im folgenden Jahr sah man die Unausführbarkeit des Vorhabens ein. Ohne Presseschlagzeilen stellte man die Arbeiten in aller Stille ein. :Schneidbrenner zerlegten die kleine Baggerflotte, die Natur eroberte die Großbaustelle zurück und machte sie zur abgeschiedenen ruhigen Idylle.