Schnatermann

Aus Ortschroniken
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;Wie es mit dem Schnatermann begann

Besondere Orte, die den Erholung suchenden Rostockern schon seit Generationen Ziel des Sonntagsausfluges ins Grüne sind, gab es in den vergangenen Jahrhunderten reichlich. Ob Wilhelmshöhe in der Stoltera, oder die Ausflugsrestaurants „Zur Rostocker Schweiz“ und „Wald-Restaurant“ am Rande der malerischen Rostocker Schweiz. Das allererste jener grünen Tagesausflugsziele rund um Rostock jedoch war der noch heute gern besuchte „Schnatermann“ am Rande der Rostocker Heide.
Im Frühling des Jahres 1794 nahm alles seinen Anfang. Der oberste Verwalter der Rostocker Stadtwaldungen, Forstinspektor Hermann Friedrich Becker startete in der damals gern gelesenen „Monatsschrift von und für Mecklenburg“ einen Aufruf an die Bürger der Hansestadt. Der trug den Titel:
„Aufforderung an Rostocks Bürger, sich einen schön gelegenen Ort zum Vergnügungsplatz einrichten zu lassen.“
Becker hatte fünf Jahre zuvor bei seiner Fußwanderung durch das Rheinland eine Vielzahl Ausflugsstätten das Rheinufer entlang gesehen und sich in vielen von ihnen auch ausgiebig vergnügt wie seine Aufzeichnungen aus diesen Wandertagen belegen. Nun ist Mecklenburg nicht das Rheinland, aber der umtriebige Forstmann meinte auch bei den Norddeutschen ein großes Bedürfnis nach Erholung verbunden mit unterschiedlichen Vergnügungen entdecken zu können.
In seinem Aufruf heißt es unter anderem: „Die Stadt Rostock ist seit einigen Jahren, vorzüglich durch Bauten, sehr verschönert, und es ist zu glauben, daß reiche Leute, die besonders bey der Wahl ihres Aufenthalts auf die Annehmlichkeiten derselben sehen, sich in Rostock mehr wie sonst etablieren werden. …“
Ein besonders idyllisches Fleckchen an der Grenze zum Amtsgebiet des herzoglichen Amtes Toitenwinkel , hatte der umtriebige Forstmann bereits dazu ausersehen. Hier, wo ein städtischer Holzwärter seinen Dienstsitz hatte und das Ufer des Breitlinges den Flößern als Ausgangsbasis diente um das Heideholz über die Warnow nach Rostock zu transportieren schienen ihm alle wünschenswerten Bedingungen erfüllt: „Ein durch die Natur begünstigter Ort ist der sogenannte Schnatermann an einer Ecke der Rostocker Heide. Es ist zu bewundern, daß dieser Ort nicht schon lange die Aufmerksamkeit der Rostocker auf sich gezogen hat; er liegt nahe bei Studhoff und dicht am Breitling; ist eine halbe Meile von Rövershagen, und noch keine Viertelmeile von Warnemünde entfernt. Man kann sowohl von Lande, als auch vom Wasser dahin kommen. … An dem Ort selbst ist zwar nur ein Haus, das der Holzwärter bewohnt, dieses ist aber vor zwey Jahren ganz neu aufgebauet und enthält einige geräumige Zimmer. Vor dem Hause ist ein kleiner Brink, an den der Breitling stößt; gerade gegen dem Hause über liegt Warnemünde und der ganzen Gegend um der Warnow, ist mahlerisch schön. Man sieht die sämmtlichen Schiffe, welche von Rostock nach Warnemünde gehen; an jener Seite der Warnow Lichtenhagen und das Dobbransche Holz, Schmarl, Marienehe und mehrere andere Dörfer; an der linken Seite liegt Peets , Petersdorf, Studhoff - auch stellt sich Rostock in seiner Länge entfernt sehr angenehm dar. Hinter dem Hause ist unmittelbar das Holz, welches aus jungem Dickicht allerley Art bestehet, und der eben so gut zu schönen Prommenaden wie der Buchenberg zu Dobberan eingerichtet werden kann. Ich überlasse es Andern eine mahlerische Beschreibung dieses Orts zu entwerfen, das aber kann ich bezeugen, daß ich in Mecklenburg , welches ich ziemlich gut durchreiset bin, wenige Orte gefunden habe, die so viele Vorzüge der schönen Natur besitzen als dieser . …“
Becker wusste auch, das von hier, ein Stück in die Rostocker Heide hinein im Boden des Heidesandes das beste Mineralwasser Mecklenburgs zu finden ist, welches er noch vor dem seit zwei Jahren in Heiligendamm zu Kuren ausgeschenkten Glashäger Mineralwasser in der Qualität hervorhob. Übrigens wissenschaftliche Untersuchungen aus dem Jahre 1985 bestätigten diese Annahme des Forstinspektors fast 200 Jahre später.
„Wäre ich ein Städter , so würde ich keinen Ort lieber zum Brunnentrinken wählen. Es ist schön, daß man hier alle Bedürfnisse von Rostock ohne viele Umstände zu Wasser haben kann; wollte man auch nicht grades Wegs von hier ein Boot nach Rostock schicken, so ist doch täglich von Warnemünde Gelegenheit dorthin, und Warnemünde ist , wie gesagt, keine Viertelmeile entfernt. Wer diesen Ort von Rostock besuchen will, kann zugleich nach Warnemünde reisen und diese Tour in einem halben Tag beenden, braucht also nicht viele Zeit und Unkosten dabey zu verschwenden. Kömmt er zu Lande, so kann er sich zur Überfahrt nach Warnemünde des Holzwärters Boot bedienen. ..“
Seine rheinländischen Erlebnisse vor Augen schlug er auch gleich die Gestaltung des neuen Ausflugszieles vor: „
Diesen Ort schlage ich meinen Mitbürgern zur Verschönerung , oder vielmehr zum bequemen Genießbrauch vor. Vorzüglich würde hiezu zweckmäßig seyn, daß in dem größtenteils salzem Wasser des Breitlings ein oder ein Paar Badehäuser bebauet würden, daß Spaziergänge, Rasenbänke und Lauben angelegt, Fortuna und Kegelbahnen gemacht, eine Scheibe zum Wettschießen erichtet würden etc. . Wenn die Stadt hiezu nur 100 Reichstaler hergiebt, so kann schon sehr vieles ausgerichtet werden. Etwas prachtvolles anzulegen würde nicht zweckmäßig seyn, sondern die Ausführung müßte nur ländlich und nett gemacht werden. Daher würden auch keine bis massive und große Badehäuser gebauet werden können, sondern nur hölzerne Häuschens von der Art wie man sich derselben am Rhein und Neckar bedient, und wovon das Stück etwa 12 bis 16 Reichstaler kosten mag. Sollten meine werthen Mitbürger meinen Vorschlag annehmlich finden, so bin ich gerne geneigt die Ausführung zu übernehmen.
F. Becker, Forst-Inspector“
Die Stadt erübrigte keine hundert Reichstaler um Beckers Vorschlag in die Tat umzusetzen, sondern erteilte dem jungen Forstbeamten eine scharfe Rüge als der schließlich noch im selben Jahr auf eigenen Faust an deren Umsetzung ging. So entstand nur ein Badehaus neben dem Biergarten sowie eine alleebestandene Spaziermeile mit einladenden Bänken und ein Scheibenschießstand. Die Kegelbahn wäre ja noch eine ergänzende Idee, um in unseren Tagen umgesetzt zu werden. Und bereits im Laufe des Sommers 1794 entdeckten die ersten Rostocker das propagierte Ausflugsziel für sich. Eines ihrer Liebsten ist es geworden und bis in unsere Tage geblieben.

Ur- und Frühgeschichtliches

Name/erstes Vorkommen