Das Dorf am Danziger Botenweg

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Der Danziger Bote in Mecklenburg Die mecklenburgische Küste entlang bestanden schon seit uralter Zeit eigene Botenanlagen mit postähnlicher Organisation auf den historischen Handelswegen. Ihr Ursprung reicht in die erste Zeit der Hanse zurück. Rostock lag fast in der Mitte dieser alten Routen. Brügge und Antwerpen im Westen, Danzig und Riga im Osten. Neben der Verbindung zur See bestanden bereits frühzeitig unter den Hansestädten gut entwickelte Landverbindungen, die Botenzüge der Hansa. Schon im 14. Jahrhundert waren Hamburg, Lübeck, Stettin und Danzig durch Botenzüge verbunden, deren Weg über die mecklenburgischen Hansestädte Wismar und Rostock verlief. Beide Städte bildeten Stationen im Hansebotenkurs. Im 15. Jahrhundert wurden von der Stadt Danzig Läufer zur Beförderung von Briefen und Paketen unterhalten. Einer derselben lief über Mecklenburg nach Lübeck, Hamburg und Brügge und hieß „Danziger Bote“, eine Bezeichnung, welche sich in Mecklenburg bis in das 18. Jahrhundert erhalten hat. Die Poststraße von Hamburg über Lübeck, Wismar, Rostock und Demmin nach Stettin wurde um diese Zeit noch vielfach als Danziger Postfahrt bezeichnet. Der Läufer legte seine Reise reitend oder im Wagen zurück. Zu seiner Beglaubigung führte er eine Bestallung bei sich, zu seiner persönlichen Sicherheit auch wohl einen Freibrief der Landesherrn, deren Gebiet er durchzog. Er trug die Briefschaften in einem Felleisen verwahrt. Beim Verlust von Sachen hatte der Bote Ersatz zu leisten. Der Niedergang der Hansa machte dem Danziger Botenkurs noch kein Ende; aber auf dem Wege von Hamburg nach Stettin verkehrten, nachdem am Ende des 16. Jahrhunderts eine Neuorganisation des Botenbetriebes vorgenommen worden war, nur noch Hamburger Boten, die jedoch in Mecklenburg auch fernerhin als „Danziger Boten“ bezeichnet wurden. Die Boten hatten, wie aus einer Eingabe der zur Danziger Reise bestellten Boten an den Rat in Hamburg am 1. Juni 1667 ersichtlich, „die auf Danzig gerichteten Schreiben, denen auch öfters Wechselbrieffe, Contractus und andere hoch importirende Schriften wie auch kostbare Juvëlen angefügt waren, zu überbringen, dannenhero wegen gewißer und richtiger Bestellung allsolcher Brieffe und, was den Boten sonst anvertrauet und mitgegeben wurde, sie eine hohe cautionem leisten müssen, damit der Kauffmann auf den Fall veruhrsachter Verwahrlosung sich ihres Schadens bey ihnen erholen könne.“ Durch die Heide führte der Botenweg einst über zwei Wegetrassen, deren bedeutendere von Volkenshagen über Behnkenhagen, Willershagen, Wilmshagen nach Ribnitz führte. Erst mit dem Bau der neuen Chaussee-Trasse, in den Jahren 1840-42, die der heutigen Bundesstraße 105 entspricht, verlor sich in der Heide die Trasse dieses Jahrhunderte alten europäischen Handelsweges.