Ribnitz Ostseebad

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Kenndaten des Orts
Name (heute)Ostseebad Dierhagen, Ortsteil Dierhagen Ost
Regionale Einordnung (heute)
Postleitzahl18347
VerwaltungsamtAmt Darß/Fischland
LandkreisVorpommern-Rügen
Zahlen
Einwohner..?.. (2015)
KoordinatenBreite: 54.3089 / Länge: 12.3531


Das Ostseebad Ribnitz


Geographische Lage

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Das Wappen von Ostseebad Ribnitz

Kurztext zum Ort

1927 Die Geschichte des Ostseebades Ribnitz beginnt am 3. November 1927 in der Gaststätte „Bürgerhalle“ (heute „Stadtkulturhaus“) in Ribnitz. Der Vorstand des Verkehrsvereins Ribnitz hatte dazu an diesem Tag für „abends 8.15 Uhr“ zu einer „Großen öffentlichen Versammlung“ eingeladen. Einziges Thema war: „Ribnitz als Ostseebad“. Stadtrat a. D. Wilhelm Falkenberg sprach vor den Zuhören über die Idee der Errichtung eines Ostseebades nach ganz modernen Grundsätzen. In diesem neuen Ostseebad dürften nur kleine „Einfamilienhäuser, Ferienhäuser, Altersheime usw.“ gebaut werden. Sie sollten Naturfreunden und Freunden stiller und behaglicher Ruhe Gelegenheit bieten, sich mit ihren Familien zu erholen.

Wilhelm Falkenberg verfügte jedoch nicht über eigenen Grund und Boden für ein solches Vorhaben. Er pachtete deshalb am 29. November 1927 zum Zweck der Parzellierung und Weiterverpachtung als Einzelparzellen vom Rat der Stadt Ribnitz das Gelände der Stadtwiesen (ca. 16.000 Morgen) zwischen Dierhagen und Wustrow für eine jährliche Pacht von 1.100 RM. Eigens für diesen Geschäftsvorgang gründete Falkenberg die Firma „Zentralverwaltung des Ostseebades Ribnitz“.

Für diese Firma verwendete er von Anfang an bei jedem Schriftverkehr und bei allen Werbebroschüren das Wappen der Stadt Ribnitz mit dem Zusatz „Ostseebad Ribnitz i. M. Zentralverwaltung“. Als Büroadresse wurde „Ribnitz, Rathaus, Zimmer 15, Fernsprecher: Ribnitz 178“ angegeben und als Unterschrift war stets „Stadtrat a. D. Falkenberg“ zu lesen.

1928 Bei vielen Interessenten für die Pachtparzellen auf der Stadtwiese musste daher zwangsläufig der Eindruck entstehen, es handele sich hier um ein Unternehmen des Rates der Stadt und Falkenberg sei ein ehemaliger Stadtrat von Ribnitz. Offenbar hat das Ministerium des Innern in Schwerin diesen Zustand missbilligt, denn der Rat der Stadt Ribnitz sieht sich veranlasst, in einem Schreiben vom 10. Oktober 1928 an das Ministerium zu der Angelegenheit Stellung zu nehmen. Es heißt dort: „ …Niemand hat behauptet, dass der Stadtrat a. D. Falkenberg ein Stadtrat der Stadt Ribnitz sei. Auf den Briefen der Stadtverwaltung unterschreibt er stets nur als Stadtrat a. D., dies wird immer von dem Maschinenschreiber mit vorgeschrieben, sodass kein Irrtum entstehen kann.“

Der Titel „Stadtrat a. D.“ war sicher berechtigt. Vermutlich leitete er ihn aus seiner Amtszeit als Stadtrat bis zum Ende des 1. Weltkrieges in der Stadt Thorn in Westpreußen (heute Torun, Polen) ab. Der Rat der Stadt Ribnitz mit dem Bürgermeister Dr. Düffert begünstigte jedoch das rein private Unternehmen sehr stark. Problemlos konnte Falkenberg das Stadtwappen weiter führen und Büroräume im Rathaus nutzen. Der Oberstaatsanwalt beim Landgericht in Rostock hielt das für unangebracht. In einem Schreiben vom 30. März 1929 an das Ministerium des Inneren in Schwerin regt er unter Bezugnahme auf § 61 der Städteordnung vom 18. Juli 1919 hinsichtlich der Art und Weise der Reklame für das Privatunternehmen Falkenberg ein Eingreifen an.

1929 Schwierig gestalteten sich inzwischen die Pachtverhältnisse. Die von den Interessenten erworbenen Pachtparzellen konnten vom jeweiligen Pächter zur Erlangung von Baugeld nicht belastet werden. Um diese Möglichkeit zu schaffen, war ein weiterer Vertrag erforderlich. Dieser, am 6. März 1929 abgeschlossen, sah die Möglichkeit vor, dass einzelne Flächen aus dem Gesamtvertrag vom 29. November 1927 an die Stadt Ribnitz zurückgegeben werden konnten und die Stadt dem Parzellenbesitzer dafür das Erbbaurecht gewährte.

Stadtrat a. D. Falkenberg warb weiterhin in den Tagezeitungen für seine Idee vom „Neuen Ostseebad, das ein Bad des großen Stiles“ werden sollte. In einer dieser Werbungen hieß es: „Auf dem Gelände der Kolonie, die eine Längenausdehnung von ca. 8 km hat, können 7000 – 8000 Eigenheime errichtet werden. Eine 3 – 4fache Menge an Gelände steht für die Weiterentwicklung zur Verfügung. … ein Heil- und Segensbad soll es sein und werden, ein Musterbad für andere Seebäder, ein Kulturbad im wahrsten Sinne des Wortes, Frohsinn, Lebensfreude und Heiterkeit sollen gehegt und gepflegt werden in einem einzigen großen Gesellschaftshaus, das Alter und Jugend in herzlichster Gemeinschaft umschließen soll…“ Und der Rostocker Anzeiger vom 19. Januar 1928 teilt seinen Lesern unter dem Titel „Das Projekt eines neuen Ostseebades“ mit: „Die Zentralverwaltung des Ostseebades Ribnitz gibt kostenlos Gelände auf 99 Jahre her. … (um) nach bodenreformerischen Grundsätzen das Gelände an jedermann kostenlos abzugeben, um darauf ein Ostseebad entstehen zu lassen, das völlig abweicht von bisherigen Ostseebad-Anlagen.“ Bei so vielen Versprechungen ist es nicht verwunderlich, dass in demselben Artikel am Ende zusammengefasst wird: „In der Tat sind bereits gegen 1000 Parzellen angefordert aus ganz Deutschland.“

1930 Trotz aller Schwierigkeiten und Unklarheiten nahm die entstehende Erholungskolonie anfangs eine rasche Entwicklung. Ende des Jahres 1930 konnte Falkenberg deshalb in seiner neuesten Broschüre werbewirksam feststellen: „Erst drei Jahre sind nach der Gründung des Ostseebades Ribnitz verflossen. Diese Jahre haben bewiesen, dass die Sehnsucht nach Eigen- und Erholungs-Häuschen in besonders von der Natur bevorzugten Gegenden lebhaft im deutschen Volksempfinden eingewurzelt ist. … Die neue Beton-Auto-Straße Ribnitz – Wustrow – Althagen führt durch die ganze neue Kolonie und ist von jedem Hause leicht zu erreichen. Die Siedlung ist durch die Überlandzentrale des Elektrizitätswerkes Rostock mit elektrischem Licht (in Kabeln verlegt) versehen. – Eine Wasserleitung ist vorhanden. … Die Lebensmittelversorgung ist erstklassig organisiert, man bringt alles, was man zum Leben braucht, zu mäßigen Preisen in´s Haus. Es bestehen bereits 70 Häuser, von denen 20 auch im Winter bewohnt sind. Einzelne Hausbesitzer geben Zimmer oder ihre ganzen Häuser zu günstigen Bedingungen ab. – Während der Hauptzeit finden … Veranstaltungen aller Art statt.“ Die fertig gestellten Häuser „Haus Windhuk“ (heute „Haus Windhook“), „Haus Julia“, „Haus Ingeborg“, „Haus Roswitha“, das Haus „Restaurant Meeresklause Café Kaufhaus Paul Gloede“ und das auf dem Territorium von Dierhagen gelegene „Haus Erna“ sowie weitere kleinere Erholungshäuschen sind in dieser Broschüre als Einzel- bzw. Übersichtsfotos zu sehen.

Auch Paul Kühl beurteilt in seiner „Geschichte der Stadt und des Klosters Ribnitz“ 1933 die Entwicklung des Ostseebades Ribnitz Erfolg versprechend: „Immerhin wird aber die Fischlandchaussee einige Bedeutung für Ribnitz behalten, da sie die Stadt mit dem in den letzten Jahren auf dem nördlichen Teil der Stadtwiese entstandenen neuen Ostseebad Ribnitz und dem aufstrebenden Dierhagen verbindet, dessen Ausbau zum modernen Badeort, vorläufig als Strandkolonie, hinter den waldreichen Dünen begonnen hat. Zweifellos war die Gründung dieser Sommerfrischen- und Wochenendsiedlung Ribnitz ein glücklicher Griff. Die oft von Miesmachern geäußerte Frage, ob der unternehmungslustige Schöpfer des Ostseebades Ribnitz, Stadtrat Falkenberg, oder die Stadt Ribnitz in Zukunft Nutzen oder Nachteil davon haben werden, ist bei der augenblicklichen schlechten allgemeinen Wirtschaftslage nicht mit Sicherheit zu beantworten. Auch in Zukunft werden die Badegäste und Bewohner des neuen Bades ihren Konsum wenigstens zum Teil in Ribnitz decken müssen.“

So positiv ist der „unternehmenslustige Schöpfer“ aber doch wohl nicht zu sehen, denn die Entwicklung des Ostseebades Ribnitz verlief durchaus nicht reibungslos und Falkenberg wurde bereits im Sommer 1928 mit ersten Beschwerden und Klagen wegen falscher Versprechungen und nicht voraussehbarer zusätzlicher Kosten konfrontiert. Schlechte Wege, fehlende Straßenbeleuchtung und die Zerstörung der Dünenlandschaft riefen auch immer mehr den Unmut der Parzellenpächter hervor. Ein Bebauungsplan lag nicht vor und die Einhaltung baupolizeilicher Bestimmungen war nicht in jedem Falle gewährleistet. All das führte dazu, dass am 19. Juli 1929 unter Teilnahme von Vertretern des Mecklenburg-Schwerinschen Ministeriums des Inneren, des Rates der Stadt Ribnitz und natürlich des Unternehmers Falkenberg eine örtliche Besichtigung des im Ausbau begriffenen Ostseebades Ribnitz für notwendig erachtet wurde.

Die Vertreter der Landesregierung stellten klare Forderungen: - Gewährleistung einer brauchbaren zentralen Wasserversorgung - Einwandfreie Beseitigung der Fäkalien - Beachtung der baupolizeilichen Verordnungen - Wahrung der Interessen des Dünenschutzes - Vorlage eines Bebauungsplanes

Da eine grundlegende Besserung der Situation durch Falkenberg nicht erfolgte, sah sich die Hochbauabteilung des Finanzministeriums in Schwerin am 15. Januar 1930 veranlasst, den Rat der Stadt Ribnitz ernstlich an die Ausübung der ihm übertragenen Pflichten zu mahnen.

Vermutlich ist Stadtrat a. D. Falkenberg – unlauteres Handeln sei ihm gar nicht unterstellt – an der Vielfalt der Aufgaben gescheitert. Die Erfüllung der oben genannten Forderungen bedurfte großer organisatorischer Anstrengungen. Das schaffte er nicht und außerdem setzten ihm die Auswirkungen der Weltwirtschaftskrise erheblich zu. Sein Unternehmen geriet Anfang der dreißiger Jahre immer mehr in Schieflage, bis hin zum Konkursverfahren. Einige Pächter waren nicht mehr in der Lage, ihren Zahlungsverpflichtungen nachzukommen. Viele Parzellenbesitzer gaben ihre Parzellen auch wieder mit der Begründung zurück, dass die abgeschlossenen einfachen Pachtverträge aus der Zeit vom 29. November 1927 bis 6. März 1929 in zweiter Instanz vom Landgericht Berlin Mitte für ungültig erklärt worden waren. Andererseits wurden Pachtzahlungen aber auch bewusst als Reaktion darauf einbehalten, dass viele Siedler ihre durch die Werbeversprechen für das Ostseebad Ribnitz erweckten Erwartungen nicht erfüllt sahen.

Um ihre Interessen nachhaltiger vertreten zu können, gründeten sie einen durch einen Beschluss des Amtsgerichtes Barth eingetragenen „Parzellenbesitzer-Verband E.V. Ostseebad Ribnitz i.M.“ mit dem Vorsitzenden A. O. Drechsler, Baurat a. D. (Brit. Ind.).

Dieser Verein stand in Konfrontation zu W. Falkenberg. In vielen Rundschreiben und einer Denkschrift aus dem Jahr 1933 kommt dies klar zum Ausdruck. So schreibt der Vorsitzende des Verbandes am 1. März 1933: „Bisher waren wir Pachtzahler nur diejenigen, die ihren Verpflichtungen nachkamen. Die Tatsache, dass Gegenleistungen zu leisten sind, das das Bad innerhalb drei Jahren ausgebaut werden sollte, ist mit großem Geschick in den Hintergrund gedrängt worden, so das viele überhaupt gar nicht mehr daran denken, sondern sich schon an die Behauptung gewöhnt haben, das sie für ihre M 60.- nur ihre Parzelle zu erhalten haben und sonst weiter nichts mehr.“ In der anhängenden Denkschrift ist zu lesen: „Las man die Prospekte durch, die vorzüglich geschrieben und aufgemacht, die Vorteile des neu zu gründenden Bades in das allerbeste Licht stellten, so sah man, das die weitgehendsten Versprechungen gemacht wurden. – Kommt der Besucher nach diesen Jahren wiederum in die Gegend, so sieht er schon von weitem, das eine ganze Anzahl von Häusern auf den Wiesen entstanden sind, ein Beweis für den Willen so vieler Siedler sich hier ein Heim zu schaffen und ihrerseits die ihnen im Vertrag aufgelegten Verpflichtungen zu erfüllen. Blickt der Besucher jedoch umher, um wenigstens einige der versprochenen Annehmlichkeiten des neu geschaffenen Bades zu suchen, so wird er leider völlig enttäuscht sein. – Mit einem Wort: das Bad bietet einen vernachlässigten und verlotterten Anblick, ein bedauerliches Zeugnis für die Unfähigkeit der Zentralverwaltung wenigsten einigermaßen ihren Versprechungen nachzukommen. Man muss sich fragen, was ist mit den Pachtgeldern geschehen, die einen bedeutenden Betrag ausmachten.“

Zu diesem Zustandsbild trug auch die Situation der Trinkwasserversorgung bei. Die in Aussicht gestellte zentrale Wasserleitung war nicht vollständig fertig gestellt. Falkenberg schloss im Jahr 1930 mit der Firma „Niedermeyer & Goetze Ges. m. b. H., Stettin, Schuhstraße 4“ einen Vertrag zur Errichtung eines Wasserwerkes. Der Bau wurde auf dem heutigen Grundstück An der Düne 4 mit einem Kostenaufwand von 28.612,52 RM realisiert. Jedoch nur wenige Parzellenbesitzer schlossen sich an diese Anlage an, da allein die reinen Anschlusskosten schon wesentlich höher waren als anfangs hinsichtlich der gesamten Kosten gesagt worden war. Da hieß es, dass die Wasserversorgung und die Herstellung von Kläranlagen durch die Zentralverwaltung erfolgen würden und die Kosten hierfür sich auf insgesamt 250 RM pro Anschluss belaufen sollten.


Ende 1931 traf die Weltwirtschaftskrise auch die Firma „Niedermeyer & Goetze, Ges. m. b. H., Stettin“. Sie ging in Konkurs. Der Konkursverwalter Jankowski teilte den angeschlossenen Wasserabnehmern am 1. April 1933 mit, dass zum 30. Juni 1933 das Wasserwerk abgestellt wird. Nach der erfolgten Abschaltung nahmen jedoch einige Siedler ohne eine entsprechende Berechtigung die Anlage wieder in Betrieb. Hieraus entwickelte sich ein sehr schnell eskalierender Konflikt. In einer einstweiligen Verfügung des Amtsgerichtes Ribnitz vom 12. Juli 1933 wurde den beteiligten Siedlern die Inbetriebnahme mit der Begründung verboten, in der Siedlung des Ostseebades seien genügend Pumpen vorhanden. Im weiteren Verlauf beschäftigte diese Angelegenheit sogar den Landrat des Amtes Rostock sowie das Ministerium des Inneren in Schwerin. Als Verwalter der Konkursmasse der Firma „Niedermeyer & Goetze“ bemühte sich Jankowski von Ende 1931 an rechtzeitig um einen Verkauf des Wasserwerkes, erhielt jedoch keine Angebote. Letztendlich entschloss sich der Rat der Stadt Ribnitz zum Kauf. Er erwarb die Anlage am 15. August 1933 zum Preis von 2.500 RM und begründete am 23. August 1933 den Kauf in einem Schreiben an das Schweriner Innenministerium wie folgt: „Die Bemühungen des Rates, den Konkursverwalter des Konkursverfahrens über das Vermögen des Stadtrates a. D. Falkenberg zum Ankauf des Wasserwerkes zu veranlassen, sind fehlgeschlagen, obwohl nach diessseitiger Ansicht der Konkursverwalter das Wasserwerk kaufen musste, da er das Ostseebad Ribnitz weiterverwaltet. Aus polizeilichen Gründen konnte die Stilllegung des Wasserwerkes nicht geduldet werden, sodass nunmehr der Rat gezwungen wurde, das Wasserwerk käuflich zu erwerben.“

Schwierig erwies sich auch die unterschiedliche Interessenlage zwischen den Parzellenpächtern und den ständigen Einwohnern des Bades. Letztere bildeten im Sommer 1933 einen Siedlerverein mit Obersteiger a. D. Böhnke als Vorsitzenden. Beide Vereine waren untereinander zerstritten und nicht selten mussten die unterschiedlichen Standpunkte mit richterlicher Hilfe geklärt werden.

Die Regierungsübernahme durch die Nationalsozialisten 1933 schuf eine völlig neue Situation. Falkenberg hatte ganz offensichtlich im Ribnitzer Rathaus nicht mehr die erforderliche Rückendeckung.

Aus dem umfangreichen Schriftgut wird ersichtlich, dass der Rat und die Bürgermeister – insbesondere Dr. Wegner – nunmehr bestrebt, waren wieder das Hoheitsrecht über das Ostseebad Ribnitz zu erlangen.

Die Akten weisen aus, dass die Gauleitung der NSDAP diese Vorgehensweise forderte. Deutlich wird das in einem Schreiben des Landrates des Kreises Rostock vom 15. September 1937 an das „Meckl. Staatsministerium, Abteilung Inneres, Schwerin“ über eine Unterredung mit Dr. Wegner, dem Bürgermeister von Ribnitz. Ergebnis dieses Gesprächs: „In dieser Badekolonie seien kleine, zumeist unansehnliche Häuschen errichtet worden; die Zahl betrage ungefähr 70. Ihm (Bürgermeister der Stadt Ribnitz Herr Dr. Wegner) sei bei der Übernahme des Amtes als Bürgermeister von der Gauleitung Mecklenburg-Lübeck der Auftrag erteilt, soweit wie möglich die Hoheitsrechte an dem Ostseebad Ribnitz wieder herzustellen, und alles daran zu setzen, um dem Beschwerdeführer (Herr Wilhelm Falkenberg) eine weitere Betätigung in der Badekolonie Ostseebad Ribnitz zu unterbinden.“

Unter diesen Bedingungen konnten alle Versuche Falkenbergs, sein Unternehmen weiterzuführen, keinen Erfolg haben. Der zum Ende des Konkursverfahrens erzielte Vergleich und der Versuch der Gründung einer GmbH konnten daran auch nichts ändern. Aufgrund der zugespitzten Verhältnisse stellte der Konkursverwalter für die Zentralverwaltung Ostseebad Ribnitz am 24. Mai 1937 seine Tätigkeiten ein. An Falkenberg schreibt er: „Ich lege daher mit dem heutigen Tage jedwede Tätigkeit für Sie nieder und muß Sie weiter bitten, auch dafür zu sorgen, daß mein Amt als Treuhänder für Ihren Zwangsvergleich sein Ende findet.“

Das bisher Gesagte könnte vermuten lassen, die Bewohner des neuen Ostseebades Ribnitz und ihre Gäste hätten in dieser konfliktreichen Zeit ein höchst unzufriedenes Leben geführt, die gewünschte Erholung wäre kaum zu spüren gewesen. Mit vollem Recht – gestützt auf viele Zeugnisse – kann jedoch festgestellt werden, dass dies keinesfalls so war. Gemessen an der Gesamtzahl der Bewohner und Gäste betraf der Streit, die Besprechungen, die Versammlungen doch nur eine geringe Zahl der Bewohner, die Eigentümer der Parzellen, die Pächter. Sie hatten den Ärger und die zusätzliche Arbeit, aber selbst von denen waren nicht alle in gleichem Maße betroffen.

Es kann deshalb festgestellt werden: Völlig unbeeindruckt von all den Schwierigkeiten beim langsamen Wachsen des Ostseebades Ribnitz war es für viele Menschen ein Ort der Ruhe, des Besinnens, aber auch ein Ort voller Fröhlichkeit und Frohsinn – ein wunderbarer Erholungsort. Viele Karten und Briefe, Erzählungen und nette Zeilen in den Gästebüchern lassen Bilder unbeschwerter Urlaubstage entstehen. Im nachfolgenden Gedicht eines unbekannten Verfassers – mögen die Verse auch ein wenig holpern - spürt man dessen große Liebe für dieses Land zwischen Meer und Bodden:


R i b n i t z s o m m e r 1934

…Wie liebt man dieses Stückchen Land,

das auf das Meer und auf den Bodden sieht!

Es liegt wohl über dieser ganzen Zeit

Ein grün und golden Blitzen, das den Dingen

die sonst alltäglich, schenkt Besonderheit.

Wenn wir, um Post zu holen und zu bringen,

durch knöcheltiefen Sand zum Kaufmann traben,

der Hering, Stiefel, alles hat, was fehlt,

wir unsere einzige Verbindung haben

mit dieser so kulturbeleckten Welt.

Wir liegen blinzelnd, faul und braun am Meere,

das laute Weltgeschehen ist so weit

und fern von uns; wir fassen kaum die Schwere

in dieser losgelösten Einsamkeit.

Wir spüren nur des Strandes heisse Stille,

dazwischen ab und zu ein Mövenschrein,

Wir leben nur in einer Sonnenfülle,

die Welt erscheint so einfach und so rein.

Wir sind naturhaft nah der ganzen Welt-

Wie anders ist das Rauschen uns vertraut

von Meer und Kiefern nachts in unserem Zelt,

das wir im Schutz der Dünen aufgebaut.

So manchmal abends aus dem Haus wir schleichen

zum stillen Zelt bei dem Wachholderstrauch.

Die Zweige leise an die Zeltbahn streichen.

Wir liegen in dem warmen Abendhauch,

zum mächtgen Sternenhimmel die Gesichter.

Von irgendwo brüllt Vieh auf Weiden;

Dierhagen löscht ganz langsam seine Lichter.

In grossen scharfen Linien dort sich scheiden

der Kirchturm und die Dächer aus dem Dunkel.

Weit drüben auf der Strasse leuchten Wagen

scheinwerfend, schnell verschwindend im Gefunkel

der Sternennacht. Die weichen Lüfte tragen

nicht ein Geräusch. Der Mond geht auf, ganz weit

und hell ist nächtlich stilles Land umflossen.

Wir sitzen, reden und vergessen Zeit

Bis endlich sich das schmale Zelt geschlossen.


In der Zeit vor und während des zweiten Weltkrieges geriet die Entwicklung des Ostseebades Ribnitz dann immer mehr ins Stocken und auch danach waren andere Herausforderungen zu bewältigen. Die wirtschaftlichen Möglichkeiten in der sich gerade erst entwickelnden DDR waren so gering, dass an einen weiteren Ausbau des Ostseebades Ribnitz nicht zu denken war. Inzwischen waren aber auch grundlegend neue Verwaltungsstrukturen geschaffen worden, die maßgebend den weiteren Verlauf bestimmten.

1950 erfolgte die Zusammenlegung des mecklenburgischen Ribnitz mit dem pommerschen Damgarten zur neuen Stadt Ribnitz-Damgarten. Mit der Neugliederung der Länder in 14 Bezirke und der Bildung auch neuer Kreise wird Ribnitz-Damgarten 1952 Kreisstadt.

Die Bestrebungen gingen jetzt dahin, Dierhagen als Mittelpunkt eines größeren Badeortes durch Eingemeindungen zu stärken. Der Kreistag Ribnitz-Damgarten beschloss daher am 18. Oktober 1955: „Um eine neue zusammenhängende Bädergemeinde am Ostseestrand zu schaffen, wird das Ostseebad Ribnitz und die Gemeinde Dändorf mit der Gemarkung Neuhaus der Gemeinde Dierhagen angegliedert. (Vorbehaltlich der Zustimmung durch die Gemeindevertretung)“

Doch in den beteiligten Gemeinden stieß diese neue Ausrichtung auf starken Widerstand, so dass letztendlich erst nach heftigen Auseinandersetzungen die Gemeindevertretung Dierhagen am 24. April 1958 und die Stadtvertretung Ribnitz-Damgarten am 21. Mai 1958 dazu ihre Zustimmung gaben.

1958 Am 26. August 1958 beschloss der Kreistag Ribnitz-Damgarten die Umgestaltung des Ostseebades Ribnitz in den neuen Ortsteil Dierhagen Ost der Gemeinde Dierhagen mit der Begründung: „die Gemeinde Dierhagen entwickelt sich immer mehr zu einem größeren Erholungszentrum des FDGB. Der Ortsteil Ostseebad Ribnitz liegt ca. 12 – 15 km von der Kreisstadt Ribnitz-Damgarten entfernt und nur 1 – 2 km von der Gemeinde Dierhagen. Um eine zentrale Bäderverwaltung und Saisongestaltung zu erreichen, ist es zweckmäßig, die Eingliederung durchzuführen.“.

Mit Wirkung vom 1. Januar 1959 ist das ehemalige Ostseebad Ribnitz ein Ortsteil der Gemeinde Ostseebad Dierhagen.

Ostseebad Ribnitz im Spiegel von Karten und Luftbildern

Bildergalerie

Ortschronik/en von Ostseebad Ribnitz

Anmerkung: In der folgenden Liste werden bekannt gewordene chronistische Arbeiten gelistet. In blauer Schrift erscheinen Arbeiten die digital verfügbar sind. In roter Schrift gelistete Titel sind, meist aus urheberrechtlichen Gründen, noch nicht digitalisiert. Aber auch Chroniken die bekannt geworden sind, deren Verbleib aber bislang nicht bekannt ist, sind Bestandteil der Liste.

Weiterfuehrende Information zu Ostseebad Ribnitz

  • [ Quellenhinweise aus Archiven, Findbüchern und Publikationen]

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Rainer Lorenz Mail Rainer.24@t-online.de