Karbow - Fortlaufende Ortschronik
| Kenndaten der Ortschronik | |
|---|---|
| Ort | Karbow (Gemeinde Gehlsbach) |
| Zeitlicher Schwerpunkt | |
| Urheberrechte | |
| Erstellungszeitraum | ab 2026 fortlaufend |
| Publikationsdatum | |
| Inhaltliche Kategorisierung | Geschichte des Ortes Karbow mit Hof Karbow, Sandkrug und Hermannsthal |
| Status (Ampelsystem) | in fortlaufender Bearbeitung |
Die Geschichte von Karbow (Chronologie)
Um die Chronik übersichtlicher zu gliedern, existiert für jede Epoche ein eigener Artikel.
Herkunft und erste Erwähnung von Karbow
... im späten Mittelalter (um 1200 bis 1517)
Reformation und Nachreformationszeit (1517 bis 1648)
Bis zur napoleonischen Zeit (bis 1813)
Bis zur Reichseinigung (bis 1871)
Kaiserreich (1871-1918)
Weimarer Republik (1918-1933)
Drittes Reich (1933-1945)
SBZ und DDR (1945-1990)
Die heutige Zeit
Einigen wichtigen Einrichtungen sind eigene Artikel gewidmet:
Die Häuser
Lindenstraße
Poststraße
Lübzer Chaussee
Schulstraße
Am Hof
Hermannsthal
Die Kirche
Die Schule
Krüge und Gaststätten
Gastwirtschaft

Erbkrug und -schmiede im Sandkrug
Bereits im späten Mittelalter und in der frühen Neuzeit wurde Mecklenburg von Fracht- und Poststraßen durchzogen. Bedeutsame Strecken für den Transport von Waren und Post führten - ausgehend von den Hafenstädten Rostock, Wismar, Lübeck und Hamburg - in West-Ost-Richtung bis nach Stettin, Danzig und weiter nach Königsberg, in Nord-Süd-Richtung u.a. nach Berlin, Breslau und Wien. An diesen Verkehrswegen wurden in bestimmten Etappen Krüge errichtet. Sie dienten zum Wechseln der Pferde und oft auch als Erholungs- und Übernachtungsmöglichkeit für Kutscher, Reisende und Zugtiere. Die häufig in der Nähe befindliche Schmiede wurde für Reparaturen an Kutschen und Gespanne genutzt, Pferde konnten neu beschlagen werden. Das Erbkrug- und Schmiedegehöft Sandkrug liegt am ehemaligen "Postcourse", der von Lübeck über Wittstock nach Berlin führte. Es ist eins von insgesamt nur drei Häusern an diesem Wohnplatz, der zum Dorf Karbow gehört. An ihm vorbei führen der Landweg von Lübz kommend über Benzin nach Retzow weiter ins Preußische sowie der Weg von Plau am See kommend über Schlemmin nach Karbow und ebenfalls weiter in Richtung Brandenburg. Eine genaue Datierung, wann dieser Krug errichtet wurde, konnte bisher nicht entdeckt werden. Einen ersten Hinweis zu einem "Sandkrüger" findet sich im Karbower Kirchenbuch. Dort ist der Tod des Krügers vom Sandkrug Baltzer Friedrich Ordt am 26. Januar 1732 dokumentiert. 1733 wird "Anna Catharina Grimmen, die Krügersche vom Sandkrüger" als Taufpatin genannt.

Der Herzoglich Mecklenburg-Schwerinsche Staatskalender führt ab 1800 neben dem Forsthof bzw. der Försterei im Sandkrug auch einen Krug auf. Im Karbower Kirchenbuch ist jedoch erst wieder nach fast einhundert Jahren mit dem Eintrag der Geburt eines Sohnes des Erbzinskrügers und Schmiedes zum Sandkruge, Christian Niclas Friedrich Rinck, am 24. Januar 1830 ein schriftlicher, namentlicher Anhaltspunkt zum Erbkrug- und Schmiedegehöft im abgelegenen Sandkrug zu finden. Durch die Sichtung der im Landeshauptarchiv Schwerin erhalten gebliebenen Unterlagen und der Auswertung der Karbower Kirchenbücher können für die Zeit zwischen etwa 1730 und dem Ende der 1930-er Jahre folgende Besitzer des Erbkrug- und Schmiedegehöftes Sandkrug im Einzelnen benannt werden.
- 1732 Baltzer Friedrich Ordt
- 1733 n.n. Grimm
- 1830 Christian Niclas Friedrich Rinck, Schmiedemeister aus Dobbertin
- 1853 Johann Heinrich Friedrich Ehlers aus Penzlin
- 1857 Joachim Daniel Christian Möller, Schmiedemeister aus Darß
- 1860 Johann Friedrich Ludwig Meyer, Schmiedemeister aus Groß Görnow
- 1862 Johann Lüneburg, Schmiedemeister aus Benz
- 1874 Marie Pietsch, geb. Lüneburg, Tochter des vorherigen Besitzers
- 1883 Johann Ludwig Friedrich Ploog, Schmiedemeister aus Bolz
- 1885 Johann August Bernhard Ploog, Sohn des vorherigen Besitzers
- 1892 Wilhelm Johann Ludwig Schallge, Schmiedemeister aus Boldebuck

- 1904 Heinrich Schallge, Schafmeister aus Wulkenzin
- 10/1908 Wilhelmine Pfützner, geb. von Bläsing, Frau des Bauunternehmers Pfützner zu Marnitz
- 11/1908 Georg Stahl, Büdner aus Hirschburg
- 1914 Wilhelm Helmcke aus Neu Brenz
- 1917 Fritz Selck, Rentier aus Schwaan
- 1918 Friedrich Schwarz, Landwirt aus Schwaan
- 03/1919 Paul Heinrich Rudolf Jürß, Landwirt aus Gehlsdorf
- 11/1919 Heinrich Grabow, Landwirt aus Schwaan
- 1929 Heinrich Graf, Landwirt aus Vluyn, Kreis Moers, bzw. dessen Frau
- 05/1938 Theodor Möllmann, Landwirt
Waren in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts jeweils Schmiedemeister, wie 1883 der aus Bolz bei Sternberg stammende Johann Ploog und - ihm folgend - 1885 dessen Sohn Bernhard Ploog, die Inhaber, erwarben und bewirtschafteten nach 1900 vor allem Büdner und Landwirte das Gehöft. Die meisten von ihnen stammten aus Mecklenburg, lediglich mit Heinrich Graf kaufte ein Preuße und Landwirt aus Vluyn, Kreis Moers, 1929 das Schmiedegehöft. Die abgebildete Ansichtskarte zeigt das Erbkrug- und Schmiedegehöft im Sandkrug um 1900 mit seinem Besitzer Wilhelm Johann Ludwig Schallge.

Dieser wurde am 13. August 1852 in Dewitz bei Neubrandenburg als Sohn eines Schafmeisters geboren. 1878 führte ihn das Kirchenbuch in Goldberg als Taufpate und Schmiedegeselle. Mit Dorothea Elisabeth Caroline Müller aus Goldberg heiratete er am 28. März 1884 in Goldberg die Schwägerin seiner Schwester und die Tochter seines - vermutlichen - Lehrmeisters. In dieser Zeit arbeitete er als Schmied auf dem Gut der Familie von Schaumburg-Lippe in Boldebuck bei Güstrow. Hier wurden auch seine beiden Söhne Wilhelm Heinrich Johann (1885) und Otto Friedrich August (1887) geboren. Im Jahre 1892 kaufte er das Erbkrug- und Schmiedegehöft Sandkrug vom Schmiedemeister Bernhard Ploog. Der Kaufpreis betrug gemäß Verkaufs- und Kaufkontrakt "mit Saaten und Ackerbestellung und lebendem und todten Inventar ... 24.000 Mark und zwar das Gehöft für 17.000 M, das Inventar für 7.000 M ..." Das Leben auf dem Hof war mühselig und beschwerlich. Neben dem Betrieb des Kruges und der Schmiede forderte die zum Gehöft gehörende Landwirtschaft Kraft und Zeit. In der Volkszählungsliste von 1900 sind neben der Familie des Schmiedemeisters Schallge mit seiner Ehefrau und den beiden Söhnen ein Schmiedegeselle, zwei Knechte und ein Dienstmädchen angegeben. Wahrscheinlich waren die Mühsal und die Anstrengungen trotz Unterstützung für die Ehefrau Dorothea Schallge zuviel. Sie ging im Frühjahr 1899 in den Freitod, sie wurde nur 46 Jahre alt. Pastor Johannes Barmwoldt aus Karbow notierte dazu im Kirchenbuch: "machte ihrem Leben durch Ertränken ein Ende, ob im Zustande ungetrübter Zurechnungsfähigkeit, ist nicht erwiesen". Im Herbst des Jahres 1900 heiratete Wilhelm Schallge die Holländertochter Anna Dorothea Karoline Düker aus Wahrsow bei Schönberg, im Oktober 1901 wurde der Sohn Erich Johann Heinrich geboren. Am 22. März 1904 berichtet das Großherzoglich Mecklenburgische Amt Lübz nach Schwerin: "Das Erbkrug- und Schmiedegehöft zu Sandkrug ist durch mäßige Wirtschaft und Ueberschuldung des bisherigen Besitzers Wilhelm Schallge in Zwangsversteigerung geraten." Der Hof wird von seinem Bruder Heinrich Schallge, Schafmeister aus Wulkenzin, gekauft. Die Bewirtschaftung des Erbkrug- und Schmiedegehöftes im Sandkrug bei Karbow scheint ein schwieriges Unterfangen gewesen zu sein. Innerhalb von einem knappen Jahrhundert wechselten die Eigentümer häufig. War zu Beginn des betrachteten Zeitraumes meist der Tod des Schmiedemeisters Anlass für einen Inhaberwechsel, wie z.B. bei Johann Friedrich Ludwig Ploog 1885, so lassen sich besonders ab dem Ende des 19. Jahrhunderts wirtschaftliche Schwierigkeiten nachweisen. Neben Wilhelm Johann Ludwig Schallge um die Jahrhundertwende hatte beispielsweise auch der Landwirt Heinrich Graf aus Vluyn, Kreis Moers, der das Erbkrug- und Schmiedegehöft 1929 erwarb, mit finanziellen Problemen zu kämpfen.

Als Ursache kann u.a. der Bau von Chausseen ("Kunststraßen"), in diesem Fall die Straße von Lübz nach Ganzlin 1895-1897, gesehen werden, durch den der entlegene "Sandkrug" an Bedeutung und Einnahmen verlor. Weiterhin sind auf den zum Krug gehörenden Ländereien aufgrund der geologischen Gegebenheiten nur geringe landwirtschaftliche Erträge zu erzielen. Anna Dorothea Schallge verstirbt 1906 im Alter von 36 Jahren in Güstrow. Das Kirchenbuch der Parchimer St. Georgenkirche führt Wilhelm Schallge am 25. Oktober 1912 als Vater des Bräutigams, seines Sohnes Wilhelm Heinrich Johann Schallge, und als Schmied im Dorf Karbow auf. Ab Mitte der 1940-er Jahre werden in den Häusern im Sandkrug, neben dem Krug gibt ist hier noch eine Försterei und ein Forstsekretärshaus, Flüchtlinge und Vertriebene untergebracht. Heute wird das Erbkrug- und Schmiedegehöft im Sandkrug bei Karbow in dritter Generation von einer jungen Familie bewohnt.
Der Text wurde bereits im Heimatheft „Stier und Greif“ I/2022 veröffentlicht.
Quellen:
1. Kirchenbücher der Kirchspiele Karbow, Goldberg, Parum, Güstrow und Parchim St. Georgen-Kirche
2. Herzoglich Mecklenburg-Schwerinsche Staatskalender
3. Landeshauptarchiv Schwerin (LHA S), 5.12-4/2 Ministerium für Landwirtschaft, Domänen und Forsten, Nr. 9830, Erbkrug- und Schmiedegehöft Sandkrug
4. Volkszählungslisten 1900 Dorf Karbow mit Sandkrug
5. Adressbuch und Fernsprechverzeichnis des Kreises Demmin und der dazugehörigen Umgebung im Kreise Grimmen und Mecklenburg 1935
6. Die Bauern- und Waldarbeiterdörfer im Naturpark und seinem Umfeld; Aus Kultur und Wissenschaft Heft 7/2012, Schriftenreihe des Landesamtes für Umwelt, Naturschutz und Geologie und des Fördervereins Naturpark Nossentiner/ Schwinzer Heide e.V., 2012
Die Mühlen
Die Schmieden
Bedeutende Persönlichkeiten aus Karbow
Opfer von Krieg und Gewalt aus Karbow
Napoleonische Zeit
Opfer in französischen Diensten: Französische Flotte, Rußlandfeldzug u.a.
Befreiungskriege
Deutsch/ Französischer Krieg 1870/71
Erster Weltkrieg
Zweiter Weltkrieg
Nachkriegszeit (z.B. Lager Fünfeichen)
To de Xyz-er Geschicht up platt (Läuschen un Rimels in uns tweit Amtssprak)
Mecklenburg-Vorpommern ist wohl das einzige Bundesland, das bereits in seiner Verfassung der plattdeutschen Sprache einen besonderen Schutz und besondere Pflege angedeihen läst. Daß es sogar offizielle Amtssprache ist, kann man nicht nur in der plattdeutschen Version der * Verfassung von Mecklenburg-Vorpommen nachlesen, sondern in einer Vielzahl von Orten und Regionen hören und lesen. Plattdeutsches aus den Regionen sollte auch im volkskundlichen Kapitel der Orte festgehalten und bewahrt werden.
- Anregung
- Im Richard Wossidlo-Archiv kann fast jeder mecklenburgische Ortschronist etwas zur niederdeutschen Volkskunde seines Ortes finden.